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Aus 4 mach 5!

Girne Marina, TRNC

Girne Marina, TRNC (Photo credit: Wikipedia)

Fünf Finger hat die Hand. Vier Finger an einer Hand zu haben, soll auch nicht das Schlechteste sein. Manche Hotels zieren 5-Sterne, wovon wahrscheinlich einer, der fünfte eventuell, nach Bestechung, Korruption und – mit Verlaub – Menschen-an-der-Nase-Herumführen so sonderbar und ganz auf-vornehm stinkt.

Gewiss, gewiss, die Überschrift dieses Beitrags stiftet etwas Verwirrung bei der Einen oder dem Anderen, die oder der unsere Zypernundmehr-News liest. Denn was soll denn das schon bedeuten: „on the Rocks“? Eisblöcke etwa, Eiskristalle oder einfach nur Eis? Das Letztere wird wóhl niemand mit „Rocks“ in Verbindung bringen, zumindest nicht auf die Leichte – wie man so sagt. Rocks, kommt, denken wir, wohl ursprünglich vom Wort Fels (rock) aus dem Englischen. Und wie Werbestrategen so sind, oder sein sollen, haben sie den Besitzer des Rocks-Hotels vielleicht zu dieser Genitivfalle – oder besser Genitivwendung – oder noch angebrachter genitiven Verschleierung etc. überzeugen können (siehe das s, welches dem Rock folgt beim Wort „Rocks“, als wäre dieses für den Hotelnamen verwendete Rock im vorliegenden Fall im Englischen kein Eigenname, sondern eben ein ganz gewöhnlicher rock, Fels).  

Es ist ja bekanntlich so, dass viele Nordeuropäer die Koffer packen, und zwar gern dann, wenn es um sie herum so richtig kalt und vor allem nass wird. Klar, immer mehr von ihnen sollen inzwischen in der nordeuropäischen Heimat bleiben, um den Urlaub zu machen, manche sogar noch weiter in den Norden Europas vorstoßen. Doch wahrscheinlich ist die Zahl derer, die einen Schnellaufenthalt irgendwo in der Wärme Europas vorziehen, noch immer beträchtlich hoch.
Daher gibt es dann wohl auch Leute, die zum Beispiel nach Zypern fliegen, der Sonne wegen und weil dort die Preise stimmen, wie der eine oder die andere von diesen Nordeuropäern vermutet oder erzählt bekommen haben mag.
Und das stimmt – irgendwie!
Letzteres trifft auf den Süden der geteilten Insel, aber leider meistens noch immer nicht zu, also die Angelegenheit mit den günstigeren Preisen. Und daher glauben wohl auch einige Leute aus dem Norden Europas: „na, Türkei muss es ja nun gerade auch nicht sein bei der politischen Situation, wer weiß schon, was da demnächst noch alles passiert, womöglich ausgerechnet dann, wenn wir da unten sind – fliegen wir nach Zypern“.

Und so sind die dann genau so schlau wie wir und buchen sich eventuell im Norden von Zypern ein. Weil man hat doch eigentlich genug von dem Weihnachtstrubel gehabt, und schon wieder und immer wieder das gleiche Lied: Jingle-bells, jingle-bells jingle all the way… etc. Ja, und eben weil alles anscheinend etwas preiswerter erscheint im Norden von Zypern, wo Weihnachten eigentlich kein Thema ist, weil es ja überwiegend muslimisch ist, und weil es immer noch irgendwie Türkei ist, aber halt doch nicht mehr so richtig, also zur Türkei irgendwie dazugehören soll, wo bekanntlich ein recht hoher Standard in Sachen Service und Tiefstpreisen herrscht, wagt man dann halt doch mal als Nordeuropäer, weil man sollte sich doch auch etwas leisten im Leben, wenn man schon nicht zuhause unterm Christbaum sitzt, ein Fünf-Sterne-Hotel zu buchen – ausnahmsweise und so.

Wir wollten nicht da draußen irgendwo an der Küste im Norden von Zypern im Einsamen sein diesmal. So entschlossen wir uns für die Stadt, wo man womöglich sogar noch nachts um 3 Uhr jemand auf der Straße antrifft, als sei es das Normalste von der Welt, Girne oder Kyrenia wird diese Stadt auch noch genannt, für die wir uns entschieden.
Zugegeben: wir waren dann halt doch schon immer spätestens um 23.30 Uhr in den Betten. Doch es bestand die gefühlte und hörbare Möglichkeit, zum Beispiel morgens um 4 Uhr nochmals die Hose anzuziehen, um dann in eines der Spielcasinos abzutauchen. Das war eigentlich schon fast wie dort gewesen zu sein, diese Gewissheit. Und wäre das Casino vom Savoy Ottoman Hotel, wo man ganz lässig reinkommt, nicht so verraucht gewesen, wer weiß, was wir noch alles an gewonnenen Geldscheinen nach Hause gebracht hätten. Das Casino von unserem Hotel, dem Rocks, das wollten wir zwar mal besuchen, doch das war dann doch nicht so einfach. Irgendwie war der Einlass zu eisig oder rockig, fanden wir. Jedenfalls verlief die Angelegenheit nicht reibungslos, also sound, das heißt ohne großen Firlefanz – Details, last not least, erübrigen sich.
OK, dann halt doch, einige Details.
Stellen Sie sich also vor: Ihr Reisebegleiter, also die oder derjenige, mit dem sie auf Reise sind, geht schon fast durch die Absperrung am Aufpasser des Casinos vorbei – wurde praktisch durchgewunken. Dann kriegt der Aufpasser des Casinos, genauer der, der hinter einem Tresen am Eingang sitzt, mit, dass der Reiseparner zu Ihnen gehört, der Sie hinter demselben stehen, und ihm folgen wollen. Daraufhin spricht der Aufpasser ihn nochmals an und fragt, ob er denn im Hotel wohne? Wie gesagt, er hatte ihn schon durchgelassen, ohne Kontrolle seiner Personalien. Der Reisegefährte antwortet: „Ja“. „In welchem Zimmer wohnst du“? Der Reisepartner nennt ihm die Zimmernummer. Der Typ guckt im Computer nach. „Passport“, sagt er. Den kriegt er in Form einer ID-Card. „Alles Ok“, meint er. Und dann: „Wie ihr seid zusammen in einem Zimmer“? „Ja“, antwortet ihr Reisegefährte überrascht wegen der seltsamen Frage, die wohl auch eine Feststellung war. „Dann den Ausweis mal her von dir da“. Er meint Sie.

