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Piraten

Um die Piraten am Horn von Afrika ist es in den Medien relativ ruhig geworden. Dafür machen die ja in Berlin gerade Furore – meinen Glückwunsch. Hätte ich nicht gedacht. Hätte sich also gelohnt, wählen zu gehen. Nun ist zu hoffen, dass die Pflicht sie nicht allzu sehr verbiegt – gutes Einkommen und soziales Prestige etc. machen bekanntlich aus dem wildesten Anti-Alles einen Alles-statt-anti.

Piraterie wird auch andernorts betrieben, zum Beispiel in Istanbul. Dort sollen die Leute vom Konsum von Spirituosen und Dergleichen in der Öffentlichkeit abgehalten werden. Stühle und Tische dürfen nicht mehr draußen stehen. So weit war Istanbul allerdings schon vor einigen Jahren, als Erdogan dort Bürgermeister war. Er und seine Kadetten scheinen Es nicht lassen zu können. Peinlich, bedenkt man, dass in dieser Stadt seit 1987 so etwas wie eine Biennale stattfindet. Das Ereignis bietete zugegebenermaßen Kunst etwas zu offenkundig mit politischem Anspruch aus der linken Ecke, was sich dieses Jahr aber etwas geändert hat. Man beschreitet und beschritt subtilere Wege, seine Message zu platzieren. Mal sehen, ob die Aktion „wir trinken auf die AKP!“ wegen des Stuhlverbots vor den Restaurants und Kneipen wieder aufgenommen wird. Diese Aktion ist vor nicht allzu langer Zeit im Internet abgelaufen und verleitete Türken zum Alkoholkonsum, sozusagen demonstrativ.

Eigentlich wie Piraten hat sich die türkische Armee auf Zypern von dem Alkoholverbot im Islam, welches ja auch von der Regierungspartei der Türkei favorisiert wird, aber noch nicht strikt durchgezogen wird, sondern schleichend Einzug hält, bislang geschickt aus der Schusslinie ziehen können. Bekanntlich hat diese Institution, also das Militär, den ‚demokratischen Reformern‘ der AKP schon einiges an Sonderrechten, die sie bis dato genoss, abtreten müssen. Nun, auf dem Bergchen St. Hillary in Nordzypern, strategisch hervorragend gelegen zwischen Nikosia und Girne=Kyreneia, da mitten drin und recht hoch gibt es offenbar noch ein Casino, welches ausschließlich von diesen Herren des Militärs betreten werden darf – und deren Begleiterinnen, vermute ich. Da fließt noch Alkohol in Strömen, doch keiner weiß hier in welchen Mengen genau. Diese alte Piratentradition, nämlich sich zurückziehen und feiern, wird dem türkischen Militär auf Zypern wohl noch etwas erhalten bleiben. Dass die AKP diesen ‚Missstand‘ noch nicht zurechtrückte, hat wahrscheinlich weniger mit Toleranz, als vielmehr mit Duldung zu tun. Diese Spielart moderner Piraterie, wenn ich so sagen darf, wird also notgedrungener Weise geduldet.

Eine Art Piraterie islamistischer Kreise im Gewand der Regierung der Türkei, behaupten Kritiker derselben, war am Anfang dieses Jahres bei der Umsetzung eines Gesetzes gegeben, welches die Türkei demokratischer machen soll und dazu beitrug, dass inhaftierte Hisbollah-Kämpfer der Türkei entlassen wurden. Die haben bekanntlich recht bluttriefende politische Morde begangen seiner Zeit, beauftragt von der Regierung damals, und zwar, um im kurdischen Teil der Türkei Intellektuelle und andere Störenfriede aus dem kurdischen Lager zu beseitigen. Mal sehen, welches Piratenstückchen diese Kämpfer demnächst – wieder – aufführen werden und für wen?

Ich weiß, ich hätte schon vorhin erörtern sollen, was Piraten denn so tun? Sie kapern Dies und Das. Nehmen sich, was ihnen gehören soll. Es ist gewiss zu weit gegriffen, dennoch dürfte es einigen Liebhabern der guten Afrodite doch zu weit gehen, wenn die Erdgasförderplattform, auf der Israel im Verbund mit Zypern, ausgerechnet ihren Namen sich kapert. Musste nicht sein. Ist aber so. Die USA Administration hat schließlich auch die Geschichte, indem Fall handelt es sich nicht um einen Mythos oder Legende, bemüht bei der Namensfindung für die Unternehmung in Pakistan vor noch nicht allzu langer Zeit, Osama bin Ladin zu ergreifen: „Jeronimo!“

Nun, bezüglich der Erdgasförderung, und überhaupt, kündigt die Türkei inzwischen wiederholt an, dass sie zum Zeitpunkt, an dem Zypern die Präsidentschaft in der EU übernimmt nächstes Jahr, 2012, die Beziehungen zur EU auf Eis zu legen gedenkt – wer kapert hier demnächst wen? Jedenfalls wird die Türkei nun ebenfalls anfangen, nach Erdgas, Petrol, also allem, was man Gaya, der Mutter Erde abringen kann, zu buddeln. Ich sehe, muss ich eigennütziger Weise gestehen, mein heimliches Badeparadies Zypern bereits in naher Zukunft endgültig gekentert durch die Kollateralschäden der Gier unserer Piraten-Zivilisation.

Piraterie ist nun mal Gang und Gebe, sei hiermit aufgezeigt. Dass ein bisschen mehr Internet-Awarness Einzug hält in Berlin und andernorts durch die Partei der Piraten scheint mir angebracht. Auch dass dieses Medium, möglichst global, wenig bis gar keine Kosten verursacht für seine Benutzer. Die Idee ist gut. Ob sie umsetzbar ist, wird sich zeigen, wenn die Piraten auf Deck sind!

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