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Posts Tagged ‘ethik des qi qong’

Unterm Strich – unverschämt

Wie entstehen Sekten, wie Selbstmordattentäter, wie kommt es, dass Menschen sich für einen ‚Meister‘ und dessen Ideologie etc. auf die merkwürdigsten ‚Reisen‘ schicken (lassen). Das fragte ich mich angesichts der Gymnasiasten, die sich gestern vor dem Alten Rathaus in Lörrach versammelten, um erstmals die Ausrufung der Demokratie in Deutschland an jenem Ort mit ihrer Anwesenheit zu bezeugen, doch vor allem fragte ich das, wegen dem, was mir gerade kurz davor widerfahren war.

Berlin ist zu meiner Zeit (vor 3-4 Jahren) eine Servicewüste gewesen. Na ja, nicht überall, aber meistens schon. Das Personal in den Kaufhäusern, Krankenhäusern oder in Schulen und in Behörden war meist wenig kundenfreundlich. Auch daher trat ich die ‚Flucht‘ nach vorne an, nach der Region Baden in Deutschland, wo ich ja einst groß geworden bin. Es ist seither merklich besser geworden in Sachen Serviceleistung, dem soll in Berlin allerdings inzwischen auch so sein.
Kaum war ich im badischen Kandern ‚gelandet‘, vernahm ich auch schon: In Lörrach gibt es Chinesische Medizin im Landeskreiskrankenhaus. Meine Erfahrung mit der Akupunktur dort, fiel dann aber nicht so glücklich aus. Doch das sollte nicht davon abhalten, meiner Leidenschaft, der Chinesischen Medizin, dort dennoch eine Chance zu geben – zumal die ja eh vielleicht in Umzugswirren waren, als sie mich akupunktierten – man zog gerade ins Zentrum für Komplementärmedizin nebenan um, auf dem selben Gelände des Landkreisklinikums.
Nein, was habe ich mich gefreut – endlich mal wirklich kompetente Leute. Und dann war da eines Tages diese Uhr an der Wand im Übungsraum, die tut ganz laut und bis in die Ewigkeit scheinbar: „tick-tack, tick-tack … .“

Mir ging das aufdringliche Geräusch mehr als nur bis ins Mark. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, als ich nett fragte, ob die Uhr auch abgehängt werden kann, womöglich durch eine andere ersetzt, die ich sogar gewillt bin zu bezahlen, als Antwort zu erhalten: „die Wanduhr bleibt“ Das wurde mir in einer Email beschieden, wie bereits zwei Beiträge davor hier geschildert wurde.
Ruhe ist bei Dingen aus Fernost etwas sehr Wichtiges, dass es um einen herum plötzlich ganz still wird – wenn man das Talent besitzt, die Wanduhr zu überhören -, wo bestimmte Übungen durchgegangen werden, Griffe, Attribute, beispielsweise für den Sommer das Herz, die Liebe, dem Respekt und Ehrlichkeit.

Und genau da liegt der Hase begraben: Als Kunde, der sich in meditativer Art und Weise versenken mag, und auch soll, und dann solche Ansagen („Mitgefühl, Respekt“ etc.), die dort ganz offensichtlich selbst nicht berücksichtigt werden, wenn es um die Bedürfnisse eventuell nur einer einzigen Person geht, die sich vom Lärm der Uhr im Übungsraum gestört sieht, fühlt man sich unterm Strich wahrhaft übergangen. Es besteht sogar Gefahr, sich wirklich was äußerst Negatives ‚reinzuziehen‘, derart innerlich verkrampft. Das interessiert dort scheinbar niemanden. Das scheint bereits unter aufsässig zu fallen oder dergleichen, wenn man sagt, dass einem der Uhrenlärm stört, und zwar gewaltig.

Nach Monaten kam ich letzten Montag zurück an diesen Ort, in der Hoffnung, es möge sich etwas geändert haben. Die Teilnehmerzahl war inzwischen sichtlich geschrumpft, noch zwei Hansele sind übrig geblieben. Man musste schon befürchten: wegen der Uhr an der Wand. Jemand dort behauptete jedoch, sie hörte die Uhr gar nicht. Das finde ich sehr bedenklich. Doch noch bedenklicher ist, als ich gefragt wurde, wie es mir geht, ich nicht gewillt war mich zu verstellen, nach all dem, was von sogenannter „Ethik“ gesagt worden war, und ich sagte: „Alles gut und schön, doch vor dem Hintergrund der Uhr dort, hab ich ein Problem, genügend „Respekt“ und „Mitgefühl“ ihrerseits wahrzunehmen, die leider immer noch da hängt, da mir die Uhr wirklich auf den Senkel geht!“
Wer da Serviceleister ist und wer Kunde, ein weiteres Mal verwechselnd, erhielt ich als Antwort in etwa das: Sie bringen nicht den erforderlichen Respekt auf. Ich weiß nicht, ob ich Sie weiterhin hier haben möchte! Das heißt, Sie werfen mich raus?, fragt ich. Es nickte mit dem Kopf zustimmend; und ich wäre lieber tot umgefallen, als nun zu bitten und zu betteln oder mich weiter zu erklären. Ich bin kein tibetanischer Mönch oder sonst irgendjemand, der einem/er Guru bedingungslos zu folgen gewillt ist. Irgendwie schwant mir, wird so eine Bereitschaft zu selbst verneinender Gefolgschaft irgendwie erwartet – oder wie sonst will diese Wanduhr verstanden sein, wenn nicht, eventuell, als ein Instrument der Selektion!? Auf meine Hautfarbe mag ich nicht zurückgreifen als Erklärung für diese seltsame Renitenz, wo doch eh gerade die Willkommenskultur im Lande ausgebrochen ist.
Tick-tack im Gleichschritt, das war doch hoffentlich mal?!
Demokratie?
So etwas herrscht dort oben jedenfalls nicht, und das braucht es auch nicht. Aber es sträubt sich in mir prinzipiell etwas, wenn derjenige, der die Leistung erbringen sollte, demjenigen, der als Kunde dafür bezahlt, gesagt wird, er bringe keinen Respekt auf. Und das alles wegen einer Uhr, die den Kunden stört und die man für wahrscheinlich unter 10 Euro neu anschaffen könnte, damit eine Uhr dann unhörbar ihr Werk verrichten kann, die Kunden nicht unnötig strapaziert etc.
Wenn das nicht verkehrte Welt ist, dann weiß ich auch nicht mehr, wohin die Reise geht! Aber so weit soll es nicht kommen!

Ein Blick auf die Selbstdarstellung der Klinik reicht, um zu sehen, wie daneben die mir wiederfahrene Behandlung dort ist, wo unter „Pflege- und Funktionsdienst“ steht und dort wiederum unter „Achtsamkeit“: „In unserem Pflegealltag achten wir darauf, dass wir jedem Menschen mit Würde und Respekt begegnen. Dabei berücksichtigen wir seine individuelle Lebenssituation und seine Bedürfnisse.
Wir schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit.
Wir sind achtsam zu uns selbst und im Umgang miteinander, damit wir mit unseren Patienten und deren Angehörigen achtsam sein können.
Wir leben einen offenen Umgang miteinander, geben Raum für Selbstreflexion und Feedback und loten unsere Grenzen aus.“ Oder unter „Kommunikation“ steht: „Wir ergreifen die Initiative zum Gespräch und stellen uns namentlich vor. Wir legen Wert auf eine einfühlsame, verständliche und situationsbezogene Kommunikation.
Dem individuellen Informationsbedürfnis des Patienten entsprechen wir in besonderem Maße.“

Tick-tack, wa? (würde man in Berlin blödeln)

Schade, dass im Zentrum die Richtlinien der Klinik wenig bekannt zu sein scheinen. Denn, wie bereits angeführt, bin ich hoch interessiert an der Materie Chinesische Medizin.
Unterm Strich ist es schade, dass ich da jetzt draußen bin, doch ich kann nicht warten, bis in mir irgendein Wahnsinn ausbricht, nur weil jemand glaubt, mich mit einer Wanduhr in den bezahlten Wahnsinn treiben zu müssen. Unverschämt!

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