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Erfreulicher Weise bringt die ‚erbakanistische‘ oder ‚milligörüşistische‘ türkischsprachige MillȋGazete öfters Mal einen Beitrag zu Zypern.
Heute wollen wir gleich 2e übersetzt unterbreiten. Der erste Beitrag stammt von Prof. Ata Atun. Der zweite von Herrn Adnan Öksüz.

 

 

„In der Türkischen Republik Nordzypern (KKTC) [herrscht] große Gefahr [durch eine] Offensive der Maroniten!

 

Seitens des Sitzes des Präsidenten Nordzyperns ist eine Aufforderung an einige Ämter [des Landes] ergangen, das Nötigste zwecks Rückkehr der Maroniten zu veranlassen. Die Beraterin [der Regierung] Gürdal Hüdaoğlu stellte klar, dass an das Bau- und Verkehrs, Landwirtschafts-, Umwelt- sowie an das Wirtschafts- und Energieministerium ihr Schreiben einzeln erging, worin für die Instanthaltungsarbeiten in den Dörfern Gürpinar, Karpaşa und Özhan ein Betrag von 9 Millionen 820.891 TL und 7 Kurus veranschlagt wird; also, dass [erwähnte] Instanthaltungsarbeiten im Vorkostenanschlag wie auch Karten, die entworfen wurden, enthalten sind – das Geld dafür zur Verfügung steht.

Kurzgefasst:

„Es wird als erforderlich erachtet, dass jene Beschlüsse seitens einer hochkarätig besetzten Sitzung – im Regierungssitz vom 26. Juli 2017 gefällt – verpflichtend sind, und der Öffentlichkeit zu erläutern ist, dass im Rahmen der oben genannten Offensive die Dörfer Karpaşa, Gürpinar und Özhan zwecks Ansiedlung vorbereitet zu werden haben, entsprechende Arbeiten [daher] zu Ende zu bringen sind. Um die Gelder dafür zu haben, ist erkannt worden, dass andere Projekte mit Hochdruck fertigzustellen sind. Letzteres hat große Wichtigkeit“, sagt Hüdaoğlu.
„Sollen die doch kommen, was kann schon passieren“, mit solchen Kommentaren [oder Haltung] kann diese maronitische Offensive nicht ausgesessen werden.
Bei den Südzyprern, die nicht ein einziges Mal gute Absichten mit einem kleinsten Entgegenkommen aufzeigen, ist solch ein Verhalten etwas mehr als nur eine Geste. Es ist gleichzeitig eine Verführung zu [ihren] Einheit[sbestrebungen] der Insel.

Bevor sich der Größe der Gefahr, die hier im Raum steht, gewidmet wird, gilt es zu erinnern, dass 2012 zur Regierungszeit Präsident Dervis Eroğlu’s gemeinsam mit dem Muchtar (Bürgermeister) von Gürpinar, Herrn Hacifesas, Eroğlu ein Besuch abgestattet wurde, bei dem der Wunsch der Maroniten zur Rückkehr in ihre Dörfer zum Ausdruck gebracht wurde. Eroğlu: „Ich bin nicht in der Lage zu sagen, kommt sofort. Das gilt es abzuwägen.“
Danach wurde dieses Thema nicht wieder hervorgebracht. Als Eroğlu weg war, wurde in eine Phase getreten, in welcher Forderungen der Südzyprer als heilig verstanden wurden.
Kommen wir zum Punkt:

Vor ungefähr 20 Tagen kam es drüben im Süden zu einem Treffen von Maroniten, Griechisch- und Türkischzyprern. Behauptet wird, Partelli Hacifesa soll in seiner Rede an jenem Tag gesagt haben: „Der Staatsanwalt der Türkischzyprer hat gesagt, der gesamte Besitz der Maroniten im Norden kann zurückgegeben werden“.
An diesem Treffen wurde darüber hinaus auch noch gesagt und festgestellt, dass 20% der maronitischen Gebäude in Gürpinar einen Eigentumstitel erhalten hätten (tapu), diese Gebäude an ihre ursprünglichen Besitzer zurückgegeben würden, den heutigen Nutzern eine Entschädigung oder anderer Besitz gegeben werde. Dazu kommt, dass die Renovierung und Instanthaltungsarbeiten an den genannten Gebäuden zu Lasten der Türken ergehen werden.

Sagen wir [es doch mal]: Bei den [Wiedervereinigungs-]Verhandlungen [zwischen Griechisch- und Türkischzyprern] ist seitens der Griechischzyprer bereits ein OK bei dem komplexen Thema Besitz eingegangen; [dies auch], zumal der Präsident Nordzyperns, Mustafa Akıncı, die Übergriffe der Griechischzyprer bezüglich dieses Themas im Laufe seiner Amtszeit fortwährend zurückzuweisen hat, ein Thema [also], welches die Südzyprer ausbremsen und mit Wiedergutmachgungszahlungen formen – wie auch [mit dem Versuch], Türkischzyprer auszusiedeln oder gewaltsam in die Ferne zu schicken und Weiteres.

Jene, die heute sagen, „von 3 oder 5 Maroniten wird schon nichts passieren“, die werden in die Falle der Wiedergutmachungszahlungen und des Blockierens treten, in jene Falle der Rückgabe – und solch Vorgehen wird sodann als Vorbild genommen und die Bewegungsfreiheit der Türkischzyprer eingeschränkt werden – derart wird dem Moment, in dem Türkischzyprer aus ihren Häusern geworfen werden, Tür und Tor geöffnet.

Und dann wäre da noch diese andere wichtige Angelegenheit. Die Maroniten behaupten schließlich, auf der griechisch-zyprischen Seite zufrieden zu leben. Nun dann, wie kommt’s, dass sie jetzt [plötzlich] ihre Liebe entdecken, auf unserer Seite leben zu wollen? Im südzyprischen Parlament sitzender Maronite Giannakis Musas meinte vor ein paar Jahren, die Maroniten hätten eine ganz bestimmte Strategie, und dass in die Dörfer zurückzukehren der einzige Weg sei, aber auch, dass die maronitische Gesellschaft bereits 1960 akzeptiert habe, ein Teil der der Griechischzyprer zu sein. Und diesem Wunsch gegenüber müsse Respekt bezeugt werden!“

Der Typ sagt ganz offen: Wir wollen auf der türkischen Seite wohnen, aber unter griechisch-zyprischer Führung!

Der heutige Vertreter der Maroniten im südzyprischen Parlament Andonis Hacirusos sagte zum Präsidenten der Republik Zypern Anastasiadis:
„Das Ziel der maronitischen Gemeinschaft ist, ihre Dörfer, Kirchen und Geld zurückzuholen. Wir sind uns dessen bewusst sowie der Wichtigkeit, dass eine schwierige Zeit durchgangen wird, in der es das Land erneut zu vereinen gilt. In diesem schwierigen Unterfangen sind wir Maroniten auf eurer Seite. Wir müssen daher Özhan und Gürpinar umgehend besiedeln und bei einer etwaigen Vereinigung Zyperns werden wir zum Aufbau des [wiedervereinten] Staates einen Beitrag leisten.“
Das Letztere sagte er [damals] noch im Nachsatz.

Wie zu sehen ist, ist die maronitische Offensive, die türkische Basis entzweizuhauen, das bedeutet, die Forderungen der Griechischzyprer zu verwirklichen. Es gibt daher folgende Behauptungen zu erwarten, nachdem sich die Maroniten im Norden Zyperns niedergelassen haben, die darauf hinauslaufen werden, dass das Land Schritt auf Schritt zurückzugeben wäre.
Doch keiner fragt, was eigentlich mit den gemäß dem Ortega Report zur Zeit der englischen Besatzung von den Türken bewohnten Gebieten, die an die Griechischzyprer gegeben wurden 1950 – 1974, los ist – die zerstört und ausgeraubt wurden. Was ist mit deren Wiedergutmachung? Das fragt niemand.

Normal ist, dass die Feinde der Türken diesen Umstand übergehen. Doch werden jene nicht still bleiben können, die von den Türken als die Niederträchtigen ausgingen, zumal die Türkischzyprer auf dieser Insel ihren Existenzkampf führten, und zwar dann werden sie nicht stillbleiben können, wenn den Türkischzyprioten die Möglichkeit gegeben würde, erlittene Not und Unterdrückung zwischen 1950 und 1974 vor den Kadi zu bringen.

Während Griechischzyprer die Zypernfrage romantisieren, ist unsere vom Westen verteufelte Seite nicht in der Position, Gerechtigkeit und ein uns entgegenkommendes Verhalten zu erwarten. Daher ist es dringend geboten, unsere Rechte selbst zu verteidigen, dass wir unser sterbendes Land retten, Gericht halten und eine Gewinn- Verlustrechnung machen, anstatt uns von südzyprischen Anwälten berauben zu lassen… .

Zuletzt: Den maronitischen Brüdern (kardeşler), die vom Süden in den Norden auszuwandern gedenken, dies zur Erinnerung:
OK, unter südzyrischer Führung wollt ihr leben, doch hier ist türkisch[zyprische] Führung. Der verstorbene Rauf Denktaş sagte in seinen letzten Tagen, eine unabhängige Republik steht über allem!
Keine Ahnung, was euch versprochen wurde, aber so rum, wie auch anders herum wird daraus nichts. Keine Ahnung, ob ich mich verständlich machen konnte?“

Fortsetzung, sozusagen, des Themas Nordzypern, welches auch am 05. Dezember 2018 in der MillȋGazete aufgegriffen wird, dieses Mal von Herrn Adnan Öksüz, wie angekündigt.
Interessant ist, zu lesen, wie islamisch-traditionalistische Kreise der Türkei das genannte Thema in den von ihnen dominierten Tageszeitungen in die Öffentlichkeit entlassen.

 

„Wer sind diese Maroniten?

 

… Viele Jahre hat Prof. Dr. Ata Atun die Funktion eines Regierungsberaters der Türkischen Republik Nordzypern [KKTC] innegehabt. Das ist ein Mann, der von Nahem weiß und beurteilen kann, was dort im „Inneren“ geschieht. Sein letzter Artikel hat Unglaubliches beinhaltet.

Herr [bey] Ata: Von einigen Regierungsämtern ist eine Warnung ausgegangen bezüglich der Rückkehr der Maroniten nach KKTC und der Dinge wegen, die zwecks dieser Rückkehr veranlasst zu werden haben. Dieser Entscheid wird die demografische, harmonische Verfasstheit von KKTC durcheinanderwirbeln. Ata verwies darauf, dass die Standpunkte der Südzyprer [rumlar] dergestalt umgesetzt würden, der getroffene Entscheid diese [fälschliche] Nachricht weitergibt. Die Millȋ Gazete hat diese erschütternde Entwicklung [gestern] … auf die erste Seite der Zeitung gesetzt. … .

In den Kopf gerät einem da unmittelbar diese Frage: „Wer sind diese Maroniten?“

Ein paar Details dazu mag ich nun geben. Die Maroniten sind Mitglieder der katholischen Ostkirche und deren westsyrische Ausgestaltung. Sie unterliegen der römisch-katholischen Kirche. Maroniten sprechen als Hauptsprachen Arabisch, Türkisch und Griechisch. Ihre Gebete und Predigten werden auf Arabisch gehalten. Die zyprischen Maruniten oder Maroniten sind im Mittelalter wegen religiösen und politischen Auseinandersetzungen nach Zypern umgesiedelt – und bis zum heutigen Tag haben wir sie dort als maronitische Kirche und Gesellschaft. Nach Angaben der Vereinten Nationen – Flüchtlingshochkommissariat – leben in Südzypern an die 5.000 Maroniten. In Koruçam lebten vor der [Befreiungs-]Bewegung der Bewaffneten Kräfte der Türkei an die 2.000 Maroniten. Nach 1974 siedelten sie sich drüben im Süden an, im Teil der Rum [Südzyprer]. Den maronitischen Quellen zufolge, sollen sie zur Zeit der Kreuzritter als Gefangene aus der Levente [Libanon, Syrien] nach Zypern gebracht worden sein und ihre Anzahl soll 60.000 betragen haben. Sie hatten im Norden der Insel 60 Dörfer. In letzter Zeit hat ihre Rückkehr in die maronitischen Dörfer thematisch stark zugenommen. Jene Maroniten, die aus dem Libanon stammen behaupten, seit dem 9ten Jahrhundert auf Zypern zu leben. Doch ist bekannt, dass die meisten von ihnen im 12. Jahrhundert übersiedelten. Ihre Dörfer [auf Zypern] sind vor allem nahe dem Fünffingergebirge [Başparmak dağları], wo die meisten von ihnen lebten. Die meisten dieser Dörfer waren orthodox [griechisch-katholisch] geworden.

Wie Ata Atun bezüglich dieses Themas sagt: „Sollen sie doch kommen, was wird schon sein“, mit solch Einstellung kann diese maronitische Offensive nicht durchgewunken werden.“ Er schreibt: „Den Südzyprern, die nicht einen einzigen kleinen Schritt [den Vorstellungen der Türkischzyprer] entgegenkommend sind, ist es nicht nur eine Geste, sondern gleichzeitig eine Verführung zur Vereinheitlichung [der Insel unter griechisch-zyprischer Führung]:“

Wir werden sehen, was in dieser Angelegenheit in KKTC noch durchlebt werden wird.“

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Zu NOrdzypern

Es ist bereits etwas her, als dieser Artikel erschien in einer türkischen Tageszeitung.
Auf den Artikel bin ich zufällig gestoßen, wie auch auf den Ort, an dem ich ihn auffand.

Eigentlich gehe ich ansonsten immer ins gleiche türkische Restaurant-Café in Lahr Mitte, welches schon etwas preislich gehoben genannt werden darf. Die “Gözleme” schmecken dort auch wirklich gut.

Von Offenburg zurück nach Lahr kommend, entschied ich mich vor einigen Tagen spontan an jenem türkischen Restaurant mal anzuhalten zur Abwechslung, welches ich auf dem Weg nach Offenburg links von mir an der B3 liegend überraschender Weise ausmachte, gucken, wie dort die Linsensuppe schmeckt.
Prächtig war die Suppe, kann ich nur sagen. Bin seither schon 3 Mal wieder dort gewesen. Sogar einen vegetarischen Teller gibt es zu unschlagbaren 5 Euro, der richtig gut gefüllt ist mit richtig viel Salat – und man kann sogar wählen zwischen Reis und Bulgur. Sogar 2 weiße Käsestückchen liegen auf dem Teller, eventuell vom Schaf.
Der türkische Tee schmeckt einfach fantastisch. Und kostet hier, im Gegensatz zu dem Türken in Stadtmitte, knapp 1/3 weniger.
Der etwa 40-jährige Mann, der dort arbeitet mit seinem Sohn und das Restaurant füht, ist äußerst kommunikativ. Spricht recht gut Deutsch, scheint schon länger in Lahr oder Deutschland zu leben.
Eine Entdeckung der angenehmen Art hier in Lahr, das ISTANBUL.
So heißt dieser Ort.
Wunderschön sauber ist der Geschäftsraum und herrlich geräumig, so richtig geräumig und keinesfalls vollgestellt mit Tischen und Stühlen, wie es so oft der Fall ist.
Leute kommen und gehen ins/aus dem Istanbul. Abends scheint auch die Frau des Restaurantbetreibers anwesend zu sein. Sie ist gekleidet wie eine Frau, die schiitischen Glaubens sein könnte. Kann ich mir aber nicht vorstellen, dass diese Familie schiitischen Glaubens ist, weil mir gesagt wurde, man käme ursprünglich vom Schwarzen Meer, lebte aber in Istanbul.
Ist ja auch egal.
Bislang habe ich das Restaurant noch nicht sehr gut besucht gesehen, wie man sagt. Ein Kleinod also, wo trotz B3 vor dem Haus komischer Weise Ruhe herrscht. Man kann sogar seinen Laptop aufbauen und dann in seiner Arbeit, beispielsweise, versinken. Ob es Internet gibt, wurde noch nicht abgecheckt. Es muss nicht sein, dachte ich, auch noch hier im Netz zu sein. Meine Einschätzung: Es gibt kein WLAN. Kann aber durchaus sein, dass man sich da täuscht.
Allzu verwundert sollte man allerdings nicht sein, wenn der Wirt plötzlich vor einem steht oder von Weitem sich an einen wendet und das Gespräch sucht. Keine Sorge, er hält sich kurz, wenn man ihn nicht mit den ‘richtigen’ Themen füttert oder merken lässt, dass man JETZT gerade keine Zeit zum Reden zu haben glaubt.
Anscheinend rechnet sich das Alles dennoch. Das Restaurant wird ja schließlich betrieben. Die Preise sind dort äußerst erträglich und das Essen schmeckt wunderbar. Fast glaubt man, zurück irgendwo in einem Berliner Bezirk zu sein, ja, in Istanbul selbst.

Nun:
Der Artikel, der in der Folge übersetzt wird, wurde von Prof. Dr. Ata Atun verfasst und erschien in der türkischsprachigen, islam-national angehauchten Millî Gazete vom 13. November 2018.

“Dem Mutterland sind wir unsere Republik schuldig!

Die Gründung der nordzyprischen Republik war nicht leicht, die sich heute zum 35ten Mal jährt. Diese Republik kam zustande durch Massaker, die an den Türkischzyprern (TZ) verübt wurden, durch Tränen, Flucht, Verlust einer Zukunftsperspektive, Verlassen des großväterlichen Bodens, jedwede Angriffe abwehrend und mit Märtyrern.

Die Gründungsangelegenheit begann in den 1950er Jahren und nicht, wie die Griechischzyprer (GZ) sagen, 1974 oder 1963. Beschlossene Sache wurde Letzteres am 15. Januar 1950, als die GZ plebiszitär ihren Wunsch nach einem Anschluss mit Griechenland (Enosis) kundtaten.

Makarios, der die ganze Welt bereiste, vor allem Hauptstädte im Westen, Rom, Paris, Frankfurt, Berlin, London, New York, sagte und bemühte sich, dass Zypern eine griechisch-zyprische Insel ist, Enosis stattzufinden habe, von den Engländern zurückgenommen und Giechenland übergeben werden müsse.

Der Wahrheit entspricht, dass das Zypernproblem nicht in der Nacht vom 21. Dezember 1963 mit den begangenen Massakern seinen Anfang nahm und, wie die GZ behaupten, [auch nicht] mit der Befreiungsbewegung 1974. Genauer: Die ersten Schritte der TZ in Richtung Verstaatlichung begannen im November 1957 mit der “Türkische Bewegung Organisation” (TMT). Was die TZ im Gepäck hatten, waren engagierte, auserlesene und vertrauenswürdige Leute, die die TMT gründeten, welche im Zentrum das ‘Bayraktarlik’-Prinzip hatte und das in den [vormals osmanischen] Provinzen angewandte ‘Sancak’-Prinzip; also Anwendungen, die die ersten Kettenglieder des [entstehenden Nordzyperns] darstellten.

Indem Erzbischof Makarios die Schlagkraft der Türkei unterschätzte, die Türkei die Verfassungsänderung ablehnte, glaubte Makarios in einer organisierten Art und Weise mit Waffengewalt den Paragraphen 13 der Verfassung morgens am 21. Dezember 1963 ändern zu können – Türken wurden angegriffen, ein Blutbad angerichtet.

Wenn wir nun die Staatswerdung der zyprischen Türken seit 1963 betrachten, [sehen wir], Fazıl Küçük und Rauf Denktaş errichteten am 23. Dezember nach dem Angriff der GZ vom 21. Dezember ein Komitee.
Dieses Haptkomitee war die Miniaturausgabe der Staatswerdung. In jenem Hauptkomitee waren die Mitglieder im Rang eines Ministers, nannten sich aber “Mitglied”. … An der Spitze des Hauptkomitees stand Dr. Fazıl Küçük. Seine rechte Hand war Herr (bey) Rauf Denktaş. Gleichzeitig war Rauf Bey der Vorsitzende der “Vereinigung der Türken”. Dergestalt entstand das Skelett der ersten Staatswerdung am 23. Dezember.

Nachdem die GZ 4 Jahre später, 1967, Dörfer wie Geçitköy oder Boğazıçı angegriffen hatten, gab die Türkei ein hartes Statement ab, was dazu führte, dass das Hauptkomitee sich in eine “Vorübergehende Türkische Führung” wandelte. Am 27. Dezember 1967 wurde die Vorübergehende Türkische Führung offiziell bekanntgemacht. Ab 1968 begannen Treffen [der beiden Volksgruppen]. Als 1970 diese Treffen sich einstellten, wurde das Wort “Vorübergehend” gestrichen und übrig blieb “Zyprische Türkische Führung”. Bis zur Befreiungsbewegung [1974] lief die türkisch-zyprische Regierung unter diesem Namen.

Am 20. Juli begann diese Bewegung und endete am 16. August 1974. Gleich danach wurde Mitte September die “Autonome Zyprische Türkische Führung” ausgerufen. Diesmal hatte das Gebilde ein bisschen mehr Profil, und das auch politisch. Danach begann man, die Verfassung aufzusetzen und am 13. Februar 1975 wurde die “Türkische Zyprische Föderation” ausgerufen. Das heißt: die am 23. Dezember 1963 gesetzten Schritte hatten sich am 13. Februar 1975 in eine Türkische Zyprische Föderation gewandelt. Bis 1983 wurde das Föderale beibehalten, und nachdem im Mai jenes Jahres sich Rauf Denktaş mit dem griechisch-zyprischen Führer Spiros Kiprianu getroffen hatte, wurde dieses Treffen seitens Spiros überhaupt nicht ernst genommen.

Die Treffen wurden erstmals zu Gipfeltreffen 1970, als sich Makarios und Denktaş trafen und die heutige Föderationthese wurde damals erstmals in den Ring der Verhandelnden geworfen.
1983, nachdem Makarios gestorben war, wurde Kiprianu zum Präsidenten gewählt; und just, als die Verhandlungen fortgesetzt wurden – man über föderale Strukturen sprach -, wendete sich Spiros plötzlich an die Vereinten Nationen:

“Die türkische Armee hat von der Insel zu verschwinden, die Besatzung hat aufzuhören und die einzige Regierung der Insel ist die der GZ. Das ist so zu akzeptieren!”

Und dergestalt sah dann die Entscheidung der Vereinten Nationen aus. Doch: Dass die TZ ihre föderale Struktur selbst verwalten können, war auch gesagt worden [seitens der Vereinten Nationen]. Wie Sie wissen, das wird “Self-Determination” genannt.

Von den GZ wartete man auf eine Reaktion, wie:

OK, wenn ihr ein Selbstbestimmungsrecht habt, dann setzen wir uns halt mal zusammen.

Allerdings nichts dergleichen kam von den GZ rüber. Im Gegenteil. Sie seien die Besitzer der Insel, meinten sie.

Zu jenem Zeitpunkt versammelte sich das nordzyprische Parlament der Türkischen Republik, und heute vor 35 Jahren wurde die Entscheidung getroffen, unabhängig zu sein.

Heute leben die TZ auf ihrem Boden frei, in Ruhe und Wohlstand, vermittels [der Hilfe] des Mutterlands, der Türkei.

Letzteren Wert, den gilt es, nie zu vergessen!

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So,

da sind die Herren und Damen also noch immer in New York.

Auch einige aus dem Norden Zyperns sind dort.

Akinci hat dort,

immerhin,

den holländischen und den deutschen Außenminister getroffen.

Man stelle sich vor, für die schrecklich lange Dauer von jeweils einer halben Stunde trafen die sich. Diese Zeitangabe gibt die Press and Information Cyprus aus dem S[den der Insel durch.

Haben Die in dieser kurzen Zeit außer Händeschütteln und sich zu begrüßen und zu verabschieden noch zu anderen ‚Themen‘ Zeit gehabt?

Gehen wir mal davon aus, dass ihr jeweiliger Mitarbeiter-Stab die Arbeit erledigte, und die erwähnten Herren eben lediglich repräsentieren gingen – und unterzeichnen etc.

Doch muss man dazu ausgerechnet nach New York fliegen?

Für was gibt es denn nun das Internet und die tollsten Technologien zum direkten Chat und Unterzeichnen – damit man trotzdem noch in der Welt herumsegelt und Steuergelder durchknallt? Wenn das Unterfangen ja einen erkennbaren Durchbruch oder zumindest eine in Richtung Wiedervereinigung gehende wirkliche Entwicklung hätte, würde ja so mancher sofort seine Klappe halten – doch so?

Unverschämt, was DIE sich leisten – und das nicht nur im zyprischen Kontext, sondern anscheinend überall.

Klar, dass da von Sparen zu sprechen, welches Herr und Frau Bürger durchziehen sollen, dann den Herren und Damen gerade nochmal so viel ‚Spaß‘ macht – könnte so manche/r vermuten.

Immer schön von oben herab, also, damit bloß niemand die Wichtigkeit der Volksvertreter übersieht!?

Und außerdem nehmen das Wort „Volksvertreter“ zu viele unter denselben zu krass in Anspruch – als müssten die uns vorführen, wie schön und luxeriös das Leben doch sein kann, von dem die meisten in der Bürgerschaft inzwischen nur noch träumen können: vor dem Fernseher, im Netz und gelegentlich auch noch im Cinema.

Stellen Sie sich das mal vor:

Diese Leute reden schon über Jahrzehnte miteinander bezüglich der Lösung der sogenannten Zypernfrage, und was sagt der türkische Außenminister, so, als hätten die Verhandlungen eben erst begonnen:

Unglücklicherweise haben unsere vorangehenden Bemühungen keine Resultate hervorgebracht. Das letzte war jenes in Crans Montana/Schweiz. Um einen neuen Verhandlungsprozess zu beginnen, sollten wir nun unter uns reden und entscheiden, über was wir verhandeln wollen. Niemand kann ein weiteres Misslingen verdauen!“

Und wer soll solch hohles Geschwätz und Handeln verdauen?

Die griechische Seite klingt allerdings nicht wesentlich besser. Athen ist mindestens ebenso unbestimmt, auch wenn alle immer wieder betonen, dass die Zypernfrage gelöst gehört, aber … . Kotzias, der griechisch Außenminister hat mit dem türkischen Außenminister in Izmir, wie gesagt nach Jahren von Verhandlungen, kürzlich immerhin herausgefunden, so Cavusoglu:

Jeder sah, dass es sinnlos ist, Verhandlungen wieder zu beginnen, nur um dieselben [überhaupt] zu führen, und ohne zu beschließen, was verhandelt wird – ohne auf das Ergebnis fixiert!“

Das eben spricht doch wohl Bände.

Das heißt, die haben Quasselbude gemacht all die Zeit über und jetzt, wo etwas mehr Druck aufkommt aus verschiedensten Ecken der Welt etc., wollen die Herrschaften plötzlich zielgerichteter zu Werke gehen. Ist das nicht so etwas wie der Gipfel der Unverfrorenheit?

Vor kurzem in einer Überschrift im Vorbeigehen gelesen, dass es wahrscheinlich nur noch Trump richten kann, diese zyprische Dauerfrage aus der Welt zu beantworten.

Offensichtlich ist auch die Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in New York beheimatet. Schön, zu hören und zu lesen, dass Nordzypern bei deren Zusammenkunft auch wieder Reden schwingen wird. Herr Kudret Özersay, der Außenminister Nordzyperns, wird das Letztere besorgen:

Wir werden weitermachen damit, unsere Sicht der Dinge sowie die Erwartungen der Türkischzyprioten auf jeder erdenklichen Plattform [weltweit] vorzubringen, wo wir dazu eine Gelegenheit offeriert bekommen!“

Özersay gibt an, in New York festgestellt zu haben im Rahmen der UN-Mitgliedervollversammlung, dass dort niemand darauf scharf ist, die Zypernfrage (schon wieder) in den Vordergrund zu rücken.

Eine gute und kluge Beobachtung.

Weil:

Bevor sich die Haltung Südzyperns in dieser Frage nicht ändert, ist jede Bemühung eh schon fast verschwendete Zeit, Energie und Geld. Wahrscheinlich braucht es da wirklich so etwas wie eine Führer-Typen, also Trump, der beiden Seiten zum Beispiel folgendes klar macht:

Sollte ich bei den Midterms nicht durchkommen, demnächst, und meinen Job verlieren, dann Gnade euch Gott! Denn wenn die Clinton oder ähnliche Kriegstreiber in Washington den Präsidentenstuhl in Beschlag nehmen, ist aus mit lustig für euch.

Und daher – ihr seht ja wohl, was in Syrien, dem Libanon und Palästina geschieht – werdet ihr Zyprer, sollte ich die Midterms überstehen, gefälligst und schleunigst die Zypernfrage aus dem Weg räumen!

Alles klar?

Oder glaubt ihr, wir ziehen euch noch länger durch?

Würde Trump so oder ähnlich mit den Zyprern sprechen, könnte eine Wiedervereinigung eventuell klappen – zumindest vonseiten der Zyprer. Doch ein bisschen viel mehr Drohkulisse brauchen die zuletzt Erwähnten und erst recht die anderen Involvierten, die sogenannten Garantiemächte, bestimmt!!!

Immerhin: Die Zyprioten graben ihre Toten des Konflikts von 1974 noch immer aus der zyprischen Erde aus, die sie nun begraben wollen, „wie es sich gehört“.

Wie allerdings in einem Clip im Internet zu hören ist, Herr Wimmer von der CDU sprach in Bautzen zu den Bautzenern, soll Frau Merkel sich weigern, ganz strikt, Leichname deutscher Soldaten, die im II.Weltkrieg im Osten gefallen sind, beerdigen zu lassen – da irgendwo in der Ukraine. Und so werden die menschlichen Überreste, die man gefunden hat und noch immer findet, irgendwo in Tücher gehüllt aufbewahrt, so Wimmer.

Das, wenn die Nachricht der Wahrheit entspricht, ist wahrhaft noch verlogener und düsterer als die zyprische Politik und der Eiertanz um die zyprische Wiedervereinigung. Das Nicht-Beerdigen menschlicher Überreste ehemaliger, gewiss auch verhungerter Wehrmachtssoldaten, finden nicht wenige, grenzt an Verrat und wird, wie zu verstehen ist, mit dem Verhalten der Kanzlerin beim unabgesprochenen Öffnen der Grenzen 2015 zunehmend in einen Topf geworfen – wo sie auch ALLEINE die Order aus gab, und so etwas Ähnliches sagte, wie:

Das wird so gemacht und nicht anders!

Wenn der erwähnte Clip hier richtig erinnert wird, hat es nämlich innerhalb der CDU eine Abstimmung zu dem Thema menschliche-Überreste-aus-der-Ukraine-holen-lassen-und-manierlich-bestatten gegeben, die Merkel im Nachhinein vom Tisch gewischt haben soll mit „NEIN!“

Andernorts in den Medien wird über den Norden Zyperns dieser Tage berichtet, dass die Grenze, um von Hunger oder Armut der Leute sprechen zu können, bei 2.625 Türkischen Lira (TL) derzeit liegen soll; wohingegen diese Grenze in der Türkei bereits bei 1.893 TL liegt. Diese Zahlen soll die Türkisch Zyprische Handels-Gewerkschaft der Staatsangestellten ermittelt haben (KTAMS).

Die Gewerkschaft beschuldigt die Regierung im Norden Zyperns, viel zu wenig gegen die andauernde Krise zu unternehmen.

Wir warteten alle schon drauf!?

Jetzt kommt die freudige Nachricht:

Eine digitale Universität wurde im Norden Zyperns eröffnet.

Endlich.

Am 15. Oktober soll es losgehen.

Rektor ist Herr Prof. Dr Hasan Bülent Kahraman.

Bildung ja, Prüfungen nein, scheint das Konzept zu sein und sich eventuell NUR an Studenten richten.

Die Uni nennt sich „Netkent University“.

Weitere Herren haben beim Entstehen der Uni ihre Hände im Spiel, so zum Beispiel auch Vedat und Ali Eskinat: www.netkent.edu.tr.

Gerade mal nachgesehen im Netz, was auf der Webseite geschrieben steht.

Anscheinend wird alles, was da angeboten wird, ohne Türkisch zu können, nicht zu bewältigen sein – noch nicht. Überhaupt sieht der Lehrplan recht unausgereift aus (Wirtschaft, Juristik, Informatik. Die Letztere gibt es aber in äußerst abgespeckter Form. Auf dem Stundenplan steht sogar auch in diesem Fach, wie auch in den anderen Fachbereichen, dass Wissen über Atatürk sich angeeignet werden müsse etc. – „Atatürcülük“).

Zuletzt:

Das „Blau-Wal-2018-Manöver“ wird demnächst und bis zum 07. Oktober im südöstlichen Mittelmeer abgehalten werden. Federführend wird die türkische Marine dabei sein und mit von der Party, man staune, sind auch die USA.

Alle möglichen Waffengattungen werden mal wieder getestet, so zum Beispiel U-Boote, die wer weiß, welch wunderlichen Dinge tun können.

Den Tod bringen.

Dem nicht genug, wird auch noch Kanonenfutter, erlauben Sie bitte den bösen Zungenschlag zum vermeintlich ‚guten‘ Ereignis, an Bord hie und da sein, nämlich Soldaten aus den USA, Aserbaidschan, Algerien, Katar, Kuwait, Pakistan, Rumänien und Saudi Arabien.

Die türkische Luftwaffe wird gewiss wieder Pirouetten fliegen, die hoffentlich nicht – wieder – darin enden, dass das eine oder andere Gefährt, Menschenleben oder die Umwelt tödlich gefährdet werden.

Diese doofen Manöver gehören verboten, hier im südöstlichen Mittelmeer auf jedenfall von ihrer Anzahl her eingeschränkt.

Ohne groß nachzusehen, wird nun behauptet, dass inzwischen so gut wie jeden Monat von irgendjemand vor Ort ein Manöver durchgeführt werden ‚MUSS‘.

Es ist zum Aus-der-Haut-fahren, was sich die schweigende Öffentlichkeit inzwischen alles gefallen lässt.

Auf in den Pazifik also?

Dort soll alles schön ruhig und atomar stillgelegt verlaufen!

Wo bloß ist unsere gute alte Inselromantik für einen gelungen Rückzug geblieben?

Zypern ist diese Rückzugsmöglichkeit nahezu an den meisten Stellen nahe des Meeres ganz gewiss nicht mehr, auch wenn die Zyprer auf Tourismus bauen und bauen und noch mehr bauen, so viel in letzter Zeit bauen, dass all jene, die sich hier auch noch eine Wohnung kaufen, gewiss nicht mehr jene sein können, die nach Ruhe und Frieden im Alltag suchen.

Zypern ist leider auf dem besten Weg, entlang der Küste seinen Charme zu verlieren, verloren zu wissen! Und Sie wissen ja: Das Gebirge oder der Berg auf Zypern namens Troodos, der soll nun endlich auch noch mehr bewirtschaftet werden. Andauernd liest man davon – und manch eine/r mag das ganz besonders verlockend finden, andere eben nicht!

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Die Tuerkische Republik Nordzypern 6

Es wäre eine Überraschung, würde ein Teil oder Körper der UN namens „UNFICYP“ seinen Aufenthalt auf Zypern nicht wieder verlängert bekommen.
Dass eine Verlängerung ansteht, gefällt vielen Türkischzyprern nicht – vielleicht ist sie sogar schon durch. Denn diese Verlängerungen passieren bekanntlich seit Jahren und dies irgendwie automatisch. Diesen Eindruck hat so mancher Beobachter dieser Angelegenheit über die Jahre gewonnen. Als markierte die UNFICYP geradezu den herrschenden Status einer „Nicht-Lösung“ des Zypernproblems – absichtlich.
Der Republik Zypern verleiht der Aufenthalt der UNFICYP auch so etwas wie eine Ausrede, als sei eine Art Friedenstruppe noch von Nöten, als sorgte ausgerechnet diese Einheit der UN für Stabilität auf Zypern, wie auch in der Region. Südzyprer nutzen den Verbleib der UNFICYP auch, um künstlich Agenda‘s zu kreieren – also um sich hin und wieder mit einem vermeintlichen ‚Thema‘ von Belang ins Licht des internationalen Interesses, genauer, der Internationalen Gemeinschaft zu spielen.
Ganz von der Hand zu weisen, sind all diese Beobachtungen nun wirklich nicht, wenn man sich die letzten 10 oder 20 Jahre süd-zyprischer Politik ansieht. Ja, es fällt nicht leicht, in diesem speziellen Fall von Außen- beziehungsweise Innenpolitik zu sprechen, daher wird weiter oben einfach von „süd-zyprischer Politik“ geschrieben.
Zwar hat die EU Gesamtzypern sich als Vollmitglied auf den Plan gesetzt, doch wird vonseiten Brüssels viel zu wenig getan, um die Südzyprer zur Vernunft zu bringen. Offenbar ist Letzteres so auch nicht gewünscht – noch nicht. Andererseits sind die Nordzyprer zwar in der EU, irgendwie und wie geschildert, nämlich, eher von oben herab und auserkorenermaßen; doch vorrangig und vor allem ist Nord-Nikosia an die Türkei gebunden, was vielen Nord- und Südzyprern gar nicht so ungelegen kommt. Kann man so doch von beiden Seiten sowie dem undefinierten, diplomatischen LOCH, was sich auf Grund der verzwickten politischen Situation daraus ergibt, profitieren – und wahrscheinlich auch noch von weiteren interessierten Staaten oder Organisationen kann Gewinn eingefahren werden, die sich diese (durchlöcherte) geo-politische Insellage auch gern zu Nutzen machen. Ja, es wären da auch Verluste. Das stimmt. Doch dann wäre da auch noch so etwas wie die Ehre, die Ehre ein Türke oder aber eben Grieche zu sein – jeweils in der zyprischen Ausgabe, versteht sich.
Um nochmals kurz auf die UNFICYP zurückzukommen: Der Regierungssprecher des Südens meinte vor Kurzem, womit er dort damit ganz gewiss nicht alleine ist: „So lange türkische Truppen sich auf der Insel befinden, muss die UNFICYP anwesend sein!“
Im Norden erinnert Vize-Premierminister Kudret Özersay in diesem Kontext daran, dass die UN-Friedenstruppen bereits seit 1964 ihren Dienst auf der Insel versehen. Das ist nun wahrlich eine lange Anwesenheit und hat schon ein bisschen das Beigeschmäckle von einer weiteren, nunmehr international verordneten Besatzung Zyperns, finden nicht wenige.
Wird der Süden überhaupt von Zyprern regiert?
Gute Frage, was?
Angeblich ja!
Sagen wir besser: ja, dem ist so, aber gewiss mit Absprachen in Brüssel, Washington, Moskau und demnächst wohl auch in Peking, wird im Süden der Insel regiert. Eine wunderbar einfache Welt, in der wir leben, stimmt’s? Warum ES einfach gestalten, wenn die Dinge auch kompliziert werden können, sodass jeder, der genügend Macht und Einfluss hat, dann auch besser sein Süppchen vor Ort kochen kann, nach Belieben möglichst.
Für Herrn Özersay ist jedenfalls klar, dass gewisse Zirkel innerhalb der Internationalen Gemeinschaft ganz gehörig daran interessiert sind, den so genannten „Status Quo“ auf Zypern zu halten. Vielleicht wissen einige Staaten einfach seit Jahrzehnten, wird vermutet, dass da irgendwo vor Zypern noch einiges Geld in Form von Erdöl oder Erdgas gemacht werden kann. Vielleicht haben auch Sie bereits darüber gelesen, verehrte Leser, dass Pläne bestehen, den Nahen und Mittleren Osten zukünftig neu zu vermessen, also einzuteilen usw.
Sollte es demnächst im Iran rundgehen, wie man sagt, scheint sich zuvor Gesagtes eventuell zu bewahrheiten. Noch ist es nicht so weit. Noch könnte eine Lösung nicht nur in Sachen Iran gefunden werden. Noch ist Trump bei den Wahlen zur mittleren Amtszeit nicht vom Eis wie die besagte Kuh. Die Rede ist aber bereits von Disziplinarverfahren, die ihm angehängt würden, wenn er sein präsidiales Amt verlieren sollte – um im Bild zu bleiben, die juristische Schlachtbank.
Letzteres könnte teuer werden, vielleicht genau so in etwa, wie der Aufenthalt der UNFICYP seit Jahren auf Zypern. Dieser Aufenthalt ist richtig teuer, zumindest aus hiesiger Perspektive, wahrscheinlich nicht aus jener einer Großbank oder eines multinationalen Konzerns.
Özersay: Diese Organisation, die UNFICYP, ist inzwischen nicht mehr und nicht weniger als ein Briefträger zwischen Nord- und Südzypern. Und Özersay weiter: Was im Lauf der Zeit die Südzyprer dazu anstachelt, sich noch mehr von den Positionen der Nordzyprer zu entfernen, waren und sind deren unrechtmäßiger EU-Beitritt, die Erdgas-Funde sowie der neuerdings sich vollziehende Schulterschluss mit Israel.
Vor diesem Hintergrund wird gemunkelt, dass die THY, die Türkish Airlines, schon demnächst sich darauf einlassen könnte, wieder eine Art staatliche Airline für Nordzypern aus der Taufe zu heben. Auffallend ist in diesem Zusammenhang jedenfalls, dass im Juli 2018 die Rate der Flüge aus der Türkei nach Nordzypern nochmals erhöht wurde, werden musste. Es scheint also ein wirklicher Bedarf zu bestehen.
Die Pegasus Airlines mag ihre Passagiere von Ercan nach London und umgekehrt nicht mehr unnötiger Weise auf einem Flughafen in der Türkei umsteigen lassen, um dann in den Norden oder eben nach London weiter zu fliegen. Vielmehr werden die Fluggäste zukünftig in ihren Sitzen verbleiben, verwundert dreinschauen, dass die Maschine kurz landete, um dann weiter zu fliegen. Wir sind gespannt, ob die Pegasus damit durchkommen wird! Es wird vonseiten der Pegasus argumentiert, dass das Direkt-Anflugsverbot Nordzyperns so zur Genüge beachtet werde.
Aus unserer Sicht wird erwartet, dass das Verbot, den Flughafen von Ercan in Norden Zypern direkt aus Europa oder von sonst wo in der Welt anzufliegen, ebenfalls demnächst von irgendjemand gebrochen werden dürfte. Womöglich passiert das nach oder kurz vor den sogenannten „mid-term-elections in den USA, deren Resultat ja mit Spannung erwartet wird – vor allem in China.
Wir berichteten bereits, dass China sich in Syrien langsam und ganz leise einrichtet. Es gibt vor, aufständische, genauer, terroristische Chinesen aus den chinesischen West-Provinzen, die in Syrien als islamistische Kämpfer unterwegs sind, davon abzuhalten, zurück nach China zu kehren etc.

Nun, einen ‚Vorteil‘ könnte es eventuell haben, wenn Ercan von überallher angeflogen werden kann. Die über 4.000 gezählten Bau-Ruinen, die es im Norden zu ‚besichtigen‘ gibt, könnten dann endlich ein Bau-Ende erfahren, weil, was sonst, dann ja mehr GELD zu verdienen anstünde. In den letzten 5 Jahren sollen im Norden 11.301 Gebäude erbaut worden sein, inklusive Fabrikgebäuden. 2017 war für die Baubranche ein gutes Jahr, wird berichtet. 2779 Gebäude wurden errichtet.
Im Norden wird zwar der Türkischen Lira-Krise wegen geklagt und gejammert, doch gibt es auch dort einige Personen, die keine Geldschwierigkeiten haben deswegen – im Gegenteil. Die Bau-Ruinen finden gewiss zur ‚richtigen‘ Zeit ihren ‚richtigen‘ Bauherrn – oder frau.
Bis dahin wird die erweiterte Stromversorgung aus der Türkei stehen. Davon darf ausgegangen werden, wenn in der Türkei nicht eine Anti-AKP_Erdogan-Revolte oder dergleichen ausbricht. Premierminister Erhürman aus dem Norden Mitte Juli 2018 dazu: „Wir sind nicht gegen Strom aus der Türkei!“ Versteht sich, dass Herr Erhürman Selbiges dienstbeflissenermaßen auch seinem Beschützer seit 1974 sagte, also dem Herrn Erdogan, respektive der Türkei, als dieser zu der kürzesten Visite, die ein türkischer Staatsmann im Norden Zyperns jemals vollführt hat, angetreten war.
Allerdings ist offenbar noch immer nicht klar, was solch Stromversorgung aus der Türkei denn nun effektiv kosten wird. Die damit beauftragte Firma aus der Türkei hat anscheinend zu vage Auskünfte erteilt und dies ausgerechnet bei dieser Frage. So musste also nachgehakt werden vonseiten Nordzyperns Regierenden. Es war noch nicht einmal angegeben worden, ob das zu verlegende Kabel 400 oder 800 MW transportieren wird. Versprochen wurde, bezüglich gewisser fehlender Punkte nachzubessern. Özdil Nami, der Wirtschafts- und Energieminister des Nordens, spricht von angeblich 500 Millionen US-$, die das Kabel und seine Verlegung kosten dürften; doch auch er kann keine Angaben darüber machen, ob das Kabel nun AC (alternative energy) oder DC (direct current) sein wird. „Die Elektrizitätsbehörde, KIB-TEK, erlitt eh einen recht schädlichen Verlust von 66 Millionen Türkischen Lira bislang – und das wird sich auf den Stromrechnungen der Leute bemerkbar machen“, so Nami.
Gemäß Premierminister Erhürman rangiert Nordzypern in der Welt auf Platz 41 von 167 Staaten, die am billigsten Treibstoff anbieten. Außerdem sei die türkische Währung derzeit die größte Herausforderung, die Nordzypern zu bewältigen habe. Die Lebensunterhaltskosten seien auf um die 5,2% seit Anfang des Jahres gestiegen.
Wahrscheinlich wüsste es die türkische Botschafterin im Norden, Frau Derya Kanbaş, wie und wie hoch nun wohl und letztendlich der Strompreis sowie die Kabelverlegung den Leuten im Norden Zyperns zu Buche schlagen werden. Sie ist es auch, die des Weiteren von „rechtlichen Anpassungen spricht, die vorgenommen werden müssten. Damit meint sie, die Polizeibehörden Nordzyperns gehörten in die Lage versetzt, Telefongespräche abzuhören, besser noch, mitzuschneiden.
Wir denken nicht, dass sie sich da allzu große Sorgen machen muss, denn der türkische Geheimdienst MIT erledigt das Abhören und Mitschneiden von Gesprächen gewiss meisterhaft.
Apropos Nachbessern oder Anpassungen: Frau Meryem Özkurt war die erste Frau, die in der Position einer Direktorin für den nord-zyprischen „Bayrak“-Fernseh-/Radiosender arbeitete.
Wenn in diesem Zusammenhang von nachgebessert die Rede ist, so ist das so zu verstehen, dass im Norden – nicht wie sonst meist, auch andernorts – etwa ein Mann diesen begehrenswerten Posten nach einer Frau erobert, so als ob Frau lediglich ein Versuchsballon auf derart exponierter Position war – oder eine, wie auch immer geartete und intendierte sozio-politische Geste nach außen verkörpern durfte temporär -, sondern nein, eine weitere Frau, nämlich Frau Aysu Basri Akter folgt der Zuerstgenannten.
Frau Akter arbeitete unter anderem beim Jugend TV, dem Kanal Sim, bei Kıbrıs FM und TV sowie bei der Kıbrıs Gazetesi. Studiert hat sie an der Doğu Akdeniz Uni des Nordens. Und spannend wäre zu erfahren, was sie denn zu dem angeblichen Mangel an Imamen sagt, der im Norden neuerdings herrsche.
Suleyman Çaker ist der Vorsitzende der Angestellten in religiösen Berufen im Norden Zyperns und er sagt, es habe zuvor 220 Imame gegeben. Davon seien nun aber 19 in Rente gegangen und 40 weitere hätten sich zurück in die Türkei abgemeldet. Lediglich 10 neue Imame konnten bislang eingestellt werden. Und die seien eben kein Ersatz für den erlittenen Verlust. Zur Info: Alle Imame im Norden kommen aus der Türkei. Diesbezüglich besteht ein Abkommen zwischen den beiden türkischen Bruderstaaten.
In gewisser Weise trifft Letzteres auch auf die recht vielen Casinos zu, die im Norden Zyperns meist südzyprische Spieler und andere Zocker aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu Zypern anlocken.
‚Gott sei Dank‘ haben nun auch die Südzyprer ihr Casino, ‚endlich‘! Es läuft angeblich noch provisorisch. Das heißt dann wohl, man kann sein Geld dort provisorisch verlieren, wahrscheinlich aber auch gewinnen. Wie das genau geht, provisorisch zu gewinnen oder zu verlieren? Fragen Sie die orthodoxe Kirche, die solch Zocker-Projekt ja jahrelang verhinderte aus ethischen Gründen oder aber den Präsidenten der Republik, Anastasiadis. Letzterer ist ausgebildeter Anwalt und hat gewiss auch auf diese Frage eine Antwort parat.
Da im Norden jedoch NUR Ausländer spielen oder zocken dürfen, wird von Nordzyprern mit oder aufgrund der Eröffnung eines Casinos im Süden gefordert, das Gesetz, welches ihnen das Spielen in Casinos des Nordens untersagt, zu ändern, weil sonst womöglich Nordzyprer, die ja angeblich wenig Geld haben und daniederliegen finanziell, in den Süden gehen könnten, um ihre hartverdienten Türkischen Lira, Verzeihung, Britischen Pfund, Euro oder US-Dollars etc. im Süden zu verzocken.
Wir gehen hier davon aus, dass die geforderte Gesetzesänderung durchgeht, vor allem, da ja nun offensichtlich auch die zyprische Orthodoxie sich mit solch ‚Sumpf‘ auf der Insel, wo Saulus zu Paulus wurde, ‚anfreunden‘ konnte – hoffentlich nicht selbst daraus finanziell Profit ziehend.

Dann noch dies, und nur, damit Sie mal so ungefähr eine Vorstellung von gewissen Dimensionen erhalten:
Nord-Nikosia hat eine Bevölkerungszahl von ungefähr 61.378. Unsere Schätzungen gehen so weit zu veranschlagen, dass zumindest weitere 20 bis 30.000 nicht-registrierte Menschen diese Stadt mit ausfüllen dürften. Wie dem auch sei: Offiziell wird angegeben, dass es 9.000 Arbeitsplätze gibt, die registriert existieren. Insgesamt sollen im Norden Zyperns 300.000 Menschen leben, und insgesamt 18.000 Arbeitsplätze wurden bei der Behörde angemeldet.
Das vorliegende Zahlenmaterial ist also sehr löchrig. Es dürfte auch wirklich schwer sein, verlässliche Statistiken zu erstellen: im Norden Zyperns mehr als im Süden. Beiden Seiten wird oft unterstellt, dass keine der beiden Administrationen wirklich an exakten Daten interessiert ist, aus den verschiedensten Gründen.
Allerdings stimmt die folgende Nachricht noch, nämlich, dass Frau Gizem Alpman neuerdings den Norden Zyperns in Genf/Schweiz repräsentiert, und zwar bei der UNO.
In dem Beitrag über Nordzypern, der diesem vorausgeht, wurde von Levent Şener berichtet, der als zyprischer Journalist Probleme mit dem Regime in Ankara hat, und zwar wegen dem, was er so schreibt und sagt. Frau Nerin Feri Şefik ist ihres Zeichens Hauptrichterin des höchsten Gerichts im Norden und findet, dass die eröffnete Klage der Republik Türkei gegen den nord-zyprischen Journalisten Şener nicht zur Folge haben könne, dass es zu einer Auslieferung des Journalisten kommt. Eine Übergabe von Bürgern der KKTC, also Nordzyperns, an andere Staaten gebe es nicht! Derviş Akter, ein pensionierter Staatsanwalt aus dem Norden meint dazu, der Journalist Şener könne gar nicht belangt werden, zumal die Afrika-Tageszeitung, für die er schreibt im Norden, in der Türkei gar nicht zirkuliert. Da hat der Herr Akter offensichtlich vergessen oder übersehen, dass wir inzwischen überall Internet haben. Mutlu Yakalı, ein Kolumnist der Yeni Düzen meint hingegen, es gebe ein Protokoll zu sogenannt „juristischer Unterstützung“ zwischen der Türkei und Nordzypern. Und damit könnten Vollstreckungen eines Gerichtsurteils der Türkei durchaus im Norden der Insel erfolgen. Das genannte Protokoll besteht seit dem 01. 11. 1988.

Nicht zu leugnen ist, dass Ankara auch an anderer Stelle einen gewissen Druck ausübt, und zwar beim Erstellen der Lehrpläne in Schulen und an Unis ın Nordzypern – und das, wie zu vernehmen ist, angeblich vermehrt, und zwar in folgende Richtung: weg-von-säkularem-Gedankengut.

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Die Türkische Republik Nordzypern 5

Kürzlich schrieb mir ein Kollege, ob wir am Wochenende nicht „zocken“ gehen wollen?
Stellte sich dann heraus, dass er „Tennisspielen“ meinte. Bislang war für mich ein Zocker jemand, der an Automaten hängt oder sich hinter Spielkarten in der Hand versteckt etc.

Der Tourismusminister im Norden Zyperns, Herr Mehmet Ersoy, ist, schau an – schau an, zufällig auch der Besitzer eines Zockerladens, genauer eines Casinos, und zwar im Norden. Waren Sie etwa auch schon dort, im „Voyage Hotel“?
Es handelt sich um 2 Brüder bei den Ersoys, die von der Türkei aus ansonsten ihre Geschäftchen machten und noch immer machen. Mehmet ist auch derjenige der beiden, der seinerzeit 51% der Anteile für die „Turkish Cypriot Airlines“ (KTHY) kaufte (gekauft haben soll).

Wie es auch in der Türkei noch üblich ist, haben die Ersoys weitere Geschwister, Verwandte oder Ehepartner. In diesem Zusammenhang wäre beispielsweise die Nisa Ersoy nennenswert. Diese geschäftstüchtige Dame betreibt nämlich seit 2015 das „Elexus Hotel“ in Nordzypern. Nisa ist die Ehefrau des Bruders von Mehmet, des Murat Ersoys also.
Nisa Ersoy indes ist nicht irgendein Mädchen vom Lande aus unbekannter Familie, sondern sie ist die Tochter des Mahmut Bozkurt. Von dem haben Sie eventuell schon gehört oder gelesen, zumal er einst Abgeordneter der Mutterlandspartei (ANAP) war, die sogar einen Kurden an ihrer Spitze hatte, der aber – das ist seit Jahren – auf eher mysteriöse Weise verstarb, und zwar im Range eines Präsidenten der Republik Türkei. Die Rede ist von Herrn Turgut Özal.
Der Herr Papa der Frau Ersoy ist seines Zeichens auch einer der Gründer der „Iyi Partei“, die bei den Wahlen zum Präsidenten 2018 etwas von sich Reden machte, da diese Partei – entgegen der ANAP-Tradition – auf dem rechten politischen Auge der türkischen Nation auffallend laut auf völkisch macht und machte; und an der Spitze der Iyi ist eine Frau derzeit, die Meral Akşener.

Wie es das Schicksal will, ging die Firma des zuerst genannten Ersoys damals im Juni 2010 (angeblich) Pleite. Man hatte mit der oben genannten nord-zyprischen Airline, der KTHY, anscheinend zu viele Schulden angehäuft, sodass jemand wie die noch immer recht erfolgreich operierende „Atlasjet“ unterstützend einspringen musste – wie edel von ihr.
Wie auch immer die eben genannte Chose gelaufen sein mag, Transparenz sieht transparenter aus. Man weiß also nicht, soll das zuletzt Geäußerte besagen, wie genau die nord-zyprische quasi Staatsairline KTHY zu Atlasjet mutieren konnte und wer da alles seine Händchen mit im Spiel hat.
Letzteres ist ja kein unbekanntes Muster. Solche undurchsichtigen Geschäftchen sind heutzutage ja Gang und Gebe – leider.
So viel weiß man dann aber doch: Tayyıp Erdoğan und Herr Cemil Çiçek (Justizminister, Regierungssprecher, Vize-Ministerpräsident) sollen dafür gesorgt haben, dass der Airline-Deal so wie beschrieben und nicht anders über die Bühne ging.
Herr Çiçek ist jemand aus der APK-Truppe, der als einer der Gründer der derzeitigen Regierungspartei, AKP, der Türkei genannt werden kann.
Wenn die vorliegenden Informationen nicht völlig daneben liegen, ist der Herr Çiçek inzwischen etwas – oder gar total –in Ungnade gefallen bei dem Sultan vom Bosporus/Istanbul und Çankaya/Ankara.
Ja, auch hier warten alle ganz gespannt darauf, am Rande bemerkt, wann der zukünftge Sultan sich offiziell zu ‚Sultan Erdoğan‘ küren lässt. Müsste schon bald sein oder passieren, denn der Jüngste ist der Herr Erdoğan ja nicht mehr.
Und auch Sultane müssen irgendwann abtreten und bei Petrus an die Tür klopfen, und dort um Eintritt bitten. Kann aber sein, dass die Himmelspforten wie von alleine aufgehen bei solch hochrangigen und unbescholtenen Herren und ihren Damen. Wir werden es sehen, hoffentlich nicht schon demnächst!?
Auf Letzteres komme ich, weil das, was auf Erden läuft oder passiert, soll ja im Himmel seine Fortsetzung oder Konsequenzen haben. Und so ist dann auch verständlicher, wird angenommen, dass Gleiche mit Gleichen, wie man sagt, möglichst verkehren. Und daher liegt nahe, dass der Herr Ersoy, wie auch sein Bruder, beste Beziehungen in Regierungskreisen der Türkei unterhielten und unterhalten. Man spricht davon, dass der Kontakt zum jetzigen Parlamentspräsidenten der Türkei, Binali Yıldrım, vorzüglich sein soll. Und letzterer ist ja seit den frühen Anfängen der AKP ein wackerer Mitstreiter des zukünftigen Sultans, wenn es denn je zu solch einem Amt in der (einstigen) säkularen Republik Türkei (wieder) kommen sollte. Es gilt, zugegebenermaßen, noch einige Hürden zu nehmen, um solch einen irdisch-unirdischen Posten einzurichten.

Eine dieser Hürden hat Herr Erdoğan und sein im Entstehen befindliches re-osmanisiertes Regime jedenfalls schon Mal genommen: die Presse/freiheit.
Nicht zu leugnen ist, dass diese genommene Hürde des Regimes in Ankara auch Auswirkungen im Norden Zyperns hat. So hat eine Zeitung namens „Afrika“ dort gerade recht viel Stress mit einigen aufgebrachten Bürgern/türkischen Siedlern zu laufen, die finden, es werde anti-türkisch berichtet und daher müsse diese Zeitung „weg“. Auch anti-islamisch werde berichtet, was verwerflich sei. Schwere Vorwürfe also.
Immerhin: Im Norden soll es noch 20 Tageszeitungen geben, 23 Radiostationen, 12 TV-Stationen, 4 Web-TV’s und über 50 Internet-Zeitungen, zu denen wir uns hier von Zypernundmehr-News selbstverständlich nur indirekt zählen. Dies, weil für uns ist Zypern NATÜRLICH ein gesamtes Etwas. 1 Insel mit einer Trennlinie, die im Grunde keine Trennlinie sein sollte, es vielleicht auch nicht mehr wirklich trennend ist. Die Grenze, die den Norden vom Süden teilt oder zu teilen vorgibt, wird von manchen biologistisch denkenden Zeitgenossen zuweilen in Vergleich gesetzt mit den beiden Herzkammern, die in unseren Brustkästen schlagen.
Wir überlassen es Ihnen, hier angekommen, zu orten, wo denn wohl das venöse oder arterielle Blut in diesem Vergleich und auf der Insel strömt. Jedenfalls scheint das eine Zypern das andere Zypern zu brauchen, um zu existieren. Das ist wohl die Message, die solch Vergleich uns geben soll. Und wahrhaft: Die Trennung nährt und nährte gewisse Kreise recht gut bislang.

Sollten Sie es noch nicht wissen: Die erste türkisch-zyprische Zeitung kam bereits vor 129 Jahren heraus und hieß „Saadet“ (Glück). In der Türkei gibt es derzeit eine Partei mit diesem Namen. Die Mitglieder der Saadet sind etwas oder mehr islamisch angehaucht – der im Jahr 2011 am 30. Juni verstorbene türkische Politiker Necmettin Erbakan lässt dergestalt also noch immer grüßen, und so weiter.
Stets am 11. Juli wird im Norden indes der sogenannte Pressetag gefeiert – jedes Jahr aufs Neue. Und diese Feiern haben nichts mit dem Todestag Erbakans zu tun – jedenfalls noch nicht.
Überhaupt:
Es gibt im Grunde noch so viel aus dem Norden zu berichten, sodass nun, wenn schon die Rede von der Presse ist, wir doch einfach mal bei diesem Thema recht spezifisch verweilen.
Von der „Afrika“-Tageszeitung des Nordens war zuvor bereits die Rede. Da gilt es nun auch noch die „Politis“ aus dem Süden kurz anzuführen. Denn in beiden Blättern schreibt Şener Levent, und zwar auf Griechisch und auf Türkisch, je nach dem – und jedes Mal so, dass es dem Regime in der Türkei wenig gefallen dürfte, was es da zu lesen gibt, aber den Südzyprern, die sich mit dem Gedanken, dass die Türkei DRÜBEN noch immer den Ton angibt, schon.
Herr Şener wurde vor Kurzem ‚eingeladen‘ nach Ankara zu kommen, um eine Aussage vor Gericht zu machen. Er sagte dazu:
„Ich denke gar nicht daran, in dieser Angelegenheit schuldig zu sein. Weil ich unschuldig bin. Ich halte es nicht für erforderlich, dort hinzufliegen. Den Tatvorwurf lehne ich ab!“
Dem nicht genug schrieb Şener in einer seiner Kolumnen, dass der Richter Tacan Reynar, der diejenigen verknackte, die vor nicht allzu langer Zeit die Afrika-Tageszeitung im Norden attackierten, schon seit geraumer Zeit seine Koffer gepackt habe, um fortan in Kanada zu leben. Tacan wird wohl wissen, warum er ausgewandert ist, vermuten wir hier.
Dann darf noch berichtet werden, dass Şener eventuell als unabhängiger Kandidat bei den Europawahlen ins Rennen gehen könnte. Einer Partei mag er sich nicht anschließen, meint er. Wenn er gewählt würde, und das rechtzeitig, wer weiß, vielleicht werden ihn dann die langen „Schwarzen Arme“ (karakol) der türkischen Justiz nicht zu fassen bekommen. Genügend Wirbel dürfte er dann im Europa Parlament aufwirbeln, spekulieren einige, und zwar so lange werden sie das dann wohl tun, wie sich das Gegenteil davon nicht bestätigt hat.

Nun! Sie, verehrte Leser, werden sich gewiss schon gefragt haben: Was hat der Herr Şener denn getan, dass Ankara so sauer auf ihn ist oder sein soll; und gibt etwa keine Kostprobe davon?

„Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Zitronen und Jasmin duftet?
Wie?
Hau ab!
Du wirst gehen!
Diese kleine Insel hat viele Könige gesehen und Sultane.
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!
Wirst Deine Sprüche, dass Allah der größte ist, sowie Dein Fluchen nehmen und abhauen! …
Wenn Du türkisch bist, ich bin es nicht.
Wenn Du Patriot bist, dann bin ich ein Verräter.
Ich unterhalte eine illegale Organisation, jene mit Jasmin, Zitronen, Nelkenrosen und Eukalyptus. Bin weder EOKA, noch TMT [sind 2 ehemalige süd- und nordzyprische Geheimbünde, die vor 1974 politische Gegner Killen gingen].
Wir sind von oben bis unten bewaffnet. Unsere Waffen sind Blumen. Und mein Füllfederhalter versteht keine Worte. Sogar ich kann ihm nicht eingeben, was er schreiben soll. Und Du denkst, Deine Steine, Dein Geschrei können ihm sagen, was es zu schreiben gilt?
Ihr seid die Feinde!
Ihr seid allem feind, was schön, bezaubernd und richtig ist. Feind der Griechen, weil er Grieche ist. Den Kurden ein Feind, weil er Kurde ist. Feind der Armenier, weil er Armenier ist und Feind der Alewiten, weil er Alewi ist. So seid ihr auch Feind jedes einzelnen Christen, weil er nicht Muslim ist.
Ihr seid unsere Feinde! …
Feind jener, die sagen, sie sind Türkischzyprer und nicht Türken!
Du sagst zu mir: Wenn es Dir nicht passt, geh und leb drüben im Süden!
Du bist damit noch nicht mal komisch. Bringst mich aber doch zum Lachen … Blödmann … .
Hat mein Land etwa einen Norden oder Süden? Das ganze Land ist meines, Norden und Süden gleichermaßen. So auch der Westen und der Osten. Ich kann leben, wo ich mag … .
Was auch immer Du tun wirst, Du wirst nicht im Stande sein, schneller als eine Taube zu fliegen.
Ich wünschte, ich könnte Dich lieben. Doch Du bist nicht liebenswert.
Aus welcher Hölle bist Du in mein Land gekommen, welches nach Limonen und Jasmin duftet?
Hau ab, geh!
Du wirst gehen!
So wie Du gekommen bist!“

Vielleicht haben Sie ja dasselbe Problem wie ich, wenn Sie den Namen des Präsidenten der Türkei schreiben wollen oder sollen, sich aber irgendwie nicht merken können, wie die beiden Vornamen geschrieben werden, nämlich mit „b“ oder mit „p“?
Hier ihre Gedächtnisstütze, die Eselsbrücke, wie man sagt, also:
Weil über dem „g“ des Familiennamens „Erdoğan“ ein Zeichen steht, das aussieht wie ein Falke, der über etwas fliegt, können die beiden Vornamen nur ein nach unten weisendes „p“ haben und kein „b“, weil sonst hätte der Falke – Erdoğan bedeutet übersetzt Falke – kein gutes Jagdgebiet.
Oder aber Sie merken es sich so:
Wir erinnern, dass „Recep Tayyip“ wie die beiden p’s nach unten geht oder führt oder so geschrieben wird; weil der Erdoğan im Gegensatz dazu wie ein Falke über dem Unteren fliegt, das ist über den p’s, und sie derart in Schach hält oder aber bejagt.

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DieDie Türkische Republik Nordzypern 4

Turgay Deniz, Vorsitzender der „Türkisch Zypriotischen Handelskammer“, sagte, die Regularien der sogenannten „Grünen Linie“, sind für Türkischzyprer ein Schritt hin in „allumfassendes Versinken“. Gemeint ist die Demarkationslinie, die die Insel teilt. Deniz erklärt, oft habe man sich mit dem Süden zusammengesetzt und Mithilfe angefragt, um die Grüne-Linie-Regularien auszuweiten, um unterschiedliche Gebiete derselben miteinbeziehen zu können. Doch die Handelskammer im Süden ließ stets wissen, türkisch-zyprische Produkte produzierten „unfairen Wettbewerb“. Daher kam es nie zu irgendeiner Ausweitung, wie gewünscht. Und jetzt, wo auch noch Sprit-Kontrollen an den Übergängen in den Süden durchgeführt werden, ist der psychologische Druck auf Nordzyprer immens gewachsen. Die Kontrollen hätten aber keine legale Basis, sagt Deniz.
In gewisser Weise bezieht sich das, was Turgay Deniz sagt, auch auf den Tourismus, der auf beiden Seiten der zyprischen Insel im Jahr 2018 finanziell einen guten Schnitt zu machen scheint. Der Präsident des Nordens, Mustafa Akıncı, meint, es sei langsam aber sicher an der Zeit auf Zypern, dem Massentourismus die Stirn zu bieten, das heißt, auf umweltfreundlicheren Tourismus umzusteigen, einen selben prononcierter hochzuziehen. Derzeitiger Toursimusminister des Nordens von Zypern ist Herr Fikri Ataoğlu. Tourismusminister ist jener Posten, den Akıncı vor knapp 19 Jahren innehatte in der Türkischen Republik Nordzypern.
Des Weiteren meint Ataoğlu: Der Work-Shop „Nordzypern – Tourismus 2024“ sei eine zu verfolgende Strategie, anhand dieser bis ins Jahr 2024 geplant wird. Der Work-Shop fand bereits am 07. Juli 2018 statt. 796 Millionen US-$ würden im Norden im Tourismus verdient. Die Hotels im Norden Zyperns hätten um die 25.000 Betten. Und rund 1 Million Touristen hätten den Norden bislang, dieses Jahr, besucht.
Premierminister Erhürman ergänzte eben Gesagtes, indem er wissen ließ, dass 20% der arbeitenden Bevölkerung des Nordens im Tourismus beschäftigt sei. Seiner Ansicht nach ist diese Rate oder Ziffer etwas skandalös vor dem Hintergrund, dass die Arbeitslosenquote im Norden – und vor allem unter Jugendlichen – bei ungefähr 19% liegt.
Nun, Herrn Erdoğan, der Nordzypern vor Kurzem besuchte, als einen Touristen zu bezeichnen, der Nordzypern einen Besuch abstattet, wäre der aberkannten Ehre dann vielleicht doch etwas zu viel. Und mit der Ehre hat es der Herr ja bekanntermaßen. Doch als neugewählter Präsident der Republik Türkei wird es ihm wohl gelungen sein, dennoch einen gebührenden Empfang erhalten zu haben in Nordzypern. Allerdings hat er, dort angekommen, dann doch nicht die „Rauf Denktaş Universität“ besucht, die zu etablieren ja schon seit einigen Jahren im Umlauf sein soll. Also keine Grundsteinlegung, keine Spaten in der Hand mit Präsidenten und andere, gern in die Welt gestreuten Bilder von Staatsmännern und -frauen. Zwar hat Erdoğan einen Kranz am Denkmal von Kemal Mustafa Atatürk abgelegt in Nikosia-Nord, aber er sah davon ab, dem Denkmal von Dr. Fazıl Küçük, dem ersten nordzyprischen Vize-Präsidenten des einst gemeinsam regierten Zyperns vor 1974, die Ehre seines Besuches zu erweisen. Der Präsident des vereinten Zyperns war damals Erzbischof Makarios.
Erdoğan, im Habitus eines religiösen Führers, wohnte der Einweihung der Uni einfach nicht physisch, sondern „symbolisch“ bei. Immerhin scheint den Denktaş’s inzwischen gelungen, das Uni-Projekt nun endlich verwirklichen zu können. Man weiß auf Zyperns aber nie, was noch dazwischenkommen kann. Noch scheinen Afrodite oder/und Atatürk der Denktaş-Uni wohlwollend gesinnt zu sein.
Denktaş: Der Ministerrat des Nordens habe die Abzahlungsfrist für den Bau der Uni von 10 Jahren auf 35 prolongiert. Unterzeichner dieser Urkunde waren das Amt für Bauwesen sowie die „Mediterrane Lehrmeister-Dienst Ltd“. Bezeichnenderweise sind die Inhaber des ominösen Dienstes die Denktaş’s selbst. Über weitere Details der Zahlungsmodalitäten wird zumindest in der Öffentlichkeit nicht geredet.
Serdar Denktaş: „Alles läuft hier mit legalen Methoden ab!“
Doof nur, dass bereits gewisse Ungereimtheiten bei der Vergabe des Landes für die Uni entstanden sind. Wir sprechen von 200.000 qm Fläche, die die Uni einnehmen wird. Woanders kursiert allerdings eine Quadratmeterzahl von 100.000 qm. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

Wie auch immer: An diesem Uni-Projekt ist es gewiss nicht gelegen, dass die Türkische Lira etwas abstürzte. Wie zu lesen ist, passierte der Absturz gleich unmittelbar nachdem das neue türkische Kabinett der Regierung in Ankara bekanntgegeben worden war.
Gewiss auch wegen des Geldes – auf Nordzypern ‚regiert‘ bekanntlich die Türkische Lira – haben sich die „Revolutionäre Kommunistische Union“, die Journalistengewerkschaft „Basın-Sen“ und das „Boran Kulturzentrum“ Nordzyperns hervorgetan, um gegen den oben erwähnten Besuch Erdoğans zu protestieren.
„Türkischzyprer wollen Unabhängigkeit!“
„Frieden, nicht Krieg!“
„Lösung des Zypernproblems!“
„Keine Nicht-Lösung!“
„Schulen, nicht Moscheen!“
„Säkularismus und keine islamische Gesetzgebung!“
Solche Dinge und wohl auch noch mehr sagt/e unter anderen auch der Basın-Sen Gewerkschaftler Ali Kısmir.
Im Norden Zyperns gibt es durchaus noch andere Player, die zuweilen auf die Straße gehen und ihr Recht einfordern, nicht nur die Gewerkschaft der Lehrer etc. Da wäre mal die „Kontemporäre Bildungsplattform“ zu nennen. Diese Plattform organisierte Anfang Juli 2018 einen Protest vor dem Amtsgebäude des Premierministers des Nordens von Zypern. Sie forderten, dass es endlich religiösen Unterricht an den Schulen im Norden gibt, und zwar obligatorisch. Die Plattform beklagt in einem Brief, der an den Nationalen Bildungs- und Kulturminister, Herrn Cemal Özyığıt, gerichtet war, dass auch im kommenden Jahr voraussichtlich religiöser Unterricht noch abwählbar sein dürfte. Und das sei ein Schlag gegen die demokratischen Rechte sowie ein Versuch, die Gesellschaft zu polarisieren.
Wie wir also soeben registrieren konnten, gibt es inzwischen zumindest eine Organisation, um den vormals eher säkular-strukturierten Norden Zyperns dem Willen des türkischen Präsidenten, wenn es sein muss auch mit Protesten zu etablieren – und wahrscheinlich auch mit anderen Mitteln.
Dazu fällt einem gleich wieder ein, was Erdoğan bei seinem zuvor erwähnten Besuch in Nordzypern nach seiner Wahl zum alleinherrschenden Präsidenten der Türkei zu verkünden wusste. Davon abgesehen, das war gleichzeitig auch sein kürzester Besuch gewesen. Er dauerte gerademal 4 Stunden, und erstmals war die nordzyprische politische Opposition nicht geladen, den Präsidenten der Türkei bei seinem Aufenthalt zu umgeben, Erdoğan: „Die Türkei wird immer ein wachendes Auge auf Nordzypern haben. Niemand wird Nordzyprer zu Opfern einer Nicht-Lösung machen. Und wir werden nie erleben, dass sie zur Minorität neben den Griechischzyprern werden!“
Der Präsident des Nordens, Akıncı, lässt in diesem Kontext wissen: „Bislang haben die drüben genau das Gegenteil von dem getan, was konstruktiv wäre. Als Türkische Republik Nordzypern und mit der Unterstützung der Türkei werden wir unsere Rechte im südöstlichen Mittelmeer nicht aufgeben!“
Was vielen Lesern wahrscheinlich nicht allzu geläufig sein dürfte, ist, dass mit der Einführung des neuen Präsidialsystems in der Republik Türkei das Haupt Direktorrat „Binärer Politischer Angelegenheiten“ sich nun um die Zypernfrage kümmern wird in Ankaras Außenministerium. Das Außenministerium hat nun 26 Abteilungen, wovon das für Binäre Politische Angelegenheiten eine ist. Ökonomische und politische Dinge werden dort analysiert und vorbereitet – und auch die Beziehungen zu Griechenland. In anderen Worten: Die Zeiten, wo es extra einen Minister für Zypern in Ankara gab, sind vorbei.
Erdoğan bezüglich seiner Zypernkompetenz: „Ich persönlich bin derjenige, der seit den Tagen Annans mit der Zypernfrage zu tun hat. Ich kenne den Prozess gut, den Zeitplan und hielt dazu an, sich zu einen. Als Annan mich das 2. Mal besuchte, sagte er: „Ich kann es nicht mehr lösen!“ Da sagte ich ihm, „lass es uns zusammentun. Du wirst sehen, dass die Türkei dich nicht auflaufen lässt. Wir werden immer 1 Schritt vor denen im griechisch-zyprischen Sektor sein. Gib uns eine Woche!“ Und dann hatten wir jenes Treffen in Davos. Annan hatte nach 1 Woche gefragt und nach 1 Woche starteten die Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns. Natürlich haben wir [Türkei] uns wieder eingebracht. Unser wichtigstes Abenteuer war Burgenstock. Wir hatten das ernst genommen. Doch die Südzyprer haben leider wieder ihre Versprechen gebrochen. Und seither verlassen sie den Verhandlungstisch – so oder anders. Nordzypern blieb immer bei ihrer Position am Tisch, und dies mit Determination. Auch wir zeigten, wie entschlossen wir sind als Garantiemacht. Leider haben die anderen Garantiemächte nicht die gleiche Positionierung diesbezüglich eingenommen.“
Des Weiteren ließ er wissen, dass nicht ewig verhandelt werde. Man werde sich entscheiden, und dann wird diesem Entscheid gefolgt.
„Meine Brüder Nordzyperns sind für mich so wichtig wie die türkischen Bürger. Daher: So wie wir ihnen jedwede Unterstützung bislang gewährten, so werden wir auch in Zukunft verfahren!“

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Die Türkische Republik Nordzypern 3

Premierminister Erhürman der Türkischen Republik Nordzypern beklagt, es existierten keine Statistiken, auch keine Studien, die belegten, dass der Norden einen wirklichen Bedarf an 16 Universitäten habe. Auch bezweifelt er die kursierende Zahl Studierender im Norden von in etwa 100.000 für das Semester 2017 – 2018.
In den Universitäten des Nordens von Zypern arbeiten gewissen Angaben zufolge in etwa 4.529 Lehrer und 101.000 Studenten studierten; 55.000 davon sollen aus der Türkei kommen und rund 13.000 Studenten seien Türkischzyprioten.

Die genannten Werte verraten uns schon mal eine zahlenmäßige Dominanz von sogenannten Festlandtürken, die in türkisch-zyprischen Universitäten eingeschrieben sind.

Und ja, das Dominieren einer Sache, wie Sie wahrscheinlich schon ahnten, ist offenbar eines der Themen oder Dinge, die Türken im Allgemeinen und derzeit ganz besonders anscheinend sehr interessieren.
Şener Elcil von der Gewerkschaft KTO hat – vielleicht auch dieses Dominanz-Phänomens wegen – gleich 24 Fragen an das türkische Außenministerium gerichtet, und zwar klugerweise bezüglich Afrin in Syrien – aber gewiss spricht er derart, unausgesprochen sozusagen, die Verhältnisse in Nordzypern an, vermuten wohl nicht wenige.
„Werdet ihr keine türkischen Staatsangehörigkeiten in Afrin verteilen? Werdet ihr keine Bevölkerungsgruppen dorthin oder von dort weg transferieren? Werdet ihr den Plätzen und Straßen von Afrin keine türkischen Namen verpassen? Werdet ihr keine Komitees einrichten, welche das Land der Leute [an andere] verteilt? Werdet ihr Afrin nicht plündern? Werdet ihr die Währung nicht außer Kraft setzen und die Türkische Lira einführen? Werdet ihr keinen Kommandanten berufen, der aus der Türkei kommt und dafür sorgt, dass lokale Polizisten in der Hierarchie nicht aufsteigen? Werdet ihr nicht die schönsten Plätze Afrins euren Unterstützern anbieten?“
Kann also gut sein, dass Herr Elcil das Zitierte so geschrieben oder formuliert hat. Der Zweifel, den Sie hier bereits heraushören, ist darin begründet, dass das obige Zitat Beiträgen dem Press and Information Office des Südens entnommen ist. Weil, hier wird angenommen, dass Herr Elcil wahrscheinlich eine Familie hat. Und sollte er obige Fragen so formuliert und in die Öffentlichkeit entlassen haben, ist nach einer weiteren Bleibe für sich und die Seinigen sich vorsichtshalber schon mal umzusehen, bestens im Süden, wahrscheinlich die Pflicht eines jeden verantwortlich handelnden Familienvaters. Vielleicht gehen ja auch seine Kinder bereits, so er denn welche hat, im Süden zur Schule. Letzteres, dass Kinder aus dem Norden im Süden Schulen besuchen, ist ein gängiges Phänomen unter sogenannt echten Türkischzyprern, vor allen unter jenen, die nicht allzu entfernt von der Grenze in den Süden leben. Das ist dort wirklich sehr populär, wahrscheinlich chic. Politisch eher links zu verortende Türkischzyprer lassen sich vor allem auf diese Möglichkeit ein, auch, um ihre Kinder im international akzeptierten europäischen Teil der Insel europäischen Standards zu unterziehen – und derart wird auch Sorge getragen, dass die Kleinen mehrsprachig aufwachsen, wie es sich heutzutage für weltoffene Menschen gehört, und um Karriere machen zu können etc.

Apropos KTO: Die demonstrierten mal wieder. Diesmal war es vor der Türkischen Botschaft im Norden Zyperns, also in Nord-Nikosia, und das geschah noch Anfang-Mitte des Monats Juli 2018. Demonstrierten, weil Erdogan, wie bereits in Part 1 und 2 dieses Berichts berichtet wurde, ja die Insel besuchen kam. Die fanden es überhaupt nicht amüsant, dass er auch noch – und ausgerechnet – eine Moschee einweihen ging, die wiederum ausgerechnet ebenfalls „Hala Sultan“ getauft wurde, und zwar in einer Gemeinde namens Haspolat. Das Original mit diesem Namen steht nämlich im Süden und ist so etwas wie ein Pilgerort für nicht wenige Muslime in der Welt, da die Tante des Propheten Muhammad sich dort mal temporär aufhielt. Die Moschee in Haspolat/Nordzypern ist immerhin der berühmten Selmiye Moschee der Stadt Edirne/Türkei unweit der griechischen Grenze, genauer in der Region Trakien, nachgebaut worden. 4 Minarette hat sie, 37.000 qm Fläche nimmt sie ein und 6.000 Betende könnten dort gemeinsam beten, wird berichtet. Kostenpunkt: 33 Millionen US-$.
Nicht wenige Gewerkschafter der KTOS finden, von diesem Geld hätten lässig 33 Schulen oder 3 supermoderne Krankenhäuser, wie es das „Famagusta Hospital“ im Norden ist, errichtet werden können.

Wie dem auch sei: Derweil konnte anstatt die „TCG Barbaros“ Fregatte der türkischen Marine im Hafen von Girne bestaunt werden – ziemlich sicher nur von Türkischzyprioten oder Festlandtürken. Nun dann!
Falls Sie nun, verehrte Leserschaft, aus Verlegenheit nicht wissen sollten, was denn sonst noch so im Norden getan werden könnte, zumal sie sich schon auf den Weg begeben haben, die Fregatte zu begutachten, kehren Sie einfach, bestens umgehend, auf ihren Fersen um, bevor man Ihnen sagt, dass Sie den falschen Ausweis besitzen und gehen Sie geradewegs ins neu eröffnete „Limak Cyprus Deluxe Hotel“ in Bafra – welches irgendwo draußen in Karpaz angesiedelt wurde. Schlappe 200 Millionen US-$ hat es gekostet, den Kasten in das schöne Gelände zu stellen. Auch dieses Gelände müsste eigentlich naturgeschützt werden. Ein Teil von Karpaz ist es jedenfalls, oder soll es sein, muss hier fairer Weise gesagt werden, wenn man den Pflanzen und Tieren gerecht werden will. 1.300 Betten und 598 Zimmer warten auf Sie als Tourist. Die „Limak Holding“ hat in der Türkei weitere 8 Hotels in den letzten 23 Jahren errichtet.
Vielleicht wäre diese Verschandelung der Insel, manche finden, es sei Entwicklung, andere es handle sich um eine Verschönerung, ja doch auch ein Thema, welches die neue Zypernbeauftragte der UN, Frau Lute, aufgreifen sollte zur Abwechslung, auch, um ihren Fingerprint derart zu hinterlassen. Wird sie wohl nicht tun, keine Sorge. Die haben in diesen Positionen anscheinend nur Platz für Leute, die genau das tun, was von ihnen erwartet wird irgendwo. Jedenfalls scheint die angesprochene Erwartungshaltung, wenig bis gar nichts mit der zu tun zu haben, die die Leute hier auf Zypern haben – oder haben dürften. Letztere werden noch nicht mal danach gefragt, gilt es zu erkennen.
Vielen Zyprern geht Frau Lute jedenfalls jetzt schon auf den Nerv. Sie sei Geld- und Zeitverschwendung. Denn die Bedingungen, Wiedervereinigungsverhandlungen schon wieder anzufangen, sind ja noch gar nicht, auch nicht annähernd, erfüllt vonseiten des Nordens oder des Südens, wird gemurrt.
Dennoch werden die Verhandlungsführer demnächst wieder auf Einkaufstour geschickt. So, wie vermeldet wird, werden zuerst die Läden in Manhattan gestürmt und dann, nicht vergessen, die Amüsierbuden in Brooklyn, nein, nicht in der Bronx. Guterres hat die Damen und Herren dazu eingeladen, der UN-Präsident. Kurz davor hatte Akıncı noch recht laut vernehmen lassen über die Medien, für ihn habe NICHTS begonnen, als Lute in ihr Amt gehoben wurde und angefangen hatte, beide Seiten vor Kurzem höchst persönlich aufzusuchen.


Welch Überfluss! Insofern ist Überfluss dann vielleicht doch der angebrachteste Terminus zur Beschreibung der Lage. Nicht allein, dass in der UN anscheinend Kohle ohne Ende in Koffern darauf wartet, Politikern und anderen Interessierten hinter her geschmissen zu werden, nein, überflüssig erscheint vor dem Hintergrund dessen, was Akıncı die ganze Zeit über von sich gegeben hat, auch zu sein, dass er die Einladung nach New York – zum Einkaufen – angenommen hat. Weil somit signalisiert er ja, ob er es will oder nicht, dass die Verhandlungen sehr wohl auch für ihn wieder in der üblichen Art und Weise ihren Anfang genommen haben, und hoffentlich nicht genau so üblich enden. Zwar stirbt die Hoffnung meist zuletzt, doch manches Mal, offensichtlich, stirbt sie auch zuerst. Auch Hoffnung bedarf also eines tragbaren Fundaments!
Akıncı indes: „Lute ist nicht als ein Ersatz für den vorherigen Speziellen Abgesandten des UN-Sekretärs Espen Barth Eiden in ihrer jetzigen Position!“ Sie sei nur eine vorübergehende Abgesandte oder Beauftragte, die sich mit den beiden Zyprern, Akıncı und Anastasiadis, getroffen hat, um auszuloten, ob sich da in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen was drehen lässt.
Wir wünschen also erfreuliches Weihnachts-Shopping, gern auch in den bizarrsten Ecken des Central Parks. Jedem das Ihrige, oder jeder das Seinige! Spitzendiplomatie eben.
Zwar haben die Nordzyprer angeblich keine Lust mehr auf „Endlosschleife“ in Sachen Wiedervereinigungsverhandlungen, aber auf Shopping zu verzichten, und dann noch so günstig, verstehen Sie doch, das kann und darf nicht ausgelassen sein!

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