Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Zypern’ Category

Premierminister Erhürman der Türkischen Republik Nordzypern beklagt, es existierten keine Statistiken, auch keine Studien, die belegten, dass der Norden einen wirklichen Bedarf an 16 Universitäten habe. Auch bezweifelt er die kursierende Zahl Studierender im Norden von in etwa 100.000 für das Semester 2017 – 2018.
In den Universitäten des Nordens von Zypern arbeiten gewissen Angaben zufolge in etwa 4.529 Lehrer und 101.000 Studenten studierten; 55.000 davon sollen aus der Türkei kommen und rund 13.000 Studenten seien Türkischzyprioten.

Die genannten Werte verraten uns schon mal eine zahlenmäßige Dominanz von sogenannten Festlandtürken, die in türkisch-zyprischen Universitäten eingeschrieben sind.

Und ja, das Dominieren einer Sache, wie Sie wahrscheinlich schon ahnten, ist offenbar eines der Themen oder Dinge, die Türken im Allgemeinen und derzeit ganz besonders anscheinend sehr interessieren.
Şener Elcil von der Gewerkschaft KTO hat – vielleicht auch dieses Dominanz-Phänomens wegen – gleich 24 Fragen an das türkische Außenministerium gerichtet, und zwar klugerweise bezüglich Afrin in Syrien – aber gewiss spricht er derart, unausgesprochen sozusagen, die Verhältnisse in Nordzypern an, vermuten wohl nicht wenige.
„Werdet ihr keine türkischen Staatsangehörigkeiten in Afrin verteilen? Werdet ihr keine Bevölkerungsgruppen dorthin oder von dort weg transferieren? Werdet ihr den Plätzen und Straßen von Afrin keine türkischen Namen verpassen? Werdet ihr keine Komitees einrichten, welche das Land der Leute [an andere] verteilt? Werdet ihr Afrin nicht plündern? Werdet ihr die Währung nicht außer Kraft setzen und die Türkische Lira einführen? Werdet ihr keinen Kommandanten berufen, der aus der Türkei kommt und dafür sorgt, dass lokale Polizisten in der Hierarchie nicht aufsteigen? Werdet ihr nicht die schönsten Plätze Afrins euren Unterstützern anbieten?“
Kann also gut sein, dass Herr Elcil das Zitierte so geschrieben oder formuliert hat. Der Zweifel, den Sie hier bereits heraushören, ist darin begründet, dass das obige Zitat Beiträgen dem Press and Information Office des Südens entnommen ist. Weil, hier wird angenommen, dass Herr Elcil wahrscheinlich eine Familie hat. Und sollte er obige Fragen so formuliert und in die Öffentlichkeit entlassen haben, ist nach einer weiteren Bleibe für sich und die Seinigen sich vorsichtshalber schon mal umzusehen, bestens im Süden, wahrscheinlich die Pflicht eines jeden verantwortlich handelnden Familienvaters. Vielleicht gehen ja auch seine Kinder bereits, so er denn welche hat, im Süden zur Schule. Letzteres, dass Kinder aus dem Norden im Süden Schulen besuchen, ist ein gängiges Phänomen unter sogenannt echten Türkischzyprern, vor allen unter jenen, die nicht allzu entfernt von der Grenze in den Süden leben. Das ist dort wirklich sehr populär, wahrscheinlich chic. Politisch eher links zu verortende Türkischzyprer lassen sich vor allem auf diese Möglichkeit ein, auch, um ihre Kinder im international akzeptierten europäischen Teil der Insel europäischen Standards zu unterziehen – und derart wird auch Sorge getragen, dass die Kleinen mehrsprachig aufwachsen, wie es sich heutzutage für weltoffene Menschen gehört, und um Karriere machen zu können etc.

Apropos KTO: Die demonstrierten mal wieder. Diesmal war es vor der Türkischen Botschaft im Norden Zyperns, also in Nord-Nikosia, und das geschah noch Anfang-Mitte des Monats Juli 2018. Demonstrierten, weil Erdogan, wie bereits in Part 1 und 2 dieses Berichts berichtet wurde, ja die Insel besuchen kam. Die fanden es überhaupt nicht amüsant, dass er auch noch – und ausgerechnet – eine Moschee einweihen ging, die wiederum ausgerechnet ebenfalls „Hala Sultan“ getauft wurde, und zwar in einer Gemeinde namens Haspolat. Das Original mit diesem Namen steht nämlich im Süden und ist so etwas wie ein Pilgerort für nicht wenige Muslime in der Welt, da die Tante des Propheten Muhammad sich dort mal temporär aufhielt. Die Moschee in Haspolat/Nordzypern ist immerhin der berühmten Selmiye Moschee der Stadt Edirne/Türkei unweit der griechischen Grenze, genauer in der Region Trakien, nachgebaut worden. 4 Minarette hat sie, 37.000 qm Fläche nimmt sie ein und 6.000 Betende könnten dort gemeinsam beten, wird berichtet. Kostenpunkt: 33 Millionen US-$.
Nicht wenige Gewerkschafter der KTOS finden, von diesem Geld hätten lässig 33 Schulen oder 3 supermoderne Krankenhäuser, wie es das „Famagusta Hospital“ im Norden ist, errichtet werden können.

Wie dem auch sei: Derweil konnte anstatt die „TCG Barbaros“ Fregatte der türkischen Marine im Hafen von Girne bestaunt werden – ziemlich sicher nur von Türkischzyprioten oder Festlandtürken. Nun dann!
Falls Sie nun, verehrte Leserschaft, aus Verlegenheit nicht wissen sollten, was denn sonst noch so im Norden getan werden könnte, zumal sie sich schon auf den Weg begeben haben, die Fregatte zu begutachten, kehren Sie einfach, bestens umgehend, auf ihren Fersen um, bevor man Ihnen sagt, dass Sie den falschen Ausweis besitzen und gehen Sie geradewegs ins neu eröffnete „Limak Cyprus Deluxe Hotel“ in Bafra – welches irgendwo draußen in Karpaz angesiedelt wurde. Schlappe 200 Millionen US-$ hat es gekostet, den Kasten in das schöne Gelände zu stellen. Auch dieses Gelände müsste eigentlich naturgeschützt werden. Ein Teil von Karpaz ist es jedenfalls, oder soll es sein, muss hier fairer Weise gesagt werden, wenn man den Pflanzen und Tieren gerecht werden will. 1.300 Betten und 598 Zimmer warten auf Sie als Tourist. Die „Limak Holding“ hat in der Türkei weitere 8 Hotels in den letzten 23 Jahren errichtet.
Vielleicht wäre diese Verschandelung der Insel, manche finden, es sei Entwicklung, andere es handle sich um eine Verschönerung, ja doch auch ein Thema, welches die neue Zypernbeauftragte der UN, Frau Lute, aufgreifen sollte zur Abwechslung, auch, um ihren Fingerprint derart zu hinterlassen. Wird sie wohl nicht tun, keine Sorge. Die haben in diesen Positionen anscheinend nur Platz für Leute, die genau das tun, was von ihnen erwartet wird irgendwo. Jedenfalls scheint die angesprochene Erwartungshaltung, wenig bis gar nichts mit der zu tun zu haben, die die Leute hier auf Zypern haben – oder haben dürften. Letztere werden noch nicht mal danach gefragt, gilt es zu erkennen.
Vielen Zyprern geht Frau Lute jedenfalls jetzt schon auf den Nerv. Sie sei Geld- und Zeitverschwendung. Denn die Bedingungen, Wiedervereinigungsverhandlungen schon wieder anzufangen, sind ja noch gar nicht, auch nicht annähernd, erfüllt vonseiten des Nordens oder des Südens, wird gemurrt.
Dennoch werden die Verhandlungsführer demnächst wieder auf Einkaufstour geschickt. So, wie vermeldet wird, werden zuerst die Läden in Manhattan gestürmt und dann, nicht vergessen, die Amüsierbuden in Brooklyn, nein, nicht in der Bronx. Guterres hat die Damen und Herren dazu eingeladen, der UN-Präsident. Kurz davor hatte Akıncı noch recht laut vernehmen lassen über die Medien, für ihn habe NICHTS begonnen, als Lute in ihr Amt gehoben wurde und angefangen hatte, beide Seiten vor Kurzem höchst persönlich aufzusuchen.


Welch Überfluss! Insofern ist Überfluss dann vielleicht doch der angebrachteste Terminus zur Beschreibung der Lage. Nicht allein, dass in der UN anscheinend Kohle ohne Ende in Koffern darauf wartet, Politikern und anderen Interessierten hinter her geschmissen zu werden, nein, überflüssig erscheint vor dem Hintergrund dessen, was Akıncı die ganze Zeit über von sich gegeben hat, auch zu sein, dass er die Einladung nach New York – zum Einkaufen – angenommen hat. Weil somit signalisiert er ja, ob er es will oder nicht, dass die Verhandlungen sehr wohl auch für ihn wieder in der üblichen Art und Weise ihren Anfang genommen haben, und hoffentlich nicht genau so üblich enden. Zwar stirbt die Hoffnung meist zuletzt, doch manches Mal, offensichtlich, stirbt sie auch zuerst. Auch Hoffnung bedarf also eines tragbaren Fundaments!
Akıncı indes: „Lute ist nicht als ein Ersatz für den vorherigen Speziellen Abgesandten des UN-Sekretärs Espen Barth Eiden in ihrer jetzigen Position!“ Sie sei nur eine vorübergehende Abgesandte oder Beauftragte, die sich mit den beiden Zyprern, Akıncı und Anastasiadis, getroffen hat, um auszuloten, ob sich da in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen was drehen lässt.
Wir wünschen also erfreuliches Weihnachts-Shopping, gern auch in den bizarrsten Ecken des Central Parks. Jedem das Ihrige, oder jeder das Seinige! Spitzendiplomatie eben.
Zwar haben die Nordzyprer angeblich keine Lust mehr auf „Endlosschleife“ in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen, aber auf Shopping zu verzichten, und dann noch so günstig, verstehen Sie doch, das kann und darf nicht ausgelassen sein!

Read Full Post »

Armağan Candan von der Republikanischen Türkischen Partei (CTP) sowie Ersan Şaner von der Nationalen Einheitspartei (UBP) Nordzyperns kamen Ende Juni nach Straßburg, um an der Generalversammlung der Parlamentarier des Europäischen Rats (Pace) teilzunehmen. Es existiert in Straßburg sogar ein Büro Nordzyperns, zwecks Repräsentation etc. Unter anderen Themen war bei der Generalversammlung die Zerstörung kulturellen Erbes auf der Tagesordnung gewesen in Straßburg. Candan hielt eine Rede, und sagte so in etwa unter anderem: Das kulturelle Erbe gehört allen. Es ist unsere Pflicht, es zu bewahren. Und das kulturelle Erbe der zyprischen Insel gehört nicht allein den Süd- oder Nordzyprern, sondern der Menschheit allgemein. Candan wies darauf hin, dass das bi-kommunale Technische Komitee am 21. 03. 08 zwecks vertrauensbildenden Maßnahmen gegründet worden ist, ebenso als Schutz des kulturellen Erbes. Das Technische Komitee ist seines Dafürhaltens jenes Komitee, welches am besten von all den anderen arbeitet auf Zypern. Es sei am „effizientesten“. Auch daher, findet Candan, sollte der Europarat demselben eine finanzielle Unterstützung geben.
Seltsam ist dann aber doch für manchen Beobachter, zu sehen, in welchem Zustand die meisten Friedhöfe hüben, wie auch drüben in Zypern sind. Nach vorliegenden Angaben ergibt sich das Bild, dass die bi-kommunalen Kulturerbe-Komitees auf diesem Sektor versagt haben müssen (03. 07. 18 Cypriot Daily News). Und daher soll – mal wieder – ein „Pilotprojekt“ gestartet werden.
Wenn also bedacht wird, dass nahezu alle paar Wochen, und dies seit Jahren, irgendwo auf der Insel eine nachträgliche Beerdigung von jemandem stattfindet, dessen Leichnam identifiziert werden konnte nach den Auseinandersetzungen von 1974, muss man über den erwähnten Mangel schon etwas staunen. So viel Tra-Ra in Form von Bestattungen und Extra-Gottesdiensten, die regelmäßig im Fernseher zu sehen sind etc. und dann liegen diese Toten auf nicht umsorgten Friedhöfen?

Apropos umsorgen: Huseyin Özürgün, Vorsitzender der UBP, sagte am 04. 07. 18, Griechischzyprer sollten Tayyip Erdogan mit Blumen in der Hand am Flughafen Ercan im Norden begrüßen kommen, der am 10. Juli ja ankam, um, wie es der Tradition entspricht, nach einem Wahlsieg oder Ernennung zum Präsidenten der Türkei seine Aufwartungen im „Bruderland“ Zypern zu machen. Allerdings hat sich im Vergleich zu davor im Prozedere etwas geändert, denn der türkische präsidiale Wahlsieger Erdogan besuchte zuerst einen weiteren Bruderstaat, Aserbaidschan, bevor er von dort aus, eventuell direkt nach Ercan flog. Die Quellenlage ist unklar, nämlich derart, ob er nun direkt nach Ercan geflogen ist oder ob das Flugzeug zuerst noch kurz in der Türkei landete. Bekanntlich sind Direktflüge nach Nordzypern untersagt. Und nur die Türkei allein fliegt auf diese Weise dorthin. Ja, Aserbaidschan ist zwar ein Bruderstaat, aber Geschäfte gehen nun mal vor. Baku will sich einer solchen diplomatischen Angelegenheit wegen nicht mit der internationalen Gemeinschaft in die Nesseln setzen. Das wird von Seiten der nordzyprischen Regierung anscheinend verstanden, denn niemand scheint dagegen einen Einwand hervorzubringen – zumindest nicht über die Medien hörbar, noch nicht.
Und dass die Südzyprer von „illegalem“ Besuch Erdogans schreiben und reden, schmettert Özgürgün einfach als „Blödsinn“ ab. Schließlich hätten Die aus dem Süden der Türkei ihre Existenz zu danken. Wäre letztere nicht gewesen, sähe das alles anders aus auf Zypern.
Erhan Arıklı, Vorsitzender der Wiederbelebungspartei (YDP) dazu: Erdogans Besuch ist eine Nachricht an die Welt, sagt er. Woraufhin wir fragen: nur welche?
Wie dem auch sei. Es gibt anscheinend auch Nordzyprer, die den Besuch Erdogans bereits im Vorfeld als nicht äußerst lustig, oder anders, deklarierten. Einer dieser Menschen ist beispielsweise Izzet Izcan von der Unionspartei (BKP) im Norden. Er war gegen Erdogans Visite und rief offen dazu auf, dass die an den Besuch angehängte Einweihungsfeier der „Hala Sultan Moschee“ boykottiert werde.
Hala Sultan, der Name sagt Ihnen was, verehrte Leser? Sie haben es also erinnert, nämlich, dass jene Moschee, die vor den Toren Larnakas liegt, am Salzseechen, wo die rosa Flamingos als im Winter sind, denselben Namen trägt. Der Unterschied, wenn Herr Erdogan so einen noch ausmachen kann in derartigen Belangen, ist, dass einst die Tante des muslimischen Propheten Muhammad, höchstpersönlich dort zu verweilen geruhte; und ja, auch Herr Erdogan war nun kurz auf Zypern, hätte aber vielleicht einen, sagen wir mal, weniger anmaßenden Namen für die Moschee auserkoren können, zum Beispiel: Amça Tayyip (Onkel Tayyip).
Nun ja, jedenfalls vermutet Izcan, dass solch Gebaren Erdogans klare Anzeichen, einen Islamischen Staat auf Nordzypern begründen zu wollen, tragen würde. Sollte an Letzterem etwas dran sein, hat sich wohl der derzeitige Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, gerade noch rechtzeitig seine Haut gerettet. Er war nämlich unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans extra nach der Türkei geflogen, um Alleinherrscher Erdogan zu gratulieren.
Akıncı hat wahrhaft einen schweren Stand: auf der einen Seite den politisch glitschigen Anastasiadis, und auf der anderen den politisch erpresserischen Erdogan – und dann verdeckt operierend und doch sehr präsent, die Israelis und die Engländer. Er wohnte also bei, als Erdogan seinen Eid ablegte, der türkischen Nation dienen zu wollen.
Wie die Umstände Mitte August indes zeigen, scheint Erdogans Politik sich nicht allzu dienlich zu erweisen. In Nordzypern müssen auf Grund der verfehlten Geldpolitik Erdogans neuerdings sogar Casinos Steuern zahlen – und überhaupt werden die Steuersätze im Tourismus etc. erhöht. Und nicht nur dort. Sogar Kinder werden mit einer 5%igen Steuer belegt. Bitte fragen Sie mich nicht, wie das von statten geht. Das soll dem Vernehmen nach vorrangig jene Kinderlein treffen, die neu eingebürgert werden. Viel Geld ist damit also nicht zu machen. Zeigt aber, dass doch eine gewisse Not zu herrschen scheint, denn auch der Finanzminister, Serdar Denktaş, rühmt sich neuerdings, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Letzterer ist sich sicher, dass die Geldentwertung des Türkischen Lira, die sich derzeit vollzieht, überstanden werden kann, wenn die Bevölkerung Nordzyperns einfach etwas solidarischer unter- oder miteinander verfährt.
Dass ausgerechnet der von sich sehr eingenommen wirkende Finanzminister des Nordens von Zypern mit dem Fahrrad unterwegs sein soll täglich, also das zu glauben, fällt nun wirklich schwer – bei all seinen Feinden etc. und seiner mentalen Verfasstheit.
Um nochmals kurz auf die Pleite im Finanzsektor zurückzukommen, die Erdogan gern auf andere schiebt. Emin Çölaşan, der in der türkischen Sözçü schreibt, hat am 13. August 18 Erdogan frontal in einem seiner Artikel angegriffen, und ihn gebeten oder aufgefordert oder beides, von seinem Amt zurückzutreten. Und seinen Schwiegersohn, den jetzigen Finanzminister der Türkei, gleich mit zu nehmen.
Tufan Erhürman, derzeitiger Premierminister im Norden Zyperns, ist der Ansicht unter anderem, dass sich eine „gefährliche Diskrepanz“ zukünftig zwischen jenen Kindern und Jugendlichen ergibt im Norden Zyperns, die eine Privatschule oder eine öffentliche Schule besuchen. Denn sie würden längst keine gleichwertige Sozialisierung erfahren. Erhürman meinte noch: 100.000 Studenten studieren im Norden. Das ist ein Drittel unserer Bevölkerung. Die Zahl der Universitäten im Norden Zyperns hat stark zugenommen. Daher bedürfe es nun einer „geplanteren Struktur“, und zwar in allen Bereichen, doch vor allem dem der Bildung. Die Universitäten überziehen inzwischen den gesamten Norden. 19 davon operieren im Land, wovon 16 vom Staat anerkannt sind. Beispielsweise wird die Amerikanische Universität von Girne (GAU) voraussichtlich im Jahr 2020 auch in der Region Karpaz, im äußersten Südwesten Nordzyperns, ihre Pforten für Studierende öffnen.
Das ist in etwa so wichtig für den Norden wie die Tatsache, dass viele Türkischzyprer im Süden arbeiten gehen, beziehungsweise einen Pass der Republik Zypern im Süden in der Tasche haben. 5.233 Antragsteller gab es in den letzten 5 Monaten alleine. Und zwar ist hier lediglich die Rede von Kindern aus sogenannt gemischt türkisch-türkischzyprischen Ehen. Letzteres lassen uns die Gewerkschaften für Lehrer des Nordens (KTOS sowie KTOEOS) wissen.
Diese Gewerkschaften hatten am 12. 02. 18 eine Kampagne gestartet, die sich des zuvor erwähnten Themas widmet, und zwar dergestalt, dass der genannte Personenkreis aus gemischten Ehen möglichst einen Pass aus dem Süden erhält. Die Republik Zypern sträubt sich allerdings recht heftig dagegen, wenn ein Elternteil „Festlandtürke“ ist. Bislang werden die meisten Anträge negativ beschieden. Die genannten Gewerkschaften dürften mit diesem Anliegen schon bald beim Europäischen Menschenrechtsgericht vorstellig werden. Jedenfalls ist die Rede davon, dass dieser Weg beschritten wird, wenn Nikosia-Süd nicht bald eine andere Gangart einlegt, ist zu hören.
Die Anträge für einen südzyprischen Pass gehen bei einer der oben genannten Gewerkschaften ein, die diese dann in den Süden an entsprechende Stellen innerhalb des Regierungsapparates weiterleitet. Denn behördlicher Kontakt von Süden nach Norden wird im Allgemeinen nicht gepflegt, da der Süden den Norden als Ansprechpartner (eigentlich) nicht akzeptiert. Und daher müssen ja auch andauernd sogenannte Vermittler der UN und andere herum sein auf Zypern.
Jedenfalls traf Herr Şener Elcil, Generalsekretär der KTOS, den Innenminister des Südens, Konstantinos Patridis, am 03. August in dieser Angelegenheit – mal wieder. Interessant ist, zu erfahren, dass die Bearbeitung eines solchen Antrages in zyprischen Behörden in der Regel 1 bis 2 Jahre dauert. Und sollte diese Sache vor das Europäische Menschengericht dereinst kommen, so ist nochmals mit einer Wartezeit zu rechnen, die sich den Angaben zufolge auf 2 bis 3 Jahre belaufen dürfte.
Ein weiterer Streitpunkt auf Zypern, und es gibt derer viele, ist, dass als unfair angesehen wird vonseiten nordzyprischer Politiker, wie es beispielsweise Herr Zorlu Tore von der Partei „Demokratische Sicht“ ist – er ist Vize-Präsident der Nationalversammlung im Norden -, dass die von der Türkei ins Leben gerufene Kommission für Grund- und Bodeneigentum (IPC) an Griechischzyprer eingeforderten Eigentum zurückgibt. Solch Gesetz, findet er, gehöre schleunigst geändert. „Wenn Griechischzyprer türkischzyprisches Eigentum im Süden enteignen und Grund und Boden für sich behalten, der noch nicht mal enteignet wurde vonseiten der dortigen Verwaltung, ist es falsch, dass Türkischzyprer Eigentum an Griechischzyprer zurückgeben. Diese Praxis muss aufhören. Sie stigmatisiert die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) als schuldige Okkupanten“, die sie ja nicht ist oder sein soll.

Vorerst zuletzt: Am 05. 07. 18 hat das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die besagt, dass die Republik Zypern (der Süden) vonseiten der Türkei anzuerkennen sei, weil es ansonsten zukünftig Schwierigkeiten für türkische Staatsbürger geben könnte, ein Visa in eines der EU-Länder zu erhalten. Dieser Entscheid beziehe sich auch auf zukünftigen Datenaustausch mit Ankara (Europol), der dann eventuell zum Erliegen kommen könnte.

 

Part 3 folgt demnächst!

Read Full Post »

Was denn wohl in Nordzypern, der Türkischen Republik Nordzypern, geschieht?

Wahrhaft.

Diese Frage Ihrerseits ist inzwischen wirklich berechtigt.

Man hört und liest meist nur etwas, wenn überhaupt, aus dem Süden der Insel, jenem Teil der Insel, der zur Europäischen Union gehört – und dabei hat der türkischsprachige Norden eigentlich einiges zu bieten. Manche nehmen die Entwicklungen dort sogar als Art Gratmesser oder Indikator dessen, was in der Türkei hinter den Kulissen vorgehen könnte.

Fangen wir also an, und zwar einigermaßen bemüht, chronologisch vorzugehen – ab Juni 2018, und, wie könnte es anders sein, längst wird nicht alles, was sich ereignete und ereignet abgedeckt werden. Man muss sich eben entscheiden im Leben!

Griechisch-zyprische Beamte versuchen anscheinend noch immer, zu unterbinden, dass ihre Landsleute, wo könnte es anders sein, im türkisch-sprachigen Norden der Insel billigen Treibstoff tanken gehen. Und dazu werden recht häufig strikte Kontrollen an den Übergängen durchgeführt, die ja nach offizieller Lesart keine Grenze sein soll. Unser Tipp: Keine mit Treibstoff gefüllten Kanister im Kofferraum aufbewahren. Sie könnten konfisziert werden. Doch auch, war zu lesen, ganz normale Tanks, die womöglich bis oben hin gefüllt sind mit Sprit, können einen in Schwierigkeiten oder Erklärungsnöte bringen an den Übergängen, die, wie gesagt, keine Grenzen sein sollen.

All das, Sie ahnen es schon, kommt einem wie ein schlechter Witz vor: die Kontrollen, wie auch das offizielle Gebrabbel der Grenzer, wenn man sie danach fragt, von der Nicht-Grenze.
Immerhin: Solch intensivierte Maßnahmen zeigen dem interessierten Betrachter so in etwa an, wie die süd-zyprische Administration zu ticken scheint: die Großen laufen lassen und die Kleinen schikanieren, wenn es dem „Vaterland“ vorgeblich dienlich zu sein verspricht. „Schmierenkomödie“ sagen da wohl manche unter Ihnen kurz und bündig dazu.

Warum hier gleich das Wort Schikane bemüht wird, wird sich Ihnen hoffentlich noch im Verlauf dieses in Teile aufgeteilten Beitrages etwas besser erschließen. Noch das dazu: Jene, die im großen Stil Geld abziehen, wie im deutschen Slang gesagt wird, haben es ja eigentlich wegen ihres hohen ‚Einkommens‘ nicht nötig, rüber in den Norden zu fahren, um zu tanken usw. – ins Feindesland.

Sie, verehrte Leser, erkennen bereits eine gewisse, wie soll man es nennen, Widersprüchlichkeit, die vordringlich Südzyprer umgibt oder durchdrungen hat, die der feindlichen Wahrnehmung des anderen Inselteils wegen, noch nie oder vielleicht nur ein Mal dort DRÜBEN waren, physisch. Mit dem Kopf indes scheinen viele von ihnen jeden Tag in der vergangenen Pracht zu leben, die ihnen im Norden „geraubt“ worden ist, sein soll, als die Insel noch eine einzige Einheit darstellte politisch etc.

Der Vize-Premier des Nordens, Herr Kudret Özersay, findet die oben erwähnte süd-zyprische Kontroll-Maßnahme fehl am Platz, da so etwas die vereinbarten und teils auch aufgenommenen vertrauensbildenden Maßnahmen der beiden Inselteile behindere. Die Kontrolle ziele wohl darauf ab, so Özersay, den türkischsprachigen Norden zu schädigen. Und dass der Treibstoff aus dem Norden gewissen Standards nicht entspreche, die im Süden gelten würden, diese Begründung sieht Özersay gewiss als eine Art schlechten Witz an – er drückt es nur anders aus. Denn er fragt: Und was ist mit all jenen Türkischzyprern, die seit Jahren täglich und zu Tausenden mit ihren Autos aus dem Norden in den Süden fahren, um dort ihren Unterhalt zu verdienen? Ist der Treibstoff dieser Autos etwa nur deshalb reiner oder besser? Bei der Gelegenheit und in Fahrt geraten erinnert Özersay auch gleich daran, dass das alles einer recht offensichtlichen Agenda folgt; so auch dies, als Bussen, die aus dem Norden rüber nach Larnaka an den Flughafen kamen, um Touristen abzuholen, plötzlich untersagt wurde, das zu tun, und zwar mit seltsamer, ähnlich lautender Begründung.

Nur ‚gut‘, wollen wir hier mal kurz einwerfen, dass Taxifahrer aus dem Norden unmittelbar vor Larnaka gelegen – dort in etwa, wo vor kurzem noch Carrefour existierte und der jetzige „Skalvinitis“ in Meneo sich befindet -, einen Platz sich schufen oder fanden, von wo aus sie sozusagen auf die Minute genau an das Terminal heranfahren können, um ihre menschliche Fracht abzuholen am Flughafen. Es war wohl zu oft zu Handgemenge und anderen unschönen Szenen unter den Süd- und Nord-Taxifahrern im Flughafengebäude und vor allem dort, wo Taxis normalerweise auf ihre Kundschaft vor dem Flughafen warten, gekommen. Und solch optisch-akustischen Eindruck will ja bei den lieben, unvorbereiteten Gästen nun wirklich nicht bleibend hinterlassen werden!
Sie sehen anhand dem Gesagten allerdings auch, Kompromisse sind möglich, aber offensichtlich eben nach dem Strickmuster: zuerst Wir und dann Die. Und auf Letzteres sich nochmals einzulassen, dazu haben die Türkischzyprer nun wirklich kein Verlangen mehr.
Und eigentlich geht es bei den andauernd scheiternden Verhandlungen zwischen Norden und Süden genau um diese Dominanzfrage: Wer ist zyprischer? Und wer hat daher mehr Vorrecht? Hört sich recht langweilig an, stimmt‘s? Aber so oder ähnlich ist dem nun mal auf Afrodites Insel – jeder möchte sie zuerst und für sich haben; und keiner der beteiligten Streithähne fragt, ob die Gute nicht vielleicht doch eher mit den Engländern oder gar Russen, Chinesen oder US-Amerikanern ins südöstliche Gemach sich zurückziehen mag. Wir glauben hier nicht, verzeihen Sie, dass Afrodite nun ausgerechnet mit der potenzgestörten EU solch Rückzug favorisiert. Türkische Penetration scheint ihr jedenfalls seit 52 Jahren teils gut zu bekommen; und Araber, die sind doch eh vielleicht schon zur Genüge auf ihr und eh in der Nähe angesiedelt.

Des Weiteren: Auch scheinen es die mehrheitlich griechisch-sprachigen Südzyprer zu sein, die so etwas wie ein „interoperables“ Mobilfunknetz zwischen Norden und Süden ausbremsen sollen, oder dass es zu einer Lösung der so genannten Zypernfrage kommt oder, oder, oder! Nicht wenige Analysten sind sich in folgender Ansicht einig: die Republik Zypern, also der Süden, zeigt auf Grund ihres politischen, ökonomischen etc. Bewegungsprofils eindeutig an, dass ihre Regierenden sich für die Option ‚aushungern‘ des Nordens entschlossen haben könnten. Weil man schiebt jeden wirklich relevanten Entscheid, der die beiden Inselteile sich annähern ließe, manchmal geschickt, meistens recht plump, auf die sprichwörtlich lange Bank. Wir erinnern: Die einstige BRD hatte so in etwa eine ähnliche Strategie im Umgang mit der DDR zu laufen. Nur: Jetzt, wo Präsident Erdoğan sich Machtbefugnisse aneignete, die ihn eigentlich schalten und walten lassen, wie es dem Herrn und seiner Entourage gefällt, sind die Würfel, sozusagen, neu gefallen. Und es ist – eigentlich wie immer – gerade daher nicht absehbar, was aus der Insel in näherer oder etwas entfernterer Zukunft wird. Letzteres muss leider so vage formuliert stehen bleiben, da vor dem Hintergrund der Aussicht, dass die Türkei womöglich wirklich schon bald konkretere Schritte unternimmt, sich den BRIC-Staaten anzuschließen, solch Schwergewichte wie beispielsweise China darauf drängen könnten, zukünftig am Katzentisch zu oder über Zypern mit zu sitzen, mitentscheiden zu wollen. Sie sind schließlich die Größten inzwischen, und werden wohl so in etwa jene imperialen Politiken fortführen, die der sogenannte Westen für Jahrhunderte der Welt oktroyierte. Sind doch auch nur Menschen.

Also: Überraschungen der ganz besonderen Art könnten anstehen auf Zypern.

 

Indes: Özersay nerven, Sie dachten es sich wahrscheinlich schon, noch einige mehr Dinge. Dass der Süden andauernd das Mandat der UNFICYP verlängert (bekommt). Weil Erstere maßen sich daraufhin an, einen gewissen Status Quo ableiten zu dürfen, den aber keiner im Grunde will, der aber herrsche und ein Schutzbedürfnis widerspiegle, welches so ebenfalls nicht mehr gegeben sei. Kurz, dieser Status Quo bringe die Republik Zypern einfach in eine privilegiertere Position gegenüber der Türkischen Republik Nordzypern. An dieser Beobachtung des Vize-Premiers aus dem Norden ist durchaus was dran.

Was des Weiteren wohl nicht nur Özersay gehörig auf die Nerven geht, ist die Sprache bezüglich des Nordens, die offiziell und in den Medien im Süden Verwendung findet, wenn noch immer von beispielsweise „illegaler TV-Station Bayrak“ die Rede ist oder vom „selbst so ernannten“ Premierminister des Nordens etc. Ein Glossar wurde nämlich vor noch nicht allzu langer Zeit herausgebracht von einer ‚unabhängigen‘ Stelle, welches von den Medien beider Seiten zur Anwendung kommen soll/te. Doch der Süden sträubt sich, offenbar dieses Glossarium anzuwenden – und andererseits gibt man vor, sich wiedervereinigen zu wollen etc.

Ihnen, als eventuell regelmäßiger Leser dieser Internet-Zeitung, ist gewiss bereits aufgefallen, dass hier manches Mal ‚gestöhnt‘ wird, wenn die Zyprer auf Wiedervereinigung machen, und wenn sie sich in New York oder sonst wo im Westen, gern in der Schweiz, treffen, worauf hier dann unverblümt und wohl auch etwas gefrustet von „Shoppingtour“ geschrieben wird, die die Herren und Damen Verhandelnden sich in den teuersten Städten der Welt verschrieben haben als Kur – darunter geht nicht, man ist ja schließlich wer, genauer: der Nabel der Welt!

Part 2 folgt schon demnächst!

Read Full Post »

Umleitung

via um-lei-ten

Read Full Post »

Um Lei Tung!

Das soll Chinesisch sein!?

Der Übergang in den Mai 2018 vom April auf Zypern ist schon fast unmerklich passiert. Geregnet hat es sogar in jener Nacht. Zeitlich davor, war es nachmittags recht sonnig, ja sommerlich – wir kehrten von Paphos nach Hause zurück.
Wir haben eine wunderbare Zeit in Paphos verbracht, wozu eine Art kleiner Helfer beitrug. Genauer: Sollten Sie jeden Tag mal wirklich gut Essen, und dann auch noch gut unterkommen wollen in Paphos, wird hier nicht davor zurückgeschreckt, zu empfehlen, das „Annabelle“-Hotel aufzusuchen. Wer dieses Hotel länger als 5 Tage bucht mit lediglich Frühstück, bekommt offenbar einen Up-Grate, der sich gewaschen hat, in diesem Fall bedeutet Letzteres: sehr positiv gewaschen hat.

Das Annabelle ist eines der ersten Hotels, die in Paphos gebaut wurden. Es ist wirklich noch immer sehr empfehlenswert, derzeit sind es dort vor allem die Dinge, die in der Küche zubereitet werden, die man nicht laut genug loben kann. Spitzenmäßig! Ein Spa gibt es inzwischen auch – und besten Service. Im Annabelle waren keine Angestellten mit langen Gesichtern anzutreffen. Die sind dort sehr aufmerksam und angenehm freundlich sowie hilfsbereit.

