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Posts Tagged ‘bob de walt’

Nach langjähriger Tätigkeit als Kulturberichterstatter aus Zypern hat uns Bob de Walt wissen lassen, dass er sich anderen Herausforderungen stellen will. Er hat unser kleines Team verlassen und hinterlässt seinen letzten Artikel „Wien, nur du allein!“

Wir bedauern seinen Weggang und wünschen ihm Erfolg und weiterhin viel Freude zukünftig.

Glücklicherweise haben wir bereits eine Nachfolgerin: Napi Waltone. Napi ist ebenfalls sehr gut in der Kulturszene Zyperns vernetzt und kennt Künstler, Musiker, Ausstellungsmacher und Galleristen.

Ihr Debut wird voraussichtlich schon demnächst sein!

Von Bob de Walt:

Wien, Wien nur Du allein……..

Ich habe mir eine kurze Auszeit von Zypern gegönnt und mir Wien angesehen: diese herrliche Stadt des einst mächtigen Habsburger Reiches. Die einstige Größe des geschrumpften Imperatoriums ist, was den ersten Bezirk Wiens angeht, geblieben. Dort erstrahlt weiterhin kaiserlicher Glanz – siehe Kultur, Museen, Ausstellungen, die Prachtbauten, die schmucken Gässchen, romantische Hinterhöfe.

Kurz: Wien ist die Stadt der gut inszinierten Plätze, der eleganten Geschäfte, der Caféhäuser, der unzähligen Buchläden und noch vieles mehr. Sogar der riesige, und durchaus ansehenswerte Zentralfriedhof, weit weg vom ersten Bezirk, ist geeignet, seine Geschichtskenntnisse zu erweitern.

In den Buchläden kann man sich tagelang verweilen, was ich auch ausgiebig getan habe. Während meiner Woche in der K&K Metropole war das Wetter erfreulicher Weise außerordentlich schön und angenehm, was das Schlendern durch die Gassen und immer mal wieder die Kärtnerstraße abgehend, dem wie ein Bücherwurm in der Wärme zu hocken, dann letztlich doch vorzuziehen war. Doch es ging einfach nicht anders, als in jeder besuchten Buchhandlung mit einem Buch oder zwei unterm Arm wieder auf die durchaus mit viel Menschen – vermutlich Touristen wie ich – gefüllten Straßen zu treten!

Nicht zu kurz kamen, selbstverständlich, die kulturellen Veranstaltungen. Eine der größten Kunst- und Antiquitäten Messen in Europa war gerade ein paar Tage davor im Künstlerhaus Wien eröffnet worden. Sie umfasste zu meinem Erstaunen sämtliche Stilrichtungen: Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Fotokunst, Mobiliar, Schmuck, Skulpturen, Silber, Teppiche und vieles mehr. Geboten wird den Sinneseindrücken dort geradezu eine Orgie, wenn ich so sagen darf, die zum Kauf animiert, sollte das nötige „Kleingeld“ vorhanden sein. Allein das Innere des Gebäudes war schon Anlass, etwas abzuheben innerlich und umrahmte mein Schlendern durch die Ausstellungsräume entsprechend – war höchste Lust. Dieser Besuch war eine wirklich gelungene Einleitung meines Aufenthalts in Wien und machte Lust auf noch mehr Kunstgenuss.

Die Gesellschaft für Musiktheater organisierte einen Klavierabend mit Nada Majnaric, einer mir bisher unbekannten Pianistin aus Kroatien. Die nicht mehr sehr junge Dame war im Kreise der dortigen Musikfreunde allerdings bekannt, denn sie wurde mit warmem und stürmischem Applaus empfangen und gefeiert. Das Programm, welches sie darbot, war ausschließlich Prokofjew gewidmet mit der Ausnahme einer Sonate von Brkanovic. Wuchtig, präzise und virtuos, dazwischen mit den zarten Tönen, aus welcher die „Romeo und Julia Suite“, Op. 75a gewoben ist, hat sie dieses Werk in vorzüglicher Art und Weise gespielt. Eine bewundernswerte Künstlerin.

Ein anderes Kaliber war Mozarts „Don Giovanni“ in der Staatsoper einen Tag darauf. Dieses renommierte Haus stimmt nun mal bereits mit dem großen Treppenaufgang und seinen prunkvollen Foyers entsprechend ein zu einem genussreichen Opernabend, wo dann mit aller Selbstverständlichkeit der Pausen-Champagner, erlesener Kanapee, nicht ausbleiben darf.

Diese Aufführung des „Don Giovanni“ stammte aus der Regie von Jean-Louis Martinoty und wurde von Louis Langrée dirigiert. Bekanntlich ist der Don Giovanni schon unzählige Male neu inszeniert worden, aber J.L. Martinoty meint: „ich bin ein Regisseur, der stets auf der Suche nach einer Dialektik zwischen Musik und Libretto ist. Was will die Musik ausdrücken, wie lautet der Text dazu, was soll, oder besser kann, aus dem Ergebnis der beiden herausgelesen werden?“ Der Regisseur hat vielleicht daher das Dramatische im Stoff des Don Giovanni voll zur Geltung gebracht, doch auch den romantischen Moment der Figuren nicht aus dem Blick gelassen – so zum Beispiel den Abenteuerwillen des Hauptdarstellers.
Das erstklassische Sängerensemble bestand aus: Ildar Abdrazakov, Andreas Hörl, Marina Rebeka, Toby Spence, Véronique Gens, Erwin Schrott, Tae-Joong Yang und Sylvia Schwartz.

Hinter der Staatsoper steht das Burgtheater keinesfalls zurück in Sachen Bühnenkunst. Anfangs war die Regie von Michael Thalheimer in der Bearbeitung Hugo von Hofmannsthals  „Elektra“ schwer zu verstehen. Bis zum Ende der Aufführung (ohne Pause) habe ich nicht begriffen, wie der über dem Bühnenboden in ungefähr 2m Höhe hervorstehende Kerker, in dem sich die ganze Aufführung auf engem Raum abspielte, zu verantworten ist. Die Darsteller schienen kaum Platz zum Stehen zu haben und kauerten am Rand und auf dem Boden sehr oft. Ich lebte stets mit der Angst, dass da jemand herabstürzen könnte. Dieser eventuelle Gag neuerer Regie versinnbildlichte die Enge und Gefährlichkeit eines Kerkers zwar schon, den der Elektra, doch gibt es da nicht gewisse Grenzen? Meines Dafürhaltens wurde den Darstellern zu viel abverlangt. Sie sind schließlich keine Akrobaten.

Meisterhaft und alle Nuancen ausgespielt haben dennoch Christiane von Poelnitz, Catrin Striebeck, Adina Vetter, Falk Rockstroh und Tilo Nest.

 

Ein leichter Missgriff in meinem Wien-Programm war die Wahl von Bizets „Carmen“ in der Volksoper. Die Besetzung war nicht erstklassig, was in diesem Musiktheater wahrscheinlich auch nicht erwartet werden kann. Die von Adrineh Simonian gesungene Carmen hatte weder Stimme noch Ausstrahlung einer „Femme Fatale“, noch ihre Verehrer Don José noch Escamillo die nötige Rundung, den Schmelz und Dramatik in der Stimme – weder in den romantischen noch in den tragischen Szenen dieser Oper. Herausgestochen hat die Stimme von Ursula Pfitzner (Micaela), die das Leiden einer Verschmähten sehr schön ausdrücken konnte und die bereits das traurige und tödliche Ende erahnen ließ.

Bei weiteren Wienbesuchen, meine ich, sollte der Volksopernbesuch einer Operette gewidmet sein, um sich die Enttäuschung zu ersparen.
Wien ist nicht nur eine, sondern viele Reisen wert!

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Bob de Walt,  zurück auf unserem Blog, berichtet diesmal über englische Komponisten.

 

Seit einiger Zeit finden die Konzerte des Symphonie Orchesters an verschiedenen Orten auf der Insel statt. So kommen auch Melomanen in den Randgebieten periodisch zu einem Musikgenuss. Zwar besuchte ich das Konzert in Lemesos. Es war englischen Komponisten gewidmet. Das Repertoire umfasste Werke vom 17. Jahrhundert an (Henry Purcell) über Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams und Benjamin Britten bis hin zum jüngst verstorbenen Malcom Arnold.  Irgendwie schade ist es jedoch, dass keine noch lebenden zeitgenössischen Komponisten einbezogen wurden.

Das Rialto Theater war so ungefähr halbvoll, und die Mehrheit der Anwesenden war, wie hätte es anders sein können, Briten. Musikliebhaber anderer Nationen wollten sich den besonderen britischen Ohrenschmaus anscheinend auch nicht entgehen lassen, sie sind aber in der Minderheit gewesen.

Das Symphonie Orchester Zyperns unter der Leitung von Alkis Baltas hat es ausgezeichnet verstanden, das typisch Britische an der Musik, die romantische Tongebung mit den militärisch marschmäßig anmutenden Zwischeneinlagen zu mischen, besonders bei den „Soirées Musicales, Op. 9, von Benjamin Britten. Diese Art Musik wird gewöhnlich eher Edward Elgar zugeschrieben (besonders seinen Kompositionen „Pomp and Circumstances“). Die dargebotenen Stücke, „Sospiri“, Op. 70 und „Chanson de Matin“, Nr. 2, Op. 15, waren gekennzeichnet von einer sich äußerst langsam aufbauenden emotionalen Energie, die von einer Harfe unterstützt wurde. Man sah vor seinem geistigen Auge geradezu die sanfte Landschaft Englands.

Ralph Vaughan Williams Liederzyklus „Wanderlieder“, gesungen vom englischen Bariton Ivan Ludlow, der für den krank gewordenen Tassis Christoyannis eingesprungen war, gehört zum englischen Musikstil  des beginnenden 20. Jahrhunderts. Geschrieben wurden dieselben zwischen 1901 und 1907 und basieren auf einem Gedichtzyklus von Robert Louis Stevenson.  Die verschiedenen Lieder, die homogen ineinanderflossen und ein anmutig rhythmisches Ganzes bildeten an jenem Abend, vermochte ergreifend schön Ivan Ludlow zu intonieren. Der gebürtige Brite, der sich an der Guildhall School of Music and Drama ausbilden ließ, hat eine wirklich sehr wohlklingende, schön modulierende Baritonstimme. Nebst seinen Rezital-Vorträgen besitzt er auch ein sehr großes allgemeines  Repertoire, wird gesagt, und scheint ein gefragter Opern,  Konzert- und Oratoriensänger zu sein. Es erstaunt mich nicht, dass er an einigen der bedeutenden Opern- und Konzerthäusern in Europa und auch in den USA sehr gefragt ist.

Das musikalische Frühjahr hat wunderbar begonnen.

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Kulturelles Leben auf Zypern

Die Kultur ist zurück, könnte man schreiben. Obgleich, in den Sommermonaten schläft die Kultur keineswegs auf Zypern. Beinahe alle Vorstellungen  finden dann in den großen Amphitheatern statt unter freiem Himmel. Für den Besucher bedeutet das, in der frischen Luft Kultur genießen zu können, zumeist in entspannter, nahezu formloser Atmosphäre. Nun, da die Abende wieder kühler sind, sind die Veranstaltungen nach „indoors“ zurückgekehrt – wie auch ich, Bob de Walt, in diesen Blog, verehrte Leser.

Im Oktober wurde in Limassol und Nikosia Haydns „Die Schöpfung“ gegeben. Das „Cyprus Symphony Orchestra“ spielte dazu auf, dirigiert von dem britischen Chorleiter Edward Higginbottom. Gespielt wurde das Werk mit dem „Choir of New College Oxford“ und den Solisten Sona Gargaloyan, Thomas Hobbs und Kyros Patsalides. Im exklusiv männlichen Chor befanden sich auch Knaben, wie zu sehen und zu hören war, die Stimmen schmelzten unvergleichlich harmonisch zu Einem.
Wie Ihnen gewiss bekannt ist, kam die englische Version, die auf Miltons „Paradise Lost“ basiert, 1795 in Haydns Hände während seines Aufenthaltes in England.  Er ließ es sich sodann auf Deutsch übersetzen und zelebriert seither musikalisch die sechs Tage der Schöpfung. Desweiteren dürfte ihnen nicht unbekannt sein, dass dieses Werk zum Repertoire der religiösen, sprich liturgischen englischen Musik gehört, was an jener Aufführung darin kulminierte, dass das Theater in Limassol entsprechend angefüllt war mit englischen Expats, also Briten, die seit Jahren auf Zypern leben. Es war sehr gut besucht. Doch, ich muss sagen, es war, alles in allem, eine gelungene und eindrückliche Aufführung.

Einige Wochen danach begann die Musik-Saison der Pharos Arts Foundation, und zwar mit einem Klavierrezital des Spaniers Javier Perianes. Der noch junge Pianist spielte Schubert (Sonate No. 21), Debussy (Auszüge aus dem 1. Buch der Préludes) und Chopin (Mazurkas und eine Ballade). Auch hier kann ich nichts Nachteiliges vermelden. Es war wirklich ein gelungener Auftakt der Saison. Javier Perianes hat bereits an den bekanntesten Musiktheatern gespielt. Er wird von international anerkannten Orchestern und Dirigenten eingeladen. Sein leichter und sensitiver Anschlag ist zwar zuweilen recht kraftvoll, dann aber auch wieder verhalten, und wahrscheinlich deshalb hat ihn kürzlich ein Kritiker als „Lyriker der Tastatur“ bezeichnet. Ich fand, als ich ihn da so spielen sah, dass er wahrhaft ein gewinnendes Wesen hat. Es gelang ihm, auch mich und andere Anwesende im Publikum mit seinem Spiel sprichwörtlich zu erobern.

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