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Ja, gewiss!
Auch der Herr Professor hat seine Mängel und politischen et cetera Interessen.
Doch den Herren Ata Atun vorerst noch etwas anzuführen und daher zu übersetzen, macht durchaus Sinn, weil er immer interessanter wird in der MillȋGazete schreibend.
In die türkisch-zyprischen Blätter könnte sehr wohl auch mal wieder ein Blick geworfen werden, um das, was Herr Professor von sich gibt, zu überprüfen. Da haben Sie recht, sollten Sie so etwas Ähnliches gerade gedacht haben.
Was in den südzyprischen Blättern zu den Entwicklungen in Sachen Wiedervereinigung steht, dazu ist zu sagen: Viele haben bereits den Glauben an ALLES verloren, dass sich Wille zur Vereinigung mit dem anderen Inselteil nennen könnte.
Doch nun, man höre, lese und staune:

‚Schlimmste‘ Befürchtungen, die hier vor Monaten bereits geäußert wurden, könnten gar wahr werden!?
Prof. Dr. Ata Atun schreibt dazu:

„Seitens der USA neue Initiativen

Bezüglich der Lösung des Zypernproblems, richtiger: wegen der Gier der Griechen finden die Extratouren der EU und der USA auf Zypern kein Ende, es kommt und geht [, gemeint ist], „die Herrschaft des Westens erneut zu gründen.
Was geht gerade ab?
Die vorübergehende Sonderbeauftragte der UN für Zypern, Jane Holl Lute, hat, um die Wiedervereinigungsverhandlung erneut beginnen zu können, Schritte unternommen, [die da sind,] dass die USA im Süden Zyperns einen neuen Militärstützpunkt errichten – so viel zu den Treffen [Lute‘s] mit der Regierung aus dem zyprischen Süden. Die USA beabsichtigt einerseits Boden-, Luft- und Marinekräfte vertraglich gestützt zu stationieren auf südzyprischer Seite, andererseits einen unitären griechisch-zyprischen Staat zu gründen [ – hat irgendwie Parallelen mit den Dingen, die zwischen Israel und den Palästinensern anzustehen scheinen]. Den Südzyprern wird [sodann] die Vollmacht erteilt und sich selbst bestellt die USA zum unsichtbaren Teil, der die Insel [aber] führt [, führen wird].
Wirklich sehr klug und genial.
Frau Lute wird vor [der zyprischen] Weihnacht, am 24ten oder 25ten Dezember höchstwahrscheinlich in Zypern eintreffen. Sicher ist, dass die Dame es eilig hat, für Zypern eine Lösung nach dem Gusto der US-Amerikaner zu finden. Wenn sie die Insel betreten wird haben, fehlen noch 15 Monate, bis die Präsidentschaftswahlen im Norden Zyperns sein werden. Es wird wenigsten 3 Monate vor den Wahlen geworben werden. Das heißt, es bleiben ihr noch 12 Monate. In diesen [eben genannten] 3 Monaten können noch heftige Vorfälle passieren oder wichtige Themen aufgeworfen werden, sodass Wiedervereinigungsverhandlungen zu führen, als nutzlos betrachtet werden könnte. Und damit Lute die Hände nicht gebunden sein werden, wird sie aus ihrem Portefeuille Dinge aufziehen, die die Verhandlungen fruchtbar nutzen lassen [werden].
Sie hat 2 wichtige Themen vor sich, die Frau Lute. Eines hat quasi nichts mit ihr zu tun. Sie ist [dennoch] sehr interessiert. Auf ihrer Agenda ist zuvorderst die Errichtung erwähnter Militärbasis und die US-Soldaten juristisch einwandfrei zu stationieren. Das Andere ist, sich Extratouren und Verschleierungstaktiken zu bedienen, bei Bedarf zu drohen und zu erpressen, um die 1960 vereinbarte Garantiemachtstellung der Türkei für Zypern aufzuheben, die in der Verfassung [damals] stand – siehe Vertragsvereinbarung. Das Garantie-Abkommen EKI, Paragraph 4, in dem steht, dass die Türkische Befreiungsarmee legal sich auf Zypern befindet, soll aufgehoben werden und die Armee soll sich zurück in die Türkei ziehen. Dem Letzteren zuzustimmen, dazu sollen die beiden zyprischen Verhandlungspartner geneigt gemacht werden. Sodann werden Verhandlungen erneut ausgemacht, und zwar ohne ein vorgesehenes Ende, ohne kalendarischen Ablauf. Wer auch immer die Wahlen gewinnt [im Norden], wird sie gewinnen – doch wird er/sie gezwungen sein, weiterzumachen, wie es erwartet wird.
Und genau so definiert Frau Lute auch ihren Job hier auf der Insel. Das ist Teil ihrer Mission und Ziele. Sie hat alles bereits Millimeter genau austariert.
Andererseits:
Es widerspricht der Verfassung aus dem Jahr 1960, dass zum Einen neben den Briten nun eine weitere Macht sich eine Basis schafft auf Zypern; und zum Anderen, dass die türkische Freiheitsarmee die Insel zu verlassen haben soll, die hier legal sich aufhält. Bekanntlich sind die Britin in Akrotiri und Dikelya.
Es ist folgendes klar:
Die Südzyprer nutzen ihren Vorteil, in der EU zu sein. Und bevor sie der Türkei einen diplomatischen, dann einen offen Krieg erklären, lehnen sie sich an die USA an [- und schon seit Längerem für alle gut sichtbar an Israel]. Sie beabsichtigen, unter den Fittichen der USA und der EU die Türkei zu attackieren.

Anastasiadis [Präsident Südzyperns] vergaß, richtiger: Seine Stoßgebete wegen der Reaktion Russlands wird er nicht vergessen haben. Dass Moskau diesen militärischen Plänen etwas entgegensetzen wird, ist offensichtlich. Russland wird Zypern destabilisieren, wenn so etwas[, wie das oben Dargelegte,] aufgezogen wird. Es wird sich negativ auswirken, dass die Insel noch mehr Soldaten beheimaten wird. Urheber solcher Pläne sind die USA, wie auch die Nato [Israel dürfte da genauso wie Tsipras in Athen ebenfalls die Hände im Spiel haben]. Unsichere Zeiten stehen an.

Wir erinnern:
Das letzte Wort hatte 1974 nicht etwa Washington, sondern die Sowjetunion – was der Türkei zugutekam. Vor dem Hintergrund, dass sich Geschichte wiederholt, sollte dieser Spruch noch gelten, dann werden die Türkei und Russland am Ende wieder das letzte Wort haben … .“
Hurra, die Amis kommen!
Oder:
Hilfe, die Amis kommen!
Die Russen sind jedenfalls bereits in großer Anzahl auf Zypern: als Geschäftsleute, Reisende etc. Die Israelis auch, nicht nur die Briten. Wenn von Zypern davor die Rede ist, dann sei gesagt, das bezieht sich im gegebenen Kontext auf beide Teile der Insel – Norden, Süden.

Erfreulicher Weise bringt die ‚erbakanistische‘ oder ‚milligörüşistische‘ türkischsprachige MillȋGazete öfters Mal einen Beitrag zu Zypern.
Heute wollen wir gleich 2e übersetzt unterbreiten. Der erste Beitrag stammt von Prof. Ata Atun. Der zweite von Herrn Adnan Öksüz.

 

 

„In der Türkischen Republik Nordzypern (KKTC) [herrscht] große Gefahr [durch eine] Offensive der Maroniten!

 

Seitens des Sitzes des Präsidenten Nordzyperns ist eine Aufforderung an einige Ämter [des Landes] ergangen, das Nötigste zwecks Rückkehr der Maroniten zu veranlassen. Die Beraterin [der Regierung] Gürdal Hüdaoğlu stellte klar, dass an das Bau- und Verkehrs, Landwirtschafts-, Umwelt- sowie an das Wirtschafts- und Energieministerium ihr Schreiben einzeln erging, worin für die Instanthaltungsarbeiten in den Dörfern Gürpinar, Karpaşa und Özhan ein Betrag von 9 Millionen 820.891 TL und 7 Kurus veranschlagt wird; also, dass [erwähnte] Instanthaltungsarbeiten im Vorkostenanschlag wie auch Karten, die entworfen wurden, enthalten sind – das Geld dafür zur Verfügung steht.

Kurzgefasst:

„Es wird als erforderlich erachtet, dass jene Beschlüsse seitens einer hochkarätig besetzten Sitzung – im Regierungssitz vom 26. Juli 2017 gefällt – verpflichtend sind, und der Öffentlichkeit zu erläutern ist, dass im Rahmen der oben genannten Offensive die Dörfer Karpaşa, Gürpinar und Özhan zwecks Ansiedlung vorbereitet zu werden haben, entsprechende Arbeiten [daher] zu Ende zu bringen sind. Um die Gelder dafür zu haben, ist erkannt worden, dass andere Projekte mit Hochdruck fertigzustellen sind. Letzteres hat große Wichtigkeit“, sagt Hüdaoğlu.
„Sollen die doch kommen, was kann schon passieren“, mit solchen Kommentaren [oder Haltung] kann diese maronitische Offensive nicht ausgesessen werden.
Bei den Südzyprern, die nicht ein einziges Mal gute Absichten mit einem kleinsten Entgegenkommen aufzeigen, ist solch ein Verhalten etwas mehr als nur eine Geste. Es ist gleichzeitig eine Verführung zu [ihren] Einheit[sbestrebungen] der Insel.

Bevor sich der Größe der Gefahr, die hier im Raum steht, gewidmet wird, gilt es zu erinnern, dass 2012 zur Regierungszeit Präsident Dervis Eroğlu’s gemeinsam mit dem Muchtar (Bürgermeister) von Gürpinar, Herrn Hacifesas, Eroğlu ein Besuch abgestattet wurde, bei dem der Wunsch der Maroniten zur Rückkehr in ihre Dörfer zum Ausdruck gebracht wurde. Eroğlu: „Ich bin nicht in der Lage zu sagen, kommt sofort. Das gilt es abzuwägen.“
Danach wurde dieses Thema nicht wieder hervorgebracht. Als Eroğlu weg war, wurde in eine Phase getreten, in welcher Forderungen der Südzyprer als heilig verstanden wurden.
Kommen wir zum Punkt:

Vor ungefähr 20 Tagen kam es drüben im Süden zu einem Treffen von Maroniten, Griechisch- und Türkischzyprern. Behauptet wird, Partelli Hacifesa soll in seiner Rede an jenem Tag gesagt haben: „Der Staatsanwalt der Türkischzyprer hat gesagt, der gesamte Besitz der Maroniten im Norden kann zurückgegeben werden“.
An diesem Treffen wurde darüber hinaus auch noch gesagt und festgestellt, dass 20% der maronitischen Gebäude in Gürpinar einen Eigentumstitel erhalten hätten (tapu), diese Gebäude an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben würden, den heutigen Nutzern eine Entschädigung oder anderer Besitz gegeben werde. Dazu kommt, dass die Renovierung und Instanthaltungsarbeiten an den genannten Gebäuden zu Lasten der Türken ergehen werden.

Sagen wir [es doch mal]: Bei den [Wiedervereinigungs-]Verhandlungen [zwischen Griechisch- und Türkischzyprern] ist seitens der Griechischzyprer bereits ein OK bei dem komplexen Thema Besitz eingegangen; [dies auch], zumal der Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, die Übergriffe der Griechischzyprer bezüglich dieses Themas im Laufe seiner Amtszeit fortwährend zurückzuweisen hat, ein Thema [also], welches die Südzyprer ausbremsen und mit Wiedergutmachgungszahlungen formen – wie auch [mit dem Versuch], Türkischzyprer auszusiedeln oder gewaltsam in die Ferne zu schicken und Weiteres.

Jene, die heute sagen, „von 3 oder 5 Maroniten wird schon nichts passieren“, die werden in die Falle der Wiedergutmachungszahlungen und des Blockierens treten, in jene Falle der Rückgabe – und solch Vorgehen wird sodann als Vorbild genommen und die Bewegungsfreiheit der Türkischzyprer eingeschränkt werden – derart wird dem Moment, in dem Türkischzyprer aus ihren Häusern geworfen werden, Tür und Tor geöffnet.

Und dann wäre da noch diese andere wichtige Angelegenheit. Die Maroniten behaupten schließlich, auf der griechisch-zyprischen Seite zufrieden zu leben. Nun dann, wie kommt’s, dass sie jetzt [plötzlich] ihre Liebe entdecken, auf unserer Seite leben zu wollen? Im südzyprischen Parlament sitzender Maronite Giannakis Musas meinte vor ein paar Jahren, die Maroniten hätten eine ganz bestimmte Strategie, und dass in die Dörfer zurückzukehren der einzige Weg sei, aber auch, dass die maronitische Gesellschaft bereits 1960 akzeptiert habe, ein Teil der der Griechischzyprer zu sein. Und diesem Wunsch gegenüber müsse Respekt bezeugt werden!“

Der Typ sagt ganz offen: Wir wollen auf der türkischen Seite wohnen, aber unter griechisch-zyprischer Führung!

Der heutige Vertreter der Maroniten im südzyprischen Parlament Andonis Hacirusos sagte zum Präsidenten der Republik Zypern Anastasiadis:
„Das Ziel der maronitischen Gemeinschaft ist, ihre Dörfer, Kirchen und Geld zurückzuholen. Wir sind uns dessen bewusst sowie der Wichtigkeit, dass eine schwierige Zeit durchgangen wird, in der es das Land erneut zu vereinen gilt. In diesem schwierigen Unterfangen sind wir Maroniten auf eurer Seite. Wir müssen daher Özhan und Gürpinar umgehend besiedeln und bei einer etwaigen Vereinigung Zyperns werden wir zum Aufbau des [wiedervereinten] Staates einen Beitrag leisten.“
Das Letztere sagte er [damals] noch im Nachsatz.

Wie zu sehen ist, ist die maronitische Offensive, die türkische Basis entzweizuhauen, das bedeutet, die Forderungen der Griechischzyprer zu verwirklichen. Es gibt daher folgende Behauptungen zu erwarten, nachdem sich die Maroniten im Norden Zyperns niedergelassen haben, die darauf hinauslaufen werden, dass das Land Schritt auf Schritt zurückzugeben wäre.
Doch keiner fragt, was eigentlich mit den gemäß dem Ortega Report zur Zeit der englischen Besatzung von den Türken bewohnten Gebieten, die an die Griechischzyprer gegeben wurden 1950 – 1974, los ist – die zerstört und ausgeraubt wurden. Was ist mit deren Wiedergutmachung? Das fragt niemand.

Normal ist, dass die Feinde der Türken diesen Umstand übergehen. Doch werden jene nicht still bleiben können, die von den Türken als die Niederträchtigen ausgingen, zumal die Türkischzyprer auf dieser Insel ihren Existenzkampf führten, und zwar dann werden sie nicht stillbleiben können, wenn den Türkischzyprioten die Möglichkeit gegeben würde, erlittene Not und Unterdrückung zwischen 1950 und 1974 vor den Kadi zu bringen.

Während Griechischzyprer die Zypernfrage romantisieren, ist unsere vom Westen verteufelte Seite nicht in der Position, Gerechtigkeit und ein uns entgegenkommendes Verhalten zu erwarten. Daher ist es dringend geboten, unsere Rechte selbst zu verteidigen, dass wir unser sterbendes Land retten, Gericht halten und eine Gewinn- Verlustrechnung machen, anstatt uns von südzyprischen Anwälten berauben zu lassen… .

Zuletzt: Den maronitischen Brüdern (kardeşler), die vom Süden in den Norden auszuwandern gedenken, dies zur Erinnerung:
OK, unter südzyrischer Führung wollt ihr leben, doch hier ist türkisch[zyprische] Führung. Der verstorbene Rauf Denktaş sagte in seinen letzten Tagen, eine unabhängige Republik steht über allem!
Keine Ahnung, was euch versprochen wurde, aber so rum, wie auch anders herum wird daraus nichts. Keine Ahnung, ob ich mich verständlich machen konnte?“

Fortsetzung, sozusagen, des Themas Nordzypern, welches auch am 05. Dezember 2018 in der MillȋGazete aufgegriffen wird, dieses Mal von Herrn Adnan Öksüz, wie angekündigt.
Interessant ist, zu lesen, wie islamisch-traditionalistische Kreise der Türkei das genannte Thema in den von ihnen dominierten Tageszeitungen in die Öffentlichkeit entlassen.

 

„Wer sind diese Maroniten?

 

… Viele Jahre hat Prof. Dr. Ata Atun die Funktion eines Regierungsberaters der Türkischen Republik Nordzypern [KKTC] innegehabt. Das ist ein Mann, der von Nahem weiß und beurteilen kann, was dort im „Inneren“ geschieht. Sein letzter Artikel hat Unglaubliches beinhaltet.

Herr [bey] Ata: Von einigen Regierungsämtern ist eine Warnung ausgegangen bezüglich der Rückkehr der Maroniten nach KKTC und der Dinge wegen, die zwecks dieser Rückkehr veranlasst zu werden haben. Dieser Entscheid wird die demografische, harmonische Verfasstheit von KKTC durcheinanderwirbeln. Ata verwies darauf, dass die Standpunkte der Südzyprer [rumlar] dergestalt umgesetzt würden, der getroffene Entscheid diese [fälschliche] Nachricht weitergibt. Die Millȋ Gazete hat diese erschütternde Entwicklung [gestern] … auf die erste Seite der Zeitung gesetzt. … .

In den Kopf gerät einem da unmittelbar diese Frage: „Wer sind diese Maroniten?“

Ein paar Details dazu mag ich nun geben. Die Maroniten sind Mitglieder der katholischen Ostkirche und deren westsyrische Ausgestaltung. Sie unterliegen der römisch-katholischen Kirche. Maroniten sprechen als Hauptsprachen Arabisch, Türkisch und Griechisch. Ihre Gebete und Predigten werden auf Arabisch gehalten. Die zyprischen Maruniten oder Maroniten sind im Mittelalter wegen religiösen und politischen Auseinandersetzungen nach Zypern umgesiedelt – und bis zum heutigen Tag haben wir sie dort als maronitische Kirche und Gesellschaft. Nach Angaben der Vereinten Nationen – Flüchtlingshochkommissariat – leben in Südzypern an die 5.000 Maroniten. In Koruçam lebten vor der [Befreiungs-]Bewegung der Bewaffneten Kräfte der Türkei an die 2.000 Maroniten. Nach 1974 siedelten sie sich drüben im Süden an, im Teil der Rum [Südzyprer]. Den maronitischen Quellen zufolge, sollen sie zur Zeit der Kreuzritter als Gefangene aus der Levente [Libanon, Syrien] nach Zypern gebracht worden sein und ihre Anzahl soll 60.000 betragen haben. Sie hatten im Norden der Insel 60 Dörfer. In letzter Zeit hat ihre Rückkehr in die maronitischen Dörfer thematisch stark zugenommen. Jene Maroniten, die aus dem Libanon stammen behaupten, seit dem 9ten Jahrhundert auf Zypern zu leben. Doch ist bekannt, dass die meisten von ihnen im 12. Jahrhundert übersiedelten. Ihre Dörfer [auf Zypern] sind vor allem nahe dem Fünffingergebirge [Başparmak dağları], wo die meisten von ihnen lebten. Die meisten dieser Dörfer waren orthodox [griechisch-katholisch] geworden.

Wie Ata Atun bezüglich dieses Themas sagt: „Sollen sie doch kommen, was wird schon sein“, mit solch Einstellung kann diese maronitische Offensive nicht durchgewunken werden.“ Er schreibt: „Den Südzyprern, die nicht einen einzigen kleinen Schritt [den Vorstellungen der Türkischzyprer] entgegenkommend sind, ist es nicht nur eine Geste, sondern gleichzeitig eine Verführung zur Vereinheitlichung [der Insel unter griechisch-zyprischer Führung]:“

Wir werden sehen, was in dieser Angelegenheit in KKTC noch durchlebt werden wird.“

SyrienEndeNovember18

Jetzt, wo andere Themen in den Medien die mediale Agenda dominieren, soll Syrien nicht ganz in Vergessenheit geraten.

 

Sie wundern sich vielleicht, warum hier der Jemen so gut wie nie Erwähnung findet.

Nun: Was im Jemen passiert, ist einfach zu ungeheuerlich, zu verletzend, sollte im Grunde tagtäglich angeprangert werden! Syriens Zustand ist letztlich auch sehr beklagenswert, doch es hat den Anschein, dass die Menschen dort mehr Optionen haben als die Jemeniten, sich aus, wie man sagt, „der Scheiße“, Verzeihung, zu ziehen.

Jemeniten könnten zwar nach Ostafrika ausweichen und dann eventuell hoch bis nach Ägypten sich durchschlagen oder in Richtung Südafrika, womöglich noch nach Libyen, Tunesien, Oman?, doch dann wären sie noch immer nicht einigermaßen verlässlich versorgt – sollten sie mittellos unterwegs sein. Vielleicht ist es ja eine Option für sie, sich in den Iran zu begeben!?

Vom Ende des Monats bis etwa zum 19. November 2018 soll hier dargestellt werden, was in Syrien ungefähr passierte. Wir werden uns also in der Zeit rückwärts bis eben zum 19. November bewegen.

Do 29.11.2018

Die russische Luftverteidigung in Hmeymim soll am Mittwoch eine Drohne nahe Gableh in der Provinz Lathakia abgeschossen haben. Herr Putin lässt bekanntlich auch in der ehemaligen Ukraine um sich schießen. Russland ist ja flächenmäßig bekanntlich das größte Land der Welt. Dennoch! Wir finden, es ist ein recht weiter Spagat, den Russland da wagt: von er Ukraine bis nach Syrien, versteht sich, dass da Länder wie Tschetschenien und die neu entstandenen Staaten am Schwarzen Meer, unweit Georgiens etc., irgendwo dazwischen liegend ebenfalls zu Russlands kriegerischen Einflusssphäre (Spagat) gezählt werden ‚dürfen‘.

Der ehemalige NK-Präsident „Hadi Albahra“, Mitglied des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition, twitterte, dass es den Häftlingen im Zentralgefängnis von Hama gesundheitlich nicht gut gehe. Diese befinden sich seit 19 Tagen im Hungerstreik. Er fordert für das Rote Kreuz einen Zugang zu den Inhaftierten. Indes werden aber anscheinend wichtigere Dinge angegangen.

Das Transportministerium des Regimes erklärte, es sei geplant, den Eisenbahnsektor in Syrien mit Geldern in Höhe von 1.9 Milliarden $ auszubauen. Laut der staatlichen Zeitung Al Thawra sollen mittel- und langfristig 2.550 km lange Schienenwege angelegt und wiederhergestellt werden. Zudem sollen Lokomotiven, Wagen und Ersatzteile mit Geldern in Höhe von 800 Millionen $ erworben werden. Leider bleibt bislang geheim, oder nicht erfahrbar, wer das Regime letztlich beliefern wird mit Loks etc.

Der Medienaktivist „Durgham Hamadi“ wird Oppositionsaktivisten zufolge seit Dienstag im Westen Aleppos vermisst. Hamadi wollte Flüchtlingslager im Norden Idlibs besuchen. Mal sehen, ob er noch mal auftauchen wird – und dann wie? 

Immerhin: Ein Hilfskonvoi bestehend aus 52 Lastwagen des syrisch-arabischen Halbmonds (SARC) soll den Bewohnern von Deir Ezzor Hilfsgüter geliefert haben: 50.000 Decken, 5.000 Pakete mit Winterkleidung für die Kinder. Glauben Sie nun nicht, der Spuk nehme sein Ende in Syrien. Denn: Sicherheitskräfte sollen eine Bombe im Busbahnhof am anderen Ende Syriens, in der Stadt Idlib, entschärft haben. Und wenn wir schon dabei sind: Der Programmdirektor von SynapsNetwork, „Alex Simon“, twitterte einige Realitäten, die bei Syrien-Diskussionen in Betracht gezogen werden sollten:

•             Die Führung in Damaskus wird keine Reformen durchführen.

•             Russland kann keine Reformen aufzwingen.

•             China wird sich nicht am Wiederaufbau beteiligen.

•             Iran wird Syrien nicht verlassen.

•             Es werden in absehbarer Zeit nicht viele Flüchtlinge zurückkehren.

•             Genf ist nicht mehr wichtig.

•             Garantien existieren nicht.

•             In Syrien ist man nicht zur Normalität zurückgekehrt. (Alex Simon @AlexGSimon)

 

Der regimenahe US- Professor und Syrien-Experte „Joshua Landis“ meinte, dass Alex Simon eine gute, aber unvollständige Liste erstellt habe, die es zu ergänzen gilt:

•             Sanktionen werden Syrien weiter destabilisieren.

•             Keiner unterstützt die Souveränität Syriens.

•             Die Türkei und USA werden nicht kooperieren, um eine politische Lösung zu finden.

•             Europa wird weiterhin ihre Politik den USA unterordnen.

•             Interessen Saudi-Arabiens/Israels für USA wichtiger als Syrien. 

 

Unter anderem dürfte sich eben Gesagtes damit bewahrheiten, dass das Mitglied des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition und Direktor der Medienabteilung „Ahmed Ramadan“ twitterte, die libanesische Armee habe gemeinsam mit Sicherheitskräften bei Razzien in zehn Flüchtlingslagern 300 syrische Flüchtlinge festgenommen, darunter 20 Frauen. Die Hisbollah-Miliz stecke dahinter. Und man staune:

Der russische Sondergesandte für Syrien Russlands „Alexander Lawrentjew“ sagte kürzlich in Astana, er sehe eine allmähliche Stabilisierung der Lage in Syrien. Seiner Einschätzung nach seien die Regimetruppen in der Lage, letzte Stützpunkte der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Euphrat zu überwältigen. Russland will sich offenbar allmählich aus Syrien herausziehen. Doch die geplante Bildung einer Verfassungskommission für Syrien gestalte sich weiterhin schwierig.

Apropos Verfassung für Syrien, von der schon in Artikeln davor hier länger die Rede war: Der Außenminister der Republik Kasachstan Khairat „Abdul Rahmanov“ unterstrich in Astana die Bedeutung einer UN-Verfassungskommission für Syrien. Er ist allerdings der Meinung, dass die Führung in Damaskus den Prozess durchführen sollte. Des Weiteren: Der Wiederaufbau Syriens dürfe nicht in Zusammenhang mit westlichen Forderungen gebracht werden. Denn der sogenannte Westen will ja zuvor Verfassungsreformen sehen.

Währenddessen hat sich die Hisbollah-Miliz schon mal eine neue Militärbasis nahe der Ortschaft Khodr, nördlich von Quneitra, errichtet. Nun, wie dem auch sei: Es ist stark davon auszugehen, dass die Vereinigten Staaten und die Türkei großen Einfluss auf das politische Endspiel in Syrien haben. Angeblich wollen diese beiden im Rahmen der Vereinten Nationen einen Übergang ohne Assad in die Wege leiten. Blöd nur, dass es da gewisse Differenzen zu überbrücken gilt zwischen den beiden. Leute, wie der bereits erwähnte Landis, träumen von den USA, die helfen könnten oder sollten, einen kurdischen Staat im Norden Syriens zu errichten. Und damit nicht genug: Die Türkei könnte Teile Nordsyriens in den Provinzen Aleppo und Idlib annektieren. Landis glaubt nicht, dass einer von beiden (Türkei, USA) einen Regimewechsel in Damaskus in die Wege leiten kann.

Letzteres muss man schon fast glauben, denn laut der syrischen Oppositionellen „Asaad Hanna“ sei nun bestätigt, dass die syrische Atomwissenschaftlerin „Dr. Faten Rajab Fawaz“, die im November 2011 vom Assad-Regime verhaftet wurde, während ihrer Haftzeit zu Tode gefoltert wurde.

Ja, sogar Frauen werden gefoltert in Damaskus. Wie andernorts bereits gesagt wurde vor Kurzem: Dass Leute wie der saudi-arabische MBS, der kürzlich Tunesien mit seiner Anwesenheit beschämte, und Assad (demnächst) wieder hofiert werden dürften, auch im Westen, ist als Gedanke äußerst unerträglich. Jetzt gerade zeigt MBS seine versteiften Gesichtszüge und steife Körperhaltung bei den G-20 in Argentinien. Mancher dürfte da wohl denken – unter seinesgleichen? Jedenfalls war MBS pünktlich vor Ort, Frau Merkel kommt wohl zum Essen dort an. Immerhin.

Mi 28.11.2018

Laut Eurasia-Analyst „Ali Özkök“ sollen die USA damit begonnen haben, Beobachtungsposten nahe Tal Abyad aufzustellen, um die kurdische YPG/SDF vor einer möglichen türkischen Offensive im Norden Syriens zu schützen. Weitere Beobachtungsposten sollen in Kobane (syr. Kurdengebiet) errichtet worden sein. Und: Der US-Kongressabgeordnete „Thomas Garret“, Republikaner aus Virginia, soll den YPG-Kräften im Norden Syriens einen fünftägigen Besuch abgestattet haben (Ali Özkök @Ozkok). 

Der libanesische Flüchtlingsminister „Mouin El Merheby“ erklärte am Dienstag, dass einige syrische Flüchtlinge, die vom Libanon nach Syrien zurückgekehrt waren, getötet, verhaftet oder zwangsrekrutiert worden sind. Seit Juni sollen rund 12.000 syrische – lebensmüde – Flüchtlinge zurückgekehrt sein. Der Zusatz „lebensmüde“, da: Die amerikanisch-syrische Doppelstaatsbürgerin „Layla Shweikani“, in Chicago geboren und dort aufgewachsen, ist im September 2015 nach Damaskus gereist, um in einer humanitären NGO Unterstützung Hilfe zu leisten, wird gesagt. Im Februar 2016 wurde sie verhaftet und gefoltert. Acht Monate nach ihrer Verhaftung soll der tschechische Botschafter in Damaskus im Namen des US-State Departments den Geheimdienstchef des Regimes „Ali Mamlouk“ über das Wohlbefinden von Shweikani gefragt haben. Shweikani sei daraufhin nach Adra verlegt worden und soll am 18. Dezember mit dem tschechischen Botschafter zusammengetroffen sein, der ihr Unterstützung zugesichert hatte. Eine Woche später sei Shweikani jedoch von einem Militärrichter zu Tode verurteilt und laut Todesurkunde dann zwei Tage später hingerichtet worden.

Inzwischen gehen anscheinend wichtigere Dinge, verzeihen Sie den geäußerten Sarkasmus, verloren. Denn: Der US-Kongressabgeordnete „Adam Kinzinger“ (Illinois) twitterte, der russische Präsident „Vladimir Putin“ habe in Syrien ein Radarflugzeug verloren. Anscheinend hat dieses Flugzeug „Assad“ abschießen lassen. Wie viel Leute dabei drauf gingen, scheint nicht erwähnenswert zu sein – eventuell nirgends. Putin habe zudem noch ein Kampfflugzeug verloren, welches von der Türkei runtergeholt wurde – sowie hunderte Söldner, die innerhalb weniger Minuten von US-Kräften getötet worden sein sollen. Putin stehle nun ukrainische Schiffe, laut Kinzinger, um die russische Bevölkerung von seiner gescheiterten Führung und der schlechten Wirtschaft abzulenken.

Die elfte Runde der bereits erwähnten Friedensgespräche für Syrien begannen also in der kasachischen Hauptstadt Astana am Mittwoch, dem 28ten. Die Al-Jazeera Journalistin „Zeina Khodr“ twitterte, dass die Türkei durch den stellvertretenden Außenminister „Sedat Önal“ vertreten wird. Iran wurde durch den stellvertretenden Außenminister für arabische und afrikanische Angelegenheiten „Hussein Gabri Ansari“ vertreten, Russland durch den Syrien-Sondergesandten „Alexander Lavrentiev“, das Assad-Regime durch UN-Botschafter „Bashar Jaafari“ und die syrische Opposition durch „Ahmed Tomeh“. Auch der UN-Sondergesandte für Syrien „Staffan de Mistura“ nahm daran teil (Yeni Şafak). Vergleichsweise düster, wird hier angenommen, könnte es lokalen Quellen zufolge auch nahe der Stadt Raqqa im Osten Syriens zugegangen sein, wo aus einem Massengrab 516 Leichen exhumiert worden sind. Schätzungen zufolge liegen dort insgesamt 1.500 Menschen begraben. Einsatzkräfte suchen in der dortigen Umgebung nach weiteren Massengräbern.

Raqqa war einst die Hauptstadt der Terrormiliz Islamischer Staat und wurde vor mehr als einem Jahr von der US-geführten Militärkoalition zurückerobert. Und an eine Zurückeroberung grenzt im Grunde auch das, was nun geschrieben werden wird: Das Assad-Regime begann die Zerstörung von Wohngebieten im Qaboun-Viertel von Damaskus. Häuser werden und wurden von der Armee gesprengt. Der Vorwurf dagegen lautet seitens Oppositioneller: Das Regime verkaufe das Land und den Besitz von Vertriebenen an iranische Investoren. Bild-Journalist „Julian Röpcke“ twitterte so in etwa: Syrien wird eventuell eine neue Bevölkerungsstruktur erhalten.

Da trifft es sich wahrscheinlich trefflichst, dass das Assad-Regime einen Satellitenanalysten und eine Hubschrauberlandebahn östlich der Ortschaft Jib al-Ramla/ Musayaf in der Provinz Hama errichtet hat.  Die Bahnlänge beträgt rund 9 km und ist für mindestens 8 Hubschrauber gedacht.

 

Di 27.11.2018

Syriens Machthaber Bashar al-Assad hat am 26.11.2018 sein Kabinett auf mehreren Posten umgebildet. 9 Ministerposten wurden neu besetzt. Neuer Bewässerungsminister ist „Hussein Arnous“, Minister für Innenhandel und Verbraucherschutz wurde „Dr. Aref Nadaf“, Tourismusminister „Mohammed Rami Radwan Martini“, Erziehungsminister „Imad Muwaffaq al-Azab“, Hochschulminister „Bassam Bashir Ibrahim“, Wohnungsbauminister „Suhail Mohammad Abdullatif“, Minister für Kommunikation und Technik „Iyad Mohammed al-Khatib“, Industrieminister „Mohammad Maen Zein-al-Abidin Jazba“ und neuer Innenminister wurde „Generalmajor Mohammed Khaled al-Rahmoun“. Außenminister „Walid al-Mou’allem“ bleibt auf seinem Posten ebenso wie der Verteidigungsminister (SANA).

Klar doch, dass diese Neubesetzungen Menschenrechtler interessieren. Der Gründer des Syrischen Netzwerkes für Menschenrechte „Fadel Abdul Ghany“ twitterte, dass der neue Innenminister Mohammed Khaled al-Rahmoun ein Kriegsverbrecher ist und auf der Sanktionsliste der USA wegen Einsatz von Chemiewaffen steht. Rahmoun war zuvor ein hochrangiger Geheimdienstoffizier der syrischen Luftwaffe und später war er für das Direktorat für politische Sicherheit verantwortlich.   

Syriens Machthaber Baschar al-Assad soll auch den Gouverneur von Damaskus „Bescher Sabban“ ausgetauscht haben. Der war 7 Jahre im Amt. Nun macht „Adel Anwar Al-Olabi“ diesen Job. Er wird auch das Bauprojekt „Marota City“ in Damaskus beaufsichtigen und managen.

Hört sich alles schon fast so an, als sei der IS von der syrischen Bildfläche geräumt?

Nun: Der türkische Staatspräsident „Erdogan“ sagte in einer vom Fernsehen übertragenen Rede vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP: „IS gibt es nicht mehr in Syrien!“ Es gebe nur noch kleinere Banden, die auch getarnt als IS-Kämpfer Chaos in der Türkei und der Region schaffen. Vollständig eliminieren, war zu hören, will Erdogan seine alten islamistischen ‚Freunde‘. Jedenfalls ist es bei solch Vorhaben ganz angebracht, dass auch die Türkei in Manbij etwas zu sagen hat.

Der US-Schriftsteller „David Mizner“ schrieb auf Twitter, die Vereinigten Staaten richteten dutzende Stützpunkte von Manbij bis nach Hassake in Syrien ein, darunter 4 Militärflugplätze. US-Streitkräfte würden den Osten des Euphrats vollständig kontrollieren. Ein Gebiet in etwa so groß wie Kroatien. Anscheinend sollen mehr als 4.000 US-Militärangehörige in Syrien sein.

Stichwort Manbij:

Sicherheitsanalyst „Ömer Özkızılçık“ twitterte, die arabischen Stämme in Manbij hätten in einer gemeinsamen Erklärung ihre Haltung gegenüber der kurdischen YPG und der Türkei zum Ausdruck gebracht. Angeblich fordern sie eine türkische Intervention, um Manbij von der YPG zu befreien. Sie lehnen, verständlicher Weise, die durchgeführten Zwangsrekrutierungen der YPG-Kämpfer ab.

Die Erklärung unterzeichneten folgende Stämme: Galaz, Bakarah al Hashimiyah, Bakarah und Budays. Auch die turkmenischen Stämme, darunter Bani Jamil, Mujamadah und Bajaliyah sowie die Stämme Naim, Jahishah, Hanafirah und Boslah haben in einer Erklärung eine Militäroffensive und die Befreiung der Stadt Manbij von der YPG gefordert.

Der Manbij Fahrplan zwischen der Türkei und den USA wird von den zuvor Genannten aber abgelehnt (Ömer Özkizilcik @OmerOzkizilcik).

Gar nicht allzu weit weg von Manbij, plant das Bewässerungsministerium des Regimes in Kooperation mit Russland die Errichtung eines künstlichen Sees, nämlich in der Provinz Lathakia. Das Projekt soll noch von Ende 2020 umgesetzt werden, um die Bewohner mit Trinkwasser zu versorgen sowie Wasser für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen – und was gern unerwähnt bleibt: um den russischen Stützpunkten vor Ort ebenfalls Frischwasser zur Verfügung zu stellen, wahrscheinlich bevorzugt. 

Und nun kurz eine Formalie:

Das Ministerium des Regimes für nationale Versöhnung soll aufgelöst worden sein. Stattdessen ist die „Staatliche Behörde für Nationale Versöhnung“ errichtet worden. Der ehemalige Versöhnungsminister „Ali Haidar“ wird die neugegründete Behörde leiten. Haidar soll während seiner Amtszeit als Versöhnungsminister regimenahen Quellen zufolge vier Attentatsversuche überlebt haben.  Sein Sohn ist allerdings durch einen Mordanschlag ums Leben gekommen. Wie noch anklingen wird: Versöhnung sieht andernorts anders aus, nicht so wie bislang in Syrien!

Ja, und nun etwas ziemlich Kurioses. Weil, man denkt gar nicht, dass Syrer sich ausgerechnet dorthin begeben könnten: Der syrische Oppositionelle „Bassam Jaara“ schrieb auf Twitter, dass 43 syrische Oppositionelle, darunter auch Offiziere, die aus Algerien nach Syrien abgeschoben wurden und zum „Mezza“ Militärflughafen nach Damaskus geflogen werden sollten, sind offenbar nicht in den Fängen des Assad-Regimes gelandet, sondern dürften stattdessen in Khartum (Sudan) sein. Keine Ahnung, wer solche Entscheide trifft. Doch Sudan, trotz allem, dürfte sich schmerzfreier anfühlen, eventuell, als einer der Knäste bei Assad, sozusagen ‚Zuhause‘!

 

Mo 26.11.2018

Kampfflugzeuge des Assad-Regimes und der russischen Luftwaffe haben als Reaktion auf den mutmaßlichen Chlorgasangriff Rebellenstellungen zwischen Aleppo und Idlib attackiert. Das Übliche also. Ein Sprecher des russischen Außenministeriums sagte, dass Stellungen der „Terroristen“ bombardiert wurden, von wo aus Aleppo unter Beschuss geriet. Wir sprechen somit von ersten Angriffen nach 75 Tagen ‚Ruhe‘. Russland und die Türkei hatten eine entmilitarisierte Pufferzone rund um die Provinz Idlib ausgehandelt. Röpcke von der Bild kommt es seltsam vor, dass „Terroristen“ angeblich von diesem Gebiet aus Aleppo mit Chlorgas beschossen haben sollen.

Zwei prominente syrische Aktivisten „Raed Fares“ und „Hanoud Juneid“ sind in Kafr Nabel von Unbekannten aus einem Kleintransporter heraus erschossen worden. Fares war der Begründer und Leiter des oppositionsnahen Radiosenders „Fresh FM“ in Kafr Nabel.  Der Sender hat eine klar säkulare Ausrichtung, sendet konsequent gegen das Regime. Fares organisierte zuweilen gewaltfreie Proteste und unterstützte Frauenprojekte, einer der wichtigsten Repräsentanten der syrischen Zivilgesellschaft.

Währenddessen begann der Wiederaufbau einer Raketeneinrichtung im Nordwesten der Provinz Hama, wie Satellitenaufnahmen zeigen. Diese iranischen und syrischen Einrichtungen waren im September von Israel zerstört worden nahe der Ortschaft Sheikh Ghadban nördlich von Masyaf. Die Hisbollah-Miliz und Iran nutzen sie. Eine weitere iranische Einrichtung, die im vergangenen Mai in der Nähe des internationalen Flughafens von Damaskus bei israelischen Luftangriffen zerstört wurde, ist inzwischen auch wiederaufgebaut worden (Zaman al-Wasl). 

Laut BBC Syrien-Produzent „Riam Dalati“ soll die US-geführte Anti-IS-Koalition vor ein paar Wochen ein Treffen mit hochrangigen politischen und militärischen  Entscheidungsträgern der „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) in Kobane abgehalten habe. Die Koalition habe deren Rat gebeten, dass die YPG alle Beziehungen mit der PKK abbricht und den Geldzufluss nach Kandil stoppt. Wenn wir von SDF reden, gilt es im Gedächtnis zu haben, dass die USA mit der PYD verbündet ist. Erstere drängte darauf, die „Demokratischen Kräfte Syriens“ als Art „Cover“ zu bilden. Stimmt das, dann hätten die USA gewusst, dass die PYD lediglich ein Ableger der verbotenen PKK ist. Dank US-Unterstützung ist die PYD in der Lage, ihre Struktur in Syrien beizubehalten, Steuergelder einzunehmen, um und diese sodann an das Zentralkommando der PKK teils zu schicken.

 

Fr 23.11.2018, 11:25

Der US-Verteidigungsminister „James Mattis“ sagte, dass die amerikanische Armee an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei Beobachtungsposten einrichten und klar kennzeichnen wird – zur Sicherung sicherheitspolitischer Interessen der Türkei. Dergestalt wird die USA ihre verbündete kurdische YPG-Miliz vor türkischen Angriffen besser schützen können. Der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu glaubt dem Vernehmen nach daran, dass die USA und die Türkei den vereinbarten Manbij-Fahrplan noch vor Jahresende umsetzen werden, um die YPG-Milizen aus Gebieten östlich des Euphrat-Flusses zu entfernen (Reuters). 

Eurasia-Analyst Ali Özkök twitterte, die Türkei stärke die syrisch-turkmenische Minderheit, was allen Beteiligten wohl bekannt sein dürfte. Der syrisch-turkmenische Parlamentssprecher „Muhammed Vecih Cuma“ äußerte in türkischen Medien, die neue Flagge der Turkmenen in Syrien stärke und vereine sie. Die Turkmenen Syriens hatten sich in Al-Rai/Çobanbey, Provinz Aleppo, auf die Farben blau und weiß geeinigt plus Mondsichel mit einem Stern auf rotem Grund.  

Und wie sieht es zuweilen in den Lagern aus?

Schwere Regenfälle haben mehrere Flüchtlingslager im Umkreis von Al-Bab in der Provinz Aleppo überschwemmt. In den Flüchtlingslagern sind überwiegend Flüchtlinge aus Damaskus Land untergebracht. Es dürfte manch Geflüchtetem schwerfallen, sich dem Unwetter zu entziehen.

Der libanesische Ministerpräsident „Saad al-Hariri“ zog sich am 22. November beim Empfang anlässlich des libanesischen Unabhängigkeitstages für einige Minuten zurück, um dem Botschafter des Assad-Regimes „Ali Abdulkarim Ali“ nicht die Hand reichen zu müssen. Und: Der bisher unbekannte syrische Geschäftsmann „Samer Foz“ soll während des Syrienkonflikts ein Vermögen angehäuft haben. Mit guten Beziehungen zum Assad-Regime, Russland, der Türkei und den Golfstaaten wird er möglicherweise auch noch politisch eine Zukunft in Syrien haben. Die Politikwissenschaftlerin und Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut, Bente Scheller, stellt sich auf Twitter die Frage, warum Samer Foz eigentlich noch nicht auf der EU-Sanktionsliste steht (aljumhuriya.net, Bente Scheller @BenteScheller)? Und weil wir schon beim Geld sind: Die Syrer sollen zwischen 2011 und 2018 mehr als 800 Millionen Dollar in Industrie,- Handels,- und Dienstleistungsprojekte in Ägypten investiert und tausende Arbeitsplätze geschaffen haben. Und wussten Sie: Laut „Mohammad Habo“ vom Landwirtschaftsministerium des Regimes gibt es in Syrien rund 102 Millionen Olivenbäume auf einer Gesamtfläche von zirka 692,4417 Hektar, davon 82 Millionen Bäume mit 75 verschiedenen Olivensorten (SANA). 

 

Do 22.11.2018

Geheimdienstkräfte des Assad-Regimes sollen mehr als zehn ehemalige Mitglieder der Freien Syrischen Armee verhaftet haben, die zuvor das Versöhnungsabkommen mit dem Regime unterzeichnet hatten. Diese Art Nachricht werden wir hier noch öfters zu wiederholen haben. Es zeigt einfach, dass auf Assad und seine Versprechen kein Verlass ist. Auch deswegen wurde heute/gestern (30. November) verkündet in den deutschen Medien, dass Flüchtlinge aus Syrien in dieses Land, Syrien, keinesfalls zurück abgeschoben werden können – mindestens bis Juni 2019 nicht. Verlängert wurde auch der folgende Zeitraum:

Die SDF-Kräfte haben sich mit der US-geführten Anti-IS-Koalition vertraglich darauf geeinigt, ihre Zusammenarbeit um zwei weitere Jahre zu verlängern. Die Anti-IS-Koalition wird die SDF-Kräfte weiterhin militärisch unterstützen und bis 2020 in SDF-Gebieten bleiben.

Ach ja, apropos Oliven: Der regimenahe US-Professor und Syrien-Experte Joshua Landis twitterte, die Türkei plündere systematisch die Olivenernte in der von Kurden besiedelten Region Afrin im Norden Syriens. Der türkische Landwirtschaftsminister Bekir Pakdemirli rechtfertigte sich und meinte, dass die Gewinne sonst an die PKK gehen. Außerdem: Vor ein paar Wochen ist bei Jindaris ein neuer Grenzübergang in die Türkei eröffnet worden, über den nach Angaben türkischer Oppositionsparteien bereits 50.000 Tonnen Olivenöl in die Türkei gebracht worden sein sollen. Es ist also unsicher, wer da von den syrischen Oliven profitiert: die PKK oder die Republik Türkei oder beide. Oliven gebären offenbar gewisse Gelüste. Apropos gebären.

Libanesische Sicherheitskräfte nahmen den Zaman al-Wasl Reporter „Abdul Hafiz al-Houlani“ fest. Dieser hatte berichtet, 20 syrische Flüchtlingsfrauen in Arsal erlitten wegen verseuchtem Wasser Fehlgeburten. Laut des Syrischen Netzwerkes für Menschenrechte seien seit Beginn des Syrienkonflikts in 2011 mehr als 28.000 Kinder in Syrien getötet worden, die meisten von Ihnen vom Regime und Russland. 196 Kinder seien bei Chemiewaffenangriffen getötet worden (SNHR). Und: Der Direktor des Ernährungsprogramms der Hilfsorganisation “Violett” „Abdul Razak Awad“ soll von Hayat Tahrir al-Sham-Kämpfern in der Provinz Idlib festgenommen worden sein (Syria Call News).

 

Mi 21.11.2018

Die Verteidigungsminister der Türkei und Russlands trafen im russischen Sotschi am Schwarzen Meer zusammen. Dort besprachen sie weitere Schritte, um laut Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums die Vereinbarung in Idlib zum Abschluss zu bringen. Russland hatte Anfang des Monats Oppositionsgruppen vorgeworfen, die von Russland und der Türkei vereinbarte entmilitarisierte Zone in der Provinz Idlib zum Scheitern bringen zu wollen. Russlands Verteidigungsminister „Shoigu“ sagte, dass es für beide Länder wichtig sei, Maßnahmen zu ergreifen, um die gemeinsame Initiative in Idlib umzusetzen (Hürriyet).

Die Oppositionswebseite Zaman al-Wasl meldete, dass die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien Truppen nach Nordost-Syrien entsandt haben sollen, und zwar in YPG-Gebiete zwecks Unterstützung der US-geführten Militärkoalition. Truppenstärke unbekannt. Damaskus guckt diesem Treiben nicht total passiv zu in von der Stadt Damaskus entlegenen Regionen. So hat das Regime laut seiner staatlichen Nachrichtenagentur SANA verlautbart, dass das Außenministerium ein Konsulat in Hassake eröffnete, um den Bewohnern in den östlichen Provinzen Syriens den Weg für die Beschaffung von offiziellen Dokumenten nach Damaskus zu ersparen. Die Bearbeitung der konsularischen Angelegenheiten erfolgt in Hassake nun auch für Bewohner von Raqqa und Deir Ezzor.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, dass Tel Aviv weiterhin in Syrien eingreifen wird, weil Russland allein nicht in der Lage sein soll, iranische und vom Iran unterstütze Kräfte zu vertreiben. Seit Abschuss des russischen Militärflugzeuges in Syrien soll laut Informationen des israelischen Geheimdienstes der Schmuggel iranischer Waffen an die Hisbollah im Libanon erheblich abgenommen haben. Netanjahu bezeichnete die Beziehungen Israels mit Russland als „gut“ (Haaretz).

Und sollten Sie sich fragen, woher denn all der Speed kommt. Nun. Der kommt nicht nur aus der Tschechei, Israel oder Bulgarien, sondern laut des Syrian Portal produziert, konsumiert und exportiert Syrien mittlerweile die Droge Amphetamin, die auch bekannt ist als Captagon. Der Drogenhandel bringe Millionen Dollar ein. Außer dass damit die Finanzierung von Waffen etwas erleichtert wird, hat offenbar auch die Drogensucht in Syrien zugenommen. Die syrische Regimekritikerin und Schriftstellerin Rana Kabbani twitterte, dass die Hisbollah für die Produktion und den Verkauf von Captagon im Libanon und in Syrien verantwortlich ist. Mit den lukrativen Einnahmen werden anscheinend Hisbollah-Kämpfer bezahlt. Captagon wird angeblich auch in die MENA-Region und nach Afrika geschmuggelt, wo Hisbollah-Generalsekretär Nasrallah als Rauschgift-Godfather bekannt sein soll. Kuwaitische Behörden hatten vor Kurzem ein Drogen-Netzwerk aufgedeckt und verhinderten den Schmuggel von 1.345.000 Captagon-Tabletten aus Syrien. Captagon soll heutzutage in Syrien fast so verbreitet sein wie Zigaretten.

Na dann, guten Nacht. Wir reden von einem Aufputschmittel, und das heißt im syrischen Kontext gewiss: man stirbt eventuell schneller als man geboren wurde in solch einem Umfeld – oder so! Außerdem soll sich in Mayadin im Osten Syriens die Infektionskrankheit Leishmaniose, bekannt auch als Aleppobeule, verbreitet haben. 70 Fälle wurden bereits gemeldet, davon sind 50 Kinder. Die Krankheit wird durch Sandmücken übertragen. Solange es noch nicht Ebola ist … .

Nein, die Beule soll hier jetzt nicht verharmlost werden. Aber, wenn sich in Kriegsregionen nahe der EU wie der in Syrien irgendwann auch Ebola dazu gesellt, und im Kongo weisen die Indikatoren schon länger in diese Richtung, dann wird es, wie man sagt, unlustig. Bei all den verschiedenen Kriegsparteien in Syrien ist auch Ebola denkbar, und zwar als weitere Waffe oder aber der Zufall lässt es geschehen.

Die EU ist gut beraten, sich schon mal verstärkt, besser jetzt als übermorgen, um ein Präparat zu bemühen, welches, egal, was es kostet, dann, wenn es so weit ist, dass Ebola unmittelbarer vor den Toren Europas steht, auch spätestens dann verabreicht werden kann. Beispielsweise mit Studenten, Flüchtlingen, Politikern oder Geschäftsleute kann Ebola überallhin kommen.  

Das Mitglied des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition „Ahmed Ramadan“ schrieb auf Twitter, dass der Hochschulrat in Jordanien beschlossen hat, für die Registrierung syrischer Studenten in jordanischen Universitäten ID-Karten auszustellen. Syrische Staatsbürger mussten davor zur Anmeldung in Schulen und Universitäten ihre Reisepässe vorlegen. Laut Ramadan verhindere dieser Schritt die finanzielle Ausbeutung syrischer Staatbürger in den Konsulaten oder Botschaften des Regimes (Ahmed Ramadan @RamadanSyria).

 

Di 20.11.2018

Der scheidende UN-Sondergesandte für Syrien Staffan de Mistura sagte vor dem UN-Sicherheitsrat in New York, er wolle vor Jahresende noch einmal versuchen, ein Verfassungskomitee für Syrien auf den Weg zu bringen. Sein Nachfolger ist der norwegische Diplomat „Geir Pedersen“. Letzterer wird sein Amt Anfang Januar 2019 antreten.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad empfing in Damaskus eine jordanische Parlamentsdelegation unter Leitung von „Abdul Karim Al Doghmi“. Es sei eine Aktivierung der bilateralen Beziehungen in allen Bereichen besprochen worden. Die Mitglieder der jordanischen Delegation bestätigten, dass sie das syrische Volk im Kampf gegen den Terrorismus unterstützten. Syrien sei die Abwehrlinie im Kampf gegen den Terrorismus. Der Sieg in Syrien bedeute zugleich, dass die arabischen Staaten von Israel gesteuerte westliche Destabilisierungskampagnen besiegen werden. Das Letztere hört sich nach unserem Empfinden so rein gar nicht nach jordanischer Diplomatie an.

Der Russische Rat für Internationale Angelegenheiten (RIAC) meinte, die syrischen Streitkräfte könnten nicht wirklich als Armee bezeichnet werden. Hauptaufgabe Moskaus sei es daher, eine neue syrische Armee von Null aufzubauen.

Erstmals bewerben sich vier Frauen in Anjarah, Provinz Aleppo, mit Unterstützung der syrischen feministischen Gesellschaft (SFS) um einen Sitz im Lokalen Rat. Die Kandidatinnen sollen Werbeplakate verbreitet haben, was sehr außergewöhnlich sei. Die Region gilt als äußerst konservativ.

Lokalen Quellen zufolge haben Kräfte, die der iranischen Revolutionsgarde in der Provinz Deir Ezzor nahestehen, mehrere sunnitische Gebetsrufer verhaftet. Angeblich sei das ein Zeichen des Beginns der Umwandlung sunnitischer Moscheen in schiitische, wobei der Gebetsruf durchaus eine Rolle spielt. Denn die Formel „Ḥayya ʿalā ḫayri l-ʿamal“ wird ausschließlich von Schiiten verwendet und dient ihnen als Erkennungszeichen. Wenn sie vom Minarett einer Moschee ertönt, wissen die Zuhörer, dass hier die Schia maßgeblich ist (RFS Media News). Zu dieser Nachricht passt auch, dass das Mitglied des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition „Ahmed Ramadan“ twitterte, der Iran eröffnete in Syrien fünf Universitäten sowie dutzende sektiererische, kulturelle und religiöse Zentren.

Mo 19.11.2018

Türkische Truppen sollen gemeinsam mit Kämpfern der Freien Syrischen Armee und der Hamzat Militärpolizei in Afrin, Provinz Aleppo, eine Kampagne zur Bekämpfung der Korruption gestartet haben.  Bei den Gefechten wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens 25 Kämpfer getötet und Dutzende weitere Menschen verletzt. Die türkische Armee verhängte eine Ausgangssperre, wie sie es ja in den letzten 30 oder 40 Jahren in den türkischen Ostprovinzen gelernt hat, und patrouilliert wohl auch daher mit Panzern in der Stadt.

Angeblich bekämpft die Mehrheit der Rebellengruppen die rund 200 Kämpfer starke Gruppierung Schuheda al Scharqiyyah. Letztere wird für Plünderungen verantwortlich gemacht sowie dafür, „Entscheidungen“ der türkischen Armee nicht zu respektieren und Übergriffe zu begehen. Die Schuheda al Scharqiyyah-Kämpfer stammen überwiegend aus Deir Ezzor. Sie sind bereits mit ihren Familien aus dem Kampfgebiet abgezogen worden. Man hatte ihnen ein Ultimatum gestellt: Übergabe aller Stellungen oder Frontalangriff! Es scheint der Türkei gelungen zu sein, die offenbar brutale Schuheda al Scharqiyyah-Gruppierung aufzulösen. Es gab Festnahmen (Al Arabiya).

Die türkische Armee soll eine Rakete auf ein Militärfahrzeug der kurdischen YPG-Miliz in der Nähe von Tal Abyad an der Grenze zur Türkei abgefeuert haben. Das Fahrzeug wurde zerstört und alle Insassen getötet. Es sieht also nicht sehr vielversprechend aus für eine kurdische Autonomie.

Vom Töten zum Staatshaushalt: 

Das Mitglied des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition und ehemaliger NK-Präsident „Hadi Albahra“ twitterte, dass das Assad-Regime den Staatshaushalt für 2019 beschlossen habe. 119 Milliarden Syrische Pfund (ca. 238 Millionen Dollar) sollen für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt werden. Tatsächliche Kosten des Wiederaufbau Syriens betragen jedoch schätzungsweise 400 Milliarden Dollar, wird andernorts kalkuliert. Da dürfte sich der Wiederaufbau dann wohl noch etwas in die Länge ziehen oder aber Assad richtet sich in einem Broken State ein – aus Sicherheitsgründen und weil auch andere Player an solch einer Lösung interessiert sein könnten. Als erstes fällt einem da der Nachbar Israel ein, dann die Türkei und vielleicht träumt ja Jordanien davon, noch etwas wachsen zu wollen – gen Osten. 

Regimekräfte sollen nach einer wochenlangen Offensive den Ort Tulul as-Safa eingenommen und den Islamischen Staat aus seinem letzten Stützpunkt im Süden Syriens vertrieben haben. Die IS-Extremisten zogen sich in Richtung der Badia-Wüste zurück. Tulul as-Safa liegt zwischen den Provinzen Damaskus und Sweida. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete, man erziele einen „bedeutenden Fortschritt“ in Tulul as-Safa. Das Gebiet werde nach Terroristen durchkämmt. Während das hier so geschrieben wird, stellen sich mir die Haare auf am Körper bei der Vorstellung, wie „durchkämmt“ vor Ort wohl durchlebt wird oder im Realen auftritt.

Informationen zufolge dürfen iranische und syrische Passagierflugzeuge am Internationalen Rafik Hariri Flughafen Beiruts wegen der US-Sanktionen keinen Kraftstoff mehr tanken. Betroffen sind unter anderen die „Syrian Arab Airlines“,  „Cham Wings“ und „Mahan Air“. 

 

Zu NOrdzypern

Es ist bereits etwas her, als dieser Artikel erschien in einer türkischen Tageszeitung.
Auf den Artikel bin ich zufällig gestoßen, wie auch auf den Ort, an dem ich ihn auffand.

Eigentlich gehe ich ansonsten immer ins gleiche türkische Restaurant-Café in Lahr Mitte, welches schon etwas preislich gehoben genannt werden darf. Die “Gözleme” schmecken dort auch wirklich gut.

Von Offenburg zurück nach Lahr kommend, entschied ich mich vor einigen Tagen spontan an jenem türkischen Restaurant mal anzuhalten zur Abwechslung, welches ich auf dem Weg nach Offenburg links von mir an der B3 liegend überraschender Weise ausmachte, gucken, wie dort die Linsensuppe schmeckt.
Prächtig war die Suppe, kann ich nur sagen. Bin seither schon 3 Mal wieder dort gewesen. Sogar einen vegetarischen Teller gibt es zu unschlagbaren 5 Euro, der richtig gut gefüllt ist mit richtig viel Salat – und man kann sogar wählen zwischen Reis und Bulgur. Sogar 2 weiße Käsestückchen liegen auf dem Teller, eventuell vom Schaf.
Der türkische Tee schmeckt einfach fantastisch. Und kostet hier, im Gegensatz zu dem Türken in Stadtmitte, knapp 1/3 weniger.
Der etwa 40-jährige Mann, der dort arbeitet mit seinem Sohn und das Restaurant füht, ist äußerst kommunikativ. Spricht recht gut Deutsch, scheint schon länger in Lahr oder Deutschland zu leben.
Eine Entdeckung der angenehmen Art hier in Lahr, das ISTANBUL.
So heißt dieser Ort.
Wunderschön sauber ist der Geschäftsraum und herrlich geräumig, so richtig geräumig und keinesfalls vollgestellt mit Tischen und Stühlen, wie es so oft der Fall ist.
Leute kommen und gehen ins/aus dem Istanbul. Abends scheint auch die Frau des Restaurantbetreibers anwesend zu sein. Sie ist gekleidet wie eine Frau, die schiitischen Glaubens sein könnte. Kann ich mir aber nicht vorstellen, dass diese Familie schiitischen Glaubens ist, weil mir gesagt wurde, man käme ursprünglich vom Schwarzen Meer, lebte aber in Istanbul.
Ist ja auch egal.
Bislang habe ich das Restaurant noch nicht sehr gut besucht gesehen, wie man sagt. Ein Kleinod also, wo trotz B3 vor dem Haus komischer Weise Ruhe herrscht. Man kann sogar seinen Laptop aufbauen und dann in seiner Arbeit, beispielsweise, versinken. Ob es Internet gibt, wurde noch nicht abgecheckt. Es muss nicht sein, dachte ich, auch noch hier im Netz zu sein. Meine Einschätzung: Es gibt kein WLAN. Kann aber durchaus sein, dass man sich da täuscht.
Allzu verwundert sollte man allerdings nicht sein, wenn der Wirt plötzlich vor einem steht oder von Weitem sich an einen wendet und das Gespräch sucht. Keine Sorge, er hält sich kurz, wenn man ihn nicht mit den ‘richtigen’ Themen füttert oder merken lässt, dass man JETZT gerade keine Zeit zum Reden zu haben glaubt.
Anscheinend rechnet sich das Alles dennoch. Das Restaurant wird ja schließlich betrieben. Die Preise sind dort äußerst erträglich und das Essen schmeckt wunderbar. Fast glaubt man, zurück irgendwo in einem Berliner Bezirk zu sein, ja, in Istanbul selbst.

Nun:
Der Artikel, der in der Folge übersetzt wird, wurde von Prof. Dr. Ata Atun verfasst und erschien in der türkischsprachigen, islam-national angehauchten Millî Gazete vom 13. November 2018.

“Dem Mutterland sind wir unsere Republik schuldig!

Die Gründung der nordzyprischen Republik war nicht leicht, die sich heute zum 35ten Mal jährt. Diese Republik kam zustande durch Massaker, die an den Türkischzyprern (TZ) verübt wurden, durch Tränen, Flucht, Verlust einer Zukunftsperspektive, Verlassen des großväterlichen Bodens, jedwede Angriffe abwehrend und mit Märtyrern.

Die Gründungsangelegenheit begann in den 1950er Jahren und nicht, wie die Griechischzyprer (GZ) sagen, 1974 oder 1963. Beschlossene Sache wurde Letzteres am 15. Januar 1950, als die GZ plebiszitär ihren Wunsch nach einem Anschluss mit Griechenland (Enosis) kundtaten.

Makarios, der die ganze Welt bereiste, vor allem Hauptstädte im Westen, Rom, Paris, Frankfurt, Berlin, London, New York, sagte und bemühte sich, dass Zypern eine griechisch-zyprische Insel ist, Enosis stattzufinden habe, von den Engländern zurückgenommen und Giechenland übergeben werden müsse.

Der Wahrheit entspricht, dass das Zypernproblem nicht in der Nacht vom 21. Dezember 1963 mit den begangenen Massakern seinen Anfang nahm und, wie die GZ behaupten, [auch nicht] mit der Befreiungsbewegung 1974. Genauer: Die ersten Schritte der TZ in Richtung Verstaatlichung begannen im November 1957 mit der “Türkische Bewegung Organisation” (TMT). Was die TZ im Gepäck hatten, waren engagierte, auserlesene und vertrauenswürdige Leute, die die TMT gründeten, welche im Zentrum das ‘Bayraktarlik’-Prinzip hatte und das in den [vormals osmanischen] Provinzen angewandte ‘Sancak’-Prinzip; also Anwendungen, die die ersten Kettenglieder des [entstehenden Nordzyperns] darstellten.

Indem Erzbischof Makarios die Schlagkraft der Türkei unterschätzte, die Türkei die Verfassungsänderung ablehnte, glaubte Makarios in einer organisierten Art und Weise mit Waffengewalt den Paragraphen 13 der Verfassung morgens am 21. Dezember 1963 ändern zu können – Türken wurden angegriffen, ein Blutbad angerichtet.

Wenn wir nun die Staatswerdung der zyprischen Türken seit 1963 betrachten, [sehen wir], Fazıl Küçük und Rauf Denktaş errichteten am 23. Dezember nach dem Angriff der GZ vom 21. Dezember ein Komitee.
Dieses Haptkomitee war die Miniaturausgabe der Staatswerdung. In jenem Hauptkomitee waren die Mitglieder im Rang eines Ministers, nannten sich aber “Mitglied”. … An der Spitze des Hauptkomitees stand Dr. Fazıl Küçük. Seine rechte Hand war Herr (bey) Rauf Denktaş. Gleichzeitig war Rauf Bey der Vorsitzende der “Vereinigung der Türken”. Dergestalt entstand das Skelett der ersten Staatswerdung am 23. Dezember.

Nachdem die GZ 4 Jahre später, 1967, Dörfer wie Geçitköy oder Boğazıçı angegriffen hatten, gab die Türkei ein hartes Statement ab, was dazu führte, dass das Hauptkomitee sich in eine “Vorübergehende Türkische Führung” wandelte. Am 27. Dezember 1967 wurde die Vorübergehende Türkische Führung offiziell bekanntgemacht. Ab 1968 begannen Treffen [der beiden Volksgruppen]. Als 1970 diese Treffen sich einstellten, wurde das Wort “Vorübergehend” gestrichen und übrig blieb “Zyprische Türkische Führung”. Bis zur Befreiungsbewegung [1974] lief die türkisch-zyprische Regierung unter diesem Namen.

Am 20. Juli begann diese Bewegung und endete am 16. August 1974. Gleich danach wurde Mitte September die “Autonome Zyprische Türkische Führung” ausgerufen. Diesmal hatte das Gebilde ein bisschen mehr Profil, und das auch politisch. Danach begann man, die Verfassung aufzusetzen und am 13. Februar 1975 wurde die “Türkische Zyprische Föderation” ausgerufen. Das heißt: die am 23. Dezember 1963 gesetzten Schritte hatten sich am 13. Februar 1975 in eine Türkische Zyprische Föderation gewandelt. Bis 1983 wurde das Föderale beibehalten, und nachdem im Mai jenes Jahres sich Rauf Denktaş mit dem griechisch-zyprischen Führer Spiros Kiprianu getroffen hatte, wurde dieses Treffen seitens Spiros überhaupt nicht ernst genommen.

Die Treffen wurden erstmals zu Gipfeltreffen 1970, als sich Makarios und Denktaş trafen und die heutige Föderationthese wurde damals erstmals in den Ring der Verhandelnden geworfen.
1983, nachdem Makarios gestorben war, wurde Kiprianu zum Präsidenten gewählt; und just, als die Verhandlungen fortgesetzt wurden – man über föderale Strukturen sprach -, wendete sich Spiros plötzlich an die Vereinten Nationen:

“Die türkische Armee hat von der Insel zu verschwinden, die Besatzung hat aufzuhören und die einzige Regierung der Insel ist die der GZ. Das ist so zu akzeptieren!”

Und dergestalt sah dann die Entscheidung der Vereinten Nationen aus. Doch: Dass die TZ ihre föderale Struktur selbst verwalten können, war auch gesagt worden [seitens der Vereinten Nationen]. Wie Sie wissen, das wird “Self-Determination” genannt.

Von den GZ wartete man auf eine Reaktion, wie:

OK, wenn ihr ein Selbstbestimmungsrecht habt, dann setzen wir uns halt mal zusammen.

Allerdings nichts dergleichen kam von den GZ rüber. Im Gegenteil. Sie seien die Besitzer der Insel, meinten sie.

Zu jenem Zeitpunkt versammelte sich das nordzyprische Parlament der Türkischen Republik, und heute vor 35 Jahren wurde die Entscheidung getroffen, unabhängig zu sein.

Heute leben die TZ auf ihrem Boden frei, in Ruhe und Wohlstand, vermittels [der Hilfe] des Mutterlands, der Türkei.

Letzteren Wert, den gilt es, nie zu vergessen!

Dimitri Alitheinos

Heute mal etwas aus der Welt der Museen und der Kunst.

Wir freuen uns, Ihnen den Künstler Herrn Dimitris Alitheinos in einem Interview mit Marina S’chizo in der Politis vom 28. Oktober auf diese Weise vorstellen zu können.

Es geht in dem Interview um eine Ausstellung von Alitheinos im Archäologischen Museum Limassol (AML).

Übersetzung aus dem Griechischen stammt von ADH.

 

 

“…

Das Vergangene, das Kommende, Wir”.

Das ist der Titel der Ausstellung, die was genau darstellt?

Die Beziehung zu gestern, heute und morgen. Ich glaube, Zeit gibt es nicht, sondern alles ist in einer hypothetischen Beziehung [zueinander].

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Welchen Unterschied macht der Ort, wo du deinen derzeitigen Beitrag hin verfrachtest?

Ja! Sicher kommt [auch] dieses Mal Freude auf, die Freude, im AML zu sein. Gewöhnlich, wenn du eine Ausstellung machst, ist der Ort weiß. Es gibt da übrigens nichts an solch einem Ort, was dich festlegt. Gehst rein und bist dich, das Werk und das Umfeld.

———————————

Und beginnst vom Nullpunkt.

Genau!

Die Werke werden ja gewöhnlich in Ateliers hergestellt; sprechen oder sprechen eben nicht.

Letzteres ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls ist es etwas, was außerhalb des Ausstellungsortes entstand. Der einzige Dialog, der so erschaffen wurde, ist der zwischen den Werken und den Betrachtern – oder unter den Werken selbst.

Es ist eine Beziehung, die sich auf‘s Heute richtet.

Doch: In einem archäologischen Museum gibt es Mythen und Objekte von vor dieser Zeit.

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Wie entwickelt sich dieser Dialog des Alten mit dem Heutigen, um uns dann hier im AML landen zu lassen?

Mich interessiert immer der Dialog mit dem Alten auf Grund der Physis meiner Arbeit sowie meiner Gedanken. Bereits seit Anfang der 70er Jahre mache ich Performances, wie im Tempel des Ifästos, in der archäologischen Stätte der Agora, im alten Olympia usw. Obwohl ich zu jener Zeit den Umsturz [dessen, was sich dort an Altertümlichem befand] inszinierte, die Wurzel [letztlich], die „Klassik“ mit der Sprache der Kunst, wusste ich jedoch, dass das nicht vollends sein kann, ohne seine Verbindung mit der Geschicht und dem historischen Fortgang.

Das heißt, was ich wiederhole, nämlich, dass „Neues alt sein muss, um zu sein“!

Letzteres ist, an was ich glaube, sagen wir, schon immer.

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Das Alte im Sinne von Erinnern?

Im Sinne von Erfahrung, der Geschichte, der Entdeckung. Mit allem, was wir sahen, alles war wir erreichten, nicht nur als Volk, sondern im Allgemeinen als die Art namens Mensch. Mit dieser Einstellung und derart ein archäologisches Museum betretend, betrittst du einen energetischen Ort gefüllt mit Anstrenungen und Schweiß des Menschen – im Gegensatz zu modernen Museen.

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Voll Erinnerung, Geschichte, Energie …

Und darüber hinaus alles mit Zeit und Mythos.

Was ich ins AML bringe, um das AML in ein Kunstwerk zu verwandeln, muss mit Mythos geschehen.

Kann sein, dass das klappt oder eben nicht.

Aber:

Im Museum selbst sind die Objekte ja bereits mit einem Mythos behaftet. Das einfachste Objekt hat dort sein Geheimnis.

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Aus welchem Grund hast du das AML gewählt?

Das ist nicht von Belang, weil ich glaube, dass alle archäologischen Museen ein Teil eines größteren Museums sind. Es ist Letzteres wie ein riesiges Gebäude mit vielen Räumen. [Das trifft auch zu, w]enn ich vom Archäologischen Museum in Nikosia ins AML gehe, auch, wenn die Gebäude tausende Kilometer und Stunden Fahrt auseinanderlägen.

Wenn ich also ein Museum betrete, ist es als besuchte ich irgendein Haus, in das ich wieder hineingehe. Ich beginne einfach einen neuen Dialog in einem weiteren Raum.

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Du kreierst jedes Mal eine neue Beziehung?

Die Beziehung ist endlos, weil sie fließt. Von einen gewissen Punkt aus änderst du dich als Persönlichkeit und siehst ES unterschiedlich; und andererseits, falls du dich änderst, ändern auch DIE sich.

Das Wissen kommt langsam, ganz langsam.

Diese Objekte [in Museen] sind voller Geheimnisse. Es ist irgendwie falsch zu sagen, du denkst, sie zu kennen. Sie haben einen Mythos. Es braucht Zeit. Wissen verlangt Zeit.

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Dinge, die langsam entdeckt werden, analog zu dem bestimmten Moment …

Hauptsächlich durch Wiederholung, die Erfahrung, meine Interessen.

Der Moment spielt die Hauptrolle.

Als ich Student war in der S‘choli Kalou in Athen gingen wir mittags ans Archäologische Museum und zeichneten. Oft ging ich ins obere Stockwerk, wo die Werke aus Santorini zu finden sind und stand Stunden vor den Wandgrafiken des Raumes der Anixi [Göttin]. Sah die Grafiken und fühlte, dass dort inmitten derselben es etwas gibt, was ich nicht sehen kann. Ging jedes Mal dorthin ins Museum und jedes Mal verließ ich es mit derselben Frage. Ich stand vor einer geschlossenen Kiste, die nicht geöffnet werden konnte.

10 Jahre vergingen, ich war noch in Paris, als ich zurück an diesen Ort kam. Als ich die Grafik sah, öffnete sich die Kiste und das Geheimnis in ihr war zu sehen.

Alle altertümlichen Objekte tragen ein Geheimnis mit oder in sich – vor allem die archaischen. Es reicht, dass du ungezwungen vor ihnen stehst und sicherlich wird sich dir etwas erschließen.

Mich in ein Museum begebend, weiß ich, dasss ‚jemand‘ auf mich wartet. Worum ich mich [daher] zuerst kümmere, ist Freund zu sein [mit den ausgestellten Objekten im Museum].

Und weil das Museum voll mit Zeit ist, und weil ich mit der Zeit befreundet bin, ist es logisch, vermittels meiner Ausstellung [auch] meinen Freund zu erwähnen.

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Und was geschieht?

Es passiert die Vergangenheit, das Kommende, Wir.

Wir, die wir der Moment sind.

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Wie wird dieser Moment bestimmt?

Die Frage ist:

Wie legt sich die Quintessenz des Augenblicks fest.

Warum, wenn der Moment das Jetzt ist, gibt es in ihm nicht-erfahrene Augenblicke?

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Der passende Moment wird wie bestimmt?

Darin liegt das große Spiel des Menschen mit seinem Leben, mit seiner Zeit, mit seinen Fähigkeiten. Ich denke, was man zu erlernen hat von kleinauf, ist den passenden Moment erfassen zu können.

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Ich nehme an, dass dieser passende Moment aus Erfahrung anderer Momente sich feststellen lässt.

Sicher.

Und bevor jemand denkt, dass alles seien lediglich Theorien, tut er gut daran, den passenden Augenblick herauszustechen: um zu suchen, Liebe zu machen, zu essen, zu lieben, zu hassen.

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Hast du die Antwort darauf gefunden, was Zeit ist?

Zu etwas, was es nicht gibt, wie kannst du dazu eine Antwort geben?

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Zeit gibt es nicht. Sie ist eine menschliche Erfindung und bedient menschliche Bedürfnisse. Was ist jenes, welches wir als ‚Zeit‘ definieren?

Es sind die begrenzten Grenzen unseres Lebens.

Von A bis Z.

Links, vor dem A gibt es das Unerfahrene; recht, nach dem Z herrscht Chaos.

Um tiefere Begrenzungen besser zu kapieren: entweder begannen sie vom Tag, an dem die Menschengeschichte losging, oder du legst sie anhand deines persönlichen Lebens fest.

Ich kann das nicht festlegen, auch nicht das Raum-Zeit-Ding anders denken.

Stell dir vor, eine Antwort zu suchen auf die Grenzen des Weltalls. Diese Antwort kann dir niemand liefern. Und so kannst du auch nicht sehen, wo das All aufhört – kannst daher auch nicht die Zeit festlegen.

Zeit und Raum können nur bestimmt werden, wenn da Bewegung ist.

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Wie bestimmt sich Zeit in deinem Werk?

Aus der Bewegung und dem Ticken der Uhren.

Uhren, viele Uhren, manchmal mit Dreck bedeckt, manches Mal gebunden in Bündeln, einem Flüchtling gleich, das bezieht sich auf den Mensch [was ich da eben sagte], also, den der Zeit Flüchtige.

Ihren Tick-Tack hörend, fühlst du den Fluss, den Moment, der vergeht.

In einem der Werke der Ausstellung gibt es eine menschliche Statue, auf deren erhobenen Hand eine Taube sitzt, die sein Ohr im Herzen berührt, als ob versucht würde, das Herz zu hören. Letzteres ist unsere wirkliche, unsere einzige Uhr. Von der Geburt an stellt diese Uhr fest. Sie ist der Messer unserer Zeit. Wenn wir ihr Tick-Tack jeden Morgen aufmerksam hörten, wenn wir daran denken würden, wie sehr wir ES wertschätzen, dann würden wir weiser sein.

Indes das Tick-Tack, welches wir in unseren Händen fürchten, läuft selten mit unseren Herzen synchron.

Die Taube im Werk beugt sich, um dem Betrachter zu zeigen, dass er zuzuhören hat, und zwar seinem einzigen Zeitmesser, dem Tick-Tack seines Herzens.

Ich vermute, wenn das Ende erreicht ist und du fühlst, deine Uhr bleibt stehen, dann wird dir bewusst, dass du ein anderes Tick-Tack hörtest als jenes, dessen es bedurft hätte.

Es ist irrig anzunehmen, dass der Tod nie kommen wird, wo er doch das einfachste Etwas ist, dem du begegnen kannst.

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Und darauf haben sich alle Theorien aufgebaut in Pholosophie und Religion, nämlich darauf, dem Menschen zu zeigen, dass er sterblich ist – weniger schmerzlich.

Das Schlechte ist, dass die meisten Religionen, speziell die monotheistischen, anstatt den Gläubigen zu sagen, „du bist sterblich, freu dich deines Lebens!“, sagen, „lach nicht, freu dich nicht, lieb nicht, pass auf und warte dein Ende ab – noch bevor du geboren wurdest“.

Im Altertum verstanden sie das Leben anders.

In den Garten des Museums tretend, gibt es rechts ein Mosaik, welches in der Mitte die Göttin Afrodite hat, die ihr Haar öffnet. Und Eros hält ihr den Spiegel.

Da war auch irgendwann mal auf dem Boden eines Hauses ein nackter Eros, der keine Schande fühlt.

So etwas gibt es in den monotheistischen Religionen nicht. Dort herrscht Unterdrückung!

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Warum denken wir stets, die Vergangenheit sei besser als die Gegenwart?

Wir beziehen uns nicht mit irgendeiner Vergangenheitsgeilheit auf jenes, was zuvor war.

Die Kultur produziert Kunstwerke, die wir sehen und bestaunen, ohne dass das bedeutete, viele der heutigen Werke seien nicht bewundernswert – oder dass es kein Morgen gäbe.

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Deine Herangehensweise hat mit dem Gedanken zu tun. Wessen ist dieses Denken, wo sind wir abgewichen?

Wir produzieren keine Kultur, die die Fortsetzung dessen ist, was wir erhielten. Ohne die Vergangenheit zu idealisieren, fahren wir die Gegenwart beurteilend in Richtung gewisser Schlussfolgerungen.

Den Marmor betrachte ich nicht nostalgisch, aber was wir heutzutage als Griechen oder als Bürger dieser Welt tun, sehe ich als Stroh an.

Ich sehe nicht, dass sich etwas kuturell ergibt: in der Kunst, ökonomisch, philosophisch, egal auf welchem Gebiet.

Ich seh da keinen Vorschlag.

Was ich lediglich ausmachen kann sind persönliche oder kunsttechnische Machenschaften – im weitesten Sinne.

Eitelkeit ohne Grenze!

Es herrscht Gleichschaltung!

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Welches ist das erste Werk, dass der Betrachter zu sehen bekommt, wenn die Ausstellung betreten wird?

Im Garten des Museums sind 3 Werke: „der Charme des Stürtzens“, „die Sarkophagen“ und „Mosaike“.

Ersteres ist eine Anspielung auf die einzigartigen umgefallenen Säulen des Säulengangs des Olymp. Dieses Werk besteht aus 11 Ballen Stroh, die gewaltsam auf den Boden fielen. Es besagt, dass jenes, welches wir überreicht bekamen, eine Kultur aus weißem Marmor war und diese Kultur haben wir zu Stroh gemacht.

Die Sarkophagen sind zwei Reihen aus Felsen wie Sarkophagen und dazwischen gibt es 4 zusammengepresste Autos – neuartige Sarkophagen. Sie beinhalten zusammengepresst alles, was ihre Besitzer lebten.

Auf der anderen Seite des Gartens bilden Mosaike ein römisches Mosaik und 2 bunte Würfel [sind auch dort].

Aber was ist wohl im Museum [dahinter]?

Besser ihr kommt mal nachsehen?“

Der Link unten führt virtuell zum Werk des Künstlers!

https://www.youtube.com/watch?v=rgTyBUsfb1c

Mari

Eine Übersetzung von ADH eines Artikels der Nasa Pataniou, 28 Oktober 2018, Politis

 

 

 

“Das Dorf Mari oder Marin (Marini)

Ein Dokument aus dem Jahr 1487 bringt neue Erkenntnisse über das Dorf „Mari“ zutage sowie einen seiner Feudarchen, der aus der Familie der „Kornaros“ stammt.

Wie wir in der Folge untersuchen werden, erwies König Peter I. Lusignan dieser Familie im 14. Jahrhundert die Gunst, und trat das Bistum Limassol an sie ab sowie die nähere Umgebung. Dieser Strang der Kornaros nahm später den Namen „Bischof von Kornaro“ an; genauer: sie beherrschten als Feudalherren das „Bistum Limassol“ sowie die nähere Umgebung.

Es ist stark davon auszugehen, dass zu jenem Zeitpunkt auch Mari an diese Familie überging. Wir haben dazu allerdings keinen Nachweis.

In den Tagen des letzten frankophonen Königs Zyperns, „Jakobus II. Lusignan“, wurde das Dorf Mari von ihm persönlich an einen Florentiner übertragen, der als Konsul seiner Stadt auf der Großen Insel [Zypern] tätig war.

Letzteres schloss allerdings nicht aus, dass das Dorf erneut an die zuvor genannte Familie zurückfiel, und zwar unter der Regentschaft der „Königin Äkatherina Kornaro“ – zumal ein Dokument aus dem Jahr 1487 als Feudarchen des Dorfes ein Mitglied des Bistums der Kornaro angibt.

Das Dorf Marini oder Marin, welches Mari wurde

Das Dokument aus dem Jahr 1487 ist bislang das älteste, indem das heutige Dorf Mari als „Marini“ auftaucht. Das Dorf grenzt an den Vasila-Fluss, dessen Name im Altertum „Tetios“ war. Und hier hat die „Heilige Eleni“ Anker geworfen der Legende zufolge, die uns „Leontios Machäras“ überlieferte. Bezüglich der Ankunft der Heiligen Eleni wird in unserer Zeit geschrieben, dass Mari an dem Fluss Vasila unmittelbar lag. Zu der Zeit der Latiner wird diese Gegend auch als Ankerplatz bezeichnet, wo Schiffe anlegten, um sich mit Wasser oder Nahrung zu versorgen – und oftmals fielen diese Dieben oder Piraten zum Opfer. Und genau daher betrieb man in dieser Gegend unter den Venezianern eine leicht-ausgestattete Reiter-Kompanie, die die Seefront schützte. Von ihnen nehmen wir im Jahr 1564 ganz spezifisch Notiz … . Türkische Piraten gingen in der Gegend ebenfalls vor Anker und stohlen große Mengen „Charoup“ Die Einwohner hatten diese gesammelt und in Säcken verstaut. Es gab dafür keinen Lagerplatz

[Charoup sind wahre Vitamin D-Bomben, die aussehen wie plattgedrückte, raben-schwarze Bananen und hängen meist dicht und in großer Zahl am Baum. Diese Bäume gibt es noch heute sehr oft zu sehen in Zypern. Charoub werden des hohen Vitamin-D-Gehalts von der Wissenschaft und der Nahrungsindustrie gerade wieder entdeckt als ergänzendes Nahrungsmittel und als Medikament].

Mari könnte der ‚Siedlungs-Nachfolger‘ des altertümlichen Mari sein, wenn diese Angelegenheit und jene mit dem Diodoros, dem Sizilianer, geklärt ist. …

„Das Meerreich Kitti sowie Mari sind zu kaufen … .“

Dieses Zitat gibt einen Umstand wider, der uns sagt, dass beide Städte an der Küste lagen. Indes ist das wissenschaftlich noch nicht bewiesen durch Ausgrabungen.

Zuletzt: Das altertümliche Mari lag in der Polis von Chrisochous und nahe Arsino‘i.

In der Geschichtsschreibung des Florios Voustronios, welche Mitte des 16. Jahrhundert zusammengestellt wurde, wird das Dorf „Marin“ genannt. Und als Marin wird es auch auf der Karte des Leonidas Attar aus dem Jahr 1542 aufgeführt. Dieses Dorf wird auch in 4 venezianischen Katalogen erwähnt – sowie auch andere zyprische Dörfer. Unter den Venezianern gehörte Mari zur Provinz Mazotos. Den Venezianern unterstand der größte Teil der Siedlungen in der genannten Provinz. Sie umfasste an die 48 Siedlungen, von denen an die 20 im Lauf der Zeit verschwunden sind.

In 3 von den 4 venezianischen Katalogen wird Mari als Marin aufgeführt – und in einem der drei als Mari. Im 4. Katalog aus dem Jahr 1565, indem auch eine Registrierung aller zyprischen freien Landwirte sich befindet, sowie Franken [Franzosen] von Bedeutung und das Dorf. Wie zuvor bereits gesagt: Sie alle waren als zu Marin gehörig bezeichnet worden.

Zu jener Zeit gab es 36 Franken gemäß der Registrierung, doch ihre Anzahl dürfte vermutlich größer gewesen sein. Nicht registriert waren weibliche Kinder, wie auch die Kolonisierten [Zyprer]. In jeder Ortschaft gab es jedoch gewöhnlich eine größere Anzahl Kolonialisierter als freie Landwirte.

Das oben Gesagte in Betracht genommen, könnten wir sagen, dass Mari unter den Venezianern insgesamt ungefähr an die 100 Einwohner gehabt haben dürfte.

Die Familie des Feudalherren Loukas Karnaros

Der Feudarch Loukas Karnaros, der Mari im Jahr 1487 erhielt, hatte den Frederiko Kornaros der Familie des Bischofstums Kornaros adoptiert, der gleichzeitig der frankophone König Peter I. Lusignan von Zypern war.

Petros I., als er Europa umfuhr im Jahr 1365 mit dem Versuch ausgestattet, seine Herrschaftsbereiche zu vereinigen, um einen erneuten Kreuzzug zu organisieren und um gegen die Ungläubigen vorzugehen zur Befreiung des Heiligen Landes, kam [dergestalt] auch in Venedig an.

Frederikos Kornaros ließ dem König von Zpyern damals eine große Gastfreundschaft zuteil werden und lieh ihm für die Ausgaben des anstehenden neuen Krieges einen großen Geldbetrag. Das Wichtigste aber ist, dass Petros I. In Folge dieses Kredits ihm das Bistum Limassol überreichte zusammen mit Bereichen, die über Limassol hinausreichten, sowie das teure Wasser, welches hauptsächlich der Fluss Kourri bereitstellte.

Frederikos Kornaros – seine Brüder und die Kinder, sowie auch Loukas, wurden dergestalt sehr nahe mit Zypern verbunden – vor allem mit dem Anwesen in Episkopi, dessen Name sie als Titel vor jenem der Bezeichnung Kornaros setzten.

Die Bischöfe namens Kornaros hinterließen in Zypern ihre Spuren, und zwar [vor allem] mit dem Anbau von Zucker im Bistum Limassol.

Untersuchungen, die dieser vorangehen, wie auch archäologische Ausgrabungen, geben uns wertvolle Hinweise auf Zuckerraffinerien, welche die Familie „Cornaro Piscopia“ von Episkopi im 14ten und 16ten Jahrhundert betrieb.

Die Kornaros von Episkopi, wie sich aus dem Material aus dem Altertum erschließen lässt, welches uns zur Verfügung steht, beherrschten als Feudalherren nicht nur Episkopi und Alyki bei Limassol, sondern auch das Dorf Morfu.

Der Staat Venedig interessierte sich mittels Konsulen und mittels Abgesandten, welche ihn vertraten auf Zypern, für seine Untertanen. Diese lebten auf Zypern. Doch vor allem interessierte dieser Staat sich für die Belange der Familie Kornaros … .

Die Kornaros hatten oftmals Auseinandersetzungen und Streit mit den Johannitern [Orden], welche Kolossi beherrschten, und zwar wegen des Wassers, welches sie zweifelsohne beanspruchten.

Marios und das Dorf Mari oder Marini

Ausgeschlossen kann nicht werden, dass der Name des Dorfes irgendeinem Feudalherren einst gehörte, oder eine Siedlung den Namens „Marino“ trug, wie oben bereits erwähnt wurde – „Marini“. Das Dokument aus 1487 zur Regentschaft der Königin Äkatherina, gerade 2 Jahre bevor sie den Thron verließ, diesen Zeitpunkt betreffend erreichten uns Neuigkeiten und unbekannte Hinweise über ein weiteres Besitztum der Kornaros, und zwar in der Gegend Limassol. Jenes Mari, welches wir weiter oben in einer Quelle als Marini bezeichneten, gehörte als Besitz dem Loukas Kornaros, demjenigen Loukas der Familie Kornaros (Piscopia). Am 18. September 1487 beziehen sich der Rat und die Vorsitzenden Zyperns auf dieses angesprochene Dokument, und zwar, dass Lukas Kornaros 220 Dukaten Steuer den Venezianern zu bezahlen habe für das Einkommen, welches er aus seinem Besitz zog – im Dorf Mari(ni). … .“

Mari ist eigentlich ein sonderbarer Ort für mich.

Weil im Dorf drin war ich meines Wissen noch nie.

Eigentlich ein Unding, wenn man bedenkt, wie lange schon auf der Insel verkehrt wird, und dies keine 10 km entfernt von Mari. Fahre nahezu täglich daran vorbei, sei es auf der Landstraße, die auch nach Limassol führt, oder auf der Küstenstraße, die von der Ortschaft Zygi nach Mari führt an einem Zementwerk vorbei – oder weiter oben nach dem Akti Kivernikou führt beispielsweise.

Vor Mari gelegen hat sich schon seit Längerem etwas Industrie angesiedelt. Überhaupt redet die Regierung davon, nein, sie lässt es bereits umsetzen, ausgerechnet dort in der Gegend so eine Art industrielles Zentrum entstehen lassen zu wollen.

Inzwischen dient dieser Ort und sein Hafen als Umschlagplatz für Gas. Das soll sich angeblich lohnen, diesen Rohstoff dort zwischenzulagern, um ihn dann nicht etwa Richtung Europa, sondern Richtung Asien zu transportieren. Stammen tut das teuere Gut aus Russland.

Mari ist auch der Ort, als vor ein paar Jahren Zypern unter Xristofias kommunistisch regiert wurde, ein verheerendes Unglück geschah mit mehreren Toten. Es hatte sich eine Explosion ereignet, die sogar in Psematismenos, wo unser Hauptbüro ist, bei einigen Häusern die Scheiben in den Fenstern in Brüche gehen ließ.

Da fahre ich jetzt mal hin.

Es ist gerade 14 Uhr.

Würde mich nicht wundern, wenn es dort sogar ein Cafe gibt, welches es angeblich nicht geben soll.

Überhaupt wird über Mari gern so berichtet, hat es den Anschein, als sei es der langweiligste und abgelegenste Ort auf Zypern.

Das wird mir erst jetzt bewusst, wo darüber geschrieben wird.

Gespräche auf der sogenannten „Zygi-Crossing“ und im dortigen Cafe mit Spieler, Bauern und Geschäftsleute verstärken diesen Eindruck wohl – und nicht wenige von ihnen stammen aus dem nahe gelegenen Mari.

Dieser indirekte Eindruck vom Hören-Sagen über Mari mag nun ENDLICH etwas direkter eingeholtt werden!!!!!

Es gibt kein Cafe! Jedenfalls konnte ich keines ausmachen! Fremdarbeiter scheinen dort vermehrt zu leben, wahrscheinlich, weil in Mari die Mieten günstiger sind als in Zygi – noch!

Auf Seite 19 der “Politis”-Tageszeitung Südzyperns vom Wochenende (28.10.) steht unter der Überschrift “Analyse” ein Beitrag des Niyazi Kizilyürek, der Nordzyprer ist.

Es kann durchaus sein, dass Kizilyürek im Süden lebt und als Südzyprer angesehen sein will – oder dass er wie viele hin und her pendelt mit beiden Pässen im Sack und mit Wohnsitz hüben, wie auch drüben etc. Ein Grenzgänger wahrscheinlich in noch ganz anderen Bereichen, oder wie man ihn, oder das, was er sonst noch so tut und denkt, nennen soll.

Schon mal vorweg:

Man muss nicht unbedingt einer Meinung sein mit dem, was der Autor Kizilyürek von sich gibt. Doch, finden wir hier, ist es durchaus interessant auch vermittels dieser Übersetzung in ein weiteres Hirn eines Nordzyprers, wenn das so gesagt werden darf, hier Einblick zu gewähren. Kizilyürek ist einer jener, denen es gelingt, im Süden in vielleicht der angesagtesten Tageszeitung des Landes zu publizieren, eben der Politis.

Auch an den Universitäten des Südens sind einige dieser ‘Grenzgänger’ beschäftigt, nur mal so am Rande bemerkt.

Der andere Nordzyprer, der hier zuweilen auch übersetzt wird, der schreibt ja bekanntlich auch in der Politis: Sener Levent.

Übersetzt hat den Beitrag ADH, wie so oft auch diesmal aus dem Griechischen.

Dieser Artikel Kizilyüreks lautet:

Na, wo sollen wir denn suchen?

In der Machbarkeit!

In letzter Zeit wird eine aufgeregte Diskussion über folgendes geführt: Welcher Betrag ist erforderlich, um ein Zypern der Bundesstaaten von Erfolg gekrönt zu machen – das heißt machbar zu haben.

Die griechisch-zyprische Seite bringt ihr Unwohlsein dazu ganz offen zu Wort. Sie behauptet, dass ein Staat bestehend aus Bundesstaaten – in der Staatsform, die derzeit diskutiert wird -, nicht machbar sein kann.

Ein Ausweg wird gesucht.

Obgleich, gleich anfänglich müssen wir akzeptieren, dass dieses Unwohlsein nicht unbegründet ist. Wir beobachten, dass die Basis dieser Diskussion nämlich falsch ist. Zum Beispiel wird der wirkungsvollen Teilnahme der Türkischzyprioten als „Problem“ begegnet. Und die griechisch-zyprische Seite löst sich [währenddessen] in einer [geradezu] befreiten Art und Weise auf.

Jedoch Glück oder Glücklosigkeit des Zyprischen oder irgendeines anderen Bundesstaates wird nicht am wirksamen Teilnehmen irgendwelcher Gesellschaftsteile ermessen in staatlichen Gefügen.

Im Gegenteil.

Sondern: Ohne eine wirksame Teilnahme der Gesellschaftsteile kann nicht von einer bundesstaatlichen Verfasstheit gesprochen werden. Der Erfolg [Glück] und die Durchführbarkeit [Machbarkeit] eines bundesstaatlich organisierten Staates beruhen auf der Anwesenheit von erforderlichen Politiken und ideologischen Bündnissen in günstigen kulturellen und gesellschaftsökonomischen Bedingungen.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Parameter werfen, die die Lebensfähigkeit eines bundesstaatlich organisierten Staates ausmachen.

Zu allererst haben wir folgendes Wichtiges zu unterstreichen: Im zyprischen Fall liegt der größte Misserfolg darin, dass noch immer nicht das Zustandekommen einer Bundesrepublik [zur Genüge] angegangen wurde, obgleich so etwas bereits seit 1977 diskutiert wird. Aus diesem Blickwinkel – entgegen der bestehenden Bedenken für die Zukunft – gilt es, vorrangig die Gründe zu untersuchen, deretwegen genau diese Bundesrepublik Zypern bis heute nicht der Fall geworden ist.

In Wirklichkeit handelt es sich unmittelbar um zwei verdeckte Diskussionen. Bis heutzutage sind die Gründe für den Misserfolg der Gründung einer Bundesrepublik Zypern sowie die Schwierigkeiten, die sich erheben werden, wenn diese letztendlich gegründet wurde, als ähnlich gelegen anzusehen.

Die internationale Definition des Föderalismus gibt uns zwei Dinge, die zum Misserfolg einer Bundesrepublik führen: die wirklichen Absichten hinter der Gründung einer Bundesrepublik; sowie das Gründungsziel. Diese beiden Parameter sind sehr bedeutend für die Frage, in wiefern eine Bundesrepublik auf lange Sicht lebensfähig ist oder eben nicht. Nachforschungen ergaben, dass bundesstaalich organisierte Staaten, die nicht auf einem echten Verständnis der gebotenen Gegenseitigkeit beruhen, sondern lediglich darauf abzielen, zu einer Versöhnung zu gelangen, von konjunkturellem Verhalten getrieben und kurzfristige Zielsetzungen bedienend, äußerst schwer einen Erfolg erzielen.

Im Gegensatz dazu hat eine Bundesrepublik größere Überlebenschancen auf Basis eines ehrlichen und maßgebenden Zusammenschluss‘. Sicherlich hat ein gemeinsames Interesse einen katalytischen Effekt, zumal das Ziel ist, dass Zusammenschluss und katalytischer Effekt in einer Art Rahmen befriedet werden, nämlich: demselben gemacht aus Zusammenarbeit und Einheit.

Falls es nützliche Parameter sind – also notwendige -, reicht das [gemeinsame] Interesse nicht aus für den Erfolg einer Bundesrepublik. Es ist gut bekannt, dass Bundesrepubliken, welche unmittelbar auf Anordnung durch äußere Mächte geschaffen worden sind, auf lange Sicht nicht bestehen.

Es gibt da noch einen anderen wichtigen Parameter beim Bau einer Bundesrepublik, der den Erfolg derselben garantiert: Die Setzung des Bundesstaatlichen als höchstes Prinzip im Staat gegenüber anderen Werten – sowie die Installation desselben ins Zentrum des politischen Lebens. Bundesrepubliken, welche in solch Rahmen gebildet sind, in ihnen besteht das Bundesstaatliche als das höchste Politische und als das höchste Ideal für alle – oder zumindest für die große Mehrheit der politischen Elite und der Gemeinschaften. In diesem Fall läuft die Bundesrepublik in eigener Zielrichtung, und nicht für das ‚glückliche‘ Gelingen ganz anderer Ziele.

Und zweifelsohne ist das machbarste und widerstandsfähigste Modell einer Bundesrepublik dieses Erstere. Es gibt keine unüberwindlichen Hindernisse in einer Bundesrepublik, in welcher die Gemeinschaften mittels ehrlichen Dialoges gegenseitigen Respekt fühlen, ein Klima des Vertrauens sich aufbaut, wo man offen für‘s Gespräch ist – und eine spezifische Identität bewahrt werden kann; diese [derart respektierten und ‚geführten‘] Gemeinschaften sind es dann auch, die ihrem Land sich widmen.

Zur Unterscheidung: Eine Bundesrepublik als Mittel zu begreifen, kurzfristige Interessen zu befrieden, ist das Eine. Ihr gegenüber hat jene, die gebaut wurde, in eigener Zielrichtung zu laufen, als erforderliche Voraussetzung die Ideologie und eine politische Verpflichtung. Deswegen ist die Existenz von charismatischen Führern wichtig, die den Föderalismus ins Werk setzen, und zwar als in-eigener-Zielrichtung-laufend. Das haben sie als Wert in die Köpfe der Leute zu installieren. [Letztere sind auch nach Ansicht des Autors auf Zyperns nirgends in Sicht].

Man kann allerdings auch das Gegenteil behaupten, nämlich: Das Kultivieren der Gesellschaften vermittels bundesstaatlicher Werte [etablieren], und zwar so, damit diese sodann das politische Leben säubern; und zuletzt: dass derart Führer aufkommen, die Föderalisten sind. [Auch diese Spezie existiert nach Ansicht des Autors nirgendwo im jetzigen Zypern].

Ein anderer wichtiger Punkt ist die allgemeine Wahrnehmung des Landes. In einer Bundesrepublik – über den Punkt Machbarkeit hinausreichend – hat auch die Kultivierung der [angebrachten] Wahrnehmung eines Landes seitens seiner Bevölkerung vordringliche Wichtigkeit.

Mal abgesehen von der Sicherheit und Wirksamkeit, welche eine Zusammenarbeit mit den Türkischzyprern bringt, ist die Vorbereitung des Landes auf eine Lösung der Zypernfrage mit Hilfe der Kultivierung einer bundesstaatlichen Kultur dringend erforderlich. Präsident Anastasiadis tut gut daran, möglichst bald DAS dem Volk zu sagen und zu erklären, dass die Türkischzyprer nicht alleine ein gleiches Mitwirkrecht in einem bundesstaatlichen Gefüge nach einer Vereinigung brauchen, sondern auch, dass die Verfassung von 1960 eben genau solch ein Recht in der Zyprischen Demokratie festlegt/e.

Es muss [endlich] verstanden werden, dass eine Wiedervereinigung Zyperns mit den Türkischzyprern beginnt. Jene, die nicht wünschen, die Regierungsgewalt mit den Türkischzyprern gemeinschaftlich zu teilen, hätten dann auch die schwere historische Konsequenz zu tragen – bewusst oder unbewusst –[, nämlich die da ist], dass die Hälfte der Insel an die Türkei verschenkt wird!

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