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Die Türkische Republik Nordzypern 5

Kürzlich schrieb mir ein Kollege, ob wir am Wochenende nicht „zocken“ gehen wollen?
Stellte sich dann heraus, dass er „Tennisspielen“ meinte. Bislang war für mich ein Zocker jemand, der an Automaten hängt oder sich hinter Spielkarten in der Hand versteckt etc.

Der Tourismusminister im Norden Zyperns, Herr Mehmet Ersoy, ist, schau an – schau an, zufällig auch der Besitzer eines Zockerladens, genauer eines Casinos, und zwar im Norden. Waren Sie etwa auch schon dort, im „Voyage Hotel“?
Es handelt sich um 2 Brüder bei den Ersoys, die von der Türkei aus ansonsten ihre Geschäftchen machten und noch immer machen. Mehmet ist auch derjenige der beiden, der seinerzeit 51% der Anteile für die „Turkish Cypriot Airlines“ (KTHY) kaufte (gekauft haben soll).

Wie es auch in der Türkei noch üblich ist, haben die Ersoys weitere Geschwister, Verwandte oder Ehepartner. In diesem Zusammenhang wäre beispielsweise die Nisa Ersoy nennenswert. Diese geschäftstüchtige Dame betreibt nämlich seit 2015 das „Elexus Hotel“ in Nordzypern. Nisa ist die Ehefrau des Bruders von Mehmet, des Murat Ersoys also.
Nisa Ersoy indes ist nicht irgendein Mädchen vom Lande aus unbekannter Familie, sondern sie ist die Tochter des Mahmut Bozkurt. Von dem haben Sie eventuell schon gehört oder gelesen, zumal er einst Abgeordneter der Mutterlandspartei (ANAP) war, die sogar einen Kurden an ihrer Spitze hatte, der aber – das ist seit Jahren – auf eher mysteriöse Weise verstarb, und zwar im Range eines Präsidenten der Republik Türkei. Die Rede ist von Herrn Turgut Özal.
Der Herr Papa der Frau Ersoy ist seines Zeichens auch einer der Gründer der „Iyi Partei“, die bei den Wahlen zum Präsidenten 2018 etwas von sich Reden machte, da diese Partei – entgegen der ANAP-Tradition – auf dem rechten politischen Auge der türkischen Nation auffallend laut auf völkisch macht und machte; und an der Spitze der Iyi ist eine Frau derzeit, die Meral Akşener.

Wie es das Schicksal will, ging die Firma des zuerst genannten Ersoys damals im Juni 2010 (angeblich) Pleite. Man hatte mit der oben genannten nord-zyprischen Airline, der KTHY, anscheinend zu viele Schulden angehäuft, sodass jemand wie die noch immer recht erfolgreich operierende „Atlasjet“ unterstützend einspringen musste – wie edel von ihr.
Wie auch immer die eben genannte Chose gelaufen sein mag, Transparenz sieht transparenter aus. Man weiß also nicht, soll das zuletzt Geäußerte besagen, wie genau die nord-zyprische quasi Staatsairline KTHY zu Atlasjet mutieren konnte und wer da alles seine Händchen mit im Spiel hat.
Letzteres ist ja kein unbekanntes Muster. Solche undurchsichtigen Geschäftchen sind heutzutage ja Gang und Gebe – leider.
So viel weiß man dann aber doch: Tayyıp Erdoğan und Herr Cemil Çiçek (Justizminister, Regierungssprecher, Vize-Ministerpräsident) sollen dafür gesorgt haben, dass der Airline-Deal so wie beschrieben und nicht anders über die Bühne ging.
Herr Çiçek ist jemand aus der APK-Truppe, der als einer der Gründer der derzeitigen Regierungspartei, AKP, der Türkei genannt werden kann.
Wenn die vorliegenden Informationen nicht völlig daneben liegen, ist der Herr Çiçek inzwischen etwas – oder gar total –in Ungnade gefallen bei dem Sultan vom Bosporus/Istanbul und Çankaya/Ankara.
Ja, auch hier warten alle ganz gespannt darauf, am Rande bemerkt, wann der zukünftge Sultan sich offiziell zu ‚Sultan Erdoğan‘ küren lässt. Müsste schon bald sein oder passieren, denn der Jüngste ist der Herr Erdoğan ja nicht mehr.
Und auch Sultane müssen irgendwann abtreten und bei Petrus an die Tür klopfen, und dort um Eintritt bitten. Kann aber sein, dass die Himmelspforten wie von alleine aufgehen bei solch hochrangigen und unbescholtenen Herren und ihren Damen. Wir werden es sehen, hoffentlich nicht schon demnächst!?
Auf Letzteres komme ich, weil das, was auf Erden läuft oder passiert, soll ja im Himmel seine Fortsetzung oder Konsequenzen haben. Und so ist dann auch verständlicher, wird angenommen, dass Gleiche mit Gleichen, wie man sagt, möglichst verkehren. Und daher liegt nahe, dass der Herr Ersoy, wie auch sein Bruder, beste Beziehungen in Regierungskreisen der Türkei unterhielten und unterhalten. Man spricht davon, dass der Kontakt zum jetzigen Parlamentspräsidenten der Türkei, Binali Yıldrım, vorzüglich sein soll. Und letzterer ist ja seit den frühen Anfängen der AKP ein wackerer Mitstreiter des zukünftigen Sultans, wenn es denn je zu solch einem Amt in der (einstigen) säkularen Republik Türkei (wieder) kommen sollte. Es gilt, zugegebenermaßen, noch einige Hürden zu nehmen, um solch einen irdisch-unirdischen Posten einzurichten.

Eine dieser Hürden hat Herr Erdoğan und sein im Entstehen befindliches re-osmanisiertes Regime jedenfalls schon Mal genommen: die Presse/freiheit.
Nicht zu leugnen ist, dass diese genommene Hürde des Regimes in Ankara auch Auswirkungen im Norden Zyperns hat. So hat eine Zeitung namens „Afrika“ dort gerade recht viel Stress mit einigen aufgebrachten Bürgern/türkischen Siedlern zu laufen, die finden, es werde anti-türkisch berichtet und daher müsse diese Zeitung „weg“. Auch anti-islamisch werde berichtet, was verwerflich sei. Schwere Vorwürfe also.
Immerhin: Im Norden soll es noch 20 Tageszeitungen geben, 23 Radiostationen, 12 TV-Stationen, 4 Web-TV’s und über 50 Internet-Zeitungen, zu denen wir uns hier von Zypernundmehr-News selbstverständlich nur indirekt zählen. Dies, weil für uns ist Zypern NATÜRLICH ein gesamtes Etwas. 1 Insel mit einer Trennlinie, die im Grunde keine Trennlinie sein sollte, es vielleicht auch nicht mehr wirklich trennend ist. Die Grenze, die den Norden vom Süden teilt oder zu teilen vorgibt, wird von manchen biologistisch denkenden Zeitgenossen zuweilen in Vergleich gesetzt mit den beiden Herzkammern, die in unseren Brustkästen schlagen.
Wir überlassen es Ihnen, hier angekommen, zu orten, wo denn wohl das venöse oder arterielle Blut in diesem Vergleich und auf der Insel strömt. Jedenfalls scheint das eine Zypern das andere Zypern zu brauchen, um zu existieren. Das ist wohl die Message, die solch Vergleich uns geben soll. Und wahrhaft: Die Trennung nährt und nährte gewisse Kreise recht gut bislang.

Sollten Sie es noch nicht wissen: Die erste türkisch-zyprische Zeitung kam bereits vor 129 Jahren heraus und hieß „Saadet“ (Glück). In der Türkei gibt es derzeit eine Partei mit diesem Namen. Die Mitglieder der Saadet sind etwas oder mehr islamisch angehaucht – der im Jahr 2011 am 30. Juni verstorbene türkische Politiker Necmettin Erbakan lässt dergestalt also noch immer grüßen, und so weiter.
Stets am 11. Juli wird im Norden indes der sogenannte Pressetag gefeiert – jedes Jahr aufs Neue. Und diese Feiern haben nichts mit dem Todestag Erbakans zu tun – jedenfalls noch nicht.
Überhaupt:
Es gibt im Grunde noch so viel aus dem Norden zu berichten, sodass nun, wenn schon die Rede von der Presse ist, wir doch einfach mal bei diesem Thema recht spezifisch verweilen.
Von der „Afrika“-Tageszeitung des Nordens war zuvor bereits die Rede. Da gilt es nun auch noch die „Politis“ aus dem Süden kurz anzuführen. Denn in beiden Blättern schreibt Şener Levent, und zwar auf Griechisch und auf Türkisch, je nach dem – und jedes Mal so, dass es dem Regime in der Türkei wenig gefallen dürfte, was es da zu lesen gibt, aber den Südzyprern, die sich mit dem Gedanken, dass die Türkei DRÜBEN noch immer den Ton angibt, schon.
Herr Şener wurde vor Kurzem ‚eingeladen‘ nach Ankara zu kommen, um eine Aussage vor Gericht zu machen. Er sagte dazu:
„Ich denke gar nicht daran, in dieser Angelegenheit schuldig zu sein. Weil ich unschuldig bin. Ich halte es nicht für erforderlich, dort hinzufliegen. Den Tatvorwurf lehne ich ab!“
Dem nicht genug schrieb Şener in einer seiner Kolumnen, dass der Richter Tacan Reynar, der diejenigen verknackte, die vor nicht allzu langer Zeit die Afrika-Tageszeitung im Norden attackierten, schon seit geraumer Zeit seine Koffer gepackt habe, um fortan in Kanada zu leben. Tacan wird wohl wissen, warum er ausgewandert ist, vermuten wir hier.
Dann darf noch berichtet werden, dass Şener eventuell als unabhängiger Kandidat bei den Europawahlen ins Rennen gehen könnte. Einer Partei mag er sich nicht anschließen, meint er. Wenn er gewählt würde, und das rechtzeitig, wer weiß, vielleicht werden ihn dann die langen „Schwarzen Arme“ (karakol) der türkischen Justiz nicht zu fassen bekommen. Genügend Wirbel dürfte er dann im Europa Parlament aufwirbeln, spekulieren einige, und zwar so lange werden sie das dann wohl tun, wie sich das Gegenteil davon nicht bestätigt hat.

Nun! Sie, verehrte Leser, werden sich gewiss schon gefragt haben: Was hat der Herr Şener denn getan, dass Ankara so sauer auf ihn ist oder sein soll; und gibt etwa keine Kostprobe davon?

„Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Zitronen und Jasmin duftet?
Wie?
Hau ab!
Du wirst gehen!
Diese kleine Insel hat viele Könige gesehen und Sultane.
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!
Wirst Deine Sprüche, dass Allah der größte ist, sowie Dein Fluchen nehmen und abhauen! …
Wenn Du türkisch bist, ich bin es nicht.
Wenn Du Patriot bist, dann bin ich ein Verräter.
Ich unterhalte eine illegale Organisation, jene mit Jasmin, Zitronen, Nelkenrosen und Eukalyptus. Bin weder EOKA, noch TMT [sind 2 ehemalige süd- und nordzyprische Geheimbünde, die vor 1974 politische Gegner Killen gingen].
Wir sind von oben bis unten bewaffnet. Unsere Waffen sind Blumen. Und mein Füllfederhalter versteht keine Worte. Sogar ich kann ihm nicht eingeben, was er schreiben soll. Und Du denkst, Deine Steine, Dein Geschrei können ihm sagen, was es zu schreiben gilt?
Ihr seid die Feinde!
Ihr seid allem feind, was schön, bezaubernd und richtig ist. Feind der Griechen, weil er Grieche ist. Den Kurden ein Feind, weil er Kurde ist. Feind der Armenier, weil er Armenier ist und Feind der Alewiten, weil er Alewi ist. So seid ihr auch Feind jedes einzelnen Christen, weil er nicht Muslim ist.
Ihr seid unsere Feinde! …
Feind jener, die sagen, sie sind Türkischzyprer und nicht Türken!
Du sagst zu mir: Wenn es Dir nicht passt, geh und leb drüben im Süden!
Du bist damit noch nicht mal komisch. Bringst mich aber doch zum Lachen … Blödmann … .
Hat mein Land etwa einen Norden oder Süden? Das ganze Land ist meines, Norden und Süden gleichermaßen. So auch der Westen und der Osten. Ich kann leben, wo ich mag … .
Was auch immer Du tun wirst, Du wirst nicht im Stande sein, schneller als eine Taube zu fliegen.
Ich wünschte, ich könnte Dich lieben. Doch Du bist nicht liebenswert.
Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Limonen und Jasmin duftet?
Hau ab, geh!
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!“

Vielleicht haben Sie ja dasselbe Problem wie ich, wenn Sie den Namen des Präsidenten der Türkei schreiben wollen oder sollen, sich aber irgendwie nicht merken können, wie die beiden Vornamen geschrieben werden, nämlich mit „b“ oder mit „p“?
Hier ihre Gedächtnisstütze, die Eselsbrücke, wie man sagt, also:
Weil über dem „g“ des Familiennamens „Erdoğan“ ein Zeichen steht, das aussieht wie ein Falke, der über etwas fliegt, können die beiden Vornamen nur ein nach unten weisendes „p“ haben und kein „b“, weil sonst hätte der Falke – Erdoğan bedeutet übersetzt Falke – kein gutes Jagdgebiet.
Oder aber Sie merken es sich so:
Wir erinnern, dass „Recep Tayyip“ wie die beiden p’s nach unten geht oder führt oder so geschrieben wird; weil der Erdoğan im Gegensatz dazu wie ein Falke über dem Unteren fliegt, das ist über den p’s, und sie derart in Schach hält oder aber bejagt.

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Die andere zyprische Sicht

„Eine Hölle im Paradies!“

Der Aufenthalt in Oman ist jedenfalls nicht die Hölle, eher das Gegenteil davon. Die Omanen sind meistens freundlich. Man müsste viel länger im Oman verweilen, habe ich den Eindruck. Kann gut sein, dass es dazu noch kommen wird, eben weil die paar Omanis, die wir kennen lernten, auch sehr umgänglich schienen. Angenehme Leute, die insbesondere andere Vorstellungen von Preisen fürs Taxi haben. Selber schuld, sagen Sie da, verehrte Leser, mit Berechtigung, wenn ihr die Taxis nehmt, die vor dem Hilton stehen, wo ihr an der Straße stehend wahrscheinlich ganz andere Preise aushandeln könntet.

Herr Levent ist ein Türkischzyprer, der anscheinend inzwischen im anderen Teil der Insel wohnt und arbeitet, im griechischsprachigen Teil. Sehen Sie sich zur Person den Link ganz unten in diesem Artikel an.

Von Şener Levent, übersetzt von iskenderr2 (zypernundmehr@wordpress.com)

„In diesem Land. In diesem System. In dieser Gesellschaft. Ich lebe hier, wissend, dass hier niemand mehr leben kann. Es ist ein Ort, wo Freundlichkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit aufgehört haben, zu existieren.

Alle zusammen haben wir das wunderschöne Land in eine Ecke der Hölle verwandelt. Defekte Führung, defekt sind auch die zwischenmenschlichen Beziehungen. „Defekt“ ist noch nachsichtig gesagt. Von verrottet und schmutzig müsste die Rede sein. Der Polizei des Landes trauen wir nicht. Weder den Staatsanwältenn noch den Anwälten. An den Fingern einer Hand lassen sich die Richter abzählen, die ich als korrekt ansehe. Sie alle begünstigen die Mächtigen. Die viel Geld haben und hohe Positionen. Gesetze gibt es nur, um die Armen und Verarmten unten zu halten, die niemanden in der Welt haben. Seit Jahren versuchte ich vermittels dieser Zeitung (der griechischzyprischen Tageszeitung Politis), viele Bürger aus den Händen der Polizei, der Staatsanwälte, Anwälte und Richter zu retten. Ich sah viele Anwälte, die ihre Mandanten verkauften. Rechtsanwälte, die das Geld lieben und nicht die Gerechtigkeit. Sah viele Polizisten, die ihre Festgenommenen in Haft foltern. Polizisten, die die Chance ergreifen, unschuldige Bürger auf Anweisung derer, die Geld bereithalten, zu unterdrücken. Ich sah sehr viele Richter, die für schwere Straftaten die leichtesten Urteile aussprachen. Richter, die nicht erröten, wenn ihr Urteil vom Berufungsgericht aufgehoben wird. Viele Staatanwälte sah ich, die dabei helfen, Fälle von Begünstigten verschwinden zu lassen. Staatsanwälte, die einfache Bürger nötigen, zuzugeben, das Verbrechen begangen zu haben. Polizisten sah ich, die wie Machos das Geld in ihren Taschen herumtragen. Viele Falschaussagen bei der Polizei oder bei Gericht sah ich. Auch Polizisten, die falsch aussagten. Ich sah Polizisten mit Auszeichnungen, die sich eines Aufenthalts in einem luxeriösen 5-Sterne Hotels mit Casino erfreuten, ohne dafür zu bezahlen. Auch Polizisten, die Geschenke von Nachtclub-Besitzern annehmen, habe ich gesehen.

Hab viele Politiker getroffen, die diese Fäulnis und Schmutz der Polzeibehörde auf jeder Ebene übersehen – vom Aufbau ihrer Verstrickung darin bis zu den Lobreden. Eine Gesellschaft, die groß gezogen wird mit Plünderung und Geschäftemacherei. Mir scheint, es könnte nicht anders sein, und auch, wenn wir es anders getan hätten. Ich habe viele Journalisten gesehen, die ihr Umschlägchen einstecken, die ihnen jene mit Geld zusteckten. Sollten es zehn sein mit viel Geld, die unser Land führen, werden sie gegen die kein Wort in ihren Kolumnen schreiben. Wie die Polizisten mit Auszeichnungen, erhalten auch sie Hotelaufenthalte als Geschenk – 5-Sterne mit Casino. Viele Bürokraten gibt’s, die unterschreiben, sich den Glauben der Leute verdienen, indem sie sich das Geld in die hintere Tasche ihrer Hosen stecken. Ich lebe hier, wissend, dass eigentlich niemand in diesem Land leben kann, in diesem System, in dieser Gesellschaft. Staatsangestellte sah ich, die wegen ein paar hundert Euro schulden den Leuten den Strom abstellen, nur, jene die Millionen Schulden haben, werden von ihnen nicht angegangen. Einige sah ich, die sandten den Gerichtsvollzieher zu Leuten mit wenig Schulden, doch dahingegen tun sie ihren geliebten Dienern des Geldes effektiv gar nichts, die in der Staatsbank Millionen Schulden haben. Ärzte sah ich, die bescheinigten, dass die Kugel beim Selbstmord eines Soldaten durch die Brust eindrang. Und der Arzt weiß genau, der Schuss kam von hinten. Viele Jungs und feine Herren sah ich, deren „nützlichen“ Dienste mit verdeckten Mitteln bezahlt werden.

Dieses Land ist die Hölle für ehrliche und respektable Bürger und ein Paradies für jene ohne Ehre, die Verachtenswerten. Kann ein Mensch an diesem Ort [Zypern] etwa leben? Das kann nicht sein. Wenn überall Fäulnis und Schmutz ist, kann es im Morast keine Rosen geben.

Ich seh mir die Kinder an. Ihre strahlenden Augen. Wie unschuldig sie sind, haben keinen Schimmer von all dem. Um die tut es mir leid. Ihretwegen beschuldige ich vor allem mich. Weil wir können ihnen kein System hinterlassen, in dem sie leben können. Ein System ohne Sorge und Ärger. Ein wohlhabendes Vaterland. Sie werden uns verfluchen. Sagen werden sie, dass sie sich darum kümmern werden, ihren Spaß zu haben. Doktorarbeiten werden sie darüber schreiben, wie all das ungeschehen gemacht werden kann. Die werden uns nie verzeihen.

Das ist hier kein Artikel, sondern Murren. Rede im Dilirium. Stiegen die guten Menschen [etwa] aufs Pferd und verschwanden? Lassen sie uns mit unseren Dämonen zurück?“

01. Januar 2016, erschienen in der zyprischen Tageszeitung „Politis“, Autor: Şener Levent (https://www.indexoncensorship.org/2015/11/media-freedom-in-northern-cyprus-the-sener-levent-case/)

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