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Syrien – „matt!“

Nun, wie in der BZ gelesen werden kann, spricht angeblich der Regierungssprecher der CDU von einem nicht ganz ausschließbaren Militärschlag gegen Teheran. Doch, Eins nach dem Anderen! Also zuerst gilt es doch wohl, Syrien ‚zurechtzustutzen‘, dann Ägypten und Libyen ‚zu richten‘ und dann erst sollte mal an den Iran gedacht werden. Warum Syrien?

Es gibt in London die syrische Organisation für Menschenrechte, die tagtäglich mit finstersten Berichten aus Syrien seit geraumer Zeit aufwartet. Darum!

Zwar könnte gesagt werden, die syrische Regierung habe vorgestern 912 Oppositionelle freigelassen. Doch was belegt das schon, wenn andernorts gleich wieder 250 und mehr Menschen eingesammelt werden vom Regime (wie in Dael).

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIZ) setzte sich in Saudi Arabien mit Syrien erneut an einen Tisch. Al Mou’allem der syroische Außenminister fordert, dass Syrien keinen „Unterwerfungsvertrag“ einzugehen habe bei den Verhandlungen mit der Arabischen Liga. Es müsse alles beidseitig ausgehandelt sein gefälligst. Ja, und die Beschlüsse der Arabischen Liga sind für Syrien eh Luft und der Waffenschmuggel nach Syrien sei zu unterbinden sowie die Finanzierung der Oppositionellen. Und dann bitte: „Schluss mit der Medienhetzte“ von al Jazeera und Al Arabia! Mit den Sanktionen der Arabischen Liga seien „die Fenster endgültig geschlossen worden“! Peinlich nur, dass der Video mit den verkohlten Leichen, die Mou’allim zeigte, einer ist, der schon vor Jahren im Libanon gezeigt worden sein soll. Also als Beweis der Untaten durchgeführt von den Aufständischen kann der nicht herhalten (siehe Futur TV). Außerdem liefert ja Russland Waffen an Syrien, wollte Herr Mou’allim womöglich vergessen zu erwähnen.

Und was predigt daraufhin der Generalsekretär der OIZ? Der syrische Konflikt müsse von Muslimen gelöst werden. Es gelte, die Sicherheit und Stabilität Syriens zu wahren. Man lehne eine Internationalisierung des syrischen Konfliktes ab. Dass Assad ausgerechnet aus dem Libanon eine Delegation muslimischer Gelehrter vorgestern empfing, um mit denen über die jüngsten Unruhen zu sprechen, lässt jedenfalls aufhören. Lezteteres, da diese Herrn die Beschlüsse der Arabischen Liga nämlich kritisieren. Sie brandmarken Assads Widersacher, als von den USA und den Zionisten geführte Leute.


Und so, wie die Engländer ihr Botschaftspersonal aus Teheran abberufen, hat selbiges Vorgehen nun auch Spanien in Syrien in die Wege geleitet, wie auch Südkorea und Indonesien. Letzteres Land lässt lediglich seinen Botschafter aus Sicherheitsgründen aus Damaskus abberufen.

Inzwischen werden anstatt 12 syrischen Personen 86 mit einem Einreiseverbot für die EU belegt. Es ist jedenfalls stark davon auszugehen, dass derartge Maßnahmen gestern beschlossen wurden – in Anwesenheit des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Herrn Nabil al Arabi. Ebenso kommen zu den bereits geblockten 19 Firmen, die keine Geschäftchen mehr in der EU machen sollen dürfen, noch weitere 12e hinzu aus Syrien.

Außenminister William Hague der Briten sagte gestern beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel, dass der Iran beim Unterdrücken des syrischen Volkes aktiv beteiligt ist. Das behauptet unter anderen auch der Sekretär des Militärrats der Freien Syrischen Armee, Ammar al-Wawi. Der Grund sei die Zunahme Abtrünniger innerhalb der Armee. Freiwillige Kämpfer werden daher auch aus dem Irak (Muqtada al Sadr Gruppe) und dem Libanon (Hisbullah, Amal) rekrutiert.

Qatar Airways fliegt Damaskus ab sofort nicht mehr an. Die Emirates Airlines und die Etihad dürften die kommende Woche folgen. Keine Ahnung, ob die Turkish Airlines noch nach Syrien fliegt. Wir denken indes, dass wenn sogar der libanesische Wirtschaftsminister sagt, er finde die Sanktionen der Arabischen Liga zwar nicht gut, doch er werde sie mitumsetzen, dass Ankara dann wahrscheinlich seine Airline derzeit nicht nach Syrien fliegen lassen dürfte.
Angeblich hat Damaskus keine Gelder in der libanesischen Zentralbank gebunkert. Typisch ist, dass just zu diesem Moment, eher still und heimlich, ein U-Boot an Israel vermacht wird von Berlin, welches man mit Nuklearsprengköpfen ausstatten kann. Hurra! Gut gemacht!!! Und weil es so schön war, übernimmt die BRD selbstverständlich ein Drittel der Kosten – was auch sonst? Dieser Deal stammt aus der Schröderzeit (2005).

Indes ist an uns nicht spurlos vorbeigegangen, dass der Vorsitzende der Nationalen Demokratischen Initiative, der ehemalige syrische Informationsminister, der ein Alevit wie Assad ist, denselben aufforderte letzten Dienstag, die Regierung von Adel Al Safar aufzulösen, um eine neuen nationale Einheitsregierung zu bilden. Letzteres beinhaltete auch eine Krisenverwaltung.
Die syrische Sängerin Assala Nassri ließ verlautbaren aus Kairo, dass die, die Assad unterstützten, Verbrecher seien. Syrien sei nicht das Eigentum der Assads. Die syrischen Moslembrüder scheinen der Ansicht zu sein, dass die Türkei ein gutes Modell sei, und sprechen davon, nach dem Sturz Assads sich daran auszurichten.

Unterdessen scheint Russland ein Kriegsschiff in den Südosten Europas zu entsenden wollen. Ein Flugzeugträger und ein U-Boot-Zerstörer wurden bereits dorthin verlegt. Die russische Iswestija-Zeitung schreibt von Drohpotenzial gegen die NATO, welches derart aufgebaut werde. Die Türken berichten davon, dass Syrien Boden-Boden-Raketen vom Typ Scud an der Grenze zur Türkei (Qamischli und Deir al Zur) stationiert habe. Davutoglu, der türkische Außenminister, ließ schon mal wissen, dass die Türkei zu jedem denkbaren Szenarium bereit sei. Doch Ankara liege nichts an einer militärischen Intervention, was sich indes ändern könnte, wenn das Killen nicht aufhört in Syrien. Wirtschaftssanktionen seien daher schon mal angebracht. Die Strafmaßnahmen beinhalten: Aussetzen strategischer Zusammenarbeit mit Syrien, Einreiseverbot für syrische Offizielle und Unternehmer, die Dreck am Stecken haben, Einfrieren der Zusammenarbeit mit der syrischen Zentralbank, Sperrung der Bankkonten Assads und ein generelles Waffenlieferungsverbot aus dritten Ländern. Ein Syrer wurde in Sultan Ahmet/Istanbul erschossen, der wahrscheinlich aufgrund der Sanktionen der Türkei um sich zu ballern angefangen hatte eben dort.
Auch Saudi Arabien hat seine Staatsbürger aufgefordert, Syrien zu verlassen. Außenminister Lawrow Russlands spricht indes davon, dass ein Waffenembargo ungerecht sei, da die Aufständischen ja sonst übervorteilt würden.

Es ist das alles einem Schachspiel ähnlich. Wer bietet denn wohl demnächst wie und wo Schach? Und wer geht wann und wie matt?

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