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Posts Tagged ‘türkei. tgsm’

In Izmir… Bomben konnten irgendwo in der Stadt rechtzeitig aufgefunden und entschaerft werden vor ein paar Tagen. Dass die Lynchjustiz in Libyen auch in Izmir in die Freitagspredigten der Imame Einzug hielt, ist verstaendlich. Wer den Islam verunglimpft, darf sich nicht wundern, lautete mehrheitlich die Message. Einige Kommentatoren finden, dass endlich damit aufgehört gehört, derartige Vorfaelle stets im Namen des Islam zu machen oder dieselben zu verteidigen. Es solle mal endlich von persönlicher Verletztheit oder dergleichem gesprochen werden.
Güneri Cınaroğlu bringt die Angelegenheit, von der die Rede davor war, auf den Punkt in der Milliyet vom 13.09.12, und zwar auf seine Weise: `Den Vertreter eines Landes, welches mehr als nur andere Laender vergewaltigt, dessen Botschafter und seine Kollegen zu töten, ist für die muslimische Welt ein Unglück`.
Aslı Aydıntaşbaş schreibt in derselben Ausgabe der Milliyet dazu und im Bezug auf Syrien: `Das heisst, der Krieg wird sich herauszögern, Amerika wird zusehen, die Türkei wird gehörig unter Spannung gesetzt. Die Attacke in Libyen wird nicht nur die isolationistischen Aktionen der USA verdecken, sondern auch Obama in Schwierigkeiten bringen. Ja, die USA hat die Schnauze vom Weltpolizisten-Sein voll. Doch als schwach will sie nicht angesehen werden. Zuletzt wurde unter Carter 1979 in Afghanistan ein US-Botschafter ermordet. Die amerikanische Waehlerschaft fand Carter daraufhın zu schwach – und auch die Gefangennahme im Iran damals spielte eine Rolle dabei(, dass Carter nicht wiedergewaehlt wurde). Sehen wir mal, was die Zeit für Obama bereithaelt`.
Wir hier auf Zypernundmehr-News schlagen vor, anstatt Botschafter zu lynchen, einfach das Programm umzuschalten oder aus dem Film im Cinema gehen.

Erdoğan, Ministerpraesident der Türkei, fordert ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Terror. Erdoğan stammt ja aus Rize. Diese Stadt liegt am Schwarzen Meer unweit der Grenze zu Georgien. Dort wird viel Tee angebaut. Die Tee-Saison ist gerade vorüber, schreibt Uras Güngör in der Milliyet vom 13.09.12. Es sollen 220t trockener Tee jaehrlich in der Türkei produziert werden. Der Big Player in diesem Geschaeft heisst in der Türkei Çaykur. 1947 begann deren Reise im Teegeschaeft. Das Kilo ungetrockneter Tee kostet dieses Jahr 110 Kuruş – das dürfte knapp 50 Cent sein. Çaykur kauft jaehrlich 650t ungetrockneten Tee an. Bei Çaykur arbeiten 3.000 Personen staendig und 9.000 saisonal. Ein Arbeiter der letzteren Kategorie kann taeglich 50 – 60TL verdienen (ungef. 23 bis 27 Euro), schreibt Uras. Grüntee wird neuerdings auch hergestellt – und nicht nur Schwarztee. Ja sogar organischer Tee soll in riesigen Mengen demnaechst produziert werden. Man scheint endlich erkannt zu haben, dass sich `organisch` im Namen eines Produktes gut verkauft im Norden Europas – und so dann wohl auch schon bald in der Türkei flaechendeckender.
Apropos Verkauf: Türkische Verlage tun sich dieser Tage mit einem Erlass der türkischen Regierung schwer, der festlegt, dass religiöse Bücher beim Finanzamt günstiger besteuert werden (Koran, Hadith etc.). Anstatt 8% ist nur 1% zu veranschlagen. Klar, dass das als weiterer Schritt zur Islamisierung des Landes von gewissen Kreisen verstanden wird, die die Unparteilichkeit des Staates derart gefaehrdet sehen. Cemile Bayraktar schreibt in der Taraf vom 14.9.12, dass abgesehen von dem zuvor angeführten Einwand gegen diese Art der Besteuerung, für sie das alles irgendwie unverstaendlich bleibt, denn ihre Mutter haette Auslegungen zum Koran und andere Schriften bereits und sie selbst sogar einen Koran wie die meisten türkischen Haushalte. Da diese Art Bücher gewiss nicht weggeworfen würden, bestünde ihrer Meinung nach auch kein dringlicher Bedarf, sich neu einzudecken damit. Sie hofft, dass die Regierung daher demnaechst noch nachbessert und Bücher im Bereich Kultur im allgemeinen Sinne bei der veranlassten Einkommensteuersenkung mit einschliessen wird.
Die türkische Regierung haette noch so Manches zu regeln, anstatt zum Beispiel darüber zu streiten, ob die Explosion in Afyon vor ein paar Tagen ein Unfall oder ein Anschlag gewesen ist. Anscheinend ist eine oder mehrere Handgranaten made in Germany hochgegangen in einem fahrenden Zug gefüllt mit Soldaten (14 Tote).
Hasan Cemal fragt die Regierung wahrscheinlich auch daher am 13.09.12 in der Milliyet-Tageszeitung, ob nicht endlich gewisse Teile der Gesetzgebung geaendert werden müssten, die bei den (wieder mal) innenpolitischen Spannungen seinerzeit unter Demirel nach den Ereignissen vom 28. Februar 97 verabschiedet worden waren und in Sachen Staatsdienst (TSK iç hizmetler kanunu 37) Folgendes aufführen u.a.: `Jeder Soldat der Streitkraefte schwört… : Im Frieden, im Krieg, auf dem Land, dem Meer und in der Luft, überall, bring ich meiner Nation und Republik Aufrichtigkeit und Liebe entgegen, unterwerfe mich dem Dienst, Gesetzen, Ordnungen und Anordnungen; und ehre die türkische Flagge, wissend, dass meine süsse Seele bei Bedarf dem Land, der Republik und dem Dienst mit Hingabe geopfert wird, dass schwöre ich bei meiner Ehre`.
Hasan Cemal schreibt zur TSK Iç Hizmetler Yönetmeliği 85 (Staatsdienstverordnung 85), dass ein Soldat egal, ob er im Lande oder ausserhalb seinen Dienst versehen hat, niemals jemand sagen darf, wie, wo, was und wann er diesen Dienst getan hat. Der Autor fragt: `Warum werden also manche Gesetze – verabschiedet am 28. Februar 97 – noch immer nicht angerührt`?
Und warum gibt es im so genannten Westen Massenmörder und in der Türkei nicht, fragt Murat Kapkiner in der Taraf vom 14.09.12. Als Antwort kommt der Autor zu interessanten Überlegungen. Er versteigt sich darin, dieses Phaenomen als Indikator für Fortschritt im positiven Sinne sozusagen zu verstehen. Er sei ın Deutschland u.a. gewesen. Dort würden Entscheide angedacht, wohingegen in der Türkei zu oft, eigentlich immer, nach der jeweiligen Gefühlslage gehandelt werde, danach, wem mach ich es jetzt wie gerade recht oder wie komm ich hier am besten mit welcher Nummer wieder raus? In Deutschland gaebe es hingegen so etwas wie eine Grundhaltung bei den Menschen: Soweit mit mir und nicht weiter! Der Autor führt zum Beweis das Fahrverhalten an. So würden Deutsche bei Rot halten, auch wenn weit und breit kein Gegenverkehr zu sehen waere. Warum wohl, fragt er. Beim grossen Erdbeben in Marmara haette die Türkei zig-tausende von Liras gespendet und Gegenstaende verschickt. Doch einen Monat spaeter kaempften die Erdbebenopfer ums Überleben. `Im Westen (also Europa), wie haette so etwas passieren können? Niemand waere mit eigenem Laster losgefahren, um zu helfen, weil der Staat das, was zu tun ist, gemacht haette. Wenn von einigen Menschen eine derart empatische Hilfsaktion gestartet worden waere, wuerden sie zuerst die Depots für (die Sachen gegen das) kalte Wetter aufgehoben haben und dann nach Bedarf verteilt haben… . Wir haben erbarmen (einerseits sind wir aber so erbarmungslos). Clever sind wir nicht, wie Sie unschwer sehen können… In Deutschland hat ein Typ seine Frau mit einem Anderen erwischt und beide grauenvoll umgebracht. Das deutsche Gericht befand, der Taeter sei krank. Waere der Prozess in der Türkei gelaufen, waere dem Taeter seine Gesundheit attestiert worden`(und er haette auf einen Feispruch hoffen können, wird hier noch hinuzgefügt, waere `lediglich`die Frau getötet worden).
Im Artikel verfasst von Adnan Keskin in der Taraf vom 14.09.12 geht es erneut um Gesetze und Regeln. Und erneut soll aufgezeigt werden, wie die Staatsmaschine der Türkei im Inneren laeuft (viel zu oberflaechlich gehalten, wissen wir, aber dennoch). Einen Tick haerter, wenn so geschrieben werden darf, darf man sich die Lebenssituation und Gesetzgebung in Staaten wie dem Libanon, Syrien, Jemen, Aeghypten etc. İm Vergleich vorstellen. Es mag dazu beitragen, zu verstehen, weshalb das schleichende Eindringen islamischer, nicht laizistischer Elemente in der Polititk, Jurisprudenz und das taegliche Leben der Türkei als Rückschritt verstanden werden muss, nicht als Fortschritt. Dies, da scheinbar stets die Elemente herausgegriffen werden, die einer fortschrittlichen Interpretation des Korans und des Lebens des Propheten widersprechen oder das Wasser abgraben )naturverbundener, humaner). Leider scheinen die Damen und Herren an der Macht aber den Traum vom Osmanıschen Reich noch immer zu traeumen in Ankara, wie vor ein paar Tagen beim Besuch Erdoğans in Aserbaidschan wieder mal vernommen werden konnte – da ist selbstverstaendlich auch eine gehörige Portion Türkismus noch drin (Chingis Khan & Co).
Also: `Das Verfassungsgericht hat beschlossen, dass der `einfache Bürger` vergleichsweise eine 4-fach höhere Strafe zu erhalten hat, wenn er Staatsangestellte beleidigt`. Eine untergeordnete Instanz in der Hierarchie der Gerichte der Türkei (Dinar Sulh Mahkemesi) hat dieses Gesetz als `unverhaeltnismaessig`angefochten und seinen Einspruch aber verloren.
Und welche Beleidigungen, fragen Sie sich nun gewiss, sind vor dem türkischen Gesetz strafbar? Nun: `Das konkrete Verhalten einer Person, welches die Würde, Ehre und Respekt gefaehrden könnte oder als Tatbestand bewiesen werden kann oder nicht angebracht erscheint; oder Beschimpfungen, die die Würde, Ehre und Respekt angreifen. Eine derartige Person kriegt 3 Monate bis zu 2 Jahren Haft oder eine gerechte Geldstrafe`. Sie verstehen hier nun gewiss, dass es offenbar angebracht zu sein scheint, Staatsangestellten im Dienst und in der Türkei besser aus dem Weg zu gehen – weil, man weiss ja nie, ob gut oder schlecht geschlafen wurde oder oder!
Die Aenderung, die also vorgenommen wurde vom Verfassungsgericht (siehe oben) ist, dass die zuvor bezeichneten 3 Monate gestrichen wurden für den `einfachen Bürger`. Jetzt ist im Gesetz die Rede von minimal einem Jahr. In einem Fall naemlich sagte ein Bürger zu einem Verkehrspolizisten: `Machen Sie keine Unverschaemtheiten`! Wahrscheinlich braet der Bürger deswegen gerade im Knast, weil das Dinar Sulh Gericht, welches diesen Fall ans Verfassungsgericht weitergab (siehe oben), mit seinem Einspruch nicht durchkam.
Hier passt zuguterletzt, was Hadı Uluengin in derselben Ausgabe der Taraf schreibt, was auch so oder etwas anders in anderen Zeitungen der Türkei als Thema geführt wird in diesen Tagen: `Die Türken sollen die Nation (auf der Welt) sein (nach einer Studie des deutschen Marshall Fonds), die die USA nicht mag. Es ist lediglich ein Drittel, welches Onkel Sam positiv sieht. Doch wenn gefragt wird, an wen sie sich zuerst wenden, wenn etwas passiert, wird erneut die USA erwaehnt. Das ist noch nicht alles. Die Türken mögen von allen befragten Nationen auh die Nato am wenigsten. Es soll viele Türken geben, die ohnehin antworteten, es gilt sich nach Osten zu wenden. Jedoch seltsam ist, was den EU-Beitritt angeht; bei dem finden die meisten, dass diese Angelegenheit einen positiven Verlauf nimmt und hat (also zustandekommen wird).

Die Vorsitzende der türkischen Frauenorganisation (kadınlar derneği) Zekiye Çomaklı befand auf einer Konferenz für Unternehmerinnen neulich in Erzurum: `Frauen müssen nicht auf jedem Posten zu finden sein` (Taraf, Seite 5, Recan Uyour)!
Ansonsten war noch zu lesen in der Presse dieser Tage, dass die Bildungsrate von Frauen in der Türkei ebenfalls die schlechteste in Europa sei. Der Analphabetismus liegt wieder bei über 50%. Ausserdem werden immer mehr Teeanger im Alter unter 15 Jahren Mütter – insbesondere im Südosten der Republik! Eine von mehreren Rentnern über Wochen vergewaltigte 14-Jaehrige sol l ihr Kind, welches sie erwartet, abtreiben dürfen oder müssen. Letzteres kann hier nicht klar festgelegt werden, da die Behörden und die öffentliche Meinung darüber noch im Streit liegen – keine Ahnung, ob der Wunsch der werdenden Mutter überhaupt berücksichtigt wird. Die Rentner (der Aelteste ist 74) sitzen vorerst noch hinter Gittern.

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