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Posts Tagged ‘archäologisches museum limassol’

Heute mal etwas aus der Welt der Museen und der Kunst.

Wir freuen uns, Ihnen den Künstler Herrn Dimitris Alitheinos in einem Interview mit Marina S’chizo in der Politis vom 28. Oktober auf diese Weise vorstellen zu können.

Es geht in dem Interview um eine Ausstellung von Alitheinos im Archäologischen Museum Limassol (AML).

Übersetzung aus dem Griechischen stammt von ADH.

 

 

“…

Das Vergangene, das Kommende, Wir”.

Das ist der Titel der Ausstellung, die was genau darstellt?

Die Beziehung zu gestern, heute und morgen. Ich glaube, Zeit gibt es nicht, sondern alles ist in einer hypothetischen Beziehung [zueinander].

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Welchen Unterschied macht der Ort, wo du deinen derzeitigen Beitrag hin verfrachtest?

Ja! Sicher kommt [auch] dieses Mal Freude auf, die Freude, im AML zu sein. Gewöhnlich, wenn du eine Ausstellung machst, ist der Ort weiß. Es gibt da übrigens nichts an solch einem Ort, was dich festlegt. Gehst rein und bist dich, das Werk und das Umfeld.

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Und beginnst vom Nullpunkt.

Genau!

Die Werke werden ja gewöhnlich in Ateliers hergestellt; sprechen oder sprechen eben nicht.

Letzteres ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls ist es etwas, was außerhalb des Ausstellungsortes entstand. Der einzige Dialog, der so erschaffen wurde, ist der zwischen den Werken und den Betrachtern – oder unter den Werken selbst.

Es ist eine Beziehung, die sich auf‘s Heute richtet.

Doch: In einem archäologischen Museum gibt es Mythen und Objekte von vor dieser Zeit.

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Wie entwickelt sich dieser Dialog des Alten mit dem Heutigen, um uns dann hier im AML landen zu lassen?

Mich interessiert immer der Dialog mit dem Alten auf Grund der Physis meiner Arbeit sowie meiner Gedanken. Bereits seit Anfang der 70er Jahre mache ich Performances, wie im Tempel des Ifästos, in der archäologischen Stätte der Agora, im alten Olympia usw. Obwohl ich zu jener Zeit den Umsturz [dessen, was sich dort an Altertümlichem befand] inszinierte, die Wurzel [letztlich], die „Klassik“ mit der Sprache der Kunst, wusste ich jedoch, dass das nicht vollends sein kann, ohne seine Verbindung mit der Geschicht und dem historischen Fortgang.

Das heißt, was ich wiederhole, nämlich, dass „Neues alt sein muss, um zu sein“!

Letzteres ist, an was ich glaube, sagen wir, schon immer.

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Das Alte im Sinne von Erinnern?

Im Sinne von Erfahrung, der Geschichte, der Entdeckung. Mit allem, was wir sahen, alles war wir erreichten, nicht nur als Volk, sondern im Allgemeinen als die Art namens Mensch. Mit dieser Einstellung und derart ein archäologisches Museum betretend, betrittst du einen energetischen Ort gefüllt mit Anstrenungen und Schweiß des Menschen – im Gegensatz zu modernen Museen.

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Voll Erinnerung, Geschichte, Energie …

Und darüber hinaus alles mit Zeit und Mythos.

Was ich ins AML bringe, um das AML in ein Kunstwerk zu verwandeln, muss mit Mythos geschehen.

Kann sein, dass das klappt oder eben nicht.

Aber:

Im Museum selbst sind die Objekte ja bereits mit einem Mythos behaftet. Das einfachste Objekt hat dort sein Geheimnis.

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Aus welchem Grund hast du das AML gewählt?

Das ist nicht von Belang, weil ich glaube, dass alle archäologischen Museen ein Teil eines größteren Museums sind. Es ist Letzteres wie ein riesiges Gebäude mit vielen Räumen. [Das trifft auch zu, w]enn ich vom Archäologischen Museum in Nikosia ins AML gehe, auch, wenn die Gebäude tausende Kilometer und Stunden Fahrt auseinanderlägen.

Wenn ich also ein Museum betrete, ist es als besuchte ich irgendein Haus, in das ich wieder hineingehe. Ich beginne einfach einen neuen Dialog in einem weiteren Raum.

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Du kreierst jedes Mal eine neue Beziehung?

Die Beziehung ist endlos, weil sie fließt. Von einen gewissen Punkt aus änderst du dich als Persönlichkeit und siehst ES unterschiedlich; und andererseits, falls du dich änderst, ändern auch DIE sich.

Das Wissen kommt langsam, ganz langsam.

Diese Objekte [in Museen] sind voller Geheimnisse. Es ist irgendwie falsch zu sagen, du denkst, sie zu kennen. Sie haben einen Mythos. Es braucht Zeit. Wissen verlangt Zeit.

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Dinge, die langsam entdeckt werden, analog zu dem bestimmten Moment …

Hauptsächlich durch Wiederholung, die Erfahrung, meine Interessen.

Der Moment spielt die Hauptrolle.

Als ich Student war in der S‘choli Kalou in Athen gingen wir mittags ans Archäologische Museum und zeichneten. Oft ging ich ins obere Stockwerk, wo die Werke aus Santorini zu finden sind und stand Stunden vor den Wandgrafiken des Raumes der Anixi [Göttin]. Sah die Grafiken und fühlte, dass dort inmitten derselben es etwas gibt, was ich nicht sehen kann. Ging jedes Mal dorthin ins Museum und jedes Mal verließ ich es mit derselben Frage. Ich stand vor einer geschlossenen Kiste, die nicht geöffnet werden konnte.

10 Jahre vergingen, ich war noch in Paris, als ich zurück an diesen Ort kam. Als ich die Grafik sah, öffnete sich die Kiste und das Geheimnis in ihr war zu sehen.

Alle altertümlichen Objekte tragen ein Geheimnis mit oder in sich – vor allem die archaischen. Es reicht, dass du ungezwungen vor ihnen stehst und sicherlich wird sich dir etwas erschließen.

Mich in ein Museum begebend, weiß ich, dasss ‚jemand‘ auf mich wartet. Worum ich mich [daher] zuerst kümmere, ist Freund zu sein [mit den ausgestellten Objekten im Museum].

Und weil das Museum voll mit Zeit ist, und weil ich mit der Zeit befreundet bin, ist es logisch, vermittels meiner Ausstellung [auch] meinen Freund zu erwähnen.

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Und was geschieht?

Es passiert die Vergangenheit, das Kommende, Wir.

Wir, die wir der Moment sind.

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Wie wird dieser Moment bestimmt?

Die Frage ist:

Wie legt sich die Quintessenz des Augenblicks fest.

Warum, wenn der Moment das Jetzt ist, gibt es in ihm nicht-erfahrene Augenblicke?

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Der passende Moment wird wie bestimmt?

Darin liegt das große Spiel des Menschen mit seinem Leben, mit seiner Zeit, mit seinen Fähigkeiten. Ich denke, was man zu erlernen hat von kleinauf, ist den passenden Moment erfassen zu können.

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Ich nehme an, dass dieser passende Moment aus Erfahrung anderer Momente sich feststellen lässt.

Sicher.

Und bevor jemand denkt, dass alles seien lediglich Theorien, tut er gut daran, den passenden Augenblick herauszustechen: um zu suchen, Liebe zu machen, zu essen, zu lieben, zu hassen.

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Hast du die Antwort darauf gefunden, was Zeit ist?

Zu etwas, was es nicht gibt, wie kannst du dazu eine Antwort geben?

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Zeit gibt es nicht. Sie ist eine menschliche Erfindung und bedient menschliche Bedürfnisse. Was ist jenes, welches wir als ‚Zeit‘ definieren?

Es sind die begrenzten Grenzen unseres Lebens.

Von A bis Z.

Links, vor dem A gibt es das Unerfahrene; recht, nach dem Z herrscht Chaos.

Um tiefere Begrenzungen besser zu kapieren: entweder begannen sie vom Tag, an dem die Menschengeschichte losging, oder du legst sie anhand deines persönlichen Lebens fest.

Ich kann das nicht festlegen, auch nicht das Raum-Zeit-Ding anders denken.

Stell dir vor, eine Antwort zu suchen auf die Grenzen des Weltalls. Diese Antwort kann dir niemand liefern. Und so kannst du auch nicht sehen, wo das All aufhört – kannst daher auch nicht die Zeit festlegen.

Zeit und Raum können nur bestimmt werden, wenn da Bewegung ist.

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Wie bestimmt sich Zeit in deinem Werk?

Aus der Bewegung und dem Ticken der Uhren.

Uhren, viele Uhren, manchmal mit Dreck bedeckt, manches Mal gebunden in Bündeln, einem Flüchtling gleich, das bezieht sich auf den Mensch [was ich da eben sagte], also, den der Zeit Flüchtige.

Ihren Tick-Tack hörend, fühlst du den Fluss, den Moment, der vergeht.

In einem der Werke der Ausstellung gibt es eine menschliche Statue, auf deren erhobenen Hand eine Taube sitzt, die sein Ohr im Herzen berührt, als ob versucht würde, das Herz zu hören. Letzteres ist unsere wirkliche, unsere einzige Uhr. Von der Geburt an stellt diese Uhr fest. Sie ist der Messer unserer Zeit. Wenn wir ihr Tick-Tack jeden Morgen aufmerksam hörten, wenn wir daran denken würden, wie sehr wir ES wertschätzen, dann würden wir weiser sein.

Indes das Tick-Tack, welches wir in unseren Händen fürchten, läuft selten mit unseren Herzen synchron.

Die Taube im Werk beugt sich, um dem Betrachter zu zeigen, dass er zuzuhören hat, und zwar seinem einzigen Zeitmesser, dem Tick-Tack seines Herzens.

Ich vermute, wenn das Ende erreicht ist und du fühlst, deine Uhr bleibt stehen, dann wird dir bewusst, dass du ein anderes Tick-Tack hörtest als jenes, dessen es bedurft hätte.

Es ist irrig anzunehmen, dass der Tod nie kommen wird, wo er doch das einfachste Etwas ist, dem du begegnen kannst.

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Und darauf haben sich alle Theorien aufgebaut in Pholosophie und Religion, nämlich darauf, dem Menschen zu zeigen, dass er sterblich ist – weniger schmerzlich.

Das Schlechte ist, dass die meisten Religionen, speziell die monotheistischen, anstatt den Gläubigen zu sagen, „du bist sterblich, freu dich deines Lebens!“, sagen, „lach nicht, freu dich nicht, lieb nicht, pass auf und warte dein Ende ab – noch bevor du geboren wurdest“.

Im Altertum verstanden sie das Leben anders.

In den Garten des Museums tretend, gibt es rechts ein Mosaik, welches in der Mitte die Göttin Afrodite hat, die ihr Haar öffnet. Und Eros hält ihr den Spiegel.

Da war auch irgendwann mal auf dem Boden eines Hauses ein nackter Eros, der keine Schande fühlt.

So etwas gibt es in den monotheistischen Religionen nicht. Dort herrscht Unterdrückung!

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Warum denken wir stets, die Vergangenheit sei besser als die Gegenwart?

Wir beziehen uns nicht mit irgendeiner Vergangenheitsgeilheit auf jenes, was zuvor war.

Die Kultur produziert Kunstwerke, die wir sehen und bestaunen, ohne dass das bedeutete, viele der heutigen Werke seien nicht bewundernswert – oder dass es kein Morgen gäbe.

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Deine Herangehensweise hat mit dem Gedanken zu tun. Wessen ist dieses Denken, wo sind wir abgewichen?

Wir produzieren keine Kultur, die die Fortsetzung dessen ist, was wir erhielten. Ohne die Vergangenheit zu idealisieren, fahren wir die Gegenwart beurteilend in Richtung gewisser Schlussfolgerungen.

Den Marmor betrachte ich nicht nostalgisch, aber was wir heutzutage als Griechen oder als Bürger dieser Welt tun, sehe ich als Stroh an.

Ich sehe nicht, dass sich etwas kuturell ergibt: in der Kunst, ökonomisch, philosophisch, egal auf welchem Gebiet.

Ich seh da keinen Vorschlag.

Was ich lediglich ausmachen kann sind persönliche oder kunsttechnische Machenschaften – im weitesten Sinne.

Eitelkeit ohne Grenze!

Es herrscht Gleichschaltung!

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Welches ist das erste Werk, dass der Betrachter zu sehen bekommt, wenn die Ausstellung betreten wird?

Im Garten des Museums sind 3 Werke: „der Charme des Stürtzens“, „die Sarkophagen“ und „Mosaike“.

Ersteres ist eine Anspielung auf die einzigartigen umgefallenen Säulen des Säulengangs des Olymp. Dieses Werk besteht aus 11 Ballen Stroh, die gewaltsam auf den Boden fielen. Es besagt, dass jenes, welches wir überreicht bekamen, eine Kultur aus weißem Marmor war und diese Kultur haben wir zu Stroh gemacht.

Die Sarkophagen sind zwei Reihen aus Felsen wie Sarkophagen und dazwischen gibt es 4 zusammengepresste Autos – neuartige Sarkophagen. Sie beinhalten zusammengepresst alles, was ihre Besitzer lebten.

Auf der anderen Seite des Gartens bilden Mosaike ein römisches Mosaik und 2 bunte Würfel [sind auch dort].

Aber was ist wohl im Museum [dahinter]?

Besser ihr kommt mal nachsehen?“

Der Link unten führt virtuell zum Werk des Künstlers!

https://www.youtube.com/watch?v=rgTyBUsfb1c

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