Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘lellos dimitriadis’

Die ersten 20 Minuten des Spiels Türkei – Spanien lediglich angesehen. Die Herren Spieler vom Bosporus haben sich nicht schlecht präsentiert. Dennoch denke ich, dass Spanien irgendwie – ungefähr so wie Italien – zumindest ein Tor geschossen haben dürfte gegen Die unterm Halbmond. Als dieser Artikel fertig gestellt war, habe ich masochistischer Weise doch noch im Netz das Ergebnis nachgesehen: 3:0 Klatsche. AUAH. Drei Kinder pro Ehepaar zumindest hatte der Präsident doch angeordnet, aber eine 3 zu NULL Klatsche? Ob Receb Tayyip Erdogan gut schlafen kann in diesen Tage, ist nicht herauszufinden. Schließlich ist er ein begeisterter Fußball-Fan und es kursieren genügend Videos im Netz, die ihn in Aktion als Fußballspieler zeigen – mit den seltsamsten Kommentaren und in den wunderbarsten Posen. Wir werden es wohl demnächst an seinen – nennen wir es – politischen Reaktionen erkennen können, ob das voraussichtliche, inzwischen bestätigte Versagen der türkischen Mond-Sterne (ay yildizler) – nationalen Fußballmannschaft der Türkei politisch indirekt zuschlägt. Schließlich ist nun Ende Juni 2016 und Herr Präsident Erdogan hatte ja angedroht, etwas zu tun, was den Europäern der EU nicht gefallen dürfte in Sachen Flüchtlingsdeal, wenn seine Untertanen nicht wie jeder Europäer der EU in derselben sich ebenso frei bewegen dürfen. Hoffen wir also, dass die Türkei ins Achtelfinale kommt? Ich glaube insbesondere im Osten und Südosten der Türkei dürfte der Bevölkerung, die stellenweise über 6 Monate mit einer Ausgangssperre leben ‚darf‘, ziemlich am hinteren Teil der türkischen Flagge vorbei gehen, ob die Nationalmannschaft zu unwiederbringlichem Ruhm sich aufspielt oder nicht. Die darben dort. Die sind im Krieg, beschossen vom eigenen Staat. Denn nicht alle dort sind „Terroristen“. Aber alle, ungefähr so wie die nun eventuell wirklich gebannten russischen Sportler, werden in eine Art Sippenhaft genommen von Ankara. Die Türkei ist kein sicherer Urlaubsort. Wer sich darauf verlässt, spielt eventuell so, wie die türkische Nationalelf in Frankreich – auf gut Glück?!

Europa dürfte sich demnächst herausgefordert sehen, wenn die Regierenden in der Türkei in Richtung EU politisch ausholen, wie angekündigt, oder wird gezwungen sein, ihr Gebiss einlegen zu müssen, denn diese/r europäische Tiger/in erscheint ja eher zahnlos bislang.

Es dürfte schwer sein, einen der Mitstreiter in der Gruppe D bei der Europameisterschaft davon zu überzeugen, etwas schlechter zu spielen. Vielleicht müssten die Dopingkontrollen der Mannschaft/en etwas lockerer betrieben werden? Schließlich ist Sport Politik und Politik ist Sport, nicht Spott, oder?

Das Dopen will man nun ja mit der Sperre für russische Olympioniden aus der Welt schaffen. Die derart Gebannten sollten eigentlich froh sein, dass sie sich der Sika-Gefahr nicht auszusetzen brauchen. Es ist schon verwunderlich, wie schnell diese Gefahr plötzlich keine Gefahr mehr sein soll in Brasilien.

Money makes the world (Olympiade) go round?

Gewiss ist da was dran.

Die Russen haben also einen harten Stand in der Welt. Müssen immer die Bösen abgeben. Die Armen.

Hier auf Zypern finden sie indes noch recht positiven Zuspruch. Meines Wissens sind die Russen diejenige Nationalität derzeit, die die zyprische Staatsbürgerschaft am meisten abgreift, wenn man so – etwas abschätzig mags klingen, sorry – sagen darf. Danach kommen auf der Liste derjenigen, die das tun, glaube ich, die Rumänen und dann verwunderlicherweise die Briten. Das heißt, die ehemaligen, ‚immer-noch Kolonialisten‘ sichern sich bereits vorsichtshalber ab in Sachen Brexit. Wahrscheinlich lässt sich dann als britischer Staatsbürger leichter für den Austritt aus der EU stimmen. Es ist immer gut, wird gesagt, noch eine Option in der Hinterhand zu halten. Die Briten haben das über die Jahrhunderte gelernt, wahrscheinlich sogar perfektioniert.

Die Franzosen sind da nicht ganz so geübt in dieser Angelegenheit. Irgendetwas scheint sie an der Ausübung dieser Kunst zu hindern. Vielleicht ist es ja letztendlich doch ihre Kontinentallage, die entweder zu viele oder zu wenige oder vielleicht nicht immer klar erkennbare Optionen auswählen lässt. Jemand, der auf einer Insel lebt und aufwächst, sieht die Dinge um sich eben ganz anders – klarer. Das sagt man ja auch von Menschen, die aus einem Tal stammen oder von richtig hohen Bergen abstammungsmäßig kommen.

Im Tal der anscheinend heroischen Erinnerungen fand sich am 16. Juli auch die AKEL-Partei auf Zypern wieder. Es sei der Tag gewesen, an dem man – gerade mal entstanden als Partei der kommunistischen Genossen in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts – entschieden hatte, sich mit Waffen und allem, was so dazugehört, aktiv am Kampf gegen die britischen Kolonialisten zu beteiligen. Gesagt, getan!

Viele Freiheitskämpfer ließen ihr Leben, deren Überreste teils heutzutage noch beerdigt werden, weil die von einer Kommission Ausgegrabenen anschliessend an die Familien zurückgegeben werden. Das Ergebnis des ruhmreichen Kampfes von einst ist uns ja bekannt: eine praktisch zwei- oder dreigeteilte Insel. Kommt auf die Sichtweise an.

Inwieweit Russland, seinerzeit Sowjetunion, in diesem Entscheid der damaligen AKEL-Führung beteiligt gewesen ist oder gewesen sein soll, muss in irgendwelchen Quellen stehen, die aber noch immer nicht zugänglich sind. Bei den Quellen, die das Wirken der sogenannten Faschisten um Grivas und Samson angehen, ist jedenfalls gewiss, dass bislang noch kein Wissenschaftler darauf zurückgreifen darf, um endlich mal die „Wahrheit“ zu berichtigen – also die Wahrheit über die Abläufe der Auseinandersetzungen zwischen Griechen und Türken und Griechisch/Türkisch-Zyprer. Diese Unterlagen liegen gut verschlossen in Athen und Nikosia, wurde gestern von Professor E. Solomou referiert, der sich mit der zyprischen Geschichte, wie er sagte, wissenschaftlich beschäftigt. Was er da gestern im Fontana-Salon des Hilton Hotels von Nikosia von sich gab, eingeladen vom Rotary, war allerdings ziemlich gedopt. Anscheinend waren seine beiden Vorträge davor, die den Zeitraum von 1878 bis 1960 umrissen, wesentlich detaillierter und kenntnisreicher. Nicht etwa, dass Herr Professor keine Kenntnisse hatte über die Abläufe von 1960 bis 2016, wie angekündigt. Viel eher scheint er sich zu zieren, den wissenschaftlichen Stand der Dinge in der Öffentlichkeit preiszugeben, den er allerdings vorgibt, zu vermitteln. Denn er weiß selbstverständlich vom kursierenden Narrativ, welches wenig bis zuweilen gar nichts mit den einstigen Tatsachen zu tun hat auf Zypern – also politisch und daher ideologisch gefärbt ist.

