Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Mari’

Mari

Eine Übersetzung von ADH eines Artikels der Nasa Pataniou, 28 Oktober 2018, Politis

 

 

 

“Das Dorf Mari oder Marin (Marini)

Ein Dokument aus dem Jahr 1487 bringt neue Erkenntnisse über das Dorf „Mari“ zutage sowie einen seiner Feudarchen, der aus der Familie der „Kornaros“ stammt.

Wie wir in der Folge untersuchen werden, erwies König Peter I. Lusignan dieser Familie im 14. Jahrhundert die Gunst, und trat das Bistum Limassol an sie ab sowie die nähere Umgebung. Dieser Strang der Kornaros nahm später den Namen „Bischof von Kornaro“ an; genauer: sie beherrschten als Feudalherren das „Bistum Limassol“ sowie die nähere Umgebung.

Es ist stark davon auszugehen, dass zu jenem Zeitpunkt auch Mari an diese Familie überging. Wir haben dazu allerdings keinen Nachweis.

In den Tagen des letzten frankophonen Königs Zyperns, „Jakobus II. Lusignan“, wurde das Dorf Mari von ihm persönlich an einen Florentiner übertragen, der als Konsul seiner Stadt auf der Großen Insel [Zypern] tätig war.

Letzteres schloss allerdings nicht aus, dass das Dorf erneut an die zuvor genannte Familie zurückfiel, und zwar unter der Regentschaft der „Königin Äkatherina Kornaro“ – zumal ein Dokument aus dem Jahr 1487 als Feudarchen des Dorfes ein Mitglied des Bistums der Kornaro angibt.

Das Dorf Marini oder Marin, welches Mari wurde

Das Dokument aus dem Jahr 1487 ist bislang das älteste, indem das heutige Dorf Mari als „Marini“ auftaucht. Das Dorf grenzt an den Vasila-Fluss, dessen Name im Altertum „Tetios“ war. Und hier hat die „Heilige Eleni“ Anker geworfen der Legende zufolge, die uns „Leontios Machäras“ überlieferte. Bezüglich der Ankunft der Heiligen Eleni wird in unserer Zeit geschrieben, dass Mari an dem Fluss Vasila unmittelbar lag. Zu der Zeit der Latiner wird diese Gegend auch als Ankerplatz bezeichnet, wo Schiffe anlegten, um sich mit Wasser oder Nahrung zu versorgen – und oftmals fielen diese Dieben oder Piraten zum Opfer. Und genau daher betrieb man in dieser Gegend unter den Venezianern eine leicht-ausgestattete Reiter-Kompanie, die die Seefront schützte. Von ihnen nehmen wir im Jahr 1564 ganz spezifisch Notiz … . Türkische Piraten gingen in der Gegend ebenfalls vor Anker und stohlen große Mengen „Charoup“ Die Einwohner hatten diese gesammelt und in Säcken verstaut. Es gab dafür keinen Lagerplatz

[Charoup sind wahre Vitamin D-Bomben, die aussehen wie plattgedrückte, raben-schwarze Bananen und hängen meist dicht und in großer Zahl am Baum. Diese Bäume gibt es noch heute sehr oft zu sehen in Zypern. Charoub werden des hohen Vitamin-D-Gehalts von der Wissenschaft und der Nahrungsindustrie gerade wieder entdeckt als ergänzendes Nahrungsmittel und als Medikament].

Mari könnte der ‚Siedlungs-Nachfolger‘ des altertümlichen Mari sein, wenn diese Angelegenheit und jene mit dem Diodoros, dem Sizilianer, geklärt ist. …

„Das Meerreich Kitti sowie Mari sind zu kaufen … .“

Dieses Zitat gibt einen Umstand wider, der uns sagt, dass beide Städte an der Küste lagen. Indes ist das wissenschaftlich noch nicht bewiesen durch Ausgrabungen.

Zuletzt: Das altertümliche Mari lag in der Polis von Chrisochous und nahe Arsino‘i.

