Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Erdogan’

Zeichen der Zeit

oder:

Die da oben

Dass die Ereignisse in der Türkei spurlos an Zypern vorbeigingen, kann so nicht gesagt werden. Sie schreiben und reden auf Zypern von der sogenannten Praxikomita, der Besetzung des Nordens von Zypern durch die Türkei 1974. Der Putsch, der in der Türkei vor kurzem misslang, erinnert die Insulaner offenbar an jene Ereignisse von 1974 sehr stark in diesen Tagen.

Anscheinend hat es keiner der türkischen Putschisten im Jahr 2016 versucht, sich auf die zyprische Insel zu retten. Offensichtlich sind die – nicht gerade von der Anzahl her wenigen – türkischen Armeeeinheiten in Nordzypern nicht in den Putschversuch involviert gewesen. Daraus kann geschlossen werden, dass die türkische Armee im Norden Zyperns inzwischen bereits mit Erdogan-treuen Obristen und Generälen bestückt ist mehrheitlich. Folglich darf es bereits als gewagt gelten, wenn der jetzige Präsident im Norden, Mustafa Akinci, öffentlich davon spricht, wie letztens, es mögen in der Türkei anstatt einer Islamisierung der Gesellschaft, das Besinnen auf die Grundprinzipien Atatürks beim politischen Handeln und Entscheiden voranstehen.

Bekanntlich haben acht türkische Piloten mit Hubschraubern die Flucht ins griechische Alexandropoulos unternommen, als klar wurde, dass ihr Putsch scheitert. Versteht sich, dass die Türkei deren Auslieferung fordert und versteht sich, dass die Flüchtenden einen Asylantrag in Griechenland stellten. Mal sehen, welchen Strick Herr Erdogan daraus drehen wird, wenn Griechenland sich weigert, die Flüchtenden auszuliefern oder gar die Hubschrauber zurückzugeben. Die Geflüchteten können ihrerseits eventuell heikle Details aus dem türkischen Armee-Innenleben berichten, welche Herrn Erdogan womöglich doch noch das Genick politisch, versteht sich, brechen könnten. Wir werden also gespannt abwarten, ob die EU mit derartig heiklen Informationen ausgestattet, gleich an die Öffentlichkeit geht, oder aber dem türkischen Präsidenten solche Details auf die Brust setzt, damit der endlich einlenkt, um an der Macht zu bleiben.

Vielen ist ja so ein Alfatierchen, wie es Herr Erdogan versucht darzustellen, eigentlich auch in Teilen Europas oder den USA gerade recht. Vor allen Dingen ist dem so, wenn dieses Tierchen so in etwa tut, was den Interessen dienlich ist. Es fällt einem dann auch leichter, das eine oder andere Auge mal zuzudrücken. Doch so?

Ob, also, die Türkei in der Folge dieser Ereignisse um den missglückten Putsch eher geneigt sein wird, die Forderungen der EU umzusetzen, zum Beispiel bezüglich der effektiven Anerkennung der Republik Zypern, ist zwar weiterhin fraglich, doch nicht ganz ausgeschlossen ist, dass Ankara sich etwas bewegen könnte. Wie sich nämlich zeigt, braucht die türkische Regierung offenbar einen gehörigen Druck zum Sich-Bewegen auf politischem Terrain – und schon scheinen sich sogenannt Rote Linien Ankaras sogar in Luft auflösen zu können. Die verwunderliche Annäherung der Türkei mit Israel vor kurzem, soll ja aufgrund des us-amerikanischen Drucks geschehen sein und ist durchaus ein Beispiel für eben Gesagtes. Und der Druck, der sich innerhalb des Landes aufgebaut hat/te, weil die russischen Touristen fernblieben – und noch immer mehrheitlich bleiben, ließ den türkischen Präsidenten sich mit Herrn Putin wieder annähern. Das ist ein weiteres Beispiel für Druck, der etwas bewegt in der Türkei. Plötzlich kann man wieder miteinander. Putin und Erdogan, wird ja gesagt, seien Seelenverwandte.

Seltsam eigentlich, dass Brüssel sich eines effektiven Druckmittels nicht endlich ersichtlich bedient. Schließlich ist die türkische Industrie nicht unwesentlich von den Kontakten zur EU abhängig. Ähnliches kann am 20. Juli 2016 sogar in der konservativen Badischen Zeitung gelesen weden.

Reiseverbote in die Türkei gehörten vor dem Hintergrund der derzeitigen Gefahrenlage und wegen dem verstörenden Verhalten Erdogans ausgesprochen, finden viele. Das Geschrei wird nämlich groß sein, wenn zig Nordeuropäer irgendwo an einem türkischen Strand oder in einer türksichen Stadt ihre Leben lassen wegen eines Terroranschlags. Vor allem das Geschrei nach den Verantwortlichen wird erneut ertönen. Und dass die sogenannte Parlamentsarmee der Deutschen in Incirlik nicht von Mitgliedern des deutschen Parlaments besucht werden darf, weil Erdogan dagegen ist, ist nicht zuletzt ein weiterer Indiz dafür, dass die Zeit des Herumkasperns nach Erdogans Maßgaben vorüber sein sollte in Brüssel. Und ist Notstandsgesetze zu erlassen, nicht das Machtmittel gewesen, welches Adolf an die Macht brachte. Erdogan greift gerade darauf zurück. Die Verantwortung für verunfallte Terroropfer und zu langes Zusehen beim eindeutigen Formen einer Diktatur, die man sogar noch protegiert durch zögerliches Verhalten etc., dürfen sich, was Deutschland angeht, die Koalitionsregierung im Bundestag jetzt schon ans Revier heften. Ohne Wenn und Aber!

Reicht doch wohl, dass die Briten ausgeschert sind und allen vormachen, und weiterhin vormachen werden, wie man Brüssel am Gängelband hält? Das zu befürchtende Szenarium ist nämlich das Folgende: Das britische Parlament könnte, zu einer Abstimmung – angeblich oder wirklich – getrieben, plötzlich befinden, dass Großbritannien doch nicht aus der EU austritt.

Was dann?

Schätzungsweise wird das gesteigerte Chaos, welches danach entstehen wird, von einigen, die britische Regierung inbegriffen, genutzt, nach Manier des Teile und Herrsche-Systems, welches die Briten bekanntlich seit Jahrhunderten verfeinern, erst Mal die Positionen auf Gewinn, was auch sonst, für die Briten zu stellen – und für all jene gleich mit, denen das britische Establishment wirklich am Herzen liegt.

Jedenfalls hat die Türkei bislang wenig Engagement gezeigt, ihre Verpflichtungen gegenüber der EU und somit auch Zyperns einzugehen. Manche sprechen ja von folgendem Kalkül, welches vorliege: Erdogan und seine Leute treiben es jetzt, nachdem verunglückten Putschversuch, auf die Spitze mit ihren undemokratischen Politiken, so lange das halt noch geht. Es geht ihnen ja schließlich darum, die türkische Verfassung zu ändern – komme, was wolle -, und zwar im Sinne Erdogans. Dafür könnte Zypern eine Teilvereinigung erhalten, also eine zyprische Lösung der über 40 Jahre bestehenden Teilung der Insel stünde demnach bevor, bei der ein Abzug der türkischen Soldaten auf Zypern in Gänze zwar nicht zu erwarten ist, doch dass Ankara Nikosia anerkennt und man zukünftig versucht, sich irgendwie kooperativer zu begegnen, könnte drin liegen. Wie ja auch in der Republik Zypern seit Jahren beteuert wird, dürfte eine Wiedervereinigung – auch unter den eben aufgezeichneten Bedingungen – sehr wohl noch mehr Reichtum und Wachstum generieren; und vor allem mehr Sicherheit in einer geostrategisch schwierigen Lage.

Wohl auch daher besteht die Türkei neuerdings bei der Uno seit 2014 (Turkuno DT/4513427) ausdrücklich darauf, dass doch mal bitte sehr klar gestellt gehört, dass die Republik Zypern sich in der See vor Zypern ein Gebiet anzueignen sucht, welches sie “AOZ” nennt, das zu einem großen Teil in den See-Bereich der Türkei und somit auch und vor allem den Bereich Nordzyperns fällt. Das Gebiet, welches der Republik Zypern zustehe als AOZ, liege aber eher irgendwo zwischen Griechenland und der Insel und nicht so nahe an dem der Bereich der Ägypter, die zufällig auf richtig große Mengen Erdöl/Erdgas vor noch nicht all zu langer Zeit gestoßen sind.

Als Laie in diesen Dingen kann beim Betracht der Karten nicht gesagt werden, diese Feststellungen der Türken sind völlig aus der Luft gegriffen. Letzteres trifft insbesondere auch dann zu, wenn eine Art Wiedervereinigung Zyperns kommt, die von einem Staat bestehend aus zwei föderativen Teilgebieten ausgeht; wo jeder Teil seinen Bereich verwaltet und man versucht, in einer gemeinsamen Regierung die politischen, ökonomischen und anderen Geschäfte zu koordinieren – gerecht und gleich.

Doch dass es in absehbarer Zeit zu so etwas kommt, kann bei dem herrschenden Nationalismus unter den Griechischzyprern wirklich nicht erwartet werden. Die Türkischzyprer dürfte noch immer das Wahlverhalten der Griechischzyprer beim Annanplan 2004 daran hindern, und auch daran, an einen mentalen Umschwung der griechischzyprischen Brüder und Schwester wirklich und ganz fest zu glauben, sodass man entsprechend wiedervereinigungsfreundlich sich geben würde oder gar abstimmte. Eine Blamage in 30 Jahren, oder so, genügt, dürften nicht wenige unter den Nordzyprern denken. Denn ihr Abstimmungsverhalten beim Annanplan wird von vielen als schämenswert erachtet. Als wolle man sich wie eine Klette an die Griechischzyprer hängen. Diesen Eindruck möchten viele nicht ein weiteres Mal von sich in die Welt gestreut sehen. Dann lieber mit den Türken weiterhin im Boot bleiben. Es kann unter Griechischzyprern ja noch nicht mal laut ausgesprochen werden, dass in diesem neuen Staatsgebilde ein Türkischzyprer für eine vereinbarte Zeit als Präsident vorstehen könnte. Griechischzyprische Nachrichtensender schreiben und sprechen noch immer vom “Attila”, wenn sie die Türken meinen. Nordzypern wird als Pseudostaat bezeichnet und seine politischen Vertreter, beispielsweise der Präsident, als Führer der Türkischzyprer: “Sogenannte …”.

Des Weitern gibt es noch ein Abkommen zwischen Nordzypern und der Türkei, seit 2011, welches Erdogan mit dem damaligen Präsidenten Nordzyperns, Eroglu, festsurrte. Es besagt, dass die Türkei im Falle der Fälle des Erdgas- oder Erdölreichtums, um es mal so zu bezeichnen, mehrheitlich an der türkischzyprischen AOZ beteiligt sein wird.

Vor dem Hintergrund, dass Eroglu eh türkeifreundlich ist und war, und aufgrund der Tatsache, dass die Türkei seit Jahrzehnten Milliarden Dollar zum Überleben der türkischen Zyprer aufwendet, ist diese Handlungsweise Eroglus durchaus nachvollziehbar. Sisi in Ägypten hat Saudi Arabien vor kurzem schließlich auch ein-zwei Inselchen im Roten Meer aus ähnlichen Beweggründen hinterlassen. Und amerikanische Militärbasen sind auch noch immer irgendwo in der BRD anzutreffen. Aus Dankbarkeit. Dankbarkeit kann nicht selten auch mit Geld oder/und politischem Einfluss beziffert werden.

Am 15. Juli vor einigen hundert Jahren soll das erste Papiergeld in Umlauf gekommen sein. Und am selben Datum im Jahr 2016 hatten die Türken eben ihren misslungenen Putsch, der ihnen allerdings 42 Jahre davor in Zypern zu ungefähr dem selben Tag gelungen ist.

