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Archive for August 2014

Und was schreibt denn eigentlich die Cumhuriyet zu den Ereignissen in der Türkei. Immerhin hat sich das Establishment in Ankara dazu entschlossen, den kleinen, quirligen Außenminister Davutoglu zum Ministerpräsidenten zu küren, oder wie man es nennen darf. Und eben auch daher ein paar Zitate aus der Cumhuriyet, die sich mit Recht als eine Zeitung der türkischen Opposition sehen darf – ansonsten ist in der Türkei nicht mehr all zu viel Opposition übrig geblieben und wird gewiss noch etwas weiter schrumpfen:

„Die Reaktionen der Opposition bezüglich der Kandidatur von Außenminister Davutoglu zum Ministerpräsidenten durch den Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan halten an. Der Vizepräsident der CHP, Faik Öztrak, verkündet, Davutoglu sei nicht gewählt, sondern auf den Posten berufen worden. Davutoglu hat die ISIS hochgezogen, als deren geistigen Vater und schaute dabei zu, wie diese Terrorgruppe 49 türkische Landsmänner als Geisel festhält im Norden Iraks. So einer ist nun also an die Spitze der Regierung berufen worden. Oktay Vural von der MHP sagte: In der Türkei hat das Umtopf-Modell der Ministerpräsidenten begonnen!“ [Womit die nicht-demokratische Art und Weise der Besetzung des Postens gemeint sein dürfte].

Toprak von der CHP sagt über Davutoglu: In der Außenpolitik hat er unser Land zum Unterauftragnehmer der Terrorgruppe gemacht. So einen zum Ministerpräsidenten zu berufen, bedeutet, dass diese Politik der Subunternehmungen weiter geht. Davutoglu ist derjenige, der all das, was in der Außenpolitik gewonnen worden ist [gute Beziehungen mit den Nachbarn ist gemeint], in den Sand gesetzt hat, als derjenige wird er auch in die Geschichte eingehen. Jetzt kommt [offenbar] die Innenpolitik dran [beim Kaputtmachen]. Er wird das Land jetzt innenpolitisch flachlegen, so wie er es in der Außenpolitik getan hat. CHP Abgeordneter Atilla Kart aus Konya [das ist die Provinz, aus der Davutoglu kommt, dem Städtchen Taskent, wo nach Berichten der TürkInt von gestern der größte Teil der Bevölkerung wie nach einem gewonnen Fußballspiel durch die Straßen ziehend zu sehen gewesen ist, und Dank und Glückwunschbekundungen an den neuen Ministerpräsidenten zuhauf zu hören waren, einem von ihnen] sagt, es widerspreche der Verfassung, wie Davutoglu in sein neues Amt kommt: „Ich schlage Herr Davutoglu vor, um kein Chaos entstehen zu lassen, gleich von Anfang an, die Verordnungen zu prüfen und dann daraus seine Schlüsse entsprechend zu ziehen!“

Sieht alles nach einem abgekarteten Spiel aus, könnte man meinen. Dass Prof. Dr. Davutoglu – der, sagt die TürkInt habe die Frankfurter Allgemeine geschrieben, sehr gut Deutsch, Englisch und Arabisch spricht – wohl doch nicht politisch die große Leuchte zu sein scheint. Für den Mann aus kleinen Verhältnissen war der Sprung ins ganz große Amt vielleicht einfach doch zu verlockend, um die Fallstricke erkennen zu wollen – denen er sich wahrscheinlich gewachsen sieht. Nun, diese Fallstricke sind zweifelsohne, dass er sich – wenn die Anschuldigungen der Oppositionsparteien zutreffen – in eine Art rechtsfreien, bzw. rechtsbrecherischen, Raum begibt, derart seine Stellung als Ministerpräsident gleich von Anfang an schwächt, beziehungsweise schwächen lässt, und zukünftig daher gewiss noch mehr als einmal zähneknirschend den Zielvorstellungen seines Zaubermeisters, Erdogan, wird zustimmen dürfen. Erdogan ist ja bereits feste damit beschäftigt, die Verfassung zu retouchieren, damit dem neuen Präsidenten der Republik Türkei, also Erdogan, Rechte zukommen, die den ehemals starken Posten eines Ministerpräsidenten entsprechend revidieren, außer Kraft setzen.

Die erste Auslandsreise des neuen Präsidenten, Erdogans, wird nach Nordzypern sein. Danach soll es dann sogleich nach Azerbaycan gehen. Soweit, so gut. Die Frage ist, wohin geht er danach? Ok, er könnte noch nach Türkmenistan ausweichen oder gar nach Özbekistan, doch spätestens dann hat der neue Präsident sozusagen Farbe zu bekennen. Die Lage genauer in Betracht nehmend, würde nicht verwundern, wenn er und sein Beraterstab so unerwartete kluge Dinge täten, wie zuerst nach Albanien zu reisen, dann womöglich nach Mazedonien um schließlich, sozusagen triumphal, in Athen einzureiten. Man darf also gespannt sein.

Emre Kongar, Urgestein der Cumhuriyet-Zeitung, der vielleicht einzig wirklich verbliebenen Opposition im Lande schreibt:
„Nach dem klar geworden war, dass Erdogan zum Präsidenten gewählt werden würde, alles Verfassungsrecht außer Kraft setzend, indem er bis zu jenem Zeitpunkt Ministerpräsident und Vorsitzender der Partei, AKP, geblieben war… .
Davutoglu sagte in seiner Dankesrede: … ’soll niemand daran zweifeln, dass die 12 Jahre Restoration, die wir verwirklichten, jetzt zu Ende ginge – sie wird weitergehen‘.
Davutoglu ist ja ein Politiker mit akademischem Hintergrund… Kein Zweifel besteht, dass er der Öffentlichkeit im Ausland durch das Verwenden des Wortes „Restoration“ eine Nachricht übermitteln wollte. Restoration bedeutet in der heutigen Sprache „Erneuerung“, also, „einen alten Zustand erneuern“. Nun, was restoriert die AKP denn, was wird so wie einst wiederhergestellt, was wird Davutoglu neu, aber, wie gehabt weiterführen?
Kurz mal nachgesehen, was das Wort in der Wissenschaft denn eigentlich bedeutet. Bei den Historikern und Politikwissenschaftlern bedeutet es, verkürzt gesagt, ein durch einen Krieg, einen Aufstand, eine Revolution oder einen Putsch niedergekommenes Regime von neuem zu kreieren….

All das bedarf keiner weiteren Worte: Davutoglu meint damit die 12 Jahre AKP-Herrschaft, und dass das seine Aufgabe ist, die „Restoration“ dieser Zeit zu erledigen…. .“ Das heißt, die 12 Jahre werden mal kurz geschluckt, oder so, und jetzt beginnt die wahre Herrschaft der AKP?

Wer gestern TürkInt gesehen hat, wird vielleicht mitgekriegt haben, mit welcher Wucht der regierungsnahe Sender versucht, den Leuten auszureden, dass Davutoglu in seinem oft zitierten Buch zur politischen Lage der Türkei je von einem Wiedererrichten des Osmanischen Reiches auch nur gesprochen habe. Kann sein, so wie die beiden Journalistinnen behaupteten, dass er den Begriff Osamanisches Reich in diesem Kontext in seinem Buch nicht gibt, doch der Kontext selbst umreißt indes klar genau das, was man einst Osmanisches Reich bezeichnete – also einen großen Teil davon. Wenn es hier richtig erinnert wird, dann sind es vor allem die Gebiete des Osamnischen Reiches, die auf dem Balkan und der Arabischen Halbinsel liegen, die im Fokus standen der Analyse von Davutoglu, und die allgemein aufhören ließ und lässt. Das Buch wurde sogar ins Griechische übersetzt und, so, wie zu hören ist, gut verkauft.

Noch genauer betrachtet, passte das Konzept Osmanisches Reich durchaus in eine zukünftige, neue Grenzziehung des Nahen und Mittleren Ostens. Zwar wird das Osmanische Reich in seinen alten Grenzen nie wieder entstehen – und warum sollte es das auch unbedingt tun-, doch es könnten gewisse Politiken übernommen werden. Zum Beispiel, dass sich jemand wie die Türkei wieder als eine Art Führungskraft sehen darf und könnte, als Regionalmacht, und dass gewissen Volksgruppen, eben wie unter den Osmanen, wieder eine Art Autonomie zurückgegeben wird und dass – dafür quasi – die Religion zukünftig wieder eine zentralere Rolle spielt, um die Freidenker, Abweichler und Unruhestifter besser in Zaum zu halten – durch eine solche Art moralische Fessel. Das ist durchaus eine WIN-WIN- Angelegenheit, weil diese Intellektuellen und Querdenker werden dann weiterhin vom westlichen sozio-politischen Gegenentwurf, sozusagen, abgefischt werden können – man braucht ja auch schließlich junge Leute, die erwiesenermaßen kreativ sind und womöglich Kinder zeugen.

Insofern könnte das Kalifat der ISIS wahrhaft von langer Hand angelegt worden sein. Denn hat man die Welt erstmal daran gewöhnt, dass so ein Kalifats-Bedürfnis und -Ding überhaupt besteht, kann im nächsten oder übernächsten Schritt eine durch die sogenannten Groß- und Mittelmächte abgesegnete Variante eines Kalifats aufgesetzt werden, so wie man einst ja schließlich auch die Grenzen nahezu willkürlich im sogenannten Orient zog und hie und da ein Königreich, ein Sultanat, errichtete, die bekanntlich kräftig mithalfen, den Reichtum im sogenannten Westen zu befördern durch das Öl, welches man dort billig abschöpfen konnte und kann – und natürlich auch den Reichtum gewisser Eliten vorort.

Die Kurden hätten dann ihre Autonomie, der Westen der Türkei eine Führungsrolle und gemeinsam könnte man Teile Kurdistans in der Türkei prosperieren lassen zusammen mit dem Teil Kurdistans, der in Syrien liegt, und so ganz nebenbei hätten es die Sunniten vorerst geschafft mit Hilfe ihrer westlichen Helfer, die Schiiten etwas ins Abseits zu manövrieren.

Etwas schräg an dieser Rechnung ist aber, dass Pakistan, welches eine nicht unbeträchtlich hohe schiitische Bevölkerung hat und der Irak und der Libanon noch ein hartes Stück Arbeit erforderlich machen dürften, um diesen sunnitschen ‚Himmel‘ zu kreieren. Die syrische Lösung dieser anstehenden Konflikte ist hoffentlich nicht das, was der Welt ins Haus steht – weil das könnte sich ansonsten schnell noch bis nach Indien ausweiten, wo Sunniten mit Hindus zuweilen aneinander geraten und wo der Einfluss des Irans nicht unwesentlich ist, insofern Indien und der Iran auf dem einen und anderen Gebiet bereits hervorragende Beziehungen pflegen und nicht abgeneigt zu sein scheinen, jeweils die eine oder andere Karte im Ärmel zu behalten – im Fall Indiens, die Karte mit der guten Beziehung zum Iran und auch zu Israel.

Das Schisma, welches begann, als die Anhänger Alis und Husseins sich uneinig wurden über die Nachfolge der Führung der Muslime nach dem Tod des Propheten geht weiter und wie die Lage zu sein scheint, ist Konfrontation derzeit das Mittel, zu welchem gegriffen wird, anstatt Kompromiss. Über die Rolle der vielen christlichen Strömungen und der jüdischen müsste dringend noch etwas mehr gesagt werden an dieser Stelle, zumal spätestens mit Bush junior klar geworden ist, dass die einen globalen Einfluss ausüben – über Regierungen, Konzerne, Verkäufe, ‚Hilfen‘, Gesetzgebungen, Gremien, Organisationen etc.

