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Schumann's favourite coffee house

Schumann’s favourite coffee house (Photo credit: Pot Noodle)

Chamber Music Festival 2013

Trotz Krise und scheinbar finanziellem Ruin der Banken Zyperns, sowie der offenbar wirklich unglaublich schlechten Wirtschaftslage, steigenden Preisen und Arbeitslosigkeit, wird dennoch der Kultur ihr Platz eingeräumt in der zyprischen Gesellschaft. Doch abgesehen vom allseits vermittelten Krisenbild in den Medien und andernorts, sind in den Straßen der Städte Zyperns luxuriöse PKWs mit neusten Kennzeichen sichtbar am Zunehmen – die Krise kann also nicht so schlimm sein. Sie ging an vielen ganz offensichtlich weiterhin vorbei, den Gutbetuchten vorrangig. 

Vor diesem Hintergrund war das 13. Internationale Pharos Kammermusik Festival gestartet in Koulia/Pafos. Den Auftakt machte ein Duo mit Cembalo und Flöte – zwecks Abwesenheit meinerseits kann leider keine Einschätzung dazu vorgenommen und an Sie weitergegeben werden. Um so erfreulicher war in der Folge der Konzertreihe, den 1971 geborenen israelischen Pianisten Elisha Abas mit einer Polonaise und einer Nocturne gefolgt von Mazurkas, Chopin, Schumann und Liszt nicht verpasst zu haben. Der Künstler stammt in vierter Generation vom Komponisten Alexander Scriabin ab. Als Kind spielte Elisha Abas bereits mit den namhaftesten Orchesterleitern und Solisten. Ein Mann also, der die Weltbühne für sich erobern konnte, wenn so gesagt werden darf. Elisha Abas legte einst eine kurze Unterbrechung in seiner Karriere ein, studierte Recht und spielte sogar in der Fußball-Nationalelf Israels. Erfreulich war zu sehen an jenem Abend des Festivals, mit welcher Werfe der muskulöse Musiker sein Programm in Angriff nimmt und nahm. Was die räumliche Größe des Musiksalons der Pharos Arts Foundation angeht, war die Fülle des virtuosen Spiels von Abas gewiss kurz davor, das Lautstärke-Limit der Räumlichkeiten überzustrapazieren. Dennoch litt die brillante Geläufigkeit von Chopins Werken darunter nicht, auch Schumanns Kinderszenen, die Abas intonierte – die berührten das Herz der Zuschauer, und ich darf vermuten, besonders das Herz von uns Müttern unter den Anwesenden.

Im Gegensatz dazu erklang Liszts „Funérailles“ schon etwas düsterer, welche Liszt ja bekanntlich den Gefallenen der fehlgeschlagenen Ungarischen Revolution von 1849 gewidmet hatte. Nicht nur dem damaligen Premierminister Batthyány und seinen Generälen, sondern auch dem einfachen Soldaten errichtete Liszt dieses musikalische Denkmal. Besonders bewegend ist diese Musik, wenn sie von einem begnadeten Pianisten gespielt wird wie eben E. Abas. Fingerfertig interpretierte Abas Gershwins „Rhapsody in Blue“, die wohl jeder melomanen Person bekannt sein dürfte.

2012-08-10 19.09.30

Alle Jahre wieder könnte der Titel des Festivals des Pharos Arts Foundation durchaus auch betitelt werden. In der historischen Anlage von Kouklia, dem mittelalterlichen „Manor House“,  wurde fünf schöne Tage aneinandergereiht Kammermusik aufgeführt. Der Großteil der Musiker, die am Werk waren, ist uns hier in Zypern durchaus bereits bekannt. Die meisten besuchen uns seit Jahren zu diesem Anlass, und sollen dieses Jahr sogar gespielt haben, ohne eine Gage zu erhalten. Ihren Namen lauten wie folgt, und: Die Herren Chaushian ( am Cello), Chilingirian (Violine), Ashley Wass (Piano) und Frau Dietmut Poppen (Viola) werden uns hoffentlich auch das kommende Jahr mit ihren Darbietungen erfreuen, sollte der Pharos Trust sich bis dorthin auf dem Markt halten können. Wie Herr Chilingirian in seiner Anrede am vorvergangenen Donnerstag anmerkte, stünde es finanziell nicht besonders gut und die Besucher sollten doch netterweise die letzten beiden Seiten des Programmheftes lesen, wo Adressen angegeben würden, um den Trust finanziell zu unterstützen.

Im Kammermusiksegment des Festivals sind eigentlich stets die bekanntesten Komponisten aus der Klassik vertreten. Es darf daher wohl nicht sein, dass Chopin, Schumann, Liszt, Dvorák, Schubert, Brahms oder Mozart fehlen. Sie sind alle präsent mit ihrer Musik und werden bravourös gespielt, zuweilen etwas zu trend-gemäss (persönliche Auffassung), nämlich in etwas zu raschem Tempo, siehe Schuhmann. Aufgelockert wurde das ‚übliche‘ Programm diesmal u.a. mit Poulenc und Bruch (nicht sein berühmtes Violinkonzert, sondern durch das Streichoktett in B-moll). Als einer der Höhepunkte der ‚Auflockerungs-Übung‘, wenn Sie erlauben, und somit im Wochenkalender des Events mag ich Shostakovichs „Piano Quintett in G-Dur, Op. 57 anführen, welches sehr temperamentvoll aufgeführt wurde. Es war ein akustischer und optischer Hochgenuss, ein ausgezeichneter Live-Auftritt. DieMusiker spielten Shostakovich geradezu ekstatisch, verzückt und wie aus einem Holz geschnitzt – bravo!!! Auch waren die lyrischen Passagen des G-Dur, Op. 57 Quintett von Shostakovich vor allem so wunderbar einfühlsam, die Gesten der Musiker, einfach alles stimmte. 

Das Festival in Kouklia bringt nicht nur viele bekannte Musiker auf die Bühne, sondern bietet auch immer wieder Gelegenheit, im Publikum bekannte Gesichter zu treffen, jemand Interessantes neu kennenzulernen.

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Eine völlig andere Kultur-Event war der 2011 entstandene Film „Sharing an Island“. Direktion und Regie wurden von Schaffenden beider Seiten geteilt. Die Musik war komponiert und gespielt worden von lokalen, zyprischen Musikern. Die European University Cyprus“ in Nicosia stellte ihr Auditorium dem Rotary Club Nicosia und dem Rotaract Club desselben Clubs zur Verfügung, um diesen Film zu zeigen. Ein zahlreiches Publikum strömte herbei aus beiden Inselhälften, wie zu vermuten war.

Drei junge Griechisch-Zyprioten und drei türkische Zyprioten, beiderlei Geschlechts, wohnten für fünf Tage in einem Haus, besuchten verschiedene Sehenswürdigkeiten in beiden Teilen und diskutierten die Geschichte der Insel aus ihrer Perspektive. Es wurde der Versuch lanciert, Vorurteile in gemeinsamen Gesprächen abzubauen und durch die Darstellung tragischer Familienerlebnisse wurde klar gemacht, dass auf beiden Seiten Schuldige zu suchen sind. Fazit des Films ist wohl die Einsicht, dass durch diese persönlichen Kontakte das Verständnis für die andere Seite gestärkt und Vorurteile abgebaut werden könnten, und vielleicht dergestalt auch abgebaut wurden – wer weiß für wie lange.

Durch eine wirklichkeitsgetreuere und weniger ideologisch operierende Geschichtsschreibung und Vermittlung, sowie zahlreichere Kontakte -Nord/Süd – wäre ein besseres Verständnis des jeweils Anderen gewiss erreichbar. Es wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob ein solches Projekt die Menschen dazu bewegt hat, sich aktiver in die Bewältigung des Problems einzubringen – vor allem gilt es aber, die Lösung nicht ausschließlich den Politikern zu überlassen.

 

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Finanzielle Krise hin oder her, gesponsert wird Kultur immer noch auf Zypern. Ich rede von der Pharos Arts Foundation, die vor kurzem in ihren Räumen ein Violine/Klavier Konzert organisierte. Zwei junge Musikerinnen, die Koreanerin Hyeyoon Park (Violine) und die Armenierin, Nareh Arghamanyan (Klavier) hatten sich ein virtuoses Programm vorgenommen. Die Sonate No. 5 von Ludwig van Beethoven machte den Auftakt bevor die Stücke neueren Datums an die Reihe kamen: Maurice Ravel mit der Sonata in G-Dur, Karol Szymanowski mit „Three Myths“ und Sergej Prokofiev mit der Sonata No. 2 in D-Dur. Der gesamte Körper der Künstlerinnen spielte mit und dann diese unglaubliche Fingerfertigkeit; die eine wie sie die Violine-Saiten handhabte, manchmal schon aggressiv traktierte, und die andere wie ihre Finger über die Tasten glitten und hüpften. War von einem Laien nicht mehr nachvollziehbar. Der äußerst schnelle Wechsel von hartem Strich und Anschlag zu den romantisch sensibel anmutenden Passagen setzte ein Können und Umsetzungsvermögen voraus, welches viel Gespür für das Harmonische verlangt.

Hingegen darf nicht verschwiegen werden, dass der Violine die enormen Sprünge von Tief zu Hoch zu viele spitze, kreischende Töne entlockt wurden, die dem Ohr nicht immer schmeichelten.

Beide Musikerinnen haben mit renommierten Orchestern gespielt (um nur einige zu nennen: Berliner Philharmoniker, Züricher Tonhalle, Symphonie Orchester Berlin, Symphonie Orchester Tokio). Ebenso erhielten die beiden namhafte Preise. Im heutigen Musikbetrieb hier auf Zypern und in der Sparte Klassik, ist es nicht ein gängiges, dafür aber eindrucksvolles Konzert gewesen.

 

 

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Zu einem besonderen Kunstgenuss kam Limassol am 8. April. Der weltbekannte französisch-zyprische Pianist Cyprien Katsaris gab ein originelles und besonders faszinierendes Konzert im Rialto Theater. Originell warum? Der erste Teil des Abends war der Interpretation gewidmet und zwar Jahrhunderte überschreitend. Werke von Mozart, Haydn sowie Theodorakis, vermischt mit griechisch-zyprischen Folkloremelodien, wurden in einem bunten Potpourri dargeboten. Leichthändig perlten die Akkorde und Melodien ineinander zu einem farbigen Gemisch von Melodien. Manchmal kam das Gefühl auf, man höre sich Kaffeehausmusik in einem Kurort an. Das war durchaus sehr luftig eingeführt in das sehr klassische Repertoire des zweiten Teils, welcher aus Werken Chopins, Schuberts und Liszts bestand. Feinfühlig und technisch brillant lotete er die Höhen und Tiefen dieser Werke aus. Der grosse Mangel des Abends bestand darin, dass kein Programm auslag, sondern die Werke vom Künstler persönlich vorgestellt wurden. Bekanntlich hält das Ohr den Augen nicht stand.

Cyprien Katsaris der mit wichtigen Auszeichnungen beehrt wurde spielt weltweit mit den bekanntesten Orchestern unter Stabführung der hervorragendsten Dirigenten und ist in Zypern kein Unbekannter. Er hat schon mehrmals Konzerte gegeben und das Publikum wird ihn – nach seiner Rückkehr von einer intensiven Japantournee – am 23. und 24. Mai in Pafos und Nicosia mit dem Cyprus Symphony Orchester zu hören bekommen.

Ein völlig anderes Genre im Bereich Kultur wurde in den Räumen der Pharos Arts Foundation bedient. Unterstützt von der Iranischen Botschaft wurde als DVD der Film „A Separation“ des iranischen Regisseurs Fahrhadi gezeigt. Als Drama über Familie, Ehre, Ehrlichkeit, Lüge und Selbstinteresse handelte es sich im Grunde genommen nicht um ein iranisches Schicksal, sondern um ein menschliches, welches weltweit genau so dramatisch in Dutzenden von Fällen passieren dürfte. Lediglich die Lebensumstände mögen verschieden sein. Ein starker Film, der in England den „Academy Award for Foreign Language Film 2012“ erhalten hat.

Heute beginnt für othodoxe Christen das Osterfest. Wir wünschen allen griechisch-orthodoxen Lesern daher KALO  PASXA!

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