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Moderne und Musik in Zypern!

Zeitgenössische moderne Musik ist eigentlich noch immer eine Seltenheit hier auf Zypern. Sie führt ein Nebendasein, nämlich, zwischen klassischem Ohrenschmaus im Programm eines klassischen Konzerts, und wird gern so gesetzt, dass die Zuhörer nicht so einfach verschwinden können – also irgendwo dazwischen.
Es sind eigentlich die auf dem europäischen Festland zahlreich stattfindenden Festivals, die nahezu ausschließlich den Komponisten sogenannt Neuer Musik und deren Interpreten, die Tore öffnen. In Zypern ist es, wie beschrieben, dass zyprische Komponisten ihr Werk meistens im Rahmen der Konzerte des Symphonie Orchesters Zyperns aufführen können.
Hier auf der Insel ist die Zuhörerschaft extrem konservativ, glaube ich behaupten zu dürfen. Umso mehr ist es der Pharos Arts Foundation einmal mehr gelungen und zu verdanken, dass sie das 4. Internationale Festival moderner Musik auf die Beine stellte. Im Monat September 2012 fanden also insgesamt 6 Konzerte dieser Art statt, die von einem sehr interessierten, leider aber nicht sehr zahlreichen Publikum in Empfang genommen wurden.

 
Wir sollten nun wohl fragen, was ist oder bedeutet eigentlich moderne Musik? In dem zuvor erwähnten Festival organisiert durch den Pharos Arts Foundation datierte das jüngste Werk aus 1959. Es war von Stockhausen. Eines von Ligeti stammte gar aus dem Jahr 1953, sowie von Schönberg aus 1946 und Weber aus 1927. Doch es gab auch einige Weltpremieren, wie zum Beispiel ein Werk von Christian Mason, Tasos Stylianou, Musheng Chen und Sophia Serghi, wie auch Brian Herrington.

Die einzelnen Stücke hier im Detail aufzählen und womöglich zu kommentieren, die gespielt wurden, sprengte den Rahmen dieses Beitrags. Viele der atonalen Töne, der schnelle Wechsel von Laut zu Leise zuweilen, kurz, das Malträtieren der Instrumente, das Klopfen, Schlagen, Zischen und Deklinieren von Tonleitern durch die Musiker, wäre zwar durchaus spannend gewesen, wenn nur die Ohren  Signale oder Info aufnähmen, doch auch die Augen sind da beteiligt. Dem Minenspiel des einen oder anderen Darstellers – Höchstkonzentration und das genaueste Zusammenspiel wie in einem klassischen Konzert scheinen irgendwie nicht wirklich gegeben – war nicht zu entnehmen, ob eventuell fehlerhaft gespielt wurde. Das scheint bei denen vielleicht
ohnehin ohne Bedeutung zu sein. Kakophonie ist es alle Male gewesen.
Es sind dennoch einige intensive Augenblicke durchgesickert, die sich zauberhafter Weise und plötzlich manchmal ergaben und dem Zuhörer und Zuschauer diese Musik näher gebracht haben dürfte. Mein Eindruck erhärtete sich im Laufe der Konzertreihe dahingehend, dass wie in manchen klassischen Konzerten, wo Töne einlullen und schon mal einschlafen lassen, scheint ein solcher Effekt bei dieser vorgetragenen zeitenössischen Musik undenkbar. Eine gewisse Aggressivität der Kakophnie überwiegte permanent. Es gab aber durchaus Passagen Art romantischer Harmonie.
Erwähnenswert ist da jedenfalls noch, dass es sich um ein internationales Festival gehandelt hat. Die Ensembles kamen nämlich aus verschiedenen
europäischen Staaten: Deutschland, Italien, Holland und Frankreich. Besonders interessant war, dass in einigen der Ensembles Musiker aus
verschiedenen Nationen zusammen spielten. Musik kennt eben keine Grenzen. Es wird gesagt, dieses Festival habe der EU-Präsidentschaft Zyperns den Anstrich einer zukunftsorientierten Nation gegeben. Hoffen wir daher, dass sich dies zukünftig nicht nur in der Musik zeigt, sondern auch in der politischen Wirklichkeit. Zweifel scheint wahrscheinlich angebracht.

Den Organisatoren des Festivals sei gedankt, dass sie in der hiesigen, scheinbar ausweglosen politischen Situation, Zeichen dieser Art setzen und daran offenbar auch glauben.

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Cembalo at its best.

Die Pharos Arts Foundation hat sich in den letzten Wochen iranischem Kunstschaffen zugewendet. Wie am 12. April bereits hier berichtet wurde, fand in ihren Räumen die Aufführung eines iranischen Filmes statt. Am darauffolgenden 25. April nun gab es einen iranischen Cembalisten, der ein Konzert auf dem Cembalo des Veranstalters, Caro Kaeyehan, gab. Kaeyehan ließ die Hörerschaft vor dem Konzert wissen, dass er das Cembalo vor vielen Jahren in Bologna gekauft habe. Es handle sich um ein venezianisches Cembalo, von denen es, meinte er, seinerzeit viele in Zypern gegeben haben soll.

Mahan Esfahani, ein im Iran geborener und vor allem in England tätiger Musiker spielte auf diesem schön verzierten venezianischen Instrument aus alten Zeiten. Seine Virtuosität auf diesem wunderbaren Cembalo hat das Publikum hingerissen, welches leider mal wieder nicht zu solch einem perifären Leckerbissen in der Musikwelt sehr zahlreich erschienen war. Das Publikum verlangte Mahan Esfahani dennoch drei Beigaben ab zum Schluss. Esfahani, der „König der Tastatur“, wie er zweilen von Kritikern genannt wird, studierte mit namhaften Lehrern in England, den USA und in Italien. Seine Konzerte in England, wie auch im übrigen Europa, in den USA und im Fernen Osten, werden von den Kritikern im Allgemeinen hoch gepriesen.

 

Einen großen Erfolg verbuchte er auch an jenem Abend in Nikosia. Sein Programm umfasste Cembalowerke von William Byrd (1540-1623),Girolamo Frescobaldi (1583-1643), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Dietrich Buxtehude (1653-1707) und Domenico Scarlatti (1685-1759).

Seine unglaubliche Beherrschung der Tastatur, die alle Facetten des wunderbaren Instrumentes zum Erklingen bringen konnte, zeigte auf, wie vielfältig er die verschiedenen Klangnuancen zu interpretieren weiß, obwohl sämtliche Stücke aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert datierten. Die Werke Bachs und Buxtehudes präsentierten den eher schwereren Stil, wie man ihn aus dem deutschen klassischen Barock zu kennen glaubt, sich an deren Orgelmusik anlehnend, wobei hingegen die Sonaten Scarlattis eine italienische Leichtigkeit und Lebensfreude verbreiteten.

 

Cembalo Rezitals in solcher Fülle kommen selten in die Konzertsäle – und noch seltener von einem gebürtigen Iraner dargeboten. Umso mehr gehört dieser Abend zu einem der seltenen Konzerte, die bleibenden Eindruck hinterlassen.

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