Nun, leider ist die Welt längst nicht mehr so dualgestrickt (Schiiten/Sunniten; Westen/Dritte Welt etc.) wenn sie es denn je war. Die vielen muslimischen Bruderschaften (christlichen Sekten), die wie Pilze sprießen und das vor allem in Afrika und im Mittleren Osten haben schon längst ein weiteres Schisma angekündigt, für das noch keine Terminologie im Westen bislang in Umlauf geraten zu sein scheint. Werden sie gewalttätig, nennt man sie einfach Terroristen, das heißt, werden sie gewalttätig und gefährden dabei zu sehr westliche Interessen.

Insofern dürfte die Wahl der Türkei, ihren Weg hin zu einer osmanischeren Auslegung der Innen- und Außenpolitik zu bestreiten, gar keine all zu ungeschickte sein, da diese Wahl vor dem gezeichneten Hintergrund eventuell wirklich dazu verhelfen kann, für ein Jahrzehnt, oder so, das südliche Mittelmeer einigermaßen befriedet zu halten, dies, zumal auch dann, wenn das Projekt in Tunesien sich bewährt und das des sich reformierenden Königreichs von Marokko, die, wie die Türkei, als Art Blaupause dann herangezogen werden könnten für andere Länder.

Dass Davutoglu als neuer Ministerpräsident ein Zeichen seiner angeblichen oder wirklichen Macht setzen will, ist zu vermuten. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass er dafür einer Zypernlösung zustimmen kann, dies, weil die maximalistischen Forderungen der Griechischzyprer noch immer zu überzogen sind. Doch da die Krise offenbar langsam anfängt, in die tieferen Regionen der zyprischen Gesellschaft zu sickern und die alten Ausreden immer weniger Leute zufriedenstellen und auch immer mehr Organisationen, Investoren und Staatsoberhäupter direkt-indirekt darauf hinweisen, dass eine Lösung der Zypernfrage her muss, um in Zypern zu investieren etc., könnten sich wundersame Dinge hin zu einer Einigung entwickeln. Wollen wir hier angekommen mal den Pessimismus unterdrücken und gewiss wie Sie, verehrte Leser, fest daran glauben, dass vielleicht – so unrealistisch es auch klingen mag – schlussendlich sich was in Sachen Famagusta ereignen könnte. Famagusta ist einst der größte Hafen Zyperns gewesen, die reichste und prächtigste Stadt, die Perle des südöstlichen Mittelmeers – kann nachgelesen werden, steht so in den Geschichtsbüchern. Die ersten Messen der Orthodoxie wurden dort vor kurzem wieder gehalten – das bedeutet hier auf Zypern schon viel. Weil, um dort hin zu gehen, um an der Messe teilzunehmen, muss man schließlich in den Norden fahren, Ausweis vorzeigen und der Realität ins Auge schauen, was noch immer, wie hier schon oft bedauert, viele Zyprer sich weigern zu tun.

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„liebe Freudinnen und Freunde,

anbei eine Pressemitteilung des Republikanischen Anwältinnen- und
Anwälteverein (RAV) vom heutigen Tag mit der Bitte um Kenntnisnahme und
Veröffentlichung in Ihren Medien.

Ilona Picker
RAV-Geschäftsstelle

Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein e. V.
Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Straße 4 | 10405 Berlin
Tel +49 (0)30 417 235 55 | Fax +49 (0)30 417 235 57
kontakt@rav.de | http://www.rav.de
Mo – Fr 10:00 – 16:00
——
Pressemitteilung, 14.08.2014

Flüchtlinge vom Oranienplatz und der Hauptmann-Schule:

Es gibt keine einzige Umverteilung nach Berlin, keine einzige
Aufenthaltserlaubnis, keinen Abschiebestopp

Henkel und Kolat verdrehen die Wirklichkeit

Seit zwei Tagen geht es durch die Presse: Sozialsenatorin Kolat (SPD) lobt
den Umgang des Landes Berlin mit den Flüchtlingen vom Oranienplatz und
erklärt: »Das ist ein ganz außergewöhnliches Verfahren, das Berlin hier
praktiziert«. Innensenator Henkel (CDU) bemängelt, die Flüchtlinge würden
die »vereinbarten Regeln« nicht beachten. Tatsächlich halten sich weder
Senat noch Ausländerbehörde an Zusagen aus dem sogenannten ›Einigungspapier
Oranienplatz‹ vom 18. März 2014.

In keinem Fall wurde bisher ernsthaft einzelfallbezogen geprüft. Es gibt
keine einzige Umverteilung nach Berlin, keine einzige Aufenthaltserlaubnis,
keinen Abschiebestopp.

Offensichtlich wird das ›Einigungspapier‹ von der Innenverwaltung und der
Ausländerbehörde Berlin als bloße, rechtlich vollkommen unverbindliche
Erklärung eingestuft. In einem Schreiben der Innenverwaltung vom 8. Juli
2014 heißt es, man wolle »nochmals« darauf hinweisen:
»dass kein Abschiebestopp gem. § 60 a AufenthG durch den Senat für Inneres
und Sport angeordnet wurde. Des Weiteren wurden keinerlei Zusicherungen
gemacht, Duldungen in Berlin zu erteilen oder Anträgen auf Umverteilung
zuzustimmen«.

Festzustellen ist: Die Thematik der Flüchtlinge vom Oranienplatz berührt
vielfältige Rechtsfragen. Innensenator Henkel verleugnet dies, spricht aber
in der Öffentlichkeit, ebenso wie die Integrationssenatorin Kolat, vom
›Oranienplatzverfahren‹ und erzeugt damit bewusst den Anschein eines
rechtlichen Verfahrens. Gleichzeitig nimmt die Ausländerbehörde Berlin die
jeweils restriktivste Rechtsauslegung vor.

Faktisch findet ein – rechtlich mögliches und gebotenes – Ausüben von
Ermessensspielräumen in keinem Fall statt.

An dem ›Verfahren‹ haben auch die Kirchen sehr deutliche Kritik geübt
(http://www.rbb-online.de/politik/thema/streit-um-fluechtlingsheime/beitraeg
e/diakonie-und-caritas-schreiben-brandbrief-zur-fluechtlingspolitik-an-senat
html).

Ebenso haben maßgebliche Mitglieder des Landesbeirats das Vorgehen
kritisiert
(http://www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/wollen-sie-fluechtl
inge-schuetzen-oder-wollen-sie-es-nicht-364/).

Auch der Flüchtlingsrat hat massive Kritik geäußert
(http://www.fluechtlingsrat-berlin.de/print_pe2.php?post_id=684).

In einem Rechtsgutachten wurden die rechtlichen Verbindlichkeiten für den
Senat, die sich aus dem Einigungspapier ergeben, klar aufgezeigt (unter:
rav.de, http://bit.ly/1q3RFdt).

Tatsächlich gibt es keinerlei Willen, eine Lösung für die Flüchtlinge vom
Oranienplatz und der Gerhart-Hauptmann-Schule zu finden. Es gibt kein
›Oranienplatzverfahren‹! Dies alles wegzureden, wie es insbesondere auch
Senatorin Kolat jetzt tut, ist unlauter und beschämend. Die Ausländerbehörde
Berlin erklärt sich in allen Fällen für nicht zuständig. Dies ist Senatorin
Kolat und auch Senator Henkel bekannt. Der Rat von Senatorin Kolat an die
Flüchtlinge, »einen Antrag auf humanitären Aufenthalt zu stellen«, ist vor
diesem Hintergrund mehr als zynisch. Das Vorsprechen der Flüchtlinge vom
Oranienplatz bereitet allein die Ablehnung ihrer Anträge oder deren
Abschiebung vor. Eine Beratung kann so nicht erfolgen.

Senatorin Kolat sucht jetzt offensichtlich – nach langem Schweigen – den
Schulterschluss zu Innensenator Henkel. Es ist offensichtlich, dass die
Betroffenen nur Spielball der Politik sind und es nie ein Interesse an einer
Lösung gab. Die Ausländerbehörde beteiligt sich an diesem Spiel. Sie erweckt
den Eindruck, es gäbe ein Verfahren auf Grundlage eines Papiers, das sie
selbst in ihrer Praxis für null und nichtig erklärt.

Wenn es kein Verfahren gibt, gebietet es der politische Anstand, hierüber
zumindest die Flüchtlinge und die Öffentlichkeit nicht zu täuschen.

,,,,

Kontakt:
RAV-Vorstandsmitglied und Rechtsanwältin Berenice Böhlo über 030.417235-55
oder 030.446792-31“

Den Forderungskatalog der Anwältinnen haben wir weggelassen. Inwiefern die obigen Aussagen zutreffen, liegt nicht in unserem Ermessen. Doch da auch in Zypern der Umgang mit Asylanten im Argen liegt, ist es naheliegend, den Aufruf zu veröffentlichen, mal das eine mit dem anderen in Beziehung zu setzen. Denn wenn die BRD nun ‚endlich‘ Waffen in Krisengebiete ohne schlechtes Gewissen glaubt verkaufen zu können, mag unsereins nur an die Vorgänge mit dem geköpften Amerikaner erinnern. Das nächste Mal, nämlich, könnte es auch einer von uns deutschen Berichterstattern sein.
Und was Letzteres mit Asyl zu tun hat? Ja, und was hat denn eigentlich Waffenverkaufen und in Unmengen produzieren mit Demokratie und Menschenrecht zu tun? Oder ist diese Gegenfrage so unangebracht wie der Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan?
Nun, es gibt bestimmt Mitmenschen, die jetzt denken, nicht mehr lange in Afghanistan. Wart nur ab, bis die vermeintlichen Befreier und Lehrer von Demokratie, Menschenrecht und Gleichheit von dort nach Zypern kommen, um dann vor dem bereits in allen Farben an die Wand gemalten Bösen zu beschützen – irgendeiner islamistischen Gruppe zum Beispiel, die es vielleicht noch nicht mal in Wirklichkeit geben muss hier auf Zypern.
Man hat aber doch so einiges bereits aus der Geschichte gelernt, gewollt oder ungewollt: der bloße Verdacht, nämlich, reicht ja neuerdings – wieder – aus, um Unliebsame unschädlich zu machen – und sei es nötigenfalls im Norden der Insel Zyperns?
Wer sich gegen die, die glauben, das Menschenrecht so menschlich zu vertreten, zu sehr in den Weg stellt, dem wird wahrscheinlich nicht vor laufender Kamera der Kopf abgehauen, doch für was gibt es dunkle Knäste, Flüge, die in Folterkammern anderswohin, außerhalb der Zone der Guten bringen, um die, die nicht parieren wollen, fühlen zu lassen, wie es sich wömglich ohne Kopf da oben anfühlen könnte? Guantanamo und dergleichen wichtige Orte. Wo erhält man eigentlich als Deutscher notfalls Asyl?

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An- und Aussichten

Zypern!

