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Klassik im HD-Filmverfahren

Zypern besitzt seit vielen Jahren ein vom Staat subventioniertes Symphonie Orchester. Vor Jahrzehnten dümpelte es noch vor sich hin. Die äußerst dürftig ausgebildeten Musiker fiedelten oder bliesen in ihre Instrumente, wie sie es für gut befanden. Das änderte sich in den neunziger Jahren drastisch, als im Ausland gut ausgebildete zypriotische Musiker und Dirigenten auf den heimischen Markt zurückdrängten. Zudem hat sich das Orchester dank ausländischem Zuzug zu einem guten Klangkörper entwickelt.

Zypern besitzt weder ein Opernensemble noch ein hervorragendes klassisches Ballett. Das Orchester bleibt auf symphonische Werke beschränkt. Kein Wunder also, dass die Direktaufzeichnungen von Aufführungen großer Häuser in HD Qualität Anklang finden. Über die im Rialto/Limassol ausgestrahlten Werke der Metropolitan Oper von New York, Ballette aus dem Royal Opera House London oder dem British National Theatre habe ich ja schon mehrmals berichtet. Ich setze diese Tradition hiermit fort.

Fangen wir mit den beiden Aufführungen der Metropolitan an. Eine der beliebtesten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart ist neben der „Zauberflöte“ die Komödie „Die Hochzeit des Figaros“, wo Intrigen, Missverständnisse, moralische Lektionen in buntem Reigen ausgespielt werden und dann doch noch zu einem Happy End führen. James Levine dirigierte. Der 1947 geborene Amerikaner war lange Jahre beim Boston Symphonie Orchester, hat auch die Münchner Philharmoniker geleitet und wurde 1976 Musikdirektor der Met. Regisseur in dieser Aufführung war Sir Richard Eyre, der weltweit an Theatern, Opernbühnen und Festivals Regie führt und für seine ausgezeichnete Arbeit und Können 1997 von Königin Elizabeth zum Ritter geschlagen wurde. Alle Beteiligten waren auch bei dieser Aufzeichnung Topform. Der 1976 geborene russische Bass, Ildar Abdrazakov spielte und sang den Figaro geradezu umwerfend. Die deutsche Sopranistin Marlis Petersen stand ihm als Susanna in nichts nach. Sie mag vielen bekannt sein, denn sie sang und singt öfters an Deutschen Opernhäuser. Die amerikanische Sopranistin Isabel Leonard ist seit 2007 an der Met. Sie ist keine Unbekannte an der Staatsoper in Wien oder bei den Salzburger Festspielen. Burschikos und liebenswürdig verkörperte sie den Cherubino, der sich stets durch seine versuchten Liebesabenteuer in Schwierigkeiten bringt. Der amerikanische Bass Bariton John del Carlo sang den Intriganten Doktor Bartolo überzeugend. In diesem Ensemble der wohl besten Sänger und Sängerinnen machte ebenfalls der schwedische Bariton Peter Mattei seinen Auftritt als Graf Almaviva mit, der dem Zimmermädchen und zukünftigen Frau Figaros, Susanna, den Hof macht. Diese jedoch macht gemeinsames Spiel mit der Gräfin, um den ewigen Schwerenöter in seine Schranken zu weisen. Mozart schrieb für die vernachlässigte Gräfin zwei der schönsten Arien im Opernrepertoire, die von der Amerikanerin Amanda Majeski wunderschön dramatisch interpretiert wurden, wie zu sehen und zu hören war. Diese Sopranistin hat auch verschiedentlich mit ihrer wirklich idealen Mozartstimme das Publikum in Frankfurt, Zürich und Dresden erfreut.

Ein völlig anderes Kaliber war die darauf folgende Produktion von Verdis „Macbeth“. Am Pult stand Fabio Luisi. Regisseur war Adrian Noble und für die Kostüme, die in moderner Fassung geschneidert wurden. Dafür zeichnete Mark Thompson. Ich fand die Produktion sehr zwiespältig. Die tragende Rolle des Stücks, Lady Macbeth, wurde von keiner Geringeren als Anna Netrebko gesungen, die großartigen Applaus erhielt, sicher auch nur deshalb, weil „die Netrebko“ nichts falsch machen kann. Meines Erachtens wurde ihr Name missbraucht, oder sie überschätzte sich und wollte diese Rolle unbedingt, denn ihre Stimme war lediglich laut und die dramatische Tönung fehlte vollkommen. Das mysteriöse dieser machtbesessenen Furie von Frau, Lady Macbeth, konnte sie nicht rüberbringen. Gleichzeitig war ihre Aufmachung deplatziert. Lady Macbeth mag ihren Ehemann durch ihre Reize angestiftet haben, sich durch mehrere Morde an die Spitze des damaligen Reiches zu hieven, aber eine Edelnutte aus dem Bordell war sie mit Sicherheit nicht. Zeljko Lucic war ein Macbeth, der alle Nuancen der Rolle durch seine Stimme ausdrücken konnte, wie sein Gegenspieler René Pape als Banquo. Dieser Macbeth mag in New York Furore gemacht haben. Es ist mir unbekannt, wie die europäischen, resp. die englischen Medien sich darüber äußerten.
09_06_13
Mit Musik geht es weiter, aber nicht als Oper sondern als Ballett. Der legendäre Sir Kenneth Macmillan nahm 1974 die von Jules Massenet komponierte Oper, basierend auf Abbé Prevost’s Text „Manon“, als Basis für sein bahnbrechendes Ballett, welches aus der Norm der russisch inspirierten Choreographie ausbrach, mit neuen Schritten, modernen Bewegungen, waghalsigen Sprüngen und echten Emotionen. Macmillan starb 1992 nachdem er als ehemaliger Tänzer und Choreograph dem Royal Ballett von 1970-1977 vorstand. Als Saisoneröffnung dieses Jahres wiederholte das Londoner Royal Ballett seine ursprüngliche Choreographie mit enormem Erfolg. Daraus entstand der aufgenommene Film. Die argentinische Primaballerina beim Royal Ballett, Marianela Nuñez, war die bezaubernde, bezirzende und am Schluss tragische Manon, die ihre Rolle tänzerisch wie mühelos umsetzte. Ihr ebenbürtiger Partner, der Italiener Federico Bonelli als junger Des Grieux erhielt sein Tanzdiplom 1995 aus der Ballettschule des Opernhauses Zürich. Seine Tanzkarriere führte über das Holländische Nationalballett 2003 direkt nach London. Lescaut, Manon’s Vetter, der in der Geschichte die entscheidende Rolle des herzlosen Kupplers spielt, wurde vom argentinischen Tänzer Ricardo Cervera interpretiert. Er schloss seine Tanzstudien an der Schule des Royal Balletts ab, wurde gleich engagiert und ist seit 1996 einer der Startänzer des Balletts. Es war eine ausgezeichnete Aufführung in der gediegenen Atmosphäre des Royal Opera Houses mit seinen Startänzern. Nicht nur der übertragene Applaus aus London zeigte, wie angetan das Publikum war sondern auch, dass viele der Anwesenden im Rialto mit einstimmten.

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