Ich habe dann nur noch abgewunken und bin ohne auf irgendetwas zu achten aus dem Raum raus zurück auf die Straße getreten. 

Wir waren vor der Reise uns einig darüber geworden, dass es das Dome-Hotel nicht sein dürfe. Weil, so wurde uns immer wieder nahe gebracht, sodass am Schluss halt nachgegeben wurde, das Dome sei ‚das‘ Hotel, welches griechischzyprische Befindlichkeit und Empfindlichkeit geradezu repräsentiere beziehungsweise berührte. Gut, entschieden wir uns fürs Rocks, welches unweit davon gelegen ist. Das Savoy Ottoman wäre eigentlich auch noch in Frage gekommen, zumal Bülent Ersoy, der türkische Superstar, dort am 31.12.2013 einen Auftritt gibt. Alles bereits ausverkauft. Vielleicht hätten wir das Savoy buchen sollen, denke ich heute, obgleich es nicht am Meer gelegen ist. Doch wir wollten halt Meerblick haben, wenn wir schon in der Stadt sind. Dafür musste auch ein Aufpreis bezahlt werden im Rocks. Die Fotos vom Rocks Hotel im Internet waren allerdings so ins Netz gestellt, dass die Straße vor den Fenstern des Hotels nicht zu sehen war, oder die hässliche Soldatenkaserne links davor, oder das hässliche Nichts zwischen Dome Hotel und Rocks schräg rechts davor, wo Männer tagsüber fischen und nachts … . Autos parken dort jedenfalls auch noch unmittelbar vor dem Soldatending und vor dem Hotel namens Rocks. Das Parking-Problem nimmt spätestens beim Dome ziemlich unvorstellbare Ausmaße an. Im Sommer, wenn dann wieder das Leben in Schwung geraten ist, mag ich mir nicht vorstellen, welcher Lärm im Hotel, doch vor allem vor dem Hotel abgeht, wo doch die Fenster des Hotels keinesfalls doppelt gefasst sind – mit Aufpreis, wie gesagt, für den Blick aufs Meer.

Für das, dass man dort in der Gegend auf einem der teuersten Terrain der Stadt, wahrscheinlich des Nordens von Zypern, sich bewegt, ist scheinbar konstant für mindestens 20 Meter oder so den Fußgängern jede Möglichkeit genommen, einigermaßen zivilisiert auf dem Fußgängerstreifen ihren Weg fortzusetzen, was aber niemanden zu stören scheint. Diesen Platz besetzen dort nämlich wie selbstverständlich – erinnerte mich stark an Beirut – Autos, deren Besitzer wohl auch gegenüber vom Dome Hotel im Niazi-Restaurant vom Feinsten ganz gewiss speisen, und die der ganzen Welt zeigen, wagt man schon zu mutmaßen, dass hier ihr Revier so abgesteckt wird.

Ankunft im Rocks.
Wir fuhren in die Stadt, Girne, also Kyrenia hinein. Und wie wir uns schon dachten, musste man durch das Nadelöhr, die untere Hauptstraße fahren; und wie ich mir ebenfalls schon gedacht hatte, gab es kein Schild, welches dort darauf hinwies: „hier bitte rechts abbiegen um zum Dome oder Rocks Hotel zu kommen“ – die, wenn man diese Straße nämlich nicht trifft oder in sie abbiegt, ansonsten nur schwerlich per Auto erreicht werden können. Doch da wir zum Glück nicht Neulinge in dieser Stadt sind, konnten wir diese Hürde mit etwas Glück meistern und haben uns glücklicherweise nicht in eine der engeren Straßen verloren, die auch nach rechts abbogen und ziemlich verlockend aussahen, aber vielleicht irgendwo weiter vorne in der Straße womöglich ins Nichts sozusagen geführt hätten.

