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Posts Tagged ‘hilton salalah’

Der Flug nach Salalah war OK. Eine kleine Maschine ist es gewesen, wo 2 Personen nebeneinander sitzen, nicht 3e wie sonst als. In knapp 70 Minuten waren wir dort angekommen. Ein Taxi oder Shuttle, wie in Aussicht gestellt wird auf der Internetseite des Hilton, wartete allerdings nicht auf uns. Wir durften am Telefon erfahren, ein Shuttle hätte rechtzeitig anfgeordert werden müssen und koste zudem auch Geld. Keiner da, also, der uns abholte. Die Dame an der Information in der Flughafenhalle von Salalah war so nett, uns einen Telefonanruf ans Hilton von ihrem Apparat machen zu lassen, womit schon ein erster Eindruck sich abzuzeichnen begann.

Die Flughafenhalle hat ein recht offenes Ambiente, super-neuer Baustil. Man hat es erst gar nicht versucht, zu orientalisieren, was dem Auge irgendwie gut tat und hoffen lässt. Das wir den Anruf an der Information des Flughafens tätigen konnten, ist nichts Selbstverständliches, hatte ich den Eindruck. Die recht nette junge Frau am Schalter der Info sagte, das Taxi zum Hilton Hotel würde 15 Rial kosten. Die Stimme aus dem Hilton am Telefon sprach indes von 10 Rial und der Herr am Flughafen, der die Taxifahrer einteilt, schrieb auf die Quittung, die er ausgestellt hatte, „7 Rial“. Wie sich herausstellen sollte, schien ihn eventuell die Tatsache zu begeistern, dass ein Deutscher Arabisch mit ihm spricht: „Deutsche sind unsere Freunde!“ Das sagt er vielleicht auch auf Englisch zu dem einen oder anderen Touristen. Kann ja sein, dass der Preis fürs Taxi dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird wie bei uns?

Wir fuhren los und kamen nach etwas längerer Fahrt im Hilton an. Gerade hatten wir eine Art Fabrik oder Hafenanlage hinter uns gelassen, als  der Taxifahrer zu unserem Erstaunen dennoch nach rechts abbog. Das Auto fuhr eine Schleife auf einer kleinen Straße in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Zum Hafen wollen wir nicht, war ich drauf und dran zu sagen, als um die Ecke, wir fuhren an einem recht hohen Blechzaun entlang, hinter dem offensichtlich ein Gebäude hochgezogen wird, plötzlich etwas gepflegtes Grün erschien und weiter links dahinter so etwas, wie eine Auffahrt, die nach Hotel aussah – nach etwas chickerem.

Nichts nennswert Schönes, was die Landschaft auf dem Weg ins Hilton bereitgehalten hätte fürs Auge. Keine interessante Architektur weit und breit und auch keine Landschaft, die den Betrachter zumindest anfänglich in ihren Bann zieht.

Dass das Hilton von Salalah unmittelbar an einer Hafenanlage liegt, kann leider auch auf keinem Prospekt der Reiseveranstalter (zum Beispiel FTI oder Sonneklar) gesehen werden – auch nicht, dass man von Transportschiffen geradezu eingekreist ist, die den Blick übers Meer etwas verstellen. 19 Schiffe haben wir in einem ungefähren Abstand von sagen wir 500 Metern zum Ufer gezählt – meistens Frachter.

Unweit des Hiltons, zur rechten, wenn aus dem Hotel getreten wird in Richtung Meer, gibt es eine Art Meeresbusen, auf dessen im Meer gelegenen Rand viele viele Kräne stehen, die wie von Künstlerhand nachempfundene riesen große Krähen aussehen. Nachts leuchten viele Scheinwerfer an ihnen in Richtung Strand, also auch in Richtung Hilton. Es verseucht den schönen Sternenhimmel zwar etwas, doch irgendwie kann diesem Ereignis etwas abgewonnen werden komischerweise. Es hebt den Eindruck auf, in der Einsamkeit des Hiltons nicht so alleine zu sein. Die Scheinwerfer an den eindrücklichen Krähnen strahlen ein gelbliches Licht aus. Erinnerungen an Weihnachten werden unweigerlich wieder wach.

