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Archive for August 2018

Die Tuerkische Republik Nordzypern 6

Es wäre eine Überraschung, würde ein Teil oder Körper der UN namens „UNFICYP“ seinen Aufenthalt auf Zypern nicht wieder verlängert bekommen.
Dass eine Verlängerung ansteht, gefällt vielen Türkischzyprern nicht – vielleicht ist sie sogar schon durch. Denn diese Verlängerungen passieren bekanntlich seit Jahren und dies irgendwie automatisch. Diesen Eindruck hat so mancher Beobachter dieser Angelegenheit über die Jahre gewonnen. Als markierte die UNFICYP geradezu den herrschenden Status einer „Nicht-Lösung“ des Zypernproblems – absichtlich.
Der Republik Zypern verleiht der Aufenthalt der UNFICYP auch so etwas wie eine Ausrede, als sei eine Art Friedenstruppe noch von Nöten, als sorgte ausgerechnet diese Einheit der UN für Stabilität auf Zypern, wie auch in der Region. Südzyprer nutzen den Verbleib der UNFICYP auch, um künstlich Agenda‘s zu kreieren – also um sich hin und wieder mit einem vermeintlichen ‚Thema‘ von Belang ins Licht des internationalen Interesses, genauer, der Internationalen Gemeinschaft zu spielen.
Ganz von der Hand zu weisen, sind all diese Beobachtungen nun wirklich nicht, wenn man sich die letzten 10 oder 20 Jahre süd-zyprischer Politik ansieht. Ja, es fällt nicht leicht, in diesem speziellen Fall von Außen- beziehungsweise Innenpolitik zu sprechen, daher wird weiter oben einfach von „süd-zyprischer Politik“ geschrieben.
Zwar hat die EU Gesamtzypern sich als Vollmitglied auf den Plan gesetzt, doch wird vonseiten Brüssels viel zu wenig getan, um die Südzyprer zur Vernunft zu bringen. Offenbar ist Letzteres so auch nicht gewünscht – noch nicht. Andererseits sind die Nordzyprer zwar in der EU, irgendwie und wie geschildert, nämlich, eher von oben herab und auserkorenermaßen; doch vorrangig und vor allem ist Nord-Nikosia an die Türkei gebunden, was vielen Nord- und Südzyprern gar nicht so ungelegen kommt. Kann man so doch von beiden Seiten sowie dem undefinierten, diplomatischen LOCH, was sich auf Grund der verzwickten politischen Situation daraus ergibt, profitieren – und wahrscheinlich auch noch von weiteren interessierten Staaten oder Organisationen kann Gewinn eingefahren werden, die sich diese (durchlöcherte) geo-politische Insellage auch gern zu Nutzen machen. Ja, es wären da auch Verluste. Das stimmt. Doch dann wäre da auch noch so etwas wie die Ehre, die Ehre ein Türke oder aber eben Grieche zu sein – jeweils in der zyprischen Ausgabe, versteht sich.
Um nochmals kurz auf die UNFICYP zurückzukommen: Der Regierungssprecher des Südens meinte vor Kurzem, womit er dort damit ganz gewiss nicht alleine ist: „So lange türkische Truppen sich auf der Insel befinden, muss die UNFICYP anwesend sein!“
Im Norden erinnert Vize-Premierminister Kudret Özersay in diesem Kontext daran, dass die UN-Friedenstruppen bereits seit 1964 ihren Dienst auf der Insel versehen. Das ist nun wahrlich eine lange Anwesenheit und hat schon ein bisschen das Beigeschmäckle von einer weiteren, nunmehr international verordneten Besatzung Zyperns, finden nicht wenige.
Wird der Süden überhaupt von Zyprern regiert?
Gute Frage, was?
Angeblich ja!
Sagen wir besser: ja, dem ist so, aber gewiss mit Absprachen in Brüssel, Washington, Moskau und demnächst wohl auch in Peking, wird im Süden der Insel regiert. Eine wunderbar einfache Welt, in der wir leben, stimmt’s? Warum ES einfach gestalten, wenn die Dinge auch kompliziert werden können, sodass jeder, der genügend Macht und Einfluss hat, dann auch besser sein Süppchen vor Ort kochen kann, nach Belieben möglichst.
Für Herrn Özersay ist jedenfalls klar, dass gewisse Zirkel innerhalb der Internationalen Gemeinschaft ganz gehörig daran interessiert sind, den so genannten „Status Quo“ auf Zypern zu halten. Vielleicht wissen einige Staaten einfach seit Jahrzehnten, wird vermutet, dass da irgendwo vor Zypern noch einiges Geld in Form von Erdöl oder Erdgas gemacht werden kann. Vielleicht haben auch Sie bereits darüber gelesen, verehrte Leser, dass Pläne bestehen, den Nahen und Mittleren Osten zukünftig neu zu vermessen, also einzuteilen usw.
Sollte es demnächst im Iran rundgehen, wie man sagt, scheint sich zuvor Gesagtes eventuell zu bewahrheiten. Noch ist es nicht so weit. Noch könnte eine Lösung nicht nur in Sachen Iran gefunden werden. Noch ist Trump bei den Wahlen zur mittleren Amtszeit nicht vom Eis wie die besagte Kuh. Die Rede ist aber bereits von Disziplinarverfahren, die ihm angehängt würden, wenn er sein präsidiales Amt verlieren sollte – um im Bild zu bleiben, die juristische Schlachtbank.
Letzteres könnte teuer werden, vielleicht genau so in etwa, wie der Aufenthalt der UNFICYP seit Jahren auf Zypern. Dieser Aufenthalt ist richtig teuer, zumindest aus hiesiger Perspektive, wahrscheinlich nicht aus jener einer Großbank oder eines multinationalen Konzerns.
Özersay: Diese Organisation, die UNFICYP, ist inzwischen nicht mehr und nicht weniger als ein Briefträger zwischen Nord- und Südzypern. Und Özersay weiter: Was im Lauf der Zeit die Südzyprer dazu anstachelt, sich noch mehr von den Positionen der Nordzyprer zu entfernen, waren und sind deren unrechtmäßiger EU-Beitritt, die Erdgas-Funde sowie der neuerdings sich vollziehende Schulterschluss mit Israel.
Vor diesem Hintergrund wird gemunkelt, dass die THY, die Türkish Airlines, schon demnächst sich darauf einlassen könnte, wieder eine Art staatliche Airline für Nordzypern aus der Taufe zu heben. Auffallend ist in diesem Zusammenhang jedenfalls, dass im Juli 2018 die Rate der Flüge aus der Türkei nach Nordzypern nochmals erhöht wurde, werden musste. Es scheint also ein wirklicher Bedarf zu bestehen.
Die Pegasus Airlines mag ihre Passagiere von Ercan nach London und umgekehrt nicht mehr unnötiger Weise auf einem Flughafen in der Türkei umsteigen lassen, um dann in den Norden oder eben nach London weiter zu fliegen. Vielmehr werden die Fluggäste zukünftig in ihren Sitzen verbleiben, verwundert dreinschauen, dass die Maschine kurz landete, um dann weiter zu fliegen. Wir sind gespannt, ob die Pegasus damit durchkommen wird! Es wird vonseiten der Pegasus argumentiert, dass das Direkt-Anflugsverbot Nordzyperns so zur Genüge beachtet werde.
Aus unserer Sicht wird erwartet, dass das Verbot, den Flughafen von Ercan in Norden Zypern direkt aus Europa oder von sonst wo in der Welt anzufliegen, ebenfalls demnächst von irgendjemand gebrochen werden dürfte. Womöglich passiert das nach oder kurz vor den sogenannten „mid-term-elections in den USA, deren Resultat ja mit Spannung erwartet wird – vor allem in China.
Wir berichteten bereits, dass China sich in Syrien langsam und ganz leise einrichtet. Es gibt vor, aufständische, genauer, terroristische Chinesen aus den chinesischen West-Provinzen, die in Syrien als islamistische Kämpfer unterwegs sind, davon abzuhalten, zurück nach China zu kehren etc.

Nun, einen ‚Vorteil‘ könnte es eventuell haben, wenn Ercan von überallher angeflogen werden kann. Die über 4.000 gezählten Bau-Ruinen, die es im Norden zu ‚besichtigen‘ gibt, könnten dann endlich ein Bau-Ende erfahren, weil, was sonst, dann ja mehr GELD zu verdienen anstünde. In den letzten 5 Jahren sollen im Norden 11.301 Gebäude erbaut worden sein, inklusive Fabrikgebäuden. 2017 war für die Baubranche ein gutes Jahr, wird berichtet. 2779 Gebäude wurden errichtet.
Im Norden wird zwar der Türkischen Lira-Krise wegen geklagt und gejammert, doch gibt es auch dort einige Personen, die keine Geldschwierigkeiten haben deswegen – im Gegenteil. Die Bau-Ruinen finden gewiss zur ‚richtigen‘ Zeit ihren ‚richtigen‘ Bauherrn – oder frau.
Bis dahin wird die erweiterte Stromversorgung aus der Türkei stehen. Davon darf ausgegangen werden, wenn in der Türkei nicht eine Anti-AKP_Erdogan-Revolte oder dergleichen ausbricht. Premierminister Erhürman aus dem Norden Mitte Juli 2018 dazu: „Wir sind nicht gegen Strom aus der Türkei!“ Versteht sich, dass Herr Erhürman Selbiges dienstbeflissenermaßen auch seinem Beschützer seit 1974 sagte, also dem Herrn Erdogan, respektive der Türkei, als dieser zu der kürzesten Visite, die ein türkischer Staatsmann im Norden Zyperns jemals vollführt hat, angetreten war.
Allerdings ist offenbar noch immer nicht klar, was solch Stromversorgung aus der Türkei denn nun effektiv kosten wird. Die damit beauftragte Firma aus der Türkei hat anscheinend zu vage Auskünfte erteilt und dies ausgerechnet bei dieser Frage. So musste also nachgehakt werden vonseiten Nordzyperns Regierenden. Es war noch nicht einmal angegeben worden, ob das zu verlegende Kabel 400 oder 800 MW transportieren wird. Versprochen wurde, bezüglich gewisser fehlender Punkte nachzubessern. Özdil Nami, der Wirtschafts- und Energieminister des Nordens, spricht von angeblich 500 Millionen US-$, die das Kabel und seine Verlegung kosten dürften; doch auch er kann keine Angaben darüber machen, ob das Kabel nun AC (alternative energy) oder DC (direct current) sein wird. „Die Elektrizitätsbehörde, KIB-TEK, erlitt eh einen recht schädlichen Verlust von 66 Millionen Türkischen Lira bislang – und das wird sich auf den Stromrechnungen der Leute bemerkbar machen“, so Nami.
Gemäß Premierminister Erhürman rangiert Nordzypern in der Welt auf Platz 41 von 167 Staaten, die am billigsten Treibstoff anbieten. Außerdem sei die türkische Währung derzeit die größte Herausforderung, die Nordzypern zu bewältigen habe. Die Lebensunterhaltskosten seien auf um die 5,2% seit Anfang des Jahres gestiegen.
Wahrscheinlich wüsste es die türkische Botschafterin im Norden, Frau Derya Kanbaş, wie und wie hoch nun wohl und letztendlich der Strompreis sowie die Kabelverlegung den Leuten im Norden Zyperns zu Buche schlagen werden. Sie ist es auch, die des Weiteren von „rechtlichen Anpassungen spricht, die vorgenommen werden müssten. Damit meint sie, die Polizeibehörden Nordzyperns gehörten in die Lage versetzt, Telefongespräche abzuhören, besser noch, mitzuschneiden.
Wir denken nicht, dass sie sich da allzu große Sorgen machen muss, denn der türkische Geheimdienst MIT erledigt das Abhören und Mitschneiden von Gesprächen gewiss meisterhaft.
Apropos Nachbessern oder Anpassungen: Frau Meryem Özkurt war die erste Frau, die in der Position einer Direktorin für den nord-zyprischen „Bayrak“-Fernseh-/Radiosender arbeitete.
Wenn in diesem Zusammenhang von nachgebessert die Rede ist, so ist das so zu verstehen, dass im Norden – nicht wie sonst meist, auch andernorts – etwa ein Mann diesen begehrenswerten Posten nach einer Frau erobert, so als ob Frau lediglich ein Versuchsballon auf derart exponierter Position war – oder eine, wie auch immer geartete und intendierte sozio-politische Geste nach außen verkörpern durfte temporär -, sondern nein, eine weitere Frau, nämlich Frau Aysu Basri Akter folgt der Zuerstgenannten.
Frau Akter arbeitete unter anderem beim Jugend TV, dem Kanal Sim, bei Kıbrıs FM und TV sowie bei der Kıbrıs Gazetesi. Studiert hat sie an der Doğu Akdeniz Uni des Nordens. Und spannend wäre zu erfahren, was sie denn zu dem angeblichen Mangel an Imamen sagt, der im Norden neuerdings herrsche.
Suleyman Çaker ist der Vorsitzende der Angestellten in religiösen Berufen im Norden Zyperns und er sagt, es habe zuvor 220 Imame gegeben. Davon seien nun aber 19 in Rente gegangen und 40 weitere hätten sich zurück in die Türkei abgemeldet. Lediglich 10 neue Imame konnten bislang eingestellt werden. Und die seien eben kein Ersatz für den erlittenen Verlust. Zur Info: Alle Imame im Norden kommen aus der Türkei. Diesbezüglich besteht ein Abkommen zwischen den beiden türkischen Bruderstaaten.
In gewisser Weise trifft Letzteres auch auf die recht vielen Casinos zu, die im Norden Zyperns meist südzyprische Spieler und andere Zocker aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu Zypern anlocken.
‚Gott sei Dank‘ haben nun auch die Südzyprer ihr Casino, ‚endlich‘! Es läuft angeblich noch provisorisch. Das heißt dann wohl, man kann sein Geld dort provisorisch verlieren, wahrscheinlich aber auch gewinnen. Wie das genau geht, provisorisch zu gewinnen oder zu verlieren? Fragen Sie die orthodoxe Kirche, die solch Zocker-Projekt ja jahrelang verhinderte aus ethischen Gründen oder aber den Präsidenten der Republik, Anastasiadis. Letzterer ist ausgebildeter Anwalt und hat gewiss auch auf diese Frage eine Antwort parat.
Da im Norden jedoch NUR Ausländer spielen oder zocken dürfen, wird von Nordzyprern mit oder aufgrund der Eröffnung eines Casinos im Süden gefordert, das Gesetz, welches ihnen das Spielen in Casinos des Nordens untersagt, zu ändern, weil sonst womöglich Nordzyprer, die ja angeblich wenig Geld haben und daniederliegen finanziell, in den Süden gehen könnten, um ihre hartverdienten Türkischen Lira, Verzeihung, Britischen Pfund, Euro oder US-Dollars etc. im Süden zu verzocken.
Wir gehen hier davon aus, dass die geforderte Gesetzesänderung durchgeht, vor allem, da ja nun offensichtlich auch die zyprische Orthodoxie sich mit solch ‚Sumpf‘ auf der Insel, wo Saulus zu Paulus wurde, ‚anfreunden‘ konnte – hoffentlich nicht selbst daraus finanziell Profit ziehend.

Dann noch dies, und nur, damit Sie mal so ungefähr eine Vorstellung von gewissen Dimensionen erhalten:
Nord-Nikosia hat eine Bevölkerungszahl von ungefähr 61.378. Unsere Schätzungen gehen so weit zu veranschlagen, dass zumindest weitere 20 bis 30.000 nicht-registrierte Menschen diese Stadt mit ausfüllen dürften. Wie dem auch sei: Offiziell wird angegeben, dass es 9.000 Arbeitsplätze gibt, die registriert existieren. Insgesamt sollen im Norden Zyperns 300.000 Menschen leben, und insgesamt 18.000 Arbeitsplätze wurden bei der Behörde angemeldet.
Das vorliegende Zahlenmaterial ist also sehr löchrig. Es dürfte auch wirklich schwer sein, verlässliche Statistiken zu erstellen: im Norden Zyperns mehr als im Süden. Beiden Seiten wird oft unterstellt, dass keine der beiden Administrationen wirklich an exakten Daten interessiert ist, aus den verschiedensten Gründen.
Allerdings stimmt die folgende Nachricht noch, nämlich, dass Frau Gizem Alpman neuerdings den Norden Zyperns in Genf/Schweiz repräsentiert, und zwar bei der UNO.
In dem Beitrag über Nordzypern, der diesem vorausgeht, wurde von Levent Şener berichtet, der als zyprischer Journalist Probleme mit dem Regime in Ankara hat, und zwar wegen dem, was er so schreibt und sagt. Frau Nerin Feri Şefik ist ihres Zeichens Hauptrichterin des höchsten Gerichts im Norden und findet, dass die eröffnete Klage der Republik Türkei gegen den nord-zyprischen Journalisten Şener nicht zur Folge haben könne, dass es zu einer Auslieferung des Journalisten kommt. Eine Übergabe von Bürgern der KKTC, also Nordzyperns, an andere Staaten gebe es nicht! Derviş Akter, ein pensionierter Staatsanwalt aus dem Norden meint dazu, der Journalist Şener könne gar nicht belangt werden, zumal die Afrika-Tageszeitung, für die er schreibt im Norden, in der Türkei gar nicht zirkuliert. Da hat der Herr Akter offensichtlich vergessen oder übersehen, dass wir inzwischen überall Internet haben. Mutlu Yakalı, ein Kolumnist der Yeni Düzen meint hingegen, es gebe ein Protokoll zu sogenannt „juristischer Unterstützung“ zwischen der Türkei und Nordzypern. Und damit könnten Vollstreckungen eines Gerichtsurteils der Türkei durchaus im Norden der Insel erfolgen. Das genannte Protokoll besteht seit dem 01. 11. 1988.

Nicht zu leugnen ist, dass Ankara auch an anderer Stelle einen gewissen Druck ausübt, und zwar beim Erstellen der Lehrpläne in Schulen und an Unis ın Nordzypern – und das, wie zu vernehmen ist, angeblich vermehrt, und zwar in folgende Richtung: weg-von-säkularem-Gedankengut.

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Die Türkische Republik Nordzypern 5

Kürzlich schrieb mir ein Kollege, ob wir am Wochenende nicht „zocken“ gehen wollen?
Stellte sich dann heraus, dass er „Tennisspielen“ meinte. Bislang war für mich ein Zocker jemand, der an Automaten hängt oder sich hinter Spielkarten in der Hand versteckt etc.

Der Tourismusminister im Norden Zyperns, Herr Mehmet Ersoy, ist, schau an – schau an, zufällig auch der Besitzer eines Zockerladens, genauer eines Casinos, und zwar im Norden. Waren Sie etwa auch schon dort, im „Voyage Hotel“?
Es handelt sich um 2 Brüder bei den Ersoys, die von der Türkei aus ansonsten ihre Geschäftchen machten und noch immer machen. Mehmet ist auch derjenige der beiden, der seinerzeit 51% der Anteile für die „Turkish Cypriot Airlines“ (KTHY) kaufte (gekauft haben soll).

Wie es auch in der Türkei noch üblich ist, haben die Ersoys weitere Geschwister, Verwandte oder Ehepartner. In diesem Zusammenhang wäre beispielsweise die Nisa Ersoy nennenswert. Diese geschäftstüchtige Dame betreibt nämlich seit 2015 das „Elexus Hotel“ in Nordzypern. Nisa ist die Ehefrau des Bruders von Mehmet, des Murat Ersoys also.
Nisa Ersoy indes ist nicht irgendein Mädchen vom Lande aus unbekannter Familie, sondern sie ist die Tochter des Mahmut Bozkurt. Von dem haben Sie eventuell schon gehört oder gelesen, zumal er einst Abgeordneter der Mutterlandspartei (ANAP) war, die sogar einen Kurden an ihrer Spitze hatte, der aber – das ist seit Jahren – auf eher mysteriöse Weise verstarb, und zwar im Range eines Präsidenten der Republik Türkei. Die Rede ist von Herrn Turgut Özal.
Der Herr Papa der Frau Ersoy ist seines Zeichens auch einer der Gründer der „Iyi Partei“, die bei den Wahlen zum Präsidenten 2018 etwas von sich Reden machte, da diese Partei – entgegen der ANAP-Tradition – auf dem rechten politischen Auge der türkischen Nation auffallend laut auf völkisch macht und machte; und an der Spitze der Iyi ist eine Frau derzeit, die Meral Akşener.

Wie es das Schicksal will, ging die Firma des zuerst genannten Ersoys damals im Juni 2010 (angeblich) Pleite. Man hatte mit der oben genannten nord-zyprischen Airline, der KTHY, anscheinend zu viele Schulden angehäuft, sodass jemand wie die noch immer recht erfolgreich operierende „Atlasjet“ unterstützend einspringen musste – wie edel von ihr.
Wie auch immer die eben genannte Chose gelaufen sein mag, Transparenz sieht transparenter aus. Man weiß also nicht, soll das zuletzt Geäußerte besagen, wie genau die nord-zyprische quasi Staatsairline KTHY zu Atlasjet mutieren konnte und wer da alles seine Händchen mit im Spiel hat.
Letzteres ist ja kein unbekanntes Muster. Solche undurchsichtigen Geschäftchen sind heutzutage ja Gang und Gebe – leider.
So viel weiß man dann aber doch: Tayyıp Erdoğan und Herr Cemil Çiçek (Justizminister, Regierungssprecher, Vize-Ministerpräsident) sollen dafür gesorgt haben, dass der Airline-Deal so wie beschrieben und nicht anders über die Bühne ging.
Herr Çiçek ist jemand aus der APK-Truppe, der als einer der Gründer der derzeitigen Regierungspartei, AKP, der Türkei genannt werden kann.
Wenn die vorliegenden Informationen nicht völlig daneben liegen, ist der Herr Çiçek inzwischen etwas – oder gar total –in Ungnade gefallen bei dem Sultan vom Bosporus/Istanbul und Çankaya/Ankara.
Ja, auch hier warten alle ganz gespannt darauf, am Rande bemerkt, wann der zukünftge Sultan sich offiziell zu ‚Sultan Erdoğan‘ küren lässt. Müsste schon bald sein oder passieren, denn der Jüngste ist der Herr Erdoğan ja nicht mehr.
Und auch Sultane müssen irgendwann abtreten und bei Petrus an die Tür klopfen, und dort um Eintritt bitten. Kann aber sein, dass die Himmelspforten wie von alleine aufgehen bei solch hochrangigen und unbescholtenen Herren und ihren Damen. Wir werden es sehen, hoffentlich nicht schon demnächst!?
Auf Letzteres komme ich, weil das, was auf Erden läuft oder passiert, soll ja im Himmel seine Fortsetzung oder Konsequenzen haben. Und so ist dann auch verständlicher, wird angenommen, dass Gleiche mit Gleichen, wie man sagt, möglichst verkehren. Und daher liegt nahe, dass der Herr Ersoy, wie auch sein Bruder, beste Beziehungen in Regierungskreisen der Türkei unterhielten und unterhalten. Man spricht davon, dass der Kontakt zum jetzigen Parlamentspräsidenten der Türkei, Binali Yıldrım, vorzüglich sein soll. Und letzterer ist ja seit den frühen Anfängen der AKP ein wackerer Mitstreiter des zukünftigen Sultans, wenn es denn je zu solch einem Amt in der (einstigen) säkularen Republik Türkei (wieder) kommen sollte. Es gilt, zugegebenermaßen, noch einige Hürden zu nehmen, um solch einen irdisch-unirdischen Posten einzurichten.

Eine dieser Hürden hat Herr Erdoğan und sein im Entstehen befindliches re-osmanisiertes Regime jedenfalls schon Mal genommen: die Presse/freiheit.
Nicht zu leugnen ist, dass diese genommene Hürde des Regimes in Ankara auch Auswirkungen im Norden Zyperns hat. So hat eine Zeitung namens „Afrika“ dort gerade recht viel Stress mit einigen aufgebrachten Bürgern/türkischen Siedlern zu laufen, die finden, es werde anti-türkisch berichtet und daher müsse diese Zeitung „weg“. Auch anti-islamisch werde berichtet, was verwerflich sei. Schwere Vorwürfe also.
Immerhin: Im Norden soll es noch 20 Tageszeitungen geben, 23 Radiostationen, 12 TV-Stationen, 4 Web-TV’s und über 50 Internet-Zeitungen, zu denen wir uns hier von Zypernundmehr-News selbstverständlich nur indirekt zählen. Dies, weil für uns ist Zypern NATÜRLICH ein gesamtes Etwas. 1 Insel mit einer Trennlinie, die im Grunde keine Trennlinie sein sollte, es vielleicht auch nicht mehr wirklich trennend ist. Die Grenze, die den Norden vom Süden teilt oder zu teilen vorgibt, wird von manchen biologistisch denkenden Zeitgenossen zuweilen in Vergleich gesetzt mit den beiden Herzkammern, die in unseren Brustkästen schlagen.
Wir überlassen es Ihnen, hier angekommen, zu orten, wo denn wohl das venöse oder arterielle Blut in diesem Vergleich und auf der Insel strömt. Jedenfalls scheint das eine Zypern das andere Zypern zu brauchen, um zu existieren. Das ist wohl die Message, die solch Vergleich uns geben soll. Und wahrhaft: Die Trennung nährt und nährte gewisse Kreise recht gut bislang.

Sollten Sie es noch nicht wissen: Die erste türkisch-zyprische Zeitung kam bereits vor 129 Jahren heraus und hieß „Saadet“ (Glück). In der Türkei gibt es derzeit eine Partei mit diesem Namen. Die Mitglieder der Saadet sind etwas oder mehr islamisch angehaucht – der im Jahr 2011 am 30. Juni verstorbene türkische Politiker Necmettin Erbakan lässt dergestalt also noch immer grüßen, und so weiter.
Stets am 11. Juli wird im Norden indes der sogenannte Pressetag gefeiert – jedes Jahr aufs Neue. Und diese Feiern haben nichts mit dem Todestag Erbakans zu tun – jedenfalls noch nicht.
Überhaupt:
Es gibt im Grunde noch so viel aus dem Norden zu berichten, sodass nun, wenn schon die Rede von der Presse ist, wir doch einfach mal bei diesem Thema recht spezifisch verweilen.
Von der „Afrika“-Tageszeitung des Nordens war zuvor bereits die Rede. Da gilt es nun auch noch die „Politis“ aus dem Süden kurz anzuführen. Denn in beiden Blättern schreibt Şener Levent, und zwar auf Griechisch und auf Türkisch, je nach dem – und jedes Mal so, dass es dem Regime in der Türkei wenig gefallen dürfte, was es da zu lesen gibt, aber den Südzyprern, die sich mit dem Gedanken, dass die Türkei DRÜBEN noch immer den Ton angibt, schon.
Herr Şener wurde vor Kurzem ‚eingeladen‘ nach Ankara zu kommen, um eine Aussage vor Gericht zu machen. Er sagte dazu:
„Ich denke gar nicht daran, in dieser Angelegenheit schuldig zu sein. Weil ich unschuldig bin. Ich halte es nicht für erforderlich, dort hinzufliegen. Den Tatvorwurf lehne ich ab!“
Dem nicht genug schrieb Şener in einer seiner Kolumnen, dass der Richter Tacan Reynar, der diejenigen verknackte, die vor nicht allzu langer Zeit die Afrika-Tageszeitung im Norden attackierten, schon seit geraumer Zeit seine Koffer gepackt habe, um fortan in Kanada zu leben. Tacan wird wohl wissen, warum er ausgewandert ist, vermuten wir hier.
Dann darf noch berichtet werden, dass Şener eventuell als unabhängiger Kandidat bei den Europawahlen ins Rennen gehen könnte. Einer Partei mag er sich nicht anschließen, meint er. Wenn er gewählt würde, und das rechtzeitig, wer weiß, vielleicht werden ihn dann die langen „Schwarzen Arme“ (karakol) der türkischen Justiz nicht zu fassen bekommen. Genügend Wirbel dürfte er dann im Europa Parlament aufwirbeln, spekulieren einige, und zwar so lange werden sie das dann wohl tun, wie sich das Gegenteil davon nicht bestätigt hat.

Nun! Sie, verehrte Leser, werden sich gewiss schon gefragt haben: Was hat der Herr Şener denn getan, dass Ankara so sauer auf ihn ist oder sein soll; und gibt etwa keine Kostprobe davon?

„Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Zitronen und Jasmin duftet?
Wie?
Hau ab!
Du wirst gehen!
Diese kleine Insel hat viele Könige gesehen und Sultane.
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!
Wirst Deine Sprüche, dass Allah der größte ist, sowie Dein Fluchen nehmen und abhauen! …
Wenn Du türkisch bist, ich bin es nicht.
Wenn Du Patriot bist, dann bin ich ein Verräter.
Ich unterhalte eine illegale Organisation, jene mit Jasmin, Zitronen, Nelkenrosen und Eukalyptus. Bin weder EOKA, noch TMT [sind 2 ehemalige süd- und nordzyprische Geheimbünde, die vor 1974 politische Gegner Killen gingen].
Wir sind von oben bis unten bewaffnet. Unsere Waffen sind Blumen. Und mein Füllfederhalter versteht keine Worte. Sogar ich kann ihm nicht eingeben, was er schreiben soll. Und Du denkst, Deine Steine, Dein Geschrei können ihm sagen, was es zu schreiben gilt?
Ihr seid die Feinde!
Ihr seid allem feind, was schön, bezaubernd und richtig ist. Feind der Griechen, weil er Grieche ist. Den Kurden ein Feind, weil er Kurde ist. Feind der Armenier, weil er Armenier ist und Feind der Alewiten, weil er Alewi ist. So seid ihr auch Feind jedes einzelnen Christen, weil er nicht Muslim ist.
Ihr seid unsere Feinde! …
Feind jener, die sagen, sie sind Türkischzyprer und nicht Türken!
Du sagst zu mir: Wenn es Dir nicht passt, geh und leb drüben im Süden!
Du bist damit noch nicht mal komisch. Bringst mich aber doch zum Lachen … Blödmann … .
Hat mein Land etwa einen Norden oder Süden? Das ganze Land ist meines, Norden und Süden gleichermaßen. So auch der Westen und der Osten. Ich kann leben, wo ich mag … .
Was auch immer Du tun wirst, Du wirst nicht im Stande sein, schneller als eine Taube zu fliegen.
Ich wünschte, ich könnte Dich lieben. Doch Du bist nicht liebenswert.
Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Limonen und Jasmin duftet?
Hau ab, geh!
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!“

Vielleicht haben Sie ja dasselbe Problem wie ich, wenn Sie den Namen des Präsidenten der Türkei schreiben wollen oder sollen, sich aber irgendwie nicht merken können, wie die beiden Vornamen geschrieben werden, nämlich mit „b“ oder mit „p“?
Hier ihre Gedächtnisstütze, die Eselsbrücke, wie man sagt, also:
Weil über dem „g“ des Familiennamens „Erdoğan“ ein Zeichen steht, das aussieht wie ein Falke, der über etwas fliegt, können die beiden Vornamen nur ein nach unten weisendes „p“ haben und kein „b“, weil sonst hätte der Falke – Erdoğan bedeutet übersetzt Falke – kein gutes Jagdgebiet.
Oder aber Sie merken es sich so:
Wir erinnern, dass „Recep Tayyip“ wie die beiden p’s nach unten geht oder führt oder so geschrieben wird; weil der Erdoğan im Gegensatz dazu wie ein Falke über dem Unteren fliegt, das ist über den p’s, und sie derart in Schach hält oder aber bejagt.

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DieDie Türkische Republik Nordzypern 4

Turgay Deniz, Vorsitzender der „Türkisch Zypriotischen Handelskammer“, sagte, die Regularien der sogenannten „Grünen Linie“, sind für Türkischzyprer ein Schritt hin in „allumfassendes Versinken“. Gemeint ist die Demarkationslinie, die die Insel teilt. Deniz erklärt, oft habe man sich mit dem Süden zusammengesetzt und Mithilfe angefragt, um die Grüne-Linie-Regularien auszuweiten, um unterschiedliche Gebiete derselben miteinbeziehen zu können. Doch die Handelskammer im Süden ließ stets wissen, türkisch-zyprische Produkte produzierten „unfairen Wettbewerb“. Daher kam es nie zu irgendeiner Ausweitung, wie gewünscht. Und jetzt, wo auch noch Sprit-Kontrollen an den Übergängen in den Süden durchgeführt werden, ist der psychologische Druck auf Nordzyprer immens gewachsen. Die Kontrollen hätten aber keine legale Basis, sagt Deniz.
In gewisser Weise bezieht sich das, was Turgay Deniz sagt, auch auf den Tourismus, der auf beiden Seiten der zyprischen Insel im Jahr 2018 finanziell einen guten Schnitt zu machen scheint. Der Präsident des Nordens, Mustafa Akıncı, meint, es sei langsam aber sicher an der Zeit auf Zypern, dem Massentourismus die Stirn zu bieten, das heißt, auf umweltfreundlicheren Tourismus umzusteigen, einen selben prononcierter hochzuziehen. Derzeitiger Toursimusminister des Nordens von Zypern ist Herr Fikri Ataoğlu. Tourismusminister ist jener Posten, den Akıncı vor knapp 19 Jahren innehatte in der Türkischen Republik Nordzypern.
Des Weiteren meint Ataoğlu: Der Work-Shop „Nordzypern – Tourismus 2024“ sei eine zu verfolgende Strategie, anhand dieser bis ins Jahr 2024 geplant wird. Der Work-Shop fand bereits am 07. Juli 2018 statt. 796 Millionen US-$ würden im Norden im Tourismus verdient. Die Hotels im Norden Zyperns hätten um die 25.000 Betten. Und rund 1 Million Touristen hätten den Norden bislang, dieses Jahr, besucht.
Premierminister Erhürman ergänzte eben Gesagtes, indem er wissen ließ, dass 20% der arbeitenden Bevölkerung des Nordens im Tourismus beschäftigt sei. Seiner Ansicht nach ist diese Rate oder Ziffer etwas skandalös vor dem Hintergrund, dass die Arbeitslosenquote im Norden – und vor allem unter Jugendlichen – bei ungefähr 19% liegt.
Nun, Herrn Erdoğan, der Nordzypern vor Kurzem besuchte, als einen Touristen zu bezeichnen, der Nordzypern einen Besuch abstattet, wäre der aberkannten Ehre dann vielleicht doch etwas zu viel. Und mit der Ehre hat es der Herr ja bekanntermaßen. Doch als neugewählter Präsident der Republik Türkei wird es ihm wohl gelungen sein, dennoch einen gebührenden Empfang erhalten zu haben in Nordzypern. Allerdings hat er, dort angekommen, dann doch nicht die „Rauf Denktaş Universität“ besucht, die zu etablieren ja schon seit einigen Jahren im Umlauf sein soll. Also keine Grundsteinlegung, keine Spaten in der Hand mit Präsidenten und andere, gern in die Welt gestreuten Bilder von Staatsmännern und -frauen. Zwar hat Erdoğan einen Kranz am Denkmal von Kemal Mustafa Atatürk abgelegt in Nikosia-Nord, aber er sah davon ab, dem Denkmal von Dr. Fazıl Küçük, dem ersten nordzyprischen Vize-Präsidenten des einst gemeinsam regierten Zyperns vor 1974, die Ehre seines Besuches zu erweisen. Der Präsident des vereinten Zyperns war damals Erzbischof Makarios.
Erdoğan, im Habitus eines religiösen Führers, wohnte der Einweihung der Uni einfach nicht physisch, sondern „symbolisch“ bei. Immerhin scheint den Denktaş’s inzwischen gelungen, das Uni-Projekt nun endlich verwirklichen zu können. Man weiß auf Zyperns aber nie, was noch dazwischenkommen kann. Noch scheinen Afrodite oder/und Atatürk der Denktaş-Uni wohlwollend gesinnt zu sein.
Denktaş: Der Ministerrat des Nordens habe die Abzahlungsfrist für den Bau der Uni von 10 Jahren auf 35 prolongiert. Unterzeichner dieser Urkunde waren das Amt für Bauwesen sowie die „Mediterrane Lehrmeister-Dienst Ltd“. Bezeichnenderweise sind die Inhaber des ominösen Dienstes die Denktaş’s selbst. Über weitere Details der Zahlungsmodalitäten wird zumindest in der Öffentlichkeit nicht geredet.
Serdar Denktaş: „Alles läuft hier mit legalen Methoden ab!“
Doof nur, dass bereits gewisse Ungereimtheiten bei der Vergabe des Landes für die Uni entstanden sind. Wir sprechen von 200.000 qm Fläche, die die Uni einnehmen wird. Woanders kursiert allerdings eine Quadratmeterzahl von 100.000 qm. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Wie auch immer: An diesem Uni-Projekt ist es gewiss nicht gelegen, dass die Türkische Lira etwas abstürzte. Wie zu lesen ist, passierte der Absturz gleich unmittelbar nachdem das neue türkische Kabinett der Regierung in Ankara bekanntgegeben worden war.
Gewiss auch wegen des Geldes – auf Nordzypern ‚regiert‘ bekanntlich die Türkische Lira – haben sich die „Revolutionäre Kommunistische Union“, die Journalistengewerkschaft „Basın-Sen“ und das „Boran Kulturzentrum“ Nordzyperns hervorgetan, um gegen den oben erwähnten Besuch Erdoğans zu protestieren.
„Türkischzyprer wollen Unabhängigkeit!“
„Frieden, nicht Krieg!“
„Lösung des Zypernproblems!“
„Keine Nicht-Lösung!“
„Schulen, nicht Moscheen!“
„Säkularismus und keine islamische Gesetzgebung!“
Solche Dinge und wohl auch noch mehr sagt/e unter anderen auch der Basın-Sen Gewerkschaftler Ali Kısmir.
Im Norden Zyperns gibt es durchaus noch andere Player, die zuweilen auf die Straße gehen und ihr Recht einfordern, nicht nur die Gewerkschaft der Lehrer etc. Da wäre mal die „Kontemporäre Bildungsplattform“ zu nennen. Diese Plattform organisierte Anfang Juli 2018 einen Protest vor dem Amtsgebäude des Premierministers des Nordens von Zypern. Sie forderten, dass es endlich religiösen Unterricht an den Schulen im Norden gibt, und zwar obligatorisch. Die Plattform beklagt in einem Brief, der an den Nationalen Bildungs- und Kulturminister, Herrn Cemal Özyığıt, gerichtet war, dass auch im kommenden Jahr voraussichtlich religiöser Unterricht noch abwählbar sein dürfte. Und das sei ein Schlag gegen die demokratischen Rechte sowie ein Versuch, die Gesellschaft zu polarisieren.
Wie wir also soeben registrieren konnten, gibt es inzwischen zumindest eine Organisation, um den vormals eher säkular-strukturierten Norden Zyperns dem Willen des türkischen Präsidenten, wenn es sein muss auch mit Protesten zu etablieren – und wahrscheinlich auch mit anderen Mitteln.
Dazu fällt einem gleich wieder ein, was Erdoğan bei seinem zuvor erwähnten Besuch in Nordzypern nach seiner Wahl zum alleinherrschenden Präsidenten der Türkei zu verkünden wusste. Davon abgesehen, das war gleichzeitig auch sein kürzester Besuch gewesen. Er dauerte gerademal 4 Stunden, und erstmals war die nordzyprische politische Opposition nicht geladen, den Präsidenten der Türkei bei seinem Aufenthalt zu umgeben, Erdoğan: „Die Türkei wird immer ein wachendes Auge auf Nordzypern haben. Niemand wird Nordzyprer zu Opfern einer Nicht-Lösung machen. Und wir werden nie erleben, dass sie zur Minorität neben den Griechischzyprern werden!“
Der Präsident des Nordens, Akıncı, lässt in diesem Kontext wissen: „Bislang haben die drüben genau das Gegenteil von dem getan, was konstruktiv wäre. Als Türkische Republik Nordzypern und mit der Unterstützung der Türkei werden wir unsere Rechte im südöstlichen Mittelmeer nicht aufgeben!“
Was vielen Lesern wahrscheinlich nicht allzu geläufig sein dürfte, ist, dass mit der Einführung des neuen Präsidialsystems in der Republik Türkei das Haupt Direktorrat „Binärer Politischer Angelegenheiten“ sich nun um die Zypernfrage kümmern wird in Ankaras Außenministerium. Das Außenministerium hat nun 26 Abteilungen, wovon das für Binäre Politische Angelegenheiten eine ist. Ökonomische und politische Dinge werden dort analysiert und vorbereitet – und auch die Beziehungen zu Griechenland. In anderen Worten: Die Zeiten, wo es extra einen Minister für Zypern in Ankara gab, sind vorbei.
Erdoğan bezüglich seiner Zypernkompetenz: „Ich persönlich bin derjenige, der seit den Tagen Annans mit der Zypernfrage zu tun hat. Ich kenne den Prozess gut, den Zeitplan und hielt dazu an, sich zu einen. Als Annan mich das 2. Mal besuchte, sagte er: „Ich kann es nicht mehr lösen!“ Da sagte ich ihm, „lass es uns zusammentun. Du wirst sehen, dass die Türkei dich nicht auflaufen lässt. Wir werden immer 1 Schritt vor denen im griechisch-zyprischen Sektor sein. Gib uns eine Woche!“ Und dann hatten wir jenes Treffen in Davos. Annan hatte nach 1 Woche gefragt und nach 1 Woche starteten die Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns. Natürlich haben wir [Türkei] uns wieder eingebracht. Unser wichtigstes Abenteuer war Burgenstock. Wir hatten das ernst genommen. Doch die Südzyprer haben leider wieder ihre Versprechen gebrochen. Und seither verlassen sie den Verhandlungstisch – so oder anders. Nordzypern blieb immer bei ihrer Position am Tisch, und dies mit Determination. Auch wir zeigten, wie entschlossen wir sind als Garantiemacht. Leider haben die anderen Garantiemächte nicht die gleiche Positionierung diesbezüglich eingenommen.“
Des Weiteren ließ er wissen, dass nicht ewig verhandelt werde. Man werde sich entscheiden, und dann wird diesem Entscheid gefolgt.
„Meine Brüder Nordzyperns sind für mich so wichtig wie die türkischen Bürger. Daher: So wie wir ihnen jedwede Unterstützung bislang gewährten, so werden wir auch in Zukunft verfahren!“

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Die Türkische Republik Nordzypern 3

Premierminister Erhürman der Türkischen Republik Nordzypern beklagt, es existierten keine Statistiken, auch keine Studien, die belegten, dass der Norden einen wirklichen Bedarf an 16 Universitäten habe. Auch bezweifelt er die kursierende Zahl Studierender im Norden von in etwa 100.000 für das Semester 2017 – 2018.
In den Universitäten des Nordens von Zypern arbeiten gewissen Angaben zufolge in etwa 4.529 Lehrer und 101.000 Studenten studierten; 55.000 davon sollen aus der Türkei kommen und rund 13.000 Studenten seien Türkischzyprioten.

Die genannten Werte verraten uns schon mal eine zahlenmäßige Dominanz von sogenannten Festlandtürken, die in türkisch-zyprischen Universitäten eingeschrieben sind.

Und ja, das Dominieren einer Sache, wie Sie wahrscheinlich schon ahnten, ist offenbar eines der Themen oder Dinge, die Türken im Allgemeinen und derzeit ganz besonders anscheinend sehr interessieren.
Şener Elcil von der Gewerkschaft KTO hat – vielleicht auch dieses Dominanz-Phänomens wegen – gleich 24 Fragen an das türkische Außenministerium gerichtet, und zwar klugerweise bezüglich Afrin in Syrien – aber gewiss spricht er derart, unausgesprochen sozusagen, die Verhältnisse in Nordzypern an, vermuten wohl nicht wenige.
„Werdet ihr keine türkischen Staatsangehörigkeiten in Afrin verteilen? Werdet ihr keine Bevölkerungsgruppen dorthin oder von dort weg transferieren? Werdet ihr den Plätzen und Straßen von Afrin keine türkischen Namen verpassen? Werdet ihr keine Komitees einrichten, welche das Land der Leute [an andere] verteilt? Werdet ihr Afrin nicht plündern? Werdet ihr die Währung nicht außer Kraft setzen und die Türkische Lira einführen? Werdet ihr keinen Kommandanten berufen, der aus der Türkei kommt und dafür sorgt, dass lokale Polizisten in der Hierarchie nicht aufsteigen? Werdet ihr nicht die schönsten Plätze Afrins euren Unterstützern anbieten?“
Kann also gut sein, dass Herr Elcil das Zitierte so geschrieben oder formuliert hat. Der Zweifel, den Sie hier bereits heraushören, ist darin begründet, dass das obige Zitat Beiträgen dem Press and Information Office des Südens entnommen ist. Weil, hier wird angenommen, dass Herr Elcil wahrscheinlich eine Familie hat. Und sollte er obige Fragen so formuliert und in die Öffentlichkeit entlassen haben, ist nach einer weiteren Bleibe für sich und die Seinigen sich vorsichtshalber schon mal umzusehen, bestens im Süden, wahrscheinlich die Pflicht eines jeden verantwortlich handelnden Familienvaters. Vielleicht gehen ja auch seine Kinder bereits, so er denn welche hat, im Süden zur Schule. Letzteres, dass Kinder aus dem Norden im Süden Schulen besuchen, ist ein gängiges Phänomen unter sogenannt echten Türkischzyprern, vor allen unter jenen, die nicht allzu entfernt von der Grenze in den Süden leben. Das ist dort wirklich sehr populär, wahrscheinlich chic. Politisch eher links zu verortende Türkischzyprer lassen sich vor allem auf diese Möglichkeit ein, auch, um ihre Kinder im international akzeptierten europäischen Teil der Insel europäischen Standards zu unterziehen – und derart wird auch Sorge getragen, dass die Kleinen mehrsprachig aufwachsen, wie es sich heutzutage für weltoffene Menschen gehört, und um Karriere machen zu können etc.

Apropos KTO: Die demonstrierten mal wieder. Diesmal war es vor der Türkischen Botschaft im Norden Zyperns, also in Nord-Nikosia, und das geschah noch Anfang-Mitte des Monats Juli 2018. Demonstrierten, weil Erdogan, wie bereits in Part 1 und 2 dieses Berichts berichtet wurde, ja die Insel besuchen kam. Die fanden es überhaupt nicht amüsant, dass er auch noch – und ausgerechnet – eine Moschee einweihen ging, die wiederum ausgerechnet ebenfalls „Hala Sultan“ getauft wurde, und zwar in einer Gemeinde namens Haspolat. Das Original mit diesem Namen steht nämlich im Süden und ist so etwas wie ein Pilgerort für nicht wenige Muslime in der Welt, da die Tante des Propheten Muhammad sich dort mal temporär aufhielt. Die Moschee in Haspolat/Nordzypern ist immerhin der berühmten Selmiye Moschee der Stadt Edirne/Türkei unweit der griechischen Grenze, genauer in der Region Trakien, nachgebaut worden. 4 Minarette hat sie, 37.000 qm Fläche nimmt sie ein und 6.000 Betende könnten dort gemeinsam beten, wird berichtet. Kostenpunkt: 33 Millionen US-$.
Nicht wenige Gewerkschafter der KTOS finden, von diesem Geld hätten lässig 33 Schulen oder 3 supermoderne Krankenhäuser, wie es das „Famagusta Hospital“ im Norden ist, errichtet werden können.

Wie dem auch sei: Derweil konnte anstatt die „TCG Barbaros“ Fregatte der türkischen Marine im Hafen von Girne bestaunt werden – ziemlich sicher nur von Türkischzyprioten oder Festlandtürken. Nun dann!
Falls Sie nun, verehrte Leserschaft, aus Verlegenheit nicht wissen sollten, was denn sonst noch so im Norden getan werden könnte, zumal sie sich schon auf den Weg begeben haben, die Fregatte zu begutachten, kehren Sie einfach, bestens umgehend, auf ihren Fersen um, bevor man Ihnen sagt, dass Sie den falschen Ausweis besitzen und gehen Sie geradewegs ins neu eröffnete „Limak Cyprus Deluxe Hotel“ in Bafra – welches irgendwo draußen in Karpaz angesiedelt wurde. Schlappe 200 Millionen US-$ hat es gekostet, den Kasten in das schöne Gelände zu stellen. Auch dieses Gelände müsste eigentlich naturgeschützt werden. Ein Teil von Karpaz ist es jedenfalls, oder soll es sein, muss hier fairer Weise gesagt werden, wenn man den Pflanzen und Tieren gerecht werden will. 1.300 Betten und 598 Zimmer warten auf Sie als Tourist. Die „Limak Holding“ hat in der Türkei weitere 8 Hotels in den letzten 23 Jahren errichtet.
Vielleicht wäre diese Verschandelung der Insel, manche finden, es sei Entwicklung, andere es handle sich um eine Verschönerung, ja doch auch ein Thema, welches die neue Zypernbeauftragte der UN, Frau Lute, aufgreifen sollte zur Abwechslung, auch, um ihren Fingerprint derart zu hinterlassen. Wird sie wohl nicht tun, keine Sorge. Die haben in diesen Positionen anscheinend nur Platz für Leute, die genau das tun, was von ihnen erwartet wird irgendwo. Jedenfalls scheint die angesprochene Erwartungshaltung, wenig bis gar nichts mit der zu tun zu haben, die die Leute hier auf Zypern haben – oder haben dürften. Letztere werden noch nicht mal danach gefragt, gilt es zu erkennen.
Vielen Zyprern geht Frau Lute jedenfalls jetzt schon auf den Nerv. Sie sei Geld- und Zeitverschwendung. Denn die Bedingungen, Wiedervereinigungsverhandlungen schon wieder anzufangen, sind ja noch gar nicht, auch nicht annähernd, erfüllt vonseiten des Nordens oder des Südens, wird gemurrt.
Dennoch werden die Verhandlungsführer demnächst wieder auf Einkaufstour geschickt. So, wie vermeldet wird, werden zuerst die Läden in Manhattan gestürmt und dann, nicht vergessen, die Amüsierbuden in Brooklyn, nein, nicht in der Bronx. Guterres hat die Damen und Herren dazu eingeladen, der UN-Präsident. Kurz davor hatte Akıncı noch recht laut vernehmen lassen über die Medien, für ihn habe NICHTS begonnen, als Lute in ihr Amt gehoben wurde und angefangen hatte, beide Seiten vor Kurzem höchst persönlich aufzusuchen.


Welch Überfluss! Insofern ist Überfluss dann vielleicht doch der angebrachteste Terminus zur Beschreibung der Lage. Nicht allein, dass in der UN anscheinend Kohle ohne Ende in Koffern darauf wartet, Politikern und anderen Interessierten hinter her geschmissen zu werden, nein, überflüssig erscheint vor dem Hintergrund dessen, was Akıncı die ganze Zeit über von sich gegeben hat, auch zu sein, dass er die Einladung nach New York – zum Einkaufen – angenommen hat. Weil somit signalisiert er ja, ob er es will oder nicht, dass die Verhandlungen sehr wohl auch für ihn wieder in der üblichen Art und Weise ihren Anfang genommen haben, und hoffentlich nicht genau so üblich enden. Zwar stirbt die Hoffnung meist zuletzt, doch manches Mal, offensichtlich, stirbt sie auch zuerst. Auch Hoffnung bedarf also eines tragbaren Fundaments!
Akıncı indes: „Lute ist nicht als ein Ersatz für den vorherigen Speziellen Abgesandten des UN-Sekretärs Espen Barth Eiden in ihrer jetzigen Position!“ Sie sei nur eine vorübergehende Abgesandte oder Beauftragte, die sich mit den beiden Zyprern, Akıncı und Anastasiadis, getroffen hat, um auszuloten, ob sich da in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen was drehen lässt.
Wir wünschen also erfreuliches Weihnachts-Shopping, gern auch in den bizarrsten Ecken des Central Parks. Jedem das Ihrige, oder jeder das Seinige! Spitzendiplomatie eben.
Zwar haben die Nordzyprer angeblich keine Lust mehr auf „Endlosschleife“ in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen, aber auf Shopping zu verzichten, und dann noch so günstig, verstehen Sie doch, das kann und darf nicht ausgelassen sein!

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Armağan Candan von der Republikanischen Türkischen Partei (CTP) sowie Ersan Şaner von der Nationalen Einheitspartei (UBP) Nordzyperns kamen Ende Juni nach Straßburg, um an der Generalversammlung der Parlamentarier des Europäischen Rats (Pace) teilzunehmen. Es existiert in Straßburg sogar ein Büro Nordzyperns, zwecks Repräsentation etc. Unter anderen Themen war bei der Generalversammlung die Zerstörung kulturellen Erbes auf der Tagesordnung gewesen in Straßburg. Candan hielt eine Rede, und sagte so in etwa unter anderem: Das kulturelle Erbe gehört allen. Es ist unsere Pflicht, es zu bewahren. Und das kulturelle Erbe der zyprischen Insel gehört nicht allein den Süd- oder Nordzyprern, sondern der Menschheit allgemein. Candan wies darauf hin, dass das bi-kommunale Technische Komitee am 21. 03. 08 zwecks vertrauensbildenden Maßnahmen gegründet worden ist, ebenso als Schutz des kulturellen Erbes. Das Technische Komitee ist seines Dafürhaltens jenes Komitee, welches am besten von all den anderen arbeitet auf Zypern. Es sei am „effizientesten“. Auch daher, findet Candan, sollte der Europarat demselben eine finanzielle Unterstützung geben.
Seltsam ist dann aber doch für manchen Beobachter, zu sehen, in welchem Zustand die meisten Friedhöfe hüben, wie auch drüben in Zypern sind. Nach vorliegenden Angaben ergibt sich das Bild, dass die bi-kommunalen Kulturerbe-Komitees auf diesem Sektor versagt haben müssen (03. 07. 18 Cypriot Daily News). Und daher soll – mal wieder – ein „Pilotprojekt“ gestartet werden.
Wenn also bedacht wird, dass nahezu alle paar Wochen, und dies seit Jahren, irgendwo auf der Insel eine nachträgliche Beerdigung von jemandem stattfindet, dessen Leichnam identifiziert werden konnte nach den Auseinandersetzungen von 1974, muss man über den erwähnten Mangel schon etwas staunen. So viel Tra-Ra in Form von Bestattungen und Extra-Gottesdiensten, die regelmäßig im Fernseher zu sehen sind etc. und dann liegen diese Toten auf nicht umsorgten Friedhöfen?

Apropos umsorgen: Huseyin Özürgün, Vorsitzender der UBP, sagte am 04. 07. 18, Griechischzyprer sollten Tayyip Erdogan mit Blumen in der Hand am Flughafen Ercan im Norden begrüßen kommen, der am 10. Juli ja ankam, um, wie es der Tradition entspricht, nach einem Wahlsieg oder Ernennung zum Präsidenten der Türkei seine Aufwartungen im „Bruderland“ Zypern zu machen. Allerdings hat sich im Vergleich zu davor im Prozedere etwas geändert, denn der türkische präsidiale Wahlsieger Erdogan besuchte zuerst einen weiteren Bruderstaat, Aserbaidschan, bevor er von dort aus, eventuell direkt nach Ercan flog. Die Quellenlage ist unklar, nämlich derart, ob er nun direkt nach Ercan geflogen ist oder ob das Flugzeug zuerst noch kurz in der Türkei landete. Bekanntlich sind Direktflüge nach Nordzypern untersagt. Und nur die Türkei allein fliegt auf diese Weise dorthin. Ja, Aserbaidschan ist zwar ein Bruderstaat, aber Geschäfte gehen nun mal vor. Baku will sich einer solchen diplomatischen Angelegenheit wegen nicht mit der internationalen Gemeinschaft in die Nesseln setzen. Das wird von Seiten der nordzyprischen Regierung anscheinend verstanden, denn niemand scheint dagegen einen Einwand hervorzubringen – zumindest nicht über die Medien hörbar, noch nicht.
Und dass die Südzyprer von „illegalem“ Besuch Erdogans schreiben und reden, schmettert Özgürgün einfach als „Blödsinn“ ab. Schließlich hätten Die aus dem Süden der Türkei ihre Existenz zu danken. Wäre letztere nicht gewesen, sähe das alles anders aus auf Zypern.
Erhan Arıklı, Vorsitzender der Wiederbelebungspartei (YDP) dazu: Erdogans Besuch ist eine Nachricht an die Welt, sagt er. Woraufhin wir fragen: nur welche?
Wie dem auch sei. Es gibt anscheinend auch Nordzyprer, die den Besuch Erdogans bereits im Vorfeld als nicht äußerst lustig, oder anders, deklarierten. Einer dieser Menschen ist beispielsweise Izzet Izcan von der Unionspartei (BKP) im Norden. Er war gegen Erdogans Visite und rief offen dazu auf, dass die an den Besuch angehängte Einweihungsfeier der „Hala Sultan Moschee“ boykottiert werde.
Hala Sultan, der Name sagt Ihnen was, verehrte Leser? Sie haben es also erinnert, nämlich, dass jene Moschee, die vor den Toren Larnakas liegt, am Salzseechen, wo die rosa Flamingos als im Winter sind, denselben Namen trägt. Der Unterschied, wenn Herr Erdogan so einen noch ausmachen kann in derartigen Belangen, ist, dass einst die Tante des muslimischen Propheten Muhammad, höchstpersönlich dort zu verweilen geruhte; und ja, auch Herr Erdogan war nun kurz auf Zypern, hätte aber vielleicht einen, sagen wir mal, weniger anmaßenden Namen für die Moschee auserkoren können, zum Beispiel: Amça Tayyip (Onkel Tayyip).
Nun ja, jedenfalls vermutet Izcan, dass solch Gebaren Erdogans klare Anzeichen, einen Islamischen Staat auf Nordzypern begründen zu wollen, tragen würde. Sollte an Letzterem etwas dran sein, hat sich wohl der derzeitige Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, gerade noch rechtzeitig seine Haut gerettet. Er war nämlich unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans extra nach der Türkei geflogen, um Alleinherrscher Erdogan zu gratulieren.
Akıncı hat wahrhaft einen schweren Stand: auf der einen Seite den politisch glitschigen Anastasiadis, und auf der anderen den politisch erpresserischen Erdogan – und dann verdeckt operierend und doch sehr präsent, die Israelis und die Engländer. Er wohnte also bei, als Erdogan seinen Eid ablegte, der türkischen Nation dienen zu wollen.
Wie die Umstände Mitte August indes zeigen, scheint Erdogans Politik sich nicht allzu dienlich zu erweisen. In Nordzypern müssen auf Grund der verfehlten Geldpolitik Erdogans neuerdings sogar Casinos Steuern zahlen – und überhaupt werden die Steuersätze im Tourismus etc. erhöht. Und nicht nur dort. Sogar Kinder werden mit einer 5%igen Steuer belegt. Bitte fragen Sie mich nicht, wie das von statten geht. Das soll dem Vernehmen nach vorrangig jene Kinderlein treffen, die neu eingebürgert werden. Viel Geld ist damit also nicht zu machen. Zeigt aber, dass doch eine gewisse Not zu herrschen scheint, denn auch der Finanzminister, Serdar Denktaş, rühmt sich neuerdings, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Letzterer ist sich sicher, dass die Geldentwertung des Türkischen Lira, die sich derzeit vollzieht, überstanden werden kann, wenn die Bevölkerung Nordzyperns einfach etwas solidarischer unter- oder miteinander verfährt.
Dass ausgerechnet der von sich sehr eingenommen wirkende Finanzminister des Nordens von Zypern mit dem Fahrrad unterwegs sein soll täglich, also das zu glauben, fällt nun wirklich schwer – bei all seinen Feinden etc. und seiner mentalen Verfasstheit.
Um nochmals kurz auf die Pleite im Finanzsektor zurückzukommen, die Erdogan gern auf andere schiebt. Emin Çölaşan, der in der türkischen Sözçü schreibt, hat am 13. August 18 Erdogan frontal in einem seiner Artikel angegriffen, und ihn gebeten oder aufgefordert oder beides, von seinem Amt zurückzutreten. Und seinen Schwiegersohn, den jetzigen Finanzminister der Türkei, gleich mit zu nehmen.
Tufan Erhürman, derzeitiger Premierminister im Norden Zyperns, ist der Ansicht unter anderem, dass sich eine „gefährliche Diskrepanz“ zukünftig zwischen jenen Kindern und Jugendlichen ergibt im Norden Zyperns, die eine Privatschule oder eine öffentliche Schule besuchen. Denn sie würden längst keine gleichwertige Sozialisierung erfahren. Erhürman meinte noch: 100.000 Studenten studieren im Norden. Das ist ein Drittel unserer Bevölkerung. Die Zahl der Universitäten im Norden Zyperns hat stark zugenommen. Daher bedürfe es nun einer „geplanteren Struktur“, und zwar in allen Bereichen, doch vor allem dem der Bildung. Die Universitäten überziehen inzwischen den gesamten Norden. 19 davon operieren im Land, wovon 16 vom Staat anerkannt sind. Beispielsweise wird die Amerikanische Universität von Girne (GAU) voraussichtlich im Jahr 2020 auch in der Region Karpaz, im äußersten Südwesten Nordzyperns, ihre Pforten für Studierende öffnen.
Das ist in etwa so wichtig für den Norden wie die Tatsache, dass viele Türkischzyprer im Süden arbeiten gehen, beziehungsweise einen Pass der Republik Zypern im Süden in der Tasche haben. 5.233 Antragsteller gab es in den letzten 5 Monaten alleine. Und zwar ist hier lediglich die Rede von Kindern aus sogenannt gemischt türkisch-türkischzyprischen Ehen. Letzteres lassen uns die Gewerkschaften für Lehrer des Nordens (KTOS sowie KTOEOS) wissen.
Diese Gewerkschaften hatten am 12. 02. 18 eine Kampagne gestartet, die sich des zuvor erwähnten Themas widmet, und zwar dergestalt, dass der genannte Personenkreis aus gemischten Ehen möglichst einen Pass aus dem Süden erhält. Die Republik Zypern sträubt sich allerdings recht heftig dagegen, wenn ein Elternteil „Festlandtürke“ ist. Bislang werden die meisten Anträge negativ beschieden. Die genannten Gewerkschaften dürften mit diesem Anliegen schon bald beim Europäischen Menschenrechtsgericht vorstellig werden. Jedenfalls ist die Rede davon, dass dieser Weg beschritten wird, wenn Nikosia-Süd nicht bald eine andere Gangart einlegt, ist zu hören.
Die Anträge für einen südzyprischen Pass gehen bei einer der oben genannten Gewerkschaften ein, die diese dann in den Süden an entsprechende Stellen innerhalb des Regierungsapparates weiterleitet. Denn behördlicher Kontakt von Süden nach Norden wird im Allgemeinen nicht gepflegt, da der Süden den Norden als Ansprechpartner (eigentlich) nicht akzeptiert. Und daher müssen ja auch andauernd sogenannte Vermittler der UN und andere herum sein auf Zypern.
Jedenfalls traf Herr Şener Elcil, Generalsekretär der KTOS, den Innenminister des Südens, Konstantinos Patridis, am 03. August in dieser Angelegenheit – mal wieder. Interessant ist, zu erfahren, dass die Bearbeitung eines solchen Antrages in zyprischen Behörden in der Regel 1 bis 2 Jahre dauert. Und sollte diese Sache vor das Europäische Menschengericht dereinst kommen, so ist nochmals mit einer Wartezeit zu rechnen, die sich den Angaben zufolge auf 2 bis 3 Jahre belaufen dürfte.
Ein weiterer Streitpunkt auf Zypern, und es gibt derer viele, ist, dass als unfair angesehen wird vonseiten nordzyprischer Politiker, wie es beispielsweise Herr Zorlu Tore von der Partei „Demokratische Sicht“ ist – er ist Vize-Präsident der Nationalversammlung im Norden -, dass die von der Türkei ins Leben gerufene Kommission für Grund- und Bodeneigentum (IPC) an Griechischzyprer eingeforderten Eigentum zurückgibt. Solch Gesetz, findet er, gehöre schleunigst geändert. „Wenn Griechischzyprer türkischzyprisches Eigentum im Süden enteignen und Grund und Boden für sich behalten, der noch nicht mal enteignet wurde vonseiten der dortigen Verwaltung, ist es falsch, dass Türkischzyprer Eigentum an Griechischzyprer zurückgeben. Diese Praxis muss aufhören. Sie stigmatisiert die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) als schuldige Okkupanten“, die sie ja nicht ist oder sein soll.

Vorerst zuletzt: Am 05. 07. 18 hat das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die besagt, dass die Republik Zypern (der Süden) vonseiten der Türkei anzuerkennen sei, weil es ansonsten zukünftig Schwierigkeiten für türkische Staatsbürger geben könnte, ein Visa in eines der EU-Länder zu erhalten. Dieser Entscheid beziehe sich auch auf zukünftigen Datenaustausch mit Ankara (Europol), der dann eventuell zum Erliegen kommen könnte.

 

Part 3 folgt demnächst!

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Was denn wohl in Nordzypern, der Türkischen Republik Nordzypern, geschieht?

Wahrhaft.

Diese Frage Ihrerseits ist inzwischen wirklich berechtigt.

Man hört und liest meist nur etwas, wenn überhaupt, aus dem Süden der Insel, jenem Teil der Insel, der zur Europäischen Union gehört – und dabei hat der türkischsprachige Norden eigentlich einiges zu bieten. Manche nehmen die Entwicklungen dort sogar als Art Gratmesser oder Indikator dessen, was in der Türkei hinter den Kulissen vorgehen könnte.

Fangen wir also an, und zwar einigermaßen bemüht, chronologisch vorzugehen – ab Juni 2018, und, wie könnte es anders sein, längst wird nicht alles, was sich ereignete und ereignet abgedeckt werden. Man muss sich eben entscheiden im Leben!

Griechisch-zyprische Beamte versuchen anscheinend noch immer, zu unterbinden, dass ihre Landsleute, wo könnte es anders sein, im türkisch-sprachigen Norden der Insel billigen Treibstoff tanken gehen. Und dazu werden recht häufig strikte Kontrollen an den Übergängen durchgeführt, die ja nach offizieller Lesart keine Grenze sein soll. Unser Tipp: Keine mit Treibstoff gefüllten Kanister im Kofferraum aufbewahren. Sie könnten konfisziert werden. Doch auch, war zu lesen, ganz normale Tanks, die womöglich bis oben hin gefüllt sind mit Sprit, können einen in Schwierigkeiten oder Erklärungsnöte bringen an den Übergängen, die, wie gesagt, keine Grenzen sein sollen.

All das, Sie ahnen es schon, kommt einem wie ein schlechter Witz vor: die Kontrollen, wie auch das offizielle Gebrabbel der Grenzer, wenn man sie danach fragt, von der Nicht-Grenze.
Immerhin: Solch intensivierte Maßnahmen zeigen dem interessierten Betrachter so in etwa an, wie die süd-zyprische Administration zu ticken scheint: die Großen laufen lassen und die Kleinen schikanieren, wenn es dem „Vaterland“ vorgeblich dienlich zu sein verspricht. „Schmierenkomödie“ sagen da wohl manche unter Ihnen kurz und bündig dazu.

Warum hier gleich das Wort Schikane bemüht wird, wird sich Ihnen hoffentlich noch im Verlauf dieses in Teile aufgeteilten Beitrages etwas besser erschließen. Noch das dazu: Jene, die im großen Stil Geld abziehen, wie im deutschen Slang gesagt wird, haben es ja eigentlich wegen ihres hohen ‚Einkommens‘ nicht nötig, rüber in den Norden zu fahren, um zu tanken usw. – ins Feindesland.

Sie, verehrte Leser, erkennen bereits eine gewisse, wie soll man es nennen, Widersprüchlichkeit, die vordringlich Südzyprer umgibt oder durchdrungen hat, die der feindlichen Wahrnehmung des anderen Inselteils wegen, noch nie oder vielleicht nur ein Mal dort DRÜBEN waren, physisch. Mit dem Kopf indes scheinen viele von ihnen jeden Tag in der vergangenen Pracht zu leben, die ihnen im Norden „geraubt“ worden ist, sein soll, als die Insel noch eine einzige Einheit darstellte politisch etc.

Der Vize-Premier des Nordens, Herr Kudret Özersay, findet die oben erwähnte süd-zyprische Kontroll-Maßnahme fehl am Platz, da so etwas die vereinbarten und teils auch aufgenommenen vertrauensbildenden Maßnahmen der beiden Inselteile behindere. Die Kontrolle ziele wohl darauf ab, so Özersay, den türkischsprachigen Norden zu schädigen. Und dass der Treibstoff aus dem Norden gewissen Standards nicht entspreche, die im Süden gelten würden, diese Begründung sieht Özersay gewiss als eine Art schlechten Witz an – er drückt es nur anders aus. Denn er fragt: Und was ist mit all jenen Türkischzyprern, die seit Jahren täglich und zu Tausenden mit ihren Autos aus dem Norden in den Süden fahren, um dort ihren Unterhalt zu verdienen? Ist der Treibstoff dieser Autos etwa nur deshalb reiner oder besser? Bei der Gelegenheit und in Fahrt geraten erinnert Özersay auch gleich daran, dass das alles einer recht offensichtlichen Agenda folgt; so auch dies, als Bussen, die aus dem Norden rüber nach Larnaka an den Flughafen kamen, um Touristen abzuholen, plötzlich untersagt wurde, das zu tun, und zwar mit seltsamer, ähnlich lautender Begründung.

Nur ‚gut‘, wollen wir hier mal kurz einwerfen, dass Taxifahrer aus dem Norden unmittelbar vor Larnaka gelegen – dort in etwa, wo vor kurzem noch Carrefour existierte und der jetzige „Skalvinitis“ in Meneo sich befindet -, einen Platz sich schufen oder fanden, von wo aus sie sozusagen auf die Minute genau an das Terminal heranfahren können, um ihre menschliche Fracht abzuholen am Flughafen. Es war wohl zu oft zu Handgemenge und anderen unschönen Szenen unter den Süd- und Nord-Taxifahrern im Flughafengebäude und vor allem dort, wo Taxis normalerweise auf ihre Kundschaft vor dem Flughafen warten, gekommen. Und solch optisch-akustischen Eindruck will ja bei den lieben, unvorbereiteten Gästen nun wirklich nicht bleibend hinterlassen werden!
Sie sehen anhand dem Gesagten allerdings auch, Kompromisse sind möglich, aber offensichtlich eben nach dem Strickmuster: zuerst Wir und dann Die. Und auf Letzteres sich nochmals einzulassen, dazu haben die Türkischzyprer nun wirklich kein Verlangen mehr.
Und eigentlich geht es bei den andauernd scheiternden Verhandlungen zwischen Norden und Süden genau um diese Dominanzfrage: Wer ist zyprischer? Und wer hat daher mehr Vorrecht? Hört sich recht langweilig an, stimmt‘s? Aber so oder ähnlich ist dem nun mal auf Afrodites Insel – jeder möchte sie zuerst und für sich haben; und keiner der beteiligten Streithähne fragt, ob die Gute nicht vielleicht doch eher mit den Engländern oder gar Russen, Chinesen oder US-Amerikanern ins südöstliche Gemach sich zurückziehen mag. Wir glauben hier nicht, verzeihen Sie, dass Afrodite nun ausgerechnet mit der potenzgestörten EU solch Rückzug favorisiert. Türkische Penetration scheint ihr jedenfalls seit 52 Jahren teils gut zu bekommen; und Araber, die sind doch eh vielleicht schon zur Genüge auf ihr und eh in der Nähe angesiedelt.

Des Weiteren: Auch scheinen es die mehrheitlich griechisch-sprachigen Südzyprer zu sein, die so etwas wie ein „interoperables“ Mobilfunknetz zwischen Norden und Süden ausbremsen sollen, oder dass es zu einer Lösung der so genannten Zypernfrage kommt oder, oder, oder! Nicht wenige Analysten sind sich in folgender Ansicht einig: die Republik Zypern, also der Süden, zeigt auf Grund ihres politischen, ökonomischen etc. Bewegungsprofils eindeutig an, dass ihre Regierenden sich für die Option ‚aushungern‘ des Nordens entschlossen haben könnten. Weil man schiebt jeden wirklich relevanten Entscheid, der die beiden Inselteile sich annähern ließe, manchmal geschickt, meistens recht plump, auf die sprichwörtlich lange Bank. Wir erinnern: Die einstige BRD hatte so in etwa eine ähnliche Strategie im Umgang mit der DDR zu laufen. Nur: Jetzt, wo Präsident Erdoğan sich Machtbefugnisse aneignete, die ihn eigentlich schalten und walten lassen, wie es dem Herrn und seiner Entourage gefällt, sind die Würfel, sozusagen, neu gefallen. Und es ist – eigentlich wie immer – gerade daher nicht absehbar, was aus der Insel in näherer oder etwas entfernterer Zukunft wird. Letzteres muss leider so vage formuliert stehen bleiben, da vor dem Hintergrund der Aussicht, dass die Türkei womöglich wirklich schon bald konkretere Schritte unternimmt, sich den BRIC-Staaten anzuschließen, solch Schwergewichte wie beispielsweise China darauf drängen könnten, zukünftig am Katzentisch zu oder über Zypern mit zu sitzen, mitentscheiden zu wollen. Sie sind schließlich die Größten inzwischen, und werden wohl so in etwa jene imperialen Politiken fortführen, die der sogenannte Westen für Jahrhunderte der Welt oktroyierte. Sind doch auch nur Menschen.

Also: Überraschungen der ganz besonderen Art könnten anstehen auf Zypern.

 

Indes: Özersay nerven, Sie dachten es sich wahrscheinlich schon, noch einige mehr Dinge. Dass der Süden andauernd das Mandat der UNFICYP verlängert (bekommt). Weil Erstere maßen sich daraufhin an, einen gewissen Status Quo ableiten zu dürfen, den aber keiner im Grunde will, der aber herrsche und ein Schutzbedürfnis widerspiegle, welches so ebenfalls nicht mehr gegeben sei. Kurz, dieser Status Quo bringe die Republik Zypern einfach in eine privilegiertere Position gegenüber der Türkischen Republik Nordzypern. An dieser Beobachtung des Vize-Premiers aus dem Norden ist durchaus was dran.

Was des Weiteren wohl nicht nur Özersay gehörig auf die Nerven geht, ist die Sprache bezüglich des Nordens, die offiziell und in den Medien im Süden Verwendung findet, wenn noch immer von beispielsweise „illegaler TV-Station Bayrak“ die Rede ist oder vom „selbst so ernannten“ Premierminister des Nordens etc. Ein Glossar wurde nämlich vor noch nicht allzu langer Zeit herausgebracht von einer ‚unabhängigen‘ Stelle, welches von den Medien beider Seiten zur Anwendung kommen soll/te. Doch der Süden sträubt sich, offenbar dieses Glossarium anzuwenden – und andererseits gibt man vor, sich wiedervereinigen zu wollen etc.

Ihnen, als eventuell regelmäßiger Leser dieser Internet-Zeitung, ist gewiss bereits aufgefallen, dass hier manches Mal ‚gestöhnt‘ wird, wenn die Zyprer auf Wiedervereinigung machen, und wenn sie sich in New York oder sonst wo im Westen, gern in der Schweiz, treffen, worauf hier dann unverblümt und wohl auch etwas gefrustet von „Shoppingtour“ geschrieben wird, die die Herren und Damen Verhandelnden sich in den teuersten Städten der Welt verschrieben haben als Kur – darunter geht nicht, man ist ja schließlich wer, genauer: der Nabel der Welt!

Part 2 folgt schon demnächst!

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Hisuf

Syrien als Thema hin und wieder aufzugreifen, kann bei einem Nachrichtenportal, welches das südöstliche Mittelmeer nach News vorrangig abklopft, beziehungsweise von dort vorwiegend verbreitet, wohl noch erwartet werden.

Es ist dies allerdings eine sehr komplexe Thematik, die Syrienfrage. Und in etwa so, wie es in der ersten Ausgabe dieser Reihe zu Syrien geschehen ist hier auf Zypernundmehr-News, wird nun auch wieder vorgegangen – nicht stringent nach Datum der Geschehnisse. Es wird in Form einer Übersicht berichtet. Lesern, die Syrien-Themen bei ihrer täglichen Zeitungslektüre ansonsten überblättern, eine Gelegenheit geben, sich mal wieder auf diese Angelegenheit lesend einzulassen – sich nicht mit Verdautem dazu aus Tagesschau und Co. zufriedengeben. Somit wird einem Stratoskop gleich thematisch ausgesucht und Einblick gewährt. Zufall, das Kismet, und wie sie alle noch heißen, spielen also mit!
Wie zu erfahren war, ist das Kismet vielen im Syrien Kämpfenden auch 2018 eine wirklich reale Größe.

Juli 2018

Einen Tag nach seinem Wahlsieg kündigte Erdogan an, wie hier erwartet worden war, noch entschiedener in Syrien Terrorismus bekämpfen zu wollen – was und wer auch immer genauer mit “Terrorismus” gemeint ist. Wir wüssten gern auch genauer, wie entschieden “entschiedener” aussieht. Diese Art Gesamtpaket wird sich wohl noch entpacken.
Jedenfalls marschierten türkische Truppen eben genau nach Teilen von Nordsyrien und verstärkt aus eben genanntem Grund. Eine möglichst breite Zone soll dort in der Gegend ‚endlich‘ erschaffen werden, sodass viele, vielleicht sogar die meisten der rund 4 Millionen Syrer und Syrerinnen, die in der Türkei temporär untergekommen sind, wieder zurück nach Syrien können – auch wenn jener Teil Syriens dann längst noch nicht die angestammte Heimat vieler unter ihnen ist. Denn auf jenem, letzteren heimatlichen Boden hat sich eventuell die syrische Regierung selbst bereits breit gemacht, und die verfolgt wahrscheinlich andere Bebauungs- und/oder Nutzungspläne als die vorherigen Besitzer.

Wie in dieser Syrien-Reihe hier auf Zypernundmehr-News bereits berichtet wurde, kontrolliert die Türkei – eher recht als schlecht – inzwischen so in etwa das gesamte Gebiet zwischen dem Euphrat und der so genannten Westgrenze in Nordsyrien.
Im Süden Syriens bei der Stadt Daraa sind andere Kräfte als die türkischen am Werk – da reden wir besser von einer gewissen, kritischen Nähe zur Grenze nach Israel. Dieselbe vermittelt sich manch Nicht-Juden in etwa, wird hier angenommen, wie wahrscheinlich das Annähern einer solchen Person an die Klagemauer in Jerusalem, was jenem Personenkreis verboten sein dürfte, genauer: zu nah sich dorthin zu begeben, auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Ort ist jene Grenznähe also, von dem man seiner besonderen Befindlichkeit wegen besser Abstand nimmt, wenn man nicht in Schwierigkeiten geraten will.
Nun, dort in Daraa wurden Flugblätter abgeworfen, die von einem Einmarsch in diese Region kündeten – wohl gemerkt, gemeint war ein Einmarsch von Teilen der Assadtruppen. Ihr Auftrag: ”Terroristen wegräumen!”
Hisuf (hebräisch)!
Rauswerfen zu sagen oder zu schreiben, dürfte als Übersetzung dieses Hisuf-Terminus Technicus durchaus etwas zu harmlos daherkommen. Abknallen trifft es zwar schon, doch es fehlt irgendwie die Versachlichung des Gegenstands beim Abknallen.

Mal sehen, was sein wird, wenn jene Gegend im Süden Syriens etwas befriedeter ist und friedlichere Zeiten eingebrochen sind – nein, nicht angebrochen, sondern eingebrochen -: wie viele Massengräber DANN in oder bei Daraa freigelegt werden; ausgehoben, nur weil die Erdoberfläche dort mit der Zeit so komisch einbrach usw.

Ja, und in diesem Kontext kommt man thematisch relativ leicht in einer Ortschaft namens Raqqa an, wo Massengräber recht oft freigelegt werden, wahrscheinlich auch, um der Sonne ihren Glanz streitig zu machen: Kinder, Frauen, Männer liegen da wie in einer Marionettenkiste drin. Es sind meistens Kurden, viele von ihnen sehen verwunderlicher Weise gar nicht wie Söldner aus. Sie sind wohl so etwas wie (zivile) Weggeräumt/e.

Warum dieses Detail hier überhaupt angefügt ist? Weil – jetzt kommt es – nicht wenige Analysten und Kriegsbeobachter am Horizont schon gewisse Umrisse eines kriegerischen – darunter geht es leider nicht – kurdisch-arabischen Showdowns aufflammen sehen.

Bekanntlich hatte das Assadregime schon immer gewisse Probleme, seine Macht in den etwas abgelegeneren Provinzen des einstigen Syriens zu behaupten. Rund 6,5 Millionen Syrer leben derzeit allein in den Nachbarländern Syriens, versteht sich, Israel ausgenommen. Letzteres soll nicht mal einen Einzigen aus humanitären Gründen aufgenommen haben. Noch Anfang Juli 2018 ließ der jordanische Ministerpräsident Omar Razzak wissen, dass nun auch Jordanien die Grenze für Syrer nicht mehr öffnen werde – komme, was wolle! Freie Kapazitäten seien längst nicht mehr gegeben im Königreich. Punkt!
Doof auch, dass syrischen Flüchtlingen zu jenem Zeitpunkt noch kein OK gegeben werden konnte, um aus dem Libanon in Richtung Syrien sich (zurück) zu bewegen. Das Assadregime lehnte das nämlich ab!

Wie bereits gesagt: Dieses eben genannte Regime hat meist andere Pläne mit dem verlassenen Besitz Flüchtiger Syrer außerhalb Syriens. Und auch wenn die syrische Regierung inzwischen in den Medien verkünden lässt, jeder könne zurückkommen, das Land sei befreit, ist Vorsicht geboten. All jenen, die sich einst für die syrische Opposition und andere Assadgegner verwendeten, diese Warnung: Aber ihr seid mit diesem Heimkehraufruf natürlich nicht gemeint!
Omar Madaniah twitterte: Über die Rückkehr von Syrern aus dem Libanon reden, ist schön und gut, aber zuvor müssen die libanesischen Hizbollah-Krieger in Syrien mal das Feld räumen!
Diametral zu eben Gesagtem gibt vielleicht auch folgendes mehr Aufschluss darüber, wie diese ‘syrische Akzeptanz-Sache von Menschen‘ so in etwa geht, also: Der ehemalige Chefunterhändler der syrischen Opposition, Muhammad Sabra, schrieb auf seinem Twitter-Account, es gebe eine Liste mit den Namen von Mitgliedern des Verhandlungskomitees für eine syrische Verfassung. Sie erinnern, dass eine Verfassung ausgearbeitet werden soll? Herr Sabra des Weiteren: Sein Name stünde da komischerweise auch auf der Liste. Doch er sehe eine Beteiligung an diesen Verhandlungen als „Verrat an der Revolution” an. Das Verfassungskomitee würde nämlich verräterische Zugeständnisse ans Regime machen, meint Sabra. Unser Fazit: Einmal werden Flüchtlinge zurückgerufen, doch nur jene, die regimetreu sind und waren; und diametral dazu versucht das Regime unliebsame Geister auf gerissene Art und Weise einzufangen, siehe Sabra. Und in beiden Fällen wird ausgefiltert, eben eine typisch Assad-syrische Akzeptanz-Sache.

Apropos Zugeständnisse:

An der syrischen Mittelmeerküste, genauer in Chmeimim auf der russischen Militärbasis, wurde exakt am 07. 07. 2018 die De-Eskalationsvereinbarung Südsyriens zu Grabe getragen. Der türkische Außenminister Çavuşoğlu appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Russen und der US-Amis. Sie waren ja die beiden Mächte, die diese de-eskalierende Vereinbarung eingegangen waren. Zwischenzeitlich dies: Vor dem Hintergrund der Offensive im Süden Syriens, die vonseiten der Assadleute durchgeführt wird, macht sich unter Türken hörbar die Meinung breit: das Assadregime gehört gestoppt. Es handle sich um “unmenschliche Angriffe!”

Eine Waffenruhe ist ja bekanntlich in Hamburg vereinbart worden – Trump war sogar persönlich anwesend. Und das hört man nun darüber: Nicht wenigen Betroffenen kam die verordnete Waffenruhe eher als Täuschungsmanöver vor. Denn Assad habe in jenem Zeitraum Artillerie und schwere Luftangriffe vorbereiten lassen. An der Bodenoffensive, die sich daraus im Lauf der Zeit entwickelte, hat sich auch der Iran beteiligt. Ergebnis: Massenflucht. Fassbomben. Boden-Boden-Raketen. Tote. Drei Krankenhäuser wurden im Süden des Landes zu Ruinen geschossen, jenes in Saida, al Mseifra und al Dschisa.

Smart News berichtet, während Assad im Süden zuschlagen lässt, sollen Assadtruppen 4 ausländische Ärzte der internationalen humanitären Organisation “Ärzte ohne Grenzen” nahe der Stadt Qamischli im Nordosten des Landes verhaftet haben.
Anscheinend greifen die USA dagegen nicht ein. Sie wollen sich ihren Draht zu Russland halten, wird in der libanesischen an Nahar Zeitung vermutet. Der US-amerikanische Sicherheitsberater John Bolton vermeldete, anstatt sich darüber zu beschweren, was Assads Truppen alles treiben, in Moskau mit russischen Entscheidungsträgern die Sicherheitslage im Süden Syriens besprechen zu wollen, so auch ein Ende der Gewalt.

Liest sich doch gut. Immer ‘schön’ reden vom “Ende”, während andernorts die Fetzen fliegen – und mehr.

Ein weiteres, sagen wir sonderbares, gewiss nicht allein in Syrien so oder ähnlich aufkommendes Ende, sollen nach Angaben der SANA, dem offiziellen Presse-Sprachrohr Assads, Medikamente israelischer Herkunft zur Behandlung von Bluthochdruck genommen haben. Weil die Empfänger sollten, offiziell, Syrer sein, die in Quneitra leben, welches eigentlich schon fast in Israel gelegen ist?
Diese lieben Leute aus Quneitra haben – gewollt oder ungewollt, man weiß es in kriegerischen Zeiten wahrscheinlich nie so genau – ihre Medikamente anscheinend nach Ost-Daraa verkauft. Hier ist gut zu wissen, dass Leute, die aus Daraa stammen, keine Art direkte Unterstützungen aus Israel zu erwarten haben in der Regel.

Ziemlich sicher ist jedoch, dass einige Dutzend Häftlinge, die im Roumieh-Gefängnis irgendwo im Libanon einsitzen, an dem Verkauf von diesen Medikamenten nicht beteiligt waren. Die müssen noch Schlimmeres getan haben als Medikamente auf dem Schwarzmarkt zu verhökern. Das libanesische Militärgericht verhängte nämlich Todesstrafen und lebenslange Haft für diesen Personenkreis. Auch an einige Jugendlichen erging solch hartes Urteil, die noch unter 15 Jahren sein sollen: Mashour al Waer, Abdul Rahman al Waer, Abdullah Zakaria und Sultan Harbasch.
Die meisten der Verurteilten seien zwar Regimegegner, aber keine Terroristen, wird beteuert. Sie wurden im Arsal-Flüchtlingslager bereits 2013/14 verhaftet.
Ganz gewiss haben diese Gefangenen ebenfalls nicht ein 53m hohes Abbild des PKK-Führers Öcalan in der Stadt Afrin abgemacht. Sultan Murad Rebellen waren es nämlich, die das große Poster unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans dort abgenommen haben.

Wundert Sie jetzt etwa zu erfahren, verehrte Leser, dass ausgerechnet eine spanische Firma – trotz der EU-Sanktionen, die gegen Assad & Co verhängt wurden – geneigt sein soll, eine Photovoltaikanlage in Syrien aufzubauen – womöglich, damit ENDLICH wieder rund um die Uhr mit Elektro-’Toys’ gefoltert werden kann?

Das Foltern ist vielleicht die finsterste Seite Syriens, und war schon allein daher vielen Syrern den leider inzwischen recht versauten „Syrischen Frühling“ wert. Folter scheint in Syrien und anderenorts als legales Mittel ‚demokratischer’ Machtausübung verstanden zu werden – seit Jahrzehnten bereits.

Und so haben wir eigentlich nur noch an solch Message, wie die in der Etilaf.org zu glauben, wo in etwa geschrieben steht: Ministerpräsident der syrischen Interimsregierung, Herr Jawad Abu Hatab, sagte in Istanbul beim Treffen mit Vertretern der “Freunde Syriens”, dass die Interimsregierung schon seit zwei Jahren in befreiten Gebieten arbeite. Top-Priorität habe Stabilität zu erlangen sowie einen politischen Prozess innerhalb der Bevölkerung loszutreten, auch Dienstleistungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Lokalräte anzubieten. Konzentriert wird auf 7 wichtige Bereiche dabei, nämlich: Polizei, Justiz, Gesetzgebung, Freie Syrische Armee, zivile Gefängnisse, Behörde für Statistik, Ausweitung von Berufs- und Hochschulausbildung sowie Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen (Wiederaufbau, Sanierung, Verkehrsnetze).
Und: Erstmals wurde eine Frau, Imam Haschem, zur Vorsitzenden des Lokalrats von Aleppo gewählt.
Alles gut und schön, mögen auch Sie hier angekommen im Text denken, nur: Es gehen noch recht viele Sprengsätze in die Luft – landauf, landab. Auch Teile der türkischen Truppen scheinen ein beliebtes Ziel geworden zu sein. Auch wenn die türkische Propaganda von befreiten Syrern berichtet, von denen einige auch willfährig in die Kameras sagen, dass sie sehr dankbar seien, dass die Türkei aushilft. Es ist dennoch gewiss keine Freude, als junger türkischer Soldat an einem der inzwischen installierten Militärposten im Norden Syriens seinen Dienst abzureißen. Es soll genau 12 davon geben. Denn, wie schreibt Julian Röpcke von der Bild-Journal: „Nachdem die USA die moderaten syrischen Rebellen, die sich auf die Garantie ihrer Sicherheit (durch Trump persönlich) verließen, verraten haben, dringen Assad-Truppen, unterstützt von iranischen Milizen & russischer Luftwaffe, schnell vor.”

Außerdem sei mal all jenen gesagt, die glauben oder verbreiten, die USA wollten das Assad-Regime stürzen, dass das wohl ein Märchen des Westens bleibt. Denn die Rebellengruppen erhalten seit Jahren Munition und Waffen plus finanzielle Unterstützung aus Washington, wie uns allen ja bekannt ist. Aber vielleicht ist schon in Vergessenheit geraten, dass all das Geld und Waffen von Uncle Sam unter der Voraussetzung gewährt werden, damit nur Islamisten zu bekämpfen, aber nicht Assad oder seine Verbündeten.

Und auch wenn die Syrer teils gedeckt durch Israel im Süden und andernorts in Syrien Erfolge verbuchen beim Zurückgewinn von einst durch die Freie Armee eroberten Gebiete, so sollte das – ganz dringender Appell an Damaskus – nach Einschätzung der einen oder des anderen Experten/in nicht so verstanden werden, dass Israel nun gleich so eine Art Schutzmacht Syriens ist.
Interessenlagen sind eben veränderlich. Und der gewährte Schutz von gestern, kann schon der heutige Grund für Streitigkeiten sein usw. Soll heißen: Israel hat andere Prioritäten und eigene Interessen. Wem es noch nicht aufgefallen ist, der besehe sich beispielsweise, wie Israel einst Verbündete im Libanon oder in den autonomen Gebieten der Kurden im Irak zur Unzeit, sozusagen, hängen ließ.
Es ist also absehbar, dass auch im Süden, an der syrischen Grenze zu Israel, demnächst ein gehörig anderer Wind zu blasen beginnt – nämlich dem die Einverleibung des Golans voraus- sowie auch nachgeht, und eventuell darüber hinaus noch irgendwo anders in der Region hin weht; oder halt doch lediglich dort vor Angst starr nach oben gestelltes Nackenhaar einer weiteren armen Seele trocknend bläst. Man weiß es eben nie.

Doch gewisse Pläne scheinen geschmiedet. Daran gibt es wenig Zweifel. In diesem Zusammenhang trifft es sich offensichtlich gut, den US-Präsidenten so weit instruiert zu wissen, dass sogar dessen Umfeld ausgerechnet den Iran als größte Gefahr für einen Frieden in Nah-Mittelost ausgemacht haben will. Am 01. August 2018 wird davon berichtet, Trump habe die Absicht, auch Herrn Rohani, den iranischen Ministerpräsidenten, treffen zu wollen, und zwar unter 4 Augen. Bei diesen recht schrägen 4-Augen-Treffen des Herrn Trump mag man doch wirklich mal Mäuschen spielen. Wenn Trump sich unbeobachtet wähnt, was der wohl alles von sich gibt und wie? Bitte, bitte, lasst uns eure Aufzeichnungen schon bald sehen. Bekanntlich hatte er ja solch abgeschirmte Gespräche mit dem “Raketenmann” und dem KGBler schon gehabt, die doch gewiss, so dumm kann sonst niemand mehr sein, das 4-Augen-Treffen mit Trump aufzeichneten!?

Doch was bedeutet es heutzutage noch, wenn Trump jemanden als Dies oder Das bezeichnet? Assad wurde von den US-Amerikanern schon als “Reformer”, “lebender Toter” erkannt – so auch als “sehr erfolgreich” (Mike Pompeo). Immerhin, es könnte durchaus sein, dass die Franzosen es noch draufhaben, einiges auf die Reihe zu kriegen in Syrien, wenn die Vereinigten Staaten mal wieder patzen. Die Berufung des ehemaligen französischen Botschafters von Teheran nach Damaskus ist ja kein schlechter Griff. François Sénémaud, den hat Emmanuel Macron wohl auch zu diesem Zwecke extra zum “Syrien-Vertreter” benannt. Wir reden hier, aber wirklich nur wir hier auf Zypernundmehr-News, von einer Art Eröffnung der französischen Botschaft in Damaskus durch die Hintertür. Sie können das allerdings auch anders bewerten.
Jedenfalls nimmt sich Papa Frankreich den Sohnemann Syrien nochmals näher an die Brust heran. Und dies wird vermeldet, obgleich nicht davon ausgegangen wird, dass Papa Emmanuel etwas gegen die in Idlib kursierende Unzucht machen wird können. Ja, Gesetzlosigkeit, Sittenverfall und dergleichen mehr schrecken die Bewohner dieser Stadt recht häufig auf. Die senden hoch sittlich Hilfezeichen aus. Ob diese Angaben allerdings zutreffen, steht, wie man sagt, auf einem anderen Stück Papier geschrieben.
Und dann an wen, werden solch Hilferufe wohl gesendet in einem Land wie Syrien, an Assad? Der soll doch eh so in etwa zur gleichen Zeit damit beschäftigt gewesen sein, eine Kirche in Sama/Provinz Daraa bombardieren zu lassen. Der christlichen Gemeinde in Kharaba ging es ähnlich, denn an die 10 Bomben fielen denen dort auf den Kopf. Und letzteres Bombardement veranlasste jenes Regime, welches in seiner Propaganda nicht müde wird, sich als Freund von Minderheiten (im Land) zu zelebrieren. “Was immer ihr es auch bezeichnen wollt, Evakuierung, Versöhnung, Verhandlung, es macht sowieso keinen Unterschied. Das Regime und Russland wollen nicht verhandeln, denn sobald es zu einem Abkommen kommt, werden gleich am darauffolgenden Tag Menschen verhaftet. Wir haben das bereits in Homs, Aleppo und Damaskus gesehen und Daraa wird es nicht anders gehen (@ruslantrad).”

Wenn man es sich so richtig überlegt, sind derartige Darstellungen des Regimes eh für Ahmet, Petros, Aischa oder Eva schlecht nachvollziehbar, zumal jedem Syrer bekannt sein dürfte, dass Kurden in Syrien noch nicht mal einen Pass ausgestellt bekamen – die existierten auf Papier nahezu nicht. Und das heißt also auch: dass die Christen Syriens sich offenbar vor der verfehlten Revolution genug in Sicherheit wähnten, und ihr Ding abzogen, also ihr angepasstes Leben lebten, sich aber wenig bis eventuell überhaupt nicht für solche Belange, wie die der Kurden, einsetzten – für ihre Mitbürger. Sie haben wahrscheinlich auch im Vertrauen auf Europa, die USA und wo noch überall Christen leben, gedacht oder angenommen, ihre gesellschaftliche Stellung in Syrien sei auf Grund ihres Christseins mindestens so unangreifbar wie die Stellung Israels im Nahen Osten. Ein etwas fataler Gleichschluss!?

Wahrscheinlich schon, wenn zudem bedacht wird, dass Assad irgendwelche gestrandeten Islamisten ausgerechnet nach Sweida entkommen ließ. Und dort leben bekanntlich viele Drusen. Und Drusen sind irgendwo Muslime und irgendwo gewiss auch Christen, Zoroaster oder Juden, doch vor allem haben sie sich offen und hörbar gegen verordnete Politiken aus dem Haus Assad gestellt. Und tausende sunnitische Flüchtlinge, die wegen der verfehlten Revolution auf Flucht sind, haben die Drusen von Sweida aufgenommen, um deren Not zu lindern. Auch das wurde mit dem Einschleusen von Islamisten in die drusische Gesellschaft bestraft seitens Assad. Die islamistische Saat ging schon fast wie versprochen auf und verursachte den Schaden, den sie wohl verursachen sollte. Dennoch scheinen sich die Drusen von Sweida dieser Gefahr erfolgreich gestellt zu haben. Eine Zeitlang bammelten leblos Menschenkörper an Stricken vor dem dortigen Nationalkrankenhaus. IS-Kämpfer hatte offenbar nachweislich einen Anschlag auf ausgerechnet jenes Krankenhaus geplant, und bammelten dafür geraume Zeit in der Luft am Hals unangenehm beengend fixiert.
Unter anderem hat Walid Dschumblat sowie andere drusische religiöse Anführer dazu aufgerufen, keine geplünderte Waren von den Märkten der Stadt zu kaufen. Denn das Signal ausgeschickt aus Damaskus an die Drusen von Sweida war klar: Wir schicken euch Islamisten, und wenn es sein muss auch geklaute oder geplünderte Ware, nur damit wir zum Zeitpunkt X darauf zurückkommen können, um als Retter, Befreier oder Schützer von Eigentum euch eure Lektion zu erteilen.

Eine Art Strafaktion entließ dann auch Jan Egeland von der UN-Hilfsorganisation für Syrien in die Welt. Er meinte, die Vereinten Nationen könnten der Kämpfe in Süd-Syrien wegen keine Hilfslieferungen aus dem benachbarten Jordanien mehr bringen. Etwas später im Kalender konnte dieses Kunststück aber doch noch umgesetzt werden, also das Bringen von Hilfsgütern aus Jordanien nach Syrien. Hauptsächlich Lebensmittel und Getränke wurden geliefert, und zwar von jemand anderem als der Hilfsorganisation der UN. Vorher war aber in reichlichen Mengen Tränengas versprüht worden seitens jordanischer Grenzer, um die Hungrigen und Durstigen DRÜBEN halten zu können.
Man habe nicht die nötigen Zusicherungen erhalten, dass Konvois unbehelligt durchfahren können, meinte die UN lapidar!
Nun: es gibt da eben Gleichere unter Gleichen – oder so. Weil so ganz zu oder geschlossen ist der jordanische Grenzposten dann anscheinend doch nicht. Zumindest ist er das nicht für die Fernseh-Crew von Al-Jazeera. Denn noch bevor Assad im Süden Syriens zuschlug, konnten die die Grenze noch passieren. Andere Journalisten, die nicht so gut verknüpft sind, stecken womöglich immer noch fest vor Ort.

Sie, verehrte Leser, erinnern gewiss noch den weiter oben genannten Herrn Razzak, den jordanischen Ministerpräsidenten. Nun, er will die jordanische Grenze für Syrer nun einfach nicht mehr öffnen, erzählt er in den Medien. Sein Problem, welches offenbar kein Problem ist: Er selbst ist syrischer Abstammung. Genauer: Er ist der Sohn von Ahmad Mounif ar Razzak, einem ehemaligen Führungsmitglied der syrischen Baath Partei.
“Man kann von diesen faschistischen Baathisten auch nichts anderes erwarten,” twittert Wut entbrannt die syrische Schriftstellerin Rana Kabbani. Omar Muschaweh von der Muslimbrüderschaft twitterte: “Diejenigen, die dem Verbrecher Assad grünes Licht gegeben haben, glauben doch nicht etwa ernsthaft, dass nun Sicherheit in Syrien herrscht. Im Gegenteil. Das Chaos und Instabilität der gesamten Region werden noch prägender werden.” Muschaweh sagte in einem Interview mit Fox News auch, die Muslimbrüder seien keine terroristische Bewegung. Sie seien lediglich fundamentalistisch. Die islamistischen Terroristen hätten seiner Organisation sowie dem Islam keinen Dienst erwiesen.

Apropos Dienst: Georgien hat beiden syrischen Fluggesellschaften “Syria Arab Airlines(staatlich)” und der “Cham Wings (Rami Mahlouf)” den Überflug georgischen Luftraumes verboten. Wir berichteten, dass Damaskus vor Kurzem Abchasien und Südossetien als eigenständige Staaten anerkannt hat. Ob das Willkür ist? Und wenn nicht, ob das Folgende schon eher darunter einzustufen wäre?

Augenzeugen zufolge sollen Truppen des Assadregimes sowie iranische Milizionäre nach einem Versöhnungsabkommen in der Ortschaft Ibtaa/ Provinz Daraa sozusagen zum freudigen Anlass, Massenhinrichtungen vorgenommen haben, und zwar überwiegend von Dissidenten und Militärverweigerern. Insbesondere die Hariri-Familie soll es getroffen haben. Kann gut sein, dass das ferne Verwandte der Hariris sind, von denen einer im Libanon zeitweise regierend an der Macht war (installiert von Saudi Arabien). Gar manch verzweifeltem Libanesen war dieser Mensch, von dem gerade die Rede ist, ausgerechnet ein Lichtblick im libanesischen Dunkel, welches zuweilen tagsüber in gewissen Bezirken Beiruts umgibt – und auch andernorts im Land.

Eine Art Lichtblick steht jedenfalls aber trotzdem am Himmel. Man muss es nur sehen wollen: Eine weitere Konferenz soll im russischen Sotchi abgehalten werden, und dies geschah am 31. Juli. Die Konferenz geschieht somit vor der geplanten in Istanbul, und auch zu dieser wird die USA nicht geladen. Erdogan berief diese Konferenz recht selbstbewusst auftretend ein. Er setzt offenbar zum großen Wurf an: Sieg oder Absturz auf internationalem Terrain! Erdogan glaubt ziemlich sicher noch an sein Gewinnen. Die Chancen stehen gerade wieder gut für ihn und seine Anhänger. In Anbetracht der Tatsache, dass Berlin aus dem Staunen über Betrachtungen des eigenen, selbstangefressenen dicken Bauches nicht hinwegkommt und derzeit gerad noch so einen Blick nach Westen zu werfen im Stande ist, genauer bis nach Frankreich oder auf die britischen Inseln, Spanien ist schon nicht mehr so richtig in Sicht, hat der Sultan namens Erdogan im westlichen Anzug gekleidet mit östlichen Freunden und Träumen umgeben, seine historische Chance.
OK, lassen wir das und kehren wir zu sogenannten Fakten zurück, ja?

BBC Auslandskorrespondent Charlers Lister twittert: Jordanien verhandle derzeit mit Russland darüber, wie eine Friedenslösung im Süden von Syrien aussehen könnte. Es seien sehr schlechte politische Entscheidungen gefällt worden in letzter Zeit. Es werde immer noch an dem Traum festgehalten, dass Russland in der Lage sein wird, den Iran zum Abzug aus Syrien zu bewegen. Lister bezeichnet das als Illusion und spricht davon, dass Instabilität der Region so vorprogrammiert bleibt. Die in Israel herausgegebene Haaretz schreibt unter dessen ganz offen: Assad ist ein Partner Israels. Er war es schon immer.
Anscheinend gehen noch einige mehr Menschen von dieser Partnerschaft aus, zu meiner Verwunderung, dass Assad überhaupt Israels bester Verbündeter je gewesen ist. Und auch daher: Die Rebellen oder/und jene von der Freien Syrischen Armee, sie haben den Kampf verloren!
Siehe zum Beispiel dies: “Der oppositionelle Nachrichtensender Orient News hatte immer eine pro-israelische Haltung eingenommen. Nach der Militäroffensive des Regimes im Süden Syriens hat sich die Einstellung gegenüber Israel geändert. Der Sender berichtet nun sehr kritisch über Israel. Nachdem Israel seine Zustimmung für die Offensive des Regimes erteilt hat, fühlen sich die Unterstützer der syrischen Opposition von Israel hintergangen (@elizrael).”

Was bleibt, unter anderem: Das Assadregime schreckt nicht davor zurück, Flüchtlinge als Waffe zu benutzen, um die Nachbarstaaten und Europa unter Druck zu setzen. Bente Scheller von der Heinrich-Böll-Stiftung: “Erfolgreich [tut dies das Regime], wenn man sich anschaut, wie viele mittlerweile bereit sind, sich mit dem Diktator abzufinden” in Europa. Derweil brüstet sich die Türkei, die Offensive des Assadregimes im Süden jedoch in der Region Idlib, also in Nordsyrien, keinesfalls zuzulassen.

Betrachtet man sich all das mal etwas, befindet sich Assad eigentlich in einer doofen Lage. Falls er den iranischen Einfluss zu sehr einzuschränken gedenkt, wird er zu viel von Russland abhängig. Dann könnte Moskau seinen Rücktritt eventuell leichter fordern. Falls er den Iranern erlaubt, sich in Syrien festzusetzen, dann steuert er direkt auf eine Konfrontation mit Israel zu. Das würde seine Macht voraussichtlich zu sehr destabilisieren. Die Nachkriegszeit zu gestalten, braucht also diplomatisches Spitzen-Gefühl!

International geächtete Phosphorbomben werden noch immer hie und da auf die Zivilbevölkerung abgeworfen, kein großer diplomatischer Wurf – so auch in Bdama, Provinz Idlib wieder geschehen.
Überhaupt: Ein Angriff auf Idlib ist für September geplant. Das schreibt ein syrischer Oppositioneller namens Bassam Jaara. Er berufe sich auf russische Quellen, und beginnen wird all das dann genauer in Gisr asch Schoghour. Diesen Angriff gelte es zu verhindern, weil sonst, so Jaara, könne man die ganze Provinz Idlib vergessen.

Wer auch immer Phosphorbomben auf Menschen abwirft in Syrien. Das hinderte Assad jedenfalls nicht daran, ein weiteres Abkommen mit der YPG, den Kurden, zu treffen. Es geht drin wieder einmal um das Verteilen von Erdöl, dieses Mal jenes vom Omar Ölfeld.

Ob das wirklich interessiert?
Jedenfalls traf dennoch, oder gerade auch deswegen, eine Delegation der so genannten „Syrischen Interimsregierung“ in Berlin mit Entscheidungsträgern des Außenministeriums ein. Unter den Herren und Damen befanden sich beispielsweise Krisenpräventionsbotschafter Ekkehard Brose. Der Herr scheint nicht wirklich Nennenswertes zu erzielen, weil, es geschieht ja seit Jahren letztlich nur, was schrittweise zu einem Großisrael führen dürfte – oder soll etwa angenommen werden, dass die Deutschen genau dieses Projekt aus alter Schuld (NS und so) decken sowie aus gutem Instinkt für neu entstehende Märkte?
Der Herr Hilfskoordinator für den Nahen Osten war auch anwesend bei oben genanntem Treffen in Berlin. Auch er scheint einem besagte Agenda mit zu decken, weil nicht allein ich habe von solchen Leuten in seiner Position noch nie einen Aufschrei beispielsweise dazu vernommen, dass Israel in den letzten 10 Jahren den Palästinensern nahezu ALLE Wasserquellen abgeschöpft hat – zuweilen mit ungeheuerlichen Methoden (juristischen Winkelzügen u.a.), die an Südafrika oder ‘unser’ III. Reich von einst durchaus erinnern.
Und nicht vergessen wird hier, dass die Syrien-Koordinatorin Isabel Mancuso auch noch anwesend war in Berlin. Besprochen wurden anscheinend die Lage in den befreiten Gebieten Syriens sowie die Umsetzung und Finanzierung von Dienstleistungsprojekten.
Womit wir beim Punkt Reparationszahlungen angekommen wären. Denn genau um ein so gestricktes Werkzeug handelt es sich auch hier. Russland und seine Verbündeten bestehen nämlich darauf, dass die Europäer die Kosten für Wiederaufbau Syriens – und dergleichen mehr – stemmen. Wir dürfen also gespannt sein, ob auch nur einer von unseren politischen und wie auch immer gearteten Vertretern in gewissen Gremien, das Maul dahingehend aufmacht, zu fordern, dass dann aber auch Israel sich an den Kosten beteiligen müsse. Dies Letztere eh, zumal es doch wohl israelische und keine EU-Bomber sind, die mit aller Regelmäßigkeit auch zivile Ziele in Syrien (Libanon oder Sinai) beschießen. Auch! (Kann schon sein, dass so eine Bombe oder Bomber irgendwo in der Bundesrepublik gebaut wurden. Doch wenn ihn die Israelis von israelischem Boden auf Menschen und Dinge tödlich loslassen, haben wir wohl immer noch eine Art Schuld, aber halt nicht mehr die Hauptlast dieser Schuld zu tragen!?)

Welch Glück, müsste da eigentlich gleich geschrieben stehen, dass Südzypern diesen schusswütigen Nachbarn zum strategischen Freund auserkoren hat, oder es geschafft hat, ein solcher Nachbar Israel zu sein, sein zu dürfen. Noch werden gemeinsame Manöver durchgeführt – und je verharmlosender berichtet wird von diesen Manövern irgendwo draußen vor Limassol über/unter und auf dem Meer, desto gespitzter stellen sich, geradezu automatisch, Ohren jener, die sich fragen: Und wann wendet sich das Blatt, wann wird die große israelische Gemeinde auf Zypern, die mal Jahrhunderte lang Bestand gehabt haben soll, erinnert und entsprechende Schritte eingelegt?! Noch ist die Unterstützung Israels in und für Zypern kein Thema. Man geht in Nikosia offensichtlich davon aus, dass das eine ausgemachte Sache für den Rest unserer Tage ist. Sehen wir uns in solch Zusammenhang an, was das große Vorbild Netanjahus in den Vereinigten Staaten auf die Bretter, die die Welt bedeuten, bringt.

US-Präsident Trump, der fror nicht nur Mittel für die Unterstützung der bewaffneten Opposition Syriens letztens ein, sondern auch für die zivile Opposition. Es geht bei Letzterem vor allem um Herrn Raed Fares. Er ist der Gründer und Leiter des Radiosenders „Fresh FM“, den sich gewiss Herr Assad täglich anhört, eben weil dort Dinge berichtet werden, die Herrn Assad nicht gefallen. Er scheint ja ein Kluger zu sein, von daher liegt diese Annahme durchaus nahe, dass Assad brav zuhört.
Das Geld, welches die USA vorerst nicht mehr nach Syrien hineinstecken, darf in einer Größe von bis zu 300 Millionen US-Dollars veranschlagt werden. Das Kinderhilfswerk beeilt sich gerade in etwa in die gleiche Presche zu schlagen. Die Zahlungen der Vereinten Nationen UNICEF für syrische Lehrer und Lehrerinnen im Zaatari Flüchtlingslager werden voraussichtlich eingestellt.
Die Einstellung der Zahlungen soll gewisse Gruppierungen nun dazu nötigen, mit terroristischen in ein Bett steigen zu müssen. Na, wenn dem so ist, dann hat man offenbar eh die ganze Zeit über die Falschen mit Dollars hi-gemacht.

So ähnlich sieht das mancher auch, wenn an die Türkei gedacht wird. Weil die wird dabei beobachtet, trotz trumpschem Verbot, wie iranische Ölfrachter mir nichts, dir nichts den Bosporus hochtuckern, bis ins Schwarze Meer, wo ja Herr Erdogan herkommt, um dort ihr schwarzes Gold einzuspeisen – zu, versteht sich, Sonderkonditionen, nehmen wir hier an, weil man halt doch, trotz allem, Muslim ist, weil Krieg in der Nachbarschaft herrscht, und weil die Gemeinschaft der Muslime dann halt doch bestehen soll; weil Trump nicht gemocht wird, der Westen, das Messen mit 2 verschiedenen Längen im Westen einem bis über den Rand steht etc.

Und wenn alles seinen Weg nimmt, wie Allah es bestimmt hat, dann wird Aleppo schon bald unter der Führung der Türkei stehen, so auch Idlib. Dafür kriegen die Kurden dann Hassake und Raqqa? Und letzteres unter US-amerikanischer Protektion? Unwahrscheinlich, was die Yeni Şafak aus der Türkei im Nachrichten-Jungle gehört haben will. Was Aleppo und Idlib angeht, sieht es aus hiesiger Sicht ähnlich aus. Die Russen werden solche Entwicklungen nicht greifen lassen, wenn sie dafür NUR Latakia und Umgebung erhalten.
Und wo soll dann der ‚gute‘ Assad hin? Wenn Sie mich fragen, würde ich spontan sagen: an die israelische Grenze nach Daraa bestens. Nahe zu seinen Waffenfreunden, den Israelis. Die können ihn von dort aus auch besser beschützen – und er sie, zum Beispiel im annektierten Golan. Mit etwas Glück könnte aus der Stadt Damaskus und seiner Umgebung dann so etwas wie eine freie Zone werden, eine des Handels und Tourismus plus Landwirtschaft. Könnte!
Wird aber wohl nichts werden, vielleicht aber für kurze Zeit ein bisschen.

Noch sieht es allerdings so aus, dass Frankreich und Russland erst erste Versorgungsflüge nach Syrien flogen. Nach der russischen Militärbasis wurden 50 Tonnen Medikamente usw. geschickt. Nach Ghouta hatte Frankreich vor ein paar Monaten abgelehnt, Hilfe zu verschicken. Warum tun es das nun, fragt man sich? Könnte etwa sein, dass Paris die Seiten gewechselt hat und von jetzt ab mit Russland gemeinsam in den Ring steigt, um das ‘Böse’ zu besiegen? Man wird sehen, ob die französische Kooperation mit dem syrischen Roten Halbmond klappen wird. Der ehemalige französische Botschafter in Syrien, Michel Duclos, hat da so seine Zweifel!

Und wussten Sie, wer die Stimme von Assad im deutschen Bundestag ist? Natürlich, wie könnte es auch anders sein, haben wir es nicht immer gewusst, dass es eine Frau nur sein kann, eine eingewanderte Deutsche? Stellen Sie sich das nur vor, die soll sogar, ja wirklich, die hat kurdisch-alawitische Wurzeln. Na, dass die uns nicht voll und ganz zum Assadclan zu rechnen ist, diese Sevim Dagdelen. Schlecht übersetzt, bedeutet ihr Name eh in etwa: “Ich liebe es, Berge zu durchlöchern!” Der Vorwurf, Assads Stimme im Bundestag zu sein, stammt von Mitgliedern der SPD und der Linksfraktion.

Die sollen sich mal wieder einkriegen, stimmt’s? Der Großmufti Syriens Ahmad Badr Eldin al Hassoun, dem ist Gleiches zu wünschen. Er fordert nämlich eine strafrechtliche Verfolgung der Weißhelme, von denen eigentlich zu viele ihr Leben lassen. Einige von ihnen konnten den Süden Syriens nicht rechtzeitig verlassen und saßen dort fest. Inzwischen scheinen alle Weißhelme nach Jordanien evakuiert worden zu sein. Al Hassoun bezeichnet die Weißhelme indes als Terroristen, macht sie für den Einsatz chemischer Waffen verantwortlich. Fakt ist aber, mal abgesehen von dem einen oder anderen dunklen Seelchen innerhalb der Weißhelme, dass sie es letztlich sind, die durch und mit ihrem Einsatz für das Leben in Krisengebieten wie dem Syriens gewissermaßen aus erster Hand berichten können, über das, was abläuft – und diese Zeugenberichte gefallen einfach nicht allen Beteiligten.

Zuletzt: Die EU-Kommission will, dass weiterhin Syrer in der Türkei eine Ausbildung machen. Dazu gibt es weitere 400 Millionen Euro. 6 Milliarden Euro können allerdings noch investiert oder abgerufen werden.
Da fragt man sich schon, was diese 400 Millionen sollen?
Bekanntlich wird in der Türkei vor allem auf Türkisch unterrichtet. Arabisch und Türkisch sind zwei komplett verschiedene Sprachen. Sie teilen sich nur einen gewissen Wortschatz, der vordringlich noch aus der osmanischen Zeit stammt. Soll bedeuten: Mit 400 Millionen Euro können eigentlich nur allererste Schritte eingeleitet werden.
Spannend wäre zu erfahren, was die Türkei genau zu tun gedenkt nach dem Erhalt des Geldes, um junge Syrer einigermaßen adäquat ausbilden zu können? Von Unterschlagung spricht hier niemand. Doch ob das Geld dem genannten Zweck gemäß Verwendung finden wird, das werden wir vielleicht nie erfahren. Mit den jetzigen Leuten in Brüssel sowieso nicht. Die wollen einfach nur, dass der Laden läuft. Doch das reicht schon seit Längerem nicht mehr.

Hisuf!

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