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Archive for November 2018

Heute mal etwas aus der Welt der Museen und der Kunst.

Wir freuen uns, Ihnen den Künstler Herrn Dimitris Alitheinos in einem Interview mit Marina S’chizo in der Politis vom 28. Oktober auf diese Weise vorstellen zu können.

Es geht in dem Interview um eine Ausstellung von Alitheinos im Archäologischen Museum Limassol (AML).

Übersetzung aus dem Griechischen stammt von ADH.

 

 

“…

Das Vergangene, das Kommende, Wir”.

Das ist der Titel der Ausstellung, die was genau darstellt?

Die Beziehung zu gestern, heute und morgen. Ich glaube, Zeit gibt es nicht, sondern alles ist in einer hypothetischen Beziehung [zueinander].

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Welchen Unterschied macht der Ort, wo du deinen derzeitigen Beitrag hin verfrachtest?

Ja! Sicher kommt [auch] dieses Mal Freude auf, die Freude, im AML zu sein. Gewöhnlich, wenn du eine Ausstellung machst, ist der Ort weiß. Es gibt da übrigens nichts an solch einem Ort, was dich festlegt. Gehst rein und bist dich, das Werk und das Umfeld.

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Und beginnst vom Nullpunkt.

Genau!

Die Werke werden ja gewöhnlich in Ateliers hergestellt; sprechen oder sprechen eben nicht.

Letzteres ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls ist es etwas, was außerhalb des Ausstellungsortes entstand. Der einzige Dialog, der so erschaffen wurde, ist der zwischen den Werken und den Betrachtern – oder unter den Werken selbst.

Es ist eine Beziehung, die sich auf‘s Heute richtet.

Doch: In einem archäologischen Museum gibt es Mythen und Objekte von vor dieser Zeit.

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Wie entwickelt sich dieser Dialog des Alten mit dem Heutigen, um uns dann hier im AML landen zu lassen?

Mich interessiert immer der Dialog mit dem Alten auf Grund der Physis meiner Arbeit sowie meiner Gedanken. Bereits seit Anfang der 70er Jahre mache ich Performances, wie im Tempel des Ifästos, in der archäologischen Stätte der Agora, im alten Olympia usw. Obwohl ich zu jener Zeit den Umsturz [dessen, was sich dort an Altertümlichem befand] inszinierte, die Wurzel [letztlich], die „Klassik“ mit der Sprache der Kunst, wusste ich jedoch, dass das nicht vollends sein kann, ohne seine Verbindung mit der Geschicht und dem historischen Fortgang.

Das heißt, was ich wiederhole, nämlich, dass „Neues alt sein muss, um zu sein“!

Letzteres ist, an was ich glaube, sagen wir, schon immer.

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Das Alte im Sinne von Erinnern?

Im Sinne von Erfahrung, der Geschichte, der Entdeckung. Mit allem, was wir sahen, alles war wir erreichten, nicht nur als Volk, sondern im Allgemeinen als die Art namens Mensch. Mit dieser Einstellung und derart ein archäologisches Museum betretend, betrittst du einen energetischen Ort gefüllt mit Anstrenungen und Schweiß des Menschen – im Gegensatz zu modernen Museen.

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Voll Erinnerung, Geschichte, Energie …

Und darüber hinaus alles mit Zeit und Mythos.

Was ich ins AML bringe, um das AML in ein Kunstwerk zu verwandeln, muss mit Mythos geschehen.

Kann sein, dass das klappt oder eben nicht.

Aber:

Im Museum selbst sind die Objekte ja bereits mit einem Mythos behaftet. Das einfachste Objekt hat dort sein Geheimnis.

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Aus welchem Grund hast du das AML gewählt?

Das ist nicht von Belang, weil ich glaube, dass alle archäologischen Museen ein Teil eines größteren Museums sind. Es ist Letzteres wie ein riesiges Gebäude mit vielen Räumen. [Das trifft auch zu, w]enn ich vom Archäologischen Museum in Nikosia ins AML gehe, auch, wenn die Gebäude tausende Kilometer und Stunden Fahrt auseinanderlägen.

Wenn ich also ein Museum betrete, ist es als besuchte ich irgendein Haus, in das ich wieder hineingehe. Ich beginne einfach einen neuen Dialog in einem weiteren Raum.

