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Posts Tagged ‘mawratsas v. kaisar’

Noch keine 5 Tage ist es her, da konnte im Meer noch geschwommen werden, hier auf Zypern. Der Wind war etwas kälter als das Wasser, doch die Sonne schien, brav jeden Tag hindurch. Damit ist seit 3 Tagen Schluss. Es regnet. Das heißt. Jetzt ist die Sonne wieder da und wenn dem morgen, Samstag, noch so sein sollte, wird gewiss der Versuch unternommen, in die Wellen zu springen. Vermutlich kann man das noch tun, ohne vor Kälte zu erstarren.

Gelegentlich kann sogar von heftigem Regen gesprochen werden, der wie aus einem Wasserhahn entlassen, auf die Erde niederprasselte in diesen 3 Tagen. Außer den meisten Touristen, dürften hierzulande sich alle riesig freuen, dass die Erde endlich nass ist und es auch noch etwas so bleiben könnte – wahrscheinlich halbwilde und ganz verwilderte Katzen ausgenommen. Da das Phänomen alljährlich auftritt, dürfte auch immer dasselbe Problem aufkommen. Mal abgesehen von einigen Straßenzügen und Kellern, die im Lande mit aller Regelmäßigkeit gewiss auch jetzt wieder unter Wasser stehen – in Larnaka vor allem -, durfte gestern auf einer Fahrt von Zygi nach Limassol (Germoseia) – in gegengesetzter Richtung wurde die Autobahn benutzt –gleich 4-Mal die Erfahrung gemacht werden, dass es sehr gefährliche Stellen in den Straßen gibt, wo sich Wasser angesammelt hat. Plötzlich – auch wenn man nur 50 oder 60 km/h fährt – kommt von vorne eine Wasserfontäne über die Frontscheibe des Autos gefegt, die verhindert, dass etwas gesehen werden kann. „Bloß nicht auf die Bremse treten!“, sagt man sich da, obgleich, weil irgendwie unvorbereitet, der Fuß im Reflex schon auf der Bremse ist – „nicht durchtreten!“. „Vom Gas runter und abwarten!“. Man erinnert eventuell plötzlich die Fahrschulzeiten. Wer den Führerschein allerdings in Zypern gemacht hat, könnte im Nachhinein erkennen, dass die Erinnerungen irgendwie gar nicht zutreffend sind, da diese Lektion irgendwie nie Thema war.

april2011 041

Bekanntlich fließt Wasser. Das Ungeheuer aus Wasser verschwindet so schnell wie es kam von der glasigen Fläche vor den Augen im Auto und dem Lenkrad. Doch die paar Sekunden, wo die Sicht genommen ist, kann halt schon einiges geschehen. Bei Herrn Hollande muss es in etwa so abgelaufen sein. Der hatte gewiss bei einem Bericht über ihn auch eine Art Brett vor dem Kopf, die ihn – finde ich, kluger Weise – sagen ließen: Nichts wie runter vom Gas und in den Ruhestand. Wollen wir doch die Freuden des Lebens genießen, anstatt im politischen Straßengraben ums politische Überleben zu kämpfen. Und das gegen Mächte, die mindestens so schlüpfrig sind wie eine Wasserlache es unter dem Reifen eines Autos werden kann.

Nordeuropäer würden größtenteils bei dem Wetter letztens gewiss von Schlechtem Wetter sprechen. In Limassol gestern unterwegs stellte sich erfreulicher Weise heraus, dass die ansonsten eher zurückhaltenden Zyprer plötzlich sehr gesprächig sein können gegenüber sogenannten Fremden. So viele zufälligen Bekanntschaften wie gestern habe ich nun wirklich noch nie an einem Tag gemacht – als sei ich einer von ihnen. Ja, jemand fragte sogar – das geschah das erste Mal und ich bin noch immer eitler Weise etwas stolz – , ob ich etwa Zypriote sei? Stellen Sie sich mal vor: Ich mit meinem kläglichen Griechisch-aktiv-Kenntnissen darf mir so etwas anhören. Und dann noch Zypriote! Bekanntlich sprechen Letztere ja eigentlich gar kein Griechisch mehr. Das ist jedenfalls meine Erkenntnis diesbezüglich.

Dass hier nicht sonderlich tief auf den Stand der sogenannten Wiedervereinigungsverhandlungen der Zyprer eingegangen wird, dürfte die Leser auf Zypernundmehr-News nicht weiter verwundern. Wenn es richtig mitbekommen wird, quasseln die Verhandlungsführenden gerade über ein 5er-Treffen, welches auch noch 5 Tage dauern soll und dass die Verhandlungen auf jeden Fall weitergeführt werden müssten. Inzwischen haben sie sich auf den 09. Januar festgelegt – in Genf. Wie ich bereits in anderen Artikeln zum Ausdruck brachte, stört mich ungemein, dass diese Leute andauernd in der Schweiz verhandeln müssen. Wie, ihr sucht nach einem neutralen Ort? Der alte Flughafen von Nikosia ist dafür bestens geeignet. Viele stören sich an diesen Extravaganzen, die nichts Weiteres sind als lästige, Geld verschlingende Aufenthalte im Ausland, die die eigene Unwichtigkeit kaschieren helfen sollen. Denn, ja, es kräht fast kein Hahn nach dem, was die dort verhandeln, weil sowie kaum jemand die Sache als ernsthaft betrieben ansieht. Ein bisschen mehr Bescheidenheit muss nun endlich mal jemand von den Verhandlungsführern verlangen. Doch wahrscheinlich wächst Geld inzwischen wirklich schon auf Bäumen und wir haben es nur noch nicht mitgekriegt. Wo dieser Steuergelderbaum wohl steht?

Doch wer gibt schon gern einen großen Teil seiner Daseinsberechtigung auf? Und ja, das Zypernproblem ist für die meisten Beteiligten, die von der UNO nicht zwangsweise ausgeschlossen, zur Gelderwerbsquelle verkommen. Hierzu kann ich nur wiederholt auf die am kommenden Dienstag bei Amazon.com inzwischen in 2. Auflage erscheinende Übersetzung des Buches von Kaisar V. Mawratsas verweisen: „Gesellschaft der Proleten!“ In der Redaktion hoffen indes dennoch alle inständig, dass die eher pessimistische Haltung des Autors und seines Übersetzers, die im Buch zum Ausdruck kommt bezüglich des Ergebnisses der Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern, sich nicht bestätigen wird – schließlich konnte jemand wie Trump ja auch US-Präsident werden. Da vor dem Schlafengehen in letzter Zeit die griechisch-orthodoxe Variante der Bibel gelesen wird, geht anscheinend der verloren geglaubte Glaube an Wunder irgendwie gestärkt aus dieser Nachtlektüre hervor – sprich: Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass Zypern sich vereinigt. Das erwähnte Buch Herrn Mawratsas‘ zeigt also die Gründe auf, nämlich: Warum schaffen es die Zyprer nicht, sich zu vereinigen? Und die eventuell demnächst von Trump durchgeboxte Bestellung des US-Verteidingungsministers mit dem Spitznamen Mad Dog – vielleicht schreibt man besser gleich Kriegsminister –, lässt jetzt schon alle Katzen hier auf Zypern in Deckung gehen. Bleibt zu hoffen, dass sich hoffentlich schon bald richtig dicke reiche, so richtig reiche Leute hier auf Zypern einkaufen kommen. Kommt, bitte bitte! Die sind wahrscheinlich ein großer Garant dafür, dass die Bomben weiterhin woanders hinfallen und leider auch Tod bringend explodieren. Zu diesem recht einfachen Schluss kommt, wer sich ansieht, wie die US-Administration bestellt sein wird, vorwiegend von anscheinend Superreichen. Nur reich zu sein, reicht wahrscheinlich nicht.

april2011 019

Dass es derzeit hin und wieder keine Bombenanschläge auf Zypern gibt, kann nicht gesagt werden. Bislang haben die meisten dieser Anschläge aber lokalen Charakter – Abrechnungen in der Unterwelt oder irgendein verärgerter Mitbürger etc. sind offenbar vorrangig der Grund.

***

Erneut soll hier angekommen, daran erinnert sein, dass all diejenigen, die halt doch etwas mehr über und um Zypern wissen wollen, gut beraten sind, sich über unseren Facebook-Auftritt zu allen möglichen Themen, aber vor allem zur Zypernfrage, auf dem Laufenden zu halten (www.facebook.com/w.b.secondchancepublications). Nicht erschrecken, wenn da was mit webskip wbscp steht. DAS ist in gewisser Weise auch Zypernundmehr-News. Beide sind geläufige Kürzel für den zyprischen Verlag, mit dem UNABHÄNIG zusammen gearbeitet wird!

Zum nahenden Ende des Jahres 2016 machen wir Sie darauf aufmerksam, verehrte Leser, dass der oben erwähnte Facebook-Auftritt zu unserer ‚Schaltstelle‘, sozusagen, umgebaut wird. Dort können auf nahezu täglicher Basis Stellungsnahmen schon jetzt gelesen werden und im Jahr 2017 und folgenden. Auf Zypernundmehr-News wird einmal im Monat ein Artikel erscheinen, der dann den Charakter eines Kommentars oder einer Analyse haben wird. Inzwischen ist Info über Zypern auf so vielen deutschsprachigen Portalen zu finden, dass hier sich folgende Meinung Platz gemacht hat: Den Lesern ist eher geholfen und gedient, wenn der ganze Info-Wust – nicht allein zu Zypern, aber irgendwie stets im Fokus – so an die Frau und den Mann etc. gebracht wird und einmal monatlich kenntnisreich ein Artikel erscheint zu dem, was in, um und über Zypern ‘produziert‘ wird. Geplant ist für 2017, vermehrt Interviews einzustreuen sowie einen oder den anderen visuellen und/oder akustischen Beitrag! Ihnen ein schönes Fest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Nicht vergessen: www.facebook.com/w.b.secondchancepublications.

Redaktion

aliiskenderr

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Die griechisch-sprachige Politis aus Zypern schreibt auf Seite 14 am 21. Juni 2015 Folgendes:

„Merkwürdige Angewohnheiten eines Soziologen

Als Soziologe des Wissens und mit vertieftem phänomonologisch analytischen Blick auf die soziale Wirklichkeit folge ich allen tradtionellen Informationsübermittlern der griechischzyprischen Gesellschaft: dem Fernseh, dem Radio und selbstverständlich der Tagespresse – davon ausgehend, dass diese Medien Material befördern, welches wichtig ist, um die Wirklichkeit der Griechischzyprer zu verstehen. Aufgrund dieser Tatsache wurde mir bewusst, dass Rikkos Mappouros (Siehe das kürzlich herausgegebene Buch von Kaisar V. Mawratsas bei Amazon: „Gesellschaft der Proleten“), einer der bekanntesten Charakteren im zyprischen Fernsehen, auch ein nationales Symbol der Griechischzyprer darstellt.

Bei meiner Beschäftigung mit der griechischzyprischen Medienlandschaft habe ich in der Folge einige seltsame Geschmäcker angenommen – die ich vergebens versuche, gegenüber meiner Ehefrau oder Freunden zu rechtfertigen, die wirklich ein Problem damit haben zu verstehen, warum und wie es dazu kommt, dass ich Andreas Pitsillidis anhören kann, die Roulla oder den Gogo, mit der offizielen Kirche im Bunde den Andreas Assa, das ist der von der Christenheit mit seiner Philosophie übers Leben, welches er uns aufschlüsselt, den Zacharia Koulias in dessen Sendung ‚Hast du Stil‘ … oder die Sendung mit Wasos Lissaridis namens Elite, der uns dort erklärt, wie ihn die Geschichte und das Leben [immer wieder] bestätigen.

Die auffällig hartnäckigste Gewohnheit (…), die ich seither annahm vermittels der griechischzyprischen Medien, ist der Ablauf, in dem ich all dem folge; also seit Jahren höre ich die sogenannte Erste Stunde (zwischen 6 und 7 Uhr), das ist die morgendliche Radiosendung von Lazarou Mawrou im Radio RIK1 – Gottes Gemeinschaft, die täglich „den Tag“ bringt, also das, was auch so in der Simerini-Tageszeitung täglich abgedruckt steht [und die etwas rechtslastig ist und vom Autor bekanntlich nicht geschätzt wird].

Das Merwürkdige ist, obgleich ich mit den Ansichten des Lazarou beim Thema Zypernfrage prinzipiell nicht einverstanden bin (und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass meine Ansichten in etwa die sind, welche Lazarou als gefährlich proklammiert), bin ich dennoch fanatischer Zuhörer seiner morgendlichen Sendung. Ich denke, dass hat damit zu tun, dass Lazarou oft ausgezeichnete griechische Musik laufen lässt. Auch wenn ich seine Ansichten in der Zypernfrage und was er Politisches von sich gibt im Allgemeinen verabscheue, haben wir bei einigen anderen Themen gleichklang oder, sagen wir, unsere Instinkte sind dann dieselben – zum Beispiel, wenn Lazarou von der Agonie der griechischzyprischen Führung spricht, der Doofheit der Verfecher des Griechischzyprischen oder der [allgemeinen] Abwesenheit genügend guter sprachlicher Ausdrucksform [im Griechischen], die wiederum einem großen Teil des kommunalen Diskurs fehlt.

Darüber hinaus ist die Sendung von Lazarou einfach eine nationalistische Art Werkbank, wo fundamentalistische Standpunkte des griechischzyprischen Nationalismus in die Öffentlichkeit entlassen werden. Dabei handelt sich ausgesprochen oft um Fehlinformationen, aber auch um lyrisch verbrähmtes Lähmen gepaart mit griechischzyprischem Nationalismus, stets gewürzt mit der dazu gehöriger Musik („Weck mich, Verlorene, schnell, damit du die Freiheit siehst – ich werde mein Gewehr in die Hand nehmen – sie waren zwanzigjährig – bring Romiosini nicht zum Weinen“).
Nun, diese morgendliche Lähmung überkommt mich, den professionellen Soziologen, der diese Sendung als eine der authentischsten ansieht, in der forwährend der maximalistisch orientierte, nationalistische [sozio-kulturelle und polische] Anspruch der Griechischzyprer [gegenüber den Türkischzyprern] vernommen werden kann.
Die Sendung von Lazarou hat ihre eigene Dramatik, die sich täglich getreulich abspielt und unzertrennlicher Teil des Nationalismus ist und mit der Sendung auf eine gewisse Art und Weise vollendet wird. Bevor der Zuhörer überhaupt das Guten Tag von Lazarou vernimmt früh morgens, hat er bereits religiöse griechisch-orthodoxe Musik gehört und dergestalt bereits die besetzten Gebiete vermittels der Lyrik der allseits bekannten Lieder von Ewagora Karagiorgis im Geist durchschritten.

Punkt 6Uhr begrüßt Lazarou dann seine Zuhörerschaft und danach folgt die Nationalhymne. Unmittelbar danach und stets in Begleitung von Musik Mozarts (aus der kleinen Nachtmusik) geht Lazarou die Überschriften der ersten Seiten der Zeitungen durch, versteht sich, auf seine Weise kommentiert, wo meist die [angeblichen] Versuche der anderen Länder zum Thema genommen werden, den Griechischzyprern eine schlechte Lösung in der Zypernfrage aufzuerlegen (wie es ja auch beim Ananplan der Fall gewesen sein soll) – oder aber es wird von ihm die wenig ausgeprägte national-gesinnte Haltung der Griechischzyprer angeprangert, deren Hang zur Nutznießerei.

