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Posts Tagged ‘walter schroeder’

Es ist eine Tatsache, dass sich in den letzten Jahren das Zyprische Symphonie Orchester gewaltig gesteigert hat und eine disziplinierte Einheit entstanden ist. Vor allem ist das dem deutschen Violinisten Wolfgang Schroeder, der seit 2005 als Konzertmeister fungiert, zuzuschreiben. Er richtet das Orchester sozusagen nach ‚international‘ zielstrebig aus. Aufführungen finden nicht nur in der Hauptstadt Nikosia statt, was früher üblich war, sondern auch in den wichtigsten Städten der Insel (Südteil).
So auch in der Hafenstadt Larnaka, wo vergangene Woche ein Beethoven-Abend besonderer Güte vor zahlreich erschienenem Publikum gegeben wurde, und zwar mit dem renommierten griechischen Dirigenten Alkis Baltas.

So quasi zum Einstieg wurden acht kurze Stücke des sehr jungen Beethoven mit dem drolligen Titel „Musik zu einem Ritterballet“ gespielt, wovon einige der Melodien aus dem deutschen Liedgut stammten und der Zuhörerschaft durchaus bekannt zu sein schienen. Darauf folgte das Konzert für Violine, Cello und Klavier in C Dur, op. 56, mit den Solisten Wolfgang Schroeder, dem deutschen Konzertmeister, dem Ersten Cellisten, einem Bulgaren, Petros Gospodinov, und der japanischen Pianistin Naoko Kariya. Das melodiöse Concerto, welches mit einem Thema abwechslungsweise bei einem Instrument beginnt, was anschließend von den andern beiden Solisten und vom Orchester aufgenommen wird, geht von Anfang bis zum Ende harmonisch durch. Die Unterstützung und Präzision des Orchesters war wirklich hervorragend und die Solisten erstklassig. Der geschmeidige Ton der Violine ergänzte das runde Volumen des Cello mit seinem sinnlich singenden Ton, begleitet von einem klaren Anschlag, teilweise weich gespielt im 2. Satz und mit dennoch faszinierend fester Tongebung und geradezu perlender Abfolge.

Den Schluss des Abends bildete die 7. Symphonie in A Dur, op. 92 von Beethoven. Der mir vorliegende Konzertführer schildert, dass diese Symphonie seit Wagner als „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet wird. Nach einer großangelegten und kontrastreichen Einleitung ereignet sich, was der Beethoven-Biograph Walter Riezler den „Sieg der Sinfonie über die Alleinherrschaft des Rhythmus“ genannt hat. Nach einem fahlen a-moll-Akkord setzt nämlich ganz geheimnisvoll in den Bässen das Allegretto ein. Der Satz steigert sich zum strahlenden Glanz des vollen Orchesterkörpers zu eindringlicher Größe und endet im letzten Satz mit überschäumender Lebenskraft.

Das zyprische Symphonie Orchester hat sein Bestes gegeben und einen harmonisch sonoren Klang entwickelt, mit dem es verstand, uns Besucher freudig und recht beschwingt in eine bereits kühle Nacht zu entlassen.

 

Das Ciné Studio der Universität on Nikosia (früher Intercollege) zeigt stets experimentelle Filme oder solche, die ansonsten in den Kinos nicht auftauchen. Der Ort ist auch bei den Kulturinstituten vorort beliebt, die gerne Filme zeigen, die scheinbar bei Enthusiasten einer gewissen Kunstrichtung Anklang und ein gutes Echo haben. So geschehen auch kürzlich, als das Goethe Institut in seinen Räumen Workshops über die Arbeit von Pina Bausch veranstaltete und als Krönung im Ciné Studio den von Wim Wenders produzierten Hommage Film zeigte. Der nicht gerade kleine Saal war gefüllt von Menschen aller Altersklassen und jeglicher sozialer Schicht. Wim Wenders begann mit den Dreharbeiten noch zu Lebzeiten Pina Bauschs; fertig gestellt wurde der Streifen aber erst nach ihrem Tod. Er hat in wunderbarer Weise ihren Schaffensdrang hervorgehoben und die Teamarbeit vom Tanztheater Wuppertal mit den bunt aus allen Kontinenten stammenden Künstlern, als intensiv arbeitende Künstlergemeinschaft, die alle vom Tanz beseelt sind, aufs Eindrücklichste gezeigt. Gefilmt wurde auch außerhalb des Theaters, teilweise in der Landschaft, im Wald oder mitten im Verkehr der Stadt. Ein, finde ich, überzeugendes Bild wurde geschaffen von dieser Choreographin, die mit der Bewegung des Körpers Musik umzusetzen verstand und wusste, wie mit subtilen Mitteln eine Szene, das Anliegen plastisch dargestellt werden kann auf der Bühne. Pina Bausch ist ein Genie der Choreographie gewesen. Ein Lehrstück für viele ist sie, die sich mit modernem Tanz beschäftigen. Sie sollten sich an ihr öfters ausrichten, finde ich.

Bob de Walt

 

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