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Othello und MEHR

 
Es ist leider nicht bekannt, ob die Auswahl der Aufführung von Verdis „Othello“ im Rahmen des alle Jahre wieder stattfindenden Kypria Festivals in Paphos auf Zufall beruht, oder ob dieses Werk, wegen der  EU-Präsidentschaft Zyperns ausgesucht wurde. Othello spielt bekanntlich in Famagusta, einer Stadt auf Zypern, die im so genannt besetzten oder von Ecevit 1974 befreiten Teil der İnsel liegt.
Wie dem auch sei, die Aufführung fand vor der mittelalterlichen  Burg von Pafos statt.  Das vorerst beauftragte Mariinsky Operntheater aus St. Petersburg wurde wegen finanziellen Engpässen der Veranstalter durch diese Oper des Slowakischen Nationaltheaters ersetzt. Mir war es vergönnt, die letzten der drei Aufführungen, die gut besetzt waren, besuchen zu können.  
Das Bühnenbild wurde wie immer vor der zerfallenen Burg am Meer aufgestellt. Dergestalt wurde leider  großflächig das ehrwürdig alte Gebäude verdeckt. Der Bühnenbau war so eingerichtet, dass während der gesamten Aufführung keine weiteren Änderungen gemacht werden mussten. Wie zu hören war, fanden einige das Bühnenbild etwas sehr einfach. Die Inszenierung  fand darüberhinaus den eigenen Stil, wie von einem renommierten Theater erwartet haette werden können,  nicht. Der Regisseur schien indes großes Vergnügen daran gehabt zu haben, die Desdemona jeweils auf ihrem Bett liegend so zu platzieren, wie anderen Frauen eventuell ansonsten und zumeist, wenn ich nich richtig informiert bin, in „Männermagazinen“ zu sehen sind: sehr lasziv und etwas zu aufreizend. Hinzukam dann noch, dass die Sänger und Sängerinnen  nicht in der Lage waren, ihre Stimmqualität den ganzen Abend durchzuhalten. Teilweise tönten sie sehr forciert  und schwankend oder gar ausdruckslos. Letzteres kann durchaus auch dem leichten Wind, der aufgekommen war, zugeschrieben werden. Othello fand schließlich als Freilichtaufführung statt. Und einmal mehr, wie schon in früheren Jahren, hat sich die Tontechnik nicht verbessert. Zum Verdruss vieler wurde eigentlich durchweg die Lautstaerke übersteuert. So konnten die Feinheiten der Musik wie auch der Stimmen nun wirklich nicht zur Geltung kommen – es ist ein alljaehrliches Kreuz, welches die Zuhörerscahft tragen darf auf bezahlten Raengen. Man wähnt sich zuweilen eher in einem Popkonzert, wo Lautstärke offenbar dazugehört. Schade ist also, dass einmal mehr die Qualität einer Aufführung durch technische Inkompetenz der zyprischen Veranstalter geschmälert wurde.

Ebenfalls im Rahmen des Kypria Festivals wurde unter dem Titel „Mittelmeerexpress“ ein Konzert zusammengestellt, welches in Nikosia wie in Limassol aufgeführt wurde. Ich besuchte die zweite Vorstellung in Limassol. Der Grundstock dieses Abends von byzantinisch inspirierter Musik bildete das griechische Ensemble „En Chordais“ mit fünf teilweise sechs Musikern und einem Chores. Die spielten und sangen ausgezeichnet. Eine wirklich ansprechende musikalische Tradition. Die Lieder stammten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Vorgetragen wurden die Lieder von der griechischen Diva Maria Farantouri, die nun wohl doch etwas in die Jahre gekommen ist, aber stimmlich immer noch auf der Höhe zu sein scheint. Sie ist eine der Protagonistinnen in der Musikszene, welche seit Jahrzehnten diese Art Musik pflegt, ansonsten aber durchaus auch moderne Komponisten vertont. Der Farantouri scheint es wirklich vergönnt zu sein, die Emotionen der Menschen mit ihrer Stimme unbeschreiblich nah und echt zum Ausdruck zu bringen. Ihr erstes Konzert mit dieser Musikgruppe fand bereits im Januar in Paris statt.  Die zweite grosse Stimme des Abends gehörte einer arabischen oder libanesischen Sängerin, Ghada Shbeir, die eine Kostprobe der Sonderklasse der arabischen Musik im Mittelmeerraum gab. Sie verstand es, uns einen Hauch dieser Musiktradition und die Weite der Wüste spüren zu lassen – 1001 Naechte.

Zypern ist trotz tiefster  Finanzkrise in den kulturellen Herbst gestartet und wird in den nächsten Monaten noch einigeEvents haben, wo wahrscheinlich der eine oder der andere hier seine Kommentierung finden wird.

 

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