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Posts Tagged ‘badische zeitung’

Dass die Stadt Lörrach, die unweit von Basel liegt, gar nicht so langweilig und uninteressant ist, wie es einem eventuell auf den ersten und zweiten Blick vorkommt, schält sich immer klarer heraus.

Immer wieder mittwochs, könnte man sagen. Dann nämlich finden im Gebäude der VHS, dem Alten Rathaus von Lörrach, unterschiedliche und zuweilen hoch interessante Veranstaltungen statt. Zum Beispiel ist die Veranstaltung zur Literatur, geleitet von Herrn Oskar Keller, das letzte Mal wirklich gut gewesen, als er etwas in die deutschsprachige Lyrik zum Thema Herbst eingestiegen ist. Dass zum Thema Herbst von ihm dabei keine weiblichen Autoren gefunden wurden, kann daran liegen, dass in seiner Bibliothek nichts auffindbar gewesen ist, wie er auf Anfrage klarstellte. Dieser Einwurf wurde von ihm jedoch aufgenommen und als gut empfunden, und so darf mit Spannung darauf gewartet werden, beim nächsten Mal auch einige deutschsprachige Lyrikerinnen vorgestellt zu bekommen zum Thema Herbst.

Auch zur türkischen Geschichte wird etwas im Alten Rahthaus veranstaltet von Herrn Keller. Leider grenzt das, was er da so von sich gibt, zu oft an Desinformation als an Information. Doch OK ist das insofern alle Male, denn zu hoffen bleibt, dass seine löblichen Bemühungen dazu führen, die Teilnehmer auch für diesen Bereich oder dieses Thema zu sensibilisieren, um danach ihre eigenen Studien zu betreiben.

Zu erwähnen wäre noch die Erste Hilfe für Menschen mit Computer-Problemen. Die gibt es jeden Montag im Gebäude der VHS von Lörrach ab 14 Uhr – eine zu prämierende Einrichtung! Da wird einem mit wirklichem Sachverstand das jeweilige Problem gelöst, egal ob Windows oder Linux, eine Freude, dort seinen digitalen Kummer zurücklassen zu dürfen. Ein Schweinchen geht in allen Veranstaltungen um, in das man Geld reinstecken kann, aber nicht muss, für das, was man dort geboten bekam.

Ja, und da war gestern zur Zeitungsrunde mit Horst Donner ein Online-Redakteur der Badischen Zeitung zugast, der Herr Huber, wenn wir den Namen richtig erinnern, der teils Werbung für die Badische Zeitung (BZ) betrieb und teils wohl einfach ein netter Mensch ist, zumal er netterweise sich den Interessierten, alle über die 50, die zu diesem Anlass zahlreich angekommen waren, stellte. Herrn Huber’s Darstellung, dass die Presse unverzüglich und bestens während Etwas gerade passiert vor Ort sein müsse, entfachte eine rege Diskussion. Die runde aus interessierten, scheinbar gut ausgebildeten ‚Grauen Wölfen und Wölfinnen‘ ließ den relativ jungen Herrn Huber mit Geschick und gebührendem Anstand durchaus vernehmen, dass die BZ aus ihrer Sicht alles andere als auf einem guten Weg sei entwicklungsperspektivisch. Wieso Journalisten auf-Teufel-komm-raus unbedingt als aller Erste und „unter Zeitdruck“ von einer Sache berichten müssten, geradezu sensationslüstern und zunehmend unreflektiert, konnte Herr Huber, der von Ehre des Journalisten und dergleichen sprach, nicht überzeugend genug beantworten oder entkräften. Immerhin, es hatte ihm im Verlauf des unterhaltenden Vormittaggesprächs niemand von seiner oder ihrer Absicht erzählt, sein Abonnement bei der BZ auflösen zu wollen, obgleich Herr Huber sich zuweilen schon anhörte wie ein Handelsvertreter auf Durchreise.

Recht lustig war, dass er sein I-Pad und Smartphone durch die Runde gehen ließ, versteht sich immer mit Hinweis auf die BZ, was wiederum zeigte, dass sein Bild von uns über 50-Jährigen mindestens so daneben war, wie das unsere von ihm – eventuell. Wie Herr Huber irgendwann meinte, würde die Generation unter 40 eher bevorzugen, sich ihre Nachrichten über die Sozialen Medien etc. abzurufen als über die Printmedien; doch ihm schien trotz seiner Anwesenheit in der Runde der Altersgrauen und deren Resonanz ,noch immer nicht klar geworden zu sein, dass diese Leute, denen er sich präsentierte, sehr wohl Bytists und/oder Computer-Nutzer sind, die schon längst mit dieser Tatsache sich auseinander gesetzt haben im Leben – alles andere als Digital-Neanderthaler sind.

Kann gut sein, dass da viele sogenannte 68er drunter waren, die scheinbar schon damals begriffen hatten, dass das Leben Arbeit im Prozess ist, soll besagen: dass das Sich-Formen einer Person erst auf dem Totenbett in seine letzte Phase tritt, und dass bis dorthin jeder – gefälligst – der Schmied seines Schicksals irgendwie ist, sein sollte!

Und das ist ein gutes Stichwort, also das Sich-Formen. Bekanntlich leben wir in etwas namens EU. Und das Wort Union im Begriff EU besagt so etwas von der Bedeutung her wie der Terminus Familie.

Und vielleicht auch daher guckt man schon etwas verwundert, wenn in der Oberbadischen Zeitung vom 14. November gelesen werden darf in einem Beitrag von Klaus Köster, dass Deutschland, das große Exportüberschüsse produzierende Deutschland, doch wohl unmöglich – demnächst womöglich noch – durch die EU geschwächt werden könne bei dieser Erfolgsgeschichte in Sachen Export und so. Das sei, als würde man aus dem Rennwagen des wahrscheinlich allseitsbekannten Herrn Vettel die Luft herauslassen.

Und der Herr Vettel, verehrte Leser, ist ja bekanntlich ein Deutscher, einer, der zwar Steuern woanders entrichtet, weil dort der Steuersatz günstiger ist, doch was soll’s?

Insofern hat Köster, könnten Sie hier denken, mit dem Bild von Vettel und dem Reifen seiner Sprit-Schleuder die Lage ziemlich trefflich getroffen. Zwar etwas verkehrt, doch bekanntlich lernt man ja schon in jungen Jahren, in den vorgehaltenen Spiegel so zu gucken, dass das darin Gesehene eben als seitenverkehrt Erscheinendes verstanden wird. Daher, mögen Sie nun denken, würde Herr Köster besser noch folgendes Bild angeheftet haben in seinem Beitrag, schon der Ausgewogenheit der Berichterstattung wegen und, versteht sich, zur Ergänzung: Ein Vettel, der Großverdiener ist, in Deutschland Ausbildung etc. genossen hat und nun, nachdem die Kohle bei ihm fließt, die Mücke macht und diesem Staat nicht das zurückgibt, was ihm eigentlich irgendwie zustünde, ist wie ein Vater, der Kinder zeugt und seinen Verdienst versaufen geht und Sozialhilfe von seiner Familie abholen lässt – sollen die anderen doch die Kosten für die Familie schultern.

Dass Leute wie Vettel zu solchen Schlussfolgerungen kommen und guten Gewissens entsprechend agieren, daran ist die Masse durchaus mitschuld, die sich den ‚tollen Typen‘ auch noch als Identifikationsfigur heraussucht – wo sie andernorts schnell einen Regelverstoß eines Asylanten, oder dergleichen beispielsweise, mit aller Schärfe ins Visier nimmt, was sich bekanntlich hin bis zu einem Generalverdacht steigern kann – siehe den NSU-Ermittlungs-Wahnsinn, wo die Angehörigen der Opfer sich so einen Generalverdacht durch die Ermittlungsbehörden gefallen lassen durften – und ziemlich sicher auch durch große Teile der Bevölkerung.

Doch ein positiver Anfang, wie abwegig auch immer Ihnen dieser Zusammenhang vorkommen mag zum Vorhergesagten, ist nun dennoch gesetzt worden, und zwar im Nabel der Welt, in Kandern. Dort wurde nämlich – endlich – die “Nette Toilette” eingerichtet und sogar vom „Burgermeischtr“ abgesegnet. Nein, die öffentlichen Toiletten am Bahnhof etc. werden deswegen nicht geschlossen, schrieb die BZ am 14. November.

Die Nette Toilette“ ist also ein öffentlicher Ort, wo noch nicht einmal für das Natürlichste von der Welt wie ansonsten in der Republik ein ’netter‘ Obulus entrichtet werde muss. Nein! Die IG-Kandern, eine Bürgerinitiative der Stadt hat darauf hingewirkt, dass Touristen und andere, die mal dringend müssen, an gewissen Orten in der Stadt ihr Geschäft erledigen können.

Da die Badische Zeitung, diejenigen Geschäfte in Kandern erwähnt, bei denen man notfalls einkehren kann, ohne schief angesehen oder gar abkassiert zu werden, oder so, sollen hier – unvollständig – ergänzend einige Lokalitäten genannt werden, die sich dieser Initiative offenbar – noch – nicht anschlossen: Sonne Restaurant und Sonne Café, San Lorenzo Pizzaria, Ochsen und das Schnecke-Restaurant etc.     

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Die Gezi-Park Getreuen!

Als ich ein Jugendlicher war, war Rock und Blues angesagt. Schlager hören oder Funk und Soul, war äußerst uncool, dort, wo ich mich aufhielt. Man hatte aus irgendwelchen Gründen dem Lager, welchem man sich zugehörig fühlte, oder glaubte zuzugehören, treu zu sein.

Die Getreuen der vermeintlich revolutionären, friedfertigen und, versteht sich, jugendlichen im Gezi-Park, oder wie man die nennen darf, hatten sich gestern Abend zu einer Veranstaltung über die Ereignisse am Taksimplatz von Istanbul eingefunden. Wenig junge Menschen waren da zu sehen, eher alle so in meinem Alter im Durchschnitt, also um die 50. Kann gut sein, dass viele der Anwesenden ihre Ideale aus ihrer 68er Jugend in Istanbul aufgewärmt erkennen, wiederentdecken, und deswegen sehr emotional unterwegs sind und waren beim Thema Gezi-Park.

Wie dem auch sei: Die Badische Zeitung in Freiburg hatte in ihren Räumen zu dieser Veranstaltung eingeladen. Eintritt war zum Glück frei. Es fing dann auch pünktlich an. Der Raum war nahezu voll, alle fanden einen Sizplatz.

Herr Erler, Politiker aus dem Außenministerium, genauer: seines Zeichens ehemaliger Staatsminister unter der Rot-Grünen Regierung in diesem Ministerium, wurde uns vorgestellt als einer derjenigen, die auf dem Podium Platz nehmen werden. Er hat zur Annäherung und Integration der Türkei in die EU gearbeitet. Desweiteren wurde eine Politikerin namens Sarikas aus Konstanz vorgestellt. Sie ist im Ortsverband Konstanz tätig und sitzt in zahlreichen Ausschüssen und Gremien, die sich mit dem Thema Integration beschäftigen. Moderiert hat eine Journalistin der Badischen Zeitung aus der Politikredaktion, Frau Rösch, die seit Jahren zu diesem Thema schreibt.

Sie fragte sich einleitend, ob sie sich über all die Jahre von Erdogan habe täuschen lassen, und dass ihre Berichterstattung über die Türkei im Allgemeinen wohlwollend gewesen ist. “Bin ich ihm auch auf den Leim gegangen? Man hat von Kemalisten immer wieder gehört, er ist ein Wolf im Schafsfell und er will ja im Prinzip nur einen islamistischen Staat errichten, auch mit Hilfe der EU.”

Frau Sarikas übernahm die Rolle der Augenzeugin der drei Personen vorne auf dem Podium.

Gut und schön.

Nur was die Augenzeugin Sarikas auf Fotos festgehalten hatte und kommentierte, war, mit Verlaub, schlichtweg mies: mies in der Aufnahmequalität, ungenügend die Erklärungen, die sie dazu abgab. Die Maske der Anonymus bezeichnete sie einmal als “Erdogan-Maske”. Die Organisation Anonymus schien sie gar nicht zu kennen („Maske“).

Die Zeitzeugin Sarikas war in Istanbul also für 4 Tage (8.6 – 12- 06.) unterwegs und war eigentlich in anderer Mission in die Türkei gekommen – um die türkisch-kurdische Sache (“Biografiegespräche”) zu bearbeiten. Wieso sie dann vom Flughafen, wie sie meinte, direkt an den Taksimplatz fuhr und ob sie ihre ursprünglich ins Auge gefasste Arbeit dennoch durchführen konnte, ging irgendwie unter bei dem Wirrwarr, den sie in der Folge von sich ließ. Das Letztere hat uns auch nur dann zu interessieren, wenn sie nicht irgendwelche Steuergelder in irgendeiner Weise in Anspruch nehmend unterwegs war in der Türkei. 

Das erste Bild, welches Frau Sarikas zeigte, und das zeitlich lang, könnte als Warnung bezüglich dessen, was diese Veranstaltung noch bringen wird, fungiert haben. Leider hat sich diese Befürchtung dann auch schnell bestätigt – nachdem Sarkas ihren Mund die ersten paar Male aufgemacht hatte. Auf dem Bild war schummerig eine junge Person zu sehen, die im Schneidersitz hinter einer Art Kiste saß. In der Kiste waren einzelne Zigaretten zu sehen und irgendwo stand schwarz-weiß geschrieben auf Türkisch: “Lasst uns Zigaretten teilen!” Keines der Bilder zeigte Auseinandersetzungen mit der Polizei, keines der Bilder ließ Zweifel an der Friedlichkeit der Aktionisten zu (“die haben alles selber sauber gemacht”). Frau Sarikas schien die negative Message, die die von ihr im Foto festgehaltene Nikotin-Börse auch noch mit sich trägt, völlig abgegangen zu sein. Der Ge/Missbrauch von Nikotin ist in der Türkei eine ganz andere Dimension, ungefähr vergleichbar mit dem in Deutschland in den 50er Jahren, als Nikotin sozusagen noch voll integriert und angesagt war.

Ich glaubte heraushören zu können, dass Frau Sarikas die Solidarität der Anwesenden im Gezi-Park mit diesem Foto transportieren wollte – auch wenn Frau Sarikas das Wort Solidarität nicht ein einziges Mal in ihrem Sprachschatz fand. Doch dass sie Kurdin und Deutsche ist sowie deutsche Politikerin ist und dass man ihr ihre kurdische Sprache im Alter von 6 Jahren “Schlägerei gemacht hat”, also herausgeprügelt hat, sodass sie sich noch nicht einmal mehr mit ihrer Großmutter unterhalten konnte, konnte sie so in etwa formulieren, wie sich aber zeigte, nicht für alle im Raum genügend verständlich.

Ihr Vortrag war ein einziger Schiffbruch, sondergleichen – und zwar vor allem inhaltlich. Es muss ihrem Bericht zufolge im Gezi-Park so etwas wie der Garten Eden geherrscht haben. Kurden tanzten freudig mit Kurden und auch anderen, und das sogar in der Nähe ihrer ideologischen Feinde, den Grauen Wölfen. Ein Bild, wo, glaube ich zu erinnern, eine kurdische Flagge zu sehen war und jemand, der das Handzeichen der nationalfaschistischen Grauen Wölfe machte, sollte diese Einheit, die geherrscht habe, belegen.

Frau Sarikas fing ihren Augenzeugenbericht folgendermaßen an: Sie sei direkt vom Flughafen zum Taksim gefahren. Dort sind eine Million Menschen gewesen. Keine Ahnung, doch ich könnte eine derartige Menschenmasse nicht bemessen darin befindlich. Es habe dort keine „Penner“ gegeben, wie Erdogan die Anwesenden im Gezi-Park genannt hat. Bei einer Million Menschen wird Frau Sarikas mit derartiger Bestimmtheit doch wohl nicht sagen können, dass es keine Penner gab!

Und dann, was ist denn bitte sehr ein Penner und wann ist jemand so jemand? Und was ist ein Penner im türkischen Kontext und dann erst noch im Verständnis von Herr Erdogan? Und was ist ein Penner für Frau Sarikas, der Deutsch-Kurdin, die in der Türkei, in Istanbul unterwegs ist? Wie kann sie so eine Aussage machen (“keine Penner gesehen”). Und ist Penner eigentlich das richtige Wort, um “çapulcu” widerzugeben im Deutschen? Außerdem hatten sich viele Aktivisten im Gezi-Park ausdrücklich dazu bekannt „çapulcu“ zu sein, nachdem Erdogan glaubte, sie so abwertend bezeichnen zu können.

Wohl auch weil Frau Sarikas sich so betont Kurdisch gegeben hat, hat sie in der anschließenden Diskussionsrunde der Veranstaltung jemand mit Bart und muslimischer Kleidung gefragt, ob sie denn überhaupt Türkisch verstehe? Sie hatte zwar davon gesprochen, dass man ihr die Muttersprache, also Kurdisch, ausgetrieben hatte und türkisch „assimiliert“ habe, wenn ich so sagen darf, doch scheinen ihre Ausführungen offensichtlich zu unverständlich rübergekommen zu sein  – der Fragesteller sprach exzellentes Deutsch.

95% der Anwesenden im Gezi-Park seien jedenfalls Jugendliche und Studenten gewesen, meint Frau Sarikas beurteilen zu können. “…Hell wach, wirklich nicht apolitisch, interessiert! Ich hab in diesen 3-4 Tage mindestens mit 3-400 Junge, Alte, gesprochen. Warum die hier sind? … .”  Alle Parteien der Türkei sind Sarkas zufolge anwesend gewesen, alle. Auch Armenier, Griechen etc. Und dann plötzlich behauptete sie und schon längst nicht mehr Bericht erstattend, sondern Meinungen von sich gebend und formend, Erdogan sei ein Diktator, er könne mit seiner Machtfülle nicht umgehen. Und so ging das dann weiter – Objektivität, Fehlanzeige!

Es ist hier nun wirklich nicht unsere Absicht, die Sprachweise und Sprachbeherrschung des Deutschen von Nicht-Muttersprachlern an den Pranger zu stellen. Doch man darf sich doch woh fragen, was denn bitte sehr ein/e Politiker/in im Amt überhaupt zu tun im Stande ist mit derartig großen Sprachmängeln wie sie bei Frau Sarikas aufwies. Die Badische Zeitung hätte gut daran getan, sie meinetwegen im Publikum sitzend in der Veranstaltung gehabt zu haben, wo ja auch andere Zeitzeugen der Geschehen vom Gezi-Park anwesend waren, wovon sich – mindestens – zweie zu Wort meldeten.

Die Art und Weise, wie das geschah, war aus meiner Sicht etwas befremdend – die beiden saßen nämlich zufällig gerade vor und neben mir. Es kam einem so vor, als hätten beide, wahrscheinlich türkische Staatsbürger, ihr Abenteuer Gezi-Park bzw. Florya (“Florya ist wie Taksim-Park”) geradezu an den Mann, die Frau, bringen müssen. Leider geschah das auffallend unkritisch, distanzlos und schon etwas sensationslüstern (“ich war auch Augenzeuge”). Die Aussage, dass der Istanbuler Stadtteil Florya auch wie der Taksim-Park sei, die der Herrn vor mir sitzend getan hatte und Angst um seinen 16 jährigen Sohn hatte, zeigt, wie die Wahrnehmung von Menschen, sagen wir, beeinträchtigt werden kann durch irgendwelche Faktoren – wie zum Beispiel geografische Distanz. Diese Aussage seinerseits ist wie, als wenn jemand sagte, der Stadtteil Dahlem in Berlin ist wie der Potsdamer Platz oder Kandern ist wie Freiburg. Hallo, gehts noch!

Der Vorwurf einiger offensichtlich muslimisch angehauchten Zuhörer im Saal, dass die Berichterstattung und abgegebenen Stellungsnahmen auf dem Podium eintönig und einfarbig seien, muss hier vollauf – leider – unterstützt werden. Herr Erler trug seinen Teil dazu mit Bravur bei. 

Herr Erler sei auf die Badische Zeitung zugekommen vergangene Woche, sagte Frau Rösch in der Einleitung dieses Abends, und habe vorgeschlagen, eine Veranstaltung zu machen (“vom Taksimplatz zum Unrechtsstaat”), in der Augenzeugenberichte widergegeben werden mit anschließender Diskussion. Versteht sich, dass Frau Rösch von der Politikabteilung der Badischen Zeitung auf diesen Vorschlag gern einging. Es ist uns hier nicht bekannt, inwieweit Frau Rösch Herrn Erler kennt, doch ob er die ‚richtige‘ Wahl war für diese Veranstaltung, ist nach dem, was er von sich gab, mehr als zu bezweifeln – wobei bei Frau Sarikas kein Zweifel diesbezüglich besteht. Es hätte ruhig noch jemand Teil nehmen sollen, der sich mit der Materie Türkei wissenschaftlich beschäftigt. In Freiburg laufen davon gewiss Hunderte herum. 

Anfänglich war Herr Erler nicht schlecht. Informierte über die Lage der Türkei, dass sie eine Art Schaltstelle geworden sei geostrategisch, und dass Erdogan daran einen gewissen Anteil gehabt habe mit seiner Politik. Doch irgendwie schien Herrn Erler der Fachterminus Regionalmacht abhanden gekommen zu sein. Er schoss sich geradezu darauf ein, Erdogan und die Politkabsichten seiner AK-Partei globallistische Ambitionen a la USA oder meinetwegen der EU zu unterstellen. So größenwahnsinnig, finden wir, kann Erdogan gar nicht sein – zumindest jetzt nicht. Diese Übertreibung färbte dann auch Weiteres, was Erler von sich gab.  Dass die Türkei inzwischen sich völlig von der ausgegebenen Politik distanziert habe, möglichst keine Konflikte mehr mit den Nachbarn zu haben, meinte Erler. Dass die Türkei sich nicht zur Genüge anstrenge, die Verhandlungen mit der EU zu führen. Und irgendwie war es immer die Türkei, die eine Bringschuld hat und hatte bei den Ausführungen Herrn Erlers. Doch dass die Politiken der EU zuweilen alles andere als produktiv sind im Annäherungsprozess EU-Türkei war Erler aber auch nicht ein einziger Nebensatz wert.

Ärgerlich war die Veranstaltung inhaltlich eigentlich die ganze Zeit über und am liebsten wär ich aufgestanden. Doch es sollte noch ärgerlicher werden, und zwar in der sogenannten Diskussionsrunde.

Eine ältere Dame ergriff sogleich das Wort. Wie sich herausstellte, war es Frau Scheel, die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten. Nun egal, wer sie ist oder darstellt, doch dass man sie ausbuht und beim Reden massiv unterbricht, nur weil sie eine gegenteilige Meinung äußert (“die jungen Menschen dort sind doch wohl eher Anarchisten”), fand ich sehr unerträglich. Die das taten, taten genau das, was Erdogan den ganzen Abend über vorgehalten wurde – keine Toleranz zu haben, in Sippenhaft zu nehmen und solche Dinge halt. Dass ‚ganz normal aussehende Zuhörer‘, scheinbar überwiegend Deutsche, so reagieren können und wie ein böser Mob nur die Meinung von Ihresgleichen akzeptieren, ließ bei mir insgeheim die Frage aufkommen, ob Teile der Leserschaft der Badischen Zeitung etwa der Berichterstattung dieser Zeitung wegen so von sich und ‚ihrer‘ Weltsicht überzeugt handeln – wie verblendet, alles andere als offen?

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Kandern und das Mehr

Die Sonne scheint doch glatt schon wieder. Es ist immerhin Mitte November und ich sitze am Rande des Schwarzwaldes, nahe der Schweizer Grenze und auch nicht all zu weit vom Elsass – in Kandern. Gewiss haben Sie schon davon gehört, dass Kandern seit Mitte des 19. Jahrhunderts Stadtrecht hat. Mir ist es dennoch Dorf, und zwar im positiven Sinne. Die Luft ist hier gut, die Leute eigentlich freundlich – was will man mehr. Ich vergaß: Ein wunderbar grüner Wald, der ausgiebig ‚gepflegt‘ wird, ist auch in der unmittelbaren Nähe, ja, sogar eine Wasserquelle gibt es darin, wo viele Kanderner sich ihr Tee- oder Kaffewasser abzwacken. Wenn nicht getäuscht wird, war gestern Abend endlich die Baustelle Mitten im Dorf, in der Hammersteinstraße, beseitigt gewesen, unmittelbar vor dem Edeka im Ort gelegen. Über 2 Jahre haben die Erweiterungs- und Reperaturarbeiten zum Wasserschutz etc. gedauert.  Der Bürgermeister Kanderns ließ in anderer Angelegenheit wissen, nämlich bezüglich der anstehenden Bürgermeisterwahl, wo er als Kandidat wie Xristofias in Zypern nicht mehr zur Verfügung stehen wird, dass die Gerüchte um Gekungel bezüglich der Angestellten im Rathaus Fehldarstellungen seien. Es gäbe keine Seilschaften und die Angestellten seien kompetent und ausgesprochen nett zu den Bürgern. Ob er mit dieser Aussage eine Brücke zu seinen Bürgern aufbauen oder beibehalten konnte bleibt, nach dem, was zu hören ist im Ort und an den Stammtischen, fraglich.

Dass die Brücke zwischen der Schweiz bei Koblenz und Deutschland, die extra ins Denkmalbuch der Schweiz eingetragen worden ist, bestehen bleibt, könnte nun doch noch fraglich werden. Dass in Wyhlen-Grenzach demnächst womöglich eine richtig große Entsorgungsanlage errichtet werden soll auf dem BASF-Gelände vor Ort, lässt aufhören, weil mal wieder Reste des Entsorgten in den Rhein gegeben werden sollen, und zwar über die dortige Kläranlage der BASF. Es würde sich um eine Sondermüllanlage handeln, wenn es dazu kommt. Bis zum 21. Januar kann noch dagegen vorgegangen werden auf dem Behördenweg – gegen das große Geschäft. 60 Arbeitsstellen werden in Aussicht gestellt – wie verlockend. Mit Speck fängt man schließlich Mäuse, wird gesagt.

Der Radiosender „Kanal Ratte“ aus der Region sucht händeringend nach einem neuen Namen. Wir schlagen vor: Kanal Rhein Protektor! 

Auf der ersten Seite der Badischen Zeitung (BZ) vom 17.11.2012 waren der russische Präsident Putin und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel abgebildet. Letztere hat sogar gewagt, Menschenrecht anzusprechen und die girls von Pussy Riot. Danach ging es dann wohl zu Business wie gewöhnlich über. Doch davor scheint dem so gewesen zu sein, als hätten die beiden sich Wangenküssen verabreicht zur Begrüßung mit Festhalten am Oberarm. Diese Szene machte in der erwähnten BZ als Bild den Aufmacher. Könnte durchaus einen Preis für gelungene Fotografie politischen Opportunismus‘ gewinnen! Besser als der Truppenaufmarsch, der sich als Weltmacht gerierenden Israelis, ist das Gehabe der Beiden scheinbar alle Male. Warum Israel schon wieder um sich knallen wird, ist hier nicht wirklich nachvollziehbar. Einen Hund, den man schlägt oder schlecht behandelt, der beißt halt auch irgendwann mal sein Herrchen oder Frauchen. Die Palästinenser, die sehr wohl Menschen sind und selbstverständlich keine Hunde, also Menschen wie Sie und wir, handeln dennoch nach diesem Muster und beißen mal wieder um sich. Sie wehren sich gegen unmenschliche Behandlung – und wir gucken noch immer zu. Ja, wir liefern sogar Waffen nach Israel, die wir mit Steuergeldern mit bezahlen, damit das alles auch wirklich passieren kann? Es passiert leider auch in unserem Namen. Denn wir Deutschen haben uns als eine Art Schutzpatron dieser Nation auserkoren und von selbst in gewisser Weise dazu bestimmt. Eine ethische Grenze scheint es da nicht zu geben. Schon schlimm, wenn die unrühmliche Vergangenheit Handlungen deckt, die ein klitze-kleines Abbild eben dieser begangenen Grausamkeiten sind – andernorts.  

Natürlich ist das auch alles eine Frage des Geldes. Prominente Redner wie Bill Clinton sollen an die 200.000 Euro erhalten. Da der Clinton vor ein paar Monaten in Zypern war, kann man sich also ausrechnen, was die angeblich Krisengebeutelten dort von der Insel wieder Mal an Geld aus dem Fenster geschleudert haben – für ein paar Stunden. Gerhard Schröder soll bei 75.000 liegen für seine Vorträge, Heiner Geißler immerhin bei 15.000 – so auch Steinbrück nach eigener Einkategorisierung.

Leider ist zu befürchten, was alle schon ahnten seit Monaten, dass demnächst Frankreich offiziell an den Finanz-Tropf gehängt wird, wo Zypern eigentlich schon dran hängt. Zwar tönt der Präsident der zyprischen Republik, Xristofias, noch, er werde die gestellten Bedingungen der Troika nicht unterschreiben und dass die von der Opposition, die entgegengesetzter Meinung seien, sich endlich outen sollen. Das Wortgeplänkel erinnert durchaus an andere Orte, wo Politik gemacht wird – so zum Beispiel an Frankreich. Die Germanisierung der Wirtschaft dort wird wohl verspätet angekurbelt. Dass Hartz IV auf Französisch ins Auge gefasst ist, wird sich schon bald ganz konkret zeigen. Die Franzosen sollten sich schon mal anschnallen gehen. Das Streikrecht wurde nämlich vorsichtshalber schon eingeschränkt vor kurzem.

Eingeschränkt funktionsfähig ist auch der Arbeitsmarkt in Zypern, insbesondere für Jugendliche. An die 30% der Jugendlichen (Griechenland über 50%) sollen keine Arbeit haben. Da bietet es sich doch an, die gut ausgebildete Jugend in solchen Orten, die in der Krise sind, abzuschöpfen und ihnen gute Arbeitsmöglichkeiten mit einigermaßen gutem Verdienst zum Beispiel in Deutschland zu offerieren. Brain-Drain wird das auch genannt andernorts. Angeblich profitierten beide Seiten davon, meinte Bundeskanzlerin Merkel. Das erinnert stark an das Versprechen der Republik Zypern gegenüber ihrem Nordteil, denselben an Gewinnen, die bei erfolgreicher Förderung des Erdgases, welches vor der Insel liegen soll, bzw. liegt, gerecht zu beteiligen – zum Nutzen beider Seiten. Beschränktsein, ist ja nicht gleich beschränkt sein.

Oder?

Ein beschränktes Kontingent deutscher Soldaten soll nun jedenfalls in der Türkei an der syrischen Grenze in Stellung gehen. Ein paar Waffen bringen sie auch gleich mit, damit Raketen aus der Luft wie im Computerspiel geholt werden können. Womöglich werden diese Aktivitäten dann noch so weit getrieben zukünftig, und die Aussicht besteht irgendwie, dass deutsche Truppen irgendwann vor Israel stehen werden, versteht sich, (diesmal) als Befreier bzw. Waffenkameraden. Doof  nur, dass Ägypten eher geneigt ist, der Hamas, also den Palästinensern, seine Unterstützung zu gewähren, als sich auf die Seite Israels zu schmeißen. Was ja nicht ist, kann noch werden – unwahrscheinlich zwar, aber die Position der Türkei scheint auch hier in diesem Konflikt eine richtungsweisende Funktion zu erhalten, die, nach unserem Dafürhalten, noch nicht endgültig positioniert ist.

Es wird also noch ‚lustig‘ werden im südosteuropäischen Meer. Einerseits hat die Türkei offiziell ein Problem mit der israelischen Politik und andererseits holen sie sich jetzt über die Nato den Haupt-Verbündeten Israels in Europa, Deutschland, ins Land. Man könnte einen Konflikt nicht dramatischer gestalten, schon allein vor dem Hintergrund der noch immer offen gehaltenen Zypernfrage und der Frage, was nach Assad kommen wird, wie Jordanien und vor allem der Libanon den Tumult um sich auswerten – bzw. daraus hervorgehen werden?

Auch die Verhandlungen in Sachen Bankgeheimnis etc. der Schweizer mit den Deutschen kommen offenbar ins Stocken, weil Baden Württemberg den Vertrag nun doch nicht unterzeichnen will. In Athen scheint ein Schuldenerlass noch immer diskutiert zu werden, auch das Thema, was denn nun mit der Lagard-Liste ist, die verschwunden sein soll und Namen enthielt von reichen Griechen, die Konten in der Schweiz führen. Zum erneuten Schuldenschnitt für Griechenland haben Experten schon vor über einem Jahr geraten. Ob das unter Zwang geschieht, ist Ansichtssache. Anders als bei IKEA, die in der ehemaligen DDR Möbel fertigen ließ von Gefangenen unter Zwang, scheint dieser Zwang doch noch irgendwie anders geartet zu sein. Und dass die Art Zwangsgelder, die zu hohe Telefongebühren durchaus darstellen, nun auch etwas eingeschränkt werden in der BRD, wird nun endlich vermeldet. Und zwar sollen künftig Telefonate per Handy auf Handy eines anderen Anbieters bei 1,85 Cent pro Minute preislich fest gesurrt werden. Das ist zwar nicht billig, doch zumindest eine Richtschnur, die dem schnellen Rechner unter uns beim Telefonieren mit Blick auf die Uhr dienlich sein dürfte.

In Weil am Rhein, nach einer Umfrage der Badischen Zeitung, scheinen sich die Leute darüber zu mokieren, dass die Weihnachtsbeleuchtung noch nicht hängt und womöglich nicht so protzig ausfallen könnte als sonst. Sie sehen, es gibt noch wahre Probleme. So auch in Frankreich, wo die Schleckermäuler der Nation nun mit einer sogenannten Nutella-Steuer zu rechnen haben – die Armen. Die Palmbäume, die in Regenwäldern für die Herstellung von Nutella & Co herhalten in Südostasien dürften dennoch weiterhin Nebensache sein und bleiben, vermuten wir. Auch in Kandern war und ist Holz das Thema. War gut besucht die Veranstaltung in der Sonne vor ein paar Tagen. Die zuvor erwähnte Badische Zeitung schreibt auf Seite 26: „Kein Sturm, kein Käferbefall, keine Marktstörungen, nur die Transporte verteuern sich“ Des Weiteren: „ Beim Laubholz habe es eine sehr gute Nachfrage in allen Sortimenten gegeben, nur Buchenholz wird als Industrieholz derzeit weniger nachgefragt. Große Holzströme gehen mittlerweile in den Energiesektor, als Schlagraum, Brennholz oder Hackholz oder Holzpellets“ welches in jedem 4. Haushalt verwendet werden soll. Die „Laub-Wertholzsubmission in Müllheim“ soll gute Ergebnisse erzielt haben. Ein „Erlös von 461 Euro pro Festmeter“ wurde erzielt. Zu 90 Euro pro Festmeter ist das Nadelholz auch ein guter Verkaufserfolg, wird berichtet. Zum Ende Oktober im Jahr 2012 wurden bereits 2,9 Mill. Euro erwirtschaftet. Erfreulich ist, zu lesen, dass viele Sägewerke der Region nach Bayern und Österreich sich verlagern, aus wahrscheinlich ökonomischem Grund. Erfreulich, weil wir finden, dass die totale Inanspruchnahme der Waldfläche durch Menschen nicht länger gerechtfertigt sein kann. Schreiben Sie uns, Ihre Meinung dazu im Kommentar.

Die Gerüchteküche kommt nicht zur Ruhe. Die deutsche Stadt Hann soll Partnerstadt einer nordzyprischen Stadt werden.

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