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Südosteuropa!

Gibt es das überhaupt!

Und wo endet es, wo fängt Südosteuropa an?

Zypern liegt im südöstlichen Europa, so weit südlich sogar, dass eigentlich von einem Teil Asiens gesprochen werden müsste. Afrikas?

Nordwesteuropa ist streng genommen der geografische Gegenpart zu Zypern in Europa. Und dass Briten, Bretonen und Schotten nicht in Europa leben, davon wüssten wir. Stimmt’s?

Also liegt Zypern in Europa!?

In westlichen Augen war Zypern gewiss lange Zeit ganz klar ein Teil des Ostens, des Nahen Ostens, der Türkei. Auch wenn die Venezianer, Engländer und andere westliche Mächte zeitweise die Insel unter ihrer Kontrolle hatten. Manche befürchten noch immer, dass Putin seine Fühler gen Zypern ausstrecken könnte, so wie er es kürzlich auf der Krim getan hat. Noch gibt es meist nur russische, türkische und persische Touristen aus dem Osten. Rumänen und Bulgaren, Moldavier und Ukrainer, die kommen eher zum arbeiten.

Bekanntlich waren die Perser und Türken für Länger im Besitz der Insel und überzeichneten das vormals afrikanische und nahöstliche Erbe mit ihrer östlich geprägten Anwesenheit, die eher etwas orientalisch zuweilen in die Herzen der Zyprer gelangte.

„Südosteuropa“ suggeriert irgendwie unweigerlich, keine feststehende Größe zu sein, wie es der „Osten“ oder der „Westen“ für uns tun. Es ist uns ein Mix, obgleich der Westen beispielsweise auch ein gemixtes Wesen aus vielen Ländern ist. Würde das Osmanische Reich offiziell nie untergegangen sein, wer weiß, dann wäre der Südosten Europas wahrscheinlich als große Einheit, als ein Block in unseren Köpfen verortet.

Vielleicht ist es gar nicht so unangebracht, davon auszugehen, dass die Briten und Osmanen die Insel eigentlich nie verlassen haben. Obgleich, die Briten unserer Zeitrechnung ließen über ihren Botschafter in Nikosia vor ein paar Tagen verlautbaren, dass im Fall einer zukünftigen Lösung der Zypernfrage, sie einen Teil ihrer Militärbasen bereitwillig zurückgeben werden. Allerdings bedeute das nicht, sagte der Botschafter, dass die Basen ganz aufgegeben würden. Und das wird neuerdings wieder von einigen griechischzyprischen Politikern vernehmlich gefordert. Zypern sei strategisch einfach zu günstig gelegen und, man höre, für Europa von Wichtigkeit.

Na ja, und als Überbleibsel des Osmanischen Reichs, erlaube ich mir ganz keck die Republik Nordzypern zu nennen. Zwar ritten die Türken dort unter Ecevit 1974 ein, doch das taten er und seine Mitstreiter auch, um diesen Teil des osmanischen Erbes zu ‚retten‘ – kompromisslos.

Apropos, es ist noch längst nicht ausgemacht, dass es zu der lang versprochenen Wiedervereinigung der Inselteile Zyperns dieses Jahr kommt. Zwar hat der Parteivorsitzende der DISY vor kurzem mit einem Politiker aus dem türkischzyprischen Norden geradezu feierlich die Grenze in Richtung Norden überschritten, um „drüben“ vor der alten Karavansaray Musik, Reden und dergleichen mehr in die laufenden Kameras zu entlassen. Ein paar Tage danach sah ich ihn in gewohnter Umgebung sitzend, und er sprach mal wieder von der Wiedervereinigung. Zu meiner Überraschung sprach er in diesem Zusammenhang davon, dass aber die Stadt „Morfu“ zurück gegeben werden müsste von den Türkischzyprern, ansonsten wäre nichts drin mit Wiedervereinigung.

Diese Argumentation ist schon etwas schräg vor dem Hintergrund der tollen Worte und Absichtserklärungen an der erwähnten Feier, wenn man zudem bedenkt, dass es ja nicht die Türkischzyprer waren, die den Annanplan im Jahr 2004 ablehnten. Außerdem sind es die Nordzyprer ausgerechnet, die mit dem inselweit knapper werdenden Gut Frischwasser aus der Türkei versorgt werden und bei Bedarf gewiss auch schon bald mit Strom.

Die Russen haben ihre Arbeiten am Atommeiler gegenüber Zypern auf dem Boden der Türkei gerade eingestellt, weil die Türkei und Russland bekanntlich dabei sind, eventuell einen Nebenkriegsschauplatz aufzubauen oder sich offen zu halten. Diese unerfreuliche Tatsache steht wahrscheinlich auch nur hier geschrieben. Die wird seit je her beflissentlich verschwiegen.

