Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘chambis tsangaris’

Zeit, Ihnen einen weiteren Zyprioten vorzustellen.

 

Ein Interview aus der Politis-Tageszeitung Zyperns von letzten Sonntag, dem 12. Juni 2016, welches Angelliki Michalopolou-Korra mit Herrn Chambis Tsangaris führte (http://www.aigaia.com.cy/index.php?pageid=214&lang=en). Letzterer ist der Chef und Erbauer des Museums Charaktis Chambi von Platanisteia/Republik Zypern.

Viele Jahre haben sie in der Kunstausbildung gearbeitet. Und bis heute geben Sie Ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter. Was haben Sie daraus all die Jahre vordringlich gezogen?

Es war auch für mich ein Gewinn. In der Lehre zu arbeiten, bereitete mir großen Spaß. Die langjährige Auseinandersetzung mit jungen und wunderbaren Kindern, lehrte mich viel. Die Chance, das zu fühlen, was ich ihnen beibrachte und was ihnen gefiel, ist die größte und wirkliche ‘Bezahlung’, die ich aus der Arbeit in der Ausbildung zog. Und sehe ich heute meine Schüler und Schülerinnen, die Maler sind und Kunstlehrer in den Schulen, womöglich zufrieden sind, mit dem, was sie tun, dann ist das auch mein Erfolg. Kontakt pflege ich noch immer mit genügend Schülern meinerseits. Manchmal tauchen sie in den Sommerkursen auf, die es umsonst gibt zur Erinnerung an A. Tassou. Wir haben dann schöne Diskussionen. Manchmal kommen sie auch in Gruppe. …

In ihren Büchern, wie in dem der “Königin Veneziens”, erscheinen die Kalikandsari, aber auch, die von ihnen vor kurzem erschaffenen Triplet und der Drachen des Apfelbaums. Sie scheinen so ihre Liebe zu Themen offenzulegen, die mit zyprischer Tradition zu tun haben. Für wie wichtig sehen Sie das Loslassen von Drachen an, die Tradition stützen, die Ethik und die Moral dieses Landes?

Wie das Sechseck, hauptsächlich wie das Sechseck, weil die Tradition ist wie die Wurzeln eines Baumes. Wenn wir die Tradition vergessen, wenn wir die Wurzeln eines Baumes abschneiden, verdorrt er. Wenn wir aus der Tradition ausgewischt sind, sind wir wie Meteoriten. Wir werden ausgelöscht. Unsere Wurzeln, unsere Stärke, ist unsere Tradition und ich glaube sehr an Traditionelles und möchte es unbedingt erhalten. Du kannst die Tradition nicht halten, ziehst indes Kraft aus ihr und verstehst, wer du bist innerhalb der Tradition. Sie ist unsere Identität. Jemand schrieb etwas, was mir sehr gefiel: “Tradition ist nicht die Asche. Sie ist die Flamme, die du trägst.” Dieses Ding glaub ich voll und ganz.

Lassen Sie uns nochmal zu ihrer letzten Arbeit zurückkehren, die Drachen. Wollen Sie uns kurz etwas dazu sagen? Was hat sie dazu animiert, diesen traditionellen Stoff aus einem Märchen zu nehmen und welche Message wollen Sie weitergeben?

Dieses Märchen entspringt meiner Erinnerung und Freundschaft mit Lambros Polikarpou (http://www.cyprusevents.net/events/triplets-dragon-apple-tree-paphos-2016/), der letztes Jahr im Alter von 91 Jahren verstarb. Ein Mensch, der das Gute und Anstand lehrte. So viel ich weiß, hat er viele Geschichten verfasst, die er von seinem Groß- und Urgroßvater kannte. Ich habe so um die 30 verschiedene Geschichten davon. Bei allem, was er schrieb, herrscht das Gute vor, welches letztlich auch immer gewinnt und in allen Texten endet er mit der Frage: “Was hat uns diese Geschichte gelehrt?”

Die Geschichte mit den Drachen ist nach gleichem Muster gestrickt, und das gefällt mir, da es ein Märchen ist, welches er von seinem Großvater erzählt bekommen hat. Er schrieb die Geschichte in verschiedenen Versionen auf, aber immer mit demselben Ausgang. Als ich die Geschichte las, um sie bildlich darzustellen, dachte ich, sie hat schöne Bilder, die vermittelt werden. Es fiel mir schwer, mich zu entscheiden. Schließlich kam ein Mix heraus. Ich nahm die bildhaft schön erzählten Gestalten der einen und anderen Version und schnürrte sie zu etwas Neuem zusammen. Lambros segnete das ab, doch mich beschlich schon bald Etwas dabei, da es keine echte Volkserzählung mehr war – das zwei zu einer dritten Erzählung Zusammenmischen. Beruhigte mich aber, als ich sah, dass es in Zypern viele ähnliche Erzählungen gibt, die auch welchen aus Griechenland ähneln – von Thrakien bis nach dem Pelepones, ja, bis in andere Teile Gesamt-Europas.

Arnette Thompson hat über all das geschrieben.

Eine meiner Freuden ist, dass ich ein Bildband entwarf, wie ich es ihm versprochen hatte; die andere, dass ich mein eigenes ‘Spiel’ aufgezogen habe. Wenn Sie so wollen, meine Reise begann, indem ich von einem Punkt ausgehend meine Kunst einbrachte und so ein Werk entstand: vom ersten Strich bis zur Druckerei, dem Bildband. Das Buch ist mein Baby. Es beginnt mit dem Spanno und den 40 Drachen. … Alle Bücher des Bilderbandes haben eine staatliche Auszeichnung erhalten.

Man sagt, ein Mensch lebt, wenn er seine Träume am Leben hält. Was ist ihr Traum, und was hat er mit ihrer bevorstehenden Zukunft als Kreativer, aber auch im Privaten, zu tun?

Mein Traum ist, in mein Dorf zurückzukehren, drüben im Norden. Dorfleben leben. Dort sterben. Dort begraben sein. Keinen weiteren Traum, den ich habe. Bewusst ging ich ein paar Male rüber in mein Dorf, zwischen 2004 und 2006. Als Tourist war ich da und fotografierte den Boden meiner Kindheitserinnerungen – wie auch die in Stücke gehauenen Kreuze. Die Fotos, die ich damals schoss, verwendete ich sehr oft, um sie im Ausland in Ausstellungen mitzuinstallieren, auch um den Lauf der Dinge mich betreffend darzustellen. New York , Brüssel … . Das ist nicht Propaganda, keine Politik, die ich betrieb. Ich zeigte lediglich meinen Schmerz auf. …

Jeden Sommer geben sie im Andenken an ihren Lehrmeister A. Tassou umsonst Kurse in der Kunst der Gravur. Unaufhörlich teilen Sie ihre Kunst anderen mit. Wie anders wäre die Welt, würde es mehr Menschen wie Sie geben, die das so tun?

Die Menschen müssen die Notwendigkeit verspüren, etwas zu geben. Die Welt will geformt sein! Leider, wir hier in Zypern – und ich habe daran keinen Zweifel nach all den Jahren in der Bildung -, wir lassen die Dinge schleifen, was sich lähmend in allen Bereichen auswirkt. Mit großer Trauer sehe ich, dass das, was ich tue, nicht selbstverständlich ist, sondern eine Ausnahme darstellt. Im Fernsehen wird uns eine Richtung vorgegeben, wenn sie uns verschiedenste Beiträge zeigen, Kriege und Morde. Sie richten uns hin zur Masse aus, nach dem Motto: “So tun es alle. So tu ich es auch!”

In den Nachrichten übers Ausland, geben Sie uns Berichte zur Kultur und verwirren die Leute damit: die sollen anstatt lernen, informiert werden, staunen und inspiriert werden!

Aus dem Ausland zeigen sie das Neueste in der Welt. Doch sie zeigen nicht das Schlechte. Selbiges auch in der Bildung. Es gibt begabte Schüler, doch das, wie ich zuvor schon sagte, trifft auch hier zu: es ist die Ausnahme, nicht die Regel. Die meisten gehen nicht zur Schule, um etwas zu lernen. Die meisten Kinder werden dahin geschickt, damit sie versorgt, mit etwas beschäftigt sind – deren Eltern wollen ihre Kinder ohne Schliff haben. Ohne Formung.

Wo, also, muss dann investiert werden, um die Zukunft unseres Landes zu sichern, die kommenden Generationen, die unserer folgen werden?

In die Jugend gehört investiert. In ihre Erziehung, in die Tradition, die Wurzeln und die Kultur. Nur so können wir von Freiheit reden, also im Rahmen richtiger Erziehung und Formung.”

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: