Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘montana’

Zürich

Zürich, Sonntag, den 26. Januar 2020

In ein paar Stunden werde ich weiterziehen.

Eigentlich müsste durch diese Stadt gelaufen werden, um sie mir wiederholtermaßen etwas anzusehen – Bahnhofstraße bleibt dieses Mal aber außenvor dabei. Und auf eine geführte Tour habe ich keine Lust, so auch nicht auf eine Rundfahrt auf’m romantisch daliegenden Züri-See. Das alles mag irgendwie nicht ziehen. In die nähere Umgebung Zürichs zu fahren, ist aus Zeitgründen, finde ich, auch nicht wirklich drin, obgleich der Busbahnhof erfreulicher Weise in unmittelbarer Nachbarschaft des Hotels sich befindet. Das ist doch schon mal ein weiteres Plus.

Zürich-Mitte ist ein aufgeräumter Ort. Man merkt einfach, bildete ich mir ein, nicht in Deutschland zu sein – was nicht heißen soll, es sehe in deutschen Städten unordentlich aus. Es herrscht in der Schweiz einfach eine ganz andere Stimmung oder Atmosphäre: weniger griesgrämige Gesichter, besser gekleidete Menschen, größere Autos und Fahrräder im Gebrauch, Menschen, die sich anscheinend andauernd freundlich begegnen, zivilisiert.

Sitze, wie könnte dem anders sein bei dem großen gastronomischen Angebot, unten im Hauptbahnhof in einem „Blueberry“ erstmals im Leben und studiere das Veranstaltungsprogramm, den „ZüriTipp“. Es ist der Tag nach meiner Ankuft, nämlich am anderen Morgen. Außerdem herrscht draußen sehr schnell fühlbar eine empfindliche Kälte, aber dennoch mit Sonne in Begleitung, was dem Gesamteindruck, der da so in mir ist, irgendwie zu entsprechen scheint.

Dass es keinen UBS-Schalter in der Bahnhofshalle gibt, fiel mir sonderbarer Weise auch umgehend auf. Nicht dass hier jemand auf Bankautomaten versiert wäre, das – noch- nicht.

Kurz, als Devise gilt in diesen ‚Corona-Virus-Tagen‘: „bloß nicht noch krankwerden!“ Auch daher trete ich meine Straßenschuhe im Hotelzimmer befindlich runter, mit oder ohne Strümpfe an, weil wenig Lust besteht, schon wieder die Schnürsenkel auf- oder womöglich zubinden zu sollen zwecks warmer Füße. Nein, die obligatorischen 1-2 Mal Gebrauch-Schläppchen führt das Hotel offenbar nicht.

Erhöhte Temperatur im Körper geht also nicht, sonst flieg ich womöglich bei einer der eventuell bereits neu eingeführten Fieber-Body-Scans am Flughafen durch, und lande in Quarantäne, sollten solche Scans schon durchgeführt werden in Zürich oder Nikosia.

Dieses Abenteuer, diese Art Recherche, muss nun wirklich nicht sein!

Wohne wieder schräg hinterm Bahnhof, in der „Konradstrasse“. Nettes Viertel, gut gelegen.

Gestern Abend wurde die „Les Miserables“-Verfilmung im Riff-Raff-Kino angesehen. Hatte geplant, dasselbe Stück im Original von Victor Hugo den folgenden Tag auf der Bühne noch ein weiteres Mal in Angriff zu nehmen – das Theater schien mir dann aber etwas zu weit gelegen bei so viel Auswahl an guten Events in der Stadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel wollten oder sollten nämlich möglichst nicht mit in mein Kurztripp-Programm dieser Metropole kommen, war mit mir selbst abgemacht worden. Zürich mal wieder zu Fuß erkunden, bietet sich aus wirklich vielen Gründen an – auch in der Langstraße, und dortherum.

Was den Film der Miserablen eines Westafrikaners angeht, der inzwischen in Frankreich leben dürfte, nun: Als 15- oder meinetwegen 20-Jähriger hätte der mich wahrscheinlich schwer beeindruckt, vorausgesetzt, all die Nachrichten von und aus den Bannlieus hätten mich noch nicht erreicht. Mit 21 Jahren habe ich mir nämlich erstmals Frankreich-Erfahrung ‚angeschafft‘, als in Paris, Marseille und Cannes insgesamt für in etwa 6 Monate ‚gelebt‘ wurde. Doch diese Phase meines Lebens liegt mindestens 2-3 Jahrzehnte zurück, und in den Bannlieus außerhalb von Paris war ich noch immer nicht. Doch dass in Paris an bestimmten Orten eh genügend Gelegenheit geboten ist, seitens der Polizei unfreiwillig-unbeabsichtigt und oft kontrolliert zu werden, weil so in etwa ausgesehen wird wie vielleicht ein Algerier, ist dieses nahezu tägliche Prozedere von einst in Paris eine Erinnerung, die im Film, sozusagen, noch bedrohlicher repliziert wird und dergestalt recht lebhaft – von weit hinten im Hirn wahrscheinlich – auftauchte in mir vor der Leinwand sitzend.

Der Filmemacher soll Clichés, nach eigener Aussage, vermieden haben. Mir kam es aber so vor, als hätte er diese in ihrer ganzen Breite, nahezu, präsentiert. Dennoch: eine einigermaßen unterhaltsame Geschichte ist sein Film-Werk geworden, nicht Mehr und nicht Weniger!

Und die Moral der Geschicht darin: die Zeiten unbeschwerter Jugend könnten demnächst womöglich endgültig, das ist auch flächendeckender, im Westen Europas vorüber sein – vielleicht auch nicht. Vielleicht wird diese Unbeschwertheit in Zukunft, und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sie mal gab, gewalttätigeres Handeln, auch der Erwachsenen, einfordern.

Lass Dampf ab, und leb‘ dann gefälligst auch mit den Konsequenzen deines Tuns; oder: beste Messeinheit fürs sozio-politische Gefüge ist, was im Polizeialltag abgeht. Zu diesem Befund gelangte ich im Kinositz, als gedacht wurde, dass die Masse der Bevölkerung einem den erwähnten Umstand, im Zweifel, nicht so plastisch aufzeigen kann, wie Cops im Einsatz!

So und wahrscheinlich wenig anders, also, könnte zum Film über wütende Jugendliche der Bannlieus von Paris auch noch Stellung bezogen werden.

Insofern wäre es eigentlich angesagt gewesen, die Theaterversion des Films ansehenzugehen. Entschied mich dann aber für den entführten Papst, ein Theaterstück, welches wohl lustig ist. Doof nur, dass weder die Limatstraße noch der Hechtplatz rechtzeitig gefunden werden konnten. Hinterm Bahnhof irgendwie rechts abbiegen, war auf der Karte verzeichnet, und dann an der Limat entlang. Auf dieser Strecke wurde teils gebaut, Baustelle. Und der Bahnhofsquai war plötzlich verschwunden, der in den Limatquai überführt. Und schon bald irrte ich wahrscheinlich gar nicht so weit vom Hechtplatz entfernt durch Zürich und landete anstatt im Kino „Xenix“ am Helvetiaplatz.

Der Projektor dieses Cinemas hatte irgendeinen Schaden. Doch bis 21 Uhr, wurde in Aussicht gestellt, könnte der Schaden eventuell wieder behoben sein, wurde gesagt an der Kasse. Aufgefallen ist auch bei dieser Gelegenheit, dass ich Schwytzer-Dytsch gar nicht so gut verstehe, wie ich mir ein Leben lang einbildete. Meistens muss ich darum bitten, sich zu wiederholen, und das tun sie in Zürich auch gleich, wenn ich mich nicht täusche, dann etwas entschärfter, sozusagen.

Also setzte ich mich in die Bar, die zum Xenix gehört, wo flotte, wirklich interessante, noch nie gehörte Musik anfänglich lief, und trank einen vor meinen Augen hergestellten Ingwer-Zitronen-Tee! Als sich der Ort mit Leuten zu füllen begann und die Musik immer lausiger geworden war – Pop aus den 80ern oder 90ern -, war es dann auch Zeit zu gehen.

Was an Orten, wie dem davor erwähnten Blueberry gut ist, ist, dass sie gut ausgeleuchtet sind, sodass man seinen Block oder Laptop herausholen kann, ohne das Gefühl zu haben, nicht allzu lange schreiben und sitzen zu können – vor lediglich einer Bestellung. Sie sehen, ich bin ein gutgetrimmter Gast der Gastwirte. Weil im Südwesten Deutschlands kommen in den Cafés normalerweise Bedienungen alle Nase lang an und fragen, ob man noch einen Wunsch hätte. Dort verkehre ich an so gearteten Läden wie dem Blueberry nicht. Beim Blueberry unterm Bahnhof in Zürich sieht es ähnlich aus wie bei Mc Donalds. Als ich daran ein weiteres Mal Stunden danach vorbeilief, sah ich, dass das Blueberry sich doch wirklich seinen Platz dort unten mit Burger King teilt: das eine Unternehmen rechts, das andere links. Die jeweiligen Sitzbereiche sind nicht ‚fein-säuberlich‘ voneinander getrennt.

Ja, auch Zürich ist fein und sauber gehalten, wie wohl alle Städte in der Schweiz. An und in der Langstraße sieht es allerdings etwas ‚eingelebter‘ aus: viele Bars, Spielautomaten, legale Hanfverkäufer, Prostituierte und natürlich Imbisse sowie auch Kaffee-Stuben á la Heitzmann, nur in kleinerem Format, Krims-Kram-Verkäufer usw. Viel gesellige Leute sind dort unterwegs an einem Samstagabend. Überhaupt ist Zürich herrlich angefüllt mit den herrlichsten Orten, an denen etwas gegessen oder getrunken werden kann, getanzt und so weiter. Und was nicht nur in jenem Teil Zürichs sehr auffällig ist, ist, dass egal, wo du hingehst oder mit wem du ins Gespräch kommst: die Menschen begegnen dir mit offenem, freundlichen Gesicht. Man scheint schlicht und einfach bemüht, offenbar, nicht so geschäftsmäßig rüberzukommen oder auf striktes Distanzhalten programmiert.

Sehr wohltuend, also!

Damit ich es nicht vergesse:

Bevor im Xenix gelandet wurde – „born in flames“ -, besuchte ich davor gerade nochmals das Riff-Raff, und zwar denselben Nachmittag. Gern wäre ich ins Kunstmuseum et cetera gegangen, was ich mir – auf für den Rückflug – ganz fest vorgenommen habe. Wie es dazu kam? Vielversprechender, aus meiner Sicht, hat sich das Ereignis „African Mirror“ angekündigt. Der Filmemacher selbst sollte eigentlich anwesend sein, dachte ich. Auch daher überraschte gleich zu Anfang des Films, dass ein Schweizer den Film gedreht hat. Ich hätte wetten können, dass irgendwas von Afrikaner gelesen worden ist, der den Film gemacht haben soll – und dass sich die Black Community der Stadt zu diesem Event im Riff-Raff an jenem Tag trifft mit dem Regiseur.

Da muss es sich wohl um eine Verwechslung handeln, bei mir.

Über den Dokumentar Filmer René Gardi lässt sich wirklich gut streiten. Seine im Film verbreiteten Ansichten sowie teils seine Vorgehensweisen beim Filmen und vielleicht auch die Art der Objektivierung seiner ‚Objekte‘ im sagenumwobenen „Mandara“ bieten dazu Anlass. Mandara lag vor der (angeblichen) Entkolonialisierung, wie Gardi so in etwa meinte, in noch unberührten Teilen Kameruns. Er outete sich als einer der ersten 6 oder 7 Weißen, die die Gegend jemals betreten haben sollen.

Ob es nicht sinnvoll wäre, die Wilden zu zivilisieren. Schlafen doch auf hartem Stein. Hätten NICHTS an. Man müsse ihnen Kultur bringen. Gardi zufolge sahen derartige, zivilisatorische Maßnahmen so auch – etwas weiter weg von Mandara gelegen in Kamerun – ansässige Missionare und französiche Besatzer. Letztere schienen nicht gerade zimperlich aufzutreten, wie hie und da kurz, sehr kurz nur, thematisiert wurde im Film – wie am Rande.

Gardi ließ einige Einheimische kleine Szenen spielen vor seiner Kamera, wie, beispielsweise: Junge freit Mädchen, sie unten an einer Wasserquelle in der Hocke er auf dem Baum neben der Quelle sitzend, und mit einer Frucht des Baumes wirft er sie neckend damit, eventuell neckend. Irgendwie taten die beiden Amateurschauspieler aber doch nicht so richtig, was Gardi gern dargestellt haben wollte, wie er anmerkte. Die beiden Darsteller kamen den folgenden Tag nicht mehr zum Dreh, wurde bemängelt.

Überraschend – obgleich es im Film immer wieder überraschender Weise weiß-schwarz Blenden zurück in die Schweiz gab, wo Gardi offenbar herstammt – konfrontierte einen der Film plötzlich mit der Aussage des Regieseurs, dass er in der Schweiz sich an „einigen Buben“ vergriffen hat. Ob Gardi in Afrika unterwegs ebenfalls ‚zugeschlagen‘ hat, war allerdings nicht Gegenstand des Films.

Es ist dennoch ein interessanter Einblick in das Afrika jener Zeit, als die Franzosen noch das Sagen hatten in Teilen dieses Kontinents. Und viele Schweizer scheinen ihrem französischen Nachbarn in Europa nach Afrika als Landbesitzer, Abenteurer und Geschäftlemacher gefolgt zu sein.

Einige Male war ich während der Vorführung geneigt, aus einer Art Protest aufzustehen und zu gehen.

Gut, dass ich durchgehalten habe!

Gut auch, dass einem solch Filmmaterial vorgeführt wird.

Ach ja, born in flames, das ist ein Film aus den 80ern. Eine fiktive Frauenbewegung – „womens army“ – fantasiert in dem Beitrag darüber, wie das Patriarchat abgeschafft werden könne. Der Film spielt in New York meist unter farbigen Frauen, wovon einige mehr oder minder offen lesbisch leben – und es satt haben, andauernd „verarscht“ zu werden von den Männern, „dem System!“ Vergewaltigt zu werden.

Vom Stoff her ziemlich interessant.

Leider wählten die Damen den bewaffneten Kampf, und dann war der Film auch schon zu Ende, noch bevor die Femme-Revolution in einem fiktiven, sozialistischen nachrevolutionären Amerika der Vereinigten Staaten seinen Lauf hätte aufnehmen müssen/können.

Kalt ist es noch immer in Zürich. Die Stadt wacht vielleicht schon bald auf. Es ist ja Sonntag, da darf Frau und Herr Schweizer länger schlafen. Von Lahr bis zum Flughafen in Zürich wurde ich – mal wieder – nicht einer einzigen Fahrbillet-Kontrolle unterzogen. Die Sonne kam diese beiden Tage, in denen hier verweilt wurde, eigentlich immer irgendwann durch, trotz Kälte und etwas Nebel. Hier im Zimmer des Hotel „Montana“, früh am Morgen, dürfte es gern auch etwas wärmer sein.

Ja, wir sind in der Schweiz, okay. Aber dass man für ungefähr 70 Euro am Tag kein Frühstück in der Hotelbuchung hat, daran muss man sich wahrscheinlich wirklich gewöhnen, wie auch 65 Franken für einen, nehme ich an, ganz einfachen Haarschnitt, wie auf einer Preistafel am Fenster eines Friseurladens unten im Hauptbahnhof von Zürich zu lesen war!

Das ist jetzt bereits das dritte Mal, dass mit Edelweiss geflogen wird. Werde ich wohl vorerst so beibehalten, weil man ja sonst nicht, der Bequemlichkeit wegen, nicht nach Zürich kommt – dafür aber nach Straßburg, welches mir vorerst Basel, Zürich oder Freiburg et cetera gut ersetzt, um zuweilen den Mief der Provinz von sich abzuschütteln. Lahr ist strategisch jedenfalls besser gelegen als Kandern, wo knapp 5 Jahre gewohnt wurde. Von dort war irgendwie fast alles ein bisschen zu weit und Müllheim, Rheinfelden, Steinen oder Badenweiler sind zwar schön, aber … .

Basel ist allerdings durchaus eine Wucht. Blöd nur, dass man das Auto nirgends mehr ohne Parkgebühr zu zahlen abstellen kann – außer sonntags, glaube ich. Müllhouse vermisse ich auch etwas, Selestat, Colmar ebenso. Dafür sind aber Karlsruhe, Heidelberg oder auch Baden-Baden sowie das interessante Kehl in meinen ‚Einzugsbereich‘ gekommen durch den Umzug nach Lahr im Schwarzwald usw.

Inzwischen sitze ich nach lockerem Check-in im Flieger. Das Essen war gut. Ich habe den Platz bekommen, den ich eigentlich haben wollte, den zum Gang hin. Der Computer der Airline hatte mir einen Sitz in der Mitte zugeordnet. Der Sitz neben mir wurde netterweise nicht besetzt.

Für Zypern habe ich mir diesmal vorgenommen, die kommenden 8 Wochen oft nach Nikosia zu fahren von der Küste aus. Habe eigentlich eh mein Stamm-Café dort. Mal wieder mehr Präsens zeigen, auch um etwas mehr Kypriaki flottzumachen. Nein, Griechisch kann nur gelesen und einigermaßen verstanden werden.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: