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Posts Tagged ‘roland zaugg’

Schön und gut, die Zollfreie. Dass 388 Meter Straße nun gleich mehr als 60 Millionen € auffressen und über 100 Bäume, auch wenn das in einem Zeitraum von 25 Jahren Bauzeit geschah, ist vor dem Hintergrund vieler anderer Dinge, wie zum Beispiel, dass die Minijobs wohl weiterhin die Einwohnerschaft der BRD ‚erfreuen‘ werden – insbesondere Frauen –, oder der derzeit indirekt beworbenen, steigenden Mietpreisen, schon etwas bedenklich. OK, es gibt da noch ein Tunnelstück in der zollfreien Straße zwischen Lörrach und Weil am Rhein, welches den Preis rechtfertigt, wird gesagt. Wichtig ist, die Straße ist nun endlich fertiggestellt – doch dennoch!

Und dennoch, wenn wir hier schon am Nörgeln sind, dann bestens gleich noch darüber, dass all die ‚Glücklichen‘, die nun ein bisschen schneller, eventuell, von der deutschen Seite nach Basel gelangen in ihren Karossen, das nächste Problem bewältigen dürfen – Parken. Jemand, der oft und ohne festes Ziel und Parkmöglichkeit öfters nach Basel brummt im eigenen Auto, dem wird schnell auffallen, dass im Geldbeutel der Parkgebühren wegen ein gorßes Fragezeichen entsteht.

Ja, so ein Knöllchen in der Schweiz, wissen wir nun als ebenfalls Leidgeprüfte, kostet 40 Franken, und das, wo doch eh auf einem Areal geparkt wird, welches derzeit brachliegt – am alten Bahnhof in der Nähe des Badischen Bahnhofs.

Dort parken plötzlich recht viele Autos, leider, so dass man sogar bereits morgens um 07 Uhr Schwierigkeiten hat, noch ein freies Plätzchen zu ergattern – auch nicht am 3. Oktober, dem Vereinigungstag. Und wehe dem, der außerhalb des nicht klar definierten Bereiches parkt, der wird offenbar sofort von den Schweizer Politessen “gebüsst!”

Schlechte Nachrichten habe ich also an all die Konkurrenten um den einzig – eigentlich ansonsten kostenlosen – Parkplatz in jener Gegend zu verkünden: Das Magistrat, oder wie es die Schweizer nennen, scheint noch immer damit zu liebäugeln, ausgerechnet dort ein Einkaufszentrum erbauen zu wollen. Das erzählte Herr Zaugg von der Universität Basel gestern bei einer Exkursion des Fachbereichs Geografie im Gebiet namens “Nordbasel”, also Kleinbasel.

Herrn Zaugg gleich von all den armen Parkplatzsuchenden – die nicht nur aus Deutschland kommen, sondern mehrheitlich Schweizer Kennzeichen haben am alten Bahnhof – zu berichten, wollte ich nicht riskieren, weil er eventuell erwidert hätte, die sollen doch vielleicht besser mit den Öffentlichen anreisen oder das Auto verkaufen. Lässt sich gut sagen, wenn man nicht betroffen ist. Vielleicht hätte er darauf aber auch eine andere Antwort gegeben, ja, das ist wohl wahrscheinlicher, näher betrachtet.

Nun, dort in der Erlenmattgegend Kleinbasels sei zwar viel Wohnraum geschaffen worden, erklärte Zaugg, doch wurde versäumt, den Leuten Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zur Verfügung zu stellen. In Anbetracht der Nord- und Osttangente, die unmittelbar vor dem Erlenmatt-Quartier vor etwas mehr als 10 Jahren hochgezogen wurden, auch damit sich gewisse Leute in der Administration – politische Ebene – profilieren konnten, trotz Protesten dagegen, wie Zaugg meinte, machte, finden wir, ein Einkaufszentrum dort nun eigentlich auch keinen großen Unterschied mehr, um die Gegend total zuzubetonieren.

Es soll aber Romantiker geben, die die schön mit wildem Kraut und gelben, violetten Blumen zugewachsene Fläche dort, die scheins niemand oder nur wenige zu betreten wagen, genau so und nicht anders erhalten wollen.

Muss eigentlich alles einen Sinn und Zweck haben, der menschlichen Maßgaben entspricht?

Vergessen Sie bestens gleich diese wahrscheinlich naive Fragestellung, verehrte Leser.

Es gibt doch wirklich interessantere, ‚weniger naive‘ Themen – nicht zuletzt das aufregend ‚tolle‘ Spektakel, welches sich die Stuttgarter gestern zum Vereinigungstag gegeben haben, nachdem, was mit kritischem Unterton der SWR2 den Tag danach um 12.20 Uhr berichtete. Das angerichtete Spektakel scheint das 40 Franken Knöllchen in der Schweiz anstatt einer Fahrt nach Stuttgart zwecks Wiedervereinigungsfeier schon fast verschmerzbar zu gestalten, wie unter anderem auch den ‚hochinteressanten‘ Bemerkungen des Cem Özdemir, dem designierten, gut assimilierten Obergrünen türkischer Abkunft der Stadt, zu entnehmen war. Der Grünenpolitiker klang verdächtig wie jemand von der CSU, nur eben auf Schwäbisch, ganz auf heimatverbunden unterwegs; und wie erhebend es doch gewesen sein muss, dass beim Singen der Nationalhymne „alle“ Leute sich erhoben, meinte eine, die in einem Chor gesungen hat, wir vermuten, vor dem Stuttgarter Schloss.

Keine Angst, hier wird nun nicht des Weiteren in das allgemeine Aufgeheule der Opfer (oder gar Heimat flüchtenden Täter?) von Lambedusa miteingestimmt. Ja, noch nicht mal die angebliche Pleite des Berlusconi aus bella Italia soll uns groß jucken. Der wird ja eh nicht eingesperrt, dort, wo er eigentlich hingehört, nämlich in den richtigen Knast. Dort könnte er gewiss noch jemand finden, der seinen Drive auf Liebesspielchen der gesonderten, nicht zwangsläufig besonderen Art für vermeintlich Ewigjunggebliebene wie ihn – so ganz im Heimlichen und so – gegen Tabak, Schokolade oder andere Knastluxusgüter mitmacht. Wahrscheinlich würde sich hinter Schwedischen Gardinen der morgentlich etwas verhangene Blick in den Spiegel des Herrn Banga-Banga endlich wieder lohnen – denn es ist nicht auszuschließen, dass ihn im Knast ansonsten niemand will, auch nicht banga-tanga-passiv!

Doch nun hurtig zu den Aktiva. Da wäre nämlich die Hodegetria, die hat eine Professorin der Universität Basel vor noch nicht all zu langer Zeit im Lager des Historischen Museums von Basel ausgehoben. Das Ding, erzählte sie der interssierten Zuhörerschaft in ihrer Vorlesung zur “Einführung in die Kunstgeschichte”, sei davor gleich neben der Tür zur Toilette im Museum gehangen, bis ein Verantwortlicher befand, die Tafel ins Archiv zu geben. Hätte vielleicht wenig gefehlt, und sie wäre für einen Apfel und ein Ei verscheuert werden.

Doch Frau Professorin wurde stutzig, nachdem sie eine Kollegin aus der Restauration des Museums darauf angesprochen hatte, was eigentlich mit dieser Tafel sei. Sie forschte daraufhin und scheint sich nun offenbar ziemlich sicher, ein bedeutendes Kunstwerk vor dem Nichts errettet zu haben.

Wie zu erfahren war, hängt selbiges Bildmotiv der Tafel auch in Zypern, ja, ist deren Vorläufer gar, die Mutter Gottes mit dem Christuskind auf dem Arm, vor denen eine Person sich links unten im Bild den beiden zu Füssen wirft, wahrscheinlich nach Segen bittend. Wer demnächst nach Zypern kommt, sollte sich daher mal auf den Weg nach Lagoudera, wo eben einer der Vorgänger der Hodegetria in Arakoutissa zu sehen ist, begeben.

In Istanbul soll die Elfenbeintafel der Hodegetria – im byzantinischen Istanbul, welches bekanntlich Konstantinopel hieß – bereits im 10. Jahrhundert einen derart hohen Stellenwert in der Liturgie der orthodoxen Christenheit gehabt haben, was den Fund in Basel auch aus dieser Perspektive im Wert erhöht. Jeden Dienstag wurde die Hodegetria als Schutzgöttin der Stadt damals durch Konstantinopel getragen und versetzte die Menschen in trance-gleiches, religiöses Entzücken, so sehr, dass dänische Reisende davon sprachen, die das Schauspiel zufällig beobachtet hatten im 12. Jahrhundert, dass sie glaubten, einen heiligen Schein ausgemacht zu haben an der Tafel, ja, dass die Figur über der Menschenmenge geschwebt habe. Dass die Hodegria wahrhaft von Bedeutung war, zeigt, dass der byzantinische Kaiser empfangen wurde von der Bevölkerung die Hodegria vorantragend am Rande Konstantinopels, nachdem die Venezianer 1204 die Stadt 1261 wieder verlassen hatten, und der Kaiser aus dem Exil zurückkehrte.

Solche Legendenbildungen, wie Sie sich vorstellen können, hatten selbstverständlich ihre Nebeneffekte. Im Falle der Hodegetria ist anzunehmen, dass dieser Zwitter, weil im Grunde a-byzantinisch, da aus Holz und mit grüner Farbe im Gewand der Maria, der indes gemischt ist mit Merkmalen, die eher im Norden Europas gängig waren, weshalb die Professorin auch davon ausging, dass die hölzerne Tafel aus Südtirol stammen könne, die aus dem schweizerischen Chur nach Basel gekommen war, und aufgrund der Legendenbildungen von einem der Kreuzritter seiner Zeit im Süden Tirols angefertigt worden sein dürfte, um den heiligen Schein einer derartigen Tafel auch dort erstrahlt zu wissen.

Bekanntlich herrschte bei den Byzantinern die Annahme vor – und offensichtlich auch andernorts -, dass sich der Geist und Wirkkraft einer als heilig angesehenen Statue, Ikone oder Bild übertragen. Auch daher wurde die Hodegetria (genauer das Bild der stehenden Mutter mit dem Kind und ihrer etwas zu groß geratenen rechten Hand etc.) stets möglichst genau so nachgebildet – immer und immer wieder.

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Herr Zaugg wird bei dieser letzten Anmerkung eventuell erschrocken in sich fahren und erkennen, dass angesichts der Nord- und Osttangente in Kleinbasel, die manchem inzwischen womöglich als futuristisches Endzeitstimmungskunstwerk erscheinen könnten und demnächst noch einen Kunstpreis erhalten, durchaus Aussicht besteht, dass sein damaliger Vorschlag, die Tangenten doch bitte sehr unter das Erdreich zu legen, noch als Banausentum sondergleichen eingestuft werden könnte – eben weil derartige Bauten im Rest der Welt immer und immer wieder nachgebildet wurden und werden, wie wir alle unschwer erkennen können mit raschem Blick auf beigefügtes Bild, oben; und wie uns das Bildnis und/oder Tafel der sogenannten „Basler Hodegetria” auf Lindenholz durch die Geschichte hindurch anschaulich lehrt.

Wenn es recht erinnert wird, war und ist die Geschichte der Entwicklung einer Stadt, oder so ähnlich, das Fachgebiet von Herrn Zaugg, dem hiermit nochmals Dank ausgesprochen sei für die eindrückliche und hoch informative Exkursion.

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