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Die Tuerkische Republik Nordzypern 6

Es wäre eine Überraschung, würde ein Teil oder Körper der UN namens „UNFICYP“ seinen Aufenthalt auf Zypern nicht wieder verlängert bekommen.
Dass eine Verlängerung ansteht, gefällt vielen Türkischzyprern nicht – vielleicht ist sie sogar schon durch. Denn diese Verlängerungen passieren bekanntlich seit Jahren und dies irgendwie automatisch. Diesen Eindruck hat so mancher Beobachter dieser Angelegenheit über die Jahre gewonnen. Als markierte die UNFICYP geradezu den herrschenden Status einer „Nicht-Lösung“ des Zypernproblems – absichtlich.
Der Republik Zypern verleiht der Aufenthalt der UNFICYP auch so etwas wie eine Ausrede, als sei eine Art Friedenstruppe noch von Nöten, als sorgte ausgerechnet diese Einheit der UN für Stabilität auf Zypern, wie auch in der Region. Südzyprer nutzen den Verbleib der UNFICYP auch, um künstlich Agenda‘s zu kreieren – also um sich hin und wieder mit einem vermeintlichen ‚Thema‘ von Belang ins Licht des internationalen Interesses, genauer, der Internationalen Gemeinschaft zu spielen.
Ganz von der Hand zu weisen, sind all diese Beobachtungen nun wirklich nicht, wenn man sich die letzten 10 oder 20 Jahre süd-zyprischer Politik ansieht. Ja, es fällt nicht leicht, in diesem speziellen Fall von Außen- beziehungsweise Innenpolitik zu sprechen, daher wird weiter oben einfach von „süd-zyprischer Politik“ geschrieben.
Zwar hat die EU Gesamtzypern sich als Vollmitglied auf den Plan gesetzt, doch wird vonseiten Brüssels viel zu wenig getan, um die Südzyprer zur Vernunft zu bringen. Offenbar ist Letzteres so auch nicht gewünscht – noch nicht. Andererseits sind die Nordzyprer zwar in der EU, irgendwie und wie geschildert, nämlich, eher von oben herab und auserkorenermaßen; doch vorrangig und vor allem ist Nord-Nikosia an die Türkei gebunden, was vielen Nord- und Südzyprern gar nicht so ungelegen kommt. Kann man so doch von beiden Seiten sowie dem undefinierten, diplomatischen LOCH, was sich auf Grund der verzwickten politischen Situation daraus ergibt, profitieren – und wahrscheinlich auch noch von weiteren interessierten Staaten oder Organisationen kann Gewinn eingefahren werden, die sich diese (durchlöcherte) geo-politische Insellage auch gern zu Nutzen machen. Ja, es wären da auch Verluste. Das stimmt. Doch dann wäre da auch noch so etwas wie die Ehre, die Ehre ein Türke oder aber eben Grieche zu sein – jeweils in der zyprischen Ausgabe, versteht sich.
Um nochmals kurz auf die UNFICYP zurückzukommen: Der Regierungssprecher des Südens meinte vor Kurzem, womit er dort damit ganz gewiss nicht alleine ist: „So lange türkische Truppen sich auf der Insel befinden, muss die UNFICYP anwesend sein!“
Im Norden erinnert Vize-Premierminister Kudret Özersay in diesem Kontext daran, dass die UN-Friedenstruppen bereits seit 1964 ihren Dienst auf der Insel versehen. Das ist nun wahrlich eine lange Anwesenheit und hat schon ein bisschen das Beigeschmäckle von einer weiteren, nunmehr international verordneten Besatzung Zyperns, finden nicht wenige.
Wird der Süden überhaupt von Zyprern regiert?
Gute Frage, was?
Angeblich ja!
Sagen wir besser: ja, dem ist so, aber gewiss mit Absprachen in Brüssel, Washington, Moskau und demnächst wohl auch in Peking, wird im Süden der Insel regiert. Eine wunderbar einfache Welt, in der wir leben, stimmt’s? Warum ES einfach gestalten, wenn die Dinge auch kompliziert werden können, sodass jeder, der genügend Macht und Einfluss hat, dann auch besser sein Süppchen vor Ort kochen kann, nach Belieben möglichst.
Für Herrn Özersay ist jedenfalls klar, dass gewisse Zirkel innerhalb der Internationalen Gemeinschaft ganz gehörig daran interessiert sind, den so genannten „Status Quo“ auf Zypern zu halten. Vielleicht wissen einige Staaten einfach seit Jahrzehnten, wird vermutet, dass da irgendwo vor Zypern noch einiges Geld in Form von Erdöl oder Erdgas gemacht werden kann. Vielleicht haben auch Sie bereits darüber gelesen, verehrte Leser, dass Pläne bestehen, den Nahen und Mittleren Osten zukünftig neu zu vermessen, also einzuteilen usw.
Sollte es demnächst im Iran rundgehen, wie man sagt, scheint sich zuvor Gesagtes eventuell zu bewahrheiten. Noch ist es nicht so weit. Noch könnte eine Lösung nicht nur in Sachen Iran gefunden werden. Noch ist Trump bei den Wahlen zur mittleren Amtszeit nicht vom Eis wie die besagte Kuh. Die Rede ist aber bereits von Disziplinarverfahren, die ihm angehängt würden, wenn er sein präsidiales Amt verlieren sollte – um im Bild zu bleiben, die juristische Schlachtbank.
Letzteres könnte teuer werden, vielleicht genau so in etwa, wie der Aufenthalt der UNFICYP seit Jahren auf Zypern. Dieser Aufenthalt ist richtig teuer, zumindest aus hiesiger Perspektive, wahrscheinlich nicht aus jener einer Großbank oder eines multinationalen Konzerns.
Özersay: Diese Organisation, die UNFICYP, ist inzwischen nicht mehr und nicht weniger als ein Briefträger zwischen Nord- und Südzypern. Und Özersay weiter: Was im Lauf der Zeit die Südzyprer dazu anstachelt, sich noch mehr von den Positionen der Nordzyprer zu entfernen, waren und sind deren unrechtmäßiger EU-Beitritt, die Erdgas-Funde sowie der neuerdings sich vollziehende Schulterschluss mit Israel.
Vor diesem Hintergrund wird gemunkelt, dass die THY, die Türkish Airlines, schon demnächst sich darauf einlassen könnte, wieder eine Art staatliche Airline für Nordzypern aus der Taufe zu heben. Auffallend ist in diesem Zusammenhang jedenfalls, dass im Juli 2018 die Rate der Flüge aus der Türkei nach Nordzypern nochmals erhöht wurde, werden musste. Es scheint also ein wirklicher Bedarf zu bestehen.
Die Pegasus Airlines mag ihre Passagiere von Ercan nach London und umgekehrt nicht mehr unnötiger Weise auf einem Flughafen in der Türkei umsteigen lassen, um dann in den Norden oder eben nach London weiter zu fliegen. Vielmehr werden die Fluggäste zukünftig in ihren Sitzen verbleiben, verwundert dreinschauen, dass die Maschine kurz landete, um dann weiter zu fliegen. Wir sind gespannt, ob die Pegasus damit durchkommen wird! Es wird vonseiten der Pegasus argumentiert, dass das Direkt-Anflugsverbot Nordzyperns so zur Genüge beachtet werde.
Aus unserer Sicht wird erwartet, dass das Verbot, den Flughafen von Ercan in Norden Zypern direkt aus Europa oder von sonst wo in der Welt anzufliegen, ebenfalls demnächst von irgendjemand gebrochen werden dürfte. Womöglich passiert das nach oder kurz vor den sogenannten „mid-term-elections in den USA, deren Resultat ja mit Spannung erwartet wird – vor allem in China.
Wir berichteten bereits, dass China sich in Syrien langsam und ganz leise einrichtet. Es gibt vor, aufständische, genauer, terroristische Chinesen aus den chinesischen West-Provinzen, die in Syrien als islamistische Kämpfer unterwegs sind, davon abzuhalten, zurück nach China zu kehren etc.

Nun, einen ‚Vorteil‘ könnte es eventuell haben, wenn Ercan von überallher angeflogen werden kann. Die über 4.000 gezählten Bau-Ruinen, die es im Norden zu ‚besichtigen‘ gibt, könnten dann endlich ein Bau-Ende erfahren, weil, was sonst, dann ja mehr GELD zu verdienen anstünde. In den letzten 5 Jahren sollen im Norden 11.301 Gebäude erbaut worden sein, inklusive Fabrikgebäuden. 2017 war für die Baubranche ein gutes Jahr, wird berichtet. 2779 Gebäude wurden errichtet.
Im Norden wird zwar der Türkischen Lira-Krise wegen geklagt und gejammert, doch gibt es auch dort einige Personen, die keine Geldschwierigkeiten haben deswegen – im Gegenteil. Die Bau-Ruinen finden gewiss zur ‚richtigen‘ Zeit ihren ‚richtigen‘ Bauherrn – oder frau.
Bis dahin wird die erweiterte Stromversorgung aus der Türkei stehen. Davon darf ausgegangen werden, wenn in der Türkei nicht eine Anti-AKP_Erdogan-Revolte oder dergleichen ausbricht. Premierminister Erhürman aus dem Norden Mitte Juli 2018 dazu: „Wir sind nicht gegen Strom aus der Türkei!“ Versteht sich, dass Herr Erhürman Selbiges dienstbeflissenermaßen auch seinem Beschützer seit 1974 sagte, also dem Herrn Erdogan, respektive der Türkei, als dieser zu der kürzesten Visite, die ein türkischer Staatsmann im Norden Zyperns jemals vollführt hat, angetreten war.
Allerdings ist offenbar noch immer nicht klar, was solch Stromversorgung aus der Türkei denn nun effektiv kosten wird. Die damit beauftragte Firma aus der Türkei hat anscheinend zu vage Auskünfte erteilt und dies ausgerechnet bei dieser Frage. So musste also nachgehakt werden vonseiten Nordzyperns Regierenden. Es war noch nicht einmal angegeben worden, ob das zu verlegende Kabel 400 oder 800 MW transportieren wird. Versprochen wurde, bezüglich gewisser fehlender Punkte nachzubessern. Özdil Nami, der Wirtschafts- und Energieminister des Nordens, spricht von angeblich 500 Millionen US-$, die das Kabel und seine Verlegung kosten dürften; doch auch er kann keine Angaben darüber machen, ob das Kabel nun AC (alternative energy) oder DC (direct current) sein wird. „Die Elektrizitätsbehörde, KIB-TEK, erlitt eh einen recht schädlichen Verlust von 66 Millionen Türkischen Lira bislang – und das wird sich auf den Stromrechnungen der Leute bemerkbar machen“, so Nami.
Gemäß Premierminister Erhürman rangiert Nordzypern in der Welt auf Platz 41 von 167 Staaten, die am billigsten Treibstoff anbieten. Außerdem sei die türkische Währung derzeit die größte Herausforderung, die Nordzypern zu bewältigen habe. Die Lebensunterhaltskosten seien auf um die 5,2% seit Anfang des Jahres gestiegen.
Wahrscheinlich wüsste es die türkische Botschafterin im Norden, Frau Derya Kanbaş, wie und wie hoch nun wohl und letztendlich der Strompreis sowie die Kabelverlegung den Leuten im Norden Zyperns zu Buche schlagen werden. Sie ist es auch, die des Weiteren von „rechtlichen Anpassungen spricht, die vorgenommen werden müssten. Damit meint sie, die Polizeibehörden Nordzyperns gehörten in die Lage versetzt, Telefongespräche abzuhören, besser noch, mitzuschneiden.
Wir denken nicht, dass sie sich da allzu große Sorgen machen muss, denn der türkische Geheimdienst MIT erledigt das Abhören und Mitschneiden von Gesprächen gewiss meisterhaft.
Apropos Nachbessern oder Anpassungen: Frau Meryem Özkurt war die erste Frau, die in der Position einer Direktorin für den nord-zyprischen „Bayrak“-Fernseh-/Radiosender arbeitete.
Wenn in diesem Zusammenhang von nachgebessert die Rede ist, so ist das so zu verstehen, dass im Norden – nicht wie sonst meist, auch andernorts – etwa ein Mann diesen begehrenswerten Posten nach einer Frau erobert, so als ob Frau lediglich ein Versuchsballon auf derart exponierter Position war – oder eine, wie auch immer geartete und intendierte sozio-politische Geste nach außen verkörpern durfte temporär -, sondern nein, eine weitere Frau, nämlich Frau Aysu Basri Akter folgt der Zuerstgenannten.
Frau Akter arbeitete unter anderem beim Jugend TV, dem Kanal Sim, bei Kıbrıs FM und TV sowie bei der Kıbrıs Gazetesi. Studiert hat sie an der Doğu Akdeniz Uni des Nordens. Und spannend wäre zu erfahren, was sie denn zu dem angeblichen Mangel an Imamen sagt, der im Norden neuerdings herrsche.
Suleyman Çaker ist der Vorsitzende der Angestellten in religiösen Berufen im Norden Zyperns und er sagt, es habe zuvor 220 Imame gegeben. Davon seien nun aber 19 in Rente gegangen und 40 weitere hätten sich zurück in die Türkei abgemeldet. Lediglich 10 neue Imame konnten bislang eingestellt werden. Und die seien eben kein Ersatz für den erlittenen Verlust. Zur Info: Alle Imame im Norden kommen aus der Türkei. Diesbezüglich besteht ein Abkommen zwischen den beiden türkischen Bruderstaaten.
In gewisser Weise trifft Letzteres auch auf die recht vielen Casinos zu, die im Norden Zyperns meist südzyprische Spieler und andere Zocker aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu Zypern anlocken.
‚Gott sei Dank‘ haben nun auch die Südzyprer ihr Casino, ‚endlich‘! Es läuft angeblich noch provisorisch. Das heißt dann wohl, man kann sein Geld dort provisorisch verlieren, wahrscheinlich aber auch gewinnen. Wie das genau geht, provisorisch zu gewinnen oder zu verlieren? Fragen Sie die orthodoxe Kirche, die solch Zocker-Projekt ja jahrelang verhinderte aus ethischen Gründen oder aber den Präsidenten der Republik, Anastasiadis. Letzterer ist ausgebildeter Anwalt und hat gewiss auch auf diese Frage eine Antwort parat.
Da im Norden jedoch NUR Ausländer spielen oder zocken dürfen, wird von Nordzyprern mit oder aufgrund der Eröffnung eines Casinos im Süden gefordert, das Gesetz, welches ihnen das Spielen in Casinos des Nordens untersagt, zu ändern, weil sonst womöglich Nordzyprer, die ja angeblich wenig Geld haben und daniederliegen finanziell, in den Süden gehen könnten, um ihre hartverdienten Türkischen Lira, Verzeihung, Britischen Pfund, Euro oder US-Dollars etc. im Süden zu verzocken.
Wir gehen hier davon aus, dass die geforderte Gesetzesänderung durchgeht, vor allem, da ja nun offensichtlich auch die zyprische Orthodoxie sich mit solch ‚Sumpf‘ auf der Insel, wo Saulus zu Paulus wurde, ‚anfreunden‘ konnte – hoffentlich nicht selbst daraus finanziell Profit ziehend.

Dann noch dies, und nur, damit Sie mal so ungefähr eine Vorstellung von gewissen Dimensionen erhalten:
Nord-Nikosia hat eine Bevölkerungszahl von ungefähr 61.378. Unsere Schätzungen gehen so weit zu veranschlagen, dass zumindest weitere 20 bis 30.000 nicht-registrierte Menschen diese Stadt mit ausfüllen dürften. Wie dem auch sei: Offiziell wird angegeben, dass es 9.000 Arbeitsplätze gibt, die registriert existieren. Insgesamt sollen im Norden Zyperns 300.000 Menschen leben, und insgesamt 18.000 Arbeitsplätze wurden bei der Behörde angemeldet.
Das vorliegende Zahlenmaterial ist also sehr löchrig. Es dürfte auch wirklich schwer sein, verlässliche Statistiken zu erstellen: im Norden Zyperns mehr als im Süden. Beiden Seiten wird oft unterstellt, dass keine der beiden Administrationen wirklich an exakten Daten interessiert ist, aus den verschiedensten Gründen.
Allerdings stimmt die folgende Nachricht noch, nämlich, dass Frau Gizem Alpman neuerdings den Norden Zyperns in Genf/Schweiz repräsentiert, und zwar bei der UNO.
In dem Beitrag über Nordzypern, der diesem vorausgeht, wurde von Levent Şener berichtet, der als zyprischer Journalist Probleme mit dem Regime in Ankara hat, und zwar wegen dem, was er so schreibt und sagt. Frau Nerin Feri Şefik ist ihres Zeichens Hauptrichterin des höchsten Gerichts im Norden und findet, dass die eröffnete Klage der Republik Türkei gegen den nord-zyprischen Journalisten Şener nicht zur Folge haben könne, dass es zu einer Auslieferung des Journalisten kommt. Eine Übergabe von Bürgern der KKTC, also Nordzyperns, an andere Staaten gebe es nicht! Derviş Akter, ein pensionierter Staatsanwalt aus dem Norden meint dazu, der Journalist Şener könne gar nicht belangt werden, zumal die Afrika-Tageszeitung, für die er schreibt im Norden, in der Türkei gar nicht zirkuliert. Da hat der Herr Akter offensichtlich vergessen oder übersehen, dass wir inzwischen überall Internet haben. Mutlu Yakalı, ein Kolumnist der Yeni Düzen meint hingegen, es gebe ein Protokoll zu sogenannt „juristischer Unterstützung“ zwischen der Türkei und Nordzypern. Und damit könnten Vollstreckungen eines Gerichtsurteils der Türkei durchaus im Norden der Insel erfolgen. Das genannte Protokoll besteht seit dem 01. 11. 1988.

Nicht zu leugnen ist, dass Ankara auch an anderer Stelle einen gewissen Druck ausübt, und zwar beim Erstellen der Lehrpläne in Schulen und an Unis ın Nordzypern – und das, wie zu vernehmen ist, angeblich vermehrt, und zwar in folgende Richtung: weg-von-säkularem-Gedankengut.

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Was denn wohl in Nordzypern, der Türkischen Republik Nordzypern, geschieht?

Wahrhaft.

Diese Frage Ihrerseits ist inzwischen wirklich berechtigt.

Man hört und liest meist nur etwas, wenn überhaupt, aus dem Süden der Insel, jenem Teil der Insel, der zur Europäischen Union gehört – und dabei hat der türkischsprachige Norden eigentlich einiges zu bieten. Manche nehmen die Entwicklungen dort sogar als Art Gratmesser oder Indikator dessen, was in der Türkei hinter den Kulissen vorgehen könnte.

Fangen wir also an, und zwar einigermaßen bemüht, chronologisch vorzugehen – ab Juni 2018, und, wie könnte es anders sein, längst wird nicht alles, was sich ereignete und ereignet abgedeckt werden. Man muss sich eben entscheiden im Leben!

Griechisch-zyprische Beamte versuchen anscheinend noch immer, zu unterbinden, dass ihre Landsleute, wo könnte es anders sein, im türkisch-sprachigen Norden der Insel billigen Treibstoff tanken gehen. Und dazu werden recht häufig strikte Kontrollen an den Übergängen durchgeführt, die ja nach offizieller Lesart keine Grenze sein soll. Unser Tipp: Keine mit Treibstoff gefüllten Kanister im Kofferraum aufbewahren. Sie könnten konfisziert werden. Doch auch, war zu lesen, ganz normale Tanks, die womöglich bis oben hin gefüllt sind mit Sprit, können einen in Schwierigkeiten oder Erklärungsnöte bringen an den Übergängen, die, wie gesagt, keine Grenzen sein sollen.

All das, Sie ahnen es schon, kommt einem wie ein schlechter Witz vor: die Kontrollen, wie auch das offizielle Gebrabbel der Grenzer, wenn man sie danach fragt, von der Nicht-Grenze.
Immerhin: Solch intensivierte Maßnahmen zeigen dem interessierten Betrachter so in etwa an, wie die süd-zyprische Administration zu ticken scheint: die Großen laufen lassen und die Kleinen schikanieren, wenn es dem „Vaterland“ vorgeblich dienlich zu sein verspricht. „Schmierenkomödie“ sagen da wohl manche unter Ihnen kurz und bündig dazu.

Warum hier gleich das Wort Schikane bemüht wird, wird sich Ihnen hoffentlich noch im Verlauf dieses in Teile aufgeteilten Beitrages etwas besser erschließen. Noch das dazu: Jene, die im großen Stil Geld abziehen, wie im deutschen Slang gesagt wird, haben es ja eigentlich wegen ihres hohen ‚Einkommens‘ nicht nötig, rüber in den Norden zu fahren, um zu tanken usw. – ins Feindesland.

Sie, verehrte Leser, erkennen bereits eine gewisse, wie soll man es nennen, Widersprüchlichkeit, die vordringlich Südzyprer umgibt oder durchdrungen hat, die der feindlichen Wahrnehmung des anderen Inselteils wegen, noch nie oder vielleicht nur ein Mal dort DRÜBEN waren, physisch. Mit dem Kopf indes scheinen viele von ihnen jeden Tag in der vergangenen Pracht zu leben, die ihnen im Norden „geraubt“ worden ist, sein soll, als die Insel noch eine einzige Einheit darstellte politisch etc.

Der Vize-Premier des Nordens, Herr Kudret Özersay, findet die oben erwähnte süd-zyprische Kontroll-Maßnahme fehl am Platz, da so etwas die vereinbarten und teils auch aufgenommenen vertrauensbildenden Maßnahmen der beiden Inselteile behindere. Die Kontrolle ziele wohl darauf ab, so Özersay, den türkischsprachigen Norden zu schädigen. Und dass der Treibstoff aus dem Norden gewissen Standards nicht entspreche, die im Süden gelten würden, diese Begründung sieht Özersay gewiss als eine Art schlechten Witz an – er drückt es nur anders aus. Denn er fragt: Und was ist mit all jenen Türkischzyprern, die seit Jahren täglich und zu Tausenden mit ihren Autos aus dem Norden in den Süden fahren, um dort ihren Unterhalt zu verdienen? Ist der Treibstoff dieser Autos etwa nur deshalb reiner oder besser? Bei der Gelegenheit und in Fahrt geraten erinnert Özersay auch gleich daran, dass das alles einer recht offensichtlichen Agenda folgt; so auch dies, als Bussen, die aus dem Norden rüber nach Larnaka an den Flughafen kamen, um Touristen abzuholen, plötzlich untersagt wurde, das zu tun, und zwar mit seltsamer, ähnlich lautender Begründung.

Nur ‚gut‘, wollen wir hier mal kurz einwerfen, dass Taxifahrer aus dem Norden unmittelbar vor Larnaka gelegen – dort in etwa, wo vor kurzem noch Carrefour existierte und der jetzige „Skalvinitis“ in Meneo sich befindet -, einen Platz sich schufen oder fanden, von wo aus sie sozusagen auf die Minute genau an das Terminal heranfahren können, um ihre menschliche Fracht abzuholen am Flughafen. Es war wohl zu oft zu Handgemenge und anderen unschönen Szenen unter den Süd- und Nord-Taxifahrern im Flughafengebäude und vor allem dort, wo Taxis normalerweise auf ihre Kundschaft vor dem Flughafen warten, gekommen. Und solch optisch-akustischen Eindruck will ja bei den lieben, unvorbereiteten Gästen nun wirklich nicht bleibend hinterlassen werden!
Sie sehen anhand dem Gesagten allerdings auch, Kompromisse sind möglich, aber offensichtlich eben nach dem Strickmuster: zuerst Wir und dann Die. Und auf Letzteres sich nochmals einzulassen, dazu haben die Türkischzyprer nun wirklich kein Verlangen mehr.
Und eigentlich geht es bei den andauernd scheiternden Verhandlungen zwischen Norden und Süden genau um diese Dominanzfrage: Wer ist zyprischer? Und wer hat daher mehr Vorrecht? Hört sich recht langweilig an, stimmt‘s? Aber so oder ähnlich ist dem nun mal auf Afrodites Insel – jeder möchte sie zuerst und für sich haben; und keiner der beteiligten Streithähne fragt, ob die Gute nicht vielleicht doch eher mit den Engländern oder gar Russen, Chinesen oder US-Amerikanern ins südöstliche Gemach sich zurückziehen mag. Wir glauben hier nicht, verzeihen Sie, dass Afrodite nun ausgerechnet mit der potenzgestörten EU solch Rückzug favorisiert. Türkische Penetration scheint ihr jedenfalls seit 52 Jahren teils gut zu bekommen; und Araber, die sind doch eh vielleicht schon zur Genüge auf ihr und eh in der Nähe angesiedelt.

Des Weiteren: Auch scheinen es die mehrheitlich griechisch-sprachigen Südzyprer zu sein, die so etwas wie ein „interoperables“ Mobilfunknetz zwischen Norden und Süden ausbremsen sollen, oder dass es zu einer Lösung der so genannten Zypernfrage kommt oder, oder, oder! Nicht wenige Analysten sind sich in folgender Ansicht einig: die Republik Zypern, also der Süden, zeigt auf Grund ihres politischen, ökonomischen etc. Bewegungsprofils eindeutig an, dass ihre Regierenden sich für die Option ‚aushungern‘ des Nordens entschlossen haben könnten. Weil man schiebt jeden wirklich relevanten Entscheid, der die beiden Inselteile sich annähern ließe, manchmal geschickt, meistens recht plump, auf die sprichwörtlich lange Bank. Wir erinnern: Die einstige BRD hatte so in etwa eine ähnliche Strategie im Umgang mit der DDR zu laufen. Nur: Jetzt, wo Präsident Erdoğan sich Machtbefugnisse aneignete, die ihn eigentlich schalten und walten lassen, wie es dem Herrn und seiner Entourage gefällt, sind die Würfel, sozusagen, neu gefallen. Und es ist – eigentlich wie immer – gerade daher nicht absehbar, was aus der Insel in näherer oder etwas entfernterer Zukunft wird. Letzteres muss leider so vage formuliert stehen bleiben, da vor dem Hintergrund der Aussicht, dass die Türkei womöglich wirklich schon bald konkretere Schritte unternimmt, sich den BRIC-Staaten anzuschließen, solch Schwergewichte wie beispielsweise China darauf drängen könnten, zukünftig am Katzentisch zu oder über Zypern mit zu sitzen, mitentscheiden zu wollen. Sie sind schließlich die Größten inzwischen, und werden wohl so in etwa jene imperialen Politiken fortführen, die der sogenannte Westen für Jahrhunderte der Welt oktroyierte. Sind doch auch nur Menschen.

Also: Überraschungen der ganz besonderen Art könnten anstehen auf Zypern.

 

Indes: Özersay nerven, Sie dachten es sich wahrscheinlich schon, noch einige mehr Dinge. Dass der Süden andauernd das Mandat der UNFICYP verlängert (bekommt). Weil Erstere maßen sich daraufhin an, einen gewissen Status Quo ableiten zu dürfen, den aber keiner im Grunde will, der aber herrsche und ein Schutzbedürfnis widerspiegle, welches so ebenfalls nicht mehr gegeben sei. Kurz, dieser Status Quo bringe die Republik Zypern einfach in eine privilegiertere Position gegenüber der Türkischen Republik Nordzypern. An dieser Beobachtung des Vize-Premiers aus dem Norden ist durchaus was dran.

Was des Weiteren wohl nicht nur Özersay gehörig auf die Nerven geht, ist die Sprache bezüglich des Nordens, die offiziell und in den Medien im Süden Verwendung findet, wenn noch immer von beispielsweise „illegaler TV-Station Bayrak“ die Rede ist oder vom „selbst so ernannten“ Premierminister des Nordens etc. Ein Glossar wurde nämlich vor noch nicht allzu langer Zeit herausgebracht von einer ‚unabhängigen‘ Stelle, welches von den Medien beider Seiten zur Anwendung kommen soll/te. Doch der Süden sträubt sich, offenbar dieses Glossarium anzuwenden – und andererseits gibt man vor, sich wiedervereinigen zu wollen etc.

Ihnen, als eventuell regelmäßiger Leser dieser Internet-Zeitung, ist gewiss bereits aufgefallen, dass hier manches Mal ‚gestöhnt‘ wird, wenn die Zyprer auf Wiedervereinigung machen, und wenn sie sich in New York oder sonst wo im Westen, gern in der Schweiz, treffen, worauf hier dann unverblümt und wohl auch etwas gefrustet von „Shoppingtour“ geschrieben wird, die die Herren und Damen Verhandelnden sich in den teuersten Städten der Welt verschrieben haben als Kur – darunter geht nicht, man ist ja schließlich wer, genauer: der Nabel der Welt!

Part 2 folgt schon demnächst!

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Dem Dschungel namens Berlin entronnen. Genauer gesagt: dem des Stadtteils Neukölln. Airbnb hat den Berlin-Aufenthalt mit Bravur gleich anfangs eingefärbt: Zwei Katzen, die miauen, wenn man im gemieteten Zimmer im Tiefschlaf liegt.

Die armen Katzen.

So allein wie Kriegskinder.

So gelangweilt.

Marschierten die Räumlichkeit der Einzimmer-Wohnung ab wie zwei geschlagene Krieger.

Neukölln zeigte sich, was das Wetter anging, durchaus von seiner besten Seite. Leute traf ich, die traf ich gar nicht. Die sah ich nur von Weitem. Mal die beiden Frauen beim Inder unweit von Conrad an der Hasenheide, mal die Andere in der Schönstedtstraße, mal einen mir längst vermisst Gegangenen in einem arabischen Imbiss an der Theke.

Die Hasenheide wird noch immer, unter anderem, von Banden aus Schwarzafrika eingenommen. Gern im vermeintlichen Schutz des wenig üppigen Grün, glauben die, sich dem Feind entziehen zu können – der Drogenpolizei. Sie, der Feind aller Mütter und Väter, wahrscheinlich aller, dominieren das Geschehen im, um und am Park. Ihre Waffe: Marihuana – und wer weiß, welch anderes Zeug sie noch anzubieten haben. Das Übliche also. Doch es gibt, selbstverständlich, auch welche, die einfach im Park mit Freunden sitzen.

Doch, doch! 12 Tage im größten Dorf der Republik, welches aus vielen dörflichen Gemeinschaften bestehen muss, ist schon eine Parade der besonderen Art. Nein wirklich. Weil in Neukölln und Teilen Kreuzbergs so entlang marschierend – Kottbusser Damm, Sonnenallee, Boddinstr., Weisestr., Urbanstr., ja sogar Mainzer, Graefe oder Reuter – erkennt der aufmerksame Betrachter eventuell schnell: die Menschen sind vor irgendetwas gewappnet, womöglich sind sie gar bewaffnet, doch gewiss ist, sie sind mit sich und ihrem „Ding“ vollauf beschäftigt. Mir dem Eingereisten, der in dieser Stadt mal jahrzehntelang lebte, scheinen viele auf Remote-Control gestellt. Wie menschliche Drohnen.

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Anstatt Drohnen wurden bei der Militärparade zum 01. Oktober 2016 in Nikosia Hubschrauber über die Menge gejagt. Mindestens fünf Mal kam es vor, dass die über unsere Köpfe in vielleicht weniger als 20 Metern Höhe flogen. Es war gewiss recht unterhaltsam für die meisten Zuschauer dieses Spektakels, hie und da sogar einen Mann links sowie auch rechts draußen an einem der Hubschrauber angebunden stehen zu sehen. Wie im Zirkus.

Krieg muss wohl doch ziemlich bunt und aufregend sein?!

Die Musik ist jedenfalls flott gewesen. Die Musikkapelle einwandfrei. Da gibt’s nichts! Umgeben von 4 Polizisten, die etwas unauffällig in meiner Nähe sich platziert haben, war mir durchaus dennoch nach Tanzen oder Marschieren. Konnte mich einfach nicht entscheiden und so schoss ich halt Bilder. Einer muss doch schließlich schießen bei den paar Panzern, die vorbei defilierten als sei … . Ja, genau, als sei Sonntag. Und wissen Sie was? Es ist am 01. Oktober in Zypern stets Sonntag. Genauer: Tag der Unabhängigkeit ist, und der hat uns bei Mc Donalds links dahinter die Athalassa Straße abbiegen lassen. Anfangs war wirklich zu befürchten, dass mit dem Toyota Cami-Modell, in welchem ich vorfuhr, womöglich an der Militärparade teilgenommen werden muss. Die Polizisten an den jeweiligen Kreuzungen stehend winkten mich nämlich den ganzen Parcours, den die Militärparade zurücklegen wird, durch – schon fast bis vor die Panzer. Doch dann galt es glücklicherweise kurz nach der Haupttribüne doch noch nach links abzubiegen.

Die Kamera und das Aufnahmegerät wurden sorgfältig kontrolliert und dann mit einer Plakette versehen, die bestätigt, dass die Geräte durchgecheckt worden sind. Danach blieb dann nichts Weiter übrig, nachdem ich mich auf meinem mir zugewiesenen Platz hingesetzt hatte, als den Diplomaten auf der anderen Seite der Straße zuzusehen, die aus ihren Limousinen stiegen, um dann meist zügig in erwähnter Haupttribüne zu verschwinden.

Und wirklich schöne Uniformen gab es zu sehen. Nicht nur ich bin begeistert gewesen. Die Musik hat dazu wirklich bestens gepasst; auch, dass ich meine Kamera überallhin richten durfte. Und ich hab wahrhaft um mich geschossen damit.

Ehrlich gesagt, das Marschieren der Soldaten, Feuerwehrleute und anderer war mir oft nicht steif und zackig genug. Die Beine hätten ruhig etwas höher zuweilen geschlagen werden können – vor allen von den Herren, die ihre Gesichter in den Farben ihrer Tarnanzüge bemalt hatten. Eine kleine Darbietung der Kampfkünste solcher Leute ist mir noch aus Basel/Schweiz in Erinnerung. Die gab es zu sehen beim Basel-Tatoo. Erstklassiges Spektakel, das die Japaner und Finnen dort aufzeigten. Also, die Basel-Tatoo ist auch so eine Art Militärparade, für die, die noch nicht davon gehört haben.

Das darf man doch noch erwarten, so ein bisschen Show-Einlage in Zeiten der Krisen und Kriege?

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Dass die Rede des Präsidenten der Republik Zypern, Herrn Anastasiadis‘, hörbar übertragen wird an solch einem Ort zu solch einem Anlass, das finde nicht nur ich – wie zu hören war unter ausländischen Diplomaten im Gespräch unter sich -, dass so etwas doch wohl noch erwartet werden kann.

Da sitzt dieser Mensch am Mischpult für die Tonanlage keine 20 Meter vom Mikrofon entfernt, in welches der Präsident spricht, und kann es nicht bewerkstelligen, dass die präsidiale Stimme hörbar durch die Lautsprecher schallt.

Sabotage?

Eine Kriegserklärung?

Einfach nur Schlamperei?

Der griechische Verteidigungsminister, der unmittelbar nach Präsident Anastasiadis seine ebenfalls kurz gefasste Rede hielt, war auch nicht zu verstehen. Insofern ist es schon verwunderlich, wie und woher das Press and Information Office von Zypern zum Redeinhalt des Präsidenten kam.

OK, da war eine Journalistin zu sehen, die keinen Meter vom Präsidenten entfernt angestrengt ein Mikrofon in seine Richtung hielt – schon fast vor ihm kniend. Ich war knapp 7 oder 8 Meter von ihm entfernt und das Ergebnis meiner Aufzeichnungen ist wahrscheinlich in etwa kohärent zum Phänomen Krieg.

Denn Kriege bleiben letztlich unverständlich, eventuell so unverständlich wie das Abfeiern eines Festtages zur Unabhängigkeit eines Landes in Form einer Militärparade, zu der das diplomatische Corps geladen wird, welches noch nicht Mal den Oberbefehlshaber eines Landes verständlich vernehmen kann, der Präsident Anastasiadis meines Wissens ist, weil dieser mangels technischem Verständnis, wenn das denn der Grund war, übertragen wird.

Ein Skandal!

Apropos:

Ansonsten ist bei Veranstaltungen in Zypern die Lautstärke zu oft zu laut eingestellt.

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Offensichtlich ist man in Nikosia übereingekommen, das Städtische Theater, welches nach einem Jahr Fertigstellung im Jahr 2008 kollabierte, nun der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung zu stellen. Anstatt 5 Millionen Euro will der Staat nun 6 Millionen zuzahlen. Den Rest soll die Stadt Nikosia drauflegen.

Als das Unglück 2008 geschah, kam glücklicherweise niemand dabei um sein Leben. Wie die Finanzierung letztendlich laufen wird, ist eigentlich unerheblich. Die Rede ist von einer Ratenzahlung, die innerhalb von 20 Jahren abgestottert werden soll.

Wie wir aus deutschen Verhältnissen wissen, sind solche Prognosen eh für die Katz. Es wäre also sehr verwunderlich, wenn dieser Zeitplan eingehalten werden könnte.

Dass all das schon längst hätte angegangen werden (müssen), schrieb ich bereits im Jahr 2009. Eigentlich hat sich seitdem nichts geändert. Folglich hätte man auch schon viel früher dem Steuerzahler seinen Stolz, wenn so gesagt werden darf, wiedergeben können und die Wiederaufbauarbeiten des Theater gleich umsetzen bzw. beginnen können.

Bekanntlich liegt das Theater gegenüber vom Museum und unweit des ehemaligen Krankenhauses, welches jedoch irgendwie immer noch gewisse Abteilungen auf zu haben scheint. Jedenfalls befindet sich dort der einzige mir bekannte große Parkplatz in Nähe der Stadtmitte, wo keine Parkgebühr bezahlt werden muss, stets mit Autos voll gestellt ist dieser Ort, aber nicht so voll, dass man keinen Platz mehr findet. Das Gelände ist wirklich angenehm groß, wenn auch zu ¾ nicht betoniert. Menschen kommen und gehen dort aus den eher ruinenartigen Gebäuden des einstigen Krankenhauses. Mal davon abgesehen, dass das ganze Gelände schleunigst in Stand gesetzt gehört, man wähnt sich in Beirut an der einstigen Grünen Linie, geht es dem einzigen grünen Flecken in Stadtmitte nebenan, genauer über der Straße gelegen, wirklich an den Kragen – und zwar in Schüben.

Letzteres verfolge ich seit einigen Jahren. Als ich hier ankam 2005, war dieser Park ein kleines, grünes Paradies. Auf den Bäumen waren irgendwelche Tierchen angesiedelt, die von Palme zu Palme in atemberaubenden Sprüngen sprangen und aussahen, als seien es Ratten. Die gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr zu bestaunen und Ratten sollen es auch nicht gewesen sein. Das ganze Buschwerk ist inzwischen kurz und klein geschnitten oder durch seltsame Blumenbeet-Arrangements ersetzt worden – so auch viele Bäume. Kann sein, das Sicherheit des Parlaments, welches ja bekanntlich an das Theater und diesen Park grenzt, eine Rolle spielen soll. Doch mir wurde gesagt, man greife zu der Maßnahme, damit Homosexuelle sich dort nachts nicht in den Büschen verlieren und tun, was ein guter Christ anscheinend nicht tun sollte.

Der Park wird neuerdings von recht unterschiedlichen Menschen genutzt. Auch Touristen verirren sich dort hin, Arbeiter, die sich mal etwas ausruhen wollen auch. Ein Cafe wurde dort hineingebaut, welches erst so um 17 Uhr öffnet. Also darf davon ausgegangen werden, dass sich ein Teil des nächtlichen Lebens Nikosias in den Park verlegt hat. Darauf weisen auch bunte Fähnchen und dergleichen hin, die wie verlassen noch an den Palmen und Lichtmasten hängen. Soll heißen: Partys werden dort auch zuweilen veranstaltet. Offensichtlich haben die letzten Veranstalter eines solchen Events ihre Aufräumpflicht vernachlässigt – und scheinbar streiken die Herren von der Gemeinde, den Dreck wegzumachen. Man darf also gespannt sein, wie lange sich diese Ansicht halten wird.

Ich finde es schade, dass das Buschwerk und die Bäume inzwischen so radikal beschnitten und weggeschnitten wurde und wird. Der Park – einzige Lunge weit und breit – ist drauf und dran zu einer Art größeren Verkehrsinsel zu verkommen. Mich begeistert allerdings die Idee, dort mehr Leben des Nachts hineinzuverlegen. Etwa so, wie mit dem Cafe oder wie durch diese kleine Kunstgalerie, die am anderen Ende des Parks gelegen ist und ganz geheimnisvoll und still ihr Werk in Betrieb setzt. Manchmal sieht man chic-gekleidete Damen und Herren sich auf dem Gelände dort verlieren. Stehen dann da mit Champagner-Gläsern in unaufdringlicher Beleuchtung und eben mit toller Robe und das alles wirkt durchaus anziehend.

In unmittelbarer Nachbarschaft dazu leben allerdings ein Paar Pfauen. Nur gut, dass ich keiner dieser Pfauen sein muss. Auf Betonboden steht lieblos ein oder zwei Töpfe mit Futter. Eine Art Dach hat man ihnen immer hin aus Holzpfosten dort hinein montiert. Wenn der Käfig mehr als 20 qm hat, dann würde mich das sehr wundern. Und da sitzen sie dann mit ihrem schönen Gefieder. Nichts, dass es für sie zu tun gäbe, außer eben da zu sitzen.

Hinter der Fontäne im Park ist ein weiterer Käfig mit Vögeln. Recht viel verschiedenartiges Federvolk lebt dort. Der Zwinger oder Käfig ist sogar rund und sieht einigermaßen architektonisch ansehnlich aus. Doch leider ist der Auslauf für die Tierchen, geschweige denn Ausflugsraum, äußerst gering und vielleicht sitzt dort auch ein oder zwei Vogel zu viel drin. Ein Trauerspiel und vielleicht ist diese Unterbringung, wie auch die andere der Pfauen, schon längst nicht mehr konform mit gewissen Richtlinien zur Haltung von Tieren in öffentlichen Parks, die in der EU im Umlauf sind.

Was die Sauberkeit angeht im Park, kann ansonsten eigentlich nicht geklagt werden. Äußerst untypisch für den Nahen- und Mittleren Osten ist auf der griechischen Seite Zyperns, dass öffentliche Toiletten, so auch in diesem Park, gewissenhaft gewartet und geputzt werden.

Anscheinend sind die hohen Pläne ein weiteres großes Haus für Veranstaltungen und Theater in der Stadt zu bauen, vorerst im Papierkorb gelandet – daher die Reparatur des Theaters. Ein Opernhaus hätte so manche/r gern. Vielleicht wird ja noch was daraus. Doch ich würde solch einen Ort nach Limassol verlegen, vielleicht außerhalb irgendwo am Stadtrand dort. Diese Stadt wächst ja eh, wächst und wächst. Für mich ist Limassol allerdings die attraktivste Stadt der Insel.

Demnächst wird in Kourion wieder die Pforten geöffnet. Kourion liegt zwischen Limassol und Pafos. Klassische Musik wird wie jedes Jahr vorgetragen werden. Der Pharostrust wird zuschlagen, das heißt, uns mit Virtuosität gewisser Künstler verzaubern. Der ist gewiss auch dieses Jahr wieder der Veranstalter.

Wollen wir hoffen, dass auch dieses Mal vorwiegend neue Gesichter auf der Bühne stehen werden. Mir ist es im Prinzip gleich, das eine oder andere Gesicht bereits an jenem Ort aufspielen gesehen zu haben. Doch man hätte ja doch schon mal gern eine sogenannte Berühmtheit vor sich stehen. Ich meine so richtig berühmt.

Wahrscheinlich ist diese Denke zu provinziell.

Somit werde ich hier niemanden damit weiter belästigen und mir solche Leute weiterhin in Berlin, London oder Basel und Zürich ansehen gehen.

Doch das Theater in Nikosia, das muss sein!

Fragt sich nur, wenn die glauben, die Bauschäden behoben zu haben. In 10 Jahren, 20?

Es muss nämlich daran erinnert werden, dass das Stadtzentrum noch immer Baustelle ist, ein großer Teil des Elefteria-Squares. Immerhin, endlich bewegt sich dort etwas. Der Beton wächst und die Bäume – einige von einst – stehen bereits wieder im Boden und an anderem Ort, wo sie anscheinend für die nächsten Jahre stehen sollen. Hoffe, sie müssen nicht noch mal rausgerissen werden, weil sich Herr oder Frau Architekt XX oder XY in dieser oder einer anderen Sache getäuscht haben. Soll ja vorkommen.

Wenn das Stadtzentrum begehbar sein wird, ist also auch noch nicht sicher absehbar, zumal dort über einige Jahre lediglich ein Loch in der Erde zu sehen war, welches über Sinn und Unsinn der menschlichen Existenz auf Erden vortrefflich meditieren ließ.

Immerhin.

Nun, dieser Effekt wird uns nun genommen, indem der Beton dort wächst. Sie, verehrte Leser, hätten sich früher auf den Weg machen sollen, das Nichts in Nikosia auch optisch zu durchforsten. Viel Meditationsstunden und Kosten hätten sie sich wahrscheinlich gespart und neue Einsichten gewiss gewonnen.

Sollte das Theater im Zuge seiner Umbauten einstürzen oder man auf die Idee kommen, es einstürzen zu lassen, so mag ich jetzt schon darauf verweisen, dass ich auch diese Variante befürworte. Jedenfalls sollte etwas schnellst möglich wieder da stehen, wo es hingehört. Ansonsten ist zu erwarten, dass auch in 50 Jahren das Theater nicht steht.

Und wer weiß schon, ob ich es je einmal betreten kann?

Ach ja, der Kindergarten, von dem im vorhergehenden Artikel die Rede war, findet heute seine Fortsetzung im Aussetzen des Verhandlungstermins mit dem Norden zwecks Wiedervereinigung, also zwischen den Verhandlungsführern Anastasiadis und Akinci. Das alles wegen der lächerlichen Angelegenheit in Istanbul oder Konstantinopel, als Akinci von Erdogan eingeladen am Abendessen teilnahm. Diese Angelegenheit wäre man, wie bereits hier geschrieben wurde, besser mit Größe und Übersicht begegnet, anstatt begiebt man sich  – mal wieder – in die Niederungen wahrhafter Kleinkrämerei auf politischem Terrain.

Gestern in einer Veranstaltung des Rotary Clubs von Nikosia gewesen. Ein ehemaliger Ambassador Zyperns sprach zu den Beziehungen Russlands und Zyperns.

Nein, Tonaufzeichnungen könne ich keine machen, weil es würden ja Dinge erzählt, die nicht nach außen dringen sollen. Ich würde doch verstehen, dass man hier eine geschlossene Gesellschaft ist? Und auch nichts, aber auch gar nichts von den verbreiteten Geheimnissen darf Preis geben werden? Ich gelobte, mich daran zu halten und zahlte meine 20 Euro für das Essen. Und überhaupt macht man das so im Rotary, also dass man 20 Euro vorweg bezahlt. Man trifft sich im Hilton zu solchen Event, diesmal im Fontanesaal.

Der Redner kam um knapp eine halbe Stunde zu spät. Das gehört sich wahrscheinlich so. Schließlich ist er ja inzwischen die rechte Hand vom Präsidenten Anastasiadis, was Russland anbelangt. Wie zu hören war, hat er allerdings auch schon unter Xristofias und sogar schon davor in gleicher Stellung – mehr oder minder – seinen Dienst verrichtet in der Regierung. Russisch soll er fließend sprechen und Englisch. Er hielt seine Rede zwar in Englisch, doch fließend hört sich anders an und sehr nervös war der Herr. Wie ein Anfänger wirkte er zu meinem Erstaunen. Verlor sich dann auch thematisch, anstatt über Russland zu reden, in Details zu seinen anscheinend jetzigen Tätigkeiten, die verwunderlicher Weise auch damit zu tun haben, dass weitere Grenzübergänge geöffnet werden auf Zypern.

Zu Russland kam herzlich wenig von ihm, lediglich mit Details gespicktes aus den Verhandlungen von 2004 zum Annanplan. Und Letzteres hatte gestern, so mein Eindruck, niemanden wirklich vor Begeisterung nach Hause gehen lassen.

Die Rede war einfach schlecht vorgetragen, nicht genügend strukturiert, sodass jemand, dem die Abläufe von einst und die Namen der Beteiligten nicht mehr so gewahr sind, hätte leicht folgen können. Wer kennt schon all die Leute, die er nannte, die in zweiter und dritter Reihe an jenen Verhandlungen dies taten und jenes empfahlen etc. Es hörte sich an wie unnötige kleine Details eines kleinen Beamten, der einbisschen große Politk glaubt, miterschaffen zu haben – oder ähnlich.

Immerhin das Essen war nicht all zu schlecht. Die 20 Euro somit einigermaßen gut angelegt. Die Leute die sich gestern von den Clubs des Rotary in Nikosia trafen, es gibt im Süden von Nikosia, glaube ich, allein bereits 15 Clubs, sind wesentlich herzlicher, kontaktfreudiger und offen gewesen als die Mitglieder eines anderen Clubs des Rotarys, wo man sich in Zeiten zurückversetzt wähnt, wo Klassendenken und dergleichen mehr, die Oberhand hatten. Vielleicht liegt es daran, dass man dort vor allem Englisch miteinander spricht.

Sotos Zacheos hieß der Herr also, der einstiger Ambassador der Insulaner in China, New York usw. war und er hat – natürlich – auch ein Buch zu seinem Wirken auf dem politischen, das ist diplomatischen, Bankett geschrieben, welches er weder dabei hatte, sodass man es sich mal besehen oder gar kaufen kann, noch das ich es gelesen hätte. Es soll in Englisch und, glaube ich, auch ins Französich übersetzt worden sein.  Wenn es so geschrieben ist wie sein Vortrag, na dann guten Nacht. Und wenn man ihn als Abbild zyprischer Diplomatie verwenden wollte, täte man derselben gewiss keinen Gefallen.

 

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Moderner Tanz

17. European Contemporary Dance Festival in Limassol und Nikosia

Ein Beitrag von Napi Waltone

Mit kleinerem oder größerem Erfolg hat sich dieses Tanzfestival durch die letzten 17 Jahre gemausert. Der Anfang war harzig, dann kamen die Jahre mit großer Beteiligung aus den europäischen Ländern. Die Tanzgruppen waren in choreographischer und tänzerischer Hinsicht äußerst verschieden. Die Trends, die in europäischen Großstädten gesetzt und initiiert werden im modernen Tanz, erreichen auch die Bühne des Rialto Theaters in Limassol – zum Glück. Nur wenige Länder widerstehen dieser Neuausrichtung und brachten und bringen hervorragenden Tanz mit origineller Choreographie, wo Musik nicht nur als Hintergrund- oder Geräuschkulisse fungiert.
Bodengymnastik schien der Trend zu sein. Die stets geringeren Zuschauerzahlen dieser „Turnhalle-Atmosphäre“ zeigen letztlich deutlich auf, dass das nicht genügt, weil die Ränge eben leer bleiben, sondern, dass durch den Tanz eine Botschaft zu übermitteln ist – irgendeine möglichst begreifliche. So verkleinerte sich also die Zahl der eingeladenen Tanzensembles aus den verschiedensten Staaten immens.
Für das diesjährige Tanzfestival, 2014, welches vom 2.-29. Juni stattfindet, wurden aus 10 verschiedenen Ländern je ein Ensemble eingeladen. Lediglich aus dem Gastland konnten zwei Ensemble ihre Künste darbieten. Die Letzteren sowie die Ensembles aus Israel, Österreich, Spanien und Großbritannien tanzen auch in Nikosia. Aus Zeitgründen wurde es mir jedoch verunmöglicht, alle Vorstellungen zu besuchen. So hatte ich die Wahl der Qual und entschied die „Tanz Company Gervasi“ aus Österreich und die „Compagnie 7273“ aus der Schweiz zu besuchen.
Die Choreographie wurde vom Gründer der Truppe Elio Gervasi gemacht. Und das Stück, indem aus verschiedenen Ländern stammende Tänzer tanzten, erhielt den Namen „Solo with Guests (Part Two) und dauerte 65 Minuten. Im Programmheft wird es so beschrieben: „das Stück versucht weder Antworten zu geben (auf welche Fragen?) noch empfiehlt es Theorien. Hingegen stellt es uns selber vor, es drückt sich mit Fragen aus im Sinne der Lyrik von Walt Whitman. Die Körperbewegung jedes einzelnen Tänzers folgt einer genauen Ordnung: visuell scheint es chaotisch zu wirken. Chaos wird zu einem kreativen Element von Kommunikation.“ Soweit einige Fragmente aus dem Programmheft.
In der Tat, es erschien dann auch chaotisch, eher weniger kreativ, und irgendwie unmotiviert wirkte es, wenn die Tänzer aufeinandergeschichtete Plastikkisten in diverse Positionen verschieben, sich über den Boden rollen und kreischen, oder belanglose Wörter rezitieren, und dies zu einer undefinierbaren, elektronischen Musik von Albert Castello.
Der Schweizerbeitrag von der „Compagnie 7273“ steht und stand dazu im Gegensatz. Das von Laurence Yadi und Nicolas Cantillon choreographierte Stück „Nil“ (55 Minuten) folgte der Musik von Sir Richard Bishop in einer fließenden, von arabischen Klängen durchwirkten Bewegung. Der Fluss, in seiner Länge durch Afrika, träge strömend, durch Stromschnellen in plötzliche Unruhe getrieben und schäumend, in den harmonischen Bewegungen, zu Beginn langwierig scheinend, dann faszinierend dem Wasser folgend, das war etwas, wo der Geist, finde ich, angesprochen wurde – die Phantasie.
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Das Programmheft meint dazu: „Es ist nicht länger ein Fluss auf der Landkarte sondern ein Reservoir voller Einfälle um Bewegungen auszukosten und sie in Einklang zu bringen in einer mentalen Welt. Durch die immerwährende beständige Bewegung des Wassers werden emotionelle Bilder gestaltet und sind so lebhaft wie die Landschaft des Flusses; Wüste und gleichzeitig fruchtbare Böden, d.h. die Schöpfungskraft der Natur.
Der amerikanische Komponist und Gitarrist, der sich Sir Richard Bishop nennt, ist seit 1979 musikalisch aktiv. Die Choreographen haben ihr Stück im Januar 2011 in Genf uraufgeführt und erhielten dafür im gleichen Jahr den Schweizerischen Tanz- und Choreographen Preis.
Verschiedene Rezensionen dazu sind im Kulturteil der einen oder anderen Zeitung erschienen. Die Frage scheint oft zu sein: Wie kommt es, dass viele der modernen Tanzgruppen aus der französischsprachigen Schweiz stammen? Ganz einfach, könnten Sie denken, zuerst macht es ein Genie vor, und die Jünger folgen. Das Genie von dem die Rede ist, ist derjenige, dem der große Durchbruch 1987 gelang, als der damals schon weltberühmte französische Tänzer und Choreograph, Maurice Béjart, sein 1960 gegründetes „Ballet du XXe Siècle“,1987 nach einem Disput mit der Kulturabteilung der Stadt Brüssel, kurzerhand nach Lausanne verlegte und es von da an als „Ballet Béjart Lausanne“ weiter funktionieren ließ. Gestorben ist er 2007 in der Stadt seiner Wahl. Dieser Umzug von Brüssel nach Lausanne inspirierte die Tanzszene im gesamten „Arc Léman“, und die Genfer wollten da selbstverständlich nicht hinten an stehen. Sie kamen ebenfalls in den Bann des großen Meister und ließen sich inspirieren. Nicht nur die Gegend um den Genfersee wurde von Béjarts Meisterleistung erfasst. Wie eine Sturmwelle breiteten sich seine Tanzvisionen, seine Choreographien mit weitem Radius, weltweit aus. Noch heute erweckt bei Tanzbegeisterten der modernen Richtung der Name Béjart Begeisterung und diese Tradition lebt in seinen Schülern fort.

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English: This is an orange on a tree in Cyprus...

English: This is an orange on a tree in Cyprus Deutsch: Dies ist eine Orange am Baum auf Zypern (Photo credit: Wikipedia)

Sehr geehrte Frau Stadtmüller, Sie als weit gereiste Person können unserem interessierten, deutschsprachigen Leser eventuell erklären, warum viele Menschen, die ebenfalls weit gereist sind und beruflich erfolgreich waren oder sind, Zypern als Wohn- oder Alterssitz wählen?

„Warum Deutsche sich gerne hier zur Ruhe setzen? Da gibt es recht unterschiedliche Gründe. Zum einen ist diese Insel nach wie vor landschaftlich sehr reizvoll; die Garantie schönem, milden bis heißem Wetters ist gegeben. Sicherheit ist ein Faktor, der noch gegeben, da Zypern eine niedrige Kriminalitätsrate – Gewalttaten, Diebstahl, Terror etc. – vorweisen kann. Die Verkehrsanbindungen an Europa, den Nahen Osten und Asien sind sehr gut.

Zum anderen mag viele das doch recht ruhige Leben, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, anlocken. Die immer noch große Gastfreundschaft macht das Eingewöhnen leicht. Wer die nonchalante Art nicht gleich als Unzuverlässigkeit auslegt, sich nicht von teils sehr unbürokratischem Umgang mit dem Gesetz schrecken lässt, die Regulierungswut in Deutschland nicht für allein gültig betrachtet und es vorzieht, bei einem zyprischen Kaffee oder Ouzo die kleinen und großen Probleme des Alltags zu lösen, kann hier sehr gut zurechtkommen.

Und gerade eben in der Krise beweist der Zyprer wieder einmal, dass er trotz alledem nicht vergisst, dass das Leben auch noch schöne Seiten hat und man erst recht mit Freunden und Familie die Zeit verbringt.“

Wenn ich richtig informiert bin, kommen und gehen Sie nach Zypern seit ungefähr 20 Jahren und mehr. Was würden Sie als die aus ihrer Sicht eindrücklichste Veränderung in diesem Zeitraum beschreiben, die sich an den Zyprern, in Zypern und/oder der Region vollzogen hat?

„Lassen Sie mich etwas ausholen zur Beantwortung dieser Frage.

Keine Frage, mein Leben wurde sicherlich in vielerlei Hinsicht durch die vielen Jahre im Ausland geprägt.

Anpassung an Neues wurde in frühen Jahren von mir erwartet, da ich mit meinen Eltern mehrfach innerhalb Deutschlands umzog, von einem Schulsystem zum anderen. Ein gewisses an Flexibilität, Rücksichtnahme anderen Menschen, anderen Kulturen gegenüber kamen ab meinem 13. Lebensjahr hinzu, als ich in ein Schweizer Internat kam, wo insgesamt 7 verschiedene Nationalitäten unter einem Dache Tag für Tag auskommen sollten.  Mit 14 Jahren durfte ich dann fünf Sommer lang jeweils 2 Monate in Südfrankreich bei einer französischen Familie verbringen.

Das Allein-Reisen, mich Zurechtfinden in fremden Umgebungen, Einstellen auf ganz andere Gepflogenheiten bestimmten schon damals mein Leben. Dies alles fand ich aufregend, anregend und weckte eine große Abenteuerlust.

Der Einstieg ins Berufsleben fand dann zwar in meiner Heimatstadt statt, doch ich bekam einen interessanten Job bei der Messeleitung. Alle zwei Jahre veranstaltete man eine internationale Messe um den Schuh herum. Dies bedeutete, dass die Aussteller in der Überzahl aus dem Ausland kamen. Sprachkenntnisse, Organisationsvemögen, hohe Flexibilität waren tägliche Herausforderung. Es war zwar noch ein Leben „draußen“, aber eine sehr gute Schulung.

Dann landete ich per Zufall bei Fernsehn und Rundfunk in Saarbrücken. Erlernte das Metier von ganz unten sozusagen. Wieder waren es Einfügen, auf Menschen zugehen, Einstellen, Flexibilität, die man mitbringen musste.

Und dann kam der große Sprung nach „draußen“. Es wurde mir eine Stelle bei einem Projekt in Westafrika, wo in Kooperation mit der damaligen Gavi eine Radiostation aufgebaut wurde, angeboten.

 

Zuvor hatte ich noch für mehrere Wochen den Libanon und Syriern bereist, eine so ganz neue Welt entdeckt, um zum Ende der Reise noch mitzuerleben, wie der Bürgerkrieg ausbrach; und ein Paradies dem Niedergang anheim fiel.

 

Die ersten dreieinhalb Jahre in Benin, in der Hauptstadt Cotonou, beteiligt an einem großen Projekt, mit bis zu einhundert Männern arbeitend, als einzige Frau, das bedeutete Herausforderung in bis daher nicht erlebtem Maße. Hinzu kam die damalige Politik auf dem Schwarzen Kontinent, wo viele der noch recht jungen Staaten ihre Wege suchten, man auch hier sich vom Alten lösen wollte. Was im Falle von Benin bedeutete, dass wir als Erbauer aus einem kapitalistischen Lande, für ein sich dem Sozialismus – Kommunismus zuwendenden Staat arbeiten sollten. Ein Staat, der komplett im Umbruch war, zum großen Teile die „Weißen“ los werden wollte, ebenfalls die „Intellektuellen“ des eigenen Volkes verfolgte. Alles lief auf einen Bürgerkrieg zu, unsere Arbeitsbedingungen waren extrem kompliziert, die Bewegungsfreiheiten stark eingestellt und kontrolliert.  Ein Ausstieg kam für mich jedoch nicht infrage, und so lange das Projekt weitergeführt wurde, wollte ich „an Bord“ sein.

Der Alltag war inzwischen hart geworden, als weiße Frau wurde ich auch schon mal beschimpft und mehr: gegen die Männer im Projekt selbst hatte ich gelernt mich durchzusetzen.

 

Mein Fazit nach dreieinhalb Jahren war schon damals, dass wohl nichts mich so rasch aus der Bahn werfen könne. Auch immer wieder auftretende Malaria, Typhus und andere gesundheitlichen Probleme, waren kein Hindernis, weiterhin zu versuchen, in der Welt herumzukommen.

Meine erste Ehe war zwar inzwischen geschieden, ich stand nun wirklich auf eigenen Beinen, konnte nun aber selbstbestimmt weiter voran gehen.

 

Ein Jahr in Rom und in Sizilien folgten. Da ging auch ein Traum in Erfüllung. Wer hatte schon die Chance, in der „Ewigen Stadt“ für mehrere Monate mehr als nur ein kurz verweilender Tourist zu sein? Mehrere Monate Sizilien brachten mir Geschichte, Sprache, Kultur, Mentalität dieses so von deutschen geschätzten Lands näher.

 

Mittlerweile wieder liiert, ging es weiter nach Zypern, wo vier Jahre Aufenthalt vorgesehen waren. Eine lange Verweildauer, Zeit um vielleicht wirklich mehr über dieses kleine Land, inzwischen zerrissen, zerrissen wie mein Heimatland, zu erfahren. Das Land war noch gezeichnet von den Ereignissen 1974, die Menschen schienen mir teils wie traumatisiert. Diese landschaftlich so vielseitige Insel mit nie endendem Sonnenschein, mildem Klima, hier das Meer, dort das Gebirge, bot Abwechslung, die Menschen boten Gastfreundschaft von natürlicher Art. Sei es ein Kaffee, zu dem man eingeladen wurde, ein Mandelzweig, eben erblüht, der einem zum Abschied überreicht wurde; oder dass man sich bei wildfremden Menschen im Orangenhain bedienen durfte, sich Tüten vollpacken konnte mit den herrlichen Früchten.

Und dann wieder eine Rigorosität, mit der einem klar gemacht wurde, dass man hier sich strikt an ihre Art zu halten hatte. Aus Deutschland kommend, doch durch die afrikanischen Jahre geschult, fiel es mir weniger auf, wie bescheiden zum Teil der Konsum noch war. Mitteleuropäischer Standard hatte hier noch nicht gegriffen. Aber es war gerade dies, dieses sehr ursprünglich Traditionelle, was mich ansprach. 

Und doch lag permanent diese Zweiteilung der Insel wie eine graue Wolke über allem, war das permanent beherrschende Thema. Besonders wir als Ausländer sollten hier Stellung beziehen. Das grenzte teils an einen ‚Eiertanz‘, zumal wir das Glück hatten, durch den Diplomatenstatus, auch in den Norden zu können. Wir gewannen sogar Freunde unter den Zyperntürken, Freundschaften, die bis heute gehalten haben. Hier sah der Alltag noch einmal anders aus. Während im Süden die Wirtschaft aufwärts ging, stagnierte im Norden alles. Man war immer noch verzweifelt bemüht, eine Normalität herzustellen und vor allem mit den „neuen Herren im Hause“ zurechtkommen zu müssen. Die starke Präsenz des Militärs war äußerst unangenehm.

Und trotzdem waren es wunderbare vier Jahre. Mein Wissen um griechisch-römische Geschichte war um einiges erweitert, das mediterrane Leben von angenehmer Art und Mitteleuropa nicht zu weit weg.

Die nächste Station wurde wieder einmal ein afrikanisches Land. Diesmal Kamerun. Ebenfalls ein Land, das zumindest verwaltungs- und sprachmäßig in englischen und französischen Teil getrennt war. Abgesehen davon, waren noch sogenannte Sultanate, speziell im Osten und Norden des Landes, gesellschaftlich prägend. Wir selbst lebten in Douala, wo das Generalkonsulat das Aufgabengebiet meines Mannes war. Was letztendlich bedeutete, dass wir einen reinen Repräsentationsposten inne hatten.

 

Was wir hier vorfanden, war absolut nicht das, was man als ansprechend bezeichnen konnte. Was hieß, erst einmal das riesen Haus auf Vordermann bringen, ein neues Büro musste gesucht werden, da vorhandenes von Ratten bevölkert. Hinzu kam, dass man für den Mitarbeiter des Konsuls keinen Urlaubsersatz hatte; hier nahm man meist gute 8 – 10 Wochen seines Jahresurlaubs, also sprang ich ein. Nach kurzer Eingewöhnung bezüglich Volumen an Organisation im eigenen Hause, Einarbeiten im Büro, blieb noch Zeit genug, sich seinen privaten Bekanntenkreis aufzubauen, kleine Reisen, Ausflüge zu machen. Kamerun war ein abwechslungsreiches Land, hier die sprudelnde Hafen- und Handelsstadt Douala, dort bunt, laut, leider aber mit immer höherer Kriminalität.

Doch da ich stets lieber das Positive, Schöne sehe, waren es für mich gute Jahre. Ich reiste auch hier viel alleine im Lande, hatte mir inzwischen noch einen zweiten Job gesucht, und zwar das Projektleiterbüro der GTZ, welches jedes Jahr insgesamt für 4 Monate eine Vertretung der Leiterin brauchte. Das Betreuen der weit verstreuten Projekte im Lande bot Gelegenheit, tiefer vorzudringen in die Unterschiede der ethnischen Gruppen, des vertraut Werdens mit den islamischen Gruppen im Norden. Diese Gesellschaft war noch tief verwurzelt in den traditionellen Hierarchien. Trotz immenser Armut,  bewunderte ich die Kameruner für ihre Lebensfreude, die Lust den kleinen Moment zu genießen, auszukosten. Schnell waren auch da die vier Jahre um.

Eigentlich wollten wir endlich einmal wieder zurück nach Deutschland, um nicht so ganz den Anschluss „daheim“ zu verlieren. Doch es kam anders. Man brauchte jemand im Nachbarland, Zentralafrika. Das war im Prinzip wie in den nächsten Ort ziehen. Trotzdem, eine neue Erfahrung. Hier lebten wir auf einem „Compount“. Was in diesem Falle ein riesiges Gelände mit dem Botschaftsgebäude, wo mehrere Appartements der entsandten Kollegen ebenfalls waren. Wir hatten etwas abseits im riesen Park mit alten Bäumen unseren Bungalow, in den ich vom ersten Moment an verliebt gewesen bin.

Was nicht trotzdem bedeutete, wieder einmal Generalüberholung zu machen. In diesem Falle: Fast 8 Monate auf einer Baustelle leben, da die Hauptstadt Bangui selbst sehr wenig bot, unser Bewegungsradius rigoros von amtswegen der Zentralafrikaner auf 10 km Umkreis beschränkt, lernte ich Golfspielen. Denn nur am Pool liegen, nur Lunches, Dinners und Empfänge vorbereiten, war wenig ausfüllend. Hinzu kam, dass es in Prinzip nur einen Supermarkt gab, wo man sich eindeckte, auch hier nur am Tag der „nouvelle arrivage“, wenn der Flieger Frisches aus Frankreich einflog. 

Natürlich gab es auch hier viele Möglichkeiten, karitativ zu helfen. Irgendwann hatte ich dann auch ein „Sorgenkind“, er war Deutscher Mitte 50, in eine unschöne Mordgeschichte verwickelt und im Zentralgefängnis der Hauptstadt gelandet. War es sowieso Aufgabe der Botschaft, in solchen Fällen zu helfen, wusste ich ja aus meinen Jahren in Benin, wie Gefängnisse in Afrika von innen aussahen. Es wurde ein täglich Ritual, dass ich dort vorbeischaute, Essen mitbrachte, denn dies ist so in Gefängnissen dort, die Angehörigen müssen das tun. Bald war es jedenfalls für den, der zentralafrikanischen Justiz Ausgesetzten, wohl der kleine Lichtblick im Alltag, wenn ich wenigstens 10 Minuten mit ihm plaudern durfte, wir zusammen eine Zigarette rauchten, er seine Medikamente und auch eine Zeitung bekam. So zogen sich mit einer steten Monotonie die Tage, Wochen, Monate dahin.

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Nicht dass es mich wirklich gestört hätte, es hatte etwas sehr Unwirkliches, so entfernt von dem Leben, das wo anders stattfand. Leider kam jedoch hinzu, dass gerade hier meine Gesundheit schlapp machte. Malaria und Parasiten plagten mich immer wieder. Mein Zustand war irgendwann so bedenklich, dass ich nach Deutschland ausreisen musste. Monatelang durfte ich mir die Tropenkliniken von innen ansehen, eine wirkliche Besserung trat im Allgemeinzustand nicht ein, ohne dass man jedoch herausfand, was Tatsache war.

 

Und wieder sollte es nach vier Jahren anders kommen, wie ursprünglich geplant. Inzwischen war die Berliner Mauer gefallen, der Osten hatte seinen Umbruch erlebt. Vorherige zur Sowjetunion gehörende Gebiete konnten nach langer Unterdrückung und Martyrium, ihre eigenen Staaten bilden, so auch die drei baltischen Länder. Dies hieß, dass auf einmal in mehreren Ländern neue Botschaften aufmachen mussten, ein großer Bedarf an Personal bestand und man da auf persönliche Wünsche nicht unbedingt Rücksicht nehmen konnte. Für uns hieß das, die nächsten Jahre in Litauen, der Hauptstadt Vilnius, unser Zuhause aufzuschlagen.

 

Krasser konnte eigentlich der Kontrast nicht ausfallen. Hier erst einmal Jahre in exotischen, afrikanischen Ländern und nun der Wechsel in ein eigentlich europäisches Land; und uns doch so fremd, fern geworden.

Etwas vertraut war mir der Osten Europas, kamen doch ein Teil meiner Vorfahren selbst aus dem heutigen Polen, aus der Gegend von Marienburg, hatten seit dem 15. Jahrhundert dort ihre Wurzeln, waren mal Deutsche, und seit langem Deutsche in Polen, hatten im Zweiten Weltkrieg selbst Verfolgung, zuletzt sogar Gefängnis erleben müssen. Somit war ich in etwa vorbereitet, auf das, was da geschichtlich auf mich zukam.

 

Und doch, ich war zutiefst betroffen, welch ein Land, ein Volk, welch Menschen, und deren Zustände, die ich dort antraf. Litauen selbst ein wunderbares Land, mit seinen unzähligen Seen, Wäldern, unter einem hohen Himmel. Wunderschöne Städte, Zeugen von mittelalterlicher Gotik, Vilnus selbst eine barocke Schönheit an den Ufern der Nerwa. Tiefe Kiefernwälder, kleine Dörfer mit bunten Holzhäusern, die liebevoll herausgeputzt mit dem so Wenigen, was man hatte.  Hier die Schönheit der Vergangenheit, dort jedoch Verfall, Missachtung, besonders, was die Kirchen betraf. Hatte man doch aus ihnen meist Lager für Stahl, Holz und Sonstiges gemacht. Kleine Wunderwerke der Architektur trugen tiefe Wunden, so wie die Menschen selbst.

Die Menschen, die Menschen, das was sie verkörperten, war wie ein Schock für mich. Nach den Jahren in Afrika meinte ich, Elend, Armut gesehen zu haben. Doch, dass es hier wohl Nuancen gibt, das war neu. Nach dem bunten Afrika mit seiner Üppigkeit der Natur, den fröhlichen Menschen, bot Vilnius mitten in einem strahlend schönen Sommer ein graues Bild. Die Menschen trugen kaum Farben, meist einheitsgrau, braun; die Kinder mit den blassen Gesichtchen, tiefen Schatten unter den Augen, meist in Kleidchen steckend, wie sie mir aus den 50-er Jahren in Erinnerung waren. Die Geschäfte und Supermärkte zeichneten sich durch einen unangenehmen Einheitsgeruch, Leere in den Regalen und meist Schlangen von Menschen an einer Theke aus. Vieles war rationalisiert. Das Einzige, was man unbegrenzt kaufen konnte und es immer gab, waren Brot, Milch und Sauerrahm. Das Angebot an Obst und Gemüse trostlos. Nur der große Markt, der bot einen Hauch von Überfluss, aber auch nur, weil Hochsommer, die Leute die gesammelten Beeren der Wälder, die Pilze oder die Produkte aus ihren eigenen Gärten anbieten konnten. Hier bekam man auch Butter, ohne Bezugsschein, herrlichen Honig.

Aber dann mit anzusehen, wie ein kleines Mädchen seine erste Banane im Leben bekommt, ihr aus der Hand fällt und das kostbar erworbene im Sand zertreten wird, ihren Schmerz, den wir Konsum-Verwöhnten wohl kaum nachempfinden können.

Bei anbrechendem Herbst und Winter, da wurde die wahre Armut sichtbar. Da sind Tag für Tag mehr Bettler auf den Straßen gewesen; aber es sind die alten Menschen, die alten Frauen, die mit den Paar Rubeln nicht überleben konnten. 

Bei Caritas und Rotem Kreuz nimmt man sodann gerne meine Mitarbeit an, um der immer anwachsenden Zahl von Bedürftigen Herr zu werden. Doch schon nach kurzer Zeit stoße ich hier auf eine Entwicklung innerhalb der Organisationen, die ich so nicht mittragen kann. Durch Zufall stoße ich auf eine junge Litauerin, die voll Idealismus und Engagement einen Platz in einer alten Kapelle in der Altstadt gefunden, wo sie sich um Obdachlose kümmert. Obwohl kein Strom, Wasser, Heizung ist sie jeden Tag vor Ort, versucht mit wenigen Mitteln auszuhelfen, weiterzuhelfen.  Und so habe ich mein Betätigungsfeld gefunden. Dank großer Unterstützung aus Deutschland, Spenden an Kleidung, Decken, Medikamenten, die uns ein Spediteur kostenlos ins Land bringt, können wir zu zweit, bald zu dritt, täglich den Menschen der Straße, den vollkommen durchs raster Gefallenen, etwas ab und an weiterhelfen.

Natürlich stoßen wir auch hier an die Grenzen von Bürokratie, Zurückweisung von verschiedenen Seiten. Trotz inzwischen eisigem Winter, mit bis zu 20 Grad, lassen wir uns nicht entmutigen. Helfer habe ich inzwischen durch einen jungen Arzt, der in Leipzig studierte gefunden, einen Priester vom nahen Kloster können wir bewegen, uns ab und an die Klosterküche zur Verfügung zu stellen, dass wir Suppen austeilen können. Ein Unterfangen, dass nicht einfach, da in den Geschäften auf dem Markt kaum etwas zu finden. Matschige Kartoffeln, schrumpelige Möhren, Kohl, rote Beete, das sind die Zutaten, die hier wie auch privat den Speiseplan bestimmten.

Aber wir haben die Kultur, und welch ein Kulturangebot. All die unzähligen Galerien, da gehen die Türen auf und zu, es kommt die Schülerin mit dem Ranzen auf dem Rücken, es kommt die Hausfrau mit ihrem Kind an der Hand, das alte Mütterchen mit dem Kohl in der Tasche und alle scheinen sie von der Malerei etwas zu verstehen. Und erst die Konzerte, die Opern, keine Aufführung, kein Musik-Abend, ohne komplett volles Haus. Was sag ich? Da sitzen sie auf den Stufen, bis vorne an den Orchestergraben: Jung, alt, Kinder. intensivst verfolgen sie eine Ballettaufführung von höchstem Können. Die Sänger, teils, brauchen sich nicht hinter denen von Berlin, Zürich, Wien zu verstecken. Vielleicht das einzig Verblüffende: Im ersten Jahr werden alle Opern noch in Russisch gesungen.

Mein Betätigungsfeld hatte sich quasi über Nacht vergrößert. Der Landrat von Ignalina, da wo das allversorgende Atomkraftwerk steht, bat um Unterstützung seiner Selbsthilfegruppe. Hier war es besonders gravierend, hatten die ca. 200 russischen Familien, die im Atomkraftwerk beschäftigt, mehr oder weniger bei Nacht und Nebel das Land verlassen, jedoch viele Alte und vor allem an die 50 Kinder, meist sehr kleine, zurückgelassen. Welch engagierte, motivierte Frauen habe ich hier kennengelernt. Eine Zusammenarbeit, die konnte ich nicht ablehnen. So kam ich mal wieder viel alleine im Lande herum, traf Menschen in Kindertagesstätten, Behinderten- und Altenheimen, sah ein Elend, Gewalt wie nie zuvor.

Ich glaube im Nachhinein, dass ich hier wohl oft an persönliche Ränder stieß. Und doch waren es meine ‚reichsten‘ Jahre. Hinzu kam, dass man endlich herausgefunden, was mein gesundheitliches Problem, dass mich immer wieder schachmatt gesetzt, keiner erklären konnte, was der Grund. Nun hatte ich endlich die Diagnose. Zwar erforderte das von mir ein ziemliches Umdenken, einen anderen Lebensrhythmus, angepasst an die Schwäche der zerstörten Muskeln, die mir keine ‚volle Fahrt‘ mehr erlauben.

 

Nach diesen intensiven Jahren in Litauen ging es dann tatsächlich für drei Jahre zurück nach Bonn. Welch eine Erfahrung! Ich war die Fremde im eigenen Land geworden, so zumindest kam ich mir vor. Zu sehr hatte ich mich wohl verändert, meine Sicht aufs Leben, hatte selten mit der meiner ehemaligen Bekannten, teils Familie, zu tun. Darum war ich nicht traurig, als wir wieder raus konnten.

 

Noch einmal wurde es Zypern. Wieder ein anderes Zypern, ein reich gewordenes Land, ein Reichtum, der protzend daher kam. Die Menschen hatten sich mit dem Geld verändert. Die Werte waren nun verschoben. Aber das war ja ein Prozess, der nicht nur auf Zypern vorherrschte. Interessant war es, Beobachter zu sein bei dem Prozess der Vorbereitung und Aufnahme Zyperns in die Europäische Union. Stolz dazu zu gehören, doch wenig gewillt waren sie, die Regeln mitzuspielen, einzuhalten.

Vor allem interessant, sollten die Jahre nach Zypern uns doch ins Herz der EU führen, nach Brüssel selbst. Da am Puls, in der Mitte der Gestalter von einem Europa der Visionen, der Wünsche, der Utopisten und Mitläufer. Zu beobachten, welch einen Apparat man hier aufbaute, eine Zentrale von neuer Macht, von einem Spiel, dessen Ausgang wir nicht kennen, wohl kaum ahnen und kalkulieren können.  Etwas Künstliches lag für mich immer über dieser Stadt, eine Atmosphäre wie auf einer großen Bühne.“

 

Sehr aufschlussreich, Ihre Ausführungen, Frau Stadtmüller. Wenn ich Sie richtig verstehe, stufen Sie Zypern und seine Bevölkerung eher zum europäischen Kulturkreis zugehörig ein. Bekanntlich gibt es Leute, die finden, es sei doch eher orientalisch. Wir haben heute den ersten Tag im Ramadan 2013. Denken Sie, dass der Norden Zyperns im Laufe der Zeit, genauer, seit Erdogan in der Türkei Ministerpräsident ist, religiöser, islamischer geworden ist – oder besuchen Sie den Norden etwa nicht?

„Ich war nach fünf Jahren des bequemen Lebens nicht abgeneigt, noch einmal etwas ganz Neues auszuprobieren. Mein Mann  hatte sich entschieden, nicht die allgemeine Karriereleiter weiter hinauf zu steigen, was bedeutete, nun komme nur noch Paris, London, Washington infrage. Er meinte, man solle ruhig noch mal eine neue Erfahrung machen. In seinem Falle: Er hatte sich für ein Jahr Bagdad entschieden. Das war wirklich eine ganz andere Art des Berufes, wie bisher. Einmal für ihn, in ein Kriegsgebiet zu gehen, wo er letztendlich unter ständiger Gefahr war. Für mich hieß dies, nicht mitkommen zu können. Ein Experiment, eine neue Art von Leben, aber warum nicht, nur durch andere Formen von Leben, Neues wagen, kann man sich weiter entwickeln. Also hieß es für ihn, Bagdad; und ich hatte mich für Zypern entschieden. Das war nah an Irak. Das Land und Leute kannte ich, denn Berlin, inzwischen unsere Hauptstadt, nein, da wollte ich nicht hin. Also wieder mediterranes Leben.

Zypern und seine Bevölkerung dem Orient zuzuordnen, dies wär schlichtweg vereinfacht. Zypern ist bedingt durch seine geografische Lage, durch seine Geschichte immer beeinflusst worden von dem sogenannten Nahen Osten. 

Die lange Zeit der Osmanen hat ihre Hinterlassenschaften, genauso aber die der Franzosen und nicht zu vergessen der Engländer.  Das ist ein Erbe, das die Mentalität formt. Darum kann und mag ich nicht vereinfachen, verallgemeinern, denn dann müssten wir ja auch bei vielen der südlichen und östlichen Europastaaten die Frage aufwerfen, welch Geist dort die Menschen stark geprägt hat.

 

Den Nordteil Zypern besuche ich seit 1981. Einige Türkenzyprer, wie bereits gesagt, können wir zu unseren guten Freunden zählen. Somit ist unser Blick auf die sich dort stark verändernde Gesellschaft stets ein kritisch beobachtender gewesen. Der Einfluss des Islams hat sich fast schleichend vollzogen, lange nicht gerne wahrgenommen von den Zyprern. Aber seit der Machtergreifung von Erdogan in der Türkei und seiner immer mehr dem Islam zugewandten Politik, ist auch der Norden Zyperns mit einbezogen. Nie zuvor sah man so viele Frauen mit Kopftuch und nicht nur die umgesiedelten Anatolierinnen sind gemeint. Gerade auch in den Reihen des Militärs, dass sich ja auf diesem Streifen der Insel immer breiter macht, kann man täglich sehen, wie groß der Einfluss auch in religiöser Hinsicht vom Festland ist. Eine Fahrt durch die kleinen und großen Orte zeigt, dass das Anwachsen des Islams sich in Form neu erbauter Moscheen manifestiert.

Selbst zyperntürkische Frauen bekunden bei offiziellen Anlässen ihre Sympathie durch Tragen des Kopftuches und sogar von Handschuhen. Und wie man weiß, sind inzwischen die Türkenzyprer selbst in der Minderheit auf dem nördlichen Teil der Insel, und es ist unausweichlich, dass in jeder Hinsicht das Festland, die Türkei, die Vorgaben bestimmt.

Bernd, mein Ehemann, hatte also sein Ticket in den Irak gelöst für ein Jahr, und ich hatte mich für Zypern als Standort entschlossen. Eine Freundin bot uns ihr Ferienhaus auf dem Lande, nah am Meer an. Dies hieß für Bernd, der im Wechsel alle 6 Wochen ca. 14 Tage Urlaub bekam, um aus seinem „compount, dem Sicherheitstrakt“ herauszukommen, keine weite Anreise zu haben. Die Insel, Menschen und Kultur waren uns vertraut, und solch eine Konstellation konnte für lediglich ein Jahr gut machbar sein.

 

Und das war es dann auch wirklich. Überraschenderweise kam unsere eine Patentochter, verheiratet und mit drei kleinen Kindern, in unseren Fokus. Hatten sie und ihr Mann sich doch entschlossen, hier auf der Insel eine neue Zukunft aufzubauen.  Da kam ein vollkommen neuer Aspekt in meinem Leben hinzu, Familie, so etwas wie „Großelternleben“ .

Welch Lehrstunden, sich so eng auf  Kinder einzulassen. Lehrstunden waren es aber auch mit einer völlig neuen Tatsache umzugehen, der Tatsache, dass sich mein Mann in einem vom Bürgerkrieg dominierten Land befand. Da, wo täglich Gräueltaten an der Tagesordnung, da wo ein Menschenleben absolut nichts mehr zählt/e, Menschen sich für eine Sache in die Luft spreng/t/en, x-Andere mit in den Tod reißen. Ja dort, wo er in einem Hochsicherheitstrakt quasi geschützt war, sollte nicht viel passieren können. Und doch bei den täglichen Nachrichten gingen unweigerlich alle Antennen auf, wenn nur der Name Irak, Bagdad fiel. Die Ratio sagte einem, wusste, dass diese Meldungen nicht direkte Gefahr bedeuteten; und doch, Anspannung blieb nicht aus.

 

Doch wie immer in meinem Leben, war auch hier eine Routine aufzubauen, eine zu bewältigende Gegebenheit Alltag geworden. Aus dem einen Jahr wurden sogar zwei. Mittlerweile war ich umgezogen. Hatte einen komfortablen Bungalow an einem reizvollen Ort gefunden. Dadurch, dass Zypern in den letzten Jahren auf dem kulturellen Sektor einiges auf die Beine gestellt, gab es viel Abwechslung. Mein Bekanntenkreis hatte sich ebenfalls vergrößert, viele interessante Personen waren in meinen Kreis getreten. Für mich persönlich war es eine neue Erfahrung, hatte ich doch die meisten Personen nun als Irma und alleine kennen gelernt, war von ihnen als, die, die ich nun mal bin, angenommen worden. Mein Fazit nach diesen zwei Jahren war ein ganz positives. Hatte viele neue Bereiche erkundet, hatte eine „Familie“ dazu bekommen, die sich sogar noch erweitert hatte und nun vier liebenswerte junge Menschen mir ans Herz wachsen ließ. Wie bunt und vielseitig war diese Zeit auf Zypern geworden, dass schon ein kleines Bedauern an mir nagte, als es wieder einmal hieß: auf zu neuen Ufern!“

Frau Stadtmüller, Sie haben also hinter den Eisernen Vorhang geblickt und dort sich sozial engagiert, Sie haben, wenn ich so sagen darf, Ihren Ehegatten mit dem Irak in einem gefährlichen Einsatz geteilt, unter anderem. Wie ging es eigentlich weiter danach? Hat sich ihr Engagement für eine Sache auch in Zypern irgendwie ergeben?

Nach zwei Jahren Bagdad entschieden wir uns, dann fast schon zwingend, nach Syrien, Damaskus, zu gehen. Für mich ging ein ferner Traum in Erfüllung, den ich seit den Tagen 1975 gehegt, noch einmal in diese Region zurückzukehren. Welch Glück, diese Chance geboten zu bekommen.

Alles lief widerstandslos. Damaskus war zwar ebenfalls eine andere Stadt geworden, hatte aber immer noch den unglaublichen Charme, der mich damals so bezaubert hatte. So vieles entdeckte ich wieder, voll Freude hier für 4 Jahre leben zu können, eindringen zu können in dies so vielfältige, bunte Leben. Aber auch mit erleben zu müssen, wie ein Land unter einer Diktatur litt. Diese Stadt schien uns in allen Facetten willkommen zu heißen. Das Haus war ein Juwel, mein Garten zeigte die Vielfalt, die hier vorherrschte. Und die Menschen…, selten wurde wir mit soviel Wohlwollen, Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft bedacht. Hier bedurfte es nicht, der sonst so bekannten Eingewöhnungszeit. So rasch hatte ich mich noch nie in einer Stadt so wohl, vertraut und auch sicher gefühlt.

Nach den ersten Monaten, die wie üblich dem Einrichten, sich Zurechtfinden, neue Menschen an sich herankommen lassen gewidmet war, wollte ich trotzdem meinen Geburtstag auf Zypern mit „unserer kleinen Familie“ verbringen. Darum flogen wir beide am 18.3.2011 nach Zypern, unser hübsches Zweithaus hatten wir behalten. Wie weise das war, sollte sich ganz schnell, leider allzu schnell, herausstellen. In dieser Zeit brach der Anfang eines noch nicht beendeten Bürgerkrieges aus. Innerhalb weniger Tage erging der Erlass, dass alle Familienangehörigen der Botschaftsleute das Land verlassen mussten.

Ja, und seit dem bin ich nie wieder in dieses Land „meiner Träume“ zurück gekommen. Dann schloss man Damaskus ganz, verlagerte die Verwaltung nach Beirut, wo mein Mann dann noch einige Monate zuständig war, und ich so mehrfach in den Libanon kam, alt bekannte Orte aufsuchte, ein wenig Orient schnupperte; aber nie wieder war es wie zuvor. Alles wurde überschattet vom Grauen in Syrien. Dies ist so geblieben, bis zum heutigen Tag.

Ich bin immer noch auf Zypern. Zwischenzeitlich begleitete ich meinen Mann auch für einige Monate nach Bordeaux, was endlich auch mal dazu führte, mehr von Frankreich kennen zu lernen – noch eine dieser schönen Ecken in der Welt.

Meine Situation ist letztendlich die selbe wie vor vier Jahren. Ich führe mein Inselleben, nicht das schlechteste; und mein Mann hat seinen Posten inzwischen in Kabul, Afghanistan, angetreten. Vielleicht nicht ganz so gefährlich, so brisant, wie der Irak oder Syrien. Aber eine kleine Anspannung, die bleibt, wie auch Bedauern, dass ich auch in dieses Land nicht meinen Fuß setzen darf. Alles, was ich darüber erfahre, wird abstrakt bleiben. Doch Eines ist gewiss, auch dies wäre ein Land, wo ich mich sehr wohlgefühlt hätte….ein kleines Bedauern bleibt, es sind viele Momente, die man getrennt erlebt.

Wie so oft, wenn wir befristet in einem Land weilen, etwas begonnen, auf den Weg gebracht haben, wird es speziell schwierig, bei Wohltätigkeits-Projekten dran zu bleiben. Da mir dies ja nicht neu, so hatte ich auch alle in Litauen darauf vorbereitet, Selbsthilfe zu üben, so weit nur möglich. Aber da zu jenem Zeitpunkt im Lande nach wie vor Mangel an allen Ecken und Enden, habe ich den Kontakt nicht abbrechen lassen, weiter dafür gesorgt, dass auch immer wieder mal materielle Hilfe einfloss. Aber letztendlich besteht heute nur noch ein loser Kontakt nach Vilnius, wenn wirklich Not, dann versuche ich, durch spezielle Aktionen immer mal zu helfen. Aber da ja Litauen inzwischen doch einiges besser dasteht, hat sich doch vieles zum Guten verändert.

Aber solch intensive Arbeit, wie dort, habe ich dann nicht mehr aufgenommen. Der Fokus richtete sich auf verschieden Anderes, nicht minder Wichtiges. Als wir 1999 zum zweiten Mal nach Zypern kamen, war hier wirtschaftlich eine „Hochzeit“, kaum sichtbarer Mangel.

Aber Missstände herrschten und herrschen ja immer noch, was die Tierhaltung betrifft. Das Problem wurde mir quasi vor die Tür gelegt. Und so war ich unversehens hineingezogen, nämlich in dem ich ausgesetzte Katzen und Hunde auffange. Glücklicherweise hatte sich ein zyprischer, junger Veterinär gerade in Nikosia niedergelassen. Er hatte in Wien studiert und praktiziert. Er hat aktuell wohl die beste Tierklinik vor Ort auf Zypern. Mit ihm fand ich einen sehr engagierten, für den Tierschutz eintretenden Menschen. Man könnte fast sagen, wir arbeiteten Hand in Hand. Wie viele Katzen gingen in den folgenden Jahren über seinen Operationstisch zum Neutralisieren, zum Überleben retten, haben wir nie gezählt. Dank ihm, wurden die Tiere meist weitervermittelt. Wenn das nicht möglich war, konnten sie wenigstens in Tierheimen unterkommen. All die Hunde, die wir in unserem Garten fanden, meistens junge Welpen, Würfe bis zu acht an der Zahl, wie viele angefahrene Hunde gerettet wurden vor dem Verenden im Straßengraben, ich weiß es nicht!

Doch es war das, was mir in dieser Zeit am Herzen lag, mir wichtig erschien. Gegenargumente, ob des „doch fragwürdigen Nutzens“ bekam ich oft genug, speziell von Zyprern. Aber es ist die leidende Kreatur, die mich berührt, wo ich meine, etwas tun zu müssen.

Aktuell gibt es kein soziales Engagement. Dafür mache ich seit vier Jahren eine für mich ganz neue Erfahrung. Ich bin quasi, wie bereits erwähnt, eine Ersatz-Oma für die vier Kinder meiner hier lebenden Patentochter geworden. Diese Aufgabe nehme ich sehr ernst, und es kommt in meinem Leben eigentlich immer wieder für mich auf den Punkt, die Erkenntnis, zurück: Da wo ich meine, mich einbringen zu können und zu sollen, da agiere ich!

Außerdem unterstütze ich meinen Mann, seit er in Bagdad war, dort Leuten unter die Arme greift, sei es materiell oder organisatorisch. Und durch das Debakel in Syrien, hat sich für uns der Kreis erweitert, wegen den Syrern, die uns so herzlich willkommen hießen, die Türen geöffnet hielten und heute an uns herantreten mit verschiedensten Belangen. Da helfen wir, so weit uns möglich. Da schöpft vor allem mein Mann Mittel aus, die ihm zugänglich; und so wie es aussieht, werden viele von diesen Leuten noch so manche Unterstützung brauchen.“

Frau Stadtmüller, wir bedanken uns für die den geistigen Horizont erweiternden Darstellungen und wünschen Ihnen, dass Ihr Mann Afghanistan schon bald hinter sich haben wird, damit sie beide gemeinsam glücklich und vereint, wie gehabt, dann schon bald in den Ruhestand gehen können.

Darf ich zuletzt noch fragen, ob Sie für Zypern, wie die jetzige Regierung Anastasiadis kundtut, um mit Helmut Kohl zu sprechen, ebenfalls „blühende Landschaften“ zukünftig sehen? Präsident Anastasiadis sagt, dass die Hilfszahlungen, die erneut und scheinbar ohne große Kritik an Zypern wiederholt ausbezahlt wurden kürzlich im Rahmen des Schuldentilgungs- bzw. Aufbauprogramms der EU etc., das Aufkommen und/oder Entstehen blühender Landschaften in Zypern bereits anzeigten.

Was spricht Ihrer Meinung noch gegen diese Behauptung, und was bereits dafür, wenn überhaupt?

Cyprus in the Late Bronze Age

Cyprus in the Late Bronze Age (Photo credit: Wikipedia)

Wie stand vor einigen Tagen in der Cyprus Mail geschrieben? Dem Tenor nach war es für mich so zu verstehen: Zwar sind derartige Dinge bereits ausgesprochen, doch heißt das noch lange nicht, dass sie  in die Tat umgesetzt sind oder werden. Das ist halt so mit den GroßmannsuchtsTräumen von Herrn Anastasiades & Co. Eine Fata Morgana schwebt am zyprischen Horizont und schon ist sie feste Realität für viele Politiker vor Ort. Vielleicht hat ja auch der oberste Kirchenhirte versprochen, dass Glaube Berge versetzt, sprich: Gas aus der Erde sprudelt. 

Nein, die Realität sieht eher – noch – düster aus. Die Talsohle der Krise ist auch noch nicht erreicht. Noch scheint mancher hier gut Geld irgendwo gehortet zu haben, nicht bei den Banken, gibt es großzügig aus. Doch was, wenn auch diese Reserven aufgebraucht? Bis heute sind keine Programme für den letzteren Fall erkennbar. Wie werden all diejenigen durch die Krise gekommen, die entstandenen Problemen meistern?

Das beherrschende Thema ist die Bankenrettung, das zuvor erwähnte Erdgas, und wie der kleine Mann, die vielen Arbeitslosen, die wirklichen Verlierer der Krise also, unterstützt werden können. Wie kann so jemand wie die zuletzt Erwähnten wieder in Arbeit und Lohn gebracht werden? Das ist zumindest bis heute von niemand zu vernehmen.

Gerade vergangene Woche hat eine der größten Rating-Agenturen an Hand von Zahlen widerlegt, dass der Aufschwung in Zypern nicht wie behauptet 2015 kommt, sondern vor 2019 kein Aufschwung fühlbar ansteht. Somit werden die genannten „blühenden Landschaften“ vorerst und lediglich zu optisch sehen sein, nämlich dann, wenn Zypern genug Regen im Winter bekommt und die Insel so wunderbar ergrünt!

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Wenn ich einmal reich wär… ♫♫♫ .

Erfolgreich waren und sind die Buddeleien nach Erdgas vor Zyperns Küste, wurde nun ganz offiziell verkündet. Ja, sollte jemand in ungefähr 15 Tagen nochmals dort Testbohrungen machen, wäre das ein Zeichen dafür, wird in der Philelefteros geschrieben, dass sogar noch mehr Reichtum in 5-km und mehr unter dem Meeresboden die in Finanznöte geratenen Insulaner erwartet.

Doch jetzt ist erstmal so etwas wie trauriges Erinnern angesagt. Heute wird nämlich demonstriert. Die Besatzung Famagustas durch türkische Truppen wird erinnert. Ein großes Aufgebot an Presse und dergleichen ist offenbar bereits vor Ort, wie Sonntag morgens um 07 Uhr im TV zu sehen war. Die Demonstration, die selbstverständlich mit Musik, Schleckereien und Essen und dergleichen einhergeht, soll bis in den heutigen Abend andauern. Man spricht wohl besser von Volksfest, anstatt von Demonstration, oder von Mahnwache?

Der gute Herr Makarios, der Erzbischof von einst, der unvergesslich mit den Ereignissen von 1974 auf Zypern ins Gedächtnis gerät, ist in den letzten paar Tagen, genauer seit gestern, ununterbrochen in den Medien zu sehen und zu hören – sogar im griechischen ERT-Sender, der von einigen seiner Journalisten gerade besetzt wird, welches, seit es von der Regierung vor ein paar Wochen scheinbar widerrechtlich geschlossen wurde, plötzlich hervorragende Beiträge bringt: zu schwarzgekleideten Frauen in den Dörfern Griechenlands, vermehrt zu umweltspezifischen Themen, zu Griechenland vor und im I. und II. Weltkrieg und danach, zu schillernden Persönlichkeiten Griechenlands aus Kultur und Politik, von denen man ansonsten wenig bis gar nichts erfährt, und versteht sich, viel Beiträge zu den griechischen Inseln und dem grünen Herzen, dem Norden des Landes. Wirklich gut, bravo!

Dennoch! Vor dem Fernseher sitzend verstört dieser Tage vermehrt, die Rhetorik des zyprischen Verteidigungsministers. Seine verbalen Angriffe in Richtung Türkei, müssen die sein? Nur weil er glaubt, Israel im Boot zu haben – die EU sowieso -, kläfft er gen Ankara, dass einem schon Angst und Bange wird. Wenn diese verbalen Attacken des Verteidigungsministers nicht als eine Art (in-direkte) Einladung verstanden werden können für die, und vor allem von den, al Qaida-Terroristen, auch mal ihr Unwesen auf Zypern zu treiben, als was dann?

Und dass die Sicherheitsvorkehrungen nun auch auf Zypern erhöht wurden, wie der hiesige Nachrichtensender RIK1 gestern vermeldete, beruhigt nicht wirklich!

Es wäre vielmehr an der Zeit, dass mal jemand den zyprischen Verteidigungsminister zurechtpfeift. Dringendst!!!

2012-10-29 12.50.17

Mindestens ebenso dringlich bedarf es einer Instanz, die Folgendes in Frage stellt und etwas korrigiert:

Dass auf dem ehemaligen Gelände des alten Krankenhauses von Nikosia, gegenüber vom Parlament, ein Museum und eine weitere Mall gebaut werden sollen.

Das scheint offenbar bereits beschlossene Sache zu sein. Doch wohl noch nicht ganz. Es besteht noch Hoffnung, dass der Stadt diese Mall zumindest erspart bliebe, wenn denn mal jemand seine Stimme dagegen erheben würde. Von den Malls gibt es bereits eine in der Stadt (dort wo IKEA ist), die ihre Geschäfte gerade mal so gefüllt kriegt mit zahlender Kundschaft – will besagen, der Zuspruch der Leute ist verhalten und die Kaufkraft der Kundschaft ist auf absehbare Zeit nicht gerade die beste.

Die meisten Geschäfte der Mall, war zu erfahren, kommen gerade so über die Runde.

Viel sinnvoller wäre, auch da das Gelände gegenüber dem Parlament sehr zentral gelegen ist, dort aufgrund der Nähe zum Parlament, ein Etwas anzubringen, was Politik, Wirtschaft und Wissenschaft verknotet, möglichst so, dass die Jugend unter 18 Jahren nicht völlig außen vor bleibt. Es sei daran erinnert, dass seit vielen, vielen Jahren unmittelbar hinter dem Parlament das schöne alte neurenovierte Theater unbespielt in der Landschaft steht, nur weil der Rechtsstreit des eingefallenen Dachs wegen nicht beigelegt werden kann. Da ist der Staat schon seit Längerem in der Pflicht, der Allgemeinheit diese Räumlichkeiten – zur Not mit einer Art Zwangsverordnung – zur Verfügung zu stellen.

Man hätte seinerzeit glauben können, dass die kommunistische AKEL-Regierung solch ein sozio-politisches heißes Eisen (Theater) anpackt, eben wegen ihrer ideologischen Ausrichtung, doch dem war so leider nicht. Nun könnte die Anastasiadis-Regierung zeigen, dass sie derartigen kommunalen Wildwuchs nicht länger bereit ist hinzunehmen.

Das einzige Cafe, welches zwischen verriegeltem Theater und Parlament gelegen war und etwas Stil und gehobeneren Standard hatte, ist jedenfalls inzwischen bankrott gegangen. Das ist auch deshalb schade, weil dort auf der Ecke bereits ein viel frequentiertes Museum steht.

Im öffentlichen Park, der genau hinter dem Theater oder Parlament liegt, der zugegebenermaßen nicht gerade der größte ist, gab es zwar einen kleinen Kiosk, wo auch ein Kaffee oder Tee etc. getrunken werden konnten, doch den haben Bagger und Raupen weggeräumt letztens – keine Ahnung, was da jetzt hinkommt. Den Spielplatz, der den Baggern ebenfalls zum Opfer fiel, können Kinder, die sich eventuell auf dem Amt langweilen, weil Papa oder Mama dort hin müssen, nun auch nicht mehr benutzen. So weit hier bekannt, ist nämlich gegenüber vom Park, also auf dem Gelände des alten Krankenhaus‘, dort, wo jetzt das Museum und die Mall hin sollen, eine Abteilung des Sozialwesens temporär eingerichtet worden.

Zugegebenermaßen fahren in diesem kleinen Park in der Regel keine Autos, dessen prächtiges Grün über die Jahre beträchtlich zurückgeschnitten wurde und wird. Die Kinder der Eltern, die auf dem Amt zu tun haben, können selbstverständlich auch auf dem wenig attraktiven Gelände des stillgelegten Krankenhauses bleiben, welches tagsüber mit parkenden Autos zugestellt ist. Parkgebühren werden noch keine verlangt.

Wir finden, es sollte schon mal damit begonnen werden, auch der zentralen Lage wegen, bestens die ganze Fläche des ehemaligen Krankenhauses zu untergraben und ein zweistöckiges Parking unter die Erde zu bauen, egal, was dann später darüber gesetzt wird. Damit könnte eigentlich schon begonnen werden – ein Problem stellt hier wohl der kleine Wasserlauf hinter dem Gelände dar. Müsste aber behebbar sein. Parkplätze zu finden, ist schlechthin das Ärgernis in und um die Altststadt von Nikosia.

Das Projekt Museum auf dem ehemaligen Krankenhausgelände soll bereits seit 1995, schreibt die Philelefteros, umgesetzt werden.

Hoffen wir, dass zumindest die Mall noch abgewendet werden kann. Die Aussichten sind aber gering, wenn daran erinnert wird, dass Glitzer-Glanz-Projekte zyprische Administrationen scheinbar ganz besonders anziehen. Zum Beispiel wurde in der inzwischen verwaisten Makariousstraße – dem einstigen Ku-Damm Nikosia’s, wo die Art erste Mall, die je erbaut wurde auf Zypern steht, die schon Staub angesetzt hatte – wieder neu dekoriert: bunte Luftballons flogen, ein neues popiges Interieur erwartete die Gäste zum Wiederbelebungsversuch, Billigstangebote und Musik.

Die Krise bietet durchaus eine Chance, der eben geschilderten zurückverfolgbaren Neigung der Kommunen nicht zu entsprechen.

Der neue Präsident der Republik, Nikos Anastasiadis, hat vor-gestern in seiner Rede an das Volk klar davon gesprochen, dass Changes anstehen und dass jeder seinen/ihren Beitrag zu erbringen habe. Zu unserer Verwunderung war in der Sport-Beilage der Philelefteros-Tageszeitung vom Freitag ein Beitrag, der dort unseres Dafürhaltens wirklich ausgezeichnet platziert ist, nicht etwa zu Fußball, sondern zum Umstand, dass auf Zypern gerade mal wieder viele Vogelfallen entschärft wurden. Insgesamt waren es um die 3.5oo Fallen, die allein nur in der Region Protaras entschärft wurden, wovon ungefähr 3.250 Fallen, die nach Honig riechenden waren, wo die Singvögel bei Kontakt an den Baumästen kleben bleiben, so lange, bis sie von ihrem Drang nach dem süßen Leben(stoff) ‚erlöst‘ werden.

Es ist eine Schande, dass zuwenig getan wird; eine Schande, dass man ’nur‘ darüber schreibt?

Doch wollen wir besser gleich zu freudigeren Dingen übergehen: “Νίκο, σου φέρνω ρώσους επιχειρηματίες!”, sagte der derzeitige Erzbischof Zyperns zu seinem getreuen Präsidenten, Anastasiadis: “Nikos, dir werde ich russische Investoren anbringen!”

Ist das nicht nett?

So einen geistlichen Vater wünscht man sich, und nicht einen, der nur betet und seine Beziehungen nicht in aller Öffentlichkeit zum Wohle der Menschheit spielen lässt.

Wie bitte! Wo verläuft hier die Grenze zwischen Religion und Politik in Staaten der EU – und dann erst in der andauernden Krise?

Die beiden Herren, Anastasiadis und Xrisostomos („Anastomos“), treten jedenfalls öfters in TV gemeinsam auf. Nicht, dass Anastasiadis dem Patriarchen vor laufender Kamera das Händchen küsste, zumindest wurde das von uns so noch nicht beobachtet, was auch eigentlich nichts Verwerfliches wäre, sondern, dass er in dessen Gegenwart sich sehr gut aufgehoben fühlt, ist ersichtlich. Das ist seiner entspannteren Körperhaltung zu entnehmen und der Art und Weise wie die beiden mit einander die Bildaufnahmen von sich kommunikativ zieren.

Dieses sichtlich gute Verständnis ist hoffentlich der treibende Motor, um das Land aus der Krise erfolgreich zu führen, sodass die Kollateralschäden, die dabei notgedrungen entstehen dürften, letztlich wesentlich geringer ausfallen als der Nutzen dieser Beziehung.

Xrisostomos, der Erzbischhof, der Moskau gerade besucht hat, spricht davon, dass noch vor dem 15. August 2013 eine Delegation aus Russland auf Zypern ankommen wird, um dieses Thema mit der zyprischen Regierung und anderen Interessierten zu besprechen und dahingehend etwas in die Wege zu leiten. Xrisostomos ist zuversichtlichst, dass das zyprische Volk, welches zwar verschwenderisch lebt, aber auch bescheiden kann, die Oberhand gewinnen wird beim Bewältigen der andauernden Krise («Είπα πολλές φορές ότι ο λαός μας ζει και με σπατάλες αλλά ξέρει να ζει και με τα λίγα. Ξέρω ότι έχει νεύρο, μπορεί να εργαστεί άοκνα και να βγει από πάνω» ).

Es gilt somit festzuhalten, was auch der Präsident der Republik Zypern, gemäß Stockwatch, sagte, nämlich, dass sich die Republik bereits in Richtung ökonomische Erholung bewegt. Dass die Kreditgeber Zypern ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Dass Investoren hier ohne größere Risiken einzugehen wieder investieren können; und dass “die Kassandras, die vor zweitem Memorandum und neuen Maßnahmen warnten, der Lüge überführt wurden”. Desweiteren stellte Präsident Anastasiadis fest: “Dem Erlass weiterer Maßnahmen sind wir erfolgreich ausgewichen” (griechischsprachige Sigmalive).

Auf die Frage, was mit den 370 Mill. € passieren wird, die es für bis Mitte 2014 gibt, antwortete Anastasiadis u.a., dass dank der neuen Berechnungen, die angestellt wurden, um die “11% dieses Betrages nicht verschwendet oder für Kosten, die nicht zu rechtfertigen sind, ausgegeben werden”.

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Zuletzt: die Noos schreibt, die Schweizer suchten nach einer neuen Nationalhymne, da die alte, veraltet sei.

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Madata schreibt, Herr Kalyoncu ist bei der Berufung auf einen Posten innerhalb des türkischen Militärs von der Regierung der Türkei abgewiesen worden.

Siehe unten Link zu Musikern der Schweiz!!!!!

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