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Syrien Mitte Mai/Juni 2018

Fangen wir doch mit einem Interview an, welches die Mail on Sunday am 10. Juni 2018 mit Baschar al Assad führte – in Auszügen:

„… Herr Präsident, was den 31. März 2018 angeht, betrug die Gesamtsumme für Fundings, welche Großbritannien an die White Helmets (Weißhelme) auszahlte, die ebenfalls bekannt sind als die „Zivile Syrische Verteidigung“, 38.4 Millionen Britische Pfund. Gleichzeitig beschuldigt Russland das Königreich, mit Hilfe dieser Organisation an einer Attacke in Duma teilgenommen zu haben … . Sie als Präsident Syriens, glauben Sie, dass das wahr ist?
Definitiv, ohne Zweifel. Großbritannien, Frankreich und die USA folgen und haben die selbe Politik. Das gesagt, und um komplett offen zu sein: die Briten und die Franzosen sind politische Satelliten der USA. Öffentlich unterstützen erstere die Weißhelme, die eine Handvoll al Qaida und al Nusra in unterschiedlichen Teilen Syriens sind. Die Briten gaben viel Geld aus; und wir betrachten die Weißhelme als ihr PR-Glanzstück. Ja, definitiv, die Sache wurde von diesen 3 Ländern auf die Bühne gebracht, und die Briten sind involviert.
[Die USA haben inzwischen (Stand 20. Juni 18) wieder Hilfsgelder für die Weißhelme und für eine Kriegsverbrecherermittlungsbehörde freigegeben – 6.6 Millionen Dollar. US-Außenamtssprecherin Heather Nauert: Nun können wichtige lebensrettende Einsätze der Weißhelme weitergehen. Einige Weißhelme, muss noch kurz angefügt werden, lassen hie und da ihr Leben in Syrien zurück, werden ermordet. Der Chef der Weißhelme, Raed al Saleh, bedankte sich für die angesprochene US-Unterstützung. Und als sei das nicht genug: Die USA ziehen sich voraussichtlich aus dem UN-Menschrechtsrat zurück mit der Begründung, im Gremium säßen zu viele Despoten, wie beispielsweise der Iran. Nikki Haley, UN-Botschafterin der USA, spricht von chronischer Parteilichkeit, die im Gremium herrsche. Gegen Israel seien mehr Resolutionen rausgegeben worden als gegen Syrien, Iran und Nordkorea zusammen. Zurück zum Interview:].

Frau Theresa May sagte, sie hat keinen Zweifel, dass das syrische Regime hinter den chemischen Attacken vom 07. April steckt, und erzählte ihren Kritikern, dass die Teilnahme Englands rechtens und legal war und zulässig nach internationalem Recht, um die menschlichen Leiden zu mildern. Haben Staaten keine Verantwortung gegen Kriegsverbrechen zu schützen? Wie soll die Teilnahme Englands bei Vergeltungsschlägen gegen Syrien nicht in Einklang stehen mit dem internationalen Recht?
Nun, gemäß ihrer Aussagen – als England und die USA den Irak im Jahr 2003 illegal bombardierten, massenhaft Vernichtung verursachten, ganz zu schweigen von der hohen Anzahl an Witwen und Amputierten – und gemäß mayscher Logik, hat jede Regierung das Recht, Großbritannien oder die USA zu attackieren, wenn sie denkt, diese Tat ist gerechtfertigt. Das ist legal und unter internationalem Recht erlaubt, um menschliches Leid abzumildern – dies als Erstes.
Zweitens: Sie haben gelogen. Sie haben ihre eigene öffentliche Meinung keinen Beweis geliefert, also der britischen Öffentlichkeit. Nachdem wir al Ghouta befreit hatten, wo die angebliche Attacke passiert ist, fragten viele ausländische Journalisten – einige unter ihnen gegen die syrische Regierung eingestellt – Leute vor Ort bezüglich des chemischen Angriffs und die antworteten: Wir haben davon nichts gesehen, hat nicht stattgefunden.
Es war eine Lüge, vor allem nachdem wir die Gegend befreit hatten. Unsere Quellen bestätigen, dass ein Angriff nicht stattgefunden hat. Großbritannien sollte zuerst mit Beweisen anrücken und dann beweisen, wer die Verantwortung trägt. Natürlich ist so etwas nicht passiert. Es gab keinen Angriff. Und das ist, wo die Lüge beginnt. Noch einmal: Es ging nicht um den Angriff. Das Ding an dieser Angelegenheit ist: Die Briten und andere haben Bedarf, die syrische Regierung zu unterminieren. Überhaupt sind sie von Anfang an daran interessiert, die syrische Regierung zu stürzen – schon seit den Anfängen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien. Sie vertun sich, sie erzählen Lügen und setzen ihren Abnutzungskrieg gegen uns fort.

Gab es irgendwelche Versuche, womöglich gar durch Vermittler oder Dritte, der britischen Regierung oder deren Geheimdienstnetzes, mit Syrien eine Kommunikation aufzubauen zwecks geheimdienstlichen Informationen – welcher Art auch immer?
Nein. Solche Kontakte hatten wir mit verschiedenen Diensten Europas. Die wurden vor kurzem aber eingestellt, weil die nicht seriös sind. Die wollen Informationen austauschen, wo doch deren Regierungen im Politischen gegen die unsere sind. Daher sagten wir: Sobald ihr einen politischen Schirm für derartige Kooperation habt, sind wir bereit. Derzeit gibt es keine Kooperation mit irgendeinem europäischen Geheimdienst – inklusive Großbritannien.

Was sind ihre Ansichten über den Umgang Mays und Trumps mit der Nahost-Frage, speziell aber Syrien. Und wie unterscheiden sich die beiden bei ihrer Intervention in der Region, und von der Putins?
Großer Unterschied. Die Russen wurden gebeten zu kommen. Sie sind also legitimiert hier. Das Gleiche gilt für den Iran. Doch die USA und die Briten, die sind illegal hier. Es ist eine Invasion. Sie verletzten die Souveränität Syriens – eines souveränen Landes. Die sind ganz und gar nicht legal hier. Die existieren hier illegal.

Aber, ihrer Meinung nach, wie haben beide, May und Trump, Syrien behandelt?
Es geht nicht um May und Trump. Es geht allgemein um Politiker aus dem Westen, um die westlichen Regime. Sie akzeptieren niemanden, der anderer Meinung ist: keinen Staat, keine Regierung, keine Persönlichkeit. Und das trifft auf Syrien zu. Syrien ist sehr unabhängig bei seiner politischen Positionierung. Wir arbeiten für unser nationales Interesse. Wir sind keine Bananenrepublik. Und diese Realität akzeptieren Die nicht. Dergestalt ist Deren komplette Sicht über uns, wie folgt: „Diese Regierung muss ausgewechselt werden. Der Präsident gehört dämonisiert. Weil die Syrer unseren Politiken nicht mehr entsprechen.“ So sieht es aus. Alles andere ist wie Beiwerk: Sie lügen, reden von chemischen Waffen, vom bösen Präsidenten, der seine Bevölkerung killt, die guten Leute, von Freiheit, friedlichen Demonstrationen. All diese Lügen sind Beiwerk des einzigen Ziels, das Regime zu stürzen.
Daher ist meine Antwort auf Ihre Frage: Das ist Kolonialpolitik. So sehen wir das. Und das ist nicht neu. Diese Art Politik haben Die niemals ausgetauscht, und zwar betreiben sie diesen alten Kolonialismus schon seit Anfang des 20ten und 19ten Jahrhundert und davor. Heute, lassen Sie es uns so sagen, hat dieser Kolonialismus eine neue Maske auf, eine andere. [In einem Interview Assads mit einer russischen Journalistin Ende Juni 2018 hat er seine oben geäußerten Ansichten dahingehend erweitert, indem er wiederholt in etwa sagte: die Europäer, der Westen, die haben keine Moral, keine Ethik!
Zuweilen kommt man nicht umhin, wenn man der Argumentation Assads, wie auch Putins und der des Irans folgt, sich zu fragen als Beobachter: Und was, wenn diese Leute mit ihren Darstellungen der Zusammenhänge in und um Syrien größtenteils Recht haben?].

Vor 5 Jahren, als der IS geboren wurden, sagten Sie mir … [dass Syrien geostrategisch in einer Spannungszone liegt], und seither scheinen Sie sich als Bollwerk gegen die IS zu sehen?
Wir sind diejenigen in den letzten Jahren, die die IS vor allem bekämpft haben, und zwar mit der Unterstützung Russlands und Irans. Niemand sonst macht dasselbe, noch nicht mal teilweise. Wenn Sie über den Westen und die Militärallianz des Westens reden wollen, die von den US-Amerikanern angeführt wird, nun, die haben die IS tatsächlich unterstützt, weil die attackierten die syrische Armee, und zwar immer dann, wenn wir angriffen; oder wir wurden angegriffen vom IS. Zuletzt so geschehen ein paar Tage, vor dem 15. Juni, als die IS die syrische Armee angriff. Natürlich haben wir sie geschlagen – und als Antwort haben die Amerikaner unsere Truppen im Osten Syriens attackiert.

War es falsch vom Rest der Welt, dass er Sie die letzten 7 Jahre isolierte?
Das Konzept Isolation eines Landes ist allgemein falsch. In der Welt, in moderner Politik, sogar in den alten politischen Tagen, brauchst du Kommunikation. Wenn du ein Land isolierst, isolierst du dich von der Realität in diesem Land. Und so wirst du politisch blind. Daher: das Konzept ist falsch!

Herr Präsident. Einige sehen Sie als einen internationalen Geächteten, als Diktator mit Blut an seinen Händen. Geben Sie mir ein Argument, warum Sie das nicht sind, zumal in den letzten 7 Jahren 100-Tausende Syrer ermordet, inhaftiert und sogar gefoltert wurden?
So! Die Geschichte, von der Sie reden, oder sagen wir, das westliche Narrativ lautet, dass dies ein schlechter Präsident ist, der seine eigene Bevölkerung killt, und die ganze Welt ist gegen ihn, weil er international geächtet ist. Und dieser Mann war 7 Jahre auf seinem Posten und kämpft gegen jedermann in der Welt. Können Sie ihre Leser davon wirklich überzeugen?
Es macht noch nicht einmal Sinn. Gemeint sind die unterschiedlichen Faktoren des Narratives. Es ist nicht logisch, nicht realistisch. Nun! Dieser Präsident ist auf seinem Posten, weil er die Unterstützung seiner eigenen Leute hat. Wie könnte er diese Unterstützung erhalten, wenn er gleichzeitig seine Bevölkerung mordet? Die Geschichte ist also nicht korrekt. Wir bekämpfen Terroristen. Und die werden von Großbritannien unterstützt, den Franzosen, den Amerikanern und ihren Handlangern, die meinetwegen in Europa oder sonst wo sind. Gegen die kämpfen wir an, und zwar mit der Unterstützung der Bevölkerung. Daher kommen wir voran. Wir könnten sonst nicht vorankommen. Nur weil wir die Russen oder die Iraner an unsere Seite haben? Die können die Unterstützung des Volks nicht ersetzen. Und zum Beweis: Der Schah von Iran, der Hampelmann des Westens, er konnte die Reaktion auf seine Politiken durch das persische Volk nicht überstehen. Er fiel [1979]. Das ganze System ging entzwei in ein Paar Wochen, und er musste aus dem Land fliehen.

Doch trotz der Unterstützung vieler Syrer bleibt die Tatsache, dass es tausende, zehntausende Menschen gibt, die ermordet wurden und inhaftiert worden sind.
Selbstverständlich. Sie reden von Krieg. Es gibt keinen guten Krieg. Auch keinen friedlichen. Darum ist Krieg schlecht. Also, wenn Sie von Krieg reden, ist das natürliche und selbst sich erschließende Resultat desselben: Tot und Blut überall!
Doch ist die Frage, wer fing den Krieg an? Wer unterstütze ihn? Der Westen! Der Westen unterstützte ihn von Anfang an und so auch die Terroristen, die überall Bomben legten, überall und jedermann mordeten – Köpfe abschlagen. Der Westen unterstützte al Qaida. Daher reicht es nicht aus zu sagen: Es gibt Ermordungen. Natürlich ist dort Killen. Es erschließt sich von selbst. Doch wer fing es an? Der Westen ist für all Das verantwortlich!

Der Westen ist verantwortlich, aber einige sagen, dass Herr Assad oder Präsident Assad auch verantwortlich zeichnen sollte.
Jeder Syrer könnte verantwortlich sein, für Was in Syrien passiert. Das ist eine andere Sache. Es ist eine syrische Sache. Das diskutieren wir nicht mit der Welt. Es ist nicht die Rolle des Westens, uns zu sagen, wer in Syrien verantwortlich ist: der Präsident oder die Regierung oder die Armee oder die Terroristen. Das ist eine Angelegenheit Syriens. Der Westen ist nicht in der Position, uns etwas zu sagen. Das ist nicht seine Rolle. Doch er mischte sich in die Souveränität eines Landes ein und ist verantwortlich für das Morden in unserem Land – egal wie der Narrativ des Westens lautet und seine Lügen.

Russland scheint viele Entscheide bezüglich Syrien zu treffen, ob es um fremde Truppen geht, die abziehen sollen oder um Deals, die mit Israel gemacht werden sollen in Süd-Syrien, auch, welche Art Waffen Sie haben sollten oder eben nicht. Trifft Russland inzwischen Ihre Entscheide?
Russland kämpft für das Internationale Recht. Und ein Teil desselben ist die Souveränität verschiedenster Länder, souveräner Länder – und Syrien ist eines dieser. Russlands Politik, sein Verhalten, seine Werte haben nichts mit Einmischung oder Diktat zu tun – überhaupt nicht. Wir haben gute Beziehungen mit Russland für länger als 6 Dekaden gehabt, beinahe 7. Währenddessen hat Russland nie versucht, uns zu etwas zu zwingen, sogar auch dann, wenn es unterschiedliche Ansichten gab.
Weil es derzeit einen Krieg gibt sowie eine hohe Dynamik in der Region, ist es ohnehin natürlich, dass unterschiedliche Ansichten verschiedenster Akteure existieren: sei es in unserer Regierung oder in anderen: in der russisch-syrischen Beziehung, syrisch-iranischen, iranisch-russischen, und eben in den jeweiligen Regierungen. Das ist normal. Letztendlich ist es aber Syrien, welches die Entscheide trifft und sagt, was zu passieren hat in Syrien. Darüber sollte sich niemand einen Kopf machen, unabhängig von dem, was Sie sonst so hören.
Ich weiß, auf welcher Grundlage Sie die Frage stellen.

Basierend auf verschiedenen Aussagen.
Genau!

Nun dann. Warum hat Ihnen Russland dann nicht die S-300, wie vor Jahren versprochen, gegeben – und zu einer Zeit, wo Israel praktisch jede Woche syrischen Boden bombardiert? Und warum koordiniert Russland diese Bombardements mit Ihren Feinden hinter Ihrem Rücken, Herr Assad?
Russland hat nie mit irgendjemand gegen Syrien etwas koordiniert: weder politisch noch militärisch. Und das ist der Widerspruch: Wie könnten die Russen helfen, die syrische Armee voranzubringen und gleichzeitig mit unseren Feinden zusammenarbeiten, um unsere Armee zu vernichten?

Aber die Russen wissen doch gewöhnlich, wo die Angriffe platziert werden …
Nein, nein! Das stimmt nicht, ist nicht wahr, definitiv! Wir kennen die Details.
Was die S-300 angeht, warum sie die erwähnt haben und dann aufhörten, darüber zu reden, dazu fragen sie besser russische Offizielle. Es ist eine politische Aussage. Die haben ihre eigene Agenda. Doch ob sie die S-300 an uns übersenden oder nicht, das ist ein politisches Ding – wir reden nicht darüber.

Maßgebliche Pentagon-Offizielle warnten, sie würden militärisch eingreifen, sollten Sie mit den Alliierten der USA abrechnen wollen. Werden Sie das US-Militär jemals wieder los werden in Syrien? Sind Sie bereit, diese direkt zu bekämpfen?
Seit dem Beginn des Krieges, haben die USA und ihr Alliierten nicht aufgehört, Syrien zu bedrohen. Haben nicht aufgehört, die Terroristen zu unterstützen. Und sie gaben nicht auf, uns direkt unter Beschuss zu nehmen – bei vielen Gelegenheiten. Doch trotzdem sind wir gegen die Terroristen vorangekommen. Und wir sagten, dass wir jeden Zentimeter syrischen Bodens befreien werden, egal wer Was sagt oder uns wo attackiert. Das hier ist unser Land. Und das ist unsere Pflicht. Das ist hier keine politische Meinung. Es ist eine nationale Pflicht! In dieser Richtung werden wir uns bewegen, egal, welche militärische oder politische Positionierung unsere Gegner einnehmen.

Wie denken Sie, wird die Geschichte Sie erinnern?
Kommt drauf an, welche Geschichte. Die des Westens? Die wird verdreht sein. Wird Lügen erzählen, Lüge über Lüge. Die selben Lügen, die wir nicht allein über unsere Gegenwart, sondern auch unsere Vergangenheit hörten.
Unsere Geschichte andererseits, die mir am Herzen liegt, ich hoffe, sie wird mich als jemand erinnern, der die Terroristen bekämpfte, um sein Land zu retten – und das war meine Pflicht als Präsident.

Es waren nun bereits 7 Jahre Krieg. Was tun Sie, um Dampf abzulassen, irgendwelche Hobbies?
Sport ist kein Hobby. Es wird ein Teil deines Lebens. Ein Teil deiner täglichen Routine. Weil, eine gute Gesundheit ist von Wichtigkeit, um aktiv zu bleiben. Daher kann Sport nicht als zur Unterhaltung angesehen werden. Keine Zeit und Lust auf Unterhaltung. Du lebst im Krieg mit Ermordungen und Terroristen. So! Das ist das einzige Hobby, welches eine Angewohnheit wurde, eine Angewohnheit, die von der verbleibenden Zeit und den Umständen abhängt.

Ihre Frau ist Engländerin. Sie lebten in London viele Jahre. Gibt es irgendwas, was Sie ganz besonders vermissen?
Ich hielt mich in London auf. Ich studierte Medizin. Es ist unmöglich für dich, in einer solchen Stadt zu leben, wo du fühlst, es gibt dort keinen speziellen Link mit ihr oder zu den Leuten, mit denen du täglich arbeitest.
Nun! Vielleicht vermisst du diese Beziehung. Doch du lebst manchmal in Widersprüchen, nämlich, dass dieselbe Stadt, die du magst, dasselbe Land ist, welches dein Land angegriffen hat – was nicht gut ist.“
Ende des Interviews!

Gehen wir zum Eingemachten über, verehrte Leser:

Zwischen dem 24. April und dem 01. Juni 2018 sollen insgesamt 93 Attentate und Attentatsversuche in Nordwesten Syriens allein durchgeführt worden sein.

Doch vorerst sei noch kurz dies angemerkt:

Erwarten Sie bitte auch hier nicht, dass Ihnen mit Bestimmtheit und aller Klarheit aufgezeigt wird, was in Syrien derzeit passiert. Schon allein all die Akteure ins Bild zu setzen, die in den fortdauernden Konflikt involviert sind, oder sein sollen, ist so etwas Ähnliches wie eine Sisyphos-artige Fleißarbeit. Und diese Letztere wäre indes so manchem gewiss eine ziemlich realistische Strafarbeit, nämlich jenen, die diesen kriegerischen Wirrwarr in Syrien angezettelt haben und, noch ‚gemeiner‘, davon profitieren oder profitieren wollen und dieses Kriegsgeschäft betreiben.

 

Syrien ist schlichtweg das lebende Beispiel dessen, was man als „bösartig“ bezeichnen kann; also nicht Syrien selbst, sondern das, was dort von nicht gerade wenigen Menschen mit Maschinen und anderen kriegstauglichen Dingen ‚veranstaltet‘ wird derzeit: eine Spezialausgabe der Horror-Picture-Show!

Wir haben uns ja an vieles gewöhnt. Beispielsweise daran, dass Präsident Putin immer mehr zum politisch-ökonomischen Match-Maker weltweit heranreift. Die Fußball-WM hält er bereits ab. Trifft sich unter anderen auch mit dem syrischen Machthaber Baschar al Assad, wie letztens in der russischen Stadt Sotchi.
Na ja: „russische Stadt Sotchi“, da soll es bereits einige Menschen geben, die diese Formulierung die Barrikaden hochgehen lässt. Die Georgier sind derzeit auch nicht amüsiert darüber, dass die WM-Mannschaft der Ägypter in Grosny/Tschetschenien untergebracht und vom dortigen Diktator in aller Öffentlichkeit geehrt wird – und nicht nur die Georgier. Denn so etwas, argumentieren nicht wenige, stabilisiere und legalisiere die russische Okkupation gewisser Gebiete in der Peripherie des russischen Riesenreiches. Und, bei dieser Gelegenheit sei sogleich daran erinnert: Das Assad-Regime hat unter russischer Vermittlung die von Georgien abgespaltenen Regionen Abchasien und Südossetien als eigenständige Staaten vor Kurzem anerkannt. Die Georgier brachen daraufhin diplomatische Beziehungen mit Damaskus – vorerst – ab. Reaktionen in den Netzwerken gingen soweit zu fordern, Georgien solle nun doch dazu übergehen, Gebiete östlich des Euphrat sowie Afrin, Idlib, kurz Nordsyrien, als unabhängig von Syrien anzuerkennen. Der georgische Präsident Giorgi Margvelashvili äußerte dazu auf Twitter so in etwa: Das zeigt, wer Assad wirklich ist, einer der Kinder mit chemischen Waffen tötet.
Apropos: in Georgien tobte der Mob kürzlich auf den Straßen. Soll heißen: es herrscht/e Antiregierungsstimmung. Und die Regierung ist ja auch bekanntlich am 15. Juni 2018 vorerst zurückgetreten – oder wurde zurückgetreten, wie man eventuell auch noch sagen könnte.

Nein wirklich!

Putin kann sogar Assad bei sich ankriechen lassen. So geschehen in Sotchi zum Ende des Monats Mai 2018: ohne großen Staat oder Leibwächter, die den damaszenen Killer eigener Bevölkerung umgeben hätten – oder anders gesagt: den syrischen Patrioten, wie man Herrn Assad halt auch noch sehen soll können.
Und ja! Bitte sehr sofort galt es, für Herrn Assad aus Damaskus beim Russland regierenden Ex-KGB-Offizier anzurücken, dem Herren über Energiequellen, die größtenteils den Energiebedarf der Bundesrepublik – noch immer – ‚speisen‘ sollen.
Für die angesprochene Visite bei Putin begab sich das syrische Präsidentensöhnchen jenes Assads, dessen Grausamkeiten noch immer vielen Zeitgenossen finster in Erinnerung haften und ihren Herzschlag am liebsten verstummen lassen, sogar in ein für seine Verhältnisse schäbiges Flugzeug. Putin ließ Assad-Junior also ankriechen, auch, um dem Donald in Washington dergestalt zu sagen, eventuell: Den lass ich fallen, wenn Du mich endlich richtig kapierst!
Am Rande bemerkt: Herz aller liebst waren die Bilder mit Donald und Kim im TV ja irgendwie schon diesen Monat: Die Atombombe lass ich fallen, wenn Du mich nicht endlich richtig kapierst, sagten die Bilder mit den beiden Polit-Showleuten wohl so manchem/r.
Von der Leyen, die Verteidigungsministerin der BRD, glaubt angeblich nicht, dass Putin den Assad noch wesentlich länger in Schutz nehmen wird. Die Verwaltungsstruktur gehöre gestärkt in Syrien und Moskau sei eher daran interessiert, ein Bein in Syrien zu behalten als den Baschar weiterhin auszuhalten, soll sie so in etwa gemeint haben.
Apropos: Frau Merkel war auch in Sotchi. Nicht ganz so angekrochen kam sie dort an wie Assad. Sie bat den Putin, das Wohneigentum der Geflüchteten Syrer nicht enteignen zu lassen.
Kann uns mal jemand erklären, was das Eigentum an Land in Syrien geflohener Syrer Frau Merkel angeht?
Und außerdem: Putin heißt Putin und nicht Assad! Soll heißen: Letzterem hätte die Bundeskanzlerin diesen Wunsch verbraten müssen. Offensichtlich macht sich Frau Merkel Sorgen, dass der Großteil der geflüchteten Syrer nach einer kalten Enteignung in Form einer Verfassungsänderung – siehe weiter unten – dann in Mitteleuropa sich fest ansiedeln könnte.
Das Schönste aber, und wirklich geradezu brillant, ist, was Putin so in etwa dazu sagte bei diesem Treffen mit Frau Bundeskanzlerin und in Richtung Reichstag zu Berlin: Hey ihr da in Brüssel und/oder Berlin, baut mal gefälligst aus eigenen Mitteln das kaputt-gebombte Syrien wieder auf – und dann reden wir weiter über das Eigentum dieser Leute aus Syrien!

Und auch daher dies: Das Gerücht geht um, dass die Türkei, sowie Russland und die US-Amerikaner/Israel Syrien unter sich aufteilen wollen. Insofern wird spätestens nun vielen Beobachtern das übersteigerte Engagement der Türken vor Ort etwas plausibler, aber auch dasselbe der Israelis, die zusätzlich vermehrt darauf drängen, dass an der syrischen Grenze zu Israel keine iranischen Söldner mehr in Stellung liegen. Der russische Außenminister Sergey Lawrow dazu: „Natürlich muss der Abzug aller nicht-syrischen Streitkräfte auf Gegenseitigkeit erfolgen, dies sollte keine Einbahnstraße sein!“ Die Jerusalem Post sprach in diesem Zusammenhang von einem bereits bestehenden Abkommen zwischen Russland und Israel, indem Assad die Kontrolle über den Süden Syriens behalten dürfe, wenn die libanesische Hisbollah bei Quneitra und Daraa ihre Stellungen aufgibt, im Süd-Westen Syriens an der umstrittenen Grenze also. Zum Ende des Monats Juni 2018 dann diese Meldung: Die russische Luftwaffe hat erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe vor knapp einem Jahr, Gebiete im Süden Syriens bombardiert. Dutzende Fassbomben und Elefantenraketen kamen zum Einsatz. Letztere sind ungenaue, improvisierte Geschosse aus Gaskanistern. Vom Militärflughafen Hmeimim, nahe der Hafenstadt Latakia, ging die Aktion aus. Das al Herak-Feldkrankenhaus wurde bei diesen Bombardements ebenfalls von Geschossen getroffen – auch Gebäude errichtet zum Schutz für Zivilisten. Das wird hier berichtet, – was wohl einigen bereits nicht mehr erwähnenswert erscheint -, weil Putin noch am 07. Juli 2017 persönlich und in Hamburg diese Gegend als Teil einer Deeskalationszone mitdeklarierte.

Und Sie wissen, verehrte Leser: Die Weltmeisterschaft im Fußball wird auch ohne die Deutschen, die früh herausgeflogen sind, in Russland trotzdem weitergeführt. Irgendwo wird gejubelt auf der Welt und anderswo, verzeihen Sie, verrecken die Leute, woran längst nicht Russland allein die Schuld oder Verantwortung trägt. Wir sitzen da ‚brav‘ mit im Boot – auch ohne WM-Titel!
Anfang Juni sprach sich der Berater des iranischen Generalstabchefs, der Brigadegeneral Massoud Gazajeri, noch gegen einen Abzug der Iraner aus Syrien aus. Sie seien schließlich auf Wunsch der Regierung in Damaskus da. Lustig oder makaber daran ist, dass wenig vorher Baschar al Assad selbst die Behauptung äußerte, es gäbe gar keine iranischen Kampfeinheiten auf syrischem Boden.
Währenddessen, so in etwa, machte sich der syrische Außenminister Walid al Mou‘allem über die Müllkrise im Libanon lustig. Er scheint wohl vergessen zu haben, dass Syrer, die dorthin in recht großer Zahl geflüchtet sind, eventuell die Hauptverursacher dieser Krise sind.
1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland hat der Libanon in etwa aufgenommen.

Wie auch immer dem sei: Zwar habe der Iran mehrere schiitische Milizen von der Grenze nach Israel abgezogen, doch die seien mehr oder minder postwendend in Einheiten der syrischen Armee dorthin zurückgekehrt. Vom Iran unterstützte Milizionäre unter Aufsicht des Kommandeurs der al Quds-Einheiten, Qasem Suleimani, sind nämlich in Militärlager des Assad-Regimes in Damaskus und Umkreis gebracht worden, und erhielten dort Uniformen des Regimes sowie syrische Ausweise (die Abu Fadl al Abbas-Brigade).
Die Russen sollen Mitte Juni die Kontrolle der Zufahrtswege zum Flughafen in Damaskus von den Iranern übernommen haben.

Auch hier in diesem Artikel, wie Sie leicht erkennen können, wird oder wurde von Dingen geschrieben, die längst noch nicht von allen Beteiligten so als Kröte geschluckt wurden, oder geschluckt werden wollen – „syrische Grenze zu Israel!“ Denn ja, es gibt offensichtlich vermehrt Leute, die Israel seine Existenzberechtigung im Nahen Osten aberkennen wollen, eben weil die betriebenen Politiken der letzten 10 Jahre der Israelis inzwischen alarmierend zeigten, dass dieses Staatsgebilde in der Region nur eines verursacht: Chaos, Leid, Tod und permanentes Sich-Bedrohen und Killen.
Apropos: Die ehemals syrischen Golanhöhen (1.200 qm), die Israel seit Jahrzehnten beschlagnahmt hat (seit 1967), könnten von Präsident Trump schon demnächst als rechtmäßige Gebiete Israels anerkannt werden – warten Sie es ab.
Ist doch wohl genug Zeit vergangen, um endlich mal einen weiteren Gang hochzuschalten in solchen besetzungspolitischen Angelegenheiten?
Diese Frage scheinen sich Menschen wie Netanjahu und Trump nicht nur zu stellen, sondern deren Realisierung aktiv anzugehen, wie nicht von wenigen behauptet wird.
In gewisser Weise ist das Alles auch nachvollziehbar – vor allem aus darwinistischer Sichtweise: dem Wetteifern um das Best-angepasst-Sein.
Liebe Palästinenser und ‘Ägypter’ vom Sinai seid also gewappnet! Time seems to be on their side! Werdet bestens schnell Christen und kommt dann mit vielen Kindern nach Mittel-Europa, wo sie wahrscheinlich auch dann noch vergeblich versuchen werden, ihre Art Ordnung in das Normalste der Welt zu bringen. Und Letzteres, wie aus Geschichtsbüchern weltweit geschlossen werden kann, ist die Migration! Und die mühen sie sich gesamteuropäisch, zunehmend miteinander verstritten zu verwalten.

Kommen wir zurück nach Sotchi und zu Putin: Ja, man staune, der Herr vom Kreml lobte den angekrochenen Alewiten aus Qardaha/Syrien namens Baschar. Die syrische Armee habe sehr erfolgreich gegen die islamistischen Terroristen gefochten, meinte der Kremlchef. Nebenbei wurde von Putin bei diesem Treffen in Sotchi noch schnell ein Abzug der ausländischen Truppen gefordert (was auch sein Sonderbeauftragte für Syrien Alexander Laventiev gern zwitschert): vordinglich sind mit jenen, die die Biege machen sollen in Syrien, natürlich die USA gemeint; und dass Israel seine Racheflüge, oder wie man diese besser nennt, einstellt.
Vielleicht sind die erwähnten Flüge ja doch eher bereits schon als Marker des entstehenden Gebiets „Großisrael“ von uns zur Kenntnis zu nehmen, dessen Aufbau ja in Angriff genommen sein soll. Das neue Reich König Davids wird derart womöglich schon mal ersichtlicher und für alle existenter abgesteckt und dies – wenn auch recht explosiv mit entsprechenden Kollateralschäden – wird uns eventuell so vorgeführt noch weiterhin beschäftigen. Auf Grund der israelischen Flugangriffe soll Assad den iranischen Kräften letztens in ‚seinem‘ Land verboten haben, Einrichtungen und Flugzeughallen in syrischen Militärflughäfen zu nutzen. Weil sonst wieder die Israelis dort ihre Bomben hinlenken.
Am 20. Juni 2018 bombardierte die US-geführte Anti-IS-Koalition erneut Stellungen des Assad-Regimes und iranischer Milizen südöstlich von Abu Kamal nahe der irakischen Grenze. Armeestellungen wurden dabei getroffen. Es gab mehrere Tote und Verletzte. Die USA dementieren den Luftangriff jedoch.

Doch bleiben wir doch noch etwas beim Sotchi-Treffen. Die Lage im Land namens Syrien habe sich verbessert, meinte Assad dienstbeflissen gegenüber Putin bei jenem Treffen und wahrscheinlich war er in jenem Moment im Geiste praktisch schon auf Knien. Ein Verfassungskonvent müsse aber her, meinte der syrische Alewite dann auch noch.
Genauer: Assad & Co. wollen die syrische Verfassung umschreiben. Der Besitz an Boden soll neu verteilt werden.
Nein. So kann das nicht stehen gelassen werden, verehrte Leserschaft.
Also: Jene Syrer, die interessiert daran sind, ihr Land weiterhin als Besitzer zu führen, müssen sich noch vor Ablauf dieses Sommers 2018 auf den zuständigen Behörden in Syrien einfinden, und entsprechend belegen, dass sie es sind, die die Besitzer jenes Bodens in XY-irgendwo in Syrien sind.
Zeck! Diese Klatsche hat gesessen. Wird sitzen. Wird all jenen Syrern ein Dorn im Auge sein, die sich ins Ausland retteten und sich nicht zurücktrauen – vor allem aber Landbesitzer sind.

Letztere müssen sich allerdings nicht allzu viele Sorgen machen, dass ihr Land dahinrotten wird. Es wird gewiss wieder erblühen, und zwar vielleicht unter afghanischen oder iranischen Händen – ja, in Syrien. Staffan de Mistura, der UN-Sondergesandte für Syrien, dem soll bei seinem letzten Treffen in Teheran Mitte Juni ebenfalls ein Vorschlag für die zukünftige syrische Verfassung unterbreitet worden sein. Mistura war am 18ten und 19ten Juni 2018 in Genf, um mit hochrangigen Entscheidungsträgern aus der Türkei und Russland die syrische Verfassung ebenfalls zu besprechen. Es ist, als wolle man den Astana-Prozess neubeleben – diesmal ohne Araber und US-Amerikaner plus vollem Segen der Vereinten Nationen. Etwas mehr zu dem, wie das Ding mit der neuen syrischen Verfassung in der Praxis aussieht, folgt unten, ganz am Ende dieses Artikels.
Viele Afghanen, so an die 54 000, die als Kämpfer der Fatimyoun Brigade, an der Seite des Assad-Regimes ihre Leben riskieren, haben mit der Neubesetzung des Eigentums der geflüchteten Syrer nämlich eine nicht allzu schlechte Perspektive erhalten für ihren freiwilligen, oft auch unfreiwilligen Dienst an der Waffe fürs Vater- oder Mutterland in spe, Syrien, um den Faden wieder aufzugreifen. Mal sehen, ob sich die Regierenden in Damaskus dann auch ans Versprechen halten werden, wenn es ums Ein- und Verteilen des recht begehrten Gutes „Land“ gehen wird. Leute braucht das Land, wo Euphrat und Tigris fließen auf alle Fälle.
Es könnte also in der zukünftigen syrischen Gesellschaft, wenn der Staat dann noch so heißen wird, an genügend Frauen fehlen – zumal die auswärtigen Krieger ziemlich sicher männlichen Geschlechts größtenteils sind. Wir dürfen daher gespannt sein, wie dieser ‚Bedarf‘ gedeckt werden wird.
Mit Russinnen?
Dass wir nicht gleich darauf gekommen sind.
Iranerinnen? Wohl eher nicht.
Türkinnen?
Dass etwa Homosex und/oder -liebe legalisiert wird?
Nun: Verwundert drein schauen gilt ab jetzt nicht mehr, weil hier steht es gleich geschrieben, und zwar: Es könnte womöglich herauskommen, dass Gentechnik plus Brut-Institute, oder wie solch Orte zukünftig im Arabischen genannt werden könnten, die Folgen des Frauen-Mangels vor Ort beheben werden. Und jene, die ohne Frau als Afghanen und Iraner in Syrien leben müssten oder werden, schließt man vielleicht zukünftig zeitweise an eine Testreihe mit Liebes-Robotern/innen japanischer und/oder chinesischer Machart zwecks Beweis technischen Fortschritts und natürlich des Friedens wegen an; oder aber „für die nächste Generation“, wie ja oft auch andernorts in der Welt in den unterschiedlichsten Zusammenhängen betont wird.
Wäre das ‚Problem‘ FRAU derart nicht erfolgreich delegiert?

Wie dem auch sein wird im zukünftigen Zweistromland: Wahrscheinlich ist jene Delegation, von der Assad zu Putin auch noch sprach Ende Mai 2018, schon längst zu den Vereinten Nationen unterwegs, dort gewiss schon angekommen, womöglich schon wieder abgereist, um zuvor erwähnte Verfassungsänderung dort ‚absegnen‘ zu lassen. Auch bei diesem Punkt dürfen wir gespannt sein, ob das Unterfangen gelingt.
Denn, vergessen wir es besser nicht – und auch zum Abgleich: Wenn Trump, letztens, im Vorfeld des G7-Treffen in Kanada kalt kalkulierend ein Verlassen des Treffens einplant, wie geschehen, nur weil der kanadische Premier angeblich Dinge sagte, die Trump nicht gefielen – von denen er sich denken konnte, dass sie gesagt werden, so oder ähnlich von irgendjemand -, dann dürfte angesprochenes Begehren Assads vor dem Hohen Hause der UN womöglich durchgewunken werden – die Verfassung?
Ja! Dem könnte so sein. Denn: Wir leben schließlich in wirren Zeiten, wo, wie sagt man neuerdings, Quantenlogik vermehrt in Betrieb genommen wird, als Maßstab vieler, wenn nicht gar aller Dinge anzulegen ist zukünftig – bis sich auch dieser Hype gelegt haben wird und der nächste Weltenformer wie „Demokratie“ oder eben „Quantenlogik“ ansteht.
Was dieser nächste Umformer der Humaniden sein könnte?
Klar doch, Liebe!
Entschuldigen Sie, Scherzchen müssen doch auch mal sein, Und vor allem dann, Sie werden es vielleicht noch erleben, wenn man genau dort hinkommen mag, eben zur Liebe als Weltenformel. Bloß was ist das noch mal genau, Liebe? Eine Bewegung im Stillstand oder Stillstand mit Bewegung?

Und ja: Es tut sich was in Syrien. Auch wenn diese Bewegung vielen Betrachtern der Lage vor Ort von außen so vorkommt, als sei es die einer Angelegenheit, die im Kreis verläuft und äußerst lieblos: Anfang = Ende; Ende = Anfang; also eine Bewegung ohne Ende ist, die scheinbar sinnlos sinnig sinniert.
Zum Beispiel hatte ein Konvoi iranischer Milizen, sowie Milizionäre der libanesischen Hisbollah, sich ungefähr Mitte Mai 2018 fortbewegt, und zwar gerade, als in Astana/Kasachstan die Gespräche zu Syrien einem Ende zugeführt wurden. Im Rahmen der dort verfassten Deeskalationsvereinbarung sollen auf lediglich nordsyrischem Boden insgesamt 29 gemeinsame Beobachtungsposten eingerichtet werden: 12 türkische, 10 russische und 7 iranische. Das zuvor erwähnte Fortbewegen der genannten Milizionäre fand also unweit der kurz-und-klein-gebombten Stadt Aleppo statt – in Richtung Berge namens Ezzan. Soweit hier bekannt ist, werden den von den erwähnten Milizen aufgegebenen Platz an jenem Ort türkische und russische Truppen, vorerst, einnehmen. Von einem türkischen Protektorat im Norden Syriens ist gelegentlich die Rede, welches dort errichtet worden sei – werden soll. Inzwischen sind schon längst wieder Gespräche am Laufen, die zum Ziel haben, Gerichtshöfe sowie Dienstleistungen in den Bereichen Transport, Kommunikation sowie die Stromversorgung wieder herzustellen vor Ort.
Mitte Juni 2018 trafen sich Stammesführer aus Aleppo, Raqqa und Hassake. Die Volksverteidigungseinheit wurde aus der Taufe gehoben. Gemeinsam mit der syrischen Armee soll nun energischer gegen ausländische Verbände (USA/SDF etc.) vorgegangen werden, wurde beschlossen. Die Universität Harran in Şanlı Urfa/Türkei wird unterdessen eine Filiale in der Stadt al Bab/Provinz Aleppo eröffnen. Lehrsprachen sollen Arabisch, Englisch und Türkisch sein. Wie wir uns schon dachten, wird die lokale Sprache der Leute, Kurdisch, dort nicht aufgenommen als Unterrichtssprache – zumindest vorerst, und Ankara scheint sich ganz offensichtlich längerfristig in Syrien einrichten zu wollen. Der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Gaziantep in der Türkei hatte zum Abschluss des diesjährigen Ramadans al Bab besucht. Seine Unterstützung für die syrische Polizei sollte dergestalt zum Ausdruck gebracht werden.
Beobachtungsposten werden im Syrien dieser Tage gewiss eh noch weitere eingerichtet. So auch in der Stadt Raqqa. Dort gab es im März 2018 lediglich eine einzige medizinische Einrichtung. Ungefähr 150 000 Menschen leben aber in jener Stadt, und zwar unter harschen Bedingungen. Für die letzteren Bedingungen sorgt/e nicht die Türkei allein.
Apropos harsche Bedingungen: „Assayesch“, das sagt Ihnen nichts? Ja, so nennt sich der Geheimdienst der kurdischen YPG-Miliz, der auch nicht allzu zimperlich sein soll – der syrische Medienaktivist Mohammad Khalouf al Mahdi wurde in einem PYD/YPG-Miliz-Gefängnis in Hassake/Nordost Syrien umgebracht. Er hatte gegen Zwangsrekrutierungen der YPG von Zivilisten demonstriert. Genannte Miliz hat des Weiteren auch gefangengenommene Europäer, die für den IS kämpften, im Zuge eines Gefangenenaustausches freigelassen Mitte Juni 18. Darunter befanden sich ebenfalls deutsche Staatsbürger. Der IS hat im Gegenzug ebenso viel kurdische Gefangene freigelassen. Noch andere Player erschweren der Zivilbevölkerung in Raqqa das Über/Leben – und nicht nur dort. Sie können sich vorstellen, was in dieser Stadt so in etwa los ist in Sachen Krankheiten: Durchfall, Hepatitis, Infektionskrankheiten jedweder Art und gelegentlich wohl auch Cholera. Letztere wütet gerade in einer weiteren Stadt Syriens, die, welch ‚Zufall‘, ebenfalls im Siedlungsgebiet der Kurden liegt: in Deir ez Zor.

Nochmals kurz zurück nach Hassake: Türkische Medien berichteten, saudiarabische Militärberater hätten zuweilen Treffen mit YPG/SDF-Kämpfern in der Region. Es gehe dabei um eine bereits gebildete arabische Truppe. Und zwar geht es um die Qauwat as Sanadid, um genauer zu werden. Sie ist eine Miliz eines in der Region ansässigen Scheichs namens al Hadi, und dieser gehört dem vor Ort bekannten Schammar-Stamm an. Die Miliz ist 2013 gegründet worden. Sie gibt vor, vordringlich gegen den IS zu kämpfen.
Die davor kurz miterwähnten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) schreckten kürzlich nicht davor zurück, wird berichtet, auch auf Zivilisten das Feuer zu eröffnen – so geschehen bei Deir ez Zor in der Nähe von einem Ölfeld. Die Zivilisten sollen versucht haben, eines der Ölfelder in Brand zu setzen, da einer ihrer Leute von SDF-Kämpfern misshandelt worden sei.
Die von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) führten in Deir ez Zor just so ungefähr in jenem Zeitraum mal wieder Razzien durch, wobei eine IS-Schläferzelle ausgehoben werden konnte, wird behauptet und vermeldet. Und, man staune: Rund 50 italienische Soldaten sollen in der Nähe des al Tanak-Ölfelds, ebenfalls Provinz Deir ez Zor, stationiert worden sein. Sie haben sich französischen Truppen angeschlossen, wird berichtet. Assad und seine Alliierten sollen mit dieser Maßnahme von dort ferngehalten werden.
Und dann auch noch dies: Mehrere Rebellengruppen haben sich in der Provinz Aleppo zu einem neuen Bündnis – vorerst – zusammengeschlossen, welches sich „Sultan Abdul Hamid II Brigade“ nennt. Sie werden in der Provinz Aleppo, Ras al Ayn und Jabal Turkman in der Provinz Latakia Stellung beziehen.

Weil wir schon beim Nennen von Namen gewisser Ortschaften und Kampfverbände sind: Manbitsch ist einer jener Orte in Syrien, wo unter anderen die Türkei vor haben soll, diesen Juni, eher kommenden Juli, so etwas wie eine weitere „große Schlacht“ zu schlagen – versteht sich, gegen die Kurden der YPG, die ja beschuldigt werden, nichts weiteres zu sein als der verlängerte Arm der verbotenen PKK in der Türkei. Mit dem Wahlsieg Erdogans werden wohl schon demnächst Fakten geschafft werden diesbezüglich.
Die Türkei und die USA haben den Fall Manbitsch offenbar untereinander ausgewürfelt vor kurzem – oder ähnlich, genauer: die Hauptlinien für eine künftige Kooperation wurden skizziert, um „Sicherheit und Frieden“ in Manbitsch einkehren lassen zu können. Man sagt, das sei eine politische Strategie, die eventuell mit hohem Einsatz und mangelndem Vertrauen seitens der türkischen Streitkräfte sowie der USSOCOM durchgezogen wird. Manbitsch liegt in der Provinz Aleppo. Anadolu News spricht von einem 3-Phasen Plan, den die Türken mit den USA ausgehandelt haben sollen. Demnach habe die YPG Manbitsch innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Jetzt sind die USA und die Türken dabei, einen Rat innerhalb von 60 Tagen zu bilden. Das heißt, kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels wird wohl verlautbart werden, ob das zuletzt genannte Ziel erreicht werden konnte innerhalb der gesetzten Frist oder nicht – nämlich spätestens am 04. Juli. Es soll Angaben zufolge danach aussehen.
Ob die USA ihre Ankündigung gegenüber Ankara wahrmachen, dass die YPG ihren Kontakt zur PKK demnächst abbrechen wird, wird hier zwar nicht bezweifelt, allerdings, dass es in Wirklichkeit geschehen wird dann schon, irgendwie. Es wird behauptet, die USA unterhielten an die 20 Militärbasen in den nördlichen Gebieten Syriens, die von den Demokratischen Kräften Syriens kontrolliert würden. Die Rede ist von 5 000 Soldaten.
Der türkische Außenminister Çavuşoğlu träumt derweil bereits davon, das 3-Phasen-Modell dann auch in Raqqa und an anderen Orten in Syrien einzusetzen, sollte es von Erfolg gekrönt werden. Der Lokalrat in Mare, ein Nest unweit von Aleppo, soll die Bevölkerung zum Dank für die Unterstützung der türkischen Truppen dazu aufgefordert haben, die türkische Lira einzuführen, sodass deren Absturz an der Börse vielleicht verhindert werden könne.
Bereits am 18. Juni 2018 wird gemeldet, dass US-amerikanische und türkische Truppen an der Grenzlinie (Sajur-Linie) zwischen Manbitsch und der Türkei patrouillieren. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde die Aufputschdroge Captagon im Wert von über 1.5 Millionen Dollars in dieser Gegend von Milizionären, die den USA nahestehen, sichergestellt. Bekanntlich haben bereits die Nazis unter Adolf auf diesen Stoff gesetzt: er macht mutig und raubt den Schlaf – hat allerdings auch zuweilen ungewünschte Nebenwirkungen: Depressionen, Horrortrips etc.
Raqqa ist noch immer ein Ort in Trümmer, Schutt und Asche. Viel Frust kursiert und wenig Lust, wird gesagt, die Stadt wiederaufzubauen. Die PYD/YPG kontrolliert diesen Ort – noch. Leichen sollen noch immer unter Trümmern verrotten etc. Anstatt, dass mal jemand ernsthaft aufräumte, sollen lediglich Bilder des in der Türkei inhaftierten kurdischen Führers Öcalan überall in der Stadt aufgehängt werden. Das sind bestimmt Übertreibungen, aber gewiss mit einem Funken Wahrheit. Inzwischen, Ende Juni, ist zu hören, dass die Öcalan-Poster wieder abgenommen worden sind – und andere Fetische.
Wie dem auch sei: Mitte Juni ließ jemand von Seiten der russischen Militärbasis in Hmeimin/Syrien wissen, dass Moskau die Manbitsch-Vereinbarungen zwischen der USA und der Türkei als „unwirksam“ erachte. Zum Ramadan 2018 geschah dort jedoch, dass dutzende Menschen festgenommen wurden, die aus der Türkei gekommen waren, um die Feiertage in Syrien zu verbringen.
Der Pressesprecher der YPG sagte im kurdischen Fernsehsender MediaHaber in einem Interview am 17. Juni 2018 in stark vom Kurdischen und Arabischen gefärbten Türkisch in etwa: Wir von der YPG, wir Kurden, wir wollen offene Grenzen und gute Beziehungen zur Bevölkerung drüben in der Türkei. Wir haben kein Problem mit den Leuten dort!
Und dann noch dies: Viele sind sich folgender Tatsache bewusst: Die Amerikaner, wird immer wieder geschrieben in den Netzwerken der Kurden, benutzen die PYD-Einheiten als Söldner. Und wenn sie diese nicht mehr brauchen werden, würden sie diese – wie schon einige Male davor andernorts geschehen –, erneut kalt abservieren.

Apropos „kalt abservieren“:

Die Palästinenser, die seit Jahrzehnten in Syrien, vor allem in Teilen von Damaskus, einen Unterschlupf gefunden haben vor den Übergriffen der Israelis, kriegen derzeit auch oder wieder einmal ihr Fett ab, wie man sagt. Eines der für sie am Rande von Damaskus vor Jahrzehnten angelegten sogenannten Flüchtlingscamps, „Yarmouk“, hat das Assad-Regime ziemlich komplett, wird berichtet, in Schutt und Asche bomben lassen – mit Hilfe Moskaus.
Es stimmt: Die Palästinenser waren (und sind) nicht unbedingt immer die angenehmsten Mitbewohner oder Gäste in Syrien. Wie dem auch sei: In diese eben thematisch aufgeworfenen innerarabischen Zusammenhänge tiefer zu blicken, brächte uns in düstere Gefilde nahöstlicher Politik der letzten 60 oder mehr Jahre – und der Platz dazu soll hier nicht sein. So viel noch: Die Rolle Syriens bei der Vertreibung vieler Palästinenser aus Palästina im letzten Jahrhundert ist noch längst nicht aufgearbeitet; oder so veröffentlicht, dass die Wahrheit wirklich klarer zutage getreten wäre. Da war und ist noch was, das vor allem unter dem fliegenden Teppich aus 1000 und einer Nacht geheftet verharrt. Soll heißen: Dass der Assad Clan in Syrien noch immer im Sattel sitzt, ist auch der helfenden Hand des angeblichen Erzfeindes Israel, den USA und einigen Staaten Europas geschuldet – vorweg der BRD.

Sie sehen, verehrte Leser, kaum dass man damit angefangen hat, ist man schon mitten drin, sich im syrischen Wirrwarr so richtig einzunisten und den schwindenden Überblick als Gott gegeben zu akzeptieren. Ja, eine gehörige Portion Fatalismus wird zuweilen geraten, sei angebracht, um in dieser Materie nicht vollends einzusickern.
Jedenfalls haben einige Palästinenser in ihren Lagern wie Yarmouk IS-Kämpfer, wie soll man sagen, beherbergt, wenn nicht gar ermutigt, sich dort einzunisten. Die sind dort jetzt angeblich abgezogen, genau so wie auch in Tadamon oder in Hajar al Aswad. Und somit hat Assad nach ungefähr 6 Jahren die volle Kontrolle über alle Vororte der Hauptstadt Damaskus zurückerhalten. „volle“ in diesem Zusammenhang ist selbstverständlich mit Fragezeichen zu versehen, gibt aber so in etwa das an, was Baschar al Assad über seine Medien in der Welt und in Syrien als Nachricht verbreiten lässt.
Jetzt kommt es aber, was viele von Ihnen wahrscheinlich nicht ganz kapieren dürften. Und das ist: Jene IS-Kämpfer, die nach längeren Schießereien in den zuvor genannten Gebieten in und um Damaskus noch irgendwie am Leben geblieben waren, bekamen 32 Busse hingestellt, um nach Badiya asch-Scham verfrachtet zu werden – also so eine Art freies Geleit. 1.600 Kämpfer des IS sind daher noch immer da draußen irgendwo unterwegs, um Baschar al Assad das Leben schwer zu machen, um die Scharia einzuführen, um den Ausländern die Umma entgegenzustellen – die Gemeinschaft der Muslime ist die Umma, welche ja bekanntlich schon vom Propheten Muhammad anvisiert und in einem wesentlich kleineren territorialen Rahmen auch etabliert gewesen war, und zwar im heutigen Saudi Arabien.
Der ausgebombte Stadtteil Yarmouk im Süden von Damaskus, wo ja einst mehrheitlich Palästinenser lebten, wurde sodann von den ausgehungerten und aufgehetzten Soldaten des Assad-Regimes sowie nicht-palästinensischen Anwohnern Damaskus‘ geplündert. In LKWs soll das Diebesgut hurtig zum nächsten Markt gefahren worden sein und wurde dort verhökert. Es wird berichtet, die geplünderte Schore sei mit UNICEF-Planen auf den LKWs zugedeckt gewesen, sodass sich, wird hier interpretiert, ein jeder seinen Reim aus dieser Art Camouflage machen kann, wer da im Grunde wen … und so.

Kann schon sein, dass das eben Gesagte nicht gerade die gelungenste Metapher war. Aber: Bekanntlich hat die arabische Literatur ebenfalls eine sehr reiche Metaphorik, vor allem die guten, alten Dichter von vor der Besetzung Arabiens durch Osmanen, Engländer oder Franzosen. Die Schriftstellerin Rana Kabbani zur erwähnten Plünderung von vorhin: „So unterstützt Assad also die Palästinenser. Wäre Yarmouk von den Israelis zerstört worden, dann hätte dies eine große Protestwelle ausgelöst!“ Iraner, oder die von ihnen in Syrien Eingesetzten, haben sich ebenfalls an den Palästinensern und ihrem ‚Eigentum‘ in Yarmouk vergangen, wird berichtet. Kann gut sein, dass das nächste Ziel dieser wild gewordenen Horden das Städtchen Daraa – wieder – sein wird, inzwischen schon ist.
Ein kleines Kontingent der ägyptischen Armee ist dort in der Gegend eingetroffen, um gemeinsam mit russischen Streitkräften das Assad-Regime bei einer geplanten Offensive in Daraa zu unterstützen. Al Masdar News berichtete, eine Friedensdelegation des Assad Regimes und der Russen sei in der Provinz Daraa unterwegs, um mit FSA-Kämpfern über eine ‚Versöhnung‘ zu verhandeln. Türkische Truppen und verbündete FSA-Kräfte wollen im Rahmen ihrer Operation „Olivenzweig“ Gebiete in Afrin nach Brauchbarem abgesucht haben. Ein größeres Waffen- und Munitionslager, vermutlich der YPG, sei dabei entdeckt worden. Auch schon davor, im März 2018, konnte ein solch gearteter Teilerfolg erzielt werden.
Das Wort Versöhnung wurde hier zuvor in Anführungszeichen gesetzt, da die Russen und das Assad-Regime klarmachten, dass ansonsten die Hölle über den Kämpfern einbrechen wird, wenn sie sich nicht auf Versöhnung trimmen lassen.
Und als wollte man uns Es leicht machen, den Überblick zu behalten, schlossen sich gleich 11 bewaffnete syrische Oppositionsgruppen in und um Idlib und der Stadt Hama zur „Nationalen Front für Befreiung“ zusammen Anfang Juni 2018. Türkische Truppen gaben, zeitgleich ungefähr, ID-Karten an Bewohner in Afrin und dem nahegelegenen Ort al Bab aus. Die Aktion brachte den Türken den Vorwurf ein, einen demografischen Wandel vor Ort vorantreiben zu wollen. Und wie wir alle wissen (sollten), haben die Türken nicht erst seit der Mitte des letzten Jahrhunderts in diesen assimilierenden Dingen einen ausgeprägten Erfahrungsschatz. Die Türken behaupten jedoch als Gegenargument, terroristische Schläfer sollen leichter enttarnt werden können etc., wenn ID-Karten besessen werden.

