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Die Pafos-Oper

Pafos zum 15ten Mal

 

 

Fort pafos

Fort pafos (Photo credit: Wikipedia)

 

 

 

Die extrem heißen Sommermonate sind vorbei auf Zypern. Das Thermometer sinkt langsam wieder. Es schwankt noch so um die 30°C. All diejenigen, die sich wegen der Finanzkrise nicht leisten konnten in die Berge, den Troodos, oder an den Strand zu verschwinden, atmen erleichtert auf. Die Urlaubszeit ist vorbei und der Alltag hat sie alle wieder.

 

So bin auch ich, Napi Waltone, an meinen Schreibtisch zurückgekehrt. Habe mich umgehend in die wieder beginnende Kulturszene gestürzt, die mit gebremstem Schaum anläuft.

 

Genau wie vor dem Sommerurlaub debattieren die Politiker noch immer, wie der bankrotte Staat saniert werden könnte, nach Anweisung der Troika. Von deren Gnaden ist er ja neuerdings abhängig. Die Banken kämpfen ums Überleben. Trotz diesem Schlamassel fallen einige Brosamen für die Kultur ab.

 

So wurde zum 15. Mal das Pafos Aphrodite Festival eröffnet. Nach all den Jahren, wo stets dramatische Opernwerke zur Aufführung kamen, wurde diesmal die leichtere Muse gewählt, und zwar Donizetti’s „L’Elisir d’Amore“. Ich besuchte die dritte und letzte Aufführung dieser Oper im Festival.

 

Die Sparschraube wurde ganz offensichtlich angezogen; und zu Recht kam dieses Jahr das inzwischen qualitativ gute Cyprus Symphony Orchestra mit dem Dirigenten Francesco Pasqualetti am Pult auch wohl daher an die Reihe, um die Musik von Donizettis Oper zu interpretieren. Das gelang mit Bravour. Im Gegensatz zu früher war die Lautstärke nicht Popkonzert mäßig schrill, sondern gut abgestimmt, so auch die Simultanübersetzung, die wie stets auf Englisch und Griechisch zu sehen ist.

 

Das Stück wurde etwas modernistisch in Szene gesetzt von Paolo Panizza. Leicht irritierend war der Beginn, als die gesamte Dorfbevölkerung wie einmarschierende Soldaten in elegantem Weiß gekleidet erschienen. Auch der sterblich verliebte Bauernsohn Nemorino verwirrte etwas anfänglich. Seine Angebetete, die Adina, eine reiche Landbesitzerin, machte sich lustig über ihn.

 

Nach einer Weile wirkte das Weiß irgendwie beruhigend auf die turbulenten Szenen, die folgten; und wer die Geschichte kennt, weiß, dass begleitet durch großartige Musik und zungenbrechende Arien einem „happy end“ zugesteuert wird, was auch diesmal in einem euphorischen Finale endete, welches durchaus erhebend war.

 

Die „Opera Futura Verona“ stellte folgende Solisten: Paolo Fanale war Nemorino, der demnächst sein Debut an der New Yorker Metropolitan Opera machen wird, Adina wurde von Stefania Bonfadelli gesungen. Sie ist keine Unbekannte an der Covent Garden London, an der Deutschen Oper Berlin, an der Scala in Mailand und in vielen andern bekannten Opernhäusern, wo sie bereits die Hauptrollen namhafter italienischer Opernkomponisten gesungen hat. Alessio Petestio interpretierte Belcore – leider nicht sehr stimmgewaltig und überzeugend. Im Gegensatz zu ihm, Marco Bussi’s Dulcamara, der alle Register seines musikalischen wie spielerischen Könnens zog. Nicht unerwähnt darf die kleine Rolle der Gianetta bleiben. Die zyprische Sopranistin Stella Georgiou interpretierte sie überzeugend – ja, hervorragend. Der aus Rimini stammende Chor und die Balletteinlagen von Schülerinnen lokaler zyprischer Ballettschulen waren genial.

 

Nach vielen Jahren war endlich mal wieder eine ausgezeichnete Aufführung zu sehen, der volles Lob gezollt werden kann. Die Lichteffekte auf die mittelalterliche Burg projiziert stimmten perfekt mit der Handlung überein. Die Burg wurde exzellent ins Geschehen einbezogen. Diesmal waren Könner am Werk, durchweg, die von einem langen Schlussapplaus entlohnt wurden.

 

Die fröhliche und zufriedene Stimmung des zum Ausgang eilenden Publikums teilte mir deutlich mit: nächstes Jahr gern wieder – so!

 

 

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Oder: Weg vom Klein-klein!

 

Diesen Aufruf bezüglich der Krise, den die Überschrift darstellt, kann der Besucher Südzyperns dieser Tage auf schönem Blau in weißen Lettern auf großflächigen Plakaten oft sehen – gern auch entlang der Autobahn. Dahinter steckt Nikos Anastasiadis, der aussichtsreichste Kandidat, den Präsidentensessel am 17.02.2013 einzunehmen – was aber noch längst nicht ausgemachte Sache zu sein scheint.

 

Überhaupt sind die anstehenden Wahlen auf allen Kanälen, den lieben langen Tag, das Thema: wer hat wem welchen Vorwurf gemacht, wer zieht wen mit was in den politischen Dreck etc.

Während die allgemeine Aufmerksamkeit der Insulaner auf die anstehenden Wahlen gerichtet ist, werden vermehrt Bäume illegal geschlagen überall, auch, weil es kalt sein soll – leider gibt es davon nicht gerade viele.

Vor kurzem lag mal knapp 1 oder 2 Zentimeter Schnee irgendwo im Troodos-Gebirge von Zypern, woraufhin umgehend 2-3 Tage Schulferien ausgerufen wurden – der Kälte und eben des Schnees wegen. Wirklich putzig! Was die Bäume angeht, die illegal gefällt werden: wer dabei erwischt wird, muss mit einer Strafe rechnen, die leider nur 400€ hoch sein soll maximal.

Inzwischen ist der Frühling aber in voller Blüte hier auf Zypern, und nicht nur russische Touristen oder russiche Neuzugezogene wagen, ins kalte Nass zu springen. Das Wasser des Meeres scheint erträglich kalt zu sein, denn erstaunlich viele Leute wagen den Schritt hinein und bleiben relativ lang im blauen kalten Nass – brrrrr.

 

Für diejenigen, die sich gegen die Kälte nicht mehr so richtig zur Wehr setzen können in der zyprischen Gesellschaft, hat das Future World Centre im ersten Stock Prometheus Strasse 5 in Nikosia (Tel.:22873820) Altkleider zu vergeben. Ja, auch im reichen Zypern greift die neue Armut um sich, von der europaweit die Rede ist. Die Berichte über zunehmende Aggression und übel gelaunte Mitmenschen, die ihrem Frust Luft machen, mehren sich alarmierend. Vielleicht sollte der Eine oder die Andere von denen anstatt nach Altertümer graben gehen, um das Überleben zu sichern oder Frust abzulassen. Es wird immer lauter beklagt, dass es nicht genügend Jobs gibt. In Paphos zum Beispiel wurde Alt-Paphos (Paleopaphos) nun endlich ausgegraben, genauer: das Königreich von Paphos. Es ist auf das 2. Jahrhundert vor Christus zu datieren, wird gesagt. Einige recht interessante Bronzestatuen kamen ans Tageslicht.

In Zypern, so viel vorerst zur neuen Armut, ist das Brottosozialeinkommen um anscheinend 7% geschrumpft. Diese Zahlen dürften sich noch nach oben korrigieren, da Lohnkürzungen und Stilllegungen von Arbeitsplätzen (weil zumeist zuviel Angestellte eingestellt sind vom Staat) ansteht. Und weil wir schon dabei sind: Frauen verdienen in der Regel um 16.4% weniger als Männer in der Republik Zypern (siehe 2010 durchschnittlich ermittelter Wert europaweit).

