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Posts Tagged ‘Sultanat Oman’


Auf dem Weg nach Oman. In das Land also, wo im Arabischen ein kleines schräges „e“ über dem Anfangsbuchstaben steht, so dass kein Zweifel daran besteht, dass ein U oder O-Laut ausgesprochen werden muss über dem Buchstaben „AIN“.
Es fiel uns wirklich nichts Besseres ein, nach Durchsicht der Länder, die man besuchen kann, und die nicht gleich erforderlich machen, dass man 10 Stunden und mehr in einem Flieger sitzt. Wir empfanden es beide – wahrscheinlich zum ersten Mal in unseren Leben – recht angenehm, dass in Doha, der Hauptstadt von Qatar, ein Umstieg weitere 3 oder 4 Stunden unserer Reisezeit beanspruchte. Beinchen vertreten. Sehen, was es so in den Flughafen-Shops gibt. Alles Mögliche gibt es zu kaufen, aber leider keine arabischsprachige Tastatur für den Computer.
Kann auch nicht wirklich erwartet werden, so etwas in einem Duty Free zu finden, wurde mir gesagt. Recht angebracht hätte ich aber gefunden, mindestens ein zweisprachiges, literarisches Buch kaufen zu können: Arabisch – Deutsch oder Arabisch – Englisch. Stimmt, Arabisch – Griechisch wäre mir am liebsten.
Glücklicherweise habe ich ein solches Buch auf Arabisch – Englisch dabei, noch aus der Zeit, als ich im Jemen war – lang, lang ist es her, Jane Austen’s: „Stolz und Vorurteil“. Ein Klassiker der englischen Literatur, der, finde ich, atmosphärisch recht gut in den Arabischen Gulf passen könnte?
Wir werden sehen.

Als wir via Internet den Flug und Hotel buchten, waren wir noch ziemlich davon überzeugt, das Richtige zu tun. Mit den wachsenden, kriegerischen Spannungen in der Region, insbesonders seit Saudi Arabien und der Iran sich anblaffen – vorerst? –, sind wir uns da schon nicht mehr so sicher. Als einstiger Nahostexperte habe ich noch nicht so ganz abgepeilt, wo sich der Oman in diesem Konflikt zwischen dem Iran und Saudi Arabien eigentlich wirklich verortet. Denke, den Nahostexperten werde ich nochmal auffrischen in nächster Zeit. Die Zeit dazu scheint wirklich gekommen.

Gestern stand in der englischen Ausgabe einer omanischen Zeitung, die im Hotel auslag, dass vom omanischen Sultan und seinen Beratern beachsichtigt wird, die Flüge nach dem Iran zu erhöhen, demnächst auf 40 in der Woche. Das wäre so um das Doppelte mehr. Ähnliches wollten die Jemeniten ja auch mal tun. Wir alle wissen inzwischen, was ihnen das eingebracht hat: saudische Bomben auf den Kopf. Leider halten sich die USA und ihre Verbündeten im Jemen auch nicht gerade zurück mit ihren Bomben, wahrscheinlich aber eher wegen der al Qaida und der IS etc. US-Militär im Oman anzutreffen, scheint nicht schwer zu sein – in Hotels, in Restaurants. Eben wurden 10 Jemeniten aus Guantanamo nach Jahren der Haft nach dem Oman ausgeflogen. Möchte nicht wissen, was passiert, wenn die hier locker sich vergnügenden Amis auf einen von denen treffen irgendwo in einer Straße.

Wie dem auch sei, mit Gastfreundschaft gegenüber den mehrheitlich schiitischen Iranern dürfte das politische Verhalten der omanischen Regierung wohl wenig zu tun haben. Eher damit, dass die Iraner im Oman recht viel Geld liegen lassen und man sowieso Handel miteinander treibt – vermutlich noch immer rege. Und die Übernahme der Jemeniten aus Guantanmo ist wohl als Art Good Will Geste gegenüber den USA zu verstehen und anderen Staaten, die sich weigern, solche, eventuell gefährlichen, Leute aufzunehmen. Bekanntlich haben nicht wenige europäische Staaten ein Problem damit.
Eine schiitische Moschee, die im Viertel Mattrah von Muscat genau da steht, wo noch eine Fassade von vielleicht 20 Metern Länge einstiger, schöner orientalischer Architektur des Oman übrig geblieben ist, scheint das Gesagte zu bestätigen – vor dem Hafen unweit des Fischmarktes. Von dort will ein deutscher Tourist, den wir trafen, Schnellboote in Richtung Iran los saussen gesehen haben, so schnell, dass er die nicht mal rechtzeitig auf einem Foto festhalten konnte.

Einig sind wir uns darin, verehrte Leser, und weil gerade die Rede von Gastfreundschaft war, dass die Typen, die die Gastfreundschaft der gemerkelten Deutschen vor dem Hauptbahnhof von Köln und andernorts missbrauch(t)en, eine klare Ansage brauchen. So klar, dass sie genötigt sind zukünftig, ihr wahres Gesicht besser gleich rechtzeitiger, nämlich an der Grenze meinetwegen zu Lesbos, aber spätestens zu Österreich zu zeigen. Vergewaltigung geht nämlich gar nicht. Und vergewaltigen, ist ja eh so eine Frage der Auffassung.
Vergewaltigt man tendenziell beispielsweise auch jemanden, der in einer Hotelanlage sich eingekauft hat als Tourist und für das Nötigste – im Falle eines Aufenthaltes in der Wüste ist das Nötigste wohl Wasser – teuer bezahlen soll müssen?

Nun, wir alle waren außerdem gewarnt. So um das Jahr 1976 hatten wir in Deutschland eine Zeit lang vorwiegend libanesische, aber auch syrische und vor allem palästinensische Flüchtlinge, die ins Land kamen. Meistens junge Männer, Alleinreisende. In Stadtteilen wie Neukölln und Schöneberg von Berlin können die Polizisten und Kriminalbeamten gewiss noch immer ein Liedchen über einige, längst nicht alle, arabischen Familienclans singen, die mit jener Welle ins Land kamen. Hinzu kommt, viele von ihnen haben gern auch noch eine kurdische Komponente aufzuweisen, oder wie man dazu eleganter sagte. Diese Komponente soll den Umgang und die sogenannte Integration nicht unbedingt erleichtern, was hier allerdings auch nicht besagen soll, dass Kurden besonders schwierige Menschen seien. Es ist hier eher indirekt der Verweis darauf formuliert, dass viele Fliehende die gerade in Deutschland angekommen sind oder noch ankommen, im wahrsten Sinne etwas wie Staatszugehörigkeit eigentlich nicht kennen, sich lieber in Clanzugehörigkeiten definieren. Der eine oder andere Pass, den sie bei sich tragen, wenn überhaupt, ist für viele, längst nicht alle, so etwas wie Zierwerk lediglich. Insofern verwunderte mich nicht zu lesen, dass in Köln einige dieser angeblichen Syrer, die von der Polizei aufgefordert worden sind, das Gelände zu verlassen, ihre Pässe verbrandt oder verrissen haben sollen vor den Augen der Staatsmacht. Oder das einer sogar an die 7 Identitäten angegeben haben soll.
Diese Dokumente sagen also vielen unter den Geflüchteten eher wenig. Vielen ist das Papierzeug eh etwas von außen ihnen seit Jahrhunderten Aufgedrängtes. Nicht wenige unter ihnen glauben inzwischen zu wissen, dass es ihnen wenig dienlich ist und sein wird, erfasst zu sein.
Kurz: Man lässt sich nicht gerne festlegen von einem System, welches einen eh, wie die Geschichte zeigt, letztlich im Stich lässt und reinlegt. Das denken viele derer, die nicht im verbarrikadierten Europa aufwuchsen. So ungefähr und noch ganz anders muss man sich das, was in einigen vielen Flüchtlingsköpfen vorgeht, vergegenwärtigen, wenn die in den angesprochenen Clanstrukturen Steckenden und im Rausch sich durch ein fremdes Land ‚Schlagenden‘ mit Flaschen nach Uniformen werfen, Mädchen begrabbschen, und viele dieser Jugendlichen der Ehre wegen in den Knast gehen.
Meine Fahrt in den Oman wird dabei helfen, eventuell das Eine oder Andere in diesem Zusammenhang zu klären?
Wir werden sehen.

Angekommen in Oman, ging alles eigentlich ganz passabel. Das Flugzeug von Qatar Airways hat sein Versprechen gehalten und war insoweit abgedichtet, dass ich beim Landeanflug nicht wieder Druckausgleichsprobleme im Ohr erhielt. Wir sind von Larnaka aus an den Arabischen Golf geflogen. Sogar die Sitze waren angenehm breiter und weiter bei der Qatar als sonst. Ohrenschmerzen hatten mich auf der Hinreise nach Larnaka mit Easyjet fast aus dem Flugzeug springen lassen. Fürchterlich. Die Tipps, die ich aus dem Internet zog, scheinen geholfen zu haben. Daher sitze ich jetzt ohne Kopfschmerz und ohne viertel- oder halbstündige Folter beim Landeanflug durchlebt zu haben in einem Hotel in Muscat. Der Name des Hotels : Golden Tulip.

Es sieht im Internet wesentlich besser aus, als es in Wirklichkeit ist. Der Herr Rezeptionist namens Khalil, der grimmig dreinschaut, als wäre er gerade in Russland aus der Lehre entlassen worden (Entschuldigung, doch meine Reiseendrücke aus Russland sind überwiegend so), ließ uns auch erstmal vor sich an der Rezeption stehen und warten. Wahrscheinlich, dachte ich, um uns klar zu machen, wer er ist und wer wir sind. Als er dann Lust hatte, sah er auf und ich konnte es mir nicht verkneifen, ihm zu sagen: „Ich dachte Sie sind beschäftigt! Lassen Sie sich nicht stören.“

Das ist der Vorteil am Nicht-alleine-Reisen. Der andere kann die Wogen dann glätten und einfach das ‚Gespräch‘ übernehmen. Der Kasten namens Tulpe, die wohl eher dahinwelkt als golden zu sein, ist also etwas heruntergerammelt. Für 2 Übernachtungen berappt man knapp 300 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Für diesen relativ stolzen Preis darf man das Hotel ruhig Kasten nennen und sagen, es sei heruntergerammelt.
Wie im Internet versprochen wird, gibt es am Ausgang des Flughafens von Muscat wirklich einen Schalter, wo so etwas wie „Taxi“ drauf steht. Der Typ, der in einem Art Kasten dort drin sitzt, der große Fenster hat und vielleicht aus Hartplastik hergestellt ist, sagte etwas gelangweilt: „Stellt euch raus und das Taxi wird kommen. Es kostet 6 Rial.“ Und da hatte er sich auch schon in etwas anderes, das vor ihm lag, vertieft.
Draußen, am Rande der Straße, wo die Taxis abfahren sollen, lief uns dann auch gleich ein Mann im arabischen Gewandt (Galabia) entgegen, der meinte, wir sollten mitkommen, er habe ein Taxi. Da war ich etwas misstrauisch geworden, weil wer garantiert mir, dass der Typ ein Taxifahrer ist? Der drin in dem Kasten hatte ja gesagt, das Auto würde unmittelbar dort, wo wir jetzt standen, vorbeikommen. Er hatte seine Nase noch immer in andere Angelegenheiten gesteckt, wie zu sehen war, anstatt sich um unser Wohlbefinden oder darum zu kümmern, dass Taxifahrer Geld verdienen – dass die vom Sultan verordnete Service-Leistung an den ausländischen Gästen einigermaßen zufriedenstellend erbracht wird.

Wir gingen nach kurzem zögern trotzdem mit diesem Menschen mit, nachdem vorsichtshalber geklärt wurde – wie im Internet geraten wird -, den Fahrer nach dem Preis, trotz der Auskunft des Menschen in jenem Kasten, zu fragen. Außerdem war kein anderes Taxi in Sicht. Und siehe da, der Mann sagte, er wolle 7 Rial haben. Ich zeigte ihm mit dem Fingern die 6 und sagte es dann auf Englisch: „six“. „O.K, six“, sagte er und schon waren wir auf dem Weg zu seinem Auto, wo auch wirklich das Zeichen für Taxi auf Arabisch draufstand.
Gewagt war es mit ihm zu gehen, da wir über die Straße mussten, und um eine Ecke zu biegen hatten, wo nur noch Autos unter einem Schutzdach standen, welches den Ort in etwas düsteres Licht tauchte und wo es einer Mauer wegen keinen Blickkontakt mehr mit der Straße oder gar dem Menschen, der die Taxis einteilen soll, gab. Und man weiß ja bekanntlich nie, was um die nächste Ecke lauert. Ein eigentlich geeignetes Plätzchen, mal eine schnelle Mark zu machen.

Wir fuhren gar nicht so lange und dann waren wir im Hotel.
Auf dem Stadtplan, den das Hotel im Internet zur Verfügung stellt zum Draufklicken, erscheint das Golden Tulip – auch von der Beschreibung her – sehr nahe an der Altstadt gelegen. Schon den nächsten Tag bewahrheitete sich, dass dem nicht so ist.

Das Zimmer war OK, aber halt irgendwie abgelebt. Ein Balkon in Richtung Norden gab es sogar, kahl und leer wie die eine große touristische Attraktion im Lande, die Wüste Rub al Hali, das Leere Viertel. Unter uns, links vom Balkon aus in Richtung Swimming-Pool, war das stetige Geräusch einer Anlage zu hören, die wohl das gesamte Haus mit kalter Luft versorgt – und uns eventuell mit dem Klang der dem des Windes in der Rub al Hali gleicht.
Wir schalten Klimaanlagen in den Hotelzimmern, die wir in südlichen Weltregionen bewohnen, egal wo wir reisen, meist gleich aus. Reicht doch, dass man im Restaurant und an der Rezeption sitzend frieren ‚darf‘.

Zwei Flaschen Wasser gibt es von der Direktion des Hotels täglich ins Zimmer gestellt, immerhin umsonst. Eine nette, aber inzwischen allgemein gebräuchliche Geste weltweit. In Deutschland stehen die Wasserflaschen meist aber nur am Ankunftstag frei verfügbar gut sichtbar in den Räumen. Das stimmt schon mal etwas versöhnlich, sollte dem Gast bis dorthin etwas Mühsal abverlangt worden sein. Allerdings schmeckte das Wasser in den Flaschen, die das Golden Tulip hinstellt, verdächtig nach Plastik. Zum Befeuchten des Gaumens mitten in der Nacht scheint es geeignet genug zu sein, befanden wir. Wahrscheinlich hat man die Flaschen in der prallen Sonne gelagert gehabt.
Mir ging sogleich der Beitrag im Fernsehen von vor ein paar Tagen durch den Kopf, wo die Belastung des Meeres durch Plastik thematisiert worden ist, die gewaltig sein muss. Es wurde schon fast geraten, keine Meerestiere, doch vor allem keine Muscheln mehr zu essen, da die alle kleinste Plastikteile in sich tragen, die bei ihrem Verzehr unweigerlich in unsere Körper gelangen.

Im Tulip kann anscheinend Tee oder Kaffee im Zimmer selbst zubereitet werden. Auch das ist ja eigentlich Standard. Ungewöhnlicher Weise gibt es keine Hausschuhe, die es sonst überall gibt in Hotels dieser Preisklasse – wie wir später im Hilton von Salalah feststellen durften, gibt es die dort auch nicht.
Das Klima in Muscat, oder sollte ich schreiben bei Muscat, ist angenehm, wenn die Klimaanlage ausgestellt ist.
Wir haben gerade 23 Uhr. Es ist der 08. Januar 2016.

Dass Oman in einer wirtschaftlichen Krise steckt, haben wir der englischsprachigen Oman Times schon zwei Wochen vor Abflug entnommen. Dass Betriebe, die im Oman ansässig geworden sind, noch vor Anfang des mitteleuropäischen Sommers in ihre Chefetage einen Omani gesteckt bekommen, wird die Investitionsfreudigkeit vieler Ausländer wahrscheinlich nicht befördern, und konnte der genannten omanischen Webseite auch entnommen werden.
Gestern war ein Bericht über Oman im deutschen Fernsehkanal Phoenix, eindeutig zwecks Werbung, also zwecks Geld verdienen. Was ich davon noch erinnere, ist, dass Omaninnen segeln lernen und an der nächsten Olympiade im Jahr 2020 teilnehmen wollen – „die Nachfolgerinnen von Sindbad“. In dem Beitrag sah alles Gezeigte irgendwie so bizarr vermischt aus: 1001 Nacht Atmosphäre plus der Anordnung des Sultans, die Straßen sauber zu halten, meinetwegen wie in der Schweiz.

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