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Georg Koumoulis schreibt in der bereits vor 2 Beiträgen zitierten Sunday Mail vom selben Tag Folgendes:

„Eine tiefgehende und dokumentierte Studie des Kollaps der zyprischen Ökonomie wäre unvollständig, ohne den Beitrag eines Soziopsychologen. Die ist zwingend, wegen des Minderwertigkeiskomplex‘, den Zyprer gegenüber Griechen haben – ein Komplex, der der Hauptgrund für die Zerrüttungen in unserer Ökonomie ist.
Wenn ein Griechischzyprer nicht völlig mit der ökonomischen Politik übereinstimmt oder irgendeiner anderen Politik, die von Bedeutung ist und von Griechenland betrieben wird, wird er gerügt, wie vor kurzem Finanzminister Harris Georgiadis.

Diskutabel ist gewiss, ob als überzeugendes Beispiel für diesen Komplex, der Eurovisions-Kontest gelten kann. Der Teilnehmer aus Griechenland an diesem Wettbewerb könnte eine tonlose, langweilige Vorstellung abgeben als Sänger, der nicht singen kann, doch würde ihm oder ihr das dennoch hohe Bewertungen von den Zyprern einbringen. Das Seltsame ist, das derartige Dienstfälligkeit eher Verachtung hervorrufen sollte anstatt Zustimmung und Respekt.

Auf dem Altar sogenannter Unterstützung Griechenlands werden Gerechtigkeit, Objektivität, Gleichberechtigung und Selbstrespekt geopfert. Wir sollten nicht vergessen, dass die zyprische Gesellschaft über patentierte Patrioten in großer Anzahl verfügt, die meistens konservative, undemokratische und reaktionäre Positionen vertreten und befördern; also Nicht-Internationalismus und diesen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Griechen.

Was war es denn, was unsere Banker im Jahr 2010 Milliarden Euros in griechische Regierungsanleihen stecken ließ, zu einer Zeit, wo es bereits wiederholt Abwertungen der griechischen Kreditwürdigkeit gegeben hatte von der Fitch, der Moody und Standard & Poor – und alle ökonomischen Analysten erachteten einen Haircut Griechenlands als längst überfällig.

Die konventionelle Erklärung für die katastrophale Entscheidung der zyprischen Banker war Gier. Getrieben von der Aussicht, ihre Bonus-Auszahlungen aufzublasen, setzten sie Produkte der Handwerker und Arbeiter, von 10.000en Einlegern, und verloren. Wäre ihr Ziel jedoch [lediglich] gewesen, ihre eigenen Gewinne zu maximieren, hätten sie vom Second-Hand-Markt zum Beispiel Regierungsanleihen kaufen können: irische, spanische oder mexikanische. Die hatten ein viel geringeres Risiko, aber auch gute Aussicht auf erheblichen Kapitalzuwachs. Doch die wurden nicht gekauft.
Ihr psychologisch zu verortender Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Griechen, ließ sie griechische Anleihen abgreifen. Berauscht vom Geschrei der großen Patrioten [im Inselreich] und den Medien fiel das intellektuelle Niveau unserer Banker weit unter Null. Leider stellten die Herrn Superprofis einen Schaden an, welchen die Zyprer nicht abfedern konnten.

Als Ergebnis des Haircut der Griechen verlor Zypern 4,5 Milliarden Euro, wohingegen Griechenland 160 Milliarden Euro gewann (bei gleichzeitiger Reduktion ihre Schulden). Monate/Jahre später wurde uns erzählt, dass der damalige Präsident, Dimitris Xristofias, sich hartnäckig gegen diesen Entscheid ausgesprochen habe, zumal der Verlust für Zypern 25% der Brottoinlandsprodukt ausmachte.
Das ist aber kein Trost. Denn als er seine Stimme hätte erheben sollen, improvisierte er Stillbleiben – so, als wolle er derart sein Missfallen kundtun. Er wollte nicht als Anti-Hellene angesehen werden, sagte er uns. Und der Aushilfs-Ministerpräsident Griechenlands, Lukas Papadimos, meldete sich [zu jenem Zeitpunkt] auch nicht zu Wort.

Damals dachten viele Zyprer, dass Griechenland wie eine fürsorgliche und liebende Mutter handeln werde und unsere Verluste uns ersparte, weil es ja einen signifikanten Teil seiner Schulden abschreiben konnte. Sie wurden bitter enttäuscht. Hinzukam, dass kein zyprischer Politiker wagte, die griechische Regierung zu kritisieren für diese Gleichgültigkeit.

Minderwertigkeitskomplex in seiner ganzen Größe.

Als im März 2013 die Eurogroup beschloss, die Spareinlagen in Zypern zu beschneiden in zyprischen Banken, begehrte der damalige Ministerpräsident, Antonis Samaras, nicht auf ob dieser harten Maßnahme. Im Gegenteil. Er unterstützte es und stellte sicher, dass eine eventuelle Ausbreitung des systemischen Risikos auf den griechischen Finanzsektor ausgeschlossen wurde. Und wie wir alle wissen, kaufte die Piraeus Bank die griechischen Operationen der zyprischen Banken mit sofortigem Profit, so um die 3,5 Milliarden – mit entsprechendem Verlust für zyprische Banken. DIKO-Vorsitzender Nikos Papadopolous spricht bei diesem Transfer von Aktiva von Diebstahl und beschuldigt die EZB, den Chef Mario Draghi (wie wir alle vernahmen bei dessen Besuch hier kürzlich). Der Minderwertigkeitskomplex von Papadopoulos vernebelt ihm sein Hirn, denn anstatt den wirklichen Schuldigen zu attackieren – Samaras -, richtete er seinen Zorn [lieber] auf einen Nicht-Griechen.

nov12 116

Das riesige Loch, welches geöffnet worden war, als die zyprische Laiki-Bank zusammenbrach und abgewickelt wurde, hatte nichts mit dem offiziellen Griechenland zu tun, aber mit einer Hand voll best bekannter Griechen. Und das bringt eine weitere wichtige Angelegenheit zutage: Warum wurde der Antrag der HSBC, 50 % von der Laiki zu erhalten im Jahr 2005, abgelehnt? Hätte man dem zugestimmt, hätte das ökonomische Armageddon verhindert werden können. Der damalige Vorsitzende der Zentralbank, Chistodoulos Christodoulou, sagte, dass die Sache [mit der HSBC] geplatzt sei wegen Differenzen bezüglch des Kaufpreises für die Anteile.
Christodoulos ist keine vertrauenswürdige Quelle, denn sein Hirn tickte entgegen der Prinzipien der Zentralbank. Seine Erklärung ist rein gar nicht überzeugend – zumal subsequent Herr Andreas Vgenopoulos beinahe den gesamten HSBC-Anteil in der Laiki [sodann] aufkaufte. Die Überzeugung, dass diese beiden Vorkommnisse miteinander verbunden sind, ist sehr verbreitet unter Zyprern und ist ebenfalls Thema in politischen Debatten.

Ich denke nicht, dass Bankiers anderer Länder (Griechenland ausgenommen) mit zweifelhaftem Ruf und Standing einen Bankriesen wie die HSBC aus dem Weg geräumt hätten mit sozusagen konkurrenzlosen Intrigen und deren Kontrolle über eine System relevante Bank.
Hier angekommen, sollten wir alle den Hut vor griechischen Bankern ziehen. Mit den zyprischen Bankern verglichen, sind sie Schnäppchenjäger par excellence. Sie alle sind geradezu als aufgestellt zu bezeichnen im starken Kontrast zu den Bankern aus Zypern, die im Ganzen verschlafen sind und wortkarg.

So überrascht nicht, dass das Geschenk des [ökonomischen] Lochs in Kombination mit verführerischen Versprechen ihre zyprischen Gegenüber verblüfft und ein Gefühl der Minderwertigkeit zurücklässt bei denselben.
In der Vergangenheit hatte ich mich dagegen gewehrt, wenn Griechen uns als Dumpfbacken bezeichneten. Doch der Kollaps der zyprischen Laiki-Bank rechtfertigt diese Bezeichnung mehr als notwendig wäre.

Georg Koumoulis ist ein Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaftler.“

Sollten Sie, verehrte Leser, in den letzten Wochen hier öfters reingeschaut haben, wird Ihnen gewiss bereits der Name Vgenopolous aufgefallen sein. Er scheint ganz offensichtlich eine Schlüsselfigur zu sein im griechisch-zyprischen Sumpf um und in den jeweiligen Banken und Finanzwesen.

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