Die Durchschau der Presse wird um 06Uhr30 wiederholt. Ein fester Bestandteil einer jeden Sendung ist, dass unweigerlich nach der ersten Durchsicht der Ersten Seiten der Zeitungen, die Weltsicht der Kirche dran ist, wo uns Lazarou darüber informiert, wieviel Tage noch zurückzulegen sind, bis das Jahr wieder beginnt; und um 06Uhr15 ist seine geschichtliche Auslegung dran, die, wie man sich denken kann, die kämpferischen Jahre des Helenismus abhandelt: in der Antike, in Byzanz, ja, bis ins Heute.

Im historischen Rundschlag von Lazarou hat der Helenismus selbstverständlich nie jemandem geschadet … außer sich selbst. Ungefähr 10 Minuten vor 07Uhr morgens verliest Lazarou täglich die Kolumne von Giorgos Serti, der in der Fileleftheros Tageszeitung veröffentlicht und mit dessen Ansichten Lazarou selbstverständlich immer übereinstimmt.

Es gilt zu erinnern, dass beiden Herren die Idee einer Bundesrepublik Zypern beruhend auf zwei Gemeinschaften und Teilen, gemeinsam mit den Türkischzyprern sowie deren politische Gleichheit, schlichtweg national eine Art Abwertung ist.“

Der Autor dieses Artikels in der griechischsprachigen Politis Zyperns, Kaisar W. Mawratsas, ist auch Autor mehrerer Bücher, wovon das namens „Gesellschaft der Proleten“ dasjenige ist, welches in der griechischsprachigen Öffentlichkeit am meisten Widerhall findet.

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Es klingt so schön, reimt sich schon fast gar, und daher: Der Norweger, Herr Eide, auf zyprischer Heide voller Dünkel wie … .

Doch nun zu den eher unernst geführten Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern. Also: Der gute Herr Eide, wie bereits erwähnt, ein Norweger, hat angeblich gesagt, was bleibt ihm auch anderes übrig, er sei falsch interpretiert worden. Es bleibt nicht viel anderes zu sagen als so etwas, wenn man endlich mal einen Teil der Wahrheit ausgesprochen hat in der Zypernfrage.
Der besondere Berater der UNO für die Regelung der Zypernfrage, Espen Barth Eide, scheint die von ihm gemachte Ausage von vor ein paar Tagen bezüglich der sogenannten Exklusiven Ökonomischen Zone Zyperns (EEZ), das ist ein Teil des Meeres vor Zypern gelegen, welches irgendwo zwischen Syrien, der Türkei, Israel und der Insel etc. liegt, sei kein Gebiet, das irgendjemand wirklich gehörte. Endlich, dachten da gewiss einige. Endlich sagt es mal jemand, nämlich, dass gewisse Flecken dieser Erde eben nicht irgendjemand gehören, sondern immer noch allen und bestens, finden viele, niemand.

Das war natürlich der Sündenfall hoch Drei aus Sicht Nikosias. Dieser Mann der UNO, der so etwas wie die exklusiven Rechte der wahrscheinlich bedeutendsten Nation in der Region in Frage stellt, gehört in die türkischen Berge verbannt, in die Weiten der Arabischen Wüste allemal – war sogleich in den zyprischen Medien in etwa so zu lesen.

Davon abgesehen: Die Arabische Wüste ist gar nicht so weit von hier gelegen, wie man glaubt. Muss um die Ecke, da draußen hinterm weiten, flachen und riesig blauen Meer-Flach sein, denn die Balkone der Häuser an der Küste zwischen Limassol und Larnaka sind in letzter Zeit, ruck-zuck sozusagen, mit feinem, goldfarbenem Staub überzogen, der aus Libyen stammen soll. Da viele im von der TROIKA verursachten Notleiden auf Zypern sich dennoch Hauspersonal trotz Krise halten, halten müssen geradezu, auch weil sonst das Bewusstsein darüber etwas Besonderes unterm zumeist sonnigen Himmel im Östlichen Mittelmeer zu sein schwinden könnte, haben sie wohl diese essentielle Nähe zu Afrika nicht mitgekriegt, oder entweder schon längst verdrängt, oder so tief in sich aufgenommen, so dass dieser afrikanische Sand, der gewiss ein wirklich großer Teil des Baumaterials ihrer Knochen und dergleichen ist, ohne ihr Wissen davon sie zusammensetzt!?

Wie dem auch sei. Vor kurzem las man schon wieder von etwas anderem. Doch diesmal soll es weitergegeben werden an Sie, verehrte Leser, nämlich der Grund, warum die Afrika Tageszeitung aus dem Norden Zyperns nicht „Avrupa“ (Europa) vor ihrem ersten Erscheinen genannt wurde von ihren Machern, wie anscheinend beabsichtigt war: Und das geschah so, weil in Afrika, da herrschen Diktatur, Willkür und Korruption. Darum. Man wollte und will mit dieser Namensgebung auf die herrschenden Verhältnisse in Zypern selbst aufmerksam machen. Mal davon abgesehen, dass die Afrika Tageszeitung eine angeblich Linke Zeitung sein soll und ihr Herausgeber, der auch in der griechischsprachigen Politis im Süden eine Kolumne hat und dort unter anderem davon geschrieben haben soll kürzlich, dass 9/11 ein amerikanisches Attentat war, insziniert von US-Amerikanern u.a., und der gerade irgendwo in Brüssel einen Preis für seine journalistische Arbeiten erhalten hat, dümpeln der Einen oder dem Anderen bei der Namensgebung dieser nordzyprischen Tageszeitung gewiss seltsame Gedanken an versteckten Rassismus und natürlich den herrschenden zyprischen Dünkel durch den Kopf. Weil Afrika ist ja so klein, da kann man die Afrikaner ja wohl lässig alle über einen Kamm scheren. Oder doch nicht?
Dass, wie auch immer dem eben Gesagtem ist, viele Zyprer nicht wüssten, wo Afrika überhaupt liegt oder was auf diesem Kontinent abgeht, kann wirklich nicht gesagt werden. Denn viele haben ihren Reichtum, den sie mit großen Häusern etc. ausstellen, genau dort erworben und tun es immer noch, ja, leben seit Generationen zwischen Zypern und irgendwo in Afrika hin und her pendelnd.

Kann aber gut sein, dass der Sand auf den Balkonen an der südwestlichen Küste von Zypern ja doch eher asiatischen Ursprungs ist, auch wenn die Türkei längst nicht so große Wüsten aufzuweisen hat wie Afrika. Doch daran wird gearbeitet, ist zu vernehmen.
Ja, Letzteres klingt zynisch. Sorry!
Nun, dieses Land, welches Trakien, den Bosporus und Teile des ehemaligen Armenien und des einst in Aussicht gestellten Staat Kurdistan vereinigt, ganz zu schweigen von angeblich annektierten Teilen Syriens etc., wird demnächst Wasser nach Nordzypern exportieren via einer Pipeline, die durch das Östliche Mittelmeer von irgendwo bei Mersin gelegt wird nach irgendwo bei Girne (Kyrenia). Die Republik Türkei kann sich dann demnächst rühmen, zur Biomasse des Baumaterials eines Zyprioten ganz besonders, nämlich auch in Form von Wasser und nicht nur Sand, wie bereits geschildert, beizutragen.

Vielleicht sieht das Letztere ja auch Herr Eide so? Der wird nämlich als Förderer türkischer Positionen neuerdings verunglimpft, die er noch vor der Wiederaufnahme der abgebrochenen Verhandlungen der beiden Inselteile durchblicken ließe. Kurz: Der Norweger von der UNO hat den Südzyprern, die überwiegend Griechisch als Muttersprache sprechen, endlich die Vorlage gegeben, nach der deren politische Führung unter Anastasiadis gesucht hat, um die Verhandlungen mit dem Norden zwecks Wiedervereinigung nicht fortzuführen?

So könnte man das sehen. Überhaupt kann diese Angelegenheit aus verschiedensten Perspektiven betrachtet werden. Nach langem Überlegen mag der Eine oder die Andere dann doch zu der Überzeugung gelangen, dass Herr Eide im Namen der UNO und teils auch im Auftrag der EU eher gehandelt haben dürfte als unvorsichtig. Seine Handlungsstrategie könnte nach folgendem Motto ablaufen. Die UNO und EU etc. sagten ihm: Zeig den Zyprioten besser gleich zum Anfang, dass wir nun nicht mehr gewillt sind, die Extravaganzen noch länger reinzuziehen. Stell die vor einen Entscheid!
Gut, dachte sich da Herr Eide, dann wollen wir mal, schob seine Brille, die eventuell bei Fielmann erworben wurde zum Sonderpreis, auf der Nase einigermaßen gerade und ging in nahezu hüpfendem Schritt mit amüsiertem Lächeln im Gesicht, wie auf den Fotos und in den filmischen Beiträgen zu sehen war, ins zyprische Gefecht jeweils im sogenannten Präsidentenpalast: im Süden, wie auch im Norden. Und dort stieß er mit Freude im Leib, die er dabei ganz heimlich und verschmitzt vielleicht empfand, in die Runde der gesptizten Ohren, die vorrangig auf Gleichklang und akustischen Einheitsbrei konditioniert sind, so etwas wie: Explorationen eines Staates da draußen irgendwo auf dem Meer sind doch kein Verbotenes. Kann jeder tun!

Quel Schock (choc)!

Es muss wirklich ein Kick unglaublichen Ausmaßes sein, bornierten Menschen vors Bein pinkeln zu dürfen in einer Art geheimen Auftrag eventuell noch Bornierterer. Und das mit Worten. Und dann die bornierte Sintflut an inzwischen steiferen Worten als gebratenem Halloumi-Käse der Angepinkelten zu Hause auf der Couch sich räkelnd zu lesen, die ja natürlich darauf folgt, um danach wie immer im Mülleimer der Geschichte entlassener Worthülsen unbedeutender Politiker, die Politik betreiben wie andere ihr Maklerbüro, zu versauern. Nur diesmal, könnte sein, geschieht das Versauern entlassener Worthülsen etwas nachhaltiger, so dass sie vielleicht doch gar als Art Gülle auf dem Feld der internationelen Dipomatie befruchtend all die Mühe, die hineingesteckt wurde zu ihrer Vermeidung und leider auch gleichzeitigen Produktion, ein kleines bisschen nur zurückbezahlen.

Weil es gäbe schließlich mehr als eine Sicht der Dinge, sagt Herr Eide, der aus dem Land kommt, wo man gerade erst anfängt, seine stillen Kolaborateure mit dem einstigen deutschen Nazi-Regime auszumachen, weil Daten dazu endlich zugänglich gemacht wurden für die breite Masse. Also er sagte: Auch wenn Zypern damit fortfahre zu negieren, was in der Vergangenheit geschehen ist, sollte nun doch endlich mal in die Zukunft gesehen werden.
Ja, Herr Eide ist halt ein Diplomat. Wahrscheinlich sogar ein guter und Nikosia wird schon dem Generalsekretär der UNO in den Ohren liegen, diesen Diplomaten von seinem Posten abzuziehen. Er wäre nicht der erste, den Nikosia zurück nach New York ins Hauptquartier der UNO schicken lässt -oder nach Wien. Es ist zu hoffen, dass die UNO diesmal unmissverständlich klar macht, dass nach Eide keiner mehr da ist, der Lust hat, auf Kosten der Allgemeinheit am Steuer der Endlosschleife namens Zypernproblem vorzuturnen – nur damit einige selbsternannte Inselkönige ihr an sich gerissenes Inselparadies auf ihre Weise, das heißt mit Proleten-Kultur, abgekapselt von der Welt weiterhin ausschlachten – und das auch noch mit Hilfe von Teilen dieser Welt. Um besser zu verstehen, was mit „Proleten-Kultur“ gemeint ist, sollte das von Kaisar V. Mawratsas geschriebene Buch über die zyprische Gesellschaft gelesen werden, eine knallharte Abrechnung mit derselben, die demnächst, also Mitte April 2015, bei Amazon unter dem Titel „Gesellschaft der Proleten“ als E-Book erscheinen wird.

Und einer der schönsten Kicks muss Herr Eide durchschossen haben, als er Folgendes in Mikrofone eingab, die ihm auf Zypern entgegengestreckt wurden: „Es ist prinzipiell umstritten, was das Zypernproblem ist. Es ist ein Staat der gehijacked ist – oder ist ein Teil des Landes okkupiert? Und wir wissen, dass wir darüber nie eine komplette Übereinkunft erhalten werden. Aber Sie können zu einer kompletten Übereinkunft darüber gelangen, wie Sie sich wiedervereinigen!“
Ach, einfach klasse! James Bond, der Geheimagent, und eigentlich auch irgendwie Diplomat ihrer Majestät, hätte es nicht besser formulieren können in den Filmen. Denn die Krise wegen dem Erdgas, sagte Eide noch, sei doch im Grunde eine Illustration der tiefsitzenden Unstimmigkeiten dessen, was die Zypernfrage eigentlich ausmache.
Wunderschöne Sätze, und dann auch noch ziemlich zutreffend inhaltlich. Und das mit dem Hijack, von dem er gesprochen hatte, erklärt Herr Eide wahrscheinlich mit innere Freude ganz gesondert, indem er wirklich aussprach, was mal als Wahrheit galt, auch wenn nur für wenige Tage, nämlich, dass es die Griechischzyprer einst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren, die den Türkischzyprern damals unmissverständlich ihren Hijack des Staates namens Republik Zypern reindrückten und diesen zu einem mehr oder minder griechischzyrischen Staat umformten, indem sie fortan die Türkischzyprer reichlich wenig sagen und mitentscheiden ließen auf politischer Ebene – obgleich den türkischsprachigen Zyprern von der Verfassung her eine Art Gleichheit zugesichert worden war.

Herr Eide kann ja im Grunde froh sein, nicht gleich bespuckt oder gar tätlich angegriffen worden zu sein. Wahrscheinlich hatte er ein Taschentuch schon griffbereit, als er sagte, was er wagte zu sagen, und vielleicht hat er auch Nahkampfausbildung? Jedenfalls eine Lichtfigur der Wahrheitsbenennung ist er so manchem nun auf der Insel. Dies wohl auch nur für kurze Zeit – doch immerhin.
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„Wo da ist ein Wille, ist auch ein Weg!“ Von Paulus, der sich mal auf Zypern aufgehalten hat, vom Apostel ist die Rede, stammt diese Redewendung wahrscheinlich nicht.
Doch es gäbe nicht genügend Willen, meinte Herr Eide, den vordringlich die griechischsprachigen Zyprer aufzeigten, um endlich zu tun, was von ihnen vom Rest Europas verlangt und erwartet wird und was sie, nach dem sie den Annanplan verunmöglichten durch das Nein in einer Wahl dazu 2004, in Aussicht gestellt hatten.
Wie der zyprische Autor Mawratsas wunderbar ausführt, waren sich die Beteiligten, also Tassos Papadopolous & Co., damals bereits darüber im Klaren, dass sie sich eh nicht an ihre Versprechen halten wollen, sondern: Nur erstmal in die EU rein kommen und dann weiter sehen. Das ist ihnen gelungen. Nur: Der Papiertiger namens EU schlägt nun eventuell zurück. Wie es so seine Gewohnheit ist: langsam und ganz anders, als man es erwartet hätte. Mawratsas schreibt u.a., dass Nikosia damals geradezu betrügerisch Brüssel hinter das Licht führte, nach außen signalisierte, den Annanplan anerkennen zu wollen und dafür zu stimmen, und nach innen im letzten Moment, nachdem sichergestellt worden war, dass man egal, wie die Wahl ausgeht, in die EU aufgenommen würde, die Propaganda so betrieb, dass Volk mit Nein stimmte. Es wäre mehr als an der Zeit, seine Versprechen einzulösen.

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