In den letzten 8 oder 10 Jahren landete ich 3 Mal in Paphos auf dem Flughafen – stets von Mitteleuropa aus kommend. Eines indes war und ist an jenem Ort offenbar immer gleichgeblieben: Man wartet am Laufband im Terminal auffällig lange auf seinen Koffer.
Nein!
Das ist hier keine Beschwerde gewesen. Wird so lediglich als Art Hinweis vorweggeschickt, damit auch Sie sich gleich nach Ankunft in Paphos dem Zurückschrauben der gewohnten Tagesgeschwindigkeit überlassen können – bei Bedarf, versteht sich. Letzteres kann allerdings auch in einigen anderen Orten Zyperns recht gut getan werden. So zum Beispiel sogar im recht quirlig gewordenen Limassol.

„Lemesos“, wie die Griechischsprecher zu dieser Stadt sagen, ist ziemlich sicher die Stadt Zyperns inzwischen, in der die meisten Menschen leben. Der Hafen trägt gewiss seinen Anteil dazu bei. Limassol darf wohl eine internationale Stadt genannt werden – und das Meer davor ist verwunderlicher Weise noch immer recht sauber. Menschen aus der ganzen Welt siedeln hier her. Limassol ist das schlagende Herz der südzyprischen Wirtschaft.
Wie auch in Paphos gibt es beträchtlich viele Türkischsprecher in der Bevölkerung. Auch Kurdisch kann auf den Straßen oft vernommen werden, so auch Arabisch, Russisch, Französisch und Hebräisch etc. Klar doch, viele Leute aus den ehemaligen Ostblockländern haben hier eine neue Heimat gefunden, auch Skandinavier, sogar Spanier sind recht häufig zu hören, sogar Katalonier – und viele Briten, Philippininnen, Inderinnen, Menschen aus Sri Lanka und Chinesinnen sowieso, vermehrt Menschen, die wahrscheinlich aus allen erdenklichen Regionen Afrikas stammen.

 

„Während der britischen Besatzung Zyperns (1878 – 1960) waren die türkischen Quartiere von Limassol in 5 lokale Teile aufgeteilt. Jedem Stadtteil stand ein Muchtar vor, der wiederum vom britischen Zuständigen für die Bezirke ernannt wurde. … Das Zentrum des Lebens in Limassol fand damals um die Gedit und die Kabir Moschee statt. … Es oblag den Muchtars, der Behörde zuzuarbeiten, wie zum Beispiel bei der Registrierung von Geburten, Toten oder von Gebäuden etc. In jenen Tagen trugen Muchtar ein Emblem am Revier, das einer Krone glich; und ein Hinweis war an der Tür ihrer Häuser angebracht, der half, sie von den Häusern anderer Gemeindemitglieder zu unterscheiden. … Mal abgesehen von den Quartieren, die in [der uns vorliegenden] Registratur verzeichnet sind, gab es auch inoffizielle Quartiere, wie Ayia Thekla, Sabbar etc. [Diese waren aber dennoch unter der Kontrolle der britischen Behörde, und zwar mit Hilfe der Behörde bekannten Muchtars. So zum Beispiel auch im inoffiziellen Bezirk Deliklitaş].

Deliklitaş wurde im Garten einer türkischzyprischen Dame gegründet. In einem Traum wurde ihr gesagt, sie möge einen Felsen besorgen, und ihn dort auf dem Boden ablegen. Auf diese Weise gründete sie den Aberglauben, dass von dort Immunität gegen Krankheiten ausginge. Und so geschah, dass die Türkischzyprer, wie auch die Griechischzyprer, ihre Kinder durch ein Loch in diesem Felsen springen ließen, um sie so [vor Ungemach] zu schützen [Felsen mit Loch, das ist die türkische Übersetzung zu Deliklitaş, war also der Namensgeber dieses inoffiziellen Bezirks]. Auch sollen Griechischzyprer dort als Gabe oft Geld oder getrocknete Zwiebeln hinterlegt haben. Die Kinder des Quartiers haben das Geld dann wohl gern an sich genommen.
Behauptet wird des Weiteren, es habe an jenem Ort einst noch einen weiteren, kleineren Felsen mit Loch gegeben. Bei Ausgrabungen, die noch vor 1974 stattfanden [74 ereignete sich bekanntlich die wahrscheinlich vorläufige Teilung der Insel], wurde dieser Fels von seinem Platz entfernt und in einem benachbarten Haus belassen. Heute kann dieser nirgendwo mehr gefunden werden. …
[Sehen wir uns mal an, wie das einstige St. Antonios Quartier gestaltet war und wo es sich befunden hat in Limassol].

Das St. Antonios Quartier

Dieses Viertel der Stadt reichte von der Kirche Sankt Anthony auf der Köprülüzade Straße bis zur Küste. Bis zum Zwangsverkauf des St. Anthony Viertels zum Bau eines neuen Hafens für Limassol durch die zyprische Regierung in den 1950er Jahren, spielte dieses Viertel eine signifikante Rolle im sozialen und kulturellen Leben beider Gemeinden: der türkisch- und griechischsprachigen, die dort herum lebten. Viele der Bewohner arbeiteten schließlich am Hafen von Limassol als Träger, Lighters, Arbeiter, Fischer, und auf Schiffen etc.

Letztendlich wurde das erworbene Land für einen neuen Hafen aber nicht so genutzt, wie es vorgesehen war [durch die Stadtverwaltung]. Letzteres deswegen, weil entschieden wurde, den Hafen doch etwas weiter westlich zu bauen. Und so gibt es heute offene Flächen unterhalb der Kirche, wie auch einige Restaurants an der Küste. [Inzwischen, 2018, ist dort allerdings eine „hochmoderne Marina“ entstanden, wie man in verschiedensten Broschüren nachlesen und bunt bebildert sich ansehen kann, welche die zyprische Regierung und andere Interessierte mit aller Regelmäßigkeit weltweit bewirbt].

Die türkischen Grundstückseigner, die in jenem Viertel lebten, waren zu jener Zeit entweder vermögend oder gebildet oder Notable, die zum kulturellen und sozialen Leben der Stadt beitrugen. Nach der erwähnten Zwangsanordnung nahmen sich einige griechische und türkische Grundeigentümer einen Anwalt aus Limassol, Rikkos Michaelides, der noch heute seine Kanzlei betreibt [inzwischen nicht mehr]. Er wurde beauftragt, ihre Interessen zu wahren. Die Grundbesitzer waren nämlich enttäuscht mit der gewährten Kompensation seitens der Regierung. Jene unter ihnen, welche sich mit der Kompensation allerdings einverstanden erklärten, gingen und unterzeichneten ein entsprechendes Dokument, was bei den Anwälten Sir Panagiotis Kakogiannis getan werden musste.

4 große Gemüseproduktionsgärten waren einst in diesem Viertel: der so genannte Untere Garten, der Garten Ali Beys, derjenige Hasan Efendis oder Gihan Hanums und der Garten von Hilmi Dayi. Letzterer war auch Eigentümer von Pferde- und Ochsenkarren. Diese Gärten wurden lediglich von den Familienmitgliedern kultiviert, und bis zu den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts genügten die dort geernteten Produkte, um den Bedarf der Bewohner der Altstadt von Limassol zu decken. Neben der Produktion von verschiedenen Gemüsesorten wuchsen folgende Fruchtbäume: Feige, Aprikose, Granatapfel, Banane, Zitrone, Dattel – und Blumenkohl.
Mit der Kraft von Eseln wurden Wassermühlen betrieben. Dergestalt wurde Wasser durch kleine Kanäle von den Quellen zu den Feldern gebracht. Der Tick-Tack-Sound der Wasserräder, den die Nachbarn nah einer solchen Anlage hörten, wies den Weg dorthin. Diese Bewohner waren ja auch nicht an das von der Stadt betriebene Wasserdistributionssystem angeschlossen. Daher sah man sie zuweilen mit Eimern und dergleichen ausgestattet, um ihre Bedarfe an Wasser für ihre Haushalte zu decken.

Türkischzyprische Weber lebten in großer Zahl in diesem Viertel. Auch sie trugen dazu bei, die Bedürfnisse der Bewohner zu befrieden. Letzteres vor allem zur Zeit der beiden Weltkriege, als es keinen Import von Textilien für Bettwaren, Handtücher und dergleichen gab. Eine Art Baumwollindustrie wurde von Frau (Hanum) Meryem getätigt. Sie war die Frau von Hafez Salih Şenay Efendi, der von der Regierung als Schulleiter der Türkischen Grundschule Limassols installiert worden war. Noch 1888 nannte man diese Schule Dar-ul-Feyz (Ort der Wissensvermittlung).
Meryem Hanum hatte an die 6 Handwebstühle in ihrem eigenen Haus. Sie beschäftigte Mädchen als Lehrlinge und gab diese Kunstfertigkeit derart an diese weiter, sodass die Auszubildenden selbständig werden konnten. [Seide wurde auch verarbeitet] … .
Hinzu kam, dass eigentlich in jedem weiteren Haus im Viertel Schneidereien waren, einige waren berühmt, egal ob griechisch oder türkisch. Nicht wenige arbeiteten professionell, andere lediglich für die Familienangehörigen. Madam Despina, deren Haus genau gegenüber der St. Antonios Kirche gelegen war, sowie Safiye Hanum, eine Verwandte der Weber Emine und Berkiye, waren die fortschrittlichsten Kleidermacher im Qaurtier bis in die 1950er Jahre. Safiye arbeitete dort bis in die 60er Jahre. [Versteht sich, dass es an solch einem Ort auch Tavernen gab und kleine Geschäfte, die von beiden Gemeinschaften betrieben wurden].
Das Schlachthaus des Bürgeramts lag bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts im äußersten Westen des zuvor erwähnten Viertels nahe dem Meer. Alle nicht erwünschten Teile der geschlachteten Tiere pflegte man dort einfach ins Wasser zu werfen. Die Schlächter waren meist türkischstämmig und lebten im südlichen Eck des Viertels nahe der See. Die meisten von ihnen waren auf irgendeine Art verwandt miteinander. …
Im Zweiten Weltkrieg befand sich das Treibstoff-Lager der Regierung in diesem Quartier an der Küste, und zwar an der Straße, die zum Schlachthaus führte. Importiert wurde der Treibstoff entweder in Fässern oder aber in Dosen auf Segelschiffen, die off-shore vor Anker gingen, genauer, gegenüber den Petroldepots. Das Entladen der Fässer oder der Dosen geschah auf weichen Matten aus Zuckerrohr, die von den Seeleuten in den Hafen gesteuert wurden, um dann per Hand in die Lager getragen zu werden.
In Weltkrieg II versuchten italienische Bomber die genannten Lager zu treffen, waren aber nicht erfolgreich damit. Die Bomben vielen anstatt daneben, nämlich auf 2 Gemüsefelder und die KEO-Fabrik.

Mitglieder der beiden Gemeinschaften, türkisch- und griechischsprachige, hatten jeweils eine recht gute Beherrschung der jeweils anderen Sprache. [Manche sprachen Türkisch wie ein Muttersprachler, so beispielsweise Madame Zoiro. Diese exemplarische Erwähnung einer Griechischzypriotin vonseiten der Autoren gibt uns seinerseits versteckt einen Hinweis darauf, dass wohl eher die Türkischzyprer die andere Sprache sehr gut beherrschten als umgekehrt.
Es gab, wie Sie sich denken können, einige Moscheen in Limassol. Wir werden uns damit begnügen müssen, lediglich die Große Moschee (Kabir), hier etwas näher kennen zu lernen – und dass es auch Tekken gab, Orte, wo Sufis sich einfinden, haben Sie sich gewiss auch schon gedacht].

Die Große Moschee war die erste Moschee, die den religiösen Dienst für die türkischen Muslime nach der Ankunft der Osmanen im Jahr 1570 aufnahm. Ein ursprünglich kleines Gebäude wurde in eine Moschee umgestaltet, und zwar auf den Festungen einer venezianischen Kirche (lateinisch). Ihre östlich gewandte Seite wurde 1905 gebäudetechnisch erweitert und das kostete knapp 692 zyprische Pfund. Sie wurde sodann die Große Moschee genannt, um sie von den anderen Moscheen oder Schulen hervorzuheben, die in der Folge gebaut wurden. Architekt des östlichen Anbaus war William Williamson gewesen, ein Architekt der zyprischen Regierung. Der Bauträger war Neophitos Lanitis, der auch Malapapas genannt wurde.

Viele Historiker, Reisende und Journalisten, die Limassol damals einen Besuch abstatteten, haben diese Moschee in ihren Artikeln oder Memoiren erwähnt. … [Neben der Moschee befand sich auch ein Bad. Beide Gebäude können heute noch gesehen werden. Das Hammam ist allerdings seit einigen Jahren geschlossen.
Kurz: Die Moschee und das Hammam hatten eine zentrale Lage und Funktion in der ehemaligen Kleinstadt Limassol].

Das Datum 1245, ist jenes der so genannten Hijra [als Muhammad von Mekka nach Medina flüchtete] und ist als solches in einen Stein des alten Teils der erwähnten Moschee graviert. Des Weiteren werden wir darüber informiert, dass ein gewisser Mestan Agha die Moschee erneuert hat, und dass Gebete für ihn an Allah gerichtet werden sollen, damit Allah zufrieden sein möge mit seinem Werk. Der Stein, auf dem Selbiges eingraviert steht, wurde in den 1960ern im Garten der Moschee gefunden. Behejet Raschid, pensionierter Meister für das Peer am Hafen, war derjenige, der den Stein gefunden hat. Er lebte unmittelbar nach seiner Pensionierung in der Agora Straße, und zwar in einer Bäckerei, die er von einem Bäcker namens Savas gekauft hatte (der Schwiegersohn von Dr. Sokrates Tornarites). Letzteres war noch vor 1963 geschehen. [Tornarites findet hier wohl Erwähnung, da diese Familie in Zypern eine jener ist, die zu Ruhm, Macht und Reichtum gelangte]. …
In der alten Moschee gab es umrandete Platten, auf denen der Name Allahs, Muhammads und die Namen der ersten 4 Kalifen verewigt worden waren: Abu Bakir, Ömer, Osman und Ali [, wo gleich hinzugesetzt gehört, dass der Name Ali an dieser Stelle auffällig ist. Denn bekanntlich wird Ali nur von den Schiiten als rechtmäßiger Kalife betrachtet. Es kann also gut sein, dass der Autor sich täuscht oder aber, dass es sich um eine weitere Spielart des sunnitischen Islam handelt, welches von mir eher ausgeschlossen wird]. All diese Namen der Kalifen waren in lila Buchstaben eingraviert gewesen, was der türkischzyprische Kalligraph Kolonili Ahmet ins Werk gesetzt hatte. Sein Familienname, Kolonili, weist uns daraufhin, dass er ziemlich sicher aus einem Dorf bei Paphos gestammt haben dürfte, aus Koloni.
Im neuen Teil der Moschee befand sich eine Bibliothek von Haci Mustafa Efendi, welche dieser in Form einer Schenkung einer Stiftung überlassen hatte. Das hölzerne Behältnis, in dem sich die Bibliothek einst befand, wurde von dem berühmten Zimmermann Suleiman Arifoglu gefertigt. … Haci Mustafa Efendi erhielt seine Ausbildung in Istanbul und war ein Fakih [ein Gelehrter in islamischem Recht], der also Fatwas erteilen konnte. Letztere waren in so genannten Scharia-Gerichten zulässig.
Es gab 2 antike Glocken in der Moschee. Eine war im alten Teil, die andere im neuen. Erstere war in einer hölzernen Mahagonikiste, die andere in einer weiß angestrichenen Holzkiste befindlich gewesen. Beide hatten einen Glöckel, Ketten und Gewichte.
Während der Herrschaft der Osmanen auf Zypern wurde der Garten im Süden der Moschee als Friedhof für Muslime gebraucht. Auch heute können dort noch mit Gravuren versehene Grabsteine gesehen werden. Das Grab, welches den Grabstein mit dem Datum 1173 Hidschra auf sich trägt, gehört Mohammed Bey, der ein Sohn des Admirals Süleyman Paschas war. …

Die Große Moschee hatte gewöhnlich einen Imam, der den Gottesdienst versah. Zwei Muezzine waren meist angestellt, um die Gläubigen zum Gebet oben vom Minarett zu rufen – und einer, der Kayyum, war ‚angestellt’, um die Moschee sauber zu halten. …
Der letzte Imam der Moschee ist Dr. Hussein Schefik gewesen, ein Zahnarzt, der von der Neuen Moschee hier her transferiert worden war und bis 1974 seinen Dienst versah. Dr. Schefik wohnte in der Ankara Straße, gegenüber der Schule, in einem zweistöckigen Haus. Inzwischen besteht nur noch der erste Stock.

Die Große Moschee ist zum Hafen sehr nahegelegen, sowie auch zum Schlossplatz, wo die Busse aus den türkischen Dörfern freitags geparkt wurden. Freitag ist bekanntlich der Tag, an dem Muslime die Moschee besuchen sollten. Die Große Moschee war damals stets gut besucht, so auch von muslimischen Reisenden.
Es ist angebracht in letzterem Zusammenhang, hier König Farouks Besuch aus Ägypten zu erwähnen. Er kam oft nach Zypern und verbrachte seinen Urlaub in Platres [, welches in den Troodos-Bergen liegt]. Einmal, als Hussein Zekai Efendi sich frei genommen hatte im Dorf Avdihimou, um Karob zu ernten [viel Vitamin D, noch mehr Vitamin E und etwas C], ließ er Hussein Cümbezli den Dienst versehen, einen Ladenbetreiber, der den Ritus, den ein Imam zu befolgen hat beim Gebet kannte, und der für viele Jahre in Ägypten gelebt hatte. Unerwarteter Weise kam an jenem Freitag die Yacht König Farouks an, die Mahroussa. Diese warf Anker in Limassol, und schon hatte der König entschieden, sein Freitagsgebet in der Großen Moschee von Limassol zu erledigen. Und so betrat er das Gebetshaus mit Polizeieskorte und anderem Sicherheitspersonal, seiner gewöhnlichen Eskorte also. Cümbezli, der der royalen Präsens wegen total verblüfft war, sagte daraufhin laut und auf Arabisch: Ahlen wa sahlan ya malik al Masr, malik Farouk (Willkommen König von Ägypten, König Farouk). Der König antwortete ihm daraufhin „uskut“, welches „bleib still“ bedeutet.
Da die Antwort des Königs Cümbezli überhaupt nicht gefiel, war er nicht mehr genügend im Stande, auch wegen genereller Erregtheit seinerseits, den Gottesdienst zu führen. Und so übernahm Imam Ibrahim Efendi aus Famagusta das Gebet anzuführen, der allgemein als „Gelbbart“ bekannt war. Er war ein sehr gläubiger Mensch, der an jenem Tag ebenfalls unerwartet in der Moschee anwesend war. Der König muss mit dem alten Imam aus Famagusta sehr zufrieden gewesen sein. Als er die Mosche verließ, überließ er ihm 20 Pfund. Zwei Tage danach kamen 2 Polizisten und übergaben für Gelbbart, der das Gebet so gut geführt hatte, als der König anwesend war, eine wertvolle Armbanduhr.
Zu diesem Zeitpunkt war Hussein Zekai Efendi aber bereits wieder zurück auf seinem angestammten Posten als Imam der Großen Moschee. Allerdings erhob Hussein Cümbezli nun Anspruch auf die Uhr. Er bestand darauf, sie zu erhalten, da er ja derjenige Imam gewesen sei, der die Anordnung umgesetzt habe, den Gottesdienst zu führen. Nun! Die Armbanduhr wurde gemäß dem Wunsch des Königs an die ‚richtige’ Person übergeben – an diejenige in Famagusta.

Die Flut …

Der Friedhof der Opfer, die ihr Leben in der Flut von 1894 ließen, wurde Seylap Şehitliği genannt. Dieser Friedhof war speziell für jene Türken von Limassol gegründet worden. Montag, den 12. November 1894, lief der Garillis Fluss über[, ein Szenarium, welches man sich heutzutage bei bestem Willen nicht vorstellen kann, da von einem solchen Fluss eigentlich nichts mehr ersichtlich übrig geblieben zu sein scheint]. Was von dem Friedhof auf der östlichen Seite am Ufer des Flusses noch übrig ist, ist sehr nahe der einstigen kolonialen Brücke namens 4 Laternen gelegen gewesen. Die Flut hatte viele Häuser weggeschwemmt, so auch die Gedit Moschee, wie auch die hölzerne Brücke. Die Flut, war lange in der Erinnerung der Menschen Limassols als Art Landmarke haften geblieben, der Weise, dass von „davor“ oder „danach“ (der Flut) gesprochen wurde, wenn beispielsweise die Geburt oder der Tod einer Person Thema war. 23 Menschen müssen damals ihr Leben verloren haben. Nach dem, was … erzählt wurde, waren die Leichen der Opfer vollkommen mit Morast bedeckt und mussten zur Säuberung ins Hammam von Hadschi Hasan Agha gebracht werden, welches am südlichen Ufer desselben Flusses gelegen war – was auch zwecks Identifizierung der Leichen geschah. Nachdem die Toten gewaschen worden waren – wie es in der Tradition der Muslime üblich ist -, wurden sie auf jenem Friedhof begraben, wo ein Stein mit einer Gravierung am Eingang angebracht wurde, auf dem stand: Flutopferfriedhof 1894 – Seylap Şehitliği.

Eine Sackgasse auf der nördlichen Seite der ehemaligen Ankara Straße, war auch jener Ort, der von der Flut am meisten betroffenen wurde, wo Raif Efendi, ein ehemaliger Stiftungsangestellter, seine Mutter und Schwester verlor. Er konnte jedoch sich selbst retten, indem er auf einen Feigenbaum gestiegen war, der im Garten des Hauses stand. Raif Efendi starb im Jahr 1942 im Alter von 82 Jahren, was bedeutet, dass er zum Zeitpunkt der Flut 34 Jahre alt gewesen ist. Nach dem Unglück heiratete er und sein Sohn Ragib Efendi (Gülboy) wurde der erste türkischzyprische Apotheker, dies in der Ankara Straße Ecke Irini Straße, wo er für viele Jahre seinen Dienst für die Limassoler versah. …
Nach dem Desaster von 1894 unternahm die britische Administration geschwind Maßnahmen, Limassol von solchen Bedrohungen zukünftig zu schützen. Dazu wurde der Garillis Fluss in zwei Läufe geteilt: und zwar westlich bei Tschiftlikoudia. … [In dem uns vorliegenden Buch werden noch weitere türkische Friedhöfe dem interessierten Leser nähergebracht, deren detailliertere Erwähnung hier den Rahmen sprengte].

Han …

Han’ waren zum Rasten da: für Reisende, wie auch für ihre Tiere etc. Han’ gab es gewöhnlich an Kreuzungen von Handelswegen. Auf diese Weise kamen sie den Bedürfnissen der Reisenden und anderen am nächsten. Eigene Produkte wurden verkauft, andere eingekauft. … Es sei daran erinnert, dass bis in die Mitte des 20sten Jahrhunderts auf Zypern Waren mithilfe von Tieren und Karren transportiert wurden. Eine limitierte Anzahl von Kamelen war auch vorhanden. In Han’s gab es die unterschiedlichsten Dienstleistungen. Hufschmiede arbeiteten offenbar rund um die Uhr. Genügend Stalljungen waren auch vorhanden, um sich ums Vieh zu kümmern – und Essen gab es dort ebenfalls. Sattler waren anzutreffen, die ihre Waren feilboten. Allein in der Ankara Straße gab es 6 Han, die noch Anfang des 20sten Jahrhunderts in Betrieb waren. [Die Betreiber der Han’s der Stadt hatten sich jeweils auf verschiedenste Artikel spezialisiert. Beispielsweise gab es einen Han namens Cezar Ustalar Han, den Ali Cevat mit seinen Söhnen betrieb. Sie hatten sich auf das Herstellen von Bettdecken und derartigem Zubehör spezialisiert gehabt. Oder jener Han namens Halid, der sich den Vertrieb von Kaffee und Tee ausgeguckt hatte und von einer Frau, Halid Azmi, betrieben worden war, einer Türkischzypriotin.
Zuletzt sei noch der Alte Offene Markt genannt, auf dem Rinder ge- und verkauft wurden. Der befand sich in der Irini Straße, und zwar genau gegenüber vom Leftari Schloss (Cankurtaran). Heute steht dort KEO, das ist Cyprus Wines & Spirits. KEO, so ganz nebenbei bemerkt, ist eine der gebräuchlichsten Biere Zyperns und wird von der Kirche betrieben. Die meisten Hotels im Süden der Insel sollen auf Grundstücken stehen, die der Kirche gehören. Das heißt, die Kirche ist eines der bestgehenden Unternehmen Zyperns. Manche behaupten sogar, sie schwimme im Geld].

Im Hammam …

Mal abgesehen davon, dass ein Badehaus zu betreiben eine Quelle ist, mit der Geld verdient werden kann, hatte das Hammam ansonsten durchaus auch in Limassol eine signifikante Rolle im sozialen und kulturellen Leben der Insulaner inne – in der türkischen Gemeinde vordringlich. Ein türkisches Bad besteht im Allgemeinen aus einer Halle, die unmittelbar nach dem Eintritt ins Gebäude sich dem Besucher auftut. Dieser Bereich wird im Türkischen soyunmalık oder camekan genannt. Das ist also der Bereich, in dem die Kleidung abgelegt wird, auch die Unterwäsche, und zwar hinter einem Vorhang oder dergleichen geschieht das, wo sich sodann für das anstehende Bad [mental] vorbereitet wird. Überhaupt korrespondiert die räumliche Aufteilung eines Hammam mit dem Römischen Bad, der erst erwähnte Raum ist auch als apoditerium bekannt.
Andere wichtige Abteilungen eines türkischen Bads sind die kalte, die warme und die heiße Zone sowie die Aborte plus Wasserdepot, der külhan. Die drei ersteren Räume waren ursprünglich immer Räume mit gewölbten Decken, in denen Löcher mit meist [einigen] bunten Gläsern ausgestattet angebracht waren, sodass das Tageslicht den Raum [entsprechend gedimmt und gefärbt] durchfluten konnte. [Was im Buch nicht erwähnt wird, ist, dass bevor die Hammambesucher die Umkleide verlassen, haben sie sich ein meist mit bunten Quadraten versehenes Tuch umgebunden, dass in der Regel vom Bauchnabel bis zu den Knien den Körper verdeckt. Das Tuch wird eventuell abgenommen, wenn niemand Weiteres im zuvor bezeichneten warmen Raum sich befindet, in dem gewöhnlich 3 oder 4 Vorrichtungen zum Waschen sind, genauer Becken (kurnas), über denen Heiß- und Kaltwasserhähne auf- oder zugedreht werden können; und eine Art Becher ist für jedes Becken vorgesehen[, der meist aus Plastik heutzutage ist], um das Wasser bequemer über sich schaufeln zu können, den leğen. Die meisten Männer legen, auch wenn sie alleine sind, an diesem Ort das Peschtemal nicht ab, welches sie um den Körper gebunden haben, sodass keine Missverständnisse entstehen können – und dergleichen mehr].

In der Mitte des Hammam ist ein großer [zumeist recht heißer] Stein, der göbek-taşı. Hier liegen die Besucher drauf, auch, um ihren Körper zu erwärmen, damit im Anschluss eine KESE mit einem etwas rauen Handschuh durchgeführt werden kann, den ein Angestellter namens tellak übergestreift hat dazu.
Einst war die Hammam-Ausrüstung ein Geschenk, welches man der Braut überreichte, noch bevor sie in das Haus ihres Mannes zog [Wie bereits aufgefallen sein dürfte, werden in dem hier in Auszügen zitierten Buch die Traditionen und das Leben der türkischen Gemeinde Limassols nahezu ausschließlich dargestellt. Insofern unterscheidet sich dann auch das, was bei Griechisch- oder Türkischzyprern als traditionell gilt oder galt zuweilen. Denn: Bekanntlich sind es unter Griechen meist die Männer, die in das Haus einer Frau ziehen, und nicht umgekehrt, wie bei den Muslimen]. …
Die Waschprozedur im Hammam beginnt also damit, den Körper mit dem rauen Handschuh, der kesesi, abzureiben, um die Hautoberfläche zu säubern. Das kann auch alleine gemacht werden, oder aber mithilfe des tellaks. Bei den Frauen werden Letztere natirs genannt. Bei Bedarf helfen diese den Besuchern auch dabei, sich aus der heißen Zone in eine andere des Hammams zu bewegen. Versteht sich, dass deren Service für eine Kese nicht im Eintrittspreis inbegriffen ist [, oft ist der Preis auszuhandeln, vor allem, wenn man Ausländer, oder dem Personal nicht bekannt ist].
Die Hammam der Frauen waren offen von 12 Uhr bis Sonnenuntergang. Während allen anderen Tageszeiten gehörte [und gehört] das Areal den Männern [Hier im Süden, wie neuerdings auch im Norden der Insel, ist seit Längerem die Mode ausgebrochen, Männer und Frauen zusammen den Hammambesuch genießen zu lassen.
Des Weiteren gehört hier noch hinzugesetzt, dass es oft einen extra Stein gibt, auf dem die Haut mit dem kesesi gesäubert wird, den man kil-taşı nennt. Kil wird die alte Haut genannt, die abgeschruppt am Lappen hängt oder zu Boden fällt und gewöhnlich sogleich mit reichlich Wasser entsorgt wird]. …

Zitronenblüten oder Rosenblätter wurden ebenfalls im Prozess der Säuberung zur Anwendung gebracht, so auch zum Haarwaschen, was dem Haar einen lichten und leichten Touch vermittelt. [Also genauer: Eine Art Masse wurde mit oder aus den erwähnten Zutaten gebildet, der Vorgänger des Shampoo sozusagen]. …
Limassol besaß viele Hammam, insgesamt 11, die der Öffentlichkeit in den Quartieren der Türken zur Verfügung standen.

Der Konak

Konak ist der türkische Name, der einem großen, ehrwürdigen Familiensitz gegeben wurde, welche in der Zeit der Osmanen gebaut wurden. Sie stehen im Grunde als Synonyme für einen gewissen Baustil: Bögen, Terrassen. Wenige dieser Häuser wurde von Griechischzyprern besessen. Die nennenswertesten Exemplare sind im ehemaligen türkischen Viertel zu finden gewesen. Doch nur ein Paar wenige stehen heute noch. Die meisten gibt es in der Ankara Straße, sind dort leicht auszumachen. … [Auch hier werden wir uns damit begnügen müssen, lediglich einen der vielen Konaks etwas näher bestimmt zu bekommen, nämlich den Hadschi Ibrahim Agha’s].

Ibrahim Agha’s Konak

Diese Person hatte zwei Brüder: Arifoglu und Osman. Ibrahim verkaufte Karob, importierte und exportierte. Viele Immobilien waren in seinem Besitz in Limassol, wie auch in einigen Dörfern; ja, sogar eine Farm gehörte ihm, und zwar in dem Dorf Mathikoloni.
Seinerzeit hatte sein Konak in Limassol zwei Eingänge: der eine ging zur Ankara Straße, der andere (Selamik) zur Irini. Der erst genannte Zugang zum Haus war jener, der den Frauen zugedacht war (Haremik).
Zu jener Zeit waren die Konaks der Reichen in zwei Gebäudeteile aufgeteilt, nämlich in den erwähnten Haremik beziehungsweise Selamik. Alle männlichen Besucher hatten letzteren zu benutzen, um ins Haus zu gelangen.

Hadschi Ibrahim Agha war mit der Schwester von Fethi Efendi verheiratet. Fethi war ein weiterer Notabler Limassols, der allerdings keine Kinder hatte. Am Ende seines Lebens gab Hadschi Ibrahim Agha seinen Besitz an seinen Bruder Arifoğlu weiter, sowie an die Kinder des anderen Bruders, Osman. Diese Kinder waren alle in jenem Konak groß geworden. Die Farm in Mathikoloni erbte Arifoğlu [etc. Ali Nadschi Efendi war einer der Neffen des Hadschi Ibrahim Agha, die geerbt hatten. Dieser Neffe war inzwischen zum Mann geworden und seinerseits verheiratet] …
Nach der Geburt einer Tochter durch Küçük Hanum, ließ sich erwähnter Neffe, Ali Nadschi Efendi, von seiner Frau scheiden. Als Grund gab er an, dass seine Frau ohne seine Einwilligung nach dem Hafen von Limassol gegangen war, um ihrer Schwester Gute Reise zu wünschen, die sich per Schiff auf den Weg nach Mekka zur Pilgerfahrt gemacht hatte. Das Schiff, welches die Pilgernden nach Mekka an Bord hatte, machte also zuerst Halt in Limassol und danach in Larnaka. Seine Frau hatte entschieden, sie würde ihre Schwester auf dem Weg nach Mekka bis nach Larnaka lediglich begleiten – um dann auf dem Landweg zurück nach Limassol zu gelangen.
Zurückgekehrt, musste sie indes einen Entscheid des Scharia-Gerichts entgegennehmen, welcher besagte, dass sie von nun an eine Geschiedene ist, und zwar unter der Regelung namens „von3zu9“, was bedeutete: „Ich verstoße dich!“ [Eine Formulierung, die bekanntlich 3 oder 9 Mal ausgesprochen, muslimischen Männern nach Auslegung gewisser Interpretationen der Scharia das Recht gibt, gegebenenfalls sogar ohne Richter oder sonst einer Instanz – es müssen lediglich 3, besser 4 Zeugen anwesend sein -, die Ehefrau ‚in die Wüste‘ zu schicken].

Eine Scheidung, die derart vollzogen worden ist, erlaubte den Männern nachträglich nicht, sich erneut mit derselben Frau zu verheiraten. Doch in Ali Nadschis Fall gab es einen guten Grund, von dieser Regelung eventuell abzusehen. Seine Ehefrau war nämlich schwanger, und würde schon bald gebären. Im Falle, dass sie einen Sohn zur Welt bringen würde, wäre es möglich, den Heiratsvertrag zu erneuern. Doch ‚unglücklicherweise‘ gebar sie als zweites Kind dieser Ehe eine Tochter, und so wurde eine Erneuerung praktisch unmöglich vonseiten des Regelwerks der auf Zypern gebräuchlichen Scharia. Es bestand allerdings die Möglichkeit, eine so genannte hülle-Transaktion durchzuziehen. Letztere war eine Art Strafe, die dem Mann auferlegt wurde, der die Frau mit der Regel von3zu9 geschieden hat.
Hülle bedeutete also eine Art Interims-Pflichtheirat, nämlich dergestalt, dass die verstoßene Frau mit einem anderen Mann zu heiraten hat. Erst danach konnte eine erneute Heirat mit dem einstigen Ehemann wieder in Angriff genommen werden. … Meist wurden solche heiratstechnischen Winkelzüge aber als nicht akzeptabel angesehen.

Ali Nadschi verweigerte diese Art einer Bestrafung und heiratete anstatt die Tochter von Hadschi Hüseyin Agha. Diese Familie war eine weitere reiche Familie Limassols. Sie sind die einstigen Gründer der Neuen Moschee (Gedit) gewesen. Der Name der neuen Braut war Fatima. Sie war die Schwester der damals sehr bekannten Aische Hanum, sowie Schwester des Vehbi-, Bahaeddin-, Nusret- und Hulus Efendi. Fatima starb unglücklicherweise schon bald nach der Geburt einer Tochter. Dergestalt hatte Ali Nadschi Efendi plötzlich drei halb-waise Töchter [zu versorgen].
Um sicher zu gehen, dass seine Kinder gut groß werden und keine Stiefmutter ins Haus genommen werden müsste, heiratete er kurzerhand die Frau seines verstorbenen Bruders Mustafa, die auch Schwester seiner ersten Frau war, die Aische.
Bis zu seinen letzten Tagen blieb er mit ihr ein Paar. Die einstige Scheidungsentscheidung (von3zu9) bereitete ihm, wie auch seinen Nächsten in der Folge noch einige Schwierigkeiten und Kopfzerbrechen [juristisch].

1930 kam eine große ökonomische Krise in Zypern auf, die anhielt. Ali Nadschi Efendi griff zu einem Darlehen, welches ihm der Griechischzyprer Hadschi Gabrieli gewährte. Das Darlehen deckte 99% seiner Immobilien ab. Der Griechischzyprer machte daraufhin einen Versuch, den Dörflern einen höheren Zins abzuverlangen, um von erwähntem Deal noch mehr profitieren zu können, doch er scheiterte damit und ging bankrot. Und so kam der ganze Immobilienbesitz von Ali Nadschi an einer öffentlichen Auktion unter den Hammer.

Das ist somit das Ende der Geschichte des Konaks des Hadschi Ibrahim Agha, eines Mannes, der in seinem beruflichen Leben stets ein Vierzigstel seines Vermögens den Armen als Zekat im Ramadan gespendet hatte.

Der Kleine Markt (Bandabulla)

Der kleine Gemüse- und Fleischmarkt bekannt als Bandabulla, davor bekannt unter dem Namen Kinnapli Kahve, wurde vonseiten der Türken zwischen 1934 – 1935 erbaut, und zwar auf dem Grundstück eines einstigen Kaffeeladens, sowie anderen Geschäften, die zu den Stiftungen der Dschami Kabir (Großen Moschee) gehörten. Der Kaffeeladen hat seinen Namen von den Karnobbaum erhalten, der dort einst im Hof gestanden hat.
In jenen Tagen im Sommer erfreuten sich die Kunden des Kaffeeladens am Schatten, den der Karnobbaum warf, indem sie entweder sich einfach dort ausruhten, oder aber, Tavla spielten, wozu Kaffee getrunken wurde und Nargile [Schischa] geraucht.
Erzählt wird, es habe eine größere Auseinandersetzung zwischen der Stiftung und dem Rathaus wegen des Markts gegeben. Die türkische Seite bestand darauf, dass ein weiterer Markt angeschlossen wird, auf dem nur Rindfleisch und Lamm verkauft wird und sonst nichts anderes; welches nach islamischem Verfahren, [halal], geschlachtet worden ist; und die griechische Seite basierte ihre Gegnerschaft zu solch Plänen auf der Grundlage, der Karobbaum im Hof habe einen historischen Wert und sollte nicht gefällt werden nur um einen zweiten Markt hinzustellen. Die türkischzyprische Seite wendete sich daraufhin an den Gouverneur Zyperns, der entschied, umgehend eine Untersuchung der Lage durchzuführen. Der Gouverneur begleitet von Sir Mehmet Munir, Vorsitzender der Stiftung, organisierte eine Versammlung genau dort am Baum. Die Türkischzyprer repräsentierte der Zahnarzt Huseyin Schefik, und die griechischzyprische Seite vertrat ein Anwalt namens Sir Panagiotis Kakogiannis. Letzterer verteidigte die zuvor erwähnte Idee der Bestandswahrung des Baumes. Heraus kam, dass es in Limassol viele Karobbäume gebe, weshalb kein Grund bestünde, diesen einen Baum nicht zu fällen, um einen Markt anzubauen. Der Bürgermeister in jenen Tagen war Herr Hadschipavlos. … .Der munizipale Markt wurde von dem Architekten Yunus Nadi entworfen, der ursprünglich aus dem Dorf Anoyra stammte. Er war es auch, der das Gebäude auf der Paphos Straße entwarf, welches zu Sabri Konur gehörte, die jetzt Mishaouli Straße genannt wird. … Der Name Kinnapli Kaffee, welches seinerzeit ein Symbol für die Gegend darstellte, wird zuweilen immer noch erwähnt; und die Geschichten, die sich darum ranken, werden ebenfalls erzählt, obgleich all dies schon vor Langem passierte.

Der alte Hafen …

Die so genannten Lighters, waren jene, die verwendet wurden, um Waren auf Schiffen auf- und abzuladen im Hafen von Limassol. Bis zur Konstruktion des Neuen Hafens im Jahr 1974, waren diese Lighters (Löschtrupps) also in Anwendung, auch, um Waren in die Lager zu bringen, oder von dort weg. Es ist allgemein bekannt, dass während der britischen Herrschaft die meisten Lighters im Hafen von Limassol Türken waren. Ahmet Çavuş, ein Seeman aus Kreta, war die führende Person unter den Lightern jener Zeit, der ihre Dienste organisierte. Sein Neffe, Ali Osmançık setzte diese Art Geschäft mit seinem Sohn Rauf bis 1974 fort. Diese Familie hatte drei Lastschiffe, die unter anderem auch ins Ausland fuhren. Sie boten ihre Dienste für einen relativ langen Zeitraum Importeuren und Exporteuren aus dem Mittleren Osten inklusive der Türkei, Nordafrika und dem Roten Meer an. ….

Makbule war der Name der Tochter Ali Osmançık’s. Ersteres ist auch einer der Namen eines der Lastschiffe der Familie. Der Schiffsmeister dieses Schiffs war also Rauf Osmançık. Es segelte Häfen im Mittleren Osten an und hatte im Allgemeinen zyprische Exportwaren an Bord.
Einst wurde die Makbule zum Mythos in Limassol, als Rauf zusammen mit 3 weiteren Seeleuten … fortsegelte und an einem abgelegenen Hafen im Süden der Türkei vor Anker ging. Dort verbrachten die Seefahrer einen zeitlich sehr langen Aufenthalt, ohne irgendeine Nachricht von sich zu geben. All das geschah, da Rauf Osmançık einen Streit mit seinen Eltern hatte. Er hatte den Wunsch, ein griechischzyprisches Mädchen zu heiraten, was man ihm nicht erlaubte.
Alle Männer an Bord der Makbule, glaubte man, seien verloren gegangen. Religiöse Zeremonien wurden für sie bereits abgehalten. Doch nach einiger Zeit klärte sich diese Angelegenheit durch die Rückkehr der Makbule und ihrer Besatzung.
Diese Geschichte erzählte man sich noch lange danach, eine limassolanische Legende.
[Diese türkischzyprische Familie hatte also einige Schiffe, die national und international verkehrten. Ob Makbule dennoch glücklich wurde oder nicht, erfahren wir nicht, ebenso wenig, wie es dem um sie unglücklich Freienden in der Folge erging.
Da hier zuvor der Begriff Meister gefallen ist, und Sie sich eventuell dachten, müsste da nicht „Kapitän“ stehen, mag noch Folgendes nachgereicht werden, das ebenfalls in diesem Kapitel des Buches geschrieben steht und nicht etwa woanders:]

Die Meister, welche auf den Lighters zum Dienst eingeteilt waren, wurden „Kaptan“ genannt auf Griechisch. Die bekanntesten unter ihnen, die Spuren am Hafen von Limassol nach ihrem Ableben im öffentlichen Gedächtnis hinterließen, waren: Arnavut Mehmet, Zarif Kaptan [etc.]. Die Segel, welche in Gebrauch waren, stammten ausschließlich aus lokaler Produktion. Jene Kapitäne, die im Herstellen der Segel am Geschicktesten waren, waren Nabi Kaptan und Mustafa Schonya. Angestellt, Segel zu reparieren, war [unter anderen] Hassan Kamitsis [usw]. Die Meister der Lighters erhielten gewöhnlich 50% mehr Lohn als die restlichen Seeleute. Vor dem Zustandekommen eines Arbeiterdienstes, wurde das Einsatzvolumen der Lighters entweder von den Schiffseignern oder den Vorarbeitern festgelegt. Die Letzteren bevorzugten gewöhnlich jene Seeleute, die auch regelmäßig zu Wartungsarbeiten erschienen, was als „angaria“ bekannt war. Angaria war Arbeit ohne Bezahlung. Die Segelschiffe der Lighters wurden an Land gezogen, wo sie im Hof der kleinen Werft gegenüber dem Öffentlichen Garten angestrichen wurden – auch andere Arbeiten standen dann an. Besonders in den Sommermonaten hatten die Segelschiffe gewaschen, und mit Meerwasser befeuchtet zu werden, welches in eimerartigen Gefäßen herangetragen werden musste, die gern auch aus Zinn gemacht waren. Auf diese Weise versuchte man zu verhindern, dass die Oberfläche des Schiffrumpfes einriss. Diese Tätigkeiten gehörten also zu den Pflichten namens angaria, was eine Leistung bezeichnet, die nicht angerechnet oder entlohnt wird.
Nachdem der Arbeiterdienst als Institution eingerichtet worden war, und wenig später eine Gewerkschaft, wurde angaria zu machen verboten.

Nachdem sich die Limassol Transport Gesellschaft gegründet hatte, kamen speziell ausgestattete Boote in Anwendung („tug-boats“), die die Waren zwischen Anlegestelle und Schiffen bewegten – schon bald wurden Segelschiffe abgeschafft [, und somit auch ein Teil der Arbeiten eines klassischen Lighters]. … .

Die türkischen Fischer Limassols

Vor dem Bau des Hafens der Lighter erlaubte die Hafenbehörde Schiffen entlang der Anlege, Anker zu werfen. Letzterer Ort war auch als Jüdische Anlege bekannt. Diese zuletzt genannt Ort war im Westen der Hauptzollamtsanlegestelle des Hafens von Limassol gelegen. Damals war den Fischern erlaubt, ihren Fang früh morgens eben dort an Land zu bringen. Es gab registrierte und lizenzierte Ruder- und Motorboote, denen gestattet wurde, entweder mit Netz oder mit Angelrute zu fischen – und zwar innerhalb des Gebietes, welches in den jeweiligen Lizenzen ausgewiesen war. Zum Beispiel gab es eine Lizenz für Limassol – Zygi oder Limassol – Akrotiri [etc.]. … Der Fang wurde bereits auf den Booten gewogen und auf Schnüren aufgereiht, die aus frischen Palmen- oder Feigenblättern gefertigt waren. Sodann wurden die gefangenen Fische an Fischverkäufer übergeben, die in den Straßen Limassols zu Fuß oder auf Fahrrädern die Ware vertrieben. Der Preis wurde pro Schnurlänge festgelegt. Auf einer Schnur konnte entweder lediglich eine Sorte Fisch oder verschiedene gekauft werden – arrangiert je nach der Güte und Menge des morgendlichen Fangs.

Zurückgekehrt an die Anlagestelle wurden die aus künstlicher Seide oder Baumwolle gefertigten Netze in Körben, die ihrerseits aus gewobener Palme oder Farn gefertigt waren, an eine speziell dafür eingerichtete Stelle gebracht. Hier wurden die Netze aus den Körben genommen und zum Trocknen über hölzerne Vorrichtungen gehängt, die 1 bis 1 Meter 50 hoch waren, deren Holzfüßchen in den Boden verankert gewesen sind. Dieser Ort befand sich hinter der Spirituosenfabrik, bis der Hafen der Lighter erbaut wurde. Die erwähnte Fabrik gehörte Christodoulou Hadschipavlou. Sie erstreckte sich bis ans Meer. Später wurde die Fabrik an den St. Antonios Platz verlegt, in den Hof der alten Öllager.

Nachmittags war es recht anschaulich, den Fischern beim Reparieren der Netze zuzusehen mit ihren Webnadeln. Diese Arbeit benötigte durchaus spezielle Kenntnisse und Sorgfalt. Sodann wurden die trockenen und reparierten Netze zurück in die Körbe gelegt, zum Anlegeplatz getragen und auf die Schiffe für den nächsten Fang verladen. …
Es gab auch Tintenfischjäger. Diese benutzten spezielle Haken, und zwar in der Gegend zwischen dem Schlachthaus und der erwähnten Jüdischen Anlege [Dort gingen dieselben auf Jagd]. Aufgrund des felsigen Seegrunds gab es Tintenfische in Hülle und Fülle. Auch diese [Meeresbewohner] wurden in den Straßen Limassols verkauft, allerdings von anderen Personen, also von anderen als jene, die die gefangenen Fische dort vertrieben. … .

Zusätzlich zum Fischen mit Netzen war noch eine andere Art zu fischen gebräuchlich, welche in seichten Gewässern ausgeführt wurde, und zwar mit speziellen runden Netzen, die 2-3 Meter Durchmesser hatten und aus Ägypten importiert wurden. Diese Netze wurden „mizovolo“ genannt. Die Fischer gingen entweder in Badehosen ins Wasser oder nach dem sie ihre Hosen bis zu den Knien hochgekrempelt hatten. Dann warfen sie die Netz auf eine Art und Weise, die das Netz sich komplett öffnen ließ und dort zu Wasser ging, wo Fische sich an einem Stück Brot oder einem anderen Köder angesammelt hatten. Der einzige Fisch, der auf diese Weise gefangen werden konnte, waren der kephalos und der sarpa. … .

Cafes …

Türkische Cafes am Hafen von Limassol waren in der ganzen Stadt gefragt, sogar zu Gericht wurde auf sie als Art Grenzstein Bezug genommen. Sie spielten einen besonderen Part im sozialen Gefüge der Stadt. … Die Cafes öffneten bereits sehr früh morgens, sogar vor dem Sonnenaufgang, um die Seeleute bedienen zu können, sowie die Lighters, die zur Arbeit in den Hafen kamen – oder jene, die dort Besorgungen zu machen hatten. Nicht nur im Hafen Tätige wurden von diesen Cafes angezogen. Ganz Limassol ging dort ein und aus. Man diskutierte über politische, kulturelle und soziale Dinge der Stadt, und darüberhinausgehend der Welt. Gab sich Rat und Ideen. [Die angesagtesten Cafes waren jenes mit dem Namen Akif in der Hermes Straße, sowie Avnis, welches genau gegenüber des Eingangs zum Hafen lag und Sabbars in der Agoras Straße. Schauen wir uns das von Akif Nouri mal genauer an].

Cafe Akif

Dieses Cafe wurde Jahrzehnte von Akif Nouri betrieben. Er stammte ursprünglich aus Paphos und war der Sohn von Nuri Hafiz Mehmet und Urenkel des Hafiz Osman. Die Letzteren waren eine sehr bekannte Familie in Paphos gewesen.
Seine Grund- und Hauptschule hatte Akif in Limassol durchgangen, doch da er Vater und Mutter verloren hatte, war es ihm nicht gegeben, seine schulische Ausbildung fortzusetzen. Und so begann Akif, eine zeitlang im Cafe von Avni zu arbeiten, bis er schließlich sein eigenes Cafe in der Hermes Straße eröffnete, und zwar im Stiftungsgebäude. Dort wurden Kaffee, Tee, Wasserpfeife, Lokum … und Zigaretten hauptsächlich angeboten. Meist saßen dort Lighters als Kunden, die auf den Beginn ihrer Schicht warteten; so auch Fischer, die vorrangig abends vorbeischauten und ihre Netze mit ihren speziellen hölzernen Nadeln flickten. … Abgesehen von den Fischern, vor allem an Sonntagen und im Winter, verkehrten in Akifs Cafe durchaus auch andere, prominentere Kunden, die zum Wasserpfeife smoken kamen. Unter ihnen gab es die armenischen Händler, die ursprünglich aus der Türkei stammten und deren türkische Geschichten zu hören, ein Genuss gewesen sein muss. Herr Stephan, der ein Wasserpfeifen-Importeur war und ein Geschäft nahe des türkischen Bads hinter der Großen Moschee hatte, war einer jener armenischen Kunden und bekannt für seine spitzfindigen Witze. …

Akif Nouri sprach fließend Arabisch und auch aus diesem Grund war sein Cafe ein Treffpunkt für Meister und Seemänner der arabischen Schiffe und Motorboote, die in Limassol vor Anker gingen. Während des II. Weltkriegs waren es diese Segelschiffe, die von Alexandria, Beirut, Tripoli, Haifa etc. kommend, großen Anteil daran hatten, die entstandenen Kommunikationsprobleme Zyperns zur Welt zu erleichtern.
In diesem Cafe trafen sich also vor allem Exporteure oder deren Repräsentanten mit Meistern von Schiffen, die in See zu stechen gedachten. Vereinbarungen wurden gern schon dort getroffen – bezüglich Transport und Art der Waren. Karob, Trauben, Wein, Essig, Zwiebeln, Knoblauch, frische und getrocknete Früchte waren unter anderem die Hauptexportwaren, die diese Schiffe transportierten.
Kostas Antoniadis war derjenige, der für die erwähnten Angelegenheiten am Hafen zuständig war. Sein Büro ist genau neben dem Cafe von Akif gelegen gewesen. Antoniadis betrieb eine Art Hauptagentur für diese Schiffe und entsprechende Exporte. Bei Bedarf assistierte Akif Antoniadis als Übersetzer.

Akif liebte Katzen und hatte mindestens zweie bei sich in den Räumen des Cafes. Seine beiden Brüder …, die im Schlachthaus arbeiteten, waren beauftragt, jeden Tag etwas Restfleisch für die Katzen mitzubringen. Dafür gab es Kaffee oder irgendein anderes Getränk nach Wahl. Die beiden Brüder sammelten ansonsten Fett der Rinder im Schlachthaus, die geschlachtet worden waren, stauten es in runde Blöcke und verkauften es sodann an Schiffseigner, wie auch an arabische Seeleute, die von auswärts gekommen waren. Das Fett wurde verwendet, um die Schiffe abzudichten, wenn sie repariert oder gewartet wurden.
Weil die beiden Brüder die Katzen mit Fleisch versorgten, wurde ihnen erlaubt, ihr angesammeltes Fett im Cafe zum Verkauf auszulegen und es, ohne Kommission abgeben zu müssen, zu verkaufen.

Gemäß Angaben, die in den Büroräumen einer Stiftung aufbewahrt waren, wurden die Räume über dem Cafe für einige Zeit auch vom Türkisch-Zyprischen-Club verwendet, wo Beamte und gesellschaftlich Höherstehende sich zum Spielen einfanden oder einfach ihre Zeit verbrachten. Die Getränke wurden unten bei Akif bestellt. Das geschah, indem die Bestellungen durch eine Röhre in der Wand geschrieen wurden, die den Club mit dem Cafe darunter verband. An beiden Enden der Röhre waren konisch geformte Enden angebracht, was das Hören der Bestellungen erleichterte.

Ältere Besucher dieses Orts wussten zu berichten, dass einst sogar ein ägyptischer Prinz die Türken in diesem Club traf. Suleyman Arifoglu trat [zu diesem Anlass] als der Sprecher der türkischen Gemeinde Limassols auf.
[Was im Buch als nächstes Thema vorgestellt wird, aber hier nicht Erwähnung findet, sind die vielen Restaurants, die von Türkischzyprern zu jener Zeit in Limassol geführt wurden, wovon einige sogar international einen gewissen Ruf gehabt haben sollen].

Händler und Handel

Im Jahr 1830 wurde eine Volkszählung von der osmanischen Administration Zyperns durchgeführt, die auch Arbeitsplätze miteinschloss. Händler und die Arbeitsbereiche, die vorherrschten, konnten dergestalt anhand der Geschäfte, die registriert wurden, ermittelt werden. In den großen Städten der Insel, Limassol inbegriffen, waren folgende Berufe führend: Gemischtwarenhändler, Restaurantbetreiber, Großhändler, Exporteur, Schuhwerkproduzent, Händler von Ware aus Zweiter Hand, Textilhändler, Färber, Fleischer, Friseur, Cafebetreiber, Steppdeckenmacher, Schmied, Hufschmied, Bäcker, Halva-Produzent und Gewürzhändler [Nicht verwunderlich, werden manche denken, dass die vielen christlichen Pfarrer oder Priester Zyperns nicht als Berufszweig oder Händler erwähnt werden – so auch die Bauern. Hier ist dem jedoch so, dass das diese beiden letzteren Erwähnung finden, zumal auch sie Geld beziehen und reinvestieren – vor allem auch Handel betrieben im Falle der Geistlichkeit etc. Die Imame der Muslime sollen in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden oder unerwähnt bleiben].

Gemäß statistischer Aufzeichnungen aus jener Zeit war Limassol [offensichtlich auch schon damals] eine der Städte, in denen Handel in einem beträchtlichen Maße betrieben wurde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts existierten 28 Orte der zuvor genannten Tätigkeitsfelder in dieser Stadt, die von Türkischzyprern betrieben wurden. … . [In der Ankarastraße befanden sich viele dieser Geschäfte bis Ende 1940].
Herr Hussein Schonia leitete eine Firma mit dem Namen Houshons Trading Company. Letzterer importierte verschiedenste Artikel aus Hong Kong, die auf der ganzen Insel vertrieben wurden. Namik Ramadan, war damit beschäftigt, Industrieprodukte unter die Leute zu bringen, Rehavi Piskobulu hatte sich auf importierte Waren spezialisiert und arbeitete im Allgemeinen auf Kommissionsbasis. Und zuletzt sei noch Mehmet Tevfik erwähnt, der einen Gemischtwarenladen in der Gazi Pascha Straße mit seinem Sohn Tankut für viele Jahre betrieben hatte. Zum Ende der 1950er Jahre importierte er in großem Umfang vor allem Esswaren und Reinigungsmittel. Er und sein Sohn waren es auch, die einen riesigen Großhandelsmarkt managten. Am Ende dieses Abschnitt des Buchs bleibt uns nichts weiter übrig, als noch die [von Türkischzyprern betriebenen] folgenden Mannifakturen Limassols zu erwähnen: Jene des Mustafa Berberoglu in der Yildiz Straße, wo Wasser in Flaschen abgefüllt und mit Kohlenstoff versehen wurde in den 40er Jahren. Das Produkt war unter dem Namen „Berberoğlu Gazoz“ bekannt. Fuat Neşe stellte in der Gazi Pascha Straße alle Typen von (gepressten) Säften her sowie unterschiedliche Kleingebäck – gegenüber der Domed Fountain. Vecdet Oktekin war ein Chemieingenieur, der Zahncremen herstellte …

[Das obig Zitierte ist dem Buch „Echoes from the Past“ entnommen worden, welches im Jahr 2008 herausgegeben wurde, und von Özay & Selcuk Akif ins Türkische übersetzt wurde.
Dr. Artemis Yiordamli hat das Buch als Haupt-Editor geschrieben. Publiziert wurde es von Terra Cyprus, the Cyprus Conservation Foundation].“

 

 

Nein, mit News zu aktuellen politischen Geschehnissen werden Sie hier diesmal nicht versorgt – obgleich eine Hoteleröffnung, wer weiß, manchem/r ein politischer Akt durchaus sein könnte. Die Rede ist vom „Parklane“.
Wie?
Das kennen Sie noch nicht?
Wie gesagt, wird eröffnet, und zwar im September. Versteht sich, dass die Werbetrommel schon mal gerührt wird.
Letztens die Kathemerini-Sonntagsausgabe gekauft. Es gibt eine zyprische Ausgabe der Kathemerini, in der selbstverständlich dennoch überwiegend eher die Politik in Athen Thema ist, was hier niemand wirklich stört – im Gegenteil. Konservativ darf das Blatt schon genannt werden. Und in jener Ausgabe gab es als Beilage eine auf hochglanz-getrimmte Beilage namens „Cyprus Finest!“ Die zweite Auflage dieses Hefts ist es gewesen, die da miteingekauft wurde.
Zum Abschluss mag Ihnen also genau diese hochglänzende Sicht Limassols noch vor Augen geführt werden.

„… Limassol ist die Heimat des ältesten Parfüms in der Welt. An einem Ort in der Stadt ist dieser Ort, den es noch zu besichtigen gilt, im Dorf Pyrgos. Das Dorf liegt ebenfalls in der Nachbarschaft von Lefkara, welches seinerseits zu den 30 schönsten Städten Europas zählt. Lefkara ist bekannt für seine Strickwaren und filigranen Silberarbeiten.
Genau neben dem Parklane gelegen steht die Burg von Kolossi, die im 15en Jahrhundert von den Kreuzrittern erbaut worden ist. Des Weiteren befinden sich die Stadt Kourion unweit davon, ein von der UNESCO gelistetes Welterbe, wie auch einige Museen. Limassol umgibt eine derart unglaublich schöne und reiche Geschichte, die die Stadt auf Rang 3 der zukünftig als Top-Destination ausgemacht Orte auf der führenden App von TripAdvisor für Touristen und Reisende setzt. Die Geschichte, Kultur, Schönheit und eine Fremde-Willkommen-heißende Bevölkerung machen Zypern zum perfekten Platz, sich vom Alltagstress zurückzuziehen – und das Parklane lässt ihre Ferienwünsche Wahrheit werden.
———–
Das Parklane Resort & Spa ist der Ort, an dem der Alltag sich von Ihnen entfernen wird, und lediglich die Heiterkeit eines Zuhauses – der Götter Luxus – übrigbleibt. Sie haben ein Stück vom Himmel verdient hier auf Erden!

Das Parklane ist das einzige Hotel Zyperns, welches international als „luxuriös“ ausgewiesen wird. Wir sind ganz entzückt, Ihnen zu verkünden: unsere Pforten werden zum Ende dieses Jahres geöffnet – und somit der ganze Chic und das Wunderbare Zyperns[Aus einer von offizieller Seite nicht bestätigten Insiderquelle ist der Redaktion allerdings bekannt geworden, dass die hochtrabenden Versprechungen des Hotelmanagements des Parklane anscheinend nicht eingehalten werden können. Die Eröffnung des Luxushotels soll frühestens im März 2019 möglich sein. Und:].

Das Logo des Parklane kombiniert eine Alabasteramphore – die einst im Gebrauch war, um Parfüme und Fragranzen aufzubewahren – sowie ein stilvoller Stern. Letzteres Arrangement ist Mustern der Stickereien aus Lefkara entliehen, und erzählt von unserer Geschichte, symbolisiert unseren Stolz, Respekt und Liebe zur glanzvollen Tradition, Kultur und Schönheit, die Zypern zu bieten hat. Wir können es kaum erwarten, unser Haus im kommenden September zu öffnen.
Hier herrscht ein Luxus, der nicht künstlich wirkt, sondern ein Produkt einer reichen Kultur ist, Produkt auch des Stolzes auf die Pracht Zyperns, sowie unserer Leidenschaft Sie zu bedienen, zufrieden stellen zu dürfen, der beste Gastgeber zu sein – denn SIE, der Kunde, sind unser Seins-Grund; und Sie zufrieden zu stellen, wird immer unsere größte Errungenschaft sein.

Das Resort wird an der Küste Ihr erstklassiger Ort des Entkommens von allem sein: 300 Meter purer Beach, ein gutausgestattetes Spa mit Swimmingpools und freiem WLAN. Es gibt auch einen Prinzessinnen- und Piratenpark für die Kinder, der mit Schlössern und Wasserrutschen ausgestattet ist – die beiden Parks lassen keinen Wunsch offen, bereiten viel Spaß.

Parklane Resort & Spa ist der perfekte Himmel auf Erden für Touristen, Reisende, Geschäftsleute und mit Familie Reisende. An was es Ihnen lediglich fehlen wird, sind Worte zu beschreiben, wie unangestrengt wir qualifizierte Dienstleistung in fröhliche Zufriedenheit transformieren.
Unsere Suites stehen bereit für die verschiedensten Besucher: für Paare, Familien, Geschäftsleute oder Singles. Die Suites favorisieren einen mediterranen Stil im Dekor, die wiederum mit Formen gebräuchlich in Lefkara akzentuiert sind, mit einzigartigen originär zyprischen Handstrickereien.
Stickereien aus Lefkara schmücken den Altar des Doms von Milano. Nachdem Leonardo da Vinci sich hier auf Zypern verliebt hatte, konnte er einfach nicht umhin, das von Hand Gestrickte nach Italien mitzunehmen. In der Tat sind die hiesigen Handarbeiten so speziell, dass die UNESCO sie auf die Liste des Unberührbaren Kulturellen Erbes setzte.

Dergestalt ist also der Luxus gestaltet – mit einem Touch aus Tradition und Geschichte -, der Ihren Räumlichkeiten bei uns innewohnt.“

Nun, Sie sehen, die Werbetrommel wird gerührt. Das Parklane ist genauer gesagt eine Art erweiterte und renovierte Version des ehemaligen Meridian-Hotels von Limassol.
Apropos Erweiterung: Falls Sie es noch nicht gehört haben sollten, die zyprische Mafia übertreibt in letzter Zeit. Anscheinend gibt es Bandenkrieg zwischen verschiedenen Zweigen dieser Mafia. Dem Vernehmen nach ist auch ein geringer Teil der Polizeikräfte Zyperns involviert, und zwar als mafiöse Täter in Uniform – oder ähnlich. Heute am 24. Mai 2018 steht in den Zeitungen, dass Razzias der Polizei bei der Polizei offenbar nichts Verdächtiges zu Tage fördern konnten.
Wen wunderts!
Wie sagt man doch gleich: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus! Dennoch ist jeder zweite Südzyprer, nach Angaben der Tageszeitung Alitheia vom 25- Mai 2018, zufrieden damit, dass sich das Land in der EU befindet. Dieser Zustand scheint sich herumgesprochen zu haben. Denn der Zustrom von Flüchtlingen ist geradezu sprunghaft angestiegen 2018: um 56%. Im Norden Zyperns, ist zunehmend zu hören, dass die Einheimischen vermehrt genervt sind von diesem Zustrom. Es ist absehbar, dass dem auch im Süden der Insel schon bald so oder ähnlich vernehmlicher sein dürfte. Man darf gespannt sein, welche Lösungen den jeweiligen Regierungen Zyperns dazu einfallen, bevor sich die Alteingesessenen die Neuankömmlinge womöglich offen und unverhohlen auf den Straßen abwatschen – oder was sich Brüssel beziehungsweise Ankara dazu einfallen lassen wird.

In vorigem Zusammenhang nun ausgerechnet auf das Problem der Drogen zu sprechen zu kommen, ist nicht wirklich fair. Doch eine Zunahme des Problems in Gesamtzypern ist definitiv gegeben seit geraumer Zeit. Allerdings hat dieser Umstand auch eine große Portion Hausgemachtes an sich. Letzteres ist so zu verstehen: Eine Vereinigung der Insel hätte im Prinzip schon längst vollzogen werden können. Doch so etwas wie Nationalismus und Partikularinteressen gewisser Eliten waren und sind erfolgreich darin, so eine Entwicklung zu verhindern, eine Wiedervereinigung also, die sie allerdings noch immer lauthals vorgeben, herbeiführen zu wollen. Einer der Höhepunkte des eben umschriebenen Verwirrspiels dürfte die folgende, geradezu sagenhafte Konstellation sein, dass der Bürgermeister von Paphos sich ausgerechnet die dortige Polizei – mehr oder minder – zum Feind gemacht hat. Er behauptet nämlich, die Polizei sei von mafiösen Strukturen durchsifft und es gebe Bezirke in der Stadt, die gar nicht mehr betretbar wären etc. Die Drogen sollen vorrangig über den Norden Zyperns in den Süden gelangen. Andere Quellen berichten, dass auch aus dem Süden vermehrt Drogen in den Norden gelangten (synthetische etc.). Zypern – nach dem Geschrei, welches der Drogen wegen getan wird – scheint auf bestem Weg, ein Drogenparadies zu werden.
Aus hiesiger Sicht haben diesen Zustand oder diese Entwicklung vor allem gewisse Politiken der regierenden Klasse/n der Zyprer verursacht sowie die lokalen Medien. Es wurde offenbar nicht zur Genüge bedacht, dass die jeweilige Hetze gegen den anderen Teil der Insel durch gewisse Politiker, aber vor allem auch durch die Medien (die schreiben von „Pseudostaat, angebliche Minister, Scheinkabinet“ im Norden etc.) gemischt mit Annäherungsversuchen in Sachen Wiedervereinigung, die sich mit aller Regelmäßigkeit als billiges Gegenteil der vorgegebenen Absicht in irgendwelchen Kurorten in der Schweiz herausstellen, was auch, aber nicht nur, für die psychische Verfasstheit der Leute gewisse Konsequenzen hat (sowie erneut verschärfe Kontrollen an den Übergängen zur anderen Seite der Insel, die wiederum keine Grenzposten nach offizieller Lesart sein sollen; oder Verleumdungen und an Betrug grenzende Praktiken der Politiker während dem Verhandeln der angeblich angestrebten Wiedervereinigung des Landes; gelegentliche Verhaftungen in der sogenannten Toten Zone etc.).
Es heizt all DAS und MEHR nämlich eine eh schon bereits vorhandene Unsicherheit in der Bevölkerung an, und zwar mit wahrscheinlich allen erdenklichen Folgeerscheinungen, die sich entsprechend vertiefen dürften und nach einem Ventil suchen.
Ganz abgesehen davon tobt in der unmittelbaren Nachbarschaft Zyperns, im Nahen Osten und in der Türkei, Krieg, Lug, Trug und abstoßende Ignoranz gegenüber dem Menschenrecht etc. Und auch wenn es in erwähnter Nachbarschaft nicht immer gleich Krieg ist, dann eben alle Male doch ein sozio-politischer und ökonomisch-ökologischer Zustand, der Kriegen so oder ähnlich vorausgeht. Und solch gefärbte Spannung bleibt nun mal nicht im Mittelmeer an der gerade verlegten Superkabelverbindung nach Gibraltar hängen, oder wird aufgrund der vielen Erdöl- und Erdgasbohrungen vermehrt verunreinigten Wasserqualität des Meeres nicht weichgespült, sondern diese und andere Spannungen in der unmittelbaren Region südöstliches Mittelmeer knallen, auch per Television, wahrscheinlich täglich in die Wohnstuben zyprischer Haushalte (im Norden, wie auch im Süden).
Ja, und dergleichen entlädt sich dann eben auf SEINE Weise in den Straßen, Knästen, Nachtclubs und Parlamenten etc. der Insulaner – zum Beispiel indem Drogen konsumiert und/oder gepusht werden.

Auch von daher ist den Zyprern und denen, die dort ihren Wohnsitz haben, dringend zu empfehlen, eine Freigabe von Marihuana und Haschisch nicht noch jahrzehntelang zu diskutieren, oder gar vom Erzbischof absegnen lassen zu wollen, was wahrscheinlich nie geschehen wird, sondern selbstbewusst und im Interesse zu vieler BÜRGER die Legalisation umzusetzen. Solch Maßnahme entlastete nämlich nicht nur das oft ungenügend ausgebildete und längst nicht ausreichend vorhandene Personal in den Haftanstalten Zyperns, hüben wie drüben, sondern eben auch die Anzahl jener, die mit derartig strengen Gesetzen, wie sie noch bestehen, in die Kriminalität, in die Knäste und kollaterale Krankheiten geradezu gedrängt werden.

Zypern – hüben wie drüben – braucht genau auch diese zunehmende Zahl junger Menschen, die mit Drogen experimentierend offenbar (eigene) Grenzen ausloten, gewiss auch erwähnten Stress oder Spannungsgrad abbauen, um endlich aus der Rolle des Nachahmers von Trends gemacht in den USA, China oder Deutschland etc. herauszufinden. Zypern hätte, wie auch andere Orte in der Welt, durchaus das Zeug und die Voraussetzungen, mit etwas mehr Offenheit im Sozialen und weniger Heuchelei im Politischen sowie mit einer restaurierten Bürokratie der Behörden, neue Trends – in welchem Bereich auch immer – zu setzen.
Die beiden zyprischen Administrationen gehen noch immer vorrangig jenen zur Hand, die finanziell sehr gut dastehen.
Kurz: Die alte verkrustete, eigentlich nach Wechsel geradezu schreiende Elite, hüben wie drüben, gehört in den Ruhestand geschickt – und einige von ihnen gehören in den Knast gesteckt und ihres geraubten Reichtums enthoben: siehe Malaysia – als Warnung jenen, die sie ersetzen werden.
Malaysia: Das ist ja wirklich unglaublich, was sich der abgewählte Präsident des Landes unter sein malaysisches Kopfkissen gelegt hat an materiellen Gütern. Vor seinen Palästen und Besitztümern ringen tagtäglich verarmte Leute um ein Stück Brot, und die Verarmten sind nicht zu wenige, und er und seine Familie kratzen der Bevölkerung gierig und geradezu mit Niedertracht noch die letzten Pfennige aus deren Geldbeuteln.

Leider liegt der Verdacht nahe, dass nicht nur auf Zypern, sondern im Westen, ja, weltweit eine Entwicklung der Gesellschaften in solch Verhaltensmuster der Eliten und derer, die sie kopieren wollen/müssen/tun abzeichnet – UND DAS GILT ES ZU DURCHBRECHEN, beziehungsweise umzuleiten.

Bild Nummer 50, „der Tiegel“, des chinesischen Buchs der Wandlungen namens „I Ging“ in der Übersetzung von Richard Wilhelm lässt wissen:

„ … Allein man muss nur dafür sorgen, dass man innerlich wirklich geistigen Besitz hat. Dann wird sicher schließlich die Zeit kommen, da die Hemmnisse sich lösen und alles gut geht. … .“

Mit geistigem Besitz ist oben unter anderem und vor allem gemeint, bescheiden zu sein, und seine Zeit abwartend, sich innerlich zum und für das Wohl der Gemeinschaft vorzubereiten etc. Das ist förderlich fürs eigene Wohl, wird gesagt.
China, wie Sie gewiss schon festgestellt haben, ist nun definitiv und für zukünftig unabsehbar lange Zeiträume unser neuer Bezugspunkt entwicklungstechnisch. Da ist es doch naheliegend, Sie schon mal etwas mehr, zuweilen, auf diesen Player – sozusagen vom Grunde her – einzustimmen!

Read Full Post »

Anfang April. Genauer: Der erste Tag nach Ostern.
War recht ausgleichend Ostern 2018. Jedenfalls was die Zypernundmehr-News Redaktionsräume angeht, war dem so: dort 2 viel zu große Nägel in die Wand gehauen, um den noch in Größe monströseren Spiegel an der Wand aufrechtstehend anzubringen, der kürzlich gekauft werden ‚musste‘. Woanders ein Bild aufgehängt. Mit dem Metermaß sogar den Abstand der Träger am Spiegel gemessen. So schwer ist das Ding, dass er ohne Hilfe an den beiden Ösen hängend nicht angebracht werden könnte.
Die Ösen hatte der Herr von der Lieferfirma eher widerwillig hinten am Spiegel angeschraubt, als er und sein Kollege gekommen waren, um weitere Gegenstände, wie eine Couch, einen Office-Tisch usw. abzuliefern und zu montieren. Das Büro ist inzwischen zur allgemeinen Zufriedenheit neben den Wohnräumen eingerichtet.
Wunderbar ist und war auch, heute Morgen bei Sonnenschein Richtung Süden durch das unweit von Lahr gelegene Dorf Sulz zu fahren, wo ganz viele gelbe Blumenköpfe den Straßenrand der dortigen Hauptstraße säumen und rosa blühende junge Bäume helfen, den frühlingshaften Eindruck in gesteigerte Lebenslust zu wandeln. Ja! Frühling ist gesteigerte Lebenslust, vor allem, wenn man plötzlich wieder ein Mal findet, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.
Durch Sulz fahren, ist angesagter, weil dort ist meist weniger Verkehr anzutreffen, als wenn man sich über die B3 in Richtung Freiburg kämpft, wo eigentlich immer Was los ist, das man nicht unbedingt miterleben mag: Stau, Unfall, Hektik etc. Über Sulz gefahren, können viele noch zu erledigende Dinge wahrscheinlich gleich von Anbeginn an lässiger oder entspannter angegangen werden.
In der Gemeinde Rust, wo von Lahr über Sulz, Kippenheim etc. hingefahren wurde, ist sichtlich spürbar, dass die dortige Saison im Publikumsmagneten Euro-Park von der Besucherzahl her anzieht; also richtiger: im „Europa-Park“. Doch noch längst nicht hat die Massenwanderung in den flächenmäßig wachsenden Unterhaltungspark von Rust vollends eingesetzt. Das kommt noch. Immer mehr Hotels entstehen, ein neuer Dorfteil sogar. Es ist nicht mehr jedermann gegeben, in dieser Gemeinde eine bezahlbare Wohnung zu finden – und schon gar nicht auf die Schnelle. Beziehungen sind gefragt, Geld.
Meines Wissens sitzt man in einer der vorhandenen Bäckereien Rusts zu jenem Zeitpunkt recht gut, nachdem der sogenannte „Stammtisch“ das Feld geräumt hat. Letzterer wird von Einheimischen gebildet, durchweg Männer, die wenig Gutes an ihrer Um- oder Mitwelt mit ihrem Gemurre und An-Klagen belassen. Selten, dass da mal was Positives – unfreiwillig – zu überhören wäre, was aus deren Mündern entlassen wird. Früher hätte man darüber gesagt: „Denen geht es zu gut!“
Kann schon sein, dass all Das auch anders gesehen werden kann!
Jedenfalls so kurz vor 12 Uhr mittags sitzen die Herren vom Stammtisch, die meisten sind Rentner, wahrscheinlich Zuhause und warten, dass ihnen Teller mit Essen gefüllt gereicht werden. Wahrscheinlich kochen einige von ihnen auch selbst, weil alleinlebend oder weil andere Umstände eine ‚schrankenfreie‘ Versorgung der zuvor erwähnten Art verhindern. Und auch Ihnen, verehrte Leser, wird schon aufgefallen sein, dass Selbstkochen doch eigentlich Spaß macht? Es soll ein tägliches Wagnis sein. Ein Abenteuer. Eine künstlerische Betätigung. Der Zeitpunkt, an dem Draußen draußen ist und bleibt.
Die örtliche Verlegung der Redaktions- und Wohnräume bedingt nämlich, dass solch Koch-Wagnis neuerdings nahezu täglich angegangen wird, zumal der Markt der Stadt Lahr praktisch vor den Füßen liegt – 2 manches Mal 3 Tage die Woche stattfindet. Das Schleppen von schweren Taschen und/oder Tüten hat somit ein jähes Ende gefunden – auch sonst sind die Wege kürzer geworden. Zypernundmehr-News befindet sich neuerdings in der Mitte einer kleinen, recht freundlich pulsierenden Stadt im Schwarzwald, wohingegen sich auf Zypern selbst nichts geändert hat. Dort befinden wir uns im ungefähren Dreieck, welches die Städte Limassol, Larnaka und Nikosia bilden. Langsam lernt man sich kennen auf dem Markt von Lahr. Interessante Kunden-Käufer-Beziehungen entstehen. Das gefällt.
Die Atmosphäre ist eine wirklich andere als auf dem Markt in Kandern, wo alles so gedrängt ist. Komprimierter also – vielleicht wegen der Lage in einem Tal. Manche versteigen sich gar darin, zu behaupten, es sei eine „Täler-Mentalität“ existent, mit deren nach Innengewandtheit man umzugehen lernen müsse in Kandern. Etwa so wie hoch oben in den Alpen gilt es das zu sehen, wo die Bewohner auch lieber im eigenen Saft gebrutzelt werden wollen, wird gesagt.
Auch egal: Der Umzug, nämlich weg aus Kandern hin nach Lahr im Schwarzwald, war mehr als notwendig geworden. Zur allgemeinen Überraschung sind die häufigen Aufenthalte in Basel und somit in der Schweiz noch gar nicht groß vermisst worden. Das hat damit zu tun, dass von Lahr aus eigentlich viel bequemer nach Basel oder Zürich gelangt werden kann, und ungefähr genauso schnell und teuer oder billig, als von Kandern aus. Die neugewonnene Nähe ins nördlicher gelegene Kehl, Karlsruhe, Colmar oder Seléstat im Elsass und Straßburg ist WIRKLICH einfach DER Knaller!

Well, der Knaller wird, wie in TRT-Türk zu hören war, dass nun anscheinend doch noch gebaut wird, und zwar in der Nähe der Stadt Mersin. Die sogenannte Grundlage für das schon seit längerem anvisierte Projekt zwischen der Türkei und Russland ist gemeint. Die Basis ist also leider gelegt worden – kein Aprilscherz.
Der erste Gedanke, als von dem türkisch-russischen Projekt gehört wurde: „Aha, nun haben die Israelis wieder zu tun.“ Die haben ja schon über die Medien wissen lassen, allerdings in anderem, aber ähnlichem Zusammenhang, nie wieder zu erlauben, dass in ihrem unmittelbaren Umkreis tödliche Gefahr entsteht. Die Israelis sind ja, wie Sie wissen, deshalb schon vor einiger Zeit in Syrien ‚eingeritten‘, damit ein Mehren von Plutonium für Nordkorea und andere Interessierte unterbunden bleibt. Und was jetzt bei Mersin entstehen soll, welches unweit von Adana liegt und eine weitere türkische Millionenstadt ist, ist mindestens so unschön wie das, was man einst in Syrien vor knapp 10 Jahren in die Luft sprengte per israelischen Flugangriffen.
Man müsse selbstständig werden in Sachen energetischer Versorgung, säuselt Erdoğan und seine ministerialen Hampelmänner. Irgendwie konnte nach geschlagenen 4 Stunden TRT-Türk-Gucken nirgends vernommen werden, wo denn bitte sehr die Reste einer solchen Anlage sicher untergebracht werden sollen in der Türkei? Entschuldigen Sie, wenn hier etwas zynisch bemerkt wird als Antwort auf die gestellte Frage: Vielleicht in den Höhlengängen der frühen Christen nahe der Stadt Kayseri, also in Kappadokien. Oder nach Afrika damit? Letzteres, weil türkische Exporte nach Afrika, wie gerade praktisch jeden Tag verkündet wird auf TRT-Türk oder Int, scheinen exponentiell zu steigen. Hoffen wir mal, dass die Rechnungen für die vorgeblich hohen türkischen Exporte nach Afrika auch wie gewünscht beglichen werden von den afrikanischen Geschäftspartnern.
Nein, nein! So unsensibel, wie das gerade Geäußerte, sind Herr Erdoğan und sein Außenminister Çavuşoğlu nun doch nicht. Beide geben im Verbund mit dem Rest der AKP-MHP-Regierung vor, begriffen zu haben, dass der Islam Vorläufer hat: nämlich das Christentum, doch vor allem das Judentum. Dennoch fühlt man sich als Muslim und Türke zu oft missverstanden und so handelt und redet man anscheinend auch in Ankara. Und deswegen, und manche behaupten nur deswegen, muss die Türkei zukünftig ausgerechnet dieses Atomkraftwerk in Akkuyu betreiben, welches ja in einer Gegend liegen wird, die nicht nur auf Grund ihrer Geologie problematisch ist, sondern auch, weil dort bekanntlich Konfliktzonen verlaufen – West-Südosttürkei, genauer: die Kurden-Türkenfrage; doch auch die wenig erwähnte Frage der türkischen Araber. Armenier, Jeziden, Sinti und Griechen könnten auch noch genannt werden, doch die sind noch immer zu dezimiert von ihrer Anzahl her, und dies seit Beginn des letzten Jahrhunderts, bzw. seit den 20er Jahren.
Derartige Grenzverläufe im Land mag Ankara nicht erwähnen. Das sei schlichtweg Humbug, dort von Grenze zu sprechen: PKK-Propaganda, Fetö-Unterstützung, armenische Lügen, unislamisch, west-imperialistisch etc.
Von der Stadt Mersin war oben kurz die Rede. Ja, dort ist einer der Häfen der Türkei, aus denen sogar Fähren regelmäßig und auch im Winter nach Zypern-Nord in See stechen. Zypern liegt also in unmittelbarer Nähe des geplanten Projekts in Akkuyu, wie allerdings auch Israel und Teile Syriens – und die Saudis zählen sich da auch dazu gehörig, und würden zu gern der Welt zeigen, dass sie mit der Türkei und Israel in Konkurrenz stehen und begriffen haben, dass allein Öl-Verkaufen zukünftig nicht ausreicht, um das Glück der Herrschenden in Riad weiterhin gepachtet zu haben. Sie betteln derzeit (20. April 18) geradezu darum in Washington, sich offiziell als weiteren Player in den Wirren in Syrien einführen zu dürfen – und das möglichst von Gnaden der USA.
Putin sieht sich offenbar getrieben, strategisch ausgefeilt einen Keil zwischen sich und dem sogenannten Westen mit Beihilfe der AKP-Regierung der Türkei etwas tiefer zu verankern – siehe Akkuyu. Wahrscheinlich laufen im Geheimen schon Verhandlungen der Türkei mit Ländern, wie Nordkorea, Pakistan oder China, damit einer von ihnen im Falle, dass Putin und Erdoğan sich schon bald wieder in den Haaren liegen, das Projekt Atomkraftwerk-Akkuyu weiterführt, um einen türkisch atomaren Stern am anatolischen Himmel und auch endlich über dem Mittelmeer erleuchtet zu sehen – zum Schrecken und zur Warnung all jener/n, die es über die Jahre aus Ignoranz und Arroganz usw. nicht verstanden haben, den türkischen Player in die gesamteuropäische Masse einigermaßen ebenbürtig mit einzubinden. Anastasiadis und Co. auf Zypern sind hier die Ersten, die es für dieses Versagen zu nennen gilt. Brüssel und Berlin, Merkel, Seehofer & Co. gilt es dann sowieso gleich nach den Zyprern zu nennen.
Yusuf Ünsal?
Stuttgart?
08. 04. 2018?
Genau. Ungefähr an jenem Wochenende muss es in Stuttgart eine Demonstration von Kurden und ihren Unterstützern gegeben haben. Nichts weiter Verwunderliches. Doch dass Recep Tayyıp Erdoğan einen türkischen (vielleicht auch deutschen) Staatsbürger im Raum Stuttgart telefonisch anruft und diesen als Art Helden in den türkischsprachigen Medien feiern lässt, ist genau die Art und Weise, und somit auch die Bestätigung dessen, dass auf europäischem Boden von Ankara im Ausland befindliche türkische Bürger nicht nur geführt, sondern auch aufgestachelt werden. Der zuvor erwähnte türkischstämmige große Held, den sogar Binali Yıldrım als gutes Beispiel eines aufrechten Türken im Munde führt neuerdings, ist also jemand, der eventuell in Deutschland dauerhaft lebt und sich den demonstrierenden Kurden auf den Straßen Stuttgarts in den Weg stellte, und gegen diese angeschrien haben soll, dass die Türkei in Afrin keine Morde begehe und dass die PKK eine terroristische Organisation sei. Anstatt dass die deutschen Polizisten gegen die Kurden einschritten, wurde berichtet, die wieder mal verbotene Symbole mit sich trugen und Erdoğan einen Mörder schrien, wie immer, wurde Ünsal, wie ausgestrahlte Aufnahmen zeigen, eher unsanft in Gewahrsam genommen. Unsanft, wie zu erkennen war, weil sich der Herr gegen seine Festnahme heftig zur Wehr gesetzt hat. Er soll mit einem Gerichtsverfahren rechnen müssen, wurde berichtet.
Gerade vorhin war nun ein Interview auf TRT-Int zu sehen, wo Bürger Ünal sich angesichts des Telefonates stolz gibt, da ihn sein „Oberkommandierender“ Erdoğan persönlich angerufen habe in der Sache. Was braucht es mehr, um vaterländische/n Ruhm und Ehr als Türke im Ausland zu erlangen?
Deutschland, und wenn es noch so heruntergespielt wird von Politikern und den großen Medienanstalten Deutschlands, ist schon längst zum Austragungsort des von Erdoğan & Co. angeheizten innertürkischen Konflikts geworden. Was auch zu erwarten war. Fehlt eigentlich nur noch diese eine traurige Nachricht von einem ersten Opfer der Hetze via Ankara in Deutschland gegen jene, die andere politische Überzeugungen haben – oder einfach, weil man eine ungeliebte Volkszugehörigkeit hat. Zwar können TRT-Türk & Co. nicht verboten werden, doch es könnten durchaus Maßnahmen ergriffen werden, die sicherer stellten, dass bei Demonstrationen in Deutschland gewisse extremistisch (angehauchte) Gruppen mit Nulltoleranz rechnen müssen vonseiten der Polizei. Für die involvierten Polizisten ist das gewiss kein Zuckerschlecken. Doch die türkisch-nationalistische Welle gehört endlich ausgebremst. Sie birgt nämlich eine gewisse Ansteckungsgefahr in sich. Außerdem müsste mal eruiert werden, inwieweit die Polizisten Deutschlands – im hier angesprochenen Fall jene Polizisten türkischer, kurdischer, arabischer etc. Herkunft – sich überhaupt befähigt sehen, in solchen völkisch gefärbten Einsätzen, möglichst unparteiisch nach geltendem deutschen Recht für Ordnung zu sorgen. Eines der Dilemma der Beamten: Die einen, die auf der Straße randalieren, beispielsweise, sollen eingesperrt werden und die anderen, die in Vereinen und Moscheen agieren, werden vom Staat sogar mit Art Sonderrechten ausgestattet usw. Denn wie bereits in vorherigen Artikeln hier geschrieben wurde: Die Macht der türkischen Religionsbehörde DITIP in der BRD gehört umgehend eingeschränkt. Prediger in deutschen Moscheen dürfen nicht weiterhin Abgesandte der religiös-faschistisch orientierten AKP-Regierung der Türkei sein. Wie Kamera-Aufnahmen letztens bezeugten, werden kleine Jungs dazu angehalten, in Soldatenuniformen durch Moscheeräume zu marschieren – oder wie Leichen in eine türkische Fahne gewickelt auf dem Boden zu liegen etc.
Und von vaterländisch erlegten Leichen haben wir nicht nur in Deutschland zur Genüge die Nase voll seit 1945. Bei vaterländisch kommt einem natürlich auch gleich jemand wie Herr Bahçeli in den Kopf, der mit Erdoğan in der Türkei die Regierung bildet. Der erstere hat letztens zwar nicht unbedingt eine Leiche gelegt oder vergraben. Aber er versuchte, dabei zu helfen. Denn: Dieses Frauenzimmer muss/te doch in die Schranken gewiesen werden! Man stelle sich mal vor: Schon wieder eine Frau als Premierministerin der Türkei. Geht’s noch! Die Çiller hat allen Beteiligten damals gereicht: Bahçeli, Erdoğan und den anderen.
Diesmal heißt die Feindin Meral Akşener. Sie ist von der IYI-Partei, Partei-„Gut“. Man ist in dieser Partei also gut, wahrscheinlich besser als die anderen. Jedenfalls nicht schlecht und gemein, eben gut, wie der Name es ja eingibt. Der Generalsekretär der Partei, Herr Dr. Aytun Çıray, scheint ein kluger Kopf zu sein. Genauer: Die Söszcü-Tageszeitung schreibt davon, dass es der Inspiration seiner Frau zu verdanken sei, dass der Anmeldungstermin der Partei im Kalender etwas zeitlich später den Medien und anderen Interessierten verabreicht wurde. Die AKPler haben sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, nachsehen zu gehen, ob dieses Datum so überhaupt stimmt, als sie vor Kurzem den Wahltermin zu der Präsidentenwahl bekanntgaben. Es soll im Dezember 2017 passiert sein, dass die IYI ihre Formalitäten anging und erledigte.
Offenbar war in Insider-Kreisen der Türkei schon immer das Thema vorgezogene Wahlen ein Thema. Auch bei dieser einen Oppositionspartei zur AKP. Die AKP hatte ja bislang immer brav alle Legislaturperioden zu Ende gebracht. Dennoch ging das Gespenst vorgezogener Wahlen um. Und so geschah, was geschah: Da hat also der Präsident der Republik Türkei seinen Gehilfen und Regierungskoalitionspartner von der MHP ans Mikrofon geschickt. Er solle Neuwahlen fordern. Das tat der Bahçeli glatt und bestimmte einen Wahltag im August 2018. Doch nachdem die beiden den folgenden Tag nochmals zum Tee zusammengekommen waren, meinte Erdoğan danach höchstpersönlich: „Neuwahlen werden am 24. Juni 2018 sein.“
Wie kam’s?
Alle sind sich einig darin, dass die Regierenden von der AKP-MHP-Koalition die Iyi-Partei aus dem Weg schaffen wollten. Sie haben dazu wohl einfach 6 Monate von dem Datum an gerechnet, welches die Iyi-Partei als den Zeitpunkt den Medien verkündet hatte, an dem alle Formalitäten zur Wahlbeteiligung erfüllt waren. Ja, und dann haben die Herren offensichtlich noch ein Wöchlein oder zweie großzügig draufgeklatscht, sodass die Partei dieser Frau nicht zu den Wahlen zugelassen werden kann – glaubten sie.
Doch die Frau Akşener hat ja, wie erwähnt, eine Helferin mit gutem Instinkt. Und wegen letzterer sitzt die regierende Männerriege der AKP jetzt etwas oder mehr in der Klemme. Denn wir alle wissen, sogar der einsamste Bauer in Ostanatolien wird es inzwischen wissen, dass Bahçeli und Erdoğan sich selbst ausgetrickst haben mit Bekanntgabe des Wahltermins. Ihr Stern ist eventuell am Sinken und vielerorts hebt das die Stimmung – noch – insgeheim. Denn die Weitsicht und Menschenkenntnis Frau Çırays ermöglicht der IYI-Partei ihres Mannes, an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen zu können, wenn sich alle an die Regeln halten bis zum Schluss. Mancher traut der Richterschaft indes zu, dass wieder einmal Recht nicht gesprochen werden könnte, und noch schlimmer, dass am Wahltag Manipulation hoch drei, wie man sagt, stattfinden könnte.
In der Yeni Özgür Politika vom 23. April 2018 finden Demir und Seçkin, dass der wahre Grund für die vorgezogenen Wahlen ist, dass 2019 sich eine nicht mehr zu vermeidende Krise am Horizont abzeichnet, die vor allem die Türkei in Beschlag nehmen wird. Alle verschuldet in der Türkei, doch besonders die staatlichen Banken, was zum Resultat haben dürfte, dass die Gesellschaft, die Sparer und Anleger, – mal wieder – die Zeche blechen werden, und nicht nur die. Einiges aus dem Ausland stammendes Kapital, 2/3 des Geldes in der Türkei basiert auf Schulden gemacht im Ausland, auf Darlehen. Das sind ungefähr 230 Milliarden US-$ etc. -, die die Türkei mit in den Strudel reißen könnten. Oder falls die erwartete Krise von außen angestoßen wird, was wahrscheinlicher zu sein scheint, dann, dass diese hohe Schuld mächtig am Kragen der Türkei zu würgen beginnen wird – wie einst in den 90er Jahren und davor.
Ja, türkische Politiker und Wirtschaftskünstler sind solch finanzpolster-enge Zeiten schon fast gewohnt. Bislang hat man mit Good-Will der westlichen und/oder östlichen Player stets das Beste oder Zweitbeste pickend, sich durchschlagen können, sogar zuweilen etwas profitieren können. Das eben gezeichnete Finanz-Drama, finden nicht wenige, spielt sich im Grunde schon jetzt sichtbar, ja, merklich ab: Über 2 Millionen Kinder werden nach Angaben der Yeni Özgür allein in der Türkei als ‚Arbeiter‘ ausgebeutet – vor allem Kinder von Flüchtlingen aus Syrien etc. Ein 15-Stundentag ist für die kleinen Verlierer, entschuldigen Sie, die Regel. Auch dieser traurige Umstand scheint in Berlin und Brüssel niemand groß zu jucken. Anscheinend hat man höhere Ziele. Nur welches Ziel kann höher sein, als die Gegenwart von Schutzbefohlenen an der Grenze zur EU zu sichern, und um sie zukünftig nicht mit Bomben und Raketen bewaffnet gen die Union ziehen zu sehen? Und dann noch dies: In türkischen Knästen und/oder Polizeistationen wird wieder, und das nachweislich, gefoltert!!!
Eine scheinbar positive Nachricht gibt es aber dennoch aus der Region zu vermelden, genauer aus Rojava, welches bekanntlich an der türkischen Grenze im Osten Syriens liegt. Noch haben dort Kurden das Sagen. Berichtet wird, dass zum Andenken an eine argentinische und britische „Kämpferin“ die für die Sache der Frauen und der Kurden gefallen sind, sich inzwischen eine Art Labor Rojava formiert haben soll, ein Etwas also, in dem Frauen vordringlich das Sagen haben sollen und neue progressive Formen des Zusammenlebens eingeübt werden – und das wird offenbar vordringlich unter der Führung von Frauen in die Praxis umgesetzt.
Doch: Solange keine Frau als kurdische Führerin verehrt wird – so wie Öcalan in etwa -, so lange mag hier nicht so recht an die (schein-)feministisch orientierte Entwicklung oder Propaganda in Kurdistan geglaubt werden. Wahrscheinlich haben ein Paar Leute in Rojava und andernorts in Kurdistan erkannt, dass die Frauenfrage international Pluspunkte einbringt, das Image bessern kann. Hoffen wir mal, dass eben geäußerte Annahme der Realität nicht entspricht, entsprechen wird.

Diese eine nun folgende Sicht der Dinge soll und darf Ihnen nicht vorenthalten sein: „Hakikat“ (Wahrheiten) titelt es im Beitrag von Soner Yalcın, der in der Sözcü vom 20. April 2018 schreibt. Einleitend dazu kurz dies: Der Autor war unterm Messer im Krankenhaus und wacht gerade aus der Narkose auf.
„War gerade drauf und dran, vom Dusel der Narkose mich zu entfernen, als ich eine mir bekannte Stimme hörte. Öffnete meine Augen. Im TV sprach Präsident Erdoğan. Alle im Raum Anwesenden blickten nicht etwa zu mir, sondern zu ihm. Offensichtlich gab er gerade was Wichtiges von sich. Wie auch immer die Wirkung der Narkose beschaffen sein mag, zwischen meinem Zustand und Erdoğan begann ich nun Parallelen zu ziehen. So dachte ich: Die Last der Politik und der Ökonomie sind zu etwas Unaushaltbarem geworden. Erdoğan möcht sich davon befreien.
Erst daraufhin begann ich, mich von der Wirkung der Narkose zu lösen.
Erdoğan zählte gerade die Gründe auf, an die er selbst nicht glaubt, die dazu bewegten, die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorzuziehen. Die Personen um mich herum fingen an, das von Erdoğan Gesagte zu interpretieren. Auf einmal: Nicht die Worte Erdoğans, sondern sein Gesicht und die Stimmlage fielen mir auf.
Erdoğan ist ermüdet, fertig, ausgelaugt. An das von ihm noch vor zwei-drei Tagen geäußerte „Hey Leute!“ erinnerte DAS jetzt wirklich zuletzt. Dachte bei mir: Vielleicht ist es ja deine Narkosenachwirkung.
ERDOĞAN MÖCHTE SICH ENDLICH VON DIESER SCHWEREN LAST BEFREIEN!
Er will abtreten. Lasst-mich-endlich-ziehen mäßig war der drauf.
Sie könnten jetzt einwerfen: Um die Wahl zu gewinnen, greift er zur vorgezogenen Wahl [wie einst Özal und andere]. Auf ersten Blick sieht es so aus. Doch ich rate dazu, Erdoğan nicht zuzusehen, sondern ihn anzusehen. Zweifellos. Er selbst würde so etwas nie sagen, ja, das wird er nie zugeben. Aber … . Auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, er schreit uns mit seiner Körpersprache und über den Bildschirm hinaus zu: „Ich bin müde. Kann nicht mehr!“
Mal ehrlich: Zeigt sich Erdoğans Gemütszustand nicht etwa? Andererseits … . Warum sonst sollte er sich jetzt Wahlen antun, die erst im November 2019 anstehen? Vorgezogene Wahlen beseitigen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht – machen sie auch nicht unsichtbar. Das Gegenteil davon nimmt dadurch eher zu. … Erdoğan schreit am Bildschirm: „Nehmt mir die Last ab! Ich pack es nicht mehr, weil das System kriegt ansonsten bleibende Macken ab!“
Was willst du da noch sagen? Das eben Gesagte ist also der wahre Grund, warum die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorgezogen werden. Der möchte sich jetzt wegretten. Er, der 15 Jahre lang DER Mann in der Wirtschaft war. Dass er es nicht mehr draufhat, wie sonst noch soll er uns das zeigen? Für viele geht ein Traum in Bruch. So viel zur Lage. Das ist alles. Schlussendlich: Mich hat man unterm Messer von meinen Sorgen befreit. Hoffe, dass am 24. Juni 18 auch die Türkei befreit wird, [auch wenn der gerade wieder verlängerte Ausnahmezustand in den Ostprovinzen der Türkei gewiss noch bestehen wird]. Andernfalls … .“
Jedenfalls wurde bereits gleich einige Stunden nach Bekanntgabe des Wahltermins diskutiert, ob womöglich die CHP mit der HDP sowie der IP (IYI) zusammengehen könnten, also einen gemeinsamen Kandidaten für den Präsidentensessel kreieren. Aus hiesiger Sicht wäre es schon recht klug, das zu tun und sich nicht etwa hinter dem ausgedienten und abgenagten Kılıçdaroğlu von der CHP zu vereinen oder hinter jemanden von der HDP, sondern die durchaus streitbare Frau Akşener von der IyI Partei sollte ins Rennen geschickt werden. Sie ist eine Frau, und die Türkei ist erneut reif, einer Frau ihr nicht uneingeschränktes Vertrauen für ein Spitzenamt zu geben – nach 15 Jahren AKP sowieso. Das wäre wirklich fantastisch. Da nutzt auch nicht, dass die Erdoğan treue Medienlandschaft der Türkei den Vorsitzenden der CHP Kılıçdaroğlu bereits anstachelt, nicht genug Mumm in den Knochen zu haben für solch einen Job. Die wissen, dass dieses Argument sehr tiefreichend wirkt. Macho kennt eben die Schwächen eines Machos. Frau Akşener hat am 30ç April in einer Rede in ihrer Heimatstadt am Schwarzen Meer trefflich darauf hingewiesen, dass Bahçeli sich ja auch nicht zum Kandidaten aufstellen ließe. Soll heißen: Hört auf zu stacheln, weil sonst mach ich euch den Bahçeli noch auf eine Kandidatur fürs höchste türkische Amt heiß.
Und man bedenke, mit welcher Machtfülle ausgestattet dann Frau Präsidentin der Türkei – dank der Vorkehrungen, die Erdoğan bereits getroffen hat fürs Amt – ausgestattet wäre. Die Vorstellung lässt Bäume sprießen, womit wir, was Mitteleuropa betrifft, mitten im Frühling wären und dem frühlingshaften Beginn dieses Beitrages. Der Frühling ist hier auf Zypern, zum Ende des Monats April, inzwischen seinem Frühlings-Ende bereitwillig entgegentreten.
Bis zum 24. Juni 2018 kann im Hexenkessel namens Türkei noch viel passieren. Ein Hexenkessel indes soll durchaus auch positive Ergebnisse zeitigen (können) – wenn da nicht der Osten und der Westen, die Araber und die Israelis, die EU und die Chinesen wären!? Die Armenier. Deren Machthaber macht Erdogan nämlich gerade vor, wie man sein Amt missbraucht! Schade, hat Armenien nicht verdient. Welche Folgen dieser Stilbruch noch haben wird für das zuvor gezeichnete Bild Nahost-Türkei-Zypern ist noch gar nicht so recht absehbar. Und in Aserbaidschan haben die Leute auch keine Lust mehr auf die korrupte Herrscherriege, so auch die Georgier in Georgien und die meisten der Bevölkerung Moldawiens.
Es braut sich was zusammen, und keiner da, der von Zusammengebrautem so richtig etwas versteht!? Die italienische Eni-Firma findet, dass sie an die 800.000 € in die Förderung von Gas vor Zypern gesteckt habe und jetzt, nur weil die Türkei es anders sehe, nicht bereit sei, mit ihren Nachforschungen unterm Meeresgrund aufzuhören. Israel, war zu lesen, soll sich inzwischen nicht mehr so ganz im Klaren sein, ob das Gas im zyprischen Feld namens Afrodite, welches zwischen Israel und Zypern liegt, nicht vielleicht doch eher andere Vereinbarungen bräuchte als jene, die irgendwann mal getroffen wurden mit Nikosia etc. etc.

Read Full Post »

via Wieder vereinigen!

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: