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Posts Tagged ‘Ersu Ekrem’

Präsident Anastasiadis trifft sie gerade alle.

Endlich angekommen in der Welt der politisch Großen?

Gewiss! Gewiss!

Sogar mit Palästina will er sich jetzt ins Benehmen setzen, und zwar wegen der viel gepriesenen Brückenfunktion, die zwischen Europa, Asien und Afrika unbestreitbar einzunehmen ist für die Republik Zypern. Mit Jordanien trifft man sich sowieso, unterzeichnet kräftig Abkommen und mancher Leser könnte sich wundern wegen so viel Engagement mit Amman, wo Jordanien ja nicht unbedingt am Mittelmeer liegt. Gleiches gilt in etwa auch für Ägyptens Führung, welche den EU-Rechtsnormen nun wirklich nicht entspricht. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Türkei ins Boot zyprischer Diplomatie kommt – Israel, Griechenland und Libanon sind sowieso schon diplomatisch versorgt in der Region mit dem Notwendigsten aus Sicht Nikosias; ja, sogar Nordzypern selbst und womöglich auch kurdische Verbände und Organisationen wären da durchaus noch dazu zu zählen, vielleicht sogar der ‘gute’, ‘nette’ Herr Assad? Letztere Verhandlungspartner sollen möglichst nicht in die Medien, also weg mit angeblichem Syrien- und Kurden-Kontakt der zyprischen Diplomatie?

Die Kurden könnten auf Zypern womöglich mit ihren Forderungen nach einem freien Kurdistan stillhalten, bis Ende 2016 die Wiedervereinigung auf Zypern ausbricht. Nach Berichten der deutschen Tagezeitung Welt sollen Öcalan-nahe Organisationen der Kurden ja sogar in Berlin–Reinickendorf neuerdings ein Büro eröffnet haben. Der ‘Botschafter’ darin ist Herr Sipan Ibrahim.

Dass die Kurden noch immer nicht miteinander können, also diejenigen aus Syrien und dem Irak, wie Herr Ibrahim dem Journalisten der Welt erzählt haben muss, bezeichnen nicht wenige als typisch. Dass Herr Ibrahim nicht all zu diplomatisch geschult oder beschlagen zu sein scheint, zeigt folgendes: Zuerst leugnet er, dass ein kurdisches Staatsgebilde in Rojava entstehen soll und dann erzählt er im Verlauf des Interviews, dass es schon schön wär, so ein eigener kurdischer Staat mit Flagge, einer nationalen Fluglinie etc.

Typisch.

Gewiss sind auf Zypern vermehrt Politiker anzutreffen, die finden, die kurdische Botschaft in Berlin gehörte eigentlich nach Nikosia oder zumindest nach Limassol verlegt. Bei so viel diplomatischem Engagement der Zyprer in der unmittelbaren Region fragt man sich wirklich, was Herr Siban Ibrahim davon halten würde. Die Kurden, wird gemunkelt, hätten prinzipiell und seit Jahrhunderten ein Problem, welches da ist: Letztendlich, und egal wie bescheiden und moderat sie auftreten mögen, schaffen sie es irgendwie nie – unter sich -, sich mit dem Spatzen in der Hand zufrieden zu geben! Den Zyprern könnte eine Einigung des Landes da doch schon eher gelingen, wenn … .

Allerdings spricht der Türkischzyprer Akinci, Präsident von Nordzypern, bereits ohne Rot im Gesicht zu werden davon, dass ein wieder-vereintes Zypern Ende 2016 dann wohl doch in den Frühling 2017 verschoben werden wird.

Vielen erscheint diese zeitliche Verlegung dieses Events, oder wie dazu gesagt werden darf, durchaus nachvollziehbar; und man stellt sich daher wahrscheinlich besser weiterhin auf St. Nimmerleinstag ein, der ja immer im Frühjahr sein soll.

Der Zusammenschluss britisch-türkischer Zyprer hat den folgenden offenen Brief an Präsident Akinci geschrieben:

Lieber Präsident Akinci!

Der Zusammenschluss britisch-türkischer Zyprer unterstützt die von der UN unterstützen Verhandlungen und deren Ziel, eine Lösung zu finden, die lebensfähig sein wird für Zypern. Doch im Licht der derzeit gegebenen Zerrissenheit bei den Verhandlungsgesprächen haben wir einige wirkliche Bedenken, die als Bedrohung des Friedens und der Prosperität der Türkischzyprer gesehen wird – und daher Zweifel am Bestand irgendwelcher getroffener Vereinbarungen, danach, aufwirft.

Vor dem Hintergrund, dass die Türkischzyprer letztlich ihren Entscheid an der Wahlurne abgeben werden, am Tag des Referendums nämlich, lässt unsere Abwesenheit und zu vermissende Repräsentation während der Gespräche diese als komplett undemokratischen und unfairen Prozess ausmachen. Den Türkischzypren war 2004 wenig Zeit gegeben worden, den Annan Plan zu absorbieren. Ebenso diesmal. Unsere Leute wurden und sind nie Teil einer verlässlichen Information, oder Teilnehmer bei einer Entscheidung gewesen, die ihre Zukunft angeht und ihre Sicherheit. Daher können sie sich nur jenen Politikern anschließen, über welche Sie sich kürzlich beschwerten, [Herr Akinci], diejenigen [nämlich], die ein NEIN wegen der Intransparenz des Verhandlungsprozess’ und der Unsicherheit formulieren – diese [Art Anschluss] auch wegen der widersprüchlichen Medienberichte der Griechischzyprer, [welche die von Ihnen an uns gegebenen, spärlichen Informationen nicht widerspiegeln].

Was die letzte Volkszählung angeht, beträgt die Anzahl von Turkischzyprern in Nordzypern 286,257 Personen. Es wurde allerdings verkündet, es seien 220,000, die die Obergrenze für ein Recht aufs Bürgerrecht hätten sowie an Wahlen teilzunehmen. Diese Angelegenheit stattet den Anfang einer vollzogenen Vereinigung mit Limits aus, welche die Entwicklung und Zukunft der Türkischzyprer beschneiden. Außerdem ist nicht verständlich genug dargelegt, wer denn nun bitte sehr das ‘Glück’ erhält, ein Bürgerrecht zu erhalten und wer sich erneut darum zu bemühen hätte. Letztere werden unter den gesetzten Limits voraussichtlich einen demoralisierenden Kampf aufzunehmen haben. Und wir betrachten diese Angelegenheit als ziemlich feindlich von Seiten der griechischzyprischen Administration, die über unser Erbe und Recht an Teilhabe entscheidet.

Wen schlagen Sie denn vor, den oder die es von Wahlen und Bürgerrecht auszuschließen gilt?

Wie können Sie [es wagen], ihre eigenen Leute vom Rückkehrrecht zu beschneiden, um in ihrem eigenen Land zu investieren?

Nun, schließen Sie die türkisch-zyprische Diaspora etwa ganz bewusst aus, die wahrhaft ein wirkliches Interesse am Verlauf des ganzen Verhandlungsprozess hat?

Wir haben zwei Pässe und haben Eigentum in Nordzypern. Wir versehen weiterhin unseren Militärdienst und zahlen Steuern in Nordzypern.

Ist das fair?

Wir verlangen, dass die Griechischzyprer denselben Prinzipien folgen!

Haben Sie das Vermögen der religiösen Stiftungen (Evkaf), welches von Griechischzyprern, während der Herrschaft der Briten auf Zypern, illegal angeeignet wurde, auch diskutiert am Verhandlungstisch sitzend oder wird dieses Vermögen einfach so an die Griechischzyprer übergeben werden?

Der klar größte Sorgenpunkt der Türkischzyprer geht das Eigentum an, in dem sie selbst leben oder wohnen. Im Gegensatz zum Annanplan, ist es jetzt so, dass unsere Leute mit eigentumsrechlichen Klagen der Griechischzyprer rechnen müssen, wenn sie mit Ja stimmen. Letzteres würde die Wirtschaft Nordzyperns zu einem Halt bringen und ein nahezu endloses Prozessieren vor Gericht folgen lassen. Wenn dieses Szenario aufs Trapez kommt, wer wird dann die “Kompensation” für diese Rechtsansprüche finanzieren?

Das alles wird zweifellos zivilen Unmut entfachen und ökonomische Verluste nach sich ziehen.

Und dann: Wurden die Verluste der Türkischzyprer, während der Periode 1963 – 1974, die erlitten wurden, beziffert und erwähnt am Verhandlungstisch?

Wird es eine permanente Ausnahmeregelung vom EU-Gesetz geben, um die Kontinuität der Bi-Zonalität [des neuen Staatsgebildes] zu konsolidieren und zu bestätigen?

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit des EU-Status, wegen dem Brexit, können Sie da auch nur den Verzicht auf den Anspruch der Türkei eine Garantiemacht zu sein ansprechen?

Des Weiteren: Die Zunahme des Nationalismus unter den Griechischzyprern und das global entstandene Anti-Muslim-Sentiment werden unsere Leute völlig ungeschützt lassen und isoliert.

Wir brauchen eine Vereinbarung, die Stabilität und den Türkischzyprern eine Zukunft bietet. Wir müssen fühlen, dass ein Ja oder Nein, welches in letzter Minute für einen Deal abgegeben werden soll, an dem wir gar nicht eingebunden sind, kein Teil eines stabilen Systems sein kann. Und so etwas gehört den Leuten aber – eigentlich – angeboten!”

Das schreibt Ersu Ekrem in der LGC online.

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