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Armağan Candan von der Republikanischen Türkischen Partei (CTP) sowie Ersan Şaner von der Nationalen Einheitspartei (UBP) Nordzyperns kamen Ende Juni nach Straßburg, um an der Generalversammlung der Parlamentarier des Europäischen Rats (Pace) teilzunehmen. Es existiert in Straßburg sogar ein Büro Nordzyperns, zwecks Repräsentation etc. Unter anderen Themen war bei der Generalversammlung die Zerstörung kulturellen Erbes auf der Tagesordnung gewesen in Straßburg. Candan hielt eine Rede, und sagte so in etwa unter anderem: Das kulturelle Erbe gehört allen. Es ist unsere Pflicht, es zu bewahren. Und das kulturelle Erbe der zyprischen Insel gehört nicht allein den Süd- oder Nordzyprern, sondern der Menschheit allgemein. Candan wies darauf hin, dass das bi-kommunale Technische Komitee am 21. 03. 08 zwecks vertrauensbildenden Maßnahmen gegründet worden ist, ebenso als Schutz des kulturellen Erbes. Das Technische Komitee ist seines Dafürhaltens jenes Komitee, welches am besten von all den anderen arbeitet auf Zypern. Es sei am „effizientesten“. Auch daher, findet Candan, sollte der Europarat demselben eine finanzielle Unterstützung geben.
Seltsam ist dann aber doch für manchen Beobachter, zu sehen, in welchem Zustand die meisten Friedhöfe hüben, wie auch drüben in Zypern sind. Nach vorliegenden Angaben ergibt sich das Bild, dass die bi-kommunalen Kulturerbe-Komitees auf diesem Sektor versagt haben müssen (03. 07. 18 Cypriot Daily News). Und daher soll – mal wieder – ein „Pilotprojekt“ gestartet werden.
Wenn also bedacht wird, dass nahezu alle paar Wochen, und dies seit Jahren, irgendwo auf der Insel eine nachträgliche Beerdigung von jemandem stattfindet, dessen Leichnam identifiziert werden konnte nach den Auseinandersetzungen von 1974, muss man über den erwähnten Mangel schon etwas staunen. So viel Tra-Ra in Form von Bestattungen und Extra-Gottesdiensten, die regelmäßig im Fernseher zu sehen sind etc. und dann liegen diese Toten auf nicht umsorgten Friedhöfen?

Apropos umsorgen: Huseyin Özürgün, Vorsitzender der UBP, sagte am 04. 07. 18, Griechischzyprer sollten Tayyip Erdogan mit Blumen in der Hand am Flughafen Ercan im Norden begrüßen kommen, der am 10. Juli ja ankam, um, wie es der Tradition entspricht, nach einem Wahlsieg oder Ernennung zum Präsidenten der Türkei seine Aufwartungen im „Bruderland“ Zypern zu machen. Allerdings hat sich im Vergleich zu davor im Prozedere etwas geändert, denn der türkische präsidiale Wahlsieger Erdogan besuchte zuerst einen weiteren Bruderstaat, Aserbaidschan, bevor er von dort aus, eventuell direkt nach Ercan flog. Die Quellenlage ist unklar, nämlich derart, ob er nun direkt nach Ercan geflogen ist oder ob das Flugzeug zuerst noch kurz in der Türkei landete. Bekanntlich sind Direktflüge nach Nordzypern untersagt. Und nur die Türkei allein fliegt auf diese Weise dorthin. Ja, Aserbaidschan ist zwar ein Bruderstaat, aber Geschäfte gehen nun mal vor. Baku will sich einer solchen diplomatischen Angelegenheit wegen nicht mit der internationalen Gemeinschaft in die Nesseln setzen. Das wird von Seiten der nordzyprischen Regierung anscheinend verstanden, denn niemand scheint dagegen einen Einwand hervorzubringen – zumindest nicht über die Medien hörbar, noch nicht.
Und dass die Südzyprer von „illegalem“ Besuch Erdogans schreiben und reden, schmettert Özgürgün einfach als „Blödsinn“ ab. Schließlich hätten Die aus dem Süden der Türkei ihre Existenz zu danken. Wäre letztere nicht gewesen, sähe das alles anders aus auf Zypern.
Erhan Arıklı, Vorsitzender der Wiederbelebungspartei (YDP) dazu: Erdogans Besuch ist eine Nachricht an die Welt, sagt er. Woraufhin wir fragen: nur welche?
Wie dem auch sei. Es gibt anscheinend auch Nordzyprer, die den Besuch Erdogans bereits im Vorfeld als nicht äußerst lustig, oder anders, deklarierten. Einer dieser Menschen ist beispielsweise Izzet Izcan von der Unionspartei (BKP) im Norden. Er war gegen Erdogans Visite und rief offen dazu auf, dass die an den Besuch angehängte Einweihungsfeier der „Hala Sultan Moschee“ boykottiert werde.
Hala Sultan, der Name sagt Ihnen was, verehrte Leser? Sie haben es also erinnert, nämlich, dass jene Moschee, die vor den Toren Larnakas liegt, am Salzseechen, wo die rosa Flamingos als im Winter sind, denselben Namen trägt. Der Unterschied, wenn Herr Erdogan so einen noch ausmachen kann in derartigen Belangen, ist, dass einst die Tante des muslimischen Propheten Muhammad, höchstpersönlich dort zu verweilen geruhte; und ja, auch Herr Erdogan war nun kurz auf Zypern, hätte aber vielleicht einen, sagen wir mal, weniger anmaßenden Namen für die Moschee auserkoren können, zum Beispiel: Amça Tayyip (Onkel Tayyip).
Nun ja, jedenfalls vermutet Izcan, dass solch Gebaren Erdogans klare Anzeichen, einen Islamischen Staat auf Nordzypern begründen zu wollen, tragen würde. Sollte an Letzterem etwas dran sein, hat sich wohl der derzeitige Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, gerade noch rechtzeitig seine Haut gerettet. Er war nämlich unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans extra nach der Türkei geflogen, um Alleinherrscher Erdogan zu gratulieren.
Akıncı hat wahrhaft einen schweren Stand: auf der einen Seite den politisch glitschigen Anastasiadis, und auf der anderen den politisch erpresserischen Erdogan – und dann verdeckt operierend und doch sehr präsent, die Israelis und die Engländer. Er wohnte also bei, als Erdogan seinen Eid ablegte, der türkischen Nation dienen zu wollen.
Wie die Umstände Mitte August indes zeigen, scheint Erdogans Politik sich nicht allzu dienlich zu erweisen. In Nordzypern müssen auf Grund der verfehlten Geldpolitik Erdogans neuerdings sogar Casinos Steuern zahlen – und überhaupt werden die Steuersätze im Tourismus etc. erhöht. Und nicht nur dort. Sogar Kinder werden mit einer 5%igen Steuer belegt. Bitte fragen Sie mich nicht, wie das von statten geht. Das soll dem Vernehmen nach vorrangig jene Kinderlein treffen, die neu eingebürgert werden. Viel Geld ist damit also nicht zu machen. Zeigt aber, dass doch eine gewisse Not zu herrschen scheint, denn auch der Finanzminister, Serdar Denktaş, rühmt sich neuerdings, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Letzterer ist sich sicher, dass die Geldentwertung des Türkischen Lira, die sich derzeit vollzieht, überstanden werden kann, wenn die Bevölkerung Nordzyperns einfach etwas solidarischer unter- oder miteinander verfährt.
Dass ausgerechnet der von sich sehr eingenommen wirkende Finanzminister des Nordens von Zypern mit dem Fahrrad unterwegs sein soll täglich, also das zu glauben, fällt nun wirklich schwer – bei all seinen Feinden etc. und seiner mentalen Verfasstheit.
Um nochmals kurz auf die Pleite im Finanzsektor zurückzukommen, die Erdogan gern auf andere schiebt. Emin Çölaşan, der in der türkischen Sözçü schreibt, hat am 13. August 18 Erdogan frontal in einem seiner Artikel angegriffen, und ihn gebeten oder aufgefordert oder beides, von seinem Amt zurückzutreten. Und seinen Schwiegersohn, den jetzigen Finanzminister der Türkei, gleich mit zu nehmen.
Tufan Erhürman, derzeitiger Premierminister im Norden Zyperns, ist der Ansicht unter anderem, dass sich eine „gefährliche Diskrepanz“ zukünftig zwischen jenen Kindern und Jugendlichen ergibt im Norden Zyperns, die eine Privatschule oder eine öffentliche Schule besuchen. Denn sie würden längst keine gleichwertige Sozialisierung erfahren. Erhürman meinte noch: 100.000 Studenten studieren im Norden. Das ist ein Drittel unserer Bevölkerung. Die Zahl der Universitäten im Norden Zyperns hat stark zugenommen. Daher bedürfe es nun einer „geplanteren Struktur“, und zwar in allen Bereichen, doch vor allem dem der Bildung. Die Universitäten überziehen inzwischen den gesamten Norden. 19 davon operieren im Land, wovon 16 vom Staat anerkannt sind. Beispielsweise wird die Amerikanische Universität von Girne (GAU) voraussichtlich im Jahr 2020 auch in der Region Karpaz, im äußersten Südwesten Nordzyperns, ihre Pforten für Studierende öffnen.
Das ist in etwa so wichtig für den Norden wie die Tatsache, dass viele Türkischzyprer im Süden arbeiten gehen, beziehungsweise einen Pass der Republik Zypern im Süden in der Tasche haben. 5.233 Antragsteller gab es in den letzten 5 Monaten alleine. Und zwar ist hier lediglich die Rede von Kindern aus sogenannt gemischt türkisch-türkischzyprischen Ehen. Letzteres lassen uns die Gewerkschaften für Lehrer des Nordens (KTOS sowie KTOEOS) wissen.
Diese Gewerkschaften hatten am 12. 02. 18 eine Kampagne gestartet, die sich des zuvor erwähnten Themas widmet, und zwar dergestalt, dass der genannte Personenkreis aus gemischten Ehen möglichst einen Pass aus dem Süden erhält. Die Republik Zypern sträubt sich allerdings recht heftig dagegen, wenn ein Elternteil „Festlandtürke“ ist. Bislang werden die meisten Anträge negativ beschieden. Die genannten Gewerkschaften dürften mit diesem Anliegen schon bald beim Europäischen Menschenrechtsgericht vorstellig werden. Jedenfalls ist die Rede davon, dass dieser Weg beschritten wird, wenn Nikosia-Süd nicht bald eine andere Gangart einlegt, ist zu hören.
Die Anträge für einen südzyprischen Pass gehen bei einer der oben genannten Gewerkschaften ein, die diese dann in den Süden an entsprechende Stellen innerhalb des Regierungsapparates weiterleitet. Denn behördlicher Kontakt von Süden nach Norden wird im Allgemeinen nicht gepflegt, da der Süden den Norden als Ansprechpartner (eigentlich) nicht akzeptiert. Und daher müssen ja auch andauernd sogenannte Vermittler der UN und andere herum sein auf Zypern.
Jedenfalls traf Herr Şener Elcil, Generalsekretär der KTOS, den Innenminister des Südens, Konstantinos Patridis, am 03. August in dieser Angelegenheit – mal wieder. Interessant ist, zu erfahren, dass die Bearbeitung eines solchen Antrages in zyprischen Behörden in der Regel 1 bis 2 Jahre dauert. Und sollte diese Sache vor das Europäische Menschengericht dereinst kommen, so ist nochmals mit einer Wartezeit zu rechnen, die sich den Angaben zufolge auf 2 bis 3 Jahre belaufen dürfte.
Ein weiterer Streitpunkt auf Zypern, und es gibt derer viele, ist, dass als unfair angesehen wird vonseiten nordzyprischer Politiker, wie es beispielsweise Herr Zorlu Tore von der Partei „Demokratische Sicht“ ist – er ist Vize-Präsident der Nationalversammlung im Norden -, dass die von der Türkei ins Leben gerufene Kommission für Grund- und Bodeneigentum (IPC) an Griechischzyprer eingeforderten Eigentum zurückgibt. Solch Gesetz, findet er, gehöre schleunigst geändert. „Wenn Griechischzyprer türkischzyprisches Eigentum im Süden enteignen und Grund und Boden für sich behalten, der noch nicht mal enteignet wurde vonseiten der dortigen Verwaltung, ist es falsch, dass Türkischzyprer Eigentum an Griechischzyprer zurückgeben. Diese Praxis muss aufhören. Sie stigmatisiert die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) als schuldige Okkupanten“, die sie ja nicht ist oder sein soll.

Vorerst zuletzt: Am 05. 07. 18 hat das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die besagt, dass die Republik Zypern (der Süden) vonseiten der Türkei anzuerkennen sei, weil es ansonsten zukünftig Schwierigkeiten für türkische Staatsbürger geben könnte, ein Visa in eines der EU-Länder zu erhalten. Dieser Entscheid beziehe sich auch auf zukünftigen Datenaustausch mit Ankara (Europol), der dann eventuell zum Erliegen kommen könnte.

 

Part 3 folgt demnächst!

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