Die oder der Kaffee Latte schmeckt irgendwie noch immer verwunderlicher Weise. Das Ocean Basket, welches einem Südafrikaner gehören soll und wie Starbucks und andere Ketten die Restaurant-Szene in Sachen Fisch und sogenannten Meerfrüchten auffrischt oder -mischt weltweit, muss heute ohne mich reicher werden – sitze ’nur‘ bei Costa schräg gegenüber, wie neuerdings oft, nämlich, im sogenannten Touristnus-Viertel von Limassol. Die Straßen sind noch relativ leer. Es ist 14 Uhr. Hätten wir Spätherbst, Frühling oder Winter würde ich vermuten: Die sind alle auf der Jagd!

Wenn es die Menschen nicht waren, dann eben doch die so heiß geliebten und gehegten ‚Kätzchen‘ bei uns da im Viertel, die vor kurzem dem letzten Singvogel das Pfeifen abgewöhnt haben – wahrscheinlich. Und die Jagd hier auf Zypern nimmt zu, wird am 10. August 2014 in der Politis von Aristos Aristidou vermeldet.

Doch, die Jäger in Zypern sind sauer! Weil es scheint nicht klar zu werden, welche Art der Jagd wie und von wem durchgeführt werden kann. Die zyprische Jagdorganisation drückte sich in ihren Bestimmungen erneut zu unklar aus, wird geschrieben. Außerdem scheint einigen Jägern diese neu bestätigte Verordnung der Jagdbehörde zu enggefasst – weil sie hatten die Hoffnung gehegt, mit der neuen Fassung ihre Hunde (wieder) freier durch die ‚Wälder‘ und Felder der Insel streifen lassen zu können, was nun offensichtlich doch nicht wie gewünscht gehen wird – und das widerspreche der „Jagdkultur der Zyprioten“. Des Weiteren: „Wir wollen dem unnachahmlichen Hängen der [erlegten] Hasen an unseren Jeeps treu bleiben“ – auch zum Beweis und zum Danke an den Heiligen der Jagd, Agio Efitafio.
Nein, man sei keine Person im Jagdfieber oder im Blutrausch, wie einige über die Jäger auf Zypern sagten.
Und: Die Jagd mit Hunden wurde mit der Verordnung für Januar und Februar untersagt – endlich!. „Wir beneiden unsere Kollegen im restlichen Europa, wir lesen [bereits] ausländische Jagdheftchen und schauen Jagdfilme, die wir uns alle eiligst gekauft haben“, um das entstandene Jagdloch zu überbrücken, jammert unser ‚Sports‘-Freund aus der Politis, der zitiert wird; und auch daher haben wir jetzt auch alle große Krokodilstränen in den Augen für die armen Jäger Zyperns, die nun nicht mehr monatelang herumballern können. Und ob das wirklich so geschehen wird, das will erst noch gesehen werden, das heißt, durchlebt werden, und zwar immer wieder sonntagmorgens, wenn es ansonsten aus Jagdgewehren knallt im Herbst, Winter und im Frühling – mittwochs knallt es sowieso, und all das ‚illegale‘ Geballer an jedem x-beliebigen Tag in der Woche, ist dann noch gar nicht in Betracht gezogen worden.

Nun, wenn schon nur noch selten Singvögel zu hören sind der Jagd wegen auf Zypern, das Gift auf den Felder dürfte auch seine Wirkung haben, sowie die Angewohnheit, möglichst alles kurz und klein zu schneiden, oder gleich raus zu reißen, damit es irgendwelchen Schönheitsansprüchen von vorgestern, oder so, entspricht, fragen Sie sich vielleicht, wie viele Zyprer gibt es denn überhaupt?
Es sind 838.897 Seelchen, die im griechischsprachigen Süden leben nach einer Zählung von 2011. Davon sind allerdings 179.547 Ausländer gewesen, also Eingebürgerte. 62,6% dieser Gruppe kamen aus einem anderen europäischen Land und 37,4% von sonstwoher. Das heißt, es waren 2011 knapp 659.350 [originale] Zyprer, die in Zypern wohnten und lebten. Mit den Auslandszyprern kommen nochmals 511.000 dazu sowie ungefähr 100.000 Türkischzyprer, die im Ausland befindlich offenbar die Botschaften der Republik Zypern frequentieren, was nicht verwunderlich ist.
Also, das machen dann zusammen 1.170.350 Zyprer, die in der Welt leben, ohne die 100.000 Türkischzyprer mitgerechnet zu haben, von denen die Rede war. Da wäre noch die etwas schwammige Zahl von weiteren 1,3 Mill Zyprern, die als Zyprer aus zweiter und dritter etc. Generation gerechnet wurden, nach der Politis vom 10. August 2014. Marilenas Ewangellou fand des Weiteren für die Poitis und uns heraus, dass die meisten Auslandszyprer in Großbritannien leben, und zwar 270.000 in London meistens. 85.000 leben in Autralien, in Griechenland und Südafrika sollen an die 45.000 leben und in den USA 30.000. In Kandaa sind es immerhin 22.000.

Was Fremde angeht, die in Zypern leben, zeigt die Statistik aus 2011, dass es insgesamt 179.547 gibt, wovon 112.424 aus Europa stammten, 67.123 aus dem Rest der Welt. Klar doch, die Briten führen mit 31.044, dann kamen die Rumänen mit 24.376, dann die Bulgaren mit 19.197. Außerhalb von Europa nach Zypern kommend und hier lebend führten 2011 die Philippinen mit 9.744 die Statistik an, dann kamen die Russen mit 8.663, Sri Lankesen mit 7.350 und aus Vietnam immerhin 7.102.

Die meisten Ausländer lass sich in Pafos nieder (34,9%), in Limassol 20, 6% und in Larnaka 20,4%, sowie in Nikosia 18,9%.
In Zypern leben mehr zyprische Frauen (51,3%) als zyprische Männer (48,7%). Im Norden Zyperns sollen 2011 ungefähr 286.257 Menschen gelebt haben. Davon sollen 160.275 in Zypern geboren worden sein.

Zuletzt: Mirandas Lisandrou schreibt am 10. August 2014 im Wirtschaftsteil der Politis, dass der Hafen von Larnaka gewinnbringend arbeitet, doch er wird nur zu 70% ausgelastet und im Vergleich zu Limassol trägt er lediglich mit 5% bei, um den Exporthandel der Republik Zypern zu meistern. Sein Aktionsradius ist sehr begrenzt: Ausfuhr von Tieren und Gips! Einmal im Monat wird dort das Schiff aus Asien kommend abgefertigt, welches Autos bringt. Die Einfuhr von Kraftstoff läuft auch über Larnaka. Das soll 2017 aufhören, wenn der Hafen von Wasiliko angeschmissen wird. Kreuzfahrschiffe aus Israel kommen gelegentlich noch in den Hafen von Larnaka.

Das alles kann sich demnächst aber schlagartig ändern, schreibt Lisandrou. Der Hafen Larnaka’s sei jedoch ein „Grundpfeiler“ der Republik Zypern. Lisandrou stellt des Weiteren fet, dass es dem Hafen und der Stadt bislang nicht gelungen ist, Investoren anzuziehen. Welcher Traum in Larnaka verwirklicht werden soll, scheint ungewisser denn je zuvor: der touristische, Treibstoff, Ausflugshafen… . Bürgermeister Andreas Louroutsiatis schwankt, weil die eventuellen Investoren darauf pochen, dass eine Lösung der Zypernfrage erforderlich ist, um sie zum Investieren im größeren Stil zu bewegen. Und so geht es nicht nur Larnaka. Wenn überhaupt, könnte Larnaka zukünftig vielleicht doch noch bei der Förderung des Erdgases etc. ins Geschäft kommen – wenn denn die erhoffte Menge Erdgas vor Zypern im zyprischen Feld je gefunden werden kann. Ok, es ist möglich, dass Larnaka Teile des israelischen Erdgas aufnimmt, in deren Feld offenbar reichlich Erdgas gefunden wird, was dann auch immer mit dem israelischen Gas in Larnaka gemacht werden wird.
Die Bevölkerung Larnaka’s findet die Idee jedoch wenig reizvoll, ihre Stadt, ihren Hafen, in eine Art Industriezone verwandelt zu sehen. Doch es gibt auch welche, die das ok finden.

Immerhin, jemand aus der Chefetage von Noble Energy soll sich an der Finikoudes Strandpromenade von Larnaka in einem der neuen Prachtgebäude eingemietet haben, die noch immer überwiegend leerstehen, weil die Appartments darin wahrscheinlich schrecklich teuer sind – 6.000 € im Monat löhnt er dafür. Die italienische Ölfirma ENI hat bereits 40.000 qm Fläche im Hafen gemietet etc.

Ansonsten noch: Der Leerstand ist noch überschaubar im Lande. Man wird den Eindruck nicht los, sagte kürzlich jemand, der an der Börse zu tun hat, dass einige bereits wieder in den Startlöchern sitzen für den nächsten Run aufs Geld, nach dem Motto, wie er meinte: „diesmal Zypern noch billiger, aber dennoch sexy (was auch immer er genau damit meinte)!

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Oder: Zyperns heile Welt?

Heile Welt, wohin das Auge in Zypern, griechischsprachiger Teil, blickt. Das Ohr bleibt in meinem Fall leider außen vor, da das Zyprische wohl in diesem Leben von mir nicht mehr gemeistert wird. Es ist mir wie eine andere Sprache als das Griechische. Vom Leid, den Nöten und Verarmten erfährt man so eventuell am einfachsten durch die Zeitungen und das Fernsehen, Radio. Gewisse Orte auf der Insel, die alten Verdächtigen sozusagen, brummen indes noch immer, wie man sag, t egal wie teuer.

Wussten Sie, dass es die Γλωσσολογικής Εταιρείας Κυπρού gibt (Sprach-Gesellschaft Zyperns)? Dr. Marilena Kariolaimou wirkt dort. Die Gesellschaft scheint keine Webseite zu haben, dafür aber Frau Doktor http://ucy.ac.cy/dir/el/component/comprofiler/userprofile/makar. Die Gesellschaft gibt es seit 2002. Seit April arbeiten die mit dem Dachverband für Bildung und Kunst aus Pafos zusammen (Στέγη Γραμμάτων κα Τεχνών στην Πάφο). So auch mit dem dortigen Philologenverband.
Jeden 26. September feiern die, wie üblich am Tag der Sprache, auch auf Zypern dieses Ereignis. Im Oktober wird der Europäische Tag der Sprache gefeiert und gewürdigt, und zwar diesmal zusammen mit der Europäischen Kommission und der Universität Zypern. Das Thema des gemeinsamen Events, wie man jetzt schon weiß, lautet: „Die Zukunft der Sprachberufe.“ Unter anderem werden sich dort dann in Zypern vorkommende Sprachen präsentieren.

Wir dürfen also jetzt schon gespannt sein, wie und wer das Türkische repräsentieren wird. Aber so tragisch kann das alles ja gar nicht mehr werden, also die Lösung dieser eben gestellten Frage, wenn man es vor einem Monat schaffte auf der griechischsprachigen Seite Zyperns, einen kurdischen Familienvater von gleich auf jetzt in die Türkei auszufliegen, der seit Jahren in Larnaka lebte, dessen 4 Kinder hier zur Schule gehen und eines ist hier sogar geboren, und eigentlich einen Asylantrag zu laufen hatte. Vor Folter soll er aus der Türkei geflohen sein, stand am 19. Juli 2014 in der Cyprus Mail. Für all diejenigen, die mit der Situation nicht vertraut sind: die Republik Türkei und die Republik Zypern verkehren offiziell nicht miteinander: keine Flüge, keine Schiffe etc. zum einen oder zum anderen.
Und wenn Frau Doktor von der Sprach-Gesellschaft auf die Frage, ob ihre Gesellschaft denn eine bi-kommunale sei (gemeint ist türkisch-griechischzyprisch), spitzfindig antwortet: „lassen Sie mich sagen, wir sind multi-kommunal“, dann scheint die zuvor angesprochene Befürchtung sich womöglich noch zu bewahrheiten, also, dass bei so viel multi-kulti die türkische Seite geschluckt wird aus irgendwelchen sonderbaren Gründen. Es wäre so etwas nicht verwunderlich bei dem herrschenden Nationalismus, wie ihn ein Soziologe, Caesar Mawratsas, in seinem Buch, das Land der Proleten, bestechend herausarbeitet. Seine deutsche Übersetzung soll noch vor Weihnachten auf den Markt kommen – wenn das herrschende Proletentum nicht doch noch zuschlägt. Man weiß ja nie.

Interessant ist allerdings, dass die Sprach-Gesellschaft sich offenbar auch wissenschaftlich mit dem zyprischen Dialekt, manche sagen dazu lieber Sprache, anstatt Dialekt, beschäftigen. Das Interview, auf welches sich die obigen Informationen beziehen, führte Lisa Salomou von der Polits mit Frau Dr Kariolaimou. Es erschien in der Ausgabe vom 03. August 2014.

Morgen ist Samstag, und irgendwie weiß ich jetzt schon, dass ich nicht hingehen werde. Zum einen, weil ich heute nicht Schwimmen war, werde ich gewiss morgenfrüh geradezu ins Meer müssen, versteht sich, neuerdings noch bevor die Sonne aufgeht. Und danach steht dann das Übliche an, was keine Ablenkung, wie Einkaufen, zulässt – und Limassol ist auch nicht gerade um die Ecke.
Doch, Sie sollten da unbedingt mal hinfahren, dorthin, wo Bio-Bio-Angebautes aus Zypern verkauft wird. Die Politis schrieb bereits am 27. Juli 2014 darüber. Alles ist dort ganz frisch und eben Bio-Bio. Wahrscheinlich haben die Produkte auch die entsprechend höheren Preise.

Pieri Chatsipieri hat sein Wissen über Bio-Anbau bereits in den 80ern in Griechenland studierend und arbeitend erworben. Anfang der 90er Jahre (87) versuchte er sein Glück damit hier auf Zypern, doch das ging anscheinend kräftig in die Hose – und so bauten seine Frau und er all die Zeit über nur noch zum Eigenbedarf an. Doch jetzt sind sie wieder auf dem Markt, immer samstags von 09 – 13 Uhr im Stadtviertel Agia Fila (Αγία Φύλα) – Limassol. Gemüse und Obst freska-freska, also frisch.. Man kann da anscheinend auch so richtig groß, also nicht all zu groß, bestellen, und zwar unter 99332581, das ist die Nummer, die auch in der Politis angegeben war zu diesem Zweck.

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Und da ist noch jemand, der was verkaufen, sorry, kaufen will. Die EGNEDOL steht in großen Lettern über Seite 3 am 27. Juli 2014 in der Politis: „Sie wollen unseren Müll kaufen!“ Den Artikel schrieb Marias Pavagiotou, die, wie es scheint, immer mal wieder interessante Themen aufgreift und wahrscheinlich noch häufiger hier von sich Reden machen wird.
Die EGNEDOL möchte ALLEN Müll Zyperns, auch den, den die Zyprer glaubten, schon längst vergessen zu haben – irgendwo unter der Erde oder gar im Meer. Nie wieder bräuchte sich eine Gemeinde oder der Staat um diese Dinge kümmern, verspricht EGNEDOL. Als Gegenleistung würde die Firma allerdings die Gewinne aus der Wiederverwertung des Mülls gern allein einstecken und nicht noch groß teilen. Energie ins Netz einspeisen, ist natürlich auch geplant. Man spricht von möglichen 50 Megawatt. Versteht sich, dass der Müllumwandlungsprozess nach den letzten umwelttechnischen Standards durch EGNEDOL gewährleistet wird. Eine Investition von 15 Millionen € ist geplant. Man glaubt, 160 Tonnen Aluminium pro Monat aus dem Müll ziehen zu können in Zypern. Das erscheint mir auf Dauer recht hoch gegriffen, so auch 37.000 Tonnen Plastik, die zu 33,37 Millionen Liter Petrol höchster Qualität gemacht werden könnten – auf regelmäßiger Basis. Da müssten sich die Supermärkte noch kräftig ins Zeug legen, die noch immer Plastiktüten umsonst und egal wie viele man abgreift, zur Verfügung stellen – ungefragt alles darin einpacken lassen an der Kasse, gern doppelt und dreifach, versteht sich, von einer Angestellten, meistens sind es junge Frauen, die der werten Kundschaft die Last abnimmt, eigene mitgebrachte Taschen rauszuholen oder gar das Gekaufte alleine vom Tresen an der Kasse einzupacken. Allerdings alleine aus dem Laden muss man das Zeug im Karren dann doch noch rollen. Welch Zumutung!

Das Ministerium scheint noch zu prüfen, ob man sich den Müll und zu wieviel abkaufen lässt, den man selbst schon längst nicht mehr bewältigt kriegt; und wo wir alle so recht gar nicht wissen wollen, wo gewisse Dinge wohl auch noch gelagert werden… .Wahrscheinlich sind die gerade in einer Art Auskunkelrunde, oder wie man so was nennt: wer steckt was für was ein, ganz nebenbei und möglichst unterm Tisch!

Bei solchen Projekten dieser Größe ist die Gefahr halt schon groß, dass alte traditionelle Wunden, oder wie der zuvor erwähnte Autor es nennen würde, aufplatzen im Verhalten, äh, beim Händchenaufhalten.

Ab heute – VORSICHT – 4 Tage Ferien. Die Masse soll sich schon in Bewegung gesetzt haben, weil die Heilige wird gefeiert. Das heißt, im Landesinneren sind das Gebirge, die Kirchen und die Klöster, wie zu hören ist, die bevorzugten Ziele, es herrscht schon fast Ausnahmezustand. Alle wollen nämlich dorthin – ich schätze zum beten und wegen der besseren, frischeren Luft.
Außerdem ist das heute auch noch der Tag, an dem Famagusta ausgerechnet vor 40 Jahren von den türkischen Armeen befreit, äh, eingenommen wurde – geklaut! Daher brauch man das Fernsehen nicht anmachen, weil RIK1, es ist der einzige griechischzyprische Sender, der empfangen werden kann bei uns, weil technologisch doch nicht ganz so auf dem Stand und auch, weil die Einsicht gereift ist, dass der eine Kanal eigentlich reicht – wegen apo mera so mera, was auch sonst, nur Heulsusenzeug bringt. Ok, hin und wieder ist mal was Interessanteres darunter.

Apo mera se mera ist so eine Art Ersatzparlament. Dort sitzen 5 Tage die Woche die Politiker und reden über das anscheinend Wichtigste aus der aktuellen Inselpolitik. Was will man mehr? Erspart Wege und viel Zeit.

Dass die Attilas kommen? Bloß nicht. Das Wort macht eben wegen der Ereignisse vor 40 Jahren dieser Tage inflationär die Runde und soll wohl die Türken degradieren. Ist in etwa so, wie wenn man im Deutschen Bush II oder junior sagt?

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Vor 3-4 Jahren passierte mal, dass ein ganz gewöhnlicher Brief meiner Mutter knapp 3 Monate von Deutschland nach Zypern brauchte. Bei Paketen soll es schon zu noch Rekord verdächtigeren Zeitspannen gekommen sein.

„… Herr Grigoriou! Das Ministerium hat diese Woche beschlossen (die Woche vor dem 27. Juli 2014), dass die 4 Provinz-Post-Büros alle Serviceleistungen anbieten in einem Service-Center des Bürgers (KEP). Nun, die Rolle der Poststellen, etwas, was Sie seit Jahren forderten, wurde upgedated…

Eine Postorganisation (TOM), die modern sein will, muss auch andere Dienstleistungen gewähren, die entweder mit dem [eigentlichen] Postgeschäft in Zusammenhang stehen oder nicht. Wir in der staatlichen Post haben angefangen in den letzten Jahren daran zu arbeiten, neue Dienstleistungen anzubieten; Mehrwert [soll generiert werden], welcher unser Departement erneuert und die Kosten senkt zur Gewährung der Dienste. Nun, Tatsache ist, dass wir in einen mit Wettbewerb durchsetzten Markt einsteigen – und das hat die Erneuerung [sozusagen] befördert.

Auch Sie sind staatlicher Angestellter, und die haben uns nicht daran gewöhnt, dass sie mit dieser Nachdenklichkeit arbeiten. Ist es einfach nur, dass der Chef [der Post Zyperns] Lust und Laune hat, kreativ zu sein?

Diesen Versuch möchte ich nicht allein einstecken. In den letzten Jahren hat der Chef des Departments versucht – und das besteht nicht allein aus mir, sondern da sind noch 2 Unter-Chefs –, beim Personal eine neue Kultur einzuführen, sodass wir uns von der Denke des [klassischen] Staatsangestellten verabschieden. Mit was wir grundlegend arbeiten [dabei], ist Kommunikation mit den Arbeitern. Wir begannen eine befruchtende Kommunikation mit dem Personal in Form von Treffen, welche alljährlich durchgeführt werden.

Wieviel Menschen arbeiten bei der zyprischen Post?

Wir sind um die 670 Personen; gleichzeitig betrachteen wir es als grundlegendste Arbeit, unsererseits, die Arbeit der postalen Schulungen [der Mitarbeiterschaft durchzuführen]. Innerhalb eines spezifischen Bildungsprogramms bieten wir den Kollegen jedes Jahr die Möglichkeit, sich über den Stand der Entwicklung [im Postwesen] zu informieren, aber auch über die Notwendigkeit einer Modernisierung, in Betracht ziehend, dass, obwohl wir Staatsangestellte sind, wir die Verpflichtung haben, in einer wettbewerbsmäßigen Umwelt zu arbeiten. Wir geben die Nachricht [durch in der Belegschaft], dass wir quantitativen Service zu produzieren haben, um unsere Löhne verdient zu verdienen und einen Mehrwert in der Ökonomie und der Gesellschaft zu kreieren.

Ist ihr Dienst kostenorientiert?

Seit einigen Jahren, wegen der Verpflichtungen, die uns auferlegt werden durch die Verordnung der Kommission der Regelungen für Elektronische Kommunikation und Postwesen haben wir ein System installiert, welches uns erlaubt, die Kosteneinheiten der Dienstleistungen, die wir gewähren zu ermitteln. Ich denke, wir sind das einzige Department unter den staatlichen Diensten, das seine Dienste [am Bürger] beziffern kann, die gewährt wurden. Diese Arbeit gibt uns gleichzeitig die Möglichkeit, unsere Effizienz zu sehen, unsere Energie [dann] entsprechend zu korrigieren und die Arbeitsschritte zu vereinfachen. Wir müssen allerdings anerkennen, dass bei unserer Effizienz die Verwendung durch die Technologie dramatisch hilft. Unsere Aufgabe ist, den Herausforderungen entgegen zu treten und dass wir eine Rolle in der Ökonomie haben und der Gesellschaft. Wir wollen nicht auf Kosten der Ökonomie [des Landes] arbeiten. Das Gesetz hat uns bestimmt, als allgemeiner Anbieter… . Daher versuchen wir auch andere Dienste anzubieten. Zufrieden denke ich zurück an den vergangenen März, bei der Ausgabe der Krankenkarten, wo wir über 10.000 unserer Mitbürger bedienten in unseren 54 Postämtern in Zypern.

Genau. Die Post Zyperns verfügt über das größte Netz staatlicher Dienste in Zypern.

Und in Anbetracht der Tatsache der Zusammenarbeit mit dem Department für Verkehrswesen ab Oktober werden wir den Bürgern Dienste in allen Aktivitäten der TOM anbieten. Und wie wir am Anfang sagten, wurde diese Woche die Neuigkeit verkündet, der Entschluss des Ministeriums, dass in einem gemeinsamen Vorschlag die Minister für Wirtschaft und Verkehr eingewilligt haben, spätestens bis zum Ende des ersten Drittels 2015 alle Teile der KEP von den 4 Provinz-Post-Büros gewährleisten zu lassen.

Wieviel Personen werden für dieses Ziel zur Verfügung stehen?

Der Entschluss des Ministeriums ist klar: Wir werden die Dienste gewährleisten, ohne zusätzliches Personal einzustellen. Grundsätzlich [jedoch] werden so um die 15 Personen zur Verfügung stehen zypernweit, um den Bürger unsere Leistung zukommen zu lassen, abgesehen von den anderen Arbeitern, derer es bedarf, um den Unterbau zu stützen.

Den ersten Eindruck, den womöglich jemand haben könnte: Sie haben keine Arbeit und daher versuchen Sie, was anderes zu machen?

Dieser Eindruck ist falsch! Wir versuchen die Technologie zu verwenden, aber auch Arbeitsprozesse zu vereinfachen, damit unsere Kollegen mehr Zeit haben, neue Dienste anzubieten.

Eine andere Neuerung, die Sie aufbrachten, die ich verdächtige, Arbeitskräfte einzusparen, ist dass Sie mit verantwortlich sind für das private Call Center, welches beim Anruf der Nummer der Post Zyperns antwortet und allgemeine Info ausgibt, so auch über den Paket-Empfang.

Stimmt. Seit 2 Jahren arbeiten wir mit Privaten. Ich denke im Allgemeinen, dass es genug Personal gibt im Department und das Thema ist [nun mal] die richtige Verwertung derselben, um mehr zu bieten [auf dem Markt]. Meine Ansicht ist: speziell in einer Zeit, wie dieser, mit der ökonomischen Krise, haben wir die Verpflichtung, ob wir im Amt arbeiten oder auf dem freien Markt, mehr zu bieten.

Seit vergangener Woche verteilen und verwalten Sie Formvordrucke für Berechtigte des Mindestlohns (EEE).

Ja, und ich glaube, dass ist uns bis heute gut gelungen. Ehrlich, ich kann nicht denken, wie sonst das Arbeitsministerium 90.000 Personen 180.000 Formvordrucke zustellen soll können – außer über unsere 54 Poststellen, die zypernweit Dienst leisten.“

Heute, den 14. August 2014 war zu vernehmen, dass inzwischen 20.000 Formvordrucke mit einem OK für die Anerkennung des EEE-Status bescheinigt worden sein sollen.

Das obige Interview mit dem Chef, Andreas Grigoriou, von der Post Zyperns führte die Politis und das Interview wurde bereits am 27. Juli 2014 in der Zeitung abgedruckt. Ein Name eine Redakteurs der Zeitung stand nirgends, sodass hier niemand namentlich gedankt werden kann für seine oder ihre Arbeit, aber eben der Politis.

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Sitze im Kosta Coffee, in dem, welches gegenüber dem Starbucks ist, beim Ocean Basket im sogenannten Touristenviertel von Limassol. Drüben bei Starbucks sitzten alle, jung und viele wohl auch schön, rauchen, halten Plastikbecher ganz leger, vielleicht gar stylisch in den Händen. Ich bleibe bei Kosta, wo meistens niemand sitzt aus dem einen Grund sitze ich hier: Es gibt Tassen, wahrscheinlich gemacht aus Ton und Trinkgläser gemacht aus Glas und so fort.

So fort und nicht sofort? Sofort!

Also, Touristen sind aus den autonomen Gebieten im – noch – Irak per Flugzeug direkt nach Larnaka geflogen gekommen, ab sofort sozusagen, wurde gestern so nebenbei in den Abendnachrichten verkündet. Das Verständnis vieler – wenn längst nicht aller – Zyprer dafür ist gewiss groß. Dafür sorgt, abgesehn von der kriegerischen Situation um Erbil/Irak herum – wo es ja so friedlich sein soll, nach dem Bericht der zyprischen Fernsehstation RIK1 gestern, der wahrscheinlich dazu beitragen soll, diesen Tourismus erklärlicher zu machen für die hiesige Bevölkerung. Man muss halt auch einfach an die Ökonomia denken in Zypern, an wen auch sonst – auch, dass diese Touristen, die aus dem Flieger ein- und aussteigen, neuerdings jeden Dienstag in der Woche, höchstwahrscheinlich Petro-Dollars bei sich haben, die verarztet werden wollen. Und dann erst der wirtschaftliche Aufschwung durch die Einkaufsbummel, die die irakischen Touristen unternehmen werden. So was haben die Zyprer vielleicht zuletzt gesehen, bei den ersten Russen, die hier ankamen als Touristen und natürlich bei den guten DDR-Bürgern Anfang der 60er Jahre?
Zypern ist zwar nicht Istanbul oder Berlin, doch der in den kurdischen Bergen weggeschlossene Mensch wird die schönen bunten Spielautomaten, die Damen und Herren vom Gewerbe, das Meer etc. gewiss zu schätzen wissen.
Und vor solch Hintergrund darf man doch schon erwarten, dass sich die Inselobrigkeit nun endlich vollends ins Zeug legt, um diese touristische Destination, Zypern, auch noch dem letzten nach Kultur Dürstenden attraktiver zu gestalten?!

„Wieder kam vor kurzem ans Licht der Öffentlichkeit das leidige Thema: das verlassene Städtische Theater… . Nun, wir haben erfahren, dass das Ministerium für Erziehung und Bildung zusammen mit dem für Städtebau eilig um Hilfe ersucht wurde vom Bürgermeisteramt Nikosia’s, welches sich außer Stande sieht, alleine die Reperaturen durchzuführen, um zu einer Wiederherstellung [des Gebäudes zu gelangen]. Die Nachricht geht indes einen Schritt darüber hinaus, insofern gesagt wird, dass es sich nicht einfach um einen finanziellen Beitrag handle für die Reperaturen, sondern um einen regelrechten Deal mit entsprechender Gegenleistung. Dieses Nehmen-Geben sorgt nicht nur für die Reparatur des Daches und der Erneuerung des erneuerten Inneren, sondern auch die für die vollständige, dem Beamten zufolge, Umformung unseres historischen Theaters in einen Kulturpalast [Μέγαρο Πολιτισμού], wo, sagt er, viele verschiedene Vorstellungen stattfinden werden, und wo jeder der Anteilhaber das Recht haben wird, es entsprechend seiner Beitragshöhe zu nutzen.

Was das Finanzielle angeht, denke ich, haben wir als Bürger keine schwerwiegenden Einwände, wohl auch nicht bei der Tatsache, dass das Theater städtisch, das heißt, größtenteils vom Staat besessen wird.

Hier [apropos], wurde Nikosia ein überzogener und schlampiger Haarschnitt verpasst (das nahegelegene Zentrum der Stadt ist gemeint, der Eleftheria Square), als die Bäume gefällt und die Stadt leergeräumt wurde von ihnen… , großspurige Pläne, die auf der Hälfte stehen bleiben [beim Umgesetzt werden] und riesige mondgleiche Krater hinterlassen.

Haben wir ein Problem mit dem möglichen Wechsel des Namens für das Theater?

Und was wurde denn aus der geplanten Umwandlung des Platzes ums Theater?… . [Wo bleibt die] richtige Beziehung des Äußeren mit dem Inneren [des Theatergebäudes bei den entworfenen Plänen]? Die unterschiedlichen Mängel, die auf dem Hilfsgelände auftreten hinter der Bühne, die wurden bereits bei der Erneuerung im Jahr 2008 ergänzt. Und wie wandelt man aber bloß einen Theaterraum zu einem Kulturpalast um, der entworfen wurde, Fest, Jubiläen, Kunstabende und andere solche Events zu haben? Und was bedeutet [überhaupt]: „viele verschiedenartige Vorstellungen?“ Denn der ursprüngliche Gedanke [beim Bau] des Theaters war genau das: vielen verschiedenartigen Events zu dienen. Und außerdem ist nicht möglich, die ausgefeiltesten Darbietungen zu präsentieren. Hier können also keine symfonischen Musik-Vorstellungen gegeben werden, noch können zufriedenstellend moderne Theaterstücke aufgeführt werden. Die Tatsache, dass der sogenannte Raum Konzerte einlädt und imgrunde dafür gar nicht geeignet ist und seit Jahren das Zuhaus der Organisation für Theater Zypern war, führt zwar zu einer bedürftigen Lösung, mangelt aber [letztlich] an einem geeigneten Raum.
Andererseits, ein Kulturpalast oder Musikpalast muss (zumindest 2) mehrfach Räume bereitstellen, für ausgefeilte Vorstellungen, vordringlich musikalisch, mit guter Akustik und guter, verstellbarer Bühne, welche die bestmöglichen akustische und optische Unterhaltung gewährleisten.

Hat die Idee des … Palastes Schiffbruch erlitten? Um es richtig zu verstehen: erlitten die Pläne… für einen modernen… Kulturpalast Schiffbruch,… wertloses Gebäude… . Nun, hat der Traum Schiffbruch erlitten… uns richtige symfonische Orchester einladen zu lassen – oder kleinere, und dies mit den geeigneten Räumen, die letztendlich weltweit aufspielende Orchester akzeptieren könnten… , wo unsere beiden Staatsorchester ein Zuhause finden könnten?
Wir sind so naiv zu glauben, unseren dem Bürgermeisteramt unterstellten Raum in etwas verwandelt zu sehen, das Theater also, dass es bis jetzt noch nicht sein konnte? Wir müssten endlich einsehen, dass der Spruch, den wir oft zu Menschen sagen, nicht für Gebäude gilt: „Was du sagst, bist du!“ Dies, weil ich habe den Verdacht, dass die zusammen arbeitenden Ministerien und das Bürgermeisteramt den Namen über dem Eingang des Theaters ändern wollen, neu anstreichen lassen hier und da und uns dann sagen werden: hier, euer Kulturpalast!
Änderungen an der Oberfläche und die Schminke machen den Raum [des Theaters] nicht – und vor allem wandelt es ihn nicht in etwas anderes. Der Raum wurde entworfen als einer eines Theaters mit den Ansichten und dem Wissensstand der 60er Jahre; doch um jedwede Art von Bedürfniss einer Hauptstadt [auf diesem Gebiet] zu befrieden und seiner Bevölkerung, …. [bedarf es] kultureller Erfahrung und Reife, die Bedürfnisse zu verstehen… . Das Theater stellte für viele Jahre das Haus ernsthafter Bildung und Unterhaltung unseres Landes sicher. Es ist ein untrennbarer Teil der Geschichte und unserer Kultur, deswegen lieben wir es! Als solches musss es er- und behalten werden. Und ich bin sicher, dass es unzählige Darbietungen geben wird… . Was sich allerdings ändern muss, ist, ein solches Gebäude in einen Kulturpalast verwandeln zu wollen. Das wäre, als wenn jemand sein Mopedchen zu einer Rennmaschine hochfrisieren wollte… .“

So ein Umbau kann gar nicht klappen, meint der Autor. Viel zu viel Geld würde unnötig verschwendet werden. Kurz: Das Dach gehört repariert, das Gebäude der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht, egal, wo der Rechtsstreit gerade angekommen ist. Im kleinen Rahmen könnte es wunderliche Dinge realisieren helfen, für alle möglichen Theaterfreunde und -gruppen. Es muss doch nicht immer das Wiener oder Berliner Symfonieorchester sein. Ein-zwei Gänge runter drehen, meine Damen und Herren! Sofort!

Konstantinos Papathomias sei hiermit gedankt für diesen Artikel, der in Auszügen übersetzt wurde und in der Politis-Tageszeitung Zyperns am 3. August 2014 erschien.

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Merkiavelli

Schon länger nichts mehr zur Bundeskanzlerin gelesen?

Nun, „der bekannte (vermutlich griechische) Journalist und Dokumentarist Stelios Kouloglou (http://en.wikipedia.org/wiki/Stelios_Kouloglou) befand sich in Zypern… , um seinen neuen Film „Nona“ vorzustellen und er sprach zur Politis.“ Das heißt, für Sie, verehrte Leser, mal wieder ein Bericht aus der zyprischen Politis-Tageszeitung, der gleich folgen wird. Die Ausgaben dieser Zeitung sonntags haben wirklich einiges in sich thematisch, das einfach übersetzt gehört für Interessierte an Zypern. Hier nun also in Auszügen das Interview von Barbara Christoforou, der Autorin dieses Artikels, der bereits am 03. August 2014 in der Zeitung erschien. Obgleich, in diesem Interview geht es eigentlich überhaupt nicht um Zypern, aber um das Land, mit dessen Sprache wir hier sprechen, seiner ‚Führerin‘, wenn das so gesagt werden kann und darf:

„Angelika Merkel erscheint als „Nona“ im neuen Dokumentarfilm von Stelios Kouloglou, mit dem er eine Trilogie beendet, bestehend aus den Filmen „Geständnis eines ökonomischen Mordes“ und „Oligarchie“. Entliehen ist der Titel (Nona) dem gleichnamigen Buch der Gertrud Höhler (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-patin-gertrud-hoehler-stellt-ihr-buch-ueber-angela-merkel-vor-a-851709.html). Stelios Kouloglou erklärt, warum er den Mafia-Spitznamen (also Nono) der deutschen Kanzlerin gibt, aber auch, welche ihrer Politiken den denn verdienen. (Nach etwas googeln, stieß ich darauf, dass das Buch im Deutschen unter „die Patin“ erschien. Warum Kouloglou im Interview sagt, der Titel des Buches sei „Nona“ bleibt wohl vorerst sein Geheimnis).

Was ist die Idee hinter der Nona?

Die Idee, um die es in dem Film geht, ist, die Art, wie die Merkel Europa eroberte. Weil, es ist offensichtlich, dass die deutsche Politik sich geändert hat in den letzten Jahren; und von dort als es galt, man werde nie ein deutsches Europa machen, hat sich diese Strategie entfernt und es folgte die Politik der deutschen Hegomonie.

Was hat Sie veranlasst, speziell diesen Film zu drehen?

Zwei Dinge. Das erste ist mich beunruhigt der Eindruck, die Tatsache, dass eine unbedeutende Physikerin aus Ostdeutschland, die sich mit Politik gar nicht abgegeben hat – ein Beispiel in einem Part des Films ist, dass sie am Tag des Mauerfalls in Berlin zur Sauna gegangen ist – die mächtigste Frau der Welt ist und Europa beherrscht. Das zweite ist, dass es sich um ein Buch der Gertrud Höhler handelt… , in dem die Autorin unterstützt, dass die Merkel Mafia-Methoden benutzt, um ihre Politik durchzusetzen.

Diese Charakteristik jedoch, „Nona“, was auf die Mafia verweist und die Taktiken, die diese verfolgt, sind die nicht etwas überzogen? Wir reden ja von einer Politikerin – davon abgesehen, dass einige mit ihrer Politik nicht übereinstimmen -, die die gewählte Kanzlerin der Deutschen ist.

Die Höhler ist Christdemokratin und eine Führungskraft der Partei. Sie war zusammen mit der Merkel. Die haben viel miteinander diskutiert. Sie sagt das, nicht ich! Die Mafia benutzt unterschiedliche Taktiken, zum Beispiel des Tötens.. Wir haben zum Beispiel die politischen Morde der Merkel, die, wo immer sie auf ihrem Weg geht, ihn „säubert“: von Helmut Kohl bis Berlusconi und dem Jorgos Papandreu. Es herrscht das Gesetz des Stillschweigens, und das ist sehr beeindruckend. Weil gemäß all der Zeugenaussagen, die ich aus Deutschland habe, wissen die Deutschen nichts über das, was abläuft. Die Leute bleiben im Dunkel.

Das heißt, sie hat dieses Gesetz des Schweigens auch der deutschen Presse auferlegt?

Vollkommen! Ein deutscher Journalist sagt im Film, dass „wir in Deutschland glauben, wir geben das Geld, um Griechenland zu retten, Spanien und die anderen Länder; aber in Realität tun wir das nicht – und daher machen wir anstatt Rettung der deutschen Banken“. Mal abgesehen vom Gesetz des Schweigens, haben wir auch Erpressung. Es gibt das Beispiel Irland, welches ein Problem mit einer seiner Banken, die der Wirtschaftsminister des Landes Pleite gehen lassen wollte. Doch in dieser Bank steckt viel Interesse der Deutschen und der Franzosen. Triche, der im selben Machtzirkel sitzt (wie die Kanzlerin), sagt dem Minister, dass falls er die Bank Pleite gehen lässt, er ihm den Kapitalfluss abdreht, und (dann) wird die ganz Wirtschaft (des Landes) draufgehen. Und derart kam Irland zum Unterschreiben des Memorandums, ein Land, welches im Allgemeinen kein Problem oder Schuld hat, Das selbe geschah auch mit Spanien.

Wollen wir mal annehmen, es gäbe dieses Gesetz des Schweigens in der Tat. Warum widersetzt sich das restliche Europa angesichts solcher Taktiken nicht?

Weil es sich um ein internationales Machtsystem handelt, um eine Gruppe starker Banker und Bürokraten der Kommission, die sich um den umstrittenen Club in Frankfurt drehen, an dessen Spitze die Merkel sitzt. Dieses internationale Machtsystem hat ganz Europa eine Politk auferlegt, ohne großen Widerstand zu erfahren. Genau jetzt, in diesem Moment, hat die Sozialdemokratie all die Werte verraten, die nach dem Weltkrieg in Umlauf gerieten – und lässt sich auf die Politk der Merkel ein. Das ist etwas, was wir derzeit gerade bei den deutschen Sozialdemokraten sehen können.

Diese Taktiken sind ausschließlich personenbezogen und nicht Ergebnis einer umfassenden Politik, oder könnten die auch von jemand anders verfolgt werden, jemandem, dem es gelänge, sich auf Merkels Platz einzurichten?

Meines Wissens ist dem so: Wäre auf dem Stuhl der Merkel ein anderer christdemokratischer Politiker gesessen, der aus Westdeutschland stammt, hätte der die Krise komplett anders gehandhabt, die aufkam. Weil die Merkel ist aufgewachsen in einer Umwelt, wo die Werte Europas, das heißt, die relative Gleichheit zwischen den Staaten, die Solidarität, völlig unbekannt waren. Das kannten Die (da drüben) gar nicht. Die Merkel hat ihre Werte und ihre Persönlickeit in Ostdeutschland ausgeformt.

Daher konzentriert sich der Film so sehr auf die Jugend und Pubertät der Merkel in Ostdeutschland?

Genau! Als die Mauer fiel, ist die Merkel 35 Jahre alt. Sie, wie im Allgemeinen die Ostdeutschen, glaubt, keine Beziehung zum Faschismus zu haben und dem Nationalsozialsimus. Sie glaubten, für all das sei der Westen schuld. Sie hatten doch ihre Augen Richtung Moskau gerichtet. In einer Szene im Film befindet sich die Merkel in einer Schule, wo sie ihr sagen, sie möge auf einer Landkarte Berlin finden. Das kriegt sie nicht auf die Reihe und zeigt anstatt auf Moskau, wonach die Klasse sich schäpps lacht. Sie ist erzogen worden mit komplett unterschiedlicher Werteskala, auf der der Verrat ein prominenter Punkt ist. Deswegen füge ich in den Film ein Pärchen aus Ostdeutschland ein, von dem die Frau eine Oppositionelle ist. Nach einer Zeit wird sie verhaftet und ausgewiesen mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern. Als die Mauer fiel, wurde sie Abgeordnete bei den Grünen in Ostdeutschland und zu allererst ließ man sie in ihre Stasi-Akte schauen. Es kam heraus, es war ihr Ehemann, der sie bespitzelt hatte.
Meine Meinung ist, wenn ein anderer Christdemokrat an Merkels Platz gewesen wäre, einer aus dem Westen, hätte er die Krise völlig anders gehandhabt.

Könnten Sie mir sagen, welche Persönlichkeiten im Film vorkommen?

Natürlich die Gertrud Höhler, die Autorin der Nonas. Einen wichtigen Anteil hat auch die kanadische Autorin Naomi Klein, ebenso der Vorsitzende der Organisation der Weißen Wittwen in Italien, sowie Ulrich Beck, der als Soziologe eine Art Star in Deutschland ist und das Buch geschrieben hat: Von Machiavelli bis Merkiavelli… , Bebe Grilo, den ich als eine Folge der Politk von Merkel darstelle… .

Was ist das Ziel des Films… ?

Dieser Film ist der dritte Teil einer Trilogie… . Der erste Film beschaftigt sich mit der Praxis der Länder und dem, an dem sie leiden, ohne mit dem, was in Griechenland geschieht in Beziehung zu stehen. Der zweite Film, Oligarchie, war wegen der europäischen Krise und ihren Ursachen gedreht worden. Nona, nun, spricht über die europäische Krise, die griechische natürlich, und den Verantwortungen der Merkel. Und irgendwie schließt sich dergestalt der Kreis (der Trilogie). Ich möchte, dass die Leute kapieren, dass ihre Regierungen Fehler machen können, und die machen sie in der Tat, zum Beispiel mit der Überschuldung. Das Problem indes, welches Griechenland konfrontiert, ist kein Ergebnis der Überschuldung, sondern eines systematischer Schwächung innerhalb der Eurozone – und unter diesen Ideen oder ähnlichen Folgen leiden auch Länder mit einer starken Ökonomie und guten Indexen.

Und was ist die Lösung, irgendeine Bewegung auf nationaler Ebene durch die Länder des Südens?

Das schlägt Bebe Grilo vor im Film, dass sich die Länder im Süden koordinieren sollen. Das wäre das erste. Als zweites müsste diese (jetzige) Politik etwas geändert werden, weil, wenn sie sich nicht ändert, wird die Eurozone den Bach hinunter gehen – und auch Deutschland.“

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Kurz angefügt sei, dass das Interview mit Kouloglou es auf Zypernundmehr-News schaffte, weil es eine Sicht auf Deutschland und seine Kanzlerin vermittelt, welchem man so wahrscheinlich in den Mainstream-Medien Deutschlands nicht begegnet.

Rita Severy und ihr Mann haben zyprische Kunst zusammen getragen, so richtig viel davon, wie zu lesen und zu hören ist. Ab dem 15. September 2014 kann das Zentrum für bildende Kunst und der Forschungseinrichtung des Kostas und der Rita Severy besucht werden. Die Adresse des neuen Zentrums (Κέντρο Εικαστικών Τεχνών και Έρευνας Ιδρύματος Κώστα και Ρίτας Σεβέρη) ist die Straße namens Ermou 285 (οδός Ερμού) in Nikosia. Der Präsident der Republik wird das neue Zentrum am 15. September um 19 Uhr eröffnen. Für mehr Info: 00357-22300999; http://www.severis.org

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Die Wahrheit und das Geld

Oder: Wie wird man Millionär, und nicht unbedingt, wie angelt man sich einen, obgleich das auch gewiss eine interessante Frage für viele sein dürfte, für die vor allem, die jeden Cent drei Mal rumdrehen ‚dürfen‘ bevor sie ihn ausgeben.

Diese Info, wie man sich einen Millionär angelt, hat ja bereits die gute M. Monroe im dazuugehörigen Hollywood Schinken, damals, auf durchaus unterhaltsame Weise vorgespielt.

Zwar ist hier eigentlich wenig bekannt, über die finanziellen Verhältnisse der Frau an der Seite von Tayyip Erdogan, welch Wunder, doch sollte sie nicht aus gut betuchten Verhältnissen stammen, hat sie mit ihrem Mann, ganz nach dem Film mit der Monroe, den richtigen ‚abgeschossen‘, also geheiratet. Der inzwischen stinkreiche Tayyip ist jetzt im wahrsten Sinne seines Namens nämlich tayyip (gut, zufrieden), wie nicht anders zu erwarten war. Er ist der Präsident der Türkei geworden – Oh weh!?

Ja, und die Wahrheit, von der in der Überschrift die Rede ist, die gibt es halt. Dass mit Erdogan der sogenannte historische Wendepunkt für die Republik Türkei schließlich ansteht, scheint eine voraussehbare Wahrheit zu werden. Es gibt des Weiteren auch Wahrheiten in Zypern, nicht nur in der Türkei, aber die in Zypern, von denen nun gleich berichtet wird, liegen eher in der Vergangenheit.

Wie Wahrheiten wahrscheinlich sein sollten, nämlich wahr, standen in der Politis-Tageszeitung vom 10. August 2014 gleich so viele in einem einzigen Beitrag, dem Beitrag von Dionisi Dionisiou auf Seite 3 – er schreibt sich in der Zeitung langsam aber sicher nach vorne -, dass Ihnen, verehrte Leser, in Auszügen aus diesem Beitrag von Dionisiou übersetzt wird.

„Die Krise kreiert Widerspruch, sagte Marx. Die Zuspitzungen der Widersprüche führen jeder Logik Brüche zu, die in einem kreativen Dialog in reifen und demokratischen Gesellschaften entschärft werden, oder gesellschaftliche Beben kreieren, oder Aufstände in Ländern, wo der Dialog noch nicht in der Mitte angekommen ist… . Jedenfalls alles kommt auf die eine oder andere Art, gemäß des Dialektischen, unter neuer Bedingung zu Fruchtbarkeit, den Kreislauf erinnernd, welchen der Regen macht. Die Sonne holt sich das Wasser aus dem Meer …, das Feuchte wird zu Wolken und die sammeln sich am Himmel. Von dort kommt es entweder durch einen hohen Regen wieder auf die Erde, oder … . Egal, welche Variante, der Kreislauf des Regens wird geschlossen… . Herakleion sagt: Alles ist im Fluss… , bleibt die klassische Frage: Wird [deswegen] nun alles besser oder schlechter? Diese Frage beschäftigt uns auch in unserem Alltag, versuchend zu sehen, wohin wird unser Leben [eigentlich] gerückt. Das Geld spricht nicht, sondern flucht, wenn es sich nicht verstecken kann, sagte Bob Dylan irgendwann. Tritt vor uns mit Arroganz… verursacht Nachdenken.

Die Verrückungen

• 1974, inmitten der nationalen Krise, änderte sich die zyprische Gesellschaft radikal. Von ökonomischer Seite ergab sich eine riesige, historische Verrückung in Sachen Reichtum. Wir verloren im Norden 1,5 Mill. ha Privatgrund mit dem Ergebnis von 150.000 Flüchtlingen, die Vermögen und Baugrund im Süden suchen kamen. Die wahnsinnig hohe Nachfrage [nach Grund und Boden] machte die Besitzer im Süden im nu reich. Es gab keine Zuspitzung, keinen Bruch, keine Synthese. Das Land wurde nicht umverteilt, obgleich wir alle beschlossen hatten, einen langjährigen Befreiungskampf zu führen. Stimmten genau darin überein. Doch nicht etwa mit den selben Waffen und dem selben starken Bollwerk [wollten wir kämpfen]. Die einizigen, die Nutzen daraus zogen, war eine handvoll Unternehmer – mit voller Mithilfe der politischen Macht. Ihnen gaben sie alles unter dem Versprechen des Aufschwungs – und die Flüchtlinge gelangten in die Zelte und Flüchtlingscamps.
• Von der Mitte der 80er Jahre erweiterte die handvoll Unternehmer – noch immer unterstützt von den Politikern – ihren Reichtum auf Kosten der Grundbesitzer im Süden Zyperns. Der Trick wurde getauft: „Zonenwechsel“ und „Koeffizienz-Aufbau“. Die Parole war bekannt: „Kauft Brachland zu niedrigen Preisen in dem und jenem Gebiet!“ Das kauften sie von den nichts ahnenden Landwirten und zwei Monate später wurde das Brachland zu Bauland. Die Wertsteigerung kassierten die Unternehmer und den Bonus natürlich die Parteien, die auf diese Weise ihre Finanzen sicherten – und den Vorsitzenden der Parteien ihre Landhäuser. Der letzte große Coup der Reichtums-Verrückung dieses Typus‘ fand zur Zeit der Präsidentschaft von Papadopolous statt, als der damalige Handelsminister, Jorgos Lillikas, 13 Berechtigungen ausstellte, um Golfplätze von mehreren hundert ha zu machen.
• 1999 entdeckte die politische und ökonomische Führung des Landes die Börse, zumal die Einkünfte aus den ungesetzlichen Kartenspiel-Vereinen nicht zufriedenstellend war. Die Börse nun salbte sozusagen „die Dampfmaschine der Ökonomie, und alle Zyprer beschlossen, dort zu investieren – ökonomisch“. Damals verkauften die Banken keine Aktien, sondern Gold zu 26 (ehemaligen zyprischen Pfund) das Wertpapier. Wir sprechen hier also vom dritten riesigen Verrücken von Vermögen, doch diesmal zum Schaden der Mittelklasse. Die setzten ihre ganze Kohle ein, auf ein morsches Börsen-Gesetz vertrauend, welches den Banken gestattet, die Leute gesetzlich abzuzocken. Die selben Banken konzentrierten sich [dann] schon auf die Zulassung der Banken an der griechischen Börse, in die Mitte des Schwarzgeldes, welches sie unter sich teilten vermittels verschiedener Steuerparadiese.
• Nach 2004, und sofern sicher gestellt war, dass die Kontrolle über Zypern, durch die Nicht-Lösung des Zypernproblems, in den Händen dieser Clique aus Politikern und Unternehmern verbleiben würde, begann das Kapital-Verrücken auch andere Länder was anzugehen; an erster Stelle natürlich als Lehre sozusagen Tassos Papadopolous, der seit den 90ern damit begann, das Geld des serbischen Volkes in die inzwischen [2014] in der Cyprus Bank aufgegangenen Laiki-Bank zu tragen. Mit so viel Geld in Banken angehäuft, wie könnten sie da überleben [auf Dauer], wenn sie nicht Geld verleihen würden? Sie begannen nun [wohl daher] an Engländer und Deutsche Geld zu verleihen, um ihre Wohnsitze [und sicherlich vor allem auch Geschäftssitze] nach Zypern zu verlegen. Der Gewinn daraus wurde selbstverständlich ins Ausland geschoben; und um hohe Umsätze so zu generieren, fingen sie an, die Zinssätze entsprechend verlockend zu gestalten – eine riesige Menge Geld aus Russland kam. Wir häuften dergestalt 70 Milliarden an, die aber investiert werden mussten mit Widerruf auf über 10%. So fingen unsere großen Unternehmer an, auch Griechenland Geld zu leihen. Es wurde [also] wenigstens eine globale Blase aufgepustet, welche [jedoch] wegen der globalen ökonomischen Krise 2011 unsere Hände beschmutzte – mit der damaligen Regierung, die in ihrem eigenen Imaginationsraum verweilte und mit Xristofias (damaliger Präsident Zyperns), [der verkündete], dass die Krise an uns vorüberziehen wird.
• Nach 2011 wurde ein weiteres Spiel aufgezogen des Reichtümer-Rückens. Das letzte und tragischste. Die ökonomische Elite, die im Fahrwind der Entwicklung des Bodens und der Banken dieses Land zerstörte, musste [ausgerechnet] von jenen gerettet werden, tragische Ironie [der Geschichte], die sie seit Jahren bestahlen. Linke und Rechte unterschrieben erstes und zweites Memorandum, um die ‚Lockvögel‘ zu retten, die seit 1974 dieses Land aufsaugen, jede Lösung der Zypernfrage verhindern, um ihre Kontrolle nicht zu verlieren – und die fordern heute in mitten der Diskussion um die Veräußerung [der Anteile an halbstaatlichen Betrieben u.a.], dass man uns unsere Häuser nimmt. Es handelt sich um eine handvoll Leute, die noch schlechter als die Türken sind. Beim ersten Einmarsch, dem der Türken, stahlen die und machten lediglich 150.000 Flüchtlinge unter den Griechischzyprern. Diese Typen aber, [von denen weiter oben die Rede war], machen einen zweiten Einmarsch und möchten uns alle zu Flüchtlingen machen. Vielleicht nehmen einige an, dass ich völlig diese obigen Thesen belegen kann. Das würde ich, wenn die Führung und das Volk verstünden, was in Zypern abgeht in den 40 Jahren, wenn wir alle bereit wären, einige Schuldige zu bestrafen und die Fahrtrichtung zu ändern… . Heute befinden wir uns geradewegs in einem Bruch mit diesem morschen Establishment, das uns regiert und wir suchen eine neue Synthese, die die Dinge verbessert, die uns alle nicht zu Flüchtlingen macht im eigenen Land. Wir zeigen [jedoch] nicht, dass wir es tun könnten!“
2012-01-01 02.48.05
Die Prognose hier ist, dass Erdogan sozusagen wiederholtermaßen bewiesen hat, dass er für Geld sehr viel riskiert, dass ihm der Gelderwerb eine Maxime geradezu ist – wer keine Kohle hat, der zählt bei ihm wenig und daher… .
Das Problem mit dem Geld und so haben indes die meisten Gesellschaften, wenn man etwas genauer hinsieht. Man bedenke, 40 Jahre weiß man von Ebola, doch man unternahm nicht wirklich was im Westen. Die paar verarmten Afrikaner, die deswegen draufgehen, wen jucken die schon? Diejenigen, die sich eine Behandlung demnächst leisten werden können, werden vorerst mal reiche Europäer und Amerikaner sein – und dann, versteht sich, die Helfershelfer, die reichen Schwarzen in Afrika. Doch Ebola könnte dieser Logik noch einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen, auch wenn mehr oder minder belegt ist, dass man es mit besseren Lebensumständen etc. durchaus im Zaum und aus der Welt nahezu verbannen könnte – doch wer will so was schon. Ist doch ein dumm gehaltener Mensch kein all zu gefährlicher Mensch?
Nun, wie dem auch sei. Jedenfalls hat die Habgier gewisser Kreise inzwischen eventuell zu viele Regionen in der Welt ins Abseits gesetzt, wo Ebola und Konsorten weiterhin wüten dürften und immer mal wieder den Weg in die sich wahrscheinlich noch mehr abschottende Welt der Reichen und Demokratischen finden wird – und sei es, dass spitzfindige Leute, also Terroristen und dergleichen Böse, bereits auf die Idee kommen, doch einfach ein paar Proben davon mit im Flieger nach Berlin, Tokyo oder London etc. zu tragen – der Kaptial-Verrückung wegen, könnten die sich womöglich dann denken. Warum Schülerinnen verschleppen und sich Zoff mit dem Gewissen holen, wo man Ebola-Viren vor der Haustür hat?

Und dass Präsident Maliki eventuell seinen Sitz nicht räumen will, hat gewiss auch wieder mit der Kohle zu tun – und lässt so manchen wahrscheinlich jetzt schon fragen, um auf die Prognose zurückzukommen: … wie wird das aussehen, wenn die türkische Verfassung Erdogan nach Ablauf seiner Dienstzeit nicht mehr gewährt, im höchsten Amt zu sein? Wahrscheinlich wird Krankheit seinerseits vor dem totalen Chaos im Lande retten, oder aber die Verfassung der Türkei wird bis dahin so zusammengeflickt sein, wie Erdogan sie braucht. Doch nicht nur die Türkei ist auf dem Weg hin zu einem totalitären Staat. Es scheint die Entwicklung zu sein, die ansteht, leider, und manche finden, dass das eine unvermeidliche Folge unserer kommunikativen Möglichkeiten ist. Und meistens geht es ja beim Kommunizieren und Leben neuerdings oft nur noch ums Geld.

Geld verrückt!?

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Bock und Gärtner

Was solls, bleiben wir doch einfach noch ein bisschen in der Sonntagsausgabe der Politis von letztem Sonntag. Nehmen wir es doch einfach mal nicht so eilig. Siga-siga, also langsam-langsam?

Weil, was bringt es denn schon wirklich nahezu in Echtzeit zu wissen, ob nun soundsoviel mehr oder weniger Menschen inzwischen starben bei den Auseinandersetzung in der Ukraine, Palästina, Kongo, ja, sogar im Osten der Türkei? Eine/r tot ist und war doch eigentlich schon zu viel, stimmts?

Auf S. 18 der erwähnten Tageszeitung aus Zypern, schrieb Loukas G. Charalambus unter der Überschrift „40 Jahre Demagogie“ ziemlich interessante Dinge zu den Versäumnissen und Merkwürdigkeiten der Anastasiadis-Administration in Zypern bei den Verhandlungen mit der türkisch-zyprischen Seite. Wie nahezu täglich in diesen Tagen aus dem Munde des Präsidenten der Republik Zypern, Nikos Anastasiadis, zu hören ist [jedenfalls ist das häufig und oft in letzter Zeit der Fall, wenn der TV angeschalten wird], beglückt dieser verwunderlicher Weise mit seinem scheinbar aufgekommenen Gefallen daran, als rhetorisches Mittel so einen ähnlichen Satz wie ‚die Türken sollen in ihre Boote steigen und zurückfahren, wo sie herkommen‘ seine Zuhörerschaft, was vermutlich ganz patriotisch rüberkommen soll. Die klatschen dann meist auch dazu. Als er diesen Spruch das erste Mal herausschmetterte, war der Applaus gewiss größer. Doch nach so viel Malen erscheint die Rhetorik halt doch etwas abgenutzt – und die Zyprer sind Wiederholungen am Stück, sozusagen, gewöhnt von ihren Politikern und anderen.

Da wäre allerdings noch die Frage, so gleich im Anschluss am besten und damit das womöglich noch jemand von Seiten des Präsidenten klärt: wenn die Türken dorthin gehen sollen, wo sie herkommen, ist das dann nicht dort, wo vormals Griechen siedelten, also Kleinasien? Sie, verehrte Leser, mögen nun denken, aha, die nach außen stets als so exzellent und brüderlich bezeichneten Beziehungen der Republik Zypern mit Griechenland sind dieser Tage dann wohl vielleicht nicht so rosig? Genau! Wir wurden somit einer offenbar diplomatischen Meisterleistung aus dem Munde des Präsidenten der Republik Zypern gewahr in Sachen Freundschaftspflege oder -erhaltung. Doch dazu vielleicht ein andermal etwas mehr.

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„40 Jahre nach dem Einmarsch der Türken werden noch immer Feste und Feiern organisiert von den politischen Demagogen, die gleichen doofen Sprüche geklopft, die selben Zeichen und der gleiche patriotische Quatsch über den „Kampf gegen die Besatzung“ verzapft, den wir angeblich führen. Das einzige, was nicht zu hören ist, ist das Naheliegendste und Offensichtlichste: Dass 40 Jahre später das letzte, was uns interessiert, unsere Probleme zu lösen ist; und dass unsere einzige Sorge ist, dass jeder seinen Platz halten kann. 40 Jahre nach 1974 – und 50 nach 1964 – wird von uns der selbe Mythos offiziell [also von der Regierung] und mit den gleichen Worten benutzt: Wir sind die ohne Sünde, wir haben keine Verantwortung für das, was geschah. Für alles sind die anderen schuld. Und für die zeitliche Verlängerung des Problems ist der Schuldige stets der Selbe – die türkisch-zyprische Halsstarrigkeit.

Ich las die Dokumente zu den „Vergleichenden Vorstellungen“, also der Vorschläge, die dem Parteivorsitzenden Herrn Anastasiadis überreicht worden waren. Ich habe seither keine Bedenken zuzugeben, dass wenn ein objektiver Mensch dieses Dokument liest, er nur eine Schlussfolgerung haben kann, die da ist, dass die „Halsstarrigkeit“ der Griechischzyprer heftiger ist als die der türkischen Zyprer.

Lassen Sie uns einige Beispiele ansehen. Das Erste – und Schlimmste – ist ….. unser überraschender Vorschlag, dass der türkisch-zyprische Vizepräsident der zukünftigen Bundesrepublik Zypern durch eine allgemeine Abstimmung und mit völliger Stimmenmehrheit gewählt wird. Das heißt, die Griechischzyprer würden entscheiden, wer die Türkischzyprer vertritt [da sie ja die Bevölkerungsmehrheit darstellen auf der Insel]. In der Einleitung des Dokuments wird die türkisch-zyprische Seite beschuldigt, verweigert zu haben, Vorschläge zu unterbreiten und es wird betont, „dass die Vorschläge, die unterbreitet wurden, inhaltlich reich sein müssten sowie grundlegend – und keine Verspottung des Verfahrens!“

Hey, unser Vorschlag [der der Griechischzyprer] ist ja wohl die lauteste Verhöhnung des Verfahrens! Also 50 Jahre später, nach 1963 und nach dem, was danach geschah und während die Türkei mit ihren Truppen noch immer hier ist, fordert Herr Anastasiadis diese auf, die Türkischzyprer gehen zu lassen, wo das doch ein Recht ist, welches die Türken seit dem Staat von 1960 haben.

Das ist nicht einfach mehr nur Verspotten der Verfahrensweise, es ist ein bewusster Versuch von Anastasiadis, jede Wahrscheinlichkeit zu einer Lösung zu gelangen auszuschalten!

Ein anderer ‚witziger‘ Vorschlag unseres Präsidenten ist der zur Zusammensetzung der zukünftigen Bundesregierung Zyperns, wo 10 Minister agieren sollen und 6 Vize. Um gerecht zu sein, der Gegenvorschlag der türkisch-zyprischen Seite ist nicht weniger unverständlich – 15 Minister. Es soll darauf verwiesen werden, dass die Behörden der zukünftigen Bundesregierung, auf die sich die beiden Seiten einigermaßen einigen konnten, nämlich 4 lediglich sein sollen: Außenbeziehungen, Ökonomie, Justiz und Allgemeine Dienste (Verkehr, Post etc.). Es ist kein Zufall, dass im Annanplan nur 6 Mitglieder des Präsidentschaftsrates vorgesehen waren, welche die entsprechenden Behörden beauftragen. Was also werden wir mit den 10 Ministerien und den 6 Vize dazu anstellen? Kann uns das Herr Anastasiadis mal erklären?

Im selben Dokument wird die türkische Seite beschuldigt, wegen ihrer Einstellung, dass der Bodensatz, [wenn so gesagt werden darf], diskutiert werden müsse. Und zwar Letzteres dann, nachdem all die anderen Themen abgeschlossen sind, weil „es sich vor allem um Themen handelt, welche die Bevölkerung betreffen!“

Hey, das ist eine ganz logische Ansicht. Kann sich mal jemand das Gezänk vorstellen, welches wir hätten, würde man damit beginnen, Namen in Umlauf zu bringen und Karten zu entwerfen? Und dann die Proteste und Reden im Norden von jenen, welche „wohnungslos“ würden; und das Geschreie aus dem Süden derer, deren Gebiete nicht als für den Rückumzug ausgewiesen wurde?

Ein anderer Punkt, wegen dem man den Norden kritisiert im Dokument, ist, dass die türkisch-zyprische Seite mit ihren Vorschlägen zur Staatsbürgerschaft die Anzahl der Siedler aus der Türkei erhöht, die dann bleiben würden.

Hey, das ist doch wohl das natürlichste Ergebnis des Abbruchs der Lösung vor 10 Jahren [durch die griechisch-zyprische Seite mit ihrem negativen Abstimmungsverhalten zum Annanplan]. Anastasiadis hat dafür zwar keine Verantwortung, [er stimmte damals mit JA]. Es sind diejenigen, die eine Lösung damals verunmöglichten (u.a. auch der Mawrogiannis), die sich für diese Entwicklung schuldig fühlen sollten [mit Mawrogiannis als jetzigen Verhandlungsführer bei den Wiedervereinigungsverhandlungen in Zypern wurde seines damaligen Abstimmungsverhaltens (OXI, NEIN) wegen eh der Bock zum Gärtner gemacht].

Nun, 40 Jahre später, fangen wir [bei den Verhandlungen noch immer] mit der gleichen Denkweise an, der selben Demagogie, den gleichen Zeichen. All das hat uns bis hier her gebracht [der Autor meint ziemlich sicher die wirtschaftliche Krise und die Trennung der Insel], und es wird uns gewiss noch mehr zusetzen!“

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