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Du kreierst jedes Mal eine neue Beziehung?

Die Beziehung ist endlos, weil sie fließt. Von einen gewissen Punkt aus änderst du dich als Persönlichkeit und siehst ES unterschiedlich; und andererseits, falls du dich änderst, ändern auch DIE sich.

Das Wissen kommt langsam, ganz langsam.

Diese Objekte [in Museen] sind voller Geheimnisse. Es ist irgendwie falsch zu sagen, du denkst, sie zu kennen. Sie haben einen Mythos. Es braucht Zeit. Wissen verlangt Zeit.

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Dinge, die langsam entdeckt werden, analog zu dem bestimmten Moment …

Hauptsächlich durch Wiederholung, die Erfahrung, meine Interessen.

Der Moment spielt die Hauptrolle.

Als ich Student war in der S‘choli Kalou in Athen gingen wir mittags ans Archäologische Museum und zeichneten. Oft ging ich ins obere Stockwerk, wo die Werke aus Santorini zu finden sind und stand Stunden vor den Wandgrafiken des Raumes der Anixi [Göttin]. Sah die Grafiken und fühlte, dass dort inmitten derselben es etwas gibt, was ich nicht sehen kann. Ging jedes Mal dorthin ins Museum und jedes Mal verließ ich es mit derselben Frage. Ich stand vor einer geschlossenen Kiste, die nicht geöffnet werden konnte.

10 Jahre vergingen, ich war noch in Paris, als ich zurück an diesen Ort kam. Als ich die Grafik sah, öffnete sich die Kiste und das Geheimnis in ihr war zu sehen.

Alle altertümlichen Objekte tragen ein Geheimnis mit oder in sich – vor allem die archaischen. Es reicht, dass du ungezwungen vor ihnen stehst und sicherlich wird sich dir etwas erschließen.

Mich in ein Museum begebend, weiß ich, dasss ‚jemand‘ auf mich wartet. Worum ich mich [daher] zuerst kümmere, ist Freund zu sein [mit den ausgestellten Objekten im Museum].

Und weil das Museum voll mit Zeit ist, und weil ich mit der Zeit befreundet bin, ist es logisch, vermittels meiner Ausstellung [auch] meinen Freund zu erwähnen.

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Und was geschieht?

Es passiert die Vergangenheit, das Kommende, Wir.

Wir, die wir der Moment sind.

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Wie wird dieser Moment bestimmt?

Die Frage ist:

Wie legt sich die Quintessenz des Augenblicks fest.

Warum, wenn der Moment das Jetzt ist, gibt es in ihm nicht-erfahrene Augenblicke?

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Der passende Moment wird wie bestimmt?

Darin liegt das große Spiel des Menschen mit seinem Leben, mit seiner Zeit, mit seinen Fähigkeiten. Ich denke, was man zu erlernen hat von kleinauf, ist den passenden Moment erfassen zu können.

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Ich nehme an, dass dieser passende Moment aus Erfahrung anderer Momente sich feststellen lässt.

Sicher.

Und bevor jemand denkt, dass alles seien lediglich Theorien, tut er gut daran, den passenden Augenblick herauszustechen: um zu suchen, Liebe zu machen, zu essen, zu lieben, zu hassen.

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Hast du die Antwort darauf gefunden, was Zeit ist?

Zu etwas, was es nicht gibt, wie kannst du dazu eine Antwort geben?

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Zeit gibt es nicht. Sie ist eine menschliche Erfindung und bedient menschliche Bedürfnisse. Was ist jenes, welches wir als ‚Zeit‘ definieren?

Es sind die begrenzten Grenzen unseres Lebens.

Von A bis Z.

Links, vor dem A gibt es das Unerfahrene; recht, nach dem Z herrscht Chaos.

Um tiefere Begrenzungen besser zu kapieren: entweder begannen sie vom Tag, an dem die Menschengeschichte losging, oder du legst sie anhand deines persönlichen Lebens fest.

Ich kann das nicht festlegen, auch nicht das Raum-Zeit-Ding anders denken.

Stell dir vor, eine Antwort zu suchen auf die Grenzen des Weltalls. Diese Antwort kann dir niemand liefern. Und so kannst du auch nicht sehen, wo das All aufhört – kannst daher auch nicht die Zeit festlegen.

Zeit und Raum können nur bestimmt werden, wenn da Bewegung ist.