Und was sehen unsere Augen als Rocks-Hotel? Ein kleines Haus in weiß gehüllt, als sei es zugeschneit, ja und es schneite dort sogar wirklich. Es war richtig teuerer Kunstschnee, der das Gebäude dieser Tage ziert – ach wie schön und die Kameras wurden auch von uns gezückt. Nun, wir wussten selbstverständlich nicht, welches der drei Gebäude, die dort scheinbar in Frage kamen, denn nun der Eingang zum Hotel sein sollte und es stand ’selbstverständlich‘ auch nirgends etwas angeschrieben wie: „Parking für Hotelgäste, hier lang bitte“, oder „Reception“ und so. Und so hielten wir, wie wir herausfanden, zwischen dem Casino und der Rezeption. Vor dem Casino standen zwei gut gekleidete Männer mit Knopf im Ohr, und die ließen sich nicht herab, vielleicht mal beim Ausladen der Koffer und Taschen mitanzupacken. Klar, die gehörten ja auch zum Casino. Doch neben an, von der Rezeption her, ließ sich leider auch einfach niemand blicken; und so fuhr der eine von uns mit dem halbwegs leergeräumten Auto hinten in den Hof, ins Ungewisse; und der andere stand unmittelbar vor der Rezeptionstür mit 2 Koffern 3 Taschen und noch immer niemand in Sicht, der mit Sicherheit gesagt hätte: „da, das da ist die Rezeption“. Indes murmelte der Mann mit Knopf im Ohr etwas von: „hier warten“. Ich wollte nicht Türkisch sprechen, weil ich wollte wie jeder andere auswärtige Gast behandelt werden. Immerhin, es war dann nach etwas Warten doch noch zu erfahren von ihm, dass das seltsame Gebäude mit dem seltsamen Kunstschneebelag vor dem ich ja auch noch stand, doch wirklich die Rezeption eines Fünf-Sterne-Hotels sein sollte, wo sich niemand zeigte.
Da ich derjenige war, der dort stand wie bestellt und nicht abgeholt und der Fahrer des Autos, also mein Reisgefährte, offensichtlich länger brauchte beim Finden einer Parklücke, bewegte ich mich in Richtung Rezeptionstür, und die wie von Schnee bedeckte Glastür sprang plötzlich automatisch auf. Zwei junge Frauen guckten mich von der Rezeption her stumm und anteilsnahmelos an, als wollten sie sagen: „was will denn der hier?“ – ein junger Mann, der seiner Kleidung nach zum Hotel gehörte, stand auch herum. Doch ich ließ mich nicht beirren, zumal im besten Zwirn gekleidet, und beantwortete die Fragen, wer ich denn sei und was ich wolle – ein Willkommen oder so etwas war von den beiden Damen nicht zu vernehmen oder dem jungen Mann. Ich sagte, dass diejenige Person, die das Check-in eigentlich durchfürhen sollte, dann gleich alles regeln wird und gewiss schon gleich kommen wird. Doch diese Person kam einfach nicht und die Damen waren nicht auf die Idee gekommen, vielleicht mal jemand in Richtung Garage zu schicken, um nachsehen zu lassen, ob da was schief gegangen ist und ich wollte nicht gleich, sagen wir, stressige Stimmung schaffen, in dem ich vorgeschlagen hätte, genau das endlich mal zu veranlassen. Ich dachte nach einer Weile – zumal all die Koffer und Taschen von mir wohl beaufsichtigt vom dortigen Personal alleine vor die Rezeption geschleppt worden war – mal zu testen, ob sie mir denn zumindest ein Glas Wasser bringen würden. Das tat die eine der Rezeptionistinnen sogar. Daraufhin sagte ich, wir könnten ja eigentlich doch schon mit dem Check-in anfangen, weil die andere Person müsse ja eh gleich kommen. Und so war es dann auch – und zwar bepackt mit weiteren drei Taschen, und niemand war offenbar zu gegen, einer älteren Person beim Tragen zu helfen. Immerhin, muss man jetzt schon ganz beglückt darüber sagen, hat auf dem Weg ins Zimmer von der Rezeption der Bell-Boy, oder wie man dazu sagt, sich bequemt, einen Koffer von uns auf Rädern zu ziehen und eine Tasche an sich zu nehmen.
Beim Betreten des eigentlichen Hotel-Gebäudes von der Rezeption aus konnten durchaus weitere Bell-Boys ausgemacht werden, die sich aber nicht von ihren Plätzen rührten, also trugen wir unsere – zugegebenermaßen viel zu viele – Habe hoch in den zweiten Stock. Der Lift funktionierte, das Zimmer sah nicht schlecht aus, die Aussicht aufs Meer war schön, man muss halt möglichst die ersten 300m vor dem Gebäude übersehen, die alles andere als ansehnlich sind. In dem Swimmingpool, welcher das Hotel zu haben scheint, und der vom Fenster aus unter anderem gesehen werden kann, würde mich wahrscheinlich niemand bringen im Sommer. Der sah im Winter ziemlich ärmlich aus.
Gut indes war das Abendessen im Hotel, auch das Frühstück. Schlecht der gesammte Wellness-Bereich. Das ist nun das zweite Mal, dass mir so etwas im Norden von Zypern passiert, also dass der Wellness-Bereich nicht OK ist. Das heißt, haben wir überlegt, dass es eigentlich nur 3 Lösungen gibt: Kein 5-Sternehotel mehr im Norden Zyperns mieten, weil die zu viele Mängel aufweisen, sodass man die Entspannung und Zufriedenheit, die man sucht, eher durch derartige Störungen aufgefressen sieht.
Im Rocks meinte der Chef vom Fitness-Center zum Beispiel, meine Sportschuhe seien keine Sportschuhe, die müssten so und so aussehen, eigentlich wie seine, und daher könnte ich die Räume leider nicht betreten. Seine Körpersprache, welche seinen Befehlston der Worte bedrohlich begleitete, ließ Schlimmeres erwarten, sodass ich in einem Staat, wo letztlich das Gesetz des Stärkeren herrscht, nicht sozusagen zwangsläufig wegen einer Lapalie unterliegen wollte – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fand, und das sagte ich ihm, dass ich mich seinem Kleidungsfaschismus nicht zu unterwerfen habe, und dass es nicht seine Aufgabe sei, meine Schuhe, die ich nun mal für den Sport und im Haus verwende, zu beurteilen. Doch das half nichts. Gökhan, nannte er sich, zog die Hotelmanagerin, Safeyet, oder wie sie sich nannte oder welche Position sie genau inne hat, hinzu, die wohl gerade vorbei gekommen war, der ich immerhin erklären konnte, dass es unfreundlich sei, mich mit ihren Vorstellungen von einem Sportschuh zu maltraitieren und mir die von mir bezahlte Möglichkeiten Sport zu treiben und/oder meine Wellness zu haben fernhielten; und dass ich nicht da raus ginge, um nun ein weiteres Paar Sportschuhe zu kaufen, die ihren Vorstellungen von Sportschuhen entsprächen – und dass es wohl so etwas wie Service hier im Hotel scheinbar nicht gäbe. Prallte an denen ab.
 
Gut, sagte ich mir, das war es dann wohl. Und leider hatte ich damit recht behalten. Den anderen Tag hatte ich nämlich eine Shiatsu-Massage genau neben an da unten im Keller bestellt. Klar, die kostet Geld und nicht zu wenig, nämlich umgerechnet ungefähr 60€.
Wahrscheinlich hätte ich keine Fragen im Vorfeld gestellt. Denn mein Reisebegleiter war von der Massage, die er als Shiatsu-Massage erhalten hatte den Tag davor, angetan gewesen. Sie habe richtig zugepackt, sie habe Dies und Das gemacht. Kurz: es hörte sich vielversprechend an.
Wir gingen die Stunde vor meiner Massage an jenem Tag, also gestern, noch ins Hammam des Hotels, welches zwar sauber und schön heiß war, aber leider immer menschenleer. Ja, man hält doch vielleicht auch mal gern ein Schwätzchen mit jemand Unbekanntem, oder wenn das nicht drin ist, dann halt, dass man einfach eine Erfahrung teilt mit jemand Anwesendem, den man nicht kennt und vielleicht nie kennenlernt. Im Nachhinein kann ich etwas besser verstehen, dass dort niemand war.
Als wir aus dem Hammam (an beiden Tagen) kamen und uns in den Ruhebereich begaben, wo wir es nicht schafften, die Liegestühle auseinaderzubringen, so dass darauf gelegen hätte werden können, war weit und breit niemand vom Personal zu sehen, die oder der uns vielleicht sogar abgetrocknet hätte, wie es in der Türkei und auch auf Zypern üblich ist, die oder der uns gefragt hätte, ob wir etwas trinken wollen, der sich vielleicht nach unserem Befinden erkundigt hätte, auch um zu eruieren, ob sich unsere Wünsche vielleicht inzwischen geändert haben – es hätte ja zum Beispiel auch etwas passiert sein können. Unwahrscheinlich ist das nicht unbedingt, da diese Möglichkeit bekanntlich erhöht besteht bei älteren Menschen.
 
Zum Glück ist da in dieser letzteren Hinsicht nichts geschehen, weil die durchaus freundlich dreinschauenden Mädchen aus Indonesien, die dort im Wellness-Bereich angestellt sind, hatten – leider – große Schwierigkeiten, sich auf Englisch zu unterhalten. Trotzdem erlaubte ich mir, auch weil die Frau, die meinen Reisegefährten massiert hatte und körperlich fit aussah, bereits gegangen war und die, die da plötzlich vor mir stand, so schwach und dünn aussah. So fragte ich sie, ob sie denn verstehen könne, was ich sage. Sie antwortete mit „ja“. Und so fragte ich, ob sie diejenige sei, die mich jetzt massieren werde? Sie antwortete erneut mit „ja“ und wollte schon in Richtung Zimmerchen gehen, welches ich mir den Tag zuvor angesehen hatte, um schon mal im Vorfeld zu sondieren, ob es sich denn von der Räumlichkeit her um das handelt, was ich gelernt habe, dass es zu einer Shiatsu-Massage für körperlich nicht eingeschränkte Menschen braucht: eine Decke auf dem Boden und viel Raum für den/die Massierende/n, um den Zu-Massierenden von allen Seiten bearbeiten zu können im Sitzen/in der Hocke, ist nämlich essentiell. Ob sie denn wisse, was Meridiane sind? Ich kam mir echt doof vor dabei. Doch der Vorfall mit den Sportschuhen den Tag davor, den ich mir hier im Gespräch angekommen in Erinnerung rief, half, beim Thema auf beschriebene Weise zu bleiben. Sie antwortete, dass sie nicht verstehe. Sie wisse doch, erläuterte ich, dass es Organe im Körper gibt: Leber, Herz, Lunge etc.? Ja, das wusste sie. Also probierte ich die nächste Vokabel einzuführen, beziehungsweise zu probieren. „Energielinien“, die würden im und durch den Körper für jedes Organ laufen, ob sie das wisse? Ja, das wisse sie. Sie habe ja Fußreflektoren-Massage gelernt. Sie wisse, wo die dort seien. Und ob sie denn auch wisse, fragte ich sie, wo die Linien – ich machte eine Bewegung mit der Hand, um verständlich zu machen, dass ich Körper meine – im Körper verlaufen? Da sagte sie, das wisse sie. Also bat ich sie, mir den Verlauf des Herzmeridian zu zeigen. Das konnte sie nicht. Sie wisse nur an den Fußsohlen, wo das ist, sagte sie. Somit war der Fall für mich klar, nämlich, ich würde zwar eine teure Massage kriegen, aber nicht die, die man im Allgemeinen als Shiatsu-Massage kennt.

Verehrte Leser: Jemand, der Shiatsu-Massage gibt und den Verlauf der Meridiane nicht kennt, ist zu vergleichen mit jemand, der sich einen Zahnarzt nennt, der den Bohrer zwar zu gebrauchen weiß, aber ansonsten keine Ahnung von dem hat, wie ein Zahn aufgebaut ist und in seinen Bestandteilen funktioniert. Würden Sie so einem Zahnarzt sich anvertrauen?

Ich finde, dass es bereits mehr als skandalös ist, dass in einem angeblichen Fünfsternehotel, welches auch noch von Tripadviser letztes Jahr ausgezeichnet worden sein soll, Leute herummassieren, die vor allem durch ihr fernöstliches Äußeres den Kunden eine Art Gewissheit vorgaukeln (müssen), die teuer feilgebotene Shiatsu-Massage von Expertinnen verabreicht zu bekommen. Kann natürlich sein, und ziemlich sicher ist dem so, dass diese Frauen bei der sogenannten Bali-Massage, und wie die anderen Massagen dort noch alle heißen, wissen, was sie tun. Dennoch, es grenzt nicht an Betrug, sondern es ist Betrug, wenn Shiatsu verkauft wird und Fußreflektoren-Massage lediglich drin ist – wenn überhaupt.

Auch ansonsten war das Rocks etwas seltsam. In der Lounch geht so um 16 Uhr das Licht zwar nicht aus, doch es wird gedimmt. Das ist der Bereich, wo Kaffee oder Tee getrunken werden kann und wo Zeitungen, meistens nur auf Türksich, ausliegen, die gelesen werden können. Und wehe man fragt, ob das Licht vielleicht wieder hochgedreht werden könne, weil, wie ja wohl jeder sehen könne, man noch lese. Da muss man doch glatt nach 5 Minuten Warten nochmals nachfragen, weil die dachten offenbar, man habe nicht die Traute, diese Frage nochmals zu stellen.

Locator map of the district of Girne (Kyrenia)...

Locator map of the district of Girne (Kyrenia) in Northern Cyprus. (Photo credit: Wikipedia)

Einige der Kellner an den Tischen waren ebenfalls sehr seltsam. Den ersten Tag fragte der eine oder andere einem geradezu ein Loch in den Bauch und war einigermaßen freundlich; und den anderen Tag grüßten sie noch nicht mal. Die Art und Weise, wie Fragen von ihnen zuweilen gestellt wurden, war schon etwas eigen.
Stellen Sie sich vor, sie sitzen und essen gerade gemütlich und sind dabei im Gespräch mit jemand am Tisch, und von hinten kommt plötzlich ein Kellner von der Seite her ran, der ihnen über die Schulter hinweg von hinten Fragen stellt, so, als wollten diese Fragen unbedingt und sofort beantwortet sein: „Woher kommst du? Warum liest du auf Türkisch? Kannst du etwa Türkisch sprechen?“
Erinnerte mich unwillkürlich an türkische Action-Filme, in denen ein eiskalt geführtes Verhör auf einer Polizeistation, irgendwo im hintersten Anatolien, das Recht eines Beschuldigten gnadenlos bricht. Der nötige Respekt, scheint wirklich ein Thema im Rocks Hotel zu sein!
 
Kurz: Am Schluss, als wir heute, am letzten Tag bezahlten drüben an der Rezeption, entließ uns die Rezeptionistin nach geleisteter Unterschrift ohne ein Auf Wiedersehen – und wieder einmal schleppten wir  Koffer und Tüten alleine, der Bell-Boy sah zu.

Da kann die zuvor erwähnte Safeyet, die Hotelmanagerin eventuell, die morgens an den Frühstückstisch kam, um zu fragen, ob wir noch weitere Beschwerden hätten, und dass sie hoffe, unser Aufenthalt sei dennoch gut verlaufen, wirklich nicht erwarten, dass wir uns in so einer Atmosphäre erneut mit ihr auf dieses Thema einlassen. Und so ließen wir vernehmen, dass eigentlich alles OK sei, außer eben das Ding mit den Schuhen.

 
So etwas ist uns nun wirklich noch nie untergekommen, kein Auf Wiedersehen an einer Rezeption zu erhalten, keine Bell-Boys, die mit anpacken, etc. Solch schlechten Service in einem 5-Sterne-Hotel lässt nach Erklärungen suchen. Wahrscheinlich ist denen dort im Rocks Hotel der felsige Untergrund, auf dem das Hotel steht, zu Kopf gestiegen – und daher dann wohl auch der Name, der offensichtlich eisig wortgetreu umgesetzt wird.

UNSERE EMPFEHLUNG: Den Kasten meiden, wenn Wellness und Service Ihnen am Herzen liegen. Das Essen ist aber gut, die Preise gehen, dennoch ist es schade ums Geld, wenn man sich aus einem nicht erklärbaren Grunde nicht willkommen fühlt. Keine Angst, ich werde nun gewiss nicht dazu übergehen als Nächstes, den Fehler womöglich noch bei uns suchen zu beginnen!

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IV-er Advent

Kyrenia Harbour on a summer night

Kyrenia Harbour on a summer night (Photo credit: Wikipedia)

 

Die vierte Kerze ist nun doch wohl hoffentlich angezündet worden? Wäre schade, wenn Sie das Jahr unvollendet verlassen würden – ein bisschen Tradition, das muss schon sein.

Die Sonne scheint, es könnte demnächst Mai werden, denkt man bei dem Wetter – so schön warm und sonnig ist Zypern an der Küste seit ein Paar Tagen wieder. Es spiegelt völlige Ruhe und Unbesorgtheit der Menschen vor.

Man sollte daher vielleicht nicht der Tradition oder Gewohnheit folgen, und schon früh morgens, obgleich man es sich verboten hatte, die Politis-Tageszeitung zu kaufen. Ja, so ein bisschen Papier zwischen den Fingern, das soll mindestens ein Mal in der Woche sein dürfen – selbstbezahlter Weise – nämlich am Sonntag, wenn recht viele Kommentare drin sind und der Gang ins Cafe in aller Regel ausbleibt.

Gleich auf Seite 2 der Politis vom 22. Dezember 2013 werden traditionell und tagtäglich die Namensgeber eines jeden Tages kurz erörtert – was ihnen wiederfuhr und zumeist auch, wie sie starben. Wir schätzen, dass gut 95% der erwähnten Heiligen – oder was sie noch sind, eben Menschen aus der Kirchengeschichte der Orthodoxie Zyperns – einen gewaltsamen Tod erlitten. Von Vierteilen und Kopfabschlagen ist sehr oft die Rede.
Heute war zur Abwechslung mal eine Frau dran, Anastasia. Die lebte in Rom und wurde mit dem Stadthalter verheiratet. Sie war ja so schön, und dennoch ließ sie sich heimlich taufen und versorgte die verfolgten Christen mit Essen und Trinken etc. Das End von der Geschicht: Sie wurde von ihrem Gatten, einem Götzenanbeter, erwischt, kam in einen Kerker und zuguterletzt starb sie dort – wahrscheinlich, vermuten wir, wegen dem Aufenthalt im Kerker. Vielleicht wurden Frauen ja nicht gevierteilt, wer weiß. Präsident Anastasiadis wird seine Lehren daraus ziehen, hoffen wir. Er hat heute seinen Namenstag – nur Gutes möge ihm gelingen, wünschen wir ihm!

Die Katerina Stefanu, schreibt nebenan, das heißt auf der selben Seite, unter der Überschrift „lasst uns mit den Wörtern beginnen“ zu dem kleinen, aber scheinbar wichtigen Streit um Worte, welcher seit jeher die Verhandlungen der beiden zyprischen Volksgemeinschaften begleitet, beziehungsweise verunmöglicht. Auch das wurde heute in der Politis mehrfach kritisiert. Dass man nicht zur Sache käme, sondern Wortgefechte abliefere, genauer: Formulierungsstreitigkeiten.
Nachdem Stefanu erklärt hat, was der Unterschied eines Stadtstaates wie Bremen und einer Region wie Bayern beispielsweise innerhalb einer Bundesrepublik wie Deutschland ist in ihrem Beitrag, klärt sie, dass die griechischsprachen Zyprer stets von „sinistonta“ und nicht von „sinstatika“ wie die türkischsprachigen Zyprer reden. Beides sind selbstverständlich griechische Worte, und das erstere besagt, dass eine föderale Einheit gemeint ist, und das andere, dass eine konstituierte Staatlichkeit, also ein Staat bestehend aus Bestandteilen gemeint ist. Im Griechischen besteht darüber hinaus nämlich die Schwierigkeit, dass der Stadtstaat „omospondo“ heißt und die Bundesrepublik „omospondiako“.
Wie Ihnen beim Letzteren gewiss ersichtlich wird, fängt das zyprische Spiel mit den Worten und wegen den Worten bei den Verhandlungen vielleicht spätestens hier an. Anfänglich scheinen diese zuvor erwähnten Adjektive und/oder Begriffe noch wild durcheinander geworfen worden zu sein, und hin und wieder soll das auch auf höchster Ebene der Verhandelnden noch immer passieren. Im Interview mit dem ehemaligen Präsidenten aus dem Norden, Talat, sagt dieser, dass die Verhandlungsführer gelegentlich mal etwas sagen, von dem sie genau wissen, dass es nicht zutrifft; oder dass sie das als Ergebnis so gar nicht haben wollen oder sehen. Sie tun dies aus vielerlei Gründen. Zum einen, um ihre zu erreichende Verhandlungposition von dieser, im Grunde schrägen Warte aus zu erarbeiten, was allerdings, meinte Talat, oft in die Hose ginge; und zum anderen müsse immer wieder berücksichtigt werden, dass es gewisse Interessengruppen gäbe, die sozusagen im Hintergrund den beiden Verhandlungsführern Vorgaben machen, die dann befolgt werden wollen, auch wenn derjenige weiß, derart absolute Widersprüche  in den laufenden Verhandlungen zu schaffen.
Darüber hinaus monierte Talat in dem erwähnten Interview in der Politis, dass die jeweiligen Verhandlungsführer eigentlich immer wieder auf die gleichen Themen zurückkämen seit Jahren, Themen, die schon von den Vorgängern ausgehandelt und vereinbart worden sind. Dass letztlich niemand das Ausgehandelte der Vorgänger als ausgehandelt betrachte, sei ein weiteres Problem.

Wir dürfen daher daraus schließen, dass, was wir immer sagen, nämlich, dass diese Verhandlungen so, wie sie geführt werden, nicht zu einem Ergebnis kommen, das ‚wiedervereinigt‘ heißen wird.

 

Girnen / Kyrenia, North Cyprus

Girnen / Kyrenia, North Cyprus (Photo credit: Wikipedia)

 
Jorgos Wasiliu wurde auch interviewt zu diesem Thema in dieser Ausgabe der Zeitung. Auch er war mal Präsident, allerdings im Süden der Insel, also auf der griechischsprachigen Seite. Nach langem Überlegen scheint er nun doch zu dem Schluss gekommen zu sein, dass Kyrenia, türkisch: Girne, die zweitgrößte Hafenstadt im Norden Zyperns, nicht wieder zurückerlangt werden könne, und dass sich die griechischsprachigen Zyprer besser endlich an diesen Gedanken gewöhnten. Solche Aussagen zu machen, ist auf Zypern durchaus mutig.
Des Weiteren findet er, könne man den Gedanken vergessen, dass die inzwischen im Norden sesshaft gewordenen Türken vom Festland wieder zurück in die Türkei beordert werden könnten nach der Vereinigung. Es gäbe nun mal keine Gerechtigkeit in der Welt, und außerdem hätten die Griechisch-Zyprioten auf ihre Weise zu dieser Ungerechtigkeit, die ihnen wiederfuhr, beigetragen, als sie damals der griechischen Junta erlaubten, dass Grivas Makarios III stürzte und somit der Türkei Anlass gaben, einzureiten. Man habe diese verbrecherischen, verräterischen Aktionen damals schließlich unterstützt, also müsse man nun auch die Konsequenzen er-tragen.

Was Jorgos Wasiliu auch gleich in Frage stellte, war der Kauf von angeblich lediglich 2 U-Booten aus Israel, der dieser Tage zur Debatte steht. Die Regierung solle sich sputen, denn die Israelis würden das Land bereits am Montag, also am 23. Dezember 2013 verlassen! Wasiliu ist nicht der einzige, der das Geschäftchen nicht verstehen kann. Hinzukommt, dass auch noch einige Hubschrauber aus Russland geordert worden waren, ebenfalls, unter anderem, um die Verteidigung der Erdgasfelder im Fall der Falle damit erfolgreich durchziehen zu können.
Ob man wirklich glaube, man könne mit den beiden U-Booten auf die angreifenden Türken in diesem Falle schießen? Und was kommt danach, fragte Awerof Neofitu, Vorsitzender der Regierungspartei DISI der Republik Zypern, in der Politis. Es sei merkwürdig, zum einen Verhandlungen führen zu wollen und zum anderen aufzurüsten, sagte er. Hinzu käme, dass von Experten wiederholt klar gestellt wurde, dass diese Waffen nicht gebraucht würden, schon gar nicht dann, wenn „Kinder hungrig in die Schule gehen müssten“. Die Helikopter von den Russen und die U-Boote seien einfach zu teuer, vor allem ihre Wartung und die Zusatzkosten etc.
Über dieses Thema scheint sich die ganze Republik derzeit aufzuregen. Die kluge Politik des einstigen Erzbischofs Makarios III, der es verstanden hat, die geo-strategische Lage Zyperns im Kalten Krieg bestens zu verkaufen, scheint von seinen Nachfolgern aus den Augen geraten zu sein. Bei all den Deals, die getroffen werden, wo anscheinend Unterschriften unter die seltsamsten Verträge, die alles andere als zuträgliche Bedingungen für das Wohl des Landes oft haben, weil sie Kosten über Kosten den Bewohnern aufbürden etc., finden wir, lassen zwangsläufig die Frage aufkommen, inwieweit Korruption die jeweils Verantwortlichen dazu brachte, so ein Vertragswerk zu unterzeichnen. Die Gefahr, gerichtlich belangt zu werden, ist bekanntlich auch in Deutschland für Politiker eher gleich Null – so auch auf Zypern.

Nikos Katsuridis, der große, alt Politiker Zyperns Linker, wurde offiziell aus seinen Ämtern in der AKEL-Partei verabschiedet. Sein Genosse Xristofias, schreibt Xristu Georgiu in der Politis vom 22. Dezember 13, scheint ebenfalls verabschiedet worden zu sein, nach dem, wie die Neuberufungen in den vergebenen Posten der Partei zu beurteilen seien. Kann gut sein, meint Georgiu, dass sich der letzte Präsident der Republik Zypern, also Xristofias, dieser Tatsache noch nicht bewusst geworden ist – man hat ihn offenbar elegant dergestalt in Rente geschickt. Georgiu – insofern interessant, weil es sich ja um eine kommunistische Partei handeln soll bei der AKEL – betont ausdrücklich, dass keiner all derjenigen, die nun ihren Hut nahmen, oder genommen bekommen haben, im offiziellen Rentenalter befinde. Aber bekanntlich sind Politiker ja eine andere Dimension, die so etwas wie zu Erreichendes Rentenalter wohl nicht kennen!

Jorgos Kakuras schreibt unter: „es kommt das Wasser aus der Türkei“, dass die Türken inzwischen recht kräftig am Bauen und Machen sind. Es soll bereits ein Kilometer Rohrleitung verlegt worden sein in Richtung Zypern von der Türkei aus. Das heißt, noch einige Kilometer wollen verlegt sein, ungefähr 280. Die Schwierigkeiten, ist zu lesen, würden nun jedoch beginnen, weil die Rohre auf 280 Meter Tiefe eine Art schwimmende Stützvorrichtung bräuchten, die anzubringen, offenbar nicht so einfach sein wird in 80 km Tiefe des Meeres in jener Region.
Einige Umwelttechniker sehen ein weiteres Problem darin, dass das Wasser in den Rohren durch irgendetwas, irgendwie verunreinigt werden könnte und es dann äußerst schwer werden wird, die Rohrleitung einwandfrei sauber zu kriegen. Doch auch andere Probleme warten. Zum Beispiel an dem Ort, wo das Wasser dann in Zypern ankommen und gesammelt werden wird. Dort sei mit Schäden in und an der Umwelt zu rechnen und noch niemand habe sich die Mühe gemacht, im Vorfeld mal solche Dinge durchzurechnen. Und sollten die griechischsprachigen Zyprer, des Weiteren, sich verweigern in Zukunft, das aus der Türkei kommendes Wasser, also den für sie vorgesehenen Anteil, doch nicht zu kaufen, dann wäre das eventuell der Punkt, der das Projekt zum erliegen bringen könnte – mal abgesehen von den anderen Fallstellen, die da noch wären.
Es wird bereits davon geredet, niemand verwundert es, dass diese Wasserleitung nicht nur die Ewige Abhängigkeit von Ankara bringt, sondern auch, dass das Projekt die Wiedervereinigungsverhandlungen positiv beeinflussen dürfte. Wir ersparen Ihnen unseren Kommentar dazu und weisen lediglich darauf hin, dass in diesem Zusammenhang auch gesagt wird, dass die Erdgas- und Erdölförderaktion, oder wie man es nennen darf, sozusagen im Austausch mit dem Frischwasser aus der Türkei die daniederliegende Ökonomie der Zyprioten auf beiden Seiten, reziprok sozusagen, ankurbeln wird.

Das Problem auf dieser einigermaßen runden Welt ist halt nur, man weiß nie so recht, was die Zukunft noch alles bereithält. Und dass Herr Erdogan ausgerechnet jetzt etwas ins Taumeln geraten könnte im südöstlichen Mittelmeer, nur weil ein Herr Gülen von Amerika aus ihm die Freude am stillen Abändern der türkischen Verfassungsänderung erleichtern oder versauen will, ist wohl Schicksal. Wir denken, dass Erdogan zu professionell und zu Machtbesessen ist, um sich von seinem Ziel, die Verfassung so zu ändern, dass der künftige Präsident der Türkei, also er, zukünftig mehr Befugnisse haben wird, nicht abbringen lassen wird. Dann spätestens wird auch klarer werden, welche Rolle dieser Gülen mit seiner Hizmet-Partei in der Türkei spielt und noch spielen wird.
 
Ex-Präsident Talat aus dem Norden Zyperns glaubt, dass Präsident Anastasiadis aus dem Süden Zyperns eigentlich eine Vereinigung will, doch Talat hat Zweifel daran wegen der Entourage von Anastasiadis: die autokephale orthodoxe Kirche Zyperns, die ewig Gestrigen, die es auf Zypern im linken wie auch im politisch rechten Spektrum gibt, etc.            

Gewiss wollten sie noch wissen, wie es weiter geht mit den Deutschen und den ehemals anderen Deutschen in und um Zypern. Wir bitten Sie, dazu den nächsten Beitrag zu lesen! Schönen vierten Advent!

 

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Klassik in zwei Variationen – Nordzypern

Wenn vom Norden Zyperns gesprochen wird, heißt dies, dass damit der türkischsprachige Teil, der sich 1983 als selbständiger Staat proklamierte, gemeint ist. Seit der Öffnung der verschiedenen Grenzübergänge und dem Beitritt des Südens von Zypern zur EU, ist der nördliche Teil leichter zugänglich.
Viele kulturell interessante Orte sind dort zu besichtigen, wie u.a. die Klosteranlage Belapais (türkisch:Beylerbey), die sich rühmen darf, eine der schönsten gotischen Klosterruinen des Mittelmeerraumes zu sein. Dass das gleichnamige Dörfchen einen unglaublichen Reiz aufweist, zeigt sich auch darin, dass stets Künstler und Schriftsteller dort gewohnt haben und heute noch wohnen, wobei einer der berühmtesten der englische Schriftstelle Lawrence Durrell war, der seinen Bestseller „Bittere Limonen“ in eben diesem Dörfchen geschrieben hatte.
Gemäß Baedeker wird gesagt, dass die Abtei 1205 von Augustinermönchen gegründet wurde, die nach der Eroberung Jerusalems durch Saladin nach Zypern geflüchtet waren. Die damals herrschenden Lusignans waren zuweilen großzügige Spender. Der Niedergang von Belapais begann erst im 16. Jahrhundert, und als die Osmanen Zypern eroberten flohen die Mönche. Der Kreuzgang ist noch teilweise erhalten und benutzt wird noch immer das Refektorium mit seinem vollkommen erhaltenen Kreuzrippengewölbe. Über dem Portal, noch sehr gut sichtbar, prangen die Wappen der Lusignans, die sich dort als Könige von Zypern und Jerusalem ausweisen.
Dieser gotische Festsaal ist heutzutage Austragungsort vieler Konzerte. Kürzlich wurde ich darauf aufmerksam, dass ein Wohltätigkeitskonzert besonderer Art stattfinden würde. Ich habe nicht gezögert, dorthin zu fahren und war vom Konzert begeistert. Schon das Organisationskomitee war grenzüberschreitend und gut strukturiert. Es waren zwei Rotary Clubs, und zwar der nordzyprische „Nicosia Sarayönü Club“ zusammen mit dem Istanbuler „Ataşehir Club“ am Werke.
Der erste Teil des hervorragend organisierten Abends war europäisch klassischer Musik gewidmet. Die nordzyprische Sopranistin, Laden Ince, die in Ankara, England, Italien, Deutschland und in der Schweiz Gesang studiert hat, meisterte ihre Darbietung hervorragend. Die Auswahl ihrer Stücke war breit gefächert und führte von Mozart Arien, über Schubert und Brahms Lieder hin zu Verdi und Puccini. Sie meisterte ebenfalls die schwierige Arie „Mein Herr Marquis“ aus Johann Strauss‘ Fledermaus mit Bravur. Es ist klar, dass der jungen Sängerin an einem solchen Abend und bei einem so variantenreichen Programm nicht alle Stilrichtungen perfekt gelingen konnten – doch dennoch! Als Gesamtbeurteilung darf aber gesagt werden, dass dieser jungen Sopranistin eine erfolgreiche Karriere bevorstehen dürfte. Am Klavier begleitet sie einfühlsamn Demet Alkan, die ebenfalls eine beachtlichen Wertegang aufzuweisen hat.
Der zweite Teil des Abends bestand aus klassischer Folklore und spannte sich inhaltlich über Kontinente. Der Star war die türkische Mezzosopranistin, Serenad Bağcan, die aus einer Musikerfamilie in Ankara stammt. Sie wurde begleitet von Mehmet San, am Klavier, von Bilgin Canaz an der Ney, von Balkar Tamuçay, Trompete, und Tansu Karpinar, Perkussion. Das weitgespannte Repertoire umfasste Lieder des aus Bosnien stammenden Goran Bregovic (geb. 1950), dem Panamesen Carlos Eleta Almara (1921-2011), dem Argentinier Atahualpa Yupanqui (1908-1992), der in seinen jungen Jahren mit seiner Musik Furore in den europäischen Städten auslöste, sowei verschiedenen sogenannten anonymen Komponisten. Wer, bei einem solchen Anlass unter keinen Umständen fehlen durfte, ist die lebende Legende (wie das ZDF meint) Zülfü Lívanelí selbstverständlich gewesen. Er trug ein Lied vor.
Die Sängerin Bağcan, also, mit ihrem perfekt eingespielten Team der vier Musiker fesselte die Zuschauerschaft mit der facettenreichen Interpretation dieser sehr verschiedenen Stilrichtungen innerhalb der klassischen Folklore gekonnt. Ihre satte Stimme, die auch Höhen und Tiefen spielend meisterte, setzte sie wirklich wirksam ein. Der lang anhaltende Applaus des zahlreichen Publikums wurde ihr zurecht so erteilt.
Nach dem Konzert traten wir aus dem gotischen Saal der Anlage in Belapais in die laue Luft eines wunderschönen Spätsommerabends in den beleuchteten Patio des alten Klosters unter einen funkelnden Sternenhimmel, wo die dort nahezu perfekte Harmonie von Architektur und Musik einem erst recht bewusst zu werden schien. Letzteres, die angesprochene Harmonie, ist gewiss kein Zufallsprodukt, sondern war und ist gewollt, zumal heute noch existent – wenn auch nachgeahmt, beziehungsweise empfunden; doch nun zum Glücke den Menschen.

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