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Posts Tagged ‘israelische botschaft’

Das Jahr ist noch nicht um. Doch jetzt kann schon gesagt werden, 2011 ist das Jahr des Nahen und Mittleren Ostens plus Nordafrika. Versteht sich, aus europäischer Sicht vor allem wird es möglich sein, ein derartiges Statement abzugeben. Jemand im südlichen Afrika lebend würde wahrscheinlich auf den Südsudan, Kongo oder aber die Ivory Cost verweisen.

Verwunderlich ist, finde ich, dass Tunesien in den meisten deutschsprachigen Medien nicht erwähnt wird und der Anfang des so genannten Arabischen Frühlings sogar von inzwischen im Westen gehätschelten Persönlichkeiten der arabischen Welt, die Rede ist vom Schriftsteller Elias Khoury,  mit den Ereignissen in Ägypten im Februar 2011 beginnt. Dass in Marokko mindestens genau so herum geschachert wird, wie in Syrien – angebliche Reformen fürs Volk betreffend – , scheint auch nicht so richtig durchzudringen. Anscheinend müssen erst viele, viele Menschen sterben, bevor wir wirklich so etwas wie Betroffenheit an den Tag legen.

Wenn man bedenkt, wie viele Kurden im Kampf um Autonomie in der Türkei bereits ihr Leben ließen, ohne, dass die Türkei dafür jemals wirklich ernsthaft gerügt worden wäre, ist Velen ein weiterer Hinweis auf das Messen mit unterschiedlichen Maßen in der Welt.

Nun haben die ‚befreiten‘ Ägypter also die israelische Botschaft in Kairo lahmgelegt, besetzt, gestürmt. Wir dürften uns da einhellig klar sein, dass nichts Dümmeres hätte geschehen können. Dieser Akt, vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Maße von Wichtigkeit und Aufmerksamkeit, die angelegt werden durch die Medien und Andere, wird gewiss den Tod von 5 ägyptischen Grenzsoldaten überstrahlen, wenn ich mal so schreiben darf. Dass in Israel seit Jahrzehnten nahezu täglich Palästinenser getötet werden von israelischen Einheiten oder gar Zivilisten, daran hat man sich – leider – gewöhnt. Ja, das wird eigentlich bereits billigend in Kauf genommen, entsteht hie und da der Eindruck, zumal die Big-Players deswegen noch nie einen wirklichen Sturm der Entrüstung vom Stapel ließen. Das tun sie jetzt demnächst, denke ich, weil Assad um sich haut und ausgedient haben dürfte. Gewiss wird der Eine oder die Andere nun sagen: „was schreibt der, das alles ist doch gar nicht miteinander vergleichbar!“ Diesem Standpunkt mag ich hiermit aber prononciert widersprechen. Weil das alles hängt eben zusammen; und es ist das kollektive Gedächtnis, welches eine Art Mitschuld trägt an der Erstürmung der Botschaft in Kairo. Ganz besonders dürften in diesem Gedächtnis zwei Grund-Ungerechtigkeiten hängen geblieben sein: zum einen, dass Palästina noch immer nicht anerkannt wird als Staat und das Volk dazu wie Staatenlose ihr Recht so wirklich nirgends einklagen kann, weil entsprechende Mechanismen und Organe ausgebildet wurden auf politischer und sozialer Ebene, die derartiges zu verhindern wissen. Und zweitens, dass die, die den Palästinensern einen Teil ihre Heimat nahmen und dazu hauptsächlich beitragen, dass kein solcher Staat sein soll dürfen, und die sich Wehrenden nicht nur, wie es scheinbar beliebt mit Waffengewalt  zuweilen richtig tödlich in die Schranken weisen, sondern auch noch die Frechheit besitzen, dass wenig Land, welches man den sich wehrenden arabischen Einwohnern beließ, langsam aber sicher abgegraben wird: hier ein Stückchen, dort ein Stückchen. Die so genannte internationale Gemeinschaft schaut zu. Nein, sie unterstützt eher, etwa wie Deutschland und die USA, diese Politik. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass in Ägypten eine Revolution am ablaufen ist, wo man noch immer dran arbeitet, das alte Regime wegzuputzen. Und dieses alte Regime ist seinerzeit von der Mehrheit der Ägypter ungeliebte Allianzen eingegangen – und zwar mit eben denjenigen, die die zuvor bezeichneten Grund-Ungerechtigkeiten inszenieren und sich nachweislich daran sogar noch gesundstoßen und – stießen.

Was Zypern angeht, mag ich hoffen, dass es gelingt, sich aus diesen Spannungen einigermaßen herauszuhalten. Es sieht allerdings nicht danach aus. Die Gasförderungsabsicht unter der Zuhilfenahme Israels und einer amerikanischen Firma im Mittelmeer, wogegen vorerst nur die Türkei protestiert und Russland verhalten, signalisiert bereits harte Zeiten, die anstehen deswegen. Die EU hat, davon abgesehen, eigentlich andere Problemchen zu lösen, als einen Energiekrieg oder –streit im östlichen Mittelmeer.  Denen ist gerade der Chef in der Europäischen Zentralbank (EZB) aus angeblich persönlichen Gründen weggerannt. Ein Herr Asmussen soll ihn beerben. Der Letztere ist Deutscher. Einige finden, eine Art Führungsdynastie der Deutschen in der EZB-Spitze führt auf lange Sicht zum Fall der Glaubwürdigkeit dieses Betriebs. Auch den Griechen kann das sowie die Angelegenheit von davor nicht gelegen kommen. Assad könnte letztlich davon noch profitieren, je nach dem wie sich Russland und wahrscheinlich auch Peking positionieren werden. Was die so genannten Wiedervereinigungsverhandlungen Nord- und Südzyperns angeht, dieses Sich-gegenseitige-Belügen, was finanziell nicht ganz so billig ist, wird dann wohl demnächst im Zuge dieser eventuell totbringenden, noch an die Oberfläche zu fördernden Gaswolke im südöstlichen Mittelmeer aufgegeben. Somit wäre zumindest ein Übel aus der Welt geschafft???

Erdogan tourt derweil die arabischen Staaten, der sogenannten Arabischen Frühlingsrevolution: Ägypten, Tunesien, Libyen. Vom Volk ist er dort gern gesehen, nicht so von denen, die noch an der Macht sind. Sich gegenüber der Türkei international favorabel zu positionieren, wird für Nikosia-Süd u.a. auch daher schwer. Die Türkei rollt ihren historischen Draht zu der Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika von Neuem aus. Das hat nach so viel Zeit, die vergangen ist, für die vom Westen gedemütigten, beschissenen und als gering geschätzten Menschen in dieser Region, derzeit zumindest, mehr Anziehungskraft und Glaubwürdigkeit, was Erdogan zu bieten hat, als das, was die NATO bietet. Bei Letzterer sind sich gewiss die Meisten in der Region einig darüber, dass ihr Handeln vorort keinesfalls selbstlos ist, sondern Hilfe zur Selbsthilfe ist. Und dass der Euro, die USA und die EU straucheln und das zusehends immer mehr, lässt ein sich Umorientieren und Vorsichtigsein gegenüber dem Westen sogar plausibler denn je erscheinen. Dass Italien und Griechenland Albanien derzeit wiederholt anbieten, zu kooperieren beim Fördern von Erdgas oder Öl in der Region und Tirana versprechen, sich für einen Beitritt in die EU zu verwenden, zeigt manchem geradezu exemplarisch, dass die Herren und Damen in der EU den Zeitenwechsel noch immer nicht mitbekommen haben.

Interview zur Türkei

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