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Wie bestimmt sich Zeit in deinem Werk?

Aus der Bewegung und dem Ticken der Uhren.

Uhren, viele Uhren, manchmal mit Dreck bedeckt, manches Mal gebunden in Bündeln, einem Flüchtling gleich, das bezieht sich auf den Mensch [was ich da eben sagte], also, den der Zeit Flüchtige.

Ihren Tick-Tack hörend, fühlst du den Fluss, den Moment, der vergeht.

In einem der Werke der Ausstellung gibt es eine menschliche Statue, auf deren erhobenen Hand eine Taube sitzt, die sein Ohr im Herzen berührt, als ob versucht würde, das Herz zu hören. Letzteres ist unsere wirkliche, unsere einzige Uhr. Von der Geburt an stellt diese Uhr fest. Sie ist der Messer unserer Zeit. Wenn wir ihr Tick-Tack jeden Morgen aufmerksam hörten, wenn wir daran denken würden, wie sehr wir ES wertschätzen, dann würden wir weiser sein.

Indes das Tick-Tack, welches wir in unseren Händen fürchten, läuft selten mit unseren Herzen synchron.

Die Taube im Werk beugt sich, um dem Betrachter zu zeigen, dass er zuzuhören hat, und zwar seinem einzigen Zeitmesser, dem Tick-Tack seines Herzens.

Ich vermute, wenn das Ende erreicht ist und du fühlst, deine Uhr bleibt stehen, dann wird dir bewusst, dass du ein anderes Tick-Tack hörtest als jenes, dessen es bedurft hätte.

Es ist irrig anzunehmen, dass der Tod nie kommen wird, wo er doch das einfachste Etwas ist, dem du begegnen kannst.

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Und darauf haben sich alle Theorien aufgebaut in Pholosophie und Religion, nämlich darauf, dem Menschen zu zeigen, dass er sterblich ist – weniger schmerzlich.

Das Schlechte ist, dass die meisten Religionen, speziell die monotheistischen, anstatt den Gläubigen zu sagen, „du bist sterblich, freu dich deines Lebens!“, sagen, „lach nicht, freu dich nicht, lieb nicht, pass auf und warte dein Ende ab – noch bevor du geboren wurdest“.

Im Altertum verstanden sie das Leben anders.

In den Garten des Museums tretend, gibt es rechts ein Mosaik, welches in der Mitte die Göttin Afrodite hat, die ihr Haar öffnet. Und Eros hält ihr den Spiegel.

Da war auch irgendwann mal auf dem Boden eines Hauses ein nackter Eros, der keine Schande fühlt.

So etwas gibt es in den monotheistischen Religionen nicht. Dort herrscht Unterdrückung!

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Warum denken wir stets, die Vergangenheit sei besser als die Gegenwart?

Wir beziehen uns nicht mit irgendeiner Vergangenheitsgeilheit auf jenes, was zuvor war.

Die Kultur produziert Kunstwerke, die wir sehen und bestaunen, ohne dass das bedeutete, viele der heutigen Werke seien nicht bewundernswert – oder dass es kein Morgen gäbe.

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Deine Herangehensweise hat mit dem Gedanken zu tun. Wessen ist dieses Denken, wo sind wir abgewichen?

Wir produzieren keine Kultur, die die Fortsetzung dessen ist, was wir erhielten. Ohne die Vergangenheit zu idealisieren, fahren wir die Gegenwart beurteilend in Richtung gewisser Schlussfolgerungen.

Den Marmor betrachte ich nicht nostalgisch, aber was wir heutzutage als Griechen oder als Bürger dieser Welt tun, sehe ich als Stroh an.

Ich sehe nicht, dass sich etwas kuturell ergibt: in der Kunst, ökonomisch, philosophisch, egal auf welchem Gebiet.

Ich seh da keinen Vorschlag.

Was ich lediglich ausmachen kann sind persönliche oder kunsttechnische Machenschaften – im weitesten Sinne.

Eitelkeit ohne Grenze!

Es herrscht Gleichschaltung!

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Welches ist das erste Werk, dass der Betrachter zu sehen bekommt, wenn die Ausstellung betreten wird?

Im Garten des Museums sind 3 Werke: „der Charme des Stürtzens“, „die Sarkophagen“ und „Mosaike“.

Ersteres ist eine Anspielung auf die einzigartigen umgefallenen Säulen des Säulengangs des Olymp. Dieses Werk besteht aus 11 Ballen Stroh, die gewaltsam auf den Boden fielen. Es besagt, dass jenes, welches wir überreicht bekamen, eine Kultur aus weißem Marmor war und diese Kultur haben wir zu Stroh gemacht.

Die Sarkophagen sind zwei Reihen aus Felsen wie Sarkophagen und dazwischen gibt es 4 zusammengepresste Autos – neuartige Sarkophagen. Sie beinhalten zusammengepresst alles, was ihre Besitzer lebten.

Auf der anderen Seite des Gartens bilden Mosaike ein römisches Mosaik und 2 bunte Würfel [sind auch dort].

Aber was ist wohl im Museum [dahinter]?

Besser ihr kommt mal nachsehen?“

Der Link unten führt virtuell zum Werk des Künstlers!

https://www.youtube.com/watch?v=rgTyBUsfb1c

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Mari

Eine Übersetzung von ADH eines Artikels der Nasa Pataniou, 28 Oktober 2018, Politis

 

 

 

“Das Dorf Mari oder Marin (Marini)

Ein Dokument aus dem Jahr 1487 bringt neue Erkenntnisse über das Dorf „Mari“ zutage sowie einen seiner Feudarchen, der aus der Familie der „Kornaros“ stammt.

Wie wir in der Folge untersuchen werden, erwies König Peter I. Lusignan dieser Familie im 14. Jahrhundert die Gunst, und trat das Bistum Limassol an sie ab sowie die nähere Umgebung. Dieser Strang der Kornaros nahm später den Namen „Bischof von Kornaro“ an; genauer: sie beherrschten als Feudalherren das „Bistum Limassol“ sowie die nähere Umgebung.

Es ist stark davon auszugehen, dass zu jenem Zeitpunkt auch Mari an diese Familie überging. Wir haben dazu allerdings keinen Nachweis.

In den Tagen des letzten frankophonen Königs Zyperns, „Jakobus II. Lusignan“, wurde das Dorf Mari von ihm persönlich an einen Florentiner übertragen, der als Konsul seiner Stadt auf der Großen Insel [Zypern] tätig war.

Letzteres schloss allerdings nicht aus, dass das Dorf erneut an die zuvor genannte Familie zurückfiel, und zwar unter der Regentschaft der „Königin Äkatherina Kornaro“ – zumal ein Dokument aus dem Jahr 1487 als Feudarchen des Dorfes ein Mitglied des Bistums der Kornaro angibt.

Das Dorf Marini oder Marin, welches Mari wurde

Das Dokument aus dem Jahr 1487 ist bislang das älteste, indem das heutige Dorf Mari als „Marini“ auftaucht. Das Dorf grenzt an den Vasila-Fluss, dessen Name im Altertum „Tetios“ war. Und hier hat die „Heilige Eleni“ Anker geworfen der Legende zufolge, die uns „Leontios Machäras“ überlieferte. Bezüglich der Ankunft der Heiligen Eleni wird in unserer Zeit geschrieben, dass Mari an dem Fluss Vasila unmittelbar lag. Zu der Zeit der Latiner wird diese Gegend auch als Ankerplatz bezeichnet, wo Schiffe anlegten, um sich mit Wasser oder Nahrung zu versorgen – und oftmals fielen diese Dieben oder Piraten zum Opfer. Und genau daher betrieb man in dieser Gegend unter den Venezianern eine leicht-ausgestattete Reiter-Kompanie, die die Seefront schützte. Von ihnen nehmen wir im Jahr 1564 ganz spezifisch Notiz … . Türkische Piraten gingen in der Gegend ebenfalls vor Anker und stohlen große Mengen „Charoup“ Die Einwohner hatten diese gesammelt und in Säcken verstaut. Es gab dafür keinen Lagerplatz

[Charoup sind wahre Vitamin D-Bomben, die aussehen wie plattgedrückte, raben-schwarze Bananen und hängen meist dicht und in großer Zahl am Baum. Diese Bäume gibt es noch heute sehr oft zu sehen in Zypern. Charoub werden des hohen Vitamin-D-Gehalts von der Wissenschaft und der Nahrungsindustrie gerade wieder entdeckt als ergänzendes Nahrungsmittel und als Medikament].

Mari könnte der ‚Siedlungs-Nachfolger‘ des altertümlichen Mari sein, wenn diese Angelegenheit und jene mit dem Diodoros, dem Sizilianer, geklärt ist. …

„Das Meerreich Kitti sowie Mari sind zu kaufen … .“

Dieses Zitat gibt einen Umstand wider, der uns sagt, dass beide Städte an der Küste lagen. Indes ist das wissenschaftlich noch nicht bewiesen durch Ausgrabungen.

Zuletzt: Das altertümliche Mari lag in der Polis von Chrisochous und nahe Arsino‘i.

In der Geschichtsschreibung des Florios Voustronios, welche Mitte des 16. Jahrhundert zusammengestellt wurde, wird das Dorf „Marin“ genannt. Und als Marin wird es auch auf der Karte des Leonidas Attar aus dem Jahr 1542 aufgeführt. Dieses Dorf wird auch in 4 venezianischen Katalogen erwähnt – sowie auch andere zyprische Dörfer. Unter den Venezianern gehörte Mari zur Provinz Mazotos. Den Venezianern unterstand der größte Teil der Siedlungen in der genannten Provinz. Sie umfasste an die 48 Siedlungen, von denen an die 20 im Lauf der Zeit verschwunden sind.

In 3 von den 4 venezianischen Katalogen wird Mari als Marin aufgeführt – und in einem der drei als Mari. Im 4. Katalog aus dem Jahr 1565, indem auch eine Registrierung aller zyprischen freien Landwirte sich befindet, sowie Franken [Franzosen] von Bedeutung und das Dorf. Wie zuvor bereits gesagt: Sie alle waren als zu Marin gehörig bezeichnet worden.

Zu jener Zeit gab es 36 Franken gemäß der Registrierung, doch ihre Anzahl dürfte vermutlich größer gewesen sein. Nicht registriert waren weibliche Kinder, wie auch die Kolonisierten [Zyprer]. In jeder Ortschaft gab es jedoch gewöhnlich eine größere Anzahl Kolonialisierter als freie Landwirte.

Das oben Gesagte in Betracht genommen, könnten wir sagen, dass Mari unter den Venezianern insgesamt ungefähr an die 100 Einwohner gehabt haben dürfte.

Die Familie des Feudalherren Loukas Karnaros

Der Feudarch Loukas Karnaros, der Mari im Jahr 1487 erhielt, hatte den Frederiko Kornaros der Familie des Bischofstums Kornaros adoptiert, der gleichzeitig der frankophone König Peter I. Lusignan von Zypern war.

Petros I., als er Europa umfuhr im Jahr 1365 mit dem Versuch ausgestattet, seine Herrschaftsbereiche zu vereinigen, um einen erneuten Kreuzzug zu organisieren und um gegen die Ungläubigen vorzugehen zur Befreiung des Heiligen Landes, kam [dergestalt] auch in Venedig an.

Frederikos Kornaros ließ dem König von Zpyern damals eine große Gastfreundschaft zuteil werden und lieh ihm für die Ausgaben des anstehenden neuen Krieges einen großen Geldbetrag. Das Wichtigste aber ist, dass Petros I. In Folge dieses Kredits ihm das Bistum Limassol überreichte zusammen mit Bereichen, die über Limassol hinausreichten, sowie das teure Wasser, welches hauptsächlich der Fluss Kourri bereitstellte.

Frederikos Kornaros – seine Brüder und die Kinder, sowie auch Loukas, wurden dergestalt sehr nahe mit Zypern verbunden – vor allem mit dem Anwesen in Episkopi, dessen Name sie als Titel vor jenem der Bezeichnung Kornaros setzten.

Die Bischöfe namens Kornaros hinterließen in Zypern ihre Spuren, und zwar [vor allem] mit dem Anbau von Zucker im Bistum Limassol.

Untersuchungen, die dieser vorangehen, wie auch archäologische Ausgrabungen, geben uns wertvolle Hinweise auf Zuckerraffinerien, welche die Familie „Cornaro Piscopia“ von Episkopi im 14ten und 16ten Jahrhundert betrieb.

Die Kornaros von Episkopi, wie sich aus dem Material aus dem Altertum erschließen lässt, welches uns zur Verfügung steht, beherrschten als Feudalherren nicht nur Episkopi und Alyki bei Limassol, sondern auch das Dorf Morfu.

Der Staat Venedig interessierte sich mittels Konsulen und mittels Abgesandten, welche ihn vertraten auf Zypern, für seine Untertanen. Diese lebten auf Zypern. Doch vor allem interessierte dieser Staat sich für die Belange der Familie Kornaros … .

Die Kornaros hatten oftmals Auseinandersetzungen und Streit mit den Johannitern [Orden], welche Kolossi beherrschten, und zwar wegen des Wassers, welches sie zweifelsohne beanspruchten.

Marios und das Dorf Mari oder Marini

Ausgeschlossen kann nicht werden, dass der Name des Dorfes irgendeinem Feudalherren einst gehörte, oder eine Siedlung den Namens „Marino“ trug, wie oben bereits erwähnt wurde – „Marini“. Das Dokument aus 1487 zur Regentschaft der Königin Äkatherina, gerade 2 Jahre bevor sie den Thron verließ, diesen Zeitpunkt betreffend erreichten uns Neuigkeiten und unbekannte Hinweise über ein weiteres Besitztum der Kornaros, und zwar in der Gegend Limassol. Jenes Mari, welches wir weiter oben in einer Quelle als Marini bezeichneten, gehörte als Besitz dem Loukas Kornaros, demjenigen Loukas der Familie Kornaros (Piscopia). Am 18. September 1487 beziehen sich der Rat und die Vorsitzenden Zyperns auf dieses angesprochene Dokument, und zwar, dass Lukas Kornaros 220 Dukaten Steuer den Venezianern zu bezahlen habe für das Einkommen, welches er aus seinem Besitz zog – im Dorf Mari(ni). … .“

Mari ist eigentlich ein sonderbarer Ort für mich.

Weil im Dorf drin war ich meines Wissen noch nie.

Eigentlich ein Unding, wenn man bedenkt, wie lange schon auf der Insel verkehrt wird, und dies keine 10 km entfernt von Mari. Fahre nahezu täglich daran vorbei, sei es auf der Landstraße, die auch nach Limassol führt, oder auf der Küstenstraße, die von der Ortschaft Zygi nach Mari führt an einem Zementwerk vorbei – oder weiter oben nach dem Akti Kivernikou führt beispielsweise.

Vor Mari gelegen hat sich schon seit Längerem etwas Industrie angesiedelt. Überhaupt redet die Regierung davon, nein, sie lässt es bereits umsetzen, ausgerechnet dort in der Gegend so eine Art industrielles Zentrum entstehen lassen zu wollen.

Inzwischen dient dieser Ort und sein Hafen als Umschlagplatz für Gas. Das soll sich angeblich lohnen, diesen Rohstoff dort zwischenzulagern, um ihn dann nicht etwa Richtung Europa, sondern Richtung Asien zu transportieren. Stammen tut das teuere Gut aus Russland.

Mari ist auch der Ort, als vor ein paar Jahren Zypern unter Xristofias kommunistisch regiert wurde, ein verheerendes Unglück geschah mit mehreren Toten. Es hatte sich eine Explosion ereignet, die sogar in Psematismenos, wo unser Hauptbüro ist, bei einigen Häusern die Scheiben in den Fenstern in Brüche gehen ließ.

Da fahre ich jetzt mal hin.

Es ist gerade 14 Uhr.

Würde mich nicht wundern, wenn es dort sogar ein Cafe gibt, welches es angeblich nicht geben soll.

Überhaupt wird über Mari gern so berichtet, hat es den Anschein, als sei es der langweiligste und abgelegenste Ort auf Zypern.

Das wird mir erst jetzt bewusst, wo darüber geschrieben wird.

Gespräche auf der sogenannten „Zygi-Crossing“ und im dortigen Cafe mit Spieler, Bauern und Geschäftsleute verstärken diesen Eindruck wohl – und nicht wenige von ihnen stammen aus dem nahe gelegenen Mari.

Dieser indirekte Eindruck vom Hören-Sagen über Mari mag nun ENDLICH etwas direkter eingeholtt werden!!!!!

Es gibt kein Cafe! Jedenfalls konnte ich keines ausmachen! Fremdarbeiter scheinen dort vermehrt zu leben, wahrscheinlich, weil in Mari die Mieten günstiger sind als in Zygi – noch!

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