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Krokodilstränchen

Man sollte es nicht glauben, doch schon bald wird auch der April 2015 wieder Vergangenheit sein. Und das ist gut so, kann nicht unbedingt gesagt werden. Doch fest steht, auf Zypern wird noch immer Wäsche gewaschen. Loucas Charalambous schreibt in der zyprischen Sunday Mail in der Überschrift zu seinem Beitrag von „Krokodilstränen für eine Demokratie, die wir nie hatten!“ Gemeint ist selbstverständlich der überwiegend griechisch-sprachige Teil der Insel, der zur EU gehört. Charalambous sagt darin also Folgendes am 19. April 2015:

„Ich hab mich entschlossen, die Protagonisten der Ereignisse der letzten Paar Tage um das Rikkos Erotokritou-Ding zu schlucken, und erkläre hiermit, dass es unter meiner Ehre ist, mich damit zu beschäftigen.
Wie auch immer: Ich bin nicht überrascht von all dem, was gesagt wurde. Auch die Heuchlerei der Presse überrascht mich nicht – wie auch all der anderen, die im Fernseher sich zeigten, um ihr angebliches Erstaunen und Enttäuschung kundzutun, bezüglich dem, was abgeht. Alle drückten ihre Befürchtungen hinsichtlich eines kolabierenden Staates aus, wo das Fundament unserer Institutionen gehörig wackelt und unsere Demokratie durch schwere Tage geht, also, ein Erdbeben ganz oben auf der Richterskala erleiden.
Letzteres bewahrheitete sich sozusagen wortwörtlich (vor kurzem in Pafos, als die Erde etwas wackelte).

Diese Cliches und ähnlicher Unsinn werden von unseren Politikern, Journalisten, Anwälten und anderen Absitzern verzapft, die stets im Fernseh auftreten, weil sie glauben, sie müssten ihre Ansichten zu den „erstaunlichen“ Ereignissen abgeben.
Ich persönlich finde, unser Land ist gut drauf, wie auch seine Institutionen, sein Präsident, seine hohen Repräsentanten, niemand und nichts ist in Gefahr. Alles ist, wie es immer schon gewesen ist und daher sollten die da aufhören, Krokodilstränen zu weinen.
Gut oder schlecht, so ist unser Zypern nun Mal. So war es gestern und davor, und so wird es auch morgen sein und den Tag danach. Nichts ändert sich hier leicht. All die Heulsusen sollten zuletzt akzeptieren, dass wir hier nicht in einem normalen Staat leben. Und das ist der Fall, seit dieser gegründet wurde 55 Jahre vorher. Wir leben in einem schrägen Staat mit einem Präsidenten, der kein gewöhnlicher Präsident ist – mit Staatsangestellten, die keine gewöhnlichen Staatsanwälte sind, Volksvertreter und Journalisten, die keine wirklichen Journalisten sind.

Wir sind ein Land, das außergewöhnlich ist und es ist ein Fehler, es mit anderen, seriösen, gut-funktionierenden Ländern zu vergleichen. Sie verschwenden ihre Zeit, wenn sie darauf bestehen, auf Zypern Politiker, Staatsanwälte und Leute im Allgemeinen zu sehen, die in anderen Staaten anzutreffen sind, in wirklichen Staaten. Das bei uns ist ein seltsames Land mit seinen eigenen Partikularitäten und seiner eigenen bizarren Kultur. Es bedarf daher, diese Realität zu akzeptieren und damit zu leben.
Soll hier jemals ein Fortschritt einkehren, wird dieser von besserer Bildung installiert im Laufe der Zeit gekommen sein. Die Praxis einiger, alles den Politikern anzukreiden, ist falsch, da wir diejenigen sind, die die wählen. Das Problem sind wir alle! Wir sind unreife und politisch Doofe. Wie sonst könntest du Leute beschreiben, wo 76% dafür stimmten (Annanplan) eine ausländische Okkupationsarmee weiterhin zu haben?

Ich war jedoch angenehm überrascht, als ich mehrere Nachrichten-Seiten in den letzten Tagen ansurfte. Einige der Kommentare der Surfer auf den Seiten gaben mir zu verstehen, dass offenbar viele die Dinge, die ich zuvor erwähnte, verstanden haben. Insbesondere Kommentare, die die Schlacht des Präsidenten mit dem Staatsanwalt angeht, gefielen mir sehr, wie auch zu den Verlautbarungen der politischen Parteien. … . Jemand schrieb: „Der Pseudostaat ist auf dieser Seite, ihr Ärsche!“ (Die Griechischzyprer nennen den Staat der Türkischzyprer in ihren Nachrichten durchgehend „Pseudostaat“).
cyp3 075
Vor Jahren hatte ich schon etwas Ähnliches geschrieben… . Zufällig hatte ich so was geschrieben, als ein Staatsanwalt des Pseudostaates (ein Pseudo-Staatsanwalt mit Eiern in den Hosen) den Schwiegervater eines von Rauf Denktas‘ Kindern vor Gericht gebracht hatte, zu einer Zeit, als Denktas der allmächtige Präsident der Türkischzyprioten war. Der Eingeheiratete trug die Schuld für das Missmanagement in seiner Bank, was darin endete, dass Sparer ihr Geld verloren. Die Richter gaben ihm eine Gefängnisstrafe.
Hätte etwas Ähnliches etwa in unserem eigenen Pseudostaat geschehen können? Gewiss nicht! Wir haben solche Richter oder Staatsanwälte nicht. Daher sollten wir die Klappe halten und nicht davon reden, dass unsere Institutionen in Gefahr sind. Es handelt sich nämlich um Institutionen, die wir nie wirklich hatten.“

Zu den Details um den Streit/die Sreitigkeiten von und mit Erotrokritou wird hier im nächsten Artikel etwas mehr Einblick gewährt.

Im Norden der Insel könnte passieren, dass das kommende Wochenende dazu genutzt wird in einem zweiten Wahlgang, den derzeitigen Präsidenten Eroglu abzuwählen – und an seiner Stelle Herrn Akinci auf den Präsidentenstuhl zu wählen. Viel dürfte sich aber nicht ändern bei einem Wechsel.

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