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Ak Saray

oder

der Kalif der weißen Türken

Die weißen Türken, sollen die sein, die eher das Richtige tun. Die eher politisch rechts sind. Die ihre Tradition an-er-kennen sollen: den Kemalismus, den Islam, dass das Grab des ersten Osmanen in Syrien nicht geschunden werden darf. Von niemand. Auch nicht von der ISIS. Dass sie noch immer viele sind, und noch mehr werden. Dass die Al Aqsa ihnen heilig zu sein hat!

Es ist auf seine Weise erfrischend, ein Paar Tage lang ein Bad in der Menge zu nehmen. Die Rede ist von so richtig viel Leuten um einen, wie bei einem Konzert oder eben wenn man in gewissen Straßen von Istanbul befindlich ist.

Viele Geschichtchen, die ich von Istanbulern erzählt bekam. Eigentlich wie immer war es, und die Geschichten schienen wie immer von einer noch nie davor dagewesenen Brisanz getrieben zu werden.

Ja, der Eindruck besteht immer noch, nämlich, der der Brisanz der politisch-sozialen Ereignisse – und womöglich auch noch, dass der Republik Türkei schon demnächst ein made in Ankara Kalife entspringt. In der Neuen Türkei, die gerade ausgerufen wurde von der AKP, passte so eine Figur, wie die eines Kalifen, wahrscheinlich recht gut. Der ISIS-Kalife soll ja von den Amerikanern schwer verwundet worden sein, stand in der Presse. Platz in gebührendem Format und Größe für einen Kalifen wurde in Ankara jedenfalls geschaffen. Die Diskussionen darüber, ob die Ausgaben für diesen Ort zu hoch oder angemessen sind, wirken eigentlich wie Scheingefechte.
Und das sind sie bei näherem Betracht wohl auch.

Journalisten rasen doch bekanntlich sonst auch immer durch die ganze Republik, um Geschichten an den Tag zu befördern – und so ein Saray, wie es Erdogan bauen ließ, ist schlichtweg schwer zu verheimlichen. Und daher muss sich die schreibende Zunft in der Türkei mal fragen plus Zivilgesellschaft, warum sie die ganze Zeit über zugesehen haben, wie dieser Klotz heranwuchs. Zwar hat Erdogan den schlossgleichen Bunker als Art Verlängerung des Präsidentenpalastes angemeldet gehabt beim Bauamt anstatt als Saray. Jetzt ist halt dennoch ein riesengroßer eigener Palast daraus geworden. Kalifen haben eben Ansprüche. Erdogan verteidigt den Bau in den Medien damit, dass so eine große Nation wie die Türkei eben so einen Bau braucht. Rebecca Harms vom EU-Parlament sagt, dass der Bau auf ganz besondere Weise eine zur Schaustellung des Machismo a la Türkei ist. „Ein Symptome unbegrenzter und unkontrollierter Macht.“ Die Grünenpolitikerin Harms kennt sich da offenbar aus. Beim Flughafen in Berlin-Schönefeld und dem Potsdamer Platz plus Hauptbahnhof etc. hätte ich ihrer Rede mal gerne das Ohr gereicht und wahrscheinlich ähnliche Umschreibungen vorgefunden?

Leider ist es mit den Grünen schon längst so weit, dass man bei solchen Statements, wie denen der Harms, bestens gleich fragt: wessen Interessen füttern sie?

Zwar wurde baurechtlich einiges Land verbaut in Ankara, welches eigentlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen war. Doch viel eher scheint Harms in der Presse ungewohnt scharf Stellung bezogen zu haben, um beim Kongress der Grünen Europas, der diesmal in Istanbul stattfindet, sich eine Art besseres Gehör zu verschaffen. Das ist ihr, was die türkischen Medien angeht, gelungen. Gewiss wird sich das Geblöke um das Saray der AKP in Ankara schnell wieder legen, denn es gibt wirklich noch andere, akutere Themen, die die türkische Öffentlichkeit berühren.

Zum Beispiel hat sich in Ankara noch niemand öffentlich dazu geäußert, wie das denn nun eigentlich mit dem Status der vielen syrischen Asylanten im Lande gehandhabt werden soll. Niemand da, der mal einen zeitlichen Rahmen setzte bezüglich Aufenthaltsdauer. Niemand da, der die erforderlichen Schritte in die Wege leitet, wie sie international vereinbart wurden für solche Fälle – wohl weißlich geschah das nämlich, um Flüchtende zu schützen und nicht, um ihnen bürokratische Hürden aufzuerlegen. Niemand da in der türkischen Regierung, der einigermaßen klare Aussagen macht bezüglich Arbeits- und Aufenthaltsrechte der syrischen Flüchtlinge in der Türkei. Als ob Syrien schon eingemeindet sei, oder wie man dazu besser sagte. Lachen Sie nicht. Pläne zusammen mit Israel sollen durchaus in diese Richtung gehen. Demgemäß würde das heutige Syrien auf ein Minimum schrumpfen – zu einer Art Wüstenstaat. Die Türkei würde sich einen Teil greifen, den anderen Israel. Klar doch, die Kurden würden auch was abkriegen.
Und dann erst die Einschulung der vielen Kinder aus Syrien in türkische Schulen und Kindergärten, die gerade Istanbul und ziemlich sicher auch andere Städte der Türkei ‚unsicher machen‘: bettelnd, sich prostituierend, klauend, als billige Arbeitskräfte und/oder Lückenbüßer etc.

Man darf trotzdem durchaus behaupten, dass auch die Türkei so eine Art Auslese hat und trifft. Diejenigen Syrer mit guten Ausbildungen finden meist schnell eine Stelle, was vor dem Hintergrund, dass die AKP-Regierung der Türkei schon seit einem Jahrzehnt flächendeckend Arabisch lernen lässt, ebenfalls verständlicher erscheint. Es erleichtert die Integration der Syrer in die türkische Gesellschaft erheblich und scheint noch längst nicht zuzulassen, dass der Egoismus gemischt mit Fremdenhass, wie andernorts in Nordeuropa, sich in den Medien zu diesem Thema unverhältnismäßig negativ und einigermaßen gut verdeckt positionieren kann.

Die 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien, die in der Türkei leben, haben das Potenzial, die türkische Gesellschaft einschneidend zu verändern – was sie bereits tun. Noch längst sind die Würfel nicht endgültig gefallen in puncto politische Ausrichtung des Landes. Auch wenn Anastasiadis in Nikosia, Sisi in Kairo und Samaras in Athen sich zusammengeworfen haben, um den Reichtum vor ihrer Haustür gemeinsam zu fördern und zu schützen (vor der Türkei). Es könnte dies indes schon bald die Allianz derer werden, die aufs falsche Pferdchen gesetzt hat. Das Pferdchen hat einen Doppelnamen – Israel/USA. Und Letzteres impliziert dann selbstverständlich auch, dass da Deutschland und die EU irgendwie dazu zu rechnen sind.

Und warum soll dem so sein, fragen Sie, dass aufs falsche Pferdchen gesetzt wurde? Nun, da Obamas Stern scheinbar dort angekommen ist, wo ihn wahrscheinlich die meisten weißen Wähler der USA eh gesehen haben letztendlich – am sinken. Nach Obama kommt gewiss jemand ins Weiße Haus von Washington, der oder die weniger Raum außerhalb der USA Projekten wie dem Kurdischen in Rojava (die Selbstverwaltung) gewähren wird oder einem Zickzack-Kurse wie ihn die Türkei hinlegte. Möglichst kleine Einheiten werden dann gewiss gebildet als Staaten, die nach oben (Washington) melden und dienen und zur Seite (Nachbarn) bestens beißen – nicht all zu fest, bitte.

Und ja, wie auch andernorts passieren in der Türkei Dinge, wo man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann: 6.000 Olivenbäume lässt man ausrupfen, um das Atomkraftwerk zu bauen, welches die Zyprer nicht wollen auf türkischem Boden, da bei einem größeren Störfall ihre Insel ziemlich sicher als einer der ersten Orte in Mitleidenschaft gezogen wäre. Der Knaller an dieser Bäumchen-reiß-aus-Aktion-Geschichte ist, dass nachdem die Bäume entwurzelt herumlagen – es ist außerdem gerade Olivenerntezeit – beschloss ein oberes Gericht der Türkei, dass die Aktion gegen das bestehende Recht verstoßen würde. Nur: jetzt sind die Bäume weg!
Tatsachen wurden also geschaffen!
Wahrscheinlich werden sich im Laufe der Zeit viele der Bauern, die mutig gegen die Bulldozer ankämpften, gezwungen sehen, ihren Acker besser für einen Apfel und ein Ei zu verkaufen, zumal es mindestens 6 Jahre dauern soll, bis Olivenbäume voll mit Oliven hängen. Wer hat schon so ein finanzielles Polster, um so lange zu bestehen? Und wer glaubt wirklich noch daran, sich dem Willen des Präsidenten Erdogan widersetzen zu können? Immer schön klein machen. Dann kommt man vielleicht ungeschorener durch. Mal sehen, ob diese Strategie den Familien gelingt, in denen die Männer als Bergarbeiter bislang nicht zurück an den Nachttisch gekehrt sind, weil sie unten im Stollen festhängen – falls sie noch leben. Ein weiteres Desaster sind derartige Unfälle. Eine richtige Großbaustelle sind die, die von der eitlen, sich der Bevölkerung und ihren Bedürfnissen immer mehr entfremdenden politischen Klasse der AKP gar nicht als Funken für die nächste schwerwiegende, eventuell umstürzlerische Auseinandersetzung noch nicht aufgefallen zu sein scheint – mal abgesehen von den Kurden und vielen anderen Unzufriedenen, wie zum Beispiel den nahezu 50% der Bevölkerung, die die AKP nicht gewählt haben und wahrscheinlich nie wählen werden und würden.

Niemand mehr da, der in der Türkei etwas wirklich unabhängig untersuchen kann. So eine Instanz wurde für vorerst abgestellt. Insofern lässt es sich vermuten, dass Korruption wieder ein ‚hohes Niveau‘ eingenommen hat. Letzteres belegen Umfragen in der türkischen Bevölkerung. Demnach sollen inzwischen doppelt so viele Menschen, wie noch vor ein Paar Jahren, davon ausgehen, dass Korruption in der Türkei wieder erhöht vorzufinden ist (um die 60%).

Im Stadtteil Aksaray, dort, wo besonders viel Menschen an sich vorübergehen, gibt es auch Straßen-Prostitution. Die gab es dort scheinbar schon immer. Im Laufe der Zeit haben sich schon viele Frauen und Männer (Transen), doch hauptsächlich Frauen, aus unterschiedlichsten Ländern zusammen mit Türkinnen dort prostituiert: Romas, türkische Unterschicht, Frauen aus den ehemaligen Ostblockstaaten vor allem Ukraine, Moldawien und Bulgarien; und jetzt sind es gerade fast ausschließlich Frauen aus Afrika.

nov12 151
Da wäre dann aber noch das Unfassbarere, was sich die Regierung der Türkei derzeit erlaubt: die unrühmliche Politik gegen Kimse Yok Mu. Das ist eine Art Wohlfahrtsverband. Denen wird nun per Dekret der Regierung der Zugang zu verschiedenen Geldquellen untersagt. Es wird davon ausgegangen, dass die Regierung das tut, weil ihr diese Organisation ein Dorn im Auge ist und in unmittelbarer Konkurrenz mit eigenen Hilfsorganisationen steht. Letztere, versteht sich, sind islamisch ausgerichtet und alles andere als unabhängige Organe des Staates. Nicht so Kimse Yok Mu. Sie ist die einzige Organisation in der Türkei, die den speziellen konsultativen Status des Sozialen und Ökonomischen Rates der UN innehat. Doch auch so hat sich Kimse Yok Mu international bewährt und einen Namen als echte NGO gemacht. Dass Kimse Yok Mu von der türkischen Bevölkerung getragen und geachtet wird, zeigt die Dopplung der Beiträge im letzten Jahr, schreibt die Today Zaman am 08. November, dies zum Zeitpunkt, als die Schwierigkeiten mit der Regierung so richtig zu tragen kamen. Versteht sich, dass Kimse Yok Mu von Regierungsbehörden aufs pingeligste wieder und wieder gescreened und kontrolliert wird und wurde. Letztere Prozedere, schreibt die Zaman, sind eindeutig politisch motiviert.

Bei der Operation türkischer Hilfsorganisationen (vor einiger Zeit), um Nahrung nach Gaza/Palästina zu bringen, wo auf dem Schiff namens Mavi Marmara einige türkische Staatsangehörige durch israelische Spezialeinheiten zu Tode kamen, hat Kimse Yok Mu nicht mitgemacht, da der Organisation die Aktion von Anfang an zu politisch war.

Nun, Kimse Yok Mu darf also seit einiger Zeit keine Fonds erheben, in Händen halten oder benutzen. Sie stehen somit mit nahezu leeren Händen da finanziell. Doch noch ist die Unterstützung aus der Bevölkerung für Kimse Yok Mu nicht gebrochen. Im Gegenteil! Spenden aus dem Ausland entgegen zu nehmen, geht wahrscheinlich auch nicht, weil sonst gleich Anklage auf Spionage oder dergleichen kommen dürfte, ist zu vermuten.

Last but not least ist es neulich schlichtweg dumm gewesen, von Erdogan zu sagen, dass das, was Israel in und um die Al Aqsa Moschee gerade macht, „unverzeihlich“ ist. Unvergesslich wäre die bessere Wortwahl gewesen. Doch Erdogan hat sich für „unverzeihlich“ entschieden. Davutoglu, der Ministerpräsident, schwadronierte von gewissen Rechten aus osmanischer Zeit, die die Türkei an jener Moschee noch habe. Und daher sei die Al Aqsa Moschee in gewisser Weise unter türkischem Schutz, also in türkischer Hoheit – „und wir werden alles tun, um die Al Aqsa zu schützen. Das ist uns eine heilige Mission!“

Angeblich ist es das Ziel Tel Aviv’s, den Salomon Palast – oder was für eine Art Gebäude es genau ist – wieder aufzubauen, wird in der türkischen Presse kolportiert.

Behauptet zu haben, Erdogan habe die ISIS unterstützt, scheint demnächst wohl wieder einige Journalisten in den Knast zu bringen. Noch sind die Knäste mit Journalisten gut gefüllt in der Türkei. Und noch ist nicht entschieden, ob die Türkei weiterhin die Politiken des Kurden Barzani aus Nordirak mittragen wird. Das hängt auf schwer nachvollziehbaren Wegen nämlich auch damit ab, wie sich die internationale Gemeinschaft positioniert – und zwar auch vor dem Hintergrund der mal wieder ins Stocken geratenen Verhandlungen bezüglich der Wiedervereinigung Zyperns, wo den Türken vielleicht überraschende Zugeständnisse gemacht werden könnten in diesem Zusammenhang, um im Norden Iraks einen kurdischen Staat entstehen zu lassen, genauer, um die Erze dort sowie das Öl sich besser aneignen zu können – und um so die Spannungen, die sich um Israel geradezu türmen, wieder etwas abzubauen und sie vor der Haustür des Iran aufzubauen. Man wird sehen, welcher Schachzug als nächster erfolgt.

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