Al Bab ist für die Türken auch aus historischen Gründen ein wichtiger Ort (Osmanen). Insofern verwundert nicht, dass vermeldet wird, man habe mit der Restaurierung von Moscheen (derzeit 40 von insgesamt 60) und Bazaars begonnen. Die älteste Moschee in al Bab wurde im Jahr 717 errichtet. Eine religiöse Stiftung aus der Türkei soll die Gelder für die Erneuerungsarbeiten bereitstellen.
Währenddessen verlängerte die EU ihre Sanktionen gegen Assad um ein weiteres Jahr. Zum Ende des Junis 2018 hat die Verwaltung des al Hikmet Krankenhauses in al Bab den Betrieb eingestellt. Es würden nur noch Notfälle behandelt, wird vermeldet. Der Gesundheitsminister der syrischen Interimsregierung Muhammad Feras Jundi macht das Assad-Regime dafür verantwortlich sowie für Verschleppungen und Lösegeldforderungen von/für medizinisches/m Personal.
Und: Das Krankenhaus in Dana/Provinz Idlib wurde angegriffen. Der Versuch scheiterte, Ärzte zu entführen. Noch Anfang Juni 2018, also ungefähr 10 Tage davor, wurde Dr. Mahmud Mutlaq verschleppt, schwer gefoltert und gegen ein Lösegeld von 120 000 Dollar wieder freigelassen. Er soll einer der so genannten Wohltätigen Ärzte sein. Das berühmte Forqan Krankenhaus in Manbitsch, ein privates, musste Mitte des Monats Juni geschlossen werden. Der von der SDF kontrollierte Lokalrat forderte nämlich eine Betreibungsgebühr von – in solch leidgeplagten Zeiten – umgerechnet etwa 223 000 Dollar. Es gehörte zu den besten Häusern in der Region Nah- Mittelost, und war bekannt für seine moderaten Preise.
In Manbitsch versuchte es die Bevölkerung mit Streik aufzubegehren, doch dort sind ja bekanntlich noch die anderen, die US-Amerikaner und ihre Verbündeten von der kurdischen YPG sowie verbündete Stämme, die dort das Sagen haben. Die streikenden Händler von Manbitsch wurden schon nach recht kurzer Zeit vom Streiken ‚erlöst‘ und zur Arbeit gezwungen. Gefängnisstrafen wurden angedroht. Und Knast bedeutet in Syrien leicht und meist: ‚ein bisschen oder mehr‘ Folter.
Dass es also etwas oder mehr rau zugeht in Syrien, mag Ihnen noch durch Folgendes verdeutlich werden, verehrte Leser: Zwar leben wir im Jahr 2018 nach Christus, doch unweit von Manbitsch, genauer in Idlib, leben halt auch Menschen islamistischer Gesinnung. Und einige von denen, wurden von der al Qaida nahen Hayat Tahrir asch Scham (HTS) auf einem öffentlichen Platz hingerichtet – 4 Mitglieder der IS nämlich. Anführer der HTS ist derzeit Dr. Yusuf al Hagar. Er lehnt noch immer die Auflösung dieser Organisation ab. Kann sein, dass er inzwischen schon nicht mehr lebt. Da war dieser Bericht im syrischen TV, dem nicht ganz aufmerksam gefolgt wurde, der diese Nachricht eventuell verbreitete.
Hier gehört noch schnell angemerkt, dass dieses erwähnte Bündnis eines ist, welches 2013 aus dem Zusammenschluss der al Nusra Front und anderen, kleineren Kampftrupps hervorging. Die UN haben Hayat Tahrir asch Scham als Terror Organisation gelistet. Die USA bezeichnet die Organisation als militaristischen Ableger der al Qaida.
Im Internet wurde unter anderem gewitzelt, dass die Namensänderung in Hayat Tahrir asch Scham doch wohl eher unglücklich gewesen sei. Weil hätten diese Kämpfer oder Terroristen das Wort „Demokratisch“ in ihren Namen aufgenommen, wären die USA gewiss bereit gewesen, sie anzuerkennen – siehe beispielsweise die PYD/YGP (Partei der Demokratischen Union) der Kurden.
Al Hagar, der eventuell noch lebendige Führer der Terroristen der HTS: Die Beziehungen zur Türkei seien aber dennoch als ausgewogen zu bezeichnen. Man halte weiterhin an den Zielen der syrischen Revolution fest.
Zu hören ist: Viele Beobachter finden vermehrt, die syrische Revolution wurde wohl eventuell doch eher von sogenannten Agent-Provokateur angestoßen, die wiederum von internationalen Kooperationen sowie der US-Regierung und anderen Interessierten den Auftrag dazu ereilt bekommen haben könnten. Der sogenannte Arabische Frühling soll daher von recht langer Hand vorbereitet worden sein – angeblich schon seit Anfang der 2000er Jahre, eben von den zuvor bezeichneten Akteuren aus dem Westen vordringlich.

Zurück nach Idlib, wo der so genannte Arabische Frühling einst ganz heftig tobte: Knapp 2 Millionen Menschen bräuchten in Idlib Hilfe, also 67% der gesamten Bevölkerung in dieser Region des Landes. Allerdings sind um die 10 000 Menschen vor Ort offenbar militante Dschihadisten, Kämpfer, die vorgeben, vorrangig im Dienst des Islam kriegerisch unterwegs sein zu wollen. Und auch daher geschehe, dass die Trump-Regierung derzeit Hilfen für Syrien komplett eingestellt hat (Stand 15.06.2018).
Und dem nicht genug: Die Türkei und Russland haben sich offenbar darauf geeinigt, Mitte Juni einen „humanitären Korridor“ in Tal al Sultan/Provinz Idlib zu eröffnen. Vertriebenen soll dergestalt die Rückkehr in das vom Regime kontrollierten Gebiet ermöglicht und erleichtert werden.
Währenddessen all dieses und jenes geschieht und geschah, wenig später oder früher, griffen israelische Panzer Stellungen der Hisbollah in der syrischen Ortschaft Tulul al Humur südlich von Quneitra an. Südwestlich von Homs bombardierten die Israelis Ende Mai bereits den Militärflughafen al Dabaa. Kampfhubschrauber des Assad-Regimes warfen andernorts Flugblätter über Homs ab: Ergebt Euch oder ihr werdet getötet, soll die Nachricht darauf in etwa gelautet haben – „wie die Leute von Ghouta“, wird es euch ansonsten ergehen, stand noch drauf.
Dass solche Drohungen nicht leer sind, zeigte sich erneut in Latamnah, wo vermutlich das Assad-Regime Phosphorbomben abwerfen ließ. Und Sie werden es nicht glauben: Der Ministerpräsident Syriens, Jawad Abu Hatab, unterzeichnete ausgerechnet in dieser wirren Gesamtlage ein Gesetz, das bewirken soll, dass der Anteil der Frauen in politischen Ämtern steigt. Ja, und es geht weiter mit solch Ungereimtem, weil: Das Assad-Regime übernahm den Vorsitz der UNO-Abrüstungskonferenz für einen Monat – in Genf. Und wissen Sie was? Der UN-Bevölkerungsfond arbeitet offenbar mit der staatlichen „Syrian Computer Society“ zusammen. Und diese Society wurde vom Bruder Baschar al Assads, dem Basel, gegründet. Des Weiteren gibt es seit 2011, seit der Konflikt in Syrien begann, eine regime-treue Hackergruppe namens „Syrische Elektronische Armee“. Und wir wollen hier gar nicht ausmalen, mit wem die sich im Darknet und andernorts im Netz anfreunden.

Ein ‚lustiger‘ Ort, Syrien – und/oder das Internet. Und dennoch scheinen einige Universitäten in Syrien geöffnet zu sein. Schulen und Gymnasien ebenso, wenn immer es sich arrangieren lässt. Ein komplexer Ort ist Syrien also, wo territorial stets begrenzt Krieg, Mord und Folter etc. Alltag geworden sind – und stückweis ‚NORMALHEIT‘ herrscht.
Und nun noch dies zur Beschreibung der Lage in Syrien, wo die sogenannte kurdische Solidarität, die zuweilen auch auf deutschen Straßen von kurdischen Protagonisten hochgehalten wird, gar existent sein soll.
Es verlautbarte nämlich ein Anführer der kurdisch-syrischen PYD, dass kurdische YPG-Milizen nach ihrem Abzug aus Afrin mehr als 90 kurdische Häftlinge dem Militärgeheimdienst des Assad-Regimes ausgeliefert haben. Ihr Abzug erfolgte nach Kobane, und zwar an der Seite von französischen Kräften. Und an das Regime von Assad ausgeliefert zu werden, bedeutet geradezu an Sicherheit grenzend Folter und wahrscheinlich auch schrecklichen Hunger, der ausgehalten werden muss etc. Sozusagen im Gegenzug griffen sich die Türkei und FSA-Kräfte tausende Kurden, die sogar in Privatflugzeugen nach Afrin zurück- oder eingeflogen wurden, um diese ‚Glücklichen‘ dort anzusiedeln, wo die 90 Häftlinge, die oben erwähnt wurden, an die Häscher der Assads ausgeliefert worden waren.
Immerhin: Um den 20. Juni herum wurde das Tragen von Waffen in Afrin von einer ausgebildeten Militärpolizei des FSA verboten. Eine Kurdin mit hohem Rang in der YPG, Ilham Ahmet, soll sie heißen, warnte eben diese oben erwähnten Kurden, die bereitgestellten Flugzeuge besser nicht zu besteigen, weil ihre YPG das Gebiet in und um Afrin zuerst zurückerobern müsste, bevor solch eine Umsiedlung Sinn machte. Sie drohte den wahrscheinlich mehrheitlich unfreiwillig Hin-und-Her-Gerissenen kurdischen ‚Blutsbrüdern und -schwestern‘ mit dem Tod.

Nun, die Co-Vorsitzende der PYD, eben Ilham Ahmet, scheint darüber hinaus auch mal wieder zu Gesprächen mit Vertretern des Assad-Regimes in Damaskus gewesen zu sein. Sie besucht anscheinend auch regelmäßig Washington DC, wird dort als enge Partnerin der US-geführten Internationalen Koalition (CJTFOIR) im dortigen Außenministerium geführt. Ahmet dürfte bei ihrer Visite in Damaskus erneut abgeklappert haben, ob und unter welchen Bedingungen das Assad-Regime zukünftig bereit sein könnte, ein autonomes kurdisches Gebiet im Nordosten Syriens zuzulassen.
Des Weiteren: Ein hochrangiges Mitglied der kurdischen Zukunftspartei, Abdulhamid Tammo, ist in der Provinz Hassake (vermutlich am 03.06.18) verschleppt worden. Er befand sich auf dem Weg nach al Jennazya. Der Freie Rechtsanwälteverbund Syriens in Gaziantep/Türkei machte Kräfte der PYD/SDF dafür verantwortlich. Anwalt Tammo ist ebenfalls Mitglied der Nationalen Syrischen Koalition. Tammo ist inzwischen wieder auf freiem Fuß und befindet sich in einem Dorf nahe Qamischli.
Tammo ist also vorerst wieder in ‚Sicherheit‘. Doch zehntausende ehemalige Bewohner Afrins befinden sich weiterhin auf der Flucht. Vor allem sind junge Mädchen auf der Flucht mit ihren Eltern, alleine oder mit Verwandten, gefährdet. Die Puffs in der Türkei, dem Libanon etc., auch sogar in Nordzypern, sollen mit kurdischem ‚Frischfleisch‘ zur allgemeinen ‚Zufriedenheit‘ der Kundschaft gut gefüllt sein. „Daha düşmadı!“, hört man Freier hie und da zuweilen gewiss wieder zueinander sagen. Und das Gesagte soll bedeuten: Noch ist die Ware frisch! Noch ist sie nicht in der Gosse gelandet – oder billig und für jedermann zu haben!
Jungs werden oft zwangsrekrutiert oder an Geheimdienste und andere Interessierte weitergegeben bei Bedarf.
In diesem Zusammenhang kommt man vielleicht nicht umhin, thematisch etwas einen Schwenk zu machen – Susanne. Die Rede ist von der 14-jährigen Deutschen, die von einem Iraker, wahrscheinlich Kurde, aus Irbil umgebracht worden ist. Er war Flüchtling in Deutschland und sitzt jetzt in Deutschland in Haft wegen des Mordes.

Wenn aber bedacht wird, in welchem Umfeld er aufgewachsen sein mag, nämlich an Orten, wo Folter, Mord und Krieg way of life geworden zu sein scheinen, kann man eventuell ahnen, wie schwer es vielen geflüchteten, relativ jungen Menschen fallen muss, die kaum eine andere Realität bislang kennenlernten, wirklich zu kapieren, dass Mitteleuropa anders tickt. Dass man nicht einfach eine Frau killt, die nicht so will wie man es gerne hätte – oder wegen der sogenannten Ehre etc. Dass die von Zuhause und der Religion gesetzten und erlernten Schranken mehr als Worte sind.
Das Letztere zu begreifen, dürfte vielen dieser jungen geflüchteten Menschen wirklich schwerfallen. Insofern hat Wagenknecht von der Linken durchaus Recht: Man kann die Grenzen nach Europa nicht einfach aufhalten, wie viele ihrer Parteifreunde meinen, und sagen: „Kommt!“ Das funktioniert nicht und ist realitätsfern.
Europäer sind inzwischen mehr denn je aufgrund der Gegebenheiten weltweit aufgefordert, ihren Lebensstil gründlich zu überdenken und entsprechend zu justieren, bestenfalls schnell, andernfalls wiederholt sich Geschichte, vielleicht die der iranischen Hochkulturen vor Zarathustra usw.

Ja, ja, die Iraner in Syrien. 60 und mehr Firmen sollen die dort bereits gegründet haben. Und diese Firmengründungen werden den iranischen Revolutionsgarden zugeordnet. Internationale Sanktionen des Westens, die den Iran im Griff hatten und demnächst wohl wiederhaben dürften, sollen mit derartigen Firmengründungen umgangen werden, werden so umgangen: Geldwäsche, Waffengeschäfte etc. dürften wohl auch ein Thema sein, gelegentlich.
Apropos: Syrer sollen neuerdings ein Visum zur Einreise in den Iran sich ausstellen lassen müssen. Interessant ist, zu erfahren, dass der Libanon aber die Visumspflicht für Iraner aufhob. Das heißt, dass iranische Reisepässe nun nicht mehr abgestempelt werden an der Grenze. So soll offenbar gewährleistet werden, dass dieser Personenkreis weiterhin nach der EU einreisen kann, denn die EU lässt Iraner, die im Pass einen libanesischen Stempel haben, neuerdings nicht mehr in die Gemeinschaft einreisen. Apropos: Der Flughafen in Beirut soll derzeit mehr oder minder in iranischen Händen sein – so auch eine Militärbasis. Geld und Waffen würden ohne Kontrollen aus dem Iran eingeführt.
Versteht sich, dass einige der zuvor erwähnten Firmen längst auch im Libanon ein Beinchen (in etwa 200 Unternehmen insgesamt) aufgesetzt haben – und andernorts in der Welt. Namen? Hier, bitte sehr: Samer Foz, Moufid Karami, Sayyid Zaynab, Hafni Mortada, Farouk Joud, Abdel Qader Sabras, Samer Yousef, die Töchter von Nizar as Asaad usw.
Überhaupt: Gemunkelt wird, dass Baschar al Assad derzeit mehr Einfluss im Libanon habe als in Syrien. Die Unternehmer der transferierten Unternehmen sollen jeweils 1 Million Dollar bezahlt haben, um im Libanon sich ansiedeln zu können.
Diese Praxis erinnert uns sehr stark an Zypern oder Malta, wo genau das Gleiche getan wird, und schon fast als eine Art Industriezweig betrachtet werden darf. Gewiss gibt es auch daher einige iranisch-stämmige Unternehmensableger auf Zypern – was dort eventuell keiner wirklich so genau wissen will, ist zu vermuten.
Meldungen zufolge sollen über 2 Millionen Iraner die syrische Staatsbürgerschaft erhalten haben, was von Gegnern Assads ebenfalls als Strategie gewertet wird, den in alle Winde geflüchteten Syrern eine Rückkehr zu erschweren.
Inzwischen (Ende Juni) sollen an der Grenze zu Israel keine Iraner und/oder ihre afghanischen, pakistanischen, libanesischen oder gar algerischen Kämpfer in Stellung liegen. Was hier noch eingefügt gehört: Russland einigte sich bereits zur Mitte des Monats Juni darauf, Standorte der Hisbollah/IRGC in Syrien bekanntzugeben, falls diese sich nicht dem zuvor erwähnten Abzug anschließen sollten. Israel war vor geraumer Zeit nämlich bereits auf diese Weise in Aktion getreten gegen iranisch unterstützte Milizen, nachdem diese die Befehle Russlands verweigert hatten, Stellungen aufzugeben (so geschehen im Umkreis von Damaskus und Daraa).
Apropos: Gemäß Herrn Hadi al Abdallha, ein unabhängiger Reporter vor Ort, sei die Spezialeinheit des Assad-Regimes die Quwat al Nimr, die für ihre Kampfstärke und Brutalität gefürchtet ist, in Daraa eingetroffen. Neben ihnen sollen noch weitere Akteure die Interessen des Regimes – dort – auskämpfen: die Republikanische Garde, die NDF, Gaisch al Tahrir al Falastini, Liwa al Quds, die 4te, 7te, 9te, 14te und 15te Division der syrischen Armee. Die USA sagen dazu warnend: „Die Feuerpause muss weiter umgesetzt und respektiert werden (Stand 19. 06. 18).
Oder um das Phänomen Syrien auch mal von dieser Seite etwas näher beleuchtet zu haben: US-Kampflugzeuge töten südlich von Hassake den IS-Anführer Omar Ali, ein Ägypter, der für die Medienarbeit der Terrormiliz verantwortlich zeichnete. Oder: 150 Ziegen wurden Dorfbewohnern nahe der Stadt Deir ez Zor von Truppen des Assad-Regimes geklaut sowie 10 Kühe. Daraufhin verschleppten die Bewohner 5 Soldaten des Regimes, die dann gegen das gestohlene Vieh zurückgetauscht werden konnten. In dieser Provinz befanden sich Anfang Juni 2018 ungefähr 65 hochrangige IS-Anführer, also östlich des Euphrat. Die Mehrzahl dieser Anführer soll aus dem Irak stammen. Putin soll geäußert haben, dieses Gebiet könne dem Iran überlassen bleiben.
Und um das Bild eines zukünftig eventuell geteilten Syriens zu vervollständigen, welches weiter oben schon angerissen worden war: Assad und sein Clan sollen dann lediglich in und um Damaskus einen Teil des Landes erhalten. Versteht sich, dass die hier eben gegebenen Informationen – noch – unbestätigte sind.

Und weil wir schon bei Damaskus sind: sie scheint die untergrabene Stadt per se zu sein. Soll heißen: Die Assad-Gegner haben im Laufe des Konflikts seit 2011 hunderte Tunnel gegraben, die diese Stadt durchziehen sollen. Es dürfte daher nicht unbedingt leicht sein, die volle Macht in dieser Stadt zu übernehmen, wenn Assad Damaskus als Teil eines aufgeteilten Syriens erhalten würde.
Obgleich: Bei den unmenschlichen Methoden seines Regimes ist damit zu rechnen, dass es wahrscheinlich genug Denunzianten geben wird, sich ‚produzieren‘ lassen, die Assads Folterern stecken, wo einer oder mehrere dieser Tunnel verläuft/-laufen.
Im Interview mit Al Jazeera am 14. 06. 2018 angesprochen auf seinen Ruf als Folterer und Tyrann, wickelte Baschar al Assad den Vorwurf damit ab, unter anderem, dass das alles lediglich unbegründete Propaganda des Westens sei. „Fake News.“ Auffallend war, dass er im Interview die USA, Großbritannien und Israel nannte, aber nicht mit seinen schmutzigen, blutigen Fingerchen in Richtung EU zeigte, die für sein Dilemma verantwortlich seien und für Falschmeldungen etc. Das lässt eventuell tief blicken, wie man sagt.
Zeitlich 2-3 Wochen später räumt der israelische Prämier Netanjahu mal wieder ein, Bombardements auf Stellungen von Verbündeten des Iran in Syriens durchgeführt zu haben. Der Iran würde ansonsten Syrien „kolonialisieren“, um Israel anzugreifen. Netanjahu: 80 000 Milizkämpfer aus Pakistan und/oder Afghanistan seien zu diesem Zweck eingeschleust worden.
Und so verwundert uns wenig, dass der russische Außenminister Pläne für eine Sondersitzung der Mitglieder des Chemiewaffenübereinkommens im Juni 2018 ablehnte. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies geradezu energisch zurück, dass Russland „angebliche“ Chemiewaffeneinsätze Baschar al Assads decken würde.
Jordanien hat in diesen Tagen, wie man sagt, die Fronten gewechselt. Offenbar hat dort jemand eingesehen, dass mit Assad besser zu sterben ist also ohne. Soll heißen: Amman will, dass der Nasseb-Grenzübergang endlich wieder geöffnet wird, damit Handel getrieben werden kann. Die Sorge, dass iranische Kampfverbände sich so leichter ins Land einschleusen können, wird gesagt, nehme man in Kauf. Ein-zwei Wochen später sendet das Land einen großen Militärkonvoi mit Panzern an die Grenze zu Syrien. Die Grenze wurde seit 2014 für Flüchtlinge geschlossen seitens Jordanien. All das trägt dazu bei, syrische Flüchtlinge im eigenen Land zu Getriebenen zu machen – eigentlich ist für sie kein Schlupfloch in die Freiheit mehr da.
So um die 33 000 iranische Kämpfer sollen sich also in Syrien befinden. 7806 seien getötet worden bislang, wovon wiederum 1649 Mitglieder der libanesischen Hisbollah gewesen sein sollen. Einer der zahlreichen Deals scheint unterdessen zu sein nach Verlautbarungen, dass Syrien im Süden an der israelischen Grenze des Landes ‚saubermachen‘ darf, unter der Bedingung, dass die Iraner von dort verschwinden. Und jetzt kommt es: Anscheinend werden die Israelis dem Assad-Regime dabei unter die Arme greifen und den Einsatz ‚netterweise‘ koordinieren (Quelle: die Jüdin Eizabeth Tsurkov – Forum for Regional Thinking).
Die Russen ihrerseits bitten die Israelis um Nachsicht, sollten im Zuge der zuvor erwähnten geplanten Säuberungs-Operationen des Assad-Regimes an der israelischen Grenze das eine oder andere Bömbchen oder Raketchen versehentlich auf dem von Israel eingenommenen Terrain landen. Netanjahu hingegen findet, die Iraner müssten aus Gesamtsyrien sich zurückziehen. Die Maximalforderung strebt er somit an.

Immerhin: Beim Internationalen Wirtschaftsforum letztens in St. Petersburg konnte der syrische Wirtschaftsminister Samir al Khalil stolz verkünden, dass russische Firmen bereits mit dem Wiederaufbau der syrischen Erdöl- und Erdgasindustrie begonnen hätten. Zwischenzeitlich hat sich das syrische Regime über die Aufteilung der Öl-Einnahmen in Deir ez Zor geeinigt, und zwar, wo die YPG-Miliz das al Omar Ölfeld kontrolliert. Das Regime erhält nun täglich 100 Barrel Öl, die YPG 75. Das al Omar Ölfeld zählt derzeit zu den größten seiner Art in Syrien und fördert täglich anscheinend um die 15 000 Barrel Öl.
Na, wo dieser große Rest des Öls wohl verschwindet – Sie haben doch hoffentlich schnell mal mitgerechnet? In den USA? Russland? Oder gar in China?
Jedenfalls: Zukünftig würden noch mehr Verträge mit Russland geschlossen vonseiten Syriens. Und wäre in der Türkei widererwarten Muharrem Ince am 24. 06. 2018 als Präsident der Türkei gewählt worden, hätte es angeblich zu einer Annäherung zu Assad kommen können. Ob es klug gewesen ist, solch Aussicht vor einer Präsidentenwahl in der Türkei in Aussicht zu stellen, zeigt das Wahlergebnis. Ince stand mit seiner Positionierung im Lager der Erdogan-Gegner alleine auf weiter Flur. Da Erdogan indes als Sieger hervorgegangen ist bei den Wahlen, wird mit Sicherheit eine noch härtere Gangart Ankaras in Nordsyrien – und eventuell darüber hinaus gehend sogar in Damaskus, in Deir ez Zor etc. zu erwarten sein.

Anscheinend haben die Russen die Zeichen der Zeit verstanden. Sie haben damit begonnen, eigene Militärpolizisten in allen Übergängen zwischen Hermel und Quseir zu stationieren. Das Gleiche gilt nahe der libanesisch-syrischen Grenze (Bekaa Ebene und Qalamoun). Ganz offensichtlich werden so die von Erdogan schon seit Anfang des Syrienkonflikts geforderten „Roten Linien“ gezogen. Bewegungen der libanesischen Hisbollah und anderen Organisationen sollen so eingeschränkt werden. Wo keine russischen Militärpolizisten zum Zuge kommen, wie beispielsweise in und um Damaskus, werden die sogenannten Schabiha-Milzen des syrischen Regimes herangezogen, um an Kontrollpunkten zu wirken. Dass es daher allmählich zu mehr Anschlägen auf russische Soldaten gekommen ist, kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Es wird zwar spekuliert, dass iranische Kräfte Baschar al Assad ins Jenseits befördern könnten, da dieser dieselben auf Betreiben Israels etc. abzuziehen gedenke. Wir gehen hier allerdings nicht von einer solchen Tat durch iranische Milizen aus. Denn solch ein Mord wäre konterproduktiv für den Iran. Solch ein Entscheid wäre zu kurz gegriffen. Und die Iraner sind nicht dafür bekannt, in kurzen Zeitabständen zu planen. Darin gleichen sie in etwa Moskau oder China. Der Vorwurf, dass Trump, und allgemein der Westen, Politik des kurzzeitigen Maßes machen, trifft jedenfalls nicht immer zu – und, wie zu sehen ist, offensichtlich nicht im Syrienkonflikt, den, wie bereits oben gesagt wurde, gewisse Kreise in Washington angeblich mit Bedacht schon Anfang der 2000er Jahre angedacht hatten – aus verschiedensten Gründen. Sehen Sie hierzu das vor einiger Zeit hochgeladene Video auf der Webseite Zypernsundmehr-News (auf Englisch).
Da die Verlegung russischer Militärpolizisten an die libanesische Grenze jedoch zu großen Spannungen führte, wurden dieselben anstatt nach Quseir in Homs verlegt und durch Soldaten des Assad-Regimes ersetzt. Den Russen wird voraussichtlich nicht passieren, was Ayman Jaber mit dem Regime in Damaskus vor Kurzem passierte. Bekanntlich ist Jaber ein Ölmagnat, und regimetreu war er zudem. Dennoch hat Damaskus nun sein Vermögen einfrieren lassen, obwohl er an die 7000 Kämpfer des Regimes, die sogenannten „Wüstenfalken“ und „Seekommados“, aus ‚eigenen‘ Mitteln jahrelang finanzierte. Beispielsweise verhalf sein Geld dem Regime, die Antike Stadt Palmyra zurückzuerobern, wird behauptet. Was zusätzlich aufhören lässt, ist, dass Jaber mit Assad um ein paar Ecken verwandt ist.

Dass die Iran-Strategie der Trump-Administration bereits von Erfolg gekrönt ist im Nahen Osten, kann hier nicht bestätigt werden. Noch sieht es so aus, als könne Iran seinen Einfluss in der Region halten. Sicher ist aber, Putin zufolge, dass Moskau keinen Abzug aus Syrien plane. In diesem Zusammenhang stehend darf gesehen werden, dass die Autobahn Homs-Hama (M-5) nach sieben Jahren erstmals wieder für die gesamte Öffentlichkeit geöffnet wurde. Davor diente sie eine Zeitlang nur der sogenannten Humanitären Hilfe. Interessant ist des Weiteren, dass ein internationaler Haftbefehl für den Luftwaffengeheimdienstchef Jami Hassan ausgestellt wurde. Der 64-Jährige wird beschuldigt, systematische Folter und willkürliche Exekutionen von politischen Gefangenen und anderen Unliebsamen beauftragt zu haben. Diese Maßnahme wird als erster wichtiger Schritt erachtet, um Individuen strafrechtlich verfolgen zu können zukünftig – so auch die Assads. Währenddessen wird bekannt, dass der Libanon die Aufenthaltsgenehmigung für Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen nicht verlängert. Der UNHCR ermutige Flüchtlinge, nicht zurückzukehren, lautet der Vorwurf und/oder die Begründung.
Apropos Flüchtlinge: Die Türkei hat zwischenzeitlich den Bau einer 764 km langen Mauer an ihrer Grenze zu Syrien abgeschlossen.
Der Präsident des Libanon, Michel Aoun spricht von Verlusten, die sein Land der syrischen Flüchtlinge wegen erleide – 10 Milliarden Dollars soll dieser Verlust hoch sein. Im Netz findet jemand: Sogar, wenn die syrischen Flüchtlinge im Sheraton wohnten, käme diese Summe im Leben nicht zustande.

Zuletzt: Warten wir mal ab, wo um Europa herum, so genannte Aufnahmelager für Flüchtlinge entstehen werden, welche der österreichische Vorsitz in der EU bei seinem Amtsantritt am 01. Juli 2018 als primäres Ziel seines Ratsvorsitzes anzuvisieren vorgibt in den bevorstehenden 06 Monaten.
Wurde Syrien etwa auch daher plattgemacht und von langer Hand geplant, damit Menschen aus allen Herrenländern dort, vor den Toren Europas, ‚geparkt‘ werden könnten?
Am 12. Juni 2018 berichtet die Cyprus Mail: „Friedensprotester marschieren zum Akrotiri-Luftwaffenstützpunkt der Briten.“ Sie sorgen sich zurecht, dass die Republik Zypern noch tiefer in den Krieg in Syrien hineingezogen wird. Sie fordern, dass Anastasiadis die Flüge der Briten nach Syrien unterbindet etc.
19. Juni 2018 steht in der Cyprus Mail:
„Hussam Idris träumt davon, in seine Bäckerei in Aleppo zurückzukehren. Doch 3 Jahre nach der Flucht vor dem Krieg, macht er sich Sorgen, das neue Gesetz, welches der syrischen Regierung erlaubt, Hausbesitz zu konfiszieren, um einen Wiederaufbau durchzuziehen, seine Pläne zunichtemachen könnte. … Obgleich das Gesetz Nummer 10 oder das Dekret 10 noch angewendet werden müssen, sagen Menschenrechtsgruppen und Regierungen, die syrische Flüchtlinge aufgenommen haben, letztere würden Gefahr laufen, permanent im Exil leben zu müssen, wenn sie ihr Eigentum verlören. Ein hauptsächlicher Grund zurückzukehren, wäre so genommen.
Idris sitzt in der syrischen Botschaft von Berlin und versucht, die Besitzverhältnisse zu Hause zu klären, in dem er seine Mutter installiert. Sie könnte dann Anspruch für die Bäckerei und das Appartement im Kallaseh-Bezirk von Aleppo erheben, welcher vor 2 Jahren zurückerobert worden war. Damit ist er nicht alleine. Das neue Gesetz löste einen Run auf syrische Botschaften aus. Ein Beamter dort, der seinen Namen nicht angeben mag, sagte, dass seit das Gesetz im April in Kraft ist, kämen täglich 10 bis 15 Syrer an, die versuchten, den Besitzstatus auf Verwandte zu übertragen. … .
Deutschland hat um die 650 000 Syrer aufgenommen. Das sind die meisten in westlichen Ländern. Und Deutschland ist ganz besonders besorgt des Gesetzes wegen. Die Sorge ist, dass Baschar al Assad das Gesetz benutzen könnte, um vormalige Oppositionszentren plattzumachen, die von der Regierung zurückerobert wurden, und nun mit Unterstützern der Regierung angefüllt werden sollen. … . Syrien spricht in diesem Zusammenhang von einer Desinformationskampagne, die gegen es laufe. Damaskus sagt, dass ein Wiederaufbau unablässig sei und der Platz dafür nun mal gebraucht würde. Außerdem müssten illegale Besitze eh korrigiert werden. …
Die Tatsache, dass der UN Sicherheitsrat Kenntnis von dem Dekret 10 genommen hat, ist gute Nachricht, sagte ein weiterer deutscher Beamter. „Doch der Druck, das Dekret nicht anzuwenden seitens der syrischen Regierung, hat von Russland zu kommen:“
Obgleich das Gesetz Nummer 10 besagt, Verwandte könnten Besitzansprüche anmelden, sagen syrische Anwälte, dass der Besitz in Realität eben einer Person übertragen werden muss, damit die Behörden wüssten, welcher Verwandte der gewünschte gesetzliche ‚Agent‘ ist. Außerdem bräuchten all jene, die solch einen Besitzanspruch stellten, sagen Anwälte und Menschenrechtsgruppen, auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. … .
Das Regime hat eine lange Geschichte in willkürlicher Enteignung, um seinen ökonomischen und sicherheitstechnischen Interessen zu dienen. Diese Praxis war in der Tat einer der Hebel, welche die Rebellion verursachten. … Lokale Behörden benutzen Land, welches unter dem Gesetz 66 konfisziert worden war, um eine Luxus-Wohnanlage mit 12 000 Wohnungseinheiten zu erbauen. Assad hat die Anlage 2016 eingeweiht. Jetzt wird von einigen Flüchtlingen aus Syrien befürchtet, dass das Selbe mit Gesetzt Nummer 10 der Fall sein wird. …

[Jemand:] „Wenn Sie in einer ausgebombten Gegend lebten, wo die Oppositionellen des Regimes aktiv waren, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass Sie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erhalten – und so geht auch Ihr Recht auf Ihren Besitz flöten!“

Umleitung

via um-lei-ten

um-lei-ten

Um Lei Tung!

Das soll Chinesisch sein!?

Der Übergang in den Mai 2018 vom April auf Zypern ist schon fast unmerklich passiert. Geregnet hat es sogar in jener Nacht. Zeitlich davor, war es nachmittags recht sonnig, ja sommerlich – wir kehrten von Paphos nach Hause zurück.
Wir haben eine wunderbare Zeit in Paphos verbracht, wozu eine Art kleiner Helfer beitrug. Genauer: Sollten Sie jeden Tag mal wirklich gut Essen, und dann auch noch gut unterkommen wollen in Paphos, wird hier nicht davor zurückgeschreckt, zu empfehlen, das „Annabelle“-Hotel aufzusuchen. Wer dieses Hotel länger als 5 Tage bucht mit lediglich Frühstück, bekommt offenbar einen Up-Grate, der sich gewaschen hat, in diesem Fall bedeutet Letzteres: sehr positiv gewaschen hat.

Das Annabelle ist eines der ersten Hotels, die in Paphos gebaut wurden. Es ist wirklich noch immer sehr empfehlenswert, derzeit sind es dort vor allem die Dinge, die in der Küche zubereitet werden, die man nicht laut genug loben kann. Spitzenmäßig! Ein Spa gibt es inzwischen auch – und besten Service. Im Annabelle waren keine Angestellten mit langen Gesichtern anzutreffen. Die sind dort sehr aufmerksam und angenehm freundlich sowie hilfsbereit.

In den letzten 8 oder 10 Jahren landete ich 3 Mal in Paphos auf dem Flughafen – stets von Mitteleuropa aus kommend. Eines indes war und ist an jenem Ort offenbar immer gleichgeblieben: Man wartet am Laufband im Terminal auffällig lange auf seinen Koffer.
Nein!
Das ist hier keine Beschwerde gewesen. Wird so lediglich als Art Hinweis vorweggeschickt, damit auch Sie sich gleich nach Ankunft in Paphos dem Zurückschrauben der gewohnten Tagesgeschwindigkeit überlassen können – bei Bedarf, versteht sich. Letzteres kann allerdings auch in einigen anderen Orten Zyperns recht gut getan werden. So zum Beispiel sogar im recht quirlig gewordenen Limassol.

„Lemesos“, wie die Griechischsprecher zu dieser Stadt sagen, ist ziemlich sicher die Stadt Zyperns inzwischen, in der die meisten Menschen leben. Der Hafen trägt gewiss seinen Anteil dazu bei. Limassol darf wohl eine internationale Stadt genannt werden – und das Meer davor ist verwunderlicher Weise noch immer recht sauber. Menschen aus der ganzen Welt siedeln hier her. Limassol ist das schlagende Herz der südzyprischen Wirtschaft.
Wie auch in Paphos gibt es beträchtlich viele Türkischsprecher in der Bevölkerung. Auch Kurdisch kann auf den Straßen oft vernommen werden, so auch Arabisch, Russisch, Französisch und Hebräisch etc. Klar doch, viele Leute aus den ehemaligen Ostblockländern haben hier eine neue Heimat gefunden, auch Skandinavier, sogar Spanier sind recht häufig zu hören, sogar Katalonier – und viele Briten, Philippininnen, Inderinnen, Menschen aus Sri Lanka und Chinesinnen sowieso, vermehrt Menschen, die wahrscheinlich aus allen erdenklichen Regionen Afrikas stammen.

 

„Während der britischen Besatzung Zyperns (1878 – 1960) waren die türkischen Quartiere von Limassol in 5 lokale Teile aufgeteilt. Jedem Stadtteil stand ein Muchtar vor, der wiederum vom britischen Zuständigen für die Bezirke ernannt wurde. … Das Zentrum des Lebens in Limassol fand damals um die Gedit und die Kabir Moschee statt. … Es oblag den Muchtars, der Behörde zuzuarbeiten, wie zum Beispiel bei der Registrierung von Geburten, Toten oder von Gebäuden etc. In jenen Tagen trugen Muchtar ein Emblem am Revier, das einer Krone glich; und ein Hinweis war an der Tür ihrer Häuser angebracht, der half, sie von den Häusern anderer Gemeindemitglieder zu unterscheiden. … Mal abgesehen von den Quartieren, die in [der uns vorliegenden] Registratur verzeichnet sind, gab es auch inoffizielle Quartiere, wie Ayia Thekla, Sabbar etc. [Diese waren aber dennoch unter der Kontrolle der britischen Behörde, und zwar mit Hilfe der Behörde bekannten Muchtars. So zum Beispiel auch im inoffiziellen Bezirk Deliklitaş].

Deliklitaş wurde im Garten einer türkischzyprischen Dame gegründet. In einem Traum wurde ihr gesagt, sie möge einen Felsen besorgen, und ihn dort auf dem Boden ablegen. Auf diese Weise gründete sie den Aberglauben, dass von dort Immunität gegen Krankheiten ausginge. Und so geschah, dass die Türkischzyprer, wie auch die Griechischzyprer, ihre Kinder durch ein Loch in diesem Felsen springen ließen, um sie so [vor Ungemach] zu schützen [Felsen mit Loch, das ist die türkische Übersetzung zu Deliklitaş, war also der Namensgeber dieses inoffiziellen Bezirks]. Auch sollen Griechischzyprer dort als Gabe oft Geld oder getrocknete Zwiebeln hinterlegt haben. Die Kinder des Quartiers haben das Geld dann wohl gern an sich genommen.
Behauptet wird des Weiteren, es habe an jenem Ort einst noch einen weiteren, kleineren Felsen mit Loch gegeben. Bei Ausgrabungen, die noch vor 1974 stattfanden [74 ereignete sich bekanntlich die wahrscheinlich vorläufige Teilung der Insel], wurde dieser Fels von seinem Platz entfernt und in einem benachbarten Haus belassen. Heute kann dieser nirgendwo mehr gefunden werden. …
[Sehen wir uns mal an, wie das einstige St. Antonios Quartier gestaltet war und wo es sich befunden hat in Limassol].

Das St. Antonios Quartier

Dieses Viertel der Stadt reichte von der Kirche Sankt Anthony auf der Köprülüzade Straße bis zur Küste. Bis zum Zwangsverkauf des St. Anthony Viertels zum Bau eines neuen Hafens für Limassol durch die zyprische Regierung in den 1950er Jahren, spielte dieses Viertel eine signifikante Rolle im sozialen und kulturellen Leben beider Gemeinden: der türkisch- und griechischsprachigen, die dort herum lebten. Viele der Bewohner arbeiteten schließlich am Hafen von Limassol als Träger, Lighters, Arbeiter, Fischer, und auf Schiffen etc.

Letztendlich wurde das erworbene Land für einen neuen Hafen aber nicht so genutzt, wie es vorgesehen war [durch die Stadtverwaltung]. Letzteres deswegen, weil entschieden wurde, den Hafen doch etwas weiter westlich zu bauen. Und so gibt es heute offene Flächen unterhalb der Kirche, wie auch einige Restaurants an der Küste. [Inzwischen, 2018, ist dort allerdings eine „hochmoderne Marina“ entstanden, wie man in verschiedensten Broschüren nachlesen und bunt bebildert sich ansehen kann, welche die zyprische Regierung und andere Interessierte mit aller Regelmäßigkeit weltweit bewirbt].

Die türkischen Grundstückseigner, die in jenem Viertel lebten, waren zu jener Zeit entweder vermögend oder gebildet oder Notable, die zum kulturellen und sozialen Leben der Stadt beitrugen. Nach der erwähnten Zwangsanordnung nahmen sich einige griechische und türkische Grundeigentümer einen Anwalt aus Limassol, Rikkos Michaelides, der noch heute seine Kanzlei betreibt [inzwischen nicht mehr]. Er wurde beauftragt, ihre Interessen zu wahren. Die Grundbesitzer waren nämlich enttäuscht mit der gewährten Kompensation seitens der Regierung. Jene unter ihnen, welche sich mit der Kompensation allerdings einverstanden erklärten, gingen und unterzeichneten ein entsprechendes Dokument, was bei den Anwälten Sir Panagiotis Kakogiannis getan werden musste.

4 große Gemüseproduktionsgärten waren einst in diesem Viertel: der so genannte Untere Garten, der Garten Ali Beys, derjenige Hasan Efendis oder Gihan Hanums und der Garten von Hilmi Dayi. Letzterer war auch Eigentümer von Pferde- und Ochsenkarren. Diese Gärten wurden lediglich von den Familienmitgliedern kultiviert, und bis zu den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts genügten die dort geernteten Produkte, um den Bedarf der Bewohner der Altstadt von Limassol zu decken. Neben der Produktion von verschiedenen Gemüsesorten wuchsen folgende Fruchtbäume: Feige, Aprikose, Granatapfel, Banane, Zitrone, Dattel – und Blumenkohl.
Mit der Kraft von Eseln wurden Wassermühlen betrieben. Dergestalt wurde Wasser durch kleine Kanäle von den Quellen zu den Feldern gebracht. Der Tick-Tack-Sound der Wasserräder, den die Nachbarn nah einer solchen Anlage hörten, wies den Weg dorthin. Diese Bewohner waren ja auch nicht an das von der Stadt betriebene Wasserdistributionssystem angeschlossen. Daher sah man sie zuweilen mit Eimern und dergleichen ausgestattet, um ihre Bedarfe an Wasser für ihre Haushalte zu decken.

Türkischzyprische Weber lebten in großer Zahl in diesem Viertel. Auch sie trugen dazu bei, die Bedürfnisse der Bewohner zu befrieden. Letzteres vor allem zur Zeit der beiden Weltkriege, als es keinen Import von Textilien für Bettwaren, Handtücher und dergleichen gab. Eine Art Baumwollindustrie wurde von Frau (Hanum) Meryem getätigt. Sie war die Frau von Hafez Salih Şenay Efendi, der von der Regierung als Schulleiter der Türkischen Grundschule Limassols installiert worden war. Noch 1888 nannte man diese Schule Dar-ul-Feyz (Ort der Wissensvermittlung).
Meryem Hanum hatte an die 6 Handwebstühle in ihrem eigenen Haus. Sie beschäftigte Mädchen als Lehrlinge und gab diese Kunstfertigkeit derart an diese weiter, sodass die Auszubildenden selbständig werden konnten. [Seide wurde auch verarbeitet] … .
Hinzu kam, dass eigentlich in jedem weiteren Haus im Viertel Schneidereien waren, einige waren berühmt, egal ob griechisch oder türkisch. Nicht wenige arbeiteten professionell, andere lediglich für die Familienangehörigen. Madam Despina, deren Haus genau gegenüber der St. Antonios Kirche gelegen war, sowie Safiye Hanum, eine Verwandte der Weber Emine und Berkiye, waren die fortschrittlichsten Kleidermacher im Qaurtier bis in die 1950er Jahre. Safiye arbeitete dort bis in die 60er Jahre. [Versteht sich, dass es an solch einem Ort auch Tavernen gab und kleine Geschäfte, die von beiden Gemeinschaften betrieben wurden].
Das Schlachthaus des Bürgeramts lag bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts im äußersten Westen des zuvor erwähnten Viertels nahe dem Meer. Alle nicht erwünschten Teile der geschlachteten Tiere pflegte man dort einfach ins Wasser zu werfen. Die Schlächter waren meist türkischstämmig und lebten im südlichen Eck des Viertels nahe der See. Die meisten von ihnen waren auf irgendeine Art verwandt miteinander. …
Im Zweiten Weltkrieg befand sich das Treibstoff-Lager der Regierung in diesem Quartier an der Küste, und zwar an der Straße, die zum Schlachthaus führte. Importiert wurde der Treibstoff entweder in Fässern oder aber in Dosen auf Segelschiffen, die off-shore vor Anker gingen, genauer, gegenüber den Petroldepots. Das Entladen der Fässer oder der Dosen geschah auf weichen Matten aus Zuckerrohr, die von den Seeleuten in den Hafen gesteuert wurden, um dann per Hand in die Lager getragen zu werden.
In Weltkrieg II versuchten italienische Bomber die genannten Lager zu treffen, waren aber nicht erfolgreich damit. Die Bomben vielen anstatt daneben, nämlich auf 2 Gemüsefelder und die KEO-Fabrik.

Mitglieder der beiden Gemeinschaften, türkisch- und griechischsprachige, hatten jeweils eine recht gute Beherrschung der jeweils anderen Sprache. [Manche sprachen Türkisch wie ein Muttersprachler, so beispielsweise Madame Zoiro. Diese exemplarische Erwähnung einer Griechischzypriotin vonseiten der Autoren gibt uns seinerseits versteckt einen Hinweis darauf, dass wohl eher die Türkischzyprer die andere Sprache sehr gut beherrschten als umgekehrt.
Es gab, wie Sie sich denken können, einige Moscheen in Limassol. Wir werden uns damit begnügen müssen, lediglich die Große Moschee (Kabir), hier etwas näher kennen zu lernen – und dass es auch Tekken gab, Orte, wo Sufis sich einfinden, haben Sie sich gewiss auch schon gedacht].

Die Große Moschee war die erste Moschee, die den religiösen Dienst für die türkischen Muslime nach der Ankunft der Osmanen im Jahr 1570 aufnahm. Ein ursprünglich kleines Gebäude wurde in eine Moschee umgestaltet, und zwar auf den Festungen einer venezianischen Kirche (lateinisch). Ihre östlich gewandte Seite wurde 1905 gebäudetechnisch erweitert und das kostete knapp 692 zyprische Pfund. Sie wurde sodann die Große Moschee genannt, um sie von den anderen Moscheen oder Schulen hervorzuheben, die in der Folge gebaut wurden. Architekt des östlichen Anbaus war William Williamson gewesen, ein Architekt der zyprischen Regierung. Der Bauträger war Neophitos Lanitis, der auch Malapapas genannt wurde.

Viele Historiker, Reisende und Journalisten, die Limassol damals einen Besuch abstatteten, haben diese Moschee in ihren Artikeln oder Memoiren erwähnt. … [Neben der Moschee befand sich auch ein Bad. Beide Gebäude können heute noch gesehen werden. Das Hammam ist allerdings seit einigen Jahren geschlossen.
Kurz: Die Moschee und das Hammam hatten eine zentrale Lage und Funktion in der ehemaligen Kleinstadt Limassol].

Das Datum 1245, ist jenes der so genannten Hijra [als Muhammad von Mekka nach Medina flüchtete] und ist als solches in einen Stein des alten Teils der erwähnten Moschee graviert. Des Weiteren werden wir darüber informiert, dass ein gewisser Mestan Agha die Moschee erneuert hat, und dass Gebete für ihn an Allah gerichtet werden sollen, damit Allah zufrieden sein möge mit seinem Werk. Der Stein, auf dem Selbiges eingraviert steht, wurde in den 1960ern im Garten der Moschee gefunden. Behejet Raschid, pensionierter Meister für das Peer am Hafen, war derjenige, der den Stein gefunden hat. Er lebte unmittelbar nach seiner Pensionierung in der Agora Straße, und zwar in einer Bäckerei, die er von einem Bäcker namens Savas gekauft hatte (der Schwiegersohn von Dr. Sokrates Tornarites). Letzteres war noch vor 1963 geschehen. [Tornarites findet hier wohl Erwähnung, da diese Familie in Zypern eine jener ist, die zu Ruhm, Macht und Reichtum gelangte]. …
In der alten Moschee gab es umrandete Platten, auf denen der Name Allahs, Muhammads und die Namen der ersten 4 Kalifen verewigt worden waren: Abu Bakir, Ömer, Osman und Ali [, wo gleich hinzugesetzt gehört, dass der Name Ali an dieser Stelle auffällig ist. Denn bekanntlich wird Ali nur von den Schiiten als rechtmäßiger Kalife betrachtet. Es kann also gut sein, dass der Autor sich täuscht oder aber, dass es sich um eine weitere Spielart des sunnitischen Islam handelt, welches von mir eher ausgeschlossen wird]. All diese Namen der Kalifen waren in lila Buchstaben eingraviert gewesen, was der türkischzyprische Kalligraph Kolonili Ahmet ins Werk gesetzt hatte. Sein Familienname, Kolonili, weist uns daraufhin, dass er ziemlich sicher aus einem Dorf bei Paphos gestammt haben dürfte, aus Koloni.
Im neuen Teil der Moschee befand sich eine Bibliothek von Haci Mustafa Efendi, welche dieser in Form einer Schenkung einer Stiftung überlassen hatte. Das hölzerne Behältnis, in dem sich die Bibliothek einst befand, wurde von dem berühmten Zimmermann Suleiman Arifoglu gefertigt. … Haci Mustafa Efendi erhielt seine Ausbildung in Istanbul und war ein Fakih [ein Gelehrter in islamischem Recht], der also Fatwas erteilen konnte. Letztere waren in so genannten Scharia-Gerichten zulässig.
Es gab 2 antike Glocken in der Moschee. Eine war im alten Teil, die andere im neuen. Erstere war in einer hölzernen Mahagonikiste, die andere in einer weiß angestrichenen Holzkiste befindlich gewesen. Beide hatten einen Glöckel, Ketten und Gewichte.
Während der Herrschaft der Osmanen auf Zypern wurde der Garten im Süden der Moschee als Friedhof für Muslime gebraucht. Auch heute können dort noch mit Gravuren versehene Grabsteine gesehen werden. Das Grab, welches den Grabstein mit dem Datum 1173 Hidschra auf sich trägt, gehört Mohammed Bey, der ein Sohn des Admirals Süleyman Paschas war. …

Die Große Moschee hatte gewöhnlich einen Imam, der den Gottesdienst versah. Zwei Muezzine waren meist angestellt, um die Gläubigen zum Gebet oben vom Minarett zu rufen – und einer, der Kayyum, war ‚angestellt’, um die Moschee sauber zu halten. …
Der letzte Imam der Moschee ist Dr. Hussein Schefik gewesen, ein Zahnarzt, der von der Neuen Moschee hier her transferiert worden war und bis 1974 seinen Dienst versah. Dr. Schefik wohnte in der Ankara Straße, gegenüber der Schule, in einem zweistöckigen Haus. Inzwischen besteht nur noch der erste Stock.

Die Große Moschee ist zum Hafen sehr nahegelegen, sowie auch zum Schlossplatz, wo die Busse aus den türkischen Dörfern freitags geparkt wurden. Freitag ist bekanntlich der Tag, an dem Muslime die Moschee besuchen sollten. Die Große Moschee war damals stets gut besucht, so auch von muslimischen Reisenden.
Es ist angebracht in letzterem Zusammenhang, hier König Farouks Besuch aus Ägypten zu erwähnen. Er kam oft nach Zypern und verbrachte seinen Urlaub in Platres [, welches in den Troodos-Bergen liegt]. Einmal, als Hussein Zekai Efendi sich frei genommen hatte im Dorf Avdihimou, um Karob zu ernten [viel Vitamin D, noch mehr Vitamin E und etwas C], ließ er Hussein Cümbezli den Dienst versehen, einen Ladenbetreiber, der den Ritus, den ein Imam zu befolgen hat beim Gebet kannte, und der für viele Jahre in Ägypten gelebt hatte. Unerwarteter Weise kam an jenem Freitag die Yacht König Farouks an, die Mahroussa. Diese warf Anker in Limassol, und schon hatte der König entschieden, sein Freitagsgebet in der Großen Moschee von Limassol zu erledigen. Und so betrat er das Gebetshaus mit Polizeieskorte und anderem Sicherheitspersonal, seiner gewöhnlichen Eskorte also. Cümbezli, der der royalen Präsens wegen total verblüfft war, sagte daraufhin laut und auf Arabisch: Ahlen wa sahlan ya malik al Masr, malik Farouk (Willkommen König von Ägypten, König Farouk). Der König antwortete ihm daraufhin „uskut“, welches „bleib still“ bedeutet.
Da die Antwort des Königs Cümbezli überhaupt nicht gefiel, war er nicht mehr genügend im Stande, auch wegen genereller Erregtheit seinerseits, den Gottesdienst zu führen. Und so übernahm Imam Ibrahim Efendi aus Famagusta das Gebet anzuführen, der allgemein als „Gelbbart“ bekannt war. Er war ein sehr gläubiger Mensch, der an jenem Tag ebenfalls unerwartet in der Moschee anwesend war. Der König muss mit dem alten Imam aus Famagusta sehr zufrieden gewesen sein. Als er die Mosche verließ, überließ er ihm 20 Pfund. Zwei Tage danach kamen 2 Polizisten und übergaben für Gelbbart, der das Gebet so gut geführt hatte, als der König anwesend war, eine wertvolle Armbanduhr.
Zu diesem Zeitpunkt war Hussein Zekai Efendi aber bereits wieder zurück auf seinem angestammten Posten als Imam der Großen Moschee. Allerdings erhob Hussein Cümbezli nun Anspruch auf die Uhr. Er bestand darauf, sie zu erhalten, da er ja derjenige Imam gewesen sei, der die Anordnung umgesetzt habe, den Gottesdienst zu führen. Nun! Die Armbanduhr wurde gemäß dem Wunsch des Königs an die ‚richtige’ Person übergeben – an diejenige in Famagusta.

Die Flut …

Der Friedhof der Opfer, die ihr Leben in der Flut von 1894 ließen, wurde Seylap Şehitliği genannt. Dieser Friedhof war speziell für jene Türken von Limassol gegründet worden. Montag, den 12. November 1894, lief der Garillis Fluss über[, ein Szenarium, welches man sich heutzutage bei bestem Willen nicht vorstellen kann, da von einem solchen Fluss eigentlich nichts mehr ersichtlich übrig geblieben zu sein scheint]. Was von dem Friedhof auf der östlichen Seite am Ufer des Flusses noch übrig ist, ist sehr nahe der einstigen kolonialen Brücke namens 4 Laternen gelegen gewesen. Die Flut hatte viele Häuser weggeschwemmt, so auch die Gedit Moschee, wie auch die hölzerne Brücke. Die Flut, war lange in der Erinnerung der Menschen Limassols als Art Landmarke haften geblieben, der Weise, dass von „davor“ oder „danach“ (der Flut) gesprochen wurde, wenn beispielsweise die Geburt oder der Tod einer Person Thema war. 23 Menschen müssen damals ihr Leben verloren haben. Nach dem, was … erzählt wurde, waren die Leichen der Opfer vollkommen mit Morast bedeckt und mussten zur Säuberung ins Hammam von Hadschi Hasan Agha gebracht werden, welches am südlichen Ufer desselben Flusses gelegen war – was auch zwecks Identifizierung der Leichen geschah. Nachdem die Toten gewaschen worden waren – wie es in der Tradition der Muslime üblich ist -, wurden sie auf jenem Friedhof begraben, wo ein Stein mit einer Gravierung am Eingang angebracht wurde, auf dem stand: Flutopferfriedhof 1894 – Seylap Şehitliği.

Eine Sackgasse auf der nördlichen Seite der ehemaligen Ankara Straße, war auch jener Ort, der von der Flut am meisten betroffenen wurde, wo Raif Efendi, ein ehemaliger Stiftungsangestellter, seine Mutter und Schwester verlor. Er konnte jedoch sich selbst retten, indem er auf einen Feigenbaum gestiegen war, der im Garten des Hauses stand. Raif Efendi starb im Jahr 1942 im Alter von 82 Jahren, was bedeutet, dass er zum Zeitpunkt der Flut 34 Jahre alt gewesen ist. Nach dem Unglück heiratete er und sein Sohn Ragib Efendi (Gülboy) wurde der erste türkischzyprische Apotheker, dies in der Ankara Straße Ecke Irini Straße, wo er für viele Jahre seinen Dienst für die Limassoler versah. …
Nach dem Desaster von 1894 unternahm die britische Administration geschwind Maßnahmen, Limassol von solchen Bedrohungen zukünftig zu schützen. Dazu wurde der Garillis Fluss in zwei Läufe geteilt: und zwar westlich bei Tschiftlikoudia. … [In dem uns vorliegenden Buch werden noch weitere türkische Friedhöfe dem interessierten Leser nähergebracht, deren detailliertere Erwähnung hier den Rahmen sprengte].

Han …

Han’ waren zum Rasten da: für Reisende, wie auch für ihre Tiere etc. Han’ gab es gewöhnlich an Kreuzungen von Handelswegen. Auf diese Weise kamen sie den Bedürfnissen der Reisenden und anderen am nächsten. Eigene Produkte wurden verkauft, andere eingekauft. … Es sei daran erinnert, dass bis in die Mitte des 20sten Jahrhunderts auf Zypern Waren mithilfe von Tieren und Karren transportiert wurden. Eine limitierte Anzahl von Kamelen war auch vorhanden. In Han’s gab es die unterschiedlichsten Dienstleistungen. Hufschmiede arbeiteten offenbar rund um die Uhr. Genügend Stalljungen waren auch vorhanden, um sich ums Vieh zu kümmern – und Essen gab es dort ebenfalls. Sattler waren anzutreffen, die ihre Waren feilboten. Allein in der Ankara Straße gab es 6 Han, die noch Anfang des 20sten Jahrhunderts in Betrieb waren. [Die Betreiber der Han’s der Stadt hatten sich jeweils auf verschiedenste Artikel spezialisiert. Beispielsweise gab es einen Han namens Cezar Ustalar Han, den Ali Cevat mit seinen Söhnen betrieb. Sie hatten sich auf das Herstellen von Bettdecken und derartigem Zubehör spezialisiert gehabt. Oder jener Han namens Halid, der sich den Vertrieb von Kaffee und Tee ausgeguckt hatte und von einer Frau, Halid Azmi, betrieben worden war, einer Türkischzypriotin.
Zuletzt sei noch der Alte Offene Markt genannt, auf dem Rinder ge- und verkauft wurden. Der befand sich in der Irini Straße, und zwar genau gegenüber vom Leftari Schloss (Cankurtaran). Heute steht dort KEO, das ist Cyprus Wines & Spirits. KEO, so ganz nebenbei bemerkt, ist eine der gebräuchlichsten Biere Zyperns und wird von der Kirche betrieben. Die meisten Hotels im Süden der Insel sollen auf Grundstücken stehen, die der Kirche gehören. Das heißt, die Kirche ist eines der bestgehenden Unternehmen Zyperns. Manche behaupten sogar, sie schwimme im Geld].

Im Hammam …

Mal abgesehen davon, dass ein Badehaus zu betreiben eine Quelle ist, mit der Geld verdient werden kann, hatte das Hammam ansonsten durchaus auch in Limassol eine signifikante Rolle im sozialen und kulturellen Leben der Insulaner inne – in der türkischen Gemeinde vordringlich. Ein türkisches Bad besteht im Allgemeinen aus einer Halle, die unmittelbar nach dem Eintritt ins Gebäude sich dem Besucher auftut. Dieser Bereich wird im Türkischen soyunmalık oder camekan genannt. Das ist also der Bereich, in dem die Kleidung abgelegt wird, auch die Unterwäsche, und zwar hinter einem Vorhang oder dergleichen geschieht das, wo sich sodann für das anstehende Bad [mental] vorbereitet wird. Überhaupt korrespondiert die räumliche Aufteilung eines Hammam mit dem Römischen Bad, der erst erwähnte Raum ist auch als apoditerium bekannt.
Andere wichtige Abteilungen eines türkischen Bads sind die kalte, die warme und die heiße Zone sowie die Aborte plus Wasserdepot, der külhan. Die drei ersteren Räume waren ursprünglich immer Räume mit gewölbten Decken, in denen Löcher mit meist [einigen] bunten Gläsern ausgestattet angebracht waren, sodass das Tageslicht den Raum [entsprechend gedimmt und gefärbt] durchfluten konnte. [Was im Buch nicht erwähnt wird, ist, dass bevor die Hammambesucher die Umkleide verlassen, haben sie sich ein meist mit bunten Quadraten versehenes Tuch umgebunden, dass in der Regel vom Bauchnabel bis zu den Knien den Körper verdeckt. Das Tuch wird eventuell abgenommen, wenn niemand Weiteres im zuvor bezeichneten warmen Raum sich befindet, in dem gewöhnlich 3 oder 4 Vorrichtungen zum Waschen sind, genauer Becken (kurnas), über denen Heiß- und Kaltwasserhähne auf- oder zugedreht werden können; und eine Art Becher ist für jedes Becken vorgesehen[, der meist aus Plastik heutzutage ist], um das Wasser bequemer über sich schaufeln zu können, den leğen. Die meisten Männer legen, auch wenn sie alleine sind, an diesem Ort das Peschtemal nicht ab, welches sie um den Körper gebunden haben, sodass keine Missverständnisse entstehen können – und dergleichen mehr].

In der Mitte des Hammam ist ein großer [zumeist recht heißer] Stein, der göbek-taşı. Hier liegen die Besucher drauf, auch, um ihren Körper zu erwärmen, damit im Anschluss eine KESE mit einem etwas rauen Handschuh durchgeführt werden kann, den ein Angestellter namens tellak übergestreift hat dazu.
Einst war die Hammam-Ausrüstung ein Geschenk, welches man der Braut überreichte, noch bevor sie in das Haus ihres Mannes zog [Wie bereits aufgefallen sein dürfte, werden in dem hier in Auszügen zitierten Buch die Traditionen und das Leben der türkischen Gemeinde Limassols nahezu ausschließlich dargestellt. Insofern unterscheidet sich dann auch das, was bei Griechisch- oder Türkischzyprern als traditionell gilt oder galt zuweilen. Denn: Bekanntlich sind es unter Griechen meist die Männer, die in das Haus einer Frau ziehen, und nicht umgekehrt, wie bei den Muslimen]. …
Die Waschprozedur im Hammam beginnt also damit, den Körper mit dem rauen Handschuh, der kesesi, abzureiben, um die Hautoberfläche zu säubern. Das kann auch alleine gemacht werden, oder aber mithilfe des tellaks. Bei den Frauen werden Letztere natirs genannt. Bei Bedarf helfen diese den Besuchern auch dabei, sich aus der heißen Zone in eine andere des Hammams zu bewegen. Versteht sich, dass deren Service für eine Kese nicht im Eintrittspreis inbegriffen ist [, oft ist der Preis auszuhandeln, vor allem, wenn man Ausländer, oder dem Personal nicht bekannt ist].
Die Hammam der Frauen waren offen von 12 Uhr bis Sonnenuntergang. Während allen anderen Tageszeiten gehörte [und gehört] das Areal den Männern [Hier im Süden, wie neuerdings auch im Norden der Insel, ist seit Längerem die Mode ausgebrochen, Männer und Frauen zusammen den Hammambesuch genießen zu lassen.
Des Weiteren gehört hier noch hinzugesetzt, dass es oft einen extra Stein gibt, auf dem die Haut mit dem kesesi gesäubert wird, den man kil-taşı nennt. Kil wird die alte Haut genannt, die abgeschruppt am Lappen hängt oder zu Boden fällt und gewöhnlich sogleich mit reichlich Wasser entsorgt wird]. …

Zitronenblüten oder Rosenblätter wurden ebenfalls im Prozess der Säuberung zur Anwendung gebracht, so auch zum Haarwaschen, was dem Haar einen lichten und leichten Touch vermittelt. [Also genauer: Eine Art Masse wurde mit oder aus den erwähnten Zutaten gebildet, der Vorgänger des Shampoo sozusagen]. …
Limassol besaß viele Hammam, insgesamt 11, die der Öffentlichkeit in den Quartieren der Türken zur Verfügung standen.

Der Konak

Konak ist der türkische Name, der einem großen, ehrwürdigen Familiensitz gegeben wurde, welche in der Zeit der Osmanen gebaut wurden. Sie stehen im Grunde als Synonyme für einen gewissen Baustil: Bögen, Terrassen. Wenige dieser Häuser wurde von Griechischzyprern besessen. Die nennenswertesten Exemplare sind im ehemaligen türkischen Viertel zu finden gewesen. Doch nur ein Paar wenige stehen heute noch. Die meisten gibt es in der Ankara Straße, sind dort leicht auszumachen. … [Auch hier werden wir uns damit begnügen müssen, lediglich einen der vielen Konaks etwas näher bestimmt zu bekommen, nämlich den Hadschi Ibrahim Agha’s].

Ibrahim Agha’s Konak

Diese Person hatte zwei Brüder: Arifoglu und Osman. Ibrahim verkaufte Karob, importierte und exportierte. Viele Immobilien waren in seinem Besitz in Limassol, wie auch in einigen Dörfern; ja, sogar eine Farm gehörte ihm, und zwar in dem Dorf Mathikoloni.
Seinerzeit hatte sein Konak in Limassol zwei Eingänge: der eine ging zur Ankara Straße, der andere (Selamik) zur Irini. Der erst genannte Zugang zum Haus war jener, der den Frauen zugedacht war (Haremik).
Zu jener Zeit waren die Konaks der Reichen in zwei Gebäudeteile aufgeteilt, nämlich in den erwähnten Haremik beziehungsweise Selamik. Alle männlichen Besucher hatten letzteren zu benutzen, um ins Haus zu gelangen.

Hadschi Ibrahim Agha war mit der Schwester von Fethi Efendi verheiratet. Fethi war ein weiterer Notabler Limassols, der allerdings keine Kinder hatte. Am Ende seines Lebens gab Hadschi Ibrahim Agha seinen Besitz an seinen Bruder Arifoğlu weiter, sowie an die Kinder des anderen Bruders, Osman. Diese Kinder waren alle in jenem Konak groß geworden. Die Farm in Mathikoloni erbte Arifoğlu [etc. Ali Nadschi Efendi war einer der Neffen des Hadschi Ibrahim Agha, die geerbt hatten. Dieser Neffe war inzwischen zum Mann geworden und seinerseits verheiratet] …
Nach der Geburt einer Tochter durch Küçük Hanum, ließ sich erwähnter Neffe, Ali Nadschi Efendi, von seiner Frau scheiden. Als Grund gab er an, dass seine Frau ohne seine Einwilligung nach dem Hafen von Limassol gegangen war, um ihrer Schwester Gute Reise zu wünschen, die sich per Schiff auf den Weg nach Mekka zur Pilgerfahrt gemacht hatte. Das Schiff, welches die Pilgernden nach Mekka an Bord hatte, machte also zuerst Halt in Limassol und danach in Larnaka. Seine Frau hatte entschieden, sie würde ihre Schwester auf dem Weg nach Mekka bis nach Larnaka lediglich begleiten – um dann auf dem Landweg zurück nach Limassol zu gelangen.
Zurückgekehrt, musste sie indes einen Entscheid des Scharia-Gerichts entgegennehmen, welcher besagte, dass sie von nun an eine Geschiedene ist, und zwar unter der Regelung namens „von3zu9“, was bedeutete: „Ich verstoße dich!“ [Eine Formulierung, die bekanntlich 3 oder 9 Mal ausgesprochen, muslimischen Männern nach Auslegung gewisser Interpretationen der Scharia das Recht gibt, gegebenenfalls sogar ohne Richter oder sonst einer Instanz – es müssen lediglich 3, besser 4 Zeugen anwesend sein -, die Ehefrau ‚in die Wüste‘ zu schicken].

Eine Scheidung, die derart vollzogen worden ist, erlaubte den Männern nachträglich nicht, sich erneut mit derselben Frau zu verheiraten. Doch in Ali Nadschis Fall gab es einen guten Grund, von dieser Regelung eventuell abzusehen. Seine Ehefrau war nämlich schwanger, und würde schon bald gebären. Im Falle, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde, wäre es möglich, den Heiratsvertrag zu erneuern. Doch ‚unglücklicherweise‘ gebar sie als zweites Kind dieser Ehe eine Tochter, und so wurde eine Erneuerung praktisch unmöglich vonseiten des Regelwerks der auf Zypern gebräuchlichen Scharia. Es bestand allerdings die Möglichkeit, eine so genannte hülle-Transaktion durchzuziehen. Letztere war eine Art Strafe, die dem Mann auferlegt wurde, der die Frau mit der Regel von3zu9 geschieden hat.
Hülle bedeutete also eine Art Interims-Pflichtheirat, nämlich dergestalt, dass die verstoßene Frau mit einem anderen Mann zu heiraten hat. Erst danach konnte eine erneute Heirat mit dem einstigen Ehemann wieder in Angriff genommen werden. … Meist wurden solche heiratstechnischen Winkelzüge aber als nicht akzeptabel angesehen.

Ali Nadschi verweigerte diese Art einer Bestrafung und heiratete anstatt die Tochter von Hadschi Hüseyin Agha. Diese Familie war eine weitere reiche Familie Limassols. Sie sind die einstigen Gründer der Neuen Moschee (Gedit) gewesen. Der Name der neuen Braut war Fatima. Sie war die Schwester der damals sehr bekannten Aische Hanum, sowie Schwester des Vehbi-, Bahaeddin-, Nusret- und Hulus Efendi. Fatima starb unglücklicherweise schon bald nach der Geburt einer Tochter. Dergestalt hatte Ali Nadschi Efendi plötzlich drei halb-waise Töchter [zu versorgen].
Um sicher zu gehen, dass seine Kinder gut groß werden und keine Stiefmutter ins Haus genommen werden müsste, heiratete er kurzerhand die Frau seines verstorbenen Bruders Mustafa, die auch Schwester seiner ersten Frau war, die Aische.
Bis zu seinen letzten Tagen blieb er mit ihr ein Paar. Die einstige Scheidungsentscheidung (von3zu9) bereitete ihm, wie auch seinen Nächsten in der Folge noch einige Schwierigkeiten und Kopfzerbrechen [juristisch].

1930 kam eine große ökonomische Krise in Zypern auf, die anhielt. Ali Nadschi Efendi griff zu einem Darlehen, welches ihm der Griechischzyprer Hadschi Gabrieli gewährte. Das Darlehen deckte 99% seiner Immobilien ab. Der Griechischzyprer machte daraufhin einen Versuch, den Dörflern einen höheren Zins abzuverlangen, um von erwähntem Deal noch mehr profitieren zu können, doch er scheiterte damit und ging bankrot. Und so kam der ganze Immobilienbesitz von Ali Nadschi an einer öffentlichen Auktion unter den Hammer.

Das ist somit das Ende der Geschichte des Konaks des Hadschi Ibrahim Agha, eines Mannes, der in seinem beruflichen Leben stets ein Vierzigstel seines Vermögens den Armen als Zekat im Ramadan gespendet hatte.

Der Kleine Markt (Bandabulla)

Der kleine Gemüse- und Fleischmarkt bekannt als Bandabulla, davor bekannt unter dem Namen Kinnapli Kahve, wurde vonseiten der Türken zwischen 1934 – 1935 erbaut, und zwar auf dem Grundstück eines einstigen Kaffeeladens, sowie anderen Geschäften, die zu den Stiftungen der Dschami Kabir (Großen Moschee) gehörten. Der Kaffeeladen hat seinen Namen von den Karnobbaum erhalten, der dort einst im Hof gestanden hat.
In jenen Tagen im Sommer erfreuten sich die Kunden des Kaffeeladens am Schatten, den der Karnobbaum warf, indem sie entweder sich einfach dort ausruhten, oder aber, Tavla spielten, wozu Kaffee getrunken wurde und Nargile [Schischa] geraucht.
Erzählt wird, es habe eine größere Auseinandersetzung zwischen der Stiftung und dem Rathaus wegen des Markts gegeben. Die türkische Seite bestand darauf, dass ein weiterer Markt angeschlossen wird, auf dem nur Rindfleisch und Lamm verkauft wird und sonst nichts anderes; welches nach islamischem Verfahren, [halal], geschlachtet worden ist; und die griechische Seite basierte ihre Gegnerschaft zu solch Plänen auf der Grundlage, der Karobbaum im Hof habe einen historischen Wert und sollte nicht gefällt werden nur um einen zweiten Markt hinzustellen. Die türkischzyprische Seite wendete sich daraufhin an den Gouverneur Zyperns, der entschied, umgehend eine Untersuchung der Lage durchzuführen. Der Gouverneur begleitet von Sir Mehmet Munir, Vorsitzender der Stiftung, organisierte eine Versammlung genau dort am Baum. Die Türkischzyprer repräsentierte der Zahnarzt Huseyin Schefik, und die griechischzyprische Seite vertrat ein Anwalt namens Sir Panagiotis Kakogiannis. Letzterer verteidigte die zuvor erwähnte Idee der Bestandswahrung des Baumes. Heraus kam, dass es in Limassol viele Karobbäume gebe, weshalb kein Grund bestünde, diesen einen Baum nicht zu fällen, um einen Markt anzubauen. Der Bürgermeister in jenen Tagen war Herr Hadschipavlos. … .Der munizipale Markt wurde von dem Architekten Yunus Nadi entworfen, der ursprünglich aus dem Dorf Anoyra stammte. Er war es auch, der das Gebäude auf der Paphos Straße entwarf, welches zu Sabri Konur gehörte, die jetzt Mishaouli Straße genannt wird. … Der Name Kinnapli Kaffee, welches seinerzeit ein Symbol für die Gegend darstellte, wird zuweilen immer noch erwähnt; und die Geschichten, die sich darum ranken, werden ebenfalls erzählt, obgleich all dies schon vor Langem passierte.

Der alte Hafen …

Die so genannten Lighters, waren jene, die verwendet wurden, um Waren auf Schiffen auf- und abzuladen im Hafen von Limassol. Bis zur Konstruktion des Neuen Hafens im Jahr 1974, waren diese Lighters (Löschtrupps) also in Anwendung, auch, um Waren in die Lager zu bringen, oder von dort weg. Es ist allgemein bekannt, dass während der britischen Herrschaft die meisten Lighters im Hafen von Limassol Türken waren. Ahmet Çavuş, ein Seeman aus Kreta, war die führende Person unter den Lightern jener Zeit, der ihre Dienste organisierte. Sein Neffe, Ali Osmançık setzte diese Art Geschäft mit seinem Sohn Rauf bis 1974 fort. Diese Familie hatte drei Lastschiffe, die unter anderem auch ins Ausland fuhren. Sie boten ihre Dienste für einen relativ langen Zeitraum Importeuren und Exporteuren aus dem Mittleren Osten inklusive der Türkei, Nordafrika und dem Roten Meer an. ….

Makbule war der Name der Tochter Ali Osmançık’s. Ersteres ist auch einer der Namen eines der Lastschiffe der Familie. Der Schiffsmeister dieses Schiffs war also Rauf Osmançık. Es segelte Häfen im Mittleren Osten an und hatte im Allgemeinen zyprische Exportwaren an Bord.
Einst wurde die Makbule zum Mythos in Limassol, als Rauf zusammen mit 3 weiteren Seeleuten … fortsegelte und an einem abgelegenen Hafen im Süden der Türkei vor Anker ging. Dort verbrachten die Seefahrer einen zeitlich sehr langen Aufenthalt, ohne irgendeine Nachricht von sich zu geben. All das geschah, da Rauf Osmançık einen Streit mit seinen Eltern hatte. Er hatte den Wunsch, ein griechischzyprisches Mädchen zu heiraten, was man ihm nicht erlaubte.
Alle Männer an Bord der Makbule, glaubte man, seien verloren gegangen. Religiöse Zeremonien wurden für sie bereits abgehalten. Doch nach einiger Zeit klärte sich diese Angelegenheit durch die Rückkehr der Makbule und ihrer Besatzung.
Diese Geschichte erzählte man sich noch lange danach, eine limassolanische Legende.
[Diese türkischzyprische Familie hatte also einige Schiffe, die national und international verkehrten. Ob Makbule dennoch glücklich wurde oder nicht, erfahren wir nicht, ebenso wenig, wie es dem um sie unglücklich Freienden in der Folge erging.
Da hier zuvor der Begriff Meister gefallen ist, und Sie sich eventuell dachten, müsste da nicht „Kapitän“ stehen, mag noch Folgendes nachgereicht werden, das ebenfalls in diesem Kapitel des Buches geschrieben steht und nicht etwa woanders:]

Die Meister, welche auf den Lighters zum Dienst eingeteilt waren, wurden „Kaptan“ genannt auf Griechisch. Die bekanntesten unter ihnen, die Spuren am Hafen von Limassol nach ihrem Ableben im öffentlichen Gedächtnis hinterließen, waren: Arnavut Mehmet, Zarif Kaptan [etc.]. Die Segel, welche in Gebrauch waren, stammten ausschließlich aus lokaler Produktion. Jene Kapitäne, die im Herstellen der Segel am Geschicktesten waren, waren Nabi Kaptan und Mustafa Schonya. Angestellt, Segel zu reparieren, war [unter anderen] Hassan Kamitsis [usw]. Die Meister der Lighters erhielten gewöhnlich 50% mehr Lohn als die restlichen Seeleute. Vor dem Zustandekommen eines Arbeiterdienstes, wurde das Einsatzvolumen der Lighters entweder von den Schiffseignern oder den Vorarbeitern festgelegt. Die Letzteren bevorzugten gewöhnlich jene Seeleute, die auch regelmäßig zu Wartungsarbeiten erschienen, was als „angaria“ bekannt war. Angaria war Arbeit ohne Bezahlung. Die Segelschiffe der Lighters wurden an Land gezogen, wo sie im Hof der kleinen Werft gegenüber dem Öffentlichen Garten angestrichen wurden – auch andere Arbeiten standen dann an. Besonders in den Sommermonaten hatten die Segelschiffe gewaschen, und mit Meerwasser befeuchtet zu werden, welches in eimerartigen Gefäßen herangetragen werden musste, die gern auch aus Zinn gemacht waren. Auf diese Weise versuchte man zu verhindern, dass die Oberfläche des Schiffrumpfes einriss. Diese Tätigkeiten gehörten also zu den Pflichten namens angaria, was eine Leistung bezeichnet, die nicht angerechnet oder entlohnt wird.
Nachdem der Arbeiterdienst als Institution eingerichtet worden war, und wenig später eine Gewerkschaft, wurde angaria zu machen verboten.

Nachdem sich die Limassol Transport Gesellschaft gegründet hatte, kamen speziell ausgestattete Boote in Anwendung („tug-boats“), die die Waren zwischen Anlegestelle und Schiffen bewegten – schon bald wurden Segelschiffe abgeschafft [, und somit auch ein Teil der Arbeiten eines klassischen Lighters]. … .

Die türkischen Fischer Limassols

Vor dem Bau des Hafens der Lighter erlaubte die Hafenbehörde Schiffen entlang der Anlege, Anker zu werfen. Letzterer Ort war auch als Jüdische Anlege bekannt. Diese zuletzt genannt Ort war im Westen der Hauptzollamtsanlegestelle des Hafens von Limassol gelegen. Damals war den Fischern erlaubt, ihren Fang früh morgens eben dort an Land zu bringen. Es gab registrierte und lizenzierte Ruder- und Motorboote, denen gestattet wurde, entweder mit Netz oder mit Angelrute zu fischen – und zwar innerhalb des Gebietes, welches in den jeweiligen Lizenzen ausgewiesen war. Zum Beispiel gab es eine Lizenz für Limassol – Zygi oder Limassol – Akrotiri [etc.]. … Der Fang wurde bereits auf den Booten gewogen und auf Schnüren aufgereiht, die aus frischen Palmen- oder Feigenblättern gefertigt waren. Sodann wurden die gefangenen Fische an Fischverkäufer übergeben, die in den Straßen Limassols zu Fuß oder auf Fahrrädern die Ware vertrieben. Der Preis wurde pro Schnurlänge festgelegt. Auf einer Schnur konnte entweder lediglich eine Sorte Fisch oder verschiedene gekauft werden – arrangiert je nach der Güte und Menge des morgendlichen Fangs.

Zurückgekehrt an die Anlagestelle wurden die aus künstlicher Seide oder Baumwolle gefertigten Netze in Körben, die ihrerseits aus gewobener Palme oder Farn gefertigt waren, an eine speziell dafür eingerichtete Stelle gebracht. Hier wurden die Netze aus den Körben genommen und zum Trocknen über hölzerne Vorrichtungen gehängt, die 1 bis 1 Meter 50 hoch waren, deren Holzfüßchen in den Boden verankert gewesen sind. Dieser Ort befand sich hinter der Spirituosenfabrik, bis der Hafen der Lighter erbaut wurde. Die erwähnte Fabrik gehörte Christodoulou Hadschipavlou. Sie erstreckte sich bis ans Meer. Später wurde die Fabrik an den St. Antonios Platz verlegt, in den Hof der alten Öllager.

Nachmittags war es recht anschaulich, den Fischern beim Reparieren der Netze zuzusehen mit ihren Webnadeln. Diese Arbeit benötigte durchaus spezielle Kenntnisse und Sorgfalt. Sodann wurden die trockenen und reparierten Netze zurück in die Körbe gelegt, zum Anlegeplatz getragen und auf die Schiffe für den nächsten Fang verladen. …
Es gab auch Tintenfischjäger. Diese benutzten spezielle Haken, und zwar in der Gegend zwischen dem Schlachthaus und der erwähnten Jüdischen Anlege [Dort gingen dieselben auf Jagd]. Aufgrund des felsigen Seegrunds gab es Tintenfische in Hülle und Fülle. Auch diese [Meeresbewohner] wurden in den Straßen Limassols verkauft, allerdings von anderen Personen, also von anderen als jene, die die gefangenen Fische dort vertrieben. … .

Zusätzlich zum Fischen mit Netzen war noch eine andere Art zu fischen gebräuchlich, welche in seichten Gewässern ausgeführt wurde, und zwar mit speziellen runden Netzen, die 2-3 Meter Durchmesser hatten und aus Ägypten importiert wurden. Diese Netze wurden „mizovolo“ genannt. Die Fischer gingen entweder in Badehosen ins Wasser oder nach dem sie ihre Hosen bis zu den Knien hochgekrempelt hatten. Dann warfen sie die Netz auf eine Art und Weise, die das Netz sich komplett öffnen ließ und dort zu Wasser ging, wo Fische sich an einem Stück Brot oder einem anderen Köder angesammelt hatten. Der einzige Fisch, der auf diese Weise gefangen werden konnte, waren der kephalos und der sarpa. … .

Cafes …

Türkische Cafes am Hafen von Limassol waren in der ganzen Stadt gefragt, sogar zu Gericht wurde auf sie als Art Grenzstein Bezug genommen. Sie spielten einen besonderen Part im sozialen Gefüge der Stadt. … Die Cafes öffneten bereits sehr früh morgens, sogar vor dem Sonnenaufgang, um die Seeleute bedienen zu können, sowie die Lighters, die zur Arbeit in den Hafen kamen – oder jene, die dort Besorgungen zu machen hatten. Nicht nur im Hafen Tätige wurden von diesen Cafes angezogen. Ganz Limassol ging dort ein und aus. Man diskutierte über politische, kulturelle und soziale Dinge der Stadt, und darüberhinausgehend der Welt. Gab sich Rat und Ideen. [Die angesagtesten Cafes waren jenes mit dem Namen Akif in der Hermes Straße, sowie Avnis, welches genau gegenüber des Eingangs zum Hafen lag und Sabbars in der Agoras Straße. Schauen wir uns das von Akif Nouri mal genauer an].

Cafe Akif

Dieses Cafe wurde Jahrzehnte von Akif Nouri betrieben. Er stammte ursprünglich aus Paphos und war der Sohn von Nuri Hafiz Mehmet und Urenkel des Hafiz Osman. Die Letzteren waren eine sehr bekannte Familie in Paphos gewesen.
Seine Grund- und Hauptschule hatte Akif in Limassol durchgangen, doch da er Vater und Mutter verloren hatte, war es ihm nicht gegeben, seine schulische Ausbildung fortzusetzen. Und so begann Akif, eine zeitlang im Cafe von Avni zu arbeiten, bis er schließlich sein eigenes Cafe in der Hermes Straße eröffnete, und zwar im Stiftungsgebäude. Dort wurden Kaffee, Tee, Wasserpfeife, Lokum … und Zigaretten hauptsächlich angeboten. Meist saßen dort Lighters als Kunden, die auf den Beginn ihrer Schicht warteten; so auch Fischer, die vorrangig abends vorbeischauten und ihre Netze mit ihren speziellen hölzernen Nadeln flickten. … Abgesehen von den Fischern, vor allem an Sonntagen und im Winter, verkehrten in Akifs Cafe durchaus auch andere, prominentere Kunden, die zum Wasserpfeife smoken kamen. Unter ihnen gab es die armenischen Händler, die ursprünglich aus der Türkei stammten und deren türkische Geschichten zu hören, ein Genuss gewesen sein muss. Herr Stephan, der ein Wasserpfeifen-Importeur war und ein Geschäft nahe des türkischen Bads hinter der Großen Moschee hatte, war einer jener armenischen Kunden und bekannt für seine spitzfindigen Witze. …

Akif Nouri sprach fließend Arabisch und auch aus diesem Grund war sein Cafe ein Treffpunkt für Meister und Seemänner der arabischen Schiffe und Motorboote, die in Limassol vor Anker gingen. Während des II. Weltkriegs waren es diese Segelschiffe, die von Alexandria, Beirut, Tripoli, Haifa etc. kommend, großen Anteil daran hatten, die entstandenen Kommunikationsprobleme Zyperns zur Welt zu erleichtern.
In diesem Cafe trafen sich also vor allem Exporteure oder deren Repräsentanten mit Meistern von Schiffen, die in See zu stechen gedachten. Vereinbarungen wurden gern schon dort getroffen – bezüglich Transport und Art der Waren. Karob, Trauben, Wein, Essig, Zwiebeln, Knoblauch, frische und getrocknete Früchte waren unter anderem die Hauptexportwaren, die diese Schiffe transportierten.
Kostas Antoniadis war derjenige, der für die erwähnten Angelegenheiten am Hafen zuständig war. Sein Büro ist genau neben dem Cafe von Akif gelegen gewesen. Antoniadis betrieb eine Art Hauptagentur für diese Schiffe und entsprechende Exporte. Bei Bedarf assistierte Akif Antoniadis als Übersetzer.

Akif liebte Katzen und hatte mindestens zweie bei sich in den Räumen des Cafes. Seine beiden Brüder …, die im Schlachthaus arbeiteten, waren beauftragt, jeden Tag etwas Restfleisch für die Katzen mitzubringen. Dafür gab es Kaffee oder irgendein anderes Getränk nach Wahl. Die beiden Brüder sammelten ansonsten Fett der Rinder im Schlachthaus, die geschlachtet worden waren, stauten es in runde Blöcke und verkauften es sodann an Schiffseigner, wie auch an arabische Seeleute, die von auswärts gekommen waren. Das Fett wurde verwendet, um die Schiffe abzudichten, wenn sie repariert oder gewartet wurden.
Weil die beiden Brüder die Katzen mit Fleisch versorgten, wurde ihnen erlaubt, ihr angesammeltes Fett im Cafe zum Verkauf auszulegen und es, ohne Kommission abgeben zu müssen, zu verkaufen.

Gemäß Angaben, die in den Büroräumen einer Stiftung aufbewahrt waren, wurden die Räume über dem Cafe für einige Zeit auch vom Türkisch-Zyprischen-Club verwendet, wo Beamte und gesellschaftlich Höherstehende sich zum Spielen einfanden oder einfach ihre Zeit verbrachten. Die Getränke wurden unten bei Akif bestellt. Das geschah, indem die Bestellungen durch eine Röhre in der Wand geschrieen wurden, die den Club mit dem Cafe darunter verband. An beiden Enden der Röhre waren konisch geformte Enden angebracht, was das Hören der Bestellungen erleichterte.

Ältere Besucher dieses Orts wussten zu berichten, dass einst sogar ein ägyptischer Prinz die Türken in diesem Club traf. Suleyman Arifoglu trat [zu diesem Anlass] als der Sprecher der türkischen Gemeinde Limassols auf.
[Was im Buch als nächstes Thema vorgestellt wird, aber hier nicht Erwähnung findet, sind die vielen Restaurants, die von Türkischzyprern zu jener Zeit in Limassol geführt wurden, wovon einige sogar international einen gewissen Ruf gehabt haben sollen].

Händler und Handel

Im Jahr 1830 wurde eine Volkszählung von der osmanischen Administration Zyperns durchgeführt, die auch Arbeitsplätze miteinschloss. Händler und die Arbeitsbereiche, die vorherrschten, konnten dergestalt anhand der Geschäfte, die registriert wurden, ermittelt werden. In den großen Städten der Insel, Limassol inbegriffen, waren folgende Berufe führend: Gemischtwarenhändler, Restaurantbetreiber, Großhändler, Exporteur, Schuhwerkproduzent, Händler von Ware aus Zweiter Hand, Textilhändler, Färber, Fleischer, Friseur, Cafebetreiber, Steppdeckenmacher, Schmied, Hufschmied, Bäcker, Halva-Produzent und Gewürzhändler [Nicht verwunderlich, werden manche denken, dass die vielen christlichen Pfarrer oder Priester Zyperns nicht als Berufszweig oder Händler erwähnt werden – so auch die Bauern. Hier ist dem jedoch so, dass das diese beiden letzteren Erwähnung finden, zumal auch sie Geld beziehen und reinvestieren – vor allem auch Handel betrieben im Falle der Geistlichkeit etc. Die Imame der Muslime sollen in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden oder unerwähnt bleiben].

Gemäß statistischer Aufzeichnungen aus jener Zeit war Limassol [offensichtlich auch schon damals] eine der Städte, in denen Handel in einem beträchtlichen Maße betrieben wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts existierten 28 Orte der zuvor genannten Tätigkeitsfelder in dieser Stadt, die von Türkischzyprern betrieben wurden. … . [In der Ankarastraße befanden sich viele dieser Geschäfte bis Ende 1940].
Herr Hussein Schonia leitete eine Firma mit dem Namen Houshons Trading Company. Letzterer importierte verschiedenste Artikel aus Hong Kong, die auf der ganzen Insel vertrieben wurden. Namik Ramadan, war damit beschäftigt, Industrieprodukte unter die Leute zu bringen, Rehavi Piskobulu hatte sich auf importierte Waren spezialisiert und arbeitete im Allgemeinen auf Kommissionsbasis. Und zuletzt sei noch Mehmet Tevfik erwähnt, der einen Gemischtwarenladen in der Gazi Pascha Straße mit seinem Sohn Tankut für viele Jahre betrieben hatte. Zum Ende der 1950er Jahre importierte er in großem Umfang vor allem Esswaren und Reinigungsmittel. Er und sein Sohn waren es auch, die einen riesigen Großhandelsmarkt managten. Am Ende dieses Abschnitt des Buchs bleibt uns nichts weiter übrig, als noch die [von Türkischzyprern betriebenen] folgenden Mannifakturen Limassols zu erwähnen: Jene des Mustafa Berberoglu in der Yildiz Straße, wo Wasser in Flaschen abgefüllt und mit Kohlenstoff versehen wurde in den 40er Jahren. Das Produkt war unter dem Namen „Berberoğlu Gazoz“ bekannt. Fuat Neşe stellte in der Gazi Pascha Straße alle Typen von (gepressten) Säften her sowie unterschiedliche Kleingebäck – gegenüber der Domed Fountain. Vecdet Oktekin war ein Chemieingenieur, der Zahncremen herstellte …

[Das obig Zitierte ist dem Buch „Echoes from the Past“ entnommen worden, welches im Jahr 2008 herausgegeben wurde, und von Özay & Selcuk Akif ins Türkische übersetzt wurde.
Dr. Artemis Yiordamli hat das Buch als Haupt-Editor geschrieben. Publiziert wurde es von Terra Cyprus, the Cyprus Conservation Foundation].“

 

 

Nein, mit News zu aktuellen politischen Geschehnissen werden Sie hier diesmal nicht versorgt – obgleich eine Hoteleröffnung, wer weiß, manchem/r ein politischer Akt durchaus sein könnte. Die Rede ist vom „Parklane“.
Wie?
Das kennen Sie noch nicht?
Wie gesagt, wird eröffnet, und zwar im September. Versteht sich, dass die Werbetrommel schon mal gerührt wird.
Letztens die Kathemerini-Sonntagsausgabe gekauft. Es gibt eine zyprische Ausgabe der Kathemerini, in der selbstverständlich dennoch überwiegend eher die Politik in Athen Thema ist, was hier niemand wirklich stört – im Gegenteil. Konservativ darf das Blatt schon genannt werden. Und in jener Ausgabe gab es als Beilage eine auf hochglanz-getrimmte Beilage namens „Cyprus Finest!“ Die zweite Auflage dieses Hefts ist es gewesen, die da miteingekauft wurde.
Zum Abschluss mag Ihnen also genau diese hochglänzende Sicht Limassols noch vor Augen geführt werden.

„… Limassol ist die Heimat des ältesten Parfüms in der Welt. An einem Ort in der Stadt ist dieser Ort, den es noch zu besichtigen gilt, im Dorf Pyrgos. Das Dorf liegt ebenfalls in der Nachbarschaft von Lefkara, welches seinerseits zu den 30 schönsten Städten Europas zählt. Lefkara ist bekannt für seine Strickwaren und filigranen Silberarbeiten.
Genau neben dem Parklane gelegen steht die Burg von Kolossi, die im 15en Jahrhundert von den Kreuzrittern erbaut worden ist. Des Weiteren befinden sich die Stadt Kourion unweit davon, ein von der UNESCO gelistetes Welterbe, wie auch einige Museen. Limassol umgibt eine derart unglaublich schöne und reiche Geschichte, die die Stadt auf Rang 3 der zukünftig als Top-Destination ausgemacht Orte auf der führenden App von TripAdvisor für Touristen und Reisende setzt. Die Geschichte, Kultur, Schönheit und eine Fremde-Willkommen-heißende Bevölkerung machen Zypern zum perfekten Platz, sich vom Alltagstress zurückzuziehen – und das Parklane lässt ihre Ferienwünsche Wahrheit werden.
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Das Parklane Resort & Spa ist der Ort, an dem der Alltag sich von Ihnen entfernen wird, und lediglich die Heiterkeit eines Zuhauses – der Götter Luxus – übrigbleibt. Sie haben ein Stück vom Himmel verdient hier auf Erden!

Das Parklane ist das einzige Hotel Zyperns, welches international als „luxuriös“ ausgewiesen wird. Wir sind ganz entzückt, Ihnen zu verkünden: unsere Pforten werden zum Ende dieses Jahres geöffnet – und somit der ganze Chic und das Wunderbare Zyperns[Aus einer von offizieller Seite nicht bestätigten Insiderquelle ist der Redaktion allerdings bekannt geworden, dass die hochtrabenden Versprechungen des Hotelmanagements des Parklane anscheinend nicht eingehalten werden können. Die Eröffnung des Luxushotels soll frühestens im März 2019 möglich sein. Und:].

Das Logo des Parklane kombiniert eine Alabasteramphore – die einst im Gebrauch war, um Parfüme und Fragranzen aufzubewahren – sowie ein stilvoller Stern. Letzteres Arrangement ist Mustern der Stickereien aus Lefkara entliehen, und erzählt von unserer Geschichte, symbolisiert unseren Stolz, Respekt und Liebe zur glanzvollen Tradition, Kultur und Schönheit, die Zypern zu bieten hat. Wir können es kaum erwarten, unser Haus im kommenden September zu öffnen.
Hier herrscht ein Luxus, der nicht künstlich wirkt, sondern ein Produkt einer reichen Kultur ist, Produkt auch des Stolzes auf die Pracht Zyperns, sowie unserer Leidenschaft Sie zu bedienen, zufrieden stellen zu dürfen, der beste Gastgeber zu sein – denn SIE, der Kunde, sind unser Seins-Grund; und Sie zufrieden zu stellen, wird immer unsere größte Errungenschaft sein.

Das Resort wird an der Küste Ihr erstklassiger Ort des Entkommens von allem sein: 300 Meter purer Beach, ein gutausgestattetes Spa mit Swimmingpools und freiem WLAN. Es gibt auch einen Prinzessinnen- und Piratenpark für die Kinder, der mit Schlössern und Wasserrutschen ausgestattet ist – die beiden Parks lassen keinen Wunsch offen, bereiten viel Spaß.

Parklane Resort & Spa ist der perfekte Himmel auf Erden für Touristen, Reisende, Geschäftsleute und mit Familie Reisende. An was es Ihnen lediglich fehlen wird, sind Worte zu beschreiben, wie unangestrengt wir qualifizierte Dienstleistung in fröhliche Zufriedenheit transformieren.
Unsere Suites stehen bereit für die verschiedensten Besucher: für Paare, Familien, Geschäftsleute oder Singles. Die Suites favorisieren einen mediterranen Stil im Dekor, die wiederum mit Formen gebräuchlich in Lefkara akzentuiert sind, mit einzigartigen originär zyprischen Handstrickereien.
Stickereien aus Lefkara schmücken den Altar des Doms von Milano. Nachdem Leonardo da Vinci sich hier auf Zypern verliebt hatte, konnte er einfach nicht umhin, das von Hand Gestrickte nach Italien mitzunehmen. In der Tat sind die hiesigen Handarbeiten so speziell, dass die UNESCO sie auf die Liste des Unberührbaren Kulturellen Erbes setzte.

Dergestalt ist also der Luxus gestaltet – mit einem Touch aus Tradition und Geschichte -, der Ihren Räumlichkeiten bei uns innewohnt.“

Nun, Sie sehen, die Werbetrommel wird gerührt. Das Parklane ist genauer gesagt eine Art erweiterte und renovierte Version des ehemaligen Meridian-Hotels von Limassol.
Apropos Erweiterung: Falls Sie es noch nicht gehört haben sollten, die zyprische Mafia übertreibt in letzter Zeit. Anscheinend gibt es Bandenkrieg zwischen verschiedenen Zweigen dieser Mafia. Dem Vernehmen nach ist auch ein geringer Teil der Polizeikräfte Zyperns involviert, und zwar als mafiöse Täter in Uniform – oder ähnlich. Heute am 24. Mai 2018 steht in den Zeitungen, dass Razzias der Polizei bei der Polizei offenbar nichts Verdächtiges zu Tage fördern konnten.
Wen wunderts!
Wie sagt man doch gleich: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus! Dennoch ist jeder zweite Südzyprer, nach Angaben der Tageszeitung Alitheia vom 25- Mai 2018, zufrieden damit, dass sich das Land in der EU befindet. Dieser Zustand scheint sich herumgesprochen zu haben. Denn der Zustrom von Flüchtlingen ist geradezu sprunghaft angestiegen 2018: um 56%. Im Norden Zyperns, ist zunehmend zu hören, dass die Einheimischen vermehrt genervt sind von diesem Zustrom. Es ist absehbar, dass dem auch im Süden der Insel schon bald so oder ähnlich vernehmlicher sein dürfte. Man darf gespannt sein, welche Lösungen den jeweiligen Regierungen Zyperns dazu einfallen, bevor sich die Alteingesessenen die Neuankömmlinge womöglich offen und unverhohlen auf den Straßen abwatschen – oder was sich Brüssel beziehungsweise Ankara dazu einfallen lassen wird.

In vorigem Zusammenhang nun ausgerechnet auf das Problem der Drogen zu sprechen zu kommen, ist nicht wirklich fair. Doch eine Zunahme des Problems in Gesamtzypern ist definitiv gegeben seit geraumer Zeit. Allerdings hat dieser Umstand auch eine große Portion Hausgemachtes an sich. Letzteres ist so zu verstehen: Eine Vereinigung der Insel hätte im Prinzip schon längst vollzogen werden können. Doch so etwas wie Nationalismus und Partikularinteressen gewisser Eliten waren und sind erfolgreich darin, so eine Entwicklung zu verhindern, eine Wiedervereinigung also, die sie allerdings noch immer lauthals vorgeben, herbeiführen zu wollen. Einer der Höhepunkte des eben umschriebenen Verwirrspiels dürfte die folgende, geradezu sagenhafte Konstellation sein, dass der Bürgermeister von Paphos sich ausgerechnet die dortige Polizei – mehr oder minder – zum Feind gemacht hat. Er behauptet nämlich, die Polizei sei von mafiösen Strukturen durchsifft und es gebe Bezirke in der Stadt, die gar nicht mehr betretbar wären etc. Die Drogen sollen vorrangig über den Norden Zyperns in den Süden gelangen. Andere Quellen berichten, dass auch aus dem Süden vermehrt Drogen in den Norden gelangten (synthetische etc.). Zypern – nach dem Geschrei, welches der Drogen wegen getan wird – scheint auf bestem Weg, ein Drogenparadies zu werden.
Aus hiesiger Sicht haben diesen Zustand oder diese Entwicklung vor allem gewisse Politiken der regierenden Klasse/n der Zyprer verursacht sowie die lokalen Medien. Es wurde offenbar nicht zur Genüge bedacht, dass die jeweilige Hetze gegen den anderen Teil der Insel durch gewisse Politiker, aber vor allem auch durch die Medien (die schreiben von „Pseudostaat, angebliche Minister, Scheinkabinet“ im Norden etc.) gemischt mit Annäherungsversuchen in Sachen Wiedervereinigung, die sich mit aller Regelmäßigkeit als billiges Gegenteil der vorgegebenen Absicht in irgendwelchen Kurorten in der Schweiz herausstellen, was auch, aber nicht nur, für die psychische Verfasstheit der Leute gewisse Konsequenzen hat (sowie erneut verschärfe Kontrollen an den Übergängen zur anderen Seite der Insel, die wiederum keine Grenzposten nach offizieller Lesart sein sollen; oder Verleumdungen und an Betrug grenzende Praktiken der Politiker während dem Verhandeln der angeblich angestrebten Wiedervereinigung des Landes; gelegentliche Verhaftungen in der sogenannten Toten Zone etc.).
Es heizt all DAS und MEHR nämlich eine eh schon bereits vorhandene Unsicherheit in der Bevölkerung an, und zwar mit wahrscheinlich allen erdenklichen Folgeerscheinungen, die sich entsprechend vertiefen dürften und nach einem Ventil suchen.
Ganz abgesehen davon tobt in der unmittelbaren Nachbarschaft Zyperns, im Nahen Osten und in der Türkei, Krieg, Lug, Trug und abstoßende Ignoranz gegenüber dem Menschenrecht etc. Und auch wenn es in erwähnter Nachbarschaft nicht immer gleich Krieg ist, dann eben alle Male doch ein sozio-politischer und ökonomisch-ökologischer Zustand, der Kriegen so oder ähnlich vorausgeht. Und solch gefärbte Spannung bleibt nun mal nicht im Mittelmeer an der gerade verlegten Superkabelverbindung nach Gibraltar hängen, oder wird aufgrund der vielen Erdöl- und Erdgasbohrungen vermehrt verunreinigten Wasserqualität des Meeres nicht weichgespült, sondern diese und andere Spannungen in der unmittelbaren Region südöstliches Mittelmeer knallen, auch per Television, wahrscheinlich täglich in die Wohnstuben zyprischer Haushalte (im Norden, wie auch im Süden).
Ja, und dergleichen entlädt sich dann eben auf SEINE Weise in den Straßen, Knästen, Nachtclubs und Parlamenten etc. der Insulaner – zum Beispiel indem Drogen konsumiert und/oder gepusht werden.

Auch von daher ist den Zyprern und denen, die dort ihren Wohnsitz haben, dringend zu empfehlen, eine Freigabe von Marihuana und Haschisch nicht noch jahrzehntelang zu diskutieren, oder gar vom Erzbischof absegnen lassen zu wollen, was wahrscheinlich nie geschehen wird, sondern selbstbewusst und im Interesse zu vieler BÜRGER die Legalisation umzusetzen. Solch Maßnahme entlastete nämlich nicht nur das oft ungenügend ausgebildete und längst nicht ausreichend vorhandene Personal in den Haftanstalten Zyperns, hüben wie drüben, sondern eben auch die Anzahl jener, die mit derartig strengen Gesetzen, wie sie noch bestehen, in die Kriminalität, in die Knäste und kollaterale Krankheiten geradezu gedrängt werden.

Zypern – hüben wie drüben – braucht genau auch diese zunehmende Zahl junger Menschen, die mit Drogen experimentierend offenbar (eigene) Grenzen ausloten, gewiss auch erwähnten Stress oder Spannungsgrad abbauen, um endlich aus der Rolle des Nachahmers von Trends gemacht in den USA, China oder Deutschland etc. herauszufinden. Zypern hätte, wie auch andere Orte in der Welt, durchaus das Zeug und die Voraussetzungen, mit etwas mehr Offenheit im Sozialen und weniger Heuchelei im Politischen sowie mit einer restaurierten Bürokratie der Behörden, neue Trends – in welchem Bereich auch immer – zu setzen.
Die beiden zyprischen Administrationen gehen noch immer vorrangig jenen zur Hand, die finanziell sehr gut dastehen.
Kurz: Die alte verkrustete, eigentlich nach Wechsel geradezu schreiende Elite, hüben wie drüben, gehört in den Ruhestand geschickt – und einige von ihnen gehören in den Knast gesteckt und ihres geraubten Reichtums enthoben: siehe Malaysia – als Warnung jenen, die sie ersetzen werden.
Malaysia: Das ist ja wirklich unglaublich, was sich der abgewählte Präsident des Landes unter sein malaysisches Kopfkissen gelegt hat an materiellen Gütern. Vor seinen Palästen und Besitztümern ringen tagtäglich verarmte Leute um ein Stück Brot, und die Verarmten sind nicht zu wenige, und er und seine Familie kratzen der Bevölkerung gierig und geradezu mit Niedertracht noch die letzten Pfennige aus deren Geldbeuteln.

Leider liegt der Verdacht nahe, dass nicht nur auf Zypern, sondern im Westen, ja, weltweit eine Entwicklung der Gesellschaften in solch Verhaltensmuster der Eliten und derer, die sie kopieren wollen/müssen/tun abzeichnet – UND DAS GILT ES ZU DURCHBRECHEN, beziehungsweise umzuleiten.

Bild Nummer 50, „der Tiegel“, des chinesischen Buchs der Wandlungen namens „I Ging“ in der Übersetzung von Richard Wilhelm lässt wissen:

„ … Allein man muss nur dafür sorgen, dass man innerlich wirklich geistigen Besitz hat. Dann wird sicher schließlich die Zeit kommen, da die Hemmnisse sich lösen und alles gut geht. … .“

Mit geistigem Besitz ist oben unter anderem und vor allem gemeint, bescheiden zu sein, und seine Zeit abwartend, sich innerlich zum und für das Wohl der Gemeinschaft vorzubereiten etc. Das ist förderlich fürs eigene Wohl, wird gesagt.
China, wie Sie gewiss schon festgestellt haben, ist nun definitiv und für zukünftig unabsehbar lange Zeiträume unser neuer Bezugspunkt entwicklungstechnisch. Da ist es doch naheliegend, Sie schon mal etwas mehr, zuweilen, auf diesen Player – sozusagen vom Grunde her – einzustimmen!

Es braut sich Was!

Anfang April. Genauer: Der erste Tag nach Ostern.
War recht ausgleichend Ostern 2018. Jedenfalls was die Zypernundmehr-News Redaktionsräume angeht, war dem so: dort 2 viel zu große Nägel in die Wand gehauen, um den noch in Größe monströseren Spiegel an der Wand aufrechtstehend anzubringen, der kürzlich gekauft werden ‚musste‘. Woanders ein Bild aufgehängt. Mit dem Metermaß sogar den Abstand der Träger am Spiegel gemessen. So schwer ist das Ding, dass er ohne Hilfe an den beiden Ösen hängend nicht angebracht werden könnte.
Die Ösen hatte der Herr von der Lieferfirma eher widerwillig hinten am Spiegel angeschraubt, als er und sein Kollege gekommen waren, um weitere Gegenstände, wie eine Couch, einen Office-Tisch usw. abzuliefern und zu montieren. Das Büro ist inzwischen zur allgemeinen Zufriedenheit neben den Wohnräumen eingerichtet.
Wunderbar ist und war auch, heute Morgen bei Sonnenschein Richtung Süden durch das unweit von Lahr gelegene Dorf Sulz zu fahren, wo ganz viele gelbe Blumenköpfe den Straßenrand der dortigen Hauptstraße säumen und rosa blühende junge Bäume helfen, den frühlingshaften Eindruck in gesteigerte Lebenslust zu wandeln. Ja! Frühling ist gesteigerte Lebenslust, vor allem, wenn man plötzlich wieder ein Mal findet, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.
Durch Sulz fahren, ist angesagter, weil dort ist meist weniger Verkehr anzutreffen, als wenn man sich über die B3 in Richtung Freiburg kämpft, wo eigentlich immer Was los ist, das man nicht unbedingt miterleben mag: Stau, Unfall, Hektik etc. Über Sulz gefahren, können viele noch zu erledigende Dinge wahrscheinlich gleich von Anbeginn an lässiger oder entspannter angegangen werden.
In der Gemeinde Rust, wo von Lahr über Sulz, Kippenheim etc. hingefahren wurde, ist sichtlich spürbar, dass die dortige Saison im Publikumsmagneten Euro-Park von der Besucherzahl her anzieht; also richtiger: im „Europa-Park“. Doch noch längst nicht hat die Massenwanderung in den flächenmäßig wachsenden Unterhaltungspark von Rust vollends eingesetzt. Das kommt noch. Immer mehr Hotels entstehen, ein neuer Dorfteil sogar. Es ist nicht mehr jedermann gegeben, in dieser Gemeinde eine bezahlbare Wohnung zu finden – und schon gar nicht auf die Schnelle. Beziehungen sind gefragt, Geld.
Meines Wissens sitzt man in einer der vorhandenen Bäckereien Rusts zu jenem Zeitpunkt recht gut, nachdem der sogenannte „Stammtisch“ das Feld geräumt hat. Letzterer wird von Einheimischen gebildet, durchweg Männer, die wenig Gutes an ihrer Um- oder Mitwelt mit ihrem Gemurre und An-Klagen belassen. Selten, dass da mal was Positives – unfreiwillig – zu überhören wäre, was aus deren Mündern entlassen wird. Früher hätte man darüber gesagt: „Denen geht es zu gut!“
Kann schon sein, dass all Das auch anders gesehen werden kann!
Jedenfalls so kurz vor 12 Uhr mittags sitzen die Herren vom Stammtisch, die meisten sind Rentner, wahrscheinlich Zuhause und warten, dass ihnen Teller mit Essen gefüllt gereicht werden. Wahrscheinlich kochen einige von ihnen auch selbst, weil alleinlebend oder weil andere Umstände eine ‚schrankenfreie‘ Versorgung der zuvor erwähnten Art verhindern. Und auch Ihnen, verehrte Leser, wird schon aufgefallen sein, dass Selbstkochen doch eigentlich Spaß macht? Es soll ein tägliches Wagnis sein. Ein Abenteuer. Eine künstlerische Betätigung. Der Zeitpunkt, an dem Draußen draußen ist und bleibt.
Die örtliche Verlegung der Redaktions- und Wohnräume bedingt nämlich, dass solch Koch-Wagnis neuerdings nahezu täglich angegangen wird, zumal der Markt der Stadt Lahr praktisch vor den Füßen liegt – 2 manches Mal 3 Tage die Woche stattfindet. Das Schleppen von schweren Taschen und/oder Tüten hat somit ein jähes Ende gefunden – auch sonst sind die Wege kürzer geworden. Zypernundmehr-News befindet sich neuerdings in der Mitte einer kleinen, recht freundlich pulsierenden Stadt im Schwarzwald, wohingegen sich auf Zypern selbst nichts geändert hat. Dort befinden wir uns im ungefähren Dreieck, welches die Städte Limassol, Larnaka und Nikosia bilden. Langsam lernt man sich kennen auf dem Markt von Lahr. Interessante Kunden-Käufer-Beziehungen entstehen. Das gefällt.
Die Atmosphäre ist eine wirklich andere als auf dem Markt in Kandern, wo alles so gedrängt ist. Komprimierter also – vielleicht wegen der Lage in einem Tal. Manche versteigen sich gar darin, zu behaupten, es sei eine „Täler-Mentalität“ existent, mit deren nach Innengewandtheit man umzugehen lernen müsse in Kandern. Etwa so wie hoch oben in den Alpen gilt es das zu sehen, wo die Bewohner auch lieber im eigenen Saft gebrutzelt werden wollen, wird gesagt.
Auch egal: Der Umzug, nämlich weg aus Kandern hin nach Lahr im Schwarzwald, war mehr als notwendig geworden. Zur allgemeinen Überraschung sind die häufigen Aufenthalte in Basel und somit in der Schweiz noch gar nicht groß vermisst worden. Das hat damit zu tun, dass von Lahr aus eigentlich viel bequemer nach Basel oder Zürich gelangt werden kann, und ungefähr genauso schnell und teuer oder billig, als von Kandern aus. Die neugewonnene Nähe ins nördlicher gelegene Kehl, Karlsruhe, Colmar oder Seléstat im Elsass und Straßburg ist WIRKLICH einfach DER Knaller!

Well, der Knaller wird, wie in TRT-Türk zu hören war, dass nun anscheinend doch noch gebaut wird, und zwar in der Nähe der Stadt Mersin. Die sogenannte Grundlage für das schon seit längerem anvisierte Projekt zwischen der Türkei und Russland ist gemeint. Die Basis ist also leider gelegt worden – kein Aprilscherz.
Der erste Gedanke, als von dem türkisch-russischen Projekt gehört wurde: „Aha, nun haben die Israelis wieder zu tun.“ Die haben ja schon über die Medien wissen lassen, allerdings in anderem, aber ähnlichem Zusammenhang, nie wieder zu erlauben, dass in ihrem unmittelbaren Umkreis tödliche Gefahr entsteht. Die Israelis sind ja, wie Sie wissen, deshalb schon vor einiger Zeit in Syrien ‚eingeritten‘, damit ein Mehren von Plutonium für Nordkorea und andere Interessierte unterbunden bleibt. Und was jetzt bei Mersin entstehen soll, welches unweit von Adana liegt und eine weitere türkische Millionenstadt ist, ist mindestens so unschön wie das, was man einst in Syrien vor knapp 10 Jahren in die Luft sprengte per israelischen Flugangriffen.
Man müsse selbstständig werden in Sachen energetischer Versorgung, säuselt Erdoğan und seine ministerialen Hampelmänner. Irgendwie konnte nach geschlagenen 4 Stunden TRT-Türk-Gucken nirgends vernommen werden, wo denn bitte sehr die Reste einer solchen Anlage sicher untergebracht werden sollen in der Türkei? Entschuldigen Sie, wenn hier etwas zynisch bemerkt wird als Antwort auf die gestellte Frage: Vielleicht in den Höhlengängen der frühen Christen nahe der Stadt Kayseri, also in Kappadokien. Oder nach Afrika damit? Letzteres, weil türkische Exporte nach Afrika, wie gerade praktisch jeden Tag verkündet wird auf TRT-Türk oder Int, scheinen exponentiell zu steigen. Hoffen wir mal, dass die Rechnungen für die vorgeblich hohen türkischen Exporte nach Afrika auch wie gewünscht beglichen werden von den afrikanischen Geschäftspartnern.
Nein, nein! So unsensibel, wie das gerade Geäußerte, sind Herr Erdoğan und sein Außenminister Çavuşoğlu nun doch nicht. Beide geben im Verbund mit dem Rest der AKP-MHP-Regierung vor, begriffen zu haben, dass der Islam Vorläufer hat: nämlich das Christentum, doch vor allem das Judentum. Dennoch fühlt man sich als Muslim und Türke zu oft missverstanden und so handelt und redet man anscheinend auch in Ankara. Und deswegen, und manche behaupten nur deswegen, muss die Türkei zukünftig ausgerechnet dieses Atomkraftwerk in Akkuyu betreiben, welches ja in einer Gegend liegen wird, die nicht nur auf Grund ihrer Geologie problematisch ist, sondern auch, weil dort bekanntlich Konfliktzonen verlaufen – West-Südosttürkei, genauer: die Kurden-Türkenfrage; doch auch die wenig erwähnte Frage der türkischen Araber. Armenier, Jeziden, Sinti und Griechen könnten auch noch genannt werden, doch die sind noch immer zu dezimiert von ihrer Anzahl her, und dies seit Beginn des letzten Jahrhunderts, bzw. seit den 20er Jahren.
Derartige Grenzverläufe im Land mag Ankara nicht erwähnen. Das sei schlichtweg Humbug, dort von Grenze zu sprechen: PKK-Propaganda, Fetö-Unterstützung, armenische Lügen, unislamisch, west-imperialistisch etc.
Von der Stadt Mersin war oben kurz die Rede. Ja, dort ist einer der Häfen der Türkei, aus denen sogar Fähren regelmäßig und auch im Winter nach Zypern-Nord in See stechen. Zypern liegt also in unmittelbarer Nähe des geplanten Projekts in Akkuyu, wie allerdings auch Israel und Teile Syriens – und die Saudis zählen sich da auch dazu gehörig, und würden zu gern der Welt zeigen, dass sie mit der Türkei und Israel in Konkurrenz stehen und begriffen haben, dass allein Öl-Verkaufen zukünftig nicht ausreicht, um das Glück der Herrschenden in Riad weiterhin gepachtet zu haben. Sie betteln derzeit (20. April 18) geradezu darum in Washington, sich offiziell als weiteren Player in den Wirren in Syrien einführen zu dürfen – und das möglichst von Gnaden der USA.
Putin sieht sich offenbar getrieben, strategisch ausgefeilt einen Keil zwischen sich und dem sogenannten Westen mit Beihilfe der AKP-Regierung der Türkei etwas tiefer zu verankern – siehe Akkuyu. Wahrscheinlich laufen im Geheimen schon Verhandlungen der Türkei mit Ländern, wie Nordkorea, Pakistan oder China, damit einer von ihnen im Falle, dass Putin und Erdoğan sich schon bald wieder in den Haaren liegen, das Projekt Atomkraftwerk-Akkuyu weiterführt, um einen türkisch atomaren Stern am anatolischen Himmel und auch endlich über dem Mittelmeer erleuchtet zu sehen – zum Schrecken und zur Warnung all jener/n, die es über die Jahre aus Ignoranz und Arroganz usw. nicht verstanden haben, den türkischen Player in die gesamteuropäische Masse einigermaßen ebenbürtig mit einzubinden. Anastasiadis und Co. auf Zypern sind hier die Ersten, die es für dieses Versagen zu nennen gilt. Brüssel und Berlin, Merkel, Seehofer & Co. gilt es dann sowieso gleich nach den Zyprern zu nennen.
Yusuf Ünsal?
Stuttgart?
08. 04. 2018?
Genau. Ungefähr an jenem Wochenende muss es in Stuttgart eine Demonstration von Kurden und ihren Unterstützern gegeben haben. Nichts weiter Verwunderliches. Doch dass Recep Tayyıp Erdoğan einen türkischen (vielleicht auch deutschen) Staatsbürger im Raum Stuttgart telefonisch anruft und diesen als Art Helden in den türkischsprachigen Medien feiern lässt, ist genau die Art und Weise, und somit auch die Bestätigung dessen, dass auf europäischem Boden von Ankara im Ausland befindliche türkische Bürger nicht nur geführt, sondern auch aufgestachelt werden. Der zuvor erwähnte türkischstämmige große Held, den sogar Binali Yıldrım als gutes Beispiel eines aufrechten Türken im Munde führt neuerdings, ist also jemand, der eventuell in Deutschland dauerhaft lebt und sich den demonstrierenden Kurden auf den Straßen Stuttgarts in den Weg stellte, und gegen diese angeschrien haben soll, dass die Türkei in Afrin keine Morde begehe und dass die PKK eine terroristische Organisation sei. Anstatt dass die deutschen Polizisten gegen die Kurden einschritten, wurde berichtet, die wieder mal verbotene Symbole mit sich trugen und Erdoğan einen Mörder schrien, wie immer, wurde Ünsal, wie ausgestrahlte Aufnahmen zeigen, eher unsanft in Gewahrsam genommen. Unsanft, wie zu erkennen war, weil sich der Herr gegen seine Festnahme heftig zur Wehr gesetzt hat. Er soll mit einem Gerichtsverfahren rechnen müssen, wurde berichtet.
Gerade vorhin war nun ein Interview auf TRT-Int zu sehen, wo Bürger Ünal sich angesichts des Telefonates stolz gibt, da ihn sein „Oberkommandierender“ Erdoğan persönlich angerufen habe in der Sache. Was braucht es mehr, um vaterländische/n Ruhm und Ehr als Türke im Ausland zu erlangen?
Deutschland, und wenn es noch so heruntergespielt wird von Politikern und den großen Medienanstalten Deutschlands, ist schon längst zum Austragungsort des von Erdoğan & Co. angeheizten innertürkischen Konflikts geworden. Was auch zu erwarten war. Fehlt eigentlich nur noch diese eine traurige Nachricht von einem ersten Opfer der Hetze via Ankara in Deutschland gegen jene, die andere politische Überzeugungen haben – oder einfach, weil man eine ungeliebte Volkszugehörigkeit hat. Zwar können TRT-Türk & Co. nicht verboten werden, doch es könnten durchaus Maßnahmen ergriffen werden, die sicherer stellten, dass bei Demonstrationen in Deutschland gewisse extremistisch (angehauchte) Gruppen mit Nulltoleranz rechnen müssen vonseiten der Polizei. Für die involvierten Polizisten ist das gewiss kein Zuckerschlecken. Doch die türkisch-nationalistische Welle gehört endlich ausgebremst. Sie birgt nämlich eine gewisse Ansteckungsgefahr in sich. Außerdem müsste mal eruiert werden, inwieweit die Polizisten Deutschlands – im hier angesprochenen Fall jene Polizisten türkischer, kurdischer, arabischer etc. Herkunft – sich überhaupt befähigt sehen, in solchen völkisch gefärbten Einsätzen, möglichst unparteiisch nach geltendem deutschen Recht für Ordnung zu sorgen. Eines der Dilemma der Beamten: Die einen, die auf der Straße randalieren, beispielsweise, sollen eingesperrt werden und die anderen, die in Vereinen und Moscheen agieren, werden vom Staat sogar mit Art Sonderrechten ausgestattet usw. Denn wie bereits in vorherigen Artikeln hier geschrieben wurde: Die Macht der türkischen Religionsbehörde DITIP in der BRD gehört umgehend eingeschränkt. Prediger in deutschen Moscheen dürfen nicht weiterhin Abgesandte der religiös-faschistisch orientierten AKP-Regierung der Türkei sein. Wie Kamera-Aufnahmen letztens bezeugten, werden kleine Jungs dazu angehalten, in Soldatenuniformen durch Moscheeräume zu marschieren – oder wie Leichen in eine türkische Fahne gewickelt auf dem Boden zu liegen etc.
Und von vaterländisch erlegten Leichen haben wir nicht nur in Deutschland zur Genüge die Nase voll seit 1945. Bei vaterländisch kommt einem natürlich auch gleich jemand wie Herr Bahçeli in den Kopf, der mit Erdoğan in der Türkei die Regierung bildet. Der erstere hat letztens zwar nicht unbedingt eine Leiche gelegt oder vergraben. Aber er versuchte, dabei zu helfen. Denn: Dieses Frauenzimmer muss/te doch in die Schranken gewiesen werden! Man stelle sich mal vor: Schon wieder eine Frau als Premierministerin der Türkei. Geht’s noch! Die Çiller hat allen Beteiligten damals gereicht: Bahçeli, Erdoğan und den anderen.
Diesmal heißt die Feindin Meral Akşener. Sie ist von der IYI-Partei, Partei-„Gut“. Man ist in dieser Partei also gut, wahrscheinlich besser als die anderen. Jedenfalls nicht schlecht und gemein, eben gut, wie der Name es ja eingibt. Der Generalsekretär der Partei, Herr Dr. Aytun Çıray, scheint ein kluger Kopf zu sein. Genauer: Die Söszcü-Tageszeitung schreibt davon, dass es der Inspiration seiner Frau zu verdanken sei, dass der Anmeldungstermin der Partei im Kalender etwas zeitlich später den Medien und anderen Interessierten verabreicht wurde. Die AKPler haben sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, nachsehen zu gehen, ob dieses Datum so überhaupt stimmt, als sie vor Kurzem den Wahltermin zu der Präsidentenwahl bekanntgaben. Es soll im Dezember 2017 passiert sein, dass die IYI ihre Formalitäten anging und erledigte.
Offenbar war in Insider-Kreisen der Türkei schon immer das Thema vorgezogene Wahlen ein Thema. Auch bei dieser einen Oppositionspartei zur AKP. Die AKP hatte ja bislang immer brav alle Legislaturperioden zu Ende gebracht. Dennoch ging das Gespenst vorgezogener Wahlen um. Und so geschah, was geschah: Da hat also der Präsident der Republik Türkei seinen Gehilfen und Regierungskoalitionspartner von der MHP ans Mikrofon geschickt. Er solle Neuwahlen fordern. Das tat der Bahçeli glatt und bestimmte einen Wahltag im August 2018. Doch nachdem die beiden den folgenden Tag nochmals zum Tee zusammengekommen waren, meinte Erdoğan danach höchstpersönlich: „Neuwahlen werden am 24. Juni 2018 sein.“
Wie kam’s?
Alle sind sich einig darin, dass die Regierenden von der AKP-MHP-Koalition die Iyi-Partei aus dem Weg schaffen wollten. Sie haben dazu wohl einfach 6 Monate von dem Datum an gerechnet, welches die Iyi-Partei als den Zeitpunkt den Medien verkündet hatte, an dem alle Formalitäten zur Wahlbeteiligung erfüllt waren. Ja, und dann haben die Herren offensichtlich noch ein Wöchlein oder zweie großzügig draufgeklatscht, sodass die Partei dieser Frau nicht zu den Wahlen zugelassen werden kann – glaubten sie.
Doch die Frau Akşener hat ja, wie erwähnt, eine Helferin mit gutem Instinkt. Und wegen letzterer sitzt die regierende Männerriege der AKP jetzt etwas oder mehr in der Klemme. Denn wir alle wissen, sogar der einsamste Bauer in Ostanatolien wird es inzwischen wissen, dass Bahçeli und Erdoğan sich selbst ausgetrickst haben mit Bekanntgabe des Wahltermins. Ihr Stern ist eventuell am Sinken und vielerorts hebt das die Stimmung – noch – insgeheim. Denn die Weitsicht und Menschenkenntnis Frau Çırays ermöglicht der IYI-Partei ihres Mannes, an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen zu können, wenn sich alle an die Regeln halten bis zum Schluss. Mancher traut der Richterschaft indes zu, dass wieder einmal Recht nicht gesprochen werden könnte, und noch schlimmer, dass am Wahltag Manipulation hoch drei, wie man sagt, stattfinden könnte.
In der Yeni Özgür Politika vom 23. April 2018 finden Demir und Seçkin, dass der wahre Grund für die vorgezogenen Wahlen ist, dass 2019 sich eine nicht mehr zu vermeidende Krise am Horizont abzeichnet, die vor allem die Türkei in Beschlag nehmen wird. Alle verschuldet in der Türkei, doch besonders die staatlichen Banken, was zum Resultat haben dürfte, dass die Gesellschaft, die Sparer und Anleger, – mal wieder – die Zeche blechen werden, und nicht nur die. Einiges aus dem Ausland stammendes Kapital, 2/3 des Geldes in der Türkei basiert auf Schulden gemacht im Ausland, auf Darlehen. Das sind ungefähr 230 Milliarden US-$ etc. -, die die Türkei mit in den Strudel reißen könnten. Oder falls die erwartete Krise von außen angestoßen wird, was wahrscheinlicher zu sein scheint, dann, dass diese hohe Schuld mächtig am Kragen der Türkei zu würgen beginnen wird – wie einst in den 90er Jahren und davor.
Ja, türkische Politiker und Wirtschaftskünstler sind solch finanzpolster-enge Zeiten schon fast gewohnt. Bislang hat man mit Good-Will der westlichen und/oder östlichen Player stets das Beste oder Zweitbeste pickend, sich durchschlagen können, sogar zuweilen etwas profitieren können. Das eben gezeichnete Finanz-Drama, finden nicht wenige, spielt sich im Grunde schon jetzt sichtbar, ja, merklich ab: Über 2 Millionen Kinder werden nach Angaben der Yeni Özgür allein in der Türkei als ‚Arbeiter‘ ausgebeutet – vor allem Kinder von Flüchtlingen aus Syrien etc. Ein 15-Stundentag ist für die kleinen Verlierer, entschuldigen Sie, die Regel. Auch dieser traurige Umstand scheint in Berlin und Brüssel niemand groß zu jucken. Anscheinend hat man höhere Ziele. Nur welches Ziel kann höher sein, als die Gegenwart von Schutzbefohlenen an der Grenze zur EU zu sichern, und um sie zukünftig nicht mit Bomben und Raketen bewaffnet gen die Union ziehen zu sehen? Und dann noch dies: In türkischen Knästen und/oder Polizeistationen wird wieder, und das nachweislich, gefoltert!!!
Eine scheinbar positive Nachricht gibt es aber dennoch aus der Region zu vermelden, genauer aus Rojava, welches bekanntlich an der türkischen Grenze im Osten Syriens liegt. Noch haben dort Kurden das Sagen. Berichtet wird, dass zum Andenken an eine argentinische und britische „Kämpferin“ die für die Sache der Frauen und der Kurden gefallen sind, sich inzwischen eine Art Labor Rojava formiert haben soll, ein Etwas also, in dem Frauen vordringlich das Sagen haben sollen und neue progressive Formen des Zusammenlebens eingeübt werden – und das wird offenbar vordringlich unter der Führung von Frauen in die Praxis umgesetzt.
Doch: Solange keine Frau als kurdische Führerin verehrt wird – so wie Öcalan in etwa -, so lange mag hier nicht so recht an die (schein-)feministisch orientierte Entwicklung oder Propaganda in Kurdistan geglaubt werden. Wahrscheinlich haben ein Paar Leute in Rojava und andernorts in Kurdistan erkannt, dass die Frauenfrage international Pluspunkte einbringt, das Image bessern kann. Hoffen wir mal, dass eben geäußerte Annahme der Realität nicht entspricht, entsprechen wird.

Diese eine nun folgende Sicht der Dinge soll und darf Ihnen nicht vorenthalten sein: „Hakikat“ (Wahrheiten) titelt es im Beitrag von Soner Yalcın, der in der Sözcü vom 20. April 2018 schreibt. Einleitend dazu kurz dies: Der Autor war unterm Messer im Krankenhaus und wacht gerade aus der Narkose auf.
„War gerade drauf und dran, vom Dusel der Narkose mich zu entfernen, als ich eine mir bekannte Stimme hörte. Öffnete meine Augen. Im TV sprach Präsident Erdoğan. Alle im Raum Anwesenden blickten nicht etwa zu mir, sondern zu ihm. Offensichtlich gab er gerade was Wichtiges von sich. Wie auch immer die Wirkung der Narkose beschaffen sein mag, zwischen meinem Zustand und Erdoğan begann ich nun Parallelen zu ziehen. So dachte ich: Die Last der Politik und der Ökonomie sind zu etwas Unaushaltbarem geworden. Erdoğan möcht sich davon befreien.
Erst daraufhin begann ich, mich von der Wirkung der Narkose zu lösen.
Erdoğan zählte gerade die Gründe auf, an die er selbst nicht glaubt, die dazu bewegten, die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorzuziehen. Die Personen um mich herum fingen an, das von Erdoğan Gesagte zu interpretieren. Auf einmal: Nicht die Worte Erdoğans, sondern sein Gesicht und die Stimmlage fielen mir auf.
Erdoğan ist ermüdet, fertig, ausgelaugt. An das von ihm noch vor zwei-drei Tagen geäußerte „Hey Leute!“ erinnerte DAS jetzt wirklich zuletzt. Dachte bei mir: Vielleicht ist es ja deine Narkosenachwirkung.
ERDOĞAN MÖCHTE SICH ENDLICH VON DIESER SCHWEREN LAST BEFREIEN!
Er will abtreten. Lasst-mich-endlich-ziehen mäßig war der drauf.
Sie könnten jetzt einwerfen: Um die Wahl zu gewinnen, greift er zur vorgezogenen Wahl [wie einst Özal und andere]. Auf ersten Blick sieht es so aus. Doch ich rate dazu, Erdoğan nicht zuzusehen, sondern ihn anzusehen. Zweifellos. Er selbst würde so etwas nie sagen, ja, das wird er nie zugeben. Aber … . Auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, er schreit uns mit seiner Körpersprache und über den Bildschirm hinaus zu: „Ich bin müde. Kann nicht mehr!“
Mal ehrlich: Zeigt sich Erdoğans Gemütszustand nicht etwa? Andererseits … . Warum sonst sollte er sich jetzt Wahlen antun, die erst im November 2019 anstehen? Vorgezogene Wahlen beseitigen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht – machen sie auch nicht unsichtbar. Das Gegenteil davon nimmt dadurch eher zu. … Erdoğan schreit am Bildschirm: „Nehmt mir die Last ab! Ich pack es nicht mehr, weil das System kriegt ansonsten bleibende Macken ab!“
Was willst du da noch sagen? Das eben Gesagte ist also der wahre Grund, warum die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorgezogen werden. Der möchte sich jetzt wegretten. Er, der 15 Jahre lang DER Mann in der Wirtschaft war. Dass er es nicht mehr draufhat, wie sonst noch soll er uns das zeigen? Für viele geht ein Traum in Bruch. So viel zur Lage. Das ist alles. Schlussendlich: Mich hat man unterm Messer von meinen Sorgen befreit. Hoffe, dass am 24. Juni 18 auch die Türkei befreit wird, [auch wenn der gerade wieder verlängerte Ausnahmezustand in den Ostprovinzen der Türkei gewiss noch bestehen wird]. Andernfalls … .“
Jedenfalls wurde bereits gleich einige Stunden nach Bekanntgabe des Wahltermins diskutiert, ob womöglich die CHP mit der HDP sowie der IP (IYI) zusammengehen könnten, also einen gemeinsamen Kandidaten für den Präsidentensessel kreieren. Aus hiesiger Sicht wäre es schon recht klug, das zu tun und sich nicht etwa hinter dem ausgedienten und abgenagten Kılıçdaroğlu von der CHP zu vereinen oder hinter jemanden von der HDP, sondern die durchaus streitbare Frau Akşener von der IyI Partei sollte ins Rennen geschickt werden. Sie ist eine Frau, und die Türkei ist erneut reif, einer Frau ihr nicht uneingeschränktes Vertrauen für ein Spitzenamt zu geben – nach 15 Jahren AKP sowieso. Das wäre wirklich fantastisch. Da nutzt auch nicht, dass die Erdoğan treue Medienlandschaft der Türkei den Vorsitzenden der CHP Kılıçdaroğlu bereits anstachelt, nicht genug Mumm in den Knochen zu haben für solch einen Job. Die wissen, dass dieses Argument sehr tiefreichend wirkt. Macho kennt eben die Schwächen eines Machos. Frau Akşener hat am 30ç April in einer Rede in ihrer Heimatstadt am Schwarzen Meer trefflich darauf hingewiesen, dass Bahçeli sich ja auch nicht zum Kandidaten aufstellen ließe. Soll heißen: Hört auf zu stacheln, weil sonst mach ich euch den Bahçeli noch auf eine Kandidatur fürs höchste türkische Amt heiß.
Und man bedenke, mit welcher Machtfülle ausgestattet dann Frau Präsidentin der Türkei – dank der Vorkehrungen, die Erdoğan bereits getroffen hat fürs Amt – ausgestattet wäre. Die Vorstellung lässt Bäume sprießen, womit wir, was Mitteleuropa betrifft, mitten im Frühling wären und dem frühlingshaften Beginn dieses Beitrages. Der Frühling ist hier auf Zypern, zum Ende des Monats April, inzwischen seinem Frühlings-Ende bereitwillig entgegentreten.
Bis zum 24. Juni 2018 kann im Hexenkessel namens Türkei noch viel passieren. Ein Hexenkessel indes soll durchaus auch positive Ergebnisse zeitigen (können) – wenn da nicht der Osten und der Westen, die Araber und die Israelis, die EU und die Chinesen wären!? Die Armenier. Deren Machthaber macht Erdogan nämlich gerade vor, wie man sein Amt missbraucht! Schade, hat Armenien nicht verdient. Welche Folgen dieser Stilbruch noch haben wird für das zuvor gezeichnete Bild Nahost-Türkei-Zypern ist noch gar nicht so recht absehbar. Und in Aserbaidschan haben die Leute auch keine Lust mehr auf die korrupte Herrscherriege, so auch die Georgier in Georgien und die meisten der Bevölkerung Moldawiens.
Es braut sich was zusammen, und keiner da, der von Zusammengebrautem so richtig etwas versteht!? Die italienische Eni-Firma findet, dass sie an die 800.000 € in die Förderung von Gas vor Zypern gesteckt habe und jetzt, nur weil die Türkei es anders sehe, nicht bereit sei, mit ihren Nachforschungen unterm Meeresgrund aufzuhören. Israel, war zu lesen, soll sich inzwischen nicht mehr so ganz im Klaren sein, ob das Gas im zyprischen Feld namens Afrodite, welches zwischen Israel und Zypern liegt, nicht vielleicht doch eher andere Vereinbarungen bräuchte als jene, die irgendwann mal getroffen wurden mit Nikosia etc. etc.

via Wieder vereinigen!

Wieder vereinigen!

