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Auf Seite 19 der “Politis”-Tageszeitung Südzyperns vom Wochenende (28.10.) steht unter der Überschrift “Analyse” ein Beitrag des Niyazi Kizilyürek, der Nordzyprer ist.

Es kann durchaus sein, dass Kizilyürek im Süden lebt und als Südzyprer angesehen sein will – oder dass er wie viele hin und her pendelt mit beiden Pässen im Sack und mit Wohnsitz hüben, wie auch drüben etc. Ein Grenzgänger wahrscheinlich in noch ganz anderen Bereichen, oder wie man ihn, oder das, was er sonst noch so tut und denkt, nennen soll.

Schon mal vorweg:

Man muss nicht unbedingt einer Meinung sein mit dem, was der Autor Kizilyürek von sich gibt. Doch, finden wir hier, ist es durchaus interessant auch vermittels dieser Übersetzung in ein weiteres Hirn eines Nordzyprers, wenn das so gesagt werden darf, hier Einblick zu gewähren. Kizilyürek ist einer jener, denen es gelingt, im Süden in vielleicht der angesagtesten Tageszeitung des Landes zu publizieren, eben der Politis.

Auch an den Universitäten des Südens sind einige dieser ‘Grenzgänger’ beschäftigt, nur mal so am Rande bemerkt.

Der andere Nordzyprer, der hier zuweilen auch übersetzt wird, der schreibt ja bekanntlich auch in der Politis: Sener Levent.

Übersetzt hat den Beitrag ADH, wie so oft auch diesmal aus dem Griechischen.

Dieser Artikel Kizilyüreks lautet:

Na, wo sollen wir denn suchen?

In der Machbarkeit!

In letzter Zeit wird eine aufgeregte Diskussion über folgendes geführt: Welcher Betrag ist erforderlich, um ein Zypern der Bundesstaaten von Erfolg gekrönt zu machen – das heißt machbar zu haben.

Die griechisch-zyprische Seite bringt ihr Unwohlsein dazu ganz offen zu Wort. Sie behauptet, dass ein Staat bestehend aus Bundesstaaten – in der Staatsform, die derzeit diskutiert wird -, nicht machbar sein kann.

Ein Ausweg wird gesucht.

Obgleich, gleich anfänglich müssen wir akzeptieren, dass dieses Unwohlsein nicht unbegründet ist. Wir beobachten, dass die Basis dieser Diskussion nämlich falsch ist. Zum Beispiel wird der wirkungsvollen Teilnahme der Türkischzyprioten als „Problem“ begegnet. Und die griechisch-zyprische Seite löst sich [währenddessen] in einer [geradezu] befreiten Art und Weise auf.

Jedoch Glück oder Glücklosigkeit des Zyprischen oder irgendeines anderen Bundesstaates wird nicht am wirksamen Teilnehmen irgendwelcher Gesellschaftsteile ermessen in staatlichen Gefügen.

Im Gegenteil.

Sondern: Ohne eine wirksame Teilnahme der Gesellschaftsteile kann nicht von einer bundesstaatlichen Verfasstheit gesprochen werden. Der Erfolg [Glück] und die Durchführbarkeit [Machbarkeit] eines bundesstaatlich organisierten Staates beruhen auf der Anwesenheit von erforderlichen Politiken und ideologischen Bündnissen in günstigen kulturellen und gesellschaftsökonomischen Bedingungen.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Parameter werfen, die die Lebensfähigkeit eines bundesstaatlich organisierten Staates ausmachen.

Zu allererst haben wir folgendes Wichtiges zu unterstreichen: Im zyprischen Fall liegt der größte Misserfolg darin, dass noch immer nicht das Zustandekommen einer Bundesrepublik [zur Genüge] angegangen wurde, obgleich so etwas bereits seit 1977 diskutiert wird. Aus diesem Blickwinkel – entgegen der bestehenden Bedenken für die Zukunft – gilt es, vorrangig die Gründe zu untersuchen, deretwegen genau diese Bundesrepublik Zypern bis heute nicht der Fall geworden ist.

In Wirklichkeit handelt es sich unmittelbar um zwei verdeckte Diskussionen. Bis heutzutage sind die Gründe für den Misserfolg der Gründung einer Bundesrepublik Zypern sowie die Schwierigkeiten, die sich erheben werden, wenn diese letztendlich gegründet wurde, als ähnlich gelegen anzusehen.

Die internationale Definition des Föderalismus gibt uns zwei Dinge, die zum Misserfolg einer Bundesrepublik führen: die wirklichen Absichten hinter der Gründung einer Bundesrepublik; sowie das Gründungsziel. Diese beiden Parameter sind sehr bedeutend für die Frage, in wiefern eine Bundesrepublik auf lange Sicht lebensfähig ist oder eben nicht. Nachforschungen ergaben, dass bundesstaalich organisierte Staaten, die nicht auf einem echten Verständnis der gebotenen Gegenseitigkeit beruhen, sondern lediglich darauf abzielen, zu einer Versöhnung zu gelangen, von konjunkturellem Verhalten getrieben und kurzfristige Zielsetzungen bedienend, äußerst schwer einen Erfolg erzielen.

Im Gegensatz dazu hat eine Bundesrepublik größere Überlebenschancen auf Basis eines ehrlichen und maßgebenden Zusammenschluss‘. Sicherlich hat ein gemeinsames Interesse einen katalytischen Effekt, zumal das Ziel ist, dass Zusammenschluss und katalytischer Effekt in einer Art Rahmen befriedet werden, nämlich: demselben gemacht aus Zusammenarbeit und Einheit.

Falls es nützliche Parameter sind – also notwendige -, reicht das [gemeinsame] Interesse nicht aus für den Erfolg einer Bundesrepublik. Es ist gut bekannt, dass Bundesrepubliken, welche unmittelbar auf Anordnung durch äußere Mächte geschaffen worden sind, auf lange Sicht nicht bestehen.

Es gibt da noch einen anderen wichtigen Parameter beim Bau einer Bundesrepublik, der den Erfolg derselben garantiert: Die Setzung des Bundesstaatlichen als höchstes Prinzip im Staat gegenüber anderen Werten – sowie die Installation desselben ins Zentrum des politischen Lebens. Bundesrepubliken, welche in solch Rahmen gebildet sind, in ihnen besteht das Bundesstaatliche als das höchste Politische und als das höchste Ideal für alle – oder zumindest für die große Mehrheit der politischen Elite und der Gemeinschaften. In diesem Fall läuft die Bundesrepublik in eigener Zielrichtung, und nicht für das ‚glückliche‘ Gelingen ganz anderer Ziele.

Und zweifelsohne ist das machbarste und widerstandsfähigste Modell einer Bundesrepublik dieses Erstere. Es gibt keine unüberwindlichen Hindernisse in einer Bundesrepublik, in welcher die Gemeinschaften mittels ehrlichen Dialoges gegenseitigen Respekt fühlen, ein Klima des Vertrauens sich aufbaut, wo man offen für‘s Gespräch ist – und eine spezifische Identität bewahrt werden kann; diese [derart respektierten und ‚geführten‘] Gemeinschaften sind es dann auch, die ihrem Land sich widmen.

Zur Unterscheidung: Eine Bundesrepublik als Mittel zu begreifen, kurzfristige Interessen zu befrieden, ist das Eine. Ihr gegenüber hat jene, die gebaut wurde, in eigener Zielrichtung zu laufen, als erforderliche Voraussetzung die Ideologie und eine politische Verpflichtung. Deswegen ist die Existenz von charismatischen Führern wichtig, die den Föderalismus ins Werk setzen, und zwar als in-eigener-Zielrichtung-laufend. Das haben sie als Wert in die Köpfe der Leute zu installieren. [Letztere sind auch nach Ansicht des Autors auf Zyperns nirgends in Sicht].

Man kann allerdings auch das Gegenteil behaupten, nämlich: Das Kultivieren der Gesellschaften vermittels bundesstaatlicher Werte [etablieren], und zwar so, damit diese sodann das politische Leben säubern; und zuletzt: dass derart Führer aufkommen, die Föderalisten sind. [Auch diese Spezie existiert nach Ansicht des Autors nirgendwo im jetzigen Zypern].

Ein anderer wichtiger Punkt ist die allgemeine Wahrnehmung des Landes. In einer Bundesrepublik – über den Punkt Machbarkeit hinausreichend – hat auch die Kultivierung der [angebrachten] Wahrnehmung eines Landes seitens seiner Bevölkerung vordringliche Wichtigkeit.

Mal abgesehen von der Sicherheit und Wirksamkeit, welche eine Zusammenarbeit mit den Türkischzyprern bringt, ist die Vorbereitung des Landes auf eine Lösung der Zypernfrage mit Hilfe der Kultivierung einer bundesstaatlichen Kultur dringend erforderlich. Präsident Anastasiadis tut gut daran, möglichst bald DAS dem Volk zu sagen und zu erklären, dass die Türkischzyprer nicht alleine ein gleiches Mitwirkrecht in einem bundesstaatlichen Gefüge nach einer Vereinigung brauchen, sondern auch, dass die Verfassung von 1960 eben genau solch ein Recht in der Zyprischen Demokratie festlegt/e.

Es muss [endlich] verstanden werden, dass eine Wiedervereinigung Zyperns mit den Türkischzyprern beginnt. Jene, die nicht wünschen, die Regierungsgewalt mit den Türkischzyprern gemeinschaftlich zu teilen, hätten dann auch die schwere historische Konsequenz zu tragen – bewusst oder unbewusst –[, nämlich die da ist], dass die Hälfte der Insel an die Türkei verschenkt wird!

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