Und so musste sich der Prof. beim Dopen seiner geschichtlichen Darstellungen ausgerechnet von einem anwesenden Rechtsanwalt berichtigen lassen. Denn der Vortragende hatte so in etwa erzählt, dass das Rathaus in Nikosia kurz vor 1974 geteilt wurde, weil die Türken mal wieder Angst gehabt hätten, nicht zur Genüge an der Macht beteiligt zu werden. Und dass doch alles genau so, wie es von den Griechischzyprern seiner Zeit getan wurde, eh in der damaligen Verfassung des Landes festgelegt worden war, also die Türken daher sich unanagebrachter Weise benachteiligt fühlten und dass die Verfassung außerdem in Gänze den Zyprern von äußeren Kräften auferlegt worden sei.

Eine sonderbare Position, dachte ich. Denn dass die griechisch-zyprische Seite sehr wohl die Entscheidungen im Lande an sich rissen damals, indem die Türkischzyprer immer weniger bis gar nicht daran einbezogen wurden, ist nun mal eine Tatsache und kann auch nicht damit gerechtfertigt werden, wie der Prof. es versuchte, dass die Türkischzyprer doch eh nicht zur Genüge die geeignet ausgebildeten Leute gehabt hätten, um derartig hochstehendem politischen Entscheiden folgen zu können; bzw: eh mit 30% Mitspracherecht übervorteilt worden seien von den Engländern, wo den Türken doch eigentlich von ihrer damaligen Bevölkerungszahl her lediglich so um die 18% zugestanden hätten.

Herr Rechtsanwalt korrigierte und – zu meiner Verwunderung – ließ wissen, dass es so nicht gelaufen wäre, wie dargestellt, sondern vielmehr hätten die Griechischzyprer die Prozesse damals (wie eigentlich auch heute immer noch) ständig herausgezögert und zeitlich nach hinten verlegt, sodass keine Handlung oder kein Entscheid irgendwie abgeschlossen oder durchgeführt werden konnte, woraufhin man letztendlich, um nicht – schon wieder – total zu kollabieren tagespolitisch, beschloss, die Rathäuser aufzuteilen: eines im Norden und eines im Süden.

Der ehemalige Bürgermeister Lellos Dimitriadis, den ich nach dem Vortrag Herrn Solomous zum Interview geladen hatte bei sich zu Hause, wollte auf dieses Thema (Aufteilung des Rathauses von Nikosia) einfach nicht einsteigen – obgleich ich ihn zweimal darauf ansprach. Dafür erzählte er aber andere Anekdoten aus seiner über 30-jährigen Amtszeit und meinte unter anderem: „Man muss diese Leute in der griechischzyprischen Regierung mit „fait acomplie“ nehmen, also mit vollendeten Tatsachen schlagen. Und sogleich ließ er wissen, dass er dieses Konzept bei der Erneuerung des in Zypern berühmten Famagusta Gate sowie bei einer unterirdischen Garage angewendet hatte. Die Garage liegt unweit des heutigen Check-Points auf griechischzyprischer Seite der Ledra-Straße.

Überhaupt ist Herr Lellos, wie er genannt wird und genannt werden mag, noch immer rüstig mit seinen über 80 Jahren. Er wohnt in einem von außen unscheinbaren Anwesen, dessen gediegener Reichtum und Schönheit sich dem Besucher erst beim Betreten des Grundstücks erschließt. Seine Frau Olga hatte ausgerechnet gestern eine Tinnitus-Störung im Ohr erhalten mit Unwohlsein gepaart, sodass sie ins Krankenhaus gebracht werden musste. Keiner weiß, was der Grund dafür ist. Dennoch war Herr Lellos so nett, das Interview, welches über eine Stunde ging, zu machen. 30 Jahre stand er Nikosia vor als Bürgermeister und scheint, wie bereits im Artikel zu Herrn Harmanci hier auf Zypernundmehr-News geschrieben wurde, mit dem heutigen Präsident des Nordens, Akinci, wirklich gut zusammen gearbeitet zu haben. Bei den Wahlen ins Bürgermeisteramt habe er praktisch kein Geld ausgegeben für Werbung, denn die Leute hätten ihn geliebt, wovon er heute noch zehrt, wenn er durch die Straßen gehe. Er als ausgebildeter Anwalt (Barrister) musste seinerzeit Präsident und Erzbischof Makarios, der ihn zum Bürgermeister ernannt hatte die ersten beiden Amtszeiten, ohne jemand anders eventuell nach einer Meinung darüber gefragt zu haben, klar machen, dass er „illegitim“ Bürgermeister der Stadt Nikosia geworden sei mit der Berufung, da sein Haus, in dem er noch immer wohnt, nicht im Stadtbereich Nikosias liege. Das Gesetz schreibe nämlich vor, ließ er die verwundert dreinblickende Eminenz wissen, dass ein Bürgermeister in der Stadt wohnhaft sein muss, für die er arbeitet. Also erweiterte der Erzbischof kurzerhand das Viertel, in dem Herr Lellos wohnt, woraufhin das andere Viertel namens Strovolos einen kleinen Teil seines Grund und Bodens verlor.

So einfach war die Welt zu ordnen einst.

Niemand wagte, dem Präsidenten und Erzbischof in einer Person, Makarios, in irgendeiner Sache zu widersprechen. Er war auch noch der Vertreter Gottes auf Erden!

Beide, Akinici und Dimitriadis, waren damals also Bürgermeister Nikosias: Nord und Süd. Herr Lellos wiederholte mir gegenüber gestern, man müsse „Die da“, damit meint er die Herren und Damen im Parlament, „austricksen“, also dopen. Anders komme man nicht zu seinem Ziel. Offenbar ist die Verwaltung und die dazugehörige Bürokratie in Nikosia (Nord sowie Süd) noch haarsträubender als in Damaskus, Kairo oder Berlin.

Eine Randbemerkung, die Herr Lellos, darauf angesprochen, machte, hat ihn mir wirklich sehr sympathisch werden lassen, war, dass seine frühere Hausangestellte, damals ein Mädchen aus dem Troodos, die im Haus über 40 Jahre tätig war, auf eigenen Entscheid ihrerseits noch immer bei ihm im Haus lebt und sich ihren Alterssitz sozusagen bei ihrem früheren Arbeitgeber eingerichtet hat, einrichten konnte und noch immer einige Arbeiten verrichten will. Gegensätzlich hört man leider zu oft von haarsträubenden Geschichten, in denen Haushilfen aus Asien nicht nur auf Zypern wie menschliche Werkzeuge oder dergleichen angesehen und benutzt werden.

Herr Lellos spricht davon, schon in ungefähr 2 Monaten ein Buch auf Griechisch und ein weiteres etwas später auf Englisch auf den Markt zu bringen. Wir dürfen gespannt sein. Auch daher war er sparsam mit Anekdoten aus seiner Amtszeit. Das eine der Bücher befasst sich nach seinen Angaben ausführlich mit den kooperativen Politiken, die er einst mit Herrn Mustafa Akinci aus dem Norden, dem heutigen Präsidenten Nordzyperns, verwirklichte. Er wolle sich nicht zu positiv über diesen Politiker äußern, da dies Akinci schaden könnte.

Beim Interview dopte Lellos Dimitriadis mit echtem Pfefferminztee, süßen „Ladyfingers“ (Nussmasse eingewickelt in gebackenem Teig und Honig) und viel Herzenswärme eines gereiften Mannes und zufrieden mit sich selbst Zurückblickenden in gemütlich eingerichtetem Arbeitszimmer, das irgendwie Freude am Leben und Schaffen widerspiegelt: Lernen durch Tun, etwas aufbauen kooperierend und Leben und leben lassen und MEHR, scheint seine Devise eventuell für alle Lebensbereiche zu sein!

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: