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Posts Tagged ‘Türken’

Blutrote Oliven

Hätte dieser Berater Erdogans zum österreichischen Bundeskanler, vielleicht war es auch an den österreichischen Bundespräsidenten gerichtet, lediglich “verpiss Dich” in seiner Twitter-Message geschrieben, Gott, damit hätte doch eigentlich gelebt werden können. Wenn so eine Person, die so nahe zu Erdogan steht, allerdings nach dem verpiss Dich “Ungläubiger” anhängt, gilt es doch wohl eindeutiger der Meinung zu sein, dass damit ein weiteres Signal dafür gesetzt wurde, welcher Geist in Ankara offenbar herrscht: ein islamistischer. Zwar wird das Wort Kafir (Ungläubiger) in der Türkei häufiger benutzt in diesen Tagen der Herrschaft des Receb Tayyip Erdogan, doch einem Berater des Präsidenten darf so eine Stilblüte doch wohl nur ‘gelingen’, wenn die damit ausgedrückte Sicht auf Zuspruch von OBEN stößt. Bislang ist jedenfalls noch keine Nachricht darüber eingetroffen, dass dieser Mensch aus dem Beraterstab Erdogans entfernt worden ist.

Dass der deutsche Außenminister Steinmeier sich bequemt, möglichst auf Wegducken zu machen bei derartigen Vorkommnissen und von “Kooperation” anstatt spricht, die gegenüber der Türkei zur Anwendung kommen müsse, lässt nicht wenige konstatieren, dass diese Politiken des Herrn Außenministers inzwischen verfehlt sind. Sie sind verfehlt, da Erdogan und seine Crew mehr als eindeutige Zeichen weiterhin und sogar vermehrt ausgeben, das bisschen Demokratie, welches in der Türkei herrschte, endgültig für vorerst ad acta gelegt ist. Die Positionen der österreichischen Administration, im Gegensatz zur deutschen, im Umgang mit der Türkei sollten Herrn Steinmeier in deren Richtung schnellst einlenken lassen: denn Ankara pokert viel zu hoch.

Gewiss sind die Türken nicht die einzigen, die dieser Mode verfallen sind, hoch zu pokern. Solidarität ist dabei ein Wort aus der Vergangenheit geworden. Es herrscht untrügerisch Sultansein vor. Zu viele wollen der/die Größte in ihrem Resort sein und genau das der Welt zeigen. Damit hat man sich vorerst abzufinden?

Nein!

Die EU muss nach dem, was bislang in der Türkei-EU-Beziehung gelaufen ist, nun damit auch konsequent weiter machen. Man hätte die Türkei besser schon längst integriert. OK, das hat nicht geklappt, das sollte wohl nicht sein, also jetzt so erst mal weiter machen. Warum mit solch einer Blockadepolitik der EU weitermachen? Weil inzwischen sind türkische (kurdische/armenische/lazische/etc.) Mitbürger innerhalb der EU – nicht alle, aber eventuell bereits zu viele – dabei, ihren Erdogan Pro oder Contra-Konflikt mit Gewalt und Ausgrenzung der einen oder anderen Fraktion – plus sogenannten Einheimischen – auf die Spitze zu treiben. Wer hier weiter zusieht – a la Steinmeier – verkennt diese Lage. Und Herr de Maiziere, der deutsche Innenminister, hat den Braten zwar erkannt, doch leider fängt er bei den Asylantragstellern an. Doch es sind halt leider auch die türkischen/arabischen etc. Mitbürger an die Kandare zu nehmen, und zwar diejenigen, die nachweislich von ihren wenig bis gar nicht demokratischen Vorstellungen des Miteinanders sich nicht verabschiedet haben, verabschieden wollen oder glauben, es nicht zu können oder gar zu müssen. Dass manch Mitbürger mit sogenannt deutschen Wurzeln durchaus auch eine Problemfall ist, ist uns allen längst mehr als nur ersichtlich. Doch da es hier gerade ums Zusammenleben in Europa und somit auch in Deutschland geht, würde ein Anfang gesetzt beim verständlicher und nachvollziehbarer Politikbetreiben, wenn doch endlich mal mit den Dazugezogenen, sozusagen vor allem, begonnen würde, also jenen, die noch gar keinen europäischen Pass haben. Das würde gewiss so manchen Nazi zähmen, auf den Boden des Grundgesetzes (siehe BRD) bzw. Verfassung zurückzukehren.

Es geht jedenfalls nicht an, dass die zueben angeführte Reihenfolge umgekehrt gedacht wird: also zuerst die zu politisch rechten Europäer und dann die zu islamistischen, zu kriminellen etc. Zugezogenen ‘austrocknen’. Diesen Versuch hat man die letzten 20 oder 30 Jahre durchaus gewagt und auch teils durchgeführt, mit dem Ergebnis, welches wir heutzutage in ganz Europa haben: keine für die meisten betroffenen Bürger der EU klaren Positionen und Richtlinien von Seiten der Regierenden, die die Mehrheitsbevölkerung von ihrer, sagen wir, effektiven Existenz überzeugen könnten . Aber diese Überzeugung braucht es.

Die Lage ist unter anderen, dass zu viele türkische Mitbürger sich für einen eher extremen Kurs entschieden haben. Und auch daher ist die leidige Diskussion um Doppelstaatsbürgerschaft in Deutschland von großer Bedeutung und sehr wohl ein Zeichen, das gesetzt gehört. Diese doppelte Staatsbürgerschaft sollte fürs Erste ausgesetzt werden, und zwar für Nicht-EU-Bürger. Das heißt, wer sie hat, ok, der oder die hat Glück gehabt und hat sie, aber keine weiteren Bewilligungen! Diese Maßnahme erscheint angebracht, damit wirklich jeder merkt, dass er oder sie sich zu entscheiden haben. Keine Rosinenpickerei auf den Schultern der Gemeinschaft mehr in dieser Hinsicht! Ein klares Bekenntnis zu den jeweiligen Verfassungen und dass man mit Andersgläubigen und Anderslebenden, als man es selbst für richtig hält, sehr wohl zusammen leben will, kann und mag. Offensichtlich hat die doppelte Staatsbürgerschaft bei vielen diese Rosinenpickerei-Mentalität verstärkt. Man denke – nur so zum Beispiel – an den Vorfall, wo Erdogananhänger und andere türkischen etc. Nationalisten oder Faschisten mitten in Wien gleich nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei ein Lokal von Kurden niedermachen. Wo sind wir eigentlich?

Und dann die leidige Diskussion um das Burkaverbot. Ja, was denn sonst? Wir leben nicht in Afghanistan, sondern in Europa. In der BRD gibt es ein Vermummungsverbot. Reicht das nicht zur Erklärung? Wir dürfen gespannt sein, wie die Schweizer, die dieser Frage derzeit gerade etwas intensiver nachgehen als die BRD, sich entscheiden werden. Schließlich geht es um Petrol-Dollars, wird geschrieben, die arabische Touristen im Alpenland anscheinend zuhauf zurücklassen. Wegen diesen Touristen und ihrem Geld soll ja auch im Kempinski zu Berlin auf dem internationalen Telefon-Vorwahlregister des Hotels die Vorwahl für Israel nicht aufgeführt gewesen sein. Man habe Angst gehabt, die betuchte arabische Kundschaft zu vergraulen, soll ein Angestellter des Hotels gesagt haben. Hallo! So leben wir?

Die Bundesregierung und mit ihr im Verbund die EU lässt Erdogan nicht nur die Wiedervereinigungs-Verhandlungen in Zypern gegen die Wand fahren, wo doch jeder weiß, wie nützlich für die EU ein wiedervereinigtes Zypern zukünftig sein wird – die griechischzyprische Regierung hilft leider kräftig beim Verhindern mit -, nein, des kurzsichtigen Profits wegen werden auch sogenannte Minderheiten anscheinend europaweit immer wieder benachteiligt innerhalb Europas und der Wahnsinn nimmt anscheinend kein Ende, wie die zyprische Außenpolitk beispielsweise ein Mal mehr belegt. In Ägypten will man Präsident Sisi nun dabei helfen, seinen Traum zu verwirklichen: Olivenhaine im Sinai. Bekanntlich lässt Sisi unter dem Vorwand IS-Kämpfer zu jagen, die es dort durchaus auch gibt und die man vielleicht auch mit großgezogen hat durch schlechte Politiken, die Anbauflächen für sein geliebtes Projekt – Olivenhaine – freiräumen. Man weiß in Nikosia, man weiß es in Berlin und in Brüssel, dass Sisi so ungefähr etwas wie einen Genozid im Sinai durchführt. Und die Leute in Europas Schaltstellen der Macht wundern sich (angeblich), wenn einige solch Entwurzelten dann um sich ballern. Amoklauf und Terrorismus gehen gern Hand in Hand! Leider! Man muss die Ursachen dafür mit Taten bekämpfen, und nicht damit, dass man deren Verursacher politisch etc. stärkt.

In Montenegro kann man Romas und Sintis noch immer an der Straße betteln sehen. Viele von ihnen leben dort noch immer am Rande von Städten und zwar in Bruchbuden, in Behausungen, wo manch Bauer im Norden Europas sein Vieh womöglich nicht unterstellen würde. Was tun denn all diese europäischen Hilfsorganisationen seit Jahren, die die Romas und Sintis auf dem Balkan unterstützen, wenn ihre Situation noch immer so erbärmlich ist wie hier in Montenegro? Wo geht das Geld dafür eigentlich wirklich hin und wessen Politiken und Interessen werden eigentlich wirklich vertreten bei den und durch die Hilfsorganisationen?

Montenegro ist ein recht schönes Land. Überall gibt es Wifi in den Cafes und wohl auch daher keine gedruckte Presse auf Deutsch, Englisch, Französisch, ja, noch nicht mal auf Griechisch zu lesen oder zu kaufen an Kiosken. Die Hafenstadt Budva ist laut, und die stets engen Straßen sind auch außerhalb dieser Stadt – oder einer anderen – mit aller Regelmäßigkeit verstopft. Es ist schon fast ein Albtraum, auch, wie die Menschen – Touristen inbegriffen – sich eng auf eng an dem Strand von Budva aneinanderlegen sollen/dürfen/müssen. Und weil das ‘traute Zusammensein’ anscheinend nicht genügt, kommt dann noch Beschallung von einem Strand-DJ dazu: montenegrinische Hits, vermute ich. Abends dann zurück in der Höhe über der Stadt mit schönem Ausblick auf die pulsierende Stadt und das weite Meer dahinter passierts stets so um 21 Uhr. Von rechts gehen Strahler an, die 5-6 Lichtkegel in die wunderschöne Nacht ver-strahlen lassen, versteht sich Musik ist zu hören. Das alleridings nicht all zu laut. Es ist zum Glück recht hoch gelegen, wo wir da untergebracht sind. Zur Antwort auf diesen Spektakel, vermute ich, kommt dann ‘endlich’ so um 21.30 Uhr die lang erwartete Antwort von genau gerade vor einem von unten aus der Altstadt: zwei Lichtkegel, die die anderen, welch Sensation, zuweilen kreuzen und den ansonsten schönen Nachthimmel wirklich in Gänze einnehmen.

Wenn man ja mindestens ein Navi in einem Geschäft kaufen könnte (unseres gab den Geist auf), würde ich den Drang zur Technik, oder wie das zuvor beschriebene Lichtspektakel genannt werden darf, vielleicht noch gustieren können, so, wie man halt einen viel zu großen Klumpen Fleisch, den man in den Rachen bekommt, gustiert. Eigentlich fing das Ding mit dem Klumpen im Hals schon mit der Grenzkontrolle bei der Ankunft an. Eine ewig lange Schlange von Autos, die sich bis zur Grenze im Schneckentempo dahinwälzt, weil … . Konnte sich mir wirklich auch nicht erschließen. Kaffeepause? Schichtwechsel?

Kann schon vorkommen so in der Schlange stehend, wie passiert, dass ein Auto einen links überholt, weil man es wohl eilig hat oder vielleicht ein Verwandter oder Freund an der Grenze Dienst schiebt oder weil man halt glaubt, es sich leisten zu können oder oder. Zum Glück hatte das Verhalten kein Nachmach-Effekt erzeugt. Glück gehabt.

Montenegro ist einfach nicht gerüstet für den Massentourismus, den es sich offensichtlich aussuchte oder aussuchen ließ. Die Straße durch den Nationalpark bei Cetinje nach Kotor beispielsweise wird in der Karte vom ADAC als gut befahrbar angegeben, doch es ist ein Schrecken mit Ende: viel zu enge Straßen an viel zu steilen, ungesicherten Hängen.

Morgen gehts ENDLICH weiter nach Sarajevo. 6 Tage Montenegro sollen genügen. Uns wurde von einem Bekannten, der dort lebt, in Aussicht gestellt, dass es in Sarajevo (Bosnien-Herzogowina) ja wieder so friedlich unter den verschiedenen Völkern der Stadt zugehen soll. Dass alle wieder miteinander gut können. Das mag angesehen werden, auch, weil die Stadt an sich anscheinend sehenswert sein soll.

Cetinje, eine Stadt in Montenegro, muss unbedingt noch erwähnt werden, hat ein Kunstmuseum, welches wirklich, ganz wirklich sehr sehenswert ist. Die montenegrinischen Künstler, deren Werke dort aushängen, haben die meisten uns bekannten Kunstepochen und -stile mit Brillianz mit-, nach- oder vielleicht auch vorgemacht. Wirklich sehenswert! Ein Schatz!

Ansonsten: Das Meereswasser bei Budva und andernorts im Land ist sauber.

Leider soll das Meereswasser in Zypern bei Zygi nun endgültig, vorerst, zappenduster sein. Das wurde hier auf Zypernundmehr-News ja nicht nur dieses Jahr bereits berichtet, und dass es demnächst so weit kommen könnte mit dem Wasser im Meer. Jetzt scheint es, nach Berichten aus der zyprischen Presse, so weit zu sein, dass ein Schaden im Tourismus etc. eventuell ansteht deswegen. Ein Skandal, wie all das, was eingangs geschrieben wurde.

Der Außenminister Österreichs hat Recht: die EU braucht dringend einheitliche Regelungen, und zwar, füge ich hinzu, nicht nur im Asylrecht, sondern vor allem auch in der Wirtschaft, der Umwelt und der Politik. Leider besteht wenig Aussicht, dass es dazu kommen wird, da solche Leute, wie beispielsweise Außenminister Steinmeier, oder noch schlimmer, der Stellvertretende Bundeskanzler Gabriel, so etwas gewiss zu erschweren wissen. Die Grünen und die Truppe von der CDU stehen da leider in NICHTS nach.

Erdogan hat leichtes Spiel, Putin auch, und demnächst womöglich jemand wie Trump dann sowieso.

God bless die Ungläubigen der EU!

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Stellen Sie sich mal folgendes Szenario vor: In Ankara träumen einige seit Langem von einer größeren Türkei – und alle gehen hin, also das heisst, schauen dabei begeistert zu. Oder stellen Sie sich vor: In Ankara träumen einige von einer befriedeten und prosperierenden Türkei und davon, dass dieselbe im Südosten und Osten des Landes von einer kurdischen Zwischenstaatslösung umgeben wird – also etwas, das mehr ist als eine autonome kurdische Region. Geträumt werden könnte auch noch von der türkischen Regierung und Teilen der Kurden von einer gemeinsamen Lösung der Kurdenfrage, und zwar, wenn schon, denn schon umfassend, nämlich im syrisch, irakisch, türkisch und iranischen Kurdengebiet.
Für die Türkei läge in diesem letzteren, durchaus riskanten Schachzug die Aussicht, auf wirkliche Größe ihrerseits in der Region und vor allem viel Geld und Einfluss zu stoßen, was den Traum lohnend machte.

Voraussichtlich würden die kurdischen Anrainer der Türkei – wie gehabt – sich beim Verteilen der neu erhaltenen Macht und Pfründe in ihrem Gebiet, nachdem die neue Ordnung erschaffen worden wäre, wohl wieder zur Genüge in den brüderlichen Haaren liegen – ganz abgesehen von Iran, Irak und Syrien, die so eine kurdische Zwischenstaatslösung wenig lustig finden dürften – sodass die Türkei gewiss wie gerufen daher kommen könnte, um zu schlichten und zu beraten. Das wäre voraussichtlich alle Male besser und erträglicher für die meisten Beteiligten, als dass in Zukunft anstatt noch immer die USA intervenierten und gegensteuerten, die ihren Kredit in der Region auf unabsehbare Zeit nahezu verspielt haben dürfte – vor allem gegenüber dem Iran, Irak, grösssten Teilen der libanesischen Bevölkerung und der Syriens. Und da Ankara schon immer so in etwa auch einer der verlängerten Arme Washingtons mal hier, mal da war und ist, müsste sich da doch was machen lassen.

Schließlich hat die USA nun wirklich andere Sorgen derzeit, als auf den Nahen und Mittleren Osten andauernd aufzupassen: Nordkorea, die mexikanische Grenze und der zunehmende Fremdenhass im Lande, Venezuela und Kuba; und nicht zu vergessen ein taumelndes Europa. Wie sich naemlich herausstellte, schafft Israel es nicht alleine, in seinem unmittelbaren Umfeld klug genug Politik zu betreiben, und zwar so, dass Grundrechte Anderer nicht mit Füssen getreten werden, zu oft und vor den Augen der Welt .

Und war da nicht vor Jahren mal die Rede von einer Lösungsstrategie namens Gladio (http://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Gladio#Turkey)? Wer Lust hat, sich bei dem Thema Türkei und zukünftige Perspektive derselben oder aehnlich mal so richtig feste durchs Netz zu klicken und zu lesen, wird wohl noch auf den Namen Greater Middle East Project (http://en.wikipedia.org/wiki/Greater_Middle_East) stoßen u.a.

Just zu diesem Zeitpunkt, also April/Mai 2013, steht in der etwas islamistisch angehauchten Zaman-Tageszeitung der Türkei auf Seite 21 am 27.04.2013, dass ausgerechnet die österreichische Botschaft in Ankara, genauer, der Botschafter Klaus Wölfer, von sich gegeben habe, dass sich der Blick der Österreicher auf die Türkei zum Besseren gewendet habe. Bekanntlich waren die Österreicher bislang mehrheitlich gegen einen vollständigen Beitritt der Türkei in die EU. Huch, was ist denn nu passiert? Da scheint jemand nun doch noch kalte Füße zu kriegen.

Wie in derselben Ausgabe der Zaman mit etwas stolz und auf einer anderen Seite der Zeitung verkündet wird, hat die Türkei es offenbar geschafft, eine vielversprechende Verbindung hin zu den Shanghai V zu legen. Dieselben setzen sich zusammen aus Russland, China, Kasachstan, Tatschikistan und Kirgisien. Wie dem rohstoffhungrigen Blick sofort auffallen dürfte, sind die drei letzteren Laender jede Mühe wert diesbezüglich. Selbstverständlich hofft Ankara, schon bald ein Vollmitglied zu werden. Tayyip Erdogan hatte – wie auf Zypernundmehr bereits berichtet wurde – damals nicht geblöfft, als er meinte, die EU sei nicht mehr so wichtig für die Türkei, es gäbe da ja noch andere Optionen. Weitere Anwärter auf Aufnahme in die Shanghai V sind der Iran, Mongolien, Pakistan und Indien.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen macht es der einen oder dem anderen Leser dieser Zeilen vielleicht inzwischen etwas mehr Sinn, dass Erdogan das Risiko eingeht, wegen der Kurden sich in die Nesseln zu setzen innen- und außenpolitisch – denn voraussichtlich kann womöglich nur eine große, prosperierende und einigermaßen rohstoffreiche Türkei die EU, doch vor allem die Shanghai V überzeugender denn je davon überzeugen, dass es ohne Ankara unmöglich weitergeht in Asien, Europa, ja, der Welt.

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Das Eine sind Pläne. Das Andere ist der Kleinkrieg der Behörden, und der im Alltag. Zum Beispiel sollen in der Türkei bis zu 400.000 syrische Flüchtlinge unterwegs sein. Die Hälfte in etwa soll in Camps untergebracht sein – die anderen schlagen sich im wahrsten Sinne des Wortes durch. Sezin Öney schreibt in der Taraf vom 27.04.13, dass für die Syrer bislang 1,5 Milliarden Dollar ausgegeben wurden. Das haben wir mal im Kopf überschlagen. Wir setzten den Zeitraum von einem Jahr an und die 200.000, die im Land als Registrierte sein sollen und kamen auf rund 21$, die demnach täglich für einen ‚Flüchtling‘ ausgegeben wurden vom türkischen Staat und Organisationen der Zivilgesellschaft. Der Betrag scheint recht hoch zu sein, oder?

Sezin Öney schildert, dass die Lage der Flüchtigen aus Syrien insofern prekär sei, da sie aufgrund der Regelung der UN gar keine Flüchtlinge seien, also als solche nicht zubuche schlagen. Dieser Terminus habe sich einst auf Nordeuropäer lediglich bezogen, die nach dem II.Weltkrieg ein Problem hatten. Daher gäbe es in der Türkei eigentlich nur „40“ Flüchtlinge. Offenbar scheinen derzeit 40 Europäer in der Türkei Zuflucht gesucht und gefunden  zu haben.

Die syrischen Kriegsvertriebenen gucken also in die Röhre rechtlich. In ihren Camps, die niemand von der Presse oder von Hilfsorganisationen betreten darf in der Türkei, schreibt Öney, herrschen scheinbar die von den dort Wohnenden installierten Rechte und Gerichtsbarkeit. Das, nach Öney, sei der wahre Skandal und auch, dass niemand dorthin Zutritt erhalte, und dass alles hermetisch abgeriegelt von der Öffentlichkeit passiert. Es gilt offenbar zu befürchten, dass insbesondere die vielen Kinder in den Camps indoktriniert werden, und zwar für eine eher islamistische Weltanschauung.

Das würde der jetzigen Regierung der Türkei, der AKP, gewiss nicht missfallen, denken hier gewiss einige unter Ihnen. Öney findet es indes bedenktlich, dass bei dieser Konstellation der Lebensverhältnisse in den Camps einer Rechtsprechung Tür und Tor offensteht, die auf Willkür beruht – und das „im Herzen der Türkei“, schreibt Öney.

Letztlich noch eine ‚wirklich‘ gute Nachricht: Das Finanzamt der Türkei beschloss, dass all diejenigen Türken, die Kapital im Ausland gebunkert haben, dasselbe bis zum 22.April hätten deklarieren müssen, um dasselbe dann mit einer Steuer von lediglich 2% belegt zu bekommen in der Türkei, andernfalls 20%. Aus ‚Versehen‘ hat der zuständige Minister, Babacan, bereits eine Woche vor dem gesetzten Termin öffentlich darüber laut nachgedacht, sodass all diejenigen, die in Zypern und andernorts ihr Geld eh abziehen wollten, dieses nun zu günstigen Konditionen tun konnten, um es als brave Steuerzahler in der Heimat unterzubringen. Es seien innerhalb einer Woche mal schlappe 7 Milliarden Dollar eingetrudelt, wird in der Taraf berichtet.

Erfreulich für die Türkei ist ebenfalls, dass das Kapitel IWF für das Land vorerst und für vielleicht Länger abgeschlossen ist. Die letzte Tranche ist überwiesen worden von ihr. Am 14. Mai ist also Schluss damit.

Bleibt zu hoffen, dass die Initiative mit den Kurden nicht nach hinten losgeht. Immer mehr Details vom Forderungskatalog fallen uns in die Augen, die eigentlich nebensächlich erscheinen. Doch wer die Sentimente in der Türkei zu kennen glaubt, weiß, welches Unruhepotential Forderungen wie die der Kurden hat, dass in der neu zu verfassenden Verfassung angefügt gehöre, dass sehr wohl auch Kurden beim Befreiungskrieg seinerzeit, geführt von Atatürk, eingetreten und gefallen sind. Und wenn die ganze Sache kurdisch-türkischer Annäherung der besonderen Art, die sogar als historischer Moment in die Geschichte eingehen wird, endlich in Tritt geraten ist, finden einige Kurden, sollte als Erstes das sogenannte Terrorgesetz gestrichen werden und die vielen Menschen, die deswegen noch immer in Haft sitzen, weil sie direkt oder indirekt damit konfliktierten, entlassen werden – es wurden in letzter Zeit bereits über 200 Personen entlassen in diesem Zusammenhang (KCK).

Bizarr klingt indes, wenn davon gesprochen wird, dass zu veranlassen sei, dass der Regierung im Nordirak beizubringen ist, dass die PKK-Kämpfer bitte sehr keinen Aufenthaltsstatus oder gar nur ein Visa für den Nordirak erhalten wollen, sondern eine verfasste Garantie und Recht, die besagen, dass sie auf keinen Fall wieder vertrieben werden können von dort, und zwar, wenn es irgendjemand opportun zu sein scheint in der Zukunft.

Wer wohin geschickt wird von den PKK-Kämpfern, ist offenbar schon festgelegt. Zum Beispiel kommen die Kämpfer der PKK zuerst mal nach Zaho und Sinaht im Nordirak. Von dort werden sie dann nach Metina, Zap,Coloe etc verteilt – wenn es denn je so weit kommt.

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In der westtürkischen Stadt Gebze wurde zum Entsetzen aller ein Bild von Atatürk auf einer ganzen Häuserwand falsch herum aufgehängt, so dass sein Kopf nach unten zeigt – scheint uns ein Zeichen dafür zu sein, dass es mit der Türkei wohl wirklich nach oben geht in jeder Hinsicht. Jeder Astronaut kann von dieser Adrenalinausstoß fördernden Sitzposition gewiss ein Liedchen singen.

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