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Posts Tagged ‘pontus’

Wer sich in Zypern etwas länger aufgehalten hat und womöglich noch Türkisch spricht, dem sind gewiss die vielen Türkischsprecher aufgefallen, die sich zum Beispiel gerne Zentral in der Stadt Nikosia – selbstverständlich auch andernorts – treffen: am Elefteria Square. Am Dialekt erkennt man, dass es sogenannte Pontis sein müssen, Siedler vom Schwarzen Meer. Anfänglich dachte ich, dass das Wort Ponti ein Schimpfname sei und die Leute aus der östlichen Gegend des Schwarzen Meers, die nach Zypern gelangt sind, als Mäuse verunglimpft werden. Die Brücke vom einstigen Gebiet namens Pontus auf Ponti zu schlagen, war mir lange verwehrt. Im Griechischen ist die Maus nämlich die „ponti“.
Einen guten Ruf haben sie dennoch nicht. Einbrüche, Raub und Mafiageschäfte werden ihnen nachgesagt. Das allgemeine Schicksal von Zugezogenen eben.

Heute Morgen gerade gelesen, dass es in Flüchtlingsheimen in Deutschland zunehmend zu Schlägereien kommt. Ein Informant ließ mich wissen, der in Freiburg als syrischer Flüchtling untergekommen ist, dass die Sprachmittler wahrscheinlich einen hohen Anteil an den Spannungen haben dürften. Sie würden nicht so unparteiisch handeln wie die Deutschen – bevorzugten also Leute aus ihrem Kulturkreis beziehungsweise Herkunftsland und gäben Kommentare von sich, die ihre Sympathie oder Antipathie mit den jeweilig vorhandenen politischen Systemen (Irak, Iran, Syrien etc.) durchaus spiegelten. Es seien sich eigentlich alle einig, dass es besser sei, wenn Deutsche dort ihren Dienst versehen würden anstatt diesen parteiischen Leuten. Doch nun zur Fortsetzung der teilweisen Übersetzung des Artikels aus der zyprischen Tageszeitung Alithea vom 02. August 2015 von Giorgie Pulakou:

Sicht auf die Geschichte der Griechen im Kaukasus

Der weitere Umkreis des Kaukasus ist den Griechen allseits bekannt gewesen, wie in der griechischen Geschichte zu lesen steht, wobei die Griechen vom Schwarzen Meer oft im Zentrum der Streitigkeiten standen, so auch die Spannungen zwischen Türken und Griechen und Letzteres bereits seit byzantinischer Zeit. Den Griechen ist die Gegend also seit dem Altertum bekannt.
In der griechischen Mythologie wird ein skythischer Hirte „Kaukasus“ genannt, nach Maßgabe der einen Darstellung tötete er [den Gott] Kronos, half diesen zu stürzen und Zeus zu retten. Um [den erwähnten] Kaukasus zu ehren, benannte Zeus das [ uns bekannte] Gebirge „Kaukasus“. Dieser Name gilt bis heute.
Bekannt sind auch die Geschichten des Iosona, der bis dorthin gelangte auf der Suche nach dem blonden Riesen, dem Heraklion, welcher mit dem Geschlecht der Amazonen um den Gürtel der Königin Ippolitis und die Königskrone der Athener kämpfte. … . Diese Überlieferungen verraten uns, dass bereits seit dem Altertum Beziehungen der Griechen dorthin bestanden. Die Ansiedlung der Griechen im Kaukasus ist ein Phänomen, welches im 10. Jahrhundert vor Christus seinen Lauf nimmt und gipfelte im 8. Jahrhundert vor Christus in der Kolonisation durch die Griechen … .
Das war zum Zeitpunkt, als Militos Herakleion aufbaute wie auch das heutige Sinop, von wo aus das heutige Trabzon gegründet wurde. Von da an formte sich stetig eine blühende griechische Bevölkerung im Kaukasus, die dort Jahrtausende überdauerte.
Danach wurde der Kaukasus ein Teil des römischen und danach des byzantinischen Reiches, wo er eine wichtige Rolle beim Erhalt des Hellenismus spielte. Nach der Eroberung der Stadt [Trabzon] 1204 seitens der Kreuzritter wurde von der Dynastie der Komninon im äußersten Norden von Kleinasien und des Kaukasus das Kaiserreich von Trapezunt errichtet, welches der letzte, unabhängige griechische Staat war, der von den Osmanen im Jahr 1461 eingenommen wurde.
Die osmanische Eroberung des Pontus (ein Teil der Schwarzmeerregion) fand in drei Phasen statt. Die erste begann mit der Einnahme 1461 von Trapezunt und entwickelte sich im 17. Jahrhundert dahin, dass die Osmanen gegenüber dem Hellenismus im Pontus eine ziemlich neutrale Stellung einnahmen. Die zweite Periode beginnt in der Mitte des 17. Jahrhundert und endet mit dem ersten türkisch-russischen Krieg und dem Vertrag von Küçük Kaymarcık 1774. Auch der Krieg mit der Orthodoxie Russlands charakterisiert diesen Zeitraum religiös motivierte Gewalt gegen die Griechen und deren Exislamisierung durch gewaltbereite Banden. Die dritte Periode beginnt nach dem Vertrag von Küçük Kaymarcık und auch etwas mit der Katastrophe in Kleinasien 1922 [als die Griechen aus jener Region und der um Izmir vertrieben wurden].
Charakteristisch ist der systematisch durchgeführte Versuch der dortigen Staatsmänner, die freiheitlichen Gesetze zu Gunsten der Christen nicht zu befolgen – sowie das Aufkommen des türkischen Nationalismus am Anfang des 20. Jahrhunderts.
Im Laufe der Jahrhunderte, und je weiter sich das zaristische Russland Richtung Süden ausbreitete, wurde die Region (Pontus) von der Türkei geplündert. Als die zwingende Notwendigkeit verstanden worden war, die verlassenen Gebiete am Schwarzen Meer wieder zu besiedeln vermittels eines neuen Volkes, kamen nur Griechen oder Armenier in Frage. Die Russen stellten den neuen Siedlern das Land und erteilten ihnen Vorrechte unter der Voraussetzung sich einer bestimmten Struktur zu fügen, so auch der Russifizierung ihrer Namen.
Zum Beispiel besteht Mariopolis, die seit 1810 bis ins Jahr 1873 mit den umliegenden Dörfern griechischer Verwaltung unterlag und griechisches Recht bis 1859 hatte, dem Erlass, dass es nicht erlaubt war, andere Ethnien dort ansiedeln zu lassen.

Die hauptsächliche Motivation für Griechen in den Kaukasus zu ziehen ab dem 18. Jahrhundert nach Christus, also ihres Wegganges aus der Stadt Andrianopoli nach Georgien vordringlich, war wegen der schwindenden abbaubaren Menge an Erz dort. Ein weiterer Zug von Griechen in Richtung der russischen Gebiete fand in der Zeit der Volkserhebungen statt, wie auch in den drei russisch-türkischen Kriegen, die folgten. 1880 wurde in der Region Schwarzes Meer – im heutigen Trabzon – ermittelt, dass mindestens 100.000 Griechen aus der Krim und dem Kaukasus dort angesiedelt hatten.
Ab 1880 begann also dieser Umzug der Griechen, so auch von der Küste der Pontus-Region. Es wird angenommen, dass zwischen 1775 und 1884 ungefähr 300 – 350.00 Griechen aus dem Osmanischen Reich ins russische Staatsgefüge umzogen. Die Volkszählung ergab allerdings, es sollen dort lediglich 207. 536 Griechen leben. Wahrscheinlicher ist, dass diese Zahl die Wirklichkeit nicht wiedergibt, zumal [bei jener Volkszählung eh] genug Nationalitäten unberücksichtigt blieben – entweder wegen Problemen mit der angewandten Methode [der Volkszählung] oder wegen politischen Zielen. Und das geschah wiederum abhängig von der slawischen Ideologie. Als Nachweis dessen dient [uns] die „Große Sowjetische Enzyklopädie“, die eine griechische Bevölkerungszahl 1897 von 462.000 Personen angibt. Der [Haupt-]Grund für den Zug der Griechen vom Pontus nach Russland war der karge Gebirgsboden in der Gegend, der sich zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung schlecht eignet, sowie der Beginn der Verfolgung durch die Türken, wobei die Ereignisse und die Lage in Russland auch nicht gerade ideal waren, wegen der kalten Schulter, die sie ihren Glaubensbrüdern, den Griechen, zeigten.

Die Griechen in Russland waren nicht untätig und suchten weiterhin einen idealen Platz, um sich nieder zu lassen im russischen Reich – neue Gemeinschaften galt es zu kreieren, auch in Sibirien, wo eine Gruppe von 1.500 Griechen sich niederließ, so auch in Taschkent (Uzbekistan) und in Aschsabant (Türkmenistan).
Die Griechen, die sich in Russland niederließen im 18. Jahrhundert hatten indes keine besonderen Schwierigkeiten. Die Probleme der griechischen Sache wegen fallen zusammen mit dem sogenannten „griechischen Plan“ von Katherina der Großen, um die russischen Kontrolle des Byzantinischen Reiches wieder zu erlangen. Dem Verlassen dieses Planes folgte die Umsetzung der pan-slawischen Ideologie durch Russland. Teil dieses Unternehmens der Slawisierung der Griechen durch den russischen Staat geschah mit der Auferlegung der russischen Sprache in den [griechischen] Schulen wie auch in ihren religiösen Riten, während systematisch verboten wurde, Griechisch zu unterrichten. Das starke nationale Bewusstsein der Griechen vom Pontus ist hauptsächlich der Grund dessen, dass die griechische Bevölkerung zusammen gehalten hat.

Griechen und ideologische Motive

Ein historisch interessanter Fall ist die Beziehung der Griechen vom Pontus zu den ideologischen Strömungen in der dortigen Region, wie auch die Ideen, die hauptsächlich aus Griechenland kamen. Die griechischen Intellektuellen der Region waren für zwei Strömungen empfänglich: aufständische Ansichten, die aus Russland kamen und die Ideen der Griechen Griechenlands. Darüber hinaus arbeiteten die Griechen vom Pontus bei der Volkserhebung 1821 mit den Revolutionären zusammen; in Anwendung war auch die Zusammenarbeit der Griechen im Putsch 1905 in Russland.
Die Beziehung der Griechen vom Pontus mit dem ethnisch orientierten Erwachen hatte bereits seit dem 18. Jahrhundert begonnen und ging so weiter nach der erfolgreichen Unabhängigkeit des größten Teils von Griechenland 1830, ebenso auch wie das Verhältnis Griechenlands zum Osmanischen Reich, welches wiederhergestellt wurde. [Vordringlich] durch die Versendung von Lehrkräften aus Athen gelang die Aufrechterhaltung des ethnischen Bewusstseins. Langsam brachte die Errichtung griechischer Schulen in den Regionen, wo es keine Verbindung zu Griechenland gab, den Griechen vom Pontus die Entwicklung eines unfreien Klimas – so abgehandelt in der griechischen Presse jener Zeit -, was auch die Griechen in Russland beeinflusste.
Letztere wurden tiefgehend beeinflusst durch den Putsch 1905, insbesondere, was die besonderen Forderungen ihrer griechischen Gemeinschaft angeht. Ausdruck dessen war die Gründung der „Griechischen Gesellschaft“ in Russland. Darüber hinaus brachten griechischsprachige Zeitungen, der „Kosmos“, als erste das Thema einer Organisation der Griechen in Umlauf, wie auch die Vereinigung der Griechen vom Kaukasus mit denen vom Pontus.
Der Ausbruch des I. Weltkrieges brachte gewisse Erwartungen bei den Griechen in der Region mit sich, im türkischen wie auch im russischen Staat. Im April 1916 führte der Ausgang der Streitigkeiten (russisch – türkisch) zum Ende der türkischen Oberhoheit im Osten des Pontus und zur Errichtung einer frühzeitigen griechischen Führung, die wärmstens von der griechischen Presse unterstützt wurde. Sie bleibt uns als „Demokratie Pontus“ bekannt mit der Hauptstadt [des heutigen] Trabzon. Von Seiten der türkischen Administration wurde die Staatsmacht an den Metropoliten, Chrisanthos Filippidis, übergeben sowie an eine drei-köpfige Kommission, die aus Griechen bestand. Beweis des guten Klimas, welches herrschte zwischen den einheimischen Griechen und den Türken ist, dass der Metropolite die türkischen Angehörigen der Region unter seinem Schutz behielt.
Die Vorherrschaft der Bewegung der Bolschewiken, der Rückzug der russischen Truppen aus dem Pontus und der darauffolgende Vormarsch der türkischen Armee um die Region zu unterwerfen, entwurzelte größtenteils geradeu den Hellenismus in der Region. Das Ziel der flüchtenden Griechen war zuerst, Zuflucht in Russland zu finden, um dann von dort in ihre Heimat von vor hunderten von Jahren zu gelangen. Doch der Schrecken der Bewohner vom Pontus hatte noch nicht geendet. … “

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