Unmittelbar neben dem Hilton wird also anscheinend ein weiteres Hotel hochgezogen – Baulärm herrscht zwar, doch der scheint gerade in einer Phase zu sein, in der der Lärmpegel der Bauarbeiten nicht so hoch ist. Wie zu erfahren war, können auch Wohnungen hier in der Umgebung gemietet werden. Unweit des Hiltons ist so eine Anlage, von der wir zuerst dachten, Soldaten oder Beamte wohnten dort. Doch einige Tage danach erfuhren wir auf der Fahrt nach Salalah, dass statt des Hiltons durchaus auch diese Option der Unterbringung Sinn machen könnte. Nur, so richtig nahe an Salalah gelegen ist auch dieser Ort noch längst nicht. Soll heißen, ohne Taxi kommt man da nicht wirklich weiter. Auto mieten?

Bevor man ins Hilton kommt, fährt man allerdings auch an einer riesigen Anlage vorbei, aus der einem ganz früh morgens seltsame Düfte in die Nase hunderte Meter entfernt und vor dem Hilton stehend am Meer steigen, bevor man ins Wasser springt. Dort soll Zement hergestellt werden. Im Hilton zu wohnen, bedeutet durchaus, wirklich in der Pampa, das heißt auch, in den Händen des Hilton, seines Personals und in den Händen der Taxifahrer zu sein. Kein Supermarkt weit und breit. Kein kleiner Laden. Nichts, nur Hilton und Taxifahrer, die wie Haie vor der Hotelanlage auf Kundschaft lauern.

Salalah soll die zweitgrößte Stadt im Oman sein und liegt 10 Rial entfernt – Hin- und Zurückfahrt plus der Option, den Fahrer ein oder zwei Stunden auf sich warten zu lassen, kostet dieser Spaß. Salalah ist in etwa 5 km vom Hilton entfernt gelegen.

Der Taxifahrer, den wir am Flughafen von Salalah zugewiesen bekommen hatten, bestand auf 10 Rial, obgleich auf der Quittung ja „7“ stand. Wir gingen ins Hilton und bezahlten den Taxifahrer vorerst nicht, der die 7 Rial nicht akzeptieren wollte, die wir mehrmals beabsichtigten, ihm zu geben. Er nähme „immer“ 10 Rial. Dem Rezeptionist erklärten wird, dass da noch ein Taxifahrer auf sein Geld draußen vor der Tür wartet, der unseren Beleg über 7 Rial nicht anerkenne. Bei der Gelegenheit baten wir gleich darum, dass das Hilton Hotel bestens gleich diese Angelegenheit erledigte, indem es die Kosten für das Taxi übernimmt, da ja im Internet von Shuttle die Rede sei, der angeblich andauernd hin und her fahre. Und ein Shuttle bedeutet ja wohl nicht, dass dafür gezahlt werden muss als Gast des Hotels. Sogar der Shuttle vom Golden Tulip in Muskat war wie selbstverständlich umsonst.

Ja, wir hätten uns doch rechtzeitig anmelden müssen für den Shuttle, wiederholte der Rezeptionist, und überhaupt wäre uns dieser Service eh teurer gekommen als ein Taxi. Das stünde so aber nicht im Internet, sagten wir.

Es ging dann noch etwas hin und her und ich dachte, bevor der Taxifahrer mit seinem womöglich kriegerischen Stamm zurückkehrt wegen 3 Rial oder eine Knarre zieht und uns abknallt, und bevor ich die Lust an allem verliere, mich verschaukelt fühle, zahlen wir halt, so dass endlich Ruhe herrscht.

Vielleicht war die Aussicht auf solch unerfreuliche Diskussion mit dem Fahrer auch der Grund, warum dieser die ganze Fahrt über äußerst düster drein blickte und kein Wort sprach hinter seiner tief schwarzen Sonnenbrille. „Bitte sehr“, dachte ich da nur.

Unsere Ruhe, die hatten wir dann aber noch nicht ganz gefunden oder erworben, als wir endlich im Zimmer tiefer zu schnaufen begangen. Denn im Internet steht auf der Seite des Hilton Hotels auch etwas von „Free Wifi“. Doch wenn der von freien Zugängen verwöhnte Browser unseres Laptops mit der Webseite des Hilton Hotels zusammenrasselt, ist plötzlich zu lesen, dass das Hotel knapp 20 Euro am Tag für eine Internetverbindung abknöpfen möchte.

Das wir von „freiem Internetzugang“ gelesen hatten, erklärten wir den Herrschaften von der Rezeption vom Zimmer aus. Das Zimmer ist eigentlich gar nicht so schlecht, ebenerdig. Und wenn nicht gerade fünf Minuten nachdem wir dort eingezogen waren, jemand in einer Staubwolke aus Gift gehüllt vor unserem Raum vorbeigekommen wäre, wäre die Ruhe gewiss schneller eingezogen. Der Giftverspritzer sah irgendwie aus, als wäre er aus Utopia angekommen, als würden die zu erledigenden Stechmücken so groß sein wie einst, als noch Mammuts oder Dinosaurier lebten. Wie in einem Schreiben der Hotel-Direktion steht, welches den Gästen in den jeweiligen Zimmern seine Aufwartung macht, geschieht diese Giftverspritzzeremonie jeden Tag um diese Zeit, also in etwa um 17 Uhr.

Wie wir später sehen konnten, ist unter anderen auch der Ort unter Stechmückengift-Beschuss, an dem danach gegessen und getrunken wird, das Restaurant und die Bar, die, wie sich herausstellt, wird die letztere immer interessanter nachts. Wahrscheinlich ist sie etwas wie ein wichtiger Teil des hiesigen Nachtlebens, wo Mensch sich trifft. Bis morgens um 3 Uhr geht dort die Post ab. Viele der Besucher dieser beiden Orte dürften sich dessen nicht bewusst sein, dass Stühle, Tische und die Pflanzen, die die Terrassen dieser beiden Orte zieren, sozusagen tröpfchenweise ihre giftige Fracht in die Nasen, auf die Hände und in die Getränke und Essen auf die eine oder andere Weise abgeben. Gruß an die Leber, oder ist die Milz dafür mehr zuständig?! Jedenfalls ist die Bar gut besucht von bis nachts um Drei lärmenden Einheimischen. Die Fenster der Zimmer scheinen aber einigermaßen gut gedichtet zu sein, so dass der Lärm wahrscheinlich für alle Beteiligten erträglich zu sein scheint. Sogar Alkohol wird ausgeschenkt, auch an die Omanen.

Nun, die Herrschaften von der Rezeption hatten uns wohl noch in Erinnerung, als wir des freien Interenetzugangs wegen anriefen und zeigten sich entgegenkommend. Da muss man doch vor Dankbarkeit eigentlich schon in den Boden sinken.

Wir sollten doch bestens Mitglieder des Blue- SonstwasClub des weltweiten Hilton Imperiums werden und dann könnten wir Wifi „umsonst“ haben. Versteht sich, dass einer von uns ob der Mildtätigkeit nochmals zurück an die Rezeption musste, um die Mitgliedschaft, die angeblich nichts kosten soll, klar zu machen. Später erfuhren wir, andere Reisende erhielten ihren Anschluss ohne Heck-Meck an der Rezeption. Das waren allerdings auch diejenigen, die in Gruppe unterwegs sind. Die können offenbar auch bis 20 oder 21 Uhr ihr Zimmer behalten, bevor sie an den Flughafen fahren, wahrscheinlich plus Shuttle ohne Zusatzkosten. Uns wurde schon mal die Auskunft gegeben, dass ab 15 Uhr das Zimmer geräumt sein müsse am Tag unseres Abfluges, ansonsten müsste „leider“ pro Stunde ein Aufschlag von umgerechnet knapp 20 Euro einkassiert werden.

Dass die zuvor erwähnte Mitgliedschaft im Blue Club des Hiltons wirklich nichts kostet und keine derartigen Folgen hat, glaube ich erst, wenn die Abrechnung der Kreditkarte in 1 oder 2 Monaten oder am Ende des Jahres 2016 nichts dergleichen ausweist.

Den Weg zum nahen Strand fanden wir am Tag unserer Ankunft irgendwie nicht mehr. Zwar war die Sonne noch anwesend, doch leider kann die Tür, die von unserem Zimmer direkt raus zum Strand führt, nicht so zugezogen werden von außen, dass sie niemand anders aufmachen kann, wenn man sich entfernt hat. Es gilt den Umweg über die Rezeption und vorbei an den Läden und den Restaurants zu machen etc. Wir entschieden uns – wohl auch daher – für das Gym.

Die Geräte im Fitness-Raum sind nicht schlecht. Ich versteh davon leider wenig. Die Geräte scheinen technisch jedenfalls so toll zu sein, dass ich die Knöpfchen meist nicht so gestellt oder gedrückt bekomme, dass dabei so ungefähr das raus kommt, was ich mir vorstelle. Anscheinend sind im Fitness auch ein oder zwei junge Männer angestellt, die beim Gewichtetraining etc. helfen. Sah gewaltig nach Stress und Zwang aus, was die anzubieten hatten. Und dass da mal jemand rüber gekommen wäre von denen und uns beim einstellen der Elektronik geholfen hätte, war offensichtlich nicht drin.

Ich kenn mich in Sachen Sport jedenfalls gut aus, insbesondere beim Sport für Ungeübte oder Ältere. Habe die verschiedensten Sportarten hinter mir. Diese Helfer oder Trainer im Gym des Hilton von Salalah, sagen wir mal, sind von der alten Schule. Armes Kreuz, arme Gelenke, arme Fitnessfreunde höherer Semester. Zwei ältere Herren hatten die beiden in der Mangel, als wir dort waren. Ein Wunder, dass nicht schon vor Ort was geschehen ist. Gern hätte ich die beiden den anderen Morgen danach mal befragt, wie es ihnen geht.

Ja, irgendwie ist der Gym dennoch OK. Wirkt etwas beengend, hat kleine Fenster, die nicht geöffnet werden. Warum? Vielleicht damit die verschleierten Frauen, die an diesem Ort von außen zufällig vorübergehen könnten, die (werdenden) Muskelmänner nicht stöhnen hören?

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Gut geschlafen. Ein relativ weiches Bett scheint vor steifem Rücken früh morgens zu schützen. Immer mehr Zweifel ich daran, dass der Kauf meines Futon eine gute Idee war, denn ich wache recht häufig steif wie ein Stock nahezu auf – egal, wie viel ich mich den Tag davor bewegt habe. Das Frühstück war ganz OK im Tulip. Die Bediensteten, zum Beispiel einer aus Kamerun, sind im Restaurant, der auch gleichzeitig Frühstückssaal ist, recht freundlich.

Die Fahrt mit einem Taxi vom Hotel in die Stadt kostete 10 Rial, war an der Rezeption zu erfahren. Die Frau, mit der wir sprachen, war eventuell die Besitzerin, und sie wies den Taxifahrer auch an, uns in die Altstadt zu fahren. Der Rial steht bei etwa einem Euro zu 0, 25 Rial. Vor diesem Hintergrund kommt mir die Taxifahrt schon etwas teuer vor, obgleich die Strecke in die Stadt nicht gerade kurz war. Der Spritpreis ist indes scheint noch immer erträglich gering. Er dürfte so bei 30 Cent pro Liter liegen.
Und dann kamen wir im Bezirk Mattrah an, diesem sagenumwobenen Stadtteil von Muskat. Das ist ‚der‘ Ort in Muskat. Mattrah sei tausend und eine Nacht. 3.000 v. Chr. soll es bereits menschliche Siedlungen im Oman gegeben haben. Keine Angst, davon liegt im Suq von Mattrah gewiss nichts zum Kauf herum. 630 n. Chr. Wurde der Oman islamisiert. Es wurde zu einem Teil des Khalifat. Eine islamische Sekte namens Ibaditen gründeten ein unabhängiges Imamat. Das war im 9. Jahrhundert. Dann kamen die Perser, danach die Portugiesen. Zwischenzeitlich behaupten sich die Omanen etwas als Seemacht auf dem Indischen Ozean. Einge Stätten des Landes wurden zu wichtigen Handelsstätten. Der Sultan entstammt der Said-Dynastie, die das Land seit ungefähr 1750 beherrscht. 1958 machen sich die Briten breit. Die letzteren helfen, das Land 1958 zu vereinigen. Schon 1961 wird die Erdölförderung zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. 1973 werden diplomatische Beziehungen zur Schweiz aufgenommen. Die Eidgenossen spielen heute keine ausschlaggebende Rolle im Lande. Ihre Chance scheinen sie offenbar nicht genutzt zu haben. Wahrscheinlich ist den Schweizern der Oman ökonomisch zu unbedeutend gewesen und das politische System, wer weiß, zu undurchsichtig und zu anstrengend. Jedenfalls machten sich die Deutschen bereits 1973 etwas breit im Oman. Zum Beispiel in Sachen Luftverkehr etc. Seit 1970, schreibt ein Merkblatt für Touristen, welches im Hilton von Salalah – Oman ausliegt „[regiert der] absolutistische Herrscher Sultan Qabus … das Land … .
Was wir indes im Suq von Mattrah sahen, war ausgiebig Plastik und nochmals Plastikartikel zum Kauf feil geboten sowie überwiegend kleine Geschäfte, die voll mit Goldschmuck waren und eher wenig alte Kultur. Im Grunde ist das, was dort geboten wird, recht eintönig und einfallslos im Gegensatz zu dem, was das Alte Arabien einst aufzuweisen hatte: Kultur, Kunst, Wissenschaft.
Wer fährt schon in den Oman solches Geklumber zu kaufen? Wahrscheinlich reicht meine Phantasie und Menschenkenntnis nicht, um mir diesen Touristen, meinetwegen aus Deutschland kommend, vorstellen zu können.
Der sogenannte Suq in Mattrah – Muskat ist architektonisch absolut unspektakulär. Es handelt sich um ganz banale einstöckige Betonhäuschen, die ihn umstellen. Deren Wände sind einst weiß gewesen. Die Dächer sind flach wie das, was womöglich den kulturellen Istzustand von heute bezeichnet?
Eine große Enttäuschung.
Lediglich im Zentrum des dürftig großen Suq ist eine wahrscheinlich alte hölzerne Decke zu sehen, die so dunkel gehalten ist, dass sie uns erst beim dritten Durchgang aufgefallen ist. Weil die Augen kleben halt doch auf dem, was angeboten wird und auf den Gesichtern der Menschen.
Wenn in diesem Suq herumgelaufen wird, versteht man aufs Mal, dass die Bilder im TV und in Broschüren gekauft sein müssen. Anders kann es einfach nicht (mehr) sein. Das soll bedeuten: Die Leute, die diese tollen Berichte von dem angeblich tollen Markt in Mattrah machen, filmen diese Einöde dort so ab, dass man in der europäischen Ferne wirklich ins Träumen gerät von Tausend und Einer Nacht, die im Oman noch existiert.
Somit steht fest: Das alte, schöne Arabien ist wahrscheinlich nur noch in Sanaa, Jemen, zu sehen, wenn die Saudis und ihre Verbündeten noch was davon übriglassen. Teheran und Istanbul sind ja bekanntlich nicht Arabisch. Nur teilweise.

Dass Teile der Presse und der Medien, die ihre angebliche Unabhängigkeit so gern hervorheben, einem einfach nicht sooo unabhängig erscheinen, beweist also die Tatsache, dass der Suq von Muskat – Oman ein schlechter Witz ist im Vergleich zu dem, was man sonst darüber so liest und sieht.
An dem Vorwurf “Lügenpresse“ haben die Herren und Damen von der Presse und den Medien kräftig mit gezimmert und tun es immer noch. So ein Lämplein ging mir schon mal auf, doch schnell war es wieder verdrängt, als ich in den Iran fuhr in den 90er Jahren. Dort stellte ich äußerst verwundert immer wieder fest, dass meine vorgefertigten Bilder über Land und Leute und dem schrecklichen Regime, welches dort herrschen soll, einfach nicht zutreffend sind. Sogar auf Grund meines Studiums der Iranistik war ich nicht befreit von dieser Indoktrination. Persisch, dachte ich gerade, könnte hier in Oman durchaus ein weiteres, wichtiges Mittel sein, um tiefer in die Gesellschaft Einblick zu erhalten. Arabisch etwas zu sprechen, scheint es definitiv zu sein. Es öffnet den Zugang immens. Das zeigt sich in ihren Gesichtern, die von versteinert zu warmherzige dreinschauend sich wandeln.
Dennoch:

Es kann doch nicht sein, dass niemand diese Plastikartikel, wahrscheinlich made in China, in Dokumentarfilmen nicht zeigt. Diese Geschäfte sind dort im Zug fast gar genau so Zentral gelegen wie diejenigen, die Schmuck aus Gold verkaufen.
Und dass niemand den Dreck unmittelbar hinter dem Suq, an diesen angrenzend, mit seiner Kamera aufnimmt, der beinahe schon an Orte erinnert, wo man solchen Unrat ansonsten verortet und weiß, dass es dort so aussieht, bestätigt schon geradezu, dass verfälschend berichtet wird. Anstatt wird ein Bild von diesem Suq und dieser Stadt verbreitet und aufrecht gehalten, welches einfach nicht der Realität entspricht.
Und wenn der Sultan tausend Mal in die Medien setzen lässt, er habe angeordnet, die Straßen seien sauber zu halten!
OK, das ist wohl auch der Fall, nur es gibt eben die Bereiche neben den Hauptstraßen vordringlich, wo Fremde durchaus auch Geld ausgeben gehen und sich, wie ich, wundern dürften.
Am Rande des Suq in Mattrah gibt es zum Beispiel eine öffentliche Toilette, die stinkt bis in den Bereich des Suq, wo Gold verkauft wird an jener Abzweigung. Männer stehen vor der total versifften Toilette an, um sich zu entleeren. So erging es auch mir. Doch je näher ich der vor Schmutz stehenden Tür kam, desto weniger Lust überkam mich, die Tür demnächst anfassen zu sollen und dann in der Toilette selbst, womöglich noch was vorzufinden? So genau wollte ich es dann doch nicht wissen, früh morgens. Ich zog vor, mich etwas zusammen zu reißen und kehrte unverrichteter Dinge um. Bevor wir einen Kaffee in einem der Cafés davor bestellten, fragte ich nach einer Toilette. Die war im zweiten Stock. Im Vergleich zu dem, was ich davor gesehen hatte, na ja. Ging so. Doch wenn man bedenkt, dass da Männlein und Frauen drauf gehen, wo unten am Boden der Toilette, innen, schon alles ekelig braun in der Farbe von Sch… ist, dann fragt man sich unweigerlich: Muss das so sein?
Uuaah!
Die Altstadt von Jemen ist wahrscheinlich der einzige verbliebene Ort, der das alte Arabien genannt werden kann. Es ist allerdings zu befürchten, dass das eventuell nicht mehr viel länger der Fall sein wird. Die Auseinandersetzungen dort scheinen anstatt ihr Ende zu haben, gerade erst so recht in Aufschwung zu geraten.

Und weil dieser Markt oder Suq in Mattrah so schräg und komisch war und wir bei der Gelegenheit feststellten, dass uns der Taxifahrer nicht in der „Old Town“ abgesetzt hatte, wie wir es angefragt hatten, sondern eben in Mattrah, machten wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin. Knapp 45 Minuten an der sogenannten Cornich in der Sonne galt es zu gehen. Das Wasser im Meer schien sauber zu sein. Und dann standen wir vor einer weiteren, angeblich sehenswerten Anlage, dem Palast des Sultans. In der Stadt Salalah, wurde uns Tage später vom Taxifahrer gesagt, soll der Sultan schon volle 15 Jahre nicht mehr in seinen dortigen Prachtbauten vorbeigeschaut haben.
Gestaunt habe ich dort in der Old Town von Muskat über die Dreistheit, einem so etwas als Attraktion heiß zu machen, wie auch die Pforte zur Altstadt, die nicht älter als 50 Jahre sein kann. Kann ja sein, dass der Palast von drinnen wunderschön ist. Doch was wir Fußvolk sehen dürfen, ist so viel wie Nothing davon von außen! „Der Untertan“, wie in Heinrich Mann in seinem gleichlautenden Roman zeichnete, lässt grüßen?

Außerdem war es dann an diesem zweiten Tag schon 12 Uhr geworden, als wir dort angekommen waren, und von 13 Uhr bis 16 Uhr ist ja bekanntlich „alles“ geschlossen, also auch der Suq und die Altstadt, wahrscheinlich das ganze Land. Niemand scheint groß unterwegs zu sein, außer den Bediensteten und Taxifahrern.

Wir nahmen dann ein Taxi nach Ruwi von der Altstadt aus, die wir davor auf der Suche nach etwas Altem durchgangen waren. Im Stadtteil Ruwi soll das Handelszentrum von Muskat sein und Restaurants. Unsere Vorstellung von Restaurant wurde jedenfalls auch hier vernichtet. Handys und noch mals Handys zum Verkauf gab es anstatt. Eine arabische Tastatur für den Computer oder gar einen tragbaren Drucker oder aber ein Restaurant waren nirgends aufzutreiben. Kein Restaurant, welches – sagen wir es doch offen – höherklassig wirkte.
Wie auch in Mattrah waren die Seitenstraßen und die Straßen hinter den Hauptsraßen in wüstem Zustand und die eine Hauptstraße, wie auch die andere, nicht wesentlich besser. Und überall, sagen wir zu 88 % trifft man auf Asiaten. Nicht, dass ich was gegen Menschen aus Indien, Pakistan oder Nepal etc. hätte, doch als Arabischsprecher möchte man halt schon gern mal Arabisch reden. Außerdem kam ich nicht allein des in Aussicht gestellten 1001-Feelings nach dem Oman, welches ja, wenn überhaupt, offenbar nur vermittels der Kleidung der Leute eingeholt werden kann.
Die Architektur vor Ort bietet das gewiss nicht befriedigend. Was geboten wird, kann man gewiss auch irgendwo in Mexiko sehen – die Moscheen ausgenommen. Ähnlich zumindest.

Wie zu erfahren war, müsste eigentlich die ganze Zeit Taxi gefahren werden, um Omanis live zu erleben und überhaupt zu treffen – lediglich Männer, versteht sich. Nur Omanis dürfen nämlich als Taxifahrer tätig sein, im Gegensatz zu Dubai, wo uns stets Pakistaner durch die Gegend kutschierten, als wir vor ein paar Jahren dort waren und schon bald, sehr bald, den Sopping-Palast-Koller schoben. Auch nur Omanis dürfen weiße Galabia tragen, nach dem, was mir ein Taxifahrer sagte, mit dem typischen Hütchen der Omanen oder der braun-weißen Kopftuchbedeckung auf. Dolche wie die Jemeniten tragen sie in Muskat nicht.
Der Kontakt zu zwei omanischen Taxifahrern ist indes recht vielversprechend und angenehm gewesen, doch die Art und Weise, wie Muskat wirkt, die Öde im Suq, der Dreck dahinter, der Weg zur Stadt, ist optisch eher ein Flopp.

In Ruwi aßen wir dann auch in einem indischen Restaurant. Ansonsten gibt es anscheinend nur Imbissbuden. Wir wollten gar nicht erfahren, ob die dort auch arabisches Essen anbieten. Selten ist uns nach Snacks stehend am Rande einer Straße unweit zivilisatorischen Drecks, der angehäuft in Ecken zu sehen ist, zumute, der mal näher, mal etwas weiter das Panorama in Richtung der Slums von Kalkutta zieht. Die steuerten wir also nicht an, auch, weil wir nicht tagelang auf der Toilette verbringen wollen und außerdem sind wir nicht zum sparen gekommen. Nein, wir kommen hier im Gewand eines ganz ’normalen‘ unbedarften Touristen an und wollen von unseren Erlebnissen möglichst uneinvorgenommen berichten und das Land, von dem wir glaubten, es fließe Milch und Honig, genießen.
Es schmeckte wirklich gut bei dem Inder. Der Besitzer des Restaurants war sehr nett und äußerst zuvorkommend. Er sprach sogar Englisch, dem Arabischen war er aber nicht mächtig. Auffallend sauber war es in seinem Restaurant. Es gab nur indische Küche, mit der wir kein Problem haben – im Gegenteil. Das Ding mit der Sauberkeit muss betont werden, da die unmittelbare Umgebung des Restaurants, die Straße, in dem es lag, entsprechend schmutzig und unaufgeräumt wirkte – lediglich ein Straßenzug hinter der einen Hauptstraße in Ruwi.

Ein ganz ’normales‘ Café in Muskat zu finden, scheint zumindest in Ruwi, der Old Town und Mattrah nicht gegeben. OK, in Mattrah gibt es ein Café, unweit der vor Anker liegenden Protzjacht des Sultans, in das man reinsitzen kann. Versteht sich, betrieben von Indern oder Pakistanern, die aber recht unfreundlich dreinschauen. Wahrscheinlich werden auch die mies bezahlt und haben wilde Arbeitszeiten (16 Stunden?).
Wie ich abends im omanischen Fernsehen auf dem Bett liegend sehen konnte, als ein Reporter einem arabischsprachigen Publikum erklärte, wie reizvoll doch Mattrah sei, dass er sich in dem Restaurant befand, wo die Treppe ein Stockwerk hoch gegangen werden muss, unweit von dort, wo wir gesessen haben, um in jenes Restaurant zu gelangen. Interessant war, dass er von der tollen Aussicht sprach und dem schönen Restaurant, dem unvergleichlich schönen Suq und Aussicht, jedoch die Kamera, die ihn aufnahm, machte keinen Schwenk von ihm weg, sondern blieb beeindruckend lang und brav auf sein Gesicht geheftet.
Da ich zeitlich davor in Mattrah gewesen war, war mir unvermittels klar, dass auch hier gerade Hirne gewaschen wurden, und zwar mit manipulierten Bildern und unerfüllten Sehnsüchten.

Man hat nicht nur dort auf den Plastikstühlen unweit dieses Restaurants das Gefühl, es mit Menschen zu tun zu haben, die halt ihren Job tun im Servicebereich – dich abfüttern und dann ist aber auch bitte sehr fertig und genug mit lustig, wie man sagt. Selten mal ein freundliches Lächeln, der Eindruck, man würde irgendwo exklusiv oder netter sitzen.
OK, damit kann ich leben, dass es nicht so obertoll ist, wenn da nicht die Preise wären und nicht die Frage aufkäme: Was verdienen die hier? Unter welchen Bedingungen arbeiten die eigentlich?

Eine Deutsche, auf die wir wenig später im Hilton von Salalah trafen, sagt, sie hätte „ihren Boy“ gefragt, der die Etage anscheinend allein sauber hält (25 Zimmer), er verdiene blank auf die Kralle genau 100 Rial im Monat, also 250 Euro. Das Essen und Schlafen sind ‚frei‘, ob die Flugtickets nach Bangladesch oder Pakistan vom Hilton bezahlt werden, wusste sie leider nicht zu berichten. Des Weiteren meinte sie, der Etagenboy habe ihr geklagt, dass seit Sonnenklar die Flüge nach dem Oman vorrangig aus Deutschland bedient, kämen Touristen, die auf Halbpension gebucht, den absoluten Anspruch hätten, ohne jedoch wie einst dafür entsprechend ein Trinkgeld liegen zu lassen. An der Rezption des zuvor genannten Hilton fragte ich um 20 Uhr einen jungen Mann, der schon morgens um 8 da gestanden war, wieviel Stunden er denn noch hier stehen wolle. Er meinte, er würde täglich 16 Stunden abreisen. Der Arme.

Das Café-Leben für Europäer oder Touristen in Muscat spielt sich scheinbar an Plastiktischen und auf Plastikstühlen ab, unweit einer Hauptstraße an der sogenannten Cornich, wo der eine oder andere Service-Leister aus Asien Hosen anhat, die er vielleicht schon länger als ein paar Wochen trägt. Alles, was hinter den Hauptstraßen gelegen als Café operiert in den Teilen Muskats, die wir besuchten, lässt gewiss zweimal fragen, ob man da reingehen will. Und wie gesagt, der Suq in Mattrah ist ein schlechter Witz – ein Hype sondergleichen.

Außer Weihrauch müsste doch eigentlich auch der Kaffee im Oman eine Rolle spielen. Der schmeckt dort aber, nun ja, gerade mal so. Wird unter dem Namen „Türkischer Kaffee“ verkauft. Im Jemen hieß der ganz selbstbewusst und selbstverständlich „Kaffee“. Sogar die griechischsprachigen Zyprer im Süden der Insel sagen zu ihrem Kaffee „Kipriako“. Es ist der, den man also auch in der Türkei trinkt oder im Libanon, versteht sich unter anderen Namen, wo er mir persönlich am besten schmeckt. Der Kaffee, der in Oman die Runde macht, erinnert an das Gebräu, welches ich glaube manchmal in der Altstadt von Sanaa verabreicht bekommen zu haben. Den arabischen Namen dafür habe ich vergessen. Mir wurde damals erklärt, dieser Kaffee sei aus den Schalen des Kaffees gewonnen worden. Schlecht schmeckt der auch nicht, aber er ist halt nicht wirklich das, was man so unter Kaffee versteht. Obgleich, in Südamerika soll der schlechte, eigentlich nicht verkäufliche Kaffee ja eh vorwiegend nach Deutschland verkauft werden, da die vor lauter „Geiz ist geil“ meist diesen für ihre Bevölkerung kaufen, die so daran gewöhnt, das Gebräu inzwischen richtig gut findet. Der viel verkaufte „Jacobs Kaffee“ ist in einem Beitrag, der die Qualität der Kaffees in Deutschland maß, der Negativ-Renner gewesen.

Abends, das Essen im Hotel Golden Tulip war dann irgendwie OK. Büffet. Das Bier danach konnten wir vor der Rezeption sitzend nicht zu Ende trinken. Wir mussten uns – noch immer im Vorraum der Rezeption – in eine Ecke nahe dem Restaurant setzen, um den Schein zu wahren. Welchen Schein? Gute Frage.

Morgens beim Frühstück kam es zu keinen Höhe- oder Tiefpunkten. Das Gym war einigermaßen gut. Ich finde es besser als das hier in Salalah im Hilton. Der Transfer vom Golden Tulip zum Flughafen verlief reibungslos. Wir lernten, dass die ausgewiesenen Preise in omanischen Hotels noch längst nicht die sind, die letztendlich zu bezahlen sind. Da gibt es nämlich noch allerhand Steuern, die im Nachhinein draufgeklatscht werden. Daher gilt es, eventuell, mit den Trinkgeldern sparsamer umzugehen, die da irgendwie mit drin sein sollen?! Und beim Bezahlen mit Kreditkarte immer schön darauf achten, dass man Ihnen keine Service-Gebühr von 2,5 % abzieht, weil die müssen nämlich nicht Sie, sondern derjenige, der Ihnen zum Beispiel eine Rundreise oder Tagestrip verkauft, bezahlen.

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