 

Wie dem auch sei, dass Zypern ein Platz in Europa ist, auf dem schmutzige Gelder rein gewaschen werden, wird noch von allen maßgeblichen Parteien des Südens der Insel als Schmähung, ja, Beleidigung angesehen und abgetan. Das würde unter anderem deshalb von Politikern, wie einigen aus der BRD, hervorgebracht, da derart beabsichtigt werde, auf die zukünftig geförderten Erdgasvorräte, die bekanntlich vor Zypern zuhauf liegen sollen, sich einen überproportionalen Anteil zu sichern. Die Big Players, schreibt die nationalistische Ponti, würden noch darum ringen, wer das kleine Zypern letztlich in seinen Einflussbereich ziehen könne auf lange Sicht. Zum einen gäbe es den Block um Frankreich, dem Israel und Russland angehören sollen, zum anderen eben den um Deutschland, dem Holland, Dänemark, Luxemburg etc. zugehören.

 

Wie also zu lesen ist, kreisen die wildesten Theorien und Verschwörungsvermutungen, bei denen schwerlich gesagt werden kann inzwischen, welche von ihnen der Wahrheit am Nächsten kommt – von jeder trifft wahrscheinlich ein bisschen zu. Ja, es soll sogar im Umlauf sein, dass die Türkei angeboten habe, für Südzypern ’sein‘ Erdgas zu fördern, da noch immer nicht – und auch nicht in absehbar naher Zukunft („2019“?) – klar gesagt werden kann, wann überhaupt mit der Förderung begonnen wird, geschweige denn wieviel Erdgas und -Erdöl überhaupt zu fördern vorhanden sein soll.

Die Karte Erdgasreichtum wird jedenfalls dennoch im Wahlkampf auf Zypern bereits kräftig ausgespielt, so vehement, dass einem der Verdacht kommt, der nicht ganz unbegründet sein soll, dass was auch immer irgendwann gefördert wird, schon längst verhökert worden ist von der Regierung und anderen.

Doch noch das eventuell Wichtigste in diesem Zusammenhang: ein ökonomischer oder finanzieller Haircut wird ausgeschlossen für Zypern, sagt u.a. auch der Chef der Zyprischen Zentralbank, Panikos Demetriades. Derzeit hat Zypern bei Moodys eine Caa2-Bewertung, was eine zu erwartende Schuldenlast gegenüber dem Bruttosozialprodukt von 140% dann wohl verständlicher erscheinen lässt – und das soll noch nicht das Ende der Negativ-Bewertung durch Moody sein für Zypern höchstwahrscheinlich, wird vermutet.

 

Blöde, dass Frankreich nun in Mali Truppen offiziell in den Krieg ziehen lässt. Lenkt gewiss einigermaßen erfolgreich von den finanziellen Problemen im Lande ab, der Misswirtschaft.

Bekanntlich hat Paris sich mit Investitionen in Griechenland seinerzeit gehörig verspekuliert, was wiederum auch Auswüchse auf Zypern zeitigt. Die französische Supermarktkette Carrefour in Zypern ist am Wanken. Doch nicht nur auf Zypern wankt Carrefour. Renault will auch nicht so recht. ‚Glücklicherweise‘ ist Renault nicht gerade die Automarke, die die Zyprer bevorzugten. Doch die Beteiligung von Total, dem Ölkonzern aus Frankreich, wäre da neuerdings noch in die Waagschale zu legen. Schließlich wollte Frankreich mit seinem Ölkonzern, und anderen Mitteln, den Einfluss Deutschlands in Europas Südosten etwas schmälern. Doch wenn die Grand Nation über dem Rhein im Herzen Afrikas und seinen Außenbezirken der französischen Großstädte immer ersichtlicher ums eigene Überleben strampeln muss, wird wenig Zeit bleiben, die – siehe Ponti-Tagezeitung – Verbündeten Russland und Israel zu flankieren im östlichen Mittelmeer gegen Deutschland und seine Verbündeten, auch, um die Türkei in ihre Schranken zu weisen.

 

Es sieht also nicht sonderlich gut aus für Zypern und sein neu zu wählendes Parlament. Anotnis Loizou schrieb in der Cyprus Weekly neulich von „Little Hitlers“, die im Öffentlichen Bereich arbeiteten. Bekanntlich ist es nicht unbedingt leicht, dem Amtsschimmel der zyprischen Variante die Sporen geben zu können. Viel eher muss andauernd aufgepasst werden, dass das Biest einem keinen Tritt ins Hinterteil gibt – nur viel Stroh und gutes Futter besänftigen dieses Beamten-Vieh scheinbar.

 

Wie ein Tritt in die Optik kommt einem mehr und mehr Larnaka vor. Die Stadt nimmt immer mehr nahöstliches Format an. Das muss nicht unbedingt schlecht sein oder negativ verstanden werden. Viele Touristen reisten ja Jahrzehnte nach Beirut, Kairo, Damaskus oder eben der Türkei, um diesen gewissen Beton-Chic zu genießen. Häuser, die ganz offensichtlich in bester Absicht und größtem Elan gebaut wurden und dann von der Zeit so wunderschön morbid angefressen werden. Anscheinend scheint LTB, ein mächtiger Tour-Operator, sich genau diese Region und Stadt als neue touristische Attraktion Zyperns ausgesucht zu haben. Vor dem Hintergrund des zuvor Gesagten scheint der Entschluss dieser Firma gewagt, auch wenn Larnaka durchaus noch mehr zu bieten hat.

Am Flughafen von Larnaka wird demnächst nämlich, ziemlich sicher nach den Wahlen, Gambling a la Las Vegas erlaubt. Lange war die Kirche dagegen, wie es sich geziemt. Inwieweit dieselbe nun mit profitieren wird am Spiel um Geld, wird sich noch zeigen. Doch Goldgräberstimmung ist in Larnaka am Flughafen schon länger ausgebrochen. Dazu muss nur an den am Flughafen gelegenen Beach namens MacKennsey gegangen werden, wo sich das Nachtleben schon seit einem Jahr und länger abspielt größtenteils. Das Areal hat wirklich Potential. Die Straßen dorthin werden bereits repariert und erweitert. Der Parkplatz dort ist groß und wird noch größer. Ob diese Entwicklung einer nahe gelegenen weiteren Attraktion der Stadt gefallen wird, den Flamingos, die zuhauf jeden Winter aufs Neue stolz im kniehohen Wasser vor der Moschee der Tante des Propheten Muhammad stehen und ein einzigartiges Bild abgeben, bleibt ebenfalls noch im Ungewissen.

 

Ungefähr ebenso ungewiss scheint der Verbleib der Briten in der EU. Cameron schießt derzeit um sich, hoffentlich endlich mal scharf. Ein Austritt der Briten aus der EU wird von Vielen schon lange nicht mehr wirklich bejammert. Die Extrawürste, die den Briten andauernd verabreicht werden und wurden, sind inzwischen zu kostspielig – sie bringen die Solidarität in der EU ziemlich offensichtlich durcheinander und haben indirekt–direkt einen erstrangigen psychologischen Beitrag geleistet, dafür, dass Solidarität in der EU mit das Blödeste geworden zu sein scheint, was ein Staat tun kann. Wenn die Briten gehen wollen, dann sollen sie doch gehen – bye-bye!

Es dürfte aber leider anders kommen, nämlich, dass die sich abzeichnenden Konflikte in Afrika und andernorts eine sogenannte konzertierte Aktion der 3 Bigplayers in Europa (Frankreich. Großbritannien und BRD) zwingend notwendig machen dürfte – dass daher die Sonderrchte der Briten noch eine lange Laufzeit haben werden und wahrscheinlich dazu führen, eine Art zweigleisige EU zu begründen. Eine derartige Entwicklung wird nicht ausbleiben können, denn die Politiken in Griechenland, Italien und Spanien (eigentlich auch Frankreich) zeigen, dass ein Retten aus dem (in zweifacher Hinsicht) verschuldeten Schlammassel eben dieser 3 europäischen Kern-Staaten Priorität haben wird – und sei es mit dem Umweg über Afrika!

 

Ebenso ist absehbar, dass die Russlandkarte nochmals neu zu spielen sein ist, nachdem sich vorheriges Szenario installiert haben wird. Warum in den Süden Europas vergebens zu viel Energie stecken, die nur mangelhaft an ein Fortkommen in der Zukunft und global glauben lässt, wo das mächtige Russland wiederholt anbietet, einen Korridor vom Pazifik bis zum Atlantik mit Europa (noch nicht mit den USA) zu errichten?

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