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Posts Tagged ‘maniana kalogeraki’

Im Interview mit der sonntags erscheinenden, kostenlosen griechischsprachigen „24h“-Zeitung Zyperns sagte Serdar Denktas, der Sohn des kürzlich verstorbenen Rauf Denktas, der jahrelang die Wiedervereinigungs-Verhandlungen in Zypern für die türkisch-zyprische Seite führte, Folgendes zur Journalistin der 24h, Maniama Kalogeraki (mkalogeraki@24.com.cy):

„Es gilt klarzustellen, was für jeden Einzelnen die Lösung des Zypernproblems bedeutet“, sagte [Denktas] in einem Exklusiv-Interview der 24h, Sohn des Rauf Denktas, namens Serdar.

Der Führer der Demokratischen Partei in den Besetzten Gebieten sprach von seiner Sicht der Dinge bezüglich der Lösung anlässlich der Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den griechischen (GZ) und den türkischen Zyprern (TZ). Des Weiteren sprach er darüber, wie er die Beziehung zwischen Anastasiadis und Akinci sieht, dies zu einem Zeitpunkt, an dem die Hoffnungen größer erscheinen und die Erwartungen höher.

„Die Erwartungen sind wirklich höher, das ist sicher. Doch ich bin mir nicht völlig sicher, ob unsere Hoffnungen und Erwartungen zu einem positiven Ende führen.
Andauernd spreche ich davon, dass für eine lebensfähige Lösung eine Seite die Anerkennung der anderen braucht (was für beide gilt). Doch genau das bleibt seit vielen Jahren aus. Sollten wir eine Lösung finden, müssen wir eindeutig klar gestellt haben zuvor, dass es nicht nochmals eine unschöne Periode der Auseinandersetzungen gibt. Es gilt zu sichern, dass der Frieden zwischen uns, der seit über 40 Jahren herrscht, weitergeht.
Ja, es gibt eine politische Auseinandersetzung, doch das bedeutet nicht, dass wir damit fortfahren müssen, einander zu ‚beschießen‘. Wir müssen also sicherstellen, dass der Bürger der einen Seite, wie auch der anderen, und vor allem die, die keine Lösung wollen, die Atmosphäre nicht zerstören können, die erneut erzeugt wird. Das genau ist, was ich zu sehen erwarte“, sagte Herr Denktas der 24.

Woher kommt ihre Zurückhaltung?

„Wir sind in eine neue Verhandlungsphase eingetreten. Doch andererseits, zur gleichen Zeit, blockiert die GZ-Seite fortwährend die Beziehung und den Kontakt der TZ-Seite mit irgendwelchen anderen Ländern und internationalen Organisationen. Das zeigt ihre unehrliche Absicht klar auf. Entweder wir finden eine Lösung oder wir wissen gleichzeitig infolge der Verhandlungen, dass weiter zu steckende Beziehungen der GZ und TZ einfach nicht bestehen können. Was uns angeht, uns die TZ, ist das keine richtig gute Ausgangsstellung. Wir wollen daher noch mehr guten Willen sehen von Seiten der GZ. Gleiches gilt auch für die GZ, die ebenfalls guten Willen von den TZ sehen wollen.“

Die GZ sagen auch immer das Selbe von den TZ: Letztere blockieren den Verhandlungsprozess auf Kosten der GZ.

„Ich bin mir sicher, dass wir uns darüber einig sind.“

Wir ersuchten Herrn Denktas uns die Rede des TZ-Führers, M. Akinci, zu erläutern, die dieser kurz nach dem Treffen mit Ban Ki Moon gehalten hat, in der er abgesehen von der schweren Arbeit, die es noch zu machen gilt, auch davon sprach, ein Frieden innerhalb von Monaten, und nicht Jahren, sei möglich.
„Das Eine ist die Hoffnung, und das Andere ist, dass wir das alle hoffen. Was ich befürchte ist, dass vielleicht die beiden Seiten, von der UN zu sehr bedrängt werden, von den USA oder anderen Mächten, einen Vertrag zu unterschreiben.“

Warum sagen Sie das?

„Bei der Errichtung und Zusammenstellung des Staates Zypern wurden die GZ [damals] von den Briten dazu gedrängt – so auch die TZ, um eine neue Staatsform zu gründen. Das stellte also nicht allein ein Ziel der beiden Seiten dar. Jemand drängte uns. Wir akzeptierten und unterschrieben einen Vertrag, der nur 3 Jahre hielt, von 1960 bis 1963.
Ich möchte nicht, dass meine Kinder und Enkelkinder, ihre Jugend so durchleben wie ich nach 1974. Wir müssen sicher sein, dass die beiden Seiten nicht nochmals im gleichen Dilemma landen. Das ist etwas, was mich beunruhigt und drückt ausschließlich meine Befindlichkeit aus.“

Sie sind also sehr unzufrieden und hoffnungslos bezüglich einer möglichen Lösung…

„Im Falle einer Lösung, die nicht in den Herzen der Menschen verankert ist, ja. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sprechen Sie mit GZ. Alle werden Ihnen sagen, dass sie eine Lösung wollen. Doch wie sich der Einzelne diese vorstellt, hat riesige Unterschiede von Mensch zu Mensch. Es ist nicht etwas, dem alle zustimmen.“

Das bezieht sich auf die Diskussionen ums Land, das Vermögen, die Rolle der Armee? Auf was genau?

„Auf alles. Auf die Ökonomie, die Kultur, die Frage der Vermögen, jeder kann alles Mögliche denken in Sachen Lösung. Danach fragen Sie die TZ. Alle werden Ihnen antworten, dass eine Lösung gewünscht wird. Doch wenn Sie fragen: „Was bedeutet eine Lösung für Sie?“, werden Sie alles Mögliche hören. Also auch die TZ differieren untereinander diesbezüglich. Denken Sie daran, dass diese Unterschiedlichkeiten auch innerhalb der GZ existieren. Jeder denkt an etwas Anderes beim Thema Lösung der Zypernfrage. Es ist schlicht katastrophal. Das Thema Zusammenleben, Zusammenwachsen, wie wird miteinander diskutiert, was wird aus den Vermögen, der Ökonomie, wie wird das Vermögen aufgeteilt, all das.“

Es sind jedenfalls bereits 5 Ausfertigungen zur Aufteilung der Vermögen durch die Presse gegangen

„Ich kann Ihnen 50 anbringen, nicht allein 5e. Was ist denn nun das, was allgemein von den beiden Seiten akzeptiert wird? Und wie wird diese Sache gehandhabt werden? Auch unsere Seite hat viele Fragen, die gelöst gehören. Wie zum Beispiel die der Siedler vom türkischen Festland. All das sind Fragen, die meine Hoffnung, mehr als bei anderen es der Fall sein mag, trüben. Ich verkaufe keine Hoffnung. Ich möchte auch nicht unzufrieden erscheinen. Ich bin schlichtweg Realist. Es gilt, einen Weg zu finden, unser Vermögen zu nutzen und danach fangen wir bestens erst an, Verhandlungen zu führen.“

Ihre Zurückhaltungen beruhen auch auf der Rolle der Türkei in Zypern?

„Nein, hat nichts damit zu tun. Ich kann Ihnen sagen, dass die Türkei weit aus geneigter ist, einer Lösung anzustreben als ich. Das ist auch etwas, was mich beunruhigt.“

Was den Hafen von Famagusta angeht sowie die Anerkennung des Flughafens Ercan, über die in letzter Zeit viel geredet wird, erklärt Herr Denktas, inwieweit er mit Herrn Akinci übereinstimmt:

„Die geschlossene Stadt vor Famagusta soll geöffnet werden und ihre rechtmäßigen Bewohner sollen zurückkehren, und zwar unter TZ-Führung, bis eine Lösung gefunden wurde. Eine reine, freie Zone! Mit Bewohnern, die dorthin zurückkehren können, um dort wieder zu leben. Es soll wie eine neue Art Wirtschaftsbereich funktionieren für die GZ und TZ. Wir sprechen da von von dem Zeitraum vor dem Finden einer Lösung. Danach werden wir sehen, wie was wem übergeben wird vom Vermögen.
Famagusta ist bereits jetzt für den Handel offen. Das Problem ist, falls irgendein Schiff dort einkehrt und danach zum Beispiel nach Larnaka fährt, wird der Kapitän verhaftet, und zwar wegen dem, was in der GZ-Gesetzgebung steht.
Im allgemeinen sind die Kosten [bei so etwas] viel höher als irgendeine Ansicht.

Was Ercan angeht, jetzt, also seit 1974, operiert Ercan als anerkannter Flughafen, seit der Ministerrat den [Staats]-Vertrag [mit den Süden] aufkündigte. Aber wer kann uns sagen, dass uns so etwas nicht noch einmal passiert? Sie sagen [eventuell], ja, OK, den Flughafen akzeptieren wir, und etwas später setzen sie sich an einen Tisch, und beurteilen die Gegend als nicht geeignet und akzeptieren den Flughafen nicht mehr – und wir [Tzler] dürfen dann von Pontius bis nach Pilatus rennen, um unser Recht zu erhalten.
Was ich will, ist, dass das Recht der TZ gesichert ist, und das so lange, bis wir zu einer gemeinsamen Grundlage gelangen und einander wirklich kennen, einer den anderen wirklich respektiert und wir beide gemeinsam profitieren. Bis dahin habe ich also meine Vorbehalte.“

Dieser Nutzen, von denen Sie sprechen, beinhaltet der auch das Erdgas etc.?

„Bis wir dazu kommen, über das Erdgas zu reden, haben wir viele andere Dinge anzugehen. Es gibt einen Markt von 78 Millionen, 40 Meilen unter unseren Füßen. Es ist ein riesiger Markt, von dem sicher beide Seiten profitieren könnten. Wenn wir von diesem Markt profitieren wollten, den hätten wir. Aber, wir müssen den GZ zeigen, dass die Türkei keine Bedrohung ist, sondern eine Chance für Zypern.
Zumal wir die geografische Lage Zyperns nicht ändern können, zumal Zypern von dort, wo es ist, nicht woanders installiert werden kann, warum profitieren wir da nicht von einer wirklich großen ökonomischen Macht wie der Türkei? Weil wir glauben, es ist eine Bedrohung? Es ist keine Bedrohung! Das weiß ich, die GZler werden sich [nun wohl] wundern über das, was ich sage. Es gilt zusammen zu arbeiten, die Rechte beider Seiten zu wahren.
Auch wir haben Verpflichtungen, aber wir haben auch Rechte. Und wie kam die UN hier auf die Insel? Wir brauchen Schutz, und wir, wie auch die Türkei, akzeptierten die Regierung Makarios als legale Regierung. Dergestalt ‚gelang‘ uns die Intervention der UN, die wir natürlich noch haben. Ich versteh die GZler völlig. Ich kann verstehen, dass sie ihre Häuser zurück haben wollen, weil die Junta in Griechenland den Einmarsch [in Zypern] durchzog. Im Laufe dieser Aktion hat die Türkei die Chance gefunden, den Begriff ‚Garantiemacht‘ zu nutzen. Andererseits sollten wir aber nicht vergessen, dass zwischen 1963 und 74 türkische Orte auf Zypern von TZlern verlassen werden mussten. Letztere lebten danach in den misslichsten Umständen für viele Jahre?
Sprechen wir darüber etwa nicht?

Was geschah, ist geschehen. Doch wir haben zu wissen, was wirklich abgeht. Und dass wir nicht an der Vergangenheit kleben. Lasst uns neue Herangehensweisen versuchen. Eine Lösung für eine bessere Zukunft, besseres Zusammenleben, eine bessere Wirklichkeit.“

Vor allem bezüglich der Vertrauensbildenden Maßnahmen:

„Wir haben das Thema Visa beendet und angeordnet, dass keine Zettel mehr an den Grenzübergängen auszufüllen sind; und im Gegenzug haben wir eine Karte erhalten, auf der 28 Orte aufgezeichnet sind, in denen Minen vergraben liegen in der Gegend des Pentadaktilo-Gebirges. Denken Sie, das Eine passt zum Anderen? Die Frage der Minen müsste hinter geschlossenen Türen diskutiert werden und nicht in der Öffentlichkeit. Und über welche Gegenden minenfrei sind, sollte nur die UN sprechen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ein Tourist mag in die Besetzten Gebiete kommen als Tourist. Er hört, es gibt dort Minen. Ist es dann noch möglich, dass er kommt? Das ist eine schwere, negative Entwicklung für unsere Wirtschaft. In der Vergangenheit hatten wir viele Stornierungen des Themas wegen – und die werden wir wohl weiterhin haben.“

Was die Rolle von Dervis Eroglu angeht, aber auch, warum der vorherige Führer zu keiner Lösung gelangen konnte, dazu spricht Herr Denktas von inneren Prozessen und Problemen, die das verhinderten.
Herr Denktas erwähnte auch die Pressemitteilungen und die Erwartungen, die man zu jenem Moment hatte, als Mehmet Ali Talat Führer der TZ geworden war.

„Bei Talat sagten wir, dass er und Xristofias das Problem lösen werden. Jetzt reden wir von Anastasiadis und Akinci. Aber beide müssten aufrichtig zusammen arbeiten, wahrer, um die Leute mitzunehmen.“

Das bedeutet…. sie arbeiten aufrichtig….

„Außenpolitisch ja. Die Frage ist, ob das auch in der Basis zutrifft. Wir müssen den nächsten Schritt abwarten. Soll ich Ihnen was sagen? Würde uns ein Ausländer besuchen kommen, der entweder Politiker oder Geschäftsmann ist, oder einfacher Bürger, und sähe, wie wir am selben Tisch zusammen sitzen, zusammen essen, lachen und eben zusammen sind wie wir nun mal zusammen sind, der würde sagen: Die verarschen uns!“

Es gilt nachvollziehbar zu handeln. Was die Rolle der USA angeht, Russlands, aber auch anderen Akteuren, die involviert sind war Denktas eindeutig:

„Ich bevorzugte, dass sie sich nicht einmischen. Oder dass sie sich möglichst nicht einmischten. Denken Sie etwa, all diese Länder sind daran interessiert, unseren inneren Konflikt zu lösen? Die schauen nach ihrem Vorteil und verhalten sich entsprechend.“

Bezüglich der Wahlen in der Türkei betont Herr Dentkas, es handle sich um eine klar innere Angelegenheit, zu der sich die TZler absolut herauszuhalten haben, wer auch immer die Regierung bilden wird in der Türkei, es wird die TZ beeinflussen.

Was er tun würde, käme es zu einer Art marginalen Lösung?

„Ich habe meine Begrifflichkeit, bezüglich dem, was eine Lösung der Zypernfrage ist, und die umfasst eine Änderung der Grenzen; also, wir verhandelten besser auf einer anderen Basis zum Beispiel das Territorium; aber ich glaube, um eine gerechte Lösung für den Bundesstaat bestehend aus zwei Staaten zu erhalten, muss noch viel getan werden. Zum Beispiel Frankreich und Deutschland durchtrennten ihre persönlichen Zielsetzungen, vieles, was sie voneinander trennte, doch dann konnten sie letztlich auf allen Ebenen zusammen wirken, und zwar unter den Bedingungen, welche die EU auferlegt, ohne große Schwierigkeiten. Die EU muss noch mehr Druck ausüben auf die TZ und GZ, damit jeder von den beiden weiß, wo seine Rolle beginnt und wo sie endet.

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