Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘nordzypern’

Die Tuerkische Republik Nordzypern 6

Es wäre eine Überraschung, würde ein Teil oder Körper der UN namens „UNFICYP“ seinen Aufenthalt auf Zypern nicht wieder verlängert bekommen.
Dass eine Verlängerung ansteht, gefällt vielen Türkischzyprern nicht – vielleicht ist sie sogar schon durch. Denn diese Verlängerungen passieren bekanntlich seit Jahren und dies irgendwie automatisch. Diesen Eindruck hat so mancher Beobachter dieser Angelegenheit über die Jahre gewonnen. Als markierte die UNFICYP geradezu den herrschenden Status einer „Nicht-Lösung“ des Zypernproblems – absichtlich.
Der Republik Zypern verleiht der Aufenthalt der UNFICYP auch so etwas wie eine Ausrede, als sei eine Art Friedenstruppe noch von Nöten, als sorgte ausgerechnet diese Einheit der UN für Stabilität auf Zypern, wie auch in der Region. Südzyprer nutzen den Verbleib der UNFICYP auch, um künstlich Agenda‘s zu kreieren – also um sich hin und wieder mit einem vermeintlichen ‚Thema‘ von Belang ins Licht des internationalen Interesses, genauer, der Internationalen Gemeinschaft zu spielen.
Ganz von der Hand zu weisen, sind all diese Beobachtungen nun wirklich nicht, wenn man sich die letzten 10 oder 20 Jahre süd-zyprischer Politik ansieht. Ja, es fällt nicht leicht, in diesem speziellen Fall von Außen- beziehungsweise Innenpolitik zu sprechen, daher wird weiter oben einfach von „süd-zyprischer Politik“ geschrieben.
Zwar hat die EU Gesamtzypern sich als Vollmitglied auf den Plan gesetzt, doch wird vonseiten Brüssels viel zu wenig getan, um die Südzyprer zur Vernunft zu bringen. Offenbar ist Letzteres so auch nicht gewünscht – noch nicht. Andererseits sind die Nordzyprer zwar in der EU, irgendwie und wie geschildert, nämlich, eher von oben herab und auserkorenermaßen; doch vorrangig und vor allem ist Nord-Nikosia an die Türkei gebunden, was vielen Nord- und Südzyprern gar nicht so ungelegen kommt. Kann man so doch von beiden Seiten sowie dem undefinierten, diplomatischen LOCH, was sich auf Grund der verzwickten politischen Situation daraus ergibt, profitieren – und wahrscheinlich auch noch von weiteren interessierten Staaten oder Organisationen kann Gewinn eingefahren werden, die sich diese (durchlöcherte) geo-politische Insellage auch gern zu Nutzen machen. Ja, es wären da auch Verluste. Das stimmt. Doch dann wäre da auch noch so etwas wie die Ehre, die Ehre ein Türke oder aber eben Grieche zu sein – jeweils in der zyprischen Ausgabe, versteht sich.
Um nochmals kurz auf die UNFICYP zurückzukommen: Der Regierungssprecher des Südens meinte vor Kurzem, womit er dort damit ganz gewiss nicht alleine ist: „So lange türkische Truppen sich auf der Insel befinden, muss die UNFICYP anwesend sein!“
Im Norden erinnert Vize-Premierminister Kudret Özersay in diesem Kontext daran, dass die UN-Friedenstruppen bereits seit 1964 ihren Dienst auf der Insel versehen. Das ist nun wahrlich eine lange Anwesenheit und hat schon ein bisschen das Beigeschmäckle von einer weiteren, nunmehr international verordneten Besatzung Zyperns, finden nicht wenige.
Wird der Süden überhaupt von Zyprern regiert?
Gute Frage, was?
Angeblich ja!
Sagen wir besser: ja, dem ist so, aber gewiss mit Absprachen in Brüssel, Washington, Moskau und demnächst wohl auch in Peking, wird im Süden der Insel regiert. Eine wunderbar einfache Welt, in der wir leben, stimmt’s? Warum ES einfach gestalten, wenn die Dinge auch kompliziert werden können, sodass jeder, der genügend Macht und Einfluss hat, dann auch besser sein Süppchen vor Ort kochen kann, nach Belieben möglichst.
Für Herrn Özersay ist jedenfalls klar, dass gewisse Zirkel innerhalb der Internationalen Gemeinschaft ganz gehörig daran interessiert sind, den so genannten „Status Quo“ auf Zypern zu halten. Vielleicht wissen einige Staaten einfach seit Jahrzehnten, wird vermutet, dass da irgendwo vor Zypern noch einiges Geld in Form von Erdöl oder Erdgas gemacht werden kann. Vielleicht haben auch Sie bereits darüber gelesen, verehrte Leser, dass Pläne bestehen, den Nahen und Mittleren Osten zukünftig neu zu vermessen, also einzuteilen usw.
Sollte es demnächst im Iran rundgehen, wie man sagt, scheint sich zuvor Gesagtes eventuell zu bewahrheiten. Noch ist es nicht so weit. Noch könnte eine Lösung nicht nur in Sachen Iran gefunden werden. Noch ist Trump bei den Wahlen zur mittleren Amtszeit nicht vom Eis wie die besagte Kuh. Die Rede ist aber bereits von Disziplinarverfahren, die ihm angehängt würden, wenn er sein präsidiales Amt verlieren sollte – um im Bild zu bleiben, die juristische Schlachtbank.
Letzteres könnte teuer werden, vielleicht genau so in etwa, wie der Aufenthalt der UNFICYP seit Jahren auf Zypern. Dieser Aufenthalt ist richtig teuer, zumindest aus hiesiger Perspektive, wahrscheinlich nicht aus jener einer Großbank oder eines multinationalen Konzerns.
Özersay: Diese Organisation, die UNFICYP, ist inzwischen nicht mehr und nicht weniger als ein Briefträger zwischen Nord- und Südzypern. Und Özersay weiter: Was im Lauf der Zeit die Südzyprer dazu anstachelt, sich noch mehr von den Positionen der Nordzyprer zu entfernen, waren und sind deren unrechtmäßiger EU-Beitritt, die Erdgas-Funde sowie der neuerdings sich vollziehende Schulterschluss mit Israel.
Vor diesem Hintergrund wird gemunkelt, dass die THY, die Türkish Airlines, schon demnächst sich darauf einlassen könnte, wieder eine Art staatliche Airline für Nordzypern aus der Taufe zu heben. Auffallend ist in diesem Zusammenhang jedenfalls, dass im Juli 2018 die Rate der Flüge aus der Türkei nach Nordzypern nochmals erhöht wurde, werden musste. Es scheint also ein wirklicher Bedarf zu bestehen.
Die Pegasus Airlines mag ihre Passagiere von Ercan nach London und umgekehrt nicht mehr unnötiger Weise auf einem Flughafen in der Türkei umsteigen lassen, um dann in den Norden oder eben nach London weiter zu fliegen. Vielmehr werden die Fluggäste zukünftig in ihren Sitzen verbleiben, verwundert dreinschauen, dass die Maschine kurz landete, um dann weiter zu fliegen. Wir sind gespannt, ob die Pegasus damit durchkommen wird! Es wird vonseiten der Pegasus argumentiert, dass das Direkt-Anflugsverbot Nordzyperns so zur Genüge beachtet werde.
Aus unserer Sicht wird erwartet, dass das Verbot, den Flughafen von Ercan in Norden Zypern direkt aus Europa oder von sonst wo in der Welt anzufliegen, ebenfalls demnächst von irgendjemand gebrochen werden dürfte. Womöglich passiert das nach oder kurz vor den sogenannten „mid-term-elections in den USA, deren Resultat ja mit Spannung erwartet wird – vor allem in China.
Wir berichteten bereits, dass China sich in Syrien langsam und ganz leise einrichtet. Es gibt vor, aufständische, genauer, terroristische Chinesen aus den chinesischen West-Provinzen, die in Syrien als islamistische Kämpfer unterwegs sind, davon abzuhalten, zurück nach China zu kehren etc.

Nun, einen ‚Vorteil‘ könnte es eventuell haben, wenn Ercan von überallher angeflogen werden kann. Die über 4.000 gezählten Bau-Ruinen, die es im Norden zu ‚besichtigen‘ gibt, könnten dann endlich ein Bau-Ende erfahren, weil, was sonst, dann ja mehr GELD zu verdienen anstünde. In den letzten 5 Jahren sollen im Norden 11.301 Gebäude erbaut worden sein, inklusive Fabrikgebäuden. 2017 war für die Baubranche ein gutes Jahr, wird berichtet. 2779 Gebäude wurden errichtet.
Im Norden wird zwar der Türkischen Lira-Krise wegen geklagt und gejammert, doch gibt es auch dort einige Personen, die keine Geldschwierigkeiten haben deswegen – im Gegenteil. Die Bau-Ruinen finden gewiss zur ‚richtigen‘ Zeit ihren ‚richtigen‘ Bauherrn – oder frau.
Bis dahin wird die erweiterte Stromversorgung aus der Türkei stehen. Davon darf ausgegangen werden, wenn in der Türkei nicht eine Anti-AKP_Erdogan-Revolte oder dergleichen ausbricht. Premierminister Erhürman aus dem Norden Mitte Juli 2018 dazu: „Wir sind nicht gegen Strom aus der Türkei!“ Versteht sich, dass Herr Erhürman Selbiges dienstbeflissenermaßen auch seinem Beschützer seit 1974 sagte, also dem Herrn Erdogan, respektive der Türkei, als dieser zu der kürzesten Visite, die ein türkischer Staatsmann im Norden Zyperns jemals vollführt hat, angetreten war.
Allerdings ist offenbar noch immer nicht klar, was solch Stromversorgung aus der Türkei denn nun effektiv kosten wird. Die damit beauftragte Firma aus der Türkei hat anscheinend zu vage Auskünfte erteilt und dies ausgerechnet bei dieser Frage. So musste also nachgehakt werden vonseiten Nordzyperns Regierenden. Es war noch nicht einmal angegeben worden, ob das zu verlegende Kabel 400 oder 800 MW transportieren wird. Versprochen wurde, bezüglich gewisser fehlender Punkte nachzubessern. Özdil Nami, der Wirtschafts- und Energieminister des Nordens, spricht von angeblich 500 Millionen US-$, die das Kabel und seine Verlegung kosten dürften; doch auch er kann keine Angaben darüber machen, ob das Kabel nun AC (alternative energy) oder DC (direct current) sein wird. „Die Elektrizitätsbehörde, KIB-TEK, erlitt eh einen recht schädlichen Verlust von 66 Millionen Türkischen Lira bislang – und das wird sich auf den Stromrechnungen der Leute bemerkbar machen“, so Nami.
Gemäß Premierminister Erhürman rangiert Nordzypern in der Welt auf Platz 41 von 167 Staaten, die am billigsten Treibstoff anbieten. Außerdem sei die türkische Währung derzeit die größte Herausforderung, die Nordzypern zu bewältigen habe. Die Lebensunterhaltskosten seien auf um die 5,2% seit Anfang des Jahres gestiegen.
Wahrscheinlich wüsste es die türkische Botschafterin im Norden, Frau Derya Kanbaş, wie und wie hoch nun wohl und letztendlich der Strompreis sowie die Kabelverlegung den Leuten im Norden Zyperns zu Buche schlagen werden. Sie ist es auch, die des Weiteren von „rechtlichen Anpassungen spricht, die vorgenommen werden müssten. Damit meint sie, die Polizeibehörden Nordzyperns gehörten in die Lage versetzt, Telefongespräche abzuhören, besser noch, mitzuschneiden.
Wir denken nicht, dass sie sich da allzu große Sorgen machen muss, denn der türkische Geheimdienst MIT erledigt das Abhören und Mitschneiden von Gesprächen gewiss meisterhaft.
Apropos Nachbessern oder Anpassungen: Frau Meryem Özkurt war die erste Frau, die in der Position einer Direktorin für den nord-zyprischen „Bayrak“-Fernseh-/Radiosender arbeitete.
Wenn in diesem Zusammenhang von nachgebessert die Rede ist, so ist das so zu verstehen, dass im Norden – nicht wie sonst meist, auch andernorts – etwa ein Mann diesen begehrenswerten Posten nach einer Frau erobert, so als ob Frau lediglich ein Versuchsballon auf derart exponierter Position war – oder eine, wie auch immer geartete und intendierte sozio-politische Geste nach außen verkörpern durfte temporär -, sondern nein, eine weitere Frau, nämlich Frau Aysu Basri Akter folgt der Zuerstgenannten.
Frau Akter arbeitete unter anderem beim Jugend TV, dem Kanal Sim, bei Kıbrıs FM und TV sowie bei der Kıbrıs Gazetesi. Studiert hat sie an der Doğu Akdeniz Uni des Nordens. Und spannend wäre zu erfahren, was sie denn zu dem angeblichen Mangel an Imamen sagt, der im Norden neuerdings herrsche.
Suleyman Çaker ist der Vorsitzende der Angestellten in religiösen Berufen im Norden Zyperns und er sagt, es habe zuvor 220 Imame gegeben. Davon seien nun aber 19 in Rente gegangen und 40 weitere hätten sich zurück in die Türkei abgemeldet. Lediglich 10 neue Imame konnten bislang eingestellt werden. Und die seien eben kein Ersatz für den erlittenen Verlust. Zur Info: Alle Imame im Norden kommen aus der Türkei. Diesbezüglich besteht ein Abkommen zwischen den beiden türkischen Bruderstaaten.
In gewisser Weise trifft Letzteres auch auf die recht vielen Casinos zu, die im Norden Zyperns meist südzyprische Spieler und andere Zocker aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu Zypern anlocken.
‚Gott sei Dank‘ haben nun auch die Südzyprer ihr Casino, ‚endlich‘! Es läuft angeblich noch provisorisch. Das heißt dann wohl, man kann sein Geld dort provisorisch verlieren, wahrscheinlich aber auch gewinnen. Wie das genau geht, provisorisch zu gewinnen oder zu verlieren? Fragen Sie die orthodoxe Kirche, die solch Zocker-Projekt ja jahrelang verhinderte aus ethischen Gründen oder aber den Präsidenten der Republik, Anastasiadis. Letzterer ist ausgebildeter Anwalt und hat gewiss auch auf diese Frage eine Antwort parat.
Da im Norden jedoch NUR Ausländer spielen oder zocken dürfen, wird von Nordzyprern mit oder aufgrund der Eröffnung eines Casinos im Süden gefordert, das Gesetz, welches ihnen das Spielen in Casinos des Nordens untersagt, zu ändern, weil sonst womöglich Nordzyprer, die ja angeblich wenig Geld haben und daniederliegen finanziell, in den Süden gehen könnten, um ihre hartverdienten Türkischen Lira, Verzeihung, Britischen Pfund, Euro oder US-Dollars etc. im Süden zu verzocken.
Wir gehen hier davon aus, dass die geforderte Gesetzesänderung durchgeht, vor allem, da ja nun offensichtlich auch die zyprische Orthodoxie sich mit solch ‚Sumpf‘ auf der Insel, wo Saulus zu Paulus wurde, ‚anfreunden‘ konnte – hoffentlich nicht selbst daraus finanziell Profit ziehend.

Dann noch dies, und nur, damit Sie mal so ungefähr eine Vorstellung von gewissen Dimensionen erhalten:
Nord-Nikosia hat eine Bevölkerungszahl von ungefähr 61.378. Unsere Schätzungen gehen so weit zu veranschlagen, dass zumindest weitere 20 bis 30.000 nicht-registrierte Menschen diese Stadt mit ausfüllen dürften. Wie dem auch sei: Offiziell wird angegeben, dass es 9.000 Arbeitsplätze gibt, die registriert existieren. Insgesamt sollen im Norden Zyperns 300.000 Menschen leben, und insgesamt 18.000 Arbeitsplätze wurden bei der Behörde angemeldet.
Das vorliegende Zahlenmaterial ist also sehr löchrig. Es dürfte auch wirklich schwer sein, verlässliche Statistiken zu erstellen: im Norden Zyperns mehr als im Süden. Beiden Seiten wird oft unterstellt, dass keine der beiden Administrationen wirklich an exakten Daten interessiert ist, aus den verschiedensten Gründen.
Allerdings stimmt die folgende Nachricht noch, nämlich, dass Frau Gizem Alpman neuerdings den Norden Zyperns in Genf/Schweiz repräsentiert, und zwar bei der UNO.
In dem Beitrag über Nordzypern, der diesem vorausgeht, wurde von Levent Şener berichtet, der als zyprischer Journalist Probleme mit dem Regime in Ankara hat, und zwar wegen dem, was er so schreibt und sagt. Frau Nerin Feri Şefik ist ihres Zeichens Hauptrichterin des höchsten Gerichts im Norden und findet, dass die eröffnete Klage der Republik Türkei gegen den nord-zyprischen Journalisten Şener nicht zur Folge haben könne, dass es zu einer Auslieferung des Journalisten kommt. Eine Übergabe von Bürgern der KKTC, also Nordzyperns, an andere Staaten gebe es nicht! Derviş Akter, ein pensionierter Staatsanwalt aus dem Norden meint dazu, der Journalist Şener könne gar nicht belangt werden, zumal die Afrika-Tageszeitung, für die er schreibt im Norden, in der Türkei gar nicht zirkuliert. Da hat der Herr Akter offensichtlich vergessen oder übersehen, dass wir inzwischen überall Internet haben. Mutlu Yakalı, ein Kolumnist der Yeni Düzen meint hingegen, es gebe ein Protokoll zu sogenannt „juristischer Unterstützung“ zwischen der Türkei und Nordzypern. Und damit könnten Vollstreckungen eines Gerichtsurteils der Türkei durchaus im Norden der Insel erfolgen. Das genannte Protokoll besteht seit dem 01. 11. 1988.

Nicht zu leugnen ist, dass Ankara auch an anderer Stelle einen gewissen Druck ausübt, und zwar beim Erstellen der Lehrpläne in Schulen und an Unis ın Nordzypern – und das, wie zu vernehmen ist, angeblich vermehrt, und zwar in folgende Richtung: weg-von-säkularem-Gedankengut.

Read Full Post »

Die Türkische Republik Nordzypern 5

Kürzlich schrieb mir ein Kollege, ob wir am Wochenende nicht „zocken“ gehen wollen?
Stellte sich dann heraus, dass er „Tennisspielen“ meinte. Bislang war für mich ein Zocker jemand, der an Automaten hängt oder sich hinter Spielkarten in der Hand versteckt etc.

Der Tourismusminister im Norden Zyperns, Herr Mehmet Ersoy, ist, schau an – schau an, zufällig auch der Besitzer eines Zockerladens, genauer eines Casinos, und zwar im Norden. Waren Sie etwa auch schon dort, im „Voyage Hotel“?
Es handelt sich um 2 Brüder bei den Ersoys, die von der Türkei aus ansonsten ihre Geschäftchen machten und noch immer machen. Mehmet ist auch derjenige der beiden, der seinerzeit 51% der Anteile für die „Turkish Cypriot Airlines“ (KTHY) kaufte (gekauft haben soll).

Wie es auch in der Türkei noch üblich ist, haben die Ersoys weitere Geschwister, Verwandte oder Ehepartner. In diesem Zusammenhang wäre beispielsweise die Nisa Ersoy nennenswert. Diese geschäftstüchtige Dame betreibt nämlich seit 2015 das „Elexus Hotel“ in Nordzypern. Nisa ist die Ehefrau des Bruders von Mehmet, des Murat Ersoys also.
Nisa Ersoy indes ist nicht irgendein Mädchen vom Lande aus unbekannter Familie, sondern sie ist die Tochter des Mahmut Bozkurt. Von dem haben Sie eventuell schon gehört oder gelesen, zumal er einst Abgeordneter der Mutterlandspartei (ANAP) war, die sogar einen Kurden an ihrer Spitze hatte, der aber – das ist seit Jahren – auf eher mysteriöse Weise verstarb, und zwar im Range eines Präsidenten der Republik Türkei. Die Rede ist von Herrn Turgut Özal.
Der Herr Papa der Frau Ersoy ist seines Zeichens auch einer der Gründer der „Iyi Partei“, die bei den Wahlen zum Präsidenten 2018 etwas von sich Reden machte, da diese Partei – entgegen der ANAP-Tradition – auf dem rechten politischen Auge der türkischen Nation auffallend laut auf völkisch macht und machte; und an der Spitze der Iyi ist eine Frau derzeit, die Meral Akşener.

Wie es das Schicksal will, ging die Firma des zuerst genannten Ersoys damals im Juni 2010 (angeblich) Pleite. Man hatte mit der oben genannten nord-zyprischen Airline, der KTHY, anscheinend zu viele Schulden angehäuft, sodass jemand wie die noch immer recht erfolgreich operierende „Atlasjet“ unterstützend einspringen musste – wie edel von ihr.
Wie auch immer die eben genannte Chose gelaufen sein mag, Transparenz sieht transparenter aus. Man weiß also nicht, soll das zuletzt Geäußerte besagen, wie genau die nord-zyprische quasi Staatsairline KTHY zu Atlasjet mutieren konnte und wer da alles seine Händchen mit im Spiel hat.
Letzteres ist ja kein unbekanntes Muster. Solche undurchsichtigen Geschäftchen sind heutzutage ja Gang und Gebe – leider.
So viel weiß man dann aber doch: Tayyıp Erdoğan und Herr Cemil Çiçek (Justizminister, Regierungssprecher, Vize-Ministerpräsident) sollen dafür gesorgt haben, dass der Airline-Deal so wie beschrieben und nicht anders über die Bühne ging.
Herr Çiçek ist jemand aus der APK-Truppe, der als einer der Gründer der derzeitigen Regierungspartei, AKP, der Türkei genannt werden kann.
Wenn die vorliegenden Informationen nicht völlig daneben liegen, ist der Herr Çiçek inzwischen etwas – oder gar total –in Ungnade gefallen bei dem Sultan vom Bosporus/Istanbul und Çankaya/Ankara.
Ja, auch hier warten alle ganz gespannt darauf, am Rande bemerkt, wann der zukünftge Sultan sich offiziell zu ‚Sultan Erdoğan‘ küren lässt. Müsste schon bald sein oder passieren, denn der Jüngste ist der Herr Erdoğan ja nicht mehr.
Und auch Sultane müssen irgendwann abtreten und bei Petrus an die Tür klopfen, und dort um Eintritt bitten. Kann aber sein, dass die Himmelspforten wie von alleine aufgehen bei solch hochrangigen und unbescholtenen Herren und ihren Damen. Wir werden es sehen, hoffentlich nicht schon demnächst!?
Auf Letzteres komme ich, weil das, was auf Erden läuft oder passiert, soll ja im Himmel seine Fortsetzung oder Konsequenzen haben. Und so ist dann auch verständlicher, wird angenommen, dass Gleiche mit Gleichen, wie man sagt, möglichst verkehren. Und daher liegt nahe, dass der Herr Ersoy, wie auch sein Bruder, beste Beziehungen in Regierungskreisen der Türkei unterhielten und unterhalten. Man spricht davon, dass der Kontakt zum jetzigen Parlamentspräsidenten der Türkei, Binali Yıldrım, vorzüglich sein soll. Und letzterer ist ja seit den frühen Anfängen der AKP ein wackerer Mitstreiter des zukünftigen Sultans, wenn es denn je zu solch einem Amt in der (einstigen) säkularen Republik Türkei (wieder) kommen sollte. Es gilt, zugegebenermaßen, noch einige Hürden zu nehmen, um solch einen irdisch-unirdischen Posten einzurichten.

Eine dieser Hürden hat Herr Erdoğan und sein im Entstehen befindliches re-osmanisiertes Regime jedenfalls schon Mal genommen: die Presse/freiheit.
Nicht zu leugnen ist, dass diese genommene Hürde des Regimes in Ankara auch Auswirkungen im Norden Zyperns hat. So hat eine Zeitung namens „Afrika“ dort gerade recht viel Stress mit einigen aufgebrachten Bürgern/türkischen Siedlern zu laufen, die finden, es werde anti-türkisch berichtet und daher müsse diese Zeitung „weg“. Auch anti-islamisch werde berichtet, was verwerflich sei. Schwere Vorwürfe also.
Immerhin: Im Norden soll es noch 20 Tageszeitungen geben, 23 Radiostationen, 12 TV-Stationen, 4 Web-TV’s und über 50 Internet-Zeitungen, zu denen wir uns hier von Zypernundmehr-News selbstverständlich nur indirekt zählen. Dies, weil für uns ist Zypern NATÜRLICH ein gesamtes Etwas. 1 Insel mit einer Trennlinie, die im Grunde keine Trennlinie sein sollte, es vielleicht auch nicht mehr wirklich trennend ist. Die Grenze, die den Norden vom Süden teilt oder zu teilen vorgibt, wird von manchen biologistisch denkenden Zeitgenossen zuweilen in Vergleich gesetzt mit den beiden Herzkammern, die in unseren Brustkästen schlagen.
Wir überlassen es Ihnen, hier angekommen, zu orten, wo denn wohl das venöse oder arterielle Blut in diesem Vergleich und auf der Insel strömt. Jedenfalls scheint das eine Zypern das andere Zypern zu brauchen, um zu existieren. Das ist wohl die Message, die solch Vergleich uns geben soll. Und wahrhaft: Die Trennung nährt und nährte gewisse Kreise recht gut bislang.

Sollten Sie es noch nicht wissen: Die erste türkisch-zyprische Zeitung kam bereits vor 129 Jahren heraus und hieß „Saadet“ (Glück). In der Türkei gibt es derzeit eine Partei mit diesem Namen. Die Mitglieder der Saadet sind etwas oder mehr islamisch angehaucht – der im Jahr 2011 am 30. Juni verstorbene türkische Politiker Necmettin Erbakan lässt dergestalt also noch immer grüßen, und so weiter.
Stets am 11. Juli wird im Norden indes der sogenannte Pressetag gefeiert – jedes Jahr aufs Neue. Und diese Feiern haben nichts mit dem Todestag Erbakans zu tun – jedenfalls noch nicht.
Überhaupt:
Es gibt im Grunde noch so viel aus dem Norden zu berichten, sodass nun, wenn schon die Rede von der Presse ist, wir doch einfach mal bei diesem Thema recht spezifisch verweilen.
Von der „Afrika“-Tageszeitung des Nordens war zuvor bereits die Rede. Da gilt es nun auch noch die „Politis“ aus dem Süden kurz anzuführen. Denn in beiden Blättern schreibt Şener Levent, und zwar auf Griechisch und auf Türkisch, je nach dem – und jedes Mal so, dass es dem Regime in der Türkei wenig gefallen dürfte, was es da zu lesen gibt, aber den Südzyprern, die sich mit dem Gedanken, dass die Türkei DRÜBEN noch immer den Ton angibt, schon.
Herr Şener wurde vor Kurzem ‚eingeladen‘ nach Ankara zu kommen, um eine Aussage vor Gericht zu machen. Er sagte dazu:
„Ich denke gar nicht daran, in dieser Angelegenheit schuldig zu sein. Weil ich unschuldig bin. Ich halte es nicht für erforderlich, dort hinzufliegen. Den Tatvorwurf lehne ich ab!“
Dem nicht genug schrieb Şener in einer seiner Kolumnen, dass der Richter Tacan Reynar, der diejenigen verknackte, die vor nicht allzu langer Zeit die Afrika-Tageszeitung im Norden attackierten, schon seit geraumer Zeit seine Koffer gepackt habe, um fortan in Kanada zu leben. Tacan wird wohl wissen, warum er ausgewandert ist, vermuten wir hier.
Dann darf noch berichtet werden, dass Şener eventuell als unabhängiger Kandidat bei den Europawahlen ins Rennen gehen könnte. Einer Partei mag er sich nicht anschließen, meint er. Wenn er gewählt würde, und das rechtzeitig, wer weiß, vielleicht werden ihn dann die langen „Schwarzen Arme“ (karakol) der türkischen Justiz nicht zu fassen bekommen. Genügend Wirbel dürfte er dann im Europa Parlament aufwirbeln, spekulieren einige, und zwar so lange werden sie das dann wohl tun, wie sich das Gegenteil davon nicht bestätigt hat.

Nun! Sie, verehrte Leser, werden sich gewiss schon gefragt haben: Was hat der Herr Şener denn getan, dass Ankara so sauer auf ihn ist oder sein soll; und gibt etwa keine Kostprobe davon?

„Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Zitronen und Jasmin duftet?
Wie?
Hau ab!
Du wirst gehen!
Diese kleine Insel hat viele Könige gesehen und Sultane.
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!
Wirst Deine Sprüche, dass Allah der größte ist, sowie Dein Fluchen nehmen und abhauen! …
Wenn Du türkisch bist, ich bin es nicht.
Wenn Du Patriot bist, dann bin ich ein Verräter.
Ich unterhalte eine illegale Organisation, jene mit Jasmin, Zitronen, Nelkenrosen und Eukalyptus. Bin weder EOKA, noch TMT [sind 2 ehemalige süd- und nordzyprische Geheimbünde, die vor 1974 politische Gegner Killen gingen].
Wir sind von oben bis unten bewaffnet. Unsere Waffen sind Blumen. Und mein Füllfederhalter versteht keine Worte. Sogar ich kann ihm nicht eingeben, was er schreiben soll. Und Du denkst, Deine Steine, Dein Geschrei können ihm sagen, was es zu schreiben gilt?
Ihr seid die Feinde!
Ihr seid allem feind, was schön, bezaubernd und richtig ist. Feind der Griechen, weil er Grieche ist. Den Kurden ein Feind, weil er Kurde ist. Feind der Armenier, weil er Armenier ist und Feind der Alewiten, weil er Alewi ist. So seid ihr auch Feind jedes einzelnen Christen, weil er nicht Muslim ist.
Ihr seid unsere Feinde! …
Feind jener, die sagen, sie sind Türkischzyprer und nicht Türken!
Du sagst zu mir: Wenn es Dir nicht passt, geh und leb drüben im Süden!
Du bist damit noch nicht mal komisch. Bringst mich aber doch zum Lachen … Blödmann … .
Hat mein Land etwa einen Norden oder Süden? Das ganze Land ist meines, Norden und Süden gleichermaßen. So auch der Westen und der Osten. Ich kann leben, wo ich mag … .
Was auch immer Du tun wirst, Du wirst nicht im Stande sein, schneller als eine Taube zu fliegen.
Ich wünschte, ich könnte Dich lieben. Doch Du bist nicht liebenswert.
Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Limonen und Jasmin duftet?
Hau ab, geh!
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!“

Vielleicht haben Sie ja dasselbe Problem wie ich, wenn Sie den Namen des Präsidenten der Türkei schreiben wollen oder sollen, sich aber irgendwie nicht merken können, wie die beiden Vornamen geschrieben werden, nämlich mit „b“ oder mit „p“?
Hier ihre Gedächtnisstütze, die Eselsbrücke, wie man sagt, also:
Weil über dem „g“ des Familiennamens „Erdoğan“ ein Zeichen steht, das aussieht wie ein Falke, der über etwas fliegt, können die beiden Vornamen nur ein nach unten weisendes „p“ haben und kein „b“, weil sonst hätte der Falke – Erdoğan bedeutet übersetzt Falke – kein gutes Jagdgebiet.
Oder aber Sie merken es sich so:
Wir erinnern, dass „Recep Tayyip“ wie die beiden p’s nach unten geht oder führt oder so geschrieben wird; weil der Erdoğan im Gegensatz dazu wie ein Falke über dem Unteren fliegt, das ist über den p’s, und sie derart in Schach hält oder aber bejagt.

Read Full Post »

DieDie Türkische Republik Nordzypern 4

Turgay Deniz, Vorsitzender der „Türkisch Zypriotischen Handelskammer“, sagte, die Regularien der sogenannten „Grünen Linie“, sind für Türkischzyprer ein Schritt hin in „allumfassendes Versinken“. Gemeint ist die Demarkationslinie, die die Insel teilt. Deniz erklärt, oft habe man sich mit dem Süden zusammengesetzt und Mithilfe angefragt, um die Grüne-Linie-Regularien auszuweiten, um unterschiedliche Gebiete derselben miteinbeziehen zu können. Doch die Handelskammer im Süden ließ stets wissen, türkisch-zyprische Produkte produzierten „unfairen Wettbewerb“. Daher kam es nie zu irgendeiner Ausweitung, wie gewünscht. Und jetzt, wo auch noch Sprit-Kontrollen an den Übergängen in den Süden durchgeführt werden, ist der psychologische Druck auf Nordzyprer immens gewachsen. Die Kontrollen hätten aber keine legale Basis, sagt Deniz.
In gewisser Weise bezieht sich das, was Turgay Deniz sagt, auch auf den Tourismus, der auf beiden Seiten der zyprischen Insel im Jahr 2018 finanziell einen guten Schnitt zu machen scheint. Der Präsident des Nordens, Mustafa Akıncı, meint, es sei langsam aber sicher an der Zeit auf Zypern, dem Massentourismus die Stirn zu bieten, das heißt, auf umweltfreundlicheren Tourismus umzusteigen, einen selben prononcierter hochzuziehen. Derzeitiger Toursimusminister des Nordens von Zypern ist Herr Fikri Ataoğlu. Tourismusminister ist jener Posten, den Akıncı vor knapp 19 Jahren innehatte in der Türkischen Republik Nordzypern.
Des Weiteren meint Ataoğlu: Der Work-Shop „Nordzypern – Tourismus 2024“ sei eine zu verfolgende Strategie, anhand dieser bis ins Jahr 2024 geplant wird. Der Work-Shop fand bereits am 07. Juli 2018 statt. 796 Millionen US-$ würden im Norden im Tourismus verdient. Die Hotels im Norden Zyperns hätten um die 25.000 Betten. Und rund 1 Million Touristen hätten den Norden bislang, dieses Jahr, besucht.
Premierminister Erhürman ergänzte eben Gesagtes, indem er wissen ließ, dass 20% der arbeitenden Bevölkerung des Nordens im Tourismus beschäftigt sei. Seiner Ansicht nach ist diese Rate oder Ziffer etwas skandalös vor dem Hintergrund, dass die Arbeitslosenquote im Norden – und vor allem unter Jugendlichen – bei ungefähr 19% liegt.
Nun, Herrn Erdoğan, der Nordzypern vor Kurzem besuchte, als einen Touristen zu bezeichnen, der Nordzypern einen Besuch abstattet, wäre der aberkannten Ehre dann vielleicht doch etwas zu viel. Und mit der Ehre hat es der Herr ja bekanntermaßen. Doch als neugewählter Präsident der Republik Türkei wird es ihm wohl gelungen sein, dennoch einen gebührenden Empfang erhalten zu haben in Nordzypern. Allerdings hat er, dort angekommen, dann doch nicht die „Rauf Denktaş Universität“ besucht, die zu etablieren ja schon seit einigen Jahren im Umlauf sein soll. Also keine Grundsteinlegung, keine Spaten in der Hand mit Präsidenten und andere, gern in die Welt gestreuten Bilder von Staatsmännern und -frauen. Zwar hat Erdoğan einen Kranz am Denkmal von Kemal Mustafa Atatürk abgelegt in Nikosia-Nord, aber er sah davon ab, dem Denkmal von Dr. Fazıl Küçük, dem ersten nordzyprischen Vize-Präsidenten des einst gemeinsam regierten Zyperns vor 1974, die Ehre seines Besuches zu erweisen. Der Präsident des vereinten Zyperns war damals Erzbischof Makarios.
Erdoğan, im Habitus eines religiösen Führers, wohnte der Einweihung der Uni einfach nicht physisch, sondern „symbolisch“ bei. Immerhin scheint den Denktaş’s inzwischen gelungen, das Uni-Projekt nun endlich verwirklichen zu können. Man weiß auf Zyperns aber nie, was noch dazwischenkommen kann. Noch scheinen Afrodite oder/und Atatürk der Denktaş-Uni wohlwollend gesinnt zu sein.
Denktaş: Der Ministerrat des Nordens habe die Abzahlungsfrist für den Bau der Uni von 10 Jahren auf 35 prolongiert. Unterzeichner dieser Urkunde waren das Amt für Bauwesen sowie die „Mediterrane Lehrmeister-Dienst Ltd“. Bezeichnenderweise sind die Inhaber des ominösen Dienstes die Denktaş’s selbst. Über weitere Details der Zahlungsmodalitäten wird zumindest in der Öffentlichkeit nicht geredet.
Serdar Denktaş: „Alles läuft hier mit legalen Methoden ab!“
Doof nur, dass bereits gewisse Ungereimtheiten bei der Vergabe des Landes für die Uni entstanden sind. Wir sprechen von 200.000 qm Fläche, die die Uni einnehmen wird. Woanders kursiert allerdings eine Quadratmeterzahl von 100.000 qm. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Wie auch immer: An diesem Uni-Projekt ist es gewiss nicht gelegen, dass die Türkische Lira etwas abstürzte. Wie zu lesen ist, passierte der Absturz gleich unmittelbar nachdem das neue türkische Kabinett der Regierung in Ankara bekanntgegeben worden war.
Gewiss auch wegen des Geldes – auf Nordzypern ‚regiert‘ bekanntlich die Türkische Lira – haben sich die „Revolutionäre Kommunistische Union“, die Journalistengewerkschaft „Basın-Sen“ und das „Boran Kulturzentrum“ Nordzyperns hervorgetan, um gegen den oben erwähnten Besuch Erdoğans zu protestieren.
„Türkischzyprer wollen Unabhängigkeit!“
„Frieden, nicht Krieg!“
„Lösung des Zypernproblems!“
„Keine Nicht-Lösung!“
„Schulen, nicht Moscheen!“
„Säkularismus und keine islamische Gesetzgebung!“
Solche Dinge und wohl auch noch mehr sagt/e unter anderen auch der Basın-Sen Gewerkschaftler Ali Kısmir.
Im Norden Zyperns gibt es durchaus noch andere Player, die zuweilen auf die Straße gehen und ihr Recht einfordern, nicht nur die Gewerkschaft der Lehrer etc. Da wäre mal die „Kontemporäre Bildungsplattform“ zu nennen. Diese Plattform organisierte Anfang Juli 2018 einen Protest vor dem Amtsgebäude des Premierministers des Nordens von Zypern. Sie forderten, dass es endlich religiösen Unterricht an den Schulen im Norden gibt, und zwar obligatorisch. Die Plattform beklagt in einem Brief, der an den Nationalen Bildungs- und Kulturminister, Herrn Cemal Özyığıt, gerichtet war, dass auch im kommenden Jahr voraussichtlich religiöser Unterricht noch abwählbar sein dürfte. Und das sei ein Schlag gegen die demokratischen Rechte sowie ein Versuch, die Gesellschaft zu polarisieren.
Wie wir also soeben registrieren konnten, gibt es inzwischen zumindest eine Organisation, um den vormals eher säkular-strukturierten Norden Zyperns dem Willen des türkischen Präsidenten, wenn es sein muss auch mit Protesten zu etablieren – und wahrscheinlich auch mit anderen Mitteln.
Dazu fällt einem gleich wieder ein, was Erdoğan bei seinem zuvor erwähnten Besuch in Nordzypern nach seiner Wahl zum alleinherrschenden Präsidenten der Türkei zu verkünden wusste. Davon abgesehen, das war gleichzeitig auch sein kürzester Besuch gewesen. Er dauerte gerademal 4 Stunden, und erstmals war die nordzyprische politische Opposition nicht geladen, den Präsidenten der Türkei bei seinem Aufenthalt zu umgeben, Erdoğan: „Die Türkei wird immer ein wachendes Auge auf Nordzypern haben. Niemand wird Nordzyprer zu Opfern einer Nicht-Lösung machen. Und wir werden nie erleben, dass sie zur Minorität neben den Griechischzyprern werden!“
Der Präsident des Nordens, Akıncı, lässt in diesem Kontext wissen: „Bislang haben die drüben genau das Gegenteil von dem getan, was konstruktiv wäre. Als Türkische Republik Nordzypern und mit der Unterstützung der Türkei werden wir unsere Rechte im südöstlichen Mittelmeer nicht aufgeben!“
Was vielen Lesern wahrscheinlich nicht allzu geläufig sein dürfte, ist, dass mit der Einführung des neuen Präsidialsystems in der Republik Türkei das Haupt Direktorrat „Binärer Politischer Angelegenheiten“ sich nun um die Zypernfrage kümmern wird in Ankaras Außenministerium. Das Außenministerium hat nun 26 Abteilungen, wovon das für Binäre Politische Angelegenheiten eine ist. Ökonomische und politische Dinge werden dort analysiert und vorbereitet – und auch die Beziehungen zu Griechenland. In anderen Worten: Die Zeiten, wo es extra einen Minister für Zypern in Ankara gab, sind vorbei.
Erdoğan bezüglich seiner Zypernkompetenz: „Ich persönlich bin derjenige, der seit den Tagen Annans mit der Zypernfrage zu tun hat. Ich kenne den Prozess gut, den Zeitplan und hielt dazu an, sich zu einen. Als Annan mich das 2. Mal besuchte, sagte er: „Ich kann es nicht mehr lösen!“ Da sagte ich ihm, „lass es uns zusammentun. Du wirst sehen, dass die Türkei dich nicht auflaufen lässt. Wir werden immer 1 Schritt vor denen im griechisch-zyprischen Sektor sein. Gib uns eine Woche!“ Und dann hatten wir jenes Treffen in Davos. Annan hatte nach 1 Woche gefragt und nach 1 Woche starteten die Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns. Natürlich haben wir [Türkei] uns wieder eingebracht. Unser wichtigstes Abenteuer war Burgenstock. Wir hatten das ernst genommen. Doch die Südzyprer haben leider wieder ihre Versprechen gebrochen. Und seither verlassen sie den Verhandlungstisch – so oder anders. Nordzypern blieb immer bei ihrer Position am Tisch, und dies mit Determination. Auch wir zeigten, wie entschlossen wir sind als Garantiemacht. Leider haben die anderen Garantiemächte nicht die gleiche Positionierung diesbezüglich eingenommen.“
Des Weiteren ließ er wissen, dass nicht ewig verhandelt werde. Man werde sich entscheiden, und dann wird diesem Entscheid gefolgt.
„Meine Brüder Nordzyperns sind für mich so wichtig wie die türkischen Bürger. Daher: So wie wir ihnen jedwede Unterstützung bislang gewährten, so werden wir auch in Zukunft verfahren!“

Read Full Post »

Die Türkische Republik Nordzypern 3

Premierminister Erhürman der Türkischen Republik Nordzypern beklagt, es existierten keine Statistiken, auch keine Studien, die belegten, dass der Norden einen wirklichen Bedarf an 16 Universitäten habe. Auch bezweifelt er die kursierende Zahl Studierender im Norden von in etwa 100.000 für das Semester 2017 – 2018.
In den Universitäten des Nordens von Zypern arbeiten gewissen Angaben zufolge in etwa 4.529 Lehrer und 101.000 Studenten studierten; 55.000 davon sollen aus der Türkei kommen und rund 13.000 Studenten seien Türkischzyprioten.

Die genannten Werte verraten uns schon mal eine zahlenmäßige Dominanz von sogenannten Festlandtürken, die in türkisch-zyprischen Universitäten eingeschrieben sind.

Und ja, das Dominieren einer Sache, wie Sie wahrscheinlich schon ahnten, ist offenbar eines der Themen oder Dinge, die Türken im Allgemeinen und derzeit ganz besonders anscheinend sehr interessieren.
Şener Elcil von der Gewerkschaft KTO hat – vielleicht auch dieses Dominanz-Phänomens wegen – gleich 24 Fragen an das türkische Außenministerium gerichtet, und zwar klugerweise bezüglich Afrin in Syrien – aber gewiss spricht er derart, unausgesprochen sozusagen, die Verhältnisse in Nordzypern an, vermuten wohl nicht wenige.
„Werdet ihr keine türkischen Staatsangehörigkeiten in Afrin verteilen? Werdet ihr keine Bevölkerungsgruppen dorthin oder von dort weg transferieren? Werdet ihr den Plätzen und Straßen von Afrin keine türkischen Namen verpassen? Werdet ihr keine Komitees einrichten, welche das Land der Leute [an andere] verteilt? Werdet ihr Afrin nicht plündern? Werdet ihr die Währung nicht außer Kraft setzen und die Türkische Lira einführen? Werdet ihr keinen Kommandanten berufen, der aus der Türkei kommt und dafür sorgt, dass lokale Polizisten in der Hierarchie nicht aufsteigen? Werdet ihr nicht die schönsten Plätze Afrins euren Unterstützern anbieten?“
Kann also gut sein, dass Herr Elcil das Zitierte so geschrieben oder formuliert hat. Der Zweifel, den Sie hier bereits heraushören, ist darin begründet, dass das obige Zitat Beiträgen dem Press and Information Office des Südens entnommen ist. Weil, hier wird angenommen, dass Herr Elcil wahrscheinlich eine Familie hat. Und sollte er obige Fragen so formuliert und in die Öffentlichkeit entlassen haben, ist nach einer weiteren Bleibe für sich und die Seinigen sich vorsichtshalber schon mal umzusehen, bestens im Süden, wahrscheinlich die Pflicht eines jeden verantwortlich handelnden Familienvaters. Vielleicht gehen ja auch seine Kinder bereits, so er denn welche hat, im Süden zur Schule. Letzteres, dass Kinder aus dem Norden im Süden Schulen besuchen, ist ein gängiges Phänomen unter sogenannt echten Türkischzyprern, vor allen unter jenen, die nicht allzu entfernt von der Grenze in den Süden leben. Das ist dort wirklich sehr populär, wahrscheinlich chic. Politisch eher links zu verortende Türkischzyprer lassen sich vor allem auf diese Möglichkeit ein, auch, um ihre Kinder im international akzeptierten europäischen Teil der Insel europäischen Standards zu unterziehen – und derart wird auch Sorge getragen, dass die Kleinen mehrsprachig aufwachsen, wie es sich heutzutage für weltoffene Menschen gehört, und um Karriere machen zu können etc.

Apropos KTO: Die demonstrierten mal wieder. Diesmal war es vor der Türkischen Botschaft im Norden Zyperns, also in Nord-Nikosia, und das geschah noch Anfang-Mitte des Monats Juli 2018. Demonstrierten, weil Erdogan, wie bereits in Part 1 und 2 dieses Berichts berichtet wurde, ja die Insel besuchen kam. Die fanden es überhaupt nicht amüsant, dass er auch noch – und ausgerechnet – eine Moschee einweihen ging, die wiederum ausgerechnet ebenfalls „Hala Sultan“ getauft wurde, und zwar in einer Gemeinde namens Haspolat. Das Original mit diesem Namen steht nämlich im Süden und ist so etwas wie ein Pilgerort für nicht wenige Muslime in der Welt, da die Tante des Propheten Muhammad sich dort mal temporär aufhielt. Die Moschee in Haspolat/Nordzypern ist immerhin der berühmten Selmiye Moschee der Stadt Edirne/Türkei unweit der griechischen Grenze, genauer in der Region Trakien, nachgebaut worden. 4 Minarette hat sie, 37.000 qm Fläche nimmt sie ein und 6.000 Betende könnten dort gemeinsam beten, wird berichtet. Kostenpunkt: 33 Millionen US-$.
Nicht wenige Gewerkschafter der KTOS finden, von diesem Geld hätten lässig 33 Schulen oder 3 supermoderne Krankenhäuser, wie es das „Famagusta Hospital“ im Norden ist, errichtet werden können.

Wie dem auch sei: Derweil konnte anstatt die „TCG Barbaros“ Fregatte der türkischen Marine im Hafen von Girne bestaunt werden – ziemlich sicher nur von Türkischzyprioten oder Festlandtürken. Nun dann!
Falls Sie nun, verehrte Leserschaft, aus Verlegenheit nicht wissen sollten, was denn sonst noch so im Norden getan werden könnte, zumal sie sich schon auf den Weg begeben haben, die Fregatte zu begutachten, kehren Sie einfach, bestens umgehend, auf ihren Fersen um, bevor man Ihnen sagt, dass Sie den falschen Ausweis besitzen und gehen Sie geradewegs ins neu eröffnete „Limak Cyprus Deluxe Hotel“ in Bafra – welches irgendwo draußen in Karpaz angesiedelt wurde. Schlappe 200 Millionen US-$ hat es gekostet, den Kasten in das schöne Gelände zu stellen. Auch dieses Gelände müsste eigentlich naturgeschützt werden. Ein Teil von Karpaz ist es jedenfalls, oder soll es sein, muss hier fairer Weise gesagt werden, wenn man den Pflanzen und Tieren gerecht werden will. 1.300 Betten und 598 Zimmer warten auf Sie als Tourist. Die „Limak Holding“ hat in der Türkei weitere 8 Hotels in den letzten 23 Jahren errichtet.
Vielleicht wäre diese Verschandelung der Insel, manche finden, es sei Entwicklung, andere es handle sich um eine Verschönerung, ja doch auch ein Thema, welches die neue Zypernbeauftragte der UN, Frau Lute, aufgreifen sollte zur Abwechslung, auch, um ihren Fingerprint derart zu hinterlassen. Wird sie wohl nicht tun, keine Sorge. Die haben in diesen Positionen anscheinend nur Platz für Leute, die genau das tun, was von ihnen erwartet wird irgendwo. Jedenfalls scheint die angesprochene Erwartungshaltung, wenig bis gar nichts mit der zu tun zu haben, die die Leute hier auf Zypern haben – oder haben dürften. Letztere werden noch nicht mal danach gefragt, gilt es zu erkennen.
Vielen Zyprern geht Frau Lute jedenfalls jetzt schon auf den Nerv. Sie sei Geld- und Zeitverschwendung. Denn die Bedingungen, Wiedervereinigungsverhandlungen schon wieder anzufangen, sind ja noch gar nicht, auch nicht annähernd, erfüllt vonseiten des Nordens oder des Südens, wird gemurrt.
Dennoch werden die Verhandlungsführer demnächst wieder auf Einkaufstour geschickt. So, wie vermeldet wird, werden zuerst die Läden in Manhattan gestürmt und dann, nicht vergessen, die Amüsierbuden in Brooklyn, nein, nicht in der Bronx. Guterres hat die Damen und Herren dazu eingeladen, der UN-Präsident. Kurz davor hatte Akıncı noch recht laut vernehmen lassen über die Medien, für ihn habe NICHTS begonnen, als Lute in ihr Amt gehoben wurde und angefangen hatte, beide Seiten vor Kurzem höchst persönlich aufzusuchen.


Welch Überfluss! Insofern ist Überfluss dann vielleicht doch der angebrachteste Terminus zur Beschreibung der Lage. Nicht allein, dass in der UN anscheinend Kohle ohne Ende in Koffern darauf wartet, Politikern und anderen Interessierten hinter her geschmissen zu werden, nein, überflüssig erscheint vor dem Hintergrund dessen, was Akıncı die ganze Zeit über von sich gegeben hat, auch zu sein, dass er die Einladung nach New York – zum Einkaufen – angenommen hat. Weil somit signalisiert er ja, ob er es will oder nicht, dass die Verhandlungen sehr wohl auch für ihn wieder in der üblichen Art und Weise ihren Anfang genommen haben, und hoffentlich nicht genau so üblich enden. Zwar stirbt die Hoffnung meist zuletzt, doch manches Mal, offensichtlich, stirbt sie auch zuerst. Auch Hoffnung bedarf also eines tragbaren Fundaments!
Akıncı indes: „Lute ist nicht als ein Ersatz für den vorherigen Speziellen Abgesandten des UN-Sekretärs Espen Barth Eiden in ihrer jetzigen Position!“ Sie sei nur eine vorübergehende Abgesandte oder Beauftragte, die sich mit den beiden Zyprern, Akıncı und Anastasiadis, getroffen hat, um auszuloten, ob sich da in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen was drehen lässt.
Wir wünschen also erfreuliches Weihnachts-Shopping, gern auch in den bizarrsten Ecken des Central Parks. Jedem das Ihrige, oder jeder das Seinige! Spitzendiplomatie eben.
Zwar haben die Nordzyprer angeblich keine Lust mehr auf „Endlosschleife“ in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen, aber auf Shopping zu verzichten, und dann noch so günstig, verstehen Sie doch, das kann und darf nicht ausgelassen sein!

Read Full Post »

Armağan Candan von der Republikanischen Türkischen Partei (CTP) sowie Ersan Şaner von der Nationalen Einheitspartei (UBP) Nordzyperns kamen Ende Juni nach Straßburg, um an der Generalversammlung der Parlamentarier des Europäischen Rats (Pace) teilzunehmen. Es existiert in Straßburg sogar ein Büro Nordzyperns, zwecks Repräsentation etc. Unter anderen Themen war bei der Generalversammlung die Zerstörung kulturellen Erbes auf der Tagesordnung gewesen in Straßburg. Candan hielt eine Rede, und sagte so in etwa unter anderem: Das kulturelle Erbe gehört allen. Es ist unsere Pflicht, es zu bewahren. Und das kulturelle Erbe der zyprischen Insel gehört nicht allein den Süd- oder Nordzyprern, sondern der Menschheit allgemein. Candan wies darauf hin, dass das bi-kommunale Technische Komitee am 21. 03. 08 zwecks vertrauensbildenden Maßnahmen gegründet worden ist, ebenso als Schutz des kulturellen Erbes. Das Technische Komitee ist seines Dafürhaltens jenes Komitee, welches am besten von all den anderen arbeitet auf Zypern. Es sei am „effizientesten“. Auch daher, findet Candan, sollte der Europarat demselben eine finanzielle Unterstützung geben.
Seltsam ist dann aber doch für manchen Beobachter, zu sehen, in welchem Zustand die meisten Friedhöfe hüben, wie auch drüben in Zypern sind. Nach vorliegenden Angaben ergibt sich das Bild, dass die bi-kommunalen Kulturerbe-Komitees auf diesem Sektor versagt haben müssen (03. 07. 18 Cypriot Daily News). Und daher soll – mal wieder – ein „Pilotprojekt“ gestartet werden.
Wenn also bedacht wird, dass nahezu alle paar Wochen, und dies seit Jahren, irgendwo auf der Insel eine nachträgliche Beerdigung von jemandem stattfindet, dessen Leichnam identifiziert werden konnte nach den Auseinandersetzungen von 1974, muss man über den erwähnten Mangel schon etwas staunen. So viel Tra-Ra in Form von Bestattungen und Extra-Gottesdiensten, die regelmäßig im Fernseher zu sehen sind etc. und dann liegen diese Toten auf nicht umsorgten Friedhöfen?

Apropos umsorgen: Huseyin Özürgün, Vorsitzender der UBP, sagte am 04. 07. 18, Griechischzyprer sollten Tayyip Erdogan mit Blumen in der Hand am Flughafen Ercan im Norden begrüßen kommen, der am 10. Juli ja ankam, um, wie es der Tradition entspricht, nach einem Wahlsieg oder Ernennung zum Präsidenten der Türkei seine Aufwartungen im „Bruderland“ Zypern zu machen. Allerdings hat sich im Vergleich zu davor im Prozedere etwas geändert, denn der türkische präsidiale Wahlsieger Erdogan besuchte zuerst einen weiteren Bruderstaat, Aserbaidschan, bevor er von dort aus, eventuell direkt nach Ercan flog. Die Quellenlage ist unklar, nämlich derart, ob er nun direkt nach Ercan geflogen ist oder ob das Flugzeug zuerst noch kurz in der Türkei landete. Bekanntlich sind Direktflüge nach Nordzypern untersagt. Und nur die Türkei allein fliegt auf diese Weise dorthin. Ja, Aserbaidschan ist zwar ein Bruderstaat, aber Geschäfte gehen nun mal vor. Baku will sich einer solchen diplomatischen Angelegenheit wegen nicht mit der internationalen Gemeinschaft in die Nesseln setzen. Das wird von Seiten der nordzyprischen Regierung anscheinend verstanden, denn niemand scheint dagegen einen Einwand hervorzubringen – zumindest nicht über die Medien hörbar, noch nicht.
Und dass die Südzyprer von „illegalem“ Besuch Erdogans schreiben und reden, schmettert Özgürgün einfach als „Blödsinn“ ab. Schließlich hätten Die aus dem Süden der Türkei ihre Existenz zu danken. Wäre letztere nicht gewesen, sähe das alles anders aus auf Zypern.
Erhan Arıklı, Vorsitzender der Wiederbelebungspartei (YDP) dazu: Erdogans Besuch ist eine Nachricht an die Welt, sagt er. Woraufhin wir fragen: nur welche?
Wie dem auch sei. Es gibt anscheinend auch Nordzyprer, die den Besuch Erdogans bereits im Vorfeld als nicht äußerst lustig, oder anders, deklarierten. Einer dieser Menschen ist beispielsweise Izzet Izcan von der Unionspartei (BKP) im Norden. Er war gegen Erdogans Visite und rief offen dazu auf, dass die an den Besuch angehängte Einweihungsfeier der „Hala Sultan Moschee“ boykottiert werde.
Hala Sultan, der Name sagt Ihnen was, verehrte Leser? Sie haben es also erinnert, nämlich, dass jene Moschee, die vor den Toren Larnakas liegt, am Salzseechen, wo die rosa Flamingos als im Winter sind, denselben Namen trägt. Der Unterschied, wenn Herr Erdogan so einen noch ausmachen kann in derartigen Belangen, ist, dass einst die Tante des muslimischen Propheten Muhammad, höchstpersönlich dort zu verweilen geruhte; und ja, auch Herr Erdogan war nun kurz auf Zypern, hätte aber vielleicht einen, sagen wir mal, weniger anmaßenden Namen für die Moschee auserkoren können, zum Beispiel: Amça Tayyip (Onkel Tayyip).
Nun ja, jedenfalls vermutet Izcan, dass solch Gebaren Erdogans klare Anzeichen, einen Islamischen Staat auf Nordzypern begründen zu wollen, tragen würde. Sollte an Letzterem etwas dran sein, hat sich wohl der derzeitige Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, gerade noch rechtzeitig seine Haut gerettet. Er war nämlich unmittelbar nach dem Wahlsieg Erdogans extra nach der Türkei geflogen, um Alleinherrscher Erdogan zu gratulieren.
Akıncı hat wahrhaft einen schweren Stand: auf der einen Seite den politisch glitschigen Anastasiadis, und auf der anderen den politisch erpresserischen Erdogan – und dann verdeckt operierend und doch sehr präsent, die Israelis und die Engländer. Er wohnte also bei, als Erdogan seinen Eid ablegte, der türkischen Nation dienen zu wollen.
Wie die Umstände Mitte August indes zeigen, scheint Erdogans Politik sich nicht allzu dienlich zu erweisen. In Nordzypern müssen auf Grund der verfehlten Geldpolitik Erdogans neuerdings sogar Casinos Steuern zahlen – und überhaupt werden die Steuersätze im Tourismus etc. erhöht. Und nicht nur dort. Sogar Kinder werden mit einer 5%igen Steuer belegt. Bitte fragen Sie mich nicht, wie das von statten geht. Das soll dem Vernehmen nach vorrangig jene Kinderlein treffen, die neu eingebürgert werden. Viel Geld ist damit also nicht zu machen. Zeigt aber, dass doch eine gewisse Not zu herrschen scheint, denn auch der Finanzminister, Serdar Denktaş, rühmt sich neuerdings, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Letzterer ist sich sicher, dass die Geldentwertung des Türkischen Lira, die sich derzeit vollzieht, überstanden werden kann, wenn die Bevölkerung Nordzyperns einfach etwas solidarischer unter- oder miteinander verfährt.
Dass ausgerechnet der von sich sehr eingenommen wirkende Finanzminister des Nordens von Zypern mit dem Fahrrad unterwegs sein soll täglich, also das zu glauben, fällt nun wirklich schwer – bei all seinen Feinden etc. und seiner mentalen Verfasstheit.
Um nochmals kurz auf die Pleite im Finanzsektor zurückzukommen, die Erdogan gern auf andere schiebt. Emin Çölaşan, der in der türkischen Sözçü schreibt, hat am 13. August 18 Erdogan frontal in einem seiner Artikel angegriffen, und ihn gebeten oder aufgefordert oder beides, von seinem Amt zurückzutreten. Und seinen Schwiegersohn, den jetzigen Finanzminister der Türkei, gleich mit zu nehmen.
Tufan Erhürman, derzeitiger Premierminister im Norden Zyperns, ist der Ansicht unter anderem, dass sich eine „gefährliche Diskrepanz“ zukünftig zwischen jenen Kindern und Jugendlichen ergibt im Norden Zyperns, die eine Privatschule oder eine öffentliche Schule besuchen. Denn sie würden längst keine gleichwertige Sozialisierung erfahren. Erhürman meinte noch: 100.000 Studenten studieren im Norden. Das ist ein Drittel unserer Bevölkerung. Die Zahl der Universitäten im Norden Zyperns hat stark zugenommen. Daher bedürfe es nun einer „geplanteren Struktur“, und zwar in allen Bereichen, doch vor allem dem der Bildung. Die Universitäten überziehen inzwischen den gesamten Norden. 19 davon operieren im Land, wovon 16 vom Staat anerkannt sind. Beispielsweise wird die Amerikanische Universität von Girne (GAU) voraussichtlich im Jahr 2020 auch in der Region Karpaz, im äußersten Südwesten Nordzyperns, ihre Pforten für Studierende öffnen.
Das ist in etwa so wichtig für den Norden wie die Tatsache, dass viele Türkischzyprer im Süden arbeiten gehen, beziehungsweise einen Pass der Republik Zypern im Süden in der Tasche haben. 5.233 Antragsteller gab es in den letzten 5 Monaten alleine. Und zwar ist hier lediglich die Rede von Kindern aus sogenannt gemischt türkisch-türkischzyprischen Ehen. Letzteres lassen uns die Gewerkschaften für Lehrer des Nordens (KTOS sowie KTOEOS) wissen.
Diese Gewerkschaften hatten am 12. 02. 18 eine Kampagne gestartet, die sich des zuvor erwähnten Themas widmet, und zwar dergestalt, dass der genannte Personenkreis aus gemischten Ehen möglichst einen Pass aus dem Süden erhält. Die Republik Zypern sträubt sich allerdings recht heftig dagegen, wenn ein Elternteil „Festlandtürke“ ist. Bislang werden die meisten Anträge negativ beschieden. Die genannten Gewerkschaften dürften mit diesem Anliegen schon bald beim Europäischen Menschenrechtsgericht vorstellig werden. Jedenfalls ist die Rede davon, dass dieser Weg beschritten wird, wenn Nikosia-Süd nicht bald eine andere Gangart einlegt, ist zu hören.
Die Anträge für einen südzyprischen Pass gehen bei einer der oben genannten Gewerkschaften ein, die diese dann in den Süden an entsprechende Stellen innerhalb des Regierungsapparates weiterleitet. Denn behördlicher Kontakt von Süden nach Norden wird im Allgemeinen nicht gepflegt, da der Süden den Norden als Ansprechpartner (eigentlich) nicht akzeptiert. Und daher müssen ja auch andauernd sogenannte Vermittler der UN und andere herum sein auf Zypern.
Jedenfalls traf Herr Şener Elcil, Generalsekretär der KTOS, den Innenminister des Südens, Konstantinos Patridis, am 03. August in dieser Angelegenheit – mal wieder. Interessant ist, zu erfahren, dass die Bearbeitung eines solchen Antrages in zyprischen Behörden in der Regel 1 bis 2 Jahre dauert. Und sollte diese Sache vor das Europäische Menschengericht dereinst kommen, so ist nochmals mit einer Wartezeit zu rechnen, die sich den Angaben zufolge auf 2 bis 3 Jahre belaufen dürfte.
Ein weiterer Streitpunkt auf Zypern, und es gibt derer viele, ist, dass als unfair angesehen wird vonseiten nordzyprischer Politiker, wie es beispielsweise Herr Zorlu Tore von der Partei „Demokratische Sicht“ ist – er ist Vize-Präsident der Nationalversammlung im Norden -, dass die von der Türkei ins Leben gerufene Kommission für Grund- und Bodeneigentum (IPC) an Griechischzyprer eingeforderten Eigentum zurückgibt. Solch Gesetz, findet er, gehöre schleunigst geändert. „Wenn Griechischzyprer türkischzyprisches Eigentum im Süden enteignen und Grund und Boden für sich behalten, der noch nicht mal enteignet wurde vonseiten der dortigen Verwaltung, ist es falsch, dass Türkischzyprer Eigentum an Griechischzyprer zurückgeben. Diese Praxis muss aufhören. Sie stigmatisiert die Türkische Republik Nordzypern (KKTC) als schuldige Okkupanten“, die sie ja nicht ist oder sein soll.

Vorerst zuletzt: Am 05. 07. 18 hat das Europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, die besagt, dass die Republik Zypern (der Süden) vonseiten der Türkei anzuerkennen sei, weil es ansonsten zukünftig Schwierigkeiten für türkische Staatsbürger geben könnte, ein Visa in eines der EU-Länder zu erhalten. Dieser Entscheid beziehe sich auch auf zukünftigen Datenaustausch mit Ankara (Europol), der dann eventuell zum Erliegen kommen könnte.

 

Part 3 folgt demnächst!

Read Full Post »

Was denn wohl in Nordzypern, der Türkischen Republik Nordzypern, geschieht?

Wahrhaft.

Diese Frage Ihrerseits ist inzwischen wirklich berechtigt.

Man hört und liest meist nur etwas, wenn überhaupt, aus dem Süden der Insel, jenem Teil der Insel, der zur Europäischen Union gehört – und dabei hat der türkischsprachige Norden eigentlich einiges zu bieten. Manche nehmen die Entwicklungen dort sogar als Art Gratmesser oder Indikator dessen, was in der Türkei hinter den Kulissen vorgehen könnte.

Fangen wir also an, und zwar einigermaßen bemüht, chronologisch vorzugehen – ab Juni 2018, und, wie könnte es anders sein, längst wird nicht alles, was sich ereignete und ereignet abgedeckt werden. Man muss sich eben entscheiden im Leben!

Griechisch-zyprische Beamte versuchen anscheinend noch immer, zu unterbinden, dass ihre Landsleute, wo könnte es anders sein, im türkisch-sprachigen Norden der Insel billigen Treibstoff tanken gehen. Und dazu werden recht häufig strikte Kontrollen an den Übergängen durchgeführt, die ja nach offizieller Lesart keine Grenze sein soll. Unser Tipp: Keine mit Treibstoff gefüllten Kanister im Kofferraum aufbewahren. Sie könnten konfisziert werden. Doch auch, war zu lesen, ganz normale Tanks, die womöglich bis oben hin gefüllt sind mit Sprit, können einen in Schwierigkeiten oder Erklärungsnöte bringen an den Übergängen, die, wie gesagt, keine Grenzen sein sollen.

All das, Sie ahnen es schon, kommt einem wie ein schlechter Witz vor: die Kontrollen, wie auch das offizielle Gebrabbel der Grenzer, wenn man sie danach fragt, von der Nicht-Grenze.
Immerhin: Solch intensivierte Maßnahmen zeigen dem interessierten Betrachter so in etwa an, wie die süd-zyprische Administration zu ticken scheint: die Großen laufen lassen und die Kleinen schikanieren, wenn es dem „Vaterland“ vorgeblich dienlich zu sein verspricht. „Schmierenkomödie“ sagen da wohl manche unter Ihnen kurz und bündig dazu.

Warum hier gleich das Wort Schikane bemüht wird, wird sich Ihnen hoffentlich noch im Verlauf dieses in Teile aufgeteilten Beitrages etwas besser erschließen. Noch das dazu: Jene, die im großen Stil Geld abziehen, wie im deutschen Slang gesagt wird, haben es ja eigentlich wegen ihres hohen ‚Einkommens‘ nicht nötig, rüber in den Norden zu fahren, um zu tanken usw. – ins Feindesland.

Sie, verehrte Leser, erkennen bereits eine gewisse, wie soll man es nennen, Widersprüchlichkeit, die vordringlich Südzyprer umgibt oder durchdrungen hat, die der feindlichen Wahrnehmung des anderen Inselteils wegen, noch nie oder vielleicht nur ein Mal dort DRÜBEN waren, physisch. Mit dem Kopf indes scheinen viele von ihnen jeden Tag in der vergangenen Pracht zu leben, die ihnen im Norden „geraubt“ worden ist, sein soll, als die Insel noch eine einzige Einheit darstellte politisch etc.

Der Vize-Premier des Nordens, Herr Kudret Özersay, findet die oben erwähnte süd-zyprische Kontroll-Maßnahme fehl am Platz, da so etwas die vereinbarten und teils auch aufgenommenen vertrauensbildenden Maßnahmen der beiden Inselteile behindere. Die Kontrolle ziele wohl darauf ab, so Özersay, den türkischsprachigen Norden zu schädigen. Und dass der Treibstoff aus dem Norden gewissen Standards nicht entspreche, die im Süden gelten würden, diese Begründung sieht Özersay gewiss als eine Art schlechten Witz an – er drückt es nur anders aus. Denn er fragt: Und was ist mit all jenen Türkischzyprern, die seit Jahren täglich und zu Tausenden mit ihren Autos aus dem Norden in den Süden fahren, um dort ihren Unterhalt zu verdienen? Ist der Treibstoff dieser Autos etwa nur deshalb reiner oder besser? Bei der Gelegenheit und in Fahrt geraten erinnert Özersay auch gleich daran, dass das alles einer recht offensichtlichen Agenda folgt; so auch dies, als Bussen, die aus dem Norden rüber nach Larnaka an den Flughafen kamen, um Touristen abzuholen, plötzlich untersagt wurde, das zu tun, und zwar mit seltsamer, ähnlich lautender Begründung.

Nur ‚gut‘, wollen wir hier mal kurz einwerfen, dass Taxifahrer aus dem Norden unmittelbar vor Larnaka gelegen – dort in etwa, wo vor kurzem noch Carrefour existierte und der jetzige „Skalvinitis“ in Meneo sich befindet -, einen Platz sich schufen oder fanden, von wo aus sie sozusagen auf die Minute genau an das Terminal heranfahren können, um ihre menschliche Fracht abzuholen am Flughafen. Es war wohl zu oft zu Handgemenge und anderen unschönen Szenen unter den Süd- und Nord-Taxifahrern im Flughafengebäude und vor allem dort, wo Taxis normalerweise auf ihre Kundschaft vor dem Flughafen warten, gekommen. Und solch optisch-akustischen Eindruck will ja bei den lieben, unvorbereiteten Gästen nun wirklich nicht bleibend hinterlassen werden!
Sie sehen anhand dem Gesagten allerdings auch, Kompromisse sind möglich, aber offensichtlich eben nach dem Strickmuster: zuerst Wir und dann Die. Und auf Letzteres sich nochmals einzulassen, dazu haben die Türkischzyprer nun wirklich kein Verlangen mehr.
Und eigentlich geht es bei den andauernd scheiternden Verhandlungen zwischen Norden und Süden genau um diese Dominanzfrage: Wer ist zyprischer? Und wer hat daher mehr Vorrecht? Hört sich recht langweilig an, stimmt‘s? Aber so oder ähnlich ist dem nun mal auf Afrodites Insel – jeder möchte sie zuerst und für sich haben; und keiner der beteiligten Streithähne fragt, ob die Gute nicht vielleicht doch eher mit den Engländern oder gar Russen, Chinesen oder US-Amerikanern ins südöstliche Gemach sich zurückziehen mag. Wir glauben hier nicht, verzeihen Sie, dass Afrodite nun ausgerechnet mit der potenzgestörten EU solch Rückzug favorisiert. Türkische Penetration scheint ihr jedenfalls seit 52 Jahren teils gut zu bekommen; und Araber, die sind doch eh vielleicht schon zur Genüge auf ihr und eh in der Nähe angesiedelt.

Des Weiteren: Auch scheinen es die mehrheitlich griechisch-sprachigen Südzyprer zu sein, die so etwas wie ein „interoperables“ Mobilfunknetz zwischen Norden und Süden ausbremsen sollen, oder dass es zu einer Lösung der so genannten Zypernfrage kommt oder, oder, oder! Nicht wenige Analysten sind sich in folgender Ansicht einig: die Republik Zypern, also der Süden, zeigt auf Grund ihres politischen, ökonomischen etc. Bewegungsprofils eindeutig an, dass ihre Regierenden sich für die Option ‚aushungern‘ des Nordens entschlossen haben könnten. Weil man schiebt jeden wirklich relevanten Entscheid, der die beiden Inselteile sich annähern ließe, manchmal geschickt, meistens recht plump, auf die sprichwörtlich lange Bank. Wir erinnern: Die einstige BRD hatte so in etwa eine ähnliche Strategie im Umgang mit der DDR zu laufen. Nur: Jetzt, wo Präsident Erdoğan sich Machtbefugnisse aneignete, die ihn eigentlich schalten und walten lassen, wie es dem Herrn und seiner Entourage gefällt, sind die Würfel, sozusagen, neu gefallen. Und es ist – eigentlich wie immer – gerade daher nicht absehbar, was aus der Insel in näherer oder etwas entfernterer Zukunft wird. Letzteres muss leider so vage formuliert stehen bleiben, da vor dem Hintergrund der Aussicht, dass die Türkei womöglich wirklich schon bald konkretere Schritte unternimmt, sich den BRIC-Staaten anzuschließen, solch Schwergewichte wie beispielsweise China darauf drängen könnten, zukünftig am Katzentisch zu oder über Zypern mit zu sitzen, mitentscheiden zu wollen. Sie sind schließlich die Größten inzwischen, und werden wohl so in etwa jene imperialen Politiken fortführen, die der sogenannte Westen für Jahrhunderte der Welt oktroyierte. Sind doch auch nur Menschen.

Also: Überraschungen der ganz besonderen Art könnten anstehen auf Zypern.

 

Indes: Özersay nerven, Sie dachten es sich wahrscheinlich schon, noch einige mehr Dinge. Dass der Süden andauernd das Mandat der UNFICYP verlängert (bekommt). Weil Erstere maßen sich daraufhin an, einen gewissen Status Quo ableiten zu dürfen, den aber keiner im Grunde will, der aber herrsche und ein Schutzbedürfnis widerspiegle, welches so ebenfalls nicht mehr gegeben sei. Kurz, dieser Status Quo bringe die Republik Zypern einfach in eine privilegiertere Position gegenüber der Türkischen Republik Nordzypern. An dieser Beobachtung des Vize-Premiers aus dem Norden ist durchaus was dran.

Was des Weiteren wohl nicht nur Özersay gehörig auf die Nerven geht, ist die Sprache bezüglich des Nordens, die offiziell und in den Medien im Süden Verwendung findet, wenn noch immer von beispielsweise „illegaler TV-Station Bayrak“ die Rede ist oder vom „selbst so ernannten“ Premierminister des Nordens etc. Ein Glossar wurde nämlich vor noch nicht allzu langer Zeit herausgebracht von einer ‚unabhängigen‘ Stelle, welches von den Medien beider Seiten zur Anwendung kommen soll/te. Doch der Süden sträubt sich, offenbar dieses Glossarium anzuwenden – und andererseits gibt man vor, sich wiedervereinigen zu wollen etc.

Ihnen, als eventuell regelmäßiger Leser dieser Internet-Zeitung, ist gewiss bereits aufgefallen, dass hier manches Mal ‚gestöhnt‘ wird, wenn die Zyprer auf Wiedervereinigung machen, und wenn sie sich in New York oder sonst wo im Westen, gern in der Schweiz, treffen, worauf hier dann unverblümt und wohl auch etwas gefrustet von „Shoppingtour“ geschrieben wird, die die Herren und Damen Verhandelnden sich in den teuersten Städten der Welt verschrieben haben als Kur – darunter geht nicht, man ist ja schließlich wer, genauer: der Nabel der Welt!

Part 2 folgt schon demnächst!

Read Full Post »

Anfang April. Genauer: Der erste Tag nach Ostern.
War recht ausgleichend Ostern 2018. Jedenfalls was die Zypernundmehr-News Redaktionsräume angeht, war dem so: dort 2 viel zu große Nägel in die Wand gehauen, um den noch in Größe monströseren Spiegel an der Wand aufrechtstehend anzubringen, der kürzlich gekauft werden ‚musste‘. Woanders ein Bild aufgehängt. Mit dem Metermaß sogar den Abstand der Träger am Spiegel gemessen. So schwer ist das Ding, dass er ohne Hilfe an den beiden Ösen hängend nicht angebracht werden könnte.
Die Ösen hatte der Herr von der Lieferfirma eher widerwillig hinten am Spiegel angeschraubt, als er und sein Kollege gekommen waren, um weitere Gegenstände, wie eine Couch, einen Office-Tisch usw. abzuliefern und zu montieren. Das Büro ist inzwischen zur allgemeinen Zufriedenheit neben den Wohnräumen eingerichtet.
Wunderbar ist und war auch, heute Morgen bei Sonnenschein Richtung Süden durch das unweit von Lahr gelegene Dorf Sulz zu fahren, wo ganz viele gelbe Blumenköpfe den Straßenrand der dortigen Hauptstraße säumen und rosa blühende junge Bäume helfen, den frühlingshaften Eindruck in gesteigerte Lebenslust zu wandeln. Ja! Frühling ist gesteigerte Lebenslust, vor allem, wenn man plötzlich wieder ein Mal findet, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.
Durch Sulz fahren, ist angesagter, weil dort ist meist weniger Verkehr anzutreffen, als wenn man sich über die B3 in Richtung Freiburg kämpft, wo eigentlich immer Was los ist, das man nicht unbedingt miterleben mag: Stau, Unfall, Hektik etc. Über Sulz gefahren, können viele noch zu erledigende Dinge wahrscheinlich gleich von Anbeginn an lässiger oder entspannter angegangen werden.
In der Gemeinde Rust, wo von Lahr über Sulz, Kippenheim etc. hingefahren wurde, ist sichtlich spürbar, dass die dortige Saison im Publikumsmagneten Euro-Park von der Besucherzahl her anzieht; also richtiger: im „Europa-Park“. Doch noch längst nicht hat die Massenwanderung in den flächenmäßig wachsenden Unterhaltungspark von Rust vollends eingesetzt. Das kommt noch. Immer mehr Hotels entstehen, ein neuer Dorfteil sogar. Es ist nicht mehr jedermann gegeben, in dieser Gemeinde eine bezahlbare Wohnung zu finden – und schon gar nicht auf die Schnelle. Beziehungen sind gefragt, Geld.
Meines Wissens sitzt man in einer der vorhandenen Bäckereien Rusts zu jenem Zeitpunkt recht gut, nachdem der sogenannte „Stammtisch“ das Feld geräumt hat. Letzterer wird von Einheimischen gebildet, durchweg Männer, die wenig Gutes an ihrer Um- oder Mitwelt mit ihrem Gemurre und An-Klagen belassen. Selten, dass da mal was Positives – unfreiwillig – zu überhören wäre, was aus deren Mündern entlassen wird. Früher hätte man darüber gesagt: „Denen geht es zu gut!“
Kann schon sein, dass all Das auch anders gesehen werden kann!
Jedenfalls so kurz vor 12 Uhr mittags sitzen die Herren vom Stammtisch, die meisten sind Rentner, wahrscheinlich Zuhause und warten, dass ihnen Teller mit Essen gefüllt gereicht werden. Wahrscheinlich kochen einige von ihnen auch selbst, weil alleinlebend oder weil andere Umstände eine ‚schrankenfreie‘ Versorgung der zuvor erwähnten Art verhindern. Und auch Ihnen, verehrte Leser, wird schon aufgefallen sein, dass Selbstkochen doch eigentlich Spaß macht? Es soll ein tägliches Wagnis sein. Ein Abenteuer. Eine künstlerische Betätigung. Der Zeitpunkt, an dem Draußen draußen ist und bleibt.
Die örtliche Verlegung der Redaktions- und Wohnräume bedingt nämlich, dass solch Koch-Wagnis neuerdings nahezu täglich angegangen wird, zumal der Markt der Stadt Lahr praktisch vor den Füßen liegt – 2 manches Mal 3 Tage die Woche stattfindet. Das Schleppen von schweren Taschen und/oder Tüten hat somit ein jähes Ende gefunden – auch sonst sind die Wege kürzer geworden. Zypernundmehr-News befindet sich neuerdings in der Mitte einer kleinen, recht freundlich pulsierenden Stadt im Schwarzwald, wohingegen sich auf Zypern selbst nichts geändert hat. Dort befinden wir uns im ungefähren Dreieck, welches die Städte Limassol, Larnaka und Nikosia bilden. Langsam lernt man sich kennen auf dem Markt von Lahr. Interessante Kunden-Käufer-Beziehungen entstehen. Das gefällt.
Die Atmosphäre ist eine wirklich andere als auf dem Markt in Kandern, wo alles so gedrängt ist. Komprimierter also – vielleicht wegen der Lage in einem Tal. Manche versteigen sich gar darin, zu behaupten, es sei eine „Täler-Mentalität“ existent, mit deren nach Innengewandtheit man umzugehen lernen müsse in Kandern. Etwa so wie hoch oben in den Alpen gilt es das zu sehen, wo die Bewohner auch lieber im eigenen Saft gebrutzelt werden wollen, wird gesagt.
Auch egal: Der Umzug, nämlich weg aus Kandern hin nach Lahr im Schwarzwald, war mehr als notwendig geworden. Zur allgemeinen Überraschung sind die häufigen Aufenthalte in Basel und somit in der Schweiz noch gar nicht groß vermisst worden. Das hat damit zu tun, dass von Lahr aus eigentlich viel bequemer nach Basel oder Zürich gelangt werden kann, und ungefähr genauso schnell und teuer oder billig, als von Kandern aus. Die neugewonnene Nähe ins nördlicher gelegene Kehl, Karlsruhe, Colmar oder Seléstat im Elsass und Straßburg ist WIRKLICH einfach DER Knaller!

Well, der Knaller wird, wie in TRT-Türk zu hören war, dass nun anscheinend doch noch gebaut wird, und zwar in der Nähe der Stadt Mersin. Die sogenannte Grundlage für das schon seit längerem anvisierte Projekt zwischen der Türkei und Russland ist gemeint. Die Basis ist also leider gelegt worden – kein Aprilscherz.
Der erste Gedanke, als von dem türkisch-russischen Projekt gehört wurde: „Aha, nun haben die Israelis wieder zu tun.“ Die haben ja schon über die Medien wissen lassen, allerdings in anderem, aber ähnlichem Zusammenhang, nie wieder zu erlauben, dass in ihrem unmittelbaren Umkreis tödliche Gefahr entsteht. Die Israelis sind ja, wie Sie wissen, deshalb schon vor einiger Zeit in Syrien ‚eingeritten‘, damit ein Mehren von Plutonium für Nordkorea und andere Interessierte unterbunden bleibt. Und was jetzt bei Mersin entstehen soll, welches unweit von Adana liegt und eine weitere türkische Millionenstadt ist, ist mindestens so unschön wie das, was man einst in Syrien vor knapp 10 Jahren in die Luft sprengte per israelischen Flugangriffen.
Man müsse selbstständig werden in Sachen energetischer Versorgung, säuselt Erdoğan und seine ministerialen Hampelmänner. Irgendwie konnte nach geschlagenen 4 Stunden TRT-Türk-Gucken nirgends vernommen werden, wo denn bitte sehr die Reste einer solchen Anlage sicher untergebracht werden sollen in der Türkei? Entschuldigen Sie, wenn hier etwas zynisch bemerkt wird als Antwort auf die gestellte Frage: Vielleicht in den Höhlengängen der frühen Christen nahe der Stadt Kayseri, also in Kappadokien. Oder nach Afrika damit? Letzteres, weil türkische Exporte nach Afrika, wie gerade praktisch jeden Tag verkündet wird auf TRT-Türk oder Int, scheinen exponentiell zu steigen. Hoffen wir mal, dass die Rechnungen für die vorgeblich hohen türkischen Exporte nach Afrika auch wie gewünscht beglichen werden von den afrikanischen Geschäftspartnern.
Nein, nein! So unsensibel, wie das gerade Geäußerte, sind Herr Erdoğan und sein Außenminister Çavuşoğlu nun doch nicht. Beide geben im Verbund mit dem Rest der AKP-MHP-Regierung vor, begriffen zu haben, dass der Islam Vorläufer hat: nämlich das Christentum, doch vor allem das Judentum. Dennoch fühlt man sich als Muslim und Türke zu oft missverstanden und so handelt und redet man anscheinend auch in Ankara. Und deswegen, und manche behaupten nur deswegen, muss die Türkei zukünftig ausgerechnet dieses Atomkraftwerk in Akkuyu betreiben, welches ja in einer Gegend liegen wird, die nicht nur auf Grund ihrer Geologie problematisch ist, sondern auch, weil dort bekanntlich Konfliktzonen verlaufen – West-Südosttürkei, genauer: die Kurden-Türkenfrage; doch auch die wenig erwähnte Frage der türkischen Araber. Armenier, Jeziden, Sinti und Griechen könnten auch noch genannt werden, doch die sind noch immer zu dezimiert von ihrer Anzahl her, und dies seit Beginn des letzten Jahrhunderts, bzw. seit den 20er Jahren.
Derartige Grenzverläufe im Land mag Ankara nicht erwähnen. Das sei schlichtweg Humbug, dort von Grenze zu sprechen: PKK-Propaganda, Fetö-Unterstützung, armenische Lügen, unislamisch, west-imperialistisch etc.
Von der Stadt Mersin war oben kurz die Rede. Ja, dort ist einer der Häfen der Türkei, aus denen sogar Fähren regelmäßig und auch im Winter nach Zypern-Nord in See stechen. Zypern liegt also in unmittelbarer Nähe des geplanten Projekts in Akkuyu, wie allerdings auch Israel und Teile Syriens – und die Saudis zählen sich da auch dazu gehörig, und würden zu gern der Welt zeigen, dass sie mit der Türkei und Israel in Konkurrenz stehen und begriffen haben, dass allein Öl-Verkaufen zukünftig nicht ausreicht, um das Glück der Herrschenden in Riad weiterhin gepachtet zu haben. Sie betteln derzeit (20. April 18) geradezu darum in Washington, sich offiziell als weiteren Player in den Wirren in Syrien einführen zu dürfen – und das möglichst von Gnaden der USA.
Putin sieht sich offenbar getrieben, strategisch ausgefeilt einen Keil zwischen sich und dem sogenannten Westen mit Beihilfe der AKP-Regierung der Türkei etwas tiefer zu verankern – siehe Akkuyu. Wahrscheinlich laufen im Geheimen schon Verhandlungen der Türkei mit Ländern, wie Nordkorea, Pakistan oder China, damit einer von ihnen im Falle, dass Putin und Erdoğan sich schon bald wieder in den Haaren liegen, das Projekt Atomkraftwerk-Akkuyu weiterführt, um einen türkisch atomaren Stern am anatolischen Himmel und auch endlich über dem Mittelmeer erleuchtet zu sehen – zum Schrecken und zur Warnung all jener/n, die es über die Jahre aus Ignoranz und Arroganz usw. nicht verstanden haben, den türkischen Player in die gesamteuropäische Masse einigermaßen ebenbürtig mit einzubinden. Anastasiadis und Co. auf Zypern sind hier die Ersten, die es für dieses Versagen zu nennen gilt. Brüssel und Berlin, Merkel, Seehofer & Co. gilt es dann sowieso gleich nach den Zyprern zu nennen.
Yusuf Ünsal?
Stuttgart?
08. 04. 2018?
Genau. Ungefähr an jenem Wochenende muss es in Stuttgart eine Demonstration von Kurden und ihren Unterstützern gegeben haben. Nichts weiter Verwunderliches. Doch dass Recep Tayyıp Erdoğan einen türkischen (vielleicht auch deutschen) Staatsbürger im Raum Stuttgart telefonisch anruft und diesen als Art Helden in den türkischsprachigen Medien feiern lässt, ist genau die Art und Weise, und somit auch die Bestätigung dessen, dass auf europäischem Boden von Ankara im Ausland befindliche türkische Bürger nicht nur geführt, sondern auch aufgestachelt werden. Der zuvor erwähnte türkischstämmige große Held, den sogar Binali Yıldrım als gutes Beispiel eines aufrechten Türken im Munde führt neuerdings, ist also jemand, der eventuell in Deutschland dauerhaft lebt und sich den demonstrierenden Kurden auf den Straßen Stuttgarts in den Weg stellte, und gegen diese angeschrien haben soll, dass die Türkei in Afrin keine Morde begehe und dass die PKK eine terroristische Organisation sei. Anstatt dass die deutschen Polizisten gegen die Kurden einschritten, wurde berichtet, die wieder mal verbotene Symbole mit sich trugen und Erdoğan einen Mörder schrien, wie immer, wurde Ünsal, wie ausgestrahlte Aufnahmen zeigen, eher unsanft in Gewahrsam genommen. Unsanft, wie zu erkennen war, weil sich der Herr gegen seine Festnahme heftig zur Wehr gesetzt hat. Er soll mit einem Gerichtsverfahren rechnen müssen, wurde berichtet.
Gerade vorhin war nun ein Interview auf TRT-Int zu sehen, wo Bürger Ünal sich angesichts des Telefonates stolz gibt, da ihn sein „Oberkommandierender“ Erdoğan persönlich angerufen habe in der Sache. Was braucht es mehr, um vaterländische/n Ruhm und Ehr als Türke im Ausland zu erlangen?
Deutschland, und wenn es noch so heruntergespielt wird von Politikern und den großen Medienanstalten Deutschlands, ist schon längst zum Austragungsort des von Erdoğan & Co. angeheizten innertürkischen Konflikts geworden. Was auch zu erwarten war. Fehlt eigentlich nur noch diese eine traurige Nachricht von einem ersten Opfer der Hetze via Ankara in Deutschland gegen jene, die andere politische Überzeugungen haben – oder einfach, weil man eine ungeliebte Volkszugehörigkeit hat. Zwar können TRT-Türk & Co. nicht verboten werden, doch es könnten durchaus Maßnahmen ergriffen werden, die sicherer stellten, dass bei Demonstrationen in Deutschland gewisse extremistisch (angehauchte) Gruppen mit Nulltoleranz rechnen müssen vonseiten der Polizei. Für die involvierten Polizisten ist das gewiss kein Zuckerschlecken. Doch die türkisch-nationalistische Welle gehört endlich ausgebremst. Sie birgt nämlich eine gewisse Ansteckungsgefahr in sich. Außerdem müsste mal eruiert werden, inwieweit die Polizisten Deutschlands – im hier angesprochenen Fall jene Polizisten türkischer, kurdischer, arabischer etc. Herkunft – sich überhaupt befähigt sehen, in solchen völkisch gefärbten Einsätzen, möglichst unparteiisch nach geltendem deutschen Recht für Ordnung zu sorgen. Eines der Dilemma der Beamten: Die einen, die auf der Straße randalieren, beispielsweise, sollen eingesperrt werden und die anderen, die in Vereinen und Moscheen agieren, werden vom Staat sogar mit Art Sonderrechten ausgestattet usw. Denn wie bereits in vorherigen Artikeln hier geschrieben wurde: Die Macht der türkischen Religionsbehörde DITIP in der BRD gehört umgehend eingeschränkt. Prediger in deutschen Moscheen dürfen nicht weiterhin Abgesandte der religiös-faschistisch orientierten AKP-Regierung der Türkei sein. Wie Kamera-Aufnahmen letztens bezeugten, werden kleine Jungs dazu angehalten, in Soldatenuniformen durch Moscheeräume zu marschieren – oder wie Leichen in eine türkische Fahne gewickelt auf dem Boden zu liegen etc.
Und von vaterländisch erlegten Leichen haben wir nicht nur in Deutschland zur Genüge die Nase voll seit 1945. Bei vaterländisch kommt einem natürlich auch gleich jemand wie Herr Bahçeli in den Kopf, der mit Erdoğan in der Türkei die Regierung bildet. Der erstere hat letztens zwar nicht unbedingt eine Leiche gelegt oder vergraben. Aber er versuchte, dabei zu helfen. Denn: Dieses Frauenzimmer muss/te doch in die Schranken gewiesen werden! Man stelle sich mal vor: Schon wieder eine Frau als Premierministerin der Türkei. Geht’s noch! Die Çiller hat allen Beteiligten damals gereicht: Bahçeli, Erdoğan und den anderen.
Diesmal heißt die Feindin Meral Akşener. Sie ist von der IYI-Partei, Partei-„Gut“. Man ist in dieser Partei also gut, wahrscheinlich besser als die anderen. Jedenfalls nicht schlecht und gemein, eben gut, wie der Name es ja eingibt. Der Generalsekretär der Partei, Herr Dr. Aytun Çıray, scheint ein kluger Kopf zu sein. Genauer: Die Söszcü-Tageszeitung schreibt davon, dass es der Inspiration seiner Frau zu verdanken sei, dass der Anmeldungstermin der Partei im Kalender etwas zeitlich später den Medien und anderen Interessierten verabreicht wurde. Die AKPler haben sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, nachsehen zu gehen, ob dieses Datum so überhaupt stimmt, als sie vor Kurzem den Wahltermin zu der Präsidentenwahl bekanntgaben. Es soll im Dezember 2017 passiert sein, dass die IYI ihre Formalitäten anging und erledigte.
Offenbar war in Insider-Kreisen der Türkei schon immer das Thema vorgezogene Wahlen ein Thema. Auch bei dieser einen Oppositionspartei zur AKP. Die AKP hatte ja bislang immer brav alle Legislaturperioden zu Ende gebracht. Dennoch ging das Gespenst vorgezogener Wahlen um. Und so geschah, was geschah: Da hat also der Präsident der Republik Türkei seinen Gehilfen und Regierungskoalitionspartner von der MHP ans Mikrofon geschickt. Er solle Neuwahlen fordern. Das tat der Bahçeli glatt und bestimmte einen Wahltag im August 2018. Doch nachdem die beiden den folgenden Tag nochmals zum Tee zusammengekommen waren, meinte Erdoğan danach höchstpersönlich: „Neuwahlen werden am 24. Juni 2018 sein.“
Wie kam’s?
Alle sind sich einig darin, dass die Regierenden von der AKP-MHP-Koalition die Iyi-Partei aus dem Weg schaffen wollten. Sie haben dazu wohl einfach 6 Monate von dem Datum an gerechnet, welches die Iyi-Partei als den Zeitpunkt den Medien verkündet hatte, an dem alle Formalitäten zur Wahlbeteiligung erfüllt waren. Ja, und dann haben die Herren offensichtlich noch ein Wöchlein oder zweie großzügig draufgeklatscht, sodass die Partei dieser Frau nicht zu den Wahlen zugelassen werden kann – glaubten sie.
Doch die Frau Akşener hat ja, wie erwähnt, eine Helferin mit gutem Instinkt. Und wegen letzterer sitzt die regierende Männerriege der AKP jetzt etwas oder mehr in der Klemme. Denn wir alle wissen, sogar der einsamste Bauer in Ostanatolien wird es inzwischen wissen, dass Bahçeli und Erdoğan sich selbst ausgetrickst haben mit Bekanntgabe des Wahltermins. Ihr Stern ist eventuell am Sinken und vielerorts hebt das die Stimmung – noch – insgeheim. Denn die Weitsicht und Menschenkenntnis Frau Çırays ermöglicht der IYI-Partei ihres Mannes, an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen zu können, wenn sich alle an die Regeln halten bis zum Schluss. Mancher traut der Richterschaft indes zu, dass wieder einmal Recht nicht gesprochen werden könnte, und noch schlimmer, dass am Wahltag Manipulation hoch drei, wie man sagt, stattfinden könnte.
In der Yeni Özgür Politika vom 23. April 2018 finden Demir und Seçkin, dass der wahre Grund für die vorgezogenen Wahlen ist, dass 2019 sich eine nicht mehr zu vermeidende Krise am Horizont abzeichnet, die vor allem die Türkei in Beschlag nehmen wird. Alle verschuldet in der Türkei, doch besonders die staatlichen Banken, was zum Resultat haben dürfte, dass die Gesellschaft, die Sparer und Anleger, – mal wieder – die Zeche blechen werden, und nicht nur die. Einiges aus dem Ausland stammendes Kapital, 2/3 des Geldes in der Türkei basiert auf Schulden gemacht im Ausland, auf Darlehen. Das sind ungefähr 230 Milliarden US-$ etc. -, die die Türkei mit in den Strudel reißen könnten. Oder falls die erwartete Krise von außen angestoßen wird, was wahrscheinlicher zu sein scheint, dann, dass diese hohe Schuld mächtig am Kragen der Türkei zu würgen beginnen wird – wie einst in den 90er Jahren und davor.
Ja, türkische Politiker und Wirtschaftskünstler sind solch finanzpolster-enge Zeiten schon fast gewohnt. Bislang hat man mit Good-Will der westlichen und/oder östlichen Player stets das Beste oder Zweitbeste pickend, sich durchschlagen können, sogar zuweilen etwas profitieren können. Das eben gezeichnete Finanz-Drama, finden nicht wenige, spielt sich im Grunde schon jetzt sichtbar, ja, merklich ab: Über 2 Millionen Kinder werden nach Angaben der Yeni Özgür allein in der Türkei als ‚Arbeiter‘ ausgebeutet – vor allem Kinder von Flüchtlingen aus Syrien etc. Ein 15-Stundentag ist für die kleinen Verlierer, entschuldigen Sie, die Regel. Auch dieser traurige Umstand scheint in Berlin und Brüssel niemand groß zu jucken. Anscheinend hat man höhere Ziele. Nur welches Ziel kann höher sein, als die Gegenwart von Schutzbefohlenen an der Grenze zur EU zu sichern, und um sie zukünftig nicht mit Bomben und Raketen bewaffnet gen die Union ziehen zu sehen? Und dann noch dies: In türkischen Knästen und/oder Polizeistationen wird wieder, und das nachweislich, gefoltert!!!
Eine scheinbar positive Nachricht gibt es aber dennoch aus der Region zu vermelden, genauer aus Rojava, welches bekanntlich an der türkischen Grenze im Osten Syriens liegt. Noch haben dort Kurden das Sagen. Berichtet wird, dass zum Andenken an eine argentinische und britische „Kämpferin“ die für die Sache der Frauen und der Kurden gefallen sind, sich inzwischen eine Art Labor Rojava formiert haben soll, ein Etwas also, in dem Frauen vordringlich das Sagen haben sollen und neue progressive Formen des Zusammenlebens eingeübt werden – und das wird offenbar vordringlich unter der Führung von Frauen in die Praxis umgesetzt.
Doch: Solange keine Frau als kurdische Führerin verehrt wird – so wie Öcalan in etwa -, so lange mag hier nicht so recht an die (schein-)feministisch orientierte Entwicklung oder Propaganda in Kurdistan geglaubt werden. Wahrscheinlich haben ein Paar Leute in Rojava und andernorts in Kurdistan erkannt, dass die Frauenfrage international Pluspunkte einbringt, das Image bessern kann. Hoffen wir mal, dass eben geäußerte Annahme der Realität nicht entspricht, entsprechen wird.

Diese eine nun folgende Sicht der Dinge soll und darf Ihnen nicht vorenthalten sein: „Hakikat“ (Wahrheiten) titelt es im Beitrag von Soner Yalcın, der in der Sözcü vom 20. April 2018 schreibt. Einleitend dazu kurz dies: Der Autor war unterm Messer im Krankenhaus und wacht gerade aus der Narkose auf.
„War gerade drauf und dran, vom Dusel der Narkose mich zu entfernen, als ich eine mir bekannte Stimme hörte. Öffnete meine Augen. Im TV sprach Präsident Erdoğan. Alle im Raum Anwesenden blickten nicht etwa zu mir, sondern zu ihm. Offensichtlich gab er gerade was Wichtiges von sich. Wie auch immer die Wirkung der Narkose beschaffen sein mag, zwischen meinem Zustand und Erdoğan begann ich nun Parallelen zu ziehen. So dachte ich: Die Last der Politik und der Ökonomie sind zu etwas Unaushaltbarem geworden. Erdoğan möcht sich davon befreien.
Erst daraufhin begann ich, mich von der Wirkung der Narkose zu lösen.
Erdoğan zählte gerade die Gründe auf, an die er selbst nicht glaubt, die dazu bewegten, die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorzuziehen. Die Personen um mich herum fingen an, das von Erdoğan Gesagte zu interpretieren. Auf einmal: Nicht die Worte Erdoğans, sondern sein Gesicht und die Stimmlage fielen mir auf.
Erdoğan ist ermüdet, fertig, ausgelaugt. An das von ihm noch vor zwei-drei Tagen geäußerte „Hey Leute!“ erinnerte DAS jetzt wirklich zuletzt. Dachte bei mir: Vielleicht ist es ja deine Narkosenachwirkung.
ERDOĞAN MÖCHTE SICH ENDLICH VON DIESER SCHWEREN LAST BEFREIEN!
Er will abtreten. Lasst-mich-endlich-ziehen mäßig war der drauf.
Sie könnten jetzt einwerfen: Um die Wahl zu gewinnen, greift er zur vorgezogenen Wahl [wie einst Özal und andere]. Auf ersten Blick sieht es so aus. Doch ich rate dazu, Erdoğan nicht zuzusehen, sondern ihn anzusehen. Zweifellos. Er selbst würde so etwas nie sagen, ja, das wird er nie zugeben. Aber … . Auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, er schreit uns mit seiner Körpersprache und über den Bildschirm hinaus zu: „Ich bin müde. Kann nicht mehr!“
Mal ehrlich: Zeigt sich Erdoğans Gemütszustand nicht etwa? Andererseits … . Warum sonst sollte er sich jetzt Wahlen antun, die erst im November 2019 anstehen? Vorgezogene Wahlen beseitigen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht – machen sie auch nicht unsichtbar. Das Gegenteil davon nimmt dadurch eher zu. … Erdoğan schreit am Bildschirm: „Nehmt mir die Last ab! Ich pack es nicht mehr, weil das System kriegt ansonsten bleibende Macken ab!“
Was willst du da noch sagen? Das eben Gesagte ist also der wahre Grund, warum die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorgezogen werden. Der möchte sich jetzt wegretten. Er, der 15 Jahre lang DER Mann in der Wirtschaft war. Dass er es nicht mehr draufhat, wie sonst noch soll er uns das zeigen? Für viele geht ein Traum in Bruch. So viel zur Lage. Das ist alles. Schlussendlich: Mich hat man unterm Messer von meinen Sorgen befreit. Hoffe, dass am 24. Juni 18 auch die Türkei befreit wird, [auch wenn der gerade wieder verlängerte Ausnahmezustand in den Ostprovinzen der Türkei gewiss noch bestehen wird]. Andernfalls … .“
Jedenfalls wurde bereits gleich einige Stunden nach Bekanntgabe des Wahltermins diskutiert, ob womöglich die CHP mit der HDP sowie der IP (IYI) zusammengehen könnten, also einen gemeinsamen Kandidaten für den Präsidentensessel kreieren. Aus hiesiger Sicht wäre es schon recht klug, das zu tun und sich nicht etwa hinter dem ausgedienten und abgenagten Kılıçdaroğlu von der CHP zu vereinen oder hinter jemanden von der HDP, sondern die durchaus streitbare Frau Akşener von der IyI Partei sollte ins Rennen geschickt werden. Sie ist eine Frau, und die Türkei ist erneut reif, einer Frau ihr nicht uneingeschränktes Vertrauen für ein Spitzenamt zu geben – nach 15 Jahren AKP sowieso. Das wäre wirklich fantastisch. Da nutzt auch nicht, dass die Erdoğan treue Medienlandschaft der Türkei den Vorsitzenden der CHP Kılıçdaroğlu bereits anstachelt, nicht genug Mumm in den Knochen zu haben für solch einen Job. Die wissen, dass dieses Argument sehr tiefreichend wirkt. Macho kennt eben die Schwächen eines Machos. Frau Akşener hat am 30ç April in einer Rede in ihrer Heimatstadt am Schwarzen Meer trefflich darauf hingewiesen, dass Bahçeli sich ja auch nicht zum Kandidaten aufstellen ließe. Soll heißen: Hört auf zu stacheln, weil sonst mach ich euch den Bahçeli noch auf eine Kandidatur fürs höchste türkische Amt heiß.
Und man bedenke, mit welcher Machtfülle ausgestattet dann Frau Präsidentin der Türkei – dank der Vorkehrungen, die Erdoğan bereits getroffen hat fürs Amt – ausgestattet wäre. Die Vorstellung lässt Bäume sprießen, womit wir, was Mitteleuropa betrifft, mitten im Frühling wären und dem frühlingshaften Beginn dieses Beitrages. Der Frühling ist hier auf Zypern, zum Ende des Monats April, inzwischen seinem Frühlings-Ende bereitwillig entgegentreten.
Bis zum 24. Juni 2018 kann im Hexenkessel namens Türkei noch viel passieren. Ein Hexenkessel indes soll durchaus auch positive Ergebnisse zeitigen (können) – wenn da nicht der Osten und der Westen, die Araber und die Israelis, die EU und die Chinesen wären!? Die Armenier. Deren Machthaber macht Erdogan nämlich gerade vor, wie man sein Amt missbraucht! Schade, hat Armenien nicht verdient. Welche Folgen dieser Stilbruch noch haben wird für das zuvor gezeichnete Bild Nahost-Türkei-Zypern ist noch gar nicht so recht absehbar. Und in Aserbaidschan haben die Leute auch keine Lust mehr auf die korrupte Herrscherriege, so auch die Georgier in Georgien und die meisten der Bevölkerung Moldawiens.
Es braut sich was zusammen, und keiner da, der von Zusammengebrautem so richtig etwas versteht!? Die italienische Eni-Firma findet, dass sie an die 800.000 € in die Förderung von Gas vor Zypern gesteckt habe und jetzt, nur weil die Türkei es anders sehe, nicht bereit sei, mit ihren Nachforschungen unterm Meeresgrund aufzuhören. Israel, war zu lesen, soll sich inzwischen nicht mehr so ganz im Klaren sein, ob das Gas im zyprischen Feld namens Afrodite, welches zwischen Israel und Zypern liegt, nicht vielleicht doch eher andere Vereinbarungen bräuchte als jene, die irgendwann mal getroffen wurden mit Nikosia etc. etc.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: