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Premierminister Erhürman der Türkischen Republik Nordzypern beklagt, es existierten keine Statistiken, auch keine Studien, die belegten, dass der Norden einen wirklichen Bedarf an 16 Universitäten habe. Auch bezweifelt er die kursierende Zahl Studierender im Norden von in etwa 100.000 für das Semester 2017 – 2018.
In den Universitäten des Nordens von Zypern arbeiten gewissen Angaben zufolge in etwa 4.529 Lehrer und 101.000 Studenten studierten; 55.000 davon sollen aus der Türkei kommen und rund 13.000 Studenten seien Türkischzyprioten.

Die genannten Werte verraten uns schon mal eine zahlenmäßige Dominanz von sogenannten Festlandtürken, die in türkisch-zyprischen Universitäten eingeschrieben sind.

Und ja, das Dominieren einer Sache, wie Sie wahrscheinlich schon ahnten, ist offenbar eines der Themen oder Dinge, die Türken im Allgemeinen und derzeit ganz besonders anscheinend sehr interessieren.
Şener Elcil von der Gewerkschaft KTO hat – vielleicht auch dieses Dominanz-Phänomens wegen – gleich 24 Fragen an das türkische Außenministerium gerichtet, und zwar klugerweise bezüglich Afrin in Syrien – aber gewiss spricht er derart, unausgesprochen sozusagen, die Verhältnisse in Nordzypern an, vermuten wohl nicht wenige.
„Werdet ihr keine türkischen Staatsangehörigkeiten in Afrin verteilen? Werdet ihr keine Bevölkerungsgruppen dorthin oder von dort weg transferieren? Werdet ihr den Plätzen und Straßen von Afrin keine türkischen Namen verpassen? Werdet ihr keine Komitees einrichten, welche das Land der Leute [an andere] verteilt? Werdet ihr Afrin nicht plündern? Werdet ihr die Währung nicht außer Kraft setzen und die Türkische Lira einführen? Werdet ihr keinen Kommandanten berufen, der aus der Türkei kommt und dafür sorgt, dass lokale Polizisten in der Hierarchie nicht aufsteigen? Werdet ihr nicht die schönsten Plätze Afrins euren Unterstützern anbieten?“
Kann also gut sein, dass Herr Elcil das Zitierte so geschrieben oder formuliert hat. Der Zweifel, den Sie hier bereits heraushören, ist darin begründet, dass das obige Zitat Beiträgen dem Press and Information Office des Südens entnommen ist. Weil, hier wird angenommen, dass Herr Elcil wahrscheinlich eine Familie hat. Und sollte er obige Fragen so formuliert und in die Öffentlichkeit entlassen haben, ist nach einer weiteren Bleibe für sich und die Seinigen sich vorsichtshalber schon mal umzusehen, bestens im Süden, wahrscheinlich die Pflicht eines jeden verantwortlich handelnden Familienvaters. Vielleicht gehen ja auch seine Kinder bereits, so er denn welche hat, im Süden zur Schule. Letzteres, dass Kinder aus dem Norden im Süden Schulen besuchen, ist ein gängiges Phänomen unter sogenannt echten Türkischzyprern, vor allen unter jenen, die nicht allzu entfernt von der Grenze in den Süden leben. Das ist dort wirklich sehr populär, wahrscheinlich chic. Politisch eher links zu verortende Türkischzyprer lassen sich vor allem auf diese Möglichkeit ein, auch, um ihre Kinder im international akzeptierten europäischen Teil der Insel europäischen Standards zu unterziehen – und derart wird auch Sorge getragen, dass die Kleinen mehrsprachig aufwachsen, wie es sich heutzutage für weltoffene Menschen gehört, und um Karriere machen zu können etc.

Apropos KTO: Die demonstrierten mal wieder. Diesmal war es vor der Türkischen Botschaft im Norden Zyperns, also in Nord-Nikosia, und das geschah noch Anfang-Mitte des Monats Juli 2018. Demonstrierten, weil Erdogan, wie bereits in Part 1 und 2 dieses Berichts berichtet wurde, ja die Insel besuchen kam. Die fanden es überhaupt nicht amüsant, dass er auch noch – und ausgerechnet – eine Moschee einweihen ging, die wiederum ausgerechnet ebenfalls „Hala Sultan“ getauft wurde, und zwar in einer Gemeinde namens Haspolat. Das Original mit diesem Namen steht nämlich im Süden und ist so etwas wie ein Pilgerort für nicht wenige Muslime in der Welt, da die Tante des Propheten Muhammad sich dort mal temporär aufhielt. Die Moschee in Haspolat/Nordzypern ist immerhin der berühmten Selmiye Moschee der Stadt Edirne/Türkei unweit der griechischen Grenze, genauer in der Region Trakien, nachgebaut worden. 4 Minarette hat sie, 37.000 qm Fläche nimmt sie ein und 6.000 Betende könnten dort gemeinsam beten, wird berichtet. Kostenpunkt: 33 Millionen US-$.
Nicht wenige Gewerkschafter der KTOS finden, von diesem Geld hätten lässig 33 Schulen oder 3 supermoderne Krankenhäuser, wie es das „Famagusta Hospital“ im Norden ist, errichtet werden können.

Wie dem auch sei: Derweil konnte anstatt die „TCG Barbaros“ Fregatte der türkischen Marine im Hafen von Girne bestaunt werden – ziemlich sicher nur von Türkischzyprioten oder Festlandtürken. Nun dann!
Falls Sie nun, verehrte Leserschaft, aus Verlegenheit nicht wissen sollten, was denn sonst noch so im Norden getan werden könnte, zumal sie sich schon auf den Weg begeben haben, die Fregatte zu begutachten, kehren Sie einfach, bestens umgehend, auf ihren Fersen um, bevor man Ihnen sagt, dass Sie den falschen Ausweis besitzen und gehen Sie geradewegs ins neu eröffnete „Limak Cyprus Deluxe Hotel“ in Bafra – welches irgendwo draußen in Karpaz angesiedelt wurde. Schlappe 200 Millionen US-$ hat es gekostet, den Kasten in das schöne Gelände zu stellen. Auch dieses Gelände müsste eigentlich naturgeschützt werden. Ein Teil von Karpaz ist es jedenfalls, oder soll es sein, muss hier fairer Weise gesagt werden, wenn man den Pflanzen und Tieren gerecht werden will. 1.300 Betten und 598 Zimmer warten auf Sie als Tourist. Die „Limak Holding“ hat in der Türkei weitere 8 Hotels in den letzten 23 Jahren errichtet.
Vielleicht wäre diese Verschandelung der Insel, manche finden, es sei Entwicklung, andere es handle sich um eine Verschönerung, ja doch auch ein Thema, welches die neue Zypernbeauftragte der UN, Frau Lute, aufgreifen sollte zur Abwechslung, auch, um ihren Fingerprint derart zu hinterlassen. Wird sie wohl nicht tun, keine Sorge. Die haben in diesen Positionen anscheinend nur Platz für Leute, die genau das tun, was von ihnen erwartet wird irgendwo. Jedenfalls scheint die angesprochene Erwartungshaltung, wenig bis gar nichts mit der zu tun zu haben, die die Leute hier auf Zypern haben – oder haben dürften. Letztere werden noch nicht mal danach gefragt, gilt es zu erkennen.
Vielen Zyprern geht Frau Lute jedenfalls jetzt schon auf den Nerv. Sie sei Geld- und Zeitverschwendung. Denn die Bedingungen, Wiedervereinigungsverhandlungen schon wieder anzufangen, sind ja noch gar nicht, auch nicht annähernd, erfüllt vonseiten des Nordens oder des Südens, wird gemurrt.
Dennoch werden die Verhandlungsführer demnächst wieder auf Einkaufstour geschickt. So, wie vermeldet wird, werden zuerst die Läden in Manhattan gestürmt und dann, nicht vergessen, die Amüsierbuden in Brooklyn, nein, nicht in der Bronx. Guterres hat die Damen und Herren dazu eingeladen, der UN-Präsident. Kurz davor hatte Akıncı noch recht laut vernehmen lassen über die Medien, für ihn habe NICHTS begonnen, als Lute in ihr Amt gehoben wurde und angefangen hatte, beide Seiten vor Kurzem höchst persönlich aufzusuchen.


Welch Überfluss! Insofern ist Überfluss dann vielleicht doch der angebrachteste Terminus zur Beschreibung der Lage. Nicht allein, dass in der UN anscheinend Kohle ohne Ende in Koffern darauf wartet, Politikern und anderen Interessierten hinter her geschmissen zu werden, nein, überflüssig erscheint vor dem Hintergrund dessen, was Akıncı die ganze Zeit über von sich gegeben hat, auch zu sein, dass er die Einladung nach New York – zum Einkaufen – angenommen hat. Weil somit signalisiert er ja, ob er es will oder nicht, dass die Verhandlungen sehr wohl auch für ihn wieder in der üblichen Art und Weise ihren Anfang genommen haben, und hoffentlich nicht genau so üblich enden. Zwar stirbt die Hoffnung meist zuletzt, doch manches Mal, offensichtlich, stirbt sie auch zuerst. Auch Hoffnung bedarf also eines tragbaren Fundaments!
Akıncı indes: „Lute ist nicht als ein Ersatz für den vorherigen Speziellen Abgesandten des UN-Sekretärs Espen Barth Eiden in ihrer jetzigen Position!“ Sie sei nur eine vorübergehende Abgesandte oder Beauftragte, die sich mit den beiden Zyprern, Akıncı und Anastasiadis, getroffen hat, um auszuloten, ob sich da in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen was drehen lässt.
Wir wünschen also erfreuliches Weihnachts-Shopping, gern auch in den bizarrsten Ecken des Central Parks. Jedem das Ihrige, oder jeder das Seinige! Spitzendiplomatie eben.
Zwar haben die Nordzyprer angeblich keine Lust mehr auf „Endlosschleife“ in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen, aber auf Shopping zu verzichten, und dann noch so günstig, verstehen Sie doch, das kann und darf nicht ausgelassen sein!

Armağan Candan von der Republikanischen Türkischen Partei (CTP) sowie Ersan Şaner von der Nationalen Einheitspartei (UBP) Nordzyperns kamen Ende Juni nach Straßburg, um an der Generalversammlung der Parlamentarier des Europäischen Rats (Pace) teilzunehmen. Es existiert in Straßburg sogar ein Büro Nordzyperns, zwecks Repräsentation etc. Unter anderen Themen war bei der Generalversammlung die Zerstörung kulturellen Erbes auf der Tagesordnung gewesen in Straßburg. Candan hielt eine Rede, und sagte so in etwa unter anderem: Das kulturelle Erbe gehört allen. Es ist unsere Pflicht, es zu bewahren. Und das kulturelle Erbe der zyprischen Insel gehört nicht allein den Süd- oder Nordzyprern, sondern der Menschheit allgemein. Candan wies darauf hin, dass das bi-kommunale Technische Komitee am 21. 03. 08 zwecks vertrauensbildenden Maßnahmen gegründet worden ist, ebenso als Schutz des kulturellen Erbes. Das Technische Komitee ist seines Dafürhaltens jenes Komitee, welches am besten von all den anderen arbeitet auf Zypern. Es sei am „effizientesten“. Auch daher, findet Candan, sollte der Europarat demselben eine finanzielle Unterstützung geben.
Seltsam ist dann aber doch für manchen Beobachter, zu sehen, in welchem Zustand die meisten Friedhöfe hüben, wie auch drüben in Zypern sind. Nach vorliegenden Angaben ergibt sich das Bild, dass die bi-kommunalen Kulturerbe-Komitees auf diesem Sektor versagt haben müssen (03. 07. 18 Cypriot Daily News). Und daher soll – mal wieder – ein „Pilotprojekt“ gestartet werden.
Wenn also bedacht wird, dass nahezu alle paar Wochen, und dies seit Jahren, irgendwo auf der Insel eine nachträgliche Beerdigung von jemandem stattfindet, dessen Leichnam identifiziert werden konnte nach den Auseinandersetzungen von 1974, muss man über den erwähnten Mangel schon etwas staunen. So viel Tra-Ra in Form von Bestattungen und Extra-Gottesdiensten, die regelmäßig im Fernseher zu sehen sind etc. und dann liegen diese Toten auf nicht umsorgten Friedhöfen?

Apropos umsorgen: Huseyin Özürgün, Vorsitzender der UBP, sagte am 04. 07. 18, Griechischzyprer sollten Tayyip Erdogan mit Blumen in der Hand am Flughafen Ercan im Norden begrüßen kommen, der am 10. Juli ja ankam, um, wie es der Tradition entspricht, nach einem Wahlsieg oder Ernennung zum Präsidenten der Türkei seine Aufwartungen im „Bruderland“ Zypern zu machen. Allerdings hat sich im Vergleich zu davor im Prozedere etwas geändert, denn der türkische präsidiale Wahlsieger Erdogan besuchte zuerst einen weiteren Bruderstaat, Aserbaidschan, bevor er von dort aus, eventuell direkt nach Ercan flog. Die Quellenlage ist unklar, nämlich derart, ob er nun direkt nach Ercan geflogen ist oder ob das Flugzeug zuerst noch kurz in der Türkei landete. Bekanntlich sind Direktflüge nach Nordzypern untersagt. Und nur die Türkei allein fliegt auf diese Weise dorthin. Ja, Aserbaidschan ist zwar ein Bruderstaat, aber Geschäfte gehen nun mal vor. Baku will sich einer solchen diplomatischen Angelegenheit wegen nicht mit der internationalen Gemeinschaft in die Nesseln setzen. Das wird von Seiten der nordzyprischen Regierung anscheinend verstanden, denn niemand scheint dagegen einen Einwand hervorzubringen – zumindest nicht über die Medien hörbar, noch nicht.
Und dass die Südzyprer von „illegalem“ Besuch Erdogans schreiben und reden, schmettert Özgürgün einfach als „Blödsinn“ ab. Schließlich hätten Die aus dem Süden der Türkei ihre Existenz zu danken. Wäre letztere nicht gewesen, sähe das alles anders aus auf Zypern.
Erhan Arıklı, Vorsitzender der Wiederbelebungspartei (YDP) dazu: Erdogans Besuch ist eine Nachricht an die Welt, sagt er. Woraufhin wir fragen: nur welche?
Wie dem auch sei. Es gibt anscheinend auch Nordzyprer, die den Besuch Erdogans bereits im Vorfeld als nicht äußerst lustig, oder anders, deklarierten. Einer dieser Menschen ist beispielsweise Izzet Izcan von der Unionspartei (BKP) im Norden. Er war gegen Erdogans Visite und rief offen dazu auf, dass die an den Besuch angehängte Einweihungsfeier der „Hala Sultan Moschee“ boykottiert werde.
Hala Sultan, der Name sagt Ihnen was, verehrte Leser? Sie haben es also erinnert, nämlich, dass jene Moschee, die vor den Toren Larnakas liegt, am Salzseechen, wo die rosa Flamingos als im Winter sind, denselben Namen trägt. Der Unterschied, wenn Herr Erdogan so einen noch ausmachen kann in derartigen Belangen, ist, dass einst die Tante des muslimischen Propheten Muhammad, höchstpersönlich dort zu verweilen geruhte; und ja, auch Herr Erdogan war nun kurz auf Zypern, hätte aber vielleicht einen, sagen wir mal, weniger anmaßenden Namen für die Moschee auserkoren können, zum Beispiel: Amça Tayyip (Onkel Tayyip).
Nun ja, jedenfalls vermutet Izcan, dass solch Gebaren Erdogans klare Anzeichen, einen Islamischen Staat auf Nordzypern begründen zu wollen, tragen würde. Sollte an Letzterem etwas dran sein, hat sich wohl der derzeitige Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, gerade noch rechtzeitig seine Haut gerettet. Er war nämlich unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans extra nach der Türkei geflogen, um Alleinherrscher Erdogan zu gratulieren.
Akıncı hat wahrhaft einen schweren Stand: auf der einen Seite den politisch glitschigen Anastasiadis, und auf der anderen den politisch erpresserischen Erdogan – und dann verdeckt operierend und doch sehr präsent, die Israelis und die Engländer. Er wohnte also bei, als Erdogan seinen Eid ablegte, der türkischen Nation dienen zu wollen.
Wie die Umstände Mitte August indes zeigen, scheint Erdogans Politik sich nicht allzu dienlich zu erweisen. In Nordzypern müssen auf Grund der verfehlten Geldpolitik Erdogans neuerdings sogar Casinos Steuern zahlen – und überhaupt werden die Steuersätze im Tourismus etc. erhöht. Und nicht nur dort. Sogar Kinder werden mit einer 5%igen Steuer belegt. Bitte fragen Sie mich nicht, wie das von statten geht. Das soll dem Vernehmen nach vorrangig jene Kinderlein treffen, die neu eingebürgert werden. Viel Geld ist damit also nicht zu machen. Zeigt aber, dass doch eine gewisse Not zu herrschen scheint, denn auch der Finanzminister, Serdar Denktaş, rühmt sich neuerdings, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Letzterer ist sich sicher, dass die Geldentwertung des Türkischen Lira, die sich derzeit vollzieht, überstanden werden kann, wenn die Bevölkerung Nordzyperns einfach etwas solidarischer unter- oder miteinander verfährt.
Dass ausgerechnet der von sich sehr eingenommen wirkende Finanzminister des Nordens von Zypern mit dem Fahrrad unterwegs sein soll täglich, also das zu glauben, fällt nun wirklich schwer – bei all seinen Feinden etc. und seiner mentalen Verfasstheit.
Um nochmals kurz auf die Pleite im Finanzsektor zurückzukommen, die Erdogan gern auf andere schiebt. Emin Çölaşan, der in der türkischen Sözçü schreibt, hat am 13. August 18 Erdogan frontal in einem seiner Artikel angegriffen, und ihn gebeten oder aufgefordert oder beides, von seinem Amt zurückzutreten. Und seinen Schwiegersohn, den jetzigen Finanzminister der Türkei, gleich mit zu nehmen.
Tufan Erhürman, derzeitiger Premierminister im Norden Zyperns, ist der Ansicht unter anderem, dass sich eine „gefährliche Diskrepanz“ zukünftig zwischen jenen Kindern und Jugendlichen ergibt im Norden Zyperns, die eine Privatschule oder eine öffentliche Schule besuchen. Denn sie würden längst keine gleichwertige Sozialisierung erfahren. Erhürman meinte noch: 100.000 Studenten studieren im Norden. Das ist ein Drittel unserer Bevölkerung. Die Zahl der Universitäten im Norden Zyperns hat stark zugenommen. Daher bedürfe es nun einer „geplanteren Struktur“, und zwar in allen Bereichen, doch vor allem dem der Bildung. Die Universitäten überziehen inzwischen den gesamten Norden. 19 davon operieren im Land, wovon 16 vom Staat anerkannt sind. Beispielsweise wird die Amerikanische Universität von Girne (GAU) voraussichtlich im Jahr 2020 auch in der Region Karpaz, im äußersten Südwesten Nordzyperns, ihre Pforten für Studierende öffnen.
Das ist in etwa so wichtig für den Norden wie die Tatsache, dass viele Türkischzyprer im Süden arbeiten gehen, beziehungsweise einen Pass der Republik Zypern im Süden in der Tasche haben. 5.233 Antragsteller gab es in den letzten 5 Monaten alleine. Und zwar ist hier lediglich die Rede von Kindern aus sogenannt gemischt türkisch-türkischzyprischen Ehen. Letzteres lassen uns die Gewerkschaften für Lehrer des Nordens (KTOS sowie KTOEOS) wissen.
Diese Gewerkschaften hatten am 12. 02. 18 eine Kampagne gestartet, die sich des zuvor erwähnten Themas widmet, und zwar dergestalt, dass der genannte Personenkreis aus gemischten Ehen möglichst einen Pass aus dem Süden erhält. Die Republik Zypern sträubt sich allerdings recht heftig dagegen, wenn ein Elternteil „Festlandtürke“ ist. Bislang werden die meisten Anträge negativ beschieden. Die genannten Gewerkschaften dürften mit diesem Anliegen schon bald beim Europäischen Menschenrechtsgericht vorstellig werden. Jedenfalls ist die Rede davon, dass dieser Weg beschritten wird, wenn Nikosia-Süd nicht bald eine andere Gangart einlegt, ist zu hören.
Die Anträge für einen südzyprischen Pass gehen bei einer der oben genannten Gewerkschaften ein, die diese dann in den Süden an entsprechende Stellen innerhalb des Regierungsapparates weiterleitet. Denn behördlicher Kontakt von Süden nach Norden wird im Allgemeinen nicht gepflegt, da der Süden den Norden als Ansprechpartner (eigentlich) nicht akzeptiert. Und daher müssen ja auch andauernd sogenannte Vermittler der UN und andere herum sein auf Zypern.
Jedenfalls traf Herr Şener Elcil, Generalsekretär der KTOS, den Innenminister des Südens, Konstantinos Patridis, am 03. August in dieser Angelegenheit – mal wieder. Interessant ist, zu erfahren, dass die Bearbeitung eines solchen Antrages in zyprischen Behörden in der Regel 1 bis 2 Jahre dauert. Und sollte diese Sache vor das Europäische Menschengericht dereinst kommen, so ist nochmals mit einer Wartezeit zu rechnen, die sich den Angaben zufolge auf 2 bis 3 Jahre belaufen dürfte.
Ein weiterer Streitpunkt auf Zypern, und es gibt derer viele, ist, dass als unfair angesehen wird vonseiten nordzyprischer Politiker, wie es beispielsweise Herr Zorlu Tore von der Partei „Demokratische Sicht“ ist – er ist Vize-Präsident der Nationalversammlung im Norden -, dass die von der Türkei ins Leben gerufene Kommission für Grund- und Bodeneigentum (IPC) an Griechischzyprer eingeforderten Eigentum zurückgibt. Solch Gesetz, findet er, gehöre schleunigst geändert. „Wenn Griechischzyprer türkischzyprisches Eigentum im Süden enteignen und Grund und Boden für sich behalten, der noch nicht mal enteignet wurde vonseiten der dortigen Verwaltung, ist es falsch, dass Türkischzyprer Eigentum an Griechischzyprer zurückgeben. Diese Praxis muss aufhören. Sie stigmatisiert die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) als schuldige Okkupanten“, die sie ja nicht ist oder sein soll.

Vorerst zuletzt: Am 05. 07. 18 hat das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die besagt, dass die Republik Zypern (der Süden) vonseiten der Türkei anzuerkennen sei, weil es ansonsten zukünftig Schwierigkeiten für türkische Staatsbürger geben könnte, ein Visa in eines der EU-Länder zu erhalten. Dieser Entscheid beziehe sich auch auf zukünftigen Datenaustausch mit Ankara (Europol), der dann eventuell zum Erliegen kommen könnte.

 

Part 3 folgt demnächst!

Was denn wohl in Nordzypern, der Türkischen Republik Nordzypern, geschieht?

Wahrhaft.

Diese Frage Ihrerseits ist inzwischen wirklich berechtigt.

Man hört und liest meist nur etwas, wenn überhaupt, aus dem Süden der Insel, jenem Teil der Insel, der zur Europäischen Union gehört – und dabei hat der türkischsprachige Norden eigentlich einiges zu bieten. Manche nehmen die Entwicklungen dort sogar als Art Gratmesser oder Indikator dessen, was in der Türkei hinter den Kulissen vorgehen könnte.

Fangen wir also an, und zwar einigermaßen bemüht, chronologisch vorzugehen – ab Juni 2018, und, wie könnte es anders sein, längst wird nicht alles, was sich ereignete und ereignet abgedeckt werden. Man muss sich eben entscheiden im Leben!

Griechisch-zyprische Beamte versuchen anscheinend noch immer, zu unterbinden, dass ihre Landsleute, wo könnte es anders sein, im türkisch-sprachigen Norden der Insel billigen Treibstoff tanken gehen. Und dazu werden recht häufig strikte Kontrollen an den Übergängen durchgeführt, die ja nach offizieller Lesart keine Grenze sein soll. Unser Tipp: Keine mit Treibstoff gefüllten Kanister im Kofferraum aufbewahren. Sie könnten konfisziert werden. Doch auch, war zu lesen, ganz normale Tanks, die womöglich bis oben hin gefüllt sind mit Sprit, können einen in Schwierigkeiten oder Erklärungsnöte bringen an den Übergängen, die, wie gesagt, keine Grenzen sein sollen.

All das, Sie ahnen es schon, kommt einem wie ein schlechter Witz vor: die Kontrollen, wie auch das offizielle Gebrabbel der Grenzer, wenn man sie danach fragt, von der Nicht-Grenze.
Immerhin: Solch intensivierte Maßnahmen zeigen dem interessierten Betrachter so in etwa an, wie die süd-zyprische Administration zu ticken scheint: die Großen laufen lassen und die Kleinen schikanieren, wenn es dem „Vaterland“ vorgeblich dienlich zu sein verspricht. „Schmierenkomödie“ sagen da wohl manche unter Ihnen kurz und bündig dazu.

Warum hier gleich das Wort Schikane bemüht wird, wird sich Ihnen hoffentlich noch im Verlauf dieses in Teile aufgeteilten Beitrages etwas besser erschließen. Noch das dazu: Jene, die im großen Stil Geld abziehen, wie im deutschen Slang gesagt wird, haben es ja eigentlich wegen ihres hohen ‚Einkommens‘ nicht nötig, rüber in den Norden zu fahren, um zu tanken usw. – ins Feindesland.

Sie, verehrte Leser, erkennen bereits eine gewisse, wie soll man es nennen, Widersprüchlichkeit, die vordringlich Südzyprer umgibt oder durchdrungen hat, die der feindlichen Wahrnehmung des anderen Inselteils wegen, noch nie oder vielleicht nur ein Mal dort DRÜBEN waren, physisch. Mit dem Kopf indes scheinen viele von ihnen jeden Tag in der vergangenen Pracht zu leben, die ihnen im Norden „geraubt“ worden ist, sein soll, als die Insel noch eine einzige Einheit darstellte politisch etc.

Der Vize-Premier des Nordens, Herr Kudret Özersay, findet die oben erwähnte süd-zyprische Kontroll-Maßnahme fehl am Platz, da so etwas die vereinbarten und teils auch aufgenommenen vertrauensbildenden Maßnahmen der beiden Inselteile behindere. Die Kontrolle ziele wohl darauf ab, so Özersay, den türkischsprachigen Norden zu schädigen. Und dass der Treibstoff aus dem Norden gewissen Standards nicht entspreche, die im Süden gelten würden, diese Begründung sieht Özersay gewiss als eine Art schlechten Witz an – er drückt es nur anders aus. Denn er fragt: Und was ist mit all jenen Türkischzyprern, die seit Jahren täglich und zu Tausenden mit ihren Autos aus dem Norden in den Süden fahren, um dort ihren Unterhalt zu verdienen? Ist der Treibstoff dieser Autos etwa nur deshalb reiner oder besser? Bei der Gelegenheit und in Fahrt geraten erinnert Özersay auch gleich daran, dass das alles einer recht offensichtlichen Agenda folgt; so auch dies, als Bussen, die aus dem Norden rüber nach Larnaka an den Flughafen kamen, um Touristen abzuholen, plötzlich untersagt wurde, das zu tun, und zwar mit seltsamer, ähnlich lautender Begründung.

