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Posts Tagged ‘stefan weber ig kandern’

Dass die Stadt Lörrach, die unweit von Basel liegt, gar nicht so langweilig und uninteressant ist, wie es einem eventuell auf den ersten und zweiten Blick vorkommt, schält sich immer klarer heraus.

Immer wieder mittwochs, könnte man sagen. Dann nämlich finden im Gebäude der VHS, dem Alten Rathaus von Lörrach, unterschiedliche und zuweilen hoch interessante Veranstaltungen statt. Zum Beispiel ist die Veranstaltung zur Literatur, geleitet von Herrn Oskar Keller, das letzte Mal wirklich gut gewesen, als er etwas in die deutschsprachige Lyrik zum Thema Herbst eingestiegen ist. Dass zum Thema Herbst von ihm dabei keine weiblichen Autoren gefunden wurden, kann daran liegen, dass in seiner Bibliothek nichts auffindbar gewesen ist, wie er auf Anfrage klarstellte. Dieser Einwurf wurde von ihm jedoch aufgenommen und als gut empfunden, und so darf mit Spannung darauf gewartet werden, beim nächsten Mal auch einige deutschsprachige Lyrikerinnen vorgestellt zu bekommen zum Thema Herbst.

Auch zur türkischen Geschichte wird etwas im Alten Rahthaus veranstaltet von Herrn Keller. Leider grenzt das, was er da so von sich gibt, zu oft an Desinformation als an Information. Doch OK ist das insofern alle Male, denn zu hoffen bleibt, dass seine löblichen Bemühungen dazu führen, die Teilnehmer auch für diesen Bereich oder dieses Thema zu sensibilisieren, um danach ihre eigenen Studien zu betreiben.

Zu erwähnen wäre noch die Erste Hilfe für Menschen mit Computer-Problemen. Die gibt es jeden Montag im Gebäude der VHS von Lörrach ab 14 Uhr – eine zu prämierende Einrichtung! Da wird einem mit wirklichem Sachverstand das jeweilige Problem gelöst, egal ob Windows oder Linux, eine Freude, dort seinen digitalen Kummer zurücklassen zu dürfen. Ein Schweinchen geht in allen Veranstaltungen um, in das man Geld reinstecken kann, aber nicht muss, für das, was man dort geboten bekam.

Ja, und da war gestern zur Zeitungsrunde mit Horst Donner ein Online-Redakteur der Badischen Zeitung zugast, der Herr Huber, wenn wir den Namen richtig erinnern, der teils Werbung für die Badische Zeitung (BZ) betrieb und teils wohl einfach ein netter Mensch ist, zumal er netterweise sich den Interessierten, alle über die 50, die zu diesem Anlass zahlreich angekommen waren, stellte. Herrn Huber’s Darstellung, dass die Presse unverzüglich und bestens während Etwas gerade passiert vor Ort sein müsse, entfachte eine rege Diskussion. Die runde aus interessierten, scheinbar gut ausgebildeten ‚Grauen Wölfen und Wölfinnen‘ ließ den relativ jungen Herrn Huber mit Geschick und gebührendem Anstand durchaus vernehmen, dass die BZ aus ihrer Sicht alles andere als auf einem guten Weg sei entwicklungsperspektivisch. Wieso Journalisten auf-Teufel-komm-raus unbedingt als aller Erste und „unter Zeitdruck“ von einer Sache berichten müssten, geradezu sensationslüstern und zunehmend unreflektiert, konnte Herr Huber, der von Ehre des Journalisten und dergleichen sprach, nicht überzeugend genug beantworten oder entkräften. Immerhin, es hatte ihm im Verlauf des unterhaltenden Vormittaggesprächs niemand von seiner oder ihrer Absicht erzählt, sein Abonnement bei der BZ auflösen zu wollen, obgleich Herr Huber sich zuweilen schon anhörte wie ein Handelsvertreter auf Durchreise.

Recht lustig war, dass er sein I-Pad und Smartphone durch die Runde gehen ließ, versteht sich immer mit Hinweis auf die BZ, was wiederum zeigte, dass sein Bild von uns über 50-Jährigen mindestens so daneben war, wie das unsere von ihm – eventuell. Wie Herr Huber irgendwann meinte, würde die Generation unter 40 eher bevorzugen, sich ihre Nachrichten über die Sozialen Medien etc. abzurufen als über die Printmedien; doch ihm schien trotz seiner Anwesenheit in der Runde der Altersgrauen und deren Resonanz ,noch immer nicht klar geworden zu sein, dass diese Leute, denen er sich präsentierte, sehr wohl Bytists und/oder Computer-Nutzer sind, die schon längst mit dieser Tatsache sich auseinander gesetzt haben im Leben – alles andere als Digital-Neanderthaler sind.

Kann gut sein, dass da viele sogenannte 68er drunter waren, die scheinbar schon damals begriffen hatten, dass das Leben Arbeit im Prozess ist, soll besagen: dass das Sich-Formen einer Person erst auf dem Totenbett in seine letzte Phase tritt, und dass bis dorthin jeder – gefälligst – der Schmied seines Schicksals irgendwie ist, sein sollte!

Und das ist ein gutes Stichwort, also das Sich-Formen. Bekanntlich leben wir in etwas namens EU. Und das Wort Union im Begriff EU besagt so etwas von der Bedeutung her wie der Terminus Familie.

Und vielleicht auch daher guckt man schon etwas verwundert, wenn in der Oberbadischen Zeitung vom 14. November gelesen werden darf in einem Beitrag von Klaus Köster, dass Deutschland, das große Exportüberschüsse produzierende Deutschland, doch wohl unmöglich – demnächst womöglich noch – durch die EU geschwächt werden könne bei dieser Erfolgsgeschichte in Sachen Export und so. Das sei, als würde man aus dem Rennwagen des wahrscheinlich allseitsbekannten Herrn Vettel die Luft herauslassen.

Und der Herr Vettel, verehrte Leser, ist ja bekanntlich ein Deutscher, einer, der zwar Steuern woanders entrichtet, weil dort der Steuersatz günstiger ist, doch was soll’s?

Insofern hat Köster, könnten Sie hier denken, mit dem Bild von Vettel und dem Reifen seiner Sprit-Schleuder die Lage ziemlich trefflich getroffen. Zwar etwas verkehrt, doch bekanntlich lernt man ja schon in jungen Jahren, in den vorgehaltenen Spiegel so zu gucken, dass das darin Gesehene eben als seitenverkehrt Erscheinendes verstanden wird. Daher, mögen Sie nun denken, würde Herr Köster besser noch folgendes Bild angeheftet haben in seinem Beitrag, schon der Ausgewogenheit der Berichterstattung wegen und, versteht sich, zur Ergänzung: Ein Vettel, der Großverdiener ist, in Deutschland Ausbildung etc. genossen hat und nun, nachdem die Kohle bei ihm fließt, die Mücke macht und diesem Staat nicht das zurückgibt, was ihm eigentlich irgendwie zustünde, ist wie ein Vater, der Kinder zeugt und seinen Verdienst versaufen geht und Sozialhilfe von seiner Familie abholen lässt – sollen die anderen doch die Kosten für die Familie schultern.

Dass Leute wie Vettel zu solchen Schlussfolgerungen kommen und guten Gewissens entsprechend agieren, daran ist die Masse durchaus mitschuld, die sich den ‚tollen Typen‘ auch noch als Identifikationsfigur heraussucht – wo sie andernorts schnell einen Regelverstoß eines Asylanten, oder dergleichen beispielsweise, mit aller Schärfe ins Visier nimmt, was sich bekanntlich hin bis zu einem Generalverdacht steigern kann – siehe den NSU-Ermittlungs-Wahnsinn, wo die Angehörigen der Opfer sich so einen Generalverdacht durch die Ermittlungsbehörden gefallen lassen durften – und ziemlich sicher auch durch große Teile der Bevölkerung.

Doch ein positiver Anfang, wie abwegig auch immer Ihnen dieser Zusammenhang vorkommen mag zum Vorhergesagten, ist nun dennoch gesetzt worden, und zwar im Nabel der Welt, in Kandern. Dort wurde nämlich – endlich – die “Nette Toilette” eingerichtet und sogar vom „Burgermeischtr“ abgesegnet. Nein, die öffentlichen Toiletten am Bahnhof etc. werden deswegen nicht geschlossen, schrieb die BZ am 14. November.

Die Nette Toilette“ ist also ein öffentlicher Ort, wo noch nicht einmal für das Natürlichste von der Welt wie ansonsten in der Republik ein ’netter‘ Obulus entrichtet werde muss. Nein! Die IG-Kandern, eine Bürgerinitiative der Stadt hat darauf hingewirkt, dass Touristen und andere, die mal dringend müssen, an gewissen Orten in der Stadt ihr Geschäft erledigen können.

Da die Badische Zeitung, diejenigen Geschäfte in Kandern erwähnt, bei denen man notfalls einkehren kann, ohne schief angesehen oder gar abkassiert zu werden, oder so, sollen hier – unvollständig – ergänzend einige Lokalitäten genannt werden, die sich dieser Initiative offenbar – noch – nicht anschlossen: Sonne Restaurant und Sonne Café, San Lorenzo Pizzaria, Ochsen und das Schnecke-Restaurant etc.     

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