Die Trümpfe sind längst noch nicht ausgespielt im Südosteuropa-Poker. Keiner lässt sich in die Karten sehen und niemand kann abschließend sagen, welche Richtung dieser Poker inmitten der anderen Konflikte, die über und an Zypern vorbei laufen, letztlich nehmen wird.

Erdogan hat sich derzeit auf die Kurden im eigenen Land eingeschossen. Angela Merkel wird Erdogan demnächst aufsuchen und daran erinnern, dass die Türkei nun endlich mal beginnen müsste, den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Das fordern ausgerechnet diejenigen, die bei 1,5 Millionen Flüchtlingen im Land laut zu stöhnen beginnen und die Säcke voller Geld haben. So weit hier bekannt ist, haben die Europäer die 3 Milliarden Euro an Ankara noch nicht überwiesen, um den Job, Flüchtlinge von der Flucht nach Nordeuropa abzuhalten, für sie auszuführen.

Gerade stehen zigtausende Flüchtlinge auf der syrischen Seite des Grenzverlaufs zur Türkei und Ankara meint, die könnten nun nicht mehr in die Türkei einreisen. Ankara wolle ihre ‚Betreuung‘ in Syrien selbst vornehmen. Wir alle vernehmen dazu staunend: Die EU fordert die Türkei auf, die 60.000 oder mehr Flüchtlinge umgehend in die Türke einreisen zu lassen!

Ich sehe im Geiste bereits das lächelnde Gesicht von Herrn Davutoglu und das etwas zerstreut und getrieben wirkende mit nach unten hängenden Backen von Frau Merkel, wenn sie sich vor den TV-Kameras demnächst wieder zeigen werden und sich „Kooperation“ versprechen.

Es sei daran erinnert, dass in der Türkei über 3 Millionen Syrer sein sollen. Die meisten Syrer sind zwar Muslime, wie die meisten Türken auch, und waren mal ein Teil des Osmanischen Reiches und daher auch mental etwas vertraut mit türkisch geprägten Kulturkreisen. Letztendlich sind den meisten Türken die Syrer aber in etwa so fremd wie den meisten Deutschen Türken.

Arabisch und Türkisch haben nichts gemeinsam außer einigen Worten, die im schlechtesten Fall noch nicht mal mehr das selbe bedeuten oder bezeichnen.

Ist die Rede von Südosteuropa, denkt man vordringlich an Bulgarien, Rumänien, Moldavien, Griechenland und auch Teile der Türkei (Trakien). Der „Balkan“ ist sonderbarer Weise eine Dimension für sich, was wohl damit zusammenhängt, dass ab 1991 sich die ehemaligen Teilstaaten Jugoslawiens vehement daran störten, mit dem östlich von ihnen gelegenen Russland in einen Topf geworfen zu werden. Im Zeitalter des Nationalen wird halt das Imperiale gering geschätzt. Und das ist womöglich so seit dem Aufkommen des ersten Nationalstaates in Frankreich nach der berühmten Revolution.

Die türkische Cumhüriyet Tageszeitung berichtete 2015 über die Lieferung von Waffen an islamistische Extremisten in Syrien. Diesen Job hatte der sagenumwobene türkische Geheimdienst „MIT“ übernommen gehabt. Ein recht guter Verbündeter des deutschen Geheimdienstes BND, wird gesagt. Die Journalisten, die das aufgedeckt haben wollen, woran eigentlich nur noch wenig bis gar kein Zweifel besteht, wurden von Erdogan selbst angezeigt und braten seither hinter Gittern. Es gibt da noch andere, die Erdogan gern zur Haft mit etwas Folter eventuell haben mag. Gülen.

Dass die USA den Prediger und Gründer der „Hizmet“-Bewegung an Ankara ausliefert, den Herrn Gülen, ist Erdogan noch nicht gelungen. Im Gegenteil. Die USA beschuldigen die Türkei derzeit sogar, alles andere als eine Rechtsstaatlichkeit im Lande walten zu lassen.

Die Hizmet-Bewegung ist in der Welt gut verlinkt. Zum Beispiel betrieben sie noch bis vor kurzem eine Schule im Jemen/Sanaa. Herr Gülen wohnt seit dem Jahr 1999 in Pennsylvania/USA. Mit seinem einstigen Spießgenossen Erdogan überwarf er sich im Jahr 2013 – wegen irgendeinem Kuddel-Muddel in Geldangelegenheiten, versteht sich.

Wie sagte Herr Demirtas, Parteivorsitzender der mehrheitlich kurdischstämmigen, türkischen HD-Partei, die kürzlich erneut ins türkische Parlament gewählt wurde zum Missfallen Erdogans und seinen Parteigängern der AKP, indem er die Ausdrucksweise Erdogans aufgriff:

„Es wird hier kein Krieg im „Osten“ geführt, sondern ein Krieg gegen die Kurden.“

Leider ist die Rolle, die Erdogan im Syrienkonflikt einnimmt, eine eher seltsame. Bei den Friedensverhandlungen in Genf spricht er sich vehement dagegen aus, dass die syrischen Kurden (YDG-H) am Verhandlungstisch sitzen. Seine Begründung: die sind Terroristen wie die PKK in der Türkei, deren Erfüllungsgehilfen, deren rechte Hand. PUNKT.

Sonderbar daran ist, dass die USA und die EU diese Argumentation Erdogans und seiner AKP schlucken, also zumindest so schlucken, dass Erdogan weiterhin diejenigen bombardieren und/oder ausschließen kann an Verhandlungstischen, die zum einen auf dem Boden gegen den Islamischen Staat kämpfen, und zum anderen schon längst einen zumindest autonomen Status verpasst bekommen hätten müssen – auch in Syrien.

Nun, Erdogan hat ein ‚gutes‘ Vorbild: die Israelis. Die vorenthalten den Palästinensern schließlich schon seit der Existenz des Staates Israel das Recht, einen eigenen Staat zu haben.

Israel ist wesentlich daran beteiligt,dass der Islamismus um uns herum sich im Laufe der Zeit aufgetürmt hat und wächst und wächst bis sogar in manche Kirche, die notfalls mit muslimischen Flüchtlingen temporär angefüllt wird.

Bevor es den Islamischen Staat gab, gab es bereits al-Qaida und noch ganz andere islamistische Organisationen. Die erstere ist jedenfalls noch immer herum. Die hatten und haben in ihrer Argumentationskette vor allem diese Israel-Palästina-Ungerechtigkeit als einen der Hauptgründe für ihre unüberhörbaren Attacken gegen den Westen im Portefeuille – und ihre Radikalisierung.

Angeblich, sagt Ankara, erhielt die YDG-H direkt Befehle von der PKK und außerdem würden Teile der syrischen Kurden mit dem Assad Regime zusammenarbeiten. Mal ganz zu schweigen davon, arbeitet Erdogan schon längst wieder dicke mit Israel zusammen. Das ist außerdem bislang auch unausweichlich. Und daher hätte er sich und uns sein Geschreie und Protest sparen können, als die Israelis taten, was sie gegen Palästinenser zu oft tun: Sie töteten einige Aktivisten der türkischen Mavi Marmara, die Hilfsgüter nach Palästina bringen wollten.

Außer Erdogan hat eigentlich niemand dagegen angeschrien. Jetzt klüngeln sie wieder im Geheimen und wir dürfen uns fragen, welche Angelegenheit wird gerade besonders beklüngelt und wer wird dann als Ergebnis eins auf die Mütze kriegen, wer daran ganz besonders sein Süppchen kochen?

Ach ja, 1999 wurde außerdem auch Abdullah Öcalan (PKK) verhaftet, und zwar ist das auch das Jahr, in dem Fethullah Gülen die Türkei verließ. Öcalan kam in Haft auf ziemlich sonderbarer Weise: über Moskau, Rom und irgendwo in Ostafrika und Gülen weniger spektakulär, doch nichts desto trotz merkwürd genug, dass er nach Pennsylvania/USA floh, wo man so einen Mann einer muslimischen Bruderschaft zuletzt hin flüchtend gedacht hätte. OK, das stimmt. Er ist wie Erdogan sehr auf Geld und Reichtum fixiert. Das ist ja erst mal nichts Verwerfliches.

Ein seltsames Phänomen soll den YDG-H-Kämpfern neuerdings eigen geworden sein: Sie spielen sich sozialistisch atypisch plötzlich als Sittenwächter auf. Nichts mehr drin mit Kartenspielen gegen Geld, ‚leichten‘ Mädchen oder Jungs, kein Alkohol in ihrem Machtgebiet etc. Volkstribunale anstatt.

Sollten diese Informationen über die neue Moral der YDG-H-Kämpfer zutreffen, so darf davon ausgegangen werden, dass dieser Ruck ins moralistische, pseudo-islamistische Lager auch die PKK erfasst oder bereits teils erfasst hat. Das wäre dann wohl ein Kollateralschaden sondergleichen, den die Regierenden in Ankara mit verantworten. Denn sie und ihre Vorgänger der damaligen, türkischen Wohlfahrtspartei unter Erbakan, Ziehvater Erdogans und sein späterer Feind, haben das Land kräftig in diese Richtung gezogen.

Uns allen ist noch der ägyptische Präsident Mursi vor Sisi in Erinnerung, der im Lande eine ähnliche Islamisierung bewerkstelligt hatte und an die Macht gekommen, sein wahres Gesicht viel zu flott offenbarte.

In der Türkei unter Erdogan machen es islamistische Kreise zeitlich etwas in die Länge gestreckter. Was durchaus als klug bezeichnet werden darf. Mal sehen, ob Erdogan endlich seine Verfassungsänderung demnächst erhält, weil eigentlich ist die etwas zu eilig angebahnt, um als Präsident nach dem Vorbild des US-Präsidenten, beispielsweise, alleine herrschen zu können – wie ein Sultan.

Wo diese Entwicklung noch landen wird, ist im Bezug auf Zypern klar, wenn sie denn so verläuft: Sie wird in Zypern landen. Nicht allein, dass die vielen Festlandtürken in Nordzypern bereits nachweislich gläubiger wurden und weiterhin werden, die inzwischen mehrheitlich mit türkischzyprischen Pässen ausgestattet sind. Nein, nun scheint im Lichte dieser aufgezeigten Entwicklung, wenn sie denn eintritt, auch eher gegeben, dass die vielen Nordzyprer, die kurdischer Herkunft sind und bislang eher als säkular Denkende eingestuft werden konnten, allmählich in diese islamistischere Richtung sich bewegen werden.

Auf Gesamtzypern bezogen dürfte das unweigerlich dazu führen, dass die ziemlich sperrige griechisch-orthodoxe Geistlichkeit Zyperns sich dadurch gern verleiten lassen könnte und entsprechend aufdrehen wird, um „das Christentum zu retten“. Schließlich sieht man sich im südöstlichen Mittelmeer auch als eine Art Speerspitze des Christentums im, mit Verlaub, islamischen Sumpf.

Angenommen all das zuvor Erwähnte kommt so ähnlich zur Wirkung 1 – 2 Jahre nach Wiedervereinigung Zyperns, denn etwas Zeit braucht es gewiss schon, bis diese Welle merklich auf Zypern ankommen wird, dann guten Nacht, wenn keine Vorkehrungen getroffen wurden.

Ansonsten wäre die von vielen erwünschte Wiedervereinigung vor dem gezeichneten Hintergrund eher der Grundstein dafür, dass sich die Volksgruppen auf der Insel – wie beinah im gesamten Nahen Osten – an die Gurgel springen. Einer der Gründe dürfte die durchaus herrschende Neigung sein, sich als Märtyrer zu begreifen. Dass die religiöse Obrigkeit den Zeitpunkt gekommen sieht, seine Auslegung der Wahrheit auf Biegen und Brechen ‚verteidigen‘ zu müssen. PROST, MAHLZEIT!

Die schweizerische Tageszeitung NZZ zeichnet ein Szenarium andernorts, das vor dem oben gezeichneten Verlauf die Zyprer wirklich endlich sich schnell vereinigen lassen sollte, und das kann aber eigentlich nur von Erfolg gekrönt sein, wenn der Orthodoxie davor ihr zukünftiger gesellschaftlicher Platz zugewiesen wird, und zwar mit aller Härte: in der Kirche und in den Klöstern und raus aus der Innen- und Außenpolitik! Ansonsten ist das (alte) Debakel vorprogrammiert.

Nun zum Szenarium als ‚Vorkoster‘ des Debakels, welches die NZZ in anderem Zusammenhang wiedergibt:

„In Cizre [Türkei], wo seit Dezember eine umfassende Ausgangssperre gilt, harren seit neun Tagen mehr als zwanzig Verwundete in einem einsturzgefährdeten Gebäude aus. Laut Berichten von Nachrichtenagenturen sind inzwischen sechs Personen ihren Verletzungen erlegen. Ambulanzen hatten vergeblich versucht, die Verwundeten zu bergen. Die prokurdische Demokratische Partei der Völker (HDP) wirft der [türkischen] Regierung vor, den Rettungseinsatz zu behindern und sogar Helfer ins Visier zu nehmen. … Aus Protest gegen die dramatische Lage in Cizre befinden sich drei Parlamentsabgeordnete der Oppositionspartei seit letztem Mittwoch im Hungerstreik.“

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