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Oder: Weg vom Klein-klein!

 

Diesen Aufruf bezüglich der Krise, den die Überschrift darstellt, kann der Besucher Südzyperns dieser Tage auf schönem Blau in weißen Lettern auf großflächigen Plakaten oft sehen – gern auch entlang der Autobahn. Dahinter steckt Nikos Anastasiadis, der aussichtsreichste Kandidat, den Präsidentensessel am 17.02.2013 einzunehmen – was aber noch längst nicht ausgemachte Sache zu sein scheint.

 

Überhaupt sind die anstehenden Wahlen auf allen Kanälen, den lieben langen Tag, das Thema: wer hat wem welchen Vorwurf gemacht, wer zieht wen mit was in den politischen Dreck etc.

Während die allgemeine Aufmerksamkeit der Insulaner auf die anstehenden Wahlen gerichtet ist, werden vermehrt Bäume illegal geschlagen überall, auch, weil es kalt sein soll – leider gibt es davon nicht gerade viele.

Vor kurzem lag mal knapp 1 oder 2 Zentimeter Schnee irgendwo im Troodos-Gebirge von Zypern, woraufhin umgehend 2-3 Tage Schulferien ausgerufen wurden – der Kälte und eben des Schnees wegen. Wirklich putzig! Was die Bäume angeht, die illegal gefällt werden: wer dabei erwischt wird, muss mit einer Strafe rechnen, die leider nur 400€ hoch sein soll maximal.

Inzwischen ist der Frühling aber in voller Blüte hier auf Zypern, und nicht nur russische Touristen oder russiche Neuzugezogene wagen, ins kalte Nass zu springen. Das Wasser des Meeres scheint erträglich kalt zu sein, denn erstaunlich viele Leute wagen den Schritt hinein und bleiben relativ lang im blauen kalten Nass – brrrrr.

 

Für diejenigen, die sich gegen die Kälte nicht mehr so richtig zur Wehr setzen können in der zyprischen Gesellschaft, hat das Future World Centre im ersten Stock Prometheus Strasse 5 in Nikosia (Tel.:22873820) Altkleider zu vergeben. Ja, auch im reichen Zypern greift die neue Armut um sich, von der europaweit die Rede ist. Die Berichte über zunehmende Aggression und übel gelaunte Mitmenschen, die ihrem Frust Luft machen, mehren sich alarmierend. Vielleicht sollte der Eine oder die Andere von denen anstatt nach Altertümer graben gehen, um das Überleben zu sichern oder Frust abzulassen. Es wird immer lauter beklagt, dass es nicht genügend Jobs gibt. In Paphos zum Beispiel wurde Alt-Paphos (Paleopaphos) nun endlich ausgegraben, genauer: das Königreich von Paphos. Es ist auf das 2. Jahrhundert vor Christus zu datieren, wird gesagt. Einige recht interessante Bronzestatuen kamen ans Tageslicht.

In Zypern, so viel vorerst zur neuen Armut, ist das Brottosozialeinkommen um anscheinend 7% geschrumpft. Diese Zahlen dürften sich noch nach oben korrigieren, da Lohnkürzungen und Stilllegungen von Arbeitsplätzen (weil zumeist zuviel Angestellte eingestellt sind vom Staat) ansteht. Und weil wir schon dabei sind: Frauen verdienen in der Regel um 16.4% weniger als Männer in der Republik Zypern (siehe 2010 durchschnittlich ermittelter Wert europaweit).

 

Wie dem auch sei, dass Zypern ein Platz in Europa ist, auf dem schmutzige Gelder rein gewaschen werden, wird noch von allen maßgeblichen Parteien des Südens der Insel als Schmähung, ja, Beleidigung angesehen und abgetan. Das würde unter anderem deshalb von Politikern, wie einigen aus der BRD, hervorgebracht, da derart beabsichtigt werde, auf die zukünftig geförderten Erdgasvorräte, die bekanntlich vor Zypern zuhauf liegen sollen, sich einen überproportionalen Anteil zu sichern. Die Big Players, schreibt die nationalistische Ponti, würden noch darum ringen, wer das kleine Zypern letztlich in seinen Einflussbereich ziehen könne auf lange Sicht. Zum einen gäbe es den Block um Frankreich, dem Israel und Russland angehören sollen, zum anderen eben den um Deutschland, dem Holland, Dänemark, Luxemburg etc. zugehören.

 

Wie also zu lesen ist, kreisen die wildesten Theorien und Verschwörungsvermutungen, bei denen schwerlich gesagt werden kann inzwischen, welche von ihnen der Wahrheit am Nächsten kommt – von jeder trifft wahrscheinlich ein bisschen zu. Ja, es soll sogar im Umlauf sein, dass die Türkei angeboten habe, für Südzypern ’sein‘ Erdgas zu fördern, da noch immer nicht – und auch nicht in absehbar naher Zukunft („2019“?) – klar gesagt werden kann, wann überhaupt mit der Förderung begonnen wird, geschweige denn wieviel Erdgas und -Erdöl überhaupt zu fördern vorhanden sein soll.

Die Karte Erdgasreichtum wird jedenfalls dennoch im Wahlkampf auf Zypern bereits kräftig ausgespielt, so vehement, dass einem der Verdacht kommt, der nicht ganz unbegründet sein soll, dass was auch immer irgendwann gefördert wird, schon längst verhökert worden ist von der Regierung und anderen.

Doch noch das eventuell Wichtigste in diesem Zusammenhang: ein ökonomischer oder finanzieller Haircut wird ausgeschlossen für Zypern, sagt u.a. auch der Chef der Zyprischen Zentralbank, Panikos Demetriades. Derzeit hat Zypern bei Moodys eine Caa2-Bewertung, was eine zu erwartende Schuldenlast gegenüber dem Bruttosozialprodukt von 140% dann wohl verständlicher erscheinen lässt – und das soll noch nicht das Ende der Negativ-Bewertung durch Moody sein für Zypern höchstwahrscheinlich, wird vermutet.

 

Blöde, dass Frankreich nun in Mali Truppen offiziell in den Krieg ziehen lässt. Lenkt gewiss einigermaßen erfolgreich von den finanziellen Problemen im Lande ab, der Misswirtschaft.

Bekanntlich hat Paris sich mit Investitionen in Griechenland seinerzeit gehörig verspekuliert, was wiederum auch Auswüchse auf Zypern zeitigt. Die französische Supermarktkette Carrefour in Zypern ist am Wanken. Doch nicht nur auf Zypern wankt Carrefour. Renault will auch nicht so recht. ‚Glücklicherweise‘ ist Renault nicht gerade die Automarke, die die Zyprer bevorzugten. Doch die Beteiligung von Total, dem Ölkonzern aus Frankreich, wäre da neuerdings noch in die Waagschale zu legen. Schließlich wollte Frankreich mit seinem Ölkonzern, und anderen Mitteln, den Einfluss Deutschlands in Europas Südosten etwas schmälern. Doch wenn die Grand Nation über dem Rhein im Herzen Afrikas und seinen Außenbezirken der französischen Großstädte immer ersichtlicher ums eigene Überleben strampeln muss, wird wenig Zeit bleiben, die – siehe Ponti-Tagezeitung – Verbündeten Russland und Israel zu flankieren im östlichen Mittelmeer gegen Deutschland und seine Verbündeten, auch, um die Türkei in ihre Schranken zu weisen.

 

Es sieht also nicht sonderlich gut aus für Zypern und sein neu zu wählendes Parlament. Anotnis Loizou schrieb in der Cyprus Weekly neulich von „Little Hitlers“, die im Öffentlichen Bereich arbeiteten. Bekanntlich ist es nicht unbedingt leicht, dem Amtsschimmel der zyprischen Variante die Sporen geben zu können. Viel eher muss andauernd aufgepasst werden, dass das Biest einem keinen Tritt ins Hinterteil gibt – nur viel Stroh und gutes Futter besänftigen dieses Beamten-Vieh scheinbar.

 

Wie ein Tritt in die Optik kommt einem mehr und mehr Larnaka vor. Die Stadt nimmt immer mehr nahöstliches Format an. Das muss nicht unbedingt schlecht sein oder negativ verstanden werden. Viele Touristen reisten ja Jahrzehnte nach Beirut, Kairo, Damaskus oder eben der Türkei, um diesen gewissen Beton-Chic zu genießen. Häuser, die ganz offensichtlich in bester Absicht und größtem Elan gebaut wurden und dann von der Zeit so wunderschön morbid angefressen werden. Anscheinend scheint LTB, ein mächtiger Tour-Operator, sich genau diese Region und Stadt als neue touristische Attraktion Zyperns ausgesucht zu haben. Vor dem Hintergrund des zuvor Gesagten scheint der Entschluss dieser Firma gewagt, auch wenn Larnaka durchaus noch mehr zu bieten hat.

Am Flughafen von Larnaka wird demnächst nämlich, ziemlich sicher nach den Wahlen, Gambling a la Las Vegas erlaubt. Lange war die Kirche dagegen, wie es sich geziemt. Inwieweit dieselbe nun mit profitieren wird am Spiel um Geld, wird sich noch zeigen. Doch Goldgräberstimmung ist in Larnaka am Flughafen schon länger ausgebrochen. Dazu muss nur an den am Flughafen gelegenen Beach namens MacKennsey gegangen werden, wo sich das Nachtleben schon seit einem Jahr und länger abspielt größtenteils. Das Areal hat wirklich Potential. Die Straßen dorthin werden bereits repariert und erweitert. Der Parkplatz dort ist groß und wird noch größer. Ob diese Entwicklung einer nahe gelegenen weiteren Attraktion der Stadt gefallen wird, den Flamingos, die zuhauf jeden Winter aufs Neue stolz im kniehohen Wasser vor der Moschee der Tante des Propheten Muhammad stehen und ein einzigartiges Bild abgeben, bleibt ebenfalls noch im Ungewissen.

 

Ungefähr ebenso ungewiss scheint der Verbleib der Briten in der EU. Cameron schießt derzeit um sich, hoffentlich endlich mal scharf. Ein Austritt der Briten aus der EU wird von Vielen schon lange nicht mehr wirklich bejammert. Die Extrawürste, die den Briten andauernd verabreicht werden und wurden, sind inzwischen zu kostspielig – sie bringen die Solidarität in der EU ziemlich offensichtlich durcheinander und haben indirekt–direkt einen erstrangigen psychologischen Beitrag geleistet, dafür, dass Solidarität in der EU mit das Blödeste geworden zu sein scheint, was ein Staat tun kann. Wenn die Briten gehen wollen, dann sollen sie doch gehen – bye-bye!

Es dürfte aber leider anders kommen, nämlich, dass die sich abzeichnenden Konflikte in Afrika und andernorts eine sogenannte konzertierte Aktion der 3 Bigplayers in Europa (Frankreich. Großbritannien und BRD) zwingend notwendig machen dürfte – dass daher die Sonderrchte der Briten noch eine lange Laufzeit haben werden und wahrscheinlich dazu führen, eine Art zweigleisige EU zu begründen. Eine derartige Entwicklung wird nicht ausbleiben können, denn die Politiken in Griechenland, Italien und Spanien (eigentlich auch Frankreich) zeigen, dass ein Retten aus dem (in zweifacher Hinsicht) verschuldeten Schlammassel eben dieser 3 europäischen Kern-Staaten Priorität haben wird – und sei es mit dem Umweg über Afrika!

 

Ebenso ist absehbar, dass die Russlandkarte nochmals neu zu spielen sein ist, nachdem sich vorheriges Szenario installiert haben wird. Warum in den Süden Europas vergebens zu viel Energie stecken, die nur mangelhaft an ein Fortkommen in der Zukunft und global glauben lässt, wo das mächtige Russland wiederholt anbietet, einen Korridor vom Pazifik bis zum Atlantik mit Europa (noch nicht mit den USA) zu errichten?

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Merkel in Limassol

Dass immer mehr Portugiesen der mangelnd vorhandenen Arbeit in Portugal wegen ihre Koffer nach Angola packen, der einstigen portugiesischen Kolonie in Süd-Westafrika, ist inzwischen schon keine Neuigkeit mehr. Ebenso, dass China massiv in Afrika Geld investiert und Land aufkauft, seinen Rohstoffhunger dort gern und günstig befriedet. Dass Frankreich in seinem ehemaligen Herrschaftsgebiet Mali die Waffen neuerdings blitzen lässt, genauer, zum Einsatz bringt, weil im Norden Malis Islamisten das Land mehr oder minder übernommen haben und die Pforte zum Süden im Land dabei sind niederzureißen, ist die letzte Nachricht, die durchaus nicht wirklich verwundert. Dass der Islamismus der radikaleren Art in Afrika noch weitere Kreise ziehen wird, ist auch nicht verwunderlich, auch, weil er eine Gegenreaktion auf das Erbe der vorangegangenen Kolonialzeit durch die Europäer widerspiegelt – auch wenn diese Erkenntnis wenig gefällt. Viele Afrikaner glauben verstanden zu haben, dass dieser Kolonialismus noch immer nicht beendet wurde und lediglich unter anderem Namen und raffinierter bis zum heutigen Tag fortgesetzt wird: Exportblockaten, Entwicklungshilfe, die eher dem Westen hilft, unfaire Handelsverträge, toxische Müllexporte, Schrottlieferungen wie alte Computer, Autos, Nähmaschinen, Leerfischen der Fischgründe um Afrika, Waffenexporte, ohne Rücksicht auf innerafrikanische Befindlichkeiten, sondern ausgerichtet nach dem Rohstoffbedarf des Westens, Chinas, Indiens, der allgemeine Rassismus gegen Schwarze etc.

Vielmehr als das wundert also, dass im seit Monaten dahin dämmernden, aber halt doch an Intensität stetig steigenden Konflikt in Mali (so auch im Senegal, Gambia und Algerien, die noch verschwiegen werden) noch keine deutschen Soldaten, wie bereits vor Monaten besprochen in gewissen internationalen Organisationen, ihren Dienst durchführen. Westerwelle und Niebel führen mal wieder ihren uns allen bekannten Eiertanz auf, bezüglich wann, wie viel Bundeswehrsoldaten aktiv in den Konflikt mit einbezogen werden, wie von der BRD-Außenpolitik in Aussicht gestellt.

Zum Eiertanz war auch Frau Merkel gestern unterwegs. Sie hatte in Limassol, Zypern, ein Treffen der europäischen Konservativen besucht. Anastasiadis, der aussichtsreichste Kandidat den freiwerdenden Präsidentensessel in Nikosia zu beerben, hatte zu diesem Treffen gerufen.

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Die Medien in Zypern waren bewegt, als ob der Kaiser von China ankomme. Was eine starke Frau am ‚richtigen‘ Platz doch alles bewirken kann – Merkelismus?! Immer mehr scheint sich heraus zu kristallisieren, dass eine Verlängerung der Kanzlerinnenschaft Merkels für Europa – vielleicht weniger für Deutschland – geradezu notwendig ist. Sie scheint der geeignete Deckel auf dem Topf des Vereinigungsprozess‘ der EU zu sein, der diesen in nächster Zeit glaubhaft und real vorantreiben wird können – sie scheint die Zügel als, wie gern gesagt wird, “mächtigste Frau der Welt” inzwischen in der Hand zu halten. Irgendwo muss ein Karren schließlich seinen Lenker, seine Lenkerin haben. Und irgendwann muss der Eiertanz in Zypern, der seit über 20 Jahren geduldet und aufgeführt wird, ein Ende haben – oder zumindest beschnitten werden.
Der Besuch von Xristofias vor ein Paar Tagen in Beirut lässt allerdings befürchten, dass der Eiertanz eine Fortsetzung haben soll, dass Kreise, die inzwischen Hände ringend nach einer Lösung suchen für ihre in Zypern gelagerten Schwarzgelder, Xristofias unmissverständlich nach Beirut aufbrechen ließen, um die Sache klar zu machen. Offiziel war selbstverständlich die Rede von den Erdgasfeldern, die gemeinsam demnächst ausgehoben werden sollen. Die Nebenvereinbarungen, die nicht einsehbar sind, deren Inhalt dürfte es in sich haben, vermuten wir.

Merkel sagte in anderen Worten vor ihrer Abreise in Zypern: Keine Hilfsgelder für Zypern, so lange die russischen Gelder nicht übersichtlich in einen Topf geschüttet wurden. Zwar bestreitet die zyprische Regierung noch immer, dass Schwarzgelder aus Russland auf Zypern gelagert sind, die darauf warten im Zuge der Umstrukturierung durch Hilfeleistungen der EU, reingewaschen zu werden, doch liegen die Beweise, dass solche Gelder auf Zypern deponiert sind, zu offensichtlich auf dem Tisch. Nicht umsonst leben an die 50.000 und mehr Russen auf der Insel. Sinn würde machen, weil jeder macht ja mal einen Fehler und manche aus Selbstgeltungssucht und Arroganz etc., vorerst diejenigen Neu-Zyprioten einer Untersuchung zu unterziehen, die 10 Millionen Euro und MEHR in der Lage waren auf Zypern zu investieren, auch, doch wohl nicht nur, um einen zyprischen Pass zu erhalten. Dabei dürften interessante Zusammenhänge zu Tage treten, an deren Analyse aber nicht jeder interessiert ist.

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