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Archive for Juni 2016

Ach, wollen wir doch den Goldenen Norden Zyperns nicht so vernachlässigen.

Also wirklich!

Geht doch nicht.

Andauernd!

War vor kurzem mal wieder drüben.

Hört sich an wie einst, als ich als nach Ostberlin rüber ging: “drüben!”

Ja, im Stadtzentrum von Nord-Nikosia war ich lediglich. Eine oder zwei Hosen für den Rest des Sommers wollten gekauft werden, vielleicht noch in eine Bücherei aufsuchen, vielleicht was Essen hinter der Moschee, die einst eine Kirche war, und dann womöglich noch in jemanden reinrennen, den oder die ich schon länger nicht mehr gesehen habe. Solche Zufälle soll es ja auch auf Zypern geben, vielleicht besonders im Norden Zyperns. Doch Letzteres blieb mir ‘erspart’.

Mehr oder minder die gleiche Hose, die uns auf dem Weg zur Kirche im Bazar zu 33 Euro angeboten wurde, bekamen wir zurück auf der Hauptstraße in Nord-Nikosia unweit der Tekke der Derwische zu 12 Euro. Der gleiche Stoff, importiert aus der Türkei und wirklich gut sitzend. Was will man mehr. Es lohnt sich also, sich umzusehen.

Noch vor nicht all zu langer Zeit konnte im Bazar billiger eingekauft werden als in der Hauptstraße. Das scheint sich geändert zu haben.

Viele leerstehende Geschäfte überall sind zu beklagen. Das Viertel zwischen Girne-Kapi und dem Grenzübergang Ledra Straße ist die Gegend in Nikosia-Nord, die ich gewiss am besten kenne drüben. Schließlich habe ich dort Monate gelebt vor ein paar Jahren. Da war alles noch lebhafter. Viel mehr Festlandtürken, die zwar von den Griechischzyprern nicht gern gesehen werden, dem Norden Nikosias aber einen wirklich interessanten Flair verpassten damals – zumindest aus meiner Warte. Jetzt scheinen die Straßen dahinzusiechen. Kann ja sein, dass abends mehr Rambazamba ist. Ich spreche vom positiven Rambazamba, also von Leute auf den Sraßen, Flaneuren, Restaurants und Cafes offen mit vergnügten Menschen, Theater, Kino eben von dem, was einen – sagen wir – gelungenen Abend zu konstruieren hilft.

Mehmet Harmanci ist einer der auch was konstruieren möchte. Zusammen mit Konstantinos Giorkadjis. Der Name des Ersteren führt mich unweigerlich in einige in der Sommersonne Berlins verbrachten Tage in der Hasenheide zu Neukölln. Als Türkischsprecher ist es eigentlich schon fast ein MUSS, sich dort hin und wieder einzufinden. Für mich war es stets so, dass dort unter einem riesigen Baum unweit der Cafeteria im Park immer überraschenderweise uralte Bekannte aus allen möglichen Lebensläufen mit Türken oder Kurden in Berlin meinerseits wiedergetroffen werden konnten: mal waren sie abgestürzt, mal verheiratet oder geschieden, mal reich geworden, keiner aber war so, wie ich ihn – weniger sie – in Erinnerung hatte; auch wenn wir uns anfänglich immer wieder darauf einigten – aus Höflichkeit, nehme ich an -, dem anderen jeweils zu versichern, dass er sich doch gar nicht, aber auch wirklich nicht ein bisschen verändert habe:

Du bist überhaupt nicht alt geworden!”

Dann kam oft das in der Türkei sehr bekannte Lied über die ersten grauen Strähnen im Haar oder andere, sag ich mal, sprachliche Automatismen.

Doch was ich eigentlich erzählen wollte im Zusammenhang mit der Hasenheide, ist die häufige Erwähnung des Wortes “harman” bei den Männern dort unter dem riesigen Baum, die fast immer und fast nur Karten spielten: “elli bir”, also 51. So heißt das Spiel, welches sie spielen oder eine Ableitung davon, deren Namen mir jetzt nicht mehr einfällt. Ich glaube, es kann mit “versenken” übersetzt werden: pisli (das s muss als sch gesprochen werden). Doch sollte die Übersetzung nicht zutreffen, dann … .

Viele Türken, meistens Renter und Langzeit-Arbeitslose, Kranke, kamen und kommen da also so um die Mittagszeit und selbstverständlich danach an, und zwar harman.

Oh großer Bruder, ich bin ja so harman. Wo ist denn der Alte?” Der Alte war – und ist vielleicht noch immer – derjenige, der den Harman-Zustand aufheben kann oder konnte. Notfalls mit lediglich 5 Euro. Nach ein paar Zügen aus einer gedrehten Zigarette – Marihuana war verpönt, es muss schon Haschisch sein und sei es auch ‘nur’ aus Marokko -, geschah etwas in ihnen, der Blick schien besänftigter zu werden, der nächste Automatismus stand an: Kartenspielen und die Entscheidung mit wem?

Ein Harmanci ist also jemand in der Hasenheiden-Sprache, der dringend seinen Zug Haschisch – oder zwei und mehr – braucht, um den Affen im Hirn – wie Bukowsky und andere mal schrieben – zu beruhigen.

Mehmet Harmanci meinte im Interview mit Agnieska Rakoczy: “Die Welt ändert sich, wir können nicht gleich bleiben!” Das ist auch die Überschrift ihres Artikels in der Sunday Mail vom 05. Juni 2016.

Wie Alexis Tsipras in Athen sei der Auftritt Harmancis, formlos. Auch er trage keine Krawatte, käme “casual” herüber. In einem Workshop hat sie ihn kennenglernt, schreibt die Autorin. Ich ‘befürchte’, es war der selbige, an dem auch ich damals teilnahm bei der UNHCR in der Buffer-Zone.