Nur ‚gut‘, wollen wir hier mal kurz einwerfen, dass Taxifahrer aus dem Norden unmittelbar vor Larnaka gelegen – dort in etwa, wo vor kurzem noch Carrefour existierte und der jetzige „Skalvinitis“ in Meneo sich befindet -, einen Platz sich schufen oder fanden, von wo aus sie sozusagen auf die Minute genau an das Terminal heranfahren können, um ihre menschliche Fracht abzuholen am Flughafen. Es war wohl zu oft zu Handgemenge und anderen unschönen Szenen unter den Süd- und Nord-Taxifahrern im Flughafengebäude und vor allem dort, wo Taxis normalerweise auf ihre Kundschaft vor dem Flughafen warten, gekommen. Und solch optisch-akustischen Eindruck will ja bei den lieben, unvorbereiteten Gästen nun wirklich nicht bleibend hinterlassen werden!
Sie sehen anhand dem Gesagten allerdings auch, Kompromisse sind möglich, aber offensichtlich eben nach dem Strickmuster: zuerst Wir und dann Die. Und auf Letzteres sich nochmals einzulassen, dazu haben die Türkischzyprer nun wirklich kein Verlangen mehr.
Und eigentlich geht es bei den andauernd scheiternden Verhandlungen zwischen Norden und Süden genau um diese Dominanzfrage: Wer ist zyprischer? Und wer hat daher mehr Vorrecht? Hört sich recht langweilig an, stimmt‘s? Aber so oder ähnlich ist dem nun mal auf Afrodites Insel – jeder möchte sie zuerst und für sich haben; und keiner der beteiligten Streithähne fragt, ob die Gute nicht vielleicht doch eher mit den Engländern oder gar Russen, Chinesen oder US-Amerikanern ins südöstliche Gemach sich zurückziehen mag. Wir glauben hier nicht, verzeihen Sie, dass Afrodite nun ausgerechnet mit der potenzgestörten EU solch Rückzug favorisiert. Türkische Penetration scheint ihr jedenfalls seit 52 Jahren teils gut zu bekommen; und Araber, die sind doch eh vielleicht schon zur Genüge auf ihr und eh in der Nähe angesiedelt.

Des Weiteren: Auch scheinen es die mehrheitlich griechisch-sprachigen Südzyprer zu sein, die so etwas wie ein „interoperables“ Mobilfunknetz zwischen Norden und Süden ausbremsen sollen, oder dass es zu einer Lösung der so genannten Zypernfrage kommt oder, oder, oder! Nicht wenige Analysten sind sich in folgender Ansicht einig: die Republik Zypern, also der Süden, zeigt auf Grund ihres politischen, ökonomischen etc. Bewegungsprofils eindeutig an, dass ihre Regierenden sich für die Option ‚aushungern‘ des Nordens entschlossen haben könnten. Weil man schiebt jeden wirklich relevanten Entscheid, der die beiden Inselteile sich annähern ließe, manchmal geschickt, meistens recht plump, auf die sprichwörtlich lange Bank. Wir erinnern: Die einstige BRD hatte so in etwa eine ähnliche Strategie im Umgang mit der DDR zu laufen. Nur: Jetzt, wo Präsident Erdoğan sich Machtbefugnisse aneignete, die ihn eigentlich schalten und walten lassen, wie es dem Herrn und seiner Entourage gefällt, sind die Würfel, sozusagen, neu gefallen. Und es ist – eigentlich wie immer – gerade daher nicht absehbar, was aus der Insel in näherer oder etwas entfernterer Zukunft wird. Letzteres muss leider so vage formuliert stehen bleiben, da vor dem Hintergrund der Aussicht, dass die Türkei womöglich wirklich schon bald konkretere Schritte unternimmt, sich den BRIC-Staaten anzuschließen, solch Schwergewichte wie beispielsweise China darauf drängen könnten, zukünftig am Katzentisch zu oder über Zypern mit zu sitzen, mitentscheiden zu wollen. Sie sind schließlich die Größten inzwischen, und werden wohl so in etwa jene imperialen Politiken fortführen, die der sogenannte Westen für Jahrhunderte der Welt oktroyierte. Sind doch auch nur Menschen.

Also: Überraschungen der ganz besonderen Art könnten anstehen auf Zypern.

 

Indes: Özersay nerven, Sie dachten es sich wahrscheinlich schon, noch einige mehr Dinge. Dass der Süden andauernd das Mandat der UNFICYP verlängert (bekommt). Weil Erstere maßen sich daraufhin an, einen gewissen Status Quo ableiten zu dürfen, den aber keiner im Grunde will, der aber herrsche und ein Schutzbedürfnis widerspiegle, welches so ebenfalls nicht mehr gegeben sei. Kurz, dieser Status Quo bringe die Republik Zypern einfach in eine privilegiertere Position gegenüber der Türkischen Republik Nordzypern. An dieser Beobachtung des Vize-Premiers aus dem Norden ist durchaus was dran.

Was des Weiteren wohl nicht nur Özersay gehörig auf die Nerven geht, ist die Sprache bezüglich des Nordens, die offiziell und in den Medien im Süden Verwendung findet, wenn noch immer von beispielsweise „illegaler TV-Station Bayrak“ die Rede ist oder vom „selbst so ernannten“ Premierminister des Nordens etc. Ein Glossar wurde nämlich vor noch nicht allzu langer Zeit herausgebracht von einer ‚unabhängigen‘ Stelle, welches von den Medien beider Seiten zur Anwendung kommen soll/te. Doch der Süden sträubt sich, offenbar dieses Glossarium anzuwenden – und andererseits gibt man vor, sich wiedervereinigen zu wollen etc.

Ihnen, als eventuell regelmäßiger Leser dieser Internet-Zeitung, ist gewiss bereits aufgefallen, dass hier manches Mal ‚gestöhnt‘ wird, wenn die Zyprer auf Wiedervereinigung machen, und wenn sie sich in New York oder sonst wo im Westen, gern in der Schweiz, treffen, worauf hier dann unverblümt und wohl auch etwas gefrustet von „Shoppingtour“ geschrieben wird, die die Herren und Damen Verhandelnden sich in den teuersten Städten der Welt verschrieben haben als Kur – darunter geht nicht, man ist ja schließlich wer, genauer: der Nabel der Welt!

Part 2 folgt schon demnächst!

Hisuf

Syrien als Thema hin und wieder aufzugreifen, kann bei einem Nachrichtenportal, welches das südöstliche Mittelmeer nach News vorrangig abklopft, beziehungsweise von dort vorwiegend verbreitet, wohl noch erwartet werden.

Es ist dies allerdings eine sehr komplexe Thematik, die Syrienfrage. Und in etwa so, wie es in der ersten Ausgabe dieser Reihe zu Syrien geschehen ist hier auf Zypernundmehr-News, wird nun auch wieder vorgegangen – nicht stringent nach Datum der Geschehnisse. Es wird in Form einer Übersicht berichtet. Lesern, die Syrien-Themen bei ihrer täglichen Zeitungslektüre ansonsten überblättern, eine Gelegenheit geben, sich mal wieder auf diese Angelegenheit lesend einzulassen – sich nicht mit Verdautem dazu aus Tagesschau und Co. zufriedengeben. Somit wird einem Stratoskop gleich thematisch ausgesucht und Einblick gewährt. Zufall, das Kismet, und wie sie alle noch heißen, spielen also mit!
Wie zu erfahren war, ist das Kismet vielen im Syrien Kämpfenden auch 2018 eine wirklich reale Größe.

Juli 2018

Einen Tag nach seinem Wahlsieg kündigte Erdogan an, wie hier erwartet worden war, noch entschiedener in Syrien Terrorismus bekämpfen zu wollen – was und wer auch immer genauer mit “Terrorismus” gemeint ist. Wir wüssten gern auch genauer, wie entschieden “entschiedener” aussieht. Diese Art Gesamtpaket wird sich wohl noch entpacken.
Jedenfalls marschierten türkische Truppen eben genau nach Teilen von Nordsyrien und verstärkt aus eben genanntem Grund. Eine möglichst breite Zone soll dort in der Gegend ‚endlich‘ erschaffen werden, sodass viele, vielleicht sogar die meisten der rund 4 Millionen Syrer und Syrerinnen, die in der Türkei temporär untergekommen sind, wieder zurück nach Syrien können – auch wenn jener Teil Syriens dann längst noch nicht die angestammte Heimat vieler unter ihnen ist. Denn auf jenem, letzteren heimatlichen Boden hat sich eventuell die syrische Regierung selbst bereits breit gemacht, und die verfolgt wahrscheinlich andere Bebauungs- und/oder Nutzungspläne als die vorherigen Besitzer.

Wie in dieser Syrien-Reihe hier auf Zypernundmehr-News bereits berichtet wurde, kontrolliert die Türkei – eher recht als schlecht – inzwischen so in etwa das gesamte Gebiet zwischen dem Euphrat und der so genannten Westgrenze in Nordsyrien.
Im Süden Syriens bei der Stadt Daraa sind andere Kräfte als die türkischen am Werk – da reden wir besser von einer gewissen, kritischen Nähe zur Grenze nach Israel. Dieselbe vermittelt sich manch Nicht-Juden in etwa, wird hier angenommen, wie wahrscheinlich das Annähern einer solchen Person an die Klagemauer in Jerusalem, was jenem Personenkreis verboten sein dürfte, genauer: zu nah sich dorthin zu begeben, auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Ort ist jene Grenznähe also, von dem man seiner besonderen Befindlichkeit wegen besser Abstand nimmt, wenn man nicht in Schwierigkeiten geraten will.
Nun, dort in Daraa wurden Flugblätter abgeworfen, die von einem Einmarsch in diese Region kündeten – wohl gemerkt, gemeint war ein Einmarsch von Teilen der Assadtruppen. Ihr Auftrag: ”Terroristen wegräumen!”
Hisuf (hebräisch)!
Rauswerfen zu sagen oder zu schreiben, dürfte als Übersetzung dieses Hisuf-Terminus Technicus durchaus etwas zu harmlos daherkommen. Abknallen trifft es zwar schon, doch es fehlt irgendwie die Versachlichung des Gegenstands beim Abknallen.

Mal sehen, was sein wird, wenn jene Gegend im Süden Syriens etwas befriedeter ist und friedlichere Zeiten eingebrochen sind – nein, nicht angebrochen, sondern eingebrochen -: wie viele Massengräber DANN in oder bei Daraa freigelegt werden; ausgehoben, nur weil die Erdoberfläche dort mit der Zeit so komisch einbrach usw.

Ja, und in diesem Kontext kommt man thematisch relativ leicht in einer Ortschaft namens Raqqa an, wo Massengräber recht oft freigelegt werden, wahrscheinlich auch, um der Sonne ihren Glanz streitig zu machen: Kinder, Frauen, Männer liegen da wie in einer Marionettenkiste drin. Es sind meistens Kurden, viele von ihnen sehen verwunderlicher Weise gar nicht wie Söldner aus. Sie sind wohl so etwas wie (zivile) Weggeräumt/e.

Warum dieses Detail hier überhaupt angefügt ist? Weil – jetzt kommt es – nicht wenige Analysten und Kriegsbeobachter am Horizont schon gewisse Umrisse eines kriegerischen – darunter geht es leider nicht – kurdisch-arabischen Showdowns aufflammen sehen.

Bekanntlich hatte das Assadregime schon immer gewisse Probleme, seine Macht in den etwas abgelegeneren Provinzen des einstigen Syriens zu behaupten. Rund 6,5 Millionen Syrer leben derzeit allein in den Nachbarländern Syriens, versteht sich, Israel ausgenommen. Letzteres soll nicht mal einen Einzigen aus humanitären Gründen aufgenommen haben. Noch Anfang Juli 2018 ließ der jordanische Ministerpräsident Omar Razzak wissen, dass nun auch Jordanien die Grenze für Syrer nicht mehr öffnen werde – komme, was wolle! Freie Kapazitäten seien längst nicht mehr gegeben im Königreich. Punkt!
Doof auch, dass syrischen Flüchtlingen zu jenem Zeitpunkt noch kein OK gegeben werden konnte, um aus dem Libanon in Richtung Syrien sich (zurück) zu bewegen. Das Assadregime lehnte das nämlich ab!

Wie bereits gesagt: Dieses eben genannte Regime hat meist andere Pläne mit dem verlassenen Besitz Flüchtiger Syrer außerhalb Syriens. Und auch wenn die syrische Regierung inzwischen in den Medien verkünden lässt, jeder könne zurückkommen, das Land sei befreit, ist Vorsicht geboten. All jenen, die sich einst für die syrische Opposition und andere Assadgegner verwendeten, diese Warnung: Aber ihr seid mit diesem Heimkehraufruf natürlich nicht gemeint!
Omar Madaniah twitterte: Über die Rückkehr von Syrern aus dem Libanon reden, ist schön und gut, aber zuvor müssen die libanesischen Hizbollah-Krieger in Syrien mal das Feld räumen!
Diametral zu eben Gesagtem gibt vielleicht auch folgendes mehr Aufschluss darüber, wie diese ‘syrische Akzeptanz-Sache von Menschen‘ so in etwa geht, also: Der ehemalige Chefunterhändler der syrischen Opposition, Muhammad Sabra, schrieb auf seinem Twitter-Account, es gebe eine Liste mit den Namen von Mitgliedern des Verhandlungskomitees für eine syrische Verfassung. Sie erinnern, dass eine Verfassung ausgearbeitet werden soll? Herr Sabra des Weiteren: Sein Name stünde da komischerweise auch auf der Liste. Doch er sehe eine Beteiligung an diesen Verhandlungen als „Verrat an der Revolution” an. Das Verfassungskomitee würde nämlich verräterische Zugeständnisse ans Regime machen, meint Sabra. Unser Fazit: Einmal werden Flüchtlinge zurückgerufen, doch nur jene, die regimetreu sind und waren; und diametral dazu versucht das Regime unliebsame Geister auf gerissene Art und Weise einzufangen, siehe Sabra. Und in beiden Fällen wird ausgefiltert, eben eine typisch Assad-syrische Akzeptanz-Sache.

Apropos Zugeständnisse:

An der syrischen Mittelmeerküste, genauer in Chmeimim auf der russischen Militärbasis, wurde exakt am 07. 07. 2018 die De-Eskalationsvereinbarung Südsyriens zu Grabe getragen. Der türkische Außenminister Çavuşoğlu appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Russen und der US-Amis. Sie waren ja die beiden Mächte, die diese de-eskalierende Vereinbarung eingegangen waren. Zwischenzeitlich dies: Vor dem Hintergrund der Offensive im Süden Syriens, die vonseiten der Assadleute durchgeführt wird, macht sich unter Türken hörbar die Meinung breit: das Assadregime gehört gestoppt. Es handle sich um “unmenschliche Angriffe!”

Eine Waffenruhe ist ja bekanntlich in Hamburg vereinbart worden – Trump war sogar persönlich anwesend. Und das hört man nun darüber: Nicht wenigen Betroffenen kam die verordnete Waffenruhe eher als Täuschungsmanöver vor. Denn Assad habe in jenem Zeitraum Artillerie und schwere Luftangriffe vorbereiten lassen. An der Bodenoffensive, die sich daraus im Lauf der Zeit entwickelte, hat sich auch der Iran beteiligt. Ergebnis: Massenflucht. Fassbomben. Boden-Boden-Raketen. Tote. Drei Krankenhäuser wurden im Süden des Landes zu Ruinen geschossen, jenes in Saida, al Mseifra und al Dschisa.

Smart News berichtet, während Assad im Süden zuschlagen lässt, sollen Assadtruppen 4 ausländische Ärzte der internationalen humanitären Organisation “Ärzte ohne Grenzen” nahe der Stadt Qamischli im Nordosten des Landes verhaftet haben.
Anscheinend greifen die USA dagegen nicht ein. Sie wollen sich ihren Draht zu Russland halten, wird in der libanesischen an Nahar Zeitung vermutet. Der US-amerikanische Sicherheitsberater John Bolton vermeldete, anstatt sich darüber zu beschweren, was Assads Truppen alles treiben, in Moskau mit russischen Entscheidungsträgern die Sicherheitslage im Süden Syriens besprechen zu wollen, so auch ein Ende der Gewalt.

Liest sich doch gut. Immer ‘schön’ reden vom “Ende”, während andernorts die Fetzen fliegen – und mehr.

Ein weiteres, sagen wir sonderbares, gewiss nicht allein in Syrien so oder ähnlich aufkommendes Ende, sollen nach Angaben der SANA, dem offiziellen Presse-Sprachrohr Assads, Medikamente israelischer Herkunft zur Behandlung von Bluthochdruck genommen haben. Weil die Empfänger sollten, offiziell, Syrer sein, die in Quneitra leben, welches eigentlich schon fast in Israel gelegen ist?
Diese lieben Leute aus Quneitra haben – gewollt oder ungewollt, man weiß es in kriegerischen Zeiten wahrscheinlich nie so genau – ihre Medikamente anscheinend nach Ost-Daraa verkauft. Hier ist gut zu wissen, dass Leute, die aus Daraa stammen, keine Art direkte Unterstützungen aus Israel zu erwarten haben in der Regel.

Ziemlich sicher ist jedoch, dass einige Dutzend Häftlinge, die im Roumieh-Gefängnis irgendwo im Libanon einsitzen, an dem Verkauf von diesen Medikamenten nicht beteiligt waren. Die müssen noch Schlimmeres getan haben als Medikamente auf dem Schwarzmarkt zu verhökern. Das libanesische Militärgericht verhängte nämlich Todesstrafen und lebenslange Haft für diesen Personenkreis. Auch an einige Jugendlichen erging solch hartes Urteil, die noch unter 15 Jahren sein sollen: Mashour al Waer, Abdul Rahman al Waer, Abdullah Zakaria und Sultan Harbasch.
Die meisten der Verurteilten seien zwar Regimegegner, aber keine Terroristen, wird beteuert. Sie wurden im Arsal-Flüchtlingslager bereits 2013/14 verhaftet.
Ganz gewiss haben diese Gefangenen ebenfalls nicht ein 53m hohes Abbild des PKK-Führers Öcalan in der Stadt Afrin abgemacht. Sultan Murad Rebellen waren es nämlich, die das große Poster unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans dort abgenommen haben.

Wundert Sie jetzt etwa zu erfahren, verehrte Leser, dass ausgerechnet eine spanische Firma – trotz der EU-Sanktionen, die gegen Assad & Co verhängt wurden – geneigt sein soll, eine Photovoltaikanlage in Syrien aufzubauen – womöglich, damit ENDLICH wieder rund um die Uhr mit Elektro-’Toys’ gefoltert werden kann?

Das Foltern ist vielleicht die finsterste Seite Syriens, und war schon allein daher vielen Syrern den leider inzwischen recht versauten „Syrischen Frühling“ wert. Folter scheint in Syrien und anderenorts als legales Mittel ‚demokratischer’ Machtausübung verstanden zu werden – seit Jahrzehnten bereits.

Und so haben wir eigentlich nur noch an solch Message, wie die in der Etilaf.org zu glauben, wo in etwa geschrieben steht: Ministerpräsident der syrischen Interimsregierung, Herr Jawad Abu Hatab, sagte in Istanbul beim Treffen mit Vertretern der “Freunde Syriens”, dass die Interimsregierung schon seit zwei Jahren in befreiten Gebieten arbeite. Top-Priorität habe Stabilität zu erlangen sowie einen politischen Prozess innerhalb der Bevölkerung loszutreten, auch Dienstleistungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Lokalräte anzubieten. Konzentriert wird auf 7 wichtige Bereiche dabei, nämlich: Polizei, Justiz, Gesetzgebung, Freie Syrische Armee, zivile Gefängnisse, Behörde für Statistik, Ausweitung von Berufs- und Hochschulausbildung sowie Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen (Wiederaufbau, Sanierung, Verkehrsnetze).
Und: Erstmals wurde eine Frau, Imam Haschem, zur Vorsitzenden des Lokalrats von Aleppo gewählt.
Alles gut und schön, mögen auch Sie hier angekommen im Text denken, nur: Es gehen noch recht viele Sprengsätze in die Luft – landauf, landab. Auch Teile der türkischen Truppen scheinen ein beliebtes Ziel geworden zu sein. Auch wenn die türkische Propaganda von befreiten Syrern berichtet, von denen einige auch willfährig in die Kameras sagen, dass sie sehr dankbar seien, dass die Türkei aushilft. Es ist dennoch gewiss keine Freude, als junger türkischer Soldat an einem der inzwischen installierten Militärposten im Norden Syriens seinen Dienst abzureißen. Es soll genau 12 davon geben. Denn, wie schreibt Julian Röpcke von der Bild-Journal: „Nachdem die USA die moderaten syrischen Rebellen, die sich auf die Garantie ihrer Sicherheit (durch Trump persönlich) verließen, verraten haben, dringen Assad-Truppen, unterstützt von iranischen Milizen & russischer Luftwaffe, schnell vor.”

Außerdem sei mal all jenen gesagt, die glauben oder verbreiten, die USA wollten das Assad-Regime stürzen, dass das wohl ein Märchen des Westens bleibt. Denn die Rebellengruppen erhalten seit Jahren Munition und Waffen plus finanzielle Unterstützung aus Washington, wie uns allen ja bekannt ist. Aber vielleicht ist schon in Vergessenheit geraten, dass all das Geld und Waffen von Uncle Sam unter der Voraussetzung gewährt werden, damit nur Islamisten zu bekämpfen, aber nicht Assad oder seine Verbündeten.

Und auch wenn die Syrer teils gedeckt durch Israel im Süden und andernorts in Syrien Erfolge verbuchen beim Zurückgewinn von einst durch die Freie Armee eroberten Gebiete, so sollte das – ganz dringender Appell an Damaskus – nach Einschätzung der einen oder des anderen Experten/in nicht so verstanden werden, dass Israel nun gleich so eine Art Schutzmacht Syriens ist.
Interessenlagen sind eben veränderlich. Und der gewährte Schutz von gestern, kann schon der heutige Grund für Streitigkeiten sein usw. Soll heißen: Israel hat andere Prioritäten und eigene Interessen. Wem es noch nicht aufgefallen ist, der besehe sich beispielsweise, wie Israel einst Verbündete im Libanon oder in den autonomen Gebieten der Kurden im Irak zur Unzeit, sozusagen, hängen ließ.
Es ist also absehbar, dass auch im Süden, an der syrischen Grenze zu Israel, demnächst ein gehörig anderer Wind zu blasen beginnt – nämlich dem die Einverleibung des Golans voraus- sowie auch nachgeht, und eventuell darüber hinaus noch irgendwo anders in der Region hin weht; oder halt doch lediglich dort vor Angst starr nach oben gestelltes Nackenhaar einer weiteren armen Seele trocknend bläst. Man weiß es eben nie.

Doch gewisse Pläne scheinen geschmiedet. Daran gibt es wenig Zweifel. In diesem Zusammenhang trifft es sich offensichtlich gut, den US-Präsidenten so weit instruiert zu wissen, dass sogar dessen Umfeld ausgerechnet den Iran als größte Gefahr für einen Frieden in Nah-Mittelost ausgemacht haben will. Am 01. August 2018 wird davon berichtet, Trump habe die Absicht, auch Herrn Rohani, den iranischen Ministerpräsidenten, treffen zu wollen, und zwar unter 4 Augen. Bei diesen recht schrägen 4-Augen-Treffen des Herrn Trump mag man doch wirklich mal Mäuschen spielen. Wenn Trump sich unbeobachtet wähnt, was der wohl alles von sich gibt und wie? Bitte, bitte, lasst uns eure Aufzeichnungen schon bald sehen. Bekanntlich hatte er ja solch abgeschirmte Gespräche mit dem “Raketenmann” und dem KGBler schon gehabt, die doch gewiss, so dumm kann sonst niemand mehr sein, das 4-Augen-Treffen mit Trump aufzeichneten!?

Doch was bedeutet es heutzutage noch, wenn Trump jemanden als Dies oder Das bezeichnet? Assad wurde von den US-Amerikanern schon als “Reformer”, “lebender Toter” erkannt – so auch als “sehr erfolgreich” (Mike Pompeo). Immerhin, es könnte durchaus sein, dass die Franzosen es noch draufhaben, einiges auf die Reihe zu kriegen in Syrien, wenn die Vereinigten Staaten mal wieder patzen. Die Berufung des ehemaligen französischen Botschafters von Teheran nach Damaskus ist ja kein schlechter Griff. François Sénémaud, den hat Emmanuel Macron wohl auch zu diesem Zwecke extra zum “Syrien-Vertreter” benannt. Wir reden hier, aber wirklich nur wir hier auf Zypernundmehr-News, von einer Art Eröffnung der französischen Botschaft in Damaskus durch die Hintertür. Sie können das allerdings auch anders bewerten.
Jedenfalls nimmt sich Papa Frankreich den Sohnemann Syrien nochmals näher an die Brust heran. Und dies wird vermeldet, obgleich nicht davon ausgegangen wird, dass Papa Emmanuel etwas gegen die in Idlib kursierende Unzucht machen wird können. Ja, Gesetzlosigkeit, Sittenverfall und dergleichen mehr schrecken die Bewohner dieser Stadt recht häufig auf. Die senden hoch sittlich Hilfezeichen aus. Ob diese Angaben allerdings zutreffen, steht, wie man sagt, auf einem anderen Stück Papier geschrieben.
Und dann an wen, werden solch Hilferufe wohl gesendet in einem Land wie Syrien, an Assad? Der soll doch eh so in etwa zur gleichen Zeit damit beschäftigt gewesen sein, eine Kirche in Sama/Provinz Daraa bombardieren zu lassen. Der christlichen Gemeinde in Kharaba ging es ähnlich, denn an die 10 Bomben fielen denen dort auf den Kopf. Und letzteres Bombardement veranlasste jenes Regime, welches in seiner Propaganda nicht müde wird, sich als Freund von Minderheiten (im Land) zu zelebrieren. “Was immer ihr es auch bezeichnen wollt, Evakuierung, Versöhnung, Verhandlung, es macht sowieso keinen Unterschied. Das Regime und Russland wollen nicht verhandeln, denn sobald es zu einem Abkommen kommt, werden gleich am darauffolgenden Tag Menschen verhaftet. Wir haben das bereits in Homs, Aleppo und Damaskus gesehen und Daraa wird es nicht anders gehen (@ruslantrad).”

Wenn man es sich so richtig überlegt, sind derartige Darstellungen des Regimes eh für Ahmet, Petros, Aischa oder Eva schlecht nachvollziehbar, zumal jedem Syrer bekannt sein dürfte, dass Kurden in Syrien noch nicht mal einen Pass ausgestellt bekamen – die existierten auf Papier nahezu nicht. Und das heißt also auch: dass die Christen Syriens sich offenbar vor der verfehlten Revolution genug in Sicherheit wähnten, und ihr Ding abzogen, also ihr angepasstes Leben lebten, sich aber wenig bis eventuell überhaupt nicht für solche Belange, wie die der Kurden, einsetzten – für ihre Mitbürger. Sie haben wahrscheinlich auch im Vertrauen auf Europa, die USA und wo noch überall Christen leben, gedacht oder angenommen, ihre gesellschaftliche Stellung in Syrien sei auf Grund ihres Christseins mindestens so unangreifbar wie die Stellung Israels im Nahen Osten. Ein etwas fataler Gleichschluss!?

Wahrscheinlich schon, wenn zudem bedacht wird, dass Assad irgendwelche gestrandeten Islamisten ausgerechnet nach Sweida entkommen ließ. Und dort leben bekanntlich viele Drusen. Und Drusen sind irgendwo Muslime und irgendwo gewiss auch Christen, Zoroaster oder Juden, doch vor allem haben sie sich offen und hörbar gegen verordnete Politiken aus dem Haus Assad gestellt. Und tausende sunnitische Flüchtlinge, die wegen der verfehlten Revolution auf Flucht sind, haben die Drusen von Sweida aufgenommen, um deren Not zu lindern. Auch das wurde mit dem Einschleusen von Islamisten in die drusische Gesellschaft bestraft seitens Assad. Die islamistische Saat ging schon fast wie versprochen auf und verursachte den Schaden, den sie wohl verursachen sollte. Dennoch scheinen sich die Drusen von Sweida dieser Gefahr erfolgreich gestellt zu haben. Eine Zeitlang bammelten leblos Menschenkörper an Stricken vor dem dortigen Nationalkrankenhaus. IS-Kämpfer hatte offenbar nachweislich einen Anschlag auf ausgerechnet jenes Krankenhaus geplant, und bammelten dafür geraume Zeit in der Luft am Hals unangenehm beengend fixiert.
Unter anderem hat Walid Dschumblat sowie andere drusische religiöse Anführer dazu aufgerufen, keine geplünderte Waren von den Märkten der Stadt zu kaufen. Denn das Signal ausgeschickt aus Damaskus an die Drusen von Sweida war klar: Wir schicken euch Islamisten, und wenn es sein muss auch geklaute oder geplünderte Ware, nur damit wir zum Zeitpunkt X darauf zurückkommen können, um als Retter, Befreier oder Schützer von Eigentum euch eure Lektion zu erteilen.

Eine Art Strafaktion entließ dann auch Jan Egeland von der UN-Hilfsorganisation für Syrien in die Welt. Er meinte, die Vereinten Nationen könnten der Kämpfe in Süd-Syrien wegen keine Hilfslieferungen aus dem benachbarten Jordanien mehr bringen. Etwas später im Kalender konnte dieses Kunststück aber doch noch umgesetzt werden, also das Bringen von Hilfsgütern aus Jordanien nach Syrien. Hauptsächlich Lebensmittel und Getränke wurden geliefert, und zwar von jemand anderem als der Hilfsorganisation der UN. Vorher war aber in reichlichen Mengen Tränengas versprüht worden seitens jordanischer Grenzer, um die Hungrigen und Durstigen DRÜBEN halten zu können.
Man habe nicht die nötigen Zusicherungen erhalten, dass Konvois unbehelligt durchfahren können, meinte die UN lapidar!
Nun: es gibt da eben Gleichere unter Gleichen – oder so. Weil so ganz zu oder geschlossen ist der jordanische Grenzposten dann anscheinend doch nicht. Zumindest ist er das nicht für die Fernseh-Crew von Al-Jazeera. Denn noch bevor Assad im Süden Syriens zuschlug, konnten die die Grenze noch passieren. Andere Journalisten, die nicht so gut verknüpft sind, stecken womöglich immer noch fest vor Ort.

Sie, verehrte Leser, erinnern gewiss noch den weiter oben genannten Herrn Razzak, den jordanischen Ministerpräsidenten. Nun, er will die jordanische Grenze für Syrer nun einfach nicht mehr öffnen, erzählt er in den Medien. Sein Problem, welches offenbar kein Problem ist: Er selbst ist syrischer Abstammung. Genauer: Er ist der Sohn von Ahmad Mounif ar Razzak, einem ehemaligen Führungsmitglied der syrischen Baath Partei.
“Man kann von diesen faschistischen Baathisten auch nichts anderes erwarten,” twittert Wut entbrannt die syrische Schriftstellerin Rana Kabbani. Omar Muschaweh von der Muslimbrüderschaft twitterte: “Diejenigen, die dem Verbrecher Assad grünes Licht gegeben haben, glauben doch nicht etwa ernsthaft, dass nun Sicherheit in Syrien herrscht. Im Gegenteil. Das Chaos und Instabilität der gesamten Region werden noch prägender werden.” Muschaweh sagte in einem Interview mit Fox News auch, die Muslimbrüder seien keine terroristische Bewegung. Sie seien lediglich fundamentalistisch. Die islamistischen Terroristen hätten seiner Organisation sowie dem Islam keinen Dienst erwiesen.

Apropos Dienst: Georgien hat beiden syrischen Fluggesellschaften “Syria Arab Airlines(staatlich)” und der “Cham Wings (Rami Mahlouf)” den Überflug georgischen Luftraumes verboten. Wir berichteten, dass Damaskus vor Kurzem Abchasien und Südossetien als eigenständige Staaten anerkannt hat. Ob das Willkür ist? Und wenn nicht, ob das Folgende schon eher darunter einzustufen wäre?

Augenzeugen zufolge sollen Truppen des Assadregimes sowie iranische Milizionäre nach einem Versöhnungsabkommen in der Ortschaft Ibtaa/ Provinz Daraa sozusagen zum freudigen Anlass, Massenhinrichtungen vorgenommen haben, und zwar überwiegend von Dissidenten und Militärverweigerern. Insbesondere die Hariri-Familie soll es getroffen haben. Kann gut sein, dass das ferne Verwandte der Hariris sind, von denen einer im Libanon zeitweise regierend an der Macht war (installiert von Saudi Arabien). Gar manch verzweifeltem Libanesen war dieser Mensch, von dem gerade die Rede ist, ausgerechnet ein Lichtblick im libanesischen Dunkel, welches zuweilen tagsüber in gewissen Bezirken Beiruts umgibt – und auch andernorts im Land.

Eine Art Lichtblick steht jedenfalls aber trotzdem am Himmel. Man muss es nur sehen wollen: Eine weitere Konferenz soll im russischen Sotchi abgehalten werden, und dies geschah am 31. Juli. Die Konferenz geschieht somit vor der geplanten in Istanbul, und auch zu dieser wird die USA nicht geladen. Erdogan berief diese Konferenz recht selbstbewusst auftretend ein. Er setzt offenbar zum großen Wurf an: Sieg oder Absturz auf internationalem Terrain! Erdogan glaubt ziemlich sicher noch an sein Gewinnen. Die Chancen stehen gerade wieder gut für ihn und seine Anhänger. In Anbetracht der Tatsache, dass Berlin aus dem Staunen über Betrachtungen des eigenen, selbstangefressenen dicken Bauches nicht hinwegkommt und derzeit gerad noch so einen Blick nach Westen zu werfen im Stande ist, genauer bis nach Frankreich oder auf die britischen Inseln, Spanien ist schon nicht mehr so richtig in Sicht, hat der Sultan namens Erdogan im westlichen Anzug gekleidet mit östlichen Freunden und Träumen umgeben, seine historische Chance.
OK, lassen wir das und kehren wir zu sogenannten Fakten zurück, ja?

BBC Auslandskorrespondent Charlers Lister twittert: Jordanien verhandle derzeit mit Russland darüber, wie eine Friedenslösung im Süden von Syrien aussehen könnte. Es seien sehr schlechte politische Entscheidungen gefällt worden in letzter Zeit. Es werde immer noch an dem Traum festgehalten, dass Russland in der Lage sein wird, den Iran zum Abzug aus Syrien zu bewegen. Lister bezeichnet das als Illusion und spricht davon, dass Instabilität der Region so vorprogrammiert bleibt. Die in Israel herausgegebene Haaretz schreibt unter dessen ganz offen: Assad ist ein Partner Israels. Er war es schon immer.
Anscheinend gehen noch einige mehr Menschen von dieser Partnerschaft aus, zu meiner Verwunderung, dass Assad überhaupt Israels bester Verbündeter je gewesen ist. Und auch daher: Die Rebellen oder/und jene von der Freien Syrischen Armee, sie haben den Kampf verloren!
Siehe zum Beispiel dies: “Der oppositionelle Nachrichtensender Orient News hatte immer eine pro-israelische Haltung eingenommen. Nach der Militäroffensive des Regimes im Süden Syriens hat sich die Einstellung gegenüber Israel geändert. Der Sender berichtet nun sehr kritisch über Israel. Nachdem Israel seine Zustimmung für die Offensive des Regimes erteilt hat, fühlen sich die Unterstützer der syrischen Opposition von Israel hintergangen (@elizrael).”

Was bleibt, unter anderem: Das Assadregime schreckt nicht davor zurück, Flüchtlinge als Waffe zu benutzen, um die Nachbarstaaten und Europa unter Druck zu setzen. Bente Scheller von der Heinrich-Böll-Stiftung: “Erfolgreich [tut dies das Regime], wenn man sich anschaut, wie viele mittlerweile bereit sind, sich mit dem Diktator abzufinden” in Europa. Derweil brüstet sich die Türkei, die Offensive des Assadregimes im Süden jedoch in der Region Idlib, also in Nordsyrien, keinesfalls zuzulassen.

Betrachtet man sich all das mal etwas, befindet sich Assad eigentlich in einer doofen Lage. Falls er den iranischen Einfluss zu sehr einzuschränken gedenkt, wird er zu viel von Russland abhängig. Dann könnte Moskau seinen Rücktritt eventuell leichter fordern. Falls er den Iranern erlaubt, sich in Syrien festzusetzen, dann steuert er direkt auf eine Konfrontation mit Israel zu. Das würde seine Macht voraussichtlich zu sehr destabilisieren. Die Nachkriegszeit zu gestalten, braucht also diplomatisches Spitzen-Gefühl!

International geächtete Phosphorbomben werden noch immer hie und da auf die Zivilbevölkerung abgeworfen, kein großer diplomatischer Wurf – so auch in Bdama, Provinz Idlib wieder geschehen.
Überhaupt: Ein Angriff auf Idlib ist für September geplant. Das schreibt ein syrischer Oppositioneller namens Bassam Jaara. Er berufe sich auf russische Quellen, und beginnen wird all das dann genauer in Gisr asch Schoghour. Diesen Angriff gelte es zu verhindern, weil sonst, so Jaara, könne man die ganze Provinz Idlib vergessen.

Wer auch immer Phosphorbomben auf Menschen abwirft in Syrien. Das hinderte Assad jedenfalls nicht daran, ein weiteres Abkommen mit der YPG, den Kurden, zu treffen. Es geht drin wieder einmal um das Verteilen von Erdöl, dieses Mal jenes vom Omar Ölfeld.

Ob das wirklich interessiert?
Jedenfalls traf dennoch, oder gerade auch deswegen, eine Delegation der so genannten „Syrischen Interimsregierung“ in Berlin mit Entscheidungsträgern des Außenministeriums ein. Unter den Herren und Damen befanden sich beispielsweise Krisenpräventionsbotschafter Ekkehard Brose. Der Herr scheint nicht wirklich Nennenswertes zu erzielen, weil, es geschieht ja seit Jahren letztlich nur, was schrittweise zu einem Großisrael führen dürfte – oder soll etwa angenommen werden, dass die Deutschen genau dieses Projekt aus alter Schuld (NS und so) decken sowie aus gutem Instinkt für neu entstehende Märkte?
Der Herr Hilfskoordinator für den Nahen Osten war auch anwesend bei oben genanntem Treffen in Berlin. Auch er scheint einem besagte Agenda mit zu decken, weil nicht allein ich habe von solchen Leuten in seiner Position noch nie einen Aufschrei beispielsweise dazu vernommen, dass Israel in den letzten 10 Jahren den Palästinensern nahezu ALLE Wasserquellen abgeschöpft hat – zuweilen mit ungeheuerlichen Methoden (juristischen Winkelzügen u.a.), die an Südafrika oder ‘unser’ III. Reich von einst durchaus erinnern.
Und nicht vergessen wird hier, dass die Syrien-Koordinatorin Isabel Mancuso auch noch anwesend war in Berlin. Besprochen wurden anscheinend die Lage in den befreiten Gebieten Syriens sowie die Umsetzung und Finanzierung von Dienstleistungsprojekten.
Womit wir beim Punkt Reparationszahlungen angekommen wären. Denn genau um ein so gestricktes Werkzeug handelt es sich auch hier. Russland und seine Verbündeten bestehen nämlich darauf, dass die Europäer die Kosten für Wiederaufbau Syriens – und dergleichen mehr – stemmen. Wir dürfen also gespannt sein, ob auch nur einer von unseren politischen und wie auch immer gearteten Vertretern in gewissen Gremien, das Maul dahingehend aufmacht, zu fordern, dass dann aber auch Israel sich an den Kosten beteiligen müsse. Dies Letztere eh, zumal es doch wohl israelische und keine EU-Bomber sind, die mit aller Regelmäßigkeit auch zivile Ziele in Syrien (Libanon oder Sinai) beschießen. Auch! (Kann schon sein, dass so eine Bombe oder Bomber irgendwo in der Bundesrepublik gebaut wurden. Doch wenn ihn die Israelis von israelischem Boden auf Menschen und Dinge tödlich loslassen, haben wir wohl immer noch eine Art Schuld, aber halt nicht mehr die Hauptlast dieser Schuld zu tragen!?)

Welch Glück, müsste da eigentlich gleich geschrieben stehen, dass Südzypern diesen schusswütigen Nachbarn zum strategischen Freund auserkoren hat, oder es geschafft hat, ein solcher Nachbar Israel zu sein, sein zu dürfen. Noch werden gemeinsame Manöver durchgeführt – und je verharmlosender berichtet wird von diesen Manövern irgendwo draußen vor Limassol über/unter und auf dem Meer, desto gespitzter stellen sich, geradezu automatisch, Ohren jener, die sich fragen: Und wann wendet sich das Blatt, wann wird die große israelische Gemeinde auf Zypern, die mal Jahrhunderte lang Bestand gehabt haben soll, erinnert und entsprechende Schritte eingelegt?! Noch ist die Unterstützung Israels in und für Zypern kein Thema. Man geht in Nikosia offensichtlich davon aus, dass das eine ausgemachte Sache für den Rest unserer Tage ist. Sehen wir uns in solch Zusammenhang an, was das große Vorbild Netanjahus in den Vereinigten Staaten auf die Bretter, die die Welt bedeuten, bringt.

US-Präsident Trump, der fror nicht nur Mittel für die Unterstützung der bewaffneten Opposition Syriens letztens ein, sondern auch für die zivile Opposition. Es geht bei Letzterem vor allem um Herrn Raed Fares. Er ist der Gründer und Leiter des Radiosenders „Fresh FM“, den sich gewiss Herr Assad täglich anhört, eben weil dort Dinge berichtet werden, die Herrn Assad nicht gefallen. Er scheint ja ein Kluger zu sein, von daher liegt diese Annahme durchaus nahe, dass Assad brav zuhört.
Das Geld, welches die USA vorerst nicht mehr nach Syrien hineinstecken, darf in einer Größe von bis zu 300 Millionen US-Dollars veranschlagt werden. Das Kinderhilfswerk beeilt sich gerade in etwa in die gleiche Presche zu schlagen. Die Zahlungen der Vereinten Nationen UNICEF für syrische Lehrer und Lehrerinnen im Zaatari Flüchtlingslager werden voraussichtlich eingestellt.
Die Einstellung der Zahlungen soll gewisse Gruppierungen nun dazu nötigen, mit terroristischen in ein Bett steigen zu müssen. Na, wenn dem so ist, dann hat man offenbar eh die ganze Zeit über die Falschen mit Dollars hi-gemacht.

So ähnlich sieht das mancher auch, wenn an die Türkei gedacht wird. Weil die wird dabei beobachtet, trotz trumpschem Verbot, wie iranische Ölfrachter mir nichts, dir nichts den Bosporus hochtuckern, bis ins Schwarze Meer, wo ja Herr Erdogan herkommt, um dort ihr schwarzes Gold einzuspeisen – zu, versteht sich, Sonderkonditionen, nehmen wir hier an, weil man halt doch, trotz allem, Muslim ist, weil Krieg in der Nachbarschaft herrscht, und weil die Gemeinschaft der Muslime dann halt doch bestehen soll; weil Trump nicht gemocht wird, der Westen, das Messen mit 2 verschiedenen Längen im Westen einem bis über den Rand steht etc.

Und wenn alles seinen Weg nimmt, wie Allah es bestimmt hat, dann wird Aleppo schon bald unter der Führung der Türkei stehen, so auch Idlib. Dafür kriegen die Kurden dann Hassake und Raqqa? Und letzteres unter US-amerikanischer Protektion? Unwahrscheinlich, was die Yeni Şafak aus der Türkei im Nachrichten-Jungle gehört haben will. Was Aleppo und Idlib angeht, sieht es aus hiesiger Sicht ähnlich aus. Die Russen werden solche Entwicklungen nicht greifen lassen, wenn sie dafür NUR Latakia und Umgebung erhalten.
Und wo soll dann der ‚gute‘ Assad hin? Wenn Sie mich fragen, würde ich spontan sagen: an die israelische Grenze nach Daraa bestens. Nahe zu seinen Waffenfreunden, den Israelis. Die können ihn von dort aus auch besser beschützen – und er sie, zum Beispiel im annektierten Golan. Mit etwas Glück könnte aus der Stadt Damaskus und seiner Umgebung dann so etwas wie eine freie Zone werden, eine des Handels und Tourismus plus Landwirtschaft. Könnte!
Wird aber wohl nichts werden, vielleicht aber für kurze Zeit ein bisschen.

Noch sieht es allerdings so aus, dass Frankreich und Russland erst erste Versorgungsflüge nach Syrien flogen. Nach der russischen Militärbasis wurden 50 Tonnen Medikamente usw. geschickt. Nach Ghouta hatte Frankreich vor ein paar Monaten abgelehnt, Hilfe zu verschicken. Warum tun es das nun, fragt man sich? Könnte etwa sein, dass Paris die Seiten gewechselt hat und von jetzt ab mit Russland gemeinsam in den Ring steigt, um das ‘Böse’ zu besiegen? Man wird sehen, ob die französische Kooperation mit dem syrischen Roten Halbmond klappen wird. Der ehemalige französische Botschafter in Syrien, Michel Duclos, hat da so seine Zweifel!

Und wussten Sie, wer die Stimme von Assad im deutschen Bundestag ist? Natürlich, wie könnte es auch anders sein, haben wir es nicht immer gewusst, dass es eine Frau nur sein kann, eine eingewanderte Deutsche? Stellen Sie sich das nur vor, die soll sogar, ja wirklich, die hat kurdisch-alawitische Wurzeln. Na, dass die uns nicht voll und ganz zum Assadclan zu rechnen ist, diese Sevim Dagdelen. Schlecht übersetzt, bedeutet ihr Name eh in etwa: “Ich liebe es, Berge zu durchlöchern!” Der Vorwurf, Assads Stimme im Bundestag zu sein, stammt von Mitgliedern der SPD und der Linksfraktion.

Die sollen sich mal wieder einkriegen, stimmt’s? Der Großmufti Syriens Ahmad Badr Eldin al Hassoun, dem ist Gleiches zu wünschen. Er fordert nämlich eine strafrechtliche Verfolgung der Weißhelme, von denen eigentlich zu viele ihr Leben lassen. Einige von ihnen konnten den Süden Syriens nicht rechtzeitig verlassen und saßen dort fest. Inzwischen scheinen alle Weißhelme nach Jordanien evakuiert worden zu sein. Al Hassoun bezeichnet die Weißhelme indes als Terroristen, macht sie für den Einsatz chemischer Waffen verantwortlich. Fakt ist aber, mal abgesehen von dem einen oder anderen dunklen Seelchen innerhalb der Weißhelme, dass sie es letztlich sind, die durch und mit ihrem Einsatz für das Leben in Krisengebieten wie dem Syriens gewissermaßen aus erster Hand berichten können, über das, was abläuft – und diese Zeugenberichte gefallen einfach nicht allen Beteiligten.

Zuletzt: Die EU-Kommission will, dass weiterhin Syrer in der Türkei eine Ausbildung machen. Dazu gibt es weitere 400 Millionen Euro. 6 Milliarden Euro können allerdings noch investiert oder abgerufen werden.
Da fragt man sich schon, was diese 400 Millionen sollen?
Bekanntlich wird in der Türkei vor allem auf Türkisch unterrichtet. Arabisch und Türkisch sind zwei komplett verschiedene Sprachen. Sie teilen sich nur einen gewissen Wortschatz, der vordringlich noch aus der osmanischen Zeit stammt. Soll bedeuten: Mit 400 Millionen Euro können eigentlich nur allererste Schritte eingeleitet werden.
Spannend wäre zu erfahren, was die Türkei genau zu tun gedenkt nach dem Erhalt des Geldes, um junge Syrer einigermaßen adäquat ausbilden zu können? Von Unterschlagung spricht hier niemand. Doch ob das Geld dem genannten Zweck gemäß Verwendung finden wird, das werden wir vielleicht nie erfahren. Mit den jetzigen Leuten in Brüssel sowieso nicht. Die wollen einfach nur, dass der Laden läuft. Doch das reicht schon seit Längerem nicht mehr.

Hisuf!

Lahr

Oder: Insider schaut von draußen kommend rein!

 

Lahr im Schwarzwald

Eigentlich spricht jetzt gerade ein Ur-Lahrer zu Ihnen, auch, weil Lahr-Dinglingen eigentlich erste richtige Heimat wurde und nicht etwa der Ort, an dem ich geboren wurde; und wegen des vorigen „Ur“ scheint hier gewiss so manchem Leser der historische Dinglinger-„vicus“ der Römer erwähnenswert. Der ist nun in neuem Gewand auf der Landesgartenschau zu sehen: „sprechende Türen!“

Ja! Rein zufällig wurde ich weiter nördlich von Lahr geboren Ende der 50er Jahre. In etwa ab dem 12ten Lebensmonat lebte es sich in Dinglingen für ungefähr 2,5 Jahre recht angenehm, vermute ich. Wollen wir hier angekommen, nicht weiter alte Kammellen aus der Erinnerung aufscheuchen, hätte man so in etwa bei uns zu Hause kurz angebunden gesagt, weil thematisch im Stoff in 7-Meilen-Stiefeln fortgeschritten werden muss – bloß keine Nabelschau, stimmt’s?

Dann ging es ins Umland von Lahr, rüber an den Rhein. Dort wurde für ein Jahrzehnt und etwas länger gelebt sowie die Grund- und Hauptschule besucht. Überhaupt wurde dort so in etwa getan, was sonst noch so zu tun ist als junger Mensch, der auch noch farblich etwas heraussticht. Das Letztere ist ja inzwischen ein Detail, welches im Deutschland des Jahres 2018 eigentlich keine Erwähnung mehr wert ist, denn es gibt nun viele von ‚uns‘ hier – in den tollsten herkommenstechnischen Konstellationen.

Schwimmen in den Baggerseen, Streifzüge durch Taubergießen, einfach durch den Rheinwald, wie auch durch den Ober- und Ringsheimer-Wald gehen, gelegentlich mit der Fähre bei Kappel ins Elsass fahren oder mit dem Fahrrad nach Ettenheim, Herbolzheim gern auch an den Kaiserstuhl, tanzen in der Cleopatra-Diskothek, Abenteuerbücher lesen und natürlich Fußball sowie Tischtennis spielen, erste 68er-Nachwehen plus Gesamtpaket, waren so in etwa das, von dem oben gesagt wurde, was es sonst noch zu tun galt, damals.

Mit 15 Jahren ging es eher aus sekundärem Grund, nämlich dem der Bildung, zurück nach Lahr, und zwar an die Handelslehranstalten. Nun, Planen von Bildungs- oder Berufswegen, war nicht sehr angesagt unter meinen Bekannten und Freunden Anfang der 70er Jahr. Die erwähnten Bildungs-Anstalten in Lahr sind noch immer oben auf einem der vielen Hügel der Stadt gelegen. Überhaupt: Die Optik aus Lahr in die Umgebung ist hügelig.

Mitschüler der höheren gymnasialen Stufen nannten wir „Wirtschaftshengste“ und „Technikfreaks“ – und hatten die Begabung, uns selbst in ganz anderem Licht zu baden. Lahr verhalf solch Landeiern, wie ich eines bin oder (geworden) war, in die Welt hinaus zu eiern, selbständiger auf eigenen Füßen zu schaukeln, letztlich ‚mein‘ Leben elliptisch sich bewegend auszuloten, wie es der vorherrschende Zeitgeist, glaube ich, auch heute noch als Art Selbstverwirklichungsmodul usw. eingibt.

Die ansässigen Kanadier, Canadian Forces Network, waren bei der intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Selbstfindungs-Thema ganz hilfreich, boten ein recht brauchbaren Anschauungspunkt, um dem so empfundenen soziokulturellen Ballast aus der ‚Provinz‘ etwas ganz individualisiertes Neues zu-über-eiern. Das geschah noch, bevor die nächsten Schritte einem beinah willkürlich geworfenen Rugby-Ball gleich ins leicht dahin plätschernde Leben voraus- oder aber nachgesetzt werden wollten oder sollten.

Und ja, es mag einfach noch fallen, DAS Stichwort im Zusammenhang mit Handelslehranstalten, dem Integrierten Beruflichen Gymnasiums (IBG): „Dr. Uhrig“. Dieser Herr und Rektor war zu jener Zeit Die lehrende Persönlichkeit am IBG, von der gewiss noch viele Wirtschafts-Zöglinge des IBG bleibende Erinnerungen haben (Buchhaltung, Rechnungswesen etc.). Und bei der CDU war er auch. Uns jungen 68er-Nachwehlern auch daher suspekt.

Heute im Jahr 2018 als Alt-neu-hinzugezogener-Lahrer verbinde ich mit dem Hügel, auf dem das IBG steht, dass Kater Vassili vor ein paar Monaten seine Hoden von Frau Veterinärin entleert bekam. Der Eingriff verlief problemlos und wunderbar professionell. Kater ist putz-munter! Vielleicht isst Vassili daher nur noch das Gelbe vom Ei so gerne? Eine empfehlenswerte Tierpraxis mit angenehm weiblichem Touch, wenn so etwas in Zeiten von „MeToo“ noch hinzugefügt sein darf.

Im Jahr 1976 ging es des Wehrdienstes wegen ab nach Berlin. Der Witz an Berlin ist im Rückblick, dass eigentlich erst dort eine vorliegende Schweizophilität, oder so etwas Ähnliches, mir bewusstwurde. Auf diese Art Leidenschaft komm ich seither immer mal wieder und gern zurück, wie eigentlich auch nach Lahr, kurz: an den Oberrhein. Ein Charme, dem man erliegt oder entflieht!

Nach vielen Jahren der Abstinenz also wieder zurück im Städtle am Fuße des Schwarzwaldes – doch es ist ein total anderes geworden seither. Die Bevölkerung erscheint einem auf den ersten und sogar zweiten Blick wie ausgetauscht. Das hat vielleicht damit zu tun, dass man älter geworden den Blick auf andere Dinge lenkt. Wie dem auch sei: Lahrer sind noch immer kommunikativ und ansprechbar, sogar sehr oft freundlich. Es ist schon schön!

Lahr ist allerdings nicht erste Wahl gewesen. Eigentlich war Weil am Rhein angesagt, wohnte davor in Kandern. Doch letzteres war auf Dauer zu abgelegen von der Eisenbahn, der Autobahn und der B3 – eigentlich in jeder Hinsicht off track. Als dann das Wohnungsangebot in Lahr reinkam, der Vermieter plus Frau von Anbeginn und bis zum heutigen Tag einfach passten und passen, war klar, und bei solch Wohnraum plus -lage: Es soll offenbar Lahr werden: Amen!

Stellte indes schnell fest, dass der Kenntnisstand über diese Stadt eigentlich auf Null steht – und dann doch auch wieder nicht. Die Histore der Ortenau ist eher noch unbekannt, wer beispielsweise ist heutzutage Wer und wieso? Zum Markgräflerland weiß ich inzwischen einiges. Weil Kandern war ja einige Jahre Anlaufpunkt, nach Jahrzehnten zurück aus Berlin und gewissen Teilen der Welt im Südwesten. Gute Voraussetzungen zur Re-Integration in Lahr, am Oberrhein!? Was es so zu hören gibt in der Ortenau und dem sehr gesprächigen Elsass – I love Sélestat – ist wahrhaft eine Menge. Dieser Stoff will verdaut und wieder hervorgebracht sein!

Bin bekanntlich oft auf Zypern. Griechisch hört man aber so gut wie nie in den Straßen von Lahr. Gestern erstmals ein griechisches Restaurant in dieser Stadt gesehen, in der Geroldsecker Vorstadt, das „Thalassa“ (Meer). Mal sehen, ob ich da reingehen werde. Es zieht mich nicht sonderlich dorthin. Verzichte nämlich außerhalb Griechenlands oder Zyperns meist auf griechisch/zyprische Küche.

Eigentlich ist das auch so mit der türkischen Küche. Könnte sich aber bereits geändert haben, weil vorerst nicht in die Türkei oder nach Nordzypern gereist wird. Im fortgeschrittenen Alter sich der Gefahr eines an den Haaren herbeigezogenen Haftgrundes auszusetzen, erscheint wenig lustig (siehe Yücel & Co.). Zum Glück gibt es in der Innenstadt von Lahr neu eröffnet das „Elti“. Das türkische Besitzerehepaar bedient unvergleichlich charmante. Die neu bezogenen Räume des Elti sind recht nett gestaltet, im Vergleich zu dem Standort davor ein Erfolg zu nennen.

Auf den Straßen Lahrs hört man auch oft Kurdisch, Arabisch und (natürlich) Türkisch. Viel Russisch wird hier wohl auch gesprochen. Der immigrierte Teil der Lahrer Bevölkerung läuft noch wie Schatten durch meine Wahrnehmung von dieser Stadt. Das wird sich gewiss schon bald ändern. Kontakte zu machen, fällt auch hier recht leicht. Mit offenen Armen und Gesten gilt es sich zu begegnen. Manchmal ist Sich-Begegnen aber gar nicht so einfach. Viele Zugewanderte denken offenbar oft, wenn ihre Sprache etwas mehr beherrscht wird, man sei eine Art Abgesandter des Regimes, vor dem sie flüchteten – oder ähnlich, wie ich beispielsweise aus Berlin weiß. Und derlei Verdächtigungen (in Witze gepackt, Anspielungen) gehen Gutmensch, der doch menschenfreundlich in Aktion treten mag, zuweilen schon an die Substanz.

Eine nicht selten durchlebtes Geschehen ist beispielsweise auch dieses:

Gestern setzten sich 2 junge Irakerinnen mit einem Kind im „Mr. Baker“ am Schlossplatz von Lahr an den Tisch, ohne zu grüßen oder zu fragen, ob der Platz für sie überhaupt frei ist. Ungefähr gleich nach jenem Moment beschloss ES, dass die Phase passiven Beobachtens nun endgültig vorbei ist für mich hier in Lahr. Die beiden mit Kind ließ ich nochmal unangesprochen ziehen.

Gleich heute Morgen war es dann so weit. Auf der kreisrunden Sitzgelegenheit vor dem ehemaligen Kaufhaus Kraus, nun C&A, saß ein älterer Mann, der sogleich nach der Uhrzeit gefragt wurde. Er verstand wohl nur meine Geste und streckte seine auffällig große, silber-metallene Armbanduhr hin. Das riesige Ziffernblatt zeigte von ungefähr einem Meter Abstand gut sichtbar 10 vor 12 Uhr. Ob er denn kein Deutsch könne, fragte ich. Er meinte lediglich: „Kurde“. Kam nicht dazu, ihn mit kurdischen Sätzen zu durchlöchern, die in den Kopf strömten. Seine Frau war zwischenzeitlich von hinter mir mit voller Einkaufstasche just zu diesem Moment in Erscheinung getreten. Sie hatte die Szene von Weitem mitbekommen und fragte eventuell misstrauisch, jedenfalls ohne einen Blick in meine Richtung zu werfen und den Rücken demonstrativ mir zeigend, nachdem sie sich zwischen uns gesetzt hatte, was denn der „Fremde“ wolle. Keine Ahnung, was er ihr antwortete, so weit geht meine Kenntnis dieser Sprache nicht mehr.

Sie gingen dann bald, ohne zu grüßen, ohne dass er nochmals zumindest Blickkontakt erneut und sich so verabschiedend aufgenommen hätte. In dem Kurdistan, welches ich in den letzten 45 Jahren kennen und schätzen lernte, wäre so ein Verhalten unvorstellbar, auch gegenüber einem Ausländer, und auch, wenn die Frau dazwischen ‚funkt‘!

Der „TV-Lahr“, die Abteilung Tischtennis des Vereins, hatte am 06.07.18 zum Grillen geladen. Das Max-Planck-Gymnasium, in dessen Sporthalle auch trainiert wird, hatte seinen Grillplatz hinter dem Gebäude zur Verfügung gestellt. Brasilien flog gegen Belgien während wir grillten aus der WM-Runde, und zuweilen regnete es über unseren Köpfen recht heftig. Das schweißte wohl den einen oder den anderen zusammen. Das Grillen war auf 19.30 Uhr für uns Erwachsene angesagt worden. Davor hatten die Jugendlichen des Vereins gegrillt, und teils waren ihre Eltern auch dabei. Zu einer Pokalübergabe soll es auch gekommen sein für die beste Jugend-Mannschaft der abgeschlossenen Spielsaison – und das ist die Jungendmannschaft des TV-Lahrs.

Und plötzlich waren nach 19.30 Uhr keine Frauen mehr da, die davor noch als Mütter vor dem Grill saßen. Ein irakisches Mädchen allerdings, vielleicht 12 Jahre alt, saß lediglich noch unter uns. Der Vater spielt in einer der Mannschaften. Mit klugen Wesen stach die Kleine angenehm unprätentiös Gespräche über ehemalige Erfolge hier und dort und Schlägerbelag X oder Y aus – mit wunderschönen, wahrscheinlich selbstentworfenen Sprachbildern, die sie spontan und aus dem Arabisch ins Deutsche übersetzend in unsere Ohren transferierte. Solch Talent unter den Neuankömmlingen gehörte gesondert gefördert!

Weil wir gerade vom Fördern reden:

Es ist eine recht ehrenwerte Tugend, das Fördern von Talent – hinter dem, sagen wir es doch offen, auch der Wunsch zuweilen steht, dass sich das irgendwann, irgendwie und -wo auszahlen wird. So betrachtet ist diese Art Tausch eine faire Angelegenheit. Wir sind also thematisch beim Fördern! Nun: Das erwähnte Max-Planck-Gymnasium in Lahr hat auch einen Förderer, nämlich den anscheinend nicht in Lahr 1942 in bescheidenen Verhältnissen geborenen Martin Herrenknecht. Manchmal ist auch zu lesen, er sei in Stuttgart zur Welt gekommen. Es spielt nicht wirklich eine Rolle, denke ich, hier dazu Klarheit zu gewinnen. Jedenfalls ist er einst Designer von Maschinen in der Schweiz geworden (Ingenieur am Seelisburg Tunnel-Projekt, bediente „Big John“, die damals größte Bohrmaschine des einst längsten doppelröhrigen Straßentunnels der Welt). Herr Herrenknecht arbeitete unter anderem auch in Kanada. Erhielt gar eine Ehrendoktorwürde, und zwar nicht irgendwo, sondern an der Carolo-Wilhelmina Technical University in Braunschweig, so auch irgendwann davor oder danach einen Eintrag in die deutsche Hall of Fame für Unternehmertum etc. Der so genannte technisch-naturwissenschaftliche Ansatz scheint ihm eine Herzenssache zu sein. Ja, und die Gewinne seiner Unternehmung bewegen sich voraussichtlich auch dieses Jahr wieder auf dem Weg nach oben. Bedenkt man nach dem bislang Gesagten, dass Herrenknecht zusammen mit der Stadt Lahr und dem IGZ-Unternehmen den Flughafen draußen in Langenwinkel betreibt, werden finanzielle Gaben oder Fördergelder seinerseits dem Betrachter durchaus nachvollziehbarer, und erscheinen demselben dann eventuell auch etwas eigennützig.

Na und?!

Bleiben wir an diesem Punkt bloß nicht hängen, verehrte Leser, dem des Spendens plus Eigennutz. Und darum, man höre: Abhängen, wie auf Neudeutsch eine Weile gern gesagt wurde, ist deswegen gerade nicht angesagt! Denn wussten Sie: Was den meisten als Hängebrücke bekannt sein dürfte, die als Brücke an der B3 in Lahr-Dinglingen Fußgänger im Bereich der Landesgartenschau von A nach B kommen lässt, ohne unter ein Auto zu geraten, hat einen Namen: die „Ortenaubrücke“. Der erwähnte Herr Herrenknecht hat auch dafür Fördergelder fließen lassen. Und nun wurde er also Anfang Juli 2018 für seine Verdienste geehrt, der „Schwanauer“, der auch „Allmansweirer“ zuweilen genannt wird. Die Röhre, die den Bosporus/Istanbul unterläuft und diese 15-Millionenstadt so elegant mit ihrer asiatischen Seite verbindet, ist eines der vielen Projekte, die dem Herrn Herrenknecht eben zu so viel Ruhm und Ehr in der Welt verhelfen.

Mit 25. 000 D-Mark, geliehen von der Mutter, machte Herrenknecht im Metier Bohrmaschinen seinen Weg an die Weltspitze, wird geschrieben. Sein erster Bohrer hatte einen Durchmesser von 1,20 Meter. Heute reden wir von 400 Meter langen Bohrgiganten. Als allerdings die Ortschaft Schwanau ein Bauprojekt an jemand anderes vergab als an ihn – es ging um die Kanalisierung im Dorf -, ließ Herrenknecht an der Fassade seines Betriebes kurzerhand folgende Änderung der Aufschrift vornehmen: „Tunnelvortriebsmaschinen aus Schwanau – außer in Schwanau“.

Nun, sein Ärger darüber dürfte schon längst in alle Winde verweht sein. Man hat sich wohl wieder zusammengerauft. Die Schwanauer sind doch gesellig. Gemeinsam geht man einfach besser voran! Apropos gesellig:

Der gute Herr Schröder, ehemaliger Bundeskanzler der BRD, ist bekanntlich in verschiedensten Missionen unterwegs, so auch kürzlich, um Herrn Erdogan zu seinem tollen Sieg als Alleinherrscher über die Türkei zu gratulieren. Der Altbundeskanzler ließ es sich auch nicht nehmen, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Lahr, Herrn Müller, der den selben Familiennamen trägt wie der Oberbürgermeister Berlins, bei der Ehrung Herrenknechts noch ein paar nette Worte zu verlieren. Interessant war, zu erfahren, dass DIE Müllers in der Stadt Lahr schon vor ein paar Generationen die reichsten Bewohner der Stadt stellten. Doch die Dame, die den Tag davor durch das Stadtmuseum in der ehemaligen Tonofenfabrik zu Lahr führte zum Anlass des Ehrentages von Julius Euting, der u.a. Orientforscher und kaiserlicher Universitätsbibliothekar 1839 bis 1913 war, erklärte geschwind, dass Oberbürgermeister Müller mit jenen reichen Müllers keine verwandtschaftlichen Beziehungen habe.

Ja, und diese Info sei hier gleich eingestreut: Oberbürgermeister Müller/Lahr soll bei den nächsten Wahlen angeblich nicht mehr antreten können oder wollen, hörte ich Tischnachbarn in der Bäckerei Heitzmann sich mit Argumenten und Verweisen auf ihre Quellen zum Thema ausstechend.

Zurück zum Schwanauer: Sichtbarster Ausdruck der Ehrung Herrn Herrenknechts an jenem weiter oben erwähnten Tag, und vielleicht auch der Ausdruck, der am längsten bleiben wird, ist eine Sitzbank, die in einem Hain am sogenannten „Seepark“ innerhalb des Landesgartenschaugeländes neuerdings zu seinen Ehren steht, von wo aus der Blick – noch nicht – von Windrädern, die sich irgendwo in der Ferne auf zuvor erwähnten Hügeln Lahrs drehen, verdreht wird. Bei solch technisch begeistertem Mensch, der Herrenknecht offensichtlich ist, fehlt solch technische, einst innovative Aussicht gerade noch?

Und so darf und sollte uns nicht verwundern, dass Herrenknecht auch die „Chrysanthema“ fördert, die schon demnächst neben dem Großereignis Landesgartenschau um die Aufmerksamkeit vieler Besucher mit vielen kunstfertig gebundenen Chrysanthemen buhlen wird in Lahr – und das passiert alles vor den Toren des Europa Parks in Rust! Wie sagt man: Konkurrenz belebt das Geschäft, und anscheinend nicht umgekehrt.

Noch kurz dies zu den Herren Herrenknecht und Schröder, deren Wege sich wohl schon längere Zeit hin und wieder kreuzen, wie beispielsweise im Jahr 2010, als geschrieben wurde:

„ … 2010 war der Genosse [Schröder ist gemeint] der Bosse wieder einmal zu Gast auf dem Werkhof in Schwanau. Valentina Ivanova Matvienko, damalige Gouverneurin aus dem russischen St. Petersburg, besichtigte eine Bohrmaschine, die als größte der Welt gilt. In Begleitung der Russin kam Altbundeskanzler Gerhard Schröder, mittlerweile für Gazprom tätig. Das sei der Beweis, dass es sich um eine gute Sache handle, übersetzte die Mitarbeiterin eines russischen Fernsehsenders die Aussagen der Gouverneurin. Schröder selbst ließ die Presse wissen, was der tiefere Grund seiner Visite sei: „Dass ich hier bin, hat nicht mehr und nicht weniger damit zu tun, dass Martin Herrenknecht ein alter, guter Freund ist. (Quelle: Bahnprojekt Stuttgart-Ulm e.V. Kommunikationsbüro, Dezember 2012)“.

War dieser im Zitat erwähnte Grund nun erneut gegeben im Jahr 2018, und ließ Herr Schröder seinen weltmännischen Glanz in der Landesgartenschau [LGS] deshalb vorrangig verbreiten? Und ist es nicht auch so, um es mal klar zu benennen, dass Schröder geschickt von seinem Status als Alt-Kanzler in Wirtschaft, Politik und der Welt der Kunst und Technik für eigene Interessen und sein Image recht gut Nutzen zu ziehen versteht?

Ja, und warum auch nicht!

Wir haben uns an Einiges gewöhnt inzwischen, warum nicht auch an so etwas. Und nichts Verwerfliches erscheint uns daher an schröderschem, altbundeskanzlerischem Tun gegeben!? Ja, Herr Schröder zieht an wie in etwa die am 12. April 2018 eröffnete Landegartenschau in Lahr. Kulturbotschafter der zuletzt Erwähnten ist nicht nur der Altbundeskanzler, sondern auch jemand wie die Städtische Musikschule, „einer der Hauptakteure“, schreibt das Magazin der Städtischen Musikschule Lahr, Ausgabe 2018. Ein Zitat aus dem Magazin dieser Schule:

„Bereits bei der [inzwischen erfolgten] Eröffnungsfeier [der LGS] wird [die Musikschule] mit von der Partie sein und einen musikalischen Höhepunkt wird es am 23. September 2018 geben. Dann wird die Sinfonietta [siehe dazu mehr weiter unten erklärend] der Musikschule die Feuerwerksmusik von Händel spielen, und dieses fantastische Werk wird vor der Kulisse des neuen Sees von einem Feuerwerk umrahmt.“

Bemerkenswert ist auch, was auf Seite 25 steht:

„Alle Schülerinnen der Städtischen Musikschule haben die Möglichkeit, sich neben ihrem Instrumentalunterricht kostenlos den verschiedenen Ensembles und Orchestern anzuschließen. Hierbei lernen sie nicht nur den Umgang mit dem Instrument, sondern stärken auch ihre soziale Kompetenz. Die verschiedenen Orchesterstufen, das Barockorchester, Spielkreise und Kammermusikensembles laden zum Mitmachen ein. Das erste Zusammenspiel findet im Liederorchester auf spielerische Art statt. Hier werden gemeinsam Kinder- und Volkslieder gespielt und auch gesungen. Der Übergang zur nächsten Stufe, dem Vororchester, wird durch das Spielen von Kanons und leichten mehrstimmigen Stücken vorbereitet. In den wöchentlich sattfindenden Proben des Vororchesters der Streicher werden Stücke verschiedener Epochen und Stilrichtungen einstudiert. In der nächsten Stufe, dem Streicherensemble wird erste Literatur mit kleiner Bläserbesetzung gemeinsam musiziert. In der obersten Stufe der Orchesterausbildung steht die [zuvor bereits erwähnte] Sinfonietta. Hier wird den jungen Instrumentalisten der Musikschule die Literatur für Sinfonieorchester bekannt gemacht und die Praxis des Orchesterspiels vermittelt. Ziel der Orchesterarbeit ist es, die Freude am gemeinsamen Musizieren zu fördern und sich bei Konzerten zu präsentieren. … .“

Und was Sie gewiss schon wissen, und es steht auf Seite 24, ist:

„Die Violine wird oft als die „Königin der Instrumente“ bezeichnet. Ihre Rolle in den verschiedenen Besetzungen, von kleinen Kammermusikgruppen bis zum großen Sinfonieorchester, ist tatsächlich zentral. Das Repertoire der Geige ist schön, vielseitig und reichhaltig, denn alle großen Komponisten haben Werke für die Geige komponiert.“

Im September gibt die Musikschule wieder Kurse zur musikalischen Früherziehung: „Musik entdecken!“, lautet das Motto (Tel.: 07821 910 0430; musikschule@lahr.de).

Bekanntlich ist der Europa Park in der Ortenau ja DER sozusagen ultra-actionreich-komponierte Anziehungsmagnet vieler Vergnügungsurlauber oder Erlebnishungriger etc. Wie sagte schon meine Mutter: Wo viel geklappert wird, dort gehen die Leute hin – oder ähnlich.

Altkanzler Gerhard Schröder fällt einem beim Klappern, sozusagen, unweigerlich gleich wieder ein. Er ist auch einer derjenigen gewesen, die sich zum gegebenen Anlass der Ehrung Herrn Herrenknechts ins Goldene Buch der Stadt Lahr eintrugen; so auch Jörg Vetter an jenem Tag, der Aufsichtsratsvorsitzende der Herrenknecht AG. Letzterer ist, wie soll man es sagen, etwas scheu, wird behauptet. Sein Bild, beispielsweise, ist auf der Webseite der Herrenknecht AG jedenfalls nirgends auf Anhieb – oder auch nach längerem Scrollen – zu finden, dort, wo die Manager posieren und anderenorts auf der Webseite. Hängt mit seiner LBBW-Chef-Vergangenheit zusammen? Die Stuttgarter Zeitung schrieb vor 2-3 Jahren:

„… Praktisch nur bei Pflichtterminen ergriff Vetter in den vergangenen sieben Jahren das Wort, verschwand dann aber stets unmittelbar nach dem letzten offiziellen Statement und vor der Eröffnung von Maultaschen- oder Sektbüfett … .“

Dennoch: die hiesige Landesbank soll er nach der Finanzkrise erfolgreich saniert haben. In Berlin war er ein paar Jahre davor bei der Sanierung jener Landesbank anscheinend ähnlich erfolgreich. Vetter stammt ursprünglich aus Göttingen.

Apropos: Der Oberbürgermeister von Lahr, eben besagter Herr Müller, ist längst nicht so kamerascheu wie eben erwähnter Banker. Der erstere kann nahezu täglich bei irgendeiner Aktion im Rahmen seines Amtes in/bei den Lahr-spezifischen Medien und Themen gesehen werden.

Bleiben wir doch noch etwas bei der Musikschule, die am 12. Juli 2018 von mir zum Anlass der Übergabe einer Spende von 20 000€ besucht wurde. Zwei Konzertflügel wurden nämlich angeschafft. Zum Übergabetermin des Schecks mussten daher die heiligen Hallen des Scheffel-Gymnasiums aufgesucht werden, wo einst Freundinnen Schülerinnen waren, alle aus Kippenheim stammend. Wie in der Kirche mutet der für solche Anlässe vorgesehene Raum, links am Gebäude, an des Scheffels.

Eingetreten, war sodann eine wie von schwarzem Samt überzogene Bühne, auf der ein schwarzes Klavier mit goldenen Rändern stand, zu sehen – und 4-5 Personen unterhielten sich darauf. Ich grüßte hörbar und kurz lächelnd, setzte mich in die aus losen Stühlen zusammengestellte 6te oder 7te Sitzreihe und wunderte mich, dass noch keine Besucher außer mir da waren.

Und dann kam schon bald ein etwas korpulenter Herr mit schütterem hellen Haar, auf den man offenbar gewartet hatte, Herr Bürgermeister Nr. 1, Guido Schöneboom, wie herauszuhören war. Die anderen Anwesenden waren Tobias Meinen von der Musikschule, Jürgen Riexinger (Sparkasse) und Klaus Bühler, Bereichsdirektor Markt von Lahr. Die Herren wurden von einem weiteren Vertreter der Presse mit großem Objektiv umschwirrt. Und plötzlich war unverhofft klar geworden, es ist vergebene Müh, darauf zu warten, dass lärmend Schüler hereingestürmt kommen, um dann jene Instrumente, die im Raum verteilt herumstanden oder -lagen zu packen, und auf der Bühne vor ‚Publikum‘ klassisch oder anders rocken.

Anstatt wurde ganz trocken Fototermin gemacht. Ob ich von der „Bildzeitung“ sei, kam von der einzigen weiblichen Person im Raum die Frage. „Nein“, sagte ich, „von Lahrundmehr, einer Webzeitung, die gerade heute Morgen ganz in der Früh ins Leben gerufen wurde.“ Na, die haben nicht schlecht gestaunt. Die Frau im besten Alter, wie man sagt, fand daraufhin, dass sie da mal reinschauen wird.

Danach schoss auch ich zwei-drei Bilder, zumal die Herren sich auf der Bühne mit nicht-an-den-Stromkreis-angeschlossener-E-Gitarre und aufgeklappter Klaviertastatur wie Musiker einer Band momentan in Pose stellten.

Im Anschluss daran erhielt ich recht unverhofft die rechte Hand von Herrn Schönboom zum Abschied, der herangetreten war. Eine nette Geste. Und dann war ich auch schon wieder auf der Straße.

Gewiss ließ das leicht unbefriedigende Ereignis, weil ja kein Konzert gehört werden konnte, den Salat zu Hause jetzt erst recht nicht zubereiten, sondern unvernünftiger Weise endlich mal ins „1a“ gehen, wo sogar irgendwas wie „Vegan“ auf der Tafel steht, die draußen auf der Straße Kundschaft darüber in Kenntnis setzt, was im „gemütlichen Innenhof“ genossen werden kann. Beides war dann durchaus verwunderlich: dass die beiden Männer, die dort arbeiteten aussahen wie Türken, aber nicht Türkisch sprachen; und dass der verführerisch angepriesene Innenhof seiner kahlen hohen Wände wegen, die ihn formen, vielleicht auch ‚kleines Verlies‘ genannt werden könnte.

Es war dann aber dennoch recht nett dort. Eine Frau mittleren Alters saß da nämlich mit großer Sonnenbrille auf der Nase, mit der gleich wunderbar ins Gespräch gefunden wurde. Ihr Lebensgefährte halte genau 12 Kühe, und anscheinend ist ihr das auf die Dauer zu viel. Sie kam vom Augenarzt und hatte irgendein Zeug „reingetröpfelt gekriegt“, damit die hinteren Bereiche des Auges transparenter werden für Onkel Doktor und seine Maschinerie. Dass sie die Strapazen der Landwirtschaft plus 12 lieben Kühen, die alle einen Namen haben, seit über einem Jahr aus Liebe zu ihrem neuen Lebensgefährten auf sich nimmt, blieb von diesem Gespräch als Quintessenz hängen.

Das Essen, Reis mit Gemüse, war überraschend gut und recht preiswert in 1a – unter 8 Euro. Die beiden Herren, die das kleine Restaurant eventuell führen, kommen aus Peru, „Lima!“ Es ist inzwischen eine willkommene Abwechslung von „gözleme“ im Elti. Wahrscheinlich ist es der türkische Schwarztee im Elti, der mich wieder am Bändel hat wie andere Leute das Nikotin, und dort recht häufig gözleme Essen gehen lässt. Tee aus einem Samowar ist nun mal einfach anders aufgegossen und ‚trifft‘ dich daher anders. Man könnte hierzu noch sagen: mit ausdrücklicher Betonung auf „einfach!“

Noch sind die Marktstraße plus Marktplatz und die Altstadt von Lahr so in etwa die Hauptorte meines Interesses. Konnte aber in Gesprächen an Nachbartischen schon überhören, dass der wahre Lahrer bei dieser Hitze in den Stadtpark täglich ausweichen soll, wenn er oder sie nicht an den Baggersee geht, zur Landesgartenschau oder zur Arbeit. Der Stadtpark soll sehr schattig sein, sogar Führungen werden dort vonseiten der Stadt durchgeführt.

Vor ein paar Tagen nahm ich dann endlich einen Anlauf, morgens um 08 Uhr 30, den Stadtpark zu ergründen. Zu Fuß ging es dorthin, und so am eingesperrten Park vorbeigehend, der so sehr adrett zurechtgeschnitten wirkt hinter den Eisenstangen, eigentlich klinisch von allem Unerwünschten ‚befreit‘, änderte ich meine Meinung. Vielleicht haben diesen Umschwung auch die beiden Seiteneingänge verursacht, die von Besuchern des Parks als Einlass nicht benutzt werden können. An einem von beiden war ein Hinweis, dass Eintritt bezahlt werden muss. Da fragte es wie von selbst: Und für was bezahlen die Leute Einkommens- oder Lohnsteuer?

Mir war es dann einfach irgendwie verleitet, auch wenn mit Presseausweis wahrscheinlich ohne zu bezahlen in den Stadtpark hineingelangt werden kann. Leute waren um 09 Uhr morgens eh noch keine im Stadtpark zu sehen. Etwas weiter vorne, bog ich daher in Richtung Dinglingen bewegend ab, den Hügel etwas herunter, dann irgendwann links auf einem kleinen mir total unbekannt gewesenen Fußgängerweg und steckte derart zufriedengestellter eine weitere Gegend in/von Lahr ab.

Reingehen wollte ich nicht, und ‚natürlich‘ landete ich dann doch wieder mal im „Arena“, Lahrs Einkaufsmeile. Bis nach Mietersheim in das „Fachgeschäftezentrum“ zu gehen, für lediglich einen Tee und vielleicht noch ein Brötchen mit Käse war dann doch nicht angesagt. Die Cafeteria, wie auch das Restaurant-Café im Arena sind und bleiben Geschmackssache. Wahrscheinlich ist es mit der Arena wie mit dem Lahrer Stadtpark: das nächste Mal gehst du hin und findest es plötzlich super oder einfach gut!

Anfänglich, also neu zurück in Lahr, fand ich den Vergleich der Arena mit einer der vielen Passagen in Berlin, wo Menschen sitzen und Kaffee trinken etc., noch ganz belustigend irgendwie. Doch Lahr hat, mit Verlaub, nun wirklich schönere und attraktivere Ecken zu bieten als das Arena, um sich darin zu verweilen, ein Buch zu lesen oder den Leuten zuzusehen – einzukaufen, gar mit jemand ins Gespräch zu kommen.

So richtig im Grünen sitzt man in Lahr meines jetzigen Wissens darüber vielleicht nur im Altersheim, welches irgendwo hinter dem Max-Planck-Gymnasium sich befindet. Durchaus noch eine Art Geheimtipp. Sprechen doch eh alle von Inklusion. Dort kann man seinen Beitrag erledigen – im Grünen. Es bedarf eventuell einer gewissen Motivierung, um den Schritt genau dorthin und sonst nirgendwo andershin zu lenken. Doch einmal Platz genommen, wird es gleich sehr erträglich. Bedient wird äußerst aufmerksam und vielleicht sind dort auch die Preise nicht ganz so hoch als andernorts in der Stadt für Kuchen. Kann aber sein, dass ich mich da täusche. Der Kaffee ohne Koffein ist bislang der unbezwungen beste in der Stadt, finde nicht nur ich.

Das Altersheim liegt schon etwas abgelegen, da so hinter der Kirche, dem Max-Planck und wie eine Trotzburg am Eingang ins Schuttertal nahe gleichnamigen Bächles. Die Post wird in jenem Areal wohl wenig Schwierigkeiten haben, Pakete zuzustellen. Paketzustellungen, die sind allerdings für die Innenstadt von Lahr als Problem erkannt worden. Lieferanten stellen offenbar mit aller Regelmäßigkeit die engen Straßen der Altstadt zu.

Studenten der Hochschule Offenburg haben sich genau dieser Frage angenommen: Wie kann es angestellt werden, die Lieferanten sowie das Stadtzentrum vom Verkehr zu entlasten? Genauer: 17 Gengenbacher Betriebswirtschaftslehre (BWL) Studierende begaben sich in die Marktstraße von Lahr, versteht sich mit Professor im Schlepptau, dem Herrn Ingo Dittrich. Von Zalando war auch noch jemand dabei, also keine Angst: nicht von Amazon. Die Lebensqualität innerhalb der Stadt müsse erhalten oder gar gesteigert werden, so in etwa lautete der Auftrag dieser Unternehmung. Den öffentlichen Verlautbarungen zufolge war der Auftrag allerdings nicht, was eventuell ehrlicher wäre: Zeit ist Geld; und Zalando muss noch billiger und schneller über die Runde beim Verteilen von Paketen und anderem kommen, wie stellen wir das an? So lautete das offizielle Motto nicht oder ähnlich, sondern: „Pakete zustellen, nicht Straßen!“

Eine Semesterarbeit ‚durfte‘ zu diesem Thema verfasst werden. Ja, denn die Lieferservice-Industrie wächst. Das bestätigte auch Herr Professor. Und um die Angelegenheit entsprechend anzugehen, ist da nicht nur BWL gefragt, sondern gewiss auch das Fach Logistik und irgendwo dazwischen, vielleicht, firmiert noch jemand wie die Umwelttechnik beziehungsweise der Umweltschutz etc. Herr Prof. Dittrich sagte: 3,1 Milliarden Sendungen wurden im Jahr 2016 ausgeliefert. Diese Ziffer, so viel zum Erkenntnisstand, ist also erheblich in die Höhe geschnellt inzwischen, und bezieht sich wohl auf Gesamtdeutschland, wird hier vermutet, weil 3,1 Milliarden Sendungen allein für Lahr … ?

Dass Lahr irgendwie halt doch auf der Höhe der Zeit ist, oder dieser sich ziemlich bemerkenswert annähert, beweist vielleicht auch, dass es eine „Stabsstelle Umwelt“ der Stadt gibt. Und diese Einrichtung hat eben zusammen mit erwähnten Studenten kreative Lösungen gesucht und auch erarbeitet in Sachen Lieferverkehrsproblematik, die so genannte „grüne letzte Meile!“ nämlich.

Was das genau bedeuten soll?

Es wurde von den zuvor Erwähnten erkannt, dass Paketauslieferung mit Lastenrädern doch keine schlechte Sache ist, die es ja schon seit Längerem gibt in der Republik. Doch keiner wusste bislang, wie sich dieses Konzept für eine Stadt wie Lahr letztlich auswirken wird: positiv oder negativ? Um das herauszufinden, waren die Firmen DHL und UPS so nett, die forschenden Studenten in einige ihrer Unterlagen blicken zu lassen. Ersichtlich wurde, an einem Tag werden ungefähr an die 3 000 Pakete in Lahr von beiden Unternehmen jeweils verteilt.

Und was glauben Sie, welch Schluss gezogen wurde?

Genau, die Eichhörnchen-Methode: nämlich Mikro-Depots anlegen! Umladestationen errichten! Elektro-Kleintransporter einsetzen usw.! Angeblich würden derart 75% weniger Treibhausgas ausgestoßen werden, was hier leider bezweifelt wird. Die ermittelte Prozentzahl erscheint einfach zu optimistisch nach oben geschätzt oder gerechnet etc. Mehr Personal müsste nämlich beschäftigt werden, wenn dieses Konzept umgesetzt würde – und die fahren bestenfalls mit den Öffentlichen zur Arbeit und wohnen in Lahr. „Jetzt haben wir sowohl die Partner, als auch belastbare Planungsdaten für ein mögliches Pilotprojekt“, bemerkte in diesem Kontext Michael Dutschke, der Klimaschutzbeauftragte der Stadt Lahr.

Überhaupt: In diesem Zusammenhang schreibend, kommt mir im Moment schnurstrax in den Sinn: Es müsste vielleicht doch schon bald in den Stadtpark gegangen werden, egal, wie zurechtgeschnitten die Bäume, das Gras und einfach ALLES dastehen dürfen, um einfach nachzusehen, ob denn an solch Ort überhaupt noch jemand von Familie Eichhörnchen zu Hause ist, oder ob die ihre Depots schon woandershin ausgelagert hat, sagen wir, zwecks noch mehr Effizienz und Zeitersparnis? Der Punkt Effizienz beinhaltet auch den der Umwelt sowie der Lebensqualität – auch für jemand, der oder die sogar noch im Sommer Fell trägt wie eben Familie Eichhörnchen.

Stutzen? Scheren?

Statt stutzen oder scheren vielleicht doch lieber kommunizieren? Warum nicht, zumal im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kitas“ die Kinder im Lahrer Vorort Kippenheimweiler eine anscheinend besondere Erfahrung machen können – und zwar im Sophie Scholl-Kindergarten. Das Sprachprogramm läuft noch, obgleich es schon 2016 angeschmissen wurde. Zwecks Terminen macht es gewiss Sinn, einfach mal in der Kita anzurufen, auch um zu erfahren, wo gerade gastiert wird! Weil: „Großmutters kurioser Besen“ nennt sich das Puppenspiel, welches im Sophie Scholl-Kindergarten aufgeführt wird. Leider durfte ich solch Puppentheater-Erfahrung im zarten Alter von 4 oder 5 nur ein Mal machen, und zwar im Adler von Rust. Ich sage ihnen, was ich ums Kasperle gelitten habe, damals. Dieses Erlebnis brannte sich jedenfalls sehr tief ein. OK, das war auch noch vor TV-Zeiten, Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Inzwischen sieht es unter anderem so aus, um zur Sprach-Kita zurückzugelangen: Als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache hat man ‚natürlich‘ mitgeteilt bekommen, und das überzeugend, dass Sprache DER Schlüssel zur Welt sei. Das stimmt auch. Dennoch mag hier für ein EIN Schlüssel zur Welt eingetreten werden, anstatt DER Schlüssel. So viel Anerkennung oder Respekt sollte all jenen, die gesprochene Sprache nicht hervorbringen können aus verschiedensten Gründen, im Jahr 2018 schon entgegengebracht werden. Von daher ist es etwas schade, dass dieses positive Programm, Sprach-Kitas, ausgerechnet so beworben wird und von DER Schlüssel darin die Rede ist. Gehen wir zu Inhalten der Sprach-Kita über:

André Eick ist der Puppenspieler des „Eidoki!“ Und wie auch immer unter seiner Regie die Geschichte mit dem Besen und der Großmutter ausgestaltet ist, wird hoffentlich auch seine Version des Kasperle Kinder begeistern – und vielleicht manches sprachgehemmtes Kind anstoßen, auf sprachlich ‚besser funktionieren‘ zu schalten. Wie sagte man einst gern: „In der Einfachheit liegt die Würze!“

Und genau auch darum, der vermeintlichen Einfachheit wegen, sind Volksfeste oder Volksfestchen noch en vogue.  Am 28. Juli 2018 steigt der so genannte „Lahr-Tag“. Natürlich wird der auf dem Gelände der LGS abgehalten. Die Schutterstadt, wie Lahr auch gelegentlich noch genannt wird, präsentiert sich, als würde sie das nicht bereits das ganz Jahr 2018 über schon tun. Also es wird noch mal Eins draufgesetzt! Lassen Sie sich überraschen. Ich persönlich werde an jenem Wochenende ‚leider‘ in Berlin verweilen: Biennale Berlin usw. Das Motto des Lahr-Tags, ja, Sie haben es erraten: „Lahr ist bunt, Lahr ist vielfältig!“

Zum Glück ist das Städtle nicht einfältig, gell? Überhaupt: Hier widerzugeben, was auf dem Fest alles auf Sie warten wird, erspar ich uns. Einiges klingt durchaus interessant: E-Werk-Bühne im Seepark 41, zum Beispiel. Streichquartett oder Trashband mit präparierten Mülltonnen usw. Ach ja, und überhaupt vielleicht das High-Light könnte sein: Am Lahr-Pavillon wartet die Chryanthemenkönigin auf die Gäste der LGS. Na, ist das nicht 1000 und eine Lahrer Nacht genug?

Hier noch ein Link auf die Schnelle, der inhaltlich jene unter Ihnen interessieren könnte, der eine Leseratte oder einen Lesemuffel – oder etwas dazwischen sich befindend – daheim hat über die Ferienzeit und mindestens die 05. Klasse vollendet hat (oder anfängt?). Jedenfalls können sich Schüler an anhand des Links zu gleichaltrigen Leseratten/-muffeln durchklicken und sodann womöglich erkennen: „die vielen neuen Kinderbücher, die die dort extra gekauft haben, sind echt cool (www.lahr.de/mediathek/aktuelles)!“

Sonntag, den 29. Juli 2018 sollten sich all jene als wichtiges Datum ins Büchle schreiben, die ihren Altbau daheim gern verschönern würden. Das „Sanierung(s)Mobil“ ist nämlich unterwegs. Und dort gibt es allerhand Info aus erster Hand von wirklichen Fachleuten (zur energetischen Gebäudesanierung etc.).

Also, nicht vergessen: zur „Zukunft Altbau“ gehen, versteht sich, in der LGS, wo auch sonst!

In diesem Zusammenhang stand gewissermaßen auch das Arbeitstreffen der AG Klimawandel in Lahr vom 19. Juli. Der Städtetag des Ländles hatte nämlich den viel besagten Klimawandel zum Thema. Also traf man sich. Sprach über die Tigermücke, die einst aus Asien ankommend, inzwischen vermehrt hier Ängste schürt, nämlich dergestalt, dass bislang marginal aufgetretene Tropenkrankheiten zunehmen könnten im Südwesten. Dass es immer öfters stärkere Regenfälle gibt, war auch Thema – und vielleicht auch erhöhte Brandgefahr (siehe beispielsweise die Ortschaft Mati in Griechenland in diesen Tagen)?

Betroffen sind wir alle vom Klimawandel, zumal die Durchschnittstemperatur um etwas mehr als 1 Grad gestiegen sein soll. Die Niederschläge nehmen zu, die mit Schnee oder gar Eis bedeckten Tage im Jahr nehmen dahingegen drastisch ab. Dieses Phänomen kann inzwischen JEDER registrieren, und sich fragen: Und was habe ich damit zu tun?  Oder was haben Sie mit Folgendem zu tun:

Sollten Sie nämlich etwa noch immer nicht die mandäische Tasse begutachtet haben? Wir berichteten bereits von ihr, hier. Zur Info: Am ersten und zweiten August, Punkt 12 Uhr und 10 Minuten mag Herr Dr. Niklot Krohn Sie mit der „Lahrer Tasse“ bekannt machen – Stichwort: „Euting“ (siehe oben). Im Stadtmuseum Lahr, der ehemaligen Tonfabrik, klären sich spätestens bei Ihrer Teilnahme an einer Führung gewiss Fragezeichen, wie jene bezüglich Euting und erwähnter Tasse.

Zu vorletzt: Die Stadt Lahr wurde doch wirklich zur recyclingpapierfreundlichen Kommune ausgezeichnet. Herr Dr. Caroli hat – mal wieder- als Vertreter der Stadt Lahr gewirkt, der die Schutterstadt eloquent in Szene setzte bei diesem Anlass, und also eine Rede hielt. Vom Umweltministerium war auch jemand vor Ort, Dr. Baumann. Eine Urkunde wurde für vorbildhaftes Umsetzen und/oder Einsatz von recyceltem Papier übergeben, und das vonseiten des Umweltministeriums Baden-Württembergs. Und das passierte wiederum zum 5ten Mal an der Jahrestagung der „Kommunalen Initiative Nachhaltigkeit“, und zwar gleich im Umweltministerium selbst. Noch andere Städte Baden-Württembergs wurden ausgezeichnet.

Versteht sich schon fast von selbst für jene, die sich in der Branche im Südwesten Deutschlands etwas besser auskennen, dass hinter dem Recycling vor allem die „Initiative Pro Recyclingpapier“ (IPR) steht. Und letztere sagt unter anderem: Die Verwaltungen im Ländle haben inzwischen ungefähr 95% ihres Papiers, welches dem so genannten „Blauen Engel“-Label entstammt, im Gebrauch. Als Vorläufer dieser Erfolgsstory wirkte auch Lahr beim Projekt „Grüner beschaffen“ mit. Beim Blauen Engel-Papier handelt es sich durchaus um Qualitätspapier. Da gibt es nichts zu meckern. Die Kommunen Baden-Württembergs beteiligten sich bitte sehr FREIWILLIG an diesem Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit in unseren Büros. „Die Herstellung spart im Vergleich zu Frischfaserpapier rund 60% Energie und 70% Wasser“, sagt Lea Eggers, Projektmanagerin der IPR.

Zum Abschluss mag noch jedweder Verdächtigung vorweggegriffen werden, dass hier ein Antichrist oder dergleichen zu Werke ist oder war, da das Thema Religion bislang außenvor bleiben musste, beziehungsweise blieb.

Wahrscheinlich hat mich der Spirit der frühen Täufer von Lahr insgeheim ge- oder ergriffen. Was gemeint ist? Hierzu erklärend einige Auszüge aus dem Buch „Geschichte der Stadt Lahr“ herausgegeben vom Ernst Kaufmann Verlag 1989, S. 177/9:

„… In Lahr war die Bevölkerung nicht immer mit dem Vorgehen der Herrschaft bzw. ihrer Amtsleute gegen die Täufer einverstanden. Vielleicht hatte sich vom Bauernkrieg her noch Unzufriedenheit im Volk gehalten, möglicherweise waren die Lahrer auch verärgert über das Hin und Her bezüglich der offiziellen Einführung der Reformation. 1531 hatte Baden den Vorschlag Nassaus, das Augsburgische Bekenntnis in Lahr-Mahlberg einzuführen, abgelehnt. Jedenfalls fürchteten die Herren Lahrs Mitte der 1530er Jahre einen Aufruhr … [einen] buntschuch, eine Verschwörung der Lahrer. Inwiefern die Täufergemeinde in Lahr (mit)verantwortlich war für diese aufrührerische Atmosphäre lässt sich schwer beurteilen. Immerhin errichteten gerade zu der Zeit, 1534/1535, revolutionäre Täufer im westfälischen Münster ihre Schreckensherrschaft. Wir müssen jedoch daran erinnern, dass die Lahrer Täufergemeinde von den pazifistischen Täufern Groß und Stattler gegründet worden war, die Aufruhr und Gewaltanwendung strikt ablehnten. … .

Neben der illegalen Täufermission gab es in Lahr schon seit dem Bauernkrieg immer wieder Diskussionen um die Einführung der lutherischen Reformation. Es muss dies eine unruhige Zeit für die Lahrer gewesen sein … !“

Und dann noch dieses Zitat aus selbigem Buch: „Die Nöte der Herren mit der Lahrer Täufergemeinde wurden schon geschildert, nachzutragen wäre noch, dass 1536 sogar ein Pfarrer in dem secten verdacht war. Das in Württemberg gewonnene Ergebnis der Täuferforschung …, dass das Täufertum besonders in den Gebieten gedieh, wo der Konfessionsstand unklar und damit die Heilungsgewissheit groß war, bestätigt sich auch in Lahr-Mahlberg. Die Kritik an der alltäglichen Geistlichkeit war in der Bevölkerung nicht verstummt. 1539 beschweren sich Bürger über das Verhalten der Priester Mägde des Lahrer Stifts [auch wegen dem Verfall der Sitten usw.] … .“

 

Syrien Mitte Mai/Juni 2018

Fangen wir doch mit einem Interview an, welches die Mail on Sunday am 10. Juni 2018 mit Baschar al Assad führte – in Auszügen:

„… Herr Präsident, was den 31. März 2018 angeht, betrug die Gesamtsumme für Fundings, welche Großbritannien an die White Helmets (Weißhelme) auszahlte, die ebenfalls bekannt sind als die „Zivile Syrische Verteidigung“, 38.4 Millionen Britische Pfund. Gleichzeitig beschuldigt Russland das Königreich, mit Hilfe dieser Organisation an einer Attacke in Duma teilgenommen zu haben … . Sie als Präsident Syriens, glauben Sie, dass das wahr ist?
Definitiv, ohne Zweifel. Großbritannien, Frankreich und die USA folgen und haben die selbe Politik. Das gesagt, und um komplett offen zu sein: die Briten und die Franzosen sind politische Satelliten der USA. Öffentlich unterstützen erstere die Weißhelme, die eine Handvoll al Qaida und al Nusra in unterschiedlichen Teilen Syriens sind. Die Briten gaben viel Geld aus; und wir betrachten die Weißhelme als ihr PR-Glanzstück. Ja, definitiv, die Sache wurde von diesen 3 Ländern auf die Bühne gebracht, und die Briten sind involviert.
[Die USA haben inzwischen (Stand 20. Juni 18) wieder Hilfsgelder für die Weißhelme und für eine Kriegsverbrecherermittlungsbehörde freigegeben – 6.6 Millionen Dollar. US-Außenamtssprecherin Heather Nauert: Nun können wichtige lebensrettende Einsätze der Weißhelme weitergehen. Einige Weißhelme, muss noch kurz angefügt werden, lassen hie und da ihr Leben in Syrien zurück, werden ermordet. Der Chef der Weißhelme, Raed al Saleh, bedankte sich für die angesprochene US-Unterstützung. Und als sei das nicht genug: Die USA ziehen sich voraussichtlich aus dem UN-Menschrechtsrat zurück mit der Begründung, im Gremium säßen zu viele Despoten, wie beispielsweise der Iran. Nikki Haley, UN-Botschafterin der USA, spricht von chronischer Parteilichkeit, die im Gremium herrsche. Gegen Israel seien mehr Resolutionen rausgegeben worden als gegen Syrien, Iran und Nordkorea zusammen. Zurück zum Interview:].

Frau Theresa May sagte, sie hat keinen Zweifel, dass das syrische Regime hinter den chemischen Attacken vom 07. April steckt, und erzählte ihren Kritikern, dass die Teilnahme Englands rechtens und legal war und zulässig nach internationalem Recht, um die menschlichen Leiden zu mildern. Haben Staaten keine Verantwortung gegen Kriegsverbrechen zu schützen? Wie soll die Teilnahme Englands bei Vergeltungsschlägen gegen Syrien nicht in Einklang stehen mit dem internationalen Recht?
Nun, gemäß ihrer Aussagen – als England und die USA den Irak im Jahr 2003 illegal bombardierten, massenhaft Vernichtung verursachten, ganz zu schweigen von der hohen Anzahl an Witwen und Amputierten – und gemäß mayscher Logik, hat jede Regierung das Recht, Großbritannien oder die USA zu attackieren, wenn sie denkt, diese Tat ist gerechtfertigt. Das ist legal und unter internationalem Recht erlaubt, um menschliches Leid abzumildern – dies als Erstes.
Zweitens: Sie haben gelogen. Sie haben ihre eigene öffentliche Meinung keinen Beweis geliefert, also der britischen Öffentlichkeit. Nachdem wir al Ghouta befreit hatten, wo die angebliche Attacke passiert ist, fragten viele ausländische Journalisten – einige unter ihnen gegen die syrische Regierung eingestellt – Leute vor Ort bezüglich des chemischen Angriffs und die antworteten: Wir haben davon nichts gesehen, hat nicht stattgefunden.
Es war eine Lüge, vor allem nachdem wir die Gegend befreit hatten. Unsere Quellen bestätigen, dass ein Angriff nicht stattgefunden hat. Großbritannien sollte zuerst mit Beweisen anrücken und dann beweisen, wer die Verantwortung trägt. Natürlich ist so etwas nicht passiert. Es gab keinen Angriff. Und das ist, wo die Lüge beginnt. Noch einmal: Es ging nicht um den Angriff. Das Ding an dieser Angelegenheit ist: Die Briten und andere haben Bedarf, die syrische Regierung zu unterminieren. Überhaupt sind sie von Anfang an daran interessiert, die syrische Regierung zu stürzen – schon seit den Anfängen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien. Sie vertun sich, sie erzählen Lügen und setzen ihren Abnutzungskrieg gegen uns fort.

Gab es irgendwelche Versuche, womöglich gar durch Vermittler oder Dritte, der britischen Regierung oder deren Geheimdienstnetzes, mit Syrien eine Kommunikation aufzubauen zwecks geheimdienstlichen Informationen – welcher Art auch immer?
Nein. Solche Kontakte hatten wir mit verschiedenen Diensten Europas. Die wurden vor kurzem aber eingestellt, weil die nicht seriös sind. Die wollen Informationen austauschen, wo doch deren Regierungen im Politischen gegen die unsere sind. Daher sagten wir: Sobald ihr einen politischen Schirm für derartige Kooperation habt, sind wir bereit. Derzeit gibt es keine Kooperation mit irgendeinem europäischen Geheimdienst – inklusive Großbritannien.

Was sind ihre Ansichten über den Umgang Mays und Trumps mit der Nahost-Frage, speziell aber Syrien. Und wie unterscheiden sich die beiden bei ihrer Intervention in der Region, und von der Putins?
Großer Unterschied. Die Russen wurden gebeten zu kommen. Sie sind also legitimiert hier. Das Gleiche gilt für den Iran. Doch die USA und die Briten, die sind illegal hier. Es ist eine Invasion. Sie verletzten die Souveränität Syriens – eines souveränen Landes. Die sind ganz und gar nicht legal hier. Die existieren hier illegal.

Aber, ihrer Meinung nach, wie haben beide, May und Trump, Syrien behandelt?
Es geht nicht um May und Trump. Es geht allgemein um Politiker aus dem Westen, um die westlichen Regime. Sie akzeptieren niemanden, der anderer Meinung ist: keinen Staat, keine Regierung, keine Persönlichkeit. Und das trifft auf Syrien zu. Syrien ist sehr unabhängig bei seiner politischen Positionierung. Wir arbeiten für unser nationales Interesse. Wir sind keine Bananenrepublik. Und diese Realität akzeptieren Die nicht. Dergestalt ist Deren komplette Sicht über uns, wie folgt: „Diese Regierung muss ausgewechselt werden. Der Präsident gehört dämonisiert. Weil die Syrer unseren Politiken nicht mehr entsprechen.“ So sieht es aus. Alles andere ist wie Beiwerk: Sie lügen, reden von chemischen Waffen, vom bösen Präsidenten, der seine Bevölkerung killt, die guten Leute, von Freiheit, friedlichen Demonstrationen. All diese Lügen sind Beiwerk des einzigen Ziels, das Regime zu stürzen.
Daher ist meine Antwort auf Ihre Frage: Das ist Kolonialpolitik. So sehen wir das. Und das ist nicht neu. Diese Art Politik haben Die niemals ausgetauscht, und zwar betreiben sie diesen alten Kolonialismus schon seit Anfang des 20ten und 19ten Jahrhundert und davor. Heute, lassen Sie es uns so sagen, hat dieser Kolonialismus eine neue Maske auf, eine andere. [In einem Interview Assads mit einer russischen Journalistin Ende Juni 2018 hat er seine oben geäußerten Ansichten dahingehend erweitert, indem er wiederholt in etwa sagte: die Europäer, der Westen, die haben keine Moral, keine Ethik!
Zuweilen kommt man nicht umhin, wenn man der Argumentation Assads, wie auch Putins und der des Irans folgt, sich zu fragen als Beobachter: Und was, wenn diese Leute mit ihren Darstellungen der Zusammenhänge in und um Syrien größtenteils Recht haben?].

Vor 5 Jahren, als der IS geboren wurden, sagten Sie mir … [dass Syrien geostrategisch in einer Spannungszone liegt], und seither scheinen Sie sich als Bollwerk gegen die IS zu sehen?
Wir sind diejenigen in den letzten Jahren, die die IS vor allem bekämpft haben, und zwar mit der Unterstützung Russlands und Irans. Niemand sonst macht dasselbe, noch nicht mal teilweise. Wenn Sie über den Westen und die Militärallianz des Westens reden wollen, die von den US-Amerikanern angeführt wird, nun, die haben die IS tatsächlich unterstützt, weil die attackierten die syrische Armee, und zwar immer dann, wenn wir angriffen; oder wir wurden angegriffen vom IS. Zuletzt so geschehen ein paar Tage, vor dem 15. Juni, als die IS die syrische Armee angriff. Natürlich haben wir sie geschlagen – und als Antwort haben die Amerikaner unsere Truppen im Osten Syriens attackiert.

War es falsch vom Rest der Welt, dass er Sie die letzten 7 Jahre isolierte?
Das Konzept Isolation eines Landes ist allgemein falsch. In der Welt, in moderner Politik, sogar in den alten politischen Tagen, brauchst du Kommunikation. Wenn du ein Land isolierst, isolierst du dich von der Realität in diesem Land. Und so wirst du politisch blind. Daher: das Konzept ist falsch!

Herr Präsident. Einige sehen Sie als einen internationalen Geächteten, als Diktator mit Blut an seinen Händen. Geben Sie mir ein Argument, warum Sie das nicht sind, zumal in den letzten 7 Jahren 100-Tausende Syrer ermordet, inhaftiert und sogar gefoltert wurden?
So! Die Geschichte, von der Sie reden, oder sagen wir, das westliche Narrativ lautet, dass dies ein schlechter Präsident ist, der seine eigene Bevölkerung killt, und die ganze Welt ist gegen ihn, weil er international geächtet ist. Und dieser Mann war 7 Jahre auf seinem Posten und kämpft gegen jedermann in der Welt. Können Sie ihre Leser davon wirklich überzeugen?
Es macht noch nicht einmal Sinn. Gemeint sind die unterschiedlichen Faktoren des Narratives. Es ist nicht logisch, nicht realistisch. Nun! Dieser Präsident ist auf seinem Posten, weil er die Unterstützung seiner eigenen Leute hat. Wie könnte er diese Unterstützung erhalten, wenn er gleichzeitig seine Bevölkerung mordet? Die Geschichte ist also nicht korrekt. Wir bekämpfen Terroristen. Und die werden von Großbritannien unterstützt, den Franzosen, den Amerikanern und ihren Handlangern, die meinetwegen in Europa oder sonst wo sind. Gegen die kämpfen wir an, und zwar mit der Unterstützung der Bevölkerung. Daher kommen wir voran. Wir könnten sonst nicht vorankommen. Nur weil wir die Russen oder die Iraner an unsere Seite haben? Die können die Unterstützung des Volks nicht ersetzen. Und zum Beweis: Der Schah von Iran, der Hampelmann des Westens, er konnte die Reaktion auf seine Politiken durch das persische Volk nicht überstehen. Er fiel [1979]. Das ganze System ging entzwei in ein Paar Wochen, und er musste aus dem Land fliehen.

Doch trotz der Unterstützung vieler Syrer bleibt die Tatsache, dass es tausende, zehntausende Menschen gibt, die ermordet wurden und inhaftiert worden sind.
Selbstverständlich. Sie reden von Krieg. Es gibt keinen guten Krieg. Auch keinen friedlichen. Darum ist Krieg schlecht. Also, wenn Sie von Krieg reden, ist das natürliche und selbst sich erschließende Resultat desselben: Tot und Blut überall!
Doch ist die Frage, wer fing den Krieg an? Wer unterstütze ihn? Der Westen! Der Westen unterstützte ihn von Anfang an und so auch die Terroristen, die überall Bomben legten, überall und jedermann mordeten – Köpfe abschlagen. Der Westen unterstützte al Qaida. Daher reicht es nicht aus zu sagen: Es gibt Ermordungen. Natürlich ist dort Killen. Es erschließt sich von selbst. Doch wer fing es an? Der Westen ist für all Das verantwortlich!

Der Westen ist verantwortlich, aber einige sagen, dass Herr Assad oder Präsident Assad auch verantwortlich zeichnen sollte.
Jeder Syrer könnte verantwortlich sein, für Was in Syrien passiert. Das ist eine andere Sache. Es ist eine syrische Sache. Das diskutieren wir nicht mit der Welt. Es ist nicht die Rolle des Westens, uns zu sagen, wer in Syrien verantwortlich ist: der Präsident oder die Regierung oder die Armee oder die Terroristen. Das ist eine Angelegenheit Syriens. Der Westen ist nicht in der Position, uns etwas zu sagen. Das ist nicht seine Rolle. Doch er mischte sich in die Souveränität eines Landes ein und ist verantwortlich für das Morden in unserem Land – egal wie der Narrativ des Westens lautet und seine Lügen.

Russland scheint viele Entscheide bezüglich Syrien zu treffen, ob es um fremde Truppen geht, die abziehen sollen oder um Deals, die mit Israel gemacht werden sollen in Süd-Syrien, auch, welche Art Waffen Sie haben sollten oder eben nicht. Trifft Russland inzwischen Ihre Entscheide?
Russland kämpft für das Internationale Recht. Und ein Teil desselben ist die Souveränität verschiedenster Länder, souveräner Länder – und Syrien ist eines dieser. Russlands Politik, sein Verhalten, seine Werte haben nichts mit Einmischung oder Diktat zu tun – überhaupt nicht. Wir haben gute Beziehungen mit Russland für länger als 6 Dekaden gehabt, beinahe 7. Währenddessen hat Russland nie versucht, uns zu etwas zu zwingen, sogar auch dann, wenn es unterschiedliche Ansichten gab.
Weil es derzeit einen Krieg gibt sowie eine hohe Dynamik in der Region, ist es ohnehin natürlich, dass unterschiedliche Ansichten verschiedenster Akteure existieren: sei es in unserer Regierung oder in anderen: in der russisch-syrischen Beziehung, syrisch-iranischen, iranisch-russischen, und eben in den jeweiligen Regierungen. Das ist normal. Letztendlich ist es aber Syrien, welches die Entscheide trifft und sagt, was zu passieren hat in Syrien. Darüber sollte sich niemand einen Kopf machen, unabhängig von dem, was Sie sonst so hören.
Ich weiß, auf welcher Grundlage Sie die Frage stellen.

Basierend auf verschiedenen Aussagen.
Genau!

Nun dann. Warum hat Ihnen Russland dann nicht die S-300, wie vor Jahren versprochen, gegeben – und zu einer Zeit, wo Israel praktisch jede Woche syrischen Boden bombardiert? Und warum koordiniert Russland diese Bombardements mit Ihren Feinden hinter Ihrem Rücken, Herr Assad?
Russland hat nie mit irgendjemand gegen Syrien etwas koordiniert: weder politisch noch militärisch. Und das ist der Widerspruch: Wie könnten die Russen helfen, die syrische Armee voranzubringen und gleichzeitig mit unseren Feinden zusammenarbeiten, um unsere Armee zu vernichten?

Aber die Russen wissen doch gewöhnlich, wo die Angriffe platziert werden …
Nein, nein! Das stimmt nicht, ist nicht wahr, definitiv! Wir kennen die Details.
Was die S-300 angeht, warum sie die erwähnt haben und dann aufhörten, darüber zu reden, dazu fragen sie besser russische Offizielle. Es ist eine politische Aussage. Die haben ihre eigene Agenda. Doch ob sie die S-300 an uns übersenden oder nicht, das ist ein politisches Ding – wir reden nicht darüber.

Maßgebliche Pentagon-Offizielle warnten, sie würden militärisch eingreifen, sollten Sie mit den Alliierten der USA abrechnen wollen. Werden Sie das US-Militär jemals wieder los werden in Syrien? Sind Sie bereit, diese direkt zu bekämpfen?
Seit dem Beginn des Krieges, haben die USA und ihr Alliierten nicht aufgehört, Syrien zu bedrohen. Haben nicht aufgehört, die Terroristen zu unterstützen. Und sie gaben nicht auf, uns direkt unter Beschuss zu nehmen – bei vielen Gelegenheiten. Doch trotzdem sind wir gegen die Terroristen vorangekommen. Und wir sagten, dass wir jeden Zentimeter syrischen Bodens befreien werden, egal wer Was sagt oder uns wo attackiert. Das hier ist unser Land. Und das ist unsere Pflicht. Das ist hier keine politische Meinung. Es ist eine nationale Pflicht! In dieser Richtung werden wir uns bewegen, egal, welche militärische oder politische Positionierung unsere Gegner einnehmen.

Wie denken Sie, wird die Geschichte Sie erinnern?
Kommt drauf an, welche Geschichte. Die des Westens? Die wird verdreht sein. Wird Lügen erzählen, Lüge über Lüge. Die selben Lügen, die wir nicht allein über unsere Gegenwart, sondern auch unsere Vergangenheit hörten.
Unsere Geschichte andererseits, die mir am Herzen liegt, ich hoffe, sie wird mich als jemand erinnern, der die Terroristen bekämpfte, um sein Land zu retten – und das war meine Pflicht als Präsident.

Es waren nun bereits 7 Jahre Krieg. Was tun Sie, um Dampf abzulassen, irgendwelche Hobbies?
Sport ist kein Hobby. Es wird ein Teil deines Lebens. Ein Teil deiner täglichen Routine. Weil, eine gute Gesundheit ist von Wichtigkeit, um aktiv zu bleiben. Daher kann Sport nicht als zur Unterhaltung angesehen werden. Keine Zeit und Lust auf Unterhaltung. Du lebst im Krieg mit Ermordungen und Terroristen. So! Das ist das einzige Hobby, welches eine Angewohnheit wurde, eine Angewohnheit, die von der verbleibenden Zeit und den Umständen abhängt.

Ihre Frau ist Engländerin. Sie lebten in London viele Jahre. Gibt es irgendwas, was Sie ganz besonders vermissen?
Ich hielt mich in London auf. Ich studierte Medizin. Es ist unmöglich für dich, in einer solchen Stadt zu leben, wo du fühlst, es gibt dort keinen speziellen Link mit ihr oder zu den Leuten, mit denen du täglich arbeitest.
Nun! Vielleicht vermisst du diese Beziehung. Doch du lebst manchmal in Widersprüchen, nämlich, dass dieselbe Stadt, die du magst, dasselbe Land ist, welches dein Land angegriffen hat – was nicht gut ist.“
Ende des Interviews!

Gehen wir zum Eingemachten über, verehrte Leser:

Zwischen dem 24. April und dem 01. Juni 2018 sollen insgesamt 93 Attentate und Attentatsversuche in Nordwesten Syriens allein durchgeführt worden sein.

Doch vorerst sei noch kurz dies angemerkt:

Erwarten Sie bitte auch hier nicht, dass Ihnen mit Bestimmtheit und aller Klarheit aufgezeigt wird, was in Syrien derzeit passiert. Schon allein all die Akteure ins Bild zu setzen, die in den fortdauernden Konflikt involviert sind, oder sein sollen, ist so etwas Ähnliches wie eine Sisyphos-artige Fleißarbeit. Und diese Letztere wäre indes so manchem gewiss eine ziemlich realistische Strafarbeit, nämlich jenen, die diesen kriegerischen Wirrwarr in Syrien angezettelt haben und, noch ‚gemeiner‘, davon profitieren oder profitieren wollen und dieses Kriegsgeschäft betreiben.

 

Syrien ist schlichtweg das lebende Beispiel dessen, was man als „bösartig“ bezeichnen kann; also nicht Syrien selbst, sondern das, was dort von nicht gerade wenigen Menschen mit Maschinen und anderen kriegstauglichen Dingen ‚veranstaltet‘ wird derzeit: eine Spezialausgabe der Horror-Picture-Show!

Wir haben uns ja an vieles gewöhnt. Beispielsweise daran, dass Präsident Putin immer mehr zum politisch-ökonomischen Match-Maker weltweit heranreift. Die Fußball-WM hält er bereits ab. Trifft sich unter anderen auch mit dem syrischen Machthaber Baschar al Assad, wie letztens in der russischen Stadt Sotchi.
Na ja: „russische Stadt Sotchi“, da soll es bereits einige Menschen geben, die diese Formulierung die Barrikaden hochgehen lässt. Die Georgier sind derzeit auch nicht amüsiert darüber, dass die WM-Mannschaft der Ägypter in Grosny/Tschetschenien untergebracht und vom dortigen Diktator in aller Öffentlichkeit geehrt wird – und nicht nur die Georgier. Denn so etwas, argumentieren nicht wenige, stabilisiere und legalisiere die russische Okkupation gewisser Gebiete in der Peripherie des russischen Riesenreiches. Und, bei dieser Gelegenheit sei sogleich daran erinnert: Das Assad-Regime hat unter russischer Vermittlung die von Georgien abgespaltenen Regionen Abchasien und Südossetien als eigenständige Staaten vor Kurzem anerkannt. Die Georgier brachen daraufhin diplomatische Beziehungen mit Damaskus – vorerst – ab. Reaktionen in den Netzwerken gingen soweit zu fordern, Georgien solle nun doch dazu übergehen, Gebiete östlich des Euphrat sowie Afrin, Idlib, kurz Nordsyrien, als unabhängig von Syrien anzuerkennen. Der georgische Präsident Giorgi Margvelashvili äußerte dazu auf Twitter so in etwa: Das zeigt, wer Assad wirklich ist, einer der Kinder mit chemischen Waffen tötet.
Apropos: in Georgien tobte der Mob kürzlich auf den Straßen. Soll heißen: es herrscht/e Antiregierungsstimmung. Und die Regierung ist ja auch bekanntlich am 15. Juni 2018 vorerst zurückgetreten – oder wurde zurückgetreten, wie man eventuell auch noch sagen könnte.

Nein wirklich!

Putin kann sogar Assad bei sich ankriechen lassen. So geschehen in Sotchi zum Ende des Monats Mai 2018: ohne großen Staat oder Leibwächter, die den damaszenen Killer eigener Bevölkerung umgeben hätten – oder anders gesagt: den syrischen Patrioten, wie man Herrn Assad halt auch noch sehen soll können.
Und ja! Bitte sehr sofort galt es, für Herrn Assad aus Damaskus beim Russland regierenden Ex-KGB-Offizier anzurücken, dem Herren über Energiequellen, die größtenteils den Energiebedarf der Bundesrepublik – noch immer – ‚speisen‘ sollen.
Für die angesprochene Visite bei Putin begab sich das syrische Präsidentensöhnchen jenes Assads, dessen Grausamkeiten noch immer vielen Zeitgenossen finster in Erinnerung haften und ihren Herzschlag am liebsten verstummen lassen, sogar in ein für seine Verhältnisse schäbiges Flugzeug. Putin ließ Assad-Junior also ankriechen, auch, um dem Donald in Washington dergestalt zu sagen, eventuell: Den lass ich fallen, wenn Du mich endlich richtig kapierst!
Am Rande bemerkt: Herz aller liebst waren die Bilder mit Donald und Kim im TV ja irgendwie schon diesen Monat: Die Atombombe lass ich fallen, wenn Du mich nicht endlich richtig kapierst, sagten die Bilder mit den beiden Polit-Showleuten wohl so manchem/r.
Von der Leyen, die Verteidigungsministerin der BRD, glaubt angeblich nicht, dass Putin den Assad noch wesentlich länger in Schutz nehmen wird. Die Verwaltungsstruktur gehöre gestärkt in Syrien und Moskau sei eher daran interessiert, ein Bein in Syrien zu behalten als den Baschar weiterhin auszuhalten, soll sie so in etwa gemeint haben.
Apropos: Frau Merkel war auch in Sotchi. Nicht ganz so angekrochen kam sie dort an wie Assad. Sie bat den Putin, das Wohneigentum der Geflüchteten Syrer nicht enteignen zu lassen.
Kann uns mal jemand erklären, was das Eigentum an Land in Syrien geflohener Syrer Frau Merkel angeht?
Und außerdem: Putin heißt Putin und nicht Assad! Soll heißen: Letzterem hätte die Bundeskanzlerin diesen Wunsch verbraten müssen. Offensichtlich macht sich Frau Merkel Sorgen, dass der Großteil der geflüchteten Syrer nach einer kalten Enteignung in Form einer Verfassungsänderung – siehe weiter unten – dann in Mitteleuropa sich fest ansiedeln könnte.
Das Schönste aber, und wirklich geradezu brillant, ist, was Putin so in etwa dazu sagte bei diesem Treffen mit Frau Bundeskanzlerin und in Richtung Reichstag zu Berlin: Hey ihr da in Brüssel und/oder Berlin, baut mal gefälligst aus eigenen Mitteln das kaputt-gebombte Syrien wieder auf – und dann reden wir weiter über das Eigentum dieser Leute aus Syrien!

Und auch daher dies: Das Gerücht geht um, dass die Türkei, sowie Russland und die US-Amerikaner/Israel Syrien unter sich aufteilen wollen. Insofern wird spätestens nun vielen Beobachtern das übersteigerte Engagement der Türken vor Ort etwas plausibler, aber auch dasselbe der Israelis, die zusätzlich vermehrt darauf drängen, dass an der syrischen Grenze zu Israel keine iranischen Söldner mehr in Stellung liegen. Der russische Außenminister Sergey Lawrow dazu: „Natürlich muss der Abzug aller nicht-syrischen Streitkräfte auf Gegenseitigkeit erfolgen, dies sollte keine Einbahnstraße sein!“ Die Jerusalem Post sprach in diesem Zusammenhang von einem bereits bestehenden Abkommen zwischen Russland und Israel, indem Assad die Kontrolle über den Süden Syriens behalten dürfe, wenn die libanesische Hisbollah bei Quneitra und Daraa ihre Stellungen aufgibt, im Süd-Westen Syriens an der umstrittenen Grenze also. Zum Ende des Monats Juni 2018 dann diese Meldung: Die russische Luftwaffe hat erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe vor knapp einem Jahr, Gebiete im Süden Syriens bombardiert. Dutzende Fassbomben und Elefantenraketen kamen zum Einsatz. Letztere sind ungenaue, improvisierte Geschosse aus Gaskanistern. Vom Militärflughafen Hmeimim, nahe der Hafenstadt Latakia, ging die Aktion aus. Das al Herak-Feldkrankenhaus wurde bei diesen Bombardements ebenfalls von Geschossen getroffen – auch Gebäude errichtet zum Schutz für Zivilisten. Das wird hier berichtet, – was wohl einigen bereits nicht mehr erwähnenswert erscheint -, weil Putin noch am 07. Juli 2017 persönlich und in Hamburg diese Gegend als Teil einer Deeskalationszone mitdeklarierte.

Und Sie wissen, verehrte Leser: Die Weltmeisterschaft im Fußball wird auch ohne die Deutschen, die früh herausgeflogen sind, in Russland trotzdem weitergeführt. Irgendwo wird gejubelt auf der Welt und anderswo, verzeihen Sie, verrecken die Leute, woran längst nicht Russland allein die Schuld oder Verantwortung trägt. Wir sitzen da ‚brav‘ mit im Boot – auch ohne WM-Titel!
Anfang Juni sprach sich der Berater des iranischen Generalstabchefs, der Brigadegeneral Massoud Gazajeri, noch gegen einen Abzug der Iraner aus Syrien aus. Sie seien schließlich auf Wunsch der Regierung in Damaskus da. Lustig oder makaber daran ist, dass wenig vorher Baschar al Assad selbst die Behauptung äußerte, es gäbe gar keine iranischen Kampfeinheiten auf syrischem Boden.
Währenddessen, so in etwa, machte sich der syrische Außenminister Walid al Mou‘allem über die Müllkrise im Libanon lustig. Er scheint wohl vergessen zu haben, dass Syrer, die dorthin in recht großer Zahl geflüchtet sind, eventuell die Hauptverursacher dieser Krise sind.
1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland hat der Libanon in etwa aufgenommen.

Wie auch immer dem sei: Zwar habe der Iran mehrere schiitische Milizen von der Grenze nach Israel abgezogen, doch die seien mehr oder minder postwendend in Einheiten der syrischen Armee dorthin zurückgekehrt. Vom Iran unterstützte Milizionäre unter Aufsicht des Kommandeurs der al Quds-Einheiten, Qasem Suleimani, sind nämlich in Militärlager des Assad-Regimes in Damaskus und Umkreis gebracht worden, und erhielten dort Uniformen des Regimes sowie syrische Ausweise (die Abu Fadl al Abbas-Brigade).
Die Russen sollen Mitte Juni die Kontrolle der Zufahrtswege zum Flughafen in Damaskus von den Iranern übernommen haben.

Auch hier in diesem Artikel, wie Sie leicht erkennen können, wird oder wurde von Dingen geschrieben, die längst noch nicht von allen Beteiligten so als Kröte geschluckt wurden, oder geschluckt werden wollen – „syrische Grenze zu Israel!“ Denn ja, es gibt offensichtlich vermehrt Leute, die Israel seine Existenzberechtigung im Nahen Osten aberkennen wollen, eben weil die betriebenen Politiken der letzten 10 Jahre der Israelis inzwischen alarmierend zeigten, dass dieses Staatsgebilde in der Region nur eines verursacht: Chaos, Leid, Tod und permanentes Sich-Bedrohen und Killen.
Apropos: Die ehemals syrischen Golanhöhen (1.200 qm), die Israel seit Jahrzehnten beschlagnahmt hat (seit 1967), könnten von Präsident Trump schon demnächst als rechtmäßige Gebiete Israels anerkannt werden – warten Sie es ab.
Ist doch wohl genug Zeit vergangen, um endlich mal einen weiteren Gang hochzuschalten in solchen besetzungspolitischen Angelegenheiten?
Diese Frage scheinen sich Menschen wie Netanjahu und Trump nicht nur zu stellen, sondern deren Realisierung aktiv anzugehen, wie nicht von wenigen behauptet wird.
In gewisser Weise ist das Alles auch nachvollziehbar – vor allem aus darwinistischer Sichtweise: dem Wetteifern um das Best-angepasst-Sein.
Liebe Palästinenser und ‘Ägypter’ vom Sinai seid also gewappnet! Time seems to be on their side! Werdet bestens schnell Christen und kommt dann mit vielen Kindern nach Mittel-Europa, wo sie wahrscheinlich auch dann noch vergeblich versuchen werden, ihre Art Ordnung in das Normalste der Welt zu bringen. Und Letzteres, wie aus Geschichtsbüchern weltweit geschlossen werden kann, ist die Migration! Und die mühen sie sich gesamteuropäisch, zunehmend miteinander verstritten zu verwalten.

Kommen wir zurück nach Sotchi und zu Putin: Ja, man staune, der Herr vom Kreml lobte den angekrochenen Alewiten aus Qardaha/Syrien namens Baschar. Die syrische Armee habe sehr erfolgreich gegen die islamistischen Terroristen gefochten, meinte der Kremlchef. Nebenbei wurde von Putin bei diesem Treffen in Sotchi noch schnell ein Abzug der ausländischen Truppen gefordert (was auch sein Sonderbeauftragte für Syrien Alexander Laventiev gern zwitschert): vordinglich sind mit jenen, die die Biege machen sollen in Syrien, natürlich die USA gemeint; und dass Israel seine Racheflüge, oder wie man diese besser nennt, einstellt.
Vielleicht sind die erwähnten Flüge ja doch eher bereits schon als Marker des entstehenden Gebiets „Großisrael“ von uns zur Kenntnis zu nehmen, dessen Aufbau ja in Angriff genommen sein soll. Das neue Reich König Davids wird derart womöglich schon mal ersichtlicher und für alle existenter abgesteckt und dies – wenn auch recht explosiv mit entsprechenden Kollateralschäden – wird uns eventuell so vorgeführt noch weiterhin beschäftigen. Auf Grund der israelischen Flugangriffe soll Assad den iranischen Kräften letztens in ‚seinem‘ Land verboten haben, Einrichtungen und Flugzeughallen in syrischen Militärflughäfen zu nutzen. Weil sonst wieder die Israelis dort ihre Bomben hinlenken.
Am 20. Juni 2018 bombardierte die US-geführte Anti-IS-Koalition erneut Stellungen des Assad-Regimes und iranischer Milizen südöstlich von Abu Kamal nahe der irakischen Grenze. Armeestellungen wurden dabei getroffen. Es gab mehrere Tote und Verletzte. Die USA dementieren den Luftangriff jedoch.

Doch bleiben wir doch noch etwas beim Sotchi-Treffen. Die Lage im Land namens Syrien habe sich verbessert, meinte Assad dienstbeflissen gegenüber Putin bei jenem Treffen und wahrscheinlich war er in jenem Moment im Geiste praktisch schon auf Knien. Ein Verfassungskonvent müsse aber her, meinte der syrische Alewite dann auch noch.
Genauer: Assad & Co. wollen die syrische Verfassung umschreiben. Der Besitz an Boden soll neu verteilt werden.
Nein. So kann das nicht stehen gelassen werden, verehrte Leserschaft.
Also: Jene Syrer, die interessiert daran sind, ihr Land weiterhin als Besitzer zu führen, müssen sich noch vor Ablauf dieses Sommers 2018 auf den zuständigen Behörden in Syrien einfinden, und entsprechend belegen, dass sie es sind, die die Besitzer jenes Bodens in XY-irgendwo in Syrien sind.
Zeck! Diese Klatsche hat gesessen. Wird sitzen. Wird all jenen Syrern ein Dorn im Auge sein, die sich ins Ausland retteten und sich nicht zurücktrauen – vor allem aber Landbesitzer sind.

Letztere müssen sich allerdings nicht allzu viele Sorgen machen, dass ihr Land dahinrotten wird. Es wird gewiss wieder erblühen, und zwar vielleicht unter afghanischen oder iranischen Händen – ja, in Syrien. Staffan de Mistura, der UN-Sondergesandte für Syrien, dem soll bei seinem letzten Treffen in Teheran Mitte Juni ebenfalls ein Vorschlag für die zukünftige syrische Verfassung unterbreitet worden sein. Mistura war am 18ten und 19ten Juni 2018 in Genf, um mit hochrangigen Entscheidungsträgern aus der Türkei und Russland die syrische Verfassung ebenfalls zu besprechen. Es ist, als wolle man den Astana-Prozess neubeleben – diesmal ohne Araber und US-Amerikaner plus vollem Segen der Vereinten Nationen. Etwas mehr zu dem, wie das Ding mit der neuen syrischen Verfassung in der Praxis aussieht, folgt unten, ganz am Ende dieses Artikels.
Viele Afghanen, so an die 54 000, die als Kämpfer der Fatimyoun Brigade, an der Seite des Assad-Regimes ihre Leben riskieren, haben mit der Neubesetzung des Eigentums der geflüchteten Syrer nämlich eine nicht allzu schlechte Perspektive erhalten für ihren freiwilligen, oft auch unfreiwilligen Dienst an der Waffe fürs Vater- oder Mutterland in spe, Syrien, um den Faden wieder aufzugreifen. Mal sehen, ob sich die Regierenden in Damaskus dann auch ans Versprechen halten werden, wenn es ums Ein- und Verteilen des recht begehrten Gutes „Land“ gehen wird. Leute braucht das Land, wo Euphrat und Tigris fließen auf alle Fälle.
Es könnte also in der zukünftigen syrischen Gesellschaft, wenn der Staat dann noch so heißen wird, an genügend Frauen fehlen – zumal die auswärtigen Krieger ziemlich sicher männlichen Geschlechts größtenteils sind. Wir dürfen daher gespannt sein, wie dieser ‚Bedarf‘ gedeckt werden wird.
Mit Russinnen?
Dass wir nicht gleich darauf gekommen sind.
Iranerinnen? Wohl eher nicht.
Türkinnen?
Dass etwa Homosex und/oder -liebe legalisiert wird?
Nun: Verwundert drein schauen gilt ab jetzt nicht mehr, weil hier steht es gleich geschrieben, und zwar: Es könnte womöglich herauskommen, dass Gentechnik plus Brut-Institute, oder wie solch Orte zukünftig im Arabischen genannt werden könnten, die Folgen des Frauen-Mangels vor Ort beheben werden. Und jene, die ohne Frau als Afghanen und Iraner in Syrien leben müssten oder werden, schließt man vielleicht zukünftig zeitweise an eine Testreihe mit Liebes-Robotern/innen japanischer und/oder chinesischer Machart zwecks Beweis technischen Fortschritts und natürlich des Friedens wegen an; oder aber „für die nächste Generation“, wie ja oft auch andernorts in der Welt in den unterschiedlichsten Zusammenhängen betont wird.
Wäre das ‚Problem‘ FRAU derart nicht erfolgreich delegiert?

Wie dem auch sein wird im zukünftigen Zweistromland: Wahrscheinlich ist jene Delegation, von der Assad zu Putin auch noch sprach Ende Mai 2018, schon längst zu den Vereinten Nationen unterwegs, dort gewiss schon angekommen, womöglich schon wieder abgereist, um zuvor erwähnte Verfassungsänderung dort ‚absegnen‘ zu lassen. Auch bei diesem Punkt dürfen wir gespannt sein, ob das Unterfangen gelingt.
Denn, vergessen wir es besser nicht – und auch zum Abgleich: Wenn Trump, letztens, im Vorfeld des G7-Treffen in Kanada kalt kalkulierend ein Verlassen des Treffens einplant, wie geschehen, nur weil der kanadische Premier angeblich Dinge sagte, die Trump nicht gefielen – von denen er sich denken konnte, dass sie gesagt werden, so oder ähnlich von irgendjemand -, dann dürfte angesprochenes Begehren Assads vor dem Hohen Hause der UN womöglich durchgewunken werden – die Verfassung?
Ja! Dem könnte so sein. Denn: Wir leben schließlich in wirren Zeiten, wo, wie sagt man neuerdings, Quantenlogik vermehrt in Betrieb genommen wird, als Maßstab vieler, wenn nicht gar aller Dinge anzulegen ist zukünftig – bis sich auch dieser Hype gelegt haben wird und der nächste Weltenformer wie „Demokratie“ oder eben „Quantenlogik“ ansteht.
Was dieser nächste Umformer der Humaniden sein könnte?
Klar doch, Liebe!
Entschuldigen Sie, Scherzchen müssen doch auch mal sein, Und vor allem dann, Sie werden es vielleicht noch erleben, wenn man genau dort hinkommen mag, eben zur Liebe als Weltenformel. Bloß was ist das noch mal genau, Liebe? Eine Bewegung im Stillstand oder Stillstand mit Bewegung?

Und ja: Es tut sich was in Syrien. Auch wenn diese Bewegung vielen Betrachtern der Lage vor Ort von außen so vorkommt, als sei es die einer Angelegenheit, die im Kreis verläuft und äußerst lieblos: Anfang = Ende; Ende = Anfang; also eine Bewegung ohne Ende ist, die scheinbar sinnlos sinnig sinniert.
Zum Beispiel hatte ein Konvoi iranischer Milizen, sowie Milizionäre der libanesischen Hisbollah, sich ungefähr Mitte Mai 2018 fortbewegt, und zwar gerade, als in Astana/Kasachstan die Gespräche zu Syrien einem Ende zugeführt wurden. Im Rahmen der dort verfassten Deeskalationsvereinbarung sollen auf lediglich nordsyrischem Boden insgesamt 29 gemeinsame Beobachtungsposten eingerichtet werden: 12 türkische, 10 russische und 7 iranische. Das zuvor erwähnte Fortbewegen der genannten Milizionäre fand also unweit der kurz-und-klein-gebombten Stadt Aleppo statt – in Richtung Berge namens Ezzan. Soweit hier bekannt ist, werden den von den erwähnten Milizen aufgegebenen Platz an jenem Ort türkische und russische Truppen, vorerst, einnehmen. Von einem türkischen Protektorat im Norden Syriens ist gelegentlich die Rede, welches dort errichtet worden sei – werden soll. Inzwischen sind schon längst wieder Gespräche am Laufen, die zum Ziel haben, Gerichtshöfe sowie Dienstleistungen in den Bereichen Transport, Kommunikation sowie die Stromversorgung wieder herzustellen vor Ort.
Mitte Juni 2018 trafen sich Stammesführer aus Aleppo, Raqqa und Hassake. Die Volksverteidigungseinheit wurde aus der Taufe gehoben. Gemeinsam mit der syrischen Armee soll nun energischer gegen ausländische Verbände (USA/SDF etc.) vorgegangen werden, wurde beschlossen. Die Universität Harran in Şanlı Urfa/Türkei wird unterdessen eine Filiale in der Stadt al Bab/Provinz Aleppo eröffnen. Lehrsprachen sollen Arabisch, Englisch und Türkisch sein. Wie wir uns schon dachten, wird die lokale Sprache der Leute, Kurdisch, dort nicht aufgenommen als Unterrichtssprache – zumindest vorerst, und Ankara scheint sich ganz offensichtlich längerfristig in Syrien einrichten zu wollen. Der Bürgermeister der nahegelegenen Stadt Gaziantep in der Türkei hatte zum Abschluss des diesjährigen Ramadans al Bab besucht. Seine Unterstützung für die syrische Polizei sollte dergestalt zum Ausdruck gebracht werden.
Beobachtungsposten werden im Syrien dieser Tage gewiss eh noch weitere eingerichtet. So auch in der Stadt Raqqa. Dort gab es im März 2018 lediglich eine einzige medizinische Einrichtung. Ungefähr 150 000 Menschen leben aber in jener Stadt, und zwar unter harschen Bedingungen. Für die letzteren Bedingungen sorgt/e nicht die Türkei allein.
Apropos harsche Bedingungen: „Assayesch“, das sagt Ihnen nichts? Ja, so nennt sich der Geheimdienst der kurdischen YPG-Miliz, der auch nicht allzu zimperlich sein soll – der syrische Medienaktivist Mohammad Khalouf al Mahdi wurde in einem PYD/YPG-Miliz-Gefängnis in Hassake/Nordost Syrien umgebracht. Er hatte gegen Zwangsrekrutierungen der YPG von Zivilisten demonstriert. Genannte Miliz hat des Weiteren auch gefangengenommene Europäer, die für den IS kämpften, im Zuge eines Gefangenenaustausches freigelassen Mitte Juni 18. Darunter befanden sich ebenfalls deutsche Staatsbürger. Der IS hat im Gegenzug ebenso viel kurdische Gefangene freigelassen. Noch andere Player erschweren der Zivilbevölkerung in Raqqa das Über/Leben – und nicht nur dort. Sie können sich vorstellen, was in dieser Stadt so in etwa los ist in Sachen Krankheiten: Durchfall, Hepatitis, Infektionskrankheiten jedweder Art und gelegentlich wohl auch Cholera. Letztere wütet gerade in einer weiteren Stadt Syriens, die, welch ‚Zufall‘, ebenfalls im Siedlungsgebiet der Kurden liegt: in Deir ez Zor.

Nochmals kurz zurück nach Hassake: Türkische Medien berichteten, saudiarabische Militärberater hätten zuweilen Treffen mit YPG/SDF-Kämpfern in der Region. Es gehe dabei um eine bereits gebildete arabische Truppe. Und zwar geht es um die Qauwat as Sanadid, um genauer zu werden. Sie ist eine Miliz eines in der Region ansässigen Scheichs namens al Hadi, und dieser gehört dem vor Ort bekannten Schammar-Stamm an. Die Miliz ist 2013 gegründet worden. Sie gibt vor, vordringlich gegen den IS zu kämpfen.
Die davor kurz miterwähnten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) schreckten kürzlich nicht davor zurück, wird berichtet, auch auf Zivilisten das Feuer zu eröffnen – so geschehen bei Deir ez Zor in der Nähe von einem Ölfeld. Die Zivilisten sollen versucht haben, eines der Ölfelder in Brand zu setzen, da einer ihrer Leute von SDF-Kämpfern misshandelt worden sei.
Die von den USA unterstützten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) führten in Deir ez Zor just so ungefähr in jenem Zeitraum mal wieder Razzien durch, wobei eine IS-Schläferzelle ausgehoben werden konnte, wird behauptet und vermeldet. Und, man staune: Rund 50 italienische Soldaten sollen in der Nähe des al Tanak-Ölfelds, ebenfalls Provinz Deir ez Zor, stationiert worden sein. Sie haben sich französischen Truppen angeschlossen, wird berichtet. Assad und seine Alliierten sollen mit dieser Maßnahme von dort ferngehalten werden.
Und dann auch noch dies: Mehrere Rebellengruppen haben sich in der Provinz Aleppo zu einem neuen Bündnis – vorerst – zusammengeschlossen, welches sich „Sultan Abdul Hamid II Brigade“ nennt. Sie werden in der Provinz Aleppo, Ras al Ayn und Jabal Turkman in der Provinz Latakia Stellung beziehen.

Weil wir schon beim Nennen von Namen gewisser Ortschaften und Kampfverbände sind: Manbitsch ist einer jener Orte in Syrien, wo unter anderen die Türkei vor haben soll, diesen Juni, eher kommenden Juli, so etwas wie eine weitere „große Schlacht“ zu schlagen – versteht sich, gegen die Kurden der YPG, die ja beschuldigt werden, nichts weiteres zu sein als der verlängerte Arm der verbotenen PKK in der Türkei. Mit dem Wahlsieg Erdogans werden wohl schon demnächst Fakten geschafft werden diesbezüglich.
Die Türkei und die USA haben den Fall Manbitsch offenbar untereinander ausgewürfelt vor kurzem – oder ähnlich, genauer: die Hauptlinien für eine künftige Kooperation wurden skizziert, um „Sicherheit und Frieden“ in Manbitsch einkehren lassen zu können. Man sagt, das sei eine politische Strategie, die eventuell mit hohem Einsatz und mangelndem Vertrauen seitens der türkischen Streitkräfte sowie der USSOCOM durchgezogen wird. Manbitsch liegt in der Provinz Aleppo. Anadolu News spricht von einem 3-Phasen Plan, den die Türken mit den USA ausgehandelt haben sollen. Demnach habe die YPG Manbitsch innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Jetzt sind die USA und die Türken dabei, einen Rat innerhalb von 60 Tagen zu bilden. Das heißt, kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels wird wohl verlautbart werden, ob das zuletzt genannte Ziel erreicht werden konnte innerhalb der gesetzten Frist oder nicht – nämlich spätestens am 04. Juli. Es soll Angaben zufolge danach aussehen.
Ob die USA ihre Ankündigung gegenüber Ankara wahrmachen, dass die YPG ihren Kontakt zur PKK demnächst abbrechen wird, wird hier zwar nicht bezweifelt, allerdings, dass es in Wirklichkeit geschehen wird dann schon, irgendwie. Es wird behauptet, die USA unterhielten an die 20 Militärbasen in den nördlichen Gebieten Syriens, die von den Demokratischen Kräften Syriens kontrolliert würden. Die Rede ist von 5 000 Soldaten.
Der türkische Außenminister Çavuşoğlu träumt derweil bereits davon, das 3-Phasen-Modell dann auch in Raqqa und an anderen Orten in Syrien einzusetzen, sollte es von Erfolg gekrönt werden. Der Lokalrat in Mare, ein Nest unweit von Aleppo, soll die Bevölkerung zum Dank für die Unterstützung der türkischen Truppen dazu aufgefordert haben, die türkische Lira einzuführen, sodass deren Absturz an der Börse vielleicht verhindert werden könne.
Bereits am 18. Juni 2018 wird gemeldet, dass US-amerikanische und türkische Truppen an der Grenzlinie (Sajur-Linie) zwischen Manbitsch und der Türkei patrouillieren. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde die Aufputschdroge Captagon im Wert von über 1.5 Millionen Dollars in dieser Gegend von Milizionären, die den USA nahestehen, sichergestellt. Bekanntlich haben bereits die Nazis unter Adolf auf diesen Stoff gesetzt: er macht mutig und raubt den Schlaf – hat allerdings auch zuweilen ungewünschte Nebenwirkungen: Depressionen, Horrortrips etc.
Raqqa ist noch immer ein Ort in Trümmer, Schutt und Asche. Viel Frust kursiert und wenig Lust, wird gesagt, die Stadt wiederaufzubauen. Die PYD/YPG kontrolliert diesen Ort – noch. Leichen sollen noch immer unter Trümmern verrotten etc. Anstatt, dass mal jemand ernsthaft aufräumte, sollen lediglich Bilder des in der Türkei inhaftierten kurdischen Führers Öcalan überall in der Stadt aufgehängt werden. Das sind bestimmt Übertreibungen, aber gewiss mit einem Funken Wahrheit. Inzwischen, Ende Juni, ist zu hören, dass die Öcalan-Poster wieder abgenommen worden sind – und andere Fetische.
Wie dem auch sei: Mitte Juni ließ jemand von Seiten der russischen Militärbasis in Hmeimin/Syrien wissen, dass Moskau die Manbitsch-Vereinbarungen zwischen der USA und der Türkei als „unwirksam“ erachte. Zum Ramadan 2018 geschah dort jedoch, dass dutzende Menschen festgenommen wurden, die aus der Türkei gekommen waren, um die Feiertage in Syrien zu verbringen.
Der Pressesprecher der YPG sagte im kurdischen Fernsehsender MediaHaber in einem Interview am 17. Juni 2018 in stark vom Kurdischen und Arabischen gefärbten Türkisch in etwa: Wir von der YPG, wir Kurden, wir wollen offene Grenzen und gute Beziehungen zur Bevölkerung drüben in der Türkei. Wir haben kein Problem mit den Leuten dort!
Und dann noch dies: Viele sind sich folgender Tatsache bewusst: Die Amerikaner, wird immer wieder geschrieben in den Netzwerken der Kurden, benutzen die PYD-Einheiten als Söldner. Und wenn sie diese nicht mehr brauchen werden, würden sie diese – wie schon einige Male davor andernorts geschehen –, erneut kalt abservieren.

Apropos „kalt abservieren“:

Die Palästinenser, die seit Jahrzehnten in Syrien, vor allem in Teilen von Damaskus, einen Unterschlupf gefunden haben vor den Übergriffen der Israelis, kriegen derzeit auch oder wieder einmal ihr Fett ab, wie man sagt. Eines der für sie am Rande von Damaskus vor Jahrzehnten angelegten sogenannten Flüchtlingscamps, „Yarmouk“, hat das Assad-Regime ziemlich komplett, wird berichtet, in Schutt und Asche bomben lassen – mit Hilfe Moskaus.
Es stimmt: Die Palästinenser waren (und sind) nicht unbedingt immer die angenehmsten Mitbewohner oder Gäste in Syrien. Wie dem auch sei: In diese eben thematisch aufgeworfenen innerarabischen Zusammenhänge tiefer zu blicken, brächte uns in düstere Gefilde nahöstlicher Politik der letzten 60 oder mehr Jahre – und der Platz dazu soll hier nicht sein. So viel noch: Die Rolle Syriens bei der Vertreibung vieler Palästinenser aus Palästina im letzten Jahrhundert ist noch längst nicht aufgearbeitet; oder so veröffentlicht, dass die Wahrheit wirklich klarer zutage getreten wäre. Da war und ist noch was, das vor allem unter dem fliegenden Teppich aus 1000 und einer Nacht geheftet verharrt. Soll heißen: Dass der Assad Clan in Syrien noch immer im Sattel sitzt, ist auch der helfenden Hand des angeblichen Erzfeindes Israel, den USA und einigen Staaten Europas geschuldet – vorweg der BRD.

Sie sehen, verehrte Leser, kaum dass man damit angefangen hat, ist man schon mitten drin, sich im syrischen Wirrwarr so richtig einzunisten und den schwindenden Überblick als Gott gegeben zu akzeptieren. Ja, eine gehörige Portion Fatalismus wird zuweilen geraten, sei angebracht, um in dieser Materie nicht vollends einzusickern.
Jedenfalls haben einige Palästinenser in ihren Lagern wie Yarmouk IS-Kämpfer, wie soll man sagen, beherbergt, wenn nicht gar ermutigt, sich dort einzunisten. Die sind dort jetzt angeblich abgezogen, genau so wie auch in Tadamon oder in Hajar al Aswad. Und somit hat Assad nach ungefähr 6 Jahren die volle Kontrolle über alle Vororte der Hauptstadt Damaskus zurückerhalten. „volle“ in diesem Zusammenhang ist selbstverständlich mit Fragezeichen zu versehen, gibt aber so in etwa das an, was Baschar al Assad über seine Medien in der Welt und in Syrien als Nachricht verbreiten lässt.
Jetzt kommt es aber, was viele von Ihnen wahrscheinlich nicht ganz kapieren dürften. Und das ist: Jene IS-Kämpfer, die nach längeren Schießereien in den zuvor genannten Gebieten in und um Damaskus noch irgendwie am Leben geblieben waren, bekamen 32 Busse hingestellt, um nach Badiya asch-Scham verfrachtet zu werden – also so eine Art freies Geleit. 1.600 Kämpfer des IS sind daher noch immer da draußen irgendwo unterwegs, um Baschar al Assad das Leben schwer zu machen, um die Scharia einzuführen, um den Ausländern die Umma entgegenzustellen – die Gemeinschaft der Muslime ist die Umma, welche ja bekanntlich schon vom Propheten Muhammad anvisiert und in einem wesentlich kleineren territorialen Rahmen auch etabliert gewesen war, und zwar im heutigen Saudi Arabien.
Der ausgebombte Stadtteil Yarmouk im Süden von Damaskus, wo ja einst mehrheitlich Palästinenser lebten, wurde sodann von den ausgehungerten und aufgehetzten Soldaten des Assad-Regimes sowie nicht-palästinensischen Anwohnern Damaskus‘ geplündert. In LKWs soll das Diebesgut hurtig zum nächsten Markt gefahren worden sein und wurde dort verhökert. Es wird berichtet, die geplünderte Schore sei mit UNICEF-Planen auf den LKWs zugedeckt gewesen, sodass sich, wird hier interpretiert, ein jeder seinen Reim aus dieser Art Camouflage machen kann, wer da im Grunde wen … und so.

Kann schon sein, dass das eben Gesagte nicht gerade die gelungenste Metapher war. Aber: Bekanntlich hat die arabische Literatur ebenfalls eine sehr reiche Metaphorik, vor allem die guten, alten Dichter von vor der Besetzung Arabiens durch Osmanen, Engländer oder Franzosen. Die Schriftstellerin Rana Kabbani zur erwähnten Plünderung von vorhin: „So unterstützt Assad also die Palästinenser. Wäre Yarmouk von den Israelis zerstört worden, dann hätte dies eine große Protestwelle ausgelöst!“ Iraner, oder die von ihnen in Syrien Eingesetzten, haben sich ebenfalls an den Palästinensern und ihrem ‚Eigentum‘ in Yarmouk vergangen, wird berichtet. Kann gut sein, dass das nächste Ziel dieser wild gewordenen Horden das Städtchen Daraa – wieder – sein wird, inzwischen schon ist.
Ein kleines Kontingent der ägyptischen Armee ist dort in der Gegend eingetroffen, um gemeinsam mit russischen Streitkräften das Assad-Regime bei einer geplanten Offensive in Daraa zu unterstützen. Al Masdar News berichtete, eine Friedensdelegation des Assad Regimes und der Russen sei in der Provinz Daraa unterwegs, um mit FSA-Kämpfern über eine ‚Versöhnung‘ zu verhandeln. Türkische Truppen und verbündete FSA-Kräfte wollen im Rahmen ihrer Operation „Olivenzweig“ Gebiete in Afrin nach Brauchbarem abgesucht haben. Ein größeres Waffen- und Munitionslager, vermutlich der YPG, sei dabei entdeckt worden. Auch schon davor, im März 2018, konnte ein solch gearteter Teilerfolg erzielt werden.
Das Wort Versöhnung wurde hier zuvor in Anführungszeichen gesetzt, da die Russen und das Assad-Regime klarmachten, dass ansonsten die Hölle über den Kämpfern einbrechen wird, wenn sie sich nicht auf Versöhnung trimmen lassen.
Und als wollte man uns Es leicht machen, den Überblick zu behalten, schlossen sich gleich 11 bewaffnete syrische Oppositionsgruppen in und um Idlib und der Stadt Hama zur „Nationalen Front für Befreiung“ zusammen Anfang Juni 2018. Türkische Truppen gaben, zeitgleich ungefähr, ID-Karten an Bewohner in Afrin und dem nahegelegenen Ort al Bab aus. Die Aktion brachte den Türken den Vorwurf ein, einen demografischen Wandel vor Ort vorantreiben zu wollen. Und wie wir alle wissen (sollten), haben die Türken nicht erst seit der Mitte des letzten Jahrhunderts in diesen assimilierenden Dingen einen ausgeprägten Erfahrungsschatz. Die Türken behaupten jedoch als Gegenargument, terroristische Schläfer sollen leichter enttarnt werden können etc., wenn ID-Karten besessen werden.

Al Bab ist für die Türken auch aus historischen Gründen ein wichtiger Ort (Osmanen). Insofern verwundert nicht, dass vermeldet wird, man habe mit der Restaurierung von Moscheen (derzeit 40 von insgesamt 60) und Bazaars begonnen. Die älteste Moschee in al Bab wurde im Jahr 717 errichtet. Eine religiöse Stiftung aus der Türkei soll die Gelder für die Erneuerungsarbeiten bereitstellen.
Währenddessen verlängerte die EU ihre Sanktionen gegen Assad um ein weiteres Jahr. Zum Ende des Junis 2018 hat die Verwaltung des al Hikmet Krankenhauses in al Bab den Betrieb eingestellt. Es würden nur noch Notfälle behandelt, wird vermeldet. Der Gesundheitsminister der syrischen Interimsregierung Muhammad Feras Jundi macht das Assad-Regime dafür verantwortlich sowie für Verschleppungen und Lösegeldforderungen von/für medizinisches/m Personal.
Und: Das Krankenhaus in Dana/Provinz Idlib wurde angegriffen. Der Versuch scheiterte, Ärzte zu entführen. Noch Anfang Juni 2018, also ungefähr 10 Tage davor, wurde Dr. Mahmud Mutlaq verschleppt, schwer gefoltert und gegen ein Lösegeld von 120 000 Dollar wieder freigelassen. Er soll einer der so genannten Wohltätigen Ärzte sein. Das berühmte Forqan Krankenhaus in Manbitsch, ein privates, musste Mitte des Monats Juni geschlossen werden. Der von der SDF kontrollierte Lokalrat forderte nämlich eine Betreibungsgebühr von – in solch leidgeplagten Zeiten – umgerechnet etwa 223 000 Dollar. Es gehörte zu den besten Häusern in der Region Nah- Mittelost, und war bekannt für seine moderaten Preise.
In Manbitsch versuchte es die Bevölkerung mit Streik aufzubegehren, doch dort sind ja bekanntlich noch die anderen, die US-Amerikaner und ihre Verbündeten von der kurdischen YPG sowie verbündete Stämme, die dort das Sagen haben. Die streikenden Händler von Manbitsch wurden schon nach recht kurzer Zeit vom Streiken ‚erlöst‘ und zur Arbeit gezwungen. Gefängnisstrafen wurden angedroht. Und Knast bedeutet in Syrien leicht und meist: ‚ein bisschen oder mehr‘ Folter.
Dass es also etwas oder mehr rau zugeht in Syrien, mag Ihnen noch durch Folgendes verdeutlich werden, verehrte Leser: Zwar leben wir im Jahr 2018 nach Christus, doch unweit von Manbitsch, genauer in Idlib, leben halt auch Menschen islamistischer Gesinnung. Und einige von denen, wurden von der al Qaida nahen Hayat Tahrir asch Scham (HTS) auf einem öffentlichen Platz hingerichtet – 4 Mitglieder der IS nämlich. Anführer der HTS ist derzeit Dr. Yusuf al Hagar. Er lehnt noch immer die Auflösung dieser Organisation ab. Kann sein, dass er inzwischen schon nicht mehr lebt. Da war dieser Bericht im syrischen TV, dem nicht ganz aufmerksam gefolgt wurde, der diese Nachricht eventuell verbreitete.
Hier gehört noch schnell angemerkt, dass dieses erwähnte Bündnis eines ist, welches 2013 aus dem Zusammenschluss der al Nusra Front und anderen, kleineren Kampftrupps hervorging. Die UN haben Hayat Tahrir asch Scham als Terror Organisation gelistet. Die USA bezeichnet die Organisation als militaristischen Ableger der al Qaida.
Im Internet wurde unter anderem gewitzelt, dass die Namensänderung in Hayat Tahrir asch Scham doch wohl eher unglücklich gewesen sei. Weil hätten diese Kämpfer oder Terroristen das Wort „Demokratisch“ in ihren Namen aufgenommen, wären die USA gewiss bereit gewesen, sie anzuerkennen – siehe beispielsweise die PYD/YGP (Partei der Demokratischen Union) der Kurden.
Al Hagar, der eventuell noch lebendige Führer der Terroristen der HTS: Die Beziehungen zur Türkei seien aber dennoch als ausgewogen zu bezeichnen. Man halte weiterhin an den Zielen der syrischen Revolution fest.
Zu hören ist: Viele Beobachter finden vermehrt, die syrische Revolution wurde wohl eventuell doch eher von sogenannten Agent-Provokateur angestoßen, die wiederum von internationalen Kooperationen sowie der US-Regierung und anderen Interessierten den Auftrag dazu ereilt bekommen haben könnten. Der sogenannte Arabische Frühling soll daher von recht langer Hand vorbereitet worden sein – angeblich schon seit Anfang der 2000er Jahre, eben von den zuvor bezeichneten Akteuren aus dem Westen vordringlich.

Zurück nach Idlib, wo der so genannte Arabische Frühling einst ganz heftig tobte: Knapp 2 Millionen Menschen bräuchten in Idlib Hilfe, also 67% der gesamten Bevölkerung in dieser Region des Landes. Allerdings sind um die 10 000 Menschen vor Ort offenbar militante Dschihadisten, Kämpfer, die vorgeben, vorrangig im Dienst des Islam kriegerisch unterwegs sein zu wollen. Und auch daher geschehe, dass die Trump-Regierung derzeit Hilfen für Syrien komplett eingestellt hat (Stand 15.06.2018).
Und dem nicht genug: Die Türkei und Russland haben sich offenbar darauf geeinigt, Mitte Juni einen „humanitären Korridor“ in Tal al Sultan/Provinz Idlib zu eröffnen. Vertriebenen soll dergestalt die Rückkehr in das vom Regime kontrollierten Gebiet ermöglicht und erleichtert werden.
Währenddessen all dieses und jenes geschieht und geschah, wenig später oder früher, griffen israelische Panzer Stellungen der Hisbollah in der syrischen Ortschaft Tulul al Humur südlich von Quneitra an. Südwestlich von Homs bombardierten die Israelis Ende Mai bereits den Militärflughafen al Dabaa. Kampfhubschrauber des Assad-Regimes warfen andernorts Flugblätter über Homs ab: Ergebt Euch oder ihr werdet getötet, soll die Nachricht darauf in etwa gelautet haben – „wie die Leute von Ghouta“, wird es euch ansonsten ergehen, stand noch drauf.
Dass solche Drohungen nicht leer sind, zeigte sich erneut in Latamnah, wo vermutlich das Assad-Regime Phosphorbomben abwerfen ließ. Und Sie werden es nicht glauben: Der Ministerpräsident Syriens, Jawad Abu Hatab, unterzeichnete ausgerechnet in dieser wirren Gesamtlage ein Gesetz, das bewirken soll, dass der Anteil der Frauen in politischen Ämtern steigt. Ja, und es geht weiter mit solch Ungereimtem, weil: Das Assad-Regime übernahm den Vorsitz der UNO-Abrüstungskonferenz für einen Monat – in Genf. Und wissen Sie was? Der UN-Bevölkerungsfond arbeitet offenbar mit der staatlichen „Syrian Computer Society“ zusammen. Und diese Society wurde vom Bruder Baschar al Assads, dem Basel, gegründet. Des Weiteren gibt es seit 2011, seit der Konflikt in Syrien begann, eine regime-treue Hackergruppe namens „Syrische Elektronische Armee“. Und wir wollen hier gar nicht ausmalen, mit wem die sich im Darknet und andernorts im Netz anfreunden.

Ein ‚lustiger‘ Ort, Syrien – und/oder das Internet. Und dennoch scheinen einige Universitäten in Syrien geöffnet zu sein. Schulen und Gymnasien ebenso, wenn immer es sich arrangieren lässt. Ein komplexer Ort ist Syrien also, wo territorial stets begrenzt Krieg, Mord und Folter etc. Alltag geworden sind – und stückweis ‚NORMALHEIT‘ herrscht.
Und nun noch dies zur Beschreibung der Lage in Syrien, wo die sogenannte kurdische Solidarität, die zuweilen auch auf deutschen Straßen von kurdischen Protagonisten hochgehalten wird, gar existent sein soll.
Es verlautbarte nämlich ein Anführer der kurdisch-syrischen PYD, dass kurdische YPG-Milizen nach ihrem Abzug aus Afrin mehr als 90 kurdische Häftlinge dem Militärgeheimdienst des Assad-Regimes ausgeliefert haben. Ihr Abzug erfolgte nach Kobane, und zwar an der Seite von französischen Kräften. Und an das Regime von Assad ausgeliefert zu werden, bedeutet geradezu an Sicherheit grenzend Folter und wahrscheinlich auch schrecklichen Hunger, der ausgehalten werden muss etc. Sozusagen im Gegenzug griffen sich die Türkei und FSA-Kräfte tausende Kurden, die sogar in Privatflugzeugen nach Afrin zurück- oder eingeflogen wurden, um diese ‚Glücklichen‘ dort anzusiedeln, wo die 90 Häftlinge, die oben erwähnt wurden, an die Häscher der Assads ausgeliefert worden waren.
Immerhin: Um den 20. Juni herum wurde das Tragen von Waffen in Afrin von einer ausgebildeten Militärpolizei des FSA verboten. Eine Kurdin mit hohem Rang in der YPG, Ilham Ahmet, soll sie heißen, warnte eben diese oben erwähnten Kurden, die bereitgestellten Flugzeuge besser nicht zu besteigen, weil ihre YPG das Gebiet in und um Afrin zuerst zurückerobern müsste, bevor solch eine Umsiedlung Sinn machte. Sie drohte den wahrscheinlich mehrheitlich unfreiwillig Hin-und-Her-Gerissenen kurdischen ‚Blutsbrüdern und -schwestern‘ mit dem Tod.

Nun, die Co-Vorsitzende der PYD, eben Ilham Ahmet, scheint darüber hinaus auch mal wieder zu Gesprächen mit Vertretern des Assad-Regimes in Damaskus gewesen zu sein. Sie besucht anscheinend auch regelmäßig Washington DC, wird dort als enge Partnerin der US-geführten Internationalen Koalition (CJTFOIR) im dortigen Außenministerium geführt. Ahmet dürfte bei ihrer Visite in Damaskus erneut abgeklappert haben, ob und unter welchen Bedingungen das Assad-Regime zukünftig bereit sein könnte, ein autonomes kurdisches Gebiet im Nordosten Syriens zuzulassen.
Des Weiteren: Ein hochrangiges Mitglied der kurdischen Zukunftspartei, Abdulhamid Tammo, ist in der Provinz Hassake (vermutlich am 03.06.18) verschleppt worden. Er befand sich auf dem Weg nach al Jennazya. Der Freie Rechtsanwälteverbund Syriens in Gaziantep/Türkei machte Kräfte der PYD/SDF dafür verantwortlich. Anwalt Tammo ist ebenfalls Mitglied der Nationalen Syrischen Koalition. Tammo ist inzwischen wieder auf freiem Fuß und befindet sich in einem Dorf nahe Qamischli.
Tammo ist also vorerst wieder in ‚Sicherheit‘. Doch zehntausende ehemalige Bewohner Afrins befinden sich weiterhin auf der Flucht. Vor allem sind junge Mädchen auf der Flucht mit ihren Eltern, alleine oder mit Verwandten, gefährdet. Die Puffs in der Türkei, dem Libanon etc., auch sogar in Nordzypern, sollen mit kurdischem ‚Frischfleisch‘ zur allgemeinen ‚Zufriedenheit‘ der Kundschaft gut gefüllt sein. „Daha düşmadı!“, hört man Freier hie und da zuweilen gewiss wieder zueinander sagen. Und das Gesagte soll bedeuten: Noch ist die Ware frisch! Noch ist sie nicht in der Gosse gelandet – oder billig und für jedermann zu haben!
Jungs werden oft zwangsrekrutiert oder an Geheimdienste und andere Interessierte weitergegeben bei Bedarf.
In diesem Zusammenhang kommt man vielleicht nicht umhin, thematisch etwas einen Schwenk zu machen – Susanne. Die Rede ist von der 14-jährigen Deutschen, die von einem Iraker, wahrscheinlich Kurde, aus Irbil umgebracht worden ist. Er war Flüchtling in Deutschland und sitzt jetzt in Deutschland in Haft wegen des Mordes.

Wenn aber bedacht wird, in welchem Umfeld er aufgewachsen sein mag, nämlich an Orten, wo Folter, Mord und Krieg way of life geworden zu sein scheinen, kann man eventuell ahnen, wie schwer es vielen geflüchteten, relativ jungen Menschen fallen muss, die kaum eine andere Realität bislang kennenlernten, wirklich zu kapieren, dass Mitteleuropa anders tickt. Dass man nicht einfach eine Frau killt, die nicht so will wie man es gerne hätte – oder wegen der sogenannten Ehre etc. Dass die von Zuhause und der Religion gesetzten und erlernten Schranken mehr als Worte sind.
Das Letztere zu begreifen, dürfte vielen dieser jungen geflüchteten Menschen wirklich schwerfallen. Insofern hat Wagenknecht von der Linken durchaus Recht: Man kann die Grenzen nach Europa nicht einfach aufhalten, wie viele ihrer Parteifreunde meinen, und sagen: „Kommt!“ Das funktioniert nicht und ist realitätsfern.
Europäer sind inzwischen mehr denn je aufgrund der Gegebenheiten weltweit aufgefordert, ihren Lebensstil gründlich zu überdenken und entsprechend zu justieren, bestenfalls schnell, andernfalls wiederholt sich Geschichte, vielleicht die der iranischen Hochkulturen vor Zarathustra usw.

Ja, ja, die Iraner in Syrien. 60 und mehr Firmen sollen die dort bereits gegründet haben. Und diese Firmengründungen werden den iranischen Revolutionsgarden zugeordnet. Internationale Sanktionen des Westens, die den Iran im Griff hatten und demnächst wohl wiederhaben dürften, sollen mit derartigen Firmengründungen umgangen werden, werden so umgangen: Geldwäsche, Waffengeschäfte etc. dürften wohl auch ein Thema sein, gelegentlich.
Apropos: Syrer sollen neuerdings ein Visum zur Einreise in den Iran sich ausstellen lassen müssen. Interessant ist, zu erfahren, dass der Libanon aber die Visumspflicht für Iraner aufhob. Das heißt, dass iranische Reisepässe nun nicht mehr abgestempelt werden an der Grenze. So soll offenbar gewährleistet werden, dass dieser Personenkreis weiterhin nach der EU einreisen kann, denn die EU lässt Iraner, die im Pass einen libanesischen Stempel haben, neuerdings nicht mehr in die Gemeinschaft einreisen. Apropos: Der Flughafen in Beirut soll derzeit mehr oder minder in iranischen Händen sein – so auch eine Militärbasis. Geld und Waffen würden ohne Kontrollen aus dem Iran eingeführt.
Versteht sich, dass einige der zuvor erwähnten Firmen längst auch im Libanon ein Beinchen (in etwa 200 Unternehmen insgesamt) aufgesetzt haben – und andernorts in der Welt. Namen? Hier, bitte sehr: Samer Foz, Moufid Karami, Sayyid Zaynab, Hafni Mortada, Farouk Joud, Abdel Qader Sabras, Samer Yousef, die Töchter von Nizar as Asaad usw.
Überhaupt: Gemunkelt wird, dass Baschar al Assad derzeit mehr Einfluss im Libanon habe als in Syrien. Die Unternehmer der transferierten Unternehmen sollen jeweils 1 Million Dollar bezahlt haben, um im Libanon sich ansiedeln zu können.
Diese Praxis erinnert uns sehr stark an Zypern oder Malta, wo genau das Gleiche getan wird, und schon fast als eine Art Industriezweig betrachtet werden darf. Gewiss gibt es auch daher einige iranisch-stämmige Unternehmensableger auf Zypern – was dort eventuell keiner wirklich so genau wissen will, ist zu vermuten.
Meldungen zufolge sollen über 2 Millionen Iraner die syrische Staatsbürgerschaft erhalten haben, was von Gegnern Assads ebenfalls als Strategie gewertet wird, den in alle Winde geflüchteten Syrern eine Rückkehr zu erschweren.
Inzwischen (Ende Juni) sollen an der Grenze zu Israel keine Iraner und/oder ihre afghanischen, pakistanischen, libanesischen oder gar algerischen Kämpfer in Stellung liegen. Was hier noch eingefügt gehört: Russland einigte sich bereits zur Mitte des Monats Juni darauf, Standorte der Hisbollah/IRGC in Syrien bekanntzugeben, falls diese sich nicht dem zuvor erwähnten Abzug anschließen sollten. Israel war vor geraumer Zeit nämlich bereits auf diese Weise in Aktion getreten gegen iranisch unterstützte Milizen, nachdem diese die Befehle Russlands verweigert hatten, Stellungen aufzugeben (so geschehen im Umkreis von Damaskus und Daraa).
Apropos: Gemäß Herrn Hadi al Abdallha, ein unabhängiger Reporter vor Ort, sei die Spezialeinheit des Assad-Regimes die Quwat al Nimr, die für ihre Kampfstärke und Brutalität gefürchtet ist, in Daraa eingetroffen. Neben ihnen sollen noch weitere Akteure die Interessen des Regimes – dort – auskämpfen: die Republikanische Garde, die NDF, Gaisch al Tahrir al Falastini, Liwa al Quds, die 4te, 7te, 9te, 14te und 15te Division der syrischen Armee. Die USA sagen dazu warnend: „Die Feuerpause muss weiter umgesetzt und respektiert werden (Stand 19. 06. 18).
Oder um das Phänomen Syrien auch mal von dieser Seite etwas näher beleuchtet zu haben: US-Kampflugzeuge töten südlich von Hassake den IS-Anführer Omar Ali, ein Ägypter, der für die Medienarbeit der Terrormiliz verantwortlich zeichnete. Oder: 150 Ziegen wurden Dorfbewohnern nahe der Stadt Deir ez Zor von Truppen des Assad-Regimes geklaut sowie 10 Kühe. Daraufhin verschleppten die Bewohner 5 Soldaten des Regimes, die dann gegen das gestohlene Vieh zurückgetauscht werden konnten. In dieser Provinz befanden sich Anfang Juni 2018 ungefähr 65 hochrangige IS-Anführer, also östlich des Euphrat. Die Mehrzahl dieser Anführer soll aus dem Irak stammen. Putin soll geäußert haben, dieses Gebiet könne dem Iran überlassen bleiben.
Und um das Bild eines zukünftig eventuell geteilten Syriens zu vervollständigen, welches weiter oben schon angerissen worden war: Assad und sein Clan sollen dann lediglich in und um Damaskus einen Teil des Landes erhalten. Versteht sich, dass die hier eben gegebenen Informationen – noch – unbestätigte sind.

Und weil wir schon bei Damaskus sind: sie scheint die untergrabene Stadt per se zu sein. Soll heißen: Die Assad-Gegner haben im Laufe des Konflikts seit 2011 hunderte Tunnel gegraben, die diese Stadt durchziehen sollen. Es dürfte daher nicht unbedingt leicht sein, die volle Macht in dieser Stadt zu übernehmen, wenn Assad Damaskus als Teil eines aufgeteilten Syriens erhalten würde.
Obgleich: Bei den unmenschlichen Methoden seines Regimes ist damit zu rechnen, dass es wahrscheinlich genug Denunzianten geben wird, sich ‚produzieren‘ lassen, die Assads Folterern stecken, wo einer oder mehrere dieser Tunnel verläuft/-laufen.
Im Interview mit Al Jazeera am 14. 06. 2018 angesprochen auf seinen Ruf als Folterer und Tyrann, wickelte Baschar al Assad den Vorwurf damit ab, unter anderem, dass das alles lediglich unbegründete Propaganda des Westens sei. „Fake News.“ Auffallend war, dass er im Interview die USA, Großbritannien und Israel nannte, aber nicht mit seinen schmutzigen, blutigen Fingerchen in Richtung EU zeigte, die für sein Dilemma verantwortlich seien und für Falschmeldungen etc. Das lässt eventuell tief blicken, wie man sagt.
Zeitlich 2-3 Wochen später räumt der israelische Prämier Netanjahu mal wieder ein, Bombardements auf Stellungen von Verbündeten des Iran in Syriens durchgeführt zu haben. Der Iran würde ansonsten Syrien „kolonialisieren“, um Israel anzugreifen. Netanjahu: 80 000 Milizkämpfer aus Pakistan und/oder Afghanistan seien zu diesem Zweck eingeschleust worden.
Und so verwundert uns wenig, dass der russische Außenminister Pläne für eine Sondersitzung der Mitglieder des Chemiewaffenübereinkommens im Juni 2018 ablehnte. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies geradezu energisch zurück, dass Russland „angebliche“ Chemiewaffeneinsätze Baschar al Assads decken würde.
Jordanien hat in diesen Tagen, wie man sagt, die Fronten gewechselt. Offenbar hat dort jemand eingesehen, dass mit Assad besser zu sterben ist also ohne. Soll heißen: Amman will, dass der Nasseb-Grenzübergang endlich wieder geöffnet wird, damit Handel getrieben werden kann. Die Sorge, dass iranische Kampfverbände sich so leichter ins Land einschleusen können, wird gesagt, nehme man in Kauf. Ein-zwei Wochen später sendet das Land einen großen Militärkonvoi mit Panzern an die Grenze zu Syrien. Die Grenze wurde seit 2014 für Flüchtlinge geschlossen seitens Jordanien. All das trägt dazu bei, syrische Flüchtlinge im eigenen Land zu Getriebenen zu machen – eigentlich ist für sie kein Schlupfloch in die Freiheit mehr da.
So um die 33 000 iranische Kämpfer sollen sich also in Syrien befinden. 7806 seien getötet worden bislang, wovon wiederum 1649 Mitglieder der libanesischen Hisbollah gewesen sein sollen. Einer der zahlreichen Deals scheint unterdessen zu sein nach Verlautbarungen, dass Syrien im Süden an der israelischen Grenze des Landes ‚saubermachen‘ darf, unter der Bedingung, dass die Iraner von dort verschwinden. Und jetzt kommt es: Anscheinend werden die Israelis dem Assad-Regime dabei unter die Arme greifen und den Einsatz ‚netterweise‘ koordinieren (Quelle: die Jüdin Eizabeth Tsurkov – Forum for Regional Thinking).
Die Russen ihrerseits bitten die Israelis um Nachsicht, sollten im Zuge der zuvor erwähnten geplanten Säuberungs-Operationen des Assad-Regimes an der israelischen Grenze das eine oder andere Bömbchen oder Raketchen versehentlich auf dem von Israel eingenommenen Terrain landen. Netanjahu hingegen findet, die Iraner müssten aus Gesamtsyrien sich zurückziehen. Die Maximalforderung strebt er somit an.

Immerhin: Beim Internationalen Wirtschaftsforum letztens in St. Petersburg konnte der syrische Wirtschaftsminister Samir al Khalil stolz verkünden, dass russische Firmen bereits mit dem Wiederaufbau der syrischen Erdöl- und Erdgasindustrie begonnen hätten. Zwischenzeitlich hat sich das syrische Regime über die Aufteilung der Öl-Einnahmen in Deir ez Zor geeinigt, und zwar, wo die YPG-Miliz das al Omar Ölfeld kontrolliert. Das Regime erhält nun täglich 100 Barrel Öl, die YPG 75. Das al Omar Ölfeld zählt derzeit zu den größten seiner Art in Syrien und fördert täglich anscheinend um die 15 000 Barrel Öl.
Na, wo dieser große Rest des Öls wohl verschwindet – Sie haben doch hoffentlich schnell mal mitgerechnet? In den USA? Russland? Oder gar in China?
Jedenfalls: Zukünftig würden noch mehr Verträge mit Russland geschlossen vonseiten Syriens. Und wäre in der Türkei widererwarten Muharrem Ince am 24. 06. 2018 als Präsident der Türkei gewählt worden, hätte es angeblich zu einer Annäherung zu Assad kommen können. Ob es klug gewesen ist, solch Aussicht vor einer Präsidentenwahl in der Türkei in Aussicht zu stellen, zeigt das Wahlergebnis. Ince stand mit seiner Positionierung im Lager der Erdogan-Gegner alleine auf weiter Flur. Da Erdogan indes als Sieger hervorgegangen ist bei den Wahlen, wird mit Sicherheit eine noch härtere Gangart Ankaras in Nordsyrien – und eventuell darüber hinaus gehend sogar in Damaskus, in Deir ez Zor etc. zu erwarten sein.

Anscheinend haben die Russen die Zeichen der Zeit verstanden. Sie haben damit begonnen, eigene Militärpolizisten in allen Übergängen zwischen Hermel und Quseir zu stationieren. Das Gleiche gilt nahe der libanesisch-syrischen Grenze (Bekaa Ebene und Qalamoun). Ganz offensichtlich werden so die von Erdogan schon seit Anfang des Syrienkonflikts geforderten „Roten Linien“ gezogen. Bewegungen der libanesischen Hisbollah und anderen Organisationen sollen so eingeschränkt werden. Wo keine russischen Militärpolizisten zum Zuge kommen, wie beispielsweise in und um Damaskus, werden die sogenannten Schabiha-Milzen des syrischen Regimes herangezogen, um an Kontrollpunkten zu wirken. Dass es daher allmählich zu mehr Anschlägen auf russische Soldaten gekommen ist, kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Es wird zwar spekuliert, dass iranische Kräfte Baschar al Assad ins Jenseits befördern könnten, da dieser dieselben auf Betreiben Israels etc. abzuziehen gedenke. Wir gehen hier allerdings nicht von einer solchen Tat durch iranische Milizen aus. Denn solch ein Mord wäre konterproduktiv für den Iran. Solch ein Entscheid wäre zu kurz gegriffen. Und die Iraner sind nicht dafür bekannt, in kurzen Zeitabständen zu planen. Darin gleichen sie in etwa Moskau oder China. Der Vorwurf, dass Trump, und allgemein der Westen, Politik des kurzzeitigen Maßes machen, trifft jedenfalls nicht immer zu – und, wie zu sehen ist, offensichtlich nicht im Syrienkonflikt, den, wie bereits oben gesagt wurde, gewisse Kreise in Washington angeblich mit Bedacht schon Anfang der 2000er Jahre angedacht hatten – aus verschiedensten Gründen. Sehen Sie hierzu das vor einiger Zeit hochgeladene Video auf der Webseite Zypernsundmehr-News (auf Englisch).
Da die Verlegung russischer Militärpolizisten an die libanesische Grenze jedoch zu großen Spannungen führte, wurden dieselben anstatt nach Quseir in Homs verlegt und durch Soldaten des Assad-Regimes ersetzt. Den Russen wird voraussichtlich nicht passieren, was Ayman Jaber mit dem Regime in Damaskus vor Kurzem passierte. Bekanntlich ist Jaber ein Ölmagnat, und regimetreu war er zudem. Dennoch hat Damaskus nun sein Vermögen einfrieren lassen, obwohl er an die 7000 Kämpfer des Regimes, die sogenannten „Wüstenfalken“ und „Seekommados“, aus ‚eigenen‘ Mitteln jahrelang finanzierte. Beispielsweise verhalf sein Geld dem Regime, die Antike Stadt Palmyra zurückzuerobern, wird behauptet. Was zusätzlich aufhören lässt, ist, dass Jaber mit Assad um ein paar Ecken verwandt ist.

Dass die Iran-Strategie der Trump-Administration bereits von Erfolg gekrönt ist im Nahen Osten, kann hier nicht bestätigt werden. Noch sieht es so aus, als könne Iran seinen Einfluss in der Region halten. Sicher ist aber, Putin zufolge, dass Moskau keinen Abzug aus Syrien plane. In diesem Zusammenhang stehend darf gesehen werden, dass die Autobahn Homs-Hama (M-5) nach sieben Jahren erstmals wieder für die gesamte Öffentlichkeit geöffnet wurde. Davor diente sie eine Zeitlang nur der sogenannten Humanitären Hilfe. Interessant ist des Weiteren, dass ein internationaler Haftbefehl für den Luftwaffengeheimdienstchef Jami Hassan ausgestellt wurde. Der 64-Jährige wird beschuldigt, systematische Folter und willkürliche Exekutionen von politischen Gefangenen und anderen Unliebsamen beauftragt zu haben. Diese Maßnahme wird als erster wichtiger Schritt erachtet, um Individuen strafrechtlich verfolgen zu können zukünftig – so auch die Assads. Währenddessen wird bekannt, dass der Libanon die Aufenthaltsgenehmigung für Mitarbeiter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen nicht verlängert. Der UNHCR ermutige Flüchtlinge, nicht zurückzukehren, lautet der Vorwurf und/oder die Begründung.
Apropos Flüchtlinge: Die Türkei hat zwischenzeitlich den Bau einer 764 km langen Mauer an ihrer Grenze zu Syrien abgeschlossen.
Der Präsident des Libanon, Michel Aoun spricht von Verlusten, die sein Land der syrischen Flüchtlinge wegen erleide – 10 Milliarden Dollars soll dieser Verlust hoch sein. Im Netz findet jemand: Sogar, wenn die syrischen Flüchtlinge im Sheraton wohnten, käme diese Summe im Leben nicht zustande.

Zuletzt: Warten wir mal ab, wo um Europa herum, so genannte Aufnahmelager für Flüchtlinge entstehen werden, welche der österreichische Vorsitz in der EU bei seinem Amtsantritt am 01. Juli 2018 als primäres Ziel seines Ratsvorsitzes anzuvisieren vorgibt in den bevorstehenden 06 Monaten.
Wurde Syrien etwa auch daher plattgemacht und von langer Hand geplant, damit Menschen aus allen Herrenländern dort, vor den Toren Europas, ‚geparkt‘ werden könnten?
Am 12. Juni 2018 berichtet die Cyprus Mail: „Friedensprotester marschieren zum Akrotiri-Luftwaffenstützpunkt der Briten.“ Sie sorgen sich zurecht, dass die Republik Zypern noch tiefer in den Krieg in Syrien hineingezogen wird. Sie fordern, dass Anastasiadis die Flüge der Briten nach Syrien unterbindet etc.
19. Juni 2018 steht in der Cyprus Mail:
„Hussam Idris träumt davon, in seine Bäckerei in Aleppo zurückzukehren. Doch 3 Jahre nach der Flucht vor dem Krieg, macht er sich Sorgen, das neue Gesetz, welches der syrischen Regierung erlaubt, Hausbesitz zu konfiszieren, um einen Wiederaufbau durchzuziehen, seine Pläne zunichtemachen könnte. … Obgleich das Gesetz Nummer 10 oder das Dekret 10 noch angewendet werden müssen, sagen Menschenrechtsgruppen und Regierungen, die syrische Flüchtlinge aufgenommen haben, letztere würden Gefahr laufen, permanent im Exil leben zu müssen, wenn sie ihr Eigentum verlören. Ein hauptsächlicher Grund zurückzukehren, wäre so genommen.
Idris sitzt in der syrischen Botschaft von Berlin und versucht, die Besitzverhältnisse zu Hause zu klären, in dem er seine Mutter installiert. Sie könnte dann Anspruch für die Bäckerei und das Appartement im Kallaseh-Bezirk von Aleppo erheben, welcher vor 2 Jahren zurückerobert worden war. Damit ist er nicht alleine. Das neue Gesetz löste einen Run auf syrische Botschaften aus. Ein Beamter dort, der seinen Namen nicht angeben mag, sagte, dass seit das Gesetz im April in Kraft ist, kämen täglich 10 bis 15 Syrer an, die versuchten, den Besitzstatus auf Verwandte zu übertragen. … .
Deutschland hat um die 650 000 Syrer aufgenommen. Das sind die meisten in westlichen Ländern. Und Deutschland ist ganz besonders besorgt des Gesetzes wegen. Die Sorge ist, dass Baschar al Assad das Gesetz benutzen könnte, um vormalige Oppositionszentren plattzumachen, die von der Regierung zurückerobert wurden, und nun mit Unterstützern der Regierung angefüllt werden sollen. … . Syrien spricht in diesem Zusammenhang von einer Desinformationskampagne, die gegen es laufe. Damaskus sagt, dass ein Wiederaufbau unablässig sei und der Platz dafür nun mal gebraucht würde. Außerdem müssten illegale Besitze eh korrigiert werden. …
Die Tatsache, dass der UN Sicherheitsrat Kenntnis von dem Dekret 10 genommen hat, ist gute Nachricht, sagte ein weiterer deutscher Beamter. „Doch der Druck, das Dekret nicht anzuwenden seitens der syrischen Regierung, hat von Russland zu kommen:“
Obgleich das Gesetz Nummer 10 besagt, Verwandte könnten Besitzansprüche anmelden, sagen syrische Anwälte, dass der Besitz in Realität eben einer Person übertragen werden muss, damit die Behörden wüssten, welcher Verwandte der gewünschte gesetzliche ‚Agent‘ ist. Außerdem bräuchten all jene, die solch einen Besitzanspruch stellten, sagen Anwälte und Menschenrechtsgruppen, auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. … .
Das Regime hat eine lange Geschichte in willkürlicher Enteignung, um seinen ökonomischen und sicherheitstechnischen Interessen zu dienen. Diese Praxis war in der Tat einer der Hebel, welche die Rebellion verursachten. … Lokale Behörden benutzen Land, welches unter dem Gesetz 66 konfisziert worden war, um eine Luxus-Wohnanlage mit 12 000 Wohnungseinheiten zu erbauen. Assad hat die Anlage 2016 eingeweiht. Jetzt wird von einigen Flüchtlingen aus Syrien befürchtet, dass das Selbe mit Gesetzt Nummer 10 der Fall sein wird. …

[Jemand:] „Wenn Sie in einer ausgebombten Gegend lebten, wo die Oppositionellen des Regimes aktiv waren, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass Sie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung erhalten – und so geht auch Ihr Recht auf Ihren Besitz flöten!“

Umleitung

via um-lei-ten

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