Frühling 2018!
Und wahrhaft, es liegt einiges in – oder hinter – den Büschen: Trump, Putin und die anderen, üblichen Verdächtigen.
Konkreter: Wir dürfen wohl davon ausgehen, dass die neue Bundesregierung Deutschlands unter anderen Zielen auch noch jenes hat, nämlich, ihre Bürger optimal in Sicherheit zu bringen oder zu wissen.
Nun klar, das geht eh nicht, also das mit der totalen Sicherheit, ja wahrscheinlich wird es nie gehen – und das ist, denken wohl einige unter Ihnen, auch besser so. Das mit der totalen Sicherheit stimmt also schon, siehe Facebook, um nur einen permanenten Unsicherheitsfaktor in unseren modernen Leben zu nennen, den man sich aber angeblich noch durch Kündigung des Facebook-Kontos vom Hals schaffen soll können, wird gesagt.
Ohne weitere Umschweife nun dies: So, wie die Dinge sich derzeit entwickeln weltpolitisch, müsste von den Groko-lern im ehemaligen Reichstag zu Berlin umgehend, unüberhörbar und unmissverständlich eingefordert werden, dass die US-Amis, also Trump und sein neuer – wahrscheinlich etwas kriegsgeiler – Außenminister Bolton, ohne Wenn und Aber ihre in Deutschland gebunkerten Atombomben und anderes derartiges Zeug bestens SOFORT mit sich nach Washington DC nehmen, gern auch nach Florida oder Dallas, aber nicht nach Hawaii oder Puerto Rico, Teile der USA, die von vielen Beobachtern als unfreiwillige Staaten der United States of America gesehen werden; die also etwa so, wie der westlich gelegene Teil Chinas, die Provinz Sinjiang, wo Türkisch gesprochen wird und die Bevölkerung, noch, mehrheitlich muslimisch ist, von Peking okkupiert wird. Alaska könnte auch noch genannt werden im vorherigen Zusammenhang, weil, ja weil diese Region eher im polaren Eis liegt, und die polaren Regionen sollen ja angeblich ALLEN gehören. Außerdem kann und sollte man dort nicht einfach mal schnell atomare Kriege führen, weil das könnte dann doch, von der Statik des sich drehenden Planeten her, schnell zu äußerst letalen Entwicklungen führen, wie zum Beispiel zu der, dass die Erde von der Umlaufbahn zur Sonne zu beträchtlich abweicht in der Folge etc.
Interessant ist bei der Erwähnung derartiger Szenarien auch, dass in den öffentlich-rechtlichen Medien der Deutschen stets, soweit hier festgestellt werden konnte, die Rede davon ist, dass sich der Westen (USA) und der Osten (Russland) lediglich in Europa gegenüberstünden, stehen könnten. Doch dass solch Positionierung an der Behring See viel eher und wesentlich nähergelegen der Fall ist, auf diese einfache Sicht scheint noch niemand gekommen zu sein? Das kann nicht sein. Also was ist los? Warum wird diese ‚Front‘ nicht gezeichnet? Wer hält da den Finger drauf, wenn überhaupt, sodass solch Szenarium nie öffentlich angedacht zu lesen ist?
Wie auch immer: Sollte diesen Leuten im Weißen Haus, Putin im Kreml inbegriffen, einfallen, ‚lustig‘ ein Paar von diesen ‚tollen‘ Sprengköpfen in Mitteleuropa aufeinander loszulassen, wäre die Merkel-Regierung vor allen anderen Regierungen der EU anzuklagen. Ja, wir wären es, die solch tolle Idee Putins oder Trumps ausbaden dürften, weil Merkel & Co wegsieht aus Schiss vor dem Größenwahn sogenannter und selbsterklärter Supermächte; oder die sehen weg aus von Angst getriebenem Arscheinziehen etc. Das mit dem Arscheinziehen musste einfach als Vokabel in diesen Text, verehrte Leser, da irgendwo anders im Mediendschungel (siehe unserem Facebook-Auftritt) ein Artikel verlinkt und kommentiert werden musste, indem eine Luxus-Prostituierte erneut behauptet, mit Trump ‚horizontal Geschäftchen‘ gemacht zu haben, auch, jetzt kommts, ihm einmal mit einer zusammengerollten Zeitung oder einem Journal den Popo versohlt zu haben – er soll gleich bereitwillig denselben, nackt, hingestreckt haben dazu.
Dieser, Sie mögen denken, ‚recht arschige‘, atomare Supergau-Einfall könnte den beiden erwähnten Hitzköpfen leider schon schneller ins Hirn kommen als einem lieb ist – weil hier in Mittel- und Südeuropa ist ja nicht wirklich „America“ oder „Russia“ ZUERST.
Und das Trump wegbeißt, was ihm nicht gefällt – Putin ist in dieser Disziplin auch recht professionell – stellen beide andauernd unter Beweis, und, ach wie ‚lustig‘ ausgerechnet einer meiner heimlichen Hoffnungsträger, der Xi im fernen China, hat sich diesem DING ebenfalls angeschlossen, und zwar auf seine Weise. Letzterer setzt eh gerade Trends, denen noch so mancher, der von sich annimmt, mit ‚höchsten‘ Zielen ausgestattet zu sein irgendwo auf der Welt gern nacheifern wird, nämlich: regieren auf Lebenszeit.
Und das muss nicht sein, das Ungeheuerliche, welches da ist, dass atomar besetzte Sprengköpfe auf unseren Köpfen ausgerechnet ‚aufblühen‘; auch nicht dann, wenn einige von uns zwischenzeitlich oder während so etwas Explosives passiert, in der Karibik oder lediglich in Thailand, Mauritius oder den Kapverdischen Inseln sich aufhalten sollten, da sie NATÜRLICH vor dem eben angesprochenen atomaren Crash rechtzeitig gewarnt wurden und es sich leisten können, mal schnell dorthin auszufliegen etc.
Wer weiß, vielleicht gilt es ja eh, NUR von einem begrenzten Crash ausgehen zu müssen, der beispielsweise nicht mehr als die Fläche Nord- oder Süddeutschlands ‚bearbeitete‘? Trump lässt jedenfalls schon mal Atomsprengköpfe dieser Wirkkraft in etwas größerer Stückzahl, ist anzunehmen, fertigen.
Frau Merkel & Co: REGEN SIE SICH BEZÜGLICH DER ATOMBOMBEN AUF DEUTSCHEM TERRITORIUM VERBUDDELT endlich VERNEHMLICH/ER UND EINDEUTIGER AUF AM TISCH MIT DEN AMIS BEIM netten SMALL-TALK SITZEND und zwar MIT ANSAGE, DASS ZEITLICH NAHEGELGENST mit FRISTSETZUNG DEREN VERSCHIFFUNG zu erfolgen hat, mit oben bereits angegebenen Zielorten!
Jedenfalls ist eines sicher: Die wenigsten Bürger Europas dürften im atomar verseuchten Nichts sitzen oder verbleiben wollen, wenn geschehen ist, was zuvor benannt wurde als „begrenzter Crash!“ Die wollen so etwas nicht mit großem Wunsch und Willen, beispielsweise nach Afrika sich als Flüchtlinge zu retten, so, wie jetzt gerade und von den Medien als Nachricht scheinbar gemieden, zigtausende Sudanesen im Tschad, die einfach nur einen Wunsch haben: Nach Europa, egal, was da auf sie wartet. Diese in die Flucht getriebenen Sudanesen denken anscheinend wirklich, es ist hier in Europa allemal alles besser als sich im Sudan oder Südsudan dem NICHTS, dem von Menschen geschaffenen Terror auszusetzen.
Apropos: So ganz unschuldig sind wir an den Entwicklungen in Ostafrika nicht, sieht man sich die deutsche Geschichte dort mal genauer an. Komisch nur, dass wir uns für Israel so fürsorglich verantwortlich fühlen, was auch in Ordnung ist, aber in Afrika unsere historische, und durchaus eher wenig löbliche, wenn überhaupt, Spur verwischt halten wollen – und uns verwundert geben, dass Afrikaner nun ausgerechnet von UNSEREM Reichtum zehren wollen, ohne was dafür getan zu haben; oder fast nichts dafür getan zu haben; oder nicht genug getan zu haben.
Das Letztere steht allerdings noch immer zur Frage, nämlich, ob es nicht doch so ist oder sein könnte, dass auch in dieser eben behandelten Angelegenheit Zahltag für all die ehemaligen Kolonialherren und -damen, wie man sagt, gekommen ist. Dass ENDLICH nicht nur in esoterischen und religiösen Büchern etc. geschrieben steht, dass ALLES, was man tut, irgendwie und irgendwann auf einen zurückfällt, sondern, dass solch Einsicht sich im Politischen noch besser widerspiegelte. Scheint irgendwie etwas Nachhaltiges zu haben. Und davon ist ja andauernd die Rede, auch wenn zu oft genau das Gegenteil davon veranlasst wird in Berlin – siehe beispielsweise die neuentfachte Gier in Afghanistan. Sowieso ein Unding, mal ganz davon abgesehen, wo wir gerade thematisch waren, dass noch immer afghanische Asylsuchende nach Afghanistan ausgewiesen werden – nachdem, was die EU und speziell die Deutschen dort anstellen.
Ja, ich lese gerade ein Buch über Reiki, und da steht so etwas auch drin, also dass alles irgendwie wieder auf einen zurückkommt. Wäre das Buch über Reiki nicht in Griechisch geschrieben, würde ich mich wahrscheinlich auch jetzt noch nicht mit dieser Heilmethode – etwas – auseinandersetzen. Als Vokabelbeschaffer scheint das Buch geeignet, doch scheinbar auch als Beschaffer neuer Denk- und Handlungsweisen. Bin noch am Anfang des Buches. Mal sehen, was dazu in einem Monat gesagt werden wird.

Zypern
Ja, gestern – mal wieder – einen Annäherungsversuch gemacht, und zwar, was auch sonst, in Richtung zyprische Tages-Politik. Um es etwas aufregender zu gestalten, habe ich mich für Sie den Ereignissen im dortigen Norden zugewandt. Oder sagen wir es doch, wie es war: Plötzlich erreichte mich ein Link, der doch wirklich versprach, eine gerade ablaufende Diskussion im nordzyprischen Parlament drauf zu haben. Und schon war ich live dabei.
Ja, ich hätte mir Notizen machen sollen. Denn ein-zwei Details gibt es ja meist, die auch an diesem Ort in die Welt entlassen inhaltlich neu sind. Jedenfalls ist und war herauszuhören, dass die gerade wieder angestrebten Wiedervereinigungsbemühungen des griechisch-zyprischen Präsidenten Anastasiadis ziemlich sicher ins Nichts verlaufen werden. Und dies nicht etwa, weil die Nordzyprer so bockbeinig wären, sondern, war zu hören, weil sich die Positionen und „hegemonialen An- und Absichten“ der mehrheitlich Griechisch sprechenden Südzyprer aber auch in gar nichts geändert hätten. Überhaupt sei schon allein aus diesem Gesichtspunkt die Aussage des Generalsekretärs der UNO Guterres zu verstehen und von Bedeutung, der in Grant Montana CH davon gesprochen hatte, dass sollte sich was Neues bei den Verhandlungen oder Positionierungen der Zyprer in Sachen Wiedervereinigung der Insel ergeben, er und sein Stab gern – wieder – bereit wären, sich in Stellung zu bringen, um endlich zu einem Abschluss zu kommen, aber nur DANN.
Nun das sei offensichtlich nicht der Fall, wurde bei der Übertragung aus dem nordzyprischen Parlament konstatiert, also müsse das Geheule namens zyprischer Wiedervereinigung oder gemeinsamer Insel-Heimat und Freude, Friede, gemeinsamer Gasreichtum aus dem südöstlichen Meer erst gar nicht angestimmt werden.
So in etwa, also, klangen die 3 Redner, die ausgestrahlt wurden, als die Verbindung plötzlich von unsichtbarer Hand gekappt wurde und nicht wieder in Stand zu setzen war, leider. Einer dieser türkisch-zypriotischen Politiker war Herr Tartar. Wie gesagt, ich machte keine Notizen, weil nicht erwartet wurde, dass etwas wirklich total Unbekanntes Erwähnung findet: Die Türkei sei als unzertrennlicher Partner der Nordzyprer auch zukünftig zu sehen, und die Isolation, welche außer der Türkei angeblich der Rest der Welt den Nordzyprern auferlegt, gelte es nun wirklich vollends zu durchbrechen.
Aufgrund des steigenden Tourismus denken nicht wenige Politiker des Nordens, dass ein Anschluss der Türkischzyprer an den Rest der Welt demnächst möglich sein wird. Alle Zeichen wiesen in diese Richtung, wurde gesagt. Ein Anschluss an die Türkei, als weitere Provinz derselben, ist offenbar für die meisten im nordzyprischen Parlament kein Thema.
Aufgrund der politischen Großwetterlage, die gleich anfänglich in diesem Artikel leicht umrissen wurde, ist schlichtweg jedwede Prognose zum zukünftigen Verlauf der Zypernfrage eher vergeudete Zeit. Soll heißen: Auf Zypern ist alles möglich, auch, dass alles so in etwa bleibt, wie es ist – nämlich Sonne, Meer, das unbeschwerte Leben und Geld verdienen. Ja, auch „top of the world“ und die nicht wenigen Lesern bereits bekannte Was-auch-sonst-Haltung, die vorzuherrschen scheint auf Zypern bezüglich einer Weltspitzenzugehörigkeit der griechisch-sprachigen Zyprioten, zählt hier dazu.
Nun, was liest das derart auf wenig Verwunderung gestellte Auge am 17. 03. 18 in der zyprisch-griechischen Tageszeitung Politis? Genau, es liest einen Artikel von Giorgos Kakourgis. Darin stand, dass sich anscheinend die USA in Form des US-Vize-Außenministers, Mitchel, in die angeblich verfahrene Verhandlungssituation der Zyprer einzumischen gedenken – eingemischt haben. Mitchel hat sich dazu auch die Beschwerden der Türkischzyprer angehört, was uns allerdings nicht bereits hoffen lassen sollte, dass solch Vorgehen des Außen-Departments gleich bedeutet, es würde nun endlich reiner Wein eingeschenkt auf, über, unter oder wegen Zypern. Wahrscheinlich noch bevor es auch in Deutschland klimatisch sommerlich ist dieses Jahr, kann abgesehen werden, welche Positionierung die USA vorschlagen und einnehmen im südöstlichen Mittelmeer.
Die Trump-Administration ist für Überraschungen ja bekannt, vielleicht auch mal auf Zypern – möglichst positiv bitte. Was immer das in diesem Zusammenhang genau bedeuten mag für Sie, dieses „positiv“. Letzteres, das zuweilen positive Überraschen des Herrn Trump, ist an dieser (leicht) schrägen Politikerprojektion durchaus interessant. Letzterer wird so charakterisiert, weil der Geschäftsmann Trump ja noch immer verdeckt operativ tätig zu sein scheint im Hintergrund, wie hie und da zu vernehmen ist.
Nicht zuletzt auch von daher wird man abwarten müssen, wie sich die US-Amerikaner mit Israel abstimmen – und vielleicht auch mit Brüssel, doch vor allem mit den Briten in Sachen südöstliches Mittelmeer. Für Israel muss ein vereinigtes Zypern nicht unbedingt ein Vorteil bedeuten, wie auch nicht für die Briten. Doch das kann natürlich auch anders gesehen werden. Ein uneiniges Zypern hat den Vorteil, dass die Israelis das instabile Gebilde vor der Haustür eigentlich nach Bedarf handhaben können – und handhaben. Dass sie da wenig Scheu haben dürften, beweist unter anderem durchaus, dass nach über 10 Jahren zugegeben wurde, man habe seinerzeit in Syrien das Entstehen einer Plutonium-Produktionsanlage für Nordkorea angeblich kurz vor deren Fertigstellung mal schnell in Schutt und Asche gebombt.
Anders als auf Zypern oder in Deutschland ist die Nachricht klar, die da, so ganz nebenbei, vermittelt wurde: Tel Aviv handelt, und redet Dinge nicht breit und breiter! Auch die Briten stehen im Ruf, nicht sonderlich zimperlich zu sein, wenn es um ihre Interessen geht. Mal sehen, wohin sie/uns das Giftmord-Ding mit den Russen, vor Kurzem in London, noch schiffen wird. Frau May gegen Herrn Putin. Hört sich ganz nach ‚Putin schießt May politisch ab‘ an – oder ähnlich. Was nicht allzu schwer sein dürfte, zumal es zu viele gierige Mäuler gibt, die an Mays Position knabbern, eine Situation, die sich Putin offensichtlich gekonnt vom Hals zu halten weiß, was zumindest so nach außen sichtbar wird, für uns.
Bekanntlich sollen nicht gerade wenige Israelis auf beiden Seiten der zyprischen Insel Eigentum erworben haben – Tendenz steigend. Engländer sind ja geradezu traditionell auf beiden Seiten angesiedelt, und dort, wo nur sie das Sagen haben – auf den 3 Militärbasen. Oder sind es doch nur 2e? Egal. Sie sind jedenfalls präsent, was sich mit dem Brexit definitiv verfestigen wird.
Wie all diese Mächte, von denen bislang die Rede war, ist auch unter Briten ein Rückbesinnen auf einstige Größe im Busche.
Eine einige Insel Zypern könnte unter vielen anderen Horizonten, die sich dergestalt öffneten, wiederum bringen, dass ein Anschluss Israels an die EU plötzlich ins Gespräch kommen könnte oder gar ein israelisches Zusammengehen mit den Briten – was dann in Rekordzeit durchgezogen würde, darf vermutet werden. Wenige wären verwundert, wenn solch Ding noch schneller als ein EU-Beitritt Serbiens beispielsweise erfolgte. Und wenn dem nicht so ist, dann, dass ein vereintes Zypern eine Art Frontlinie gegen das sich aufbauende Reich des Bösen, äh, Russlands und Co, welches sich in Syrien niederzulassen gedenkt, nein, sich eventuell bereits fest niedergelassen hat, gestützt und gezogen wäre. Die neue Pufferzone?!
Insofern wäre als der wahre Wackelkandidat in der Region Nahost/Südost-Europa derzeit eher die Türkei auszumachen und nicht Zypern Süd. Weil die mehrheitlich griechisch-sprachigen Zyprer im Süden haben sich bereits eindeutig positioniert, mehr nach Westen (Israel) als nach dem Osten (Russland), wohingegen Erdogan noch versucht, so etwas wie eine eigene, womöglich muslimische Art Insel zu erschaffen, was ihm wohl die EU, wie auch Russland erschweren werden. Die muslimische Insel, von der gerade die Rede ist, ist nicht etwa nur die Türkei plus dem ihr anheimgefallenen Nordzypern, sondern gemeint ist durchaus ein Verbund der Türkei mit anderen muslimischen Staaten in der Region südöstliches Mittelmeer und darüber hinaus, mit denen zusammen so etwas wie eine muslimische Insel erschaffen werden könnte: Iran, Libanon, Syrien, Irak, Katar, Bahrain, Ägypten, Saudi-Arabien, Pakistan etc.
Dumm ist an dieser durchaus aussichtsreichen und vielversprechenden Konstellation lediglich, dass Präsident Erdogan in Konkurrenz mit dem Iran steht, und dies wahrscheinlich vorrangig deswegen, weil die nicht ‚richtig‘ muslimisch sind. Und das bedingt, sozusagen automatisch, dass mit den Schiiten im Libanon wohl auch nicht Gut-Kirschen-Essen sein dürfte, wie man einst sagte, mal ganz abgesehen von den verschiedenen christlichen Strömungen, die gerade besonders um ihr Überleben im Nahen Osten fürchten.
Ja, das ist wohl das Hauptproblem des Herrn Erdogan und seiner Entourage, nämlich, dass er und die Seinen sich als bessere Muslime sehen als beispielsweise diejenigen im Iran oder Saudi-Arabien etc.
Dennoch: Die Türkei müsste sich schon bald einem Lager an die Brust werfen zwecks Überleben. Das Lager der Muslime ist (noch) zu schwach, nicht als solches kräftig genug, um seinen Widersachern auf Dauer ebenbürtig oder respekteinflößend genug Antwort geben zu können.
Bliebe Herrn Erdogan als goldener Ausweg eigentlich nur noch China. Doch die Chinesen sind nicht gerade zur Türkei nahgelegen angesiedelt – und treiben in türkischstämmigen Gebieten Chinas eine Politik, die selbst Erdogans Feinde oder Gegner wohl nicht sonderlich lustig finden dürften. Gemeint ist die schleichende Assimilation der türkischstämmigen, muslimischen Uiguren Chinas. Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes übervölkert – und ALLE gucken zu. Ein weiterer Punkt, den man dem Rest der Welt noch ankreiden wird, ankreiden muss, und zwar vor allem dann, wenn Reden geschwungen werden über Menschenrecht; und das dieses ökonomischen Interessen voranstehe.
Und dennoch: Peking mischt sich neuerdings bis an den Bosporus und darüber hinaus vernehmlicher ein, und zwar auf vielen Ebenen. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum die USA plötzlich auf der griechisch-zyprischen Bühne stehen und diesmal mit direkterer Ansprache als sonst.
Noch soll Erdogan daran gelegen sein, Assad zu entmachten. Noch ist Ankara in der NATO und noch bestehen erhöhte Spannungen, derzeit auch mit Griechenland. Noch ist Erdogan auf bestem Weg, den Weg vieler Despoten zu gehen. Die Rede ist nicht von Den Haag, unbedingt, sondern von vor allem selbstverursachter internationaler Isolation. In gewisser Weise ist die Türkei auch in diesem Punkt eine Art Zwitterwesen. Ihre Position zum Westen, dem Osten oder der sogenannten Dritten Welt ist in etwa auch da anzusiedeln: dazwischen, überall und doch irgendwo, bloß wo genau mit eigener gesellschaftspolitischer Zielsetzung?
Es geht also weniger darum, die Paar zigtausend Kilowatt Gasenergie aus dem südöstlichen Mittelmeer zu holen, als vielmehr darum, Russland sowie China davon abzuhalten, den Schlüssel zur Weltherrschaft in die Hand zu bekommen.
Nun, dass dieser Schlüssel ausgerechnet bei oder in Zypern sein soll, wäre nun wirklich vermessen. Andererseits hat diese Illusion etwas geradezu romantisch Anziehendes. So anziehend gar, dass einem Angst-und-Bange werden kann als Europäer, und Zyprer sowieso.

Sieht ganz danach aus, als müssten Entscheide gefällt werden, die aber von einer Administration Anastasiadis gar nicht erwartet werden können – und dies wird vor dem Hintergrund und den Ergebnissen der letzten Regierungsperiode von Anastasiadis selbst gesagt, der ja wiedergewählt wurde vor Kurzem. Gemeint als Entscheid ist beispielsweise eine zielgeführte Wiedervereinigung der Insel, die ‚schlechtestenfalls‘ in Kauf nimmt auf griechisch-zyprischer Seite, herbe Verluste oder Zugeständnisse machen zu ‚dürfen‘. „Was auch sonst!“ Eine Wiedervereinigung der zyprischen Inselhälften könnte sich also als ein Teil dieses Schlüssels zur Weltherrschaft eines der großen Player herausschälen – aber eine Wiedervereinigung Zyperns mit Griechenland bitte bloß nicht wieder!? Obgleich: Wer weiß, wann dieses Thema oder Gespenst auf die politische Bühne im südöstlichen Mittelmeer Europas kommt – oder aber gehoben wird?

Wollen wir doch noch etwas in die Details sehen. Schließlich ist Frühling. Die Insel ist noch vorwiegend mit der Farbe Gelb überzogen und Grün. Vassili hat seinen Deutschland-Aufenthalt inzwischen wahrscheinlich schon längst vergessen. Sie wissen: Vassili, das ist unser knapp einjähriger Kater. Noch fauler ist er geworden, was das Spazierengehen angeht. Die viele Sonne fordert eben ihren Tribut. Dem Vernehmen nach dürfte es der Sonne in der Sommersaison 2018 eventuell ‚gelingen‘, die Wasserreservoire der Insulaner auf einen bedrohlichen Stand hinunter zu brennen. Man wird sehen. Gewiss oder hoffentlich hat Afrodite noch ein Ass im Ärmel für die Insulaner – wie meistens. Es könnten die kommende Saison eh weniger Touristen werden, die Zypern anpeilen als Ferienort, weil die Türkei und Ägypten mit ihren vermeintlich niederen Preisen wohl doch viele überzeugen dürften. Fehlte eigentlich nur noch, dass Erdogan deswegen geschwind der Anweisung des Gerichtshofes in Holland folgt und unrechtmäßig in Haft gehaltene Journalisten und andere entlässt. Ist ja auch ein Witz, dass das oberste Gericht der Türkei einige dieser Leute freispricht und Erdogan, dem das Urteil missfällt, genau das Gegenteil dessen anordnet, was auch noch zum Entsetzen der meisten Beobachter von den türkischen Behörden so durchgezogen wird.
Zusammen mit einer Art Entschuldigung des türkischen Präsidenten für die Art und Weise, wie die Dinge gelaufen sind nach dem angeblichen Putsch 2016 in der Türkei, könnte er im Handumdrehen die Türkei, wenn nicht dieses Jahr, so das Jahr darauf, zum Spitzenreiter der globalen Touristenschar als Destination machen, darf vermutet werden. Ob er so viel Größe zeigen wird? Herr Zuckerberg von Facebook hat es jedenfalls geschafft, gewisse Fehler in seinem Konzern einzugestehen.
Die Zyprer im Süden der Insel machen durchaus einige Anstrengungen, um das sprunghafte Verhalten der Masse namens Touristen zu beeinflussen. Ob es denn langfristig die richtigen Maßnahmen sind, die ergriffen wurden und werden, sei dahingestellt. Weil: In Zypern sind keine Chinesen am Ruder. Soll heißen: Letztere planen ihre Politiken langfristig und Erster tun das eher nicht. Und genau so in etwa kommt einem vor, was in Zypern allgemein, doch nicht immer, auf die Schnelle auf die Beine gestellt wird und wurde: eher kurzfristig. Nun: Das Kurzfristige bringt mindestens Arbeit und Arbeitsplätze, wenn andauernd etwas neu errichtet wird und dann schon bald wieder abgerissen oder erweitert werden soll oder muss, mögen Sie denken. Hoffen wir, dass sich die durchaus zuweilen kreative und wirklich intelligent eingesetzte Dynamik der Insulaner doch noch auf andere Art und Weise zur Schau zu stellen weiß.
Die Menschen im türkisch-zyprischen Norden träumen derzeit wahrscheinlich mehrheitlich davon, dass in der britischen Basis von Dereneia auf Zypern ein weiterer Übergang in den Süden – und zurück – eröffnet werde. Sie erhoffen sich dadurch, noch mehr Touristen und Geschäftsleute nach Famagusta und Umgebung aus dem Süden der Insel zu lenken. Zwar hat der Süden Zyperns, die Republik Zypern also, wenig Absicht, den mehrheitlich türkisch-sprachigen Nordzyprern ihr Überleben zu erleichtern, doch nicht nur Not macht erfinderisch, sondern auch die Liebe zum Geld – nennen wir es doch beim Namen. Ja, schon Länger wird darüber gerätselt, wie man seine ideologischen Scheuklappen umgehen könnte auf Zypern, um Famagusta und ein hermetisch abgeschlossenes Gebiet vor dieser Stadt wieder ins Rennen um Dollars und Euros etc. zu schicken. Es darf allerdings weiterhin mit eher verhaltener Spannung darauf gewartet werden, dass etwas Greifbares in dieser Angelegenheit passieren wird. Doch man weiß ja nie.
Ja. Auch dieses Thema ist derart abgenagt, dass der erwähnte Spannungsgrad eher der einer Erschlaffung gleicht. Hoffen wir, um so oder anders im Bilde zu bleiben, dass es sich noch nicht um eine ausgeprägte Impotenz dabei handelt. Da könnte noch was gehen, wenn die USA … .

Die US-Amerikaner lassen wissen, sie seien interessiert daran, dass die beiden Zyprer/innen sich wieder an Verhandlungstische setzen – und endlich mal zu einem Abschluss kommen. Bekanntlich gibt es eine Bedingung, irgendwo niedergelegt und aufgeschrieben, die verlangt, dass die Streitigkeiten zwischen den beiden Seiten erst beigelegt sein müssten, bevor ernsthaft mit der Exploration des Gases und/oder Erdöls, welches massenhaft vor der Insel liegen soll, begonnen werden kann. Scheinbar gibt es Anlass, daran zu glauben, dass da unten unterm Meer nun doch profitable Mengen liegen könnten – weil warum sonst sollte sich die Trump Administration plötzlich so in Szene setzen, mal abgesehen von dem Ringen um den Schlüssel der Weltmacht. Um der Türkei Eins auszuwischen? Möglich wäre das zwar als Erklärung, doch vielleicht eher unwahrscheinlich. Dies, zumal Erdogan und die Seinen erkennbar bemüht sind, es sich nicht völlig mit Trump zu verscherzen, denn der Letztere scheint wirklich keinen Spaß zu verstehen, wie die vor Kurzem veranlasste Besetzung des Außenministeramtes mit dem vorherigen CIA-Direktor Bolton eindeutig zeigt, sowie andere Neubesetzungen mit politischen Falken in Washington. Ein politischer Falke, wie er im Buche steht, soll dieser Bolton sein.
Politische Falken gibt es wirklich zur Genüge in der Türkei, derzeit. Der Stellvertreter des Außenministeriums und Außenminister Nordzyperns (KKTC) Özeray widerspricht scheinbar energisch der Behauptung, in Nordzypern ginge man an der Leine Ankaras. Maroniten Dörfer will er in Gesamtnordzypern besucht haben und kommt zu folgendem Schluss: Gar keinem offensichtlich, weil nirgends etwas zu seiner Rundreise gelesen werden kann (auf die Schnelle) und er sich über sein Twitter-Konto leider nicht den Fragen Zypernsundmehr-News stellte.
Özeray findet, dass die Verhandlungen mit dem zyprischen Süden eigentlich nur aus einem Grund wieder aufnahmefähig geworden seien: Um sich in Sachen Verteilung der Reichtümer aus dem Meer (Erdgas) gerecht zu einigen. Alles andere wären Themen, die sich danach praktisch wie von selbst lösten. Diese Analyse dürfte wohl den Nagel auf den Kopf getroffen haben, Herr Özeray! Daher hätten wir gerne ein Interview mit ihm geführt. Könnte ja noch Wirklichkeit werden. Wie gesagt, auch in Zypern gilt: Money makes the world go around!
Ansonsten gibt es aus dem Norden Zyperns eigentlich wenig zu berichten, was von Interesse ist, wenn man dort nicht lebt. Sie dürfen es glauben: Ich täusche mich da ganz gewiss. Dennoch: Dass den Behörden aufgefallen ist, dass zu viele nordzyprische Pässe von den Vorgängerregierungen ausgegeben wurden, ist ja schon seit über 30 Jahren bekannt. Doch jetzt gerade scheint dieses Thema innerhalb der nordzyprischen politischen Klasse etwas hoch zu kochen. Anscheinend ist die nationale Zugehörigkeit des einen oder der anderen Politiker/in im Norden Zyperns doch nicht ganz vorschriftsgemäß abgelaufen oder eindeutig genug. Soll heißen: Es ist nicht immer ganz klar ersichtlich nach den ‚herrschenden‘ Statuten, wie er oder sie zum nordzyprischen Pass kam – und wann.
Notiz zuletzt: Auf WDR 5 in den Nachrichten für Asylsuchende, Arabisch, vom 15. März 18, wird vermeldet, in Berlin sei die Anzahl der Messerangriffe auf das 200-fache im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Das ergab sich bei einer Senatssitzung, als die Frage danach gestellt wurde. Der CDU-Abgeordneter Trapp regte daraufhin an, dass „Messerangriffe als Tötungsversuche und nicht nur als gefährliche Körperverletzung eingestuft“ gehörten. Diejenigen, die zum Messer greifen, sind vorrangig anscheinend männliche Asylsuchende, Flüchtlinge, unter 21 Jahren.In 80 von 2700 Fällen waren die ‚Täter‘ Kinder.

via Februar 2018

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