Jetzt ist Harmanci jedenfalls Bürgermeister von Nord-Nikosia. Ein Linker, ein Verteidiger von LGBT-Rechten gar, einer also, der sich nicht mit der Sozialdemokratie des Nordens (CTP) groß aufhielt, sondern gleich noch etwas linker sich verorten ging, in der derzeitigen TDP.

Verwunderlich ist schon, dass so ein Quereinsteiger auf so einen Posten kommt. Wer die von Ankara – mehr oder minder – mitgesteuerte Bürokratie glaubt, sich ausmalen zu können unter Tayyip Erdogan und davor im Norden Nikosias, darf also verwundert sein, dass ein sogenannter Aktivist und gar LGBT-Rechte-Einforderer nun im Rathaus an oberster Position sitzt.

Das Viertel, in dem Harmanci aufgewachsen ist, ist auch mir sehr ans Herzchen gewachsen: Caglayan, unweit von Kaimakli. Kaimakli gibt es auch im Süden der Stadt. Was sagt uns das? Das sagt uns, dass Harmanci an der Grenze aufwuchs und dieser Umstand wiederum versetzt mich zurück nach Berlin, als ich frisch angekommen dem Wedding hurtig den Rücken gekehrt hatte und danach auch Charlottenburg, um dann endlich in Berlin 36 haargenau an der Grenze in der Waldemarstraße endlich – vor allem im Kopf – anzukommen. Die Schießanlagen, die ich vom Fenster aus sehen konnte, die Mauer und der Stacheldraht, die Hunde und die Wächter und mehr, irgendwie hatte das so eine Art Spielzeugkisten-Ansicht. Wenig betroffen davon, fiel es mir wohl schwer, den Ernst der Lage zu begreifen. Ich wollte es wohl nicht so begreifen, wie es sich darbot und wie es war.

Naiv?

Wahrscheinlich, ja!

Damals – knapp etwas über 20 Jahre – forderte die Stadt mich anstatt auf, sie zu entdecken, auch den Osten: Café Wien am Prenzlauer Berg. Ich liebte es. Doch Freundschaften – das war Programm und wurde so auch gleich stets vermittelt – waren nur für jenen Tag: keine Verabredungen, keine Bettaffairen nur gute Gespräche und viele Ostwitze.

Was also Yeni Cami Fußball Club für Harmanci war, war für mich einst am Görlitzer Bahnhof das “Walhalla” oder aber das Café Wien.

Treffpunkt, der besonderen Art oder so.

Harmanci und Giorkadji würden ja gern mehr tun zusammen, wenn man sie nur ließe. So ein–zwei mehr Übergänge wie zum Beispiel den logischerweise sehr naheliegenden von Caglayan rüber nach Kaimakli oder umgekehrt, das wäre schon was.

Was ich noch nicht wusste, und eigentlich ist das auch der Grund all dieser Schreiberei dieses Artikels, so damit auch Sie es nun gleich wissen, ist Folgendes:

[Harmanci hing eine Zeit lang bei der CTP ab, doch kapierte er schnell, dass diese Partei nichts für ihn war. Diese Zeit erinnert er mit einem Lächeln: “Die gaben uns zu viel zu lesen und überprüften unser Wissen danach. Ich mochte die Atmosphäre dort nicht!” Er versuchte sich woanders, bis er schließlich zur TKP kam [dem Vorgänger der TDP], und zwar, als der Vorsitzende dieser Partei der jetzige Führer [Präsident] der Nordzyprer war, Mustafa Akinci. [Harmanci] gibt zu, dass Akinci für ihn die Person schlechthin war, die ihn im Politischen inspirierte. Er war “immer eine sehr beeindruckende” Person. Er berichtet, wie Akinci gerademal 4 Jahre nach den blutigen Ereignissen von 1974 “jedermann davon überzeugte”, ein Abkommen mit Lellos Demetriades [dem damaligen Bürgermeister im Süden] wegen dem gemeinsamen Abwassersystem zu schließen [und es dann schloss].

Der Nikosia-Masterplan folgte.

[Letzteren] erreichte [Akinci] zu einer Zeit, als die Erinnerung an den Konflikt und die Gewalt noch sehr lebhaft bei den Menschen war, als “der Geruch von Blut noch in der Luft hing!” Auch zu einer Zeit, als ihn darin niemand unterstützte, [gelang ihm das]. Akinci, sagt Harmanci, hatte eine Vision für den Norden Nikosias. “Er kam in eine Stadt, die noch den Charakter eines Dorfes hatte, und als er sie verließ, war sie zu einer Stadt geworden”. … .

Ich möchte das Gleiche mit Giorkadjis zusammen tun und mehr.

Als Akinci und Lellos sich trafen, mussten sie jedesmal um Erlaubnis bitten. Jetzt geht das so viel einfacher. Daher bin ich bereit, dann, wenn [Giorkadjis] bereit ist!” … .

Im Jahr 2013 soll es keinen Autoverkehr mehr innerhalb der Stadtmauern Nikosias geben. Nikosia soll eine karbonoxid-arme Stadt sein. Mit einander kooperierende und verbundene Tourismus-Informationen und Fahrradwege sollen sein. Und weißt du, wir versuchen derart nicht, das Rad neu zu erfinden. Solche Städte gibt es bereits. Wir haben einfach nur alles vorzubereiten für den Tag danach. … .”

Am 07. Juni 2016 schreibt Jean Christou in der Cyprus Mail über Rassismus in Zypern. Er schlägt vor, dass die Insulaner dringend mit einem neuen Plan ankommen müssen, um auch Menschen ohne Nationalität integrieren zu können. Er bezieht sich dabei auf eine Beurteilung der Europäischen Kommission. Zwar habe es einige Fortschritte gegeben, doch sei die Liste der Verfehlungen Zyperns bezüglich des Themas Rassismus dennoch zu lange. So hätten beispielsweise endlich sogenannte “hate speeches” aufzuhören (Hasstiraden). Es darf davon ausgegangen werden, dass diese von Politikern und anderen Amtspersonen gemeint sind. So auch das rassisch-orientierte Vorgehen der Polizeibehörden (racial profiling) habe sich zu verabschieden, ganz zu schweigen von der Diskrininierung der Sinti und Roma sowie die Thematik der Gender Identität (im weiteren Rahmen also LGBT-Themen).

Letzte Woche war in einigen Zeitungen Zyperns zu lesen, dass die Löhne für Hausangestellte die niedrigsten in Europa sind. Durchschnittlich soll ihr Lohn bei 309 Euro liegen; eine andere Quelle nannte allerdings ein Einkommen von 390 Euro (Alithea, Fileleftheros).

In der Türkei liegt das Einkommen der Hausangestellten etwa bei über 1.000 Euro im Vergleich.

Der Ombudsfrau Zyperns sollte endlich gestattet werden, meint die Europäische Kommission des Weiteren, auch an Gerichtsverhandlungen hinten rein sitzen zu können als Beobachtetrin bei Bedarf und auf Wunsch. Viel mehr Geld müsste ihr zur Verfügung gestellt werden, um ihre Arbeit überhaupt einigermaßen gewissenhaft durchführen zu können. USW.

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Zwei Jahre in Zypern. Eindrücke, die Irakli Maisouratse bei uns hinterließ, waren die besten. Nie gab er jemand Anlass, über ihn schlecht zu reden. Beweis dessen sind Spiele, die ausgetragen wurden, bei denen man nicht weiß, ob nicht wirklich er es war, der allein die Mannschaft des Anorthosi oben hielt. Auf dem Spielfeld gab er den Eindruck wider, als habe er nichts Anderes in seinem Leben zu tun als Fußball zu spielen. Er war völlig in seine Arbeit versunken. Nie hat er den Mund aufgemacht, nie seinen Gegner angemault oder die Schiedsrichter. Manches mal ging es so weit, dass er seine engsten Spielkameraden dazu brachte zu sagen: Wenn alle von Anorthosi gegangen sind, wird der bestimmt dort noch immer spielen.

Zuletzt hat jedoch auch er die Türe in die Hand genommen. Nach zwei Jahren war seine Zeit abgelaufen, die Zeit zu gehen war gekommen – ging leicht verbittert. Maisouratse findet, er wurde nicht korrekt behandelt. Aufgefallen war, dass Alberto Menito ihm keinen Antrag unterbreitete, weiter bei der Anorthosi zu spielen. So ist also nicht ausgeschlossen, dass wir ihn in den Farben einer anderen zyprischen Mannschaft spielen sehen werden. Als wir ihn fragten, uns ein Interview zu geben, erklärte er sich sofort dafür bereit. Während wir mit ihm sprachen, verfestigte sich der positive Eindruck, den jene, die ihn kennen, von ihm haben.

Nach zwei Jahren ist ihre Anstellung bei der Anorthosi vorüber, was sind anfänglich ihre ersten Eindrücke gewesen?

Diese Entwicklung belastet mich immens. Das hätte ich nach zwei Jahren in dieser Mannschaft nicht erwartet. Die Art und Weise, wie man mit mir umging, habe ich nicht verdient. Kann sein, dass ich nicht die Erwartungen erfüllte, doch ich habe stets 100% gegeben. Spielte immer für die Fans und die Geschichte des Vereins. Was Geschichte in diesem Verein bedeutet, das weiß ich sehr wohl. Auch was es bedeutet, das Trikot der Anorthosi zu tragen, und darum gab ich stets alles auf dem Platz.

Wie siehst du die zwei Jahre, die du dort verbrachtest?

Also: Zuerst kam die Mannschaft und dann kam ich. Täglich versuchte ich, noch besser zu werden und wenn ich aufgestellt war, gab ich alles. Sehr oft war wegen der Aufstellung das, was ich tat nicht so offensichtlich auf dem Platz. Doch ich erledigte stets den Job, den man mir auferlegte.

Was war los? Warum konnte die Anorthosi diesmal nicht einen einzigen Titel erspielen?

Es ist schwer, an Wettbewerben teilnehmen zu wollen und jedes Jahr wechselst du nahezu alle Spieler aus – so auch den technischen Trainer und den Trainer selbst. Als ich anfing, gab es einen Plan mit Herrn Van Leoven und danach war der Plan vergessen. So kann eine Mannschaft keinen Titel holen.

Ihr ward doch dieses Jahr ganz oben angekommen. Was ist geschehen, dass ihr plötzlich langsam ins Mittelfeld gesunken seid?

Die Zeit mit Herrn Paous hatte angefangen und mit Simo Tarapoulousi. Die hatten einen wirklich guten Plan. Sie produzierten die richtige Chemie unter uns, was zu guten Ergebnissen führte. Hey, wir gewannen, ohne wirklich gut gespielt zu haben. Der Plan ging jedoch drauf, als Herr Paous ging. Die Chemie stimmte dann nicht mehr unter uns.

Beeinflusst sein Weggang alles so sehr? Und wenn du diesen Abgang falsch verstanden hättest …

Der Weggang des Trainers war einer der wichtigsten Gründe für den Misserfolg. Er hatte eine Mannschaft mit sehr guten Spielern aufgebaut und als er ging, löste sich alles auf. Wäre er geblieben, wären bessere Ergebnisse erzielt worden.

Erzählen Sie uns ein wenig aus der Zeit mit Milinkowitsch. Viele sagen, dass Anorthosi auf Autopilot gestellt war …

Er wollte sofort viele Dinge ändern. Ein schwieriges Unterfangen. Anfangs versuchte er, die Spielweise zu ändern, den Stil und allgemein die gesamte Philosophie der Mannschaft – und die Denkweise. Das war falsch. Und wie sich zeigte, hat es nicht geholfen.

Nachdem Neofitos Larkou übernommen hat, der einige Dinge zu verändern versuchte, zeigte sich, dass es bereits zu spät war.

Das ist wahr, das es zu spät war. Wären er und seine Mitarbeiter früher gekommen, wäre es besser gelaufen. Herr Larkou war sehr positiv, auch hatte er ein sehr gutes Trainerteam. Ich kann nur Gutes über die Zeit sagen, in der er auf der Bank saß. Dieser Trainer hatte keine Verantwortung erhalten. Er hatte versucht, das Absacken in der Liga zu verhindern. Alles war schwer.

Wie seht ihr Spieler die Lage, was sagt ihr zu all dem in den Umkleideräumen?

Alle hatten verschiedene Ansichten über das, wer oder was schuld war. Die einen sagten dieser, der andere jenes oder jener. Und hier komm ich auf die Frage von zuvor zurück und sage, dass Neofitos Larkou versucht hatte, die Dinge zu ändern, doch es war bereits zu spät. Alles lief seinen Weg.

Und da sind wir nun bei deinem Weggang aus dem Verein angekommen. Was spielte sich ab, sodass wir beim Weggang landeten. Was sagte dir der technische Direktor Alberto Menito?

Als er mich anrief, sagte er, er würde Klartext mit mir reden. Sagte, er habe mit Herrn Charalambo Manoli gesprochen und diesem gesagt, dass der Maisouratse darum ersuche, in der Elf zu sein, einen sicheren Platz zu erhalten. Das ist aber nicht wahr. Denn niemand kann so etwas garantieren. Auch habe ich keine Rückversicherung je verlangt. Die erhalte ich stets über meine geleistete Arbeit. Was ich lediglich erfragte, war, den gleichen Vertrag zu haben. Mein Vertrag war auf Bonuszahlung errichtet, also wie oft ich an Spielen teilnehme. Denn ich hatte Verletzungen, die eine Auszeit erforderlich machten und ich verlor Geld dabei – auch wegen der [roten, gelben] Karten. Die Position, auf der ich aufgestellt werde, ist eine, auf der man sich oft eine Karte einfängt – meine Physis wird dort stark beansprucht. Nun, mein Vertrag war einer der billigsten Verträge in der Mannschaft. Mehr habe ich nicht verlangt. Als das Jahr begann, sagten sie mir, dass die Position, auf der ich spiele, meine sei; doch in der Folge haben sie sich den Wlepe Pele und den Zoao Viktor zugelegt – und schon saß ich auf der Bank. Herr Benito sagte mir auch, ich sei ein wichtiger Spieler für die Mannschaft, aber er machte mir nie ein Angebot, welches ich hätte beantworten können. Er sagte, ich sei frei. Und das führte dazu, dass ich wegging – nicht mehr und nicht weniger.

Man hört, dass auch du dich nach einen neuen Verein umsiehst. Gibt es schon Interessenten?

Ja, es gibt da ein paar Vereine, die an mich herantraten, um bei ihnen zu spielen.

Aus Zypern oder aus dem Ausland?

Beides. Zwei Teams aus Zypern und eines aus Israel und der Türkei.

Schon entschlossen, wo du deine Karriere fortführst?

Noch nicht. Wir gucken uns das alles mal an, ich und mein Berater, und werden wohl zum besten Entscheid gelangen für mich.

Kann es sein, dass wir dich weiterhin in Zypern sehen werden?

Das kann auch sein. Es ist eine Option, eine gute.

Zwei Jahre in Zypern gespielt und es ist wahrscheinlich, dass du hier weiterhin spielst. Wie siehst du das spielerische Niveau hier?

Mir gefällt es sehr auf Zypern, die Atmosphäre auf dem Platz, die Zweikämpfe, im allgemeinen sind die Umstände wirklich gut – ich bin auch zufrieden. Es ist ein Wettbewerb um die Meisterschaft mit wirklich guten Spielern, die auf dem Platz kommen. Für manche Jungs kann es durchaus ein Schritt hin zu Größerem sein, hier zu spielen. Bestes Beispiel ist mein Landsmann Giorgi Ampourtsania, der für ein Jahr in Zypern spielte und danach den höchsten Sprung, nämlich nach Spanien machte.

Wir wünschten, dass du eine Message an die Fans von Anorthosi abgibst …

Was ich ihnen sagen mag, ist ein großes Dankeschön für die beiden wunderbaren Jahre. Ich habe ihre Liebe sehr verspürt, als ich dort spielte und auch ich liebe sie. Ihnen wünsche ich, dass sie schon bald erhalten, was ihnen zusteht. Anorthosi hat es verdient, ganz oben mitzuspielen. Ich wünsche ihnen das Beste und vielleicht komme ich ja eines Tages zurück, um hier nochmals zu spielen. Ich habe die Tür nicht geschlossen.

Wie könnte Anorthosi das denn vollbringen? Was kann der Verein tun, um wieder an die Spitze zu gelangen, den Titel zu erhalten?

Das Wichtigste ist, nicht wieder die gleichen Fehler zu machen. Wenn in der Mannschaft das Gegenteil von dem geschehen wird, was geschehen ist, werden sie es schaffen. Das ist der Weg, der den Verein auf Erfolgskurs setzen wird.

Obiges wurde aus der griechischzyprischen Tageszeitung Alitheia übersetzt. Der Artikel erschien am 05. Juni 2016 auf Seite 8. Sonntagsausgabe.

Zypern wird an der Europameisterschaft in Frankreich 2016 nicht teilnehmen. Doch es scheint absehbar zu sein, dass an der übernächsten Europameisterschaft womöglich wirklich Zypern erstmals teilnehmen könnte. Überall machen Fußballschulen auf, die durchaus Zuspruch erfahren. Das Problem daran könnte allerdings behoben werden, nämlich, dass nicht mehr genügend Kinder in die Welt geboren werden von Zyprern. Wie auch Deutschland und andere Staaten ist man auf lange Sicht sozusagen händeringend auch auf Zypern auf Zuwanderung geradezu angewiesen, um den erreichten Wohlstand auch zukünftig irgendwie halten zu können – und Europameister zu werden.

Auch dieser Aspekt sollte es einigen Leuten eigentlich schon seit Längerem nahegelegt haben, nicht so vehement gegen die Wiedervereinigung anzuarbeiten. Das scheint sich eher für die meisten Bereiche in der Gesellschaft konterproduktiv auszuwirken.

Man weiß es nicht ganz genau, doch die Dinosaurier sind als Riesenechsen ausgestorben, weil sie es nicht geschafft haben, sich genetisch usw. entsprechend den Umständen anzupassen. Viele ihrer direkten Nachkommen, beispielsweise Singvögel verschiedenster Art, müssen es sich nun offenbar gefallen lassen, vordringlich auf Zypern, nicht allein von Katzen, sondern auch Menschen gefressen zu werden.

Das kommt also davon, wenn man sich nicht anstrengt in Sachen Anpassung?

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Der Parlamentarier der türkischen CHP, Herr Aytuğ Atıcı, hat sich was ganz besonders ‚Perfides‘ einfallen lassen. Er hat es offensichtlich geschafft, dass sich ein Teil der Erdoğan-Katze in den eigenen Schwanz beißt: miäauuu!

Bekanntlich hat der turkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen so seine ‚eigenen‘ Vorstellungen, und zwar darüber, wie und dass die Türkei ein Atomkraftwerk braucht. Hurra! Schrien da vorrangig die Griechischzyprer laut und vor wachsender Begeisterung gen Brüssel und natürlich New York.

Noch froher, Scherz bei Seite, machte sie, als vor kurzem die Russen aufhörten, an dem Atommonster unweit von Zypern auf türkischem Festland zu bauen.

So ganz nebenbei sei bemerkt, dass der Minister für Energie und natürliche Ressourcen Berat Albayrak heißt. Er hat sich sogar einen Doktortitel erworben davor. Seine Doktorarbeit hatte Atomkraftwerke und das Für und Wider für die Türkei, will ich es mal grob benennen, zum Thema. Herr Albayrak ist ein Teil des Erdoğan-Clans, sollten Sie noch erfahren, denn er ist zufällig der Schwiegersohn von Präsident Erdoğan selbst.

Als der vorherige Ministerpräsident der Türkei Ahmet Davutoğlu von seinem Amt zurücktrat, oder zurückgetreten wurde, waren nicht wenige besorgt, dass Herr Albayrak diesen Posten ausfüllen könnte. Wahrscheinlich war es dem Schwiegervater Herrn Albayraks doch zu heiß, den Schwiegersohn auf so hohen Posten jetzt schon zu setzen. Wer die Doktorarbeit des Letzteren liest, die in Auszügen im Parlament in Ankara verlesen wurde von dem bereits erwähnten CHP-Abgeordneten Atıcı, versteht, dass sich der ‚Junge‘ wohl noch etwas bewähren muss. Er ist noch nicht ganz ‚oben‘ angekommen. Wie sollte er auch, so lange der Alte, also Erdoğan selbst, noch auf dem Thron thront.

Immer langsam!

Dass der jetzige türkische Präsident ein Hang zur Größe und Superlativen zu haben scheint, wird wohl bereits aufgefallen sein. Und da gehört selbstverständlich ein Atomkraftwerk in die Landschaft der Türkei gesetzt, genau so wie in Naturschutzgebiete ein Regierungschloss (Saray) oder in der Provinz Artvin auf Teufel komm raus ins schönste, fruchtbare Grün Goldgräber anscheinend entlassen gehören.

Money, money, PARA!

Gott ja, Ramadan 2016. Kein Hinderungsgrund in Sachen Gelderwerb zwecks eingebildeter oder tatsächlicher Macht. Nur, was in der Doktorarbeit des Herrn Schwiegersohns steht … .

OK, es ist und war eine Jungendsünde?

Der arme Herr Schwiegersohn.

Wie konnte er auch nur solch unpassende Positionen beim Doktorwerden vertreten. In der türkischen Cumhurriyet-Tageszeitung vom 06. Juni 2016 schreibt jemand http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/siyaset/546629/_Damat_in_Meclis_teki_zor_anlari…__Sikintiya_girdi__cevap_veremedi_.html , was der CHP-Abgeornete Atıcı so alles in der Doktorarbeit beispielsweise auf S. 19 zum Thema Atomkraftwerke gefunden hat.

Herr Albayrak ist ja scharf darauf, seinem Auftraggeber, also dem Schwiegervater, es Recht zu tun. Und da steht in seiner Arbeit geschrieben:

„Der wichtigste Nachteil der nuklearen Energie ist, dass die Überreste des Spaltprozess‘ für viele Jahre irgendwo auf sichere Art und Weise eingelagert werden müssen. Was dem Reaktor als Brennmaterial gegeben wird, wird lediglich zu einem Prozent verwertet, der Rest wird zu Asche und in dieser Phase muss sein hoch-radioaktives Überbleibsel auf sichere Art und Weise gelagert werden.“

Albayrak wirft im Parlament zu Ankara daraufhin ein, dass er in seiner Doktorarbeit ja von einem Reaktor ausgegangen sei, der dem Metsamor-Reaktor in Armenien gleicht und der wirklich bedenklich sei. Außerdem habe er doch gar nichts gegen die Verwendung von Nuklearenergie. Man werde aber in Akku (ein Ort unweit Zyperns also) die neueste und beste Technologie in Anwendung bringen anstatt.

Doch Herr Atıcı von der oppositionellen CHP ließ sich offenbar nicht aus der Spur bringen und schlug in der Doktorarbeit einfach die Seite 20 auf und darin steht unter anderem:

„Was an dieser Technologie das Furchterregendste ist, ist, dass im Falle eines Unfalls die Umwelt ziemlich wahrscheinlich keinesfalls mehr gesäubert werden kann. … . Die [türkische] Gesellschaft ist gegen diese Technologie, weil sie zum einen die [landwirtschaftliche] Produktion tangiert und zum anderen wahrscheinlich nicht dazu verwendet werden wird, damit friedlich umzugehen.“

Gong! Knock Out-Analyse!