In der Geschichtsschreibung des Florios Voustronios, welche Mitte des 16. Jahrhundert zusammengestellt wurde, wird das Dorf „Marin“ genannt. Und als Marin wird es auch auf der Karte des Leonidas Attar aus dem Jahr 1542 aufgeführt. Dieses Dorf wird auch in 4 venezianischen Katalogen erwähnt – sowie auch andere zyprische Dörfer. Unter den Venezianern gehörte Mari zur Provinz Mazotos. Den Venezianern unterstand der größte Teil der Siedlungen in der genannten Provinz. Sie umfasste an die 48 Siedlungen, von denen an die 20 im Lauf der Zeit verschwunden sind.

In 3 von den 4 venezianischen Katalogen wird Mari als Marin aufgeführt – und in einem der drei als Mari. Im 4. Katalog aus dem Jahr 1565, indem auch eine Registrierung aller zyprischen freien Landwirte sich befindet, sowie Franken [Franzosen] von Bedeutung und das Dorf. Wie zuvor bereits gesagt: Sie alle waren als zu Marin gehörig bezeichnet worden.

Zu jener Zeit gab es 36 Franken gemäß der Registrierung, doch ihre Anzahl dürfte vermutlich größer gewesen sein. Nicht registriert waren weibliche Kinder, wie auch die Kolonisierten [Zyprer]. In jeder Ortschaft gab es jedoch gewöhnlich eine größere Anzahl Kolonialisierter als freie Landwirte.

Das oben Gesagte in Betracht genommen, könnten wir sagen, dass Mari unter den Venezianern insgesamt ungefähr an die 100 Einwohner gehabt haben dürfte.

Die Familie des Feudalherren Loukas Karnaros

Der Feudarch Loukas Karnaros, der Mari im Jahr 1487 erhielt, hatte den Frederiko Kornaros der Familie des Bischofstums Kornaros adoptiert, der gleichzeitig der frankophone König Peter I. Lusignan von Zypern war.

Petros I., als er Europa umfuhr im Jahr 1365 mit dem Versuch ausgestattet, seine Herrschaftsbereiche zu vereinigen, um einen erneuten Kreuzzug zu organisieren und um gegen die Ungläubigen vorzugehen zur Befreiung des Heiligen Landes, kam [dergestalt] auch in Venedig an.

Frederikos Kornaros ließ dem König von Zpyern damals eine große Gastfreundschaft zuteil werden und lieh ihm für die Ausgaben des anstehenden neuen Krieges einen großen Geldbetrag. Das Wichtigste aber ist, dass Petros I. In Folge dieses Kredits ihm das Bistum Limassol überreichte zusammen mit Bereichen, die über Limassol hinausreichten, sowie das teure Wasser, welches hauptsächlich der Fluss Kourri bereitstellte.

Frederikos Kornaros – seine Brüder und die Kinder, sowie auch Loukas, wurden dergestalt sehr nahe mit Zypern verbunden – vor allem mit dem Anwesen in Episkopi, dessen Name sie als Titel vor jenem der Bezeichnung Kornaros setzten.

Die Bischöfe namens Kornaros hinterließen in Zypern ihre Spuren, und zwar [vor allem] mit dem Anbau von Zucker im Bistum Limassol.

Untersuchungen, die dieser vorangehen, wie auch archäologische Ausgrabungen, geben uns wertvolle Hinweise auf Zuckerraffinerien, welche die Familie „Cornaro Piscopia“ von Episkopi im 14ten und 16ten Jahrhundert betrieb.

Die Kornaros von Episkopi, wie sich aus dem Material aus dem Altertum erschließen lässt, welches uns zur Verfügung steht, beherrschten als Feudalherren nicht nur Episkopi und Alyki bei Limassol, sondern auch das Dorf Morfu.

Der Staat Venedig interessierte sich mittels Konsulen und mittels Abgesandten, welche ihn vertraten auf Zypern, für seine Untertanen. Diese lebten auf Zypern. Doch vor allem interessierte dieser Staat sich für die Belange der Familie Kornaros … .

Die Kornaros hatten oftmals Auseinandersetzungen und Streit mit den Johannitern [Orden], welche Kolossi beherrschten, und zwar wegen des Wassers, welches sie zweifelsohne beanspruchten.

Marios und das Dorf Mari oder Marini

Ausgeschlossen kann nicht werden, dass der Name des Dorfes irgendeinem Feudalherren einst gehörte, oder eine Siedlung den Namens „Marino“ trug, wie oben bereits erwähnt wurde – „Marini“. Das Dokument aus 1487 zur Regentschaft der Königin Äkatherina, gerade 2 Jahre bevor sie den Thron verließ, diesen Zeitpunkt betreffend erreichten uns Neuigkeiten und unbekannte Hinweise über ein weiteres Besitztum der Kornaros, und zwar in der Gegend Limassol. Jenes Mari, welches wir weiter oben in einer Quelle als Marini bezeichneten, gehörte als Besitz dem Loukas Kornaros, demjenigen Loukas der Familie Kornaros (Piscopia). Am 18. September 1487 beziehen sich der Rat und die Vorsitzenden Zyperns auf dieses angesprochene Dokument, und zwar, dass Lukas Kornaros 220 Dukaten Steuer den Venezianern zu bezahlen habe für das Einkommen, welches er aus seinem Besitz zog – im Dorf Mari(ni). … .“

Mari ist eigentlich ein sonderbarer Ort für mich.

Weil im Dorf drin war ich meines Wissen noch nie.

Eigentlich ein Unding, wenn man bedenkt, wie lange schon auf der Insel verkehrt wird, und dies keine 10 km entfernt von Mari. Fahre nahezu täglich daran vorbei, sei es auf der Landstraße, die auch nach Limassol führt, oder auf der Küstenstraße, die von der Ortschaft Zygi nach Mari führt an einem Zementwerk vorbei – oder weiter oben nach dem Akti Kivernikou führt beispielsweise.

Vor Mari gelegen hat sich schon seit Längerem etwas Industrie angesiedelt. Überhaupt redet die Regierung davon, nein, sie lässt es bereits umsetzen, ausgerechnet dort in der Gegend so eine Art industrielles Zentrum entstehen lassen zu wollen.

Inzwischen dient dieser Ort und sein Hafen als Umschlagplatz für Gas. Das soll sich angeblich lohnen, diesen Rohstoff dort zwischenzulagern, um ihn dann nicht etwa Richtung Europa, sondern Richtung Asien zu transportieren. Stammen tut das teuere Gut aus Russland.

Mari ist auch der Ort, als vor ein paar Jahren Zypern unter Xristofias kommunistisch regiert wurde, ein verheerendes Unglück geschah mit mehreren Toten. Es hatte sich eine Explosion ereignet, die sogar in Psematismenos, wo unser Hauptbüro ist, bei einigen Häusern die Scheiben in den Fenstern in Brüche gehen ließ.

Da fahre ich jetzt mal hin.

Es ist gerade 14 Uhr.

Würde mich nicht wundern, wenn es dort sogar ein Cafe gibt, welches es angeblich nicht geben soll.

Überhaupt wird über Mari gern so berichtet, hat es den Anschein, als sei es der langweiligste und abgelegenste Ort auf Zypern.

Das wird mir erst jetzt bewusst, wo darüber geschrieben wird.

Gespräche auf der sogenannten „Zygi-Crossing“ und im dortigen Cafe mit Spieler, Bauern und Geschäftsleute verstärken diesen Eindruck wohl – und nicht wenige von ihnen stammen aus dem nahe gelegenen Mari.

Dieser indirekte Eindruck vom Hören-Sagen über Mari mag nun ENDLICH etwas direkter eingeholtt werden!!!!!

Es gibt kein Cafe! Jedenfalls konnte ich keines ausmachen! Fremdarbeiter scheinen dort vermehrt zu leben, wahrscheinlich, weil in Mari die Mieten günstiger sind als in Zygi – noch!

Read Full Post »

Die zyprische Tageszeitung Alitheia vom 16. August 2015 hat noch was zur Wasserversorgung drin gehabt in ihrer vorletzten Sonntagsausgabe. Das wird Ihnen nun doch noch übersetzt in Auszügen wiedergegeben, da viele unserer Leser unmittelbar betroffen sind:

„Viel Arbeit steht an in Sachen Wasserversorgungsinfrastruktur!

Bei der Planung großer Projekte, die wegen der Wasserprobleme in den Provinzen Nikosia/Lefkosia,Famagusta/ Ammochostos und Pafos anstehen, geht das Landwirtschaftsministerium, voran. Nach dem mehrtätigen Wasserausfall vor kurzem in Nikosia sowie im freien Famagusta, sprach der zuständige Minister, Nikos Kougialis, mit der Alitheia-Tageszeitung über die Entwicklung der Wasserversorgungsinfrastruktur der Insel … .

Die Hauptstadt hatte im April Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung … . Wie weit sind die Untersuchungen, um eine Röhre schon bald aus der Ortschaft Wasilikos zu haben?

… Wir sind inzwischen in einem fortgeschritten Stadium beim Erstellen eines Planes zum Auslegen der Rohre von Wasilikos nach Nikosia. Ziel der Arbeit ist, Trinkwasser bereitzustellen und dem erhöhten Bedarf der Stadt Nikosia zu entsprechen, wie auch den Bedarf der 28 Gemeinden der westlichen Provinz von Nikosia. Das soll geschehen mit Wasser aus der Entsalzungsanlage in Wasilikos (AHK) … . Das Auslegen der Rohre beginnt Mitte 2016. [Wir] haben eine Ausschreibung am 3. August 2015 zur Bildung eines Beirats gemacht, um die letzten Studien bezüglich der Rohr, des Wasserreservoirs und Aufbereitungsbecken in der ersten Phase zu begleiten. … .

Was beinhaltet die Arbeit, welche Gegenden werden versorgt und wann ist sie fertig?

… Eine Menge von 60.000 qm werden an einem Tag fließen. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 60 Mill €. Die Arbeiten werden in zwei Phasen fertiggestellt. … . Die erste Phase ist auch die Hauptphase. … . Die zweite Phase soll 2020 abgeschossen werden. Die Hauptader, die entsalztes Wasser von Wasilikos nach Nikosia bringen wird, geht an Mari, Kalawasos, Tochni, Chorio, Nisou und den Gemeinden Tseri, Latsia, Strowolos und Lakatomeias vorbei. … . Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht nur das Wasserproblem von Nikosia gelöst wird, sondern dass dadurch auch neue Arbeitsplätze entstehen.

Gibt es einen Vorschlag, im freien Teil von Famagusta Arbeit anzusiedeln?

In Wirklichkeit gehen wir in einem weiteren Rahmen zur Sache, um chronische Probleme und Sich-Angehäuftes da an zu gehen, wo Belange der Wasserversorgung uns alle angehen. Genauer: Die Zufriedenstellung der Bedürfnisse der Gegenden im freien Famagusta (Aghia Napa, Paraöimnis, Derinia und Sotira) und die Verbesserung der Qualität des Systems der Trinkwasserversorgung in den touristischen Orten, wie auch andernorts, so auch in Kokkinochorio, welches in der Provinz Larnaka liegt, ist gemeint. … . Diese Rohre werden auf einer Länge von 26 km verlegt (die von Wasilikos nach Nikosia auf rund 37 km), nämlich von Dekeleia nach Kokkinochorrio. … . Das wird sich auf 17 Mill € belaufen … und 2018 fertiggestellt sein. (Es werden noch 2 weitere Streckenverläufe genannt: einmal von Nikosia in kleine umliegende Dörfer; das andere Mal von Dekelia in kleine Dörfer). Diese [in der vorangehenden Klammer zuletzt genannten Arbeiten] sind im weiteren Sinne von Bedeutung für die Wasserversorgung von Famagusta.

Kürzlich waren die Feierlichkeiten zur Verlegung des letzten Teilstücks der Rohre aus der Türkei. Wie sieht es da mit dem letzten Stand der Wasserversorgung [hier im Süden] aus – und wie in Zukunft?

Unsere Antwort auf den kostspieleigen Schritt der Türkei, um Wasser hierher zu bringen, in die besetzten Gebiete, die politische Ziele bedienen, anstatt rationaler Planung ist der Gebrauch des wiederaufbereiteten Wassers als alternative Quelle. Außerdem hatten wir in den vergangenen Jahren viel Regen. Daher wäre es ein Verbrechen, würden wir dieses chronische Problem nicht lösen. Wir haben all das zu tun, was es zu tun gilt, um unsere Wasserspeicher zu sichern, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht verboten ist aus ökonomischem Gesichtspunkt. Daher haben wir uns zu einem 7-jährigen Plan entschlossen, in dessen Zentrum die Verwertung und der Gebrauch wiederaufbereiteten Wassers steht als Alternative. Wir haben letztes Jahr bereits begonnen, diesen Plan umzusetzen mit dem Ziel, in den nächsten 7 Jahren die Landwirtschaft mit 40 Mill qm wiederaufbereitetem Wasser jährlich zu versorgen … .“

In der Presse hat sich unter anderem jemand gehörig darüber aufgeregt, dass die Damen und Herren vom Parlament in Urlaub gehen. Es seien wichtige Entscheide zu fällen, die unmöglich verschoben werden könnten. Scheint niemand groß zu jucken. Bekanntlich wird Nikos Anastasiadis kurz nachdem die Ferien vorbei sein werden, wie zu lesen war, für über eine Woche in den Vereinigten Staaten weilen – extra Urlaub? Das wollen wir ihm nicht unterstellen, doch ist der lange Zeitraum seines Aufenthaltes schon etwas merkwürdig, zumal er dort ja ’nur‘ Ban Ki Moon trifft und das mit seinem türkischzyprischen ‚Partner‘, Mustafa Akinci. Klar, anscheinend hat er noch andere kleine Terminchen dort – die Zyprer in den Staaten und deren Organisation zu empfangen etc. Und so werden die angeblich wichtigen Entscheide vielleicht doch noch vor Weihnachten entschieden?

Das Theater ist noch immer Geschlossen. Stadtmitte von Mikosia ist noch immer eine Baustelle. Die Polizisten prügeln noch immer in Haft Genommene unverhältnismäßig, das Wasser um Mari herum ist verschmutzt, in dessen unmittelbarer Nähe ja so etwas wie noch mehr Tourismus erblühen soll, Stichwort: Aldiana. Letzteres ist eine recht schnuggelige Hotelanlage, wo überwiegend Deutschsprecher Ferien machen, die unmittelbar vom Dreck aus Mari gefährdet ist.

Read Full Post »

Die Empörten

Zypern, im Gegensatz zu Berlin, hat Sonne, Sonne, Sonne. Das Klima, die feuchte Luft und Hitze bringt vielleicht ein Vorteil, sagt ein Trainer ins Mikrofon. Eine Fußballmannschaft aus Polen ist hier. Die spielen anscheinend heute Abend gegen APOEL – ich glaube in der Champions League. Der Sprecher im Autoradio hat nur noch dieses eine Thema. Dass von Polen direkt in den Norden der Insel neuerdings geflogen wird, scheint bei dem Fußballfanatismus, den das Media aufbaut und mit verursacht erst Mal nebensächlich zu sein, empört gerade nicht.

Weniger nebensächlich ist, dass es Ungereimtheiten gibt beim Ablauf der Geschehnisse um die Explosion in Mari bei Zygi, die 51% der Stromversorgung des Landes lahmlegte. Seltsamer Weise wurden Dokumente gefälscht bezüglich dieser Anlage, kurz bevor das Unglück, die Explosion, sich ereignet hatte. Ein 35 Megawatt Generator konnte trotzdem kürzlich gesichert werden und dem Netz offenbar erfolgreich wieder angeschlossen werden. 200.000 Euro sollen für Sicherheit ausgegeben worden sein, um die 98 Container, die explodierten, zu lagern. Jetzt wird nachgeforscht, wo die Kohle wirklich abgeblieben ist. Die 98 Container mit dem explosiven Material und Gerätschaften wurden ja von einem Schiff unter zyprischer Flagge beschlagnahmt, welches auf dem Weg vom Iran nach Syrien war. Pikant daran ist, dass Xristofias seinem guten Freund Baschar al Assad vielleicht einen Gefallen machen wollte, bzw. gemacht hat, der vom CIA und anderen aber nicht durchgewunken wurde. Und dann musste Zypern das Schiffchen auf deren Geheiß einholen, bevor die Fracht in Syrien Menschen töten geht. Es wird sogar gemunkelt, Xristofias habe Mari als Lagerort gewählt, um die Fracht von dort besser heimlich nach Syrien verschwinden lassen zu können. Desweiteren gibt es eine Whistleblowerin, die behauptet, am Tag der Explosion beauftragt worden zu sein, eine Textstelle derart zu ändern, dass im Treffen von Kypriannou und Papakostas drinsteht, Kypriannou habe dazu angehalten, die Sicherheit der zuvor bezeichneten Fracht zu überprüfen – und zwar kurz vor der Explosion.  Die Angehörigen der 13 Gestorbenen beklagen in der Alithia-Tageszeitung, dass niemand aus der Regierung oder vom Militär persönlich bei ihnen vorbeigekommen sei, um den Tod des jeweiligen Angehörigen zu melden. Einen Brief hätten sie lediglich erhalten, was sie empört. Und nicht nur diese Betroffenen des Unglücks fordern, dass Xristofias auf der Stelle zurückzutreten habe, auch die so genannten „Indignant“ (Empörten).

Dass die Regierung von ihrer einstigen Forderung, Morphou müsse bei einer Vereinigung zurückgegeben werden, zurückgetreten sein könnte, dieser Eindruck drängt sich manchem hierzulande anscheinend auf. Morphou liegt im Norden der Insel, wo die vielen Mandarinen und Orangen wachsen. Morphou müsse unter griechisch-zyprische Administration, sagen sie. Nach dem, was Tayyip Erdogan kürzlich verkündete, der gerade Somalia mit seinem Charisma blendet, sieht es nicht so aus, als würde Morphou in absehbarer Zeit dieses Ziel erreichen können. In einer türkischen Zeitung las ich neulich zudem, dass einer der großen Fußball-Clubs der Türkei beabsichtigt, in Morphou richtig viel Geld zu investieren, auch, um die Stadt zu erneuern. Nötig hätte sie es jedenfalls. Ich war vor nicht all zu langer Zeit erstmals länger in der Stadtmitte und war doch etwas überrascht, große Teile der Innenstadt ziemlich verwahrlost zu  sehen.  Überrascht war ich, weil mir Morphou stets als Perle der Insel verkauft wurde, wenn ich so sagen darf. Die Umgebung Morphous ist zugegebenermaßen recht grün, doch scheint sich auch dort die ‚Zivilisation der Betonfraktion‘ breit zu machen – an den schönsten Ecken sozusagen. Die so genannten griechisch zyprischen Flüchtlinge sollten sich schon mal und endlich mit dem Gedanken anfreunden, dass man nach 37 Jahren, in der zweiten oder gar dritten Generation als Flüchtling, das Mäntelchen „Flüchtling“ besser ablegte, weil es ein Fausthieb ins Gesicht derer ist, die im Allgemeinen so betitelt werden und meistens wirklich mit NICHTS dastehen – das empört nämlich nicht Wenige, wie zu hören ist. Und ungefähr so, wie Deutschland davon spricht, Syrien müssten die Mittel gestrichen werden, während einträglichst und noch immer Geschäftchen mit dem Mörder von Damaskus gemacht werden, so ungefähr hat die EU so genannte Entwicklungsprojekte im Norden der Insel zu laufen, vor allem auch in Morphou, die, versteht sich, mit EU-Geldern finanziert sind – wenn man so will, dann also auch anteilig von Nikosia-Süd, den Griechisch-Zyprern. Und wir wollen nicht vergessen zu sagen, dass die EU den Norden der Insel ja nicht anerkennt.

Doch auch im Lande selbst, dem griechischen Teil der Insel, läuft einiges schief, geradezu komisch – und das unter einer kommunistischen Administration. Da gab es den Skandal um einen Vergewaltiger und Mörder, genannt Al Capone, der für 6 Monate aus dem Knast angekarrt zur medizinischen Untersuchungen in einer Klinik lag, wo er  nach Lust und Laune ein- und ausgehen konnte. Seine chinesische Freundin war ihm dabei stets dicht zur Seite. Dann gab es einen Email-Skandal, wo der Direktor des Präsidialbüros angefragt wurde, diesen und jenen Gefallen zu tun – dass ein paar Soldaten doch bitte sehr woanders untergebracht werden sollten im Heer.  Noch dreister war Akis Papasavva, der sich mal fix seine Beißerchen für 17.000 Euro richten ließ vom Steuerzahler. Als es darum ging, ihn zu schassen, hat er schnell aus eigener Tasche bezahlt und hängt noch immer an seinem Posten, was nicht nur mich empört.  Oder als der von den USA gesuchte russische Agent namens Christofer Metsos, sich abseilen konnte. Nikosia hatte den schon im Knast sitzen. Doch da Xristofias, der russisch spricht, seine Freunde in Russland unmöglich enttäuschen konnte, wird vermutet, ist einer der meistgesuchten Agenten spurlos verschwunden. Doch die ‚lustigste‘ Nummer ist die Pleite der Eurocypria-Airline gewesen. Der war nämlich kurz vorher bescheinigt worden von der Regierung, dass sie eine Zukunft auf dem Markt habe, denn ihr waren 35 Millionen Euro gegeben worden. Die sind wohl klammheimlich versickert, das triggert offensichtlich aber kein allgemeines Empören hierzulande (siehe Näheres dazu in der Cyprus Weekly No. 1645).

Selbstverständlich gibt es auch Positiva zu berichten. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln hat die Xristofia-Administration es offensichtlich geschafft, viele der alten Busse auszurangieren. Desweiteren wurde endlich ein Airport-Shuttle eingerichtet. Ja, sogar mitten in der Stadt Nikosia wird gerade der Hauptbusbahnhof ausgebaut, wozu allerdings – wahrscheinlich als Vorwarnung – etwas weiter weg am Elefteria-Square unten im Park unverständlicher Weise 15-20 Bäume weggesägt wurden. Jetzt sieht es dort wirklich schlimm aus.  Kann mir nicht vorstellen, dass das den russischen Touristen gefällt. Bekanntlich hat deren Zahl geradezu sprunghaft zugenommen in letzter Zeit. Die brauchen ja auch keine Visa. Geschäftchen in Zyperns Off-shore-Paradise zu machen, scheint auch leicht für Russen zu sein, dank Xristofias und seiner Regierung. Ein Doppelbesteuerungsabkommen oder dergleichen gibt es nicht – zumindest nicht für 15 russische Unternehmen, schreibt die Weekly.

Gaddafi scheint schon bald den Löffel abzugeben. Ich warte gespannt darauf, dass Assad, meinetwegen empört, ihm folgt!

 

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: