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Herbst

Dass der Herbst auch Zypern einholt, man glaubt es kaum bei so viel Sonnenschein und anhaltender Hitze über den Tag, kann an einigen Dingen festgemacht werden. Morgens recht früh und noch vor 06-Uhr kann das Schießen aus Gewehrläufen auf das wenige Wild, welches es noch irgendwo geben soll, vernommen werden, wie stets um diese Jahreszeit aufs Neue. Die wackeren Recken, die mit Flinten in wahrscheinlich rauhen Männerhänden zumeist auf ausgewilderte Tiere schießen, welche also Monate zuvor ausgesetzt wurden, scheinen sich ihre Tradition bewaffnet zu hüten. Es gibt wahrscheinlich das eine oder andere Tier, welches die vorhergegangene Jagdsaison überlebt hat. Das Überleben unter zyprischen Bedingungen als Tier, dessen Fleisch oder Fell gefragt ist, ist durchaus ein Kunststück, denn die Saison dauert lange und viele ‚Jäger‘ halten sich schlichtweg nicht daran, dass nur am Mittwoch und am Sonntag gejagt werden soll dürfen. Die Tiere werden gewiss mit neuester Technologie und dergleichem erlegt, auch wenn sie ob des strengen Sommers 2012 ausgemerkelt sind mehrheitlich. Das hindert die Recken nicht, zumeist in grüne Militärkleidung mit braunen Flecken gezwackt, den ungleichen ‚Wettkampf‘ aufzunehmen.

Viel Grün oder anderes Getier zum Fressen gibt es für das gejagte Getier wirklich nicht. In der Cyprus Mail von heute steht schon fast im Gegensatz dazu, dass irgendwelche Bösewichte die Schleusen einer Fischfarm im Meer vor der Ortschaft namens Zygi geöffnet haben sollen. 10 Tonnen Fisch und mehr sind ihrem Schicksal entkommen, von uns als frischen Fisch aus dem Meer gegessen zu werden. Noch sind die Restaurants auf Zypern im Allgemeinen nicht so weit, um zu kennzeichnen, woher ihr eingekaufter Fisch denn genau stammt – wer ihn ‚produzierte‘? Das zu wissen, machte durchaus Sinn. Denn bekanntlich erhalten die Fische gezogen in Gefangenschaft oft seltsame Nahrung wie zum Beispiel Hühnerfutter oder Teile von Hühnern etc.

Was den Herbst angeht, der gerade durch die Jahreszeiten-Türe schreitet: In Nikosia-Süd wird in einigen kleinen Cafes plötzlich wieder Milchreis serviert. Über den Sommer gab es den nämlich nicht. In der Türkei kriegt man im Sommer keine Yayla-Suppe, die es im Norden von Zypern indes das ganze Jahr hindurch am Girnetor in Nikosia-Nord gibt. Das ist eine heiße Reissuppe mit Yoghurt etc. Der Herbst ist also da und die Uni hat im Süden der Insel wieder begonnen. Junge Menschen sitzen im chicen Look in der Mensa der Uni ab, wie gehabt, und fahren zuweilen mit den dicksten Autos vor. Die Feigen sind jetzt langsam überall reif, die Granatäpfel werden es gerade und die Zitrusfrüchte bringen sich eindeutig in Stellung für kurz danach, für den zyprischen ‚Winter‘.

Im Norden der Insel, im Staat mit dem Namenskürzel KKTC, hört der Urlaub der Abgeordneten endlich auf. “Endlich” schreibe ich, weil Akay Cemal in der Kibris am 6. September bemerkt: “Das Parlament fängt am 24.09. an zu arbeiten. Der Urlaub ist vorbei. Werden die nun die Ärmel hochkrempeln? – oder? In der KKTC gibts eh viel Urlaub, was solls. Der Parlamentspräsident der Republik Hasan Bozer hat (neulich) eine geschichtswürdige Warnung von sich gegeben. Er ließ wissen, dass die Arbeitsgruppen (im Parlament) nicht in gewünschter Weise ihren Auftrag erfüllen. “Nichts Fruchtbares (tun)!”, sagte er. Gibt es noch eine klarere Message als diese? Was hätte Bozer auch sonst noch sagen können… . Auf die Arbeitsgruppen (des Parlaments) warten noch (immer) 85 Gesetzentwürfe (auch zur Verfassung), die bearbeitet gehören. Es wäre zwar angesagt, dass die Parlamentarier schnell arbeiteten und die Sache zur Abstimmung vorlegten…. .

Der Vorsitzende der türkisch-zyprischen Handwerkskammer Hürrem Tulga hat eine Studie in Auftrag gegeben. Die Studie lässt erkennen, dass das Land sich ökonomisch in äußerst schwieriger Lage befindet. Demnach sind 2012 genau 2.400 Betriebe eingegangen… . Schießereien, Brandstiftung, Messerstecherein, Kriminalität, Preistreiberei, Diebstahl, Raub, Selbstmord und die Zunahme von Krebs steigt beständig. An diesem Interessierte arbeiten (jedenfalls) Tag und Nacht – und gibt es daher etwa keine Wilderei? Die gibt es (hier) zuhauf. Ist wohl, weil es zu viele Jäger (im Lande) gibt. In (der Ortschaft) Kermiya wird der Müll nicht abgeholt. Ist es nicht so (liebe Leute), dass unsere Umweltverschmutzung (inzwischen) too much ist? Die Berge haben wir ausgehöhlt, die See vollgestopft, kleine Wälder wegrasiert… . Wir halten den Rekord beim Stehen-lassen von halbfertig gebauten Häusern, die vor 8 Jahren in einer Art Boom hochgezogen wurden… . Als positiv (an uns) gilt mal zu erwähnen, dass bei Dorffesten, Festivals und Festen wir voll bei der Sache sind.”

Serhat Incirli bringt zuvor Gesagtes auf einen Punkt und schreibt in dieser Ausgabe der Kibris bezüglich der 85 Gesetzentwürfe, die noch zu erledigen gewesen wären: “… das heißt, das, was sie hätten abgearbeitet haben, ließen sie liegen. Wenn wir nun sagten, sie haben ihren Lohn nicht verdient, ist das etwa falsch? Die werden jetzt alle sauer sein (mit mir). Wie können sie auch, wenn sie keinen Lohn erhalten, zu einer Hochzeit gehen und dort 10 TL der Braut und dem Bräutigam anheften? Es gehört sich zwar nicht. Doch nach dem, was die Gerüchteküche hergibt, sollen Parlamentarier und sogar die meisten Minister angeblich um ihr Budget ausgleichen zu können, lediglich 10 TL den Brautleuten anheften. Die müssen ja zu so viel Hochzeitsveranstaltungen, da haben die so besehen bestimmt recht (so wenig Geld zu geben). Jetzt (,wo ich das schreibe,) werden sie erneut auf mich sauer sein. Die werden jetzt vielleicht sagen: ‚Wir heften doch 50 TL an!‘ … . Ihr seid faul meine Herren und auch einige Damen. Jetzt werden die ganz bestimmt so richtig sauer auf mich sein… . Ihr geht einkaufen mit Freunden, die sehen sollen, was ihr auf der Tasche habt, und das, ohne eure Arbeit gemacht zu haben; ihr quatscht nur durch den lieben, langen Tag. Und die Leute warten auf ein Gesetz. Genau 85 davon… . Man sagt Abgeordneten nicht: “du bist faul!” Doch das habe ich (dennoch) gesagt. Ich bin der Übersetzer der Gefühle, die viel (zu viel) durchgehen lassen. Was? Jetzt sind die total verärgert? Das Meer hat sich abgekühlt. Die sollen dort (doch) mal reinspringen!”

Sollten die fleißigen Abgeordneten aus dem Norden das wirklich tun, empfehle ich, vielleicht die Region um Famagusta/Ammoxostos/Magusa auszulassen. Dort beschweren sich nämlich zunehmend die Einwohner über unerträglichen Schweine-Gestank. Anscheinend bläst der Wind eines Mastbetriebes im Süden dieser Tage genau dort hin im Norden. Es muss unerträglich sein.

Im Norden der Insel scheinen sich die Problemchen indes auch noch aus anderem Grunde zu häufen. Es zeichnet sich nämlich ab, wie bereits vor diesem Beitrag auf Zypernundmehr-News berichtet wurde, dass der Süden bestimmte Zahlungen an Türkischzyprer nicht mehr leisten will. Noch sind diese Dinge im Stadium der Diskussion. Wir schrieben hier davon, dass den türkischen Zyprern, die in der Stadt Pyla wohnen, demnächst eine Elektrizitätsrechnung ins Haus stehen könnte. Jetzt scheint sich abzuzeichnen, dass die geführten Diskussionen im Süden darüber hinaus gehen. So wird angedacht, die kostenlose medizinische Versorgung der Türkischzyprer, die im Norden wohnen und ihren Lebensmittelpunkt dort haben, zu kappen. Ebenso wird daran gedacht, die Führerscheine aus dem Norden nicht mehr anerkennen zu wollen (Haravgi 6.9.).

Das alles scheint den Präsidenten im Norden, Eroglu, erstmal nicht sonderlich zu jucken. Er ist anstatt gerade in der Türkei für drei Tage unterwegs mit Frau, um in der Kleinstadt Ardıçlı (Provinz Hatay) einen Park zu eröffnen, der seinen Namen tragen wird. Das ist auch wirklich wichtig. Eine kulturelle Angelegenheit von höchstem Wert. Und da Eroglu so viel für die Kultur im Lande übrig hat, hatte er einst am 15. April 2012 versprochen, schreibt Ahmet Tolga in derselben Kibris auf Seite 8, die ehemalige Polizeiwache in Nikosia – das alte Kolonialgebäude vor dem Saray Hotel, welches neben dem Justizgebäude auf der Ecke gegenüber dem Atatürk-Platz steht – den Künstlern zu übergeben. Wie sich jetzt allerdings herausstellt, könnte vielleicht doch eher die Staatsanwaltschaft oder ein Investor den Vorrang erhalten.

Vielleicht hatte sie zuvor etwas gewundert, dass in der Aufzählung all der Übel, die im Norden kursieren oder kursieren sollen, auch von Krebs die Rede war. Ja. Leider wurde nämlich belegt, was sich schon alle dachten und trotzdem weiteraßen, wenn im Norden unterwegs oder gar dort lebend, nämlich, dass die Werte zu hoch sind. Also es wurde auf Veranlassung der Südzyprer eine Untersuchung der Gemüse, die aus dem Norden auf den Markt im Süden gelangen, veranlasst. Festgestellt wurde, Salate und Tomaten und dergleichen sind zwischen 300 bis 600-fach über dem so genannten Normalwert liegend. Das Zeug ist also total belastet, kontaminiert. Doch im Norden hätten die Politiker weiterhin nichts Weiteres derzeit zu tun, als von Wahlen zu sprechen und ihren Sitz zu sichern, beschwert sich Resat Akar in der Kibris vom 06.09. Eigentlich, findet er, müsse Notstand ausgerufen werden und das Gesundheitsministerium, und die, die dieses Amt davor leiteten, ausgetauscht beziehungsweise dafür verantwortlich gemacht werden. Doch es wird wohl nicht viel passieren, resümiert er.

An anderer Front ist aber etwas passiert, es hat sich was bewegt. Man ist der so oft anvisierten Vereinigung nämlich, unter der Gürtellinie sozusagen, näher gekommen. Nein, dass Zuhälter und das sogenannte Rotlicht-Gewerbe zusammenarbeiten auf der geteilten Insel, über die Grenze hinweg, ist ja bereits ein alter Hut. Die Zusammenarbeit erstreckt sich nun neuerdings auch auf die Internetzockerei. Das soll vermehrt der Fall sein, seit im Süden vor nicht so langer Zeit die Gesetze bezüglich Glückspiel via Internet geändert wurden. 2 griechische Zyprer haben sich mit ihrem Gewerbe in den Norden verzogen, andere nach Pyla und auf das Gebiet der britischen Militärbasen. Angeblich sollen 60% der Onlinespielhöllen im Süden dem neu verabschiedeten Gesetz noch immer nicht zur Genüge Folge leisten, schreibt die Kibris in einem Artikel (“Kumarda Rum ortaklar”). Dass im Süden illegales Spielen jeden Tag woanders von den Behörden ausgehoben wird, ist schon fast keine Nachricht mehr. Das kann andauernd gelesen werden. Ähnlich ist es auch beim Menschenschmuggel im Norden. Derzeit stehen Syrer hoch im Kurs. Kürzlich gingen 6 Syrer bei einer solchen Aktion allerdings leider unter. Die Verantwortlichen dafür (Niyazi Korkmaz, Abdullah Temiz, Mustafa Korkamz und Yunus Gülduran) wurden vorerst in Untersuchungshaft gesteckt. Eine Kautionszahlung wurde vom Gericht im Norden abgelehnt. Die Fluchtgefahr sei zu hoch.

Geflüchtet ist der Präsident der Republik Zypern, Xristofias, keinesfalls. Er weilt wahrscheinlich gerade noch in Jordanien. Dürfte aber in Gedanken schon längst in New York sein, wo er eine Rede halten wird vor den Vereinten Nationen. Es ist zu befürchten, dass erneut die Verhandlungen mit dem Norden aufzunehmen verabredet wird, obwohl jeder weiß, dass Xristofias der Verhandlungsführende dann nicht mehr sein wird. Es sieht also eher nach einer netten Urlaubsreise aus mit unvermeidlichen Zwischenstopps, eben die Rede in der UN etc. In Jordanien wurde nichts weiter Aufregendes beschlossen oder unterzeichnet von Xristofias. Die Außenministerin Zyperns weilte zur gleichen Zeit in Kairo, wo sie einem Treffen der arabischen Staaten beiwohnte. Ihre Message dort, wird hier vermutet, dürfte so manchem Anwesenden wegen der Oberflächlichkeit und der Inhaltslosigkeit aufgestoßen sein. Kann gut sein, nachdem, was zu erfahren war, dass sie vergaß oder vermied, den Konflikt mit der Türkei zu erwähnen und dass die Republik Zypern mit Israel ernsthafte Absichten zu haben scheint, das Erdgas vor der Insel zu fördern. Dass Markoulli, die Außenministerin Zyperns, sich keinesfalls als Vermittlerin im Palästina-Israel-Konflikt eignet, hat sie klar durchblicken lassen. Eine Regierung auf Abruf ist eben keine mehr, mit der noch wirklich etwas ausgehandelt werden kann, was Hand und Fuß haben könnte. Obgleich, das stimmt so nicht ganz, weil Griechenland (Konstantinos Musurulis) und Zypern (Eftimos Flurenkos) haben beschlossen, zukünftig in Sachen Schifffahrt (Maritimes) zusammenzuarbeiten.

Die Diskussion darum, ob Xristofias doch noch vorzeitig zurücktritt von seinem Amt, ist in Zypern zwar entbrannt, doch liegt das Problem eigentlich woanders: die Realität in und um Zypern endlich zu erkennen und sich entsprechend einzurichten von Seiten der Regierung. Mit Anastasiadis als eventuell neuer Präsident der Republik darf ‚weiß‘ gesehen werden. Das ist ungefähr so ‚weiß‘ zu sehen, wie in den USA, wenn Mitt Romney ins Amt kommen sollte – dann wird wieder Alles möglich! Im Vergleich zu den USA indes, kann Xristofias kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. Es sieht, mit Verlaub, düster aus im Süden von Zypern bezüglich der Führungsriege.

Im Norden wird immerhin eine neue Partei um die Macht ringen, steht in der regierungsnahen griechischsprachigen Xaravgi vom 6.9. Demnach soll Kudret Ozersai und Mustafa Akinci die Partei Völkische Zusammenarbeit (HKP) gegründet haben. Diese Parteigründung wird als Affront empfunden von den sogenannten Sozialdemokraten im Norden (DTP). Akinci war dort vor kurzem noch Mitglied.

Als ein Affront wird im türkischsprachigen Norden auch empfunden, dass in Mari (Tatlisu), dem Dorf, wo vor über knapp einem Jahr eine Explosion von Waffen für Syrien stattfand im griechisprachigen Teil der Insel, eine Kirche auf einem Grundstück gebaut werden wird, welches einem Türkischzyprioten gehören soll, nach Angaben der Kibris vom 6.9. Das sei am 09.07. so von der zuständigen Behörde im Süden beschlossen worden.

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