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Posts Tagged ‘dassoudi beach’

Limassol

oder

Stulle plus Idioten und eine Tastatur

Nee,

runter in die Stadt, um nach den Arabern usw. zu sehen, bin ich nun doch noch nicht gewesen.

Das heißt, eigentlich fahre ich unweit davon nahezu jeden Morgen vorbei, versteht sich, um Schwimmen zu gehen – und anschließend ins Starbucks.

Das alles passiert neuerdings gar nicht mehr so weit vom Gewinn abwerfenden Hafen von Limassol entfernt, wie die Zeitungen heute mal wieder aufreißerisch berichten. Recht nahe beim Debenham schwimme ich, seit ich dem Dassoudi-Beach etwas untreu geworden bin. Ungefähr dort ist, wo außer Starbucks auch DIE Croissanterie und noch ein lokales Cafe nebeneinander liegend den Beginn der Straße auf der rechten Seite mitformen, wenn von der Uferstraße in Richtung Pafos fahrend abgebogen wird, und zwar so, dass zum Kreisel vor der Makarios Straße gefahren wird. Wie ich heute in einem Kommentar schrieb, wird dort nun doch nicht mehr Schwimmen gegangen, weil das Wasser riecht zu verdächtig. Ich darf nicht warten, bis mich – wieder – IRGENDWAS einholt und mein Konzept wieder schlanker, kräftiger und so weiter zu sein aus den Angeln hebt.

Unweit von wo ich schwimme, führt eine Art Steg recht hoch übers Meer, der vielleicht so an die 30 Meter lang ist. Da stehen all morgendlich Fischer drauf. Und manchmal verirrt sich auch ein Jogger dorthin, um an dem Holzgeländer Verrenkungen zu machen, sich zu dehnen oder daran stützend in die Hocke zu gehen etc. Es kann ja so viel bewegt werden auf einem Steg wie diesem.

Links davon, wo es steinig und felsig ist und lediglich ein Meter vor dem Wasser des Meers auf wunderschön feinsandigem Boden gestanden werden kann, dort bin ich als – heute morgen allerdings, als zum ersten Mal das Auto auf dem großen Parkgelände gegenüber den Cafes geparkt wurde, weil es mir an einem gewöhnlichen Wochentag zu gefährlich schien, an der Straße vor einem der Cafes ohne zu bezahlen zu parken, bot es sich an, mal rechts vom erwähnten Steg in die Nässe zu springen. Dort sind wesentlich mehr Menschen. Offensichtlich alle Russen und der Sandstrand ist wesentlich breiter. Ein junger Mann machte die älteren Damen gerade als ich dort ankam darauf aufmerksam, sie müssten ihre Tücher von seinen Liegestühlen nehmen. Ein Kotzbrocken also. Denn um diese frühe Zeit will keiner seine Liegen mieten.

Das Feinsandige, von dem zuvor die Rede war, setzt sich ins Meer fort, kommt ziemlich sicher von dort aus demselben an den Strand. Es kann raus bis an den Wellenbrecher darauf gegangen werden im leicht tiefer werdenden Gewässer. Es bedarf allerdings einer Körpergröße von 1Meter80, um noch in ungefähr 75 Meter vom Strand und vor dem Wellenbrecher stehend, mit den Füßen auf dem sandigen Boden Kontakt zu halten – all die, die kleiner sind, müssen eben weiter vorne am Ufer bleiben, schwimmen, hopsen oder sonst was tun, um kein Wasser zu schlucken. Letzteres ist nicht empfehlenswert, auch wenn das Wasser trügerisch klar aussieht, denn es riecht so verdächtig nach abgestandenem Wasser komischerweise.

Aber auch sonst: Salzwasser trinkt man nun mal möglichst nicht.

Recht menschenleer ist der Ort links vom Steg. Nicht zu vergleichen mit dem schon früh morgens gut besuchten Dassoudi-Beach, wo sich allmorgendlich viele Leute zum Verrenken, Stehen und Plaudern treffen. Man kennt sich offensichtlich. Auch ich werde recht häufig gegrüßt: „kali mera!“ Dahin werde ich also zurückkehren, obgleich auch dort zuweilen von den Auswirkungen des Hafens und der Geldmacherei etwas über dem Wasser stehend gerochen werden kann, wie gesagt, nicht immer, eher seltener – noch. Dassoudi-Beach ist schon recht weit von der Wohnung weg gelegen. Limassol erstreckt sich über Kilometer entlang der Küste wie ein langgezogener Pfannkuchen.

Vielleicht mit das Schönste an der neuen Behausung ist der kleine, weißliche Pudel, der im Hof an einer nicht allzu langen Leine den lieben langen Tag fristen muss. Die traurigsten Augen, die ich wahrscheinlich jemals gesehen habe. Bellen tut er schon längst nicht mehr, wenn ich komme – noch nicht mal mehr spät nachts. „Snowbell“ muss er sich rufen lassen. Er ist ein aufmerksamer Zuhörer, aber von der Kette nehme ich ihn nicht. Bloß kein Trouble produzieren!

Gerade vorhin wurde Bohnen weggekippt. Hatte die gestern zubereitet. Total misslungen, obgleich ich bei der ersten Speisung den Teller leergegessen hatte und mir einbildete, es sei mal wieder gelungen. Doch jetzt … .

Im Kühlschrank steht noch eine Dosis davon. Mir dreht es bei dem Gedanken, die noch essen zu dürfen, jetzt schon fast den Magen um. Allerdings haben die im Kühlschrank noch keine Gewürzladung abbekommen. Und es ist Letzteres, was die Bohnen wohl so unerträglich schmecken lässt.

Vermurxt.

Ein Gutes hat der unverhoffte Murx: Den ganzen Tag über wurde nichts mehr gegessen. Hunger habe ich seither keinen. Das Zeug stinkt nach viel zu viel Kardamon. Ist inzwischen weggeworfen. Draußen im Mülleimer gelandet. Die erste Kakerlake ist mir vorhin begegnet, ganz klassisch, und zwar in der Küche. Vor Schreck hätte ich fast laut geschrien, und das nachts um 22Uhr35. Totgetreten den dicken Brummer in den Ausmaßen seiner ägyptischen Verwandtschaft. Schon länger nicht mehr so eine große, gut genährte Kakerlake gesehen.

Ih gitt!

Noch 10 Tage darf ich hier wohnen. Eine Bratpfanne gibt es keine. Mag gar nicht danach fragen. Dann koch ich halt einfach alles ab. Fertig. Nur, Bohnen, die in größerer Anzahl gekauft wurden, machen plötzlich überhaupt nicht mehr an. Also essen im Restaurant die nächsten 10 Tage – ein Mix aus gekochtem Halloumi Zuhause und Restaurant wird es wohl werden.

Die neuen Vermieter stellten sich als Araber heraus, und zwar mit teils US-amerikanischen Wurzeln und zyprischen Pass. Denen gehört die Hütte, in der ich hausen darf. Es könnte darin noch kritisch werden, und zwar zum Ende des Aufenthalts – wegen der Handtücher, Bettbezug etc. Nur gut, dass es aus irgendwelchen Gründen nicht klappte, die Behausung für einen Monat im Netz zu buchen, wie es eigentlich vorgesehen war.

Limassol gefällt mir gut, ja, sogar diese Wohnung ist irgendwie putzig, weil so sonderbar oriental. Dachte schon am 2. Tag meines Aufenthalts hier, dass da draußen, im Haus nebenan, irgendjemand Arabisch spricht – meine Vermieter.

Einen Putzlumpen gibt es auch nicht, um den Boden mal aufzuwischen. Eine Vorlage bei der Dusche ebenfalls nicht. Vielleicht frage ich danach und habe Glück.

Gekauft, wird ein Putzlumpen jedenfalls nicht!

So viel Zeug zum Kochen gekauft und jetzt hat die Lust dazu verlassen.

Dabei wird gar nichts groß den lieben langen Tag getan.

Konsumiere viel TV aus Syrien und dem Libanon.

Bin echt dankbar, weil schon seit Längerem ein gesteigertes Bedürfnis wuchert, Arabisch wiederzubeleben. Das 3. Buch mit einer Seite Arabisch und der anderen Englisch oder auf Deutsch wurde dieses Jahr bereits verschlungen. Ein Buch dieser Art wird meist 2 oder 3 Mal gründlich gelesen, bis ich genug davon habe. Doch weggeworfen werden die Dinger danach nicht. Es könnte ja nach Monaten vielleicht nochmals danach ein Bedarf bestehen.

Ja, eine Art Bedürfnis nach dem Sprechen von Arabisch ist da. Ein Phänomen, welches allerdings bestens bekannt ist, und zwar aus der Zeit, als ich zwischen Arabisch und Türkisch pendelnd lebte – statt Griechisch hatte ich damals Englisch in der Mangel, als in Athen gelebt wurde.

Interessant zu beobachten, dass älter geworden weniger Wert aufs Kommunizieren gelegt wird. Es wird gelesen. Stundenlang kann in der einen oder anderen Sprache gelesen und notfalls noch das Handy nach der einen oder anderen Vokabel befragt werden. Das Ziel ist klar, und wahrscheinlich daher so anziehend: Gelesenes muss verstanden werden. Punkt. Die Rede ist von Zeitungen, weniger von Büchern. Aufs literarische Level wird zwar geschielt, aber … . Langweilig wird einem dabei nicht.

Habe im Internet eine Plattform gefunden, wo mit Arabischsprechern kommuniziert werden kann, und zwar im Austausch mit Deutsch. Viere haben angebissen: eine Frau und drei Männer. Schrieben mir alle auf Deutsch, obgleich gleich anfänglich darum gebeten wurde, doch auf Arabisch zu schreiben, sodass dann auf Deutsch geantwortet werden kann.

Bin gespannt, ob ich durchdringen kann.

Weil in Jordanien hatte ich mal Bekanntschaft mit einem Künstler gemacht. Bei dem hat das nicht geklappt. Der schreibt immer wieder, ja nur, auf Englisch. Das nervt, aber ich lass es mir möglichst nicht anmerken. OK, Arabisch ist nun nicht gerade meine Stärke, aber ausbaubar.

Keine Ahnung, wo in Limassol Bücher verkauft werden – zweisprachige. Wahrscheinlich in der Nähe der Uni. Gestern war 01. Oktober. So viel komischer Patriotismus. Wie kann man ein anderes Volk so wenig wertschätzen. Nur weil sie Türken sind? Idioten gibt es überall und türkische Idioten sind halt anders idiotisch, wie alle Idioten überall. Dem einen gefällt’s so, der anderen ist es ein Graus.

Limassol braucht viel Zeit. Fühle mich hier richtig wohl. Die Stadt hat wahrscheinlich die richtigen Ausmaße, das Meer und hoch interessante Bewohner. Frauen spazieren vereinzelt nachts um 23Uhr am Meeresrand. Zeugnis einer gewissen Sicherheit und der Eigenständigkeit vieler Frauen auf Zypern.

Schön sieht aber anders aus. Gewiss wird Limassol schöner, je länger in ihren Straßen gegangen, gelebt und getanzt wird. Ja, die tanzen hier gelegentlich. Einfach so.

Einen Namen dem halbkreisrunden Gebäude gefunden, welches von dort, wo neuerdings Schwimmen gegangen wurde, ganz gut und nah zu sehen ist. Darauf kam das Köpflein schwimmend. Sie glauben ja gar nicht, was Mensch schwimmend und in Sekunden alles durch den Kopf laufen kann, bis er endlich leer ist und man verwundert in der Schwimmbewegung verharrt, kurz, weil er sich leider schon wieder eingeschalten hat. Nun, im Angesicht dieses Halbkreises kam „Stulle“ heraus.

Die Stulle ist in real wahrscheinlich nur ein Bürohaus.

Mission completed, könnte man sagen, was aber nicht zutrifft, weil jetzt fängt die Mission wahrscheinlich erst an.

Einen urwüchsigen Limassoler kennengelernt. Er lädt mich ein, (in) seine Welt abzutauchen.

Warten wir es ab, was da noch alles zum Vorschein kommt. Die Eiernudeln ohne Fleisch zubereitet, die er heute offerierte, wurden bereits verpasst.

Es kann also nicht viel mehr schiefgehen.

Hatte keine Lust, gerade angekommen Zuhause, schon wieder den ganzen Weg durch den Mittags-Verkehr dieser Stadt zurückzufahren!

Und: Wenn der Laptop aufgeklappt ist, gehört UNS die Tastatur, dann zählt fast nichts Weiteres!

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