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Posts Tagged ‘naher osten’

Zu meiner Zeit an der Uni, im Fach Islamwissenschaft und Iranistik, gab es einen geheimen Star, den Schweizer Arnold Hottinger. Wir verschlangen seine Werke. Schön, dass es ihn noch gibt, wie ich heute in der NZZ lesen konnte. Und Herr Hottinger war so lieb, uns mit einem seiner Wissensgebiete zu erfreuen, der Frage nach wie, warum und weshalb die Dinge so laufen, wie sie laufen im Nahen Osten.

Ganz ausführlich indes ist er dabei nicht. Doch er gibt dennoch einen guten Überblick, hilft auch all denen wieder auf die Spur, die sich mit der Materie zwar beschäftigen irgendwie, aber halt doch die – sagen wir – großen Leitlinien bereits etwas in Vergessenheit gerückt erkennen bei sich selbst. Schön fand ich bei Hottinger schon immer, dass er dabei auch die wahrscheinlich vorherrschende Geisteshaltung der Akteure, von denen er schreibt, benennt und als Faktor miteinbezieht.

Hier nun der Link zu seinem Artikel: http://www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/imperiale-grenzen-im-nahen-osten-der-geist-von-sykes-picot-ld.85005

 

Berichtigung: Kürzlich war hier die Rede davon, es gäbe 15 Rotary Clubs allein in Nikosia, dem griechisch-zyprischen Teil der Stadt. Das ist schwachsinn. Meine Informantin hat offensichtlich die Frage falsch verstanden und ich hätte besser nochmals woanders nachgehakt. Nein, es sollen 7 oder 8 Clubs sein, die es gibt in Nikosia-Süd. Auch das sind eigentlich viel zu viele Clubs, wenn man bedenkt, wie klein Nikosia im Grunde ist.

Des Weiteren war zu erfahren, dass Konferenzen in Georgien und Armenien schon bald Realität werden könnten. Die sind zu Zypern und dem Libanon etc. hinzugekommen, weil auch sie verhältnismäßig kleine Länder sind. Ägypten wurde daraufhin ausgesondert und ist nun nicht mehr in diesem geografisch zu verortenden Bereich des Clubs.

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Der Ostergruß

Fortsetzung: alles verlogen?

 

Im Allgemeinen sollten politische Entscheidungsträger gezwungen sein, regelmäßig Rechenschaft abzulegen, vor uns, dem Volk. Schließlich ist ja jedes Jahr auch Ostern.

Behauptet wird: Selbstbestimmung und Selbstentfaltung setzen ökonomische Sicherheit, Bildungschancen und die viel beschworenen Zukunftsperspektiven „unserer Kinder“ voraus. Dem scheint zumindest bislang so in Gesellschaften zu sein, die von sich behaupten, modern zu sein – sich als Initiatoren und Verursacher der Moderne schlechthin verstehen und installier-t-en.

Die Moderne und was das denn wohl ist, soll hier aber nicht das Thema zu Ostern werden.

Wie dem auch sei: Es stellt sich weltweit im Laufe der Zeit offenbar immer mehr die Erkenntnis heraus, dass öffentliche Ressourcen allen irgendwie gehören, daher allen möglichst zugänglich sein sollten. Inwiefern das Militär eines Landes als öffentliche Ressource zu verstehen ist oder nicht oder irgendwie, überlasse ich ganz Ihren Einschätzungen, werte Leser. Zumeist ist dem aber so, dass das Militär in der Welt und in den ihr von Menschen eigenhändig aufgestülpten Staaten eine entscheidende Rolle innehat, die, ob man es will oder nicht, durchaus die Frage nach den Ressourcen und so aufkommen lässt – egal ob dieselben öffentlich, privat oder welcher Natur auch immer sind. Und die Ressource Osterei hat vielleicht manchen daran bereits im Stillen denken lassen, in Tschechien zu Ostern einzumaschieren, weil eben Knappheit an Eiern herrscht in der Republik.

Das Militär ist also schon eher unser Thema heute.

Nun, der Wandel, der sich z.B. in Tunesien vollzog, konnte vordringlich deswegen sich so und nicht anders vollziehen, da führende Militärs seiner Zeit zur Jasmin-Revolution 2011 sich weigerten, das eigene Volk unter Beschuss zu nehmen. Sie wechselten daraufhin die Seiten und schlossen sich den Aufständischen an. Das wiederum war der Anfang vom Ende eines der besten Freunde des Westens aus der Region, das Ende von Zine el-Abdine Ben Ali. Der Hebel in den Köpfen der Tunesier konnte dergestalt umgelegt gehalten werden. Man rannte nun nicht mehr länger vor der Regimegewalt davon. Ausnahmen in der Region bezüglich dieses Wandels sind Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und das etwas weiter gelegene Komoren-Inselchen. Nachahmer des Trends oder der ‚revolutionären‘ Welle – nennen Sie es, wie es Ihnen gefällt -, gab es sogar in Israel oder in China.

Den Forderungskatalog der Aufsässigen Araber und Nordafrikaner mit den Gründen des Zypernproblems seinerzeit in Vergleich zu setzen, soll hier gewagt werden, auch wenn das orthodoxe Ostern dieses Jahr nicht zum gleichen Zeitpunkt wie das in der BRD stattfindet. Nun: Diese eben erwähnten Aufständischen forderten unter anderem die Abschaffung ethno-konfessioneller Diskriminierung und das Ermöglichen eines Lebens in Würde für alle. Was den Punkt Erweiterung des parlamentarischen Mitspracherechts angeht, das auch noch gefordert wurde, mag ein Blick auf die langwierigen Verhandlungen zwischen Nord- und Südzypern genügen, um zu verstehen, dass die Aufnahme dieses Punktes durchaus nicht irrelevant ist im hiesigen diametralen Vergleich. Diese Forderung des parlamentarischen Mitspracherechts, nämlich, wird in den Verhandlungen auf Zypern zwischen dem Norden und dem Süden der Insel schon seit Langem diskutiert ohne konkretes Ergebnis bzw. Kompromiss. Und dass der Zypernkonflikt sehr wohl auch ethno-konfessionelle Züge hatte und hat, wird wohl niemand mehr von der Hand weisen – außer wahrscheinlich die ewig hartgesottenen Nationalisten auf der griechischen Hälfte der Insel. Ich mag nicht abstreiten, dass es solche Spezies auch im Norden gibt. Doch die sind gewiss nicht so einfach anzutreffen, wie im Süden.

Es soll von Ihnen, verehrte Leser, nun aber nicht so verstanden werden, dass etwa als Grund für das Zypernproblem ein monarchisches System vorgelegen habe, wenn im Anschluss geschrieben wird, dass als weitere Forderung von den Aufständischen in Teilen der arabisch/nordafrikanischen Welt gefordert wurde: beschränken der konstitutionellen Monarchie – zumal es ja bekanntlich keine Monarchie auf Zypern gibt (wenn mal von den Engländern und ihrer sozio-politischen Involviertheit vor Ort abgesehen wird). Jedenfalls gibt’s in Marokko oder Saudi Arabien dieses monarchische Phänomen zu bewundern und in Syrien kann man durchaus sagen, herrscht eine Art Monarchie, Feudalsystem.

Daher: Im zyprischen Kontext darf von Ihnen ‚beschränken der Monarchie‘ bitte mit Beschränkung der monitären, ökonomischen und politischen Wirkkraft der so genannten „Off-Shore“ Gesellschaften in Zusammenhang gesetzt werden.

Ja! Versteht sich, dass die OFF-Shore Gesellschaften seinerzeit, als der Zypernkonflikt stattfand, ein anderes Äußeres hatten: die Kolonialmacht England, Großgrundbesitzer, die Kirche. Die letztere ist auch heute noch zu wirkmächtig im politischen Alltag der griechischen Zyprer.

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Es sollte also in gewissen Köpfen langsam die Einsicht reifen, dass der so genannte Wandel in Ägypten und anderswo in der Region durchaus klare und unvermeidlich verbindliche Signale ausgibt, nämlich: Herr und Frau 0815 haben dort verstanden, dass die Mächtigen nicht unantastbar sind. Dass dieselben international, wie auch national, sehr wohl zur Rechenschaft gezogen werden können. Daher dürfen sich Leute wie der regierende Xristofias nicht wundern, wenn sie womöglich nach ihrer Amtszeit doch noch für die eine oder andere krumme Sache geradestehen werden müssen.

Und Letzteres mögen sich nicht nur gewisse Kreise auf Zypern durch den Kopf gehen lassen, sondern auch in der BRD, dem drittgrößten Waffenhändler mit Anwärterschaft auf den ersten Platz beim Verkauf von Streuminen. Doch keine Panik: Noch schweben die Damen und Herren an der Macht auf irgendwelchen erfolgsbilanzierten Wolken. Die können sich sogar Vernunftsfeinde, wie die von der FDP oder CSU, leisten.

Dennoch: Der erneute Einzug der Piraten-Partei in ein Landesparlament, diesmal an der Saar, lässt erkennen, dass auch im Land mit den ‚tollen hohen‘ Löhnen, noch mächtig Zoff in naher Zukunft anstehen dürfte. Das Vorspiel sind wohl die Endlos-Debatten über den letzten Bundespräsidenten, der den Umbruch im südöstlichen Mittelmeer, versteht sich auf seine Weise und – diesmal – gesamtdeutsch, spiegelt,.

Der Friedenspräsident Gauck, der wahrscheinlich gerade aufgebaut werden soll, wird den Frieden derer, die Frieden wirklich wollen, noch auszustehen haben.

Bzirske von VERDI, oder wie man ihn schreibt, formulierte es bereits, und zwar ungefähr so: Ehrensold für die Leute von der Müllabfuhr! Und daher, nehmen wir an, streikt das Bodenpersonal an Flughäfen und im öffentlichen Dienst die unterschiedlichsten Leutchen.

Na dann dem Herrn Gauck & der Crew im Bundestag ein Friede, Freude, Eierkuchen und jedem noch ein Osterei – und ein einziges Ei den Piraten?

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Zypernfrage

Wenn hinten, weit in der Türkei,

Die Völker aufeinanderschlagen,

Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus

Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten;

Dann kehrt man abends froh nach Haus,

Und segnet Fried und Friedenszeiten (Goethe, Faust1)

Gerald Braun stellte einst fest: 95% der Kriege seit 1945 wurden in der Dritten Welt geführt. Letztere Region wurde zum Hauptkriegsschauplatz. In Europa gelang anstatt, eine Zone des Friedens zu schaffen. Bis zum heutigen Tag kann konstatiert werden, dass nahezu an die 60 Kriege allein im Nahen Osten geführt wurden von den über 150 gesamt geführten seit 45. Die Frage erübrigt sich daher, ob der Krieg in der Dritten Welt Europäer nichts angeht, auch wenn das voran gestellte Gedicht Goethes etwas Anderes erscheinen lassen mag. Jemand namens Gantzel ging daran, die über 150 Kriege, die geführt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zu kategorisieren. Er stellte fest, es handelte sich dabei um System-, Macht-, Territorial-, und Fremdherrschaftskonflikte. Eine

Differenzierung in Schwellen- und Entwicklungsländer hat er berücksichtigt. Die Dritte Welt liegt bekanntlich auf 3 Kontinenten: Asien, Afrika, Süd- und Mittelamerika. Der Nahe Osten ist noch immer die kriegsträchtigste Region der Welt. Zur Klarstellung: Mit Naher Osten ist hier die Region von Iran im Osten bis Marokko im Westen und von der Türkei im Norden bis zum Sudan im Süden gemeint. Beim Betracht der Kriege in der Dritten Welt kann man schnell Opfer eines der zwei verbreiteten Denkextreme werden. Nämlich: Man könnte diese Kriege als rein lokale bzw. regionale Kriege nach dem Muster „Afrikaner bekämpfen sich“ oder „Araber und Perser kämpfen um die Vormacht am Golf“ deuten. Das andere Extrem besteht darin, Kriegsparteien in der Dritten Welt als Stellvertreter von Großmächten einzuordnen. Es muss indes gleichwohl eingeräumt werden, dass die Kriege in der Dritten Welt stets eine internationale Dimension haben, da sie in der Regel zum überwiegenden Teil mit in Amerika, Russland, China, Israel, Indien, Schweden oder sonst wo in Europa produzierten Waffensystemen geführt wurden und werden. In diesem Sinne sind – auch – die europäischen Industrieländer an den Konflikten nachweislich beteiligt. Ferdowsi hat indes mit Recht darauf verwiesen, dass bei einer Herausstellung des internationalen Faktors bei Kriegen nicht selten lokale und regionale Konfliktpotentiale und die Eigendynamik von Konflikten aus dem Blickfeld geraten können bzw. geraten. Was den Konflikt in Syrien angeht, ist es eventuell problematisch, bereits von internationalisiertem Konflikt zu sprechen. Daher bevorzugen wir hier die Formulierung, dass eine internationale Dimension eines regionalen Konfliktes vorliegt. Einen Stellvertreterkrieg haben wir derzeit in Syrien nur in Teilen gegeben, in seinen Anfängen eventuell. Der Kulturraum Naher Osten kennt den Krieg durchaus auch als einen Inhalt der Basisdoktrin der vorherrschenden Kultur, nämlich des Islams, bzw. im Islam. Krieg gab‘s jedenfalls schon immer. Aber den Krieg geführt mit technologischen Waffen und dazugehörigen Strategien und Systemen, den dürfen sich die Europäer als erste an die Brust heften. Und bei dieser Gelegenheit sei sogleich darauf verwiesen, dass die nationalstaatlich strukturierte Ordnung, ihren Ursprung in Europa ziemlich sicher haben dürfte bzw. hat. Und wir wissen darüber hinaus, verehrte Leser, dass mit dem Westfälischen Frieden von 1648 (nach dem 30-jährigen Krieg war der) erstmals ein geordnetes europäisches Staatensystem anfing, welches den Kern des heutigen internationalen bildet. In der Folge waren Europäer offenbar damit beschäftigt unter anderem, dieses System dem Rest der Welt aufzubrummen. Pikant an dieser letztgenannten Angelegenheit ist, dass oft die Folgen eines Krieges wichtiger sind als der Krieg selbst und seine Ursachen (siehe Sechs-Tage-Krieg zum Beispiel oder die Teilung Zyperns). Aus dem europäisch absolutistischen Staat des 17. Jahrhunderts ging andernorts, nämlich in Frankreich, nach der Französischen Revolution der moderne Nationalstaat hervor. Auch die heutigen Nationalstaaten des Nahen Ostens sind ein Ergebnis dieser Entwicklung (Eurozentrismus). Es entstand im damaligen Europa ein Staatensystem, welches auf Interdependenz, nicht aber auf Vasallentum basiert. Jeder dieser Staaten genießt möglichst innere und äußere Souveränität. Diese Konstellation der Staaten änderte sich definitiv nach dem Zweiten Weltkrieg, hin zu einem bipolaren System: USA – Sowjetunion; heute indes ist es zumindest tri-polar: China – USA – Russland/Indien/Brasilien. Es ist einst vorwiegend die Entkolonialisierung gewesen, die den zuvor skizzierten modernen Staat in der Dritten Welt so zusagen einführte. Interessant zu beobachten sind in der Region des Nahen Ostens folgende Denk-Richtungen: die der Integrationisten und der Desintergrationisten. Beide wirken eher auf regionaler und nicht auf globaler Ebene. Die Integrationisten wollen und wollten bestehende nationalstaatliche Grenzen jeweils durch eine angestrebte Vereinigung sich als ähnlich empfindender Staaten überwinden (arabische oder afrikanische Einheitsbewegungen). Dagegen wollen oder wollten die Desintergrationisten den Nationalstaat in einer umgekehrten Richtung sprengen; die in einem nationalstaatlichen Gebilde lebenden Minderheiten (z.B. die Kurden) wollen (wahrscheinlich mehrheitlich noch immer) für sich selbst einen Nationalstaat. Eigentlich sind beide Entwürfe, genauer betrachtet, im bestehenden Gehäuse des nationalstaatlich strukturierten internationalen Systems jeweils auf seine jeweilige Weise verfangen. Konkreter soll nun die Rede von Kriegen oder Konflikten sein, die durch einen Eskalationsprozess regionale Konflikte geworden sind – oder werden. Diese wiederum gestalten sich unweigerlich, auf globaler und/oder europäischer Ebene besehen, in einem Setting, welches Kenneth Waltz als das des „nuklearen Friedens“ beschreibt. Bekanntlich hat Israel die Atombombe und Iran will sie demnächst anscheinend haben. Es gilt also nie außer Acht zu lassen, dass in einem nuklearen Zeitalter gelebt wird. Dass in einem Zeitalter von Mega-Spielern, gewissen global operierenden Konzernen etc. Politik und Wirtschaft verflochten wirken. Dass Kommunikation in Bruchteilen von Sekunden passiert vom so genannten einen Ende der Welt zum anderen. Und dass, wie C. Wright Mills meint, mit einer Internationalisierung derartiger Konflikte wie dem in Syrien vorbeugend umzugehen sei? Diese Anschauung, verehrte Leser, hat sich bereits pervertiert im Falle Syriens – und im Falle Tunesiens kann sie nur schwerlich beweisen, dass sie zutrifft. Letzteres, da die internationale Gemeinschaft dem Entscheid des früheren Machthabers in Tunesien, Bin Ali, vorrangig nachgeholfen hat, massiv, so dass er die Koffer nach Saudi Arabien packte. Und ganz im Gegensatz zu der Annahme des Princeton Kriegsforscher Robert Gilpin, darf nicht mehr ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die so genannten Supermächte an einer nuklearen Auseinandersetzung nicht interessiert sind. Das war einmal der Fall, finden wir, als man sich noch in einer bi-polaren Welt befindlich wähnte. Heutzutage indes leben wir schon längst in einer tri-polaren Welt, die teils bereits eine tetra-polare Form ausbaut, eine gar penda-polare Welt durchaus als anstehende Realität denkbar hat werden lassen. In einer solchen Weltordnung könnte der so genannte Erstschlag, den es zu führen gilt bei ‚besonderer‘ Konstellation im Politischen oder überhaupt, noch schmerzlich zu tragen kommen. Der Egoismus und alte unbeglichene Rechnungen, zum Beispiel mit Europa, könnten dazu führen, um selbst möglichst wenig Verluste zu erleiden, einen Erstschlag wie beim Schach zu führen. Ein Unterschied wäre dann, dass es nicht eine westliche Macht ist, die das Knöpfchen angeblich – ‚legal‘ – drücken wird, wissend, dass in einer multi-polaren Welt der Rückschlag wahrscheinlich eher dort passiert, wo es schwach ist und, versteht sich, wo es sich lohnt. Dass also die zuvor bezeichneten politisch-ökonomischen Blöcke eher gegeneinander als miteinander operieren, zeigte sich zum Beispiel auch vor kurzem, als die beabsichtigte Zusammenlegung innerhalb des westlichen Blocks von Teilen der us-amerikanischen und europäischen Börse platzte – ganz zu schweigen von der zunehmend erdrückenden Unfähigkeit der EU-europäischen Akteure eine stringent homogenere Außen- und Innenpolitik zu organisieren. Bassam Tibi schreibt, wobei er sich allerdings auf einen anderen Kontext bezieht: „Wenn es den Supermächten im Rahmen von Krisenmanagement nicht gelingt, solche [regionalen] Konflikte zu bewältigen, dann bleibt es „im Bereich des Möglichen“, …, dass „ eine militärische Verstrickung [der] Großmächte in demselben Konflikt auf der jeweils gegnerischen Seite, und zwar gegen ihren Willen“ erfolgt.“ Tibi sieht den Nahen Osten als so einen Ort an, indem Großmächte im selben Konflikt auf der jeweils gegnerischen Seite sich postieren. Im Hinblick auf die Umbrüche in Griechenland und der Türkei etc. erscheint es immer weniger abwegig, Zypern als geradezu prädestiniert zu sehen, um zukünftig so einen Ort darzustellen, und zwar wegen seiner strittigen Lage wie auch wegen der Spaltung der Insel. Gehört Zypern eher zum Nahen Osten oder doch eindeutig zu Europa? Ist es letztlich mit Russland und dessen Orthodoxie nahe stehend oder doch eher mit den USA und der EU? Hält Zypern letztlich zu Israel, wenn es darauf ankommt oder doch zu den Arabern, genauer, den Palästinensern? Ist es eigentlich rechtmäßig in der EU oder doch nicht? Tibi des Weiteren: „ … Supermächte können „Normen und Regeln“ für ihren Umgang miteinander, kaum aber für regionale Konflikte außerhalb ihres Raumes entwickeln.“ Wie zu lesen ist, wird die EU hier eindeutig nicht als Supermacht eingestuft. Sie ist daher eine relative Supermacht, und zwar eine, die mit Duldung der wirklichen Mega-Players operiert. Wenn also die Chance demnächst erneut vertan wird von Xristofias, Brüssel und Co. die Zypernfrage zu lösen, dann könnten sich zuvor beschriebene Szenarien noch unversehens ereignen in Zukunft – denn Europa ist längst nicht mehr der Nabel der Welt!!!

(dieser Artikel lehnt sich sehr stark an die Einleitung des Buchs „Konfliktregion Naher Osten“ von Bassam Tibi aus dem Jahr 1989 an, welches in der Beck’schen Reihe erschienen ist)

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