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Posts Tagged ‘rialto theater’

 

Ein Beitrag von Napi Waltone!!!

 

In den internationalen Medien hört man kaum noch von den Finanz- und Wirtschaftssorgen auf der Aphrodite Insel. Auch nur mittelmäßig informiert ist man nach der Lektüre der lokalen Zeitungen, die sich öfters wiederholen und Altgebackenes als Frischbrot verkaufen. Die Journalisten müssen eben auch leben!

Eindeutig besser überzeugt der Kulturmarkt. Ende März wurde die lang erwartete Eröffnung der „Leventis Gallery“ in Nikosia gefeiert. Im Grunde genommen ist es mehr ein Museum als eine Kunstgalerie. Die Öffnungszeiten sind sehr attraktiv. Geschlossen wird am Dienstag und am Mittwoch erst um bis 22.00 Uhr. www.leventisgallery.org gibt ausführlich darüber Auskunft. Das Gebäude wurde als moderner Museumsbau konstruiert. Auf der Eingangsebene befindet sich das Restaurant/Café, welches auch außerhalb der Öffnungszeiten begehbar ist und von der Straße her erreicht werden kann. Es ist bereits ein Publikumsmagnet. Diese Galerie wurde erbaut dank der Familienstiftung Anastasios G. Leventis, ein Geschäftsmann, der die Stiftung 1979 gründete – Ende der 80-Jahre verstarb er. Dieser Philanthrop, der in Westafrika und anschließend in England und Frankreich ein Riesenvermögen anhäufte, gründete vorerst in mehreren Staaten in Westafrika Gesundheitszentren und Landwirtschaftsschulen, was später auf Stipendien an Griechen und Zyprer ausgeweitet wurde, damit die jungen hoffnungsvollen Studenten im Ausland studieren konnten. Er war maßgebend daran beteiligt, in den beiden Ländern die Gründung von Hochschulen zu ermöglichen, und damals entstand auch die „University of Cyprus“.

Zurück zum Museum. Darin ausgestellt wird vor allem die Sammlung aus seinem Pariser Domizil. Das Parterre ist der „Zypern Kollektion“ gewidmet, wo bedeutende zyprische Künstler (geboren zwischen 1884 und 1930) zu sehen sind. Die erste Etage beinhaltet die „Pariser Kollektion“, wo sich alte Meister mit Impressionisten wie Monet, Renoir etc. und moderner Kunst (Dufy, Utrillo und Chagall) mischen. In der 2. Etage sind die Werke griechischer Künstler vertreten, die nach der Unabhängigkeit von 1821 bis 1970 entstanden sind.

Nikosia kann stolz auf die Kollektion von Leventis sein, die eigentlich für jeden kunstbefliessenen Touristen ein absolutes Muss sein sollte.

09_06_13

Das Rialto Theater in Lemesos glänzt weiterhin mit der Übernahme der Direktübertragung von Opernaufführungen aus der Met in New York. Kürzlich war es Mozart’s „Così fan tutte“ in einer fulminanten Darbietung zu erleben. Die durch das Werk führende Hostess war die bekannte Sopranistin Renée Fleming. Das Bühnenbild (Michael Yeargan) war eher schlicht, aber auf den Punkt passend. Ferrando wurde von dem ebenfalls an der Covent Garden, in Berlin und München singenden amerikanischen Tenor Matthew Polenzani gesungen, Guglielmo vom russischen Bariton Rodion Pogossov (an den bedeutenden Häusern in Europa ebenfalls bekannt) und Don Alfonso gab der Italiener Maurizio Muraro. Fiordiligi verkörperte die in den USA aufsteigende Starsopranistin Susanna Phillips. Das tat sie wirklich wunderbar, begleitet von der Mezzosopranistin Isabel Leonard als Dorabella, die ebenfalls in Europa nicht unbekannt ist. Despina, das intrige Weib, war hochkarätig besetzt durch Danielle de Niese, die aus ihrer Heimat Australien mit sri-lankischen Wurzeln an der Met singt.

Die gesamte Aufführung war so hinreißend, dass nicht nur das Publikum der Met begeisterten Applaus spendete, sondern das Rialto-Publikum in Limassol spontan mit einstimmte.

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Bleiben wir noch ein Weilchen bei der Musik. Schon seit einiger Zeit wurde in dieser Kolumne, die hier von mir in Zypernundmehr-News betrieben wird, nicht mehr über die Aufführungen des “Zyprischen Symphonieorchesters“ gesprochen, was schleunigst nachgeholt werden muss. Das von mir vor kurzem besuchte Konzert, von dem ich berichten mag, fand im kleinen aber schmucken Saal des PallasTheaters von Nikosia statt. Das verheißungsvolle Programm brachte dann auch wirklich eine sehr große Zuhörerschaft in Bewegung, das heißt, in den Saal. Der in St. Petersburg und Los Angeles ausgebildete Dirigent Giorgos Kountouris war als Gast anwesend. Er ist auch in Griechenland und in verschiedenen Ländern Europas ein gut beschäftigter Orchesterleiter. Den Auftakt des Abends machte ein Stück des zyprischen Komponisten Andreas Moustoukis. Wunderbar instrumentiert mit Streichern,  Bläsern, Percussion und verhaltener Singstimme über Lautsprecher. 2006 hatte er dieses Stück Dimitri Shostakovich gewidmet, welches er auf einem kurzen Vers von Frederico García Lorca basierte. Als nächstes stand Haydn’s „Elektra und Berenice“, die Arie der Berenice auf dem Programm. Sehr dramatisch und stimmlich herausfordernd war es und die Sopranistin Katerina Mina (aus einer früheren Besprechung bekannt) glänzte erneut. Sie wurde der Partie wirklich sehr gerecht. Es handelt sich bekanntlich hier um eine Arie mit wenigen stillen Tönen. Um es anders zu formulieren: Die Arie bestand hauptsächlich aus voluminöser Selbstanklage und Bitte an die Götter, sie zu entleiben, was sehr unterstützt wurde durch die Prominenz der Windinstrumente.

Dieser Meisterleistung folgte die zweite: „Oh, smania! Oh Furie! – D’Oreste, d’Ajace“ aus Mozarts Idomeneo. Diese zwiespältige Arie der Elektra, welche aus dem Rezitativ voller Rachegefühle besteht und einer Arie, wo sie ihrem Pathos mit voller Kraft Ausdruck verleiht, war die zweite Herausforderung an die Sopranistin. Noch ein wenig mehr Schliff an der Stimme, würde ich sagen, und sie wird in Zukunft bei größeren Anlässen als diesem in Nikosia, gebührenden Applaus einheimsen.

Die Frühlingsmonate, die hier auf Zypern bereits in vollem Gang sind seit geraumer Zeit, sind, was die musikalischen Darbietungen angeht, stets interessant. Wir dürfen uns also auch in nächster Zeit noch auf einiges freuen, was hier berichtet werden wird.

Sie werden wieder von mir lesen.

 

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Junge Talente

 

Seitdem, dass der zyprische Staat die finanzielle Hilfe der EU beantragen musste, sind die schlechten Nachrichten über das Land Tagesbrot in den Medien. Es hagelt Vorwürfe und Dementi von allen Seiten, und dazu kommen noch die demnächst stattfindenden Wahlen für einen neuen Präsidenten, die ebenfalls viel Druckerschwärze in negativer Form finden.

In diesem Artikel wollen wir hingegen von einer unglaublich positiven Seite Zyperns, und das im Bereich der Musik berichten. Vor kurzem fand nämlich das jährliche Konzert der Jungen Talente (Cyprus Young Strings Solists) im Strovolos Theater von Nikosia im Rahmen einers Wohltätigkeitsveranstaltung statt. Es gab mehrere Formationen. In der größeren Formation waren unter den mehrheitlich weiblichen Kindern auch einige Burschen zu finden, der Jüngste war sicher nicht älter als sieben/acht Jahre. Was die Solisten und kleineren Ensembles angeht, waren es durchweg alles exklusiv Mädchen, die ohne Noten, aus dem Gedächtnis spielten.

 Mir wurde zugetragen, dass die jüngste Solistin erst elf Jahre zählt. Erstaunlich war, wie selbstsicher und konzentriert diese jungen Menschen vortrugen. Sogar schwierige Kadenzen wurden fein abgestimmt der Violine entlockt,  die dazu gehörige Fingerfertigkeit war wirklich erstaunlich. Das zusammengestellte Programm ist durchaus als anspruchsvoll zu bezeichnen. Es  war gewiss nicht einfach und vor allem sehr facettenreich. Gespielt wurden, also, Sätze aus Vivaldis Konzerten, von Vitali und Pachelbel, Beethoven, Schubert, Händel und die äußerst schwierige Tarantella von Pablo de Sarasate – Paganini und Brahms durften nicht fehlen.

Die Symphonie Espagnole von Edouard Lalo hätte in der Interpretation zwar feuriger sein können, was dem Stück jedoch keinen Abbruch tat. Den Abend hindurch obsiegte mehr als nur ein Schimmer von Begeisterung der Musizierenden, die die Zuschauer mit sich riss. Begleitet wurden die jungen Künstlerinnen von Catalina Teican am Klavier. Die Leitung des Abends hatte der Musikprofessor der Talentschule, Matheos Kariolou. Er ist ein bekannter  Violinist, der bereits in verschiedenen europäischen Musikakademien wirkte und sich auf die Musik-Lehre speziell  für Kinder beruflich orientiert hat.

Bei einem solchen Konzert, fragt man, ob die Welt nicht doch noch in Ordnung ist. Junge Menschen sind doch nun mal die Zukunft eines Landes. Ich glaube und hoffe, dass einige dieser jungen Leute, die uns dort bezauberten mit ihrer Kunst, die Musik als Beruf wählen werden. Nicht nur Politiker und Wirtschaftsfachleute machen eine Nation groß bzw. aus. Es hat den Anschein, dass Zypern sich im internationalen Musik-Geschäft Sektion Klassik postieren will, ja, ohne rot zu werden zeigen kann. Alle Hoffnungen sind alles andere als verloren, sondern ein Quell nationalen Stolzes, finde ich, war hier dargeboten worden, der uns jenen Abend und den Glauben an ein Morgen verschönte.

Afrika 05 274

Doch dem nicht genug: Eine andere Art von hohem künstlerischem Genuss ist letztens die Opernaufführung der Metropolitan Opera von New York gewesen, die direkt übertragen in Limassols Rialto Theater auf der Leinwand miterlebt werden konnte – live. Donizettis „Maria Stuarda“. Der Ton war wider Erwarten ausgezeichnet, die Veranstaltung leider ungenügend besucht, doch der Genuss dennoch großartig.

Die Titelrolle wurde von der amerikanischen Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato gesungen, die Rolle der Königin Elisabeth von der südafrikanischen Sopranistin Elza van den Heever. In den männlichen Rollen glänzten – im wahrsten Sinne des Wortes – Matthew Polenzani, Joshua Hopkins und Matthew Rose. Joyce DiDonato und Elza van den Heever waren nicht nur großartige Sängerinnen, die ihre Rollen mit einer unglaublich modulierfähigen Stimme darboten, sondern auch ihr Spiel, die Mimik etc. waren hervorragend, einfach bestechend. Man fühlte sich vor der riesigen Leinwand mitten im Geschehen sitzend, in der Metropolitan selbst. Es war – und wird sein, da weitere Übertragungen geplant sind, ein unvergleichliches Erlebnis – eben Oper vom Feinsten.

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