Am 16. Juli 2016 dachte ich mir, ach gehst mal schwimmen, und zwar dort, wo es erlaubt ist und das Wasser ersichtlich rein: zwischen Sasbach und Wyhl. In Zienken, kann ja jetzt anscheinend niemand mehr schwimmen gehen, weil es keine Parkplätze mehr gibt, die wurden kurzerhand entfernt. Diese Gemeinde ist offensichtlich nicht in der Lage, sich mit dem Kiesgrubenbesitzer so zu einigen, dass man auch dort, wie zwischen Sasbach und Wyhl, einen Teil des Sees als Badesee ausrichtet. Andernorts nennt man das Bürgernähe.

Kalt war das Wasser, aber dennoch gut. War letzten Sonntag früh morgens um 08 Uhr bereits dort, so auch heute wieder. Im Wasser schön gemächlich schwimmend kam mir in den Sinn, einen alten Schulfreund nach dem Schwimmen mit meinem Besuch zu überraschen. Den habe ich seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen. Er wohnt dort in der Gegend, wie ich von seiner Mutter schon vor Monaten erfahren habe. Kaum an seinem Haus vorüber gefahren, stand er wie bestellt am Tor seines Vorhofes zum Angesprochen-werden bereit. Er spielte gerade mit seinem kleinen Hund. Zwei Kaffee getrunken, gute alte Zeiten aufleben lassen im Gespräch, kurz die Etappen seines und meines Wertegangs uns vorgetragen – und wir vermieden mit Bravur, dass er mir bei unserem letzten Treffen meine Framus-halbelektrische Guitarre, die ich ihm zum Aufbewahren gelassen hatte, nicht mehr zurückgeben wollte, und auch nicht zurück gegeben hat. Bis zum heutigen Tag.

Zur Strafe, sozusagen, habe ich mir danach am Auto die rechte Seite aufgerissen, nur, weil ich möglichst korrekt im Parkbereich einer Straße in Freiburg einparken wollte. Da war nämlich noch dieser Pfosten und obwohl ich gehörig aufpasste, ging das Einparken schief – schief wie der Putsch in der Türkei.

Vor knapp zwei Wochen dachte ich noch so bei mir: Ist doch eigentlich mal wieder Zeit zu einem kleinen Putsch am Bosporus. Dass man diesen dann gleich so diletantisch umsetzt, erinnert schon stark an meine Vorgehensweise, die Guitarre wieder zurückzuerhalten. Zugegeben, die waren bei ihrem Putschversuch nicht ganz so zurückhaltend wie ich, doch wahrscheinlich mindestens genau so doof?

Kann gut sein.

Kann aber auch sein, und irgend etwas will mich das einfach glauben lassen, mehr, als all die anderen Begründungen, dass der Putschversuch sehr wohl von Erdogan und seinen Gesellen ferngesteuert passiert ist. Schließlich bin ich ja auch, trotz besseren Wissens und nur wegen der Aussicht, einen Strafzettel zu erhalten, weil der hintere Reifen 10 cm über den auf dem Boden gezogenen weißen Strich ragte, sozusagen ferngesteuert in die Falle gefahren, also, mit der rechten Seite des Autos schön am Pfosten entlang geschrammt.

Obristen der türksichen Armee sollen den Putsch verschrammt haben, vielleicht auch einige Generälchen, ja, und natürlich der Herr Gülen im fernen US-Amerika, der sich gleich verdächtig laut von einer Mittäterschaft distanzierte. An seiner Stelle hätte ich gar keine Stellung bezogen. ‘Auf so etwas antworte ich nicht mehr’, hätte ich gesagt und gelangweilt weg vom Objektiv der Kamera geschaut. Bekanntlich wohnt der Gute in den USA.

Nun, unser guter Herr Receb Tayyip Erdogan hat nicht versäumt, dennoch gleich volle Kanne auszuholen nach dem angeblichen oder wirklichen Putschversuch: Die USA stecken hinter dem Putschversuch, sagt er. In dem man mit der großen Keule auf diese Weise verbal ausholt, kann man die kleineren Übel zwischenzeitig real wegräumen: unliebsame Richter, Staatsanwälte, natürlich Anwälte und, wie immer, noch schnell ein Paar Journalisten plus Notverordnung.

Bravo!

Doch Herr Obama wird sich mit Herrn Erdogan treffen, morgen oder übermorgen soll es so weit sein. Dass die beiden sich nicht grün sind, dürfte allen Beteiligten schon längst aufgefallen sein. Versteckt, wie alle seine Vorgänger, wird auch Erdogan unterm Tisch mit einem Abrücken der Türkei in Richtung Russland drohen. Insofern ist seine Annäherung mit Putin schon fast verdächtig gut in der Zeit gelegen. Es lässt vermuten, dass der Putsch, der so diletantisch ablief, die Annäherung an Russland und Israel davor bedingte und daher das Werk gewisser Thinktanks der besonderen Art ist.

Erdogan wird wohl Federn lassen müssen, um sein Ziel, Alleinherrscher, zu erreichen. Die Frage ist, wird er sie beim Kurden-, Israel-, Armenien-, Irak-, Iran- oder aber beim Zypernproblem lassen?

Was bleibt da noch zu hoffen, folglich? Dass Griechenland – nicht schon wieder – als ein weiteres Problem der Türkei in den Vordergrund gerät. Dass das Pro und Contra Erdogan zu sein, den Frieden in nordeuropäischen Ländern, in denen viele türkischstämmige Menschen leben, durch kluge Politiken im europäischen Inneren abgefedert werden kann. Und da habe ich so meine Zweifel, wenn zum Beispiel das sogenannte Weißpapier der deutschen Verteidigungsministerin inhaltlich angesehen wird. Es liest sich eher wie ein recht plumper Aufruf zur endgültigen Militarisierung – in letzter Konsequenz – des zivilen Lebens und/oder Bereichs. Nach dem Motto: Kontrolle ist gut, mehr Konrolle ist noch besser! Wer sich und anderen vertraut, scheint wohl selbst schuld zu sein. Das scheint die Denke dahinter zu sein.

Ja, die Schuldfrage ist wahrhaft kein Grund, die Schuldigen an der Misere auf die leyensche Weise noch mehr abzudecken. Die Regierungen Europas sind gut beraten, den Obersuperreichen Europas für den Zeitraum von 5 Jahren, beispielsweise, einen Schnitt von 50% der Einnahmen zuzumuten. Damit die Löcher in den Straßen endlich gestopft werden europaweit. Damit den Frauen ein gleichwertiges Gehalt für gleiche Arbeit bezahlt wird europaweit. Damit vor allem jungen Flüchtlingen eine ganz intensive Betreuung zugute kommt europaweit, gern mit der Perspektive, danach in der einstigen Heimat als Spezialisten und dergleichen zurückkehren zu können.

Ohne diese Kohle der Superoberreichen Europas darf man sich nicht groß wundern, wenn einige am anderen Ende der sozialen Hühnerleiter sich ähnlich radikalisieren Wie Die Da Oben!

Read Full Post »

Ein „ökonomisches Protokoll“ wurde zwischen Nordzypern und der Türkei letztens unterzeichnet, als der neue Ministerpräsident der Türkei, Herr Yıldrım, seinen Amtantrittbesuch in Nikosia-Nord traditionellerweise machte. Das Protokoll beinhaltet eine Privatisierung des Yachthafens von Girne oder Kirenia. Wer das Objekt kennt, weiß, dass das nicht nur Griechischzyprer verärgern dürfte, wenn so ein Protokoll mal schnell unterzeichnet wird. Der Yachthafen ist in etwa vergleichbar mit dem Kudamm in Berlin, also einem Ort, der viel Identifikation stiftet und einen gewissen Charme und eine ‚ganz besondere‘ Geschichte hat.

Überhaupt ist es so, dass sich auch viele Türkischzyprer gegen die seit 1974 laufende verborgene Vereinnahmung des Nordens der Insel durch die Türkei wehren – und in der Ära Erdoğan geht diese Vereinnahmung inzwischen eindeutig zu weit. Denn sie – wie die Vorfälle in der Türkei zeigen, wo Erdoğan beginnt, Frauen öffentlich zu verunglimpfen, die keine Kinder gebären oder von der Anzahl her nicht genügend, nämlich mindestens drei – können sehen, dass sich am Bosporus unübersehbar und verborgen geradezu ein zweiter Ayatollah auftut, den jeder Lebensbereich seiner Untertanen zu interessieren scheint: Erdoğan Pascha, der Verborgene.

Sein zuvor geschilderter verborgener Griff in den Privatbereich der Türken, sollte man denken, müsste doch eigentlich genügen, um die meisten der türkischen Bevölkerung sich endgültig von Erdoğan und seinen Schergen offen abzuwenden.

Jedenfalls hat der türkische Ministerpräsident Binalı Yıldrım Dokumente unterzeichnet auf seiner Stippvisite in Nikosia-Nord, die bislang etwas verborgen auf Eis gelegt waren. Finanz- und stellvertretender Ministerpräsident Serdar Denktaş aus dem Norden Zyperns ist indes zuversichtlich, dass diese Sache vom Parlament durchgewunken wird – vielleicht gerade durchgewunken worden ist? Herr Denktaş ist wie sein seliger Herr Vater, Rauf, halt ein, wie soll ich ihn nennen, ein verborgener türkischzyprischer Platzhalter der Türkei in der Politik der türkischzyprischen Insulaner.

Der ehemalige Präsident des Nordens, Ali Talat von der CTP, zeigte sich offen empört darüber – nicht so Mustafa Akıncı, der jetzige Präsident auf Nordzypern, der verdeckt operiert. So soll der Hafen von Girne also bis 2018 vorerst, wie aufgezeigt, gemanaged werden; und weil man wohl gerade dabei war, hat man auch noch schnell die Angelegenheit mit der Wasserzufuhr aus der Türkei in Form einer Pipeline, die durchs Meer verlegt wurde, in das ‚ausgehandelte‘ Protokoll mit aufgenommen, damit nichts verborgen bleibt. Dem nicht genug, soll ab 2017 die nordzyprische Form der deutschen Telekom sowie das Elektrizitätswerk nach Maßgabe des genannten Protokolls ebenfalls privatisiert werden.

Also sind – mal wieder – die Gewerkschaften des Nordens auf der Palme, demnächst wahrscheinlich in etwa so, wie gerade die in Frankreich. Wahrscheinlich warten sie noch im Verborgenen einen geeigneten Zeitpunkt ab, um dann Müll und dergleichen nicht mehr wegräumen zu lassen: Streik!

Versteht sich, dass mit der Unterzeichnung des Protokolls auch die Fischer in Girne in Mitleidenschaft gezogen werden. Keiner weiß, was darin verborgen womöglich noch kommen wird. Unsicherheit greift um sich im Hafen. Die Fischer aus dem Norden rufen ihre Regierung eh schon seit Längerem dazu auf, endlich ihre Fischgründe besser abzusichern. Türkische Fischfangkutter würden immer wieder unter dem Vorwand, es sei eine Maßnahme um sich vor Unwetter und dergleichen zu schützen, in nordzyprischen Gewässern unterwegs sein – und zwar ganz verborgen zum Fischen.

Die sogenannte 12 Milen-Zone wird also mit aller Regelmäßigkeit von türksichen Fischern des Festlandes höchst unverborgen überschritten.

Überhaupt neigt die Türkei in letzter Zeit auffällig zu Überschreitungen: sei es die zuvor genannte des Präsidenten, der Frauen, die keine Kinder haben oder haben wollen zu halbwertigen Mitbürgerinnen disqualifiziert, oder sei es, dass Erdoğan, offensichtlich von seiner Mission als Obersupermuslim getrieben, nach den Vereinigten Staaten fliegt, um an der Beerdigung Muhammad Alis teilzunehmen und die Grenze des Anstandes ganz verborgen reißen will, nämlich Politik und islamistische Propaganda am Grab des ehemaligen Boxers zu machen; und als das nicht gelingt, bleibt er mickrig, ja auf lächerlicherweise der Beisetzung Alis fern und fliegt wie eine beleidigte Leberwurst ans östliche Mittelmeer zurück, ohne auch nur ein weiteres, einigermaßen wichtiges Gespräch geführt zu haben, ohne den Versuch zu unternehmen ’sein Ding‘ irgendwie gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen.

Der türkische Steuerzahler, der bezahlt es ja, die verursachten Spesen in den USA. Der ist anscheinend derart Führerhörig inzwischen, dass Kritik niemand mehr zu erheben wagt an solch königlich-gleichem Gebaren.

OK, im Nahen Osten haben die Leute offensichtlich allgemein was in dieser Richtung zu laufen. Wie ja auch der englischsprachige Ecconomist Ende Mai 2016 schrieb. Doch die Türkei hatte immerhin Atatürk und eine Phase zwischen dem eben Genannten Präsidenten der Türkei und Erdoğan, in der doch eigentlich genügend Zivilcourage des gemeinen Bürgers hätte entstanden sein müssen, um sich derart feudales Gehabe eines osmanischen Träumers nicht noch einmal aufs Brot streichen zu lassen. Wahrscheinlich täuscht man sich da?!

Hurra, und da geht die zyprische Version des osmanischen Traums einiger Leute irgendwie gleich weiter im Norden Zyperns und deren Vorstellung von einer Moderne. Denn das vermeintlich „größte Projekt“ – was könnte es auch anderes sein als das größte – wird – mal wieder – entlang der Küste angefangen. Man hat sich dazu den „heiligen Monat des Ramadan“ auserwählt.

Wie schön. Ach, wie fromm.

Wir freuen uns jetzt schon auf noch mehr Beton und tolle, auf luxeriös machende oder getrimmte Gebäude und dergleichen, die möglichst nur von Menschen mit viel Geld in der Tasche betreten werden können und versteht sich, wo die Strände dann schon mal gar nicht mehr von Jedermann betretbar sein werden. Immer weg damit, also mit dem öffentlichen Raum und womöglich den Brutplätzen irgendwelcher Vögel und Schildkröten. Das Metall am Arm oder um den Hals einiger Leute will schließlich ALLEINE auf weiter Flur von der Sonne beschienen sein. Ganz nach dem griechischen Philosophen – dessen Name zu nennen oder zu wissen, ist doch eigentlich gar nicht mehr so wichtig bei so viel Glanz -, der sich auserbat gegenüber Alexander dem Großen: „Gehet mir aus der Sonne!“

Jedenfalls wird Geld in das zuvor genannte Projekt gepumpt, schätzungsweise von den immer selben Verdächtigen. In Çatalköy werden es angeblich über 4.5 Millionen TL sein. Ach ja, angeblich sollen Fahrradwege und viel Grün und dergleichen ausgebaut werden.

Hört sich gut an.

Wollen wir mal sehen, was am verborgenen Ende dabei herauskommt und wer ganz offen davon nutznießen darf oder soll. Involviert als Sponsor oder Finanzier ist die sogenannte „Türkische Hilfsdelegation“. Letztere wird so in der Cyprus Today Wochenzeitung aus dem Norden genannt. Diese Delegation ist so verborgen im Netz, ich kann die nirgends auffinden unter diesem Namen im Türkischen. Es wäre nämlich interessant, zu verstehen, ob eine Stiftung dahinter steckt und dann welche? Ist es womöglich eine gekoppelt mit einer religiösen Stiftung der Türkei oder ist diese anders geartet: ökologisch, unternehmerisch etc.

Das Festival in Lapta fällt dieses Wochenende aus. Der „Funfair!“ No money!

Die Öffentlichkeit im Norden ist gewarnt worden, Kinder und Tiere möglichst im Hause zu halten. Es wurde Gift gegen Ratten, Mäuse und andere Störenfriede ausgelegt auf den Feldern und in den Dörfern etc.

Das Internationale Esentepe Aprikosen-Festival hat aber erfolgreich stattgefunden.

Frauen des Nordens werden aufgerufen, sich unter der Telefonnummer 0533 842 0089 zu melden, auch ohne Vorkenntnisse und möglichst jung, um Fußball-Spielen zu lernen. Das Damenfußballtraining findet in Alsancak stets Dienstags ab 19 Uhr statt.

Irgendwie schafft man es nicht, die Wasserqualität des Wassers mit dem Wasser, welches aus der Türkei in Nordzypern ankommt, zu erhöhen. Es gibt anscheinend einen elektrischen, ganz verborgen operierenden Ausfall irgendwo in der Leitung, im System. Der müsste jetzt eigentlich schon behoben sein. Eine Woche ist inzwischen vergangen. Das Wasser aus der Türkei konnte daher nicht in das Wassersystems des Nordens aufgenommen werden.

Wie hier bereits berichtet wurde, wird der Bürger im Norden mit einer Erhöhung seiner Wasserrechnung rechnen müssen. Nicht alle sind begeistert von dem Umstand, dass das Wasser aus der Türkei in den Norden Zyperns fließt. Man sieht die verborgenen Abhängigkeiten, die sich da eventuell demnächst schon ganz offen mit auftun.

4 Männer wurden beim Fleischschmuggel aus dem Süden in den Norden erwischt. Sie zahlten 10.000 TL und waren dann wieder auf freiem Fuß.

Ein Student an der Near East University hielt die Polizei auf Trapp. Er hatte gedroht, sich von einem Gebäude herunterzuwerfen. 10. Stock. Er muss Probleme mit einem Gerichtsentscheid gehabt haben.

Immer wieder werden illegale Bauvorhaben gestoppt im Norden. So auch mal wieder in Alsancak und Çatalköy. Es bliebt – wie auch im Süden – nicht aus, dass mit aller Regelmäßigkeit jemand verhaftet wird, dem Schmuggel mit Antiquitäten nachgewiesen wird. Zypern ist voll mit dieser Ware. Man muss ’nur‘ zugreifen!

Und zuletzt: Der Lions Club hat dem Akçiçek Krankenhaus in Girne oder Kirenia ein Ultraschallgerät gespendet, welches einen Wert von 4.500 TL haben soll. Eine Euro steht derzeit so in etwa bei 3.3 TL.

Read Full Post »

Der Parlamentarier der türkischen CHP, Herr Aytuğ Atıcı, hat sich was ganz besonders ‚Perfides‘ einfallen lassen. Er hat es offensichtlich geschafft, dass sich ein Teil der Erdoğan-Katze in den eigenen Schwanz beißt: miäauuu!

Bekanntlich hat der turkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen so seine ‚eigenen‘ Vorstellungen, und zwar darüber, wie und dass die Türkei ein Atomkraftwerk braucht. Hurra! Schrien da vorrangig die Griechischzyprer laut und vor wachsender Begeisterung gen Brüssel und natürlich New York.

Noch froher, Scherz bei Seite, machte sie, als vor kurzem die Russen aufhörten, an dem Atommonster unweit von Zypern auf türkischem Festland zu bauen.

So ganz nebenbei sei bemerkt, dass der Minister für Energie und natürliche Ressourcen Berat Albayrak heißt. Er hat sich sogar einen Doktortitel erworben davor. Seine Doktorarbeit hatte Atomkraftwerke und das Für und Wider für die Türkei, will ich es mal grob benennen, zum Thema. Herr Albayrak ist ein Teil des Erdoğan-Clans, sollten Sie noch erfahren, denn er ist zufällig der Schwiegersohn von Präsident Erdoğan selbst.

Als der vorherige Ministerpräsident der Türkei Ahmet Davutoğlu von seinem Amt zurücktrat, oder zurückgetreten wurde, waren nicht wenige besorgt, dass Herr Albayrak diesen Posten ausfüllen könnte. Wahrscheinlich war es dem Schwiegervater Herrn Albayraks doch zu heiß, den Schwiegersohn auf so hohen Posten jetzt schon zu setzen. Wer die Doktorarbeit des Letzteren liest, die in Auszügen im Parlament in Ankara verlesen wurde von dem bereits erwähnten CHP-Abgeordneten Atıcı, versteht, dass sich der ‚Junge‘ wohl noch etwas bewähren muss. Er ist noch nicht ganz ‚oben‘ angekommen. Wie sollte er auch, so lange der Alte, also Erdoğan selbst, noch auf dem Thron thront.

Immer langsam!

Dass der jetzige türkische Präsident ein Hang zur Größe und Superlativen zu haben scheint, wird wohl bereits aufgefallen sein. Und da gehört selbstverständlich ein Atomkraftwerk in die Landschaft der Türkei gesetzt, genau so wie in Naturschutzgebiete ein Regierungschloss (Saray) oder in der Provinz Artvin auf Teufel komm raus ins schönste, fruchtbare Grün Goldgräber anscheinend entlassen gehören.

Money, money, PARA!

Gott ja, Ramadan 2016. Kein Hinderungsgrund in Sachen Gelderwerb zwecks eingebildeter oder tatsächlicher Macht. Nur, was in der Doktorarbeit des Herrn Schwiegersohns steht … .

OK, es ist und war eine Jungendsünde?

Der arme Herr Schwiegersohn.

Wie konnte er auch nur solch unpassende Positionen beim Doktorwerden vertreten. In der türkischen Cumhurriyet-Tageszeitung vom 06. Juni 2016 schreibt jemand http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/siyaset/546629/_Damat_in_Meclis_teki_zor_anlari…__Sikintiya_girdi__cevap_veremedi_.html , was der CHP-Abgeornete Atıcı so alles in der Doktorarbeit beispielsweise auf S. 19 zum Thema Atomkraftwerke gefunden hat.

Herr Albayrak ist ja scharf darauf, seinem Auftraggeber, also dem Schwiegervater, es Recht zu tun. Und da steht in seiner Arbeit geschrieben:

„Der wichtigste Nachteil der nuklearen Energie ist, dass die Überreste des Spaltprozess‘ für viele Jahre irgendwo auf sichere Art und Weise eingelagert werden müssen. Was dem Reaktor als Brennmaterial gegeben wird, wird lediglich zu einem Prozent verwertet, der Rest wird zu Asche und in dieser Phase muss sein hoch-radioaktives Überbleibsel auf sichere Art und Weise gelagert werden.“

Albayrak wirft im Parlament zu Ankara daraufhin ein, dass er in seiner Doktorarbeit ja von einem Reaktor ausgegangen sei, der dem Metsamor-Reaktor in Armenien gleicht und der wirklich bedenklich sei. Außerdem habe er doch gar nichts gegen die Verwendung von Nuklearenergie. Man werde aber in Akku (ein Ort unweit Zyperns also) die neueste und beste Technologie in Anwendung bringen anstatt.

Doch Herr Atıcı von der oppositionellen CHP ließ sich offenbar nicht aus der Spur bringen und schlug in der Doktorarbeit einfach die Seite 20 auf und darin steht unter anderem:

„Was an dieser Technologie das Furchterregendste ist, ist, dass im Falle eines Unfalls die Umwelt ziemlich wahrscheinlich keinesfalls mehr gesäubert werden kann. … . Die [türkische] Gesellschaft ist gegen diese Technologie, weil sie zum einen die [landwirtschaftliche] Produktion tangiert und zum anderen wahrscheinlich nicht dazu verwendet werden wird, damit friedlich umzugehen.“

Gong! Knock Out-Analyse!

Jedenfalls hat Herr Schwiegersohn daraufhin nichts mehr einzuwenden gehabt im Parlament. Schwiegerpapa wird begeistert sein von solch heiklen Details und Denke.

Der ist derzeit ja eh damit beschäftigt unter anderem, Ende dieses Monats seine Drohungen wahr zu machen? Wir werden es also schon bald sehen, ob er den Flüchtlingsstrom wieder gen Norden ziehen lässt. Deutsche Politiker und andere signalisierten bereits, dass sie diesmal nicht kleinbeigeben werden.

In gewisser Weise passt zu eben Geschildertem ganz gut das, was Şener Levent am 06.06.2016 in der griechischzyprischen Politis-Tageszeitung schreibt und auch, was hier auf Zypernundmehr-News im Artikel vor diesem geschrieben steht.

Levent beschwert sich seit einigen Tagen in der Politis, dass bitte sehr mit wem in Sachen Wiedervereinigung von Seiten der Griechischzyprer verhandelt wird? Er findet nämlich, die Türkei habe in letzter Zeit alle wichtigen Firmen, Posten etc. besetzen lassen von Festlandtürken ın Nordzypern. Sogar im nationalen Fernsehsender BAYRAK sei nun ein Türke der Chef.

Die kaufen allen Grund und Boden auf, der einigermaßen gut gelegen ist, meint Levent. Könnt ihr denn nicht sehen, dass wir bereits zu einem Teil der Türkei geworden sind? Diese Frage seinerseits ist gewiss etwas überspitzt, doch ganz unangebracht scheint sie denn auch wieder nicht zu sein. Im letzten Jahr hätten sich die Türken auf Zypern breiter gemacht, denn jemals zuvor, findet Levent. Einerseits wird verhandelt und andererseits wird abgeräumt.

Mit wem glaubt ihr eigentlich zu verhandeln, fragt Levent. Alle Hügel mit Aussicht haben sich türkische Hotels gekrallt. In Morfou, also der Stadt Güzelyurt, hat sich eine neue Uni eingerichtet, die aus der Türkei kommt. Jetzt nehmen sie sich den Hafen. 15 Unis gibt’s bereits ım Land. Die schreiben, sagt Levent, wir hätten hier 85.000 Studenten. Doch 55.000 davon sind taktische Studenten, meint Levent. Die anderen, die sich einschreiben, beschäftigen sich mit anderen Dingen. Man produziert eine Art Schwarzmarkt-Dynamik dergestalt, findet Levent und beschwert sich darüber.

„Bei uns herrscht eine türkische Identität und keine zyprische!“

Die Europäer sehen nicht, wie heutzutage die Kurden in der Türkei abgeschlachtet werden. Die gucken anstatt 100 Jahre zurück – zu den Armeniern. Das interessiert. Total blind für das, was gerade abgeht. So ungefähr mag Levent vielleicht ausgedrückt werden – frei übersetzt.

Die Türken werden im Norden nie zu einer Einigung kommen, schreibt er. Die haben sich da eingerichtet. Nichts drin mit Wiedervereinigung. Vergesst es!

Şener Levent scheint sich über Letzteres inzwischen im Klaren zu sein.

Und Präsident Anastasiadis?

Herr Akinci?

Was soll das Spiel, das außerdem genau so seit mehreren Jahrzehnten abgezogen wird. Jedes Jahr und mit jeder Regierungsübernahme werden Wiedervereinigungs-Hoffnungen in die Welt gesetzt, an deren Realisation gar niemand wirklich interessiert ist. Hoffnungen bleiben hier auf Zypern bezüglich Wiedervereinigung Hoffnungen. Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass in türkischen Volksliedern wie auch griechischzyprischen sogenannte Vergebliche-Liebe das Thema Nummer 1 ist: „ … ich schließ Dir Deinen Mund mit tausenden Küssen …“, dieser Refrain eines populären Liedes wird auf Griechisch beispielsweise gern und oft gesungen. Ich weiß nicht so recht, ob das auch noch zur Wiedervereinigungsproblematik passt?

Read Full Post »

Der Humanitäre Weltgipfel in Istanbul ist also der letzte Witz, den Politiker für wen noch mal veranstalteten?

Wir haben auch alle kräftig gelacht.

Humaner Worthülsengipfel wäre doch gewiss die richtigere Bezeichnung für den Gipfel. Und siehe da. Wer tat sich darin hervor? Der mit dem Kleinen, der einem Wurmfortsatz ähnelt auf der Karte: Zypern.

Genauer war es ja der Herr Präsident namens Anastasiadis Nikos. Einst wollte dieser dem Ananplan 2004 zustimmen, den Papadopolous und die AKEL dann doch noch attackierten, als sie den Wählern sagten, stimmt mit Nein – und jetzt das.

Was lehrt uns das?

Es wirft zumindest die Frage auf, ob Herr Anastasiadis dem Ananplan damals nur aus kühler, eiskalter Berechnung zustimmte, aus Machtgelüsten, um Präsident zu sein? Das ist er ja dann auch geworden ohne die angeblich ersehnte Wiedervereinigung, nachdem die AKEL den Karren namens Zypern ziemlich in den Dreck gesetzt hat.

Sieht man sich an, was so am Rande dieses eher nutzlosen Worthülsengipfel in Istanbul geschah, kommt man nicht umhin, viele Fragen zu stellen und die Seriosität griechischzyprischer Politik in den Kindergarten zu verweisen.

Was war geschehen?

Da reist der Anastasiadis als Präsident Zyperns (aus seiner Sicht Gesamtzyperns) in die Höhle des Löwen, nach Istanbul. Bekanntlich liegt „Konstantinopolous“, wie die Griechischzyprer zu dieser Stadt noch heute mit Vehemenz sagen, in der heutigen Republik Türkei. Gut, aus Sicht vieler griechischer Nationalisten ist Istanbul eine besetzte Stadt. Herr Präsident hatte allerdings keine Bedenken, in so eine Stadt zu fliegen. Wahrscheinlich war er darauf programmiert, es dem Türken, vorrangig Erdogan, zu zeigen. Denn er hatte sich ja nach zähen und fast endlosem Gerangel im Verbund mit dem Rest der EU darauf geeinigt mit Ankara, dass Ankara Zypern anerkennt und dafür Türken in die EU mehr oder minder Visa-frei einreisen werden können u.a. Dass Letzteres heftig debattiert wird und angeblich doch nicht realisiert werden könnte, zeigt uns all abendlich die Tagesschau oder Heute im Zweiten.

Dass Erdogan ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Westen hat, dürfte auch dem letzten Westeuropäer schon aufgefallen sein. Doch wollen wir dieses Thema nicht ausweiten und bei der Zypernangelegenheit bleiben.

Nun, wer es noch nicht wissen sollte: Erdogan spricht unverblümt davon, notfalls auch ohne die EU den Laden namens Türkei schmeißen zu wollen zukünftig. Er findet wohl, sein Land sei zur Genüge an der Nase herumgeführt worden. Genug ist genug!

Der Präsident Nordzyperns ist ein armes Würstchen. Sein Name ist Akinci Mustafa. Er hängt von der Türkei völlig ab. Er hängt aber auch von den Europäern ab. Er hängt in der Landschaft wie ein Boxsack. Und Erdogan trat zu und traf den hängenden Sack. Er ließ Akinci zum Gipfel einfliegen. Ob Letzterer das gerne getan hat, sei dahingestellt. Doch was kann das arme Würstchen schon tun? In die Hand beißen, die ihn einigermaßen sicher seit 1974 füttert? Also setzte er sich ins Flugzeug und flog nach Istanbul zu diesem Gipfel. Erdogan hatte ihn zum Abendessen geladen. Und was tut unser guter Herr Anastasiadis? Er erfüllt voll und ganz die Erwartungen, die Erdogan in ihn gesetzt hat. Er bleibt dem Essen fern, weil Mustafa, der wie er ursprünglich aus Limassol kommt, anwesend ist.

Ein Fehler sondergleichen. Anastasiadis hätte diesem Erdogan den Wind aus den Segeln nehmen können und müssen. Er hätte sich ein noch größeres Andenken als einer seiner Vorgänger, Thassos Papadopolous, im Gedächtnis der Zyprer setzen können. Alles, was er dazu hätte tun müssen zu Tisch an jenem Abendessen, ist, sein Glas anzutippen, um das Recht zu erhalten, kurz an die Runde etwas sagen zu dürfen, um dann zu sagen:

„Lieber Herr Akinci, schön Sie hier zu sehen, auch wenn Sie außer von der Türkei ansonsten von niemand anerkannt werden als Staatsoberhaupt, doch daran arbeiten wir ja höhöhö! Unsere Verhandlungen bezüglich der Zypernfrage sollen unbedingt einen Abschluss haben, noch dieses Jahr, und darum freue ich mich, dass Sie hier sind und mich in meiner Funktion als Präsident Gesamtzyperns unterstützen wollen. Nehmen Sie Platz, bitte!“

Und was macht Anastasiadis? Er geht schmollen. Und die Nationalisten auf der Insel stimmen den Tag danach voll mit ein. Frau soundso von der UNO hats eingefädelt, verbockt, eine Provokation schlimmsten Ausmaßes bla,bla,bla!

Zypern hat mal wieder eine große Chance vertan, Anastasiadis hat sie vertan, als kleiner Wurmfortsatz im Meer endlich einmal Größe im Politischen zu zeigen.

Die nationalistischen Wadenbeißer daheim auf der Insel, was gehen die Anastasiadis an? Was nimmt er auf diese Ewiggestrigen Rücksicht? Er ist keine 40 mehr. Er wird nicht wiedergewählt.

Erdogan hat einmal mehr die Frage aufkommen lassen, ob den Worthülsen der Griechischzyprer vielleicht doch nicht so ohne Weiteres vertraut werden kann? Und wer die Ansprache Herrn Anastasiadis liest oder hört, die er auf dem Gipfel hielt, weiß nun eventuell, dass es wohl wirklich nur Worthülsen sind und waren, die er von sich gab und gibt, wenn er von Friede, Freude, Eierkuchen spricht, der auf der Insel anvisiert sein soll.

Ihnen kann ich es ja sagen, verehrte Leser:

Diese Worthülsen entlässt Herr Anastasiadis andauernd und schon fast überall. Dass er sie auf dem Gipfel ablesen musste, kann hier eigentlich niemand verstehen, weil er müsste das Zeug schon längst in seinen Träumen träumen und auswendig vorsingen können. Mit der Realität, wie sich zeigt, haben seine Worthülsen offenbar wenig gemein. Und das ist eigentlich schon die Antwort auf das Ergebnis der Wiedervereinigungsverhandlungen? Wahrscheinlich schon. Leider.

Dass Akinci Zuhause bliebe und nicht nach Istanbul geflogen wäre, um der Einladung Erdogans nachzukommen?

Der Mann will essen. Der Mann will seine Leute nicht durch noch härtere Zeiten gehen lassen. Wie gesagt, er ist politisch ein armer Wurm. Hängt da wie ein Boxsack, jeder darf mal draufhauen!

Read Full Post »

Südosteuropa!

Gibt es das überhaupt!

Und wo endet es, wo fängt Südosteuropa an?

Zypern liegt im südöstlichen Europa, so weit südlich sogar, dass eigentlich von einem Teil Asiens gesprochen werden müsste. Afrikas?

Nordwesteuropa ist streng genommen der geografische Gegenpart zu Zypern in Europa. Und dass Briten, Bretonen und Schotten nicht in Europa leben, davon wüssten wir. Stimmt’s?

Also liegt Zypern in Europa!?

In westlichen Augen war Zypern gewiss lange Zeit ganz klar ein Teil des Ostens, des Nahen Ostens, der Türkei. Auch wenn die Venezianer, Engländer und andere westliche Mächte zeitweise die Insel unter ihrer Kontrolle hatten. Manche befürchten noch immer, dass Putin seine Fühler gen Zypern ausstrecken könnte, so wie er es kürzlich auf der Krim getan hat. Noch gibt es meist nur russische, türkische und persische Touristen aus dem Osten. Rumänen und Bulgaren, Moldavier und Ukrainer, die kommen eher zum arbeiten.

Bekanntlich waren die Perser und Türken für Länger im Besitz der Insel und überzeichneten das vormals afrikanische und nahöstliche Erbe mit ihrer östlich geprägten Anwesenheit, die eher etwas orientalisch zuweilen in die Herzen der Zyprer gelangte.

„Südosteuropa“ suggeriert irgendwie unweigerlich, keine feststehende Größe zu sein, wie es der „Osten“ oder der „Westen“ für uns tun. Es ist uns ein Mix, obgleich der Westen beispielsweise auch ein gemixtes Wesen aus vielen Ländern ist. Würde das Osmanische Reich offiziell nie untergegangen sein, wer weiß, dann wäre der Südosten Europas wahrscheinlich als große Einheit, als ein Block in unseren Köpfen verortet.

Vielleicht ist es gar nicht so unangebracht, davon auszugehen, dass die Briten und Osmanen die Insel eigentlich nie verlassen haben. Obgleich, die Briten unserer Zeitrechnung ließen über ihren Botschafter in Nikosia vor ein paar Tagen verlautbaren, dass im Fall einer zukünftigen Lösung der Zypernfrage, sie einen Teil ihrer Militärbasen bereitwillig zurückgeben werden. Allerdings bedeute das nicht, sagte der Botschafter, dass die Basen ganz aufgegeben würden. Und das wird neuerdings wieder von einigen griechischzyprischen Politikern vernehmlich gefordert. Zypern sei strategisch einfach zu günstig gelegen und, man höre, für Europa von Wichtigkeit.

Na ja, und als Überbleibsel des Osmanischen Reichs, erlaube ich mir ganz keck die Republik Nordzypern zu nennen. Zwar ritten die Türken dort unter Ecevit 1974 ein, doch das taten er und seine Mitstreiter auch, um diesen Teil des osmanischen Erbes zu ‚retten‘ – kompromisslos.

Apropos, es ist noch längst nicht ausgemacht, dass es zu der lang versprochenen Wiedervereinigung der Inselteile Zyperns dieses Jahr kommt. Zwar hat der Parteivorsitzende der DISY vor kurzem mit einem Politiker aus dem türkischzyprischen Norden geradezu feierlich die Grenze in Richtung Norden überschritten, um „drüben“ vor der alten Karavansaray Musik, Reden und dergleichen mehr in die laufenden Kameras zu entlassen. Ein paar Tage danach sah ich ihn in gewohnter Umgebung sitzend, und er sprach mal wieder von der Wiedervereinigung. Zu meiner Überraschung sprach er in diesem Zusammenhang davon, dass aber die Stadt „Morfu“ zurück gegeben werden müsste von den Türkischzyprern, ansonsten wäre nichts drin mit Wiedervereinigung.

Diese Argumentation ist schon etwas schräg vor dem Hintergrund der tollen Worte und Absichtserklärungen an der erwähnten Feier, wenn man zudem bedenkt, dass es ja nicht die Türkischzyprer waren, die den Annanplan im Jahr 2004 ablehnten. Außerdem sind es die Nordzyprer ausgerechnet, die mit dem inselweit knapper werdenden Gut Frischwasser aus der Türkei versorgt werden und bei Bedarf gewiss auch schon bald mit Strom.

Die Russen haben ihre Arbeiten am Atommeiler gegenüber Zypern auf dem Boden der Türkei gerade eingestellt, weil die Türkei und Russland bekanntlich dabei sind, eventuell einen Nebenkriegsschauplatz aufzubauen oder sich offen zu halten. Diese unerfreuliche Tatsache steht wahrscheinlich auch nur hier geschrieben. Die wird seit je her beflissentlich verschwiegen.

Die Trümpfe sind längst noch nicht ausgespielt im Südosteuropa-Poker. Keiner lässt sich in die Karten sehen und niemand kann abschließend sagen, welche Richtung dieser Poker inmitten der anderen Konflikte, die über und an Zypern vorbei laufen, letztlich nehmen wird.

Erdogan hat sich derzeit auf die Kurden im eigenen Land eingeschossen. Angela Merkel wird Erdogan demnächst aufsuchen und daran erinnern, dass die Türkei nun endlich mal beginnen müsste, den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Das fordern ausgerechnet diejenigen, die bei 1,5 Millionen Flüchtlingen im Land laut zu stöhnen beginnen und die Säcke voller Geld haben. So weit hier bekannt ist, haben die Europäer die 3 Milliarden Euro an Ankara noch nicht überwiesen, um den Job, Flüchtlinge von der Flucht nach Nordeuropa abzuhalten, für sie auszuführen.

Gerade stehen zigtausende Flüchtlinge auf der syrischen Seite des Grenzverlaufs zur Türkei und Ankara meint, die könnten nun nicht mehr in die Türkei einreisen. Ankara wolle ihre ‚Betreuung‘ in Syrien selbst vornehmen. Wir alle vernehmen dazu staunend: Die EU fordert die Türkei auf, die 60.000 oder mehr Flüchtlinge umgehend in die Türke einreisen zu lassen!

Ich sehe im Geiste bereits das lächelnde Gesicht von Herrn Davutoglu und das etwas zerstreut und getrieben wirkende mit nach unten hängenden Backen von Frau Merkel, wenn sie sich vor den TV-Kameras demnächst wieder zeigen werden und sich „Kooperation“ versprechen.

Es sei daran erinnert, dass in der Türkei über 3 Millionen Syrer sein sollen. Die meisten Syrer sind zwar Muslime, wie die meisten Türken auch, und waren mal ein Teil des Osmanischen Reiches und daher auch mental etwas vertraut mit türkisch geprägten Kulturkreisen. Letztendlich sind den meisten Türken die Syrer aber in etwa so fremd wie den meisten Deutschen Türken.

Arabisch und Türkisch haben nichts gemeinsam außer einigen Worten, die im schlechtesten Fall noch nicht mal mehr das selbe bedeuten oder bezeichnen.

Ist die Rede von Südosteuropa, denkt man vordringlich an Bulgarien, Rumänien, Moldavien, Griechenland und auch Teile der Türkei (Trakien). Der „Balkan“ ist sonderbarer Weise eine Dimension für sich, was wohl damit zusammenhängt, dass ab 1991 sich die ehemaligen Teilstaaten Jugoslawiens vehement daran störten, mit dem östlich von ihnen gelegenen Russland in einen Topf geworfen zu werden. Im Zeitalter des Nationalen wird halt das Imperiale gering geschätzt. Und das ist womöglich so seit dem Aufkommen des ersten Nationalstaates in Frankreich nach der berühmten Revolution.

Die türkische Cumhüriyet Tageszeitung berichtete 2015 über die Lieferung von Waffen an islamistische Extremisten in Syrien. Diesen Job hatte der sagenumwobene türkische Geheimdienst „MIT“ übernommen gehabt. Ein recht guter Verbündeter des deutschen Geheimdienstes BND, wird gesagt. Die Journalisten, die das aufgedeckt haben wollen, woran eigentlich nur noch wenig bis gar kein Zweifel besteht, wurden von Erdogan selbst angezeigt und braten seither hinter Gittern. Es gibt da noch andere, die Erdogan gern zur Haft mit etwas Folter eventuell haben mag. Gülen.

Dass die USA den Prediger und Gründer der „Hizmet“-Bewegung an Ankara ausliefert, den Herrn Gülen, ist Erdogan noch nicht gelungen. Im Gegenteil. Die USA beschuldigen die Türkei derzeit sogar, alles andere als eine Rechtsstaatlichkeit im Lande walten zu lassen.

Die Hizmet-Bewegung ist in der Welt gut verlinkt. Zum Beispiel betrieben sie noch bis vor kurzem eine Schule im Jemen/Sanaa. Herr Gülen wohnt seit dem Jahr 1999 in Pennsylvania/USA. Mit seinem einstigen Spießgenossen Erdogan überwarf er sich im Jahr 2013 – wegen irgendeinem Kuddel-Muddel in Geldangelegenheiten, versteht sich.

Wie sagte Herr Demirtas, Parteivorsitzender der mehrheitlich kurdischstämmigen, türkischen HD-Partei, die kürzlich erneut ins türkische Parlament gewählt wurde zum Missfallen Erdogans und seinen Parteigängern der AKP, indem er die Ausdrucksweise Erdogans aufgriff:

„Es wird hier kein Krieg im „Osten“ geführt, sondern ein Krieg gegen die Kurden.“

Leider ist die Rolle, die Erdogan im Syrienkonflikt einnimmt, eine eher seltsame. Bei den Friedensverhandlungen in Genf spricht er sich vehement dagegen aus, dass die syrischen Kurden (YDG-H) am Verhandlungstisch sitzen. Seine Begründung: die sind Terroristen wie die PKK in der Türkei, deren Erfüllungsgehilfen, deren rechte Hand. PUNKT.

Sonderbar daran ist, dass die USA und die EU diese Argumentation Erdogans und seiner AKP schlucken, also zumindest so schlucken, dass Erdogan weiterhin diejenigen bombardieren und/oder ausschließen kann an Verhandlungstischen, die zum einen auf dem Boden gegen den Islamischen Staat kämpfen, und zum anderen schon längst einen zumindest autonomen Status verpasst bekommen hätten müssen – auch in Syrien.

Nun, Erdogan hat ein ‚gutes‘ Vorbild: die Israelis. Die vorenthalten den Palästinensern schließlich schon seit der Existenz des Staates Israel das Recht, einen eigenen Staat zu haben.

Israel ist wesentlich daran beteiligt,dass der Islamismus um uns herum sich im Laufe der Zeit aufgetürmt hat und wächst und wächst bis sogar in manche Kirche, die notfalls mit muslimischen Flüchtlingen temporär angefüllt wird.

Bevor es den Islamischen Staat gab, gab es bereits al-Qaida und noch ganz andere islamistische Organisationen. Die erstere ist jedenfalls noch immer herum. Die hatten und haben in ihrer Argumentationskette vor allem diese Israel-Palästina-Ungerechtigkeit als einen der Hauptgründe für ihre unüberhörbaren Attacken gegen den Westen im Portefeuille – und ihre Radikalisierung.

Angeblich, sagt Ankara, erhielt die YDG-H direkt Befehle von der PKK und außerdem würden Teile der syrischen Kurden mit dem Assad Regime zusammenarbeiten. Mal ganz zu schweigen davon, arbeitet Erdogan schon längst wieder dicke mit Israel zusammen. Das ist außerdem bislang auch unausweichlich. Und daher hätte er sich und uns sein Geschreie und Protest sparen können, als die Israelis taten, was sie gegen Palästinenser zu oft tun: Sie töteten einige Aktivisten der türkischen Mavi Marmara, die Hilfsgüter nach Palästina bringen wollten.

Außer Erdogan hat eigentlich niemand dagegen angeschrien. Jetzt klüngeln sie wieder im Geheimen und wir dürfen uns fragen, welche Angelegenheit wird gerade besonders beklüngelt und wer wird dann als Ergebnis eins auf die Mütze kriegen, wer daran ganz besonders sein Süppchen kochen?

Ach ja, 1999 wurde außerdem auch Abdullah Öcalan (PKK) verhaftet, und zwar ist das auch das Jahr, in dem Fethullah Gülen die Türkei verließ. Öcalan kam in Haft auf ziemlich sonderbarer Weise: über Moskau, Rom und irgendwo in Ostafrika und Gülen weniger spektakulär, doch nichts desto trotz merkwürd genug, dass er nach Pennsylvania/USA floh, wo man so einen Mann einer muslimischen Bruderschaft zuletzt hin flüchtend gedacht hätte. OK, das stimmt. Er ist wie Erdogan sehr auf Geld und Reichtum fixiert. Das ist ja erst mal nichts Verwerfliches.

Ein seltsames Phänomen soll den YDG-H-Kämpfern neuerdings eigen geworden sein: Sie spielen sich sozialistisch atypisch plötzlich als Sittenwächter auf. Nichts mehr drin mit Kartenspielen gegen Geld, ‚leichten‘ Mädchen oder Jungs, kein Alkohol in ihrem Machtgebiet etc. Volkstribunale anstatt.

Sollten diese Informationen über die neue Moral der YDG-H-Kämpfer zutreffen, so darf davon ausgegangen werden, dass dieser Ruck ins moralistische, pseudo-islamistische Lager auch die PKK erfasst oder bereits teils erfasst hat. Das wäre dann wohl ein Kollateralschaden sondergleichen, den die Regierenden in Ankara mit verantworten. Denn sie und ihre Vorgänger der damaligen, türkischen Wohlfahrtspartei unter Erbakan, Ziehvater Erdogans und sein späterer Feind, haben das Land kräftig in diese Richtung gezogen.

Uns allen ist noch der ägyptische Präsident Mursi vor Sisi in Erinnerung, der im Lande eine ähnliche Islamisierung bewerkstelligt hatte und an die Macht gekommen, sein wahres Gesicht viel zu flott offenbarte.

In der Türkei unter Erdogan machen es islamistische Kreise zeitlich etwas in die Länge gestreckter. Was durchaus als klug bezeichnet werden darf. Mal sehen, ob Erdogan endlich seine Verfassungsänderung demnächst erhält, weil eigentlich ist die etwas zu eilig angebahnt, um als Präsident nach dem Vorbild des US-Präsidenten, beispielsweise, alleine herrschen zu können – wie ein Sultan.

Wo diese Entwicklung noch landen wird, ist im Bezug auf Zypern klar, wenn sie denn so verläuft: Sie wird in Zypern landen. Nicht allein, dass die vielen Festlandtürken in Nordzypern bereits nachweislich gläubiger wurden und weiterhin werden, die inzwischen mehrheitlich mit türkischzyprischen Pässen ausgestattet sind. Nein, nun scheint im Lichte dieser aufgezeigten Entwicklung, wenn sie denn eintritt, auch eher gegeben, dass die vielen Nordzyprer, die kurdischer Herkunft sind und bislang eher als säkular Denkende eingestuft werden konnten, allmählich in diese islamistischere Richtung sich bewegen werden.

Auf Gesamtzypern bezogen dürfte das unweigerlich dazu führen, dass die ziemlich sperrige griechisch-orthodoxe Geistlichkeit Zyperns sich dadurch gern verleiten lassen könnte und entsprechend aufdrehen wird, um „das Christentum zu retten“. Schließlich sieht man sich im südöstlichen Mittelmeer auch als eine Art Speerspitze des Christentums im, mit Verlaub, islamischen Sumpf.

Angenommen all das zuvor Erwähnte kommt so ähnlich zur Wirkung 1 – 2 Jahre nach Wiedervereinigung Zyperns, denn etwas Zeit braucht es gewiss schon, bis diese Welle merklich auf Zypern ankommen wird, dann guten Nacht, wenn keine Vorkehrungen getroffen wurden.

Ansonsten wäre die von vielen erwünschte Wiedervereinigung vor dem gezeichneten Hintergrund eher der Grundstein dafür, dass sich die Volksgruppen auf der Insel – wie beinah im gesamten Nahen Osten – an die Gurgel springen. Einer der Gründe dürfte die durchaus herrschende Neigung sein, sich als Märtyrer zu begreifen. Dass die religiöse Obrigkeit den Zeitpunkt gekommen sieht, seine Auslegung der Wahrheit auf Biegen und Brechen ‚verteidigen‘ zu müssen. PROST, MAHLZEIT!

Die schweizerische Tageszeitung NZZ zeichnet ein Szenarium andernorts, das vor dem oben gezeichneten Verlauf die Zyprer wirklich endlich sich schnell vereinigen lassen sollte, und das kann aber eigentlich nur von Erfolg gekrönt sein, wenn der Orthodoxie davor ihr zukünftiger gesellschaftlicher Platz zugewiesen wird, und zwar mit aller Härte: in der Kirche und in den Klöstern und raus aus der Innen- und Außenpolitik! Ansonsten ist das (alte) Debakel vorprogrammiert.

Nun zum Szenarium als ‚Vorkoster‘ des Debakels, welches die NZZ in anderem Zusammenhang wiedergibt:

„In Cizre [Türkei], wo seit Dezember eine umfassende Ausgangssperre gilt, harren seit neun Tagen mehr als zwanzig Verwundete in einem einsturzgefährdeten Gebäude aus. Laut Berichten von Nachrichtenagenturen sind inzwischen sechs Personen ihren Verletzungen erlegen. Ambulanzen hatten vergeblich versucht, die Verwundeten zu bergen. Die prokurdische Demokratische Partei der Völker (HDP) wirft der [türkischen] Regierung vor, den Rettungseinsatz zu behindern und sogar Helfer ins Visier zu nehmen. … Aus Protest gegen die dramatische Lage in Cizre befinden sich drei Parlamentsabgeordnete der Oppositionspartei seit letztem Mittwoch im Hungerstreik.“

Read Full Post »

Es besteht Hoffnung, dass die Zypernfrage bald zu den Akten gelegt werden kann. Es besteht in Teilen der Administration der Republik Zypern noch immer eine Zugeknöpftheit, die an ‚gute‘, alte DDR-Zeiten erinnert.

Ein Türkischzyprer fragte mich gestern das Folgende: „Wie können die Griechischzyprer erwarten, dass man sie als vollwertig nimmt in der Welt? Wie soll jemand daran glauben, dass sie sich geändert haben und das Gesetz respektieren?“

Der in Zweifel getauchte Wutausbruch dieses zyprischen Bürgers beruht auf der Tatsache, dass Herr Hamboullas Evegios auf seinem Facebook-Konto zu sehen ist, wie er vor einem Teller zum Essen bereit sitzt, der gegrillte Singvögel drauf hat.
Herr Hamboullas ist nicht irgendwer, sondern ein Abgeordneter der führenden DISY-Partei. Ein Mitglied des Umweltkommitees im Parlament ist er auch noch. Man stelle sich das mal vor! Im Umweltkommitee sitzt so ein Mensch und meint, es gehe niemanden etwas an, wen oder was er in sich stopft. Denjenigen, der ihm die Singvögel zubereitet und/oder verkauft hat, will der MP nicht preisgeben. Warum auch, wo der Staatsanwalt meint, anstatt ihm eine Strafe aufzubrummen, genüge:
„Die Strafe wird ihm die Wählerschaft präsentieren!“
Hä?
Weil was wenn die Wählerschaft diese Straftat wenig ernst nimmt, vielleicht sogar mehrheitlich der Meinung ist, dass dieses Gesetz eh abgeschafft gehört? Nicht umsonst ist Zypern für seine klebrigen Vogelfallen mit süßem Vogelpiepsen vom Band und ‚kulinarischen‘ Singvögel-Gerichten in der Kritik. Es handelt sich hierbei um eine Art Tradition der Insulaner, die auszurotten, nicht einfach zu sein scheint. Bei diesem Thema reagieren Zyprioten allgemein eher zugeknöpft.

Für die Außenpolitik, wie auch das Image der Insulaner, sind solche Vorfälle reines Gift. Ich erinnere das Gespräch an einem Postschalter in der Stadt Basel, wo die Angestellt sagte, die sah, dass das Päkchen nach Zypern geht:
„Dorthin, wo Singvögel gekillt werden, fahre ich ganz gewiss nicht!“

Wie gesagt, die Aufregung ist nicht allein wegen dem Verzehr von Singvögeln eines Abgeordneten der Regierungspartei entflammt, sondern auch, weil die Justiz der Republik Zypern nicht – vorerst zumindest – einschreitet, und anstatt ziemlich sonderbare Argumente für ihr Nichtstun in die Welt setzt.
Scheint aber nicht groß zu jucken, obgleich gesagt werden muss, dass sogar in der konservativen, politisch eher rechtsstehenden Fileleftheros Tageszeitung auf der ersten Seite drei zyprische Prominente mit Plakaten gegen den Verzehr von Singvögeln abgedruckt waren. Einer der Prominenten ist ein Schauspieler, der in einer sehr beliebten Fernsehsendung mitspielte, die wiederum in dem auf Deutsch verfügbaren Buch „Gesellschaft der Proleten“ von Kaisar Mawratsas analysiert und als Beweis des herrschenden Proletentums der Insulaner geradezu stellvertretend verwendet wird (verfügbar über Amazon: http://www.amazon.com/Gesellschaft-Proleten-Zypern-German-Edition-ebook/dp/B00W9WDSUG ).

Im Außenministerium Zyperns wird man im Gespräch zuweilen durchaus an das erwähnte Buch von Herrn Mawratsas erinnert. Dass es womöglich diplomatisch klüger wäre, sich an der EU-Zahlung von 3 Milliarden Euro an die Türkei zu beteiligen, um die Welle von Flüchtlingen in Schach zu halten, wurde geradezu klassisch, sozusagen, abgeschmettert. Altbekannte Rhetorik und ein abgehalftertes Feindbild prasselten hier thematisch angekommen nieder: die Türken okkupieren unser Vaterland, Erdoğan und seine Politik sind so und so und noch ganz anders etc. Keine Kompromissbereitschaft. Beinhartes Dagegenhalten. Zugeknöpft bis oben hin!

Dass sich Brüssel den zyprischen Anteil an den 3 Milliarden eh irgendwie reinholen wird, davon darf ausgegangen werden. Darüber kann wenig hinwegtäuschen. OK, großen Teilen der zyprischen Öffentlichkeit wird man dieses Detail vielleicht verschweigen und es entsprechend wahltechnisch ausschlachten können.
Doch was bringts der Sache?
Man sollte der Türkei vielmehr demonstrieren, dass an Zypern kein Weg vorbeiführt in der EU. Was hört man anstatt im Außenministerium: Wir haben den Türken bereits schon ermöglicht, letztens, überhaupt in Brüssel am Gipfel teilnehmen zu können.
Oh, wie toll!
Wenn ihr diesen Schritt schon getan habt, wäre es da nicht eher angebracht, sich als nächsten Schritt ganz offen zur Zahlung der 3 Milliarden zu bekennen – Zypern müsste dann mit einem Anteil von 500.000 Euro mindestens rechnen, der aber aus irgendwelchen Gründen sich durchaus auf 1 Million am Ende des Tages belaufen könnte.
So what?
Das muss einem doch wohl das hehere Ziel Wert sein, das Land zu einigen. Schließlich haben die Deutschen seinerzeit die DDR sogar anerkannt, um durch Annäherung das Eis zu brechen. Guten Willen zu zeigen, ist gefragt, doch im zyprischen Außenministerium scheint der Wind noch immer in die andere Richtung zu wehen – zumindest in dieser Abteilung im Gebäude.

Auch von daher ist die anscheinend tolle Entwicklung, die auf Grund der Verhandlungen zwischen den beiden Inselteilen inzwischen verzeichnet werden soll können, mit Vorsicht zu genießen. Anderen Quellen zufolge – türkischen, deutschen wie auch zyprischen – ist den Russen, wenn überhaupt, eine eventuelle Wiedervereinigung Zyperns im Jahr 2016 zu verdanken, die diese aber vielleicht gar nicht wollen.
Ja, die Angelegenheit namens Zypernfrage ist schon seit Längerem etwas kompliziert. Man hat irgendwann begonnen, einfach zu regelnde Dinge, zu verkomplizieren!

Foto-0039

Wie Putin, den Stolz Präsident Erdoğans herausfordernd, wiederholt betont, hätten sich die Türken gleich nach dem Abschuss des russischen Kampfjets vor kurzem nach Brüssel gewendet, anstatt zuerst mal in Moskau anzurufen, um die Sache zu erklären. Sie versteckten sich im Hinterteil der USA, glaube ich, als Aussage Putins vernommen zu haben.
Gestern sah ich im TV einen eher zynisch lächelnden israelischen Diplomaten neben Erdoğan stehen, der ziemlich amüsiert gewesen zu sein schien, den Türken als Bittsteller plötzlich auf dem Trapez zu haben. Erdogan ist offensichtlich des zunehmenden Drucks aus Moskau wegen bei den von ihm wenig gemochten Israelis angekrochen gekommen. Wenn das nicht ein eindeutiges Zeichen dafür ist, dass die Kacke am dampfen ist?

Der Sultan vom Bosporus muss sich allerdings noch fragen lassen, ob er den Bogen bewusst oder aus Dummheit oder Selbstüberschätzung überspannt hat mit dem Abschuss des russischen Jets? Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Ersteres vielleicht doch eher zutrifft – bewusst. Die Geschichtsbücher werden uns in einigen Jahren Auskunft darüber geben, nachdem die Archive geöffnet sind.
Jedenfalls: Die Crew um Erdoğan – wie auch er selbst – ist gar nicht so unausgeschlafen, wie man es vielleicht oft liest oder glauben mag. Das diplomatische Spiel der Türken ist wirklich beeindruckend und schlichtweg hoch interessant diese Tage. Im Irak weigert sich Ankara die paar türkischen Soldaten zurückzuziehen. Mit dem Iran will man einfach nicht. In Syrien wird man beschuldigt, den Erzfeind mit Waffen beliefert zu haben – den IS. Mit den USA ist man im Kriegseinsatz in Syrien. Von Deutschland erhält man Waffen und Ausbildung (siehe Kahramanmaraş). Und mit Israel nähert man sich gerade wieder an, wohl wissend, dass die Israelis allgemein recht flexibel im Kopf sind und ihre Rechenaufgaben im Allgemeinen machen etc.
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Herr Anastasiadis, Präsident der Republik Zypern, hat seine Rechenaufgaben mit dem zuvor erwähnten „Nein“ – in Sachen 3 Milliarden für die Flüchtlingspolitik der Türkei – zwar gemacht, aber dabei die Höhen und Tiefen der internationalen Politik und Diplomatie nicht ausreichend ausgelotet. In gewissen Phasen, wie denen, wo gewisse Abläufe immer brisanter und herausfordernder – in der Region Östliches Mittelmeer beispielsweise – zu werden scheinen, darf der Präsident Zyperns sich nicht hinter einem eher bequemen „Nein“ verstecken, sondern sollte im Verbund mit seinen Partnern genau diese partnerliche Stärke nutzen und versuchen, seine Partner auf die zyprische Seite zu ziehen und sie dort zu halten. Nikosia kann es sich nur schwer leisten, an gewissen Verhandlungstischen nicht mit dran zu sitzen. Doch genau dazu führt so eine zugeknöpfte Haltung, offensichtlich. Es wäre ansonsten vielleicht schon längst mach- und vorstellbar, dass Zypern an Verhandlungstischen sitzt, wie an dem der eben erfolgten „Mini-Verhandlung“ mit der Türkei in Sachen Flüchtlinge. Anastasiadis hat vielen von jenen, die sich manchmal fragen, ob die Türken in der Zypernfrage nicht doch richtig liegen mit ihrer Sicht der Dinge, mit seinem Entscheid („Nein“) erneut Nahrung gegeben.

Betrachten wir es uns doch mal nüchtern: Was wurde nicht schon alles verloren, hätte die Republik Zypern den EU-Beitritt der Türkei nicht zu konsequent mit verhindert? Hätte sie die Vereinigung der zyprischen Insel im Jahr 2004 nicht an die Mauer, die Nikosia in zwei Teile trennt, fahren lassen, wer könnte Zypern inzwischen sein – wahrscheinlich derjenige, der es angeblich sein will, nämlich: Der Ort der Geborgenheit, der Prosperität und des Vertrauens in der Region.

Wahrscheinlich würde die Türkei jetzt dennoch herumkrebsen, um ein Vollmitglied der EU zu werden, hätten sich die Griechischzyprer 2004 für ein „Ja“ zum Ananplan durchgerungen. Die Republik Zypern wäre nun aus dem Schneider, wenn einige EU-Staaten Ankara zu Recht kritisierten, und ihr den EU-Beitritt verunmöglichten. Die Zugeknöpftheit Nikosias verhinderte die Einnahme dieser diplomatisch vorteilhaften Position gegenüber der Türkei. Es verhindert/e indes auch, als Broker in eigener sowie in allgemeinen Angelegenheiten in der Region, ja sogar EU-weit, sich einen Namen zu machen.
Nicht von ungefähr scheint die zyprische Diplomatie auf Großbritannien wenig Einfluss nehmen zu können – ganz zu schweigen davon, dass ihnen dies im Bezug auf Deutschland gelänge. Aufgrund der geografischen Lage sowie der historischen Verbundenheit mit Großbritannien hätte Zypern durchaus das Zeug (gehabt), eine gewichtigere Rolle in der EU zu spielen. Und dieses Manko in der Diplomatie des Landes ist im Grunde schon der Fall, seit die West- und Ostdeutschen in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts darum miteinander um die Gunst der Zyprer rangen, ihren Interessenbereich auf Zypern absteckten. Nikosia hat damals diese einmalige Chance nicht genügend genutzt, sondern vor allem auf kleine, kurzfristige Gewinne geschielt. Die zyprische Diplomatie hat ihr diplomatisches Gewicht nicht ausgebaut, was im Grunde bis zum heutigen Tag sich abzeichnet.

Das alles im Lichte der Abkommen betrachtet, die mit Griechenland, Israel und Ägypten von Seiten der Republik Zypern vor ein paar Tagen geschlossen wurden, um das Erdgas, welches im Meer vor den genannten Staaten liegt, zu fördern, bleibt uns, schlicht weg zu konstatieren, dass der Druck auf Ankara erhöht werden konnte. Es darf wohl gesagt werden, dass die beiden trilateralen Abkommen, die Zypern und Griechenland jeweils mit Israel und Ägypten separat eingingen, auch, doch nicht nur, als ein Druckmittel in Richtung der Türkei zustande kamen. Und sie scheinen vorerst ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Sie zahlen sich eventuell aus, wenn zutrifft, dass Erdoğan vor Putins Racheplänen in die Hosen macht, wie man sagt.
Erdoğan kennt Putin instinktiv gewiss besser als manch anderer. Beide scheinen im Wesen verwandt zu sein. Und bereits hie und da vorkommende kleine Scharmützel mit den Russen, müssen Ankara, aber auch ihre Nato-Verbündeten, beunruhigen – wenn all das so oder ähnlich nicht einem Plan folgt, der von der Türkei und anderen eingefädelt wurde.
Betrachten wir aber besser weiterhin Fakten, anstatt in Vermutungen zu ersaufen.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Das Erdgas, welches vor Zypern liegt, soll von reinster Qualität sein, wurde im Außenministerium Zyperns gesagt. Es ist also „reiner“ als das Gas, welches die Israelis bereits fördern oder die Ägypter gerade vor kurzem entdeckt haben. Merkwürdig erscheint, dass das zyprische Gas-Vorkommen, wenn überhaupt, dann von israelischen und US-Firmen gefördert und aufgefunden wurde und wird. Die italienische ENI soll ausgerechnet dort Bohrungen durchgeführt haben, wo leider nichts oder zu wenig zu finden war. Die Europäer sind also komischerweise nicht in diesem Boot – inwieweit die britische BP sich als europäisch sieht, sei dahingestellt. Bekanntlich drohen die Briten ja gerade mit ihrem Verlassen der EU, wenn sie diese und jene Sonderwurst nicht erhalten, wo sie doch eh schon zur Genüge EU-Sonderwürste verbraten. Es gilt abzuwarten, welchen sogenannten Kompromiss Brüssel mit London ausarbeiten wird.

Wenn der sehr kompetente und ganz und gar nicht zugeknöpfte Herr Zodiates im Außenministerium Zyperns richtig verstanden wurde, verlassen sich die Zyprer nicht auf eigene Expertisen, Experten oder andere Europäer in der Angelegenheit Erdgas unterm Meeresboden, sondern eben auf israelische und us-amerikanische Technologie. In den zyprischen Medien wird immer wieder vom Erdgas als eine Art Heilsbringer geredet. Dem schließen sich auch die meisten zyprischen Politiker an. Blöd nur, dass die Preise für Erdgas und Erdöl auf unabsehbare Zeit im Keller bleiben könnten. Irgendwie glaube ich persönlich daran, dass dieser Trend nicht allzu lange anhält.
Ja, ob denn jemand wisse, fragte ich, ob das „Afrodite“-Feld zur Erdgasförderung der Zyprer im östlichen Mittelmeer mit dem der Israelis und/oder Ägypter nicht irgendwie verbunden sein könnte da unterm Boden des Meeres, irgendwo? Vielleicht sei es ja auch daher so, wie manche in Zypern vermuten, dass beim Fördern, Finden und Feststellen der Menge etc. alles so langsam voran geht, während Israel indes fleißig fördert – und vielleicht ‚aus Versehen‘ große Mengen des Erdgas‘, welches Zypern eigentlich zustünde, absaugt?
Als Antwort darauf verwies der Direktor für Energie und Maritime Politik Zyperns, Herr George Zodiates, darauf, dass mit Ägypten ein Abkommen bestehe, welches genau solche Fälle regelt. Allerdings sei man mit Israel noch nicht zu einem Abschluss diesbezüglich gekommen.

Es gibt also auch in anderen Bereichen gemeinsame Bemühungen, die letztens Ausdruck in der „Athens Declaration“ fanden, wo Griechenland, Zypern und Ägypten sich versprechen, die vielen Worte festgehalten in Deklarationen und gegenseitigen Treffen, endlich umzusetzen. Es wird in der Deklaration unter anderem auch davon gesprochen, in Sachen Wissenschaft und im maritimen Bereich effektiver zusammenzuarbeiten. Schön wäre gewesen, zu erfahren, dass das einst am Governors Beach geplante ozeanografische Institut (oder wie es genau heißen sollte) endlich das Licht der Welt auf Zypern erblickt. Daran konnte sich anscheinend keiner erinnern, außer, dass mit Ägypten eine Fischfarm geplant sei. Zypern habe in Sachen Fischfarms langwährende und gute Kenntnisse. Das stimmt gewiss, aber Grundlagenforschung würde der Republik Zypern im Bereich Meeresforschung gewiss auch gut zu Gesicht stehen – ganz zu schweigen davon, dass es für eine See-Nation (Schifffahrtsflotte, Insellage etc.) so etwas doch wohl erforderlich sein dürfte!?

Nebenbei konnte erfahren werden, dass Präsident Sisi anscheinend von „Olivenhainen im Sinai träumt“. Jetzt wissen wir also, warum Herr Sisi auch Zivilisten, auf der Jagd nach Terroristen, im Sinai ‚wegräumt‘.
Bekanntlich ist die Bevölkerung des Sinai ethnisch etwas unterschiedlich zu der auf dem ägyptischen Festland. Die Peninsulaner vom Sinai sind eher Verwandte der Jordanier, Saudis oder Palästinenser als der der Ägypter vom Festland, was sich auch in ihrer Sprache niederschlägt. Diese ist dem Hocharabisch näher als das Ägyptische. Die indigene Bevölkerung im Sinai wird schon seit vielen Jahren von Kairo unterdrückt. Leute vom ägyptischen Festland haben dort im Allgemeinen das Sagen, und zwar auf allen Ebenen. Es ist den Beduinen des Sinais beispielsweise noch heute untersagt, mit Touristen Kontakt auf zu nehmen etc. etc. (Tourismus ist derzeit eh abgelassen worden, weil die ägyptische Armee schnellst möglich blühende Landschaften ‚freilegt‘, oder wie man es trefflicher nennen soll).
Ein wirklich ‚guter‘ Einfall des ägyptischen Präsidenten: „Olivenhaine!“
Ganz unmerklich hat Präsident Sisi wohl auch daher begonnen, entlang der Grenze zu Teilen Palästinas im Norden des Sinais eine Art Sicherheitsstreifen anzulegen? Viele Dörfer wurden dazu eingeäschert, um es mal euphämistisch zu umschreiben, so geschehen im Herbst 2015.

Wie wir alle lesen können, steht in der erwähnten Athens Declaration auch so etwas wie, dass die Integrität eines Landes zu schützen und zu gewährleisten sei. Diesen Punkt scheint Präsident Sisi wohl auf seine Weise zu beherzigen im Sinai. Wäre man sarkastisch, würde geschrieben stehen: Ihm gebührt ein Olivenzweig als Anerkennung seiner Dienste in Sachen Friedenspolitik – der Friedensnobelpreis!?

Scherz bei Seite: Zur Haltung der Republik Zypern zur Kurdenfrage konnte im Außenministerium leider nichts in Erfahrung gebracht werden, obgleich die Kurden ja bekanntlich auch in der Türkei leben, sowie auf Zypern. Nikosia scheint zu diesem Phänomen oder Volk keine Pläne oder Kontakte zu unterhalten. Wie sich herausstellte, hätte zu Erdoğan und zum sogenannten Parallelstaat (Gülens) vielleicht mehr Einblick in die Türkeipolitik der Republik Zypern erhalten werden können. Eigentlich hätte die Bitte, in diesem Bereich des Außenministeriums keine Tonaufzeichnungen zu machen, gar nicht ausgesprochen werden müssen. Es wurde außer allgemein bekannter Information nichts davon Abweichendes, Neues, mitgeteilt. Wahrscheinlich wurden die ‚falschen‘ Fragen gestellt. Wahrscheinlich ist es besser, den Außenminister anstatt zu befragen, der sich zu diesem und jenem zumindest äußern darf.

Louis Temachou, Stellvertretender Direktor im Bereich EU, verwischte diesen eben charkterisierten, eher DDR-technokratisch ähnlichen Eindruck anschließend mit Bravur durch seine Offenheit und Bereitschaft, sogar über den Tellerrand seines Fachgebiets hinaus sich vorzuwagen, und mögliche Grenzen der EU und ihrer Zukunft vor den Ohren meines Aufnahmegerätes auszuloten. Zu erfahren war, um es in aller Kürze zu umreißen, dass die Republik Zypern im Grunde die Politiken der BRD mitzutragen gedenkt. Dass es lediglich unterschiedliche Meinungen in Sachen Geld gibt. Das heißt, die merkel-schäublische Sparpolitik wird wenig geschätzt. In Sachen Umgang mit Asylsuchenden und Großbritannien sowie darüber, dass die EU noch mehr zusammen wachsen müsse, stimmt man mit Berlin überein. Die Angelegenheit mit der Erweiterung des Mandats der Frontex war noch zu neu. Herr Temachou sagte, er hätte es „eben“ auf den Tisch bekommen, was zeigt, dass seine Abteilung wohl nichts anbrennen lässt.

Dank sei der zuständigen Sektion des PIO (Press and Information Office) ausgesprochen, aus der mich jemand netterweise auf dem kleinen Rundtrip durchs Außenministerium Zyperns begleitete. Die Sektion hatte diese Kontakte auf Anfrage meinerseits organisiert.

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Wünschenswert ist, dass Zypern sich in Sachen Türkei etwas mehr aufknöpft. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die zugeknöpfte Haltung sehr wohl zu einer Vereinigung der beiden Inselteile führt. Die Wiedervereinigung wird dann aber womöglich eher (weiterhin) durch exogene Akteure vorangetrieben worden sein; siehe hierzu beispielsweise den Druck, den Russland auf die Türkei derzeit ausübt.
Dieser oder ein anderer exogener Faktor könnte im Falle einer Vereinigung, die dem Vernehmen nach schon im Jahr 2016 geschehen könnte, dazu führen, dass die gelegentlich auftretende feindliche Stimmung der verschiedenen Teile der Bevölkerung Zyperns zunimmt, anstatt sie abzuschwächen – eben weil ein plötzlicher Wandel der offiziellen Verlautbarungen und Denkweise große Teile der Bevölkerung unvorbereitet treffen wird, der viele wahrscheinlich nicht folgen können und wollen.
Im Außenministerium wurde gesagt, man könne nicht schon jetzt damit beginnen, die Menschen auf eine Vereinigung einzustimmen. Niemand wisse schließlich, wann genau dieser Zeitpunkt kommen wird.
Zum einen wird in Reden der Regierungsvertreter davon geredet, dass die Wiedervereinigung 2016 passieren könnte, und zum anderen glaubt man in durchaus maßgelblichen Teilen des Außenministeriums ganz offensichtlich nicht an diese Wahrscheinlichkeit. Offenbar ist man in gewissen Kreisen darüber einig geworden, die Bevölkerung erst kurz vor Eintritt dieses Wiedervereinigungs-Ereignisses entsprechend darauf einzustimmen.

Wie 2004 die Abstimmung zum Annanplan zeigte, könnte derart kurzfristig gehaltenes Planen erneut dazu führen, dass einem weiteren Demagogen (siehe Papadopolous 2004 etc.) gelingt, die Meinung der Bevölkerung im letzten Moment contra Vereinigung zu beeinflussen.

Ganz nebenbei erhebt sich bei eben Gesagtem durchaus die Frage: Wer ist in Zypern wirklich der Souverän, eher das Volk, eher die Bürokraten und/oder die Politiker?

Read Full Post »

Die Hitze der letzten Tage ist gerade etwas gedämpft. Mag sein, dass das auch im Politischen zutrifft. Was die Türkei indes angeht, scheint die Politik der AKP unter Erdogan gerade an die Wand gefahren – das Vehikel brennt lichterloh.
Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, was so in etwa gerade abgeht in der Türkei, wurde ein Artikel vom 24.07.2015 in der Sözcü von dem ‚guten‘ alten Herrn Cölasan für Sie herausgefischt – weil der konnte schon damals, als er noch für die Hürriyet schrieb, die Regierenden unmissverständlich bekritteln.

„Liebe Leser! In der Türkei ist nirgendwo Sicherheit übriggeblieben. Den Platz des Staates haben Terrororganisationen eingenommen. Die sind jetzt für Sicherheit zuständig. Jede dieser Organisationen hat ihre eigene Sicherheit. Ein Abgeordneter der AKP hat vor ein paar Tagen die Lage in seiner Region beschrieben: „Wir werden hier von der PKK regiert. Es gibt hier Gerichte der PKK. Zum Beispiel ist deren normales Gericht in Van und das der Ebene darüber in Diyarbakir. Die Urteile, die die fällen sind zulässig. Berufung gibt es nicht … . Nur weil die Urteile schnell gefällt werden, ist die Bevölkerung zufrieden!“

In der Region nimmt der Terror zu und die Polizei kreuzt lediglich auf, wenn etwas passiert ist. Die Soldaten sind in den Kasernen. An der Grenze nach Syrien laufen die lediglich auf. An der Grenze hören Sie, [verehrte Leser], täglich von schwerem Kriegsgerät, Konvois, Rotmützen, Schützengräben, die ausgehoben werden. Dass etwas getan wird, doch was, das weiß niemand.

Nicht nur im Osten und dem Südosten der Türkei herrscht Unsicherheit. Das ist auch der Fall in Istanbul. Null-Sicherheit! Die Grenzen gleichen einem Sieb.

xxx

Nun werde ich die Darstellungen eines Kollegen von gestern wiedergeben. Er berichtet von der Lage im Land. Die Sabah-Tageszeitung berichtet also folgendermaßen: „ … Seltsame Gestalten sind den Mord in Suruc ausnutzend wieder aufs Trapez gekommen. Von Istanbul nach Mersin, von Diyarbakir nach Van haben dunkle Mächte die Straßen in ein Schlachtfeld verwandelt. Vermummte haben bis in den Morgen um sich geschossen, Bomben platzen lassen, Parteibüros und -häuser in Brand gesteckt. Provokative Kräfte haben sich mit der Polizei ein Shoot-Out geliefert. Molotof-Cocktails, Feuerwerkskörper und Steine flogen. Genau so sieht Vandalismus aus, den sie darstellten.“

Die geschilderte Sachlage der Kollegen der anderen Zeitung ist zwar unvollständig, aber sie stimmt. Was halt stimmt, das stimmt! Und wer verantwortet das?
Wo ist der Staat, wo die Regierung?

Gewiss haben Sie diejenigen im TV gesehen, die wegen der Angelegenheit in Suruc auf die Straßen in Istanbul gingen, um zu protestieren: im Parka, vermummt… . Und in ihren Händen halten sie automatische Schusswaffen. Die marschierten so durch Stadtmitte.

Nun, wo war die Polizei?
Die war nirgends!

Offensichtlich wurde ihnen angeordnet, sich dort nicht blicken zu lassen, damit nicht noch Schlimmeres passiert.

xxx

Wegen dem Vorfall in Suruc wurden in Ceylanpinar, Provinz Urfa, aus Rache 2 Polizisten zu Märthyrern. Im Osten, Südosten und verschiedenen anderen Regionen gibt es einen großen Tumult. Ein Terroranschlag nach dem anderen. Nun gerade noch einen Beitrag eines Kollegen von gestern, aus der Yeni Safak der Titelseite entnommen, wo auch ein Foto zu sehen ist: „Der Bandit wurde rasend. 13 Vehikel setzten sie in Brand. In Kagizman, Provinz Kars, haben so um die 30 bewaffnete Terroristen 8 LKW, einen LPG-Tanker, 2 Pick-Up und 2 PKW angesteckt. Die Busse, die gerade vorbeikamen, wurden angehalten und den Insassen die Handys abgenommen … .“

Fahrzeuge wurden also angezündet. Bis ins kleinste Detail gibt es Fotos davon.

Nun, wo ist die Polizei, wo der Staat?
Gibt’s nirgends!

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass das lediglich von Kollegen Berichtetes ist [, was er wohl besser dazu sagt, wo die Erdogan Administration immer rigoroser Journalisten und andere missliebige ‚Nörgler‘ wegstecken lässt. Die zitierten Kollegen sind eigentlich als AKP-nah verschrien].

xxx

Überall Terror in der Türkei. Was in der Presse darüber erscheint, macht vielleicht 1% aus – solange es nicht um Verbrechen geht. Die IS-Islamisten arbeiten verdeckt und geräuschlos. Erst wenn eine Bombe hochgeht, machen sie ein Geräusch. Die PKK hingegen operiert hörbar. Die haben sogar noch nicht mal mehr ein Problem damit zuzugeben, dass sie das Verbrechen in Ceylanpinar begangen haben. Die IS-Milizen sind bislang noch nicht auf den Straßen [offen] anzutreffen. Die PKK aber überall. Zusammen mit den beiden Terrororganisationen sind wir Nachbarn an der syrischen Grenze und begnügen uns damit, deren Künste zu begucken. Was anderes fällt [niemand offensichtlich] ein. Unsere großen Herren haben scheinbar einen leichteren Weg gefunden. Sie halten Reden gegen den Terror. Wir werden die Rechnung verlangen! Unser Land ist sehr stark usw.

xxx

Die PKK hat in Istanbul einen von der IS umgebracht. Hat niemanden interessiert. Die PKK ist mit langläufigen Waffen auf den Straßen … . Die Polizei in Istanbul ist abgetaucht [wahrscheinlich dorthin, wo sie aus den Huren, Zuhältern und anderen noch ein paar Lira rausschlagen kann, sagen wir, als Trostpflaster]. Wenn die nicht angegriffen werden, sind sie nirgends zu sehen.

Als ein Teil derjenigen, die in Suruc starben, in Istanbul beerdigt wurden, hat der Gouverneur von Istanbul eine Rede gehalten, die wahrhaft gehört werden muss:
„Die Bewegung, die dem Gesetz nach ungesetzlich ist, gegen die wird im Rahmen der geltenden Gesetze entsprechende Maßnahmen unternommen sowie Bestrafungen. Daran soll niemand zweifeln.“

Bravo! Solche Verlautbarungen werden wahrhaft prächtig werden… . Der Terrorist, der davon erfährt, wird auch sofort seine Waffe fallen lassen und sich verstecken, sich danach ergeben. Also, das bedeutet: Nirgends herrscht so was wie Sicherheit in der Türkei.

Die Aussichten sind düster, und der Staat und die Regierung, die gerade dran sind, haben nichts Wichtigeres zu tun, als sich um das Aufkommen von Neuwahlen zu kümmern.

Allah gebe uns Ruhe. Amen!“

K. Gürsel von der Milliyet wurde entlassen. Er hatte Erdogan kritisiert. Auf Twitter meinte er: „Das Erdogan-Davutoglu-Gespann hat die Sicherheit der Türkei durch ihre Syrienpolitik gefährdet. Und das habe ich schon immer gesagt. In Suruc wurde diese Bedrohung nun zur Tat. Der Verantwortliche für die Toten in Suruc ist die Syrienpolitik der AKP … Die ausländischen Führer, die aufgrund der Angelegenheit in Suruc mit der IS anrufen, um ihr Beileid bei dem auszudrücken, der dafür verantwortlich ist, ist eine Schande.“

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: