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Dimitri Alitheinos

Heute mal etwas aus der Welt der Museen und der Kunst.

Wir freuen uns, Ihnen den Künstler Herrn Dimitris Alitheinos in einem Interview mit Marina S’chizo in der Politis vom 28. Oktober auf diese Weise vorstellen zu können.

Es geht in dem Interview um eine Ausstellung von Alitheinos im Archäologischen Museum Limassol (AML).

Übersetzung aus dem Griechischen stammt von ADH.

 

 

“…

Das Vergangene, das Kommende, Wir”.

Das ist der Titel der Ausstellung, die was genau darstellt?

Die Beziehung zu gestern, heute und morgen. Ich glaube, Zeit gibt es nicht, sondern alles ist in einer hypothetischen Beziehung [zueinander].

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Welchen Unterschied macht der Ort, wo du deinen derzeitigen Beitrag hin verfrachtest?

Ja! Sicher kommt [auch] dieses Mal Freude auf, die Freude, im AML zu sein. Gewöhnlich, wenn du eine Ausstellung machst, ist der Ort weiß. Es gibt da übrigens nichts an solch einem Ort, was dich festlegt. Gehst rein und bist dich, das Werk und das Umfeld.

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Und beginnst vom Nullpunkt.

Genau!

Die Werke werden ja gewöhnlich in Ateliers hergestellt; sprechen oder sprechen eben nicht.

Letzteres ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls ist es etwas, was außerhalb des Ausstellungsortes entstand. Der einzige Dialog, der so erschaffen wurde, ist der zwischen den Werken und den Betrachtern – oder unter den Werken selbst.

Es ist eine Beziehung, die sich auf‘s Heute richtet.

Doch: In einem archäologischen Museum gibt es Mythen und Objekte von vor dieser Zeit.

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Wie entwickelt sich dieser Dialog des Alten mit dem Heutigen, um uns dann hier im AML landen zu lassen?

Mich interessiert immer der Dialog mit dem Alten auf Grund der Physis meiner Arbeit sowie meiner Gedanken. Bereits seit Anfang der 70er Jahre mache ich Performances, wie im Tempel des Ifästos, in der archäologischen Stätte der Agora, im alten Olympia usw. Obwohl ich zu jener Zeit den Umsturz [dessen, was sich dort an Altertümlichem befand] inszinierte, die Wurzel [letztlich], die „Klassik“ mit der Sprache der Kunst, wusste ich jedoch, dass das nicht vollends sein kann, ohne seine Verbindung mit der Geschicht und dem historischen Fortgang.

Das heißt, was ich wiederhole, nämlich, dass „Neues alt sein muss, um zu sein“!

Letzteres ist, an was ich glaube, sagen wir, schon immer.

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Das Alte im Sinne von Erinnern?

Im Sinne von Erfahrung, der Geschichte, der Entdeckung. Mit allem, was wir sahen, alles war wir erreichten, nicht nur als Volk, sondern im Allgemeinen als die Art namens Mensch. Mit dieser Einstellung und derart ein archäologisches Museum betretend, betrittst du einen energetischen Ort gefüllt mit Anstrenungen und Schweiß des Menschen – im Gegensatz zu modernen Museen.

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Voll Erinnerung, Geschichte, Energie …

Und darüber hinaus alles mit Zeit und Mythos.

Was ich ins AML bringe, um das AML in ein Kunstwerk zu verwandeln, muss mit Mythos geschehen.

Kann sein, dass das klappt oder eben nicht.

Aber:

Im Museum selbst sind die Objekte ja bereits mit einem Mythos behaftet. Das einfachste Objekt hat dort sein Geheimnis.

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Aus welchem Grund hast du das AML gewählt?

Das ist nicht von Belang, weil ich glaube, dass alle archäologischen Museen ein Teil eines größteren Museums sind. Es ist Letzteres wie ein riesiges Gebäude mit vielen Räumen. [Das trifft auch zu, w]enn ich vom Archäologischen Museum in Nikosia ins AML gehe, auch, wenn die Gebäude tausende Kilometer und Stunden Fahrt auseinanderlägen.

Wenn ich also ein Museum betrete, ist es als besuchte ich irgendein Haus, in das ich wieder hineingehe. Ich beginne einfach einen neuen Dialog in einem weiteren Raum.

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Du kreierst jedes Mal eine neue Beziehung?

Die Beziehung ist endlos, weil sie fließt. Von einen gewissen Punkt aus änderst du dich als Persönlichkeit und siehst ES unterschiedlich; und andererseits, falls du dich änderst, ändern auch DIE sich.

Das Wissen kommt langsam, ganz langsam.

Diese Objekte [in Museen] sind voller Geheimnisse. Es ist irgendwie falsch zu sagen, du denkst, sie zu kennen. Sie haben einen Mythos. Es braucht Zeit. Wissen verlangt Zeit.

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Dinge, die langsam entdeckt werden, analog zu dem bestimmten Moment …

Hauptsächlich durch Wiederholung, die Erfahrung, meine Interessen.

Der Moment spielt die Hauptrolle.

Als ich Student war in der S‘choli Kalou in Athen gingen wir mittags ans Archäologische Museum und zeichneten. Oft ging ich ins obere Stockwerk, wo die Werke aus Santorini zu finden sind und stand Stunden vor den Wandgrafiken des Raumes der Anixi [Göttin]. Sah die Grafiken und fühlte, dass dort inmitten derselben es etwas gibt, was ich nicht sehen kann. Ging jedes Mal dorthin ins Museum und jedes Mal verließ ich es mit derselben Frage. Ich stand vor einer geschlossenen Kiste, die nicht geöffnet werden konnte.

10 Jahre vergingen, ich war noch in Paris, als ich zurück an diesen Ort kam. Als ich die Grafik sah, öffnete sich die Kiste und das Geheimnis in ihr war zu sehen.

Alle altertümlichen Objekte tragen ein Geheimnis mit oder in sich – vor allem die archaischen. Es reicht, dass du ungezwungen vor ihnen stehst und sicherlich wird sich dir etwas erschließen.

Mich in ein Museum begebend, weiß ich, dasss ‚jemand‘ auf mich wartet. Worum ich mich [daher] zuerst kümmere, ist Freund zu sein [mit den ausgestellten Objekten im Museum].

Und weil das Museum voll mit Zeit ist, und weil ich mit der Zeit befreundet bin, ist es logisch, vermittels meiner Ausstellung [auch] meinen Freund zu erwähnen.

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Und was geschieht?

Es passiert die Vergangenheit, das Kommende, Wir.

Wir, die wir der Moment sind.

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Wie wird dieser Moment bestimmt?

Die Frage ist:

Wie legt sich die Quintessenz des Augenblicks fest.

Warum, wenn der Moment das Jetzt ist, gibt es in ihm nicht-erfahrene Augenblicke?

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Der passende Moment wird wie bestimmt?

Darin liegt das große Spiel des Menschen mit seinem Leben, mit seiner Zeit, mit seinen Fähigkeiten. Ich denke, was man zu erlernen hat von kleinauf, ist den passenden Moment erfassen zu können.

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Ich nehme an, dass dieser passende Moment aus Erfahrung anderer Momente sich feststellen lässt.

Sicher.

Und bevor jemand denkt, dass alles seien lediglich Theorien, tut er gut daran, den passenden Augenblick herauszustechen: um zu suchen, Liebe zu machen, zu essen, zu lieben, zu hassen.

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Hast du die Antwort darauf gefunden, was Zeit ist?

Zu etwas, was es nicht gibt, wie kannst du dazu eine Antwort geben?

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Zeit gibt es nicht. Sie ist eine menschliche Erfindung und bedient menschliche Bedürfnisse. Was ist jenes, welches wir als ‚Zeit‘ definieren?

Es sind die begrenzten Grenzen unseres Lebens.

Von A bis Z.

Links, vor dem A gibt es das Unerfahrene; recht, nach dem Z herrscht Chaos.

Um tiefere Begrenzungen besser zu kapieren: entweder begannen sie vom Tag, an dem die Menschengeschichte losging, oder du legst sie anhand deines persönlichen Lebens fest.

Ich kann das nicht festlegen, auch nicht das Raum-Zeit-Ding anders denken.

Stell dir vor, eine Antwort zu suchen auf die Grenzen des Weltalls. Diese Antwort kann dir niemand liefern. Und so kannst du auch nicht sehen, wo das All aufhört – kannst daher auch nicht die Zeit festlegen.

Zeit und Raum können nur bestimmt werden, wenn da Bewegung ist.

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Wie bestimmt sich Zeit in deinem Werk?

Aus der Bewegung und dem Ticken der Uhren.

Uhren, viele Uhren, manchmal mit Dreck bedeckt, manches Mal gebunden in Bündeln, einem Flüchtling gleich, das bezieht sich auf den Mensch [was ich da eben sagte], also, den der Zeit Flüchtige.

Ihren Tick-Tack hörend, fühlst du den Fluss, den Moment, der vergeht.

In einem der Werke der Ausstellung gibt es eine menschliche Statue, auf deren erhobenen Hand eine Taube sitzt, die sein Ohr im Herzen berührt, als ob versucht würde, das Herz zu hören. Letzteres ist unsere wirkliche, unsere einzige Uhr. Von der Geburt an stellt diese Uhr fest. Sie ist der Messer unserer Zeit. Wenn wir ihr Tick-Tack jeden Morgen aufmerksam hörten, wenn wir daran denken würden, wie sehr wir ES wertschätzen, dann würden wir weiser sein.

Indes das Tick-Tack, welches wir in unseren Händen fürchten, läuft selten mit unseren Herzen synchron.

Die Taube im Werk beugt sich, um dem Betrachter zu zeigen, dass er zuzuhören hat, und zwar seinem einzigen Zeitmesser, dem Tick-Tack seines Herzens.

Ich vermute, wenn das Ende erreicht ist und du fühlst, deine Uhr bleibt stehen, dann wird dir bewusst, dass du ein anderes Tick-Tack hörtest als jenes, dessen es bedurft hätte.

Es ist irrig anzunehmen, dass der Tod nie kommen wird, wo er doch das einfachste Etwas ist, dem du begegnen kannst.

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Und darauf haben sich alle Theorien aufgebaut in Pholosophie und Religion, nämlich darauf, dem Menschen zu zeigen, dass er sterblich ist – weniger schmerzlich.

Das Schlechte ist, dass die meisten Religionen, speziell die monotheistischen, anstatt den Gläubigen zu sagen, „du bist sterblich, freu dich deines Lebens!“, sagen, „lach nicht, freu dich nicht, lieb nicht, pass auf und warte dein Ende ab – noch bevor du geboren wurdest“.

Im Altertum verstanden sie das Leben anders.

In den Garten des Museums tretend, gibt es rechts ein Mosaik, welches in der Mitte die Göttin Afrodite hat, die ihr Haar öffnet. Und Eros hält ihr den Spiegel.

Da war auch irgendwann mal auf dem Boden eines Hauses ein nackter Eros, der keine Schande fühlt.

So etwas gibt es in den monotheistischen Religionen nicht. Dort herrscht Unterdrückung!

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Warum denken wir stets, die Vergangenheit sei besser als die Gegenwart?

Wir beziehen uns nicht mit irgendeiner Vergangenheitsgeilheit auf jenes, was zuvor war.

Die Kultur produziert Kunstwerke, die wir sehen und bestaunen, ohne dass das bedeutete, viele der heutigen Werke seien nicht bewundernswert – oder dass es kein Morgen gäbe.

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Deine Herangehensweise hat mit dem Gedanken zu tun. Wessen ist dieses Denken, wo sind wir abgewichen?

Wir produzieren keine Kultur, die die Fortsetzung dessen ist, was wir erhielten. Ohne die Vergangenheit zu idealisieren, fahren wir die Gegenwart beurteilend in Richtung gewisser Schlussfolgerungen.

Den Marmor betrachte ich nicht nostalgisch, aber was wir heutzutage als Griechen oder als Bürger dieser Welt tun, sehe ich als Stroh an.

Ich sehe nicht, dass sich etwas kuturell ergibt: in der Kunst, ökonomisch, philosophisch, egal auf welchem Gebiet.

Ich seh da keinen Vorschlag.

Was ich lediglich ausmachen kann sind persönliche oder kunsttechnische Machenschaften – im weitesten Sinne.

Eitelkeit ohne Grenze!

Es herrscht Gleichschaltung!

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Welches ist das erste Werk, dass der Betrachter zu sehen bekommt, wenn die Ausstellung betreten wird?

Im Garten des Museums sind 3 Werke: „der Charme des Stürtzens“, „die Sarkophagen“ und „Mosaike“.

Ersteres ist eine Anspielung auf die einzigartigen umgefallenen Säulen des Säulengangs des Olymp. Dieses Werk besteht aus 11 Ballen Stroh, die gewaltsam auf den Boden fielen. Es besagt, dass jenes, welches wir überreicht bekamen, eine Kultur aus weißem Marmor war und diese Kultur haben wir zu Stroh gemacht.

Die Sarkophagen sind zwei Reihen aus Felsen wie Sarkophagen und dazwischen gibt es 4 zusammengepresste Autos – neuartige Sarkophagen. Sie beinhalten zusammengepresst alles, was ihre Besitzer lebten.

Auf der anderen Seite des Gartens bilden Mosaike ein römisches Mosaik und 2 bunte Würfel [sind auch dort].

Aber was ist wohl im Museum [dahinter]?

Besser ihr kommt mal nachsehen?“

Der Link unten führt virtuell zum Werk des Künstlers!

https://www.youtube.com/watch?v=rgTyBUsfb1c

Mari

Eine Übersetzung von ADH eines Artikels der Nasa Pataniou, 28 Oktober 2018, Politis

 

 

 

“Das Dorf Mari oder Marin (Marini)

Ein Dokument aus dem Jahr 1487 bringt neue Erkenntnisse über das Dorf „Mari“ zutage sowie einen seiner Feudarchen, der aus der Familie der „Kornaros“ stammt.

Wie wir in der Folge untersuchen werden, erwies König Peter I. Lusignan dieser Familie im 14. Jahrhundert die Gunst, und trat das Bistum Limassol an sie ab sowie die nähere Umgebung. Dieser Strang der Kornaros nahm später den Namen „Bischof von Kornaro“ an; genauer: sie beherrschten als Feudalherren das „Bistum Limassol“ sowie die nähere Umgebung.

Es ist stark davon auszugehen, dass zu jenem Zeitpunkt auch Mari an diese Familie überging. Wir haben dazu allerdings keinen Nachweis.

In den Tagen des letzten frankophonen Königs Zyperns, „Jakobus II. Lusignan“, wurde das Dorf Mari von ihm persönlich an einen Florentiner übertragen, der als Konsul seiner Stadt auf der Großen Insel [Zypern] tätig war.

Letzteres schloss allerdings nicht aus, dass das Dorf erneut an die zuvor genannte Familie zurückfiel, und zwar unter der Regentschaft der „Königin Äkatherina Kornaro“ – zumal ein Dokument aus dem Jahr 1487 als Feudarchen des Dorfes ein Mitglied des Bistums der Kornaro angibt.

Das Dorf Marini oder Marin, welches Mari wurde

Das Dokument aus dem Jahr 1487 ist bislang das älteste, indem das heutige Dorf Mari als „Marini“ auftaucht. Das Dorf grenzt an den Vasila-Fluss, dessen Name im Altertum „Tetios“ war. Und hier hat die „Heilige Eleni“ Anker geworfen der Legende zufolge, die uns „Leontios Machäras“ überlieferte. Bezüglich der Ankunft der Heiligen Eleni wird in unserer Zeit geschrieben, dass Mari an dem Fluss Vasila unmittelbar lag. Zu der Zeit der Latiner wird diese Gegend auch als Ankerplatz bezeichnet, wo Schiffe anlegten, um sich mit Wasser oder Nahrung zu versorgen – und oftmals fielen diese Dieben oder Piraten zum Opfer. Und genau daher betrieb man in dieser Gegend unter den Venezianern eine leicht-ausgestattete Reiter-Kompanie, die die Seefront schützte. Von ihnen nehmen wir im Jahr 1564 ganz spezifisch Notiz … . Türkische Piraten gingen in der Gegend ebenfalls vor Anker und stohlen große Mengen „Charoup“ Die Einwohner hatten diese gesammelt und in Säcken verstaut. Es gab dafür keinen Lagerplatz

[Charoup sind wahre Vitamin D-Bomben, die aussehen wie plattgedrückte, raben-schwarze Bananen und hängen meist dicht und in großer Zahl am Baum. Diese Bäume gibt es noch heute sehr oft zu sehen in Zypern. Charoub werden des hohen Vitamin-D-Gehalts von der Wissenschaft und der Nahrungsindustrie gerade wieder entdeckt als ergänzendes Nahrungsmittel und als Medikament].

Mari könnte der ‚Siedlungs-Nachfolger‘ des altertümlichen Mari sein, wenn diese Angelegenheit und jene mit dem Diodoros, dem Sizilianer, geklärt ist. …

„Das Meerreich Kitti sowie Mari sind zu kaufen … .“

Dieses Zitat gibt einen Umstand wider, der uns sagt, dass beide Städte an der Küste lagen. Indes ist das wissenschaftlich noch nicht bewiesen durch Ausgrabungen.

Zuletzt: Das altertümliche Mari lag in der Polis von Chrisochous und nahe Arsino‘i.

In der Geschichtsschreibung des Florios Voustronios, welche Mitte des 16. Jahrhundert zusammengestellt wurde, wird das Dorf „Marin“ genannt. Und als Marin wird es auch auf der Karte des Leonidas Attar aus dem Jahr 1542 aufgeführt. Dieses Dorf wird auch in 4 venezianischen Katalogen erwähnt – sowie auch andere zyprische Dörfer. Unter den Venezianern gehörte Mari zur Provinz Mazotos. Den Venezianern unterstand der größte Teil der Siedlungen in der genannten Provinz. Sie umfasste an die 48 Siedlungen, von denen an die 20 im Lauf der Zeit verschwunden sind.

In 3 von den 4 venezianischen Katalogen wird Mari als Marin aufgeführt – und in einem der drei als Mari. Im 4. Katalog aus dem Jahr 1565, indem auch eine Registrierung aller zyprischen freien Landwirte sich befindet, sowie Franken [Franzosen] von Bedeutung und das Dorf. Wie zuvor bereits gesagt: Sie alle waren als zu Marin gehörig bezeichnet worden.

Zu jener Zeit gab es 36 Franken gemäß der Registrierung, doch ihre Anzahl dürfte vermutlich größer gewesen sein. Nicht registriert waren weibliche Kinder, wie auch die Kolonisierten [Zyprer]. In jeder Ortschaft gab es jedoch gewöhnlich eine größere Anzahl Kolonialisierter als freie Landwirte.

Das oben Gesagte in Betracht genommen, könnten wir sagen, dass Mari unter den Venezianern insgesamt ungefähr an die 100 Einwohner gehabt haben dürfte.

Die Familie des Feudalherren Loukas Karnaros

Der Feudarch Loukas Karnaros, der Mari im Jahr 1487 erhielt, hatte den Frederiko Kornaros der Familie des Bischofstums Kornaros adoptiert, der gleichzeitig der frankophone König Peter I. Lusignan von Zypern war.

Petros I., als er Europa umfuhr im Jahr 1365 mit dem Versuch ausgestattet, seine Herrschaftsbereiche zu vereinigen, um einen erneuten Kreuzzug zu organisieren und um gegen die Ungläubigen vorzugehen zur Befreiung des Heiligen Landes, kam [dergestalt] auch in Venedig an.

Frederikos Kornaros ließ dem König von Zpyern damals eine große Gastfreundschaft zuteil werden und lieh ihm für die Ausgaben des anstehenden neuen Krieges einen großen Geldbetrag. Das Wichtigste aber ist, dass Petros I. In Folge dieses Kredits ihm das Bistum Limassol überreichte zusammen mit Bereichen, die über Limassol hinausreichten, sowie das teure Wasser, welches hauptsächlich der Fluss Kourri bereitstellte.

Frederikos Kornaros – seine Brüder und die Kinder, sowie auch Loukas, wurden dergestalt sehr nahe mit Zypern verbunden – vor allem mit dem Anwesen in Episkopi, dessen Name sie als Titel vor jenem der Bezeichnung Kornaros setzten.

Die Bischöfe namens Kornaros hinterließen in Zypern ihre Spuren, und zwar [vor allem] mit dem Anbau von Zucker im Bistum Limassol.

Untersuchungen, die dieser vorangehen, wie auch archäologische Ausgrabungen, geben uns wertvolle Hinweise auf Zuckerraffinerien, welche die Familie „Cornaro Piscopia“ von Episkopi im 14ten und 16ten Jahrhundert betrieb.

Die Kornaros von Episkopi, wie sich aus dem Material aus dem Altertum erschließen lässt, welches uns zur Verfügung steht, beherrschten als Feudalherren nicht nur Episkopi und Alyki bei Limassol, sondern auch das Dorf Morfu.

Der Staat Venedig interessierte sich mittels Konsulen und mittels Abgesandten, welche ihn vertraten auf Zypern, für seine Untertanen. Diese lebten auf Zypern. Doch vor allem interessierte dieser Staat sich für die Belange der Familie Kornaros … .

Die Kornaros hatten oftmals Auseinandersetzungen und Streit mit den Johannitern [Orden], welche Kolossi beherrschten, und zwar wegen des Wassers, welches sie zweifelsohne beanspruchten.

Marios und das Dorf Mari oder Marini

Ausgeschlossen kann nicht werden, dass der Name des Dorfes irgendeinem Feudalherren einst gehörte, oder eine Siedlung den Namens „Marino“ trug, wie oben bereits erwähnt wurde – „Marini“. Das Dokument aus 1487 zur Regentschaft der Königin Äkatherina, gerade 2 Jahre bevor sie den Thron verließ, diesen Zeitpunkt betreffend erreichten uns Neuigkeiten und unbekannte Hinweise über ein weiteres Besitztum der Kornaros, und zwar in der Gegend Limassol. Jenes Mari, welches wir weiter oben in einer Quelle als Marini bezeichneten, gehörte als Besitz dem Loukas Kornaros, demjenigen Loukas der Familie Kornaros (Piscopia). Am 18. September 1487 beziehen sich der Rat und die Vorsitzenden Zyperns auf dieses angesprochene Dokument, und zwar, dass Lukas Kornaros 220 Dukaten Steuer den Venezianern zu bezahlen habe für das Einkommen, welches er aus seinem Besitz zog – im Dorf Mari(ni). … .“

Mari ist eigentlich ein sonderbarer Ort für mich.

Weil im Dorf drin war ich meines Wissen noch nie.

Eigentlich ein Unding, wenn man bedenkt, wie lange schon auf der Insel verkehrt wird, und dies keine 10 km entfernt von Mari. Fahre nahezu täglich daran vorbei, sei es auf der Landstraße, die auch nach Limassol führt, oder auf der Küstenstraße, die von der Ortschaft Zygi nach Mari führt an einem Zementwerk vorbei – oder weiter oben nach dem Akti Kivernikou führt beispielsweise.

Vor Mari gelegen hat sich schon seit Längerem etwas Industrie angesiedelt. Überhaupt redet die Regierung davon, nein, sie lässt es bereits umsetzen, ausgerechnet dort in der Gegend so eine Art industrielles Zentrum entstehen lassen zu wollen.

Inzwischen dient dieser Ort und sein Hafen als Umschlagplatz für Gas. Das soll sich angeblich lohnen, diesen Rohstoff dort zwischenzulagern, um ihn dann nicht etwa Richtung Europa, sondern Richtung Asien zu transportieren. Stammen tut das teuere Gut aus Russland.

Mari ist auch der Ort, als vor ein paar Jahren Zypern unter Xristofias kommunistisch regiert wurde, ein verheerendes Unglück geschah mit mehreren Toten. Es hatte sich eine Explosion ereignet, die sogar in Psematismenos, wo unser Hauptbüro ist, bei einigen Häusern die Scheiben in den Fenstern in Brüche gehen ließ.

Da fahre ich jetzt mal hin.

Es ist gerade 14 Uhr.

Würde mich nicht wundern, wenn es dort sogar ein Cafe gibt, welches es angeblich nicht geben soll.

Überhaupt wird über Mari gern so berichtet, hat es den Anschein, als sei es der langweiligste und abgelegenste Ort auf Zypern.

Das wird mir erst jetzt bewusst, wo darüber geschrieben wird.

Gespräche auf der sogenannten „Zygi-Crossing“ und im dortigen Cafe mit Spieler, Bauern und Geschäftsleute verstärken diesen Eindruck wohl – und nicht wenige von ihnen stammen aus dem nahe gelegenen Mari.

Dieser indirekte Eindruck vom Hören-Sagen über Mari mag nun ENDLICH etwas direkter eingeholtt werden!!!!!

Es gibt kein Cafe! Jedenfalls konnte ich keines ausmachen! Fremdarbeiter scheinen dort vermehrt zu leben, wahrscheinlich, weil in Mari die Mieten günstiger sind als in Zygi – noch!

Auf Seite 19 der “Politis”-Tageszeitung Südzyperns vom Wochenende (28.10.) steht unter der Überschrift “Analyse” ein Beitrag des Niyazi Kizilyürek, der Nordzyprer ist.

Es kann durchaus sein, dass Kizilyürek im Süden lebt und als Südzyprer angesehen sein will – oder dass er wie viele hin und her pendelt mit beiden Pässen im Sack und mit Wohnsitz hüben, wie auch drüben etc. Ein Grenzgänger wahrscheinlich in noch ganz anderen Bereichen, oder wie man ihn, oder das, was er sonst noch so tut und denkt, nennen soll.

Schon mal vorweg:

Man muss nicht unbedingt einer Meinung sein mit dem, was der Autor Kizilyürek von sich gibt. Doch, finden wir hier, ist es durchaus interessant auch vermittels dieser Übersetzung in ein weiteres Hirn eines Nordzyprers, wenn das so gesagt werden darf, hier Einblick zu gewähren. Kizilyürek ist einer jener, denen es gelingt, im Süden in vielleicht der angesagtesten Tageszeitung des Landes zu publizieren, eben der Politis.

Auch an den Universitäten des Südens sind einige dieser ‘Grenzgänger’ beschäftigt, nur mal so am Rande bemerkt.

Der andere Nordzyprer, der hier zuweilen auch übersetzt wird, der schreibt ja bekanntlich auch in der Politis: Sener Levent.

Übersetzt hat den Beitrag ADH, wie so oft auch diesmal aus dem Griechischen.

Dieser Artikel Kizilyüreks lautet:

Na, wo sollen wir denn suchen?

In der Machbarkeit!

In letzter Zeit wird eine aufgeregte Diskussion über folgendes geführt: Welcher Betrag ist erforderlich, um ein Zypern der Bundesstaaten von Erfolg gekrönt zu machen – das heißt machbar zu haben.

Die griechisch-zyprische Seite bringt ihr Unwohlsein dazu ganz offen zu Wort. Sie behauptet, dass ein Staat bestehend aus Bundesstaaten – in der Staatsform, die derzeit diskutiert wird -, nicht machbar sein kann.

Ein Ausweg wird gesucht.

Obgleich, gleich anfänglich müssen wir akzeptieren, dass dieses Unwohlsein nicht unbegründet ist. Wir beobachten, dass die Basis dieser Diskussion nämlich falsch ist. Zum Beispiel wird der wirkungsvollen Teilnahme der Türkischzyprioten als „Problem“ begegnet. Und die griechisch-zyprische Seite löst sich [währenddessen] in einer [geradezu] befreiten Art und Weise auf.

Jedoch Glück oder Glücklosigkeit des Zyprischen oder irgendeines anderen Bundesstaates wird nicht am wirksamen Teilnehmen irgendwelcher Gesellschaftsteile ermessen in staatlichen Gefügen.

Im Gegenteil.

Sondern: Ohne eine wirksame Teilnahme der Gesellschaftsteile kann nicht von einer bundesstaatlichen Verfasstheit gesprochen werden. Der Erfolg [Glück] und die Durchführbarkeit [Machbarkeit] eines bundesstaatlich organisierten Staates beruhen auf der Anwesenheit von erforderlichen Politiken und ideologischen Bündnissen in günstigen kulturellen und gesellschaftsökonomischen Bedingungen.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Parameter werfen, die die Lebensfähigkeit eines bundesstaatlich organisierten Staates ausmachen.

Zu allererst haben wir folgendes Wichtiges zu unterstreichen: Im zyprischen Fall liegt der größte Misserfolg darin, dass noch immer nicht das Zustandekommen einer Bundesrepublik [zur Genüge] angegangen wurde, obgleich so etwas bereits seit 1977 diskutiert wird. Aus diesem Blickwinkel – entgegen der bestehenden Bedenken für die Zukunft – gilt es, vorrangig die Gründe zu untersuchen, deretwegen genau diese Bundesrepublik Zypern bis heute nicht der Fall geworden ist.

In Wirklichkeit handelt es sich unmittelbar um zwei verdeckte Diskussionen. Bis heutzutage sind die Gründe für den Misserfolg der Gründung einer Bundesrepublik Zypern sowie die Schwierigkeiten, die sich erheben werden, wenn diese letztendlich gegründet wurde, als ähnlich gelegen anzusehen.

Die internationale Definition des Föderalismus gibt uns zwei Dinge, die zum Misserfolg einer Bundesrepublik führen: die wirklichen Absichten hinter der Gründung einer Bundesrepublik; sowie das Gründungsziel. Diese beiden Parameter sind sehr bedeutend für die Frage, in wiefern eine Bundesrepublik auf lange Sicht lebensfähig ist oder eben nicht. Nachforschungen ergaben, dass bundesstaalich organisierte Staaten, die nicht auf einem echten Verständnis der gebotenen Gegenseitigkeit beruhen, sondern lediglich darauf abzielen, zu einer Versöhnung zu gelangen, von konjunkturellem Verhalten getrieben und kurzfristige Zielsetzungen bedienend, äußerst schwer einen Erfolg erzielen.

Im Gegensatz dazu hat eine Bundesrepublik größere Überlebenschancen auf Basis eines ehrlichen und maßgebenden Zusammenschluss‘. Sicherlich hat ein gemeinsames Interesse einen katalytischen Effekt, zumal das Ziel ist, dass Zusammenschluss und katalytischer Effekt in einer Art Rahmen befriedet werden, nämlich: demselben gemacht aus Zusammenarbeit und Einheit.

Falls es nützliche Parameter sind – also notwendige -, reicht das [gemeinsame] Interesse nicht aus für den Erfolg einer Bundesrepublik. Es ist gut bekannt, dass Bundesrepubliken, welche unmittelbar auf Anordnung durch äußere Mächte geschaffen worden sind, auf lange Sicht nicht bestehen.

Es gibt da noch einen anderen wichtigen Parameter beim Bau einer Bundesrepublik, der den Erfolg derselben garantiert: Die Setzung des Bundesstaatlichen als höchstes Prinzip im Staat gegenüber anderen Werten – sowie die Installation desselben ins Zentrum des politischen Lebens. Bundesrepubliken, welche in solch Rahmen gebildet sind, in ihnen besteht das Bundesstaatliche als das höchste Politische und als das höchste Ideal für alle – oder zumindest für die große Mehrheit der politischen Elite und der Gemeinschaften. In diesem Fall läuft die Bundesrepublik in eigener Zielrichtung, und nicht für das ‚glückliche‘ Gelingen ganz anderer Ziele.

Und zweifelsohne ist das machbarste und widerstandsfähigste Modell einer Bundesrepublik dieses Erstere. Es gibt keine unüberwindlichen Hindernisse in einer Bundesrepublik, in welcher die Gemeinschaften mittels ehrlichen Dialoges gegenseitigen Respekt fühlen, ein Klima des Vertrauens sich aufbaut, wo man offen für‘s Gespräch ist – und eine spezifische Identität bewahrt werden kann; diese [derart respektierten und ‚geführten‘] Gemeinschaften sind es dann auch, die ihrem Land sich widmen.

Zur Unterscheidung: Eine Bundesrepublik als Mittel zu begreifen, kurzfristige Interessen zu befrieden, ist das Eine. Ihr gegenüber hat jene, die gebaut wurde, in eigener Zielrichtung zu laufen, als erforderliche Voraussetzung die Ideologie und eine politische Verpflichtung. Deswegen ist die Existenz von charismatischen Führern wichtig, die den Föderalismus ins Werk setzen, und zwar als in-eigener-Zielrichtung-laufend. Das haben sie als Wert in die Köpfe der Leute zu installieren. [Letztere sind auch nach Ansicht des Autors auf Zyperns nirgends in Sicht].

Man kann allerdings auch das Gegenteil behaupten, nämlich: Das Kultivieren der Gesellschaften vermittels bundesstaatlicher Werte [etablieren], und zwar so, damit diese sodann das politische Leben säubern; und zuletzt: dass derart Führer aufkommen, die Föderalisten sind. [Auch diese Spezie existiert nach Ansicht des Autors nirgendwo im jetzigen Zypern].

Ein anderer wichtiger Punkt ist die allgemeine Wahrnehmung des Landes. In einer Bundesrepublik – über den Punkt Machbarkeit hinausreichend – hat auch die Kultivierung der [angebrachten] Wahrnehmung eines Landes seitens seiner Bevölkerung vordringliche Wichtigkeit.

Mal abgesehen von der Sicherheit und Wirksamkeit, welche eine Zusammenarbeit mit den Türkischzyprern bringt, ist die Vorbereitung des Landes auf eine Lösung der Zypernfrage mit Hilfe der Kultivierung einer bundesstaatlichen Kultur dringend erforderlich. Präsident Anastasiadis tut gut daran, möglichst bald DAS dem Volk zu sagen und zu erklären, dass die Türkischzyprer nicht alleine ein gleiches Mitwirkrecht in einem bundesstaatlichen Gefüge nach einer Vereinigung brauchen, sondern auch, dass die Verfassung von 1960 eben genau solch ein Recht in der Zyprischen Demokratie festlegt/e.

Es muss [endlich] verstanden werden, dass eine Wiedervereinigung Zyperns mit den Türkischzyprern beginnt. Jene, die nicht wünschen, die Regierungsgewalt mit den Türkischzyprern gemeinschaftlich zu teilen, hätten dann auch die schwere historische Konsequenz zu tragen – bewusst oder unbewusst –[, nämlich die da ist], dass die Hälfte der Insel an die Türkei verschenkt wird!

Es menschelt (CYP)

Also,

was uns zu oft vorgegaukelt wird von Politikern und anderen, nämlich, dass sie sich in unserem Interesse ins Zeug legen, ist offenbar im Süden Zyperns offenbar auch nicht immer so ohne Weiteres feststellbar.

Doch es scheint sich an dieser ‘Front’ etwas zu regen. Übersetzung von ADH.

 

Theanos B. Kalawana heißt die Autorin, die in der Politis vom letzten Sonntag dazu etwas schreibt:

 

“Der Mensch im Mittelpunkt!

 

Ich kann nicht einen Moment in den vergangenen Jahren erinnern, an dem der Mensch in diesem Staat [Republik Zypern] im Zentrum stand, außer bei einigen Strategien vor Wahlen – und die waren voll mit “es wird sein” und “leeren Versprechen”.

Gesy [,das ist der abgekürzte Name für den zyprischen Gesundheitsbereich und seine Reform] ist das einzige System in unserem Staat, welches den Bürger, den Menschen sowie die Bedürfnisse in Sachen Gesundheit ins Zentrum setzt.

Jedes Mal, wenn ich einen Politiker das Gesy runtermachen höre, ist es als würde jeder von uns runtergemacht – so auch das, was wir als Bürger dieses Landes wertschätzen und anstatt verdienen. Es ist, als misbilligten sie das Volk selbst sowie dessen Rechte einen gleichberechtigten Zugang zu vollständiger ärztlicher Versorgung zu erhalten.

Warum stört das Sizopoulos [ein südzyprischer Politiker] … ?

Was genau ist daran so störend?

Ich denke, viele Politiker stört es, weil es ihnen nicht gelingt, ihre Interessen abzutrennen, da die Letzteren nicht mehr so eingebracht werden können, wie sonst bei vielen halbstaatlichen Gremien – oder bei Nicht-Organisierten.

 

 

Es ist überhaupt nicht zufällig, dass wir [damals] die Troika brauchten, um unsere Wirtschaft in Form zu bringen. Wie viel Male traten wir schon an. Meist machten wir Glotzaugen, und zwar aus einfachstem Grund, denn wir lernten nicht zu teilen, was wirklich zu teilen möglich ist, sondern machen es jenen recht, die die Fallen auslegten. Wir lernten, unseren Bauchinhalt ins Zentrum zu stellen, aber nicht den Menschen als solchen.

 

 

Nun, was bedeutet der Mensch im Zentrum bei der Gesy?

Es bedeutet umfassende ärztliche Versorgung.

Es bedeutet, dass du ein Recht hast, umgehend deinen persönlichen Arzt zu konsultieren, aber auch zu Fachärzten zu gehen, und zwar, wenn es eine Überweisung vom persönlichen Arzt gibt (wenn als notwenidg angesehen).

Der Bürger hat das Recht auf alle regelmäßig anfallenden Untersuchungen (z.B. Röntgen, Blutanalysen usw.), das Recht auf ärztliche Behandlung, wenn es als notwenidg erachtet wird vom Arzt, das Recht auf Behandlung zu klagen, das Recht Ärzte zu wechseln, so auch Zahnärzte, wie auch Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt, und zwar bis zum Alter von 15 Jahren (Gesetz, Paragr. 28 u. 33).

Bei den psychisch Kranken werden jahrelange chronische Fälle instututioneller Pflege nicht abgedeckt, aber ich denke, dass in diesen Fällen andere Teile des Staates ins Spiel kommen, um diese Kosten zu decken, wie es bereits schon heute passiert. Das Gleiche gilt auch für Bürger, die zwecks ärztlicher Versorgung klagen.

Mit Gesy hat das Warten in Schlange für den Bürger in Krankenhäusern und Gesundheitszentren aufgehört, um Medikamente zu erhalten. Mit Gesy kann der Bürger seine Medikamente in jeder Apotheke sich besorgen … . Im Falle, dass ein Arzt nicht das preisgünstigste Medikament verschreibt (welches in einer Liste der Organisation als das passendste aufgezeigt wird für den jeweiligen Fall), braucht der Patient lediglich die Differenz zu jenem Präparat bezahlen, welches gelistet ist. Falls der Patient jedoch das billigere Produkt bevorzugt, dann zahlt er lediglich 1 Euro (Gesetz, Paragr. 28 (y).

Jahrelang geben wir tausend Euros im Jahr für die Versicherung aus, die einiges des oben Genannten abdeckt – und vieles davon teilweise. Mit der Gesy wird mit wesentlich geringerem Beitrag Arztbesuche abgedeckt, alle unsere Ausgaben dafür, wie auch für uns selbst [als Kranke/r].

 

Mal ehrlich:

Für ein Gesundheitssystem, welches seit Jahren organisiert wird, weshalb erfährt es eigentlich so viel Ablehnung?

Warum kämpft man im heutigen Zypern gegen das Menschenrecht?

Warum wollen wir den Menschen nicht im Zentrum?

Warum?

Einfach, weil mit dem Mensch im Fokus stoppt die Umgleichheit; und wenn die Ungleichheit aufhört, herrscht Transparenz und der Betrug wird offengelegt!”

Heute, verehrter Leser, erwartet Sie eine Übersetzung eines Artikels aus der griechisch-zyprischen Tageszeitung „Politis“ vom 21. Oktober 2018. Der Autor des Artikels ist Paulos Neofytos. Übersetzt von ADH.

Den kommenden Freitag, den 26. Oktober, wird die Eröffnung der Örtlichen (und Universitäts-) Bibliothek von Limassol stattfinden (https://in-cyprus.com/…/architecture/limassol-public-library). Es wird einer der seltenen Male, wo eine zyprische Bibliothek mit Leuten voll angefüllt sein dürfte. Nun, an solch inspirierendem Anlass kann nicht sein, dass die wahren „Meister“ und „Erbauer“ der Bibliothek fehlten, die ja nicht andere sind, als jene aufgeklärten Geister aus der lichten Vergangenheit unbekannt vielen heutzutage -, die in den 30er – Jahren gleich einer archaischen Idee dafür kämpften, auch „Blut“ vergossen haben:

Limassol eine Öffentliche Bibliothek!

So lautete ihre Forderung, und diese nahm anschließend Gestalt an, damit im Lauf der Zeit – in zeitlichen Abständen – ihr Gigantisches mittels „Kreuzrittern“ angesammelt wurde, Bücher [nämlich]. Tausende von Spendern trugen dazu bei.

Freitagabend wird jener Mann doppelt Grund haben, glücklich zu sein, der sich in unseren Tagen um die „Auferstehung“ der Bibliothek kümmert. Der Philologe, Historiker und Forscher Andreas Makridis wird nach Jahren harter Arbeit zum selben historischen Augenblick der Fertigstellung [des Gebäudes] sein zuletzt veröffentlichtes Buch mit dem Titel „Die Öffentliche Bibliothek Limassol – ihre Erbauung und ihr Fortschreiten in der Zeit“ (gedruckte Version) vorstellen.

Vermittels einer Anleitung „reisen“ wir in der Zeit ‚durch‘ den Autor, wie auch durch das Buch sowie an historische Stationen der Öffentlichen Bibliothek von Limassol, wobei erneut Bekanntes bestätigt wird, nämlich:

Gewissen aufklärerischen Geistern, die den Gegebenheiten trotzen und neue Wege erschlossen, soll immer eine Gesellschaft im Fortschreiten gehören!

Die Forderung

Das Buch des Herrn Makridis beginnt mit der ersten Phase des Entstehens erwähnter Bibliothek, welche Anfang der 30er Jahre die Forderung der Menschen von Limassol ist, auch eine Bibliothek zu erhalten.

Die Limassolianer, die sich als die intellektuelle Vorhut Zyperns ansehen, konnten den Umstand nicht ertragen, dass die Bibliothek „Faneromenis“ sowie die von „Seweris“ [in Nikosia] existierten, aber in Limassol es einen solchen Ort nicht gibt.“

Letzteres ist, was der Autor des Buches der Politis schildert, und:

Es begann als wahrhaft starke Forderung der Intellektuellen und Gelehrten, der Lehrer, Professoren und Journalisten. Damals waren die Zeitungen gefüllt mit Titeln zum Thema.

Warum?

Weil Limassol die führende kulturelle Stadt war. Früher nannte man diese Stadt „Klein-Paris“ und „Klein-Athen“. Und solch Stadt hat keine Bibliothek?

Und so schrieben sie in den Zeitungen:

Gebt Limassol seine Seele!“

Und das Letztere bedeutete, seine Bibliothek.

Recht heftig forderten die Limassolianer ihre Bibliothek, doch leider setzten der damalige Bürgermeister und der Stadtrat diese Angelegenheit bei den Dingen, deren die Stadt bedurfte, nicht als prioritär an.“

Nur Entschlusskraft

Der erste Stadtrat, der den Bau der Bibliothek beschloss, war jener unter dem Bürgermeister namens Christodoulou D. Chatsipavlou (2. Amtszeit 1930 – 1943). Jedoch – nachdem was Herr Makridis sagt -, obgleich ein solcher Entschluss gefasst worden war, um die Leute zu beruhigen, wurden nicht die notwendigen Gelder bereitgestellt, um mit den Bauarbeiten zu beginnen.

Lediglich 25 Lira waren veranschlagt worden, ein lächerlicher Betrag, mit dem größtenteils einige Bücher gekauft wurden! Das Tragische daran: 1937 wurden, um die Krönung der Königin in Griechenland zu feiern, doch glatt 400 Lira vom Stadtrat genehmigt. Das ließ verbreitet Enttäuschung aufkommen. Auch im darauffolgenden Jahr wurde kein anständiger Betrag für die Aufnahme der Arbeiten festgesetzt seitens des Bürgermeisteramtes. Und so kam der Eindruck auf, das Projekt dürfte eine [ewige] Nullnummer bleiben.“

Goldene Zwillinge …

Die Dinge nahmen dann letztlich aber doch Gestalt an. Als Herr Plouti Serwa 43ster Bürgermeister wurde, wurde die Bibliothek im Großen Rathaus eingerichtet, wo sie bis 1972 angesiedelt blieb, als sie sodann nach Pylavaki umgesiedelt wurde – in einem 3-jährigen recht atypischen Umzug.

Gewiss, wie es so oft der Fall ist, versteckt sich hinter solch Beschlüssen ein aufgeklärter Stadtrat [wie auch in diesem Fall]. Dieser war gemäß Herrn Makridis die rechte Hand des Plouti Serwa, nämlich der Stadtrat und Gelehrte jener Epoche namens Nikolas Xioutas. Bekannt war er für seine feurigen Reden, die unweigerlich auch das Thema Bibliothek anfeuerten. Diesem Mann verdankt Limassol heute seine Bibliothek. Er war das Hirn hinter dem Projekt, nach Makridis. Derjenige, der es erbauen ließ und gestaltete. Und falsch ist, was allgemein als Auffassung unterstützt wird, dass die Bibliothek heute nicht seinen Namen trägt, nämlich: Öffentliche Bibliothek Nikolas Xioutas. Letzterer schrieb ihre Statuten und erschuf 1945 zur Eröffnung einen Grund, stolz zu sein. Die Bibliothek.

Außerdem: Als eine der hervorragendsten Bildungsträger der Epoche schrieb König Michailidis in der ersten Ausgabe des hauseigenen Verlages der Bibliothek ein Vorwort 1960.

Ein Hauch Sozialismus

Um diese Energien zu verstehen, müssen sie mit dem Aufstieg der Linken in der lokalen Politik verknüpft gedacht werden.

Damals war die Linke von Ideen des Aufstands geradezu aufgesogen, des Sozialismus, wie auch der Gerechtigkeit und Gleichheit, während kulturell visionär gedacht wurde.

Das ist der Rahmen, in den die Bibliothek gesetzt worden ist. Von Bürgermeister Plouti Serwa (1943 – 1949), über seinem Nachfolger Kostas Partasidi (1949 – 1962), der die Arbeiten Serwas fortführte, wuchs die Bibliothek weiter.

Bedeutende Arbeiten wurden dort verrichtet: Herausgaben von Büchern, Statuen … und noch viel mehr. In dieser Atmosphäre, die der Sozialismus mit aufbrachte, wuchs die Bibliothek auch zu einem Zentrum für engagierte Studenten und Arbeiter, wie auch Intellektuelle heran, die sich dort selbst bildeten.

Kreuzritter“-Bücher

Eine andere große historische Station der Bibliothek von Limassol stellte die Bildung des Ausschuss‘ der Bibliothek dar, betont Herr Makridis. Zuerst beginnt er einige der Persönlichkeiten, die diesem Ausschuss angehörten zu benennen: Nikolas Xioutas, Kostas Pilawakis und später Andreas Pastellas … . „Diese Männer gaben ihr Leben für die Bibliothek. … .“

Und eine hervorragende Frau

Zuletzt ist ein weiterer großer Halt der Geschichte der Bibliothek bei einer Frau zu machen, nach Andreas Makridis. Es handelt sich um die Bibliothekarin Lefki Kyriakidou, zu der ich zu sagen wage, dass nach Xiouta, sie jene andere Kraft darstellt, die die Bibliothek erbauen ließ.

Sieht so aus, als hätten die Kyriakidou heute viele vergessen. Im Buch werden ihr jedoch einige Seiten zu ihrem Leben und Werk gewidmet, um sie aus der Bedeutungslosigkeit zu holen, wohin sie wohl die Zeit brachte sowie die Unwissenheit der Leute“, erklärt Makridis.

Sie war nicht einfach eine Bibliothekarin“, fährt er fort, „sie gab ihr Leben für das Projekt. Zuerst veröffentlichte sie die Gedichte von Michaelidis, der diese in den 60ern dort veröffentlichen ließ. Sie war es auch, die die Zeitungen von vor zweieinhalb Jahren durchforstete, die die Einweihung durch den König Michaelidis abgedruckt hatten, um diese Zeitungen nun dazu zu bewegen, von der Veröffentlichung des Buches zu berichten.

Lefki Kyriakidou! …“

Oder:

Syrien, die unendliche Leidensgeschichte!?

 

Fangen wir an, mit dem Zeitraum kurz vor dem 19.10. 2018.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte in Sotschi:

Die Türkei hat die Idlib-Vereinbarung zur Schaffung einer entmilitarisierten Pufferzone nicht vollständig umgesetzt! Das Land scheue aber keine Mühen, die Vereinbarung umzusetzen. Russland bedankt sich dafür sowie für die ernsten Absichten Ankaras! Die Situation in Idlib ist nicht einfach, dennoch hat Russland die wichtigsten Ziele in Syrien umsetzen können. Russland hat in den vergangenen drei Jahren Terroristen bekämpft, den Zusammenbruch Syriens verhindert und staatliche Institutionen gerettet. Jetzt gilt, sich auf den politischen Prozess zu konzentrieren und die Genfer-Gespräche wiederaufzunehmen (Orient News)
.

Russischen Quellen zufolge hat Bashar al-Assad das Gesetz Nr. 10 aufgehoben. Es war im April 2018 in Kraft getreten und erlaubt es, Stadtentwicklungsgebiete auszuschreiben, in denen die Besitzer enteignet werden (können). In diesem Zusammenhang steht auch:
Der Westen fordert im Rahmen der Gespräche um die Verfassung ein Rückkehrrecht für syrische Flüchtlinge. Der UN-Hilfskoordinator für Syrien, Jan Egeland, bestätigte, dass Bashar al-Assad von Moskau unter Druck gesetzt wurde wegen dem Gesetz Nr. 10 – und er es daher außer Kraft setzte.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte des Weiteren:
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) halte ungefähr 700 Geiseln in Syrien gefangen – so auch mehrere US-Amerikaner und Europäer (anscheinend Zivilisten). Der IS hat ein Ultimatum gestellt und angedroht, jeden Tag zehn dieser Menschen zu töten. Keine Details über weitere Forderungen der IS-Extremisten werden nach außen weitergegeben (Putin). Die Geiseln befinden sich in Gebieten, die von USA unterstützten SDF-Kräften kontrolliert werden.

Und nun zu einem Neben- oder Hauptschauplatz. Sie entscheiden bitte, ob die Bezeichnung Haupt- oder Nebenschauplatz für das Folgende zutreffend ist:

Der russische Politiker Vladimir Jabbarov betont, dass Moskau Maßnahmen ergreifen wird, falls die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen russische Firmen verhängen, die sich an einem Wiederbau Syriens beteiligen werden. US-Sanktionen werden russische Firmen nicht davon abbringen, sich am Wiederaufbau Syriens zu beteiligen, so Jabbarov.

Und dann dieser Neben- oder Hauptschauplatz:

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt:
Es ist nicht die Aufgabe Russlands, den Iran zum Abzug aus Syrien aufzufordern. Dies ist eine Angelegenheit zwischen Teheran und Damaskus. Ich fordere Sicherheitsgarantien für den Iran und dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden sowie die Wiederherstellung der Infrastruktur und Institutionen plus der Armee anläuft! Die Stärkung des iranischen Staates wird zum Abzug aus Syrien führen, weil dann die Präsenz des Irans in Syrien nicht mehr erforderlich ist!

(Ein putinscher Schachzug, der so in etwa inhaltlich die Politiken des Westens spiegelt).

Währenddessen:
Russland und Jordanien arbeiten daran, eine neue bewaffnete Gruppe im Süden Syriens zu bilden. Diese Gruppe soll aus ehemaligen FSA-Kommandeuren bestehen, die sich mit dem Regime versöhnt haben, unter anderen auch aus den Gruppen Jaish al-Yarmouk und Fallujah Houran Division. Moskau beabsichtigt so, die iranischen Kapazitäten einzuschränken. Russland hat in den vergangenen Wochen ebenfalls politischen Druck auf mehrere syrische Ministerien ausgeübt, dieses Mal, um im Regime Iran-nahe Persönlichkeiten zu ersetzen. Personen sind nun daher gefragt, die gewillt sind, Ausschreibungen des Iran in den Bereichen Industrie, Energie, Telekommunikation und Konstruktion zu verhindern.
Kein Abbruch der Beziehungen Russlands mit dem Iran ist etwa zu erwarten, sondern es geht lediglich um Meinungsverschiedenheiten.

Der Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, sagte, dass der Vierergipfel zu Syrien mit Teilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Russlands Staatschef Wladimir Putin am 27. Oktober auf Einladung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Istanbul stattfinden werde. Bei dem Gipfel soll es um die Lage in der Provinz Idlib und den Friedensprozess für Syrien gehen. (Anadolu News)

Kurz vor dem 18.10.

UN-Interna:

UN-Sondergesandten Staffan de Mistura zufolge hat Jan Egeland seinen Rücktritt angekündigt – und zwar für Ende November. Angeblich würde Egeland zufällig dann seinen Rücktritt machen, wenn auch de Mistura seinen Posten verlässt.

Der UN-Sondergesandte für Syrien Staffan de Mistura sagte, dass er sich nach mehr als vier Jahren im Amt aus persönlichen Gründen zurückziehen wolle. Guterres ist bereits auf der Suche nach Nachfolgern.
Der ehemalige algerische Außenminister Ramtane Lamamra ist bereits im Gespräch, den Posten zu besetzen. Der Algerer soll jedoch ein Freund und Unterstützer des Assad-Regimes sein. Als mögliche Nachfolger gelten auch der UN-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess, Nickolay Mladenov, und der UN-Gesandte für den Irak, Jan Kubis. De Mistura hofft unterdessen, die Einberufung eines Verfassungskonvents für Syrien hinzukriegen bis November.

Der syrische Aktivist Shakeeb Al-Jabri meint, die Zahl der Todesfälle in Syrien sei seitdem de Mistura im Amt ist, doppelt so hoch. Assad ist trotz Verbrechen gegen die Menschheit ungestraft davongekommen, beispielsweise. Die Situation in Syrien hat sich zudem für Gegner des Assad-Regimes verschlechtert (Shakeeb Al-Jabri‏ @LeShaque).

Der ehemalige Präsident der Nationalen Syrischen Koalition Khaled Khoja twittert, die Vorgänger von de Mistura haben von Anfang an erkannt, dass die internationale Gemeinschaft nicht ernsthaft daran interessiert war und ist, eine Lösung für den Syrienkonflikt zu finden. De Mistura habe aber im Gegensatz zu seinen Vorgängern, das falsche Spiel einfach weitergespielt, nicht etwa um eine Lösung für den Konflikt zu finden, sondern nur um sich auf Kosten von hunderttausenden unschuldigen Opfern eine dicke Rente zu sichern.

Andere twittern, de Mistura sei noch nie ein Freund des syrischen Volkes gewesen. Einige stellen sich gar sarkastisch die Frage, ob de Mistura tatsächlich Gesandter der Vereinten Nationen war oder eher jener des Assad-Regimes (Hadi @HadiAlabdallah)?
Das Mitglied des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition Ahmad Ramadan schreibt auf Twitter: De Mistura hat während seiner vierjährigen Amtszeit bei den Genf-Verhandlungen nichts erreicht. Er hat zu den Verbrechen des Assad-Regimes, Irans und Russlands, darunter den Einsatz von Chemiewaffen gegen das syrische Volk, geschwiegen und in einigen Fällen auch die Vertreibungspolitik des Regimes gedeckt. De Mistura hat eine Verurteilung des Regimes abgelehnt und auch die Verhandlungen dazu behindert.

Informationen zufolge plant das Assad-Regime die Sperrung des Kurznachrichtendienstes Whatsapp. Das Regime hofft, mit diesem Schritt die Kommunikationseinnahmen erheblich zu steigern. Der syrische Geschäftsmann Rami Makhlouf und Cousin ersten Grades des syrischen Machthabers Bashar al-Assad kontrolliert mit der „Syriatel“ den größten Teil des Kommunikationsmarkts in Syrien. Er gilt manchem geradezu als Symbol der Korruption des Assad-Regimes.

Der Experte für Lokalräte der Denkfabrik Omran, Ayman Al-Das:
In Syrien hat sich nach 7 Jahren nichts geändert. Alle neuen Leiter der lokalen Räte in der Provinz Damaskus sind von der regierenden Baath-Partei ohne Einbindung anderer Parteien ernannt worden. Dies bedeute, dass lokale Entscheidungen weiterhin von der Baath-Partei getroffen werden. (Ayman Al-Das @AymanDas1)
.

Der UN-Botschafter des Assad-Regimes, Bashar Jaafari, forderte die Weltgemeinschaft dazu auf, Druck auf Israel auszuüben, weil Israel der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA weiterhin Informationen zu seinem Nuklearprogramm verweigert und immer noch nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Und da gibt es demnächst womöglich noch einen weiteren Player in der Region, der glaubt, ebenfalls schalten und walten zu können, wie es gerade in den Kram passt:

Saudi Arabien soll inmitten der Khashoggi-Krise laut des regimenahen US-Professors und Syrien-Experten Joshua Landis den Vereinigten Staaten während des jüngsten Zusammentreffens von US-Außenminister Pompeo und dem saudischen Kronprinzen (MbS) 100 Millionen Dollar für die Stabilisierung von Gebieten im Norden Syriens überwiesen haben. Das Geld soll angeblich für die Stabilisierung der syrischen Stadt Raqqa eingesetzt werden und nicht etwa für Militäroperationen der Anti-IS-Koalition.  (Joshua landis @joshua_landis)

17.10

Der stellvertretende Leiter des Hohen Verhandlungskomitees (HNC), Khaled Mahamid, soll nur einen Tag nach Beginn des HNC-Treffens in der saudischen Hauptstadt Riad seinen Rücktritt eingereicht haben. HNC-Sprecher Dr. Yahya Aride bestätigte, dass der Rücktritt Mahamids angenommen wurde. Mahamid wird vorgeworfen, die syrische Provinz Daraa dem Assad-Regime und Russland auf einem „goldenen Teller serviert“ zu haben. Ihm wird außerdem Nähe zu Russland vorgeworfen sowie zu Rebellengruppen, darunter der Ahmad al-Oudeh Gruppe, die sich mit dem Regime versöhnt haben.
Aufhören lässt das Folgende durchaus auch:
Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, Bashar al-Assad besucht im April 2019 Russland und die Krim-Regierung. Der Regierungschef der Krim Sergej Aksenov ist derzeit auf Einladung Assads zu Gesprächen nach Damaskus gereist. Assad plant außerdem die Aufnahme von Flugverbindungen zwischen Syrien auf die Halbinsel Krim am Schwarzen Meer.

Kreml-Sprecher Dimitri Peskow währenddessen:
Russland ist trotz des nicht erfolgten Abzugs der HTS-Rebellen aus Idlib überzeugt, die Vereinbarung mit der Türkei zur Schaffung einer entmilitarisierten Pufferzone werden umgesetzt. Die russischen Armeeangehörigen sind angeblich „zufrieden“ über die Arbeit der türkischen Seite. (Ali Özkök ‏ @Ozkok).

Dennoch:
Die Al-Kaida nahen HTS-Rebellen haben die Frist für einen Abzug aus der geplanten Pufferzone verstreichen lassen, weil das Gebiet eine gute Einnahmequelle für sie ist und weil es für diese Gruppierung kein anderes Rückzugsgebiet gibt. Wer die Grenze zwischen Rebellen- und Regimegebiet kontrolliert, kontrolliert auch die Warenströme. Die HTS-Führung benötigt das Geld für Waffen, Munition, Proviant oder den Sold für ihre Kämpfer. Zugleich bekräftigte der Außenminister des Assad Regimes Walid al-Mou‘allem das Ziel, Idlib wieder unter Kontrolle des Regimes zu bringen.

Iranische Revolutionsgarden sollen eigenen Angaben zufolge im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ 700 Drohnenangriffe in Syrien geflogen haben. Brigadegeneral Amirali Hajizadeh, Kommandant der Luftwaffe der Revolutionsgarden, sagte, die Drohnen hätten Panzer, Truppentransporter, Fahrzeuge für Selbstmordanschläge und 23-Millimeter-Kanonen ausgeschaltet (Fars News)
.
Des Weiteren:

Die Führung der Nationalen Syrischen Koalition besprach in Istanbul mit dem US-Sondergesandten für Syrien, James Jeffrey, eine Aktivierung des politischen Prozesses unter der Aufsicht der Vereinten Nationen. Israelische Quellen behaupten, der Iran und Russland haben eine Vereinbarung getroffen, um die US-Sanktionen gegen Iran zu umgehen. Der Iran werde Russland über das Kaspische Meer mit Rohöl versorgen. Über Russland soll das Rohöl dann weltweit exportiert werden.

Die deutsche Nichtregierungsorganisation „Rebuild Syria Reconstruction Program“ (RSRP) wird Informationen zufolge in der Provinz Deir Ezzor humanitäre Hilfe leisten und Projekte durchführen. Die NGO werde sich vor allem auf den Wiederaufbau und die Restaurierung von Schulen in allen Teilen der Provinz Deir Ezzor konzentrieren, die vom Regime kontrolliert werden. Geschäftsleiter der RSRP ist Arndt Fritsche. Entrüstung in den sozialen Netzwerken kam auf, weil diese Organisation mit einem Logo Deutschlands und des Regimes wirbt.

Syriens Machthaber Bashar al-Assad empfing in Damaskus eine irakische Delegation unter Leitung des irakischen Außenministers Ibrahim Dschaafari und besprach eine Ausweitung der bilateralen Beziehungen beider Länder sowie die Wiedereröffnung der syrisch-irakischen Grenzübergänge. Der Außenminister des Assad-Regimes, Walid al-Mou‘allem, und sein Amtskollege Kollege Dschaafari kündigten in Damaskus an, der Grenzübergang Bukamal in der ostsyrischen Provinz Deir Essor werde „so schnell wie möglich“ geöffnet werden. Der Grenzübergang Bukamal war vor Beginn des Syrienkonflikts 2011 ein wichtiger Übergang für Waren, Touristen und Arbeiter.
Syrien und der Irak haben zwei weitere gemeinsame Grenzübergänge: Al-Jaarubije in der Provinz Hassake, der von kurdischen Kämpfern kontrolliert wird; sowie Al-Tanaf im Süden von Deir Ezzor. Dieser Übergang wird von der US-geführten Anti-IS-Koalition und mit ihr verbündeten Rebellen kontrolliert.

11.10.

Der türkische Staatspräsident Recep Erdogan sagte, dass das Manbij-Abkommen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten nur aufgeschoben und nicht aufgelöst worden sei (Hürriyet).
Türkischen Medienquellen zufolge soll Washington der kurdischen YPG-Miliz Bohrmaschinen geliefert haben, um Graben auszuheben und Tunnel zu graben und die Stadt Manbij zu umzingeln.  Die USA sollen zudem über Nordirak mehrere Lastwagen beladen mit Waffen und Munition nach Nordsyrien geschickt haben etc. (Anadolu News).

Laut der staatlichen syrischen Zeitung Al-Thawra ist der religiöse Tourismus in vom Regime kontrollierten syrischen Gebieten seit dem vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Schiitische Pilger  aus dem Iran, Libanon, aus Pakistan und Afghanistan würden insbesondere das Mausoleum Sayeda Zeinab südlich von Damaskus besuchen.

10.10.

Der Nahostexperte Charles Lister twittert, die Bewohner von ehemaligen Rebellengebieten, die sich mit dem Assad-Regime versöhnt haben, erhalten nun keine Unterstützung mehr. Damaskus würde die Lieferung von Hilfsmitteln blockieren.

Der ehemalige Anführer von Ahrar al-Scham, Hassan Sofan, erklärt folgendes:
Dank Unterstützung der Türkei und der „Geschlossenheit“ der Nationalen Befreiungsfront (NLF) ist ein Massaker in Idlib verhindert worden.

Mit dieser Aussage will Sofan der Hayat Tahrir al-Sham offenbar zu verstehen geben, dass der Schutz von Zivilisten und der Revolution wichtig für das Zukünftige ist.

Und Letzteres auch vor dem folgenden Hintergrund:

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben der Krieg und eine Dürreperiode Syriens Weizenproduktion auf das niedrigste Niveau seit 1989 einbrechen lassen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) teilt mit, dass 2018 nur 1,2 Millionen Tonnen zusammengekommen seien. Vor der Krise sollen es durchschnittlich 4,1 Millionen Tonnen gewesen sein. Vor Ausbruch des Syrienkonflikts konnte Syrien in guten Jahren 1,5 Millionen Tonnen Weizen exportieren. Inzwischen ist das Land auf Importe angewiesen und plant dieses Jahr den Import von 1,5 Millionen Tonnen Weizen, überwiegend aus Russland (Zaman al-Wasl)
.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu soll dem stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten, Maxim Akimov, gesagt haben, dass Israel seine Angriffe auf Syrien trotz der Lieferung des modernen russischen Flugabwehrsystem vom Typ S300 fortsetzen werde. Netanjahu betonte erneut das Recht Israels auf Souveränität und Selbstverteidigung.

09.10.

Syriens Machthaber Bashar al-Assad hat eine Generalamnestie für alle Armee-Deserteure in Syrien erlassen, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA. Die Generalamnestie gilt aber nicht für „Kriminelle“ und jene, die auf der Flucht sind, außer diese Letzteren meldeten sich bei den Behörden. Die Amnestie gilt für Deserteure der Armee innerhalb und außerhalb des Landes. Deserteure in Syrien hätten vier Monate Zeit für eine Benachrichtigung der Behörden, diejenigen im Ausland sechs Monate. Das Regime hofft, mit diesem Schritt die Zahl der rückkehrenden Flüchtlinge zu vergrößern (SANA).

Syrische Oppositionelle melden unterdessen, dass das Assad-Regime mit der Festnahme von Tausenden Männern begonnen hat, die zwangsrekrutiert werden. Es handelt sich um Männer aus Gebieten, die zuvor ein Versöhnungsabkommen mit dem Regime getroffen hatten.

Der stellvertretende russische Außenminister, Sergey Vershinin, sagte kürzlich in einem Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur Sputnik, dass Idlib wieder unter Kontrolle des syrischen Staates (Regimes) fallen werde. Denn die in Sotschi getroffene Idlib-Vereinbarung werde gegenwärtig umgesetzt. Das Trennen von „Terroristen“ und „Oppositionellen“ sei kompliziert.

Der iranische Parlamentssprecher Ali Larijani begrüßt währenddessen die Entscheidung Russlands zur Lieferung russischer S-300-Flugabwehrraketen an Syrien. Larijani sagte, dass die Israelis nun nicht mehr in der Lage sein werden, umfangreich ernsthafte Schritte in Syrien einzuleiten. Russland hat ein Recht auf die Stationierung der S-300 Flugabwehrraketen-Systeme, um insbesondere nach dem jüngsten Abschuss eines russischen Aufklärungsflugzeugs eigene Interessen in Syrien zu wahren. Russland soll drei S-300-Flugabwehrraketen an iranische Experten in Syrien geliefert haben.

Der Kommandeur des Zentralkommandos der US-Streitkräfte im Nahen Osten, Joseph Futil, hat Russland kürzlich vorgeworfen, iranische Aktivitäten in Syrien zu verheimlichen.
08.10.

Das von der Türkei unterstützte Oppositionsbündnis “Nationale Befreiungsfront“ (NLF) soll mit dem Abzug schwerer Waffen aus der geplanten entmilitarisierten Zone in der Provinz Idlib begonnen haben. NLF werde jedoch leichte und mittelschwere Waffen behalten und in den Stellungen und Hauptquartieren in der Zone verbleiben. Raketenwerfer und Artilleriefahrzeuge sollen unterdessen innerhalb der kommenden Tage abgezogen werden. HTS und NLF hatten am Samstag eine Vereinbarung getroffen, um die Kämpfe zu beenden und alle Häftlinge freizulassen (Al Arabiya, Al Jazeera).
Bashar al-Assad sagte während eines Treffens des Zentralkomitees der arabisch-sozialistischen Baath-Partei, dass die Provinz Idlib und auch andere von Rebellen besetzte Gebiete in Syrien vollständig unter Kontrolle von Damaskus fallen werden. Das Idlib-Abkommen zwischen Russland und der Türkei kann daher nur als eine provisorische Maßnahme betrachtet werden.

Militärquellen zufolge soll Russland S-300-Flugabwehrsysteme in der Provinz Tartous aufgestellt haben. Diese dürfen den Informationen zufolge jedoch nicht von syrischen Soldaten, sondern nur von russischen Militärs in Betrieb genommen werden.
Laut des Syrischen Netzwerkes für Menschenrechte soll das Assad-Regime seit Beginn der russischen Militärintervention in Syrien (30. Sept 2015) 26,577 Fassbomben eingesetzt haben. Im September 2018 seien 98 Fassbomben eingesetzt worden. Die meisten davon seien im September auf die Ortschaft al-Habeit im Süden der Provinz Idlib eingesetzt worden.

Der Ministerpräsident des Assad-Regimes Imad Khamis hat auf Anordnung von Bashar al-Assad der Provinz Latakia einen Besuch abgestattet und mehrere Straßenprojekte in al-Haffa und Jableh eingeweiht. Auch die neue Fakultät für Zahnmedizin in der Universität Teshreen ist anscheinend eröffnet worden. Gesamtkosten den staatlichen syrischen Medien zufolge betragen mehr als 11 Milliarden Syrische Pfund, davon 2 Milliarden für die Universität.  Das Assad-Regime hat Dekret Nr.10, welches  der Führung in Damaskus das Recht gibt, Bebauungspläne für zerstörte Gebiete zu erstellen und zudem die Enteignung von Menschen erlaubt, die im Zuge des Krieges aus ihrer Heimat geflüchtet sind, im Tadamon-Viertel der Hauptstadt Damaskus umgesetzt (siehe oben). 25.000 Familien des Tadamon-Viertels ist anscheinend nicht genehmigt worden, in ihre Häuser zurückzukehren. Das Enteignungsgesetz wurde am 2. April 2018 erlassen.

Das Assad-Regime hat offenbar Internet-Türme und/oder Empfangsstationen in der Provinz Homs entfernt sowie eine Verhaftungswelle gegen junge Männer dort gestartet.

05.10.

Laut des Mitglieds des politischen Komitees der Nationalen Syrischen Koalition und ehemaligen NK-Präsidenten Hadi Albahra soll der Lokalrat in Al-Bab in der Provinz Aleppo eine Gasanlage in Betrieb genommen haben, welche das gesamte Schutzschild Euphrat-Gebiet versorgen soll. Zudem sei ein neuer Justizpalast mit finanzieller Unterstützung der Türkei im Norden Aleppos eröffnet worden.
Die USA und die Türkei haben mit der Ausbildung von Truppen für gemeinsame Patrouillen rund um das nordsyrische Manbij begonnen. Die gemeinsamen Militäreinsätze in Manbij waren im Juni vereinbart worden, um Spannungen zwischen der Türkei und den USA zu reduzieren sowie interne Kämpfe zwischen Rebellengruppen zu verhindern. (Hürriyet).

Der russische Verteidigungsminister, Sergej Schoigu, erklärte, dass die Lieferung des modernen Luftabwehrsystems S-300 an das Assad-Regime abgeschlossen ist. Das syrische Militär soll binnen drei Monaten im Umgang mit dem modernen System geschult werden.

Der russische Präsident Vladimir Putin hat einen völligen Abzug aller ausländischen Militärs aus Syrien in Aussicht gestellt. Dies sei aber erst nach dem Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) möglich. Putin sagte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz in St. Petersburg, dass er Entspannung in Idlib erwarte. Allerdings bereiteten ihm Angriffe aus Idlib Sorgen. Russland müsse auf Angriffe auf russische Militäreinrichtungen reagieren.
Putin sagte zudem:
Russland, die Türkei und der Iran werden sich „natürlich“ mit der Führung in Damaskus abstimmen.

Die türkischen Streitkräfte sollen mindestens 40 Lastwagen, gepanzerte Personentransporter und andere Fahrzeuge nach Syrien geschickt haben. Die von der Türkei am Rande von Idlib eingerichteten Beobachtungsposten werden derart verstärkt. Das Gerücht geht um, die Türken planten die Einrichtung einer permanenten Basis im Tal Karkor Gebiet in der Al-Ghab Ebene in Hama.

Der Außenminister des Assad-Regimes Walid al-Mou’allem sagte in einem Interview mit dem Hisbollah-nahen libanesischen Sender Al-Mayadin, dass das russisch-türkische Abkommen zur Schaffung einer „entmilitarisierten Zone ein Schritt zur Befreiung von Idlib“ ist. Al-Mou’allem ist zuversichtlich, dass die Türkei ihren Teil der Abmachung erfüllen wird – dank ihrer Kenntnis der verschiedenen Gruppierungen vor Ort.
Syrische Kämpfer werden bleiben, Ausländer werden über die Türkei abziehen.

02.10.

Der Iran hat in der Nacht zum Montag im Rahmen eines Vergeltungsschlags Mittelstreckenraketen auf Ziele in Syrien abgefeuert. Der Angriff galt Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat bei Albu Kamal im Südosten Syriens. Ein Sprecher der iranischen Revolutionsgarde erklärte, dass die sechs ballistischen Raketen rund 570 Kilometer weit geflogen sind, und zwar von der Region Kermanschah im Westen des Irans nach dem Südosten Syriens. Auf den Raketen stand angeblich geschrieben: „Tod der Familie Saud“, „Tod Amerika“ und „Tod Israel“.

Die iranische Kulturreferentin in Syrien eröffnete währenddessen in der Ortschaft al-Tabani in der Provinz Deir Ezzor  und in Ma’daan in der Provinz Raqqa ein iranisches Sprachinstitut. Zuvor sind bereits drei iranische Schulen in Albu Kamal am Euphrat im Osten Syriens vor der Grenze zum Irak eröffnet worden.

Der neue Syrien-Sonderbeauftragte der Vereinigten Staaten, James Jeffrey, sagte, dass die Vereinigten Staaten mit wirklich harten internationalen Sanktionen reagieren werden, sollte das Assad-Regime beim Ausarbeiten einer neuen Verfassung nicht kooperieren. „Selbst wenn der UN-Sicherheitsrat den Sanktionen nicht zustimmen sollte, dann werden wir sie über die EU umsetzen oder über Verbündete in Asien. Und dann werden wir es zu unserer Aufgabe machen, das Leben für diesen aus dem letzten Loch pfeifenden Kadaver eines Regimes so miserabel wie möglich zu machen und die Russen und die Iraner, die dieses Chaos angerichtet haben, daraus zu entlassen.

Die Antiquitätenbehörde in Daraa soll in Zusammenarbeit mit der Provinzpolizei den Schmuggel von 14 römischen Antiquitäten-Teilen von Syrien nach Jordanien verhindert haben.

01.10.

Der Außenminister des Assad-Regimes,  Walid al-Mou’allem, hat am Samstag vor der UN-Generalversammlung in New York den sofortigen Abzug von Soldaten aus den USA, Frankreich und der Türkei aus Syrien verlangt. Es handele sich um „Besatzungstruppen“. Die drei Länder müssten ihre militärischen Einheiten „sofort und ohne jegliche Bedingungen“ aus Syrien zurückziehen. Da sie Besatzer seien, werde mit ihnen „entsprechend umgegangen“.

Der Außenminister:
Der Krieg gegen den Terrorismus in Syrien ist fast zu Ende. Die Kämpfe in Syrien werden eingestellt, wenn das Land von den Terroristen und illegaler ausländischer Präsenz befreit ist. Schon heute ist die Lage im Land stabiler und sicherer, so dass die Voraussetzungen für eine Rückkehr der zahlreichen syrischen Flüchtlinge erfüllt ist.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den USA vorgeworfen, sich nicht an eine Vereinbarung zum Rückzug syrisch-kurdischer Rebellen aus der Stadt Manbij im Norden Syriens zu halten. Die US-Regierung habe es versäumt, den vereinbarten Plan zu befolgen, die YPG-Miliz habe die Region nicht verlassen, erklärte Erdogan.

Bundeskanzlerin Merkel hat sich am Freitag bei ihrem Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan für ein Spitzentreffen zum Thema Syrien noch im Oktober ausgesprochen. „Wir sind dafür, dass es ein Vierertreffen geben wird, des türkischen Präsidenten, des russischen Präsidenten, des französischen Präsidenten und mir“.

Der Außenminister des Assad-Regimes Walid al-Mou’allem sagte des Weiteren:
Die Führung in Damaskus wird zu militärischen Mitteln greifen, falls die kurdischen Einheiten ihre separatistische Bewegung in Syrien nicht aufgeben.

Das Assad-Regime soll am südlichen Eingang der Stadt Deir Ezzor ein neues Denkmal für den verstorbenen ehemaligen Präsidenten Hafez al-Assad gebaut haben. Die Kosten dafür sollen Aktivisten zufolge $200.000 betragen haben (C4H10FO2P‏ @markito0171).
Regimenahe Milizen sollen in der Hafenstadt Tartous das „Deir al-Mars Elias al-Rih“ Kloster in der Ortschaft Safsafa gestürmt und die Mönche angegriffen und aus dem Kloster vertrieben haben.

Die Stadtverwaltung in Damaskus plant die Umwandlung der Qaboun-Industriezone in Wohngebiete. Diese argumentiert, dass wegen des Krieges 80% bis 90% der Infrastruktur in Qaboun zerstört wurde. Industriellen zufolge sei jedoch höchstens 20% der Infrastruktur in Qaboun zerstört. Qaboun wurde im Jahre 1947 zur Industriezone erklärt – viele Fabriken usw.  Die Stadtverwaltung kooperiere nun mit der Industriekammer in Damaskus, um diese Unternehmen/Fabriken in das Industriegebiet Adra umzusiedeln.

Nach der vollständigen Eroberung von Rebellengebieten im Süden Syriens durch Regimetruppen hat Israel die Bereitschaft zu einer Grenzöffnung signalisiert. Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagt, Israel ist bereit, den Grenzübergang zu öffnen, so wie es vorher war. Der Quneitra-Übergang war allerdings bereits seit 2014 geschlossen. Seit August 2018 patrouillieren jedoch wieder UN-Friedenstruppen auf der syrischen Seite der Golanhöhen. Zur Sicherheit werden diese von russischen Soldaten begleitet.

Der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA zufolge sollen dutzende von „Terroristen“ vertriebene Familien über den Abu al-Dohour Korridor  in ihre Dörfer nach Idlib, Aleppo und Hama zurückgekehrt sein. Diese seien dort von Regimetruppen in Empfang genommen worden, welche ihre Gebiete von den „Terroristen“ befreit hätten.

Gut informierten Quellen zufolge soll die Luftwaffe des Assad-Regimes auf Anordnung Russlands ein Komitee gebildet haben, um  den Abschuss des russischen Il-20-Flugzeugs vom 17. September zu klären. Dabei waren 15 Russen getötet worden. Die Absturzstelle lag im Meer rund 27 Kilometer westlich des syrischen Küstenortes Banias. Der Luftwaffenchef Generalmajor, Ahmed Balloul, soll das Komitee eingerichtet haben. Mitglieder des Komitees sind der Direktor für Flugoperationen Generalmajor Riyad Al-Yousef, der stellvertretende Direktor für Flugoperationen und Verbindungsmann zwischen der russischen Hmeimim Basis und der Luftwaffenkommandozentrale des Regimes Generalmajor Fuad Merhej und der stellvertretende Direktor der Luftwaffengeheimdienstbehörde Generalmajor Ghassan Ismail.
Russischen Medienquellen zufolge soll die Universität Damaskus ein neues Sprachenzentrum für Russisch eröffnet haben. Die Dozenten wurden anscheinend aus Russland eingeflogen.  Ende September wurde anscheinend die erste russische Schule in Damaskus eröffnet.

Die Rathaus-Schwemme

Ein Beitrag von Jorgos Koumoulli vom 06. 10. 2018 in der Tageszeitung Politis, Zypern!

Übersetzung: adh

„Die Anzahl der Rathäuser ist bei 39 angekommen [zypernweit]. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl muss das die höchste Anzahl von Rathäusern in der Welt sein.

Zur Zeit als die Briten regierten auf Zypern, gab es lediglich 12 Rathäuser: 6 in den Städten und 6 in sogenannten Hauptortschaften.

Nach der Unabhängigkeit, hauptsächlich nach 1980, ergab sich geradezu eine „Rathäuser-Explosion“. Die Stadtteile des unteren Nikosias, genauer Angladscha, Strowolo, Engomi, Aghios Dometio, die zu jener Zeit kleine Dörfchen waren, dann Vorstädte der Hauptstadt wurden, erhielten jeweils ihr eigenes Rathaus. Ähnliches vollzog sich auch in anderen Städten.

Mit ökonomischen Kriterien betrachtet, erwies sich solch Entwicklung als äußerst unglücklich, weil es führte zur Vernichtung der Rechenschaftspflicht und damit einhergehend zu einer Steigerung der Kosten auf den Schultern der Steuerzahler – natürlich. Es ist auch deswegen, dass die Troika 2013 eine Zusammenlegung der Rathäuser auf insgesamt 10 anführte – und zwar aus rein rechnerischen, und nicht aus seltsamen Beweggründen.

Zum Beispiel:

Nikosia, eine verhältnismäßig kleine Stadt der EU braucht keine 5 Rathäuser, und daher 5-fache Ausgaben für die Gehälter der … [Beschäftigten] darin. Die Umsetzung der Anweisungen der Troika versteht sich selbst in keiner Weise als eine Art Beteiligung an der Wertminderung des Sozialstaates. Die Infrastruktur, die Wohlfahrtsprogramme im Sozialen, welche die Rathäuser managen, siehe die Posten für Gesundheit, Umwelt und Sport, könnten bestenfalls nicht nur intakt funktionieren bei einem Zusammenschluss der Rathäuser, sie könnten sich auch allseits verbessern. Dasselbe gilt im Grunde auch in Sachen Bürgernähe sowie der Rechtmäßigkeit von Beschlüssen nach demokratischen Kriterien.

Kurz:

Die Kosten würden sich zum Nutzen für alle dramatisch verringern.

Betont werden muss, dass die geradezu inflationäre Anzahl von Rathäusern unvergleichlich mehr zutage tritt, wenn wir von jenen (Art virtuellen) Rathäusern reden, die Gemeinden im Norden vertreten, zumal ihre Hauptbeschäftigung Briefe zu versenden ist, Ankündigungen zu machen, und zwar an internationale Organisationen zwecks Aufklärung, und um hin und wieder Reden, Demonstrationen oder Anti-Besatzungs-Kampagnen zu organisieren.

Ausnahme ist die Gemeinde Ammochostos (Famagusta), die restlichen könnten eigentlich auch durch eine Art Führung oder Organisation vertreten werden.

Was die übermäßige Anstellung von Personal angeht, welche Unterbeschäftigung produziert, ist die Lage komisch-tragisch – zumindest in einigen Gemeinden.

Nehmen wir zum Beispiel mal die Ortschaft Lefkara, ein Dorf mit 800 Bewohnern. Dieses kleine Dorf hat nicht nur ein Rathaus, sondern sogar ein Gegenrathaus [nämlich eine Art virtuelles Rathaus, welches eine Stadt gleichen, ehemalig griechischen Namens im türkisch-zyprischen Norden der Insel vertritt], sowie auch 8 Direktoren im Rathaus.

Letztere trinken nahezu jeden Monat zusammen ihren Kaffee (halten ein Treffen ab) und bereden, was in ihrem Dorf los ist – und für diese dankbare berufliche Veranstaltung erhalten sie insgesamt 33.000 Euro jährlich.

Hier gilt es zudem zu erwähnen, dass die Gemeinderäte von Karawa, von Lapithou und anderen Rathäusern für drüben im besetzten Norden um nichts neidisch zu sein brauchen, bezüglich ihrer Kollegen in Lefkara im Süden, zumal deren Veranstaltungen übers Jahr verteilt noch spärlicher ausfallen; und viele Gemeinderäte für den zyprischen Norden fühlen, dass ihre Anwesenheit eigentlich unnötig ist – und so gehen sie erst gar nicht zu Gemeinderatsversammlungen.

Die Gemeinde in Vertretung, sozusagen, die das Lorbeerblatt in Sachen Überbeschäftigung von Angestellten erhalten sollte, ist eben jene von Ammoxostos, wo es 26 Gemeinderäte gibt – der mit Gemeindräten am vollgestopfteste Gemeinderat Zyperns.

Auf meine Frage hin, ob es denn all der 26 Leute bedürfe, antwortete ein Gemeinderat:

26 too many!“

Und für soeben Angeführtes ist es nun, dass Steuerzahler jedem der genannten Volksvertreter für den Norden Zyperns im Monat 530 Euro bezahlen.

Für ein Land, welches eine Verschuldung der Gemeinden von über 100% des Bruttoinlandsproduktes hat, glaube ich, ist so etwas nicht akzeptabel.

Eine weitere Empfehlung der Troika um Ressourcen zu sparen, ist, Dienstleistungen der Gemeinden von Privaten zu kaufen, vorrangig die der Müllabfuhr.

Solch eine Handlung ist jedoch vielen bereits eine Art Privatisierung und trifft offenbar auf dogmatische Einstellungen, und zwar vonseiten der Parteien und gewissen Interessengruppen.

Anhand der aktuellen Daten wird es schwierig sein in Zypern, so etwas [wie die oben erwähnte Art Privatisierung] anzuwenden, obgleich es die Betriebskosten der Gemeinden deutlich reduzieren würde.

Von dem, was ich weiß, ist Lefkara der Empfehlung der Troika in Sachen Müllbeseitigung seit 2018 gefolgt – und eine Senkung der Kosten von ungefähr 60.000 auf 30.000 Euro fand statt, also um 50%.

Nun, lasst uns entscheiden, was wir wollen.

Wollen wir für die Qualität der Dienste Sorge tragen und dies mit geringeren Kosten; oder wollen wir die Interessen gewisser Parteien bedienen und uns Steuern aufbrummen lassen, gnadenlos nachbesteuert sein, überbesteuert leben? … .“

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