Jedenfalls hat Herr Schwiegersohn daraufhin nichts mehr einzuwenden gehabt im Parlament. Schwiegerpapa wird begeistert sein von solch heiklen Details und Denke.

Der ist derzeit ja eh damit beschäftigt unter anderem, Ende dieses Monats seine Drohungen wahr zu machen? Wir werden es also schon bald sehen, ob er den Flüchtlingsstrom wieder gen Norden ziehen lässt. Deutsche Politiker und andere signalisierten bereits, dass sie diesmal nicht kleinbeigeben werden.

In gewisser Weise passt zu eben Geschildertem ganz gut das, was Şener Levent am 06.06.2016 in der griechischzyprischen Politis-Tageszeitung schreibt und auch, was hier auf Zypernundmehr-News im Artikel vor diesem geschrieben steht.

Levent beschwert sich seit einigen Tagen in der Politis, dass bitte sehr mit wem in Sachen Wiedervereinigung von Seiten der Griechischzyprer verhandelt wird? Er findet nämlich, die Türkei habe in letzter Zeit alle wichtigen Firmen, Posten etc. besetzen lassen von Festlandtürken ın Nordzypern. Sogar im nationalen Fernsehsender BAYRAK sei nun ein Türke der Chef.

Die kaufen allen Grund und Boden auf, der einigermaßen gut gelegen ist, meint Levent. Könnt ihr denn nicht sehen, dass wir bereits zu einem Teil der Türkei geworden sind? Diese Frage seinerseits ist gewiss etwas überspitzt, doch ganz unangebracht scheint sie denn auch wieder nicht zu sein. Im letzten Jahr hätten sich die Türken auf Zypern breiter gemacht, denn jemals zuvor, findet Levent. Einerseits wird verhandelt und andererseits wird abgeräumt.

Mit wem glaubt ihr eigentlich zu verhandeln, fragt Levent. Alle Hügel mit Aussicht haben sich türkische Hotels gekrallt. In Morfou, also der Stadt Güzelyurt, hat sich eine neue Uni eingerichtet, die aus der Türkei kommt. Jetzt nehmen sie sich den Hafen. 15 Unis gibt’s bereits ım Land. Die schreiben, sagt Levent, wir hätten hier 85.000 Studenten. Doch 55.000 davon sind taktische Studenten, meint Levent. Die anderen, die sich einschreiben, beschäftigen sich mit anderen Dingen. Man produziert eine Art Schwarzmarkt-Dynamik dergestalt, findet Levent und beschwert sich darüber.

„Bei uns herrscht eine türkische Identität und keine zyprische!“

Die Europäer sehen nicht, wie heutzutage die Kurden in der Türkei abgeschlachtet werden. Die gucken anstatt 100 Jahre zurück – zu den Armeniern. Das interessiert. Total blind für das, was gerade abgeht. So ungefähr mag Levent vielleicht ausgedrückt werden – frei übersetzt.

Die Türken werden im Norden nie zu einer Einigung kommen, schreibt er. Die haben sich da eingerichtet. Nichts drin mit Wiedervereinigung. Vergesst es!

Şener Levent scheint sich über Letzteres inzwischen im Klaren zu sein.

Und Präsident Anastasiadis?

Herr Akinci?

Was soll das Spiel, das außerdem genau so seit mehreren Jahrzehnten abgezogen wird. Jedes Jahr und mit jeder Regierungsübernahme werden Wiedervereinigungs-Hoffnungen in die Welt gesetzt, an deren Realisation gar niemand wirklich interessiert ist. Hoffnungen bleiben hier auf Zypern bezüglich Wiedervereinigung Hoffnungen. Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass in türkischen Volksliedern wie auch griechischzyprischen sogenannte Vergebliche-Liebe das Thema Nummer 1 ist: „ … ich schließ Dir Deinen Mund mit tausenden Küssen …“, dieser Refrain eines populären Liedes wird auf Griechisch beispielsweise gern und oft gesungen. Ich weiß nicht so recht, ob das auch noch zur Wiedervereinigungsproblematik passt?

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Gschtüdiere got übr probiere!

Folgende „Reportage“ von Theodoras Nikolaou aus der Sunday Mail vom 05. Juni 2016, @thnicolaou; tnicolaou@alfamedia.press.cy:

„Starker Anstieg der eingeschriebenen Studenten in den illegalen Universitäten – Jahr für Jahr. Zur selben Zeit suchen wir die Formel, um Zypern zu einem Zentrum der Bildung zu gestalten – ohne Ergebnis. Typisch geradezu ist, dass in dem laufenden akademischen Jahr die Zahl derer, die sich in den Besetzten Gebieten [Zyperns] einschrieben, verdoppelte im Gegensatz zu der Zahl in unseren Universitäten. Das ist eine Tatsache, die uns die Stirn runzeln lassen sollte.

Die illegalen Universitäten

Einige der bekanntesten illegalen Universitäten, die aus irgendeinem Grund mehr Studenten anziehen als die unseren, sind rechtmäßig die Mittelmeer Universität des Karpas [www.akun.edu.tr], die 2012 in Nikosia [Nord] erbaut wurde und die Technische Universität der Middle Eastern in Nordzypern [https://neu.edu.tr], die im Jahr 2005 errichtet wurde und sıch [auch] im besetzten Teil Nikosias befindet. Eine der älteren Unis ist die Europäische Universität [www.eul.edu.tr] in Lefke, welche als Nicht-gewinnorientierte-Universität angepriesen wird und 1990 ins Leben gerufen wurde. Die American Universität in Girne [Kirenia], welche 1985 erbaut wurde und die Östliche Mittelmeer Uni, die in Famagusta [Gazimağusa oder Ammoxostos] sich befindet, wurden 1986 errichtet und [die letztere] hat ihre Wurzeln im Höheren Technologischen Institut, welches ein Berufs-Kollege ist, das 1979 auf den ‚Markt‘ kam.

Sie haben mehr Studenten

Die Anzahl der Studenten in den illegalen Universitäten ıst vor dem Hintergrund der zyprischen Angelegenheit unglaublich. Im besetzten Teil Zyperns operieren 12 Universitäten, deren Zahl der Studierenden im Studienjahr 2015 – 2016 sich auf 81.000 belief. Die Bildung betreffend sind in den besetzten Gebieten 47.033 Studenten Türken aus der Türkei, 21.982 sind andere Ausländer und die türkischzyprischen Studenten überschreiten die Zahl von 12.000 nicht. Im Vergleich mit den Zahlenwerten, die fürs Jahr 2014 – 2015 ermittelt wurden an den illegalen Universitäten, hat sich die Zahl der Studierenden um 7.000 erhöht.

Das besagt also, dass sich dieses Problem Jahr für Jahr erhöht [versteht sich schon fast, dass der Autor als Südzyprer hier von „Problem“ spricht]. Für uns ist das ein wirkliches Problem, da sich zeigt, denn wir müssten 10.000e mehr Studenten haben, würde es die illegalen Universitäten nicht geben. Typisch geradezu das, was unser Bildungsminister zum vergangenen Jahr 2014 – 2015 zu sagen hat, nämlich, dass die Gesamtzahl der Studenten, die in der Republik Zypern studierten, sich auf 35.183 belief, wovon 29.103 an den Unis und 6.080 in Schulen dritten Grades waren. Wichtig ist auch, dass die Türkischzyprer in den besetzten Gebieten viel weniger anzahlmäßig sind als die Ausländer, wobei es bei uns genau anders herum ist. Von 35.183 Studenten, die in der Republik Zypern letztes Jahr studierten, sind 24.286 Zyprer, 8.569 [andere] Europäer und 2.328 kommen von außerhalb Europas.

Anerkannte Diplome

Ein anderes Thema, welches uns beunruhigen müsste, ist die Tatsache, dass die illegalen Universitäten [im Norden] als Mitglieder der Organisation für Bildung, und zwar der in Bildungsorganisationen wie denen der Universitäten der EU und denen der Internationalen Universitäten geworden sind. Die Diplome und Zeugnisse, die ausgestellt werden, sind an den meisten Unis anerkannt, um an Universitäten andernorts Postgraduates zu machen. Das ist bei unseren Diplomen und Zeugnissen [im Süden]  indes nicht der Fall.“

Der Autor schreibt des Weiteren, dass die Unis im Norden nicht im Erasmus-Programm sind – aus den verschiedensten Gründen. Allerdings wurde eine Art Erasmus ins Leben gerufen, wo auch die Nordzyprer dran teilnehmen können. Es habe lediglich einen anderen Namen und bestünde bereits seit dem Jahr 2007.

Zuletzt scheint Nicolaou wohl etwas aufzustoßen, dass demnächst schon wieder eine Universität im Norden von Zypern eröffnet werden wird. Es handelt sich um die Final International University, die genau am 6. Juni 2016 die Tore aufmacht, also morgen.

Spaßeshalber habe ich mal nachgesehen, ob denn beispielsweise in Famagusta Griechisch unterrichtet wird an der Uni. Dazu konnte nichts gefunden worden. Kann aber trotzdem sein, dass es so etwas gibt wie griechische Literatur oder ähnlich.

Diejenigen, die sich an Universitäten im Norden Zyperns einschreiben wollen, müssen allerdings einen Bluttest über sich ergehen lassen sowie sich röntgen lassen. Die Studiengebühren an der Uni in Famagusta waren recht hoch – über 5.000 Euro im Jahr. Und dann hat man noch kein Zimmer oder Wohnung gemietet und auch noch nichts gegessen.

Auffallend ist im Norden, dass viele Studenten aus Afrika vermehrt in den Straßen mit Büchern unterm Arm zu sehen sind. Es tut sich was!

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Völkermord

So, so! Da haben sich die Deutschen also „hinter“ den Verbrechen der Türken, genauer, des Osmanischen Reiches, an den Armeniern versteckt. So in etwa klingt der Sprecher des Präsidenten, Herr Ibrahim Kalın, der auch Botschafter zu sein scheint. Soll bedeuten, Herr Kalın findet, dieser Entscheid im Bundestag beruhe unter anderem darauf, dass die Deutschen in der Welt damit klar stellen wollen und wollten, dass sie nicht die einzigen Massenmörder seien, sondern da gäbe es ja auch noch solche Übeltäter wie die Osmanen, sprich: die Türken.

Bei all den Massenmördern, die es inzwischen leider zu verzeichnen gilt global, denke ich persönlich nicht, dass man Herrn Kalın in seiner Art Analyse zustimmen sollte. Immerhin hat er es darin geschafft, zu bemerken, dass „die Deutschen“, Nachfolger des NS-Regimes, es schaffen, die Schuld derer auf sich zu beziehen, die in ziemlich klarer Weise ihre Vorläufer waren. Und auch, dass man am Völkermord an den Armeniern beteiligt war.

Nun, die Türken könnten – obgleich sie offiziell mit ihrer Republik Türkei der Nachfolger des Osmanischen Reiches sind – dennoch daran erinnern, dass beim Morden und Vertreiben der Armenier aus den meisten ihrer ursprünglichen Siedlungsgebiete Kurden und Araber durchaus mitgeholfen haben (Teile derselben alle Male). So auch Perser.

In wie weit kurdische Verbände diese Mitschuld eingestehen, ist hier nicht bekannt. Es wäre also durchaus interessant, Herrn Demirtaş diese Frage mal zu stellen.

Was die Mitschuld der Araber am Völkermord der Armenier in Anatolien angeht, ist es schon schwieriger, hier einen Ansprechpartner wie beispielweise Herrn Demirtaş ausfindig zu machen.

Im Gegenteil zu den Kurden verhalten sich die Arabischsprecher in der Türkei ziemlich ruhig und einigermaßen angepasst. Bekanntlich leben diese an den Grenzen der Türkei zum Iran, dem Irak und natürlich Syriens. Zypern war vielen Armeniern Zufluchtsort. Im griechischen Teil Zyperns leben viele Armenier. Sie scheinen gut integriert zu sein, und sollte es eine Diskriminierung ihnen gegenüber geben, so kann diese wohl eher als sogenannter Einzelfall bezeichnet werden. Die Integration der Maroniten und Armenier in die südzyprische Gesellschaft darf also durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die der sogenannten Pontis, den Griechen, die nach dem ersten Weltkrieg aus dem Schwarzmeerraum in Zypern wie auch in Griechenland sich ansiedelten und noch immer untereinander Türkisch wie auch Russisch sprechen, ist vielleicht nicht ganz so gelungen, doch eigentlich schon – irgendwie.

Dumm nur, dass Herr Kalın, und mit ihm auch andere türkische Politiker, im Zusammenhang mit dem Entscheid im Bundestag zu den Armeniern und ihrer Ermordung in Anatolien 1915 offensichtlich nicht davon ablassen können, versteckt zu drohen. „Unser Präsident“, meint Kalın, sei doch in den letzten Jahren auf die Armenier im Lande zugegangen. Das ist „Völkermordspropaganda“.

Schon allein die Ausdrucksweise Herrn Kalıns klingt in unseren deutschsprachigen Ohren merkwürdig: Völkermordpropaganda.

Mit diesem Entscheid, sagt Kalın des Weiteren, wollen sie die Türkei unter Druck setzen. „Doch wird die Türkei gegenüber derartigen Anschuldigungen und Verleumdungen nicht ohne Reaktion verharren. Das kann so nicht gedacht werden. Was dabei herauskommen wird, darüber müssen sich nicht die Türken, sondern jene, die diese unverantwortlichen, unverständlichen und beziehungslosen Dinge auf den Plan bringen einen Kopf machen. Es kann nicht erwartet werden, dass die über 3 Millionen Türken, die in Deutschland leben, gegenüber diesem Entscheid sich passiv verhalten werden. Dieser Entscheid wird die Integration der Türken in die Bundesrepublik, aber auch die Beziehungen der Türkei mit Armenien nicht positiv beeinflussen.“

Der Entscheid im Bundestag war so, wie er gefällt wurde, überfällig! Der Zeitpunkt ist allerdings etwas seltsam gewählt.

Was genau steckt dahinter?

Man darf wohl so weit gehen, zu behaupten, dass sich Präsident Erdogan dieses Ei, also den Entscheid im Bundestag, auch wenn Merkel und andere auf abwesend machten, selbst ins Nest gelegt hat.

Nordeuropäer sind eventuell langsam, ja zuweilen behäbig, und man könnte manches Mal fast glauben, sie sind schwächlich, degeneriert und womöglich nur noch käuflich, doch dann überraschen sie – glücklicherweise noch – zum anscheinend richtigen Moment.

Die Türkei ist es doch eigentlich, und das scheint man unter Staatsobhäuptern mehrheitlich wieder erkannt zu haben, und sich darüber offensichtlich untereinander abgestimmt zu haben, die die EU braucht. Wenn letztere die Tore hochzieht, ist Erdogan nämlich schneller weg vom Fenster wie ihm lieb wäre. Ihm diese ‚lustige‘ Realität mal kurz vor Augen geführt zu haben, war also wichtig. Noch wichtiger wäre indes, dass die Türken sich von diesem Mann verabschiedeten.

Er hat ausgedient!

Es ist Zeit, ihm seine Verfehlungen im Inneren wie auch im Äußeren endlich vor zu halten – vor allem die seiner Familie und engsten Vertrauten. Die Zeit der Abrechnung hat begonnen.

Was Zypern angeht, ist Erdogan auch inzwischen eher ein Störfaktor geworden. Insgeheime Hoffnungen, dass er Nordzypern entlässt, um dafür so etwas wie Regionalmacht spielen zu können, womöglich im Verbund mit Israel, haben sich schon seit Längerem erledigt.

Der ehemalige Ministerpräsident Davutoglu hat diese Erledigung sozusagen mit seinem Abtritt aus dem Amt als Ministerpräsident klar angezeigt.

Ich wünschte mir Herrn Davutoglu auf einem Posten an einer namhaften Universität, zum Beispiel an der Universität von Basel.

Beim Votum im Bundestag zur Armenienfrage musste ich unweigerlich an all die türkischstämmigen Bekannten von einst denken, die ich in Berlin Neukölln, dem Wedding, Charlottenburg und Kreuzberg etc. kenne und kannte. Zu meiner Verwunderung waren eigentlich nahezu alle der Meinung, dass es die Armenier waren, die die Türken angegriffen hätten damals. Und die Türkei habe sich „nur verteidigt“. Und zu Misshandlungen sei es schon mal gar nicht gekommen: „Propaganda“.

Ja, und überhaupt, was ich denn frage. „Glaubst du vielleicht auch an diese Lügen?“ Und ob ich … .

Ja, viele dieser Leute kürzen derartige Diskurse ab, und zwar indem sie sich in Drohgebärden ergingen, in Beschimpfungen etc.

Es ist gut, dass all diese teils gewaltbereiten Leutchen, die glauben, die Osmanen seien Engel gewesen und der Rest Barbaren, nun unverblümt auch von deutscher Seite ins Gesicht gesagt bekommen haben: Armenier sind auch Menschen, denen man nicht einfach mal schnell so das Land unterm Arsch (Verzeihung) wegziehen kann und dann noch nicht mal dazu steht – und wenn dazu gestanden wird, das habe ich in Berlin durchaus auch hin und wieder mit anhören dürfen, war man stolz darauf, meinetwegen in Kahrman Maraş oder andernorts auf armenischem Besitz sich seine WELT erbaut zu haben. Es ist und war zuweilen unerträglich, was ich mir anhören durfte.

All DAS ist jetzt zumindest etwas, wie soll ich sagen, mit einer Art Salbe zur gelindert worden, auf deren